BierTalk 50 – Interview mit Erik Berkenkamp, Biersommelier und Gästeführer aus Bamberg

Erik Berkenkamp ist in vielerlei Hinsicht ein Urgestein – einerseits lebt er schon seit mehr als 20 Jahren in Bamberg und bringt seine Wahlheimat den Gästen und Touristen auf höchst amüsante und spannende Art näher, andererseits ist er ein Mann der ersten Stunde in der Deutschen BierAkademie, wo er auch 2013 die Ausbildung zum Biersommelier absolvierte. Mit über 60 Jahren war das damals für den sympathischen Norddeutschen wie eine zweite Geburt – das Bier schenkte ihm nicht nur viele nachhaltige Begegnungen in der Weltkulturerbestadt, es führte ihn auch in aller Herren Länder. So reiste Erik mit Fahrrad und Rucksack nach Neuseeland, Australien und Kalifornien, wo er fast jede Brauerei persönlich aufsuchte. Es zog ihn auch bis ins ferne Taiwan, wo er dank des Bieres neue und alte Freunde gefunden hat. Im Podcast sprechen Erik, Markus und Holger über diese spannenden Erlebnisse und die Freuden eines mittlerweile 70jährigen, der vom Bier begeistert auszog, um die Welt vom Bier zu begeistern…

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Holger: Herzlich willkommen zum 50. BierTalk! Jetzt könnt ihr euch natürlich vorstellen, dazu haben wir uns einen ganz, ganz speziellen Gast eingeladen. Aber zunächst: Am Mikrofon wie immer der Holger und …

Markus: Markus.

Holger: Jawohl! Jetzt fragt ihr euch natürlich: Wer ist jetzt so ein Gast, wo man ein Jubiläum feiert? Ich kann nur sagen, Bamberk. Jetzt, wenn ihr ganz genau hingehört habt, dann habe ich halt nicht Bamberg gesagt, sondern Bamberk.

Erik Berkenkamp: Sondern du hast gesagt, Bamberk.

Holger: Genau!

Erik Berkenkamp: Mit einem harten G, wie die Franken sagen. Zweimal weiches B, aber einmal hartes K: Bamberk. Erik Berkenkamp. Genau!

Holger: So ist es. Erik, du kannst direkt weitermachen und dich einfach mal vorstellen und was zu dir sagen. Wer öfter in Bamberg schon mal gewesen ist, der kennt dich vielleicht sogar vom Straßenbild.

Erik Berkenkamp: Das ist richtig. Man kennt mich sehr gut an sich vom Straßenbild, weil das bringt mein Beruf mit sich. Ich bin Gästeführer in Bamberg. Früher hieß das ja mal Stadtführer, ich bin Gästeführer in Bamberg. Und das bin ich seit 20 Jahren, also seit 2000 ungefähr bin ich hier. Wie ich jetzt bin als Gästeführer, also dass man mich wirklich so erkennt auch als Markenzeichen mit meinem schwarzen Hut mit dem roten Band und mit meiner Lederhose und mit meinen roten Strümpfen, man erkennt mich als Markenzeichen. Und das hat sich so entwickelt. Wenn ich rede mit Bambergern, dann sagen die immer: Aber Bamberger sind sie nicht. Und anfangs war ich immer so ein bisschen, na ja, also es hat mich schon getroffen irgendwie. Und mittlerweile sage ich, mein Pass ist europäisch, mein Wohnort, der in dem Pass steht, ist Bamberg, und mein Geburtsort, der in dem Pass steht, ist Norddeutschland, ist Bremen. Ich kann auch ein bisschen Platt reden (Plattdeutsch), aber wenn jetzt so richtig Plattdeutsche hier sind, die hören sofort, dass das nicht so meine richtige Muttersprache ist. Aber ich komme aus Bremen, Verden an der Aller genau, und bin seit 30 Jahren, über 30 Jahren hier.

Holger: Du bist ja nicht nur Gästeführer, sondern du bist auch Biersommelier und in dem Zusammenhang eben auch für uns, für die Deutsche Bierakademie tätig. Und du bist auch Erzähler. Erzähl doch mal, was du erzählst.

Erik Berkenkamp: Erst mal Bamberg ohne Jahreszahlen. Also man fühlt sich nicht belehrt, sondern findet die Geschichten aus Bamberg. Was ich in Bamberg erzähle, sind die Sagen und die Legenden, aber auch die Stadtgeschichten irgendwie. Und Leute, die nach Bamberg kommen, die wollen die Stadt kennenlernen. Und die Stadt, das sind die Leute. Das sind nicht unbedingt die Geschichtsdaten. Es ist immer so, wenn man was kennenlernen will, man will die Geschichte dahinter, das Narrativ, sagt man heute. Man fragt mich mehr, was meint der, sondern was ist seine Erzählung? Und meine Erzählung ist Bamberg. Und wenn man eben vor dem alten Rathaus steht und die Leute immer ihre Frage stellen, warum steht denn das auf dem Wasser, dann kommt die Erzählung. Dass da auf der einen Seite die Bürger wohnten, auf der anderen Seite die Bürger wohnten, und die wollten gemeinsam ein Rathaus bauen. Na ja, und die einen sagen hier, die anderen sagen da, und dann hat man sich, wie das in Bamberg immer so ist, geeinigt mit einem Kompromiss und das genau in die Mitte gebaut, da, wo gerade Wasser war zufällig. Also haben wir es ins Wasser gebaut.

Holger: Markus, du bist ja richtiger Bamberger, gebürtiger Bamberger. In Hamburg kenne ich das, da gibt es dann das Thema geboren und gebürtig, das finde ich ein bisschen affig. Gebürtig ist man, wenn schon mehrere Generationen vorher auch schon geboren waren. Also da bilden sich die Hamburger etwas darauf ein. Aber kann man das in Bamberg auch, sich darauf was einbilden? Bist du geboren oder gebürtig?

Markus: Ich bin nur geboren, mein Vater war Flüchtling oder Flüchtlingskind, genauer gesagt, und meine Mutter kam irgendwie aus dem Südbayerischen letzten Endes. Und sie haben sich dann hier in Bamberg eben dann getroffen, dementsprechend habe ich auch so eine halbe schlesische Hälfte sozusagen. Also man merkt das schon in der Stadt, also jetzt nicht so, dass man jetzt irgendwie gedisst wird, aber die, die hier lang ansässig sind, das sind halt die, denen alles gehört. Also da gibt’s halt Familien, die haben 20, 30 Häuser, die alten Metzgers-Familien, die alten Bäckers-Familien, die alten Brauer natürlich. Also da ist es schon so, dass der Kern der Stadt schon in der Hand von den ganz traditionellen Alteingesessenen ist. Wobei wir den großen Vorteil haben, dass Bamberg halt schon relativ lange relativ groß ist. Das heißt, es verteilt sich ein bisschen. Also da gibt’s Städte, wo das viel extremer ist, die erst in den letzten 50 Jahren extrem gewachsen sind, so wie Erlangen zum Beispiel oder Bayreuth oder so. Da ist das noch viel schlimmer. Also insofern ist das eigentlich ganz gut, aber es ist in der Tat so, dass man nicht sofort der Einheimische ist. Bei mir kommt noch dazu, dass ich jetzt auch nicht so diesen extremen fränkischen Dialekt habe und deswegen auch viele Leute mich jetzt erst mal gar nicht so als Einheimischen sehen. Das dauert dann immer ein bisschen. Wenn man sich dann unterhält, kommt‘s schon, aber in der Tat, ist gar nicht so einfach. Und ich kann mir vorstellen, dass der Erik da auch einiges erzählen kann von seinen ersten Tagen in Bamberg. Da werden die ihn auch so als exotische Sprotte angeschaut haben.

Holger: Aber Stopp, Stopp, Stopp, Stopp, Erik! Zunächst machen wir das erste Bierchen auf. Das darfst du gerne tun und uns dann erzählen, was es ist, und kannst die Frage von Markus noch beantworten.

Erik Berkenkamp: Das erste Bierchen, das mache ich jetzt auf. Das ist in einer 0,3-Liter-Flasche und das ist eins aus der Region, aus der auch alle meine Biere sind, wenn ich Bierseminare oder Bierkulinarien oder Bierführungen mache, wo Bier getrunken wird. Also es kommt aus Franken. Kennengelernt habe ich es, als ich mal durch Coburg ging. Das war schon vor 15 Jahren, da stand vor einem Laden so ein kleines Schild und da stand: Hier gibt es ein Rauchbier. So stand das da. Ein rauchiges Bier. Und dann dachte ich: In Coburg gibt’s doch überhaupt keine Brauereien, bin da reingegangen, das war so ein Souvenirladen. Und dann gab‘s ein Bier aus Hallerndorf. Und das hatte im Namen auch Rauch, das hieß Smoky. Und weil man immer noch einen Namen dazu braucht: Smoky George. Ich kann euch sagen, was das ist. Das ist nichts für Leute, die Whisky für eine Hunderasse halten. So steht‘s denn auch auf dem Etikett drauf. Und dann habe ich mir das Bier gekauft und ich fand das einfach toll. Das war in der Zeit, als ich schon Bierführungen und so gemacht habe. Und das habe ich mir jetzt eingeschenkt. Gut, dass ihr das nicht gesehen habt, denn, wenn ich einschenke, dann ist es mir schon passiert, dass die Gattin eines Brauers mir das Glas und die Flasche aus der Hand genommen hat und gesagt: Ich zeig dir mal, wie man ein Bier richtig einschenkt. Weil ich bin da immer noch so verspielt und ich möchte auch the head, ich möchte auch den Kopf sehen des Bieres, also den Schaum. Und ich möchte es auch hören können und höre es jetzt. Und das prickelt richtig gut. Ich genieße es einfach auch, gut und vielen Schaum zu sehen. Und jetzt rieche ich mal dran: Ah! Whisky ist keine Hunderasse. Das stimmt. Aber es ist schon so ein Geruch von Whisky auch dabei. Also ihr kennt das Bier, ne? Smoky George von Rittmayer in Hallerndorf.

Holger: Das kennen wir. Ja.

Markus: Absolut! Ein sehr, sehr feines Bierchen, das auch wirklich eine ganz illustre Geschichte hat. Weil der Georg Rittmayer ja im Whisky-Club ist und dadurch natürlich auch viel unterwegs war in Schottland und dann irgendwie auf die Idee gekommen ist, eigentlich müsste man doch mit diesem Torf, Malz auch ein Bier brauen können. Und da ist dann der Smoky George entstanden, erst als Bockbier, später wieder ein bisschen leichter, jetzt wieder ein bisschen stärker. Erst in der Halbliter-Flasche, dann in der 0,3er-Flasche. Also auch da einige Geschichten. Und am spannendsten war es, als er dann mal von Laphroaig zwei oder drei große Fässer geschenkt bekommen hat, also frisch gelehrte Whiskyfässer, und hat dann in diesen Fässern eben einen Smoky George Doppelbock hineingetan und dann auch gelagert. Und das gab‘s dann, ein, zwei Jahre später hat er es dann raus und das war Wahnsinn. Das ist noch mal intensiver als alles, was man so aus Bamberg normalerweise kennt. Also Schlenkerla ist da eigentlich Kindergarten dagegen. Wer echtes Rauchbier-Aroma im Maximalfall erleben möchte, der muss genau dieses Bier trinken.

Erik Berkenkamp: Und das schmeckt also richtig fantastisch. Für mich war das, als ich dann diese Flasche da in Coburg gekauft hatte und in Bamberg getrunken habe, für mich war das so eine Offenbarung. Ich erzähle nachher im Laufe des Interviews noch eine andere Offenbarung, die ich auch mit einem Bier hatte. Aber für mich war das wie, da öffnet sich eine Tür zu einer neuen Welt. Und ich bin offen für neue Welten und war total begeistert von dem Bier. Das bringt mich so ein bisschen auch so zu diesem ganzen Thema mit Bier, Bierseminaren, Biertouren und so etwas. Das ist das Spannende und das Interessante, darüber was Neues kennen zu lernen, aber auch über Biere zu reden. Und auch festzustellen, wie unterschiedlich die Einstellungen zum Teil auch sind.

Markus: Auf jeden Fall! Aber apropos Einstellungen, jetzt bist du mir immer noch die Antwort schuldig auf meine Frage von vorhin.

Erik Berkenkamp: Ach so!

Markus: Ich stelle mir gerade so vor, der Erik kommt nach Bamberg, also du wirst irgendwie entweder ausgeladen aus einem Bus, aus einem Zug, oder du steigst aus dem Auto aus und bist dann hier, um dein zukünftiges Leben vielleicht hier zu verbringen, je nachdem. Aber wie war denn die Situation? Also warum bist du überhaupt gekommen und wie haben die dich aufgenommen? Und wann hast du dann dein erstes Bamberger Bier getrunken?

Erik Berkenkamp: Ich bin nach Süddeutschland gekommen, weil ich eine Ausbildung gemacht habe im Rundfunkbereich, und das war in Nürnberg. Und die Nürnberger haben mir gesagt, du musst auch Bamberg kennenlernen und Coburg und Kronach. Und in Bamberg habe ich mich verliebt und da bin ich hiergeblieben. Und habe eine Zeit lang beim Rundfunk gearbeitet und habe auch, was weiß ich, den Ort der Woche vorgestellt. Das war jeweils ein Ort, ich kenne alle Orte aus dem Bamberger Land, und da bin ich voll anerkannt worden. Warum? Ich war der Vertreter vom Rundfunk. Dann habe ich meinen Job beim Rundfunk aufgegeben und habe Deutsch unterrichtet für Aussiedler. Und da war ich auch immer anerkannt, weil Deutsch kann ich halt gut unterrichten und das war überhaupt keine Schwierigkeit. Die Schwierigkeit fing erst an, als ich Gästeführer wurde. Markus, du hast vorhin gesagt, die Bamberger besitzen viel. Und eins hast du vergessen zu erwähnen, die Bamberger besitzen auch die Deutungshoheit darüber, was Bambergerisch ist. Und wenn ich als Gästeführer vorm Dom stehe und dann bleibt schon manchmal ein Bamberger, eine Bambergerin stehen, schaut, und ich kann an dem Gesichtsausdruck schon sehen, dass es ihr nicht gefällt. Ein klassisches Beispiel ist: Ich stehe mit einer Kollegin im Schlenkerla und wir unterhalten uns mit einem Bamberger, da kommt dann im Lauf des Gesprächs raus, dass ich Gästeführer bin. Und das erste, was der sagt, ich kann es leider nicht auf Fränkisch sagen: Das ist ja was. Da kommen jetzt sogar schon die Chinesen hierher. Das hat mich anfangs wirklich richtig getroffen, wenn Leute gesagt haben, aber du bist kein Bamberger. Das hat lange, lange, lange Zeit gedauert, bis ich damit fertig geworden bin. Das ist so eine Urbamberger-Befindlichkeit, wir sind die Bamberger. Und erst, als ich dann so langsam gemerkt habe, dass ich von Bambergern gebucht werde, deren Verwandten durch die Stadt zu führen, wenn die Besuch haben, da habe ich gemerkt, jetzt hat es sich so ein bisschen geändert.

Holger: Ich kann nur sagen, es ist ein unglaubliches Erlebnis, mit dir Bamberg kennen zu lernen. Und wenn man das dann noch in Verbindung mit Bier macht, dann ist das einfach großartig. Bier ist ein gutes Stichwort, Markus. Was hast du dir denn für heute überlegt?

Markus: Ich habe mir natürlich auch ein besonderes Bier ausgedacht. Und ich muss zu meiner Schande gestehen, ich hab‘s schon aufgemacht. Aber ich musste es auch schon aufmachen, weil es ein besonderes Bier ist, wie gesagt. Und zwar habe ich von BrewDog Winterbox bestellt. Und in dieser Winterbox war auch ein Glühbier drin, das die in Berlin eingebraut haben. Das nennt sich Glühgut. Und das muss man vorher aufmachen, weil man es eben warmmachen muss.

Holger: Hm!

Markus: Ich habe mir eben gedacht, jetzt so zum ausgehenden Weihnachtsdings, also wir haben jetzt kurz nach Drei König, das heißt, so nach und nach ist die Weihnachtszeit rum, wollte ich einfach noch mal ein Glüh-Was-weiß-ich haben. Glühwein ist schwierig heutzutage, normalerweise mache ich ja immer Feuerzangenbowle an Weihnachten, ging ja auch nicht so richtig dieses Jahr, weil das ohne Freunde keinen wirklichen Spaß macht. Und deswegen habe ich mir jetzt dieses Glühgut heißgemacht. Also insofern kriegt ihr jetzt diesmal kein Öffnungsgeräusch, es war zumindest in einer Dose und hat eben 5,2 %. Und wenn man das Ganze anschaut, es ist also, wie sich’s gehört, so ein Rotbraun, Trübe natürlich, der Schaum obendrauf ist auch ein bisschen rötlich verfärbt. Es dampft ein bisschen. Aber es ist mittlerweile kalt genug, damit ich es probieren kann. Mache ich jetzt mal. Es ist sehr fein, man hat am Anfang so ein bisschen Citrus, Orange, dann kommt so Holundersaft, der ist auch da drin. Interessanterweise ganz wenig Süß. Ich hätte es jetzt eigentlich gedacht, dass es sehr viel süßer ist, aber fast keine Zucker oder süßen Aromen. Hintenraus kommt dann noch so ein bisschen gewürzige, nelkige, zimtige Aromatik. Dann kommt nochmal so ein Hauch von Karamell. Also ganz spannend. Kann man schön trinken. Die 5 % merkt man gar nicht. Und ist auf jeden Fall ein schöner erwärmender Abschluss für diesen Winter, sodass ich jetzt auch innerlich mich langsam wieder auf Frühjahr einstellen kann. Das war so ein bisschen mein Gedanke bei der ganzen Geschichte.

Holger: Jetzt hast du ja vorhin von neuen Welten gesprochen.

Erik Berkenkamp: Ja.

Holger: Ich weiß, dass du auch immer neue Welten entdeckst, also neue Bierwelten oder andere, sondern wirklich auch viel reist und verschiedene Erdteile bereist, in Ländern bist, dich da mit den Kulturen beschäftigst und auch mit den Bieren. Und erzähl doch mal so dein tollstes Biererlebnis, was du jetzt so in der letzten Zeit bei deinen Reisen erlebt hast.

Erik Berkenkamp: Das tollste Biererlebnis, das ist ziemlich schwierig zu beschreiben, weil die ganze Reise ist toll. Also wenn ich nach Neuseeland fahre, wo ich zweimal war, oder Australien, wo ich jetzt zweimal war, oder auch Taiwan, wo ich mittlerweile auch zweimal war, dann fahre ich an sich immer dahin, um die Brauereien kennen zu lernen. Das ist für mich das Erlebnis überhaupt, in eine Brauerei zu gehen. Nun gut, ich falle auf, weil auch im Urlaub trage ich eine Lederhose und ein fränkisches, kariertes Hemd. Da kommt man schnell ins Gespräch mit Leuten. Das ist für mich Biertrinken. In eine Kneipe gehen, in eine Brauerei gehen, und da gibt’s ja Massen-Brauereien, und dann mit den Leuten ins Gespräch kommen. Vielleicht war für mich das allerallergrößte Erlebnis, also wenn es um ein großes Erlebnis rund um Bier geht, dass ich, als ich in Taiwan war, mein taiwanesischer Freunde Richard hat mich zu einer der größten Brauerei in Taipeh gebracht und hat so lange mit dem Pförtner gesprochen, bis dann telefonisch weitergeleitet wurde und dann am nächsten Tag der Leiter der Brauerei kam und mich eine Stunde durch die ganze Brauerei geführt hat. Und das ist für mich so dieses Erlebnis irgendwie, dass Bier etwas Verbindendes ist.

Holger: Das stimmt! Also Bier ist auf jeden Fall was richtig schön Verbindendes und Bier hat so einen Get-Together-Charakter.

Erik Berkenkamp: Ja. Da fällt mir noch ein anderes Erlebnis ein, in Davis in Kalifornien. Ich habe in Davis studiert in Kalifornien, und bin Jahre, Jahre später, das ist jetzt auch so sieben, acht Jahre zurück, hingefahren, und da gibt’s mittlerweile auch eine kleine Brauerei mit den Braumaschinen von Kaspar Schulz aus Bamberg. Die stehen dann drinnen in dem Tap Room und da bin ich dann hingegangen und dann kam eben auch der Hauptbrauer an und wir haben uns unterhalten. Und das schönste Erlebnis, das war dann allerdings, wenn wir dann in den Keller gegangen sind und dieses ganz spezielle Fass, da so ein Nagel rausgezogen wird und dann das Bier rauskam. Das war irgendein Double, ich weiß nicht mehr, was es war, aber ein richtig lange gelagertes, faszinierendes Bier, das extrem gut schmeckte natürlich und eine ganz tolle Geschichte hatte, eben Barrel Aged und alles Mögliche. Das sind die schönen Erlebnisse bei diesen Bierreisen, bei den Auslandsreisen.

Holger: Du hast ja vorhin gesagt, du wolltest uns noch eine Geschichte erzählen zu einem besonderen Erlebnis mit einem Bier. Und das kannst du doch jetzt direkt danach machen.

Erik Berkenkamp: Mhm (bejahend). Zu diesen Sachen, dass ich jetzt hier für die Bierakademie Bierkennertouren mache, durch Bamberg laufe und wir dann neun verschiedene Biere trinken, oder dass ich dann auch mit Leuten zusammen sitze und wir gemeinsam Biere kennenlernen und sowas, zu dieser ganzen Sache bin ich ja durch dich, Markus, gekommen, als du mich mal als Gästeführer erlebt hast und gesagt hast, Mensch, hast du nicht Lust, auch für uns zu arbeiten?

Markus: Mhm (bejahend).

Erik Berkenkamp: Und dann habe ich gedacht erst mal, hm, hm, hm. Ich bin nicht derjenige, der dieses große Fachvokabular über Bier draufhat und so, aber ich war sofort begeistert von der Idee. Ich bin dann auch in diese Biersommelier-Ausbildung gegangen, die damals in Bamberg stattfand. Und am ersten Abend, das weiß ich noch, wir gehen alle, nachdem wir den ganzen Tag auf Schreibtischstühlen gesessen hatten, wir gehen abends in ein Gasthaus, und einer der Dozenten macht sein Köfferchen auf, holt Bier raus und schenkte mir eben auch ein Bier ein. Und es war wie eine neue Welt. Das hat so gut geschmeckt, das hat so toll geschmeckt, das hat so überhaupt nicht nach dem geschmeckt, was Bier ist. Das war einfach fantastisch. Das war ein IPA. Ich kannte davor ja noch nie IPAs und habe da zum ersten Mal in meinem Leben IPA bekommen. Und da habe ich gemerkt, das ist genau der richtige Weg, den ich eingeschlagen bin.

Holger: Ich verdurste ja fast.

Markus: Ich wollte grad sagen, Holger, darauf müsstest du doch eigentlich jetzt dein Bier aufmachen.

Holger: Genau! Und ich schenke es mal ein. Hört ihr das?

Markus: Ja.

Erik Berkenkamp: Mhm (bejahend).

Holger: Sehr gut! Was habe ich mir jetzt überlegt? Ich habe halt gedacht, also in jedem Fall, es muss natürlich ein Bamberger Bier sein. Das war irgendwie ganz selbstverständlich. Na ja, und dann ist man ja dann irgendwo ganz schnell auch bei der Thematik, also es muss was ganz Typisches sein. Und wenn man jetzt sagt, also es muss ein typisches Bamberger Bier sein, dann ist es ja ein Rauchbier. Und wenn man jetzt dann noch mehr ins Spezielle geht, dann ist es eigentlich ein Schlenkerla. Und jetzt habe ich so ein historisches Bier mir ausgesucht und trotzdem ein ganz modernes Bier. Und zwar das Schlenkerla Rauchbier Hansla. Das ist ein alkoholarmes Bier. Also wann ist ein Bier alkoholarm? Wenn es weniger als 1,2 % Alkohol hat. Also als alkoholfrei darf man es bezeichnen, wenn es weniger als 0,5 % Alkohol hat. Aber das ist jetzt hier ein alkoholarmes Bier. Ich trinke da mal einen Schluck.

Erik Berkenkamp: Und ich stelle zwischendurch, während du trinkst, die Frage: Ist es ein Hansla oder ist das ein Heinzla?

Holger: Es gibt noch das Heinzlein, aber das Heinzlein ist ohne Rauch.

Erik Berkenkamp: Okay!

Holger: Na ja, also da lässt sich auch darüber streiten. Wenn ein Bier in der Schlenkerla Brauerei gebraut wird, dann glaube ich gibt’s so viele Hefen, die da sitzen, und zwar schon seit Jahrhunderten, dass es immer schwierig ist, dann wirklich zu sagen, da ist gar kein Rauch mehr zu schmecken. Aber das Hansla ist ein ganz normales Rauchbier mit einem Rauchbier-Charakter, so wie er sein muss. Es ist so ein bisschen hopfiger, also es ist mit mehr Hopfen gebraut. Es ist aber eben alkoholarm. Hat aber alles, was ein Rauchbier, so wie ich es gerne habe, auch haben muss. Der Hintergrund ist einfach, dass eben früher, als das Wasser eben nicht überall in der Qualität zur Verfügung stand, wie wir es heute kennen, haben die Leute ja als Alltagsgetränk einfach Bier getrunken. So hat man eben dann auch alkoholarme Biere gebraut, eben mit weniger Rohstoffen. Und das waren dann die Biere so zum Durststillen, die Alltagsbiere. Wir würden heute sagen, ein Schankbier. Dann gibt’s ja eben die Vollbiere, und da drunter kommen ja eben die Schankbiere und dann die Leichtbiere. Vom Geschmack her und so ist es ein Rauchbier, was mit so einem Schankbier vergleichbar ist. Es ist trocken, das hat nicht so einen schönen Malzcharakter, wie man das jetzt von einem Schlenkerla Märzen oder auch von den Bockbieren kennt, sondern es ist ein bisschen schlanker. Hat auch eine Malznote, natürlich, aber dadurch, dass es eben so schlank ist, regt‘s auch an, eben den Durst zu löschen. Und deshalb trinke ich da jetzt direkt noch mal einen zweiten Schluck.

Markus: Prost!

Erik Berkenkamp: Ja, Prost! Ich trinke auch noch.

Markus: Es hat ja, glaube ich, 35 Bittereinheiten, also mehr als die meisten Pilsbiere in Deutschland.

Holger: Ja, genauso ist es. Aber es wird auch wirklich in einem speziellen Sudverfahren gebraut und da kommt auch extra viel Hopfen rein. Und das Tolle an dem Bier, also wenn man jetzt so richtig auf die Gesundheit auch geht, nicht nur, dass es alkoholarm ist, sondern es hat natürlich auch weniger Kalorien, also es hat nur 13 Kalorien je 100 Milliliter. Also kann man sagen, 65 Kalorien je Seidla. Und Seidla ist ja ein fränkischer Begriff für ein Bier in der Größe 0,5.

Erik Berkenkamp: Das ist jetzt sehr interessant, wie du darüber sprichst. Weil, wenn man normalerweise jetzt mit Bambergern oder im Internet auf Facebook oder sowas über dieses Bier spricht, dann sind diese Reaktionen sehr vielfältig, um es mal ganz neutral zu sagen. Also da ist ein ganz, ganz breites Meinungsspektrum. Und das merke ich auch bei meinen Veranstaltungen bei allen. Nicht so sehr bei den Veranstaltungen, die wir machen, denn da kommen ja Leute hin, die wirklich an Bier richtig interessiert sind. Aber wenn es denn manchmal mit Leuten zusammenkommt, die nicht so richtig an Bier interessiert sind oder schon festgefahren sind, da wird dann oft sehr emotional und sowas auch reagiert. Und das ist so das, was mich auch fasziniert an diesem Job mit Bierkennertouren und sowas, dass man in Gespräche kommt, die nicht nur sich auf das Bier beziehen, also Alkoholgehalt, IBUs und all so etwas, sondern auch über Erfahrungen.

Holger: Markus, du hast doch auch viel Erfahrungen. Wie reagieren die Leute aufs Hansla? Was sagst du denn überhaupt auch zum Bier?

Markus: Ich muss sagen, mich hat das damals sehr begeistert, als der Matthias Trum mir das zum ersten Mal gegeben hat. Das war damals noch im Schlenkerla so undercover, da hatte er es gerade entwickelt. Die Story hat er bei uns in einem BierTalk schon mal erzählt. Also liebe Hörer, gerne mal nachhören. Und das war eben dann, wie gesagt, so eine unetikettierte Flasche. Da ist er dann hergekommen, hat gemeint, probiere mal, was sagst du denn dazu und so? Und ich muss sagen, ich war eigentlich ziemlich gleich begeistert, weil ich eigentlich genau das hatte, was ich mir immer gewünscht habe, nämlich ein schönes, erfrischendes Getränk, was im Grunde ein Bier ist und ein Rauchbier ist, was ich aber auch zum Beispiel mittags trinken kann, wenn ich einfach nur zur Mittagspause vorbeikomme oder zum Mittagessen oder so, wo ich auch zwei oder drei davon trinken kann und wo ich danach aber eben nicht die Begleiterscheinungen habe wie, wenn ich normales Schlenkerla Märzen trinken würde. Und das finde ich dafür allein schon mal super. Also für mich persönlich einfach so ein Ersatzgetränk, wo ich sage, ich habe nahezu die gleiche Qualität vom Genuss her, aber habe eben das weniger an Alkohol. Und was die Leute angeht, ist es, wie der Erik sagt, das ist relativ zwiegespalten. Erstaunlich viele Leute finden es gut. Rauchbier polarisiert ja an sich schon mal. Und wenn man dann eben dann noch sowas Spezielles hat, habe ich eigentlich erwartet, dass das sehr schwierig wird. Aber ganz im Gegenteil, auch als der Matthias dann die erste Charge wirklich ausgeschenkt hat, haben die Leute ihm das Bier quasi aus den Händen gerissen. Also die konnten gar nicht schnell genug nachbrauen. Und das muss man einfach sagen, das ist echt toll. Und das ist was, was mir eigentlich auch an Bamberg ganz gut gefällt, weil die Leute, obwohl sie ein gehöriges Bier-Selbstbewusstsein haben, das weit über das Ziel hinausschießt oft, sind sie aber trotzdem offen genug, um andere Sachen zu probieren und immer mal wieder zu schauen. Und sei es jetzt eben so ein Hansla, aber eben auch zum Beispiel ein IPA oder so. Da habe ich in anderen Landstrichen das schon anders erlebt, dass da sehr viel mehr Verschlossenheit ist. Das ist eigentlich wirklich schön, was auch für uns als Bierakademie die Sache ganz spannend macht, weil wir eben ein ordentliches Bier-Selbstbewusstsein haben und auch tolle Biere in der Region, hohe Qualität, große Vielfalt, aber durch diese Offenheit eben auch den Rest der Welt mit integrieren können und da eben auch verschiedenste Bierstile testen und ausprobieren und zeigen. So muss ich sagen, macht das richtig Spaß. Und das Hansla ist für mich wirklich so eine Sortimentserweiterung, auf die ich lange gewartet habe, ohne es zu wissen, und die mich jetzt, wo ich es weiß, auch sehr freut.

Erik Berkenkamp: Wenn wir im Gasthaus sitzen und dann zehn, zwölf Leute um den Tisch herum sitzen, beginne ich oft mit einem Heinzlein. Also das ist ja auch dieses alkoholarme Bier, auch vom Schlenkerla. (unv. #00:23:38.9#) ein bisschen drüber und die Reaktionen bisher immer super. Also die Leute mochten es.

Holger: Unbedingt! Und ich mag‘s auch. Es gibt ja das Heinzlein in zwei Versionen, einmal hell und einmal dunkel. Mir schmeckt das dunkle noch ein bisschen besser. Was ich auch ganz spannend finde, ist, es ist ja auch ein ganz anderes Erscheinungsbild von außen, also die Etiketten sind ganz anders. Das Hansla, also das ich jetzt hier habe, das ist ja analog den normalen Etiketten, die man so vom Schlenkerla-Bier auch kennt. Aber beim Heinzlein werden jetzt eben neue Wege beschritten und nicht nur in der Art und Weise, wie man sich positioniert am Markt, sondern ergänzend dazu eben auch mit neuen Etiketten und einem ganz neuen Erscheinungsbild. Viel moderner, was mir auch wirklich unglaublich gut gefällt.

Markus: Es ist ein bisschen so eine Reemanzipation. Wenn man sich überlegt, dass das Schlenkerla ja eigentlich eine Brauerei war, die ursprünglich mal „Zum blauen Löwen“ hieß und dann eben den Familiennamen Heller-Bräu getragen hat und dann aufgrund dieses persönlichen Missgeschicks des Inhabers dann zum Schlenkerla wurde, was ja eher so ein Schimpf- oder Spitzname für den Inhaber war, und eben der Matthias jetzt gesagt hat, okay, und jetzt machen wir mal Biere, die mit Rauch gar nichts zu tun haben, zumindest offiziell, nämlich diese beiden Heinzleins, und dafür nehme ich jetzt wieder den alten Familiennamen und das ist jetzt wieder die Heller-Bräu und wir gehen mal weg von diesem Namen, den wir die ganze Zeit so aufgedrückt bekommen haben. Und das finde ich auch ganz spannend. Also zu sagen, jetzt da noch mal die Schleife ein bisschen rückwärts zu drehen und die Brauerei wieder selber mehr ins Spiel zu bringen, gefällt mir auch ziemlich gut.

Holger: Und das habe ich auch vorhin gesagt, also zum einen ist es ein ganz traditionelles Bier, fast schon mittelalterliches Bier, und gleichzeitig ist es aber auch ganz modern. Weil das, was heute modern ist, ist eben eine Leichte, eine Frische, eine Aromatik, die eben natürlich dann über den Hopfen auch gespielt wird und so. Und dann eben auch dieses Alkoholarme, Alkoholfreie. Also wenn man sich die Zahlen im deutschen Biermarkt anschaut und auf die alkoholfreien Biere schaut, dann haben die zweistellige Zuwachsraten immer noch, auch jetzt in der schwierigen Situation. Da kann man sehen, wie modern dann eben so ein alter Bierstil eigentlich dann doch ist. Also stimmt genau, sehr spannend, was der Matthias da vorhat. Und ich glaube auch, da wird er Erfolg mit haben, weil ich denke, der Markt ist dafür reif.

Markus: Ich finde es auch ganz interessant, weil es so ein bisschen die Tür auch aufstößt für dieses Thema alkoholfrei und alkoholarm. Wo die meisten Leute ja im Land im Kopf haben, da kriege ich entweder ein alkoholfreies Weizen, das ist halt irgendwie süß, oder ich kriege so ein alkoholfreies Pils, das ist halt irgendwie süßbitter. Und mehr war den meisten Leuten, glaube ich, bisher so gar nicht bewusst. Und jetzt mittlerweile ist eben auch in Deutschland eine große Bandbreite angekommen, angefangen von jetzt zum Beispiel sowas wie diesem Hansla, wo ich plötzlich ein Rauchbier habe mit wenig Alkohol, über sowas wie ein alkoholfreies Stout, ein alkoholfreies IPA, bis hin zum alkoholfreien Kellerbier. Also es gibt eigentlich fast keinen Bierstil mehr, den es jetzt nicht auch in einer alkoholfreien Variante gibt. Und auch da toben sich die Brauer aus, zeigen, was sie können. Und das ist, glaube ich, auch noch mal was, was diesen Markt ein bisschen nach vorne treibt und auch hilft, und ich glaube auch für die Zukunft eine ganz wichtige Weichenstellung ist. Weil die Brauer, die das jetzt nicht machen, also die bewusst nach wie vor sagen, ich mach doch kein Alkoholfreies, die werden mittelfristig oder langfristig auf jeden Fall Probleme haben, in meinen Augen.

Holger: Wer den Markt verpennt, der hat immer Probleme. In dieser schwierigen Zeit als Gästeführer ohne Gäste, was bedeutet das für dich?

Erik Berkenkamp: Das kann man immer nur sehr individuell sagen. Ich hatte für November geplant, nach Bolivien zu fliegen, da kam ein Lockdown, also das war an sich nur Änderung der Pläne. Und Januar, Februar bin ich an sich meist eh immer in Neuseeland oder Australien, und jetzt bin ich halt hier. Gerade diese ganze Corona-Sache und sowas, das ist eine sehr, sehr individuelle Sache. Und da rede ich dann auch gar nicht so gerne darüber, weil ich kann für mich nur sagen, ich hab’s gut gelöst für mich, ich höre viel Audiodateien und so etwas. Und in Bezug aufs Bier, da bin ich immer noch dran. Also da gehe ich schon noch hier in die Bierothek unten in der Stadt oder dann auch in andere Geschäfte, die gute Biere haben, und da koste ich wohl weiterhin noch.

Holger: Du gehst ja oft dann auch zu Weyermann, hat man gehört.

Erik Berkenkamp: Ja, die kennen mich schon. Da kam schon die Frau, ach, Sie sind doch der, der immer und sowas. Die wusste schon immer, was ich ganz gerne mache. Ja, bei Weyermann bin ich auch. Weil das ist ja auch, wenn man durch die Welt fährt, also wenn du in Auckland in Neuseeland in einen Tap Room gehst, also in eine Braugaststätte gehst, und da ist dann ein Display von Weyermann, das Malzdisplay von Weyermann, dann fühlst du dich gleich zu Hause.

Holger: Ja, und das ist wirklich erstaunlich. Also egal, wo man auf der Welt ist, du kannst fast jede Brauerei betreten, irgendwo liegt halt ein Weyermann-Sack rum.

Erik Berkenkamp: Oder die hängen da sogar wie Trophäen von der Decke. Das war in Santa Cruz in Kalifornien, und eine Weißbierbrauerei, die hatten richtig die Säcke wie Trophäen oben von der Decke runterhängen.

Markus: Und lustigerweise ist das auch noch andersrum. Also wenn du dann hingehst und sagst, du kommst aus Bamberg und du kennst am Ende noch den Laden persönlich, dann ist das auch noch mal ein Gamechanger. Also du wirst dann erst recht eingeladen, die Brauerei zu besuchen, die Biere zu probieren. Und das ist dann auch oft wirklich witzig, dass man mal als Bamberger einen Vorteil hat, wenn man in der Welt unterwegs ist.

Erik Berkenkamp: Da fällt mir noch eins ein. Ich war in Neuseeland in Moturua in einer Stadt in der (unv. #00:28:49.6#) Street. Und dann kam es raus, dass ich aus Bamberg kam, und an dem Tag war grad eine Bierverkostung mit opulentem Essen und opulenten Bieren. Und die haben mich dazu eingeladen, also richtig eingeladen. Ich durfte dann auch über Weyermann und über Biere und Bamberg sprechen. Das ist kommunikativ.

Holger: Mensch, das ist doch super. Jetzt haben wir doch so schön über Bamberg gesprochen. Und ich weiß jetzt gar nicht, also es muss jemand anders einen Schlussakkord einleiten. Ich kann es gar nicht machen. Also ich bin hier glücklich mit meinem Hansla und könnte ewig so weiterreden, aber wir sind ja zeitlich begrenzt.

Markus: Das stimmt wohl. Ja. Aber ich denke mal, es ist den Hörern klargeworden, wie viel Spaß es einfach macht, sich mit dem Erik zu unterhalten. Und er ist einfach für mich die perfekte Kombination. Also er ist jemand, der den Blick von außen hat und von innen hat. Er ist jemand, der die ganze Stadt in- und auswendig kennt, und zwar schon kannte, bevor es rund um das Thema Bier ging, und sie dann eben noch mal kennengelernt hat mit dem Thema Bier. Und deswegen ist er einfach der Mann, mit dem man sich treffen muss, wenn man Bamberg wirklich kennenlernen möchte, auch von der bierigen Seite. Und insofern kann man da nur allen Hörern empfehlen, das ist gar kein Werbeblock, das ist einfach eine Tatsache: Wenn ihr nach Bamberg kommt und das erleben möchtet, dann müsst ihr den Erik kontaktieren. Wir haben das auch in den Shownotes verlinkt. Und danken dir natürlich, dass du uns heute begleitet hast und ein bisschen erzählt hast, ein bisschen hast eintauchen lassen in deine Welt. Und freuen uns natürlich auf noch viele, viele schöne Zeiten und Touren und Erlebnisse mit dir gemeinsam als Bierakademie.

Holger: Und zusätzlich ist der Erik auch noch ein ganz, ganz toller Mensch. Also das muss man auch noch mal sagen. Das ist so ein richtiger Erzähler. Ich fühle mich da immer so ein bisschen auch zurückgesetzt in die Kindheit, wenn eben jemand eine Geschichte vorgelesen hat oder eine Geschichte erzählt hat und so. Da hört man gerne zu, da klebt man an den Lippen und es wird nicht langweilig und die Zeit ist kurzweilig. Und das ist was Besonderes, also unbedingt. Erik, jetzt hast du noch das letzte Wort.

Erik Berkenkamp: Ja, ich freue mich. Und als ihr vorhin gesagt habt, 50. Mal, da habe ich gedacht, es gibt noch ein zweites Jubiläum, ich habe vor kurzem meinen 70. Geburtstag gehabt. Also da auch doppelt. Danke, dass ihr mich eingeladen habt und dass ich die Möglichkeit habe, hier diese Bierkennertouren zu machen und sowas und diese Zusammenkünfte in den Gasthäusern. Es ist einfach toll, da hat sich also wirklich im hohen Alter irgendwie noch eine ganz tolle neue Welt erschlossen auch durch euch. Schön, dass ich hier auch jetzt dabei sein konnte.

Holger: Wir danken dir!

Markus: Ja, vielen Dank!

Holger: Auf Wiederschauen oder auf Wiederhören!

Markus: Auf Wiederhören!

Erik Berkenkamp: Auf Wiedertrinken!

Holger: Also tschüss!

Markus: Tschüss!

Erik Berkenkamp: Tschüss!

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk Spezial 18 – Interview mit Sebastian Pfister und Erik Mell von Schnieke Brauspezialitäten aus Berlin

Eigentlich kennt man Sebastian Pfister als Braumeister Berliner Straßenbräu und Erik Mell als Braumeister von Vagabund, ebenfalls aus Berlin, gemeinsam aber sind sie nochmal etwas ganz Besonderes, nämlich die Macher der Schnieke Brauspezialitätenmanufaktur, die 2020 ihre ersten beiden Bierspezialitäten mit den schönen Namen „Mumpitz“ und „Heiabubu“ präsentiert hat. Außerdem haben beide ausländische Wurzeln und sind eben so typische Vertreter der Berliner Brauszene. Das alles ist Grund genug, sie zu einem spannenden BierTalk rund um ihr neues Baby einzuladen und natürlich auch mal den ein oder anderen Mumpitz zu verkosten…

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

 

Holger: Herzlich willkommen zu unserem 18. Spezial-BierTalk. Heute sind wir wie immer bei den Spezials wieder mal international. Also Franken ist ja sowieso immer dabei, das wisst ihr ja, und das Ruhrgebiet ja auch irgendwie. Aber diesmal ist noch die Hauptstadt dabei, es ist Amerika dabei, es ist die Schweiz dabei, es ist Belgien dabei und es ist der Wahnsinn. Das lösen wir jetzt auch noch gleich auf. Am Mikrofon wie immer der Holger und der …

Markus: Markus.

Holger: Also grüßt euch! Als Gäste haben wir den Erik Mell und den Sebastian Pfister. Das Thema ist Schnieke Brauspezialitäten in Berlin. Grüßt euch! Schön, dass ihr Zeit gefunden habt.

Sebastian Pfister: Hallo Holger, hallo Markus, vielen Dank für die Einladung!

Holger: Nicht jeder kennt, glaube ich, Schnieke Brauspezialitäten, ist ja was Neues auch. Man kennt euch in anderen Zusammenhängen. Stellt euch doch einfach mal als Person kurz vor.

Sebastian Pfister: Dann fang ich mal an. Ich bin der Sebastian Pfister. Ich bin Braumeister bei Straßenbräu und Mitgründer von Schnieke mit Erik Mell. Ich bin gebürtiger Doppelbürger, Belgien und Schweiz, bin in der italienischen Schweiz aufgewachsen und bin 2013 nach Berlin gezogen. Wo ich jetzt immer noch lebe und glücklich für Straßenbräu braue.

Erik Mell: Ich bin der Erik Mell und komme ursprünglich aus Minnesota in den Vereinigten Staaten. Bin ich auch 2013 umgezogen, um Braumeister zu werden. Und habe ich mit Sebastian studiert hier in Berlin bei der TUB. Bin der Baumeister von Vagabund momentan und Mitgründer von Schnieke Brauspezialitäten.

Holger: Erik, weißt du, was total lustig ist? Ich weiß gar nicht, ob du das weißt. Aber in der Sioux-Sprache, da bedeutet Minnesota trübes Wasser.

Erik Mell: Boah! So wie Bier.

Holger: Und dann eben Brauer zu lernen, finde ich schon ziemlich witzig.

Sebastian Pfister: Sehr schön! Finde ich auch.

Holger: Erzählt uns doch mal ein bisschen was zur Schnieke Brauspezialität und was darf man erwarte, wodrauf dürfen wir uns freuen?

Sebastian Pfister: Also Schnieke haben wir dieses Jahr lanciert. Und wir machen ausschließlich holzfassgereifte Biere. Wir haben tatsächlich schon vor ein paar Jahren angefangen, weil solche Biere brauchen halt Zeit. Und daher konnten wir nun dieses Jahr die ersten Biere rausbringen, obwohl die ersten zwei Sude schon spät 2018 gebraut wurden. Und wir haben jetzt angefangen mit eben zwei Bieren, eins heißt Mumpitz. Das ist ein Sauerbier mit einer Himbeere aus dem Bourbon-Fass. Und Heiabubu, ein Belgium Imperial Stout, auch aus dem Bourbon-Fass.

Holger: Sehr gut! Und die vorbelegten Fässer kommen dann immer aus den USA oder wo kommen die her?

Sebastian Pfister: Also nicht immer generell, generell eben ist unser Thema Holzfassreifung. Das heißt wir mögen eigentlich alles, was aus Holzfässern kommt. Und jetzt haben wir zwei Bourbon-Fässer genommen, weil Bourbon-Fässer eignen sich halt richtig, richtig gut für Bier generell. Aber natürlich ist der Vielfalt auch keine Grenzen zu setzen. Da kann man auch ganz schön Rumfässer, Weinfässer, ein bisschen schwieriger. Aber da gibt’s sehr viele Arten von Fässer, die man benutzen kann und dann schön einbauen kann. Wir haben jetzt eigentlich mit Bourbon angefangen, aber das wird dann weitergehen, dass wir viele andere Sorten von Fässern mit (unv. #00:03:12.7#) und verschiedene Biersorten da drin machen werden.

Holger: Ihr kennt vielleicht Markus Eder. Wir haben den ja …

Sebastian Pfister: Ja.

Erik Mell: Ja.

Holger: … im 43. BierTalk gehabt.

Sebastian Pfister: Ja natürlich.

Erik Mell: Habe ich schon gehört.

Sebastian Pfister: Tatsächlich haben wir die zwei Bourbon-Fässer, die wir jetzt benutzt haben, über Wilhelm Eder bestellt. Die sind halt in Deutschland glaube ich schon die Nummer eins, was Fassanfertigung und Fassverkauf betrifft. Und die wissen auch, was sie machen. Und wenn man da ein Fass kauft, wissen die auch, dass das die beste Option ist in Deutschland für auch importierte Fässer, dass die gucken, dass die Fässer noch gut aussehen und direkt brauchbar sind. Also wir machen alles in Berlin tatsächlich, wir haben keine eigene Brauerei sozusagen. Wir mieten uns ein in der jeweiligen Brauerei, wo wir zurzeit arbeiten. Also Straßenbräu beziehungsweise Vagabund, die zwei Brauereien, da brauen wir. Also wir brauen eigentlich in den eigenen vier Wänden, wo wir schon normalerweise arbeiten, aber dann als Gypsy-Brauer sozusagen bei dem eigenen Arbeitgeber.

Holger: Ja Markus, das ist doch für dich auch neu, oder? Jetzt waren wir beide schon so lange nicht mehr in Berlin, weil wir irgendwie Corona-bedingt nicht wirklich so mobil sind wie sonst immer. Aber wusstest du das alles schon oder ist das auch neu für dich?

Markus: Dass die beiden das jetzt zusammen machen, das wusste ich noch nicht. Ich habe mit beiden ja vorher schon mal gesprochen wegen anderer Projekte, wegen meines Berlin-Buchs und so, und wusste daher, dass der Sebastian auch eine persönliche Affinität hat zu dem Thema Holzfass. Da kann er uns, glaube ich, gleich noch ein bisschen was dazu erzählen. Aber das ist natürlich jetzt eine ganz spannende Geschichte, dass zwei Leute, die sich wahrscheinlich normalerweise niemals im Leben über den Weg gelaufen wären, sich dann in Berlin treffen, gemeinsam Brauer werden und dann eben auch noch sagen, wir machen gemeinsam Projekte mit unseren Brauereien. Und dass die das dann auch alle mitmachen und das jetzt eben so einen schönen Weg nimmt, das finde ich ganz, ganz schön und ist für mich auch so ein Symbol einfach, dass es geht, wenn man will, wenn man zusammen auf gute Ideen kommt, wenn man kreativ ist und wenn man eben ein Umfeld hat, was das unterstützt und was offen ist und wo man sich dann eben auch ausleben kann. Und das finde ich ganz, ganz schön und auch spannend.

Holger: Sehr gut! Sebastian, wenn du erzählst, im Prinzip Schweizer, dann im Tessin an der italienischen Grenze. Und das ist ja das, was der Markus gerade so ein bisschen angedeutet hat, dann ist man ja näher dran, Winzer zu sein als Brauer, oder?

Sebastian Pfister: Ja, jetzt lustigerweise ist mein Vater tatsächlich Winzer und ich habe mein ganzes Leben, bevor ich ausgezogen bin, in der Weinerei verbracht und habe auch immer mitgeholfen. Ich habe sogar, glaube ich, mein erstes Holzfass als kleiner Bub mit 9 oder 10 ausgewaschen mit einem Hochdruckreiniger. Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt erzählen darf.

Erik Mell: Gibt’s Fotos davon?

Sebastian Pfister: Ich muss da mal fragen, ob es Fotos davon gibt. Da habe ich so ein 1000-Liter-Fass ausgewaschen. Ich als kleiner Bub passte durch das Mannloch, er als großer Mann natürlich nicht. Da hat er mich reingeschickt, hat natürlich geguckt, dass das alles sicher war. Und dann bin ich da rein und habe das dann gewaschen und dann haben wir das wieder belegen können mit Wein. Tatsächlich habe ich ein bisschen Hintergrund von einer Weinerei. Ich sage auch gerne, belgische Mama, Papa ist Winzer, da kommt ein Brauer raus. So einfach ging das dann aber nicht. Ich habe erst mit 19 angefangen zu brauen, als Hobbybrauer. Dann habe ich eine gute Empfehlung bekommen von dem Vater eines meiner besten Kumpels aus der Kindheit. Der war Braumeister und hat eine Brauerei aufgemacht im Tessin in den 90ern, die Officina della Birra. Und mit dem war ich immer gut in Kontakt, habe da auch ab und zu mal mitgeholfen bei so kleinen Jobs in der Brauerei. Und irgendwann meinte er: Hey, Seberl, du müsstest mal anfangen, zu Hause zu brauen. Und ich meinte: Ja, mache ich mal. Hat er mir eine Webseite gegeben in der Schweiz, wo ich die Sachen bestellen kann. Habe ich da gemacht, habe mich tatsächlich in Brauen verliebt und dann war der zweite Schritt mal anfangen, tatsächlich professionell zu brauen. Und wenn man Hobbybrauen mag, das ist das eine, aber dann wirklich morgens in der Frühe um halb vier aufstehen, um dann 12 Stunden zu ackern, das ist dann wieder das andere. Und das habe ich dann gemacht und tatsächlich rausgefunden, hey, den Job liebe ich. Und habe das dann weitergemacht. Und der weitere Schritt war dann, nach Berlin zu gehen, um Diplom-Braumeister zu studieren. Das muss ich eigentlich meiner Mom verdanken, die mir da so ein bisschen einen Push gegeben hat. Meinte: Kind, du spinnst, du musst nach Berlin. Da gibt’s tatsächlich in der Schweiz nicht so viele Gelegenheiten, Braumeister zu lernen. Da ist Deutschland einfach Nummer eins in Europa, wenn nicht weltweit. Auf Schnieke bezogen, mit dem Hintergrund der Weinerei, hatte ich schon immer so ein bisschen Flair für Weinfässer, für Holzfässer generell. Und im Studium habe ich eben da an der TU und VLB den Erik kennengelernt und sehr gute Kumpels geworden. Und haben beide dann das Glück gehabt, dass wir direkt im Anschluss zum Studium unsere Jobs gefunden haben in den kleinen Brauereien und fanden uns gegenseitig immer noch toll und haben irgendwann gesagt: Hey! Es gibt irgendwie wenig holzfassgelagerte Biere in Berlin, das ist für uns beide so ein Thema, das wir gerne haben. Wir trinken das gerne, das ist nicht so einfach zu bekommen. Okay, dieses Jahr, mittlerweile muss man sagen, gibt’s in Berlin eine gute Auswahl. Der Lemke kam gerade mit so einem schönen Paket raus. Heidenpeters hat noch eins rausgebracht, BRLO bringt viel raus, Eschenbräu hat eins rausgebracht. Also ich glaube, es gab noch nie so viele holzfassgelagerte Biere in Berlin wie dieses Jahr. Aber wenn wir vor ein paar Jahren darüber zum ersten Mal geschnackt haben, gab’s noch nicht so viel. Da war, glaube ich, Lemke so das A und O. Und dann haben wir uns gedacht: Hey! Lasst uns das doch so als Seitenprojekt machen. Weil holzfassgelagerte Biere ist ja auch sowas, das man in kleiner Auflage macht und man muss warten. Und das hauptberuflich zu machen, wäre schwierig, also eine Brauerei zu gründen, die nur das macht, das ist sehr schwierig. Man sieht’s ja in Belgien zum Beispiel, wenn Sauerbier-Brauereien so eine Lambic-Brauerei aufmachen, die müssen erst mal ein paar Jahre warten, bis sie überhaupt einen Umsatz machen können. Also hat das für uns eigentlich ganz gut gepasst, also im kleinen Rahmen zu machen, nebenbei neben unseren Jobs dieses kleine Herzensprojekt zu verfolgen. Ja, das machen wir jetzt und wir sind wirklich happy damit, dass wir das machen können.

Holger: Ich würde jetzt vorschlagen, Markus, du verrätst uns mal, was du dir für heute überlegt hast und wir machen mal unser erstes Bierchen auf.

Markus: Können wir machen. Ganz kurz noch eure Liste zu ergänzen. Wir hatten ja auch den Thomas Tyrell schon bei uns im BierTalk, der hat ja auch holzfassgereifte Biere jetzt rausgebracht dieses Jahr. Also in der Tat ist Berlin da jetzt wirklich so ein Zentrum geworden von ganz, ganz vielen Leuten, die sich darum kümmern. Aber das ist ja auch cool, es steckt ein unglaubliches Potenzial da drin. Und ich glaube auch, dass da viele verschiedene Versuche sehr gut sind, um alles so ein bisschen auszuprobieren, auszureizen, was man machen kann. Was habe ich mir für ein Bier überlegt? Ich überlege gerade, ob ich euch raten lassen soll? Aber ich glaube, das ist zu schwierig. Aber ich habe mir gedacht, wenn, dann muss es schon ein besonderes Bier sein, was auch einfach sehr viele Aromen hat und etwas außergewöhnlich ist. Ich mach‘s mal auf. Also ihr habt schon eine Dose und wenn man das Ganze jetzt dann in das Glas laufen lässt, dann haben wir ein fast pechschwarzes Bier. Obendrauf ein ganz, ganz dunkelbrauner Schaum, leicht rötlich gefärbt. Wenn man reinriecht, dann hat man Schokolade und Kokos und Karamell und Kaffee und sehr, sehr intensive Aromen. Es hat, muss ich grad mal gucken, 10,8 % Alkohol. Also sowas würdet ihr wahrscheinlich in ein Holzfass stecken. Es ist ein Imperial Stout von Frau Gruber und es heißt Macaroon. Und ist eben mit Kokosflocken von so Kokosmakronen und eben jeder Menge Haferflocken und Malzen, natürlich Röstmalzen. Jetzt probiere ich mal einen Schluck. Hm! Ja, sehr vollmundig, sehr cremig, sehr weich, unglaublich intensiv. Und für die Uhrzeit, liebe Hörer, wir sind jetzt hier schon am Abend, ist das auch ein schönes Bier, um in den Abend zu starten. Also Prost auf euch, auf euren Erfolg, auf eure tollen Biere! Auch für die Hörer noch ganz kurz. Ich habe die beiden hier auch schon stehen, habe ich mir schon kommen lassen und freue mich auch total. Ich habe sie mir allerdings für die Weihnachtsfeiertage aufgehoben. Wir zeichnen ja ganz kurz vor Weihnachten auf. Und werde euch dann im nächsten BierTalk erzählen, wie toll das Weihnachtserlebnis war. Und ihr könnt natürlich die beiden Biere auch bei den beiden Jungs bestellen. Das werden wir in den Shownotes noch verlinken. Und vielleicht erzählen sie es ja währenddessen noch ein bisschen. Erik, magst du vielleicht einerseits noch ein bisschen was von dir erzählen, also wie kommt man überhaupt aus Minnesota auf die Idee nach Berlin zu kommen? Und wolltest du nicht eigentlich lieber 25 verschiedene IPAs brauen? Und was hast du denn für ein Bier mitgebracht?

Erik Mell: Damit habe ich angefangen, als ich halt ziemlich jung war, also 14 oder so hatten wir ein Alcohol Awareness Class. Und die haben mir erzählt, wenn Hefe und Zucker vorhanden sind, dann wird Alkohol produziert. Dann bin ich direkt nach Hause gegangen, habe ich nur (unv. #00:11:17.7#)-Saft als Nährmedium und die Hefe und Brothefe. Dann habe ich sofort quasi einen Wein hergestellt, das war eigentlich. Aber trotzdem bin ich weitergekommen und mit 16 oder 17 und so dann habe ich halt angefangen Bier zu brauen als Hobby. Denn in den USA natürlich hat es viele IPAs. Die Amis sind dafür bekannt, aber wir haben damals richtig schöne Stouts mit Zimt und alles gebraut. Dann musste ich was lernen beruflich und lange Reise durch Schottland, Schweden, Deutschland ein paar Mal, habe ich meinen ersten Job gefunden. Das war als Corporate Social Responsability Analyst. Und bin ich damit nach Deutschland umgezogen, habe ich in Frankfurt gearbeitet, war irgendwie entlassen wegen Umstrukturierung. Und habe ich eine Career Specialist bekommen. Das war in der Finanzbranche. Und dann habe ich erklärt, dass ich halt auf Brauen stehe und so. Und sie hat auf jeden Fall den Twinkle in my eye gesehen und sagte: Dann kann ich Ihnen nicht damit helfen, aber ich sehe es sofort, Sie haben so eine Leidenschaft, dann sollen Sie das dann machen. Dann habe ich herausgefunden, wie man das macht. Habe ich ein Jahrespraktikum mit Heidelberger gemacht da in Heidelberg. Bin ich umgezogen, um zu studieren hier in Berlin, da ich halt Braumeister werden könnte. Habe ich mein Hobby als Karriere dann gemacht in dem Sinn, aber bin auch Quereinsteiger quasi oder so. Warum ich in Deutschland allgemein bin? Ich liebe Deutschland eigentlich seit einer langen Zeit. Ich habe Deutsch in der High School gelernt und dann bin ich hier für die Liebe gekommen. Also meine Frau hat in Heidelberg studiert und so geht’s.

Holger: Es sind dann doch die deutschen Frauen, die hier die Stiche machen, oder?

Erik Mell: Die kommt nicht aus Deutschland, wir haben auch in Schweden kennengelernt.

Holger: Ach!

Erik Mell: Ich sage nicht was Schlechtes über deutsche Frauen, also das auf keinen Fall.

Markus: Es gibt ja auch jede Menge Lieder rund um Heidelberg und die Frauen und Herzen, die man da verliert und so weiter.

Erik Mell: Genau!

Holger: Ich weiß jetzt nicht, ob ihr beiden gemeinsam ein Bier habt oder jeder eins, aber es wäre Zeit fürs nächste Bierchen.

Sebastian Pfister: Ja, wir würden gemeinsam eins aufmachen und tatsächlich ganz egoistisch eins von uns.

Markus: Sehr gut, sehr gut!

Sebastian Pfister: Wir hofften ja vorhin, dass Markus auch eins von uns aufmachen würde. Aber das finde ich ja gut, dass Markus so die für Weihnachten behältst, dafür sind sie ja auch gedacht für festliche Gelegenheiten, für tolle Gelegenheiten. Und wir machen jetzt mal unser Mumpitz auf, was unser erstes Bier war. Schön aus der 0,75er-Champagner-Flasche. Bin da genug ans Mikrofon. Erik, vielleicht kannst du was zu unserem Mumpitz erzählen, was ich gerade einschenke?

Erik Mell: Wie erwähnt, ich bin Braumeister von Vagabund und habe ich dieses Bier da gebraut eigentlich. Und das ist ein, ja, was ist es, das ist ein Mumpitz. Das ist eigentlich ein Bierstil technisch absoluter Schwachsinn, also eben Mumpitz. Es hat Roggenmalz da drin, es hat verschiedene Karamalze da drin. Ist gar nicht süß und hat diese (unv. #00:14:31.2#).

Sebastian Pfister: Also wir nennen es ein Barrel Aged Footed Sour, also ein Sauerbier mit Früchten. Aber es hat einen Hauch Himbeere drin, aber jetzt nicht so viel, dass man denkt, oh mein Gott, wir trinken jetzt Himbeersaft, wir mögen das Ganze ein bisschen balancierter. Erik hat dann im Rezept noch ein bisschen Karamalze mit eingebaut, aber auch nicht, um einen vom Hocker abzuhauen. Aber stilmäßig ist es ganz schwierig das Bier einzuteilen. Es wurde dann noch nachvergoren im Bourbon-Fass mit wilden Brettanomyces aus meinem Vater seiner Weinerei. Da haben wir jetzt auch wieder ein bisschen eine Connection eben zur Weinwelt aus meiner Familie. Ich habe mal ein Holzfass von ihm bekommen. Ich habe einige liegen beim Straßenbräu. Und in eins dieser Holzfässer kann tatsächlich eine Brettanomyces mit. Und die hat dann das Bier, ein Tripel, was ich da drin hatte, nachvergoren. Und ich dachte, hoppla, hey. Aber es war eigentlich ganz gut, weil das gerade ein guter Bierstil dafür war und das Tripel habe ich jetzt immer noch ein paar Fläschchen davon. Und habe dann einfach diese Brettanomyces daraus isoliert und die weitergezüchtet und die bei uns bei Schnieke mit eingebaut bei unserem ersten Bier. Und das gibt so einen schönen weinigen Abschluss beim Bier. Es ist eben nicht so eine Bret, wie man sie üblicherweise kennt, wie so eine (unv. #00:15:37.5#), die so ganz wild und Pferdedecke-mäßig ist. Sondern es ist eher eine Bret, die so ein bisschen sanfter und weiniger und ganz leicht fruchtig ist.

Holger: Ja, die ist ja auch aus dem Tessin. Da ist das ja auch Programm so zu sein. Wie findet ihr die Rezepte? Wenn man jetzt sagt, die Italiener zum Beispiel, die kommen ja eher von der Speise und stellen sich erst eine Speise vor und entwickeln dann dazu eine Bierrezeptur. Bei den Deutschen würde ich sagen, wir kommen eher vom Prozess und von der Technik. Die Amerikaner, glaube ich, die können alles. Aber wie macht ihr beiden das? Wie entwickelt ihr die Rezepte, wo kommt ihr her, also was denkt ihr zuerst?

Erik Mell: Das hängt davon ab, was man brauen will. Ich fange eigentlich mit den Zutaten an. Malz vor allem, was für eine Basis das bildet und dann natürlich die Hopfen dazu. Hier spielt Hopfen wirklich fast keine Rolle. Das ist halt ein sehr komplexes Aroma, das wir haben. Aber das ist alles durch die Gärung und die verschiedenen Zutaten. Wir haben natürlich ein paar Bourbon-Fässer gekauft und haben dann ein paar (unv. #00:16:42.5#) von Bourbon getestet, was wir uns vorstellen können, was am besten passt. Das ist es halt. Ich fange eigentlich mit Malz immer. Also wie es schmeckt. Und wenn es ein hopfenbetontes Bier ist, dann natürlich passe ich den Malz zu den Hopfen. Oder in diesem Fall eigentlich zu der Hefe und zu dem Barrique-Fass eigentlich.

Sebastian Pfister: Wie Erik schon gesagt hat, Hopfen ist hier eher im Hintergrund, wenn überhaupt wahrnehmbar. Ich glaube, hauptsächlich, weil eben unser Thema Holzfässer sind, sehe ich da immer so zwei große Kategorien. Es gibt Sauerbiere aus Holzfässern, die eventuell mischvergoren sind mit Laktobazillen und Brets, oder mit das ein oder das andere. Und dann hat man saubere Biere, die nur eine Saccharamyces haben und dann meistens eher stärker sind als das dunkel, aber auch heller. Und da haben wir uns auch die Frage gestellt: Wollen wir jetzt ein Sauerbier machen? Wollen wir ein sauberes Bier machen, das etwas stärker ist? Da haben wir gesagt, lasst uns beide machen als die ersten beiden Biere. Und da ist eben Mumpitz entstanden und das erste Sauerbier mit Bret, und das zweite, unser Heiabubu, ein Belgium Imperial Stout mit belgischer Hefe vergoren und etwas stärker mit 12 %.

Markus: Wer von euch beiden kam da auf die Namen? Und wer hat‘s dann dem jeweils anderen erklärt, was das jeweils bedeutet?

Sebastian Pfister: Glaube ich, kann mit Mumpitz an.

Erik Mell: Ja, das ist das (unv. #00:17:57.1#). Wir hatten irgendwie eine ganze Liste an Namen. Und wir haben uns irgendwie voll im Thema deutscher Sprache verliebt und dachten, da gibt’s so viele tolle Wörter, vor allem auch in Berlin, aber auch deutschlandweit, so Jargon-Wörter, Heiabubu, zu Bett gehen. Das ist so ein süßes Wort und das ist so einzigartig. Und es passt auch gerade zum Bier, das wir machen wollen beziehungsweise schon gebraut hatten. Und der Name kommt immer später. Wir haben das Bier dann probiert und (unv. #00:18:21.8#) das ist so ein gutes Bier als Betthupferl vorm zu Bett gehen. Ist so ein guter Abschluss für den Abend. Hey, lasst uns doch Heiabubu nennen. Und meine Freundin hat ein paar Mal irgendwie Heiabubu gesagt zum Bett gehen und ich meinte: Hä? Was ist das? Ich kenne das ja gar nicht. Deutsch ist nicht meine Hauptsprache. Und all diese feinen Wörter, die es sonst so gibt da draußen, die kenne ich alle nicht. Und wenn ich das gehört habe, dachte ich irgendwie, hey, das ist irgendwie ganz cool, lasst uns doch für einen Biernamen benutzen. Und Mumpitz hatten wir schon eher so (unv. #00:18:46.7#) das Wort und dann dachten wir, Mumpitz ist cool. Das ist Bier ist eh kompletter Schwachsinn, was Stile anbelangt, lasst uns das doch Mumpitz nennen.

Sebastian Pfister: Genau!

Erik Mell: Und ich glaube, so ein bisschen auf der Schiene wollen wir auch weitermachen, so coole deutsche Wörter benutzen, die man kennt, aber nicht so wahnsinnig populär sind, aber das jeder irgendwie kennt. Und vor allem in Berlin gibt’s ganz viele hübsche Wörter.

Sebastian Pfister: Genau!

Erik Mell: Aber beschreiben wir das Thema (unv. #00:19:10.6#) sind Rainbow und Bret à Porter.

Sebastian Pfister: Ja, das sind dann die nächsten Biere, die kommen.

Holger: Wenn man da auch noch mal so richtig reinguckt und was ihr jetzt so alles erzählt, ich muss mir also ein bisschen Verknüpfungen herstellen. Und zwar, also aufgrund deines Aussehens, Sebastian, bezeichnet man dich ja auch als den Harry Potter der Biere.

Sebastian Pfister: So braune Haare und Brille. Jetzt schließen wir mal den Kreis. Und dann gibt’s aus der glorreichen Sesamstraße The Amazing Mumford. Das ist ja der große Mumpitz sozusagen auf Deutsch übersetzt. Und der ist ja der Zauberer in der Sesamstraße. Also ich weiß gar nicht, ob euch das so bewusst ist, dass das alles so …

Erik Mell: Nein. (unv. #00:19:51.6#)

Holger: … miteinander zusammenhängt. Und ich weiß auch gar nicht, ob ihr Sesamstraße noch kennt.

Erik Mell: Gerne.

Sebastian Pfister: Ja natürlich.

Holger: Aber ich habe das also auf jeden Fall immer verschlungen als kleiner Junge. Die Sesamstraße halt mir alles erklärt, was ist hoch und was ist niedrig und was ist dick und was ist dünn und so. Da sind alle Grundlagen, die ich habe, sind da gelegt worden. Und das finde ich schon interessant. Also wie man dann so Verbindungen schaffen kann zu den Bieren, die ihr auch macht. Ganz toll ist das.

Markus: Ich glaube, der Holger ist unterhopft.

Holger: Ja, das kann gut sein. Also sehr gut, Markus. Ich werde jetzt mein Bier öffnen. Ich werde es euch auch nicht erraten lassen, weil ihr kommt wahrscheinlich nicht drauf. Wir haben ein Weihnachtsbier weniger und ein Winterbier mehr. In der Tat habe ich mich für das Winterbier von Warsteiner entschieden. Und das hieß bis vor kurzem noch Weihnachtsbier. Und die Brauerei hat sich dann entschieden und hat dann gesagt: Mensch, irgendwie ist das verkaufstechnisch auch manchmal schwierig, wenn es dann im Handel steht und Weihnachten vorbei ist, dann verkauft sich das schlechter. Und wenn wir es jetzt Winterbier nennen, dann können wir da vielleicht auch länger noch eine Zielgruppe erreichen. Und ich möchte eine Lanze brechen, eben auch gerade für die großen Brauereien, die wir in Deutschland haben, also Warsteiner ist ja ein Beispiel, aber es gäbe ja auch noch andere Brauereien, die diese Größenordnung haben. Also Bitburger macht ja zum Beispiel ein Winterbock, den könnte man auch noch erwähnen, aber dieses Bier, da muss ich wirklich sagen, ist in meinen Augen eines der besten Produkte, die Warsteiner hat, weil schon die Farbe besticht, also das ist so ein rötliches Bernstein eigentlich. Wir haben einen ganz tollen dichten Schaum in der Nase, haben eine totale Malznote, eine Karamellnote, wo man so richtig auch an Weihnachten denkt. Und im Trunk ist die Malzautomatik total im Vordergrund. Es ist ein unglaublich ausbalanciertes Bier, was ich jedem wirklich empfehlen kann. Also das ist ein schönes Bier zur Jahreszeit. Und ich weiß nicht, ob ihr es kennt, aber wenn nicht, probiert‘s mal aus. Versucht mal, eure Vorurteile, die ihr möglicherweise im Kopf habt, einfach beiseite zu schieben. Probiert mal dieses Bier. Und ich habe schon oft, also da hieß es noch Weihnachtsbier, auch in Blindverkostungen das Bier einfach eingebaut beziehungsweise hate Verkostungen gegeben und einfach erst mal nicht erzählt, was es für ein Bier ist. Und dieses Bier hat immer absolut begeistert und hat 13,5 % Stammwürze und hat einen Alkoholgehalt von 5,6 %.

Sebastian Pfister: Schön!

Holger: Und ist für eine Brauerei, die ihre Kernkompetenz im Pilsbrauen hat, also ein wahnsinnig tolles malzaromatisches Bier. Also ich kann da nur dafür werben.

Sebastian Pfister: Ich probiere gerne jedes Bier, und vor allem, wenn es so unwahrscheinliche Hintergründe hat, bin ich immer wieder für Überraschungen zu haben. Also das würde ich auch gerne probieren.

Erik Mell: Ja, das klingt gut mit Stammwürze von 13,9.

Holger: 13,5.

Erik Mell: 13,5 und nur 5,6 % Alkohol, da hat man deutlich gute Röstextrakte. Also ich kann mir gut vorstellen, dass …

Sebastian Pfister: Es ist ziemlich süßlich.

Erik Mell: (unv. #00:22:57.3#) auf jeden Fall, ja, auf jeden Fall.

Holger: Nein, genau. Also es ist wirklich, also ich sag mal, ich wüsste jetzt auswendig nicht, was es für eine Bittereinheit hat, aber es schmeichelt der Zunge. Ist so ein richtig schönes malzaromatisches Winterbier. Also da ist der Name wirklich Programm. Müsst ihr einfach mal ausprobieren. Ich habe mir halt einfach gedacht, draußen fängt‘s jetzt an, weihnachtlich zu werden, ich komme auch so langsam in die Stimmung, in die Weihnachtsstimmung, und da habe ich mir doch gedacht, das ist ein schönes Bier. Und ich habe dazu Plätzchen und die schmecken wirklich …

Sebastian Pfister: Das ist doch schön.

Holger: … ganz toll dazu.

Erik Mell: Super!

Markus: Man könnte natürlich ketzerisch sagen, im Grunde ist das ein filtriertes fränkisches Märzen.

Holger: Markus, du brauchst gar nicht den Ketzer zu machen, weil du bist es ja. Sondern ich könnte mir vorstellen, also die oberfränkische Zunge würde auch Ja dazu sagen.

Markus: Auf jeden Fall!

Holger: Und du kennst es sicher auch.

Markus: Eben, ich kenne es ja. Und ich habe schon immer gesagt, im Grunde ist das ein Kellerbier, nur halt anders verpackt. Deswegen ist es einfach auch richtig gut und schmeckt gut und ist schön harmonisch. Und ist auch was, was der Süddeutsche gerne mal trinkt. Vielleicht an euch beide noch mal kurz die Frage: Wie habt ihr denn die deutsche Bierwelt erlebt? Also wenn man jetzt aus Amerika oder aus der Schweiz nach Deutschland kommt und dann vielleicht erst mal in Berlin landet, habt ihr ja sicherlich bald gemerkt, dass Deutschland gar nicht ein Bierland ist. Was hat euch denn gefallen?

Sebastian Pfister: Du sagtest genau richtig, Markus, Deutschland ist, was Bier betrifft, nicht ein homogenes Land, sondern es gibt viele Regionen. Das, was man sich von außen immer vorstellt, ist das, was in Franken und Bayern so stattfindet mit einer sehr tollen Bierkultur mit viel Geschichte und einfach viele, viele Biere. Und wenn man dann eher nach Berlin geht beziehungsweise als wir ankamen 2013, da gab‘s einige kleine Brauereien, aber jetzt auf so eine Großstadt bezogen nicht viele. Und auch einfach dieses Gefühl von, man hat irgendwie eine große Bierkultur, wie es sie eben in Franken gibt, die war meiner Meinung nach nicht oder überhaupt nicht vorhanden. Berliner hat zwar seine Berliner Weisse, aber die ging ja verloren und die wurde erst in den letzten Jahren wieder aufbelebt. Es gab natürlich die, die man im Supermarkt finden konnte, aber das wissen wir alle, dass das nicht so wirklich die echte ist. Und normalerweise, wenn man in irgendeiner Kneipe war und man nach einer Berliner Weisse gefragt hat, hat man ja immer den Klassiker vorgeschlagen, es mit Sirup zu vermischen, was beim Brauer ja natürlich sehr verpönt wird richtigerweise. Weil eine richtige Berliner Weisse, die (unv. #00:25:11.0#) man ja ohne den Sirups, braucht man ja gar nicht. Da ist genügend Geschmack drin. Aber so Berlin als Bierstadt, wir haben eher die ganze Entwicklung gefühlt, also die starke Entwicklung der letzten Jahre miterlebt, als wir unser Braumeister-Studium abgeschlossen haben, war sogar die Welle los, die ersten neuen Craft Beer Bars gingen auf. Man fand die ersten deutschen IPAs in einigen Läden und Vagabund ging auch mit der kleinen Brauerei, 2015 ging Straßenbräu auf, wo ich dann zu erster Stunde angefangen habe. Und dann ging das Ganze so ein bisschen los. Und ich glaube, Berlin hat da auch einen Nachteil und einen Vorteil. Der Nachteil ist, dass sie eben eine Bierkultur verloren haben, aber der Vorteil ist, dass da auch jetzt Raum ist für Neues. Und zum Beispiel, wenn man jetzt nach Franken geht, da ist schon so viel vorhanden, da braucht man eigentlich keine Revolution und eher eine Weiterentwicklung, wenn überhaupt. Aber da ist schon so viel Schönes vorhanden, das muss man gar nicht irgendwie überlappen mit was Anderem. Da wäre weniger Platz für sowas, was wir jetzt zum Beispiel machen. Und in Berlin, und weil da eben so ein bisschen mehr diese Tabula Rasa ist, gibt’s da mehr Platz für Neues und auch neue Bierstile aus dem Ausland. Und so habe ich das ein bisschen empfunden, dass Berlin da ein bisschen internationaler ist, generell, auch kulturell in verschiedenen Bereichen und auch im Bierbereich jetzt interkultureller geworden ist auch eben dank dem, dass da Platz war. Und im Rest von Deutschland kann ich nicht so richtig sagen, Norddeutschland ist ja für das norddeutsche Pils bekannt, ein bisschen herber, aber ich war jetzt nicht so oft in Norddeutschland unterwegs, dass ich sagen könnte, was die Brauer da so alles anstellen.

Erik Mell: Ja, also das erste rein technisch macht Deutschland Spitzen-Biere auf jeden Fall. Merkt man sofort, wenn man ein billiges Bier kauft und dann, wenn man ein billiges Bier im Ausland kauft, was der Unterschied ist, auf jeden Fall. Aber nach ein paar Jahren in Deutschland, dann habe ich gedacht, die Vielfalt fehlt ein bisschen. Also ein Pils ist da, ein Pils ist da, so diese Pilsener Welle von den 70ern ist überall. Das ist der Mainstream. Und es gibt nicht so viele Bierstile als im Ausland. Dann taucht man ein bisschen tiefer, ich bin oft bei der Bibliothek da in der VLB, und dann merkt man, oh, es gibt tatsächlich viele richtig schöne alte Biere, also Adam Bier, Gose, Berliner Weisse, (unv. #00:27:29.1# Bräuhan?), was wir auch bei Vagabund halt gebraut haben. Das hat richtig verlorener, fast verlorene Biertile. Das finde ich halt einerseits sehr schön, dass halt diese richtig tollen Bierstile zu entdecken sind, und auch ein bisschen tragisch, dass die irgendwie verloren sind. Ich spiele auch damit, also viel, dass wir diese alten Biersorten wieder zum Leben bringen. Ich bin auf jeden Fall halt super begeistert, dass vor allem in Berlin und Hamburg, dass man langsam halt richtig gute Auswahl hat von vielen verschiedenen Brauereien, viele verschiedenen Biersorten. Die Klassiker, die traditionelle Bierstile, die sind echt top. Aber es gibt andere, die verloren sind. Und was für mich auch halt seit ewig ein bisschen verwirrend ist, ist, dass fast alle Biergenießer vom Ausland, die kommen eigentlich nach Deutschland und die denken, was für ein Oktoberfest gibt’s da in Heidelberg oder was für eins in Bremen oder so. Und das ist halt in München natürlich, dann gibt’s Oktoberfest und alle wollen nach München, egal was für eine Jahreszeit es ist, die Biere dann durch zu verkosten. Aber nur die richtigen Kenner wissen, dass Oberfranken und Bamberg halt richtig eine Vielfalt anzubieten hat. Das war richtig schön zu entdecken. Ich bin mehrmals da. Oh, ich muss auch erwähnen, also Rauchbier, …

Sebastian Pfister: Oh ja!

Erik Mell: … das ist halt echt was Schönes, was nicht Mainstream ist, sondern ein Bierstil, der in Deutschland noch lebt. Finde ich halt toll.

Sebastian Pfister: Mein erstes Mal in Bamberg war eine Offenbarung, einfach so eine tolle Stadt und wie Bier erlebt wird und die Qualität des Bieres dort. Und einfach nur toll. Und eben auch Rauchbiere, bin ich selber großer Fan mittlerweile. Mein erstes, was ich vor vielen Jahren probiert hatte, war nicht so meins, aber mittlerweile finde ich das richtig toll. Und alle denken immer an Schlenkerla, wenn man nach Bamberg geht, aber ich bin persönlich großer Spezial-Fan. Mein erster Stopp ist immer entweder bei Spezial direkt in der Brauerei oder auf dem Keller. Und oh, so ein schönes Ungespundetes von denen einfach nur toll.

Erik Mell: Top!

Markus: Das ging jetzt ja runter wie Öl.

Holger: Wie Öl.

Erik Mell: Ja. Ganz groß.

Markus: Sehr schön! Freut mich. Wobei ich sagen muss, Holger, ich glaube, wir müssen die beiden mal einpacken und in deine Heimat fahren, dass sie mal die Kölner und die Düsseldorfer Bierwelt kennenlernen und da auch noch mal ein bisschen erleben, dass es durchaus auch dort gelebte Vielfalt gibt, oder?

Holger: Na ja, also ich kann euch nur empfehlen, also beispielsweise Fiege, Fiege Pils und dann mal einen Pilsbock dazu genießen, das wäre schon mal was, da würde ich mit anfangen. Aber wir können natürlich auch nach Dortmund in die Bergmann Brauerei fahren und da mal ein Adam-Bier auch verkosten. Also unbedingt! Wir müssen das machen. Also Bierreisen sind (unv. #00:30:09.8#)

Sebastian Pfister: Gerne! Ich schäme mich ja so ein bisschen, dass ich noch nicht in Köln und Düsseldorf war und auch noch nicht in Leipzig, um eine gute Gose zu trinken. Also ich habe da noch einiges nicht gesehen, obwohl ich jetzt schon sieben Jahre in Deutschland bin.

Holger: Oder Altbier auch.

Sebastian Pfister: Also ich müsste da eigentlich …

Erik Mell: Altbier.

Sebastian Pfister: … ein bisschen mehr rumreisen, wenn man wieder darf.

Holger: Ja.

Erik Mell: Auf jeden Fall! Ich bin ein bisschen da rumgereist. Also Altbier als Thema, das hat richtig viel anzubieten. Diese versteckten, verlorenen Ecken, die sind halt in Deutschland richtig interessant.

Sebastian Pfister: Es gibt, eben wie Erik vorhin erwähnt hat, so eine ganze Reihe von Bierstilen, die so ein bisschen in Vergessenheit gingen. Und öfters sind das ja Sauerbiere. Also Berliner Weisse, das bekannteste Beispiel. Aber als Außenstehende haben wir so ein bisschen das Gefühl, dass vielleicht Deutschland ein bisschen seine Sauerbier-Kultur verloren hat und jetzt teils wiederentdeckt mit der Berliner Weisse. Und man kann da noch mehr entdecken.

Erik Mell: Ich habe (unv. #00:31:03.0#) gehört, damals in Berlin gab’s auch ein Berliner Braunbier, das wird gebraut und eigentlich eine komische Flasche versiegelt. Man bekommt das, als man damals halt Milch bekommen hat, in eine Flasche direkt vor der Tür. Und dann eigentlich vergärt man das im Keller bis den Grad, wie man das gerne wollte. Also entweder halt richtig lang für komplex und sauer, oder halt frisch und malzig am Anfang. Das ist auf jeden Fall ein Beispiel von einem richtig schönen verlorenen Bierkultur, was ich finde halt spannend.

Markus: Der Bayer würde sagen: Säugel dahoam. Weil also die Oberpfälzer haben ja ihr Bier auch zuhause immer selber vergoren, und wenn man das dann jemandem noch vorbeibringt, der das dann selber macht, wäre eine witzige Geschichte. Ja, Holger, was empfiehlst du denn den beiden, wenn sie mal nach München kommen?

Holger: Ich würde in jedem Fall in München einfach beides empfehlen, also einmal diese neue frische Szene, die wir natürlich auch haben, und dann aber auch die Klassiker. Es ist immer die Frage, wie viel Zeit man hat. Also wenn man jetzt nur wirklich ganz kurz Zeit hat, ich würde euch nur vom Hauptbahnhof abholen und ihr müsstet sofort quasi über die Stadt zum Flughafen und dann weiter. Dann würde ich mit euch einfach ins Giesinger gehen und da beides kennenlernen, also die klassischen Münchner Bierstile, aber eben auch spannende neue Interpretationen. Aber wenn man mehr Zeit hat, dann kann man richtig loslegen. Also von Hopfenhäcker über CREW Republic, Munich Brew Mafia, bis hin wirklich dann zu Augustiner und Paulaner und die ganzen Klassiker. Ich kann das nur noch mal betonen, also wenn wir jetzt so ein Bier nehmen wie Paulaner Salvator zum Beispiel. Wenn man da mal hinguckt, auch das Thema Preis-Leistungs-Verhältnis anschaut, also was man da für ein Bier bekommt für sein Geld, das ist einfach hervorragend. Und die darf man auch nicht verteufeln, und Augustiner genauso. So würde ich das mit euch machen. Das gehört zu München dazu, eben die Klassiker auch zu trinken. Und wenn man ganz viel Zeit hat, dann würde ich in jedem Fall auch noch ins Münchner Oktoberfest und Brauereimuseum mit euch gehen. Das ist ganz besonders schön. Und dann abends natürlich richtig bayerisch essen gehen und dann werdet ihr schon euch Gedanken machen, ob Berlin wirklich so schön ist.

Sebastian Pfister: Nein, wir sind uns ja bewusst, dass in Bayern und Franken eben die intensivere Bierkultur stattfindet als in Berlin. Eben, wie vorhin gesagt, Berlin ist da eher so im Kommen und baut da so ein bisschen sein eigenes Ding auf und entdeckt ganz wenig von seiner Vergangenheit wieder. Aber die Party ist schon in Franken und Bayern generell.

Erik Mell: Genau! Also in den USA, dann versuchen wir immer eine Flasche Paulaner zu kaufen, kostet 8 Dollar oder so pro Flasche, wenn man es überhaupt finden kann. Und dann kommen wir nach Deutschland, geht man in einen Supermarkt und dann kauft man diese richtig schöne Flasche oder Kiste, also kostet weniger als 1 Euro pro Flasche. Mann! Das ist Himmel.

Markus: Ja, Holger, das ist doch ein schönes Schlusswort für den BierTalk heute.

Holger: Absolut! Ja.

Markus: Wir müssen uns auf jeden Fall mit den Jungs noch mal live treffen, das wird bestimmt spannend.

Sebastian Pfister: Ihr seid natürlich auch herzlich eingeladen in unseren neuen Brauereien, wenn die dann mal soweit sind im Frühling und Sommer. Wir werden wahrscheinlich anfangen zu brauen, so Februar, März, und im Sommer müsste die Dosenabfüllung kommen. Das heißt, eigentlich im Sommer sind wir dann auch Hochtouren und dann haben wir auch unsere Holzfässer in Position. Da kann man dann ein paar lustige Sachen probieren. Am Anfang natürlich nicht, die Holzfässer müssen erst mal befüllt werden. Also ich würde euch im Sommer einladen, bei uns vorbei zu kommen.

Erik Mell: Ja, bei uns ist es auch so bei Vagabund, Februar, März, aber bis alles richtig halt ins Laufen gebracht ist, gerne im Sommer, dann ist hoffentlich Corona mehr als teilwegs vorbei. Dann können wir einen richtig schönen Abend dann (unv. #00:34:59.7#)

Holger: Ich bin auf jeden Fall dabei und freue mich darauf. Vielen, vielen Dank für eure interessanten Lebensläufe und Geschichten und Offenheit. Ich bin sehr gespannt auch auf die neuen Produkte, die ihr da aus dem Fass zaubert. Auf ein Wiedersehen in Berlin! Prost!

Erik Mell: Prost!

Sebastian Pfister: Prost!

Markus: Prost! Und ich freue mich natürlich auch. Ich freue mich erst mal auf übermorgen, Weihnachten, wenn ich dann eure Biere aufmachen kann. So das erste kleine Geschenk, was ich mir dann mache. Und dann freue ich mich, wenn wir dann im Frühjahr den BierTalk machen, wo wir dann eben über eure Brauereien dann noch mal sprechen. Straßenbräu und Vagabund machen wir auch einen BierTalk, liebe Hörer. Könnt ihr euch dann schon mal vormerken. Und dann natürlich live vor Ort wieder in Berlin, so ein bisschen meiner zweiten Heimat, da freue ich mich auch total drauf. Also vielen Dank und auch von mir Prost und auf bald!

Holger: Tschüss!

Sebastian Pfister: Tschüss!

Erik Mell: Tschüss!

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk 49 – Interview mit Regine Marxen und Stefan Endrigkeit von HHopcast

Podcast meets Podcast – pünktlich zum Jahresbeginn haben wir uns mit unseren Hamburger KollegInnen Regine und Stefan verabredet, um quasi ein BierTalk-Meeting zu veranstalten. Schließlich senden sie schon mehrere Jahre aus der Hansestadt Ihre spannende Reise durch die Bierwelt und sind dabei auch oft vor Ort in den jeweiligen Brauereien. Nachdem wir festgestellt hatten, dass wir jeweils Stammhörer des anderen Podcasts sind, war klar, es musste eine gemeinsame Folge her – und hier ist sie nun, natürlich auch mit der Verkostung von vier spannenden Bieren und tollen Stories rund um Brauer und Bierkultur…

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

 

Holger: Herzlich willkommen und einen schönen guten Abend zum 49. BierTalk. Und diesmal wirklich was ganz Besonderes, und zwar HHopcast. Ist ein anderer BierTalk aus der Craftbier-Szene aus Hamburg. Wir freuen uns außerordentlich, dass ihr da seid. Aber zunächst am Mikrofon wie immer der Holger und der …

Markus: Markus.

Holger: Hallo! Grüßt euch! Moin! …

Regine Marxen: Hallo!

Holger: … sagt man ja bei euch. Vielleicht stellt ihr euch kurz vor ihr beiden. Wir sind ganz gespannt, wie das heute läuft. Podcast trifft Podcast.

Regine Marxen: Wir sind auch gespannt. Vielen Dank erstmal für die Einladung. Ich bin Regine, Regine Marxen, ein Teil von HHopcast. Wir sind so seit 2017 am Start. Ich bin eigentlich Redakteurin und freie Journalistin. Und irgendwann haben wir gemeinsam uns in dieses Bierthema eingetrunken und lebe hier in Altona zusammen mit Stefan, an den ich jetzt übergebe in der Vorstellung. Bevor ich anfange, alles zu erzählen, vorpresche und er schon irgendwie nervös anfängt zu zucken.

Stefan Endrigkeit: Ach Quatsch! Nein. Genau, ich bin Stefan Endrigkeit, Musiker von Haus aus, mache alle möglichen musikalischen Dienstleistungen und drumherum. Regine hatte so eine Phase Ende 2017, wo sie sich beruflich neu orientiert hatte und sagte, dass sie das Thema Podcast so spannend findet. Dann sagte ich: Dann lass doch einen machen, wir haben ja alles da. Das war so, ach, wir haben alles da, ja, ja, ich habe ja ein Studio, weißt du ja. Na ja, und dann haben wir darüber einfach, sind dann, weiß gar nicht, wie wir dann unbedingt zum Thema Bier gekommen sind?

Regine Marxen: Wir haben beide angefangen schon vorher, eigentlich schon seit 2015, verschiedene Craftbiere zu trinken. Und das Thema lag einfach so nahe, weil es so viel Spaß macht und es ist einfach so schön. In Hamburg hat sich so wahnsinnig viel getan auch in der Zeit. Da saß man sozusagen an der Quelle. Die Idee des Podcasts sollte ja sein, über Bier als Mittler, man spricht über Bier, aber man lernt die Menschen über das Bier kennen. Das ist natürlich so ein bisschen auch dieser journalistischen Idee geschuldet, die dahintersteht. Ich schreibe ja auch über Bier, ich finde Portraits immer toll. Insofern sind wir da dieses Thema so angegangen. Und irgendwie hat sich dann relativ schnell dieses Thema herauskristallisiert.

Stefan Endrigkeit: Dann sind wir halt so als ziemliche, zumindest in der Bierszene, also wir waren schon auf diversen Craftbier-Festivals, gibt’s ja auch in Hamburg bei Ratsherrn, eben die Craft Beer Days, da waren wir vorher immer schon regelmäßig. Und dann haben wir uns einfach mal so einen Punkt gesucht, dann den Winter Craft Beer Day 2017 und haben uns, weiß ich gar nicht, drei Brauereien, fünf Brauereien, ich weiß es gar nicht mehr, rausgesucht, die halt im Vorfeld angeschrieben, Termine gemacht und sind dann einfach mal mit dem Mikrofon losmarschiert und haben mit denen gesprochen. Und so fing das dann an. Und am Anfang dachten wir auch, hört sich das irgendjemand an? Und irgendwann stellten wir fest, es hören sich Leute an.

Regine Marxen: Verrückt!

Stefan Endrigkeit: Total verrückt! Es haben uns Leute angeschrieben, dann eben halt auch Brauer, die sagten: Ey! Wollt ihr mit uns nicht mal was machen? Und so hat das dann so eine gewisse Dynamik aufgenommen einfach.

Regine Marxen: Einer der ersten war Jens von Bunthaus.

Stefan Endrigkeit: Jens von Bunthaus in Hamburg.

Regine Marxen: Dem bin ich bis heute total dankbar dafür, dass er gesagt hat, hey, kommt doch mal vorbei.

Stefan Endrigkeit: So haben wir dann nach und nach alle möglichen Leute kennengelernt, sind stärker in diese Szene eingetaucht. Und stellten halt auch fest, dadurch dass wir beide beruflich was anderes machen, kommen wir ja jobmäßig nicht aus der Ecke. Das ist ja bei euch zum Beispiel komplett anders. Da ist man schon viel tiefer in der Sache drin. Und es waren dann eben aber auch einige Leute von Brauereien und Bier-Labels, die uns ermutigt haben und gesagt haben, dadurch dass ihr nicht so direkt aus dieser Szene kommt, stellt ihr manchmal auch Fragen, die vielleicht ein bisschen out of the box denken und auch ganz gut sind. Und so hat sich das dann so nach und nach entwickelt.

Regine Marxen: Man könnte auch sagen, naive Fragen.

Stefan Endrigkeit: Ja, vielleicht sogar naive Fragen. Ja.

Holger: Markus, das hört sich doch sehr spannend an, oder? Wir als absolute Bier-Nerds, quasi ab Geburt, also du hast halt sofort Rauchbier bekommen und ich habe so König Pilsener bekommen. Und das hat uns ja nachhaltig geprägt. Und die beiden haben das dann etwas später erst entdeckt das Bier, was ganz großartig ist. Aber zum Glück, zum Glück ist es ihnen gelungen.

Regine Marxen: Ich komme ja aus Flensburg und so ein klassisches Küstenkind, und da wächst man ja mit dem Plopp im Ohr auf. Also es ist nicht so, dass ich vorher kein Bier getrunken habe, ich habe schon immer wahnsinnig gerne Bier getrunken. Was heißt schon immer, aber so, seit man so als Teenager seine Biererfahrungen …

Stefan Endrigkeit: So ab 12, ne.

Regine Marxen: Ja genau.

Holger: Regine …

Regine Marxen: Angefangen hat, so das Leben zu erkunden, so ohne Eltern im Nacken, war Bier schon ein treuer Begleiter meines (unv. #00:04:15.9#) Lebens.

Holger: Dann aber auf jeden Fall 15 Jahre später in deinem Lebenslauf sozusagen.

Regine Marxen: Das stimmt.

Holger: Und ich bin ja Marinesoldat gewesen und war eben auch oft dann in Glücksburg oder auch in Flensburg zur Ausbildung. Ich kann dir sagen, wenn man in Franken oder ganz speziell in Oberfranken in Bamberg aufwächst, dann ist das noch mal was anderes, als wenn man in Flensburg aufwächst, glaube ich, mit dem Thema Bier.

Stefan Endrigkeit: Oh ja!

Holger: Und wenn man im Ruhrgebiet aufwächst, so wie ich das eben gemacht habe, ist das auch noch was ganz anderes.

Regine Marxen: Da magst du Recht haben. Ja.

Holger: Aber das Plopp und die Bügelflasche von Flens ist natürlich Wahnsinn. Und dann natürlich die Werner-Filme. Also ich meine, Werner hat ja dann …

Stefan Endrigkeit: Auf jeden Fall!

Holger: … Flensburger eigentlich mehr oder weniger weltberühmt gemacht. Meister Röhrich, also Wahnsinn. Das waren ganz tolle Momente. Und ich muss auch sagen, Flensburg ist eine schöne, sehr schöne Stadt. Und gerade so als Marinesoldat waren das, also auch die Frauenwelt, muss ich sagen, sehr sympathisch, also sehr sympathisch, wenn ich mich daran noch erinnere.

Markus: Allein die Tatsache, dass du dich noch daran erinnern kannst, heißt, es ist schon andere Bierkultur als vielleicht im Ruhrgebiet. Nein, also Quatsch!

Regine Marxen: Oh je! Jetzt tun mir die Leute im Ruhrgebiet fast ein bisschen leid.

Holger: Wir halten das aus. Wir halten das aus.

Markus: Sagen wir mal so, das ist ja einer meiner Hauptsätze eigentlich, die ich gerne auch in der Ausbildung immer sage, es gibt halt nicht diese Bierkultur in Deutschland, sondern es gibt ja wirklich in jedem Landstrich eine andere eigene gewachsene Bierkultur in all den Teilen, die jetzt zu Deutschland gehören. Aber vorher waren das ja alles eigenständige Länder und die haben eben auch alle ihre eigenen Biere und Traditionen und eben Bierkulturen. Und bei uns in Franken ist es halt schon so, dass ja, also Muttermilch vielleicht nicht, aber es ist einfach was, was integraler Bestandteil ist, dass die Familien halt zum Beispiel im Sommer fast jeden Nachmittag auf irgendeinen anderen Bierkeller gehen, so heißen bei uns die Biergärten, und dort halt die Nachmittage verbringen und glücklicherweise doch nicht vorm Fernseher. Und dass zumindest in meiner Zeit das noch so war, dass die Kinder natürlich das Bier dann auch geholt haben und dass man halt sein Essen mitgebracht hat, und dann haben die Hausfrauen sozusagen jeweils die Bierbank verwandelt in ein wunderschönes Buffet. Und das eben jeden Tag wieder aufs Neue, das ist schon sehr, sehr schön gelebte Bierkultur. Und da ging‘s eben relativ wenig um das Thema Wirkungstrinken, sondern wirklich um Gemütlichkeit, um Geselligkeit und um das, was man halt so damit verbindet. Also vielleicht ist das jetzt auch ein bisschen verklärt, das kann natürlich sein, aber trotzdem muss ich sagen, es ist schon schön in Franken die Bierkultur kennen zu lernen. Und insofern …

Stefan Endrigkeit: Auf jeden Fall! Also wir waren diesen Sommer auch da, also wir waren zweimal in Bamberg, einmal Winter Anfang 2019 und jetzt diesen Sommer noch mal, und waren da auch, haben Radtouren gemacht, waren oft in Kellern. Es haut einen als Norddeutschen dann wirklich um, dass man ein Dorf weiterfährt und da ist der nächste Keller mit eigener Brauerei. Und dann landet man auf einmal in Mönchsambach und kann irgendwelche Weltbiere trinken, die nichts kosten. Muss man ja auch mal sagen, das haut uns Norddeutsche oder gerade Hamburger ja auch um. Die Preise da sind ja der Hammer. Also so ein halber Liter Bier für, ich glaube, 2,40 war das günstigste, was wir hatten bei dieser Radtour.

Holger: Da macht trinken Freude.

Stefan Endrigkeit: Ja.

Holger: Und das ist ein besonders schönes Stichwort. Markus, magst du beginnen? Das wäre doch mal was, wenn der Oberfranke …

Markus: Ich?

Holger: Oder Ladies first, also das ist vielleicht noch besser, …

Markus: Mir ist egal.

Holger: … noch besser als Herr Raupach.

Markus: Na schön.

Holger: Regine, leg los!

Regine Marxen: Das ist so einfach in dieser Runde sozusagen, wer dann den Anfang macht, wenn das Motto Ladies first ist.

Holger: Habe ich ja gerade noch die Kurve gekriegt. Jetzt habe ich noch einen Moment über Werner nachgesonnen. Da gibt es ja einen ganz berühmten Protagonisten, nämlich den Porsche-Fahrer. Und das ist ja der Holgi.

Stefan Endrigkeit: Genau!

Regine Marxen: Ja.

Stefan Endrigkeit: Stimmt!

Regine Marxen: Ja, ja, ja.

Holger: Ich habe aber keinen Porsche.

Stefan Endrigkeit: Noch nicht.

Holger: Nein, nein.

Stefan Endrigkeit: Wie heißt denn, das Motorrad heißt Red Porsche Killer von Werner, ne?

Holger: Ja genau.

Stefan Endrigkeit: Ja, ja, genau!

Regine Marxen: Mit dem berühmten Rennen, mit dem Werner-Rennen.

Holger: Regine, so, jetzt … sonst ist die Zunge wieder so trocken.

Regine Marxen: Ja, ich habe (unv. #00:08:04.2#), was trinkt man in dieser Sendung? Und ich habe mir gedacht, wir gehen mal nach Frankfurt, und zwar zur Brauerei Flügge. Und ich finde, die machen ganz hervorragende Bier-Wein-Hybride. Und ich finde das superspannend, also ich finde Bier-Wein-Hybride ein spannendes Experiment. Und die machen das zusammen mit Daniel Mattern. Und das ist der Georg I., die 2020er Edition. Und ich finde es sehr spannend, weil das ein Imperial Stout ist mit Rotwein. Das hat auch nur 10 %, also insofern, sollte ich mich früher verabschieden, dann … Das ist auch nicht das erste Bier, das wir heute trinken, insofern ist es für mich eine gesunde Reihenfolge jetzt zu diesem Bier überzugehen.

Holger: Die haben doch so megacoole Etiketten.

Stefan Endrigkeit: Ja.

Regine Marxen: Mhm (bejahend).

Holger: Diese schönen Vögel in Öl gemalt, oder?

Stefan Endrigkeit: Ja.

Regine Marxen: Und die kann man jetzt, das ist das Tolle, die kann man sogar als Kunstdruck bestellen, habe ich gesehen.

Holger: So ein bisschen ist es ja in der Craftbier-Welt, also wenn man jetzt dann in so einen Craftbier-Laden reingeht und nicht so richtig absoluter Experte ist, ist es ja so ein bisschen wie beim Weinkauf auch. Also ich gehe in einen Laden, weiß dann so, lieber Rot als Weiß oder umgekehrt und kann dann vielleicht noch sagen, ein Chardonnay oder ein Merlot oder so, aber dann kaufe ich oft nach Etikett. Und dann so, ah nee, so 69,90 die Flasche ist jetzt doch zu teuer, aber 2,99 finde ich jetzt auch nicht okay, also bewegt man sich dann irgendwie so bei 10 Euro und greift ins Regal nach dem Etikett und ist dann irgendwie zufrieden oder nicht zufrieden. Ich glaube, das ist in der Craftbier-Welt auch so oder so ein bisschen so und da sind die Flügge-Etiketten, finde ich, sind echte Eyecatcher.

Regine Marxen: Ja, das machen die super. Und vor allen Dingen eine schöne Wiedererkennbarkeit. Also die findet man auch sehr schnell in diesem Regal, ist ein Riesenvorteil. Das Bier jetzt im Glas ist tatsächlich von der Farbe, würde ich mal sagen, es ist weder rot noch schwarz, es ist erstmal so ein bisschen, ich sag mal, wässrig braun. Die Farbe ist jetzt nicht sexy.

Stefan Endrigkeit: Brackwasser, ich würde sagen, Brackwasser, wenn wir schon …

Regine Marxen: Die Farbe ist nicht sexy, der Geruch ist total sexy.

Stefan Endrigkeit: Ja.

Regine Marxen: Da kommt so rote Frucht durch, so ein bisschen Kaffee.

Stefan Endrigkeit: Ja. Kaffee ist da auch auf jeden Fall.

Regine Marxen: Kaffee ist da auch. Der Malz, dieser Malz kommt auch so ein bisschen durch. Riecht auf jeden Fall sehr spannend und wesentlich besser als es aussieht, muss man sagen. Und es schmeckt toll.

Stefan Endrigkeit: Ja?

Regine Marxen: Ja, es ist schön trocken. Trotzdem so eine leichte Fruchtsüße dabei. Also schönes Bier. Was sagt ihr denn zu Bier-Wein-Hybriden?

Holger: Finde ich super. Gibt’s ja den David Hertl, den ihr vielleicht sogar kennt und schon besucht habt, ich weiß es nicht. Der David, der ist uns wohlbekannt. Das ist ja so ein Familienunternehmen und der Vater ist Winzer. Der David hat auch noch seinen Weinsommelier gemacht in Koblenz.

Stefan Endrigkeit: Mhm (bejahend).

Holger: Ist ja gerade noch so Oberfranken, aber an der Grenze zu Unterfranken. Und Unterfranken ist ja eine Weinregion und Oberfranken ist eine Bierregion. Und der David denkt da immer wieder darüber nach, auch Bier-Hybriden zu machen, eben Wein und Bier zu kombinieren, auch im Zusammenspiel eben mit seinem Vater und so. Finde ich, ist eine ganz, ganz spannende Sache. Hätte ich jetzt auch mir aussuchen können, habe ich sogar noch im Keller, vom David erste Versuche, die jetzt schon wieder einige Zeit alt sind. Aber müsste man mal testen. Markus, was sagst du denn zu Bier-Wein-Hybriden?

Markus: Generell bin ich davon absolut begeistert, also wirklich absolut begeistert. Ich habe so zwei unterschiedliche Zugangswege zu dem Thema gefunden. Das eine ist tatsächlich auch hier in Franken, also der David war ja ein bisschen später dran an dem Thema, hat aber jetzt witzigerweise gerade so ziemlich dasselbe Bier gebastelt, nämlich auch einen Imperial Stout mit Rotwein. Aber davor eigentlich war in Franken auch schon die Brauerei Bayer in Theinheim dran. Der experimentiert bestimmt jetzt schon vier Jahre, fünf Jahre. Der war auch bei uns im Biersommelier-Kurs und war da eben dann so ein bisschen angefixt.

Holger: Gasthaus „Grüner Baum“ übrigens.

Markus: Genau, „Grüner Baum“. Und der war dann ein bisschen angefixt von dem ganzen Thema und hat seitdem rumexperimentiert. Und macht sowohl einen Weißwein-Bier-Hybrid als auch einen Rotwein-Bier-Hybrid. Den habe ich auch schon öfters in Verkostungen so parallel gestellt. Das ist sehr spannend. Und dann ist es ja so, dass ich in Italien in mehreren Wettbewerben in der Jury bin. Und dort ist ja diese Idee des Italian Grape Ale, na ja, sagen wir mal, in gewisser Weise entstanden. Die experimentieren da auch schon lang und haben da ja ganz viele verschiedene Zugänge. Also davon, dass sie Saft verwenden oder den Trester oder rötlichen Wein oder wie auch immer. Da kann man ja alle möglichen Kombinationen fahren. Und dementsprechend gibt’s dann eben auch völlig unterschiedliche Ergebnisse, die im Glas sein können wie ein Prosecco bis hin zu richtig ganz schweren Gebräuen sozusagen. Und das ist wirklich, wenn man so die ganze Palette hat, echt eine ganz, ganhz spannende Geschichte. Also insofern tut’s mir jetzt fast leid, so ein Bier hätte ich jetzt auch gerne im Glas. Aber (unv. #00:12:34.4#), es sei dir gegönnt, Regine. Übrigens vielleicht noch eines …

Regine Marxen: Ich mache hier schon den Feiertag sozusagen.

Stefan Endrigkeit: Genau.

Markus: Vielleicht noch ganz kurz zu dem Thema Flügge, die kenne ich auch ganz gut. Und vor allem diese junge Malerin, die die Etiketten designt, das ist ja auch spannend. Das ist ja wirklich eine sehr imposante, kreative Person, die das eben tut, und die einfach dieses Hobby der beiden, die Ornithologie in Etiketten verwandelt. Und das ja wirklich sehr kreativ und immer wieder anders. Und interessant ist ja, dass die auch diese Kveik-Hefen aus Norwegen in allermöglicher Art und Weise rauf und runter fahren in ihrer, also die sind ja in der Bäckerei, wo die da brauen. Also ganz spannende Geschichte und kann man auch allen Hörern nur empfehlen. Also die Flügge Biere sind immer das Ganze, ja, eigentlich ein Testen wert. Und mein Lieblingsbier, ehrlich gesagt, ist das mit Maracuja. Das heißt, glaube ich, Frank. Das ist mit Maracuja Püree und auch gigantisch. Ich habe noch nichts getrunken von den Jungs, was mir nicht geschmeckt hätte. Insofern toll! Also freue ich mich jetzt ganz drauf und werde mit dir mitfiebern, wenn du das uns (unv. #00:13:28.9# vorstellst?).

Regine Marxen: Das Pflaumen Saison von denen ist auch sehr gut.

Markus: Das Mija, oder?

Regine Marxen: Ja genau!

Markus: Das habe ich nächste Woche in der Verkostung, das kenne ich noch nicht.

Regine Marxen: Du wirst es mögen, glaube ich.

Holger: Im Übrigen, wenn man jetzt bei euch auf der Internetseite ist und das Titelbild sieht, dann sieht man eines meiner absoluten Lieblingsbiere auch nur so halb, aber St. Bernardus Abt 12 …

Stefan Endrigkeit: Ja.

Regine Marxen: Mhm (bejahend).

Holger: … kann ich da erkennen. Und wisst ihr eigentlich, was das Besondere an jedem 1000. Etikett ist bei diesem Bier?

Stefan Endrigkeit: Nein, das weiß ich tatsächlich nicht. Also ich weiß, dass im Prinzip die Leute von Westvleteren sich da selbstständig gemacht haben und eine kommerzielle Brauerei aufgezogen haben, wenn ich das richtig verstanden habe.

Holger: Ja, die Arbeiten mit der Hefe, die man da auch verwendet. Aber was ist das Besondere bei jedem 1000. Etikett? Regine, weißt du es?

Regine Marxen: Nein.

Holger: Der Mönch zwinkert ein Auge zu.

Stefan Endrigkeit: Ach was?

Holger: Ja. Der Mönch hat immer die beiden Augen geöffnet, aber bei jedem 1000. Etikett kneift er ein Äuglein zu.

Stefan Endrigkeit: Da muss ich mal drauf achten, ob ich mal eine erwische.

Holger: Ja. Da kann man Ehrgeiz entwickeln und mindestens 1000 Abt 12 trinken, bis man es einmal sieht. Das wäre ein Ziel.

Stefan Endrigkeit: Auf jeden Fall! Ich habe dann irgendwann, das war eine Zeit lang mein Favorit in der Ecke, ich habe jetzt ein bisschen geswitcht auf Trappistes Rochefort 10.

Holger: Ja, das ist auch natürlich ein absolutes Klassiker-Bierchen, was wir oft auch in den Verkostungen verwenden. Sich unglaublich kombinieren lässt, auch im Food Pairing zu Käse oder Schokolade.

Stefan Endrigkeit: Ganz toll!

Holger: Aber mein Freund Markus, der wartet wahrscheinlich schon.

Markus: Ja, ja. Ich habe die Flasche in der Hand und lasse (unv. #00:15:10.3#)

Regine Marxen: Ich habe hier schon getrunken wahrscheinlich.

Markus: Aber vielleicht noch ein kurzer Nachtrag zu dem Westvleteren-Thema. Das ist tatsächlich eine spannende Nummer. Also es war so, dass die Leute von Westvleteren weggegangen sind, um das Bier in St. Bernardus brauen zu lassen dort. Und die haben das eine Zeit lang gemacht, und dann haben die Westvleteren Mönche gesagt, wir machen unser Bier wieder selber. Und dann hat St. Bernardus die Hefe …

Stefan Endrigkeit: Ah!

Markus: … behalten. Und die Hefe, die Westvleteren jetzt nutzt, ist eigentlich die Westmalle Hefe. Also dementsprechend sind es zwei unterschiedliche Hefen, aber die ursprüngliche Westvleteren Hefe ist jetzt eigentlich die im St. Bernardus.

Stefan Endrigkeit: Ach guck!

Markus: Aber es hat auch sehr viel damit zu tun, wie die Gärung gemacht wird, wie die Lagerung gemacht wird. Deswegen gibt’s schon deutliche Unterschiede auch zwischen Westvleteren, Westmalle und natürlich St. Bernardus. Da wird ja auch viel drüber diskutiert und viel Story drum gemacht, aber ist auch irgendwie interessant. So! Jetzt aber zu meinem Bier. Ich mache es mal auf. Mal gucken, ob ihr euch da wiederfindet.

Holger: Also ein Flens ist es hundertprozentig nicht.

Stefan Endrigkeit: (unv. #00:16:04.2#)

Markus: Ein Flens ist es nicht, aber es ist natürlich so, also natürlich hat Flensburger jetzt den Bügelverschluss wieder. Ich schenke hier mal noch ein. Aber ursprünglich war das natürlich etwas, was insgesamt in Deutschland verwendet worden ist, bevor man dann den Kronkorken benutzt hat.

Stefan Endrigkeit: Ah!

Regine Marxen: Aber den Bügelverschluss haben sie, glaube ich, nie abgeschafft, weil der Besitzer damals zu faul war, umzustellen. Was heißt zu faul, der hatte keinen Bock auf die Investition, er war schon ein bisschen älter und hatte jetzt nicht mehr die große Lust, gen Ende das Ganze umbauen zu lassen und hat dann einfach diese Flasche behalten mit dem Verschluss.

Stefan Endrigkeit: Und irgendwann haben sie dann ja angefangen, diese Gummis nämlich festzumachen, und dann klangen die Flaschen aber nicht mehr so. Weil dieser Plopp entsteht wohl auch dadurch, dass wahrscheinlich irgendwie Luft, ein bisschen Luft zwischen dem Gummi und dem Porzellanverschluss ist. Dann haben sie lange daran geforscht wohl, das Plopp hinzukriegen mit den neuen Flaschen.

Regine Marxen: Was aber auch wiederum auf den Werner-Comic oder das Werner-Comic vielmehr zurückgeht, weil da nämlich dieses Plopp immer so visualisiert worden ist mit diesem lauten Plopp in der Blase. Und das haben die Menschen dann irgendwie auch mit dieser Marke verbunden. Insofern kam da eins zum anderen.

Markus: Das ist ja das Schöne, dass man über Brauereien so viele schöne Geschichten erzählen kann.

Holger: Also (unv. #00:17:09.9#) Bier oder was?

Markus: Ja, ja, ja, ja. Also was ich hier im Glas habe, ist leicht trüb, es ist von der Farbe her, na, was würde man sagen, so ein Orangebraun. Also ein relativ helles Braun mit einem schönen Rotstich. Der Schaum ist so leicht getönt, etwas bräunlich. Wenn man reinriecht, hat man Karamell, viel Getreide, so eine leichte, frische Hefenote, die dann auch noch kommt. Jetzt probieren wir das Ganze mal. Ja, fängt schön süß an, hat auch wieder einiges an Karamell. Dann kommt eine brotige Note und hinten raus dann tatsächlich schön Hopfen, der das Ganze wieder ein bisschen abräumt. Also natürlich habe ich mir ein fränkisches Bier ausgesucht, um da ein bisschen anzustinken. Das mit dem Plopp-Verschluss ist tatsächlich eher Zufall, aber war natürlich jetzt witzig. Und zwar gibt’s eben eine kleine Brauerei, ein Brauhaus in Altenkunstadt, die heißen Leikeim. Und die gibt’s schon relativ lange und machen auch schon relativ lange in der Bügelflasche. Und haben vor einigen Jahren einen alten Bierstil neu aufgelegt, nämlich das Steinbier. Und das ist eine ganz coole Geschichte, das ist eigentlich noch eine mittelalterliche Idee des Brauens, dass man eben einen Eisenkorb mit Steinen gefüllt in einem Feuer erhitzt, bis der glüht, und dann diesen glühenden Korb mit einem Kran ins Brauhaus in den Sudkessel befördert, um die Maische oder den Sud zu erwärmen. Und bei dieser Geschichte hat man halt den Vorteil, dass man im Brauhaus selber kein Feuer machen muss. Deswegen war das schon mittelalterlich eine Idee, weil man dann eben praktisch das Feuerrisiko gesenkt hat. Und auf der anderen Seite hat man halt das Thema, dass der Zucker und die Stärke, die dann noch in dem Sud drin sind, natürlich karamellisieren an den glühenden Steinen. Und dadurch ergibt sich eben dieses schöne Karamellaroma, was sich dann wieder noch ein bisschen abwäscht. Ich war da mal als Fotograf dabei vor einigen Jahren, als die das zum ersten Mal gemacht haben. Und das war auch extrem spektakulär, weil natürlich dadurch, dass da diese 1000 Grad heißen Steine da reingehen, innerhalb von Null-Komma-Nix das ganze Sudhaus voll mit Dampf ist. Das war extrem spektakulär, ist es immer noch, machen die immer ab und zu mal kann man auch zuschauen. Habe ich mir gedacht, gönne ich mir heute mal wieder. Das ist eines der Biere, die ich wirklich sehr gerne mag, weil es eben mit diesen karamelligen Süßen für mich eben jetzt auch so einen Weihnachtscharakter hat. Und letztes Jahr hat man daraus auch ein Feuerzangenbier gemacht. Das war auch schön. Also insofern ein sehr vielseitiges, schönes Bier, das Leikeim Steinbier.

Stefan Endrigkeit: Klingt ja so ein bisschen so, als wenn gestachelt wird während des Brauprozesses sozusagen.

Markus: Mhm (bejahend). So ungefähr, ja. Monsterstachel.

Regine Marxen: Spannende Geschichte.

Holger: Ich kann‘s nur sehr empfehlen und auch von Gusswerk in Österreich, das war mein erstes Steinbier, was ich getrunken habe damals in Salzburg. Das ist wirklich super. Also dieser Restzucker, wenn der dann so karamellisiert, das hat auch sowas Weihnachtliches.

Markus: Holger, was hast du dir denn eingepackt?

Holger: Mein Bölkstoff sozusagen kommt aus Belgien.

Stefan Endrigkeit: Oh!

Holger: Und ich habe auf der einen Seite eine ganz normale Geuze mir ausgesucht für heute Abend. Und auf der anderen Seite dann doch ein besonderes Bier, wo ich jetzt hoffe, dass das niemand von euch so richtig gut kennt. Die Brauerei heißt De Ranke, also der Schlanke. Und das Bier heißt Mirakel.

Regine Marxen: Ja.

Holger: Das mache ich jetzt mal auf.

Regine Marxen: Das klingt ja verheißungsvoll.

Stefan Endrigkeit: De Ranke haben wir auf jeden Fall schon mal gesehen. Das sagt was, aber …

Regine Marxen: Die Brauerei, von der haben wir immerhin schon mal gehört.

Stefan Endrigkeit: Ja.

Regine Marxen: Weil wir ja auch in Belgien waren, als man noch reiste so mit gutem Gefühl.

Markus: Ja, also die Brauerei kenne ich auch, aber dieses Bier kenne ich in der Tat auch nicht.

Regine Marxen: Das Bier kenne ich nicht.

Holger: Ja, das ist nicht immer verfügbar. Das ist was Besonderes. Und da habe ich dann gedacht, also wenn ich doch da mit den Hamburger Kollegen, und ich habe ja selber auch mal in Hamburg gelebt und ich habe drei Kinder und eine Tochter, und die Tochter ist sogar in Hamburg geboren.

Stefan Endrigkeit: Ach was? Guck!

Holger: Bolzenweg habe ich gewohnt, Eppendorfer Landstraße, Ecke Eppendorfer Landstraße am Kellinghusenpark.

Stefan Endrigkeit: Ah okay!

Holger: Ja, sehr schön da, sehr schön, so ungefähr viereinhalb Jahre, würde ich sagen. Aber jetzt zu De Ranke. Also De Ranke ist eine klassische belgische Brauerei, die haben verschiedenste Sachen im Angebot. Eigentlich nicht spezialisiert auf Geuze, also ganz im Gegenteil. Ist so ein bisschen südlich von Kortrijk, also so Lille die Ecke, also westlich von Brüssel. Die haben das dann einfach irgendwann mal ausprobiert und haben eben drei verschiedene Geuzen miteinander vermischt und sind selber, sagen sie, total überrascht über das Ergebnis, dass es dann doch so gut geworden ist. Es ist so ein, sag ich mal, so ein dunkles Goldgelb, geht so ein bisschen auch in so eine Messing-Richtung. Ich habe kaum Schaum im Glas. Es riecht genauso wie eine Geuze halt auch zu riechen hat. Ist so unglaublich in der Balance, dass man an eurer Stelle wirklich neidisch sein kann. Also das ist wirklich großes Kino. Hat 5,5 % Alkohol, hat eine schöne 0,75-Liter-Flasche, so Champagner-Optik. Das bier ist von 2019. Das sagt mir wirklich zu. Und da habe ich halt gedacht, also sowas Besonderes mache ich heute mal auf. Und ein ganz besonderer Bölkstoff halt.

Stefan Endrigkeit: Das ist ordentlich. Wir haben nachher noch ein Online-Treffen mit unserer Craftbier-Truppe mit …

Regine Marxen: Die Bier-Bezugsgruppe.

Stefan Endrigkeit: Die Bier-Bezugsgruppe sozusagen. Das sind die Menschen, mit denen wir uns sonst immer eigentlich in irgendwelchen Bars getroffen haben. Und das haben wir jetzt natürlich auch, ziehen wir jetzt online weiter durch, wo wir es nicht dürfen. Wir haben neulich so ein (unv. #00:22:25.0# Drei?) Themen-Package bestellt. Und da sind wir, wollen wir auf jeden Fall nachher noch mal eins verkosten, das Platinum Blend. Und insofern haben wir auch schon große Lust auf Geuze heute.

Holger: Unbedingt! Also Geuze ist immer gut. Apropos Lieblingsbar und so, also meine absolute Lieblingslocation in Hamburg in Richtung Bar ist die Dripbar in Altona. Kennt ihr die?

Stefan Endrigkeit: Ist ja St. Pauli.

Regine Marxen: St. Pauli, ne?

Holger: Oder St. Pauli.

Stefan Endrigkeit: Ist direkt bei der St. Pauli Kirche. Die kennen wir. Ja, das ist auch ganz spannend. Die Sachen, die sie da haben, die sie hauptsächlich selber herstellen, ganz, ganz tolle Drinks.

Regine Marxen: Spirituosen über Gemüse tröpfeln lassen.

Stefan Endrigkeit: Über Gemüse.

Holger: Nein, absolut. Also die haben mehrere, wirklich, weiß ich nicht, 40 oder 50 Cold Dripper und machen außergewöhnliche Cocktails. Ist eine außergewöhnliche Location. Und ich habe die ganz zu Anfang mal kennengelernt, wo die gestartet haben. Und wir hatten da so eine Wette am Laufen, ich habe dann einfach gesagt, bei euch, dieser ganze Schicki, den ihr da macht, also das ist eigentlich alles total egal, ihr könnt irgendeinen Cocktail machen und ich präsentiere euch ein entsprechendes Bier dazu, was genauso schmeckt wie euer Cocktail, ist nur nicht so viel Aufwand dann in der Zubereitung am Gast. Und das haben die mir dann nicht geglaubt und dann haben wir da richtig rumexperimentiert und ich habe dann da aus dem Vollen schöpfen dürfen. Und die waren also absolut beeindruckt damals. Und seitdem haben Markus und ich auch ein Cold Dripper so und lassen halt ab und zu mal ein Imperial Stout über Bratapfelscheiben tröpfeln. Und das ist dann auch was richtig Schönes.

Stefan Endrigkeit: Das glaube ich. Auf so eine Idee sind wir noch gar nicht gekommen. Ich fand das damals wirklich sehr beeindruckend, weil sie ja auch dann eben so mal eben zum Verkosten ein Cold Drip Kaffee und sowas mal einem präsentieren, einfach damit man so einen Eindruck bekommt. Und das fand ich alles super. Also wirklich echt eine tolle Bar. Und dadurch, dass sie ja auch nur eine begrenzte Zahl von Leuten reinlassen und man muss ja klingeln, um reinzukommen, …

Holger: Stimmt.

Stefan Endrigkeit: … ist es auch jetzt einfach nicht zu voll. Also auch eben für St. Pauli Verhältnisse wirklich eine Bar, wenn man dann reinkommt am Samstagabend auch noch, die angenehm gefüllt ist.

Holger: Und auch die Getränkekarte dann in so alten Büchern und überhaupt, diese ganze Atmosphäre und so ist genial.

Stefan Endrigkeit: Ja, finde ich auch.

Holger: So, Stefan, jetzt bist du dran. Also was …

Stefan Endrigkeit: Ich bin dran. Genau.

Holger: … hast du dir denn ausgesucht?

Stefan Endrigkeit: Mich führt es im Prinzip fast in die Gegend von Markus, und zwar habe ich einen Gutmann Weizenbock.

Markus: Sehr fein.

Holger: Sehr fein. Da bin ich jetzt auch neidisch.

Stefan Endrigkeit: Das ist ja auch ein Bier, was jetzt auch in Norddeutschland gar nicht so einfach zu bekommen ist. Die sind ja auch eine Brauerei, die dann doch tendenziell eher um den eigenen Schornstein rum verkaufen. Aber der Craftbier Store in Hamburg hat glücklicherweise jetzt zweimal eine Rutsche bekommen und ich habe ein bisschen vorgesorgt, dass ein bisschen was zu Hause ist. Also wirklich ein sehr, sehr schönes Bier. Es ist ein bisschen wärmer, dann ist es auch gleich bananiger. Es steht jetzt schon seit einer halben Stunde. Beim ersten Mal war es nämlich gar nicht so wahnsinnig bananig.

Regine Marxen: Mhm (bejahend). Stimmt.

Holger: Ah ja, Kälte raubt Aromatik. Das ist so.

Stefan Endrigkeit: Ja, auf jeden Fall. Letzte Woche hatte ich von Weihenstephan den Vitus. Da war es wirklich so, den habe ich aufgemacht und habe die Gläser geholt und in der Zeit allein war die Küche eine Bananenplantage geworden. Also das war beeindruckend.

Markus: Der Vitus ist auch so ein, na, kein Geheimtipp, aber für jemanden, der halt wirklich Weizenbock liebt, ist das eigentlich das Bier. Gutmann natürlich auch, und Gutmann ist ja eigentlich eine fränkische Brauerei. Das wurde uns erst 1972 erzählt. Also …

Holger: Ist aber jetzt im Landkreis Eichstätt und gehört absolut zu Oberbayern. Jawohl! Aus Hamburger Sicht ist es vielleicht ganz in deiner Nähe. Nein, das gehört zu meinem Regierungsbezirk, zu meinem Regierungsbezirk. Und ich lebe in der Hauptstadt dieses Regierungsbezirks. Jawohl!

Markus: Bierbeute sozusagen. Aber die Brauerei zu besuchen, macht auch Sinn. Also das sind ja Brüder, die das Ganze führen, und der Ort heißt Titting. Und die Brauerei ist in so einem Rundgebäude und genau in der Mitte ist dann der Gärkeller. Und das haben die auch sehr schön zelebriert und so. Und einmal im Jahr ist da ein großes Fest und dann um diesen Rundbau rum natürlich jede Menge Bänke aufgestellt werden und so, und das ist echt ein tolles Erlebnis. Also kann ich euch nur empfehlen, wenn euch das schmeckt, unbedingt mal vorbeischauen zum Brauereifest bei Gutmann.

Stefan Endrigkeit: Ja, es gibt da ja bei euch so wahnsinnig viel zu sehen. Also wir waren jetzt diesmal ja wirklich eine Woche in Bamberg und sind so ein bisschen rumgefahren, also bis Nürnberg waren wir gekommen.

Regine Marxen: Ja genau.

Stefan Endrigkeit: Haben den Felix vom Endt noch besucht.

Regine Marxen: Und zudem muss man sagen, war es ja auch ein Corona-Jahr. Das heißt, man konnte nicht in jede Brauerei einfach mal so reinschauen.

Stefan Endrigkeit: Genau! Und nicht einfach so. Aber das ist alles auf jeden Fall auf dem Zettel. Wir sind, wie gesagt, immer wieder beeindruckt, was es da unten alles gibt, was für ein Wahnsinn.

Holger: Eigentlich ist es ja da oben, ihr seid da unten, …

Regine Marxen: (unv. #00:26:47.0#)

Holger: … wenn ich das sagen darf.

Stefan Endrigkeit: Das ist ja total süß, weil wir haben ja auch immer, nämlich Regine sagt das nämlich auch immer so, die sagt immer, wenn nach Flensburg, wir fahren runter nach Flensburg. Ich immer: Nein, wir fahren rauf nach Flensburg.

Regine Marxen: Wir fahren runter.

Markus: Das ist alles immer eine Frage der Sichtweise. Aber ich muss sagen, Hamburg ist für mich schon auch immer eine Reise wert und war auch so eine der ersten nichtfränkischen Städte, in die ich mich absolut verliebt habe. Das war schon zu Schulzeiten. Damals gab‘s ja dann dieses Bahnticket für 15 Mark oder so, wo man dann, wenn man nur Regionalzug gefahren ist, praktisch den ganzen Tag durch Deutschland gurken konnte. Und da sind wir dann immer sechs, sieben Stunden nach Hamburg gegurkt, endlos mit dem Zug. Aber natürlich mit entsprechend Essen und Spiele und so weiter ausgestattet war das auch immer sehr witzig. Und haben dann wirklich immer eine Woche oder auch mal nur ein Wochenende oder sowas in Hamburg verbracht. Und das ist schon eine Stadt, wo ich mich immer wieder freue, wenn ich hinkomme und wo ich mich auch sehr wohlfühle. Und wo es ja mittlerweile auch viele Freunde gibt, nicht zuletzt den Dennis in der Elbphilharmonie zum Beispiel, oder den Danny eben, der jetzt ja gerade erst gewechselt ist. Also auf jeden Fall superspannend und kann man euch auch nur beglückwünschen. Also natürlich bin ich froh, hier in Franken zu sein, aber Hamburg ist bestimmt keine allzu schlechte Alternative.

Regine Marxen: Ich finde auch, dass man uns beglückwünschen kann.

Stefan Endrigkeit: Es ist biermäßig wahnsinnig viel passiert. Also seitdem wir das jetzt hier machen, seit Ende 2017, hat sich so wahnsinnig viel getan. Und klar, abgesehen davon, sowieso Hamburg als Stadt, ich fahre manchmal auch irgendwo lang und denke immer, mein Gott, Touristen bezahlen wahnsinnig viel, um hierher zu kommen, sich das anzusehen, und ich kann da jeden Tag langfahren.

Holger: Stefan, was hast du dir denn ausgesucht? Den hellen oder den dunklen Weißen?

Stefan Endrigkeit: Den dunklen gibt’s gerade gar nicht, der kommt ja erst im Januar, soweit ich weiß. Wir haben gerade die Zeit mit dem hellen Weizenbock.

Holger: Es gibt hier Menschen in diesem Podcast, die haben Bock-Jahrgangs-Läger. Und da gibt’s dann auch einen dunklen Bock.

Stefan Endrigkeit: Ja, das glaube ich tatsächlich, aber auf den sind wir jetzt auch schon ganz gespannt. Ich habe den hellen und ich bin gerade total happy. Also ich mag auch die Cremigkeit, die er im Mund entwickelt. Das finde ich auch ganz toll.

Holger: Also ein schönes Mundgefühl, …

Stefan Endrigkeit: ja.

Holger: … was zu einem richtig schönen Weißbier natürlich auch gehört.

Markus: Den geilsten dunklen Bock, den sie je gemacht haben, das war mal das Hochzeitsbier. Da hat einer von den Jungs geheiratet vor jetzt, glaube ich, vier Jahren oder fünf, und da haben sie eben einen speziellen dunklen Bock eingebraut und das war dann das Hochzeitsbier. Da habe ich auch noch vier Flaschen in meinem Keller. Wenn wir uns mal in Hamburg treffen, bringe ich da einen mit.

Stefan Endrigkeit: Sie haben ja auch einen Bock, der in Whiskyfässern ausgebaut wird. Den gibt’s ja auch noch.

Markus: Superkreativ, finde ich schön. Und die sind ja eben so auch gefangen so in diesem Thema, einerseits wirklich extrem traditionell, weil diese Brauerei natürlich auch eben seit Jahrhunderten für das Thema steht, aber auf der anderen Seite sind es natürlich auch junge Männer, die sich ein bisschen ausprobieren wollen und die einfach auch Spaß und Bock haben auf Experimentierfreudigkeit. Und das kriegen sie jetzt, glaube ich, mittlerweile richtig gut hin, so beide Welten auszuleben.

Stefan Endrigkeit: Finde ich auch, also wirklich ganz toll.

Holger: Aber das ist doch jetzt ein wunderbares Schlusswort auch. Auf jeden Fall noch mal 1000 Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mit uns zu plaudern.

Stefan Endrigkeit: Sehr gerne!

Holger: Und macht weiter so. Vielleicht begegnen wir uns auch mal, das fände ich sehr schön, egal wo, ob jetzt in Hamburg oder in Franken oder in Oberbayern oder in Berlin oder sonst wo, ganz egal, auch gerne vielleicht gemeinsame Bierreise. Ihr habt ja vieles auch im Programm, wo ihr in verschiedenen Orten dann auch in Europa wart. So ist es bei uns ja auch. Also vielleicht laufen wir uns über den Weg. Mich würde es wahnsinnig freuen. Ich wünsche euch eine gute Zeit, eine schöne Weihnachtszeit, ganz tolle Rauhnächte und ein besonders erfolgreiches und gesundes 2021.

Stefan Endrigkeit: Absolut! Vielen Dank! Ganz genauso.

Regine Marxen: Vielen Dank! Euch dasselbe! Hat Spaß gemacht.

Stefan Endrigkeit: Ja.

Markus: Überhaupt danke schön. Ciao!

Regine Marxen: Kommt gesund ins neue Jahr. Ciao!

Stefan Endrigkeit: Ciao! Schönen Abend!

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk 48 – Interview mit Hans-Peter Drexler von Schneider Weisse aus Kelheim

Seit 39 Jahren ist Hans-Peter Drexler Braumeister bei der Schneider Weisse G. Schneider & Sohn Brauerei in Kelheim. Natürlich ist er dort inzwischen eine Institution, aber nicht nur dort, sondern auch in der internationalen Brauwelt. Gemeinsam mit Garret Oliver zeichnete er verantwortlich für eines der ersten und wohl einflussreichsten deutschen Craft-Biere, die Hopfenweisse. Aber bereits zuvor entwickelte er mit seinem Chef, Georg Schneider VI., die Festweisse, die an die ruhmreichen Zeiten anknüpft, als das Schneider-Bier noch auf dem Oktoberfest ausgeschenkt wurde. Außerdem kreierte Hans-Peter Drexler die Tap X-Serie, die wie kaum ein anderes Spezialbier-Label für innovative und hochkarätige Bierspezialitäten steht. Im Podcast verkosten er, Holger und Markus sechs wunderbare Biere aus seiner Feder, natürlich nicht ohne die passenden Geschichten und Hintergründe. Ein BierTalk der Superlative!

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

 

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres BierTalks. Wir sind bei der Nummer 48 angelangt. Dabei wie immer ich, der Markus und …

Holger: … der Holger.

Markus: Genau! Und unsere Reise heute führt uns in ganz viele interessante Ecken. Also einmal historisch gesehen zum wahrscheinlich ältesten Bierstil Bayerns, zu einer Brauerei, die mit der Geschichte dieses Bierstils sehr eng verbunden ist, und zu auch einer Person, die wiederum mit der Geschichte dieses Bierstils an und für sich sehr eng verbunden ist und da auch für sehr viel spannende Innovationen steht und eben weltweit eigentlich ein großer Name in diesem Bereich ist. Deswegen jetzt also unser BierTalk mit Hans-Peter Drexler, der gerade in Kelheim sitzt. Hans-Peter, wenn du dich vielleicht selber ganz kurz vorstellst.

Hans-Peter Drexler: Hallo zusammen! Ich bin der Hans-Peter Drexler, Braumeister bei der Schneider Weissen jetzt im 39. Jahr. Hatte in diesen 39 Jahren viel Gelegenheit über Weißbier nachzudenken und auch viele Möglichkeiten Weißbier-Innovation zu betreiben.

Markus: Das klingt ja schon mal sehr spannend. Du hast uns auch sechs tolle Biere geschickt, also die Palette zum Teil, die man so kennt, aber eben auch einiges, was so ein bisschen darüber hinausgeht. Das werden wir uns gleich zusammen verkosten. Vielleicht zum Einstieg noch kurz die Frage: 39 Jahre, ich weiß ja, dass die Georg Schneiders so durchwechseln mit ihren Nummerierungen. Wie viele von denen hast du denn erlebt? Und wie war vielleicht dein erstes Zusammentreffen mit dem ersten aus der Reihe?

Hans-Peter Drexler: Mein erstes Zusammentreffen, das war mit Georg Schneider, dem 5., der Vater vom jetzigen Georg Schneider. Der hat mich damals eingestellt in Kelheim in die Brauerei. Ich wusste damals nicht, dass aus diesem Start gleich 39 Jahre oder fast 39 Jahre werden würden. Ich habe mir gedacht: Ja, schauen wir mal, wie es sich entwickelt. Und wie es halt so ist, kommt eines zum anderen. Und hatte dann auch noch Gelegenheit, den Großvater vom jetzigen Inhaber kennen zulernen, Georg, den 4.. Ich arbeite jetzt seit vielen Jahren mit Georg, dem 6. und kenne auch sehr gut natürlich mittlerweile auch Georg, den 7., also vier Generationen Schneider sind mir sehr präsent immer noch.

Markus: Das ist ja schon spannend. Und allerletzte Fragen, bevor wir mit dem ersten Bier einsteigen: Was hast du denn vorher gemacht?

Hans-Peter Drexler: Ich habe vorher einige Zeit im Ausland verbracht. Also ich hatte Gelegenheit, in Griechenland Bier zu brauen, war sehr spannende Zeit, habe sehr viel lernen können. Griechenland ist ja durchaus eine Bleibe wert, zumindest eine Zeit lang. Das hat mir sehr viel gegeben, hat mich auch sehr geprägt für mein weiteres nicht nur Brauerdasein, sondern auch persönliche Entwicklung.

Markus: Ja, das kann ich mir vorstellen. Also Griechenland ist ein wunderschönes Land, das auch das bayerische Reinheitsgebot kennt und hat. Ist ja auch spannend. Und mit welchem Bier wollen wir denn anfangen?

Hans-Peter Drexler: Ich würde einfach mit dem Klassiker anfangen, Schneider Weisse Original. Das Bier des Gründers, das ist immer noch so, wie es halt vor fast 150 Jahren zum ersten Mal gebraut wurde. Die Rezeptur, die gibt’s ja auch noch, sie liegt bei uns in einem Tresor original. Machen wir es zuerst auf, dann schauen wir es uns an. Verkosten wir es mal gemeinsam, oder?

Markus: Yo! So machen wir das. Holger, auf geht’s!

Holger: Ja, wunderbar! Für die Hörer, es ist sozusagen Tap 7. Also wir sprechen jetzt vom Original, aber oben auf den Kronkorken steht ja immer eine Nummer, und quasi unser erstes ist das Tap 7. Und man kann, wenn man jetzt in so eine gemischte Schneider-Kiste reinschaut, muss man kein Bier rausziehen, sondern kann am Kronkorken direkt erkennen, was einen erwartet. Wunderbar! Ihr habt ja jetzt auch neue Etiketten, Hans-Peter, die mir ausgesprochen gut gefallen. So seit Mitte des Jahres, würde ich behaupten, oder? So seit Mai oder ich weiß nicht genau?

Hans-Peter Drexler: Ja, seit Frühjahr. Ja, richtig.

Holger: Wunderschön sind die. Was mir besonders daran gefällt an den neuen Etiketten, wenn ich das sagen darf, ist, die sind so modern und trotzdem strahlen die auch eine gewisse Tradition aus. Also mit 148 Jahren Brauereigeschichte muss man ja ein bisschen innovativ auch nach außen signalisieren, aber die Tradition muss auch eine Rolle spielen. Und ich bin der Meinung, das habt ihr mit den neuen Etiketten unglaublich gut umgesetzt. Die grenzen sich voneinander ab und machen Lust aufs Trinken. Aber ich will gar nicht so viel reden, sonst schimpft der Markus wieder mit mir. Allen ein Prost!

Hans-Peter Drexler: Ja, Prost!

Markus: Prost! Ich schimpfe gar nicht, du darfst doch reden.

Hans-Peter Drexler: Vielen Dank fürs Kompliment! Ich werde es weitergeben an unsere Leute, die sich dafür richtig ins Zeug gelegt haben.

Holger: Ich hoffe, dir gefallen die auch die neuen Etiketten.

Hans-Peter Drexler: Ja, ja. Also wirklich, mir gefallen die richtig gut. Ich meine, es ist ja immer diese große Kunst, auf der einen Seite die Tradition rüberzubringen, auf der anderen Seite aber sich auch ein bisschen zeitgemäß darzustellen und trotzdem nicht den Kern halt zu vergessen. Also das ist, sagen immer, respektlos dieses blaue Ei. Das kommt da recht schön raus, dass man also von der Weite schon sieht, um was es geht.

Markus: Das stimmt. Ja. Das ist wahr. Das wird richtig schön präsentiert, hat aber eben noch richtig schönes Beiwerk drum rum. Werden wir dann spätestens bei der Nummer 4 auch drüber reden, weil da sind dann auch noch Menschen mit drauf. Dann lasst uns doch mal dieses Bier angehen.

Hans-Peter Drexler: Ja.

Markus: Holger, magst du, soll ich oder soll der Hans-Peter ehrenhalber das erste Bier eröffnen?

Holger: Wie ihr wollt.

Markus: Dann mache ich mal. Also wir haben ein wunderschönes Bier, wo sich für mich eigentlich schon die erste Gretchenfrage stellt, wenn wir uns das Ganze von der Farbe her anschauen. Weil da sind wir jetzt eigentlich bei so einem hellbräunlichen, dunklen Bernstein, wie auch immer, also schon einer relativ kräftigen Farbe. Und immer wieder, wenn ich gerade bei Wettbewerben bin und wir Weizenbiere verkosten oder Weißbiere, dann ist immer die große Frage: Wo ist denn die Grenze zwischen dem hellen und dem dunklen Weizen? Und da gibt’s dann manchmal noch ein Bernstein-Weizen dazwischen. Und das immer genau festzulegen, ist ganz schwierig. Oder vielleicht auch noch eine kleine Anekdote. Als ich mal in Berlin war vor vielen Jahren dort bei einem chinesischen Restaurant und habe dann ein dunkles Weizen bestellt, dann wurde mir auch ein Schneider Original hingestellt. Das ist ganz interessant. Vielleicht ganz kurz, bevor wir weiter verkosten, Hans-Peter, was sagst du denn zu dem Thema?

Hans-Peter Drexler: Zur Zeit der Gründung der Schneider Weisse, 1870, 1872 ja genau, das war ja in München, und in München war die Bierfarbe in der Regel ja dunkel aufgrund des Wassers und die Malze waren auch etwas dunkler. Und so hat sich eigentlich damals diese Farbe ganz selbstverständlich eingestellt und wir haben eigentlich da nichts dran geändert. Ich kann mich erinnern, wie ich vor 40 Jahren angefangen habe mit der Schneider Weissen zusammen zu sein. Da war das ganz was Normales, da hat man halt, grad in Südbayern, eine Schneider Weisse gekannt, und das war halt so, wie es ist. Da hat man zwischen dunklen und hellen Weißbieren nicht so unterschieden. Und das hat sich dann im Laufe der Jahre so entwickelt, sodass wir immer mehr in das vermeintlich dunkle Eck gewandert sind, obwohl die Farbe immer die gleiche geblieben ist. Ich denke mir einfach aus dem Grund, weil die Leute halt irgendwie einen Namen gebraucht haben. Und wir haben uns dann darauf verständigt, dass es ein bernsteinfarbenes ist, irgendwo so zwischendrin.

Markus: Ich denke, ein dunkles Weizen fängt dann an, wenn ich auch wirklich Röstaromen rieche und schmecke. Also wenn da noch Schokolade, Kaffee irgend sowas dazukommt, dann ist es, glaube ich, wirklich dieser bewusst dunkle Charakter. So ist es halt einfach ein uriges, klassisches, ehrliches Weizen. Und das riecht man auch schon, also da hat man diesen klassischen frischen Hefegeruch, der so einerseits das Bananige hat, andererseits eben diese Gewürzaromen, leichte Nelke, was sich schön verbindet. Wobei hier die Nelke vielleicht sogar ein bisschen überwiegt, also sehr intensiv auf jeden Fall, sehr frisch. Probieren wir mal ein Schlückchen. Ein unheimlich schönes Mundgefühl, richtig cremig, das schmeichelt richtig, während man es trinkt, umspielt die Zunge. Geht so frisch los, hat dann so ein bisschen brotig, leicht süß, und hintenraus wird es dann aber wieder trockener, da merkt man, dass dann doch auch ein bisschen Hopfen da mitspielt. Und dann so im Nachhall kommt noch mal dieses vor allem nelkige Aroma, was dann auch lange bleibt und einem so richtig nochmal anfüllt. Und dann wird es trockener und man hat wieder Lust weiter zu trinken. Also richtig schön ausbalanciert und nicht so wuchtig, wie viele Weizen oft sind, die einen dann richtig sattmachen, sondern da kann man schon das eine oder andere davon trinken. Holger, was sagst du denn?

Holger: Bei mir ist die Nelke auch im Vordergrund, natürlich auch noch die Banane. Aber dann hinten, wenn man dann schluckt, dann kommt schon so eine Bittere zustande, die tritt dann so ein. Und dann habe ich so eine Muskatnuss ein bisschen und auch ein bisschen so eine röstige Nuss-Aromatik. Und beiße jetzt gerade hier herzhaft in mein bayerisches Leberkäs-Brötchen rein, oder Semmel muss ich ja sagen, Semmel. Um Gottes Willen, was war das jetzt für ein Fehler. Schneide es bloß raus! Dann weiß man, wozu es auch passt. Aber ich möchte noch mal ganz kurz aufs Original zurückblicken, also quasi auf die Zeit um 1872. Man muss sich das ja mal vorstellen, also ich stelle mir das vor, so in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen die untergärigen Bierstile so richtig auf. Also dann ja 1842 in Pilsen mit Josef Groll eben das erste Pils. Und das wurde ja wahnsinnig modern. Und zu der Zeit gründet dann Georg Schneider, der 1., eine Weißbier-Brauerei. Ich meine, fast schon ein bisschen rückständig. Und gleichzeitig erhält er damit natürlich diesen urbayerischen Bierstil. Das war bestimmt eine unheimlich spannende Zeit, wo viele zu ihm gesagt haben: Mensch Georg, meinst du, das ist es wirklich? Also soll man nicht auch untergärige Biere machen? Und da einfach zu sagen, nein, meine Passion sind diese obergärigen Biere und ich ziehe durch. Und so ein Original gibt’s dann nach 148 Jahren. Und wenn man jetzt dem Hans-Peter Glauben schenken darf, unverändert immer noch. Das ist doch sehr beeindruckend, finde ich.

Hans-Peter Drexler: Es war ja sicherlich auch eine Chance für den Georg, den 1., durch das, dass eben die Weißbiere nicht mehr ganz so up to date waren zu dem Zeitpunkt. Der hat ja doch dieses Recht Weißbier zu brauen, das war ja damals ein Staatsmonopol in den Händen der Wittelsbacher in Bayern, und die haben halt genau aus dem Grund, weil dieses untergärige Bier immer moderner geworden ist und die Nachfrage größer wurde, haben die Wittelsbacher kein Interesse mehr gehabt an dem Weißbier-Brauen und an diesem Geschäft mit Weißbier und haben das eben abgegeben. Und da denke ich, hat dieser Georg, der ja Braumeister war in München, der hat seine Chance gewittert und hat sich gesagt, ja, jetzt habe ich die Gelegenheit, wenn es die anderen nicht mehr wollen, nutze ich die Chance und schaue, dass ich was draus mache. Und das, glaube ich, ist schon eine Pioniertat gewesen damals.

Holger: Es ist bemerkenswert, wenn man sich das noch mal so vor Augen führt, was damals so alles eine Rolle gespielt hat. So Markus, dann zum zweiten Bierchen. Oder gibt’s noch eine weitere Frage an unseren lieben Gast?

Markus: Vielleicht noch eine Anmerkung oder auch eine Frage, je nachdem. Jedenfalls haben ja dann dieser 1. Georg Schneider und dann auch seine ersten Nachfolger ja durchaus Erfolg damit gehabt und haben ja dann weitere Brauereien dazugekauft, wie zum Beispiel auch die in Kelheim. Ich weiß gar nicht, war da auch irgendeine dabei, die untergärig gebraut hat, oder waren die alle weiß?

Hans-Peter Drexler: Ich weiß jetzt nicht, welcher Georg das war, aber es ist damals in der Familie die Idee entstanden, so eine Art Weißbier-Imperium über ganz Bayern zu gründen. Die Idee war einfach, dass man diese ganzen ehemaligen weißen Brauhäuser von den Wittelsbachern übernimmt und wieder aktiviert. Das größte davon war das in Kelheim, das wurde 1928 gekauft. Und dann hat man noch in Straubing eine Brauerei gekauft im Bräuhaus. Und dann ist das wieder eingeschlafen, aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Aber zum Thema Helles oder untergäriges Bier: Wie ich 1982 anfangen habe in Kelheim Bier zu brauen, da hat man untergäriges Bier auch gemacht.

K: Okay. Also irgendwann dann bewusst davon verabschiedet?

Hans-Peter Drexler: Ja genau. Also drei oder vier Jahre, ich denke, das war so 85, 86, da haben wir uns davon verabschiedet, einfach mit dem Hintergedanken die Familie konnte damals eine Brauerei in Straubing kaufen, die Karmeliten Brauerei, die gehört mit zur Familie seit der Zeit. Und hat eben die ganzen Aktivitäten untergärig dann in dieser Karmeliten Brauerei weiterverfolgt und wir haben uns in Kelheim dann auf dieses Thema Weißbier gestürzt, ausschließlich Weißbier zu brauen und den Betrieb zu spezialisieren auf dieses Bier. Das war ja auch die Zeit in den 80er Jahren noch, wo der Weißbier-Konsum ja massiv sich entwickelt hat. Die ganzen Weißbierbrauereien, die es damals gegeben hat, das war ja nicht so sehr viele, die sind gewachsen ohne Ende. Und wir haben halt auch einfach Platz gebraucht. Darum war das für mich schon die richtige Entscheidung, dass wir uns eben dann ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt haben, mit Weißbier.

Markus: Das verbindet sich auch so ein bisschen, weil ich denk mal, wir werden jetzt dann die bereits von mir angesprochene Festweisse verkosten. Und vielleicht auch für die Hörer, die mit der Geschichte nicht so ganz vertraut sind, das war jetzt vielleicht ein bisschen verwirrend. München Kelheim hin und her, es ist einfach so, dass das Münchner Brauhaus im 2. Weltkrieg zerstört worden ist und man dann eben die Produktion nach Kelheim komplett verlegt hat und deswegen die heute auch dort ist. Aber wegen dieser Münchner Geschichte eigentlich ja Schneider auch auf dem Oktoberfest vertreten war früher. Und die Festweisse geht da ein bisschen drauf zurück, oder? #00:12:48.3#

Hans-Peter Drexler: Ganz genau. Das ist eigentlich so eine Erinnerung an diese Oktoberfestzeit von der Schneider Weissen. Entstanden ist das Bier eigentlich bei einer Reise nach USA. Ich habe gemeinsam mit Georg, dem 6., in den 90er Jahren Kunden besucht. Das war damals so der Beginn, wo man halt das Exportgeschäft ausgeweitet hat. Es hat ja damals schon Craftbiere gegeben in den USA, das war der Beginn dieser Bewegung. War eigentlich schon mittendrin. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich das erste Mal so ein Pale Ale trinken durfte. Und das war also wirklich eine Offenbarung. Mich hat diese Hopfensorte Cascade damals so fasziniert. Sierra Nevada ist ja nun der Name schlechthin, der damals schon sehr bekannt war auch in den Staaten. Mich hat der Gedanke an diesen Cascade Hopfen nicht mehr losgelassen, sodass ich dann einfach mal gesagt habe, wir probieren das zuhause, wir besorgen uns da einen Hopfen, der ja doch so eine zitronige oder grapefruitartige Note mitbringt. Wir probieren das einfach mal. Das müsste wunderbar fürs Weißbier passen. Gesagt, getan, wir waren zu Hause, ich habe dann einfach mal so einen Sud mir ausgedacht, habe Cascade besorgt. Das war eigentlich so die Gründung der Festweissen. Und dann hat eben der Georg gesagt damals: Ja, ihn erinnert das eigentlich schon so ein bisschen an das, was ihm sein Großvater ihm erzählt hat von dem Wiesnbier. Das war auch ein bisschen stärker gehopft. Und der könnte sich gut das einfach vorstellen, dass man in Erinnerung an dieses Oktoberfestbier das jetzt als Festweisse unter die Leute bringt. Und so ist das auch gemacht worden. Und ja, uns gibt’s immer noch.

Markus: Ja, dann machen wir es doch mal auf.

Hans-Peter Drexler: Ja. In den ersten zwei, drei Jahren haben wir ganz konventionelles Bier gebraut, haben dann aber auf Wunsch der Amerikaner, die unser Bier ja auch vermarktet haben, dort das auf ein Biobier umgestellt. Also das ist ein Naturland-zertifiziertes Bier dann geworden.

Holger: Warum habt ihr euch bewusst für Naturland entschieden? Da gibt’s ja viele Labels im Bioumfeld, die man hernehmen könnte und warum ist es Naturland geworden?

Hans-Peter Drexler: Ich habe mir damals gedacht, dieses EU-Bio, das ist zwar gut, aber Naturland hat das Ganze ein bisschen wertiger gemacht. Passt eigentlich.

Markus: Magst du vielleicht, Hans-Peter, mal selber das Bier verkosten?

Hans-Peter Drexler: Ja.

Markus: Oder sollen wir es dem Holger aufs Auge drücken?

Hans-Peter Drexler: Ja, ich kann euch schon ein bisschen was erzählen, so meine Eindrücke zu diesem Bier. Ich meine, ich habe ja gesagt, Cascade ist so das Dominante eigentlich, auch vom Geruch her, wenn wir mal die Nase hineinhalten. Zunächst einmal die Farbe vielleicht, ganz wichtig die Farbe. Das ist ein sehr kräftiges Goldgelb, wie es eigentlich ein Festbier ja auszeichnet. Wenn wir einfach mal die erste Nase uns so mitnehmen, das sind eben eigentlich die ganz schönen, so sanft hopfigen Aromen. Für mich ist das Spiel zwischen dem Citrusartigen und auf der anderen Seite aber auch so eigentlich schon ein bisschen würzig fast, fast ein bisschen Vanille, das lässt eigentlich recht erfrischendes Bier erwarten, rein vom Geruch her. Also will ich es dann mal verkosten. Da spüre ich schon mal ganz deutlich das Grapefruit- oder Citrusartige mit ein bisschen einer Bittere dann im Gaumen ummantelt. Was mich selber immer wieder so fasziniert bei dem Bier, es wirkt recht erfrischend. Man darf ja nicht vergessen, das hat 6,2 % Alkohol, das ist also kein leichtes Bier von der Stammwürze her. Aber vom Geschmack her kann man es eigentlich nicht ableiten, dass das doch einiges mitbringt. Sehr gefährlich, aber schon spannend.

Holger: So gehört es sich ja eigentlich auch für ein Festbier.

Hans-Peter Drexler: Das gehört sich für ein Festbier. Genau, richtig! Absolut!

Markus: Ja. Ist es denn dann Doldenhopfen, wenn das Naturland ist?

Hans-Peter Drexler: Ist kein Doldenhopfen, das sind Pellets. Die erste Gabe, das sind Hallertauer Tradition Pellets aus Naturland-Anbau. Und dann haben wir eine zweite und eine dritte Gabe, also sehr späte Gabe auch. Cascade, US-Cascade. Wir hatten über viele Jahre mit einer neuseeländischen Cascade gearbeitet, weil früher war der US-Cascade aus Bio-Anbau qualitativ nicht wirklich gut. Es hat nur eine Pflanze gegeben zu der Zeit, war einfach eine Katastrophe, was ich da in Deutschland noch bekommen habe. Ich habe dann mal jemand getroffen aus Australien, der hat mir dann erzählt: Mensch, schau doch mal in Neuseeland, die haben so viel Bio-Hopfen, aufgrund der Insellage tun sich die relativ leicht mit Bio-Anbau. Und hatte dann den Kontakt zu den neuseeländischen Hopfenpflanzer-Verband und habe dann eben neuseeländischen Bio-Cascade selber importiert, auch als Pellets. So haben wir den über viele Jahre verwendet. Mittlerweile, also seit zwei, drei Jahren dort mit dieser Hopfensorte schwierig geworden als Bio-Anbau zu bekommen. Und wir sind jetzt eben dabei oder haben jetzt die letzten Monate wieder auf US-Bio-Cascade umgestellt, nachdem mittlerweile dort der Bio-Markt auch sich ausgeweitet hat. Und es gibt halt mittlerweile relativ viel Bio-Cascade-Hopfen und auf die Art und Weise bin ich jetzt eigentlich zufrieden mit der Situation.

Holger: Ich fände noch mal ganz toll, auch noch mal hinzugucken, wie ihr die Biere macht. Und soviel ich ja weiß, habt ihr offene Gärbehälter und dann reifen die ja noch in der Flasche. Und ich fände total schön, wenn wir richtig mal erklären würden hier im BierTalk: Was ist eigentlich eine echte Flaschengärung? Wie macht man das eigentlich? Wie berechnet man das vorher, dass das auch richtig gut hinkommt und so? Wenn du das mal vielleicht in ein paar Sätzen erklären könntest, damit es ab jetzt alle wissen.

Hans-Peter Drexler: Gutes Stichwort, mache ich gerne. Zunächst einmal muss man sagen, ich meine, das ist eigentlich die ursprünglichste Art, Bier zu brauen, man braut ein Bier im Sudhaus, lässt es dann vergären im offenen Gärbottich, bis es durchgegoren ist. Und dann füllt man dieses Gemisch aus vergorenem Bier mit dem Rest an Hefe, der dann noch drin ist, in Flaschen ab, muss aber unmittelbar vor der Abfüllung in die Flasche noch eine Speise dazugeben. In Belgien zum Beispiel, die machen das ja auch so traditionell, da ist es Zucker. Nachdem in Deutschland ja der Zucker nicht erlaubt ist gemäß dem Reinheitsgebot, nimmt man in Deutschland traditionell unvergorene Würze, die man eben zu einem bestimmten Anteil noch mal diesem Bier vor dem Abfüllen beimischt. Einfach damit die Hilfe noch mal eine frische Nahrung bekommt, damit sie dann in der Flasche, in der verschlossenen Flasche, den Restextrakt vergären kann, damit die Kohlensäure entsteht in der Flasche, damit der Druck entsteht und damit dieses tolle Moussieren eines Weißbieres im Glaserl dann sich entwickeln kann. Eigentlich eine einfache Methode. Es gibt halt ein paar Fallstricke, die muss man einfach wissen, gerade wenn man es im größeren Stil macht. Das eine ist sicherlich der Anteil dieser Speise. Nimmst du ein bisschen zu viel, dann zerreißt es die Flaschen, mal ganz trivial gesagt. Und nimmst du ein bisschen zu wenig, dann wird das Bier furchtbar fad. Also man muss es sehr, sehr genau abstimmen. Das ist für mich einer der Schlüsselprozesse bei der Weißbier-, bei der traditionellen Weißbierherstellung. Und das Zweite ist natürlich ganz wichtig. Wir haben zu keinem Zeitpunkt der Herstellung von dem Bier die Möglichkeit, dass wir das pasteurisieren oder kurzzeit-erhitzen. Das heißt, dass wir in der ganzen Brauerei ohne dieses Auffangnetz einer thermischen Haltbarmachung arbeiten müssen und auch wollen. War früher unkritisch, weil die Biere ja relativ schnell getrunken wurden, die haben ein sehr kleines Einzugsgebiet gehabt von der Distribution her. Und mittlerweile, also wir distribuieren weltweit, und das macht‘s natürlich schon zu einer Herausforderung.

Markus: Gerade auch für die Festweisse glaube ich, ist es genau die richtige Vorgehensweise, um dieses schöne Mundgefühl auch wieder zu produzieren, das mir echt immer wieder gut gefällt. Was ich interessant finde, ist, dass man auch wirklich so diesen klassischen Hopfencharakter, der ja einfach immer ein bisschen kräutrig, so an Hanf auch angelehnt, ist ja eine Hanfpflanze. Ich finde, das kommt da auch schön rüber. Also man merkt wirklich den Hopfen so in seiner Gänze. Deswegen haben wir auch gefragt, ob da Dolden drin sind, weil es mir fast ein bisschen so rüberkommt, fast wie ein Grünhopfenbier. Also wirklich sehr fein.

Hans-Peter Drexler: Ja, ist kein typisches Weißbier. Es ist halt durch diesen relativ hohen Hopfenanteil, Mandarin drüber, 25 bis 28 Bittereinheiten im Vergleich zu unserem Original, das haben wir bei 14. Da ist schon der Hopfen das, was eine große Rolle spielt beim Geschmack. Ganz klar!

Markus: Und da sind wir auch schon beim Stichwort: zum nächsten Bier. Du musst mir sagen, wenn ich die Reihenfolge falsch interpretiere, aber ich würde, wenn ich die Leiter jetzt weitergehe, zur Hopfenweissen gehen. Ist das in deinem Sinne?

Hans-Peter Drexler: Ja ganz genau. Wir haben über die Reihenfolge ja nicht geredet gehabt eingangs. Aber absolut genauso habe ich mir es aufgestellt und so habe ich mir das jetzt gedacht. Passt!

Markus: Sehr schön! Wunderbar!

Holger: Und das Allerbeste ist: Ich bin dran mit Beschreiben.

Hans-Peter Drexler: Ja.

Markus: Ja, extra für dich.

Holger: Ich habe es jetzt schon aufgemacht und der Kronkorken geht ab und sofort, sofort kommt eben so eine schöne, tropische, würzige Note, so ein Aromen-Feuerwerk eigentlich in meine Nase. Und wenn ich jetzt in das Glas rieche, ha, dann ist das also immer noch da, dann kommen eben diese tropischen Aromen. Also ich habe Mango und Ananas so im Vordergrund. Wunderbar auch von der Farbe her. Ich würde fast sagen, also natürlich auch so dunkles Bernstein, aber es schimmert so rötlich ein bisschen. Hier haben wir ja einen echten Bier-Hybriden vor uns, eine Kooperation zwischen, also ich bin ja auch so ein kleiner Hobbybrauer, schon immer seltener, aber früher sehr aktiv. Ich habe ja meine Götter und Hans-Peter, du bist ja einer meiner Braugötter.

Hans-Peter Drexler: (unv. #00:21:43.0#)

Holger: Wenn ich das also nun gesagt habe, dann muss es jetzt mal gesagt werden. Und der andere Braumeister, der also hier beteiligt ist, ist eben der Garret Oliver von der Brooklyn Brewery aus New York. Und soviel ich weiß, in 2007 ist es dann entstanden. War lange nur auf dem US-Markt erhältlich und kam dann irgendwann nach Deutschland. Ich weiß nicht, 2012, ich bin mir aber nicht sicher. Und da stelle ich mir so vor, haben sich meine Braugötter quasi unterhalten. Und der eine hat dann gesagt: Mensch, Hans-Peter, was ist eigentlich das Geilste bei dir? Und dann hast du gesagt: Ja, bei mir ist das Geilste natürlich ein Doppelbock-Weißbier so. Und bei dir, Garret? Und dann hat der gesagt: Ja, bei mir ist es eigentlich ein IPA. Und dann habt ihr beiden beschlossen: Komm, wir machen es einfach so. Wir vereinen das Beste von beiden in einem Bier. Und rausgekommen ist dann das Tap 5. Also so aromatisch und so ein süßer Malzgeschmack und dann so eine dominante Bittere, die da ist, aber von dieser Aromatik umarmt wird. Also ich kann nicht besser schwärmen. Herrlich!

Hans-Peter Drexler: Schön beschrieben, Holger! Du hast das eigentlich sehr auf den Punkt gebracht. Das Ganze war, ich kenne den Garret ja schon seit vielen Jahren, wir haben uns immer wieder mal getroffen irgendwo auf der Welt, waren wir zufällig ja geplant. Er hat immer gesagt: Du, lass uns doch mal was miteinander machen. In den USA war das in den 90er Jahren eigentlich auch schon ein Thema, dass man eben so Collaborations gemacht hat. In Deutschland vollkommen undenkbar. Und er immer wieder: Ja, jetzt machen wir einmal. Und ich habe gesagt: Ja, ja. Ja, ja. Jetzt machen wir einmal. Aber und irgendwann war es halt so weit. Es gibt dann einfach Tage und Zeiten, da ist es reif. Und dann gesagt: Jetzt packen wir es und jetzt gehen wir es an. Und dann ist es eben, genau wie du grad beschrieben hast, Holger, gesagt hast, so dieses kräftige Doppelbock in Deutschland. Und er mit seinem Hopfenstopfen, was bei uns damals, man hat das schon gekannt früher, Hopfenstopfen, aber es war jetzt nicht so wirklich in aller Munde. Und ich kann mich noch erinnern, ich habe damals, wie die Idee aufgekommen ist, da habe ich zuerst einmal beim Brauerbund nachgefragt: Wie ist denn das beim Hopfenstopfen? Was machen wir denn da mit dem Reinheitsgebot? Ist das überhaupt zulässig? Das war damals tatsächlich so, dass das irgendwo so in der Grauzone drin war. Es war einfach nicht beschrieben. Und ich habe ja keine wirklich vernünftige, also handfeste Auskunft bekommen, hat sich da keiner so richtig getraut, was zu sagen. Ich habe mir dann gedacht, und jetzt machen wir es, weil wir machen ja nichts wirklich Schlimmes. Wir verwenden ganz normalen Naturhopfen und wir tun den ins Bier hinein, bloß halt zu einem späteren Zeitpunkt, nachdem das Bier schon mal abgekühlt ist und vergoren. Das waren so die ersten Gehversuche in Deutschland mit diesen Craftbier-Themen. Der Name Craftbier war damals auch noch nicht bekannt. Also kein Mensch hat hier gewusst, was das ist. Wir haben uns damals für ziemlich verrückt gehalten und das hat uns richtig Spaß gemacht. Wir haben dann auch so ein Konzept entwickelt, das war ein Sud in Kelheim und ein zweiter Sud in New York, in Brooklyn. Die Idee war eigentlich, dass wir so dieses Thema (unv. #00:24:42.0#) so ein bisschen mit auch spielen. Heißt, wir hatten eben in Bayern die bayerischen Rohstoffe und aus dem Grund hat die Hopfenweisse auch als dominierende Hopfensorte den Saphir bis heute. Fürs Hopfenstopfen verwenden wir mehr als 1 Kilo Saphir pro Hektoliter. Zur Freude aller Hopfenbauern in der Hallertau. Ja, in den USA haben wir dann amerikanischen Hopfen hergenommen, amerikanisches Malz. Ich kann mich erinnern, das war damals Palisade in erster Linie. Und den anderen weiß ich gar nicht mehr. Wir haben dann eigentlich das Bier so weiter gebraut über die Jahre. Und wie du gesagt hast, Holger, zunächst nur für den US-Markt. Und circa fünf Jahre später, da haben wir es dann so ganz, ganz langsam in Deutschland eingeführt. Das war damals wirklich was für Spezialisten, das war absolut ungewöhnlich, ein Weißbier mit solchen Mengen an Hopfen nicht nur zu brauen, sondern auch zu trinken. Auf einmal hat da so eine Entwicklung eingesetzt, sodass wir da richtig tolle Rückmeldungen bekommen haben, grad von jungen Leuten. Es war natürlich auch die Zeit, wo diese Craftbier-Bewegung auch in Deutschland so ein bisschen Fuß gefasst hat. Und so hat sich da was entwickelt, was dann mittlerweile zu einem eigenen Bierstil geworden ist. Aus heutiger Sicht sage ich natürlich, das war eine geniale Idee, geniale Geschichte. Wenn mir das damals jemand gesagt hätte, ich hätte es ihm nicht geglaubt.

Markus: Ich muss auch sagen, es ist das Bier, bei dem ich dich damals so richtig kennengelernt habe. Das war 2007 in Bamberg beim ersten Bier-Querdenker-Workshop.

Hans-Peter Drexler: Genau!

Markus: Und da hattest du das Bier präsentiert und da war ich auch völlig geflasht. Und ich weiß noch, dass ich da ganz stolz war, dass ich dich persönlich davon überzeugt habe, dass es eine gute Idee ist, mir noch mal sechs Flaschen nach Hause zu schicken. Was du auch gemacht hast, also was ich dir auch nach wie vor ganz hoch anrechne. Und das war wirklich ein Bier, was ich allen Leuten gezeigt habe, die ich damals gekannt habe, und gesagt habe: Schaut mal, das kann Bier auch sein. Und ich glaube, so ging‘s wirklich vielen, und deswegen wird, glaube ich, auch von vielen dieses Bier oder diese Idee auch als eine der Zündungen sozusagen in Deutschland gesehen, wo dann diese Craftbier-Idee oder diese Idee, Biere einfach aromatisch extremer zu interpretieren, Fuß gefasst hat. Und wo man gesagt hat: Es gibt bei uns jetzt auch so gewisse Veränderungen im Denken in der Brauwelt, dass man sich für andere Bierstile und für so Crossover-Biere öffnet. Hattest du denn auch negative Rückmeldungen aus dieser Zeit?

Hans-Peter Drexler: Ja. Gut, ich habe natürlich von ein paar Kollegen damals schon, mit großen Fragezeichen haben die das verfolgt, was wir da treiben. Ich meine, ein traditioneller Weißbierbrauer schüttet plötzlich da Unmengen von Hopfen ins Weißbier hinein. Verrückt, wie kann man nur? Aber ja, war damals die Zeit halt entsprechend. Ich habe es verstanden, dass die das ziemlich für strange gehalten haben, aber mei, habe mich nicht beirren lassen.

Markus: Hast du dich als Rebell gefühlt so ein bisschen?

Hans-Peter Drexler: Ein bisschen, ja, ja. Das kommt mir schon entgegen. So ein bisschen Revolution mag ich schon. Ja.

Markus: Also sehr, sehr schön! Faszinierend! Wirklich für mich nach wie vor eines der prägenden Biere in meinem Leben auf jeden Fall. Und das Einzige, wo ich sagen muss, weil ich mir vorstellen kann, dass ihr euch vielleicht ein bisschen ärgert, ist, dass ihr euch diesen Namen Hopfenweisse nicht irgendwie habt schützen lassen. Oder ging das vielleicht auch gar nicht?

Hans-Peter Drexler: Das ist richtig. Aber wir waren damals gar nicht auf die Idee gekommen, dass man sowas schützen lassen könnte. Ein paar Jahre später habe ich, glaube ich, von einer holländischen oder belgischen Brauerei, die haben dann ein Bier kreiert, das hat Hopfenweisse geheißen. Da habe ich mir gedacht: Oh! Na ja! Aber auf der anderen Seite muss ich sagen, es ehrt einen ja, wenn jemand was nachmacht, was man als erster (unv. #00:28:07.0#) hat.

Markus: Das stimmt, das stimmt! Und es ist auf jeden Fall ein Benchmark, also das ist überhaupt gar keine Frage, bis heute. Und vielleicht als Letztes dazu von meiner Seite. Ich habe letzte Woche am Montag ein virtuelles Bier-Kulinarium gehabt. Was ich an sich schon eine sehr witzige Sache finde. Also wo dann wirklich eine Caterer das Essen so fertig kocht, dass die Leute das zu Hause im Wasserbad aufwärmen. Das wird dann mit einem Kurier früh geliefert und abends haben wir dann die Verkostung dazu gehabt mit Leuten wirklich aus ganz Europa. Und die hatten mich eben gebeten, wirklich ganz besondere Biere zusammenzustellen. Und dann habe ich Hopfenweisse unter anderem damit eingebaut, und zwar aus dem Jahr 2012. Und das war dann in Kombination mit einer Schoko-Mousse mit Minz-Blättchen. Und es war fantastisch. Das ist für mich auch ein Wahnsinnszeichen, weil normalerweise ja so hopfenbetonte Biere Lagerung nicht gut überstehen. Aber bei der Hopfenweissen ist das anders, die kann man wirklich bewusst lagern. Und die wird immer spannender, kriegt immer mehr so diese Ananas-Charakteristik und eben gar keine unangenehmen Bitteren oder so. Also faszinierend! Da bin ich zuletzt mal so richtig damit wieder in Berührung gekommen. Ganz toll!

Holger: Es gab ja mal des Aventinus Vintage, Hans-Peter. Jetzt könnt ihr halt Tap 5 Vintage auch machen.

Hans-Peter Drexler: Ja, das ist auch was, was wir damals lernen mussten oder durften. Also die Lehrmeinung war ja auch natürlich, so hopfenbetonte Biere, grad hopfengestopfte Biere, verändern sich sehr schnell dann in der Flasche bei der Lagerung. Aber wir haben ein bisschen einen langen Abstand gehabt zwischen dem Kelheimer Sud und dem Sud in Brooklyn, weil es halt irgendwie von der Zeit her so nicht anders hinausgegangen ist. Und dann haben wir halt uns wirklich einen Kopf gemacht, wie wird sich diese Kelheimer Version wohl verändern, bis dann diese Brooklyner Version endlich am Markt ist. (unv. #00:29:42.9#) die ist wahrscheinlich schon gar nicht mehr frisch und das Hopfen rum ist komplett weg oder hat sich verändert. Aber ist alles nicht eingetreten. Wie ihr es grad gesagt habt, kann es da selbst als Vintage Variante eigentlich noch zu Schoko-Mousse reichen. Das funktioniert.

Markus: Von dem Aventinus Vintage habe ich sogar auch noch was im Keller. Ich glaube, zwei Kisten oder so.

Hans-Peter Drexler: Ja (unv. #00:29:59.8#)

Markus: Bin ich auch mal gespannt. Ja, Holger, was sagst du? Wollen wir zur klaren Aussage kommen, zum Doppelbock?

Holger: Unbedingt! Ich meine, auch da wieder, also ein Klassiker jagt ja den nächsten. Und jetzt, wenn wir dann zum Tap 6 gehen, dem Aventinus, dieses Bier schon Weltmeister in seinem Stil, man kann wirklich, wenn man jetzt Verkostungen macht, so wie ich das ja auch immer sehr oft mache und sehr gerne mache, man möchte ja immer den Teilnehmern eigentlich vermitteln: Was kann Bier alles sein? Und beim Schneider Portfolio muss man einfach sagen, man muss es nicht verlassen. Also man kann wirklich durch die Biere gehen und den Leuten mit Schneider Weißbieren absolut transportieren, was Bier sein kann. Und gerade das Aventinus ist für mich ein Evergreen, immer zuhause, immer griffbereit und jetzt zu dieser Jahreszeit immer auch gerne genommen. Also Prost!

Markus: Also! So, wer möchte denn gerne unseren Hörern erzählen, wie es ist?

Holger: Hans-Peter, das musst du doch machen.

Hans-Peter Drexler: Ja, also schon mal so mein erster Eindruck jetzt, wo ich es eingeschenkt habe, was ich wirklich sehr bemerkenswert finde, grad nach der Hopfenweissen mit diesem intensiven Hopfenaroma ist ja zunächst einmal die Erwartung da, dass da die Zunge so belegt ist, dass die Nase voll ist von diesen intensiven Hopfenaromen, dass eigentlich nichts anderes mehr geht und Platz hat. Das stimmt nicht, der Aventinus, der hat das Volumen und hat das Potenzial, dass es eigentlich, also nicht ganz von null losgeht, aber schon sehr nachhaltig und sehr eigenständig im Raum steht. Also diese Hopfennoten, die sind jetzt fast alle weg.

Markus: Ja, der geht da einfach durch so wie ein heißes Messer durch Butter geht der drüber und macht sich breit und sagt, hier bin ich und hier bleibe ich.

Hans-Peter Drexler: Genau! Und das ist eigentlich schon, denke ich, ein Ausdruck von Klasse von so einem Bier, dass es halt so für sich im Raum steht, dass es alles ausfüllt. Gleich beim Öffnen der Flasche ist mir der Geruch schon in die Nase gestiegen, dieser tolle würzige Geruch. Das ist so für mich immer so weihnachtlich, viel Nelke, ein bisschen Banane, aber es dominieren halt auch diese würzigen Aromen wie Nelke, Muskat. Was mir persönlich eben auch sehr viel Spaß macht, ich mag sehr gern fruchtiges Bier, aber im Zusammenhang mit diesen malzigen Röstaromen, die er auch mitbringt, sehe ich aber die Balance ein bisschen besser dann mit diesen Phenolen, also mit diesen würzigen Nelkenaromen. Wobei ganz wichtig denke ich ist, dass man eine leichte Ester, also diese bananenartigen Aromen mitführt und mitzieht. Bloß ich möchte es halt nicht gern dominant haben. Mir sind diese Gewürze, die da drin nachvollziehbar sind, die haben für mich da immer ein bisschen Priorität.

Markus: Ich finde auch sehr schön, wie das immer in dieses Rosinige mit reingeht, in so Dörrobst oder so. Und je länger man das lagert, umso schöner verbindet sich das dann eben auch noch mal mit diesen Gewürzaromen. Ich habe mit dem Bier insofern, in Anführungsstrichen, immer ein „Problem“, ich bin da so drauf geeicht, dass mir das bei Wettbewerben immer passiert, wenn wir dann eben zum Beispiel im Finale vom Weizen-Doppelbock sind, es mir dann relativ leichtfällt, mir vorzustellen, welches Bier das wahrscheinlich sein kann. Da muss ich mich dann immer extrem zurückhalten, manche Biere sind einfach so markant, dass sie einen hohen Wiedererkennungswert haben, auch wenn man sie jetzt nicht täglich trinkt. Und da gehört das für mich absolut dazu. Und mit dem habe ich auch schon ganz viel gemacht, also vom Stacheln übers Eisbock machen, übers Kochen. Also da gibt’s tausend Möglichkeiten, was man mit dem Bier alles anstellen kann und es ist eigentlich nie verkehrt. Also das ist schon schön.

Hans-Peter Drexler: Ja, wir haben uns ja auch mal sehr viel Gedanken gemacht zu dem Thema Aventinus eben. Es gibt halt eine ganze Range an Aventinus-Abkömmlingen, der Eisbock sicherlich, den wir ja dann noch haben. Dann haben wir ja die Cuvée Barrique, die fassgelagerte oder fassgereifte Variante des Aventinus. Dann haben wir den Vintage Aventinus, das ist die kellergereifte Variante, über drei Jahre gereifte Variante. Ich habe grad jetzt in München bei der Braukunst Live!, da habe ich ab und zu mal so einen Workshop halten dürfen. Also mir hat das immer ein Riesen-Vergnügen gemacht, wenn ich da fünf Biere alles aus dem Aventinus raus präsentieren konnte. Und die Leute staunen dann immer, dass das eigentlich ein Bier ist in mehreren Varianten umgebaut oder gereift, entwickelt.

Markus: Ja, sehr spannend war ja auch das holzfassgereifte, das Aventinus Barrique. Was kann man denn dazu sagen? Läuft das noch?

Hans-Peter Drexler: Ja, das gibt’s noch. Wir haben es von der Menge her ein bisschen reduziert. Das Meiste ist im internationalen Markt gelaufen, das läuft jetzt nicht mehr so. Aber wir haben es noch zur Verfügung. Wir füllen einmal im Jahr so eine kleinere Menge ab. Also ich habe jetzt noch vier Fässer im Keller stehen. Ursprünglich habe ich mit Whiskyfässern experimentiert und habe dann aber bei diesen ersten Versuchen ständig den Eindruck gehabt, der Whisky ist so dominant und der erschlägt mir das ganze tolle Aroma vom Aventinus. Also mir hat er einfach leidgetan. Dann habe ich mir gedacht, probieren wir es mit Rotweinfässern. Und das war halt dann eigentlich von der Aromaentwicklung her so interessant, dass wir das dann weiteraufgebaut haben. Es hat halt dann den Effekt, wenn man es nicht thermisch behandelt, dass es halt säuert, dann wird es sauer, wird ein Sauerbier. Und dann sagen ganz viele Leute, oh je, oh je, saures Bier, das können wir gar nicht gebrauchen, und dazu von einer bayerischen Weißbier-Brauerei. Nach einem Jahr Holzfassreifung in verschiedenen Rotweinfässern, also aus verschiedener Herkunft, haben wir es dann noch mal ein Jahr in der Flasche oder auch länger in der Flasche vergären lassen, und so hat das schon seinen sehr starken eigenen Charakter entwickelt. Und das ist wirklich was für Spezialisten.

Markus: Und besonders spannend ist ja auch, die verschiedenen Jahrgänge quer zu verkosten. Also Holger, da kannst du dich auch noch dran erinnern, oder? Wir haben ja mal die 13, 14, 15 von sehr sauer bis fast gar nicht sauer und dann wieder sauer und so. Wahnsinn, oder!

Holger: Ja, das stimmt. Damals habe ich am Ammersee gearbeitet in Dießen und dann in Schorndorf bei so einem Getränkeladen, der war ganz gut sortiert. Und der hatte dann auch irgendwann Tap X. Und der wusste, dass ich mich da so ein bisschen auskenne und so, und der sagte dann zu mir: Mensch, Herr Hahn, also die Kunden reklamieren das die ganze Zeit. Ich werde da nicht glücklich mit. Ich weiß gar nicht, was ich machen soll. Und dann sag ich: Wahrscheinlich verstehen die Kunden das Bier nicht. Ich glaube nicht, dass das einen Fehler hat. Die Kunden haben was ganz anderes erwartet. Und Enttäuschung kommt dann ja von Erwartung und damit müsste man jetzt umgehen. Aber der ist dauerhaft dann damit nicht glücklich geworden. Ich weiß nicht, ist das auch bei dir angekommen, dass die Leute das irgendwie nicht verstanden haben damals?

Hans-Peter Drexler: Wir haben Fälle, da hat der Enkel dem Opa auf Weihnachten so ein Cuvée Barrique geschenkt, weil er gesagt hat, Mensch, gereiften Aventinus und toll. Und ja, hm, das hat die Erwartung komplett verfehlt eigentlich. Und die haben sich halt dann bei uns gemeldet und haben gesagt: Ja, kann das denn sein? Ihr habt so ein tolles Bier, aber das ist ja total sauer und das geht ja gar nicht. Es ist ein sehr hochspezialisierter Markt, den wir da bedienen. Das funktioniert gut. Also ich war mal in München, bei dem Biervana.

Holger: Beim Matthias Thieme, Hohenzollern Straße?

Hans-Peter Drexler: Ja genau, genau!

Holger: Das ist der Biertempel in München, also sehr empfehlenswert.

Hans-Peter Drexler: Genau! Mit dem habe ich mal geredet. Sagt er: Ja, das ist ein Cuvée Barrique, das ist ganz was Tolles. Der hat halt die Möglichkeit, dass er das den Leuten erklärt, was das ist, was da dahintersteckt und was da die Erwartung dann letztendlich ist. Und dann funktioniert das. Aber einfach das irgendwo hinzustellen und darauf warten, dass die Leute das kaufen für viel Geld, also in Deutschland geht das nicht. Haben wir lernen müssen.

Markus: Kann ich mich genau noch erinnern, weil ich war 2014 unterwegs und habe recherchiert für meinen damals ersten gesamtbayerischen Brauereiführer, war also durch das ganze oberbayerische, niederbayerische, überall von einer Brauerei zur nächsten über mehrere Monate unterwegs. Und es war gerade die Zeit, wo dieses erste Cuvée Barrique unterwegs war, und da war ich natürlich auch in sehr, sehr vielen kleinen Getränkemärkten, die da in irgendwelchen Dörfern im tiefsten Bayern waren. Ich habe mehr oder weniger überall immer dieselbe Geschichte gehört, da ist dieses seltsame Schneider Bier in der großen Flasche, das irgendwie sauer ist, und sie wissen nicht, was sie damit machen sollen.

Hans-Peter Drexler: Genau!

Markus: Ich habe dann davon profitiert und habe das überall aufgekauft und habe dadurch einen schönen Fundus gehabt, von dem ich noch viele Jahre in meinen Verkostungen profitiert habe.

Holger: Es ist halt einfach so, das Bier sollte möglichst selbsterklärend sein, dann funktioniert das gut. In dem Moment, wo es schon sehr, sehr anspruchsvoll ist, dann braucht‘s halt jemand, der einfach da die Erklärung mitliefert, was dahintersteht.

Markus: Da würde ich sagen, schauen wir doch jetzt mal, wie selbsterklärend der Eisbock ist, oder?

Hans-Peter Drexler: Ja genau!

Markus: Machen wir den mal auf. Was eine Überleitung. Die kleinste Flasche der Range heute. Wie so oft sind die kleinen Flaschen ganz groß, also alkoholmäßig haben wir jetzt hier 12 %. Das ist schon eine ordentliche Ansage. Sieht man auch schon, wenn das hier im Glas, wenn man das ein bisschen dreht, wie das da so richtig schön einen Film am Glas hinterlässt. Die Farbe ist gar nicht so unähnlich dem Mutterbier, dem Aventinus, also auch wieder so ein haselnussbrauner Ton. Der Schaum auch schön getönt. Und in der Nase haben wir jetzt noch mehr von diesen Trockenbeer-Aromen, finde ich. Also natürlich das, was wir vorhin im Aventinus schon hatten, aber noch mal intensiver und noch mal, ja, da kommen noch vielleicht so Kirscharomen dazu, rote Beeren, ein bisschen Vanille, ein bisschen Karamell.

Holger: Ich find auch Marzipan, so Bittermandel ist voll dabei.

Hans-Peter Drexler: Ja.

Holger: Und auch so Pflaumen, so würzige Pflaumen.

Markus: Und im Mund sagt‘s dann ordentlich Hallo, also da sind dann die 12 % voll da. Aber auch wieder mit dieser schönen Cremigkeit. Also das finde ich wirklich ganz grandios. Da musst du uns vielleicht auch ein bisschen aufklären, weil wenn wir Eisbock machen, der Holger und ich, dann nehmen wir ja diese Glasgefäße, die es ja unter anderem von Bukanter gibt. Da gebe ich dann immer so 3 Liter Aventinus zum Beispiel rein und dann friert man das aus über, na ja, 3, 4, 5 Tage bei minus 20 Grad. Am Ende stürzt man das und dann laufen so in den ersten 20 Minuten vielleicht 0,1, 0,2 daraus und das ist dann natürlich hochkonzentrierter Alkohol, der wahrscheinlich 30 % hat in dem Dreh oder so, aber eben auch so gut wie gar keine Kohlensäure mehr. Was macht den Eisbock zum Eisbock und wie schafft ihr das dann, den wieder auf ein Alkoholmaß zu bringen, das dann doch für den normalen Menschen einigermaßen kompatibel ist? Und wie schafft man es, dass es dann auch wieder Kohlensäure hat?

Hans-Peter Drexler: Also zunächst einmal, Aventinus ist das Ausgangsprodukt. Wir gehen einfach her, machen auch nichts anderes als wie der Bukanter, bloß eben in einem großen Behälter. Wir nehmen zum Beispiel 100 Hektoliter Aventinus, wir haben dann so einen Kühlmantel außen an dem Behälter mit sehr tiefer Temperatur. Das Ergebnis ist dann, dass im Tank drin an der Wandung ein Eispanzer sich bildet im Lauf der Tage und im Zentrum des Behälters, da bleibt halt das Konzentrat flüssig. Wir lassen das dann, das Konzentrat, ablaufen und übrigbleibt eben dieser Eispanzer im Behälter, der dann einfach abtaut. Das Ganze dauert relativ lange. Wir machen das sehr vorsichtig. Das glaube ich ist das Wichtigste, dass man da nicht brachial hingeht, sondern der Prozess dauert circa drei Wochen. Dann haben wir diesen Eismantel im Innern des Behälters so weit anwachsen lassen, dass es gut ist. Das resultierende Konzentrat, das hat eben dann, so wie wir den Prozess eingestellt haben, hat eben dann diese 12 % Alkohol. Und dann haben wir ja zunächst einmal keine Kohlensäure mehr, wir lagern das dann anschließend in einem zweiten Behälter, in dem Kohlensäuredruck herrscht bei 0 Grad oder minus 1 Grad. Und bei diesen tiefen Temperaturen nimmt die Flüssigkeit auch wieder relativ schnell Kohlensäure auf, sodass wir dann auf dieses leichte (unv. #00:40:47.2#) und auf diese Cremigkeit dann kommen. Ganz ein wichtiges Schlagwort beim Biermundgefühl, wird glaube ich oft unterschätzt, aber es ist enorm wichtig, dass das Mundgefühl in einem guten Verhältnis mit den Aromen steht, dann wird es balanciert.

Markus: Das finde ich jetzt schon interessant, weil es ja trotzdem noch mal ein anderer Ansatz ist. Also weil bei dem Bukanter-Thema oder so wie wir das auch machen, das kann man ja theoretisch auch mit anderen Gefäßen tun, da ist es ja mehr oder weniger schon so, dass das Bier komplett durchfriert.

Hans-Peter Drexler: Ja.

Markus: Und man dann letzten Endes halt nur den Alkohol, der einfach einen höheren oder tieferen Gefrierpunkt hat, der nicht gefriert, der sucht sich dann seinen Weg und kommt dann eben da so raus. Und was ich dann immer machen muss, in Anführungsstrichen, wenn ich Veranstaltungen habe, ich mache dann eben im Vorfeld schon einige Eisblöcke sozusagen und mische das dann vor Ort wieder mit dem Ursprungsbier, sodass man das dann einigermaßen wieder einpendeln kann eben so bei 15 % vielleicht und dadurch kriegt‘s natürlich auch wieder Kohlensäure durch das Aufkräusen. Aber (unv. #00:41:37.7#) ist natürlich auch eine geschmeidige Idee, das Wasser so ein bisschen von außen wegzufrieren und das heißt, man kommt dann gleich auf diesen Zielprozentsatz hin. Finde ich auch eine sehr, sehr spannende Geschichte. Muss ich mal gucken, ich habe ja auch immer mehrere Eisböcke bei mir in der Gefriertruhe, weil normalerweise ja Veranstaltungen sind. Jetzt hatte ich seit März keine mehr. Das heißt, da liegen jetzt dreieinhalb Eisböcke rum, die jetzt dann bald ein Jahr hinter sich haben. Da bin ich mal gespannt, was da wird, wenn ich die mal stürze.

Hans-Peter Drexler: Ja, man muss ein bisschen aufpassen mit dem Einfrieren. Das ist halt einfach so, ich meine, wenn man über Mundgefühl, über Cremigkeit, über Schaum spricht, das hängt halt sehr stark mit diesen Eiweißen zusammen, also mit den Eiweißmolekülen, die ja irgendwie im Bier mitkommen. Und die sind natürlich sehr temperaturempfindlich. Jetzt, wenn ich halt da so einen ganzen Eisklotz habe, der dann langsam wieder auftaut, dann habe ich ganz andere Verhältnisse in diesem Resultat als wie, wenn ich es langsam oder teilweise halt zusammenfriere oder schaue, dass ich das Wasser rausziehe durch dieses Ausfrieren. Von dem Ergebnis her kann ich mir schon gut vorstellen, dass das einen großen Unterschied da macht.

Markus: Ja, Holger, wir hatten ja unser Aventinus Eisbock-Erlebnis vor zwei Jahren ungefähr, als wir eine Reisegruppe von Chilenen betreut haben. Deren erste Station war natürlich München, und da waren wir auch einen Abend im Brauhaus bei euch im Weißen Brauhaus und haben dann mit denen die ganze Palette durch verkostet und am Ende natürlich den Eisbock. Einerseits war das erstaunlich, mit welcher Inbrunst die das getrunken haben, und die meisten haben nicht nur eins getrunken, sondern mindestens zwei oder drei, und das, nachdem sie die ganze Palette vorher schon verkostet haben. Und sie haben extrem dieses Glas bewundert. Ich weiß nicht, Holger, du bist ja auch ein großer Fan von diesem Glas. Vielleicht magst du es mal beschreiben und dann können wir den Hans-Peter ja mal fragen, wie es dazu kam, das irgendwie zu haben.

Holger: Ich meine, die Chilenen haben ja ganz rechtgetan, weil keiner von denen weiß ja, wann er das nächste Mal wieder hinkommt. Und dann lohnt sich das auch, vielleicht ein ganz kleines bisschen zu übertreiben. Aber es war eine Freude die anzuschauen, wie sehr die sich da reingestürzt haben, so wie du es schon gesagt hast. Ja, wie sieht das Glas aus? Das Eisbock-Glas hat quasi so einen schönen Fuß und hat dann quasi einen breiten Stiel, der von innen hohl ist, da kann dann auch Bier reinfließen. Und dann entsteht eben aus diesem breiten Fuß so ein schöner Kelch dann noch. Ich weiß nicht, ob man sich das vorstellen kann, wie ich es jetzt beschrieben habe. Es sieht schon aus wie so ein Bierverkostungsglas, aber der Stiel ist eben richtig dick und breit und da kommt auch Bier rein. Das ist dann auch genau so gemacht, dass eben der Inhalt der Flasche auch reingeht. Also das ist kein 0,5er Glas, sondern ein 0,3er Glas. Ganz besonders schön ist es, wenn es unten so ansatiniert ist, das ist auch ganz toll. Eigentlich trinkt man das Bier ja nicht zu kalt, weil die Kälte raubt ja die Aromatik. Aber so habt ihr es jetzt auf dem neuen Etikett auch so ein bisschen gestaltet, also aus dem Violetten. Und das Violette ist ja auch die geistliche Farbe, also die christliche, geistliche Farbe. Für jeden Adventskranz gehört ja eigentlich auch eine violette Schleife. Und da habt ihr jetzt so das Silber noch miteingefügt. Das meine ich eben mit diesem satinierten Fuß, das dann eben noch suggeriert, dass eben dieser Eisbock, also diese Eiskristalle dann noch eine Rolle spielen. Aber von der Trinktemperatur-Empfehlung, glaube ich, ist es wichtig, dass wir es noch mal sagen: Es ist sicher schön, dieses Bier so bei 10 Grad zu trinken oder vielleicht auch bei 12 Grad, dann kommen eben so diese Rosinen- und Pflaumen-Noten und auch die Waldhonig-Noten. Und wenn man dann dazu eine Schokolade auch gerne noch mit Frucht genießt, dann hat man einen schönen Abend. Und wahrscheinlich sogar auch mit der Partnerin, wenn ich das so sagen darf.

Hans-Peter Drexler: Das ist eigentlich das klassische Bier zur Nachspeise.

Holger: Ja genau!

Hans-Peter Drexler: Also zumindest sehe ich es so. Und egal, ob man da sowas Schokoladiges hat mit Früchten oder was für mich sensationell ist, das ist so ein kleines Stück Blauschimmelkäse, das ist einfach der Wahnsinn.

Markus: Man kann ein dunkles Schokomousse machen, mit Schokolade, und kann dann so ein Gorgonzola im Eisfach einfrieren und den mit einem Käsehobel drüber raspeln.

Hans-Peter Drexler: Oh! Aha!

Markus: Und wenn du das dann kombinierst, dann noch mit dem Bier zusammen, das ist eine Explosion im Mund.

Holger: Eine Offenbarung ist das. Ja.

Markus: Apropos Offenbarung. Wir haben noch ein letztes Bier, wir haben natürlich jetzt schon heillos überzogen, weil wir ja ursprünglich mal gesagt haben, so ein BierTalk dauert eine halbe Stunde. Aber ein Bier haben wir noch und das müssen wir natürlich auch verkosten, auch wenn das heute Abend uns noch mal entsprechend fordern wird, weil es ist eine 0,75er Flasche. Und wenn wir die jetzt anfangen, dann werden wir die heute Abend natürlich austrinken müssen mit den ganzen anderen. Das wird heute noch eine lustige Veranstaltung. Aber egal. Also insofern machen wir die doch auf, oder?

Hans-Peter Drexler: Wir hatten damals eine Anfrage aus den Niederlanden, da gibt’s ja auch diese Bier-Cafés und die haben sich auch zu so einem Verband zusammengetan und die haben ein Jubiläum gehabt. Und dann haben sie angefragt, haben gesagt: Könnt ihr was Besonderes machen für uns? Ihr macht so tolle Biere, macht mal irgendwas Spezielles. Und ich hatte damals gerade rumexperimentiert gemeinsam mit meinen Freunden Eric Toft und Markus Lohner, haben wir einfach so ein bisschen dahin fantasiert und haben damals über Nelson Sauvin, über diese neuseeländische Hopfensorte so dahin gesponnen und über belgische Hefen. Dann haben wir gedacht, das wäre doch was, das ist die Gelegenheit das einmal umzusetzen. Und hatte damals auch zeitgleich einen Besuch von einem amerikanischen Kollegen, der wollte bei uns die Brauerei anschauen und hat mir als Gastgeschenk eine belgische Trappisten-Hefe mitgebracht, eine Kultur, aus USA, belgische Trappisten-Hefe aus USA. Und so ist eigentlich damals das erste Nelson Sauvin entstanden, in 2011 so um die Zeit rum. Das war der Startschuss für diese Tap X Geschichte. Die Idee war eben, dass wir jedes Jahr dann irgendwas spezifisches Anderes machen unter diesem Dach Tap X. Und da war eben auch eines dann in 2014, die Porter Weisse. Die Idee war eben, dass man diesen richtig tollen Bierstil Porter neu interpretiert oder anders interpretiert aus der Weißbier-Perspektive raus. Ich habe mir dann eben verschiedene Porters auch angeschaut, es gibt ja nicht nur ein Porter, es gibt ja alles Mögliche, verschiedene Porter-Stile. Also ich habe gedacht, ich mache jetzt mein Ding. Das Ergebnis haben wir jetzt hier in Form einer 0,75-Liter-Flasche. Aus dem Jahr 2014, ist mittlerweile 6 Jahre, 6 Jahre alt natürlich. Zumindest im Fundus der Brauerei hat es noch einen Karton gegeben und da habe ich jetzt jeweils eine Flasche an euch geschickt und eine steht bei mir. Jetzt haben wir noch drei.

Markus: Boah! Da fühlen wir uns jetzt aber echt geehrt. Wahnsinn!

Holger: Ja, Wahnsinn! Mhm (bejahend). Ich sag mal, so diese Bananennote von einem Weißbier und dann die Schokoladennoten eines Porters klingt ja total verlockend. Und da weiß man ja sofort irgendwie, das muss doch passen.

Hans-Peter Drexler: Ja klar!

Holger: Wenn man jetzt sich das also anschaut, also dieses unglaublich schöne dunkle Braun im Glas, also man könnte es fast als Mahagoni beschreiben, wo dann nur noch so Licht so am Rand hineinfällt. Und dann eben hat man hier ja wirklich auch diese süßen Bananennoten, Nelke, ein bisschen Rosine auch, finde ich. Und dann der Schaum, also wunderbar, der ist ja richtig schön stabil, also zumindest bei mir im Glas, ich hoffe, bei euch auch. Und dann kommt ja schon so diese verspielte Süße mit der Banane und mit der Zitrone, so das Typische, was auch so ein Hefeweizen hat, so ein dunkles Hefeweizen. Auch hier wieder dieses unglaubliche Mundgefühl, aber auch so eine leichte Bitterkeit, die mitschwingt. Und dann eben dieses wohlige Gefühl, eben einfach dann auch bei 7 % Alkohol zu sein, was ich, glaube ich, auch wahrnehme. Meine Schwiegermutter hat uns extra selbstgemachten Butter-Spekulatius geschickt, der dazu ist eine Offenbarung, sage ich euch. Also da kann ich euch jetzt leider nicht dran teilnehmen, das passt hervorragend.

Hans-Peter Drexler: Das ist eine schöne Charakterisierung. Ich meine, das eigentliche Vorbild war das London Porter damals, kann ich mich erinnern, und ein ganz wichtiger Beitrag von diesem Porter generell ist ja der Hopfen. Also es soll ja den Hopfen nicht (unv. #00:49:29.5# verneinen?) oder verleugnen. Darum finde ich das jetzt ganz toll, dass du auch die Hopfen ziemlich zielsicher erkannt hast. Freut mich, diese Charakterisierung.

Holger: Mich freut, dass dich das freut.

Markus: Also von deinem Brau-Gott geadelt, das ist doch mal was ganz Schönes.

Holger: Nein, nein, unbedingt! Nein, das ist wirklich so. Also das sage ich so oft immer wieder und bringe dich da auch ins Spiel. Und finde das auch beeindruckend, einfach 39 Jahre so diese Geschicke eines Unternehmens zu leiten. Da machen wir uns ja nichts vor, also ein Braumeister in einer Brauerei ist schon eine zentrale Stelle, und der hat maßgeblichen Anteil am Erfolg oder Misserfolg. Und das ist ja schon unglaublich, also was du da auch entwickelt hast in diesen 39 Jahren, natürlich auch entwickeln durftest, auch die Internationalität, die Craftbier-Bewegung, die das dann sicher auch noch mal richtig spannend gemacht hat. Und du hast sie angesprochen, also Markus Lohner oder Garret Oliver oder auch Eric Toft, also all diese Menschen, das ist ja auch eine tolle Sache, dann in so einem Berufsleben mit so tollen Kerlen da zusammen zu arbeiten.

Hans-Peter Drexler: Ja, absolut! Absolut! Ist ein Geschenk, wirklich.

Markus: Und ich finde, was man auch toll merkt, ist, wie schön dieses Alterungspotenzial dieses Bieres ist, weil es sich ja wirklich, ich glaube, immer weiter harmonisiert hat. Ich habe damals, als es frisch rauskam, habe ich welche gehabt und auch relativ schnell verkostet, die haben leider nicht so lange überdauert wie bei euch in der Brauerei, weil ich einfach zu wenig davon hatte. Aber ich finde jetzt einfach, es ist wirklich, es ist super-harmonisch, es ist perfekt in diesem Zusammenklang mit so schokoladig, nussig, dann eben dieses bananig, nelkige, dieses unheimlich schöne Mundgefühl, hinten raus der Hopfen, der das dann schön aufnimmt und wieder so ein bisschen aufräumt. Also wirklich, viel besser geht’s eigentlich nicht. Ich sage in den Verkostungen auch immer, so ein dunkles Weizen ist eigentlich so die eierlegende Wollmilchsau, gerade in Bezug auf Food Pairing oder so, weil das halt überall andocken kann. Also egal was, du kriegst eigentlich ein dunkles Weizen immer irgendwo dazu verbotschaftet. Was würdest du denn sagen, wenn ich frage, was ist der Unterschied zwischen einem normalen dunklen Weizen und dieser Porter Weisse?

Hans-Peter Drexler: Was bei der Porter Weissen, also jetzt in diesem Zustand, ich meine, das ist jetzt 6 Jahre gereift in der Flasche, schon sehr stark auffällt, ist dieses Fruchtige, Kirschenartige, rote Früchte, rote Beeren.

Markus: Ja.

Hans-Peter Drexler: Das habe ich jetzt im dunklen Weizenbier zunächst einmal nicht so. Da überwiegen doch ganz oft so ein bisschen mehr bananenartige und eben Röstaromen. Das charakterisiert eigentlich schon ganz deutlich, denke ich, ein dunkles Weißbier, dass man halt diese Röstaromen so ein bisschen mehr noch im Vordergrund hat.

Markus: Schade, dass ihr nicht noch 10 Kisten habt.

Hans-Peter Drexler: Gell!

Markus: Also jetzt …

Hans-Peter Drexler: Habe ich mir auch gedacht.

Holger: … auch Aufruf an alle Hörer, also vielleicht ist ja jemand zufällig Getränkemarkt-Besitzer und hat irgendwo in den Tiefen seines Lagers noch ein paar von diesen Kartons stehen. Dann bitte unbedingt melden, wir nehmen sie auf jeden Fall ab. Der Preis spielt eigentlich keine Rolle. Vielleicht noch eine letzte Frage von mir: Jetzt hast du ja die Familie eben auch fast 40 Jahre begleitet. Wie ist das denn so? Ich kann mir vorstellen, damals am Anfang, da war ja das Verhältnis zwischen dir und dem Georg, dem 6., wahrscheinlich schon eher so, dass du der Meister quasi bist, der ihm auch so ein bisschen Sachen erklärt und beibringt und so, und dann wird er ja langsam der Chef. Und über seine verschiedenen Stadien in seinem Leben ist er jetzt eben immer mehr gefestigt in dieser Rolle. Und jetzt gehst du irgendwann von Bord. Wie verändert sich denn da das Verhältnis und wie schafft man das, das gut aufrecht zu erhalten, sodass man auch 39 Jahre dort bleibt?

Hans-Peter Drexler: Ich denke, ich bin schon so ein bisschen Wegbegleiter von ihm, er kennt die Brauerei eigentlich nur mit mir als Braumeister. Er ist ja für mich auch eigentlich ein Sparringspartner, der eben auch stützt. Im Grunde in so einem Familienbetrieb und in einer Privatbrauerei braucht’s da jemand, der diese Dinge, die wir da entwickelt haben, der das auch mit nach draußen trägt. Und da, glaube ich, waren wir gemeinsam sehr viel unterwegs und auch schon sehr erfolgreich. Umso spannender wird jetzt der nächste Schritt, nachdem wir jetzt vor einigen Wochen so ein Auswahlverfahren für meinen Nachfolger abgeschlossen haben. Und unsere neue Ära, die da eingeläutet wird, hängt natürlich auch ein bisschen für ihn damit zusammen, dass er in circa 5 Jahren seinen Sohn, den Georg, den 7., dann mit reinholt und damit eigentlich den Generationswechsel dann abschließen kann.

Markus: Das ist überhaupt ein Phänomen dieses Thema Familienunternehmen, Familienbrauerei, mit dieser ganz besonderen Art von Bürde, die man eben hat, wenn man in sowas hineingeboren wird. Die auch nicht alle meistern, also viele, aber nicht alle. Und das überlege ich mir manchmal, also ob ich mir wünschen würde, so ein Brauerei-Sohn zu sein oder ob ich eher froh bin, dass ich es nicht bin. Das war bei mir einfach, als Polizistensohn muss man nicht unbedingt Polizist werden. Aber nichtsdestotrotz also spannende Geschichte. Ja, Holger, deine letzte Frage.

Holger: Hans-Peter, für mich ist spannend einfach zu beobachten, wie entwickelt sich es überhaupt in Deutschland mit dem Thema Weißbier, Weizenbier? Das ist noch mal so ein Thema. Und die Dose, also wann kommt Schneider in der Dose?

Hans-Peter Drexler: Schneider in der Dose ist vor einem guten Jahr gekommen.

Holger: Aber nur das Normale, also …

Hans-Peter Drexler: Aventinus.

Holger: Ah ja!

Hans-Peter Drexler: Wir haben es allerdings nicht in Deutschland am Markt, sondern für den Exportmarkt haben wir das geschaffen, weil wir eben auch gesehen haben, dass grad in den, sage ich mal, gut entwickelten Exportmärkten hochwertige Biere auch in der Dosis sehr geschätzt werden. Mussten wir auch erst lernen, dass in der hochwertigen Gastronomie in verschiedenen Ländern die Dose am Tisch mit steht zum Essen, wird halt dort ins Glas eingeschenkt und nicht aus der Dose getrunken, um Gottes Willen, sondern wird ins Glas eingeschenkt. Und da haben wir eben dann reagiert und haben gesagt, der Aventinus in der Dose, das wäre doch was. War natürlich wiederum für mich eine Herausforderung, weil ich gesagt habe, ja, spannendes Thema, aber wenn, dann möchte ich auch in der Dose dieses Thema Flaschengärung umsetzen. Wird genauso hergestellt wie der Aventinus in der Flasche und der Aventinus im Fass, und so ist er halt in der Dose und macht sozusagen eine Dosengärung und eine Reifung dann durch.

Markus: Das ist ja ein geiler Name, eine Dosengärung. Cool!

Hans-Peter Drexler: Gell! Das ist super.

Markus: Ist das so ein bisschen auch euer Weg jetzt auch, also weil ja das Weißbier jetzt da mal so seit anderthalb, zwei Jahren anfängt zu schwächeln und wohl abzusehen ist, dass dieser fast ewige Boom, der war, jetzt mal gebrochen ist? Ist das so euer Weg, da in andere Märkte auch auszuweichen?

Hans-Peter Drexler: Ja klar! Wir sind natürlich auf der Suche nach anderen Märkten, nach neuen Märkten. Klar, müssen wir uns dem Gesetz des Marktes auch beugen und schauen, wo wir noch Möglichkeiten haben für Alternativen. Klar!

Markus: Spannend auf jeden Fall so ein Insight in eine über 40-jährige Braumeister-Geschichte und eine fast 150-jährige Brauerei-Geschichte. Also sehr, sehr spannend und interessant. Und tolle Biere, also liebe Hörer, ihr könnt das gern nachmachen, das ist fast ein bisschen zu spät, am Ende diesen Aufruf zu starten, aber man kann ja noch mal von vorne hören und kauft euch die entsprechenden Biere und testet das mit uns. Dir Hans-Peter, auf jeden Fall ganz, ganz vielen Dank für deine Zeit, für die vielen Infos und natürlich für die Biere und die vorletzten 3 Flaschen dieser Porter Weissen. Ich glaube, es hat uns echt eine unglaubliche Menge Spaß und Freude bereitet, aber auch, wie der Holger schon sagte, es war uns eine ganz, ganz große Ehre, mit dir diese Zeit verbringen zu dürfen. Also auf jeden Fall noch mal Dankeschön und ein schönes weiteres Jahr. Wir werden uns dann sicherlich bei dem einen oder anderen Wettbewerb nächstes Jahr hoffentlich dann auch in Person wiedersehen. Bis dahin erst mal frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr.

Hans-Peter Drexler: Danke, dass ich dabei sein durfte und schöne Weihnachten.

Holger: Ich war entzückt und ich glaube, ich muss jetzt den Hörern dann auch versprechen oder wir müssen es machen, Markus, nicht immer zu überziehen. Also wir sind jetzt schon ein paar Mal abgedriftet. Aber es ist einfach auch so spannend und so toll, gerade wenn man so exzellente Gesprächspartner hat wie den Hans-Peter Drexler. Und wir geloben Besserung. Und frohe Weihnachten!

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk 47 – Interview mit Ulrike Genz von Schneeeule aus Berlin

Lange Zeit galten Frauen in der Brauerszene eher als exotische Randerscheinung, doch das hat sich relativiert. Gerade bei den historischen Bierstilen sind es Damen, die den vergessenen edlen Tropfen wieder neues Leben einhauchen. Eine der Protagonistinnen dieser Idee ist Ulrike Genz, die als „Schneeeule“ erst die ursprüngliche Berliner Weisse wiedergeboren und mittlerweile zusätzlich eine ganze Palette spannender Spielereien damit vor gestellt hat. Dieser Bierstil gehört zu den vielfältigsten, die die deutsche Bierwelt zu bieten hat, nicht zuletzt, weil ein geheimnisumwobener Cocktail aus Mikroorganismen für die ganz besondere Aromatik sorgt. Im BierTalk verkostet Ulrike sechs Köstlichkeiten aus ihrem Portfolie mit Markus und Holger – und gibt viele interessante Einblicke in das Leben einer Berliner Schneeeule…

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

 

Holger: Herzlich willkommen zum 47. BierTalk! Wir gehen wieder in die Hauptstadt nach Berlin. So kurz vor Weihnachten immer was Besonderes natürlich. Am Mikrofon ist der Holger und der …

Markus: Markus.

Holger: Wer die Berliner Weisse, und zwar die echte Berliner Weisse, so richtig schätzt, freut sich jetzt mit uns zusammen auf Ulrike Genz. Ulrike, guten Abend und herzlichen Dank, dass du für uns Zeit findest!

Ulrike Genz: Hallo! Vielen Dank, dass ich dabei sein darf.

Holger: Wenn du einfach mal was zu dir sagst und dich kurz vorstellst, damit die Hörer, die dich noch nicht kennen, ganz genau wissen, wer du erst mal bist und alles weitere kommt dann.

Ulrike Genz: Mein Name ist Ulrike Genz. Ich betreibe seit vier Jahren ungefähr die Brauerei Schneeeule. Die macht ausschließlich saure, wilde Biere, und vor allen Dingen Berliner Weisse. Das ist auf jeden Fall mein Lieblingsbierstil. Und ich bin der Meinung, der muss auch so, wie er mal, auch erhalten bleiben.

Holger: Du lebst in Berlin und hast da sogar einen tollen Biersalon für die Berliner Bierkultur, oder?

Ulrike Genz: Jetzt ganz neu in Corona-Zeiten aufgemacht. Sehr verrückt natürlich, aber ja, es gibt einen kleinen Showroom sozusagen für die Schneeeule, in dem man alle Biere kriegt und auch spezielle Biere und alte Biere natürlich. Weil das ist ja die Spezialität von Berliner Weisse, dass man die auch gut mal hinlegen kann und nicht ganz frisch trinken muss.

Holger: Also richtig gereifte Biere. Und du bietest ja auch Bierspezialitäten aus Franken.

Ulrike Genz: Das kommt daher, da mein Mann auch Franke ist und ich, na ja, Wahlfranke würde ich nicht sagen, aber halt ein Franken-Freund bin, mussten wir das natürlich machen.

Holger: Markus, also damit ist klar, du hast mindestens eine Freundin in Berlin.

Markus: Auf jeden Fall!

Ulrike Genz: In Berlin.

Markus: Wenn ich jetzt sehr auf die Kacke hauen wollen würde, würde ich sagen, es sind schon ein paar mehr, aber die Ulrike ist auf jeden Fall die, die mir am meisten ans Herz gewachsen ist. Wir können uns jetzt auch schon lange und ich begleite sie auch schon lange und finde das total spannend, was sie auf die Beine stellt, wie sie es auf die Beine stellt, wie sie es konsequent weiterentwickelt. Und natürlich, dass sie auch regelmäßig bei mir in Bamberg Station macht und wir dann mal so ein bisschen austauschen aus meinem Bierkeller und das, was sie so dabeihat und sie mich eben immer schön mit ihren Spezialitäten versorgt. Also insofern freue ich mich riesig. Und wir haben auch schon mal gemeinsam Fässer durch Berlin mit dem Auto transportiert. Das war auch sehr lustig. Also insofern immer witzig, wenn wir uns treffen.

Ulrike Genz: Das stimmt.

Holger: Das kenne ich auch, wenn man dann Beifahrer ist und der MX5 irgendwie zu klein ist und du hast dann noch vier Fässer auf dem Schoß. Aber wir haben heute viel vor, ein großes Bierpaket steht vor uns. Da dürfen wir vielleicht auch schon verraten, dass das jetzt noch zur Weihnachtszeit auch bestellt werden kann. Und wir schenken dann ein Online-Tasting dazu.

Ulrike Genz: Für alle, die betreutes Trinken wollen, können sie kriegen, von der besten Sorte.

Holger: Da ist das dann einfach so, dass man auf deine Seite geht und das Bierpaket bestellt.

Ulrike Genz: Genau!

Holger: Heißt dann auch BierTalk Paket. Ein ganz genauer Termin steht noch nicht fest, aber das werden wir noch auf die Reihe bekommen, dass wir dann, sage ich mal, so im frühen Februar, Mitte Februar, ein schönes Online-Tasting dazu kombinieren, so würde ich sagen. Jetzt lass uns doch mal eine gewisse Reihenfolge festlegen, weil aus der Erfahrung heraus, wenn man jetzt mehr als drei Biere hat, dann müssen wir einen Plan haben.

Ulrike Genz: Ich würde auf jeden Fall das saure und scharfe heute irgendwie an den Schluss setzen.

Holger: Hot Irmi kommt an den Schluss.

Ulrike Genz: Ja, weil danach ist man meistens so begeistert, dass man gar nichts mehr anderes schmeckt.

Markus: Es ist einfach sehr geil.

Ulrike Genz: Ja, sowieso!

Holger: Wir werden auf jeden Fall sensibel darauf reagieren, aber wahrscheinlich auch noch was schmecken. Dann sind wir doch entweder bei der Marlene oder bei der Yasmin so zum Start.

Ulrike Genz: Marlene ist immer schön mit anfangen, weil dann weiß man, warum man das will. Das ist immer so ein guter Auftakt. Viele kennen Berliner Weisse noch nicht so gut und da wissen sie erst mal: Aha, okay! Das soll jetzt also Berliner Weisse sein, so wie ich Ulrike Genz, Schneeeule das meint.

Markus: Na dann! Auf, auf!

Holger: Das wird doch jetzt ein BierTalk, der mir gefällt. Auf, auf! Genau! Richtiges Stichwort, Markus. Wir machen jetzt die Flaschen auf. Zack!

Markus: Yo!

Holger: Und dann rein damit ins Glas. Ach, wunderbar! Endlich kann ich mal von Anfang an alles genießen, was auf dem Tisch steht. Ulrike, Prost!

Ulrike Genz: Muss ich mal gucken. Moment! Irgendwo habe ich doch, wo habe ich sie denn hingestellt. Hier sind sie. Genau!

Markus: Hast du dein Bier vergessen?

Ulrike Genz: Ja, tatsächlich!

Markus: Nein! Also sowas.

Ulrike Genz: Na ja! Es steht noch draußen, weil hier drin ist es ja eher wärmer.

Markus: Solange können ja wir schon uns ein bisschen damit beschäftigen.

Ulrike Genz: Richtig!

Markus: Holger, was sagst du denn? Wie gefällt‘s dir denn von der Farbe her?

Holger: Ich kenne natürlich nicht alle Schneeeulen, die jetzt hier vor mir stehen, aber die Marlene kenne ich schon ganz lang und ist mein absolutes Aperitif-Bier ganz häufig. Mehr im Sommer, aber ich habe mich da jetzt richtig drauf gefreut. Und das Tolle ist, meine liebe Frau Claudia, die hat dann gestern noch gesagt: Mensch, Holger! Was machen wir eigentlich morgen Abend? Und dann sage ich: Ich kann eigentlich nicht, ich habe einen BierTalk. Und dann sagt sie: Ach, Mist! Dann sage ich: Ja, aber eigentlich auch wieder gut, weil wir verkosten die Schneeeule. Und wenn wir fertig sind, dann trinken wir alles aus. Sagt die Claudia: Oh, Schneeeule, super! Da freue ich mich schon drauf. Das ist doch gut, oder nicht?

Ulrike Genz: Super! Absolut!

Markus: Du bist ja auch ein netter Mann. Ich muss sagen, ich lasse hier nichts übrig.

Holger: Nein, nein, ich lass ihr auf jeden Fall was über. Ich bin auf jeden Fall ein netter Mann. Jetzt hast du dein Bier im Glas, oder?

Ulrike Genz: Yo!

Holger: Wunderbar! Du bist ja eine Diplom-Brauerin und hast dich dann irgendwann entschieden, die Berliner Weisse so richtig wieder zu beleben, und zwar so, wie sie früher war. Und vorm Ersten Weltkrieg war das ja das Getränk in Berlin. Jetzt erzähl doch mal, wie kommt jetzt eine Frau wie du erst mal zum Brauen, Diplom-Brauerin und wie kommt man dann dazu, aus irgendwelchen alten Flaschen irgendwelche Hefen zusammenzukratzen, um geile Berliner Weisse zu machen?

Ulrike Genz: Eigentlich bin ich so wie die Jungfrau zum Kind gekommen, zum Brauwesen, und sowie auch zur Berliner Weissen. Ich habe Biotechnologie studiert, habe noch nie vorher gebraut gehabt und dachte so: Hm! Was willst du denn da jetzt vertiefen? Und da gab’s an der TU medizinische Biotechnologie, allgemeine Biotechnologie und Brauwesen. Da habe ich mir das alles mal genau angeguckt und dachte so: Medizinische Biotechnologie, dann endest du am Ende bei der Pharmaindustrie. Eigentlich findest du das nicht so toll. Allgemeine Biotechnologie wäre auch interessant gewesen, war mir allerdings zu allgemein. Und Brauwesen hat mich im Prinzip deshalb interessiert, weil ich schon immer gerne Bier getrunken habe. Und weil ich gesehen habe: Hey! Das ist ja jetzt nicht nur Mikrobiologie, es ist keine Gentechnik, es ist auch Maschinenbau und Brautechnologie und Qualitätsmanagement. Also das ist ein bisschen so ein Tausendsassa-Studiengang, von jedem ein bisschen was. Da habe ich mich dafür entschieden. Weil es halt auch so ein bisschen bodenständig ist und das mir interessant vorkam. Da habe ich lange Zeit eigentlich nicht so ganz gewusst, was mache ich denn jetzt damit? Weil es war natürlich hauptsächlich Industriebrauerei, was man dort gelernt kriegt. Und die Craftbier-Brauerei war noch gar nicht irgendwie up to date. Ich wusste zwar, dass man auch zu Hause brauen kann, hatte es aber noch nicht gemacht. Das kam dann erst, als ich das erste Mal richtig hopfige Biere mal probiert hatte, weil es die noch nicht in Deutschland zu kaufen gab. Berliner Weisse kannte ich eigentlich auch nur von Kindl. Und eines Tages hat der Braumeister vom VLB ein Fass Berliner Weisse mal auf ein Fest mitgebracht. Ich habe das probiert und fand das eigentlich total gut. Ich hatte das so nicht erwartet. Wie manche, viele Leute eigentlich auch auf meine Biere reagieren, sagen: Ach so ist Berliner Weisse? Das kenne ich so nicht. Auch wenn heutzutage öfter mal saure Biere in Brauereien stehen, eigentlich fast in jeder kleinen Craft-Brauerei, die müssen irgendwelche sauren Sachen haben, meistens irgendwelche Fruchtkettesäuren, irgendwas Biere. Trotzdem kennen sie oft so eine Berliner Weisse mit Brettanomyces und so eigentlich nicht. So habe ich eigentlich auch sehr positiv darauf reagiert, auf dieses Bier, und wollte das eigentlich gerne haben, weil es war nicht so stark, es war säuerlich, es war interessant. Aber woher kriegen? Der Braumeister vom VLB, der verkauft das natürlich nicht, der macht das nur mal aus Spaß für sich selber. Ansonsten hat es keiner mehr gebraut. Und Kindl habe ich dann probiert, fand ich dann nicht so toll. Also was machst du als Braustudent? Man fängt an, das selber zu entwickeln und selber zu brauen. Das war ein langer Weg, weil ich mir alles irgendwie selbst anlesen und aneignen musste und heranziehen, also: Woher kriegt man Lactobacillus? Woher kriegt man Brettanomyces? Wie füttert man die, wie zieht man die hoch? Eigentlich habe ich immer nur Papers gefunden, wo drinstand, wie ich die wieder loswerde, aber nie, wie ich die eigentlich kultiviere. Und so hat das aber ein bisschen gedauert, und dann habe ich ganz brauchbare Getränke fabriziert. Und hatte die dann meinem Bier-Dealer des Vertrauens mal vorgestellt vor lauter Stolz, dem Ludger vom Hopfen & Malz. Und der hat gesagt: Ja hier, musst du mehr machen. Ich habe einige Leute, denen ich das verkaufen kann. Und dann nahm das so seinen Anfang.

Holger: Die Marlene, war das dann dein erstes oder kann man das so nicht sagen?

Ulrike Genz: Na ja! Man fängt erst mal auch mit einem Grundbier an natürlich. Bevor man da irgendwelche Sachen reinmischt, muss man ja erst mal wissen: Was willst du eigentlich? Wie soll das Bier denn sein? Dann war im Prinzip Marlene, klar, mein erstes Bier. Natürlich hieß das damals noch nicht Marlene, sondern Berliner Weisse von Ulrike. Weil das kam ja dann erst mit der Schneeeule auf. Da war ich ja noch nicht Schneeeule, da war ich ja noch Ulrike.

Markus: Von der VLB, das war der Kurt Marshall, oder?

Ulrike Genz: Genau! Das war und ist er immer noch nämlich.

Markus: Der hat ja früher auch immer diese großen Flaschen Berliner Weisse gemacht, die man dann so unter der Hand irgendwie mal bekommen hat. Und wenn man dann welche bekommen hat, war man ganz froh. Und der hat sich da wirklich sehr intensiv damit beschäftigt, fand ich total spannend. Was man vielleicht auch noch dazu sagen muss, was du ja auch noch machst, ist ja so, dass die klassischen Weisse-Brauer auch gesagt haben, so ähnlich wie in Belgien die Geuze-Brauer, sie machen die Bierwürze gar nicht selber, sondern holen die sich bei einer Brauerei und veredeln die sozusagen dann mit ihrer Berliner-Weissen-Kunst. Das war bei dir am Anfang sicherlich auch schon so, oder?

Ulrike Genz: Das musste sich auch alles erst mal entwickeln. Das ist ja winzig, wie ich angefangen habe. Ich habe dann, weil ich ja nicht wusste, hm, wie machst du das, irgendwo Kuckucks-Brauen, wie es da jetzt und auch damals schon so ein bisschen angelaufen ist, das geht ja gar nicht. Weil alle sagen so: Wat willst du? Brettanomyces, Lactobacillus? Na, geh mal weg! Und da brauchte ich irgendwas, um Würze herzustellen. Erst mal wusste ich ja auch noch gar nicht, was machen wir denn so. Hm! Da habe ich Herrn Bogk angequatscht. Der Herr Bogk, der hatte ja damals 2013 eine Crowdfunding-Aktion gemacht für Berliner Weisse. Also hat im Prinzip mit einer Berliner Weissen, mit seiner Berliner Weissen, die er da selber gebraut hat, hat er Crowdfunding-Geld eingesammelt und hatte damit echt viel Erfolg. Also viel mehr Erfolg, als er sich gedacht hatte. Und hatte sich davon eine 50 Liter Hobbybrauer-Anlage gekauft. Hat dann damals, seine ganzen Crowdfunding-Leute da gebraut. Und dann stand sie im Keller rum, weil er aus seiner alten Location rausgeflogen ist. Er hatte aber schon mit dem Organisator des alten Willner-Brauerei-Geländes abgemacht, dass er da einen kleinen Raum sich aufarbeiten darf, also hinterm Sudhaus 14 Quadratmeter. Als wir angefangen hatten, hatte das noch ein Fenster nach draußen. Als wir fertig waren, war das Fenster verschlossen, weil da war dann eine Tischlerei davor. Aber wir hatten es dann gefliest und Wasser und Strom dahingelegt und konnten dann da brauen. Und da haben wir auf 50 Liter und 100 Liter Plastik Containern die erste Weisse für den Berliner Weisse Gipfel gebraut. Der war im März 2016. Da haben wir unser erstes Bier und auch die Schneeeule das erste Mal vorgestellt mit auf 50 Liter Hobbybrau-Anlage gebrauter Berliner Weissen.

Markus: Das war auch eine sehr spannende Location. Also das war praktisch dieser Innenhof von der alten Willner Brauerei. Da war dann ein Biergarten drin, so richtig Urban Style, wie man sich Berlin eben so um die Zeit vorgestellt hat, sehr rudimentär, sagen wir mal so. Und da eben dann um die Ecke ging’s dann rein in diesen Raum, wo die Berliner Weisse Brauerei war. Im Sommer hat man dann draußen auch mal ein Bierchen trinken können, so ein bisschen under-cover-mäßig. Und das war schon echt superspannend und wirklich so sehr auch Berlin Style, finde ich, wie das damals angefangen hat.

Ulrike Genz: Berlin Style ist ja mehr so rumpelige Location mit abgefallenem Putz an der Wand und irgendwie zusammengeklauten Stühlen und Tischen und olle Sofas, die einer loswerden wollte. Und so sah das auch aus. Also da im Sudhaus, da hat eine Künstlergruppe Lesung gemacht und so Gedichte und Geschichten und so. Die hat da getagt und hat das so ein bisschen als eine Art Bar benutzt. Und da im Hinterzimmer hatten wir dann am Ende diese kleine Brauerei. Und unter der Bühne war sozusagen unser Lagerplatz. Ja, das war sehr abenteuerlich. Auf jeden Fall!

Holger: Wir können ja noch mal sozusagen ins Berlin der 20er Jahre zurückkehren. Wahrscheinlich hat ja Marlene was mit Marlene zu tun. Auf jeden Fall, wenn ich jetzt mir die Farbe anschaue, dieses Strohblonde passt ja zu der Frau, die man so kennt.

Ulrike Genz: Stimmt! Das mit der Farbe ist mir noch gar nicht aufgefallen. Siehst du!

Holger: Wir sind ja sowieso den Hörern auch noch schuldig, einfach das Bier auch noch so ein bisschen zu beschreiben. Ich habe ja gerade schon gesagt, so strohgelb und naturtrüb. Was mir so entgegenspringt, ist so eine schöne Holundernote.

Ulrike Genz: Holunder.

Holger: So richtig schön erfrischend, fruchtig und so angenehm säuerlich spritzig. Und deshalb habe ich auch vorhin gesagt, das ist für mich ein ganz tolles Aperitif-Bier. Und hat auch noch nicht ganz so viel Alkohol wie jetzt andere Biere, mit denen wir manchmal hier starten, nur 3,5 % Alkohol. Also ich finde, das ist ideal. Was sagst du denn, Markus?

Markus: Ein wunderbares Bier. Ich mag das total gerne. Und auch gerade so als Aperitif, als habe auch nächste Woche zum Beispiel ein Online-Tasting, wo ich die Marlene als Aperitif gesetzt habe oder auch ganz bewusst in Präsenzveranstaltungen, weil das so ein Augenöffner ist. Also den Leuten einfach zu zeigen, was Bier alles sein kann, was für faszinierende Eigenschaften da auch drinstecken und wie harmonisch und schön rund auch so ein eher säuerliches Bier sein kann. Holunder habe ich auch und so ein bisschen Apfel, Apfelmost, ein bisschen Birne vielleicht auch. Also ein sehr komplexes Bier in seiner Aromatik. Und von der Säure eben sehr ausgewogen, und aber auch nicht so platt. Also du hast ja gerade gesagt, Ulrike, es gibt ja noch die kommerziellen Berliner Kindl Weissen zum Beispiel, die werden ja eigentlich mehr oder weniger nur hergestellt, damit man sie dann mit den Sirups mischt, also zu einer Roten oder zu einer Grünen Weissen zu machen. Und da kippe ich dann eben diesen Zuckersirup rein und dadurch neutralisiere ich die Säure und brauche sie andererseits auch wieder in dem Bier, damit das überhaupt funktioniert. Und das ist gar nicht dafür gemacht, solo getrunken zu werden. Und wird auch nur noch mit Milchsäure hergestellt und eben gar nicht mehr mit diesem spannenden Cocktail, der eben in der Berliner Weissen eigentlich früher immer drin war, und jetzt dank dir auch wieder drin ist. Das finde ich, hinterlässt eben in dem Bier auch seine Spuren in ganz, ganz viele verschiedene Ecken und Richtungen. Und bei der Marlene eben sehr, sehr geschmeidig, auch ein schönes Einsteiger Berliner Weisse Bier und auch eins, was man schön aufheben kann. Also wenn das dann älter wird und reift, dann wird es natürlich immer spannender. Lasst uns das nächste Bier probieren, oder Holger, was meinst du?

Holger: Du hast vollkommen recht, wir müssen das nächste Bier entern. Ulrike, jetzt kommst du wieder ins Spiel. Was sollen wir nehmen?

Ulrike Genz: Yasmin, würde ich sagen.

Holger: Nehmen wir Yasmin. Sehr gut!

Ulrike Genz: Fangen wir mit den Blümchen an.

Markus: Oh ja!

Ulrike Genz: Ich bin ja eine Blümchentante, mache am liebsten Blümchen in mein Bier, weil Früchte kann ja jeder.

Markus: Kein Blümchensex, sondern Blümchenbier sozusagen.

Ulrike Genz: Genau! Und auch kein Blümchenkaffee.

Markus: So, jetzt haben wir aber alles Klischees abgefrühstückt, und trotzdem nur bei 3,5 %, liebe Leute.

Ulrike Genz: Ja, klar! Das ist ja das Schöne. Man kann davon auch mehrere trinken, auch am Morgen. Okay, eigentlich ist meine Berliner Weisse schon relativ stark mit den 3,5 %. Wenn man sich jetzt so historische Flaschen mal vornimmt, da haben die meistens nur so 2 %.

Holger: Da hast du ja dann richtig reingehauen. Ich meine, von 2 auf 3, …

Ulrike Genz: Aber ja!

Holger: … das ist ja der Wahnsinn.

U: Es ist natürlich so heutzutage, die meisten Leute kaufen, wenn sie Bier kaufen oder überhaupt Getränke mit Alkohol, kaufen sie am liebsten den Alkohol, also sprich, das Verhältnis zwischen Geld und Alkohol muss stimmen. Und da ist mein Bier immer so ein bisschen im Hintertreffen, weil das ja an sich nicht so stark ist und trotzdem ganz schön teuer. Und wenn das jetzt noch dünner wäre, hatte ich befürchtet, dass es am Ende nicht mehr schmeckt. Vielleicht muss ich mal eine Diät Weisse machen. Obwohl Diät darf man nicht sagen. Mal so eine dünne, weil ich bin mir auch sicher, dass sie auch mit 2 % noch gut schmecken kann.

Markus: Ist auch die Frage, ob das jemals so ganz genau gemessen worden ist. Und überhaupt, es ist ja auch ein Bier, was lebt, also was sich ja noch entwickelt und wo der Alkoholgehalt ja auch nicht unbedingt in Stein gemeißelt ist.

Ulrike Genz: Im Prinzip ja. Ich glaube auch, genau aus diesem Grund haben sie das früher dann ein bisschen dünner gemacht, gerade weil es sich da halt noch weiterentwickelt hat. Dann haben sie da vielleicht ein bisschen zu viel noch Restextrakt drin gehabt und dann hat es sich so extrem entwickelt, dass dann die Flaschen geborsten sind oder so. Irgendwann mal gab‘s ein Jahr, weiß ich gar nicht mehr, welches Jahr das war, das war aber legendär für seine Atom Weisse. Da hatten sie irgendwas umgestellt, glaube ich, und da sind die ganzen Flaschen hochgegangen und haben sich dann so hübsche Schaum- und Bierpilze über der Flasche gebildet. Kann sein, dass sie deshalb ein bisschen vorsichtiger waren, oder dass es auch historisch möglichst dünn war, weil die Leute haben es ja statt Wasser getrunken. Natürlich wollte der Brauer auch möglichst viel Bier ausholen aus seinem Sud.

Holger: Ich habe jetzt nicht so eine ganz vorrangig so eine Yasmin-Thematik, wie ich jetzt bei einem Yasmin-Tee bei einem Chinesen oder so habe. Schon so eine blumige Note, so eine Hopfennote, ist ein bisschen deutlicher als bei der Marlene.

Ulrike Genz: Ich finde, Yasmin, es schmeckt eher so ein bisschen süßlicher, weil man mit Blüten eher sowas Süßliches verbindet. Interessant, dass du das als Hopfennote bezeichnest.

Holger: Nicht so plump bitter, sondern wenn ich jetzt mit Aromahopfen arbeite, dann ist es oft so, dass es dann von den Bittereinheiten vielleicht schon auch deutlich ist, aber diese Fruchtigkeit, die man auch in der Nase hat und so, die bindet die Bittere so ein. Ich glaube, das ist das, was mich so daran erinnert. Also ich denke da jetzt nicht an Hallertauer Mittelfrüh, sondern dann schon an so Flavour Hopfen.

Ulrike Genz: Die haben ja auch so Blümchennoten. Das stimmt.

Holger: Ja genau!

Markus: Ich finde auch, es hat mehr Säure, also für mich jedenfalls. Es ist intensiver von der Säurenote und das macht das auch spannend. Also ist ein bisschen länger irgendwie, bleibt auch länger im Mund, dann kommt für mich so dieses Florale, das blüht dann so richtig auf.

Ulrike Genz: Mhm (bejahend). Ja.

Markus: Warum heißt das Ganze eigentlich Schneeeule? Jetzt reden wir da die ganze Zeit drüber, du hast ja jetzt nicht unbedingt Flügel und schaust eigentlich normalerweise auch nicht aus wie eine Eule. Wie kommst du denn auf so einen Namen?

Ulrike Genz: Erstmal war es eine Schnapsidee. So, ah, wie nennen wir das Ding? Ah, guck mal, geil, neue Rechtschreibung, drei E in der Mitte. Super! Das sieht gut aus. Und dann ist das tatsächlich aber so eine künstlerische Entscheidung, wo man dann hinterher merkt: Ey! Eigentlich passt es wie Arsch auf Eimer, weil es gibt eigentlich einige Begründungen mehr für die Schneeeule. Als erstes ist natürlich die Eule als Vogel fast ausgestorben, weil der Lebensraum fehlte oder fehlt oder immer kleiner wird. Das war ja Berliner Weisse auch fast, ausgestorben. Dann ist der Vogel auf dem Etikett eigentlich auch so ein bisschen, wie ich mir das Bier eigentlich vorstelle. Die Flügel sollen den Schaum symbolisieren und nur das Gelbe in den Augen ist das Bier. Weil a) ist es gelb und b) ist es nicht so stark. Dann ist es natürlich auch ein bisschen Zusammensammeln und Bewahren von altem Wissen, was ich damit betreibe. Meine Oma hat gesagt: Wat den een sien Uhl, is den annern sien Nachtigall. Was so viel heißt wie: Na ja! Es schmeckt halt auch nicht jedem. Mir ist jetzt auch aufgefallen, wenn man nach dem E die 3 Buchstaben sieht, dann ist das fast mein Vorname, Ulli. Und so gibt’s immer wieder ein paar Ansätze, das auch ein bisschen zu erklären und zu sagen, warum das jetzt Schneeeule heißt.

Holger: Das hat jetzt gar nichts mit dem Bier zu tun und ich kriege auch keine Verbindung hin, aber was mich total absolut begeistert an Eulen, ich weiß gar nicht, ob ihr das wisst, die fliegen ja lautlos. Also die haben Federn, die quasi die Luft schneiden. Und dann gibt es kein Windgeräusch. Wenn eine Eule im Anflug ist auf Beute, dann hört die Beute die Eule nicht. Also ich weiß jetzt nicht, wie man das jetzt verbindet mit dem Bier. Markus, das musst du jetzt machen.

Markus: Du, überhaupt gar kein Problem, weil ich merke gerade bei mir, wie lautlos im Anflug die Lust auf das nächste Bier ist. Weil mein Glas ist nämlich leer und jetzt im Hintergrund kommt da schon die nächste Eule angeflogen und sagt: Hey! Mach mich auf!

Ulrike Genz: Hallo!

Markus: Aber jetzt müsste ich noch wissen, welche?

Ulrike Genz: Wir nehmen zwischendurch mal ein dunkles, der August‘schen Eule Bock.

Markus: Also Bock auf Bock haben wir immer. Gar kein Thema! Jetzt in der Bockbierzeit sowieso, dann gerne auch mal Bock sauer.

Ulrike Genz: Dann lass uns doch August mal aufmachen.

Holger: Nein, unbedingt! Ich glaube auch, das ist gut jetzt.

Markus: Ihr müsst euch einfach überlegen: Seit wir diesen BierTalk machen, würde ich gerne die Schneeeule Biere probieren. Das sind jetzt fast neun Monate und da hat sich ein bisschen was aufgestaut. Und jetzt stehen die alle vor mir rum und lächeln mich alle so an mit ihren Äuglein zwischen den Flügeln. Und dann will ich einfach auch.

Holger: Dann kommt der August dran, oder? Der August.

Markus: Eben!

Ulrike Genz: Machen wir mal August. Genau!

Holger: Also August.

Ulrike Genz: August, August. Während ich die Berliner Weissen eigentlich ganz gerne auch in einem großen Glas sehe, kann ich für August auch sagen, den kann man auch in so einem Teku reingießen. Weil a) ist er nicht so arg karbonisiert und b) hat er auch schöne Nase. In so diesen großen Berliner Weisse Gläsern sammelt sich ja die Nase nicht so gut.

Markus: Herrlich! Herrlich!

Ulrike Genz: Dafür sind sie ja auch gemacht.

Markus: Das muss man vielleicht den Hörern auch beschreiben. Das klassische Berliner Weisse Glas, von dem die Ulrike spricht, das ist mehr oder weniger ein Kelch. Also so ein bisschen der heilige Gral des Bieres, das ist dann das Gefäß für die Berliner Weisse, nach oben offen, wie man das eben so kennt. Hat aber eben auch den Nachteil, dass dadurch die Aromen eben relativ schnell verfliegen können. Und wenn wir jetzt so ein aromatisches Bier haben, da ist es natürlich schön, wenn man ein Glas hat, was oben ein bisschen zusammengeht, so ein bisschen Kamin hat, der die Aromen zusammenhält, dass wir die jetzt auch riechen können. Da freue ich mich jetzt schon drauf.

Holger: Dann beschreib doch mal ein Bier.

Markus: Ich? Okay! Dann fange ich da mal ein bisschen an. Es ist schon mal allein von der Farbe her natürlich sehr, sehr schön. Es ist jetzt ein Orangebraun, würde ich sagen, ein schöner Holzton fast. Auch der Schaum hat eine schöne leichte Tönung. Wenn man das Ganze im Glas hat und das Glas ein bisschen dreht, dann haftet das richtig an. Also da merken wir schon, gut, da ist jetzt ein bisschen mehr Alkohol im Spiel. Wenn man reinriecht, dann kommt auch so ein bisschen eine Holznote raus, ein Karamellton. Natürlich auch diese typischen Brettanomyces-Aromen, also ein bisschen schweißig, Pferdedecke sagt man ja auch so dazu. Wilde Aromen, dann kann man auch in die Beeren gehen, so Pflaumen Trockenpflaumen, alte Pflaume, sowas in diese Richtung. Und man merkt diese säuerlichen Noten auch, also Essig wäre jetzt das falsche Wort, aber so ein bisschen in die Richtung geht das. Probieren wir das mal. Und da haben wir jetzt ein schönes Spiel aus der Süße, die das Bier mitbringt. Dann eben so weinigen, rosinige Noten. Geht dann über in das leicht Holzige. Ist insgesamt relativ trocken und hat dann so einen Abgang wie so ein Dry Cherry. Und der bleibt dann auch relativ lang und wird immer mehr beerig, also immer mehr in dieses Weintraubige. Und bleibt ganz, ganz lange da. Ein ganz spannender Trunk. Wenn ich Zigarre rauchen würde, dann würde ich dazu wahrscheinlich eine Zigarre anstecken.

Ulrike Genz: Das Typische von diesen Brettanomyces-Bieren, dass die so lange auf der Zunge bleiben.

Markus: Ein bisschen Apfel auch für mich, also so richtig sehr reifen Apfel, lange gelagerten, auch Apfelmost, in diese Richtung. Also sehr komplexe Aromatik.

Holger: Jetzt fragt man sich natürlich so: Wer ist August? Ich kenne eigentlich nur einen, der Begründer der Borsig Werke. Ist das der August?

Ulrike Genz: Ja, das soll nach August Borsig benannt worden sein.

Holger: Echt?

Ulrike Genz: Jawoll! Ich habe dort meine Fermentationsräume und demnächst auch Brauräume.

Holger: Da ist ja so ein altes Industrieareal.

Ulrike Genz: Riesengroß.

Holger: Ich habe ja übrigens neun Jahre in Berlin gewohnt.

Ulrike Genz: Alte Gebäude.

Holger: Das muss man vielleicht erwähnen, wenn man so lange miteinander spricht, Ulli. Also neun Jahre habe ich in Berlin gewohnt.

Ulrike Genz: Wo denn?

Holger: Mittenwalder Straße, direkt an der Marheineke Markthalle.

Ulrike Genz: Aha!

Holger: Aber da war das noch nicht so hip, wie das jetzt ist. Da war das noch normal Kreuzberg, 61er Kiez.

Markus: Also 1935 oder so, ne?

Holger: So ist es, Markus. So ist es. Du hast es wieder ganz genau auf den Punkt gebracht.

Ulrike Genz: Aber viele Berliner kennen ja auch die Borsig-Werke gar nicht, auch wenn sie länger in Berlin wohnen.

Holger: Ja, ja, aber das ist ja typisch Berlin, also jeder ist in seinem Kiez. Ich habe mal eine Mitarbeiterin in Berlin gehabt, die liebe Frau Lohmann, da ging’s irgendwie um die Charité. Da hat dann irgendjemand gefragt, wo die Charité ist, und sie konnte es nicht erklären. Ich hab‘s dann erklärt und habe dann gesagt, das kann doch nicht wahr sein. Sie leben jetzt 55 Jahre in Berlin und können nicht erklären, wo die Charité ist. Und dann hat die zu mir gesagt: Wenn ich Berlin verlasse, fahre ich nach Tegel.

Markus: Ich hätte ja beim August ehrlich gesagt auf August den Starken getippt, auf den Sachsen-Herrscher.

Ulrike Genz: Ja, aber der hat ja keinen Bezug zu Berlin.

Markus: Aber für Bockbier.

Ulrike Genz: Nein, als ich das gebraut hatte und fermentiert hatte, da hatte ich mal ein Interview vom Tegler Kurier. Und der hat gesagt, ich müsste mal was machen, was ein bisschen Lokal-Bezug hat. Da dachte ich: Hm! Eigentlich ja. Und August Borsig, dadurch dass ich ja da in Borsig-Werken bin, ist ja dann so sehr lokal Tegel. Und der ist ja auch ein interessanter Typ eigentlich. Der hatte damals Maschinenbau gelernt und war dort keine besonders große Leuchte. Ist eigentlich fast durchgefallen in seiner Lehre. Und Herr Egells, nach dem die Egellsstraße, die Zufahrt zu den Borsig-Werken benannt ist, der hatte ihn dann aber aufgenommen. Und dann hatten die irgendwie die Idee zu diesem Lokomotivbau. Und damit sind die dann richtig groß geworden. Und auch das ganze Ding ist riesengroß. Das ist nicht nur das, wo da jetzt MAN und Borsig arbeitet, sondern ist ja noch ein Riesen-Einkaufszentrum, was damals noch mit dazugehörte, und ein Riesenareal noch, wo Amazon jetzt seine Lager hat. Und auf der anderen Seite habe ich jetzt so einen kleinen Keller mit den Vagabunden, das war auch alles Borsig-Werke. Und dann gibt’s ja auch noch die Wohngebiete dazu, weil der Herr Borsig, der hat nämlich für seine Arbeiter auch Wohnungen gebaut und der hat für die eine Krankenversicherung gemacht und eine Sterbeversicherung und sowas. Also der war, glaube ich, kein schlechter Chef und auch erfolgreich.

Holger: Ich denke, das war auch so die Zeit von den ganz großen Industriellen, die damals losgelegt haben.

Ulrike Genz: Ja.

Holger: So ähnlich wie Krupp auch, der ja auch sehr viel für seine Arbeiter getan hat. Und außerdem, Markus, ich meine, jetzt steht hier Marlene und August und Kennedy, und wie kommst du dann auf August den Starken? Also jetzt geht’s wieder mit dir durch…

Ulrike Genz: Na, weil es das stärkste Bier ist von Schneeeule.

Holger: Wie kommt man jetzt dazu, irgendwie aus 50 Jahre alten Berliner Weisse Flaschen sich irgendwelche alten Hefestämme zurecht zu kratzen und die versuchen wieder zu beleben? Erzähl doch mal, wie war das?

Ulrike Genz: Das ist ja erst mal nicht hundertprozentig als erstes meine Idee gewesen, sondern die von Herrn Bogk. Der hat sich damals im Internet so eine Flasche ersteigert und hat das dann ins Labor gebracht, weil er gelesen hat, dass die Hefen da noch so lange überleben. Und hat das dann da sich wieder lebendig machen lassen, also isolieren und wachsen und so. Als er mir die in die Hand gedrückt hat, waren die allerdings auch schon leicht ein Malat, weil er die schon im Kühlschrank in so einem kleinen Röhrchen gehalten hatte. Aber sind gut wieder angewachsen. Nach seinem Vorbild habe ich das dann im Prinzip auch gemacht. Ich habe zwischendurch noch eine Studienarbeit für Herrn Lemke gemacht über Berliner Weisse. Der hatte das Glück, jemanden zu kennen, der die Kulturen noch in seinem Kühlschrank hatte, weil das war früher der Brauchef oder der Laborchef vom VLB. Die hatten ja damals auch eine Brauerei. Und der hat die auch so ein bisschen erhalten, diese alten Stämme. Und da hatte ich auch die Möglichkeit, mal auch andere zu probieren. Das war auch sehr interessant. Dann habe ich Brettanomyces aus jüngeren Bieren gefunden. Die hatte mir der Braumeister vom Bayerischen Bahnhof mal in die Hand gedrückt, mit den Kulturen vom Bogk. Und diese vom Bayerischen Bahnhof habe ich dann angefangen zu brauen. Also das waren meine ersten eigenen Berliner Weisse Kulturen.

Markus: Da haben wir ja eigentlich schon die interessanten Personen alle beieinander, finde ich. Also einmal der Andreas Bogk, der ja eigentlich aus der Computer IT Nerd-Szene kommt. Das finde ich ganz spannend. Also ich habe mit dem mal ein langes Interview geführt und da hat er mir eben erzählt, dass er eigentlich bei so einem IT-Kongress war, wo sie eigentlich versucht haben, so rum zu hacken und sich in Systeme rein zu graben. Und dann haben sie da eben gesagt: Mensch, so ein bisschen Rahmenprogramm müssen wir auch machen. Und dann war damals eben Rahmenprogramm Bierbrauen. Und über dieses Bierbrau-Rahmenprogramm kam er überhaupt erst auf den Trichter, da jetzt irgendwie Bier zu machen, und kam dann eben heim nach Berlin und hat erst mal ausprobiert ohne Ende. Und wie das bei uns Männer so ist, erst mal die Küche seiner Freundin komplett zerstört mit Bier-Equipment und den Dingen, die da so übrigbleiben, und sich dann eben so reingewurschtelt. Und ich meine, dann bist du da, die sich eben sehr intensiv um das Thema kümmert und der Oli Lemke, den wir ja auch schon im BierTalk hatten, der das ein bisschen erzählt. Und natürlich auch der Matthias Richter dann aus Leipzig, der dann in Sachen Gose da sehr viel experimentiert. Das finde ich, ist einfach spannend, wie so eine Community zu haben, die sich gegenseitig auch befruchtet und einfach schaut, wie kann man diese Mikroorganismen quasi so ein bisschen unter Kontrolle halten, austauschen, so Hefebanken haben, wo man sich auch gegenseitig unterstützt. Weil es ja auch immer gut ist, wenn die Kulturen noch irgendwo anders existieren, falls mal irgendeine über den Jordan geht. Also das ist wirklich eine ganz, ganz interessante Sache und kannte man so in Deutschland ja gar nicht. Man war ja eher auf die schöne, saubere, klare untergärige Gärung aus und alles andere war ja potenziell eher so ein Risikoherd. Und das finde ich schon toll, dass das jetzt gebrochen ist und die Leute auch wieder Spaß daran finden und du eben auch deine Biere verkaufen kannst. Das war ja auch ein Thema, dass am Anfang Leute überhaupt nicht verstanden haben, was da in ihrem Glas landet, und mit großen Augen einen erst mal angucken und fragen: Dit is Bier?

Ulrike Genz: Nach wie vor, Markus. Du glaubst es nicht.

Markus: Und das ist immer Aufklärungsarbeit, die da auch zu leisten ist. Aber das Schöne ist, man kann sich das halt auch antrinken. Also wenn man da mal so ein paar hatte, dann gewöhnen sich die Leute dran, dann finden die das auch schön und dann merken die auch, was das Besondere an so einem Getränk ist.

Holger: Und das Schöne ist ja, wir haben jetzt auch noch drei Flaschen vor uns und könnten jetzt zur nächsten übergehen.

Markus: Mhm (bejahend).

Ulrike Genz: Hm!

Holger: Da würde ich doch fast vorschlagen, also entweder Sandy oder Kennedy.

Ulrike Genz: Nach diesem starken Bier, August, das hat ja auch eigentlich eine gute Hopfennote, der Kennedy passt da ganz gut dazu.

Holger: Machen wir den auf.

Ulrike Genz: Genau!

Holger: Aber vielleicht zwischendurch, du hast ja irgendwas mit Atomflaschen, die dann explodiert sind?

Ulrike Genz: Ja.

Holger: Da vielleicht noch mal so eine Hörerquiz-Frage: Was bezeichnet man denn in der Verbindung mit Bier sozusagen als U-Boot? Das wisst ihr beiden doch bestimmt.

Ulrike Genz: Als U-Boot?

Holger: Als U-Boot, ja.

Markus: Du hast es mir schon zu oft erzählt. Ich weiß es.

Holger: Du weißt doch, was ein Pinneken ist, oder?

Ulrike Genz: Nee.

Holger: Das ist ein kleines Schnapsglas. Das ist ein Pinneken. Und ein Pinneken versenkst du einfach in ein Bierglas. Also natürlich mit Schnaps gefüllt. Und das trinkst du da.

Ulrike Genz: Ja. Kannst du bei Berliner Weisse auch machen.

Holger: Das könnte man auch machen. Und jetzt ist halt die große Frage: Was ist ein Atom-U-Boot? Also was jetzt ein U-Boot ist, ist ja klar. Und was ein Atom-U-Boot ist, das hat also jetzt nicht mit irgendwelchen Nachgärungshefen zu tun, könntest du vielleicht jetzt gerade so in die falsche Richtung denken, sondern das ist einfach umgekehrt.

Ulrike Genz: Ein Bier im Schnaps versenkt?

Holger: So ist es. Wenn man aus dem Ruhrgebiet kommt, dann kennt man solche Spielchen.

Ulrike Genz: Alter!

Holger: Jetzt haben wir Kennedy im Glas.

Markus: Jetzt wissen wir auch, warum der bayerische Horizont in der Regel nördlich des Mains aufhört.

Holger: Na ja! Jetzt beschäftigen wir uns mit dem Kennedy.

Ulrike Genz: Alles klar!

Holger: Der Kennedy ist jetzt auch ein Vorbild für dich? Also so als Thematik „Ick bin ein Berliner“? Oder wie kommst du da drauf? Weil es gibt ja noch viele andere Berliner Helden.

Ulrike Genz: Ja, das stimmt!

Holger: Willy Brandt zum Beispiel. Du könntest auch mal ein Willy-Bier machen.

Ulrike Genz: Das stimmt. Oder eigentlich muss ich mal ein starkes Bier machen, was so nach, na, wie heißt er, Juhnke.

Holger: Ja, Harald Juhnke.

Ulrike Genz: Sowas müsste ich eigentlich machen. Der Kennedy, den habe ich eigentlich als Kennedy bezeichnet, weil er halt kalt gehopft war. Als ich damit angefangen hatte, habe ich hauptsächlich amerikanischen Hopfen benutzt, weil wir das so in der Zunft so ein bisschen geübt haben mit amerikanischem Hopfen. Und da hatten wir etliche zum Üben zur Verfügung. Da dachte ich: Außerdem ist es eigentlich von meinem Standpunkt aus eher so eine amerikanische Technik auch, weil ja ganz am Anfang gab’s ja auch Diskussionen, ob das überhaupt nach deutschem Reinheitsgebot erlaubt wäre, das kalt zu hopfen. Und das war so ein bisschen amerikanisch halt, und da dachte ich, passt eigentlich dann Kennedy ganz gut dazu. Außerdem: Ick bin ein Berliner, weißt du.

Holger: Ja, unbedingt!

Ulrike Genz: Passt ja auch gut.

Markus: Auf jeden Fall! Wobei ich mir wünschen würde, du könntest auch mal ein David Bowie Bier machen. Das fände ich auch schön.

Ulrike Genz: Das stimmt! Können wir auch mal machen.

Markus: „Major Tom“-mäßig.

Ulrike Genz: Ja, es gibt einige. Also wie gesagt, da gibt’s ja auch noch Billy Wilder oder Wilder Billy heißt der bei mir. Der Billy Wilder hat ja seine Karriere auch in Berlin eingefangen. Oder Otto, wie Otto Lilienthal. Da gibt’s doch einige. Also es ist noch Luft nach oben.

Markus: Ja, also wenn du mal einen Namen brauchst, sag Bescheid.

Ulrike Genz: Kein Problem! Nur das Yasmin, das hat noch keine richtige berühmte Entsprechung. Ist halt Yasmin drin.

Markus: Da setzt eben das Bier mal den Trend. Ist ja auch schön.

Ulrike Genz: Genau! Ist auch nicht schlecht.

Holger: Was ist denn jetzt das Besondere am Kennedy?

Ulrike Genz: An dem Bier meinst du?

Holger: In dem Getränk, was so schön mild und fruchtig nach Zitrone und Grapefruit und grüner Apfel und Orange und so ein bisschen Toastbrot und Zitronenschale in unserem Glas verweilt. Deshalb trinke ich es jetzt mal. Prost!

Ulrike Genz: Mach mal! Es ist kaltgehopft. Ich hatte angefangen mit amerikanischem Hopfen. Mittlerweile bin ich zu deutschem Hopfen übergegangen, weil es natürlich schwierig ist, in diesen kleinen Mengen, wie ich sie brauche, amerikanische Hopfen frisch zu kriegen. Und außerdem denke ich, dass deutscher Hopfen zu einem europäischen deutschen Bierstil auch besser passt. Und hier sind Callista und Monroe reingebraut. Ich finde ja auch, Monroe hat einen tollen Namen da für das Bier.

Markus: Und passt perfekt zu Kennedy wieder.

Ulrike Genz: Ja, perfekt! Denke ich auch, ja. Die geben denen halt eher so europäische Früchte und ein bisschen Melisse eventuell sowas. Wenn es ganz frisch ist, dann kommt‘s …

Markus: Wo du es sagst.

Ulrike Genz: Ja, ne. So ein bisschen.

Markus: Wenn du es sagst, kommt’s rüber. Auf jeden Fall! Mhm (bejahend).

Ulrike Genz: Ach, siehst du! Gucke. Muss man nur sagen, kann ich alles erzählen.

Markus: Ja, das ist der Trick daran.

Ulrike Genz: Nein, aber tatsächlich.

Markus: Bei Verkostungen, zur Not musst du einfach Dinge vorgeben. Ich meine, wir sind ja jetzt schon etwas erfahrener und da traue ich mir das zu, deinen Worten jetzt auch Sensorik folgen zu lassen. Und das stimmt schon. Also das hat einfach so was Kräutriges, was man nicht identifiziert. Aber wenn du es jetzt sagst, vor allem so im Nachgeschmack, hat man dieses Melissige. Auf jeden Fall!

Ulrike Genz: Ist halt auch schon ein bisschen älter. Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist bei den Bieren, dann wird es eigentlich erst richtig gut.

Markus: Wie bei deutschem Käse übrigens.

Ulrike Genz: Wie bei jeglichem Käse. Aber …

Markus: Die Franzosen schreiben gar kein MHD drauf. Das ist der Unterschied.

Ulrike Genz: Ja. Früher haben sie auch kein MHD draufgeschrieben auf das Bier. Nämlich nach einem Jahr wird aus diesem säuerlichen, eher ein Cidre-ähnlichem Getränk, ein süßlicheres, weinähnliches. Und das finde ich ziemlich spannend.

Markus: Ich habe ja damals das erste Buch geschrieben über die Berliner Brauereien und alle porträtiert. Und als das rauskam, haben wir dann alle Berliner Brauer auch eingeladen ins Meisterstück. Die waren auch tatsächlich alle da. Und ich habe dann zur Feier des Tages bei Ebay, über eine Woche, glaube ich, mir alte Berliner Weisse Flaschen ersteigert. Die waren dann alle so aus den 60ern und 70ern, ungeöffnet, sahen teilweise echt krass aus, also mit Rost auf dem Deckel und so. Dann haben wir auf der Pressekonferenz diese alten Weisse Flaschen aufgemacht und verkostet. Und sie waren wirklich durch die Bank hervorragend. Also war kein einziges dabei, wo man gesagt hätte, das ist irgendwie schwierig. Waren alle spannend, sehr intensiv in diese weinigen Noten, aber wirklich alle gut trinkbar und alle echt gut. Und das war für mich auch so ein Augenöffner, also dass das durchaus geht.

Ulrike Genz: Ich treffe manchmal auch so Leute, die halt keine Ahnung haben von Bier, und die sagen dann so: Was? Drei Jahre alt? Oh Gott! Das würde ich nie trinken. Da kann ich immer sagen: Hm! Ja schade, selber schuld. Probieren kann man es ja, solange da kein Schimmel obendrauf wächst, weil halt der Deckel kaputt war. Da ist das unbedenklich. Der limitierende Faktor dabei ist halt tatsächlich immer der Deckel.

Markus: Na, dann lass uns doch jetzt mal zur Sandy weitergehen. Da ist jetzt ja Sanddorn in der Weissen.

Ulrike Genz: Kirschen und Himbeeren gibt’s ganz viel. Das finde ich jetzt persönlich so ein bisschen zu langweilig für mich. Und Sanddorn ist aber auch interessant, das wächst in Brandenburg so wild. Das ist auch so ein Ding, das nimmst du dir nicht vom Busch und steckst dir das einfach in den Mund so. Das machen nur die Vögel. Das ist halt interessant, weil warum sollst du den Leuten das Essen wegnehmen, um das zu vergären? Das ist ja eigentlich Verschwendung.

Holger: Ich weiß nicht, ob dir das bewusst ist und ob du das ganz absichtlich so gemacht hast, aber das Weißbier ist ja der Champagner des Nordens, und der Sanddorn ist die Zitrone des Nordens.

Ulrike Genz: Ach so! Kann sein.

Holger: Wäre ne schöne Kombi…

Ulrike Genz: Wobei bei dem Sandy, jetzt nicht auf dieser Säure der Fokus liegt, sondern eher auf dieser herben Bittere. Weil der Sanddorn ist sehr sauer. Also wenn du da so …

Holger: Das stimmt. Ja.

Ulrike Genz: … Sanddorn Juice trinkst ohne Zucker, ohne Apfelsaft, kann man gar nicht trinken.

Holger: Sehr gesund aber.

Markus: Bevor wir weiterreden, lasst uns das doch aufmachen, oder?

Holger: Ich hab‘s schon längst aufgemacht und hab’s auch schon getrunken. Ich weiß auch nicht, warum du immer so langsam bist.

Markus: Also, auf geht’s!

Ulrike Genz: Jetzt kann ich die erst mal runterschlucken. Mir gehen die Gläser aus hier. So schnell kann ich gar nicht trinken. Sanddorn hängt ganz fest an den Stängeln, hat zwei, drei Zentimeter lange Dornen, die sich auch ordentlich ins Fleisch reinpieken, wenn man da nicht aufpasst. Deshalb habe ich die mit den Stängeln vergoren. Deshalb kommt dieses Holzige, Herbe da mit raus.

Markus: Wollte grad sagen, das hat fast so ein bisschen Holzton da drin. Wahnsinn!

Ulrike Genz: Ja.

Markus: Toll finde ich im Mund diese Säure, wie die eingebunden ist. Das ist echt großartig.

Ulrike Genz: Ja gut, zugegeben, ist auch Holz mit dabei, Middle Toast. Weil ich finde, das rundet diese Biere so ein bisschen ab. Es ist halt ein alter Bierstil und da macht so ein bissel Holz eigentlich immer gutes dabei. Die waren ja früher eigentlich auf dem Holz gelagert und so. Habe ich leider nicht so viel Möglichkeit das zu tun, werde ich auf jeden Fall wieder noch mal ein bisschen ausbauen. Weil ich finde Barrel Aging total interessant.

Markus: Du hast ja da jetzt auch mit den Jungs von Brewer‘s Tribute zusammengearbeitet. Wie kam’s denn da dazu?

Ulrike Genz: Richtig! Deshalb heißt es Sandy aus Marzahn. Ja, man kennt sich in der Szene. Und ich habe da auch schon Würze gebraut. Ach ja, ich habe ja noch gar nicht erzählt, wie es eigentlich dazu kam, dass ich gar kein eigener Brauer mehr bin. Weil mit 50 Liter kommt man natürlich nicht groß weit, kann man keine großen Sprünge machen. Da kannst du nicht leben und nicht sterben von, wenn du da dann mit 50 Liter brauen willst. Und da habe ich mir überlegt, ich könnte ja woanders brauen, wie alle anderen das auch machen. Alle haben gesagt, nee, um Gottes Willen. Und da bin ich dann draufgekommen, dann aber wenigstens die Würze holen. Und Brewer’s Tribute ist nämlich auch eine der Brauereien, bei denen ich am Anfang auch mal Würze gekauft habe. Das war gar nicht so einfach, denen das zu verklickern, dass ich nur die Würze will und gar nicht das Bier so. Und dass das einfach nur einen Tag brauen ist und dann ist das vom Hof und geht die nichts mehr an. Eigentlich ist das ganz cool. Das ist natürlich doof, wenn man die Würze dann so durch die ganze Stadt schippern muss. Deshalb macht ich das nicht mehr so häufig bei Brewer’s Tribute, sondern eher im nahegelegenen Craft Zentrum. Da habe ich im ersten Jahr tatsächlich zwei 5-Hektoliter-Sude in Willner gemacht? Das war echt ein Aufwand.

Markus: Bei den Brewer’s Tribute muss man auch sagen, was ja auch spannend ist, das sind ja drei Jungs, die eigentlich so quasi eine Außenstelle sind von einem chinesischen Braumaschinenhersteller. Und haben da so ein bisschen den Showroom sich in Berlin hingestellt, um dann eben Kunden zeigen zu können, dass es durchaus auch chinesische Brauanlagen sind, die man zum Brauen verwenden kann. Da ist die Naht dann vielleicht manchmal ein bisschen schlangenförmig, aber das Ergebnis ist trotzdem wunderbar. Und das sieht man hier auch toll, also toll. Und ich finde die auch sehr nett. Also kann man im Sommer auch vorbeischauen.

Ulrike Genz: Ja.

Markus: Und direkt nebenan ist ja auch noch die Außenstelle vom …

Ulrike Genz: Philipp.

Markus: … Philipp.

Ulrike Genz: Von Hops and Barley.

Markus: Genau! Von Hops and Barley. Und das ist immer …

Ulrike Genz: Aus der Bierfabrik ist jetzt Straßenbräu geworden. Die haben das jetzt, …

Markus: Ach, da, wo früher die Bierfabrik war?

Ulrike Genz: … das Objekt jetzt übernommen.

Markus: Interessant! Und die Ecke lohnt sich. So, der Holger ist eingeschlafen mit seiner Sandy.

Holger: Ja, also ich …

Ulrike Genz: Der ist total fasziniert.

Holger: Ich find‘s richtig gut. Ja.

Ulrike Genz: Ja?

Holger: Ja, das ist sowas Versöhnendes.

Ulrike Genz: Versöhnendes meinst du?

Holger: Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll.

Ulrike Genz: Hat dich das vorher so ein bisschen aufgebracht?

Holger: Nein, nein. Nein, nein. Sondern eher so vom Aperitif jetzt doch zum Abend ausklingen.

Ulrike Genz: Ah okay!

Holger: So meine ich das eher. Auch jetzt mit den Holzchips, finde ich, passt unglaublich gut, wirklich unglaublich gut.

Ulrike Genz: Ich finde, das ist auch gut süßlich geworden jetzt wieder. Ist nicht mehr so krache-sauer. Wah?

Markus: Super!

Holger: Ja, total! Wirklich so richtig ausgeglichen. So umarmt mich gerade. Ehrlich gesagt habe ich ein bisschen Angst jetzt vor dieser heißen Irmi, die mich dann aus meinem schönen, gefühlten schönen abgeranzten Berliner Sessel so raushaut. Also wahrscheinlich passiert das gleich. Da habe ich ein bisschen Angst davor. Wir können hier einfach aufhören und mich jetzt hier so schön abhängen lassen.

Markus: Da müssen wir jetzt durch, Holger. Unbedingt!

Holger: Dann Markus, dann mach‘s auf halt, verdammt.

Markus: Ja, weil auch darauf freue ich mich ja seit neun Monaten. Ich muss ja sagen, die Ulrike hat mir damals, das ist schon ein bisschen länger her jetzt, glaube ich, da gab‘s ja praktisch eine Hot-Hot Irmi sozusagen. Also irgendwie ein Sud, wo die Schärfe noch mal kräftiger war. Und das war schon eine …

Ulrike Genz: Die erste wahrscheinlich.

Markus: … eine richtige Herausforderung. Und ich finde das wirklich eine tolle Kombination, mal durch die Kohlensäure und die Säure und diese Schärfe mit dem Ingwer noch dazu, das ist einfach eine ganz, ganz tolle Mischung und die fordert einen von vorn bis hinten. Und die ist auch länger da, die beschäftigt einen auch ein paar Minuten. Und man kann das auch schön mit Food Pairing kombinieren. Also ah!

Holger: Dann bleib doch dabei und hau direkt die Beschreibung hinten nach.

Markus: Sofort! Von der Farbe her ist es jetzt das hellste, würde ich mal sagen, von den ganzen Weissen, die wir jetzt verkostet haben. Also geht in so ein fast milchiges Gelb rein. Natürlich auch wieder sehr trüb, weil ja die ganzen Organismen schön noch in der Flasche drin sind. Obendrauf ein weißer schöner dichter Schaum, und dem entströmt dann schon so das typische Ingweraroma. Also viel Citrus, dann so ein bisschen Gewürzaromen auch schon, Orange. Ah! Kumquats und sowas. Und geht dann in eine Gewürzrichtung. Jetzt probiere ich das mal schnell. Mmh! Und im Mund ist dann dieses schöne Spiel. Das fängt sauer an, geht dann so nach und nach über in eine Orange, in sowas fast Süßes. Und wenn man denkt, jetzt ist es süß, dann fängt die Schärfe an und geht dann richtig los. Und wo sonst die Bittere beim Bier ist, kommt die Schärfe. Und die geht dann praktisch vom Gaumen runter durch die ganze Speiseröhre, alles wird von dieser Schärfe erfasst. Es brennt ein bisschen, nicht unangenehm, aber merklich. Und dann wird‘s auch ein bisschen warm. Und ist ein ganz langes tolles Erlebnis. Also ich kenne das eigentlich nur von diesem Bier in dieser schönen Ausgewogenheit. Also danke, das macht mich jetzt wieder richtig wach und fit. Und jetzt könnten wir eigentlich wieder von vorne anfangen.

Ulrike Genz: Genau! Deshalb empfehle ich das immer zum Schluss. Auf Bierfesten empfehle ich das immer zum Schluss, weil die Säure öffnet dir die Augen und die Schärfe macht dich wieder warm und wach für den Nachhauseweg.

Markus: Na, Holger, wie heiß ist deine Irmi?

Holger: Ich finde, deine Beschreibung ist ziemlich gut. Es ist krass! Also es ist voller Komplexität. Und da muss man richtig lange drüber nachdenken. Ich habe das noch nie getrunken. Das ist jetzt das erste Mal für mich. Da muss ich erst mal drüber nachdenken. Ich kann das gar nicht so richtig beschreiben. Das ist auf jeden Fall ein heftiges Bier. Und ich glaube, bei langen Bierwettbewerben, also wenn man dann das 70. oder 75. schon verkostet hat, dann macht man sich damit wieder neutral und offen für alles sozusagen. Es ist fast schon ein schönes Schlusswort, wenn ich ehrlich bin.

Markus: Das Schöne ist wirklich, dass es ja auf der ganzen Zunge bleibt und prickelt und sich bemerkbar macht. Und damit möchte ich jetzt eigentlich auch den Abend noch ein bisschen spielen. Und deswegen fände ich es tatsächlich schön, wenn wir langsam zum Ende kommen, den Hörern vielleicht noch Lust machen. Wie schon gesagt, dieses Paket, was wir jetzt so blitzverkostet haben, so turbomäßig, das werden wir ganz gemütlich natürlich in anderthalb, zwei Stunden gemeinsam in unserem BierTalk Live verkosten, dann irgendwann so im Februar. Ihr könnt das Paket bei der Ulrike direkt erwerben, kaufen im Shop, euch nach Hause schicken lassen. Und dann auch, wenn die Versuchung groß ist, erst mal ein bisschen beiseitestellen oder ihr kauft dann einfach zwei oder drei oder vier oder fünf Pakete. Das ist auch kein Thema. Aber ansonsten stellt es eben schön kühl und dunkel, bis wir dann den Tasting-Termin haben, und dann genießen wir das zusammen und die Ulli kann dann auch ein bisschen noch erzählen, was so dahintersteckt. Und vielleicht fallen mir bis dahin noch ein paar Anekdoten ein, die man drumherum bauen kann. Also auf jeden Fall, danke schön für dieses tolle Insight in deine Welt der Biere, die eben noch mal eine ganz eigene ist und die mir absolut am Herzen liegt und mir auch ganz, ganz viel bedeutet. Dann treffen wir uns alle in Berlin wieder bei Ulrike, mit Ulrike, kann ich mir endlich den Salon anschauen und gemütlich Bierchen kosten.

Holger: Ich auch. Ich will auch unbedingt den Salon anschauen. Ich bin ja so ein Kneipenkind.

Ulrike Genz: Wann der Salon aufhaben wird, wissen wir nicht genau. Im Moment hat er nicht offen, weil wir ja nicht offenhaben dürfen. Es gibt noch mal einen kleinen Notgeschenke-Verkauf am Mittwochnachmittag und ansonsten hatten wir bisher immer auf von Donnerstag bis Sonntag. Es war geplant, dass wir an den anderen Tagen so ein bisschen Tastings machen und Food Pairings. Das ist aber jetzt durch diese ganze Corona-Geschichte noch nicht großartig gediehen und vorangeschritten. Alles wird man aber erfahren können auf der Webseite und auf Facebook.

Markus: Wunderbar! Dann noch mal vielen Dank für die Biere, für deine Zeit, für die Geschichten und bis ganz, ganz bald!

Ulrike Genz: Ich danke euch, dass ich Gast sein durfte. Hat mich gefreut.

Holger: Es war uns ein Vergnügen.

Markus: Eine Ehre. Ja, danke!

Ulrike Genz: Weil sauer macht lustig.

Markus: Das sind wir jetzt, trotz 3,5 %. Also!

Ulrike Genz: Sag ich doch!

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk 46 – Interview mit Stefan Stretz vom Schanzenbräu in Nürnberg

Stefan Stretz ist ein echter Glücksfall für die fränkische Bierwelt. Als Nürnberger Bub ging er gegenüber der Lederer-Brauerei zur Schule und entschloss sich dann folgerichtig auch für eine Lehre bei Tucher in der Frankenmetropole. Das Studium in Berlin schloss sich an und danach viele Jahre in der ganzen Welt. Zurück in Nürnberg stachelten ihn seine Kumpels an, selbst Hand an den Braukessel zu legen, und das Schanzenbräu war geboren. Nun hat Nürnberg eine echte Bierwirtschaft mehr und auch neue Interpretationen seines klassischen Bierstiles, des Rotbieres. Stefan Stretz nimmt hier nicht nur ganz besondere Hopfen für seine Rezeptur, er braut auch eine Weizen-Variante, die es dank Corona mittlerweile sogar in der Flasche zu kaufen gibt. Im BierTalk erzählt der sympathische Brauer die ganze Geschichte und verkostet nicht zuletzt vier seiner Köstlichkeiten mit Markus und Holger – also nichts wie ran an die Lautsprecher, aufdrehen und nach Bierfranken reisen…

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

 

Holger: Herzlich willkommen zu einem erneuten BierTalk und das ist schon die Nummer 46, jetzt könntet ihr glauben irgendwie sind die ja beim BierTalk irgendwie frankenlastig. Man könnte es vermuten, wenn man jetzt alle durchgehört hätte, das Frankenland hat schon so eine kleine Betonung, aber man muss ja auch zugeben, es ist aber auch Qualität vorhanden. Und bevor wir jetzt verraten, wer unser Gast ist, ist am Mikrofon der Holger und wie immer …

Markus: … der Markus.

Holger: So! Und es geht jetzt also nach Mittelfranken, und zwar nach Nürnberg zum Schanzenbräu. Stefan, grüß dich, wenn du vielleicht was zu dir und deiner Brauerei sagst, wie ist es dazu gekommen, dass da so coole Biere herauspurzeln? Wie machst du das eigentlich? Leg mal los.

Stefan Stretz: Ja hallo zusammen! Ja, ich bedank mich recht herzlich für die Einladung. Freut mich riesig, dass ich da dabei sein kann. Ja zu meiner Person, ich bin der Stefan Stretz, ich bin dieses Jahr 50 Jahre alt geworden, bin schon seit 1991 in dem ganzen Bierzirkus drin. Habe damals in der Schule, das Dürer-Gymnasium in Nürnberg, da ist auf der einen Seite der Knast und auf der anderen Seite war die Lederer Brauerei, und ich habe mich dann zum Glück auf die Brauereiseite da geschlagen, obwohl es vielleicht manchmal die andere Seite auch gestreift hätte. Aber ich habe dann eine Lehre gemacht bei Tucher 1991 und bin danach nach Berlin, habe dort Diplom-Ingenieur studiert. 2003, in Berlin gearbeitet dort und dann bin ich wieder zurückgekommen 2003 nach Nürnberg, habe damals für eine ganz große Reinigungsmittelfirma gearbeitet, habe dort Wassermanagement durchgeführt. Das heißt, ich war also im In- und Ausland und habe da große Brauereien, Molkereien, Softdrink-Betriebe hinsichtlich des Wasserverbrauchs analysiert, optimiert, Aquacheck hieß dieses Programm damals, war in USA und Kanada und ach, weiß ich, Holland und überall, also es war echt höchst interessant und dann kam ich 2003 wieder nach Nürnberg in meine Heimatstadt und dann nahm das Schicksal seinen Lauf, weil dann hatten nämlich meine ganzen Kumpels haben dann zu mir gesagt: „Stefan, so jetzt zeigst du mal was du kannst“ und dann musste ich anfangen Bier zu brauen, weil ich mich immer über irgendwelche Biere, immer wenn ich ein Bier in der Hand hatte, dachte ich, ach das kann man nicht trinken, hach das ist hier, das ist oxidiert, immer so klugscheißermäßig und dann haben meine Kumpels gemeint: „Jetzt zeig mal was du kannst“, und na ja, dann habe ich eben in dem Keller in der Bärenschanzstraße, da haben wir oben Amischlitten geschraubt und unten im Keller haben wir dann bisschen Bier gebraut in alten Fässern und alten Kühltruhen und so weiter haben wir da rumgebraut. Na ja! Und so ging das dann eben, so ging das dann los.

Holger: Ja, das ist eine spannende Geschichte also so ein bisschen hört es sich ja an wie Giesinger, wann machst du Crowdfunding?

Stefan Stretz: Ich habe schon immer neidisch zum Giesinger runtergeblickt, was der da alles macht mit dem Crowdfunding. Wir haben alles bisher selber finanziert, Idee dahinter war einfach, dass wir halt uns woanders einmieten, haben Gypsy Brewing gemacht, haben uns bei der Brauerei Sauer in Roßdorf am Forst haben wir uns eingemietet. In der Nähe von Bamberg, alter Kumpel von uns, der Christian und der meinte ja, er hat noch Platz, er hat noch Kapazität frei, dann haben wir erst in Fässern das ganze Ding gemacht. 2006 haben wir die Wort-Marke angemeldet, 2009 haben Flaschen angefangen, 2008 dann unsere eigene Wirtschaft aufgemacht, also eine eigene Schankwirtschaft, Schankwirtschaft Schanzenbräu in Gostenhof wieder und so ging das weiter. Wir haben dann über dieses Gypsy Brauen die Marke aufgebaut. Und als wir dann so 5.000 Hektoliter hatten, war dann eben, der Christian hat dann gesagt okay Freunde, entweder ich bau jetzt an oder es muss sich was ändern und dann haben wir gesagt okay, dann bauen wir. 2012 sind wir schon in die Planung so ein bisschen eingestiegen, mein Bruder ist dann mit eingestiegen in die Brauerei, von da an ging es dann bergauf, 2014 das Grundstück gekauft, am 15. Juni 2015, weiß ich noch ganz genau, den ersten Baggerschurf gemacht und am 13. Januar 2016 dann den ersten Sud.

Holger: Ja Wahnsinn, also Markus, ich weiß gar nicht ganz genau wie das ist mit den Oberfranken und mit den Mittelfranken, aber da kann man schon voller Neid und Anerkennung nach Nürnberg blicken, oder?

Markus: Auf jeden Fall, also ich kann mich noch erinnern, ich war an den ersten Tagen vom Schanzenbräu, als die Schankwirtschaft dann eben gerade auf war, schon unten, weil ich da recherchiert hatte für ein Buch und da haben wir uns getroffen und es war schon total faszinierend, ich habe das erste Rotbier meines Lebens getrunken und war auch gleich hin und weg, verliebt in diesen Bierstil, fand natürlich auch die Lokation ziemlich cool, wie man heutzutage sagen würde und dementsprechend, ich meine, Nürnberg ist die fränkische Hauptstadt und Rotbier ist der fränkische Bierstil und deswegen finde ich das wirklich ganz, ganz großartig, was der Stefan da so macht und natürlich auch die Entwicklung ist toll also, weil man einfach sagen kann okay, das war eine sehr, sehr gute Idee, die sich auch immer weiter entwickelt hat, die er auch als Person vorangebracht hat und mittlerweile ist er ja als Botschafter auch wieder international unterwegs in Sachen Bier und das insgesamt als Gesamtpaket macht mir echt Spaß. Wobei ich sagen muss Holger, du bist ja sonst immer derjenige, der mich drängelt was zu trinken. Ich habe jetzt echt Durst, vor mir stehen diese schönen Fläschchen, die sind alle noch zu also vielleicht sollten wir das mal ändern.

Holger: Also das will ich mir auf jeden Fall nicht zweimal sagen lassen. Stefan, du kannst bestimmen was wir zuerst nehmen, Rotbier war jetzt ein Stichwort aber wir haben ja einiges an Auswahl, also womit sollen wir starten?

Stefan Stretz: Ja, dann starten wir doch gleich mit dem Roten.

Holger: Das wird doch was hier, also wenn ihr schon so anfangt.

Markus: Ein Mann, ein Wort oder ein Mann, ein Rot, je nachdem, ich mach mal auf.

Holger: Ich mach mal auf hier. Ach ja, herrlich.

Stefan Stretz: Das ist ein schönes Bier, also es gefällt mir auch sehr gut, das haben wir halt immer weiterentwickelt, da gibt es so ein schönes Buch, „Bier und blaue Zipfel“ – also ein Klassiker in Nürnberg. Ich muss natürlich auch ein bisschen sagen, es gibt eine andere Brauerei, die Altstadthof-Brauerei, die haben das Rotbier damals schon publik gemacht, aber ich möchte schon auch irgendwie für mich ein bisschen behaupten, dass wir es dann eben weiterentwickelt haben und weiter nach draußen gebracht haben und wieder publik gemacht haben und aus der Versenkung geholt haben.

Holger: Markus, du musst es ja eigentlich beschreiben, also wenn du schon sagst jetzt hier, das ist der fränkische Bierstil und ich jetzt diese unglaubliche Farbe schon sehe im Glas, komm, hau doch mal dein Sommelierdeutsch da raus, damit die da draußen auch wissen, was man alles so labern kann über so ein leckeres Bier.

Markus: Okay also ich versuch das mal in einigermaßen schnelle Worte zu fassen aber nichtsdestotrotz, das ist eben ein besonderes Bier, das auch wirklich viel Beachtung verdient. Der fränkische Bierstil sage ich deswegen, weil im Grunde ist ja der fränkische Bierstil das Kellerbier aber eben so der Urtyp des Kellerbiers ist eben dieses Rotbier. Warum? Weil eben durch die Malze das Bier so eine wunderschöne leichte rötliche Färbung bekommt, sieht man hier auch, wenn man das so im Glas hat, es ist so ein bisschen leicht trüb, es ist ein unfiltriertes Bier und dann hat man eben, so würd man sagen, also Grundton ist vielleicht so Kastanienbraun oder ein bisschen heller und dann scheint eben dieser schöne Rotstich dadurch und das ist schon mal was, was mich optisch natürlich sehr reizt und der Schaum obendrauf hat auch eine schöne Tönung. Passt wunderbar dazu, ist schon mal ein Gesamtkunstwerk und dann ist es eben so, im Gegensatz zu einem normalen Dunklen, wo ich doch ziemlich viele intensive Röstaromen hab, die dann manchmal Richtung Kaffee oder Schokolade gehen, ist das hier einfach geschmeidiger. Es ist ein bisschen mehr Karamell, es sind auch so ein bisschen rote Beeren mit dabei also durchaus auch ein bisschen was Fruchtiges, es ist insgesamt total weich also ich mag dieses Mundgefühl sehr, sehr gerne, das trinkt sich einfach schön, so ein richtiger Gaumenschmeichler und auch schon in der Nase habe ich eben diese schöne Mischung aus so Karamelltönen, bisschen Beerennoten, bisschen Röstaromen gehört natürlich auch dazu, ein bisschen Brotrinde ist auch da, natürlich die Getreidetöne aber also ein ganz schönes Bier und dazu sagt der Franke dann halt „Brauch ich mein Bratwurst“, sozusagen, ne? Schöne Nürnberger Bratwurst zum Beispiel passt perfekt dazu, dann hat man natürlich noch das Foodpairing, wo dann einfach der Franke sagt: „Das passt scho“, und der mehr Lob geht eigentlich net und dementsprechend, also ein wirklich wunderbares, schönes Bier, dass ich immer wieder gerne trinke.

Holger: Ne, also mir schmeckt es auch, würde ich sagen. Es gab ja schon Gold 2019 beim International Craft Beer Award, aber jetzt sag mal, wie kommt man jetzt auf die Idee in so ein klassisches Rotbier so Mandarina Bavaria reinzutun?

Stefan Stretz: Die Biere, die wir brauen, passen nicht immer so in das klassische Muster also wir wollen schon bisschen Brot, bisschen diese Karamellnote hier haben aber, wenn man manch andere dunkle oder rote Biere trinkt, die werden immer, nach dem zweiten, dritten werden die dann so schwer und dann kann man sie nicht mehr, finde ich, nicht mehr weiter trinken also es soll ja auch zum weiter trinken anregen. Wir haben ein bisschen rumexperimentiert mit den Hopfensorten und haben dann rausgefunden, dass wir den Mandarina Bavaria wunderbar als ein bisschen Ersatz für den Traditionen einsetzen kann und deswegen geben wir am Anfang etwas Mandarina mit dazu. Und das gibt dann auch noch mal ab und zu so eine leichte, schöne, fruchtige Note und ich habe es ganz gern gutgehopft.

Holger: Ich auch auf jeden Fall, Herr Raupach ja eher nicht aber da können wir mal ein ander mal drüber reden.

Markus: Das find ich eben hier sehr schön gelöst also ich finde mich wieder in den malzigen Noten, ich habe das Karamellige und ich habe so die klassischen Aromen, die mir eben bei so einem Rotbier Spaß machen, aber ich habe hintenraus schon natürlich den Hopfen und vor allem das, was ja für den Brauer auch gut ist, den Hopfen so, dass er meine Kehle schön austrocknet und ich richtig wieder Durst bekomme und das eben auf eine sehr angenehme Art und Weise. Wenn ich mir jetzt vorstell so was habe ich dann im Bierkeller, wenn ich schön im Sommer draußen sitze und dann geht halt eins und noch eins und noch eins und so und das ist genauso wie es sein sollte.

Holger: Ja absolut. Also ne, ich find auch, also es, wenn man jetzt sagt. „Pass auf, was würdest du noch ergänzen?“ und man kann ja fast nix mehr ergänzen, aber es ist total absolut wahnsinnig gut ausbalanciert, ne? Also es hat wirklich so eine Harmonie auch zwischen dem Hopfen und zwischen dem Malz und es ist echt mega, also ihr da draußen, bitte probieren, ne? Also Schanzenbräu Rotbier Nürnberg, kann ich dazu nur sagen.

Stefan Stretz: Ja vielen Dank für die Blumen also.

Holger: Ja, jetzt sind wir erst beim ersten Bier, ich weiß gar nicht wie das noch werden soll, aber ist ja egal, wir haben ja noch einiges vor uns. Was, was nehmen wir denn als Nächstes?

Stefan Stretz: Wenn wir jetzt diese Karamellnoten und so weiter schon drin haben, dann würde ich jetzt lieber mal das Festbier probieren.

Holger: Ja okay nehmen wir das Festbier. Also die Stammhörer, die werden es jetzt wissen, normalerweise, wenn ich jetzt einfach so überleite auf das nächste Bier, kommt ja der Herr Raupach um die Ecke und sagt: „Ne, ne Holgi, also Moment, ich, ich will noch mal was sagen, ne?“ Das hat er jetzt grade nicht gemacht also. Was für ein Tag, was für ein Tag und da passt das Festbier doch wie die Faust aufs Auge.

Markus: Ich wollt einfach nur in Ruhe mein Rotbier genießen also insofern, sei mir doch mal gegönnt, wir haben ja auch ein Feierabend, also insofern kann man das schön machen, aber ich mach natürlich gern das Festbier auf, gebe es jetzt auch mal ins Glas.

Stefan Stretz: Festbier haben wir zum Fest gemacht, wie der Name schon sagt und die Idee dahinter war, dass man sich zwei, drei Bier reinstellt und sich dann ganz langsam im Sessel so schön nach hinten runterfallen lässt und schön in den Sessel reinsinkt und dann hört man nach drei Bieren dann noch das Christkind klingeln und ja, dann hat man da sozusagen ein schönes Weihnachtsfest, also so war die Idee. Deswegen haben wir es eigentlich auch ein bisschen wieder in die Bernsteinfarben, in die Rotbierrichtung gemacht, ist aber allerdings nicht so richtig zu vergleichen mit dem Rotbier, es ist viel heller dafür aber fürs Festbier hat es 5,2 Prozent Alkohol, hochvergoren, endvergoren, na ja, lasst uns einfach probieren.

Holger: Ja, prost.

Markus: Prost.

Stefan Stretz: Prost.

Markus: Also ich muss ja sagen, mich erinnert auch sehr an ein typisches fränkisches Kellerbier von der kräftigeren Sorte, also schön, auch wieder schön ausbalanciert, eben jetzt ein bisschen mehr so die klassischen Malzaromen, auch sehr schön finde ich hier den Hopfen wieder, sehr gut eingebunden, hinten raus auch wieder schöne bittere, toller Schaum, also den muss man auch wirklich, liebe Hörer, wenn ihr die Biere probiert, schaut euch auch mal den Schaum an, das ist toll, wie der steht, wie der stabil ist. Das Festbier ist ja so ein Bierstil, der irgendwie so zwischen allen Welten ist und also ich finde das ist ein sehr, sehr angenehmes Bier, was auch zu vielen Dingen passt, die man beim Fest eben isst. Vom Braten über, was man da ebenso gerne mag, bis zum Nachtisch.

Holger: Also ich kann es nur bestätigen, auch die Rezenz, ne? Also mir, ich mag das jetzt ganz toll also das Rotbier war so ganz, vom Mundgefühl so samtig weich und das hat jetzt so eine schöne Rezenz, weckt einen so ein bisschen wieder auf auch also hat so einen eleganten Hopfen, so nach der Karamellnote. Man könnte ja meinen, wir sind eine Werbeveranstaltung, sind wir aber überhaupt nicht.

Stefan Stretz: Ja so langsam.

Holger: Sondern, sondern ja, also auch diesmal, das ist wirklich sehr lecker, wirklich sehr lecker.

Stefan Stretz: Freut mich, wenn es schmeckt. Also das ist halt, wie gesagt, wir sind schon echt sehr hopfenlastig auch, also wir haben ein Rotbier, da haben wir 25 Bittereinheiten drin. In unserem Hellen haben wir 23, im Festbier haben wir auch 23 Bittereinheiten, im Kehlengold 35. Also das ist immer schwierig dann bei irgendwelchen Wettbewerben mitzumachen, weil wir meistens immer an den Grenzen liegen also wir sind immer an den Obergrenzen, was dann irgendwie Farbe und Hopfen dann auch ausmacht, aber ich find halt diese Balance zwischen der bittere, der Malzbierton und der Vollmundigkeit also das Ganze ist ausbalanciert, es schmeckt mir sehr gut.

Markus: Ich denke, es ist auch eine Frage, wo man es eben einreicht, ne? Also ich denke bei einem Festbier, das würde ich wirklich bei dem Wettbewerb als Kennerbier einreichen, als Amber Lager, weil es da wirklich seine Stärken voll ausspielen kann. Ich glaube für viele ist ein Festbier ja eher so ein stärkeres Helles, so mehr als ein Export vielleicht und erwarten dann eben eher so ein klassisches filtriertes, klares, goldenes Ding und hier habe ich ja viel mehr, also da habe ich ja die ganze Hefe-Aromatik noch mit drin und viel mehr Körper und damit, glaub ich, kann man schon auch bei einem Wettbewerb was gewinnen.

Stefan Stretz: Wir waren jetzt erst mal damit beschäftigt unsere ganzen Biere wieder so einzustellen, wie wir das wollen in der Brauerei, nachdem wir da neu gebaut haben. Ist ja auch nicht ganz so einfach dann vom Gypsy Brauer dann hin zum eigenen Brauer, da die Brauerei einzufahren und dann die Hektoliter da rauszubekommen, sodass dann alles passt und immer eine gleichbleibende Qualität rauskommt. Jetzt schauen wir mal, wie es dann weitergeht.

Holger: Hör mal, ihr habt ja auch eine schöne Schank da im Gostenhof. Und erzähl doch da mal, also was ist das für eine Gaststätte? Was erwartet die Kunden, wie ist die Speisekarte aufgebaut? Kriegt man immer alle Biere frisch vom Zapfhahn oder wie ist es da? Erzähl mal.

Stefan Stretz: 2007 bin ich da dran vorbeigefahren, dachte ich mir, wieso ist denn diese Kneipe leer? Also warum steht die leer und hieß damals Deutscher Michel, dann habe ich mir das angeguckt und habe da reingeguckt, ich war sofort verliebt. Die Kneipe hat einen Garten hinten dran gehabt, wunderbar, dann haben wir das Ding gemietet, es ist eine alte holzvertäfelte Kneipe gewesen oder Wirtschaft, eine richtige Wirtschaft gewesen und da haben wir die wieder ein bisschen hergerichtet. Die Idee, deswegen heißt es ja auch Schanzenbräu Schankwirtschaft, war im Endeffekt, dass wir dort unser Bier ausschenken und es gibt kleine Speisen dazu. Also ein Brot, ein Käsebrot, Stadtwurst mit Musik, Brotzeiten und so weiter, hat sich gut entwickelt und dann wollten die Leute immer mehr und wollten dann einen Braten haben und Schäufele und Rollladen und was weiß ich und jetzt mittlerweile ist es eben echt eine Speisewirtschaft auch mit einer kleinen Karte, wir wechseln täglich die Karte. Wir haben keine Speisekarten in den Sinn, sondern wir haben eine Tafel, die hängt da über der Tür, da steht mit Kreide drauf geschrieben, was das gibt. Es sind ungefähr fünf Gerichte immer also warme Gerichte und Brotzeiten gibt es auch immer noch ein bisschen was, Bratwürste, Käsespätzle und so was gibt es immer, klassisch ist immer da aber, wenn aus ist, ist es aus und dann wird es durchgestrichen und am nächsten Tag dann wieder frisch gekocht und dann gibt es wieder was Neues.

Markus: Also das ist jetzt Folter Stefan, das ist echt gemein. Ich sitz hier daheim, die Gastro hat seit Wochen zu, ich weiß gar nicht mehr, wie eine Schäufele überhaupt ausschaut und du redest zwei Minuten von der Geschichte.

Stefan Stretz: Ich kann dir mal ein Bild schicken, wir haben letztens welche für die Website gemacht.

Markus: Das potenziert das ganze ja noch. Nein also unglaublich, aber das kann man auch allen nur sagen, also ob es jetzt oberfränkisch Schäufele oder mittelfränkisch Schäufele ist, das ist einfach auch das Nationalgericht und da sollte man unbedingt mal zuschlagen, wer das noch nicht kennt.

Stefan Stretz: Ja und da nimmt man halt auch Bier dazu, zum Kochen und so weiter und für uns ist es halt wichtig, also wir wollten eine Nachbarschaftskneipe sein, also Nachbarschaftswirtschaft. Wir nehmen nur 12 Plätze an, also wenn da jemand anruft und sagt: „Ja, ich will jetzt für 20:00 Uhr für 2 Personen irgendwie einen Platz“, dann sagen wir: „Ja, alles schön aber komm einfach vorbei, weil wir sind schon ausreserviert, wir haben nur 12 Plätze, weil wir wollen eben auch für die Nachbarn da sein“, also die, die uns immer, die immer zu uns kommen, unsere Stammgäste. Dann ist die ganze Kneipe ausreserviert und dann kriegen die kein Platz, das ist natürlich dann auch Blödsinn und deswegen sagen wir: „Ey, warte kurz, es ist kein Platz, dahinten gehen gleich 2, da kannst du dich da mit dazu setzen“, deswegen ist es in der Corona-Zeit natürlich mit dem Abstand immer schwierig, weil ja die Leute lieber gern zu zweit an den Sechsertisch sitzen oder an dem Vierertisch aber wir pferchen die zusammen da herein und sagen: „Nein, du setzt dich jetzt da mit hin und unterhältst dich mit denen“. Bei uns gibt es auch keine Musik, also wir haben keine Musik, das einzige, die einzige Musik soll das Stimmengewirr der Leute sein, die sich da unterhalten also der Gäste, ja? Vielleicht, wenn der Koch mal einen guten Tag hat, dann spielt er mal Motörhead hinten in der Küche und dann hört man das ein bisschen. Aber ansonsten ist eigentlich vorne keine Musik. Also die Unterhaltung der Gäste soll die Musik sein und wir legen sehr viel Wert auf Kommunikation, Trinken, Spaß haben, sich wohlfühlen in dieser holzvertäfelten Kneipe oder Wirtschaft also ich nenne es echt Wirtschaft, das ist für uns eine Wirtschaft, so wie man es sich vorstellt. Man kann Karten spielen, man kann da machen, was man will im Endeffekt, das ist einfach ein schöner Platz, um sich zu treffen dort.

Holger: Es gibt immer alle Biere oder, oder ist es nicht so?

Markus: Also Holger jetzt muss ich mal reingrätschen.

Holger: Ja.

Markus: Wir haben doch Durst. Wir können doch zu deiner nächsten Frage wieder ein Bierchen aufmachen, oder?

Holger: Ne unbedingt also dann sag doch mal was es da alles gibt und leg gleichzeitig das nächste Bierchen fest.

Markus: Wir haben hier noch ein Kehlengold, was ja schon ein sehr schöner Name ist und ein rotes Weizen, was ich auch spannend finde also insofern, bin hin- und hergerissen, also für mich klassischerweise.

Stefan Stretz: Wenn wir das Weizen probieren und dann das Kehlengold irgendwie, das Kehlengold ist ein schönes fruchtiges, eigentlich IPA, also ein Lager mit einer schönen, fruchtigen Note, nicht kaltgehopft, also ein höchst interessantes Bier, aber wir können vorher vielleicht das Weizen nehmen.

Markus: Na gut, dann nehmen wir vorher das rote Weizen und dann darf der Holger auch seine Frage noch wieder stellen und dann kommen wir zur Verkostung. Heute drehen wir mal alles um.

Holger: Heute drehen wir wirklich alles um also unglaublich.

Markus: Unglaublich, ich mach mal auf.

Holger: Ne und ich bin auch ganz zufrieden jetzt also mit der Reihenfolge, weil das Kehlengold ist ja, also neben dem Rotbier fast mein absolutes Lieblingsbier von dir, aber da können wir ja nachher noch drüber sprechen. Jetzt erst mal zum Weizen, zum roten Weizen. Auch wieder unfiltriert.

Stefan Stretz: Ja klar. Wir waren am Altstadtfest, das war eigentlich ganz witzig und beim Altstadtfest haben wir ja da so eine oder ein Wirt von uns, der hat ne, ne Hütte dort und gegenüber war der Fritz Gutmann von der Gutmann Brauerei, die hatten da auch eine Hütte und dann haben die da abgebaut und dann stand der Fritz da und dann hat er gesagt: „Na Fritz, wie ist es gelaufen?“ Fritz sagt: „Ja super, net schlecht und bei euch?“ habe ich gesagt: „Ja auch super, kann man nix sagen aber“, habe ich gemeint: „Nächstes Jahr kannst du zusperren, weil da bringen wir auch ein Weizen auf den Markt, ein rotes Weizen.“ Ich mal wieder ganz große Fresse gehabt sozusagen auf Deutsch gesagt und zwei Monate vor dem, vor dem Altstadtfest im Jahr drauf, dann der Wirt bei mir angerufen und hat gesagt: „Was ist denn jetzt mit deinem roten Weizen?“ Na ja! Und dann kam ich in Zugzwang und dann musste ich ein rotes Weizen brauen und bin damals dann zum Jörg Binkert gefahren, zum Mainseidla, und habe gesagt: „Jörg, wir müssen schnell was entwickeln“. habe dann dem ein Rezept gegeben und dann haben wir es bei ihm gebraut, abgefüllt auf Fässer und dann haben wir es auf das Altstadtfest gebracht und dann war es auf einmal ein Riesen, Riesenerfolg und seit dem gibt es das Bier normalerweise nur im Fass, nur auf dem Altstadtfest und auf der, vor der Kelchweih und dann ist es vorbei aber jetzt hier in der herausfordernden Situation haben wir uns dazu entschlossen, das das erste Mal in Flaschen zu füllen und es gibt es jetzt erst seit ja, September in Flaschen.

Holger: Ah ja, wunderbar. Also jetzt trinken wir es auch, wenn ihr es nicht schon sowieso getan habt. Prost.

Markus: Ein wirklich sehr, sehr schönes Bier und vereint so ein bisschen die Dinge, die mir an den beiden Bierstilen gefallen also einerseits das schöne fruchtige, was man eben vom Weizen kennt und andererseits diese schönen Karamellnoten, die wir aus dem Rotbier haben und für mich ist so ein Bier immer das perfekte Food Pairing Bier, weil man damit überall andocken kann, so schön cremig und weich also ganz angenehmes Bier. Holger, was sagst denn du?

Holger: Kann ich wieder nur bestätigen, also das ist auch so ein schönes Ding finde ich, also ganz typisch eigentlich, auch natürlich die Banane, die man sofort hat, aber auch so eine schöne Gewürznelke nehme ich wahr. Es ist eine schöne Hefetrübung im Glas, ich kann dir nur recht geben also und da fällt mir auch alles Mögliche zu ein also bis zum Nachtisch kann man da alles kombinieren, also sehr lecker, wirklich sehr lecker. Ich weiß jetzt gar nicht, ist jetzt meine Frage schon beantwortet worden, welche Biere in der Schankwirtschaft ausgeschenkt wird und ob du vielleicht auch noch, sage ich mal, so spannende andere Dinge da präsentierst oder, oder, oder habe ich jetzt wieder nicht richtig aufgepasst? Weil der Herr Raupach mich so abgelenkt hat.

Stefan Stretz: Ne, ich darf da drüber nicht reden eigentlich also. Es gibt immer alle unsere Biere in der Schankwirtschaft, wir haben natürlich auch früher immer mal so, so Geschichten gemacht wie einem Rum Bock oder einen blonden Baron, den haben wir im Whiskyfass ausgelagert und solche Sachen, haben dann aber festgestellt, dass sich diese Sachen nicht so sehr, nicht so gut verkaufen bei uns also das war echt schwierig, also hier in Nürnberg, hier in Franken, die Leute wollen halt dann ihr rot, ihr Hell, ihr Festbier, und dann war es das auch schon. Also so für große Experimente waren da die Kunden nicht ganz so zu haben, hat es immer einen kleinen Markt dafür gegeben, das haben wir auch schon 2013 Mal so ein bisschen ausgetestet mit Neoos Biersalon, da hat dann der Berti Zeltner hier aus Nürnberg und ich, wir haben dann zusammen gesagt, wir machen jetzt so mit dem Craft Bier, also diese Craft Bier Welle kam, lass uns mal das ausprobieren, was hier, was hier abgeht und haben dann uns so ein Popup Bier Shop da aufgemacht, da kam dann auch Braufactum vorbei, die bayerische Bierkönigin. Also mit Braufacturm haben wir dann die Biere da mit verkostet und ich bin rumgefahren und habe Biere eingekauft und haben wir versucht das Craft Bier so ein bisschen public zu machen, dachten Mensch, da ist ja echt ein Markt da aber haben dann festgestellt, bei uns in der Wirtschaft ist es eigentlich echt klassisch Rotbier, Festbier, Helles, Pils, Kehlengold, das sind so die, die, die Biere, die wir da am Hahn haben und die auch am meisten dort gehen und nachgefragt werden.

Holger: Versteh ich gut also ich mein, das ist ja so eine ganz klassische Schankwirtschaft und wenn du sagst, da kommen die Leute von der Nachbarschaft, die wollen halt einfach auch ihre Biere haben, die sie kennen und schön Karten spielen, Schnitzel mit Kartoffelsalat essen und dann wieder nach Hause gehen und einen schönen Abend gehabt zu haben.

Stefan Stretz: Wenn dann nicht Craft Brauerei, sondern wir sind einfach eine ganz normale, klassische Brauerei, die halt vielleicht alte Bierstile in das Neue interpretiert aber trotzdem auf den klassischen untergärigen Marken da oder Sorten eben da behagt.

Holger: Da gibt es ja den schönen Spruch, think global, drink local und das ist doch dann wirklich Programm, vor allen Dingen, wenn du sagst, du warst auf der ganzen Welt, lass uns da doch auch noch mal teilhaben, also was, was war die tollste Reise, die tollste Aufgabe? Was war das Tollste bisher?

Stefan Stretz: Was natürlich so immer super ist oder was echt so eins der Highlights war, das war natürlich immer der World Beer Cup, da als Juror dabei zu sein, das ist natürlich schon also das hat mich schon ja, sehr stolz gemacht, als ich da nominiert wurde, dass man da mit dabei ist so oder natürlich auch European Beer Star oder mal beim Great American Beer Festival, da als Juror mit dabei zu sein, das ist schon, schon cool. Oder dann hier zum Match zu Firestone Walker und so weiter, diese ganzen Sachen dann zu sehen, das hat mich schon, hat mich schon immer gefreut aber ja, da waren so, so, so im Biertechnischen so ein bisschen die Highlights gewesen, genau.

Holger: Dann würde ich doch sagen wir, wir gehen jetzt zum, zum Kehlengold, oder?

Stefan Stretz: Gehen wir zum Kehlengold.

Holger: Also da habe ich ja mich grad schon geoutet und was mir da so, weißte Stefan, ich bin ja, ich bin ja so ein klassischer Pilstrinker, ne?

Stefan Stretz: Ja.

Holger: Für mich muss ja so richtig, also da muss eine bittere drin sein und die muss auch im Nachtrunk so richtig noch mal rüberkommen, das Bier muss trocken sein, es muss richtig endvergoren sein und so und das hat alles dieses Kehlengold, das ist so genial.

Stefan Stretz: Da müssten wir unser Pils aber auch noch probieren irgendwann, das habe ich jetzt aber nicht dabei, aber das könnten wir auch mal trinken, weil das hat dann 45 Bittereinheiten und das ist eigentlich so wie ein Pils auch sein soll, mein ich.

Holger: Ja genauso ist es, also so ein, so ein, so ein Pils aus den 70ern, so wie die früher immer alle waren, ja? Bevor irgendwie alle nur noch gemeint haben sie, sie gehen irgendwie auf einen Mädchengeburtstag, obwohl das weiß ich gar nicht, ob ich das sagen darf also.

Stefan Stretz: Lassen wir es bleiben.

Holger: Markus trink doch mal ein Schluck und lass den Nachtrunk mal so schön wirken und dann sagst du mal was zur Bittere.

Markus: Ich bin jetzt nicht der absolute Megafreund von besonders bitteren Bieren aber trotzdem schätze ich es schon, wenn das einfach gut eingebunden ist und wenn eben nicht nur die bittere stattfindet, sondern was drum rum und das ist hier für mich auf jeden Fall der Fall, also man hat schon in der Nase so ein bisschen Citrus-Aromen, das geht so, so Grapefruit ja, es sind sehr, sehr spannende Citrus-Aromen, Bergamotte fast ein bisschen also sehr vielschichtig, dann hat man die Cremigkeit, das sieht man schon am Schaum, merkt man auch wieder auf der Zunge, da ist es auch gar nicht so bitter im Mund finde ich und wenn man dann getrunken hat, dann so hinten rausschleicht sich das ein und dann bleibt es auch selbstbewusst sehr lange da und sagt: „Okay, trink mich wieder“ und aber es ist jetzt keine unangenehme bittere, sondern eine die, die halt sehr selbstbewusst ist und die für mich auch okay ist, also ich würde jetzt vielleicht im Sommer im Biergarten nicht unbedingt 5 davon trinken, da würde ich lieber das Rotbier nehmen. Aber jetzt so als Beispiel für so einen Bierstil finde ich das sehr, sehr schön und auf jeden Fall deutlich prägnanter, als wenn man so, so ein verwaschenes Pseudopils hat, wo ich nicht weiß, wo die Reise hingehen soll, also das ist wirklich schön. Auch die Farbe ist schon schön, also weil, weil es ja auch Kehlengold heißt und man hat auch wirklich eine richtig schöne goldene Farbe also das gefällt mir auch gut.

Stefan Stretz: Ich wollte es ja schon Orange D’Amour nennen, weil es so ein bisschen Orangegold ist und so aber da können sich die Leute noch weniger vorstellen als unter Kehlengold. Ich find es halt einfach auch ein schönes goldfarbenes Bier und des eben in der Kehle schmeichelt und wieder diese Hopfennote wiedergibt. Das ist eigentlich genau der, der Hintergrund und entstanden ist es eigentlich dadurch, dass ich gesagt hab, ich möchte mal wissen, wie unser Rotbier mit etwas mehr Hopfen schmeckt und dann haben wir gerade Rotbier abgefüllt, habe ich Rotbier auf Fässer gezogen und steh an der Keganlage und nimm mir eine Probe aus dem Probehahn raus an der Keg und bin dann zum Pilstank gegangen und habe dann die beiden etwas verschnitten, weil das Pils eben auch so eine fruchtige Note hat und 45 Bittereinheiten hat und habe dann gemerkt oh, das ist ja cool, wenn man praktisch so eine helle mit diesen Rotbiernoten mischt und dann ist sozusagen das Kehlengold da draus entstanden.

Holger: Das klassische Mischbier, ne? Das haben wir schon mal gehabt in einem Bier.

Stefan Stretz: Ja klar, aber wir brauen es aber trotzdem ein, wir verschneiden es jetzt nicht, sondern wir brauen es klassisch ein, als Kehlengold haben wir eine eigene Rezeptur dafür, haben die natürlich auch etwas wieder angepasst und so. Aber das ist jetzt nicht irgendwie ein Verschnitt zwischen Rot und Pils, aber so ist es entstanden. also das war eigentlich sehr witzig halt.

Holger: Ja, ich komm ja auch aus so einer Wirtschaft, also ganz genau wie das bei euch ist, also so war das bei meinen Eltern und auch bei meinen Großeltern, wenn ich mich da so dran zurückerinnere, dann ist also kommen bei dem Bier echt absolut alle Bilder hoch also das ist so ein großartiges Getränk für mich, also das kann man sich gar nicht vorstellen, also es ist so richtig, also ich muss fast Danke sagen, was du mir hier für Momente bereitest mit diesem schönen Bier, also das ist Wahnsinn. Trocken und schlank und trotzdem eben dann auch so eine schöne Farbe und, und auch da der Schaum, der ist einfach hervorragend feinporig und also ich könnte ja nur noch schwärmen.

Stefan Stretz: Super freut mich. Aber das ist genau das Denken. Also ich meine, das ist so zum Beispiel auch das, was meiner Frau schmeckt, ist eine ganz gute Bierkennerin, die kommt aus dem hohen Norden auch, die kommt aus Bremen, ist die beste Kritikerin und die sagt uns: „Ja, da könnt ihr noch mal das und das noch mal ein bisschen machen und das noch mal verändern“, also das ist immer wunderbar, wenn Christiane immer ihren Kommentar dazu abgibt. Die hat eben auch genau das Gleiche gesagt, also echt schönes, trockenes und schönes Bier, das zum weiter trinken anregt.

Markus: Zeigt auch so ein bisschen die Range finde ich, also weil in Franken denken viele Leute immer, na ja, das ist so ein bisschen eindimensional, das geht halt irgendwie in Richtung Kennerbier aber es ist gar nicht so, es gibt eben diese große Bandbreite von den, sagen wir mal, eher malzbetonten Bieren wie jetzt bei dem Rotbier, bis eben hin zu so einem richtig schönen trockenen und schlanken quasi Pils und dem anderen Pils, das wir jetzt ja nicht haben aber das es bei dir eben auch noch gibt und ich denke mal, das ist vielleicht auch der Grund, warum du ja zum Beispiel zum Brau auch jedes Jahr so ein bisschen die Anlaufstelle bist und ja auch eine eigene Veranstaltung mittlerweile machst, wo sich dann abends so ein bisschen die Bierelite der Welt trifft. Die Karten sind ja immer schon Monate vorher ausverkauft, dieses Jahr ging es ja nun leider nicht, aber das hast du doch auch ins Leben gerufen, oder? Diese Veranstaltung?

Stefan Stretz: Schanzenbräu & Friends habe ich ins Leben gerufen, weil das kam von so einem Welt Bier Cup, da war ich auch, da war ich das erste Mal auf einem Welt Bier Cup und dann dachte ich mir Mensch, ey, das ist ja der Wahnsinn, was die Amis hier machen, die ganze Stadt ist beflaggt und Craft Brewers Konferenz und so weiter, also was ist denn da los? Und nach Nürnberg kommt auch die ganze Weltelite der Brauer und nix passiert und dann habe ich da die Andrea Kalrait von der Messe, den Marc Rauschmann angesprochen und den Thomas Raiser und so weiter, habe ich gesagt: „Mensch Freunde, wie schaut es denn aus, wollen wir da net irgendwie was machen?“ „Ja mach halt Stefan“, dann habe ich gesagt: „Okay, das werde ich machen“ und dann habe ich damals angefangen das einzufahren, Schanzenbräu &  Friends und die Idee war dabei, dass wir eben auch der ganzen Bierwelt Öffentlichkeit zeigen, dass wir in Franken auch gute Biere brauen können und das wir da eben eine große Range haben und deswegen habe ich da regionale Biere oder Brauereien eingeladen, also alle unsere Freunde, die wir so kennen aber auch internationale Freunde, dass man halt auch so ein also wie gesagt, so eine große Range hat und mittlerweile sind wir damit ungefähr 10,12 Brauereien, 30 verschiedene Sorten Bier, die es da gibt an dem Abend, das ist echt jetzt zu einem Highlight geworden, auch mit BarthHaas und der Messe zusammen ist das praktisch am 1. Messetag die Veranstaltung schlechthin. Ich mache immer noch die Bierauswahl bei der Dekoration und bei der Hallenauswahl lass ich dann BarthHaas nach vorne. Und die Messe unterstützt da immer auch super mit Werbung und ja, es ist der 1. offizielle Messetag und ja, hat sich als super Veranstaltung entwickelt.

Markus: Ich kann mich noch erinnern, beim allerersten Mal, da war das ja in irgend so einer Industriehalle.

Stefan Stretz: Wahnsinn, ja, ja.

Markus: Wo auch keiner so recht wusste, wo das war und das war eine ganze Pilgergeschichte, dass dann alle da irgendwie hin sind und jeder war glücklich, wenn er dann angekommen ist und also das war schon eine sehr, sehr coole Nummer und ist es jetzt einfach auch immer jedes Jahr und ist vielleicht, also ist vielleicht auch noch was, was die Hörer gar nicht so wissen, was in Nürnberg so alles abgeht also wir haben mit der Brau die größte oder wichtigste Branchenmesse der Welt, die eben drei Jahre stattfindet, dann ist immer ein Jahr die Veranstaltung in München, die drinktec, und dann ist wieder die Brau für drei Jahre, wo wirklich die ganze Welt zusammenkommt vom Hersteller bis zum Konsumenten, von allen Rohstoffen und was es eben so alles rund ums Thema Bier gibt. Dann gibt es jedes Jahr natürlich das Bierfest in Nürnberg, was auch eine Institution ist mit über 50 Brauereien aus ganz Franken, im Burggraben, viel besser geht es eigentlich nicht. Dann natürlich das Altstadtfest in Nürnberg und einer meiner Lieblingsveranstaltungen, die du auch schon erwähnt hast, ist die Kirchweih in Fürth, das ist so eine klassische Straßenkirchweih, die gegen Ende des Jahres ist, Michaelis-Kirchweih. Das ist immer so einer der letzten Termine im Kirchweihkalender und das ist eben ganz toll, weil Fürth kennt eigentlich so fast keiner, es ist aber eine Stadt mit unglaublich viel Denkmälern, mit ganz viel Geschichte auch und in diesen ganzen Straßen, wo eben die Denkmäler stehen, dort ist dann überall Kirchweih, das heißt, da stehen dann die Riesenräder rum und die Buden und die Autoscooter und natürlich auch die Brauereien und das ist wirklich ein ganz tolles Erlebnis hinzugehen, also das könnt ihr auch alle für nächstes Jahr in euren Kalender schreiben. Michaelis-Kirchweih in Fürth, das ist einfach ein tolles Erlebnis, einzigartig in Deutschland, für mich zumindest.

Stefan Stretz: Ja, das ist echt eine schöne Kirchweih, muss ich ehrlich sagen, gefällt mir sehr gut und auch wir haben dort einen schönen Stand zusammen mit der Familie Grauberger, eine Schaustellerfamilie und die präsentieren uns dort echt hervorragend und da haben wir einen sehr guten Platz und also da verkaufen wir gut Bier und da merkt man auch, dass wir da eben auch in Fürth gut angenommen werden. Wir verkaufen im Endeffekt nur um den Kirchturm rum also Nürnberg, Fürth, Erlangen ist unser großer Markt, wo wir dann in den ganzen Getränkemärkten drin sind, deswegen freut es uns umso mehr, wenn wir da in Fürth auf dieser Kirchweih sind und uns da auch präsentieren können, auf jeden Fall.

Holger: Ja siehst du mal wie, also da war ich noch nicht, das hast du mir schon wieder vorenthalten, aber ich habe es mir jetzt aufgeschrieben auf jeden Fall. Na ja.

Stefan Stretz: Das sind aber die ganzen Feste, die jetzt gerade der Markus gesagt hat, das ist echt genau das Ding, also und dann nicht zu vergessen ist auch immer noch unser Brauereifest, unser Brauereifest findet immer am 1. Wochenende also es kommt drauf an, wie der 1. Mai fällt, aber 1. oder 2. Wochenende im Mai statt und mittlerweile, wenn das Wetter eben nicht schlecht ist, dann kommen da bis zu 7.000 Leute zu uns in die Brauerei und feiern da mit uns. Das ist echt, da kommt jeder, vom 18-Jährigen bis zum 80-Jährigen und das ist echt so ein cooles Ding und da brauen wir extra immer ein Bier dafür und das ist eigentlich auch immer eine ganz coole Nummer.

Holger: Ja, ihr habt ja auch so ein leichtes Bier, das Sommerbier, ne?

Stefan Stretz: Sommerbier haben wir auch, ja genau, genau. Wir machen jetzt auch, wir haben eigentlich so viele, wir wollten eigentlich nie irgendwie so eine Sortimentsbrauerei werden aber wir sind halt auch Brauer und bei uns sind Mitarbeiter hier, der Dominik und der Marc, der Marc übrigens, muss ich auch mal sagen, ist der zweitbeste Geselle in Bayern geworden, also Lehrling, der zweitbeste Lehrling in Bayern und der Dominik, unser Braumeister, der bei uns jetzt als Braumeister angefangen hat wieder, das sind halt auch so Typen, die leben halt auch das Bier, die haben auch unseren Geschmack so und ja, da versuchen wir natürlich jedes Mal irgendwie ein neues Bier zu brauen, wollen nicht immer das gleiche machen und deswegen richten wir uns auch so ein Bierkalender ein und sagen, jetzt gibt es Anfang des Jahres gibt es das, dann gibts das, dann kommt das Sommerbier, dann kommt der rote Bock, dann kommt das rote Weizen, dann kommt das Festbier, dann also Sommerbier war auch so eine Idee von mir 2007 ist die auch entstanden, da haben wir gesagt: „Mensch, jetzt müssten wir doch mal so ein bisschen so ein Leichtbier machen, was man im Sommer, da war es auch so heiß und da können wir, wo man mittags schon mal zwei trinken kann“ und na ja, dann haben wir da eben so ein, so ein leichtes Bier entwickelt, dass eine schöne Hopfen-Aromatik trotzdem hat, trotz der schlanken Note, weil das finde ich, ist immer ultrawichtig, das Zusammenspiel der Vollmundigkeit und der Hopfennote, also wenn das Bier zu lasch ist und trotzdem zu viel Hopfen hat, dann passt es irgendwie nicht zusammen finde ich, also das muss echt gut ausgewogen sein und das ist uns da ganz gut gelungen mit der Malzmischung auch, die wir da gewählt haben und ja, da haben wir jetzt halt einfach dieses Sommerbier da am Start und das haben wir auch in die Flasche bekommen und das ist, ist auch ein ganz guter Renner geworden, Vorverkäufe sind gut gelaufen also rundum ein schönes Bier und das kann man auch mittags, wie gesagt, schon mal 2 Bier trinken, ohne Gefahr zu laufen ja, sich da leicht angeheitert in den weiteren Berufstag da rein zu schleppen.

Holger: Gib doch noch mal ein Ausblick also was dürfen wir noch erwarten von Schanzenbräu? Was ist im Köcher, was ist in Planung? Plaudere mal aus dem Nähkästchen.

Stefan Stretz: Ja, was ist in Planung? Also wenn es nach mir geht, ja dann müsst ihr mal, da müsst ihr mal meine Frau fragen und so weiter, die sagt: „Ey, keine neuen Projekte, das nicht, das nicht, das nicht“, also bei mir sprudelt es schon so ein bisschen raus aus meinem kleinen Bierbrauergehirn und alle sagen schon: „Ah Stefan, das jetzt wieder und das jetzt wieder“, aber was ich natürlich noch möchte ist, der alkoholfreie Markt ist sehr groß am Wachsen. Mit dem Sommerbier haben wir schon den ersten Anfang gemacht in die Richtung, dass wir sagen, wir wollen so ein alkoholärmeres Bier bringen, vielleicht wollen wir uns in die alkoholfreie Richtung noch ein bisschen, da noch ein bisschen experimentieren, das habe ich schon vor ein paar Jahren gesagt, dass wir ein gutes, alkoholfreies Bier rausbringen wollen, ja. Also wir wollen einfach das rote Weizen vielleicht noch ein bisschen besser auf den Markt bringen, ja das ist so die, die Sachen, wo wir dran arbeiten, dass wir die Sorten halt ein bisschen publik machen. Den Zirkel um den Kirchturm etwas erweitern, das ist eigentlich so unsere Idee und da müssen wir mal schauen wie wir da weiter, weiter vorankommen.

Holger: Also wir beide wünschen euch da alles Gute und viel Erfolg. Das war doch wirklich ein BierTalk der Superlative. Das kann man gar nicht anders sagen. Markus, mach doch mal ein schönes Schlusswort.

Markus: Ich bin auch begeistert und muss sagen, ich habe jetzt auch fast alle von den vier Flaschen schon ausgetrunken und ich freu mich Stefan, dass du da auch am Ball bleibst und gerade auch in Hinblick auf alkoholfrei denkst, ich glaube, das ist auf jeden Fall ein Baustein in der Zukunft, den jede Brauerei haben sollte. Auch, wenn es der eine oder andere noch nicht wahrhaben will. Insofern freue ich mich da auch schon drauf und wünsche dir natürlich auch alles Gute, auf das wir noch viele schöne Veranstaltungen zusammen haben, uns auf Festen sehen und überall ein bisschen das fränkische Leben vertreten, wo die Leute noch nicht wissen, was das ist und das ist schon sehr schön. Danke.

Stefan Stretz: Ich habe auch zu danken, also wir hatten ja auch schon mal 2014 eine Veranstaltung mit dem Karl-Ulrich Heyse, 6 Gänge, 10 Biere und so weiter da gemacht im Germanischen Nationalmuseum. Das war eigentlich auch eine coole Veranstaltung. Ja, da wollten wir auch schon immer das fränkische Bier nach vorne bringen, die Biervielfalt, die Aromatik, das Food Pairing, was passt zusammen, was geht? Und Bier ist halt so viel mehr als nur so ein Frühstücksgetränk, also man kann das echt zu allem trinken und selbst auch mal zum Erdbeerkuchen, da müssen wir weitermachen, da wollen wir auch weitermachen und das ist halt irgendwie aber auch so eine ganze Nummer, wenn man so eine Brauerei zum Beispiel baut, will ich einfach auch noch mal irgendwie sagen, muss das auch noch mal anmerken, dass man da natürlich auch nicht nur irgendwie alleine steht und nicht irgendwie nur allein der Stefan Stretz da ist, sondern das da viele Leute im Hintergrund sind, die da mithelfen, da ist natürlich als allererstes die Familie genannt, also auch meine Frau, die da viel mitmachen muss, die auch viel mitgemacht hat mit mir, um diese Ideen mit zu verwirklichen, aber die auch in schweren Zeiten zu mir gehalten hat und das ist irgendwie auch super. Auch die ganze Mannschaft, die da ist, die das alles mitgetragen hat, mein Bruder, die Julia, der Marc, der Dominik und so weiter, meine Mutter und ja, das ist einfach das ganze Ding. Wir sind alle auch so ein bisschen Bierverrückte und die, die tragen das mit, die tragen auch meine verrückten Ideen mit, das glaube ich, das bringt das ganze zum Erfolg und auch jetzt in dieser schwierigen herausfordernden Zeit dieser Zusammenhalt, den wir da gemacht haben und das alle auch ein bisschen mehr geleistet haben und Liquiditätsvorschau und hier und ja, Gespräche mit den Banken, mit den Lieferanten, mit den Kreditoren, Debitoren, ach das war echt eine harte, harte Zeit aber da haben alle zusammengehalten und allen hat die Idee, diese Bieridee da irgendwie zusammengehalten und weitergeführt und ja, wir haben dadurch auch diese schwere Zeit gemeistert und wir hoffen, dass wir in der nächsten Zeit so weitermachen können und vielleicht noch viele spannende Projekte rausbringen, spannende Biere und ja, würden uns freuen, auf ein gutes Feedback, auf jeden Fall.

Markus: So was hörst du nur aus dem Munde eines Franken. Bier ist mehr als ein Frühstücksgetränk. Das kannst du dir heute Abend unters Kopfkissen legen.

Holger: Unbedingt, das mach ich natürlich und ich bin ja auch so froh, dass ich so viele Franken kenne.

Stefan Stretz: Ich habe immer gesagt, Bier ist eigentlich flüssiges Sonnenlicht und alle so, was ist los? Aber das ist so, Bier ist flüssiges Sonnenlicht. Wenn ich dran denke also, wenn man echt so, wenn man jetzt zusammenhockt, hier Rohstoffe, Zeit, Temperatur, diese ganzen Parameter also ja, also ich weiß auch nicht. Bier ist halt irgendwie, für mich ist es das schönste Getränk der Welt.

Holger: Ja für mich auch. Also und das ist doch wirklich ein ganz tolles Schlusswort.

Markus: Absolut! Dann vielen Dank und euch beiden auch noch einen schönen Abend.

Holger: Tschüss!

Stefan Stretz: Servus! Tschau!

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk 45 – Interview mit Lena und Bernd Mara von der Stubalmbrauerei aus Köflach, Österreich

Bernd Mara stellte sich nach ausgiebigen Erfahrungen im Ausland der Aufgabe, die heimische Gastronomie in der Nähe von Graz zu übernehmen, doch er wollte ihr seinen eigenen Stempel aufdrücken. Also entstand erst ein Nobelitaliener, dann ein TexMex-Laden, bevor sich das Restaurant zum Brewpub wandelte. Mittlerweile hat Bernd nicht nur die Biersommelier-Ausbildung absolviert, auch Tochter Lena wechselte vom Kindergarten – als Erzieherin – an den Braukessel und ging dafür eigens zum Studium nach Deutschland. Jetzt sind Vater und Tochter gemeinsam eine Brauerfamilie und leben ihre Kreativität rund um die Zapfhähne frei aus. Grund genug, sie in den BierTalk einzuladen und ihre spannende Geschichte zu hören – auf jeden Fall ein Urlaubstipp für das nächste Jahr für Euch alle!

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

 

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute, Folge 45, reisen wir mal wieder ein bisschen. Diesmal in unser Nachbarland, nach Österreich und haben dort den Bernd und die Lena. Was sie genau tun und wer sie sind, werden sie euch gleich erzählen. Vorweg vielleicht, am Mikrofon bin wie immer ich, der Markus und …

Holger: … der Holger.

Markus: Genau! Und nun, ihr beiden, vielleicht stellt ihr euch den Hörern mal ganz kurz vor, damit sie sich schon mal ein Bild machen können, mit wem sie es jetzt zu tun haben.

Bernd Mara: Ja, ich mach mal Alter vor Schönheit, also fange ich an. Ich bin der Bernd und ich bin schon in der zweiten Generation Gastwirt und habe jetzt vor zehn Jahren angefangen Bier zu brauen. Und da ist eine neue Welt für mich aufgegangen. Und vor drei oder vier Jahren ist meine Tochter noch ganz überraschend eingestiegen, hat bei Doemens den Braumeister gemacht. Und jetzt bin ich natürlich bei den Braumeister-Tagungen die Gattin, aber das macht auch nichts, ich darf dabei sein. Und es ist eine unendliche Geschichte, Menschheit und Bier gehen Hand in Hand.

Lena Mara: Gut! Dann mache ich weiter. Hallo! Ich bin die Lena, bin 25 Jahre alt und habe eben 2017 bei Doemens die Ausbildung zum Brau- und Malzmeister gemacht. Und mein Weg ist nicht ganz so traditionell. Ich bin nämlich eigentlich ausgebildete Kindergartenpädagogin, also habe maturiert in der Schule ganz normal und habe mir nach der Schule gedacht: Hm! Irgendwie würde ich gern noch eine zweite Ausbildung in der Tasche haben. Habe dann ein Jahr an der Uni probiert, hat mir aber nicht so gefallen. Währenddessen hat mein Vater eben die Brauerei aufgebaut, und eines Tages habe ich mir halt dann gedacht: Hm! Eigentlich weiß ich gar nicht, wie Bier eigentlich so entsteht. Und dann habe ich gesagt: Du, Papa, wann braust du denn wieder mal? Ich würde gern mal dabei sein. Gesagt, getan, war ich dann bei einem von den ersten Brauversuchen von Papa eben dabei. Von da weg hat mich das Thema Bier und auch das Handwerkliche beim Bierbrauen so fasziniert, dass ich mir gedacht habe: Wie kann ich mich in Richtung Bier weiterentwickeln? Und bin eben dann so zu Doemens gestoßen und habe mich dazu entschlossen, den Meister zu machen.

Markus: Also ein bisschen eine Bilderbuch-Geschichte eigentlich. Das könnte man vielleicht im Kindergarten mal vorlesen, wenn man das aufschreiben würde. Aber spannend und natürlich sehr schön. Vielleicht noch eine Frage, weil die Leute es noch gar nicht wissen: Wo seid ihr genau? Und wie muss ich mir das vorstellen, wenn ihr ein bisschen beschreiben könnt, wie erlebt man euch, und wo vor allem?

Bernd Mara: Wir sind in der Steiermark, in der Nähe von Graz. In guten 40 Minuten ist man in Slowenien von uns und in einer halben Stunde in Graz. Unsere Stadt hat 10.000 Einwohner, ist aber zusammengewachsen schon fast mit so einer 50.000 Einwohner Gegend. Man muss sich vorstellen, von hier bis Graz gibt es keine ähnliche Kleinbrauerei. Bei uns ist ja das Typische passiert, nach dem Krieg haben die großen Brauereien so langsam alle Kleinen zugesperrt und das ist auch so geblieben. Wir hatten ja auch damals ein richtiges offizielles Monopol. Meine Eltern, ich bin ja schon zweite Generation Gastwirt, haben sich damals die Brauereien offiziell zusammengesetzt und haben gesagt, wir liefern bis dorthin, liefert ihr bis dahin. Und so sind die Menschen bei uns geprägt. Eine Bierumstellung, die ich miterlebt habe als Kind mit meinen Eltern, von einer großen Brauerei zur anderen war schon immer eine Katastrophe für die Gäste. Da sind immer vier, fünf Gäste weggeblieben. Das hatte ich im Hinterkopf, als ich zu brauen begonnen habe. Und gedacht: Das wird nie funktionieren. Wenn schon eine Umstellung von einer Großbrauerei zur anderen ein Riesenproblem ist, wie werden die erst ein Bier von einer kleinen Brauerei, die unbekannt ist, annehmen? Aber es hat wunderbar funktioniert. Ich glaube, die Zeit war reif dafür.

Markus: Und wie heißt die Brauerei beziehungsweise das Restaurant?

Bernd Mara: Das Bier nenne ich Stubalm Bräu. Wir sind so am Fuße einer Alm, heißt Stubalm. Als ich zu lernen begonnen habe, wie man Bier braut, ist natürlich Wasser ein riesiges Thema geworden. Und da ich das Kapitel Wasser durchgeackert habe, habe ich mir gedacht: Um Gottes Willen! Also jetzt das Glück, dass das Wasser jetzt hier auch noch passt, das kann ja gar nicht sein. Dann habe ich angefangen zu recherchieren, wo unser Wasser herkommt. Und das war auch eine Traumgeschichte. Wir haben hier eine Tropfsteinhöhle, eine riesige, die so in den 40er, 50er Jahren von dem damaligen Wassermeister gekauft worden ist. Das Wasser schießt dort aus der Wand raus, wird in einem Edelstahltrichter gefangen und hier in die Stadt gebracht und hat so 7 Härtegrade, also eigentlich ideal. Wir müssen nicht viel machen. Wir müssen das Wasser nicht behandeln, das Wasser ist unfiltriert und unchloriert, unbestrahlt, also völlig Natur. Also das hat super gepasst. Und dann habe ich gedacht: Das Wasser kommt von der Stubalm, also nenne ich mein Bier Stubalm Bräu.

Markus: Dann hättest du es ja auch Höhlenbräu nennen können, oder? Auch witzig gewesen. Und was für Biere macht ihr?

Bernd Mara: Ich bin am Anfang von einem Craft-Brauer zum anderen gefahren, um zu lernen, um aufzusaugen. Und ihr kennt ja die verschiedenen Charaktere. Der eine hat gesagt: Probiere ja nie ein Pils Bild oder ein Märzen, weil das machen eh alle die Großen. Mach extreme Sachen! Und der andere sagt wieder: Keine extremen Sachen, das wirst du nie verkaufen. Probiere mal Pils und Märzen. Der eine sagt: Das schaffst du nie. Bier brauen ist unglaublich kompliziert. Der andere sagt: Was machst du bei mir? Braue einfach Bier, das kann doch jeder. Da wirst ganz schwindlig am Anfang, bevor man sich besser auskennt. Aber so nach und nach habe ich mir so selbst zusammengereimt, was ich brauche. Und meine Aufgabe war ja, aus meinem gutgehenden Lokal oder meinen zwei gutgehenden Lokalen das Bier, das dort seit 100 Jahren getrunken wird, umzustellen auf ein eigenes. Jetzt wollte ich möglichst nah, also eine hohe Drinkability und möglichst nah an den gängigen Biersorten kommen. Bei meinem ersten trinkbaren Brau habe ich in einem Extraraum im Lokal einen Durchlaufkühler hingestellt und habe so ausgewählte Gäste gebeten, sie sollen mit rüberkommen, ich habe was für sie. Und ich glaube, binnen einer Woche war die Umstellung durch. Die letzten zwei Fässer gutes Bier von unser Großbrauerei, aber trotzdem die letzten zwei Fässer konnte ich nicht mehr ausschenken, weil das hat sich so schnell herumgesprochen, keiner wollte mehr das Bier von der Großbrauerei, alle wollten meines. Und seither ist natürlich ein Druck auch sofort entstanden, weil jetzt darf nichts mehr verrutschen. Am Anfang war ich ja immer hinten nach mit dem Brauen durch die Lagerzeit, bis ich das alles herausgefunden habe. Also ich muss sagen, wenn die Lena nicht ein paar Jahre später eingestiegen wäre, hätte ich das nicht geschafft. Weil ich glaube, mit der Hygiene hätte ich zu wenig gewusst am Anfang. Und viele Sachen mit der Stabilität, die Lena schafft jetzt immer die gleiche Kohlensäure ins Bier. Das war bei mir auch, also da muss ich meinen Mitarbeitern danken, ich hatte da vor Jahren zu Weihnachten Bier, das nur geschäumt hat, die ganzen Weihnachten die Bude voll jeden Tag und das ist nur Schaum. Und meine Kellnerinnen haben das mit mir durchgestanden. Das Bier war ja nicht schlecht, aber wir brauchten halt ewig zum Einschenken und so. Solche Sachen sind am Anfang, bis wir das alles raushatten. Dadurch, dass Lena jetzt da eingestiegen ist, jetzt arbeiten wir ein bisschen professioneller. Ich habe halt mehr Glück wie Verstand.

Markus: Na ja! Das werden wir mal noch sehen, aber auf jeden Fall sehr, sehr spannend. Und natürlich wunderbar eigentlich, dass du so eine tolle Ergänzung gefunden hast. Jetzt muss ich ja gestehen, ich bin vor einem Jahr ungefähr tatsächlich durch eure Gegend durchgefahren, aber leider Gottes wirklich nur durchgefahren, weil ich in die Slowakei musste. Aber der Holger ist doch so ein vielgereister Mensch. Warst du schon mal in der Gegend hier unterwegs?

Holger: Na ja! Ich war schon mal in Graz, aber jetzt bei der Stubalm Brauerei, da war ich auch noch nie. Aber das hört sich wirklich sehr spannend an. Ich bin mir gar nicht sicher so richtig jetzt grad, Bernd, ob ich jetzt nicht richtig aufgepasst habe oder ob du jetzt eigentlich noch gar nicht gesagt hast, was du jetzt wirklich machst für ein Bier. Weil du hast gesagt, hohe Drinkability, die Tochter bringt die Qualität. Das ist auch eine schöne Aussage. Das finde ich auch gut, einfach zu sagen, also zum Glück habe ich ein Kind, das mich wirklich gut macht. Das sagst du ja, das finde ich auch schön. Aber du musst, glaube ich, noch sagen, was sind es wirklich für Biersorten? Weil ich habe es noch gar nicht gehört.

Bernd Mara: Habe ich noch nicht gesagt. Ich habe geglaubt, du siehst, was vor mir steht. Aber wir sind ja beim Radio. Natürlich ein Helles, in rauen Mengen, weil das sind die Leute so gewohnt. Und das ist so, ich würde sagen, ein Lager, bei Kiesbye habe ich es mitgehabt, beim Sommelier. Der hat gemeint: Na, das ist ein Pils, was du da hast. Ich habe bis dorthin geglaubt, das ist so zwischen Märzen und Pils angesiedelt. Ich wollte ja möglichst den Geschmack der Gegend treffen und eine hohe Drinkabilty erreichen, also ein helles Lager. Und dann dazu, also wir brauen so 4-, 5-mal Helles und dann einmal ein Dunkles. Wir haben eine 5-Hektoliter-Anlage. Und dann so ein Dunkles, da bin ich auch jetzt erst im Laufe des Biersommeliers draufgekommen, würde ich als bayerisch Dunkles bezeichnen. Weil es ist so ein angenehmes, nicht zu süßes und nicht zu bitteres, nicht ganz schwarz wie die Nacht, aber sehr dunkel und diese ganzen typischen dunklen Aromen. Ich habe mir das Dunkel für heute ausgesucht zum Verkosten. Sind nur ganz leicht, man kann es trinken, ohne nachzudenken. Und wenn ich aber beim Gast stehe und ihm sage, na, was sagst du, diese leichten Bitterschokolade-Röstaromen, dann auf einmal sagt er, ja genau, ja, stimmt und ja gut und so. Und ich weiß genau, wenn ich mir einmal die Mühe gebe und einen Gast länger berate, dann trinkt er das nächste Mal auch wieder. Und sehr viel geht bei uns das Mischbier, das war schon bei meinen Eltern mal sehr modern, als ich ein Kind war. Da hat es eine eigene Holztafel gegeben, kann ich mich erinnern, an der Theke. Wir hatten noch diese Kühlhaus-Theke, wo aus dem Kühlhaus direkt der Zapfhahn gekommen ist. Das ist ja ganz toll, das würde ich jetzt wieder bauen, wenn ich neu bauen würde. Und da haben die Leute viel Mischbier getrunken damals. Und jetzt, das kommt jetzt wieder.

Markus: Meinst du mit Mischbier eine Mischung aus dem Hellen und dem Dunkeln oder …

Bernd Mara: Genau!

Markus: … eine Mischung … Genau!

Bernd Mara: Ja, da wird direkt am Zapfhahn der Krug hin- und hergeführt. Und meistens haben wir ein drittes Bier, also die Lena experimentiert da. Ich habe leider so wenig Platz in diesem Pub, dass ich nur für drei Hähne, für drei Zapfhähne Platz habe. Und jetzt können wir immer nur ein drittes Bier ausschenken. Das werden wir jetzt demnächst mal ändern, aber momentan ist es halt so. Und da wechseln wir immer. Das ist immer, bis 500 Liter weg sind, gibt’s halt IPA als drittes. Oder wir haben auch schon ein Rauchbier gemacht. Das ist natürlich für die Gegend, wo es nicht so bekannt ist, das hat ein bisschen länger gedauert, bis es weg war. Haben wir mehr selber trinken müssen, aber also war sehr gut.

Markus: Zum nächsten Rauchbiersud komme ich dann einfach vorbei. Dann ist das ganz schnell erledigt das Thema.

Bernd Mara: Das wäre toll. Ja.

Markus: Wunderbar! Vielleicht muss man dazu noch für die Hörer ein paar aufklärende Worte verlieren. Also erst mal, diese Tradition des Biermischens, das ist ja bei uns in Deutschland fast so ein bisschen verpönt. Aber eigentlich, wenn wir in andere Bierkulturen schauen, zum Beispiel auch in Böhmen, in Tschechien, völlig üblich. Und ist natürlich auch spannend, dass man eben dann aus zwei Bieren auch ein drittes zaubern kann. Und dann muss man vielleicht noch dazusagen, dieser Begriff Märzen wird in Österreich auch ein bisschen anders gelebt, als wir das in Deutschland kennen. Dort ist es mehr oder weniger das, was wir unter einem Hellen verstehen. Und ist natürlich ein sehr, sehr beliebter Bierstil und ein für mich auch sehr, sehr guter und frischer, den ich auch sehr gerne mag. Lena, wie war das denn bei dir in der Ausbildung bei Doemens? Habt ihr da mit diesen Unterschieden der Kulturen, Deutschland, Österreich, vielleicht auch böhmische Bierkultur, da zu kämpfen gehabt? Oder gehört das mittlerweile da dazu?

Lena Mara: Zu kämpfen eigentlich gar nicht. Das war relativ ausgewogen. Meine Kollegen und ich hatten da eigentlich ziemlich ähnliche Geschmäcker und haben uns da durch deutsche und österreichische Biere gut durchprobiert, würde ich sagen.

Markus: Apropos Durchprobieren, ihr habt ja die Biere oder euer Bier vor euch, wollt ihr vielleicht mal anfangen das zu verkosten, den Hörern ein bisschen zu beschreiben, was ihr seht, was ihr riecht, was ihr schmeckt? Dass die auch ein bisschen Lust bekommen, möglichst bald zu euch zu kommen und es selbst probieren.

Lena Mara: Gerne! Also ich schenke mir mal meinen Stubalm Bock ein.

Markus: Passt ja zur Jahreszeit. Perfekt!

Lena Mara: Wir haben uns dazu entschieden, immer ein bisschen auf die Wünsche unserer Gäste einzugehen. Und die Nachfrage war halt da von einem Bock. Und dann haben wir gesagt: Ja gut! Dann machen wir einen Bock quasi als Weihnachtsedition. Und jetzt habe ich den vor mir stehen, es ist ein kräftig bernsteinfarbenes Bier, würde ich sagen. Der Schaum ist feinporig und cremefarben. Wenn man daran riecht, hat man die Karamellnoten vom Karamellmalz, auch ein bisschen röstige Noten in der Nase. Und ich freue mich jetzt auf den ersten Schluck. „Prost!“ würde ich mal sagen.

Markus: Absolut! Prost!

Lena Mara: Unsere Biere haben generell immer eine milde Rezenz. Wir haben auch nur natürliche Kohlensäure. Also wir haben die Hauptgärung im offenen Gärtank und die Nachgärung und Reifung passiert bei uns im Bierfass schon. Und das wird dann halt noch zwei Monate im Kühlhaus gelagert. Und dadurch haben wir eben eine natürliche milde Kohlensäure. Und unsere Biere lassen sich dann relativ gut trinken. Und das habe ich jetzt auch beim Bock. Habe natürlich die Malznoten im Mund schon im Vordergrund, aber ich würde sagen, die Geschmackskomponenten von Süße des Malzes und Bitterkeit des Hopfens sind sehr ausgewogen. Also wir verwenden auch nur Aromahopfen. Die Bittere bleibt nicht lange im Mund und man hat sofort wieder Lust auf den nächsten Schluck.

Markus: Das hört man ja quasi schon durch Mikrofon. Kann man noch mal Prost sagen. Holger, das macht Lust, oder?

Holger: Auf jeden Fall! Du kennst mich ja. Also heute halte ich mich ja zurück, dich immer wieder zu ermahnen, auch an die Biere zu denken, weil wir sind ja ein BierTalk. Aber das war ja heute auch nicht nötig. Was mich noch interessiert, und ich finde es wirklich spannend, also was wir jetzt hören, finde ich, ist so richtig typisch, dass man, wenn man aus einer anderen Richtung kommt, dann denkt man Bier auch anders. Ich glaube, hier gibt’s jetzt so ein ganz klassisches Beispiel dafür, dass wenn sich ein Gastronom entscheidet, selbst zu brauen, wie der das sieht. Und ich glaube, da ist schon heute das Wort der Wörter gefallen, nämlich die Drinkability. Und für einen Wirt ist ja absolut entscheidend, mit dem Bier Geld zu verdienen und dass es den Leuten schmeckt, und nicht selbstverliebt irgendwelche Sude auszuprobieren, die total komplex sind, wo man sich in die Rezepte reinverlieben kann, aber letzten Endes trinkt’s halt keiner. Und das haben wir heute auch schon gehört, weil der Bernd ja gesagt hat, wir haben dann auch mal ein Rauchbier versucht, aber irgendwie haben die Leute das nicht so gut angenommen, aber uns hat es trotzdem Spaß gemacht. Und ich finde, es gibt ja verschiedenste Beispiele, die man erwähnen könnte, wo jetzt einfach Menschen, die eigentlich aus einem anderen Kontext kommen und einfach dann brauen und Biere machen und die auch verkaufen, wie die dann werden. Und dass das eben ganz andere Produkte sind, als wenn halt klassische Brauer sich da ran wagen. Und ich würde ganz gerne auch noch mal so über dieses Gastrokonzept was wissen. Also was macht ihr da genau? Und wie muss man sich das vorstellen? Versucht doch mal, bildhaft zu beschreiben: Wie sieht‘s bei euch aus? Was ist auf der Karte? Wozu passt das Dunkle? Wozu passt das Mischbier? Wie ist das eigentlich bei euch?

Bernd Mara: Das muss man sich auch so vorstellen, wir sind ja ein kleiner Ort und mittlerweile kennt mich jeder nach zwei Generationen Gastronomie und kennt unsere Geschichte. Also meine Eltern hatten so einen richtigen Kirchenwirt mit altem Holz und so. Und als ich von meiner Wanderschaft nach Hause gekommen bin, ich war in Zürich und in Asien und in Amerika und hatte auch ein kleines Hotel an einem Bergsee zwischendurch. Als meine Eltern in Pension gegangen sind, wollte ich das übernehmen, aber muss jetzt im Nachhinein sagen, da war ich so euphorisch und habe mir so ein richtiges Erlebnislokal gebaut. Der ging in Richtung Nobel-Italiener. Also ich habe den alten Kirchenwirt komplett ausgehöhlt und habe einen Nobel-Italiener hineingebaut. Das ist natürlich gut gelaufen, aber von den alten Stammgästen ist mir das damals sehr übelgenommen worden, weil ich auch ständig ausreserviert war. Und die Stammgäste sind ja einfach reinmarschiert, haben sich auf ihren möglichst ähnlichen alten Tisch gesetzt und ich habe gesagt: Tut mir leid, habt ihr reserviert? Na, heute geht’s leider nicht. Das war damals eine schwierige Zeit, weil die haben geglaubt, ich nehme sie nicht, weil sie keine Krawatte haben oder weil sie zu wenig Geld haben oder keine Ahnung, verschiedene Gerüchte sind umgegangen. War ein langer, langer Kampf. Der Erfolg hat mir natürlich Recht gegeben. Und nach einer gewissen Zeit, so bin ich halt, habe ich gesehen, das funktioniert einwandfrei, ich möchte jetzt was anderes machen. Dann habe ich aus diesem Italiener einen Mexikaner gemacht. Habe lange recherchiert, wie kocht man gut, also diese TexMex-Küche, diese Fusionsküche. Die hat auch wieder gut funktioniert. Aber nach ein paar Jahren habe ich mir gedacht: Na, okay, jetzt weiß ich, wie ein Mexikaner funktioniert, ich will was anderes machen. Aber diese Pizza vom Nobel-Italiener, da habe ich einen Italiener eingestellt gehabt, die ist uns immer geblieben. Die war beim Mexikaner dabei, die war beim Italiener natürlich dabei. Jetzt, als ich diese Brauerei in diesen Räumen des Urbetriebes installiert habe, habe ich die Pizza in dieses Pub verlagert, weil dort hat es zuerst nichts zu essen gegeben, das war ein reines Pub. Weil ich mir gedacht habe, diesen Ruf, in unserer Gegend die gute Pizza, das kann ich nicht sterben lassen. Und das hat diesen Pub natürlich so einen Aufschwung gegeben, und jetzt das Bier noch dazu, jetzt sind wir halt so ein richtig reines PB, Pizza-Bier-Lokal. Dadurch, dass uns jetzt jeder kennt nach so viel Jahren, läuft es auch sehr gut. Ich habe ein paar mexikanische Gerichte mitgenommen auch, so Enchiladas. Und was ich jetzt mache, ist die Essenz aus meinem Leben sozusagen. Die Nobelgastronomie habe ich ad acta gelegt, das habe ich ausprobiert. Funktioniert, ist aber sehr anstrengend und es bleibt wenig Geld in der Tasche. Jetzt mache ich nur mehr die Essenzen daraus. Aber das Bierbrauen, das hat mich komplett überrascht. Also wie ihr gehört habt, ich mache nicht lang was, weil es mir schnell langweilig wird, aber ich kann mir jetzt nicht mehr vorstellen, dass ich Bierbrauen aufhöre. Erstens, man lernt ständig dazu, das ist unglaublich. Ich glaube, ich habe jetzt schon alle Geschichten gehört, dann lese ich wieder ein Buch, dass ich mir denke, das kann doch nicht sein, dass so Bier gemacht wird irgendwo, so eine Geschichte dazu. Ich glaube, nicht Krieg ist die Mutter aller Dinge, ich glaube, Bier ist die Mutter aller Dinge.

Markus: Das wäre ja eigentlich schon ein perfektes Schlusswort, aber so weit sind wir natürlich noch lange nicht. Aber sehr schön, muss ich mir unbedingt merken. Schöner Satz. Klingt überhaupt so, als müsste man bei euch mal vorbeikommen, und dann am besten gleich eine Woche bleiben, um sich durch die verschiedenen Genüsse da so ein bisschen durch zu verkosten. Vielleicht Lena, wie ist das denn für dich? Wenn man aufwächst in so einem Laden, der vom Italiener zum Mexikaner zur Brauerei wird, hat man ja auch immer andere Pausenbrote in der Schule dabei sozusagen. Wie wächst man denn da so auf?

Lena Mara: Ich muss ehrlich sagen, ich bin natürlich als Gasthaus-Kind großgeworden. Ich war in meiner Kindheit ziemlich frei. Bei mir war das immer so: Ja, meine Eltern hatten halt ein Gasthaus, aber ich war nie irgendwie jetzt gezwungen mitzuhelfen oder. Also für mich war das immer ziemlich frei. Und ich glaube, das ist auch ein gutes Erfolgsgeheimnis, weil ich mich dann halt nach der Schule explizit selber dazu entschlossen habe: Ich möchte jetzt mit meinem Papa zusammen eben die Brauerei noch weiter aufbauen und eben mit Gastronomie. Und ich habe mich da halt wirklich selber dazu entschieden, das zu machen. Ich glaube, das ist eben wie gesagt ein kleines Erfolgsrezept. Wir verstehen uns auch als Kollegen und auch als Familie, glaube ich, ziemlich gut. Und deswegen funktioniert das alles so prima.

Markus: Das klingt echt faszinierend. Holger, ist doch eigentlich der Traum, oder? Auch für dich als Vater einer Tochter wäre doch eigentlich eine schöne Geschichte. Und vielleicht magst du auch dein Bier dann mit uns aufmachen.

Holger: Ja, das wäre schon was. Man darf ja die Kinder in der Berufswahl nicht beeinflussen oder manipulieren oder soll man zumindest nicht tun. Aber wenn meine Stella in diese Richtung geht, also ich fände es super. Also das wäre schon super. Was habe ich mir ausgesucht? Wir können das ja mal so machen, dass ihr versucht, es rauszufinden. Das haben wir doch ganz früh mal gemacht bei den BierTalks. Haben wir schon lange nicht mehr gemacht. Versucht‘s doch mal rauszufinden. Also was könnte ich mir denn ausgesucht haben?

Lena Mara: Vielleicht ein österreichisches Bier?

Holger: Auf jeden Fall! Es ist ein österreichisches Bier.

Markus: Dann gibt es ja für dich eigentlich nur Trumer Bier, oder?

Holger: Das stimmt, ich bin absoluter Fan der Trumer Brauerei. Das stimmt. Ist, ja, man kann sagen, eigentlich mein Lieblingspils und auch das Hopfenspiel, also das alkoholarme Bier finde ich ganz toll. Also nein, Trumer Produkte sind alle super, aber in dem Fall ist es in der Nähe, aber es ist kein Trumer Bier.

Bernd Mara: In der Nähe von Trumer, aha?

Holger: Ja. Also in der Nähe von Obertrum. Ja genau. Ungefähr mit dem Auto vielleicht 20 Minuten.

Bernd Mara: Da gibt’s doch Stiegl und Gusswerk.

Holger: Genau! Stiegl ist schon mal richtig. Aber ich will euch jetzt nicht zu lange auf die Folter spannen. Und die haben ja dann noch zusätzlich so ein ganz tolles Biogut gekauft.

Bernd Mara: Mhm (bejahend). Ja.

Lena Mara: Mhm (bejahend).

Holger: Da wird ein Bier gemacht, das ich ganz besonders toll finde. Und das heißt Wildshuter Männerschokolade.

Bernd Mara: Ah ja, genau!

Lena Mara: Ah!

Holger: Das schenke ich jetzt mal ein.

Markus: Und das am frühen Morgen, liebe Hörer. Unglaublich!

Lena Mara: Hauptsache zweistellig.

Holger: Genau! Prost!

Markus: Prost!

Holger: Wenn man da jetzt schon reinriecht, dann kann man schon merken, dass einem so richtig die Bitterschokolade und auch so ein bisschen Kaffee, so eine Mokkanote entgegenspringt. Und es hat eine schöne cremige Schaumkrone. Ist in meinen Augen ein ganz, ganz tolles Weihnachtsbier, vorweihnachtliches Bier. Wir hatten ja jetzt den ersten Advent am Sonntag. Und dafür ist das, finde ich, irgendwie perfekt. Und was ich auch noch toll finde an dem Bier, ist, das so meine Erfahrung ist, dass meine Frau das auch gerne trinkt und dann sich so einen schönen gemütlichen Abend zu machen und eine schöne Kerze anzuzünden und dann die Männerschokolade zu trinken, das ist schon auch ein perfekter Abend, so wie ich mir den vorstelle. Und es hat wirklich eine Komplexität. Und wenn man dann auch dahinterguckt, wie des Stiegl-Gut Wildshut auch ausgerichtet ist, eben mit Bio-Landwirtschaft und da wird Urgetreide kultiviert, da kann man dann natürlich als Sommelier auch unglaublich tolle schöne Geschichten erzählen. Und die Biere haben eben alles, was ein gutes Bier auch braucht. Und vor allen Dingen natürlich Zeit zum Reifen. Und dieser Mut zur Langsamkeit, der gefällt mir einfach. Und das passt eben so schön zu der Staden-Zeit. Und in Verbindung mit der Pandemie wird ja die Stadezeit, bekommt ja noch mal eine andere Qualität. Die Männerschokolade ist, glaube ich, ein idealer Begleiter.

Markus: Und du hast ja auch ein bisschen Glück, dass die Sonne bei uns ja jetzt schon um vier, halb fünf untergeht. Das heißt, auf deinen Abend musst du ja eigentlich nur noch vier Stunden warten, dann ist ja alles gut.

Holger: Du weißt ja, ich nehme es da nicht so genau. Und jetzt haben wir schon fast Mittag. Also ich bin der Meinung, da kann man schon ein Bierchen trinken.

Markus: Na klar! Und Abend ist ja, wenn man den Rollo runtermacht sozusagen. Wie ist das denn in Österreich überhaupt bei euch? Ist das so ein Gemeinschaftsgefühl der Brauer oder kocht da jeder so sein eigenes Süppchen? Oder sind die Bundesländer da so ein bisschen anders? Wie würdet ihr das beschreiben?

Bernd Mara: Die Dichte haben wir überhaupt nicht, vor allem hier nicht in dieser Gegend, also im Norden von Österreich ja eher. Aber ich bin ja eben im Süden von Österreich. Und wir haben eine ganz junge Szene und sehr weit gestreut. Natürlich hat das den Vorteil, dass wir ein Alleinstellungsmerkmal uns ziemlich schnell uns erarbeiten können. Aber der Nachteil, wenn wir irgendwas brauchen, irgendwelche Dichtungen oder irgendwelche Gerätschaften, das ist unheimlich schwierig bei uns, jemanden zu erwischen. Es gibt kaum eine Firma, die sich damit beschäftigt. Wir müssen immer da uns in Deutschland und im Ausland helfen lassen.

Lena Mara: Aber da fühlt man sich familiär. Also man fühlt sich immer sehr gut aufgehoben.

Bernd Mara: Wir kommen uns nicht ins Gehege, das ist alles so weit gestreut.

Markus: Aber gibt’s denn eine in der Nähe irgendwie, wo ihr sagt, da habt ihr nähere Beziehungen zu? Oder ist wirklich im weiten Umfeld erstmal nichts?

Bernd Mara: Wir kennen uns alle, öfters sind wir bei der Frau Herzog, wo auch der Sohn, also ähnliche Geschichte, der auch Doemens gemacht hat. Dann gibt es eine Braulegende, also der Forster, wo er leider gestorben ist und die Frau jetzt weitermacht. Die ist richtige Craft-Brewerin, die lässt sich nicht ein auf einfache Biere, sondern macht auch sehr viele Preise dadurch international. Und dann halt in Graz gibt’s „Die Giganten“, die auch sehr gute Arbeit machen, Puntigamer, Gösser, Reininghaus, die alle halt von Heineken geschluckt worden sind.

Markus: Dann gibt’s natürlich letzten Endes sicherlich noch Beziehungen, so über die alten K & K Zeiten, nach Slowenien rüber zum Beispiel oder nach Kroatien. Habt ihr da auch irgendwelche Verbindungen?

Bernd Mara: Vor kurzem sind wir die Parenzana mit dem Rad gefahren, meine Tochter und ich. Wo wir sind, suchen wir nur Brauereien. Und da haben wir eine wunderschöne entdeckt, die ist ein paar Jahre alt, die heißt Parenzana, so wie die alte Eisenbahnlinie, die K & K Eisenbahnlinie, die jetzt eine Radfahrstrecke ist. Und ganz toll, also da muss jemand sehr viel Geld in die Hand genommen haben. Also wirklich vom Feinsten, wir waren beeindruckt. Auch nur 5 Hektoliter, aber ausgestattet wie eine Großbrauerei, mit CIP bis in die Leitungen noch vor. Am Computer kann der seine Bierleitungen reinigen, und solche Späße. Auch mit Hopfenstopfer, mit Heißhopf-Gerät, Kalthopf-Gerät, ganz toll. Ich weiß nicht, wie die das finanziert haben. Und dann gibt’s natürlich San Servolo, über die Grenze in Kroatien, die waren wir auch besuchen. Ein bisschen größer wie wir, auch eine tolle Geschichte. Hotel, Wellnesshotel dabei. Es ist ziemlich weitgestreut bei uns. In der Nachbarschaft ist niemand, außer ein paar Hobbybrauer.

Markus: Wir werden das mal vor Ort erkunden, da bin ich ganz gespannt. Jetzt fehle noch ich mit meinem Bierchen. Und wenn der Holger schon sagt, wir raten, dann lasse ich euch auch mal raten. Vorweg, ich habe mir auch überlegt, ein österreichisches Bier zu verkosten. Muss aber sagen: Ich hatte im Keller hier bei mir nur noch den Sonnenkönig von 2011, und den wollte ich jetzt nicht aufmachen um die Uhrzeit. Die anderen österreichischen Biere habe ich bei mir in der Garage. Aber ich habe mir dann überlegt, man hat ja eben die alten Zeiten aus den Habsburger Tagen. Und habe mir da auch ein Bier aus dem weitestgehenden Habsburger Raum ausgesucht. Vielleicht fällt euch ja ein oder ihr könnt hören, wo es herkommt. Schauen wir mal. Schenke ich es mal ein.

Holger: Ich würde dann ja sagen, wenn du sagst, Habsburgerreich, dann wahrscheinlich bist du ja nach Böhmen dann rüber getingelt.

Bernd Mara: Schmeckt das buttrig, gewünscht buttrig?

Markus: Nein! Beides eine gute Idee, aber tatsächlich nicht richtig. Ich bin nicht eher nach Osten, sondern in die andere Richtung. Weil Österreich oder die Habsburgermonarchie war ja eine Zeit lang auch mal zusammen mit Spanien. Und als sie zusammen dieses große Reich hatten, haben zu ihnen auch die Niederlande gehört. Und zu den Niederlanden gehört auch Belgien. Und dementsprechend habe ich mir eben aus den Habsburger Niederlanden sozusagen ein Bier ausgesucht, das aber auch das ein bisschen spielt. Und zwar habe ich mir von Kasteel das Filou aus dem Keller geholt. Das hat mir neulich ein Freund mitgebracht und geschenkt. Und ich habe mir überlegt, wann probiere ich das? Und eigentlich ist das jetzt genau der richtige Zeitpunkt, weil da geht’s ja auch um die Jugend, die so sich dem Bier nähert. Und das ist im Grunde ein Starkbier, ein typisches belgisches Blonde eben mit 8,5 Prozent. Aber es wird mit böhmischen Hopfen gemacht und hat eben dadurch auch schon so ein bisschen den Habsburger Touch noch mal. Das ist so ein bisschen die Idee. Und im Glas ist es ein ganz klares, sehr goldfarbenes Bier. Ist ein relativ Dunkelgold. Obendrauf sitzt ein schöner weißer Schaum, ein bisschen leicht getönt, viel Kohlensäure, viel Schaum natürlich, wie sich das für so ein Blonde gehört. Vom Geruch her haben wir ein bisschen Citrus, aber auch ein bisschen Apfel. Und dann kommen so leichte Getreidenoten durch. Jetzt probiere ich mal ein Schlückchen. Ich meine, das fordert einen schon. Also man merkt schon, wir sollten lieber wieder später abends die BierTalks aufnehmen. Aber egal, wir haben ja Fastenzeit, Weihnachtszeit, da kann man das auch problemlos mal am Morgen tun. Also ist schon ein richtig satter kräftiger Körper, Honignoten kommen da. Und dann hinten raus wirklich der böhmische Aromahopfen, der dann so seine Grasigkeit hat, und dann eben diese spezielle Bittere, die aber dann genau das wieder auch hervorruft, was man eben von einem Bier erwartet, nämlich den Mund so leicht auszutrocknen und dann am Ende den nächsten Schluck wieder wollen zu wollen sozusagen. Also ein schönes Bier. Kann man auch nur empfehlen, mal einen Filou in flüssiger Form zu probieren. Nichtsdestotrotz zurück vielleicht noch mal zu dir Lena. Wie hat denn dein Umfeld das so aufgenommen? Wenn ich mir überlege, du bist jetzt da im Kindergarten und hast da deine Kollegen und so und die Eltern. Und dann sagst du: Ach nee, ich gehe jetzt, ich mach jetzt mal Bier. Da gab‘s doch bestimmt die einen oder anderen, die gesagt haben, na ja, ist jetzt nicht das, was wir uns vorstellen. Oder haben die sich alle gefreut, haben gesagt, super, dann haben wir jetzt endlich was Vernünftiges zu trinken? Wie muss ich mir das vorstellen?

Lena Mara: Meine Familie hat mich natürlich immer dabei unterstützt und mich gefordert, aber meine Mädels haben alle durch mich eigentlich angefangen, Bier zu trinken. Und das finde ich sehr schön. Also die fragen mich dann, also wenn wir wo sind, wo es halt besondere Biere gibt, fragen sie mich danach immer: Welches soll ich nehmen? Nehmen wir zwei unterschiedliche, dann kannst du beide kosten. Das freut mich natürlich schon, dass ich die dann so animieren konnte, um Bier zu trinken.

Markus: Würdest du sagen, deine Attraktivität hat sich dadurch erhöht?

Lena Mara: Oh ja! Du glaubst gar nicht, wie viel Heiratsanträge ich schon bekommen habe, als ich meinen Beruf genannt habe natürlich.

Markus: Na ja! Holger, wenn wir etwas jünger wären, würden wir uns da bestimmt auch einreihen, oder?

Holger: Unbedingt! Ich bin ja glücklich verheiratet, aber eine Brauerin zur Frau, also das wäre was. Auf jeden Fall! Es war ja sowieso ganz früher auch Frauensache zu brauen.

Lena Mara: Genau!

Holger: Also, wenn so in die Historie zurückgeht. Insofern ist es ja eigentlich gar nicht ungewöhnlich. Nein, nein, das passt schon. Eine Kindergärtnerin und eine Brauerin in einer Person, also das wäre wahrscheinlich doch was zum Heiraten.

Markus: Wer jetzt zuhört und Interesse hat, ihr findet die ja im Netz. Aber bitte nur aussagekräftige Bewerbungen vorher schicken, natürlich.

Lena Mara: Ja, auf alle Fälle!

Bernd Mara: Bitte Hektoliter-Jahresausstoß.

Markus: Oder Absatz, wenn es Gastronomie-Leute sind. Wäre natürlich auch nicht schlecht. Vielleicht noch so zum Abschluss. Was habt ihr denn jetzt so Pläne für nächstes Jahr, wenn wir jetzt mal davon ausgehen, wir kommen aus der Corona-Geschichte wieder ein bisschen raus. Was habt ihr euch überlegt? Was habt ihr so für spezielle Biere euch vielleicht auch überlegt, an euren dritten und vierten Hahn zu hängen? Worauf können sich eure Kunden freuen?

Bernd Mara: Als nächstes haben wir uns vorgenommen, wieder mal ein Weizenbier zu machen. Weil erstens, ich bin ja ein Weizenbier-Fan, mag ich gerne. Das passt jetzt dann …

Lena Mara: Die Nachfrage ist auch da.

Bernd Mara: Weil es wird ja wohl wieder wärmer werden und dann werden die Leute richtig durstig sein hoffentlich nach Corona und im Sommer. Aber unser größeres Projekt ist, also diese Spezialpapiere bringen wir in unserem kleinen Lokal nicht immer 500 Liter an, aber die Lösung wäre natürlich, in Graz gibt es schon eine Szene, das ist eine Studentenstadt, es gibt viele tolle Lokale. Jetzt ist unser nächstes Projekt, Tanks zu kaufen, umzubauen, wir müssen einen neuen Boden reinmachen, einen Industrieboden, Tanks kaufen. Die sechsköpfige halbmanuelle Abfüllanlage habe ich schon gekauft in meinem nichtwissenden Leichtsinn ganz am Anfang, weil ich geglaubt habe, das ist so einfach das zu installieren. Und dann können wir uns auch erlauben, spezielle Bier mal zu brauen, Flaschen abzufüllen und dann eben eine Handvoll Lokale zu finden. Also die Nachfrage ist da. Also wir werden ja ständig kontaktiert: Warum habt ihr nichts für uns? Und das wäre die nächste Stufe, damit es für die Lena auch attraktiv bleibt und spannend und dass sie auch bleibt.

Lena Mara: Ja. Ich kann dann auch meine Kreativität ein bisschen ausleben. Darauf freue ich mich.

Markus: Darauf freuen wir uns auch. Und spätestens dann machen wir auf jeden Fall eine Fortsetzung dieses BierTalks. Auf jeden Fall für heute euch ganz, ganz vielen Dank für die Infos und für eure Geschichte und für all das, was euch eben ausmacht. Wir haben uns sehr gefreut, euch kennen zu lernen und freuen uns auf ein persönliches Treffen möglichst bald. Auf baldiges Wiederhören und ein Wiedersehen!

Lena Mara: Sehr gerne!

Bernd Mara: Wir würden uns auch freuen, wenn ihr vorbeikommt. Ist wirklich eine schöne Gegend, auch die weißen Lipizzaner-Pferde werden bei uns geboren, bevor sie nach Wien in die Hofreitschule kommen. Das ist alles sehr sehenswert.

Lena Mara: Auf jeden Fall einen Besuch wert.

Markus: Holger, da musst du doch mit Stella vorbeikommen.

Holger: Unbedingt! Österreich ist ja immer einen Besuch wert und bin ich auch immer sehr gern. Vielen, vielen Dank! Und habt noch einen schönen Tag.

Lena Mara: Danke!

Bernd Mara: Danke sehr!

Markus: Tschüss!

Lena Mara: Tschüss!

Bernd Mara: Tschüss!

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk Spezial 17 – Interview mit Thomas Klöhr aus Chongqing, Volksrepublik China

Thomas Klöhr hat sein Glück gefunden, und das schon mehrfach im Leben. Angefangen mit seiner Geburt in Bamberg, der – zumindest für Bierfreunde – wohl schönsten Stadt der Welt, über ein Krankenhaus in China, in dem ihn seine zukünftige Frau von einem üblen Hexenschuss erlöste, bis zu seiner Wahlheimat Chongqing, der größten Stadt der Welt, wo er gerade dabei ist, ein eigenes Bierinstitut aufzubauen. Im Podcast gibt Thomas einen spannenden Einblick in sein Leben und die (Bier-)Realität des Reiches der Mitte – und natürlich über seine Ideen und Ansätze, wie man als „Langnase in Lederhosen“ echten Spaß am Gerstensaft vermitteln kann…

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

 

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Dabei wie immer ich, der Markus, und …

Holger: … der Holger.

Markus: Und wir machen mal wieder ein Spezial, das heißt, wir reisen um die Welt. Und tatsächlich wirklich fast um die halbe Welt, ein gutes Stück, und je nachdem, ob man es rechnet, nach Westen oder nach Osten, sind es auf jeden Fall über 10.000 Kilometer. Wir treffen dort den Thomas Klöhr, einen guten, alten Franken, Bekannten von mir, wie auch immer man das sagen will, der schon lange in China dort in der größten Stadt der Welt ist. Da wird er gleich noch ein bisschen was dazu erzählen. Und vielleicht am besten, Thomas, wenn du dich kurz den Hörern selber vorstellst.

Thomas Klöhr: Nǐhǎo! Nǐhǎo! Wǒ shì Thomas. Nǐhǎo, Markus! Nǐhǎo, Holger! Ich glaube, das versteht jetzt keiner, oder?

Holger: Nǐhǎo, Thomas! Also ich verstehe es natürlich.

Thomas Klöhr: Hey! Super!

Markus: Nǐhǎo habe ich auch verstanden.

Thomas Klöhr: Ich bin der Thomas Klöhr, komme aus Bamberg und bin jetzt hier in Chongqing so ungefähr seit 2004. Und jetzt seit zehn Jahren eigentlich am Stück hier, natürlich mit den ganzen Firmenbesuchen, Family-Besuche in Bamberg und so weiter, gewisse Bockbier-Anstiche auch mal zwischen hinein, was sein muss. Aber am Stück wie gesagt zehn Jahre so ungefähr hier in Chongqing. Chongqing ist so eigentlich von der Größe her so groß wie Österreich, liegt im Südwesten, wo der Yangtze River und der Jialing, also die beiden größten Flüsse von China zusammenfließen. Hat sportliche so circa 36 Millionen Einwohner. Ich habe auch schon Bekannte zweimal an einem Tag an der gleichen Bushaltestelle getroffen. Also kann auch sehr klein sein in dem Sinn.

Markus: So ein bisschen wie in Berlin mit den Kiezen sozusagen, oder?

Thomas Klöhr: So ungefähr. Ja. Die Größe ist natürlich so, es sind jetzt nicht 36 Millionen Einwohner auf einem Fleck, sondern das verteilt sich ja. Der größte Stadtteil hat so 11 Millionen Einwohner. Und wo wir jetzt wohnen, der Stadtteil ist so 480.000 Einwohner.

Markus: Also so ein bisschen das Niveau von Nürnberg, könnte sich der gemeine Franke vielleicht vorstellen. Interessant auf jeden Fall und die Frage auch so ein bisschen, also du bist nach China gekommen, du hast einerseits die Idee, Unternehmen dort zu beraten, andererseits hilfst du Unternehmen, die von Deutschland nach China kommen. Und dann geht’s dir auch ein bisschen um das kulturelle Thema, eben die chinesische und die deutsche oder europäische Kultur ein bisschen zusammenzubringen. Und da spielt ja auch immer das Thema Bier eine Rolle. Also vielleicht kannst du uns so einen kurzen Abriss geben über das, was du so tust oder tatst oder tun willst?

Thomas Klöhr: In unserem normalen Geschäftsalltag, sage ich mal, beraten wir zum einen Firmen, die Interesse zeigen, hier an den chinesischen Markt zu gehen. Ich bin hier vor Ort und es ist für viele Firmen einfach der schwierige Schritt zu sagen, jawoll, ich habe zwar Interesse, aber ich weiß nicht, wie ich jetzt da jemanden ansprechen soll. Und chinesisch E-Mail schreiben können die wenigsten aus unserem Raum, Englisch ist meistens auch nicht so jetzt unbedingt prickelnd. Und wenn ich jetzt zum Beispiel hier einen haben, jawoll, mit dem kann ich ganz normal mich unterhalten, mit dem kann ich ganz normal einen E-Mail-Verkehr haben, sprich, ich schreibe meine Probleme oder meine Anfragen, und der beantwortet dir das auch in Deutsch, dann hat man hier schon mal die Hemmschwelle überwunden. Das ist das eine. Und das andere ist, wir sind auch hier mit der Unternehmung tätig, die im Bereich Automation ist, Robotersysteme, also alles, was technisch ist in dem Sinn, können wir beraten und auch Projekte starten und führen. Das ist das mal, was der ganz normale Alltag ist. Das Thema Bier, also das liegt mir auch zum einen persönlich sehr am Herzen, weil ich halt aus Bamberg komme. Man mag Bier, das schmeckt, und warum sollen wir das jetzt nicht zum Beispiel hier auch den Chinesen in einer gewissen Art als Kulturgut ran bringen, dass man einfach sagt: Pass auf! Schütte mal das Zeug nicht einfach nur in deinen Kragen hinein, sondern genieße es einfach mal und schau mal: Was gibt’s denn hier für Unterschiede? Wie trinkt man zum Beispiel Bier? Das war aber für mich der hauptausschlaggebende Grund, mal das Ganze in dem Sinn zu betrachten, dass man sagt, als Kulturgut und auch als Gut aus unserer Region. Als Bamberger haben wir ja eigentlich das Produkt vor Ort, das wir eigentlich wollen, das wir mögen, und können das denen hier auch, denke ich mal, oder das ist unser Wunsch oder mein Wunsch, das zu machen, nahebringen. Ja, das ist so der hauptausschlaggebende Aspekt, dass man sagt, jawoll, man will Bier hier mal in einer gewissen Art auch anpreisen, dass man sagt: Bier aus unserem Raum schmeckt eigentlich ganz anders wie zum Beispiel jetzt hier Bier von China gebraut. Und das ist eigentlich so mein Ding, das wir hier machen wollen.

Markus: Ja, Holger, klingt spannend, oder? Wie sind denn deine China- und Bier-Erfahrungen?

Holger: Ich kann nur sagen: Ping Bi Yo. Ja, wer hat’s verstanden?

Thomas Klöhr: Stimmt, da hast du recht, Holger.

Holger: Ja, das ist ja immer so ein Problem beim Markus, das dauert immer wahnsinnig lang. Der Engländer würde sagen: I like to have one cold beer. Und Ping Bi Yo ist Chinesisch. Ja, Markus, jetzt darfst du mal drüber nachdenken.

Markus: Ja, nein, der Unterschied ist halt, du musst das sagen, bei mir ist das halt von vornherein schon klar. Also insofern, da brauche ich dann gar keine Worte dafür. Aber das heißt, du würdest gerne erst dein Bierchen aufmachen und dann sprechen? Sehe ich das richtig?

Holger: Nein, nein, ich wollte doch jetzt nur angeben. Ich beantworte jetzt einfach deine Frage. Ich war auch schon mal in China und vorwiegend natürlich dann in Beijing, aber eben auch in anderen größeren Städten, Guangzhou und Shanghai. Und eben auch so touristische Ziele wie die große Mauer und sowas. Zwischen 2010 und 2013 war ich mehrere Male in China, und da habe ich mich damals auch mit der Craftbier-Bewegung da auseinandergesetzt. Und die gibt’s eben tatsächlich, so in der Mitte von Beijing gibt’s diese sogenannten Hutongs, also das sind so kleinere Häuser, die man alle abgerissen hat, weil die Immobilienpreise ja total explodiert sind und so. Und ich habe dann aber noch in so einem Hutong gelebt, so mit Familienanschluss. Und das war echt wahnsinnig spannend. Die Chinesen trinken gerne Bier, so habe ich das wahrgenommen, aber natürlich in erster Linie ganz normale Lagerbiere, die man auch woanders in anderen Ländern eben kennt. Aber die sind offen für Neues und sind total wissbegierig und lernbegierig und so. Und das war wirklich, habe ich eine tolle Zeit gehabt.

Markus: Das klingt doch schon mal sehr spannend. Aber wenn du schon so viel Durst hast, wie du gerade schon auf Chinesisch verkündet hast, dann könntest du ja auch mit deinem Bierchen ausnahmsweise mal anfangen.

Holger: Ich habe mir natürlich wie immer Gedanken gemacht und chinesisches Bier, ich denke dann, meine Güte, was nimmst du jetzt und hin und her und so. Für mich ist ja schon schwierig, einfach überhaupt China zu sagen. Ich würde ja eigentlich lieber China sagen. Bei uns zu Hause im Ruhrgebiet sagt man ja China [ˈçiːna] und nicht China [ˈkiːna]. Ich habe mir dann überlegt, heute am Mittag, also wir sind ja sozusagen kurz vor der Mittagspause und ich koche ja immer für mich, wenn ich irgendwie Zeit habe. Und heute mache ich mir schöne Bratkartoffeln. Und dann habe ich gedacht: Ach! Da suchst du dir einfach ein Bierchen dazu aus. Da ich sehr, sehr gerne dunkles Weißbier trinke und dann auch da, also es ist ein kleiner Geheimtipp und es ist auch ein bisschen meine Lieblingsbrauerei in dem Thema, und der Hans-Peter Drexler mag mir das jetzt verzeihen, also alle Schneider Produkte sind natürlich auch super, aber Karg Dunkles Weißbier habe ich mir ausgesucht. Und das schmeckt mir wirklich wahnsinnig gut und passt natürlich hervorragend zu Bratkartoffeln. Und so kann ich jetzt beides verbinden, also Bratkartoffeln verbinde ich mit dem Ruhrgebiet und dann darf ich China [ˈçiːna] sagen. Und dieses Bier ist also typisch Oberbayern und da kann man dann China [ˈkiːna] sagen. Ich hab’s aufgemacht, habt ihr es gehört?

Markus: Ja! Prost!

Holger: Ich schütte es mal ein. Und da sieht man dann schon einen wirklich tollen stabilen Schaum und dann eine ganz hervorragende Farbe. Und wenn man reinriecht, also dann ist alles da, was ein dunkles Weißbier auch ausmachen sollte. Also bis hin in Schokoladennoten und so Biskuit-Noten.

Markus: Prost, auf jeden Fall! Also spannend natürlich. Jetzt der Thomas ist ja am Ende des Tages, du bist uns ja sieben Stunden voraus. Macht dir das jetzt vielleicht schon so Abendessensappetit? Wie muss ich mir das vorstellen?

Thomas Klöhr: Na ja! Ohne jetzt da dem Holger das nachzumachen, aber ich muss sagen, ich habe vorhin auch angefangen Bratkartoffeln zu machen.

Holger: Wirklich jetzt? Ja?

Thomas Klöhr: Ja, Bratkartoffeln mit Ei und dazu ein gutes Weißen. Einwandfrei!

Holger: Da siehst du mal wieder, Markus. Jetzt hast du ja am Anfang gesagt, Mensch, der Holger ist jetzt wieder in der Minderheit, weil wir sind ja beides Franken und so, aber ich denke, Bratkartoffeln verbindet auch, also verbindet auch. Ich bin sehr gespannt, was du dir da wieder überlegst.

Markus: Ja, Bratkartoffeln sind natürlich spannend. Mache ich auch selber, vor allem weil meine Freundin die so gerne mag und ich die gerne dann auch ordentlich auf den Punkt hinbekomme in der Pfanne. Aber das erinnert mich auch noch an eine andere Geschichte, weil wenn wir natürlich von China [ˈkiːna] oder China [ˈçiːna], wie auch immer, sprechen, dann haben wir da ja ein Land vor Augen, aber es ist ja auch ein unheimlich vielfältiges Land logischerweise mit so vielen Einwohnern und so einem großen Gebiet. Und so ist es ja auch mit der Küche. Also das, was wir oft so als chinesische Küche kennen, ist ja nur ein Blitzlicht in irgendeine Ecke des jeweiligen Landes, wo halt der jeweilige Chinese herkommt, der das Lokal hat. Aber wenn man dann vor Ort ist, ist das eine unglaubliche Vielfalt und die auch sehr viel Deftiges zu bieten hat, was einen dann auch ziemlich oft an zum Beispiel auch die fränkische Küche erinnert. Also ich war bis jetzt zweimal im Festland-China, einmal Anfang 2000. Damals war noch die Rikscha angesagt und kaum Autoverkehr. Es war unglaublich kalt, es war im Winter, war von der Universität aus organisiert, haben natürlich viele Sehenswürdigkeiten angeschaut und die Mauer. Und wenn wir in Restaurants sind, hatten wir immer einen Block Papier dabei und einen Bleistift und haben dann den Leuten gemalt, was wir essen wollen. Also wenn da zum Beispiel jemand ein Huhn wollte, dann hat er ein Huhn gemalt und ein Ei dazu oder Nudeln oder was auch immer. Also musste man immer die Leute dabeihaben in seiner Peergroup, die gut malen konnten, sonst hatte man ein Problem beim Essen. Ganz, ganz spannend. Und das zweite Mal war ich jetzt vor zwei Jahren, glaube ich, dort als Botschafter des Deutschen Brauerbundes bei einem Kongress, wo es eigentlich um Reiswein ging. Und da hat man schon gemerkt, wie sich das weiterentwickelt hat, wie das auf einmal ein boomendes Industrieland ist mit ganz anderer Geschäftigkeit und natürlich auch einem Riesenangebot aller Art. Und ich glaube, Thomas, da ist man manchmal auch erschlagen, oder, wenn man aus Franken kommt und dann mit dieser Vielfalt, mit diesem Druck, mit dieser Geschäftigkeit konfrontiert wird?

Holger: Darf ich da kurz reingrätschen?

Thomas Klöhr: Ja klar.

Holger: Da habe ich auch eine goldene Regel entwickelt. Da habe ich immer gesagt: Ich esse alles, aber es muss tot sein.

Thomas Klöhr: Ja, da gibt’s ja das, ich esse alles außer was schwimmt, also sprich, Schiffe, vier Beine, ein Tisch und so weiter und so fort. Alles was fliegt außer Flugzeug.

Markus: Aber wie geht’s dir, hast du dich da akklimatisiert oder gibt’s bei dir nach wie vor Schäuferla jeden Tag? Oder wie schaut das aus?

Thomas Klöhr: Sagen wir es mal so. Also die chinesische Küche, die richtige chinesische Küche, wie wir es hier so haben, wir kochen ja auch zu Hause ganz normal, also meine Frau, die kocht jeden Tag frisch, das ist halt hier recht schön, weil du immer frisches Gemüse hast. Diese ganze chinesische Kocherei ist eigentlich in dem Sinn nicht sehr schwer. Wenn man zum Beispiel Gemüse jetzt macht, ist das immer recht knackig und frisch. Einfach aus dem Grund, weil man ja in diesem Wok brät, kocht, also alles eigentlich in diesem Wok macht. Und regional sehr unterschiedlich, zum Beispiel bei uns jetzt hier in Chongqing ist es eigentlich alles recht scharf. Wird halt viel mit Chili gemacht, zum Beispiel auch diese bekannten Hot Pots, also diese heißen Töpfe. Ist eigentlich original hier so ein Chili-Gemisch. Man kann das auch in nicht scharfer Ausführung haben, ist aber dann nicht so „original“, in Anführungszeichen. Wir kochen eigentlich jeden Tag, einfach auch, der Kurze, wenn der von der Schule heimkommt, dann gibt’s halt einen Reis und gibt’s halt ein Fleisch und Gemüse. Aber Samstag backen wir unser Brot, fränkisches Kümmelbrot. Dann machen wir ein paar Bratwürste, dann machen wir Hackfleischküchle oder von der Oma das Rezept, wie man eine Pizza macht. Also das lassen wir uns eigentlich nicht nehmen. Und das ist eigentlich eine recht schöne Abwechslung. Ab und zu machen wir mal Schnitzel mit Pommes oder mit Kartoffelsalat. Da schraubt der Kurze das schon, bevor es auf dem Tisch ist, hinein. Also das machen wir schon auch.

Markus: Wenn du von deiner Frau und von deinem Sohn sprichst, hast du die in China kennengelernt oder mitgebracht? Und wie ist das, wenn man da so aufwächst in China?

Thomas Klöhr: Mitgebracht sind sie nicht, also die sind von hier. Meine Frau kommt aus einer anderen Provinz, Sichuan heißt die Provinz. Das ist so die Nachbarprovinz von Chongqing. Sichuan und Chongqing waren bis vor zehn Jahren ungefähr auch noch eine Provinzregion, aber Chongqing hat sich da abgespalten. Die kommt da her, und der Sohn, der ist ein Original Chongqing Boy. Der ist hier in unserem Stadtteil geboren, er ist auf einer normalen chinesischen Schule. Schaut halt nicht aus wie ein Chinese, der schaut halt aus wie ich. Wird auch immer vorgeschoben. Während dieser Corona-Phase, dieser ersten Phase, hatten wir hier auch für die Schule, wo er ist, sozial uns engagiert. Und da haben wir so Schutzausrüstungen für die Schüler und für die Lehrer bereitgestellt und sind halt dann von Klassenzimmer zu Klassenzimmer gegangen. Da war dann das Fernsehen da, die Zeitung war da, hat Fotos gemacht. Und mittlerweile kennt da jeder von der Schule halt den Leo. Er ist halt bekannt. Und wird auch immer vorgeschoben, wenn es irgendwelche Besuche von Schulbehörden oder zum Beispiel, der zweite Bürgermeister von Chongqing hat mal die Schule schon besucht gehabt, da haben sie ihn auch vorgeschoben. Macht halt Spaß, ihm gefällt‘s auch. Und die Frau wie gesagt kommt aus der Nachbarprovinz. 2005, 2006, wir sind damals immer über Hongkong geflogen. Im Flug von Hongkong nach Chongqing, blöd wie man halt ist, macht man eine Bewegung und zack, Hexenschuss. So, jetzt war ich halt wie ein geprellter Affe auf meinem Stuhl gehockt, Schmerzen gehabt ohne Ende, die Stewardess hat schon genau gewusst, der hat da irgendwas. Wie wir in Chongqing gelandet sind, habe ich meine damalige Chefin angerufen, habe gesagt: Pass auf! Ich habe hier ein bisschen ein kleines Problem, Hexenschuss, Koffer, und was macht‘s jetzt? Also okay, die hat sich dann engagiert, hat ein Krankenhaus angerufen. Ja okay, ich soll ganz normal versuchen, auszuchecken, der Krankenwagen wartet dann vorne an der Tür, also sprich, am Ausgang vom Flughafen. Ich habe gemeint, das klappt sowieso nicht, okay, scheiße halt. Dann bin ich halt rausgekrochen mehr oder weniger aus dem Flughafen und dann ins Krankenhaus gefahren. Und dann kommt halt so eine kleine, zierliche Person, sagt, ich soll mich auf den Tisch legen. Sage ich: Was? Was willst du jetzt? Ich lege mich doch nicht auf den Tisch. Die sollte mir so eine Spritze geben und soll schauen, dass sie mich wieder einrenkt oder wie auch immer, keine Ahnung. Und dann sagt sie: Ja, lege dich auf den Tisch. Und tut sie halt ein wenig rum und so und sagt: Ganz locker, ganz locker bleiben. Dann haut sie mir ihr Knie ins Kreuz rein und, ich sage dir, ich stehe auf und sage, wie nichts gewesen. Habe ich halt zu dem Maderle gesagt: Pass auf! Du bist klasse. Schaust auch noch gut aus. Ich lade dich mal zum Essen ein. Na ja! Und jetzt sind wir halt verheiratet seit 12 Jahren.

Holger: Das ist eine super Geschichte.

Markus: Wahnsinn!

Holger: Da müssen wir jetzt eigentlich, also Markus, wenn du das jetzt schon wieder moderativ nicht hinkriegst, da müssen wir jetzt eigentlich ein Bierchen drauf trinken.

Markus: Wollte ich gerade verkünden. Genau! Also in dem Fall, Thomas, du wartest ja gerade noch auf deine Bierlieferung, wie weit ist die denn?

Thomas Klöhr: Ja, ich habe schon reklamiert.

Markus: Ich kann ja einfach mal meines schon aufmachen.

Holger: In der Zwischenzeit kann ich ja auch sagen, den Wellensittich, den man da im Hintergrund ab und zu mal hört …

Thomas Klöhr: Das ist der Duanse.

Holger: Ja genau, und das ist nicht das Mittagessen.

Thomas Klöhr: Nein, das ist auch eine coole Geschichte mit dem. Den habe ich gefunden im Aufzug. Das war vor drei Jahren oder vier Jahren. Total klein war der, total ängstlich war der im Aufzugeck gehockt. Habe ich das T-Shirt ausgezogen, habe das T-Shirt über ihn drüber geschmissen und habe ihn dann mit heimgenommen. Das war dann am Abend. Habe mir gedacht: Scheiße, wir haben ja keinen Käfig und gar nichts. Dann sind wir raus und wollten einen Käfig kaufen. Dann sehe ich neben der Mülltonne einen leeren Käfig. Das war bestimmt seiner, der ist bestimmt abgehaut damals von der Wohnung. Und er ist halt jetzt bei uns festes Familienmitglied. Kriegt auch jedes Mal, wenn meine Mutter von Bamberg ein Päckchen schickt, kriegt er auch jedes Mal ein Geschenk da mit.

Markus: Das ist ja süß. Wahnsinn! Und er zwitschert Chinesisch sozusagen. Also liebe Hörer, wenn ihr genau hinhört, da gibt’s schon Unterschiede.

Thomas Klöhr: Ja.

Markus: Ich habe auch ein Bierchen und ich habe tatsächlich noch ein chinesisches Bier bei mir gefunden. Es ist in einer Dose. Mache ich jetzt mal auf. Und zwar hört ihr jetzt, glaube ich, schon, wie es mit ganz viel Kohlensäure hier in meinem Glas rein rauscht. Und ich guck mal, was ich lesen kann. Also Gott sei Dank ist es ja so, da steht immer natürlich alles auf Chinesisch drauf, das fällt mir etwas schwer, zugegebenermaßen, aber es ist ja auch immer noch so ein bisschen Englisch mit draufgeschrieben. Hier handelt es sich um eine Gose, und zwar eine Fruchtgose mit Chili. Und sie heißt AB 48, warum auch immer, und kommt aus Hongkong von den Heroes of Beer. Jetzt werde ich mal probieren. Also vom Aussehen her ist es auf jeden Fall schon mal klassisch Gose. Also so ein leicht getöntes Sand-Gelb vielleicht, könnte man sagen. Obendrauf ein schöner weißer Schaum. Und es entströmt dem Ganzen schon ein sehr, sehr fruchtiges Aroma. Und wenn man reinriecht, dann kommt auch der Gose-Charakter, wo so leicht säuerliche Noten kommen. Aber eben auch schön, die Frucht ist so, geht so Richtung Pfirsich, Mango, so in diese Richtung. Jetzt probiere ich mal. Mmh! Also sehr gut! Schöne Säure. Also sie ist recht deutlich, aber nimmt sich dann auch ein bisschen zurück. Und hintenraus kommt dann tatsächlich Chili, also die Schärfe. Ordentliches Produkt. Könnte ich mir total gut tatsächlich auch zu einem chinesischen Gericht vorstellen. Spannend! Und das erinnert mich auch an meinen letzten China-Aufenthalt. Apropos, da hatten wir zum Frühstück schon ein Buffet mit lauter tausendjährigen Eiern. Das war mir dann tatsächlich ein bisschen too much, muss ich zugeben. Wie ist das denn in Chongqing, gibt’s die da auch, Thomas?

Thomas Klöhr: Ja, die gibt’s schon auch. Aber ich muss sagen, es gibt gewisse Sachen, die ich auch nach 15 Jahren nicht anlange. Ich esse auch kein Tofu, mag ich halt nicht. Genauso diese alten Eier da. Oder zum Beispiel Innereien, also sprich, Bauchspeicheldrüse oder irgend so anderes Zeug. Da gibt’s auch ein super Ding. Da waren wir mit Arbeitskolleginnen, wo also meine Frau noch gearbeitet hat, waren wir weg und die haben halt gedacht, damals noch ein Kollege von mir, wir waren immer halt die erste Zeit im Zweierteam, da haben sie uns zum Essen eingeladen, also zum Hot Pots Essen. Und da kommen dann auf einmal, haben wir uns ja nicht gekannt, gar nichts, sehr skurrile Dinge kommen da auf uns zu, unter anderem auch so ein Teller. Hat halt ausgeschaut wie Bandnudeln, verstehst. Ah, denkst du halt: Super! Endlich einmal ein paar Nudeln dazu in den Hot Pot. Einwandfrei! Na ja! Tut sie es halt in den Hot Pot rein und dann sagt sie: Jetzt ist’s fertig. Du kannst essen. Also habe ich mit Stäbchen damals total angestellt wie ein, was weiß ich, raus gepult das Zeug. Und dann kaust du halt drauf rum, kaust du halt drauf rum. Habe ich gesagt: Na, da ist aber keine Nudel. Sagt Sie: Na, na, das ist keine Nudel, das ist Gänseschlund. Dann war es bei mir vorbei. Ich habe nur noch den Magen gegessen und habe halt dann dazu, weiß nicht, wie viel Bier halt hineingelassen, um das alles runterzuspülen. Das war so die Erfahrung mit den Innereien.

Markus: Ja, das kann schon sehr gewöhnungsbedürftig sein. Ich glaube, beim letzten Mal, als ich da war, gab‘s dann Entenfüße zum Beispiel auch. Und das Ganze dann mit lauwarmem Bier war durchaus auch gewöhnungsbedürftig. Sagen wir mal so. Aber vielleicht noch mal zurück zum Bier. Du hast ja auch so eine Art Stammtisch, oder? Und es gibt ja auch in Chongqing entsprechend Brauereien. Wie ist es denn da so? Und wann was gibt‘s da für Bier und wie funktioniert ein Biermarkt überhaupt in China?

Thomas Klöhr: Die Deutschen, die hier wohnen oder leben, sind eigentlich, sagen wir es mal so, an der Hand abzählbar. Wir haben mal angefangen einen Stammtisch zu machen, den gibt’s jetzt seit 12 Jahren ungefähr, den organisiere auch ich immer. Das ist ein monatlicher Stammtisch von den Deutschen, die halt hier sind. Und wir haben da versucht, alle ran zu bringen. Dann war es so, am Anfang waren wir ungefähr zu fünft. Dann haben wir gesagt: Wir erweitern das Ganze auf zum Beispiel jetzt die in Europa wohnen. Dann war noch ein Österreicher mit dabei. Dann waren wir ungefähr sechs, sieben ab und zu. Dann haben wir gesagt: Ist ja auch ein wenig wenig. Sagen wir es mal so. Und dann haben wir gesagt: Jetzt machen wir halt, wer deutsch spricht. Und dann sind ein paar Chinesen mit dabei, die halt deutsch sprechen. Weil es gibt an der Uni einen Studiengang Germanistik und da sind halt ein paar Studenten dabei, die auch deutsch sprechen. Das sind recht lustige Vögel. Jetzt sind wir ungefähr so 32 im Stammtisch.

Markus: Und da gibt’s dann auch mal ein Bierchen regelmäßig, oder wie? Oder wo trefft ihr euch da?

Thomas Klöhr: Ja. Also wir machen das schon so, dass wir dann da auch wieder ein bisschen die Bierkultur reinbringen und treffen uns eigentlich immer in irgendwelchen, sagen wir es mal so, Restaurants oder, in Anführungszeichen, „Kneipen“, wo man auch ein Bier kriegt. Zum Beispiel ist es so, hier gibt’s ein Hotel, die haben eine Brauerei, das „vom Schulz“ ist die Brauerei, der braut ein super Weizen, der braut ein super Lager. Und da sind wir ab und zu. Oder dann das andere Gegenstück war zum Beispiel so in der Zeit, wo es noch hier das Paulaner gegeben hat. Da waren wir dann da ab und zu, weil das halt so einen Touch hat, wo man sagt, da kann man einen deutschen Stammtisch drinnen abhalten. War eine lustige Zeit, war gut. Leider gibt’s das Paulaner hier jetzt nicht mehr. Aber man hat da andere Möglichkeiten.

Markus: Wie ist es vom Biermarkt her? Also was für Biere gibt es? Und gibt’s da auch Preisunterschiede zwischen den regionalen Bieren und zum Beispiel einem importierten deutschen Bier? Kann sich das jeder leisten? Also wie schaut das so aus?

Thomas Klöhr: Auch hier in Chongqing gibt es die Chongqing Brewery, die ist eine eigenständige Brauerei. Und dann hat es hier vier kleine Brauereien, die zuarbeiten zu Chongqing Bier. Vom Preis her ist es, sagen wir es mal so, das einheimische Bier ist ja eigentlich meistens aus Reis gebraut, ist vom Preis her so, kannst sagen, zwischen 40 Cent und 60 Cent das Seidler ungefähr, was das so im normalen Endverbraucherpreis kostet. Und dann auf der anderen Seite hast du die Exportbiere. Du kriegst halt hier fast alles, sagen wir es mal so. Zum Beispiel der Kaiserdom, die sind hier recht vertreten, was man hier in den Supermärkten findet. Von den Exportbieren hat man hier eine sehr große Auswahl. Und teilweise ist es so, die Preise sind billiger wie bei uns in Deutschland.

Markus: Das ist ja krass. Vielleicht noch ganz kurz für all die Hörer, die jetzt weder chinesisch noch fränkisch können. Das Seidler ist ein halber Liter. Wie kann man das so einordnen vom Preis her? Also wie lang muss man arbeiten, um sich so einen 40 Cent Seidler leisten zu können? Was verdient so ein Chinese?

Thomas Klöhr: Das ist auch wieder sehr regional oder sehr provinzabhängig. Zum Beispiel in Shanghai, Peking, die Ecke, sind die Gehälter ganz anders wie jetzt zum Beispiel hier bei uns im Südwesten. Also Chongqing ist für die „normalen“ Arbeiter, in Anführungszeichen, sehr unlukrativ, weil da die Gehälter sehr niedrig sind. Also so eine normale Bürokraft hat so um die 500, 600 Euro im Monat. Das ist so der normale Schnitt. Wobei man sagen muss, diese ganzen Einkommensverhältnisse, die haben sich jetzt in den letzten fünf Jahren wahnsinnig verändert. Was auch teilweise richtig ist, oder zum Beispiel den Einsatz der Mitarbeiter oder der Arbeiter kann man nicht mehr so einfach als Firma bestimmen. In Anfangszeiten, das ist ja mittlerweile auch schon 15 Jahre her, wenn der Lieferant zum Beispiel Bauteile für gewisse Sachen erst nachts um zehn fertig hatte, dann haben wir gesagt: Pass auf! Wir machen jetzt Feierabend, um neun treffen wir uns wieder und dann geht’s wieder weiter. Das ging damals und ist seit etlichen Jahren durch die Regierung verboten. Das heißt, da wird schon für die Arbeiter einiges gemacht, um das erträglicher zu gestalten. Zum Beispiel auch die Gehälter und Löhne, die sind schon angestiegen in den letzten Jahren, also nicht mehr so, wie man es vor zehn, 15 Jahren gehabt hat.

Markus: Also nähert sich das Ganze mehr oder weniger schon dem Standard an, wie wir ihn auch kennen. Kann man das so sagen?

Thomas Klöhr: Sagen wir es mal so, es ist eine Annäherung, genau, wie du schon sagst. Es ist eine Annäherung in dem Sinn auf besseres Gehalt, auf verträglichere Arbeitsumfelder, also sprich, Arbeitszeiten und so weiter. Und da sind sie eigentlich auf dem Weg das so ähnlich zu machen wie bei uns.

Markus: Jetzt ist ja Chongqing ziemlich genau in der Mitte von China eigentlich, wenn man so auf der Landkarte guckt. Holger, du warst aber nur in der Küstenecke unterwegs bisher, oder?

Holger: Nein, ich war an verschiedensten Orten. Ich war auch ganz im Westen von China. Das unterscheidet sich sehr von der Ostküste. Im Prinzip war ich natürlich in diesen Handelsmetropolen, also Hongkong, Shanghai, Beijing. Es gibt dann so Städte, die quasi da vorgelagert sind, und für diese Mega-Citys dann wiederum Infrastruktur organisieren, was dann wieder für sich auch wieder Mega-Citys sind, also zumindest aus unserer Perspektive. Und wenn man dann ganz in den Westen geht, ich würde sagen, das ist fast eine Zeitreise, also das ist wie vor 150 Jahren, und eine wahnsinnige Armut auch, die da ist. Und das hat mich schon irgendwie beeindruckt, aber auch ziemlich betroffen gemacht. Das muss ich schon sagen. Und dann habe ich mal, also das ist auch so eine heftige Geschichte, wir haben mal gebrauchte Nutzfahrzeuge nach Beijing überführt, und zwar von Russland, und sind dann von Irkutsk über die Mongolei quasi nach Beijing auf eigene Achse gefahren. Das war auch ein heftiges Erlebnis in der Mongolei. Du hast ja gesagt, Markus, wo du damals da warst, das war so wahnsinnig saukalt. Ich kann euch jetzt auf jeden Fall den Unterschied sagen zwischen minus 35 Grad und minus 45 Grad. Soll ich das mal sagen? Wenn ihr es nicht sowieso wisst.

Markus: Gerne!

Holger: Es spritzt nicht mehr beim Pinkeln.

Markus: Es klackert.

Holger: Das ist dann wirklich sofort gefroren. So sind meine China-Erfahrungen. Und natürlich immer da, wo ich dann war, habe ich versucht, auch mich so ein bisschen mit der Bierwelt da vertraut zu machen. Und war eben doch überrascht, was es alles gibt. Also eigentlich kann man sagen, ich habe immer dann über RateBeer oder Untappd geschaut, was da biertechnisch interessant ist in der Region, wo ich mich gerade aufhalte, und bin dann danach gegangen. Und habe dann einfach gesagt: Ah ja, also hier gibt’s das und das und das, was ist jetzt in der Nähe oder was ist gut erreichbar? Oder wie auch immer. Und dann bin ich dann dahin. Und dann bin ich da rein und habe geschaut, was gibt’s on tap, habe dann versucht, auch manchmal mich einfach auszutauschen mit den Leuten. Und wie gesagt, also so die Biere, so wie der Thomas auch gerade gesagt hat, also vieles, was wir auch kennen an ganz normalen Bieren, die wir auch schätzen. Und dann natürlich auch diese Brew Pubs. Also gerade auch jetzt Paulaner zum Beispiel, gibt’s in verschiedenen großen Städten oder gab es, weiß ich gar nicht genau, aber ich denke, Paulaner ist schon auch noch an verschiedenen Orten da vertreten. Und da kannst du dann reingehen und da gibt’s dann, also teilweise feiern die dann da jeden Tag Oktoberfest. Und dann sind halt alle Chinesen in Tracht und dann wird die Musik gespielt, die wir auch kennen. Und das ist dann, überhaupt, Oktoberfest ist eben auch so ein Wort, international, kennt jeder. Also braucht man auch nicht übersetzen oder so. Ich fand das immer toll da.

Markus: Konntest du eigentlich den Chinesen schon den Unterschied zwischen einem Franken und einem Bayern erläutern? Verstehen die sowas?

Thomas Klöhr: Man muss sagen, die verstehen hier auch fränkisch. Also wenn ich zum Beispiel mit dem Auto fahre und sagt „Geht’s auf Seiten da“, dann hüpfen die.

Markus: Ich kann mir das bildlich vorstellen.

Thomas Klöhr: Da lacht schon immer meine Frau.

Holger: Und der Wellensittich ist einfach sitzengeblieben, der Wellensittich ist einfach sitzengeblieben. Und da hast du ihn dann gefangen.

Thomas Klöhr: So ungefähr. Ja. „Hock di hi! Bleib jetzt hocken!“. Nein, also man muss sagen, fränkisch in dem Sinn kann man schon hier erklären. Aber Bayern ist halt hier noch das, musst du sagen, das können sie halt einordnen, sagen wir es mal so. Und einfach dann auch mit dem, wie du schon sagst, Oktoberfest kennt hier jeder vom Begriff her. Bier aus Deutschland, das kommt von Bayern, das ist so der Stand und die Ansicht, was sie so hier haben.

Holger: Dann muss man auch sagen, umgekehrt auch. Wenn man jetzt dann hier die Hotspots sieht, also nehmen wir jetzt mal Neuschwanstein, dann gibt’s ja richtige Massenhochzeiten von Chinesen. Und das ist total lustig. Also ich habe das mal mitgemacht quasi als Busfahrer. Da heiraten die dann eben wirklich zu vielen, also da sind dann 50 Paare oder so, und die sind schon verheiratet, also die sind eigentlich schon verheiratet im Land, aber das gehört dann …

Thomas Klöhr: Für die Fotos halt dann, ne.

Holger: Ja genau. Die machen dann eine 7-Tage-Europatour, und das absolute Highlight ist dann Neuschwanstein und die Trauung. Und dann leihen die sich Hochzeitskleider und Anzüge aus und da drunter haben die dann noch ihre Leggings und ihre Turnschuhe an. Dann werden eben einfach ganz tolle Fotos gemacht eben mit Neuschwanstein im Hintergrund. Und natürlich dann der Kini, also König Ludwig II.. Und dann auch das Bier dazu, werden einfach König Ludwig hell oder dunkel oder wie auch immer, …

Thomas Klöhr: Genau!

Holger: Weißbier, das ist für die der Inbegriff des deutschen Landes. Also das ist einfach so. Und das nehmen die mit. Und ich finde, wir würden ja sagen: Mein Gott! Das ist das Gegenteil von Romantik. Aber für die ist das romantisch, das freut …

Thomas Klöhr: Das ist toll…

Holger: … die wahnsinnig. Das kann man sich gar nicht vorstellen, die waren so glücklich, also wirklich so glücklich, dass man das alles wegschieben muss, was wir da in unseren Köpfen haben. Das ist einfach, …

Thomas Klöhr: Richtig!

Holger: … muss man anerkennen, finde ich.

Thomas Klöhr: Das ist richtig. Und das ist auch das, was uns dann oder was mich ein wenig so bewegt hat, weil das kennst du ja bestimmt auch, wenn man mit Chinesen dann am Abendessen ist, Gānbēi, Gānbēi, also Gānbēi heißt: auf ex, ex und runter.

Markus: Oh ja!

Thomas Klöhr: Und das ist halt auch das, dass man sagt, pass auf, viele Chinesen mögen das, mögen Bier trinken oder wollen Bier trinken, denen schmeckt unheimlich das deutsche Bier, so wie es wir kennen und wie es gebraut wird, einfach das dann auch zu sagen: Pass auf! Den Teil von dem Kulturgut, den bringen wir euch ein wenig näher. Super Resonanzen bisher. Wie du auch schon sagst, das ist einfach das, wie sie denken, das ist Deutschland, das ist Bierkultur, da gehört ein Schloss dazu und dann wird sich halt auch in Schale geschmissen und werden da Fotos gemacht. Das stimmt.

Markus: Und mittlerweile ist es ja auch so, dass viele chinesische Brauereien oder neue chinesische Brauereien einfach auch wirklich richtig gute Biere brauen. Das erlebe ich auf den Wettbewerben jetzt immer wieder, dass die wirklich auch Kategorien zum Beispiel gewinnen, wo man denkt, also sowas wie deutsches Altbier oder italienisches Grape Ale oder so, wo man sich wirklich wundert. Aber wenn du die Biere dann probierst, die sind ja dann auch teilweise durch Finals gelaufen, wo ich selber dabei war, dann ist das einfach wirklich richtig gut. Und das muss man einfach auch anerkennen, dass das mittlerweile auch in Sachen Bier eine echte tolle Vielfalt geworden ist mit vielen spannenden Brauereien, die auch qualitativ hochwertige Biere herstellen.

Thomas Klöhr: Es gibt einen Ableger von Tsingtao, die machen ein supertolles Lagerbier. Also ganz klasse in der Farbe, ganz klasse im Aroma. Also wunderbar. Und es gibt immer mehr solche Produkte, in Anführungszeichen, die man auch so kaufen kann. Also wirklich ganz klasse. Das kann ich nur bestätigen. Das stimmt.

Markus: Apropos, wie weit ist denn deine persönliche Bierlieferung mittlerweile gediehen?

Thomas Klöhr: Ist auf dem Tisch, ich warte schon die ganze Zeit. Schon einen trockenen Mund.

Markus: Ah!

Holger: Das ist ganz typisch, beim Markus, beim Markus muss man es immer anstoßen. Also der ist ja immer so interessiert und stellt so viele Fragen und ist dann ja auch alles, Fotograf und Journalist und Historiker und Germanist und alles, und dann kommt man nicht zum Trinken. Das musst du aktiv einfordern.

Markus: Also: Auf geht’s!

Thomas Klöhr: Ich habe mich jetzt mal heute dafür entschieden, weil das ist ja so gewissermaßen fränkisches Bamberger, natürlich auch mit Holger, ein Heimspiel. Und habe jetzt einfach mal eins genommen, es ist halt in der Dose, aber das ist halt aufgrund der örtlichen Gegebenheit so. Ich mach’s mal auf. Riecht sehr aromatisch, ist naturtrüb und kommt aus dem Bamberger Raum. Das habe ich mir einfach heute mal gegönnt. Das ist das eine. Und Markus, ich gestehe, ich habe noch ein zweites da, das ist ein chinesisches Bier.

Markus: Dann musst du jetzt powertrinken, sozusagen. Was ist das denn für ein Bamberger Bier? Das interessiert mich jetzt, was du da in China bekommst?

Thomas Klöhr: Ich bin ein absoluter Weizen-Freund, muss ich ganz ehrlich sagen, Weizen und ein Lager sind meine Favoriten. Und ich schenke es grad ein. Ganz tolle Bernsteinfarbe, Schaum hält super, es ist halt ein Kaiserdom Weizen.

Markus: Ja, muss man sich ja nicht schämen. Ist ja Bambergs größte Brauerei, auch wenn der gemeine Bamberger das meistens eher nicht so beachtet. Aber es ist halt trotzdem ein sehr, sehr gutes Bier, auch qualitativ. Und spannend, dass sie es auch schaffen, wirklich auf der ganzen Welt ihre Biere zu platzieren, und grad besonders in China. Und sie haben auch als erste wirklich mit der 1-Liter-Dose angefangen. Hast du so eine oder hast du eine normale?

Thomas Klöhr: Nein, ich habe ein ganz normales Seidler. Also wie ich schon vorhin gesagt habe, ein 0,5 Getränk.

Markus: Jetzt hat der Holger auch mal ein neues Wort gelernt, ist ja auch schön.

Holger: Sowieso, ich lerne ja immer dazu. Bei jedem BierTalk mit dir lerne ich dazu.

Thomas Klöhr: Also ich trinke jetzt mal. Auf euer Wohl! Und auf den tollen Tag! Und einfach mal ein Gruß in die Heimat.

Markus: Prost!

Holger: Prost! Ja.

Markus: Hervorragend! Und jetzt hast du ja vor auch, vor Ort ein bisschen noch mehr für die Bierkultur zu tun. Das ist ja so ein bisschen in den Startlöchern. Da können wir ja vielleicht einfach auch sagen, wir machen da nochmal eine Fortsetzung in ein, zwei, drei Monaten, wenn das ein Stückchen weiter ist. Und dann könnten wir vielleicht auch noch dein zweites Bier einbauen. Weil das wird, glaube ich, heute sonst entweder für dich eine Druckbetankung, wie man so schön sagt, oder dann ein bisschen lang.

Thomas Klöhr: Das wäre ganz klasse, wenn wir da noch so eine Art Update machen können. Wie gesagt, wir starten jetzt hier oder haben schon natürlich logischerweise Vorbereitungen getroffen, sind jetzt hier das Ganze fest zu etablieren. Unsere erste Sache, die wir machen wollen, ist ein Biernachmittag, so haben wir das mal getauft. Machen wir zusammen mit einer Braumeisterin, die hat studiert und wohnt hier in Chongqing. Die wird dann den technischen Teil und den fachlichen Teil betreuen. Und ich mache dann den organisatorischen Bereich. Und das ist ja auch ganz schön, wenn dann eine Langnase da ist in Lederhosen, der dann auch mal sagt: Jawoll! Prost Männer! Jetzt habt ihr genug studiert und mal Informationen gehört. Jetzt gibt’s erst mal einen Schluck.

Markus: Sehr vernünftig. Das ist auch immer ganz wichtig, diesen Part zu haben. Mag ich total gerne. Na gut, dann bedanken wir uns ganz, ganz herzlich für deine Zeit und für die vielen Infos und dass du überhaupt jetzt bei dieser Zeitverschiebung dir da jetzt auch die Zeit genommen hast. Wunderbar! Und würden wirklich gerne mit dir dann eine Fortsetzung machen und besprechen, wie es denn weitergegangen ist und wie die Leute so auf die Kurse reagieren. Für heute danke schön und bis bald!

Holger: Ja, Thomas, und auch von meiner Seite: Zài jiàn!

Thomas Klöhr: Zài jiàn! Zài jiàn! Vielen Dank! Und schöne Grüße in die Heimat.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk 44 – Interview mit Michael König, Biersommelier für Maisel & Friends aus Bayreuth

Es ist eine der wenigen Bilderbuchkarrieren, die die deutsche (Craft-)Bierwelt zu bieten hat: Michael König, bierinteressierter DJ aus dem oberfränkischen Coburg, startet mit einer Facebook-Seite zum Gerstensaft in die Welt der Bier-Blogger und entwickelt daraus das Portal neubierig.de. Über einen Job beim Online-Bierversand Bier Deluxe findet er schließlich zur Bayreuther Familienbrauerei Maisel und begleitet dort als erster festangestellter Biersommelier das Projekt der Biererlebniswelt mit ihrem Kernstück, dem Taphouse „Liebesbier“. Mittlerweile ist Michael König eine feste Größe in der deutschen Bierwelt, auch als Organisator und Jury-Chef der Homebrew Hobbybrauermeisterschaft, die jährlich in Bayreuth ausgetragen wird. Für seine langjährigen Weggefährten Markus und Holger hat er sich ein ganz besonderes Bierprogramm ausgedacht, am besten hören Sie selbst…

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

 

Holger: Herzlich willkommen zum 44. BierTalk. Am Mikrofon wie immer der Holger und der …

Markus: … der Markus.

Holger: Genau! Und jetzt wollt ihr natürlich wissen, wer unsere Schnapszahl? Und unsere Schnapszahl ist ein ganz besonderer Biersommelier, der in einer ganz, ganz tollen Atmosphäre arbeitet und nicht nur königlich agiert im Thema Bier, sondern sogar so heißt. Michael König. Hallo Michael!

Michael König: Servus ihr zwei!

Holger: Dann sag doch mal was zu dir, weil es könnt ja doch noch den ein oder anderen in Taiwan zum Beispiel geben, der dich jetzt noch nicht kennt.

Michael König: Ja, mein Name ist Michael König, ich bin 44 Jahre, wohne in Bayreuth und bin Biersommelier bei der Brauerei Gebrüder Maisel. Zum Aufgabengebiet bin ich hauptsächlich für die Marke Maisel & Friends da und natürlich, wer schon mal in Bayreuth war oder das vielleicht auch kennt oder schon mal Bilder gesehen hat, bin ich so der, ich würde mal sagen, der Bierkapitän von unserem Restaurant Liebesbier und man sieht mich auch in dem, was um das Liebesbier gebaut ist, die Biererlebniswelt ganz oft rumhuschen.

Holger: Dann trinkst du da den ganzen lieben langen Tag Biere?

Michael König: Meine Berufsbezeichnung nennt sich ja natürlich Biersommelier Maisel & Friends aber einen schönen Witz, was ich bei jedem Tasting bring, ich komm nicht früh um 9 in die Brauerei und fange das Trinken an, ne, das ist erst um 10. Das ist so ein Standardspruch, den ich immer anbringe, in jedem Tasting, aber wirklich, meine Arbeit beschränkt sich eigentlich relativ wenig mit dem Thema Biertrinken, außer es ist jetzt abends mal ein Tasting und ich habe wirklich Lust jetzt auch möglichst selbst mit Bier zu trinken.

Holger: Normalerweise habe ich immer so ein bisschen Sorge, dass ich zu meinem Bier komme, weil der Markus ja immer so viel redet aber diesmal irgendwie stehen fünf Biere vor uns und da müssen wir ein bisschen Gas geben und so wie ich dich kenne, du bist ja sowieso chronisch unterhopft, aber Markus, möchtest du noch vorab irgendwie dich melden?

Markus: Ach ja gerne. Also ich meine, ich freue mich total, dass der Michael diesmal bei uns Gast ist, weil wir uns ja schon sehr, sehr lange kennen und ja auch gemeinsam Biersommelier gemacht haben und ja, einfach schon viele tolle bierige Momente hatten und das jetzt auch in Bayreuth immer wieder fortsetzen und da auch schöne Veranstaltungen zusammen machen und wo man einfach merkt, das ist dann eine Freundschaft, die da auch gewachsen ist und ja und deswegen finde ich das richtig toll und ich bin auch sehr gespannt, weil wir ja fünf Biere bekommen haben vom Michael und ganz unterschiedlich und ganz unterschiedlich groß und ich weiß, er hat sich was dabei gedacht und mich interessiert jetzt wirklich was er sich dabei gedacht hat.

Holger: Also Michael legt die Reihenfolge fest.

Michael König: Ich sage vielleicht mal was ich euch alles zukommen lassen habe und was natürlich auch bei mir hier steht. Ich habe ein schönes oberfränkisches Kellerbier aus dem Landkreis Bamberg, das Reckendorfer Kellerbier. Damit würde ich auch dann starten. Ich habe hier ein relativ neues Pale Ale, ein Limited bei uns, das nennt sich Hoptimism, da kommen wir dann dazu, glaube ich, wenn es denn soweit ist, ja und dann wird es natürlich schön stark. Ich würde sagen wir gehen dann über zu einer kleinen Flasche, die nennt sich Hopfenreiter und dann habe ich natürlich noch was in 0,75, zum einen habe ich noch einen Maisel’s Weisse Bajuwarus Weizenbock und ich habe noch von ÜberQuell aus Hamburg das Julebryg, auch in 0,75.

Markus: Also Holger, da hast du jetzt endlich mal eine ausreichende Menge Bier im BierTalk, oder?

Holger: Ne also wirklich, also ich habe das ja schon immer gesagt, wir sollen uns gescheite Leute einladen und das haben wir uns ja also in dem Fall haben wir es ja auch gemacht. Also los jetzt. Kellerbier, ihr zwei Franken, ich mach’s auf.

Michael König: Schenk mal Kellerbier ein, Markus du hast ja gesagt, ich soll Biere schicken, zu denen ich eine persönliche Beziehung habe. Jetzt habe ich mir gedacht na, wenn ich jetzt nur Maisel & Friends mache, das ist jetzt auch net so prickelnd. Dann hätte ich euch nen Becks schicken können. Gab mal eine Zeit, wo ich lang Becks getrunken habe, aber die Zeit ist lange, lange vorbei. Ich glaub die hatte jeder, auch jeder Biersommelier vielleicht mal, der schon ein bissl älter ist, aber dann habe ich mir überlegt, Mensch ihr zwei, euch kenne ich schon ein bissl länger, nehm ich doch mal ein Bier rein, was ich mit euch verbinde und vielleicht kommt ihr auch drauf was denn die Verbindung wirklich ist und wir sind und wir sind ja jetzt beim Reckendorfer Kellerbier, hier wäre die Verbindung zu dir Markus. Weißt du denn was die Verbindung sein könnte?

Markus: Puh, also wahrscheinlich der Brauer, oder? Der ja auch Biersommelier ist, wo wir auch Zeit mit verbracht haben, könnte das sein?

Michael König: Du hast es eigentlich schon erwähnt. Wir haben ja zusammen den Biersommelier gemacht, 2013 und der Dominik Eichhorn, das ist ja der Inhaber der Schlossbrauerei Reckendorf, der hat mit uns zusammen damals auch den Biersommelier gemacht.

Markus: Genau, ah sehr gut, also hervorragend. Also der Dominik habe ich auch immer noch sehr gute und häufige Kontakte. Der wohnt ja witzigerweise bei mir um die Ecke in Bamberg und macht für mich auch hervorragende Biere und da freue ich mich sehr und habe mich auch schon gefreut, als ich das ausgepackt hab. Ich würde aber fast sagen, wir lassen den Holger mal ein Kellerbier beschreiben. Das habe ich, glaub ich, noch nie gehört.

Holger: Zum Glück darf ich auch wieder also prost, ich hab’s natürlich schon längst ein geschüttet und so, also ihr redet da ja schon wieder so lang, also bei mir, was bei mir im Glas ist, ist schon eine kleine schöne Malzbombe so. Wenn man reinriecht, schöne Getreidenoten, ein schöner, satter Schaum und dann so eine ja, also der Biersommelier würde jetzt sagen opaque, aber da weiß ja niemand so richtig was damit gemeint ist also so leicht trüb also unfiltriert und ganz, ganz feinporiger Schaum. Ich trink jetzt mal einen Schluck. Ja also so wie der Franke es mag ja, also total ausbalanciert, so richtig schönes, frisches Bier. Die Kohlensäure ist nicht so stark ausgeprägt, also hier würde der Biersommelier wieder sagen, die Rezenz ist eben nur ganz wenig angedeutet, würde ich vielleicht sogar sagen. Es wird ölig, könnte man sogar sagen und es hat so richtig geschmeidige Malzaromen. Ich jetzt als Norddeutscher, das wisst ihr ja, würde jetzt gerne noch mehr ein bisschen deutlicher den Hopfen spüren aber das ist eben ein Kellerbier wie das in einer Brautradition, in einer fränkischen Brautradition auch sein soll, also wenn man ein fränkisches Kellerbier trinken möchte, dann wäre jetzt Reckendorfer Kellerbier deren Vertreter, wo ich jetzt sagen würde, ganz klassisch und ich habe ja jetzt schon öfter mal wieder erwähnt, das ist ja für mich so ein neuer Trend, auch wieder die Klassiker zu trinken und das, das, das ist hier ein Klassiker. Was sagt ihr dazu?

Michael König: Genau, ich gebe dir eigentlich recht, dass des für mich wirklich ein Klassiker von Oberfränkischem Kellerbier ist, das ist auch ein Bier, wo ich relativ gut bekomme. Hier gibt es einen Sagasser-Getränkemarkt, da ist es eigentlich überall in Oberfranken vertreten. Für mich eines der besten Kellerbiere, wo ich kenn.

Markus: Ja, also dem kann ich auch nur zustimmen also es ist einfach, es läuft einfach, es ist, es ist, es ist ein ganz wunderbares Getränk. Das finde ich einfach sehr schön und er hat auch einen schönen, satten Charakter, es kommt so karamellig rüber, die Kohlensäure ist, eben wie der Holger schon sagt, nicht so aufdringlich, sondern lässt sich das einfach schön wegtrinken also ganz, ganz, ganz tolles Bier, was man auch mit ganz vielen Dingen kombinieren kann und man muss vielleicht beim Dominik noch dazu sagen, dass er ja, ein großes Wagnis eingegangen ist vor ein paar Jahren. Der hat seine Brauerei umgestellt auf ein ganz modernes Sudhaus mit einer ganz modernen Technologie, wo es gar keinen Läuterbottich mehr gibt, das nennt sich OMNIUM, beziehungsweise NESSIE, weil das System, was den Läuterbottich ersetzt so ein bisschen ausschaut, wie, wie dieses Monster aus dem Loch Ness. Da ist es eben möglich mit dem Getreide noch mal ganz anders zu arbeiten und auch die Hopfengaben noch mal anders zu dosieren, um eben überhaupt keine Kratzigkeit, überhaupt keine extrem Bittere, sehr viel Weichheit in das Bier reinzubringen und das merkt man hier auch, also dass es wirklich ein komplett rundes, sanftes im positiven Sinne softes Bier ist, was man richtig schön trinken kann, also in dem Fall stoßen wir mal auf den Dominik an, auch wenn der jetzt nicht dabei sein kann. Vielleicht hört er es ja irgendwann. Danke schön, lieber Michael, dass du dieses Bier ins Paket gesteckt hast. Ja erinnere mich auch noch an die Ausbildung, da waren wir ja ganz schön lange zusammen, diese zwei Wochen und hatten auch ein Bierculinarium und ich glaube, du hattest damals auch ein Kellerbier präsentiert bei dem Culinarium. Das war jedenfalls auch ein Highlight, muss ich wirklich sagen. Ganz schön.

Michael König: Ja, ich erinnere mich immer noch gern an die Ausbildung zurück, ist ja schon ein paar Jahre her, wir haben das ja 2013 haben wir, glaub ich, das gemacht und das war ja die erste offene Biersommelier-Ausbildung in Oberfranken.

Markus: Genau, das war auch der erste Kurs von der Bierakademie, sehr, sehr spannende Geschichte auf jeden Fall und ich mein, für dich war es ja auch so ein bisschen ein Anstoß also oder ne Weiterentwicklung. Muss man dann noch dazu sagen, zu dem Zeitpunkt hatten wir ja auch schon länger Kontakt und du hattest ja mit dem bierigen Teil deines Lebens schon vorher angefangen. Vielleicht, wenn du da den Hörern auch noch mal kurz erzählst, was denn vor diesem Biersommelier so war und wie sich das dann danach veränderte.

Michael König: Und selbst wenn ich heute zurückdenke und es ist eigentlich schon eine ziemlich lange Zeit, ich habe anfangen damals, als DJ in einer Bar zu arbeiten, dann kam eben Facebook hoch, das war 2010, 2011 und habe dann für diese Kneipe letztendlich die Facebookseite administriert und auch mit Content gefüllt. Ich fand dieses Thema Social Media, wenn man sich zum ersten Mal bei Facebook angemeldet hat, eigentlich total spannend und habe gedacht, Mensch, es wäre eigentlich ziemlich cool, wenn man das, was ich jetzt hier für die Kneipe mach auch noch für Brauereien machen könnte. Ich habe eine Facebookseite gegründet, die nannte sich damals Bier aus Franken, die ging, glaub ich, 2011, ich glaub so April, Mai an den Start. Content kriegt man ja genügend bei uns, wir haben ja den großen Vorteil, bei uns geht man einmal in den Getränkemarkt und hat für 365 Tage Content. Das ist das natürlich woanders etwas schwieriger. Ich habe dann einfach angefangen, ich habe auch extra vorher noch mal nachgeguckt, welches war denn das erste Bier, was ich wirklich auf dieser Facebookseite vorgestellt habe, es war ein Coburger Bier, es war der Fuhrmannstrunk der Brauerei Grosch, leckeres Bier, also es ist ein dunkles Merzen, Bombenbier, würde ich heut immer noch gerne trinken. Meine damalige Frau hat da noch gesagt: „Das ist ja ein super Marketingtool eigentlich für Brauereien, dass da nicht die Brauereien mal Produktproben schicken, ist eigentlich schon unglaublich“. Dann habe ich gesagt, eigentlich stimmt’s und das war eigentlich ein ganz tolles Hobby und plötzlich kamen dann auch die ersten Produktproben und das Thema wurde immer beliebter. Zufälligerweise war ich auch damals gerade eingeladen von einer Brauerei Maisel deren Museum zu besuchen, da kam nämlich bei mir zum ersten Mal das Thema, dass ich auch noch was brauch was weiter wirkt als eben nur Facebook. Ich brauch eine Homepage und habe dann gesucht, habe dann die ganzen Domains abgegrast, die mit fränkischem Bier zu tun haben, aber die waren alle vergeben und irgendwann habe ich mir abends so die Zähne geputzt, das weiß ich auch noch und da kam wie so ein Geistesblitz die Domain Neubierig, das war das dann mein Startschuss für das Thema Homepage, habe dann aber auch gemerkt, die fränkischen Biere reichen nicht aus um das Thema jetzt zu füllen, ich verlasse die fränkische Grenze, habe dann letztendlich immer mehr Produktproben zugeschickt bekommen und das Thema Craft Beer ist auch so langsam in meinen Bierhorizont eingereist, weil es eben plötzlich auch da war. Zu diesem Zeitpunkt Ende 2011, da habe ich zum allerersten Mal, es war damals vom Felix vom Endt, den kennen ja bestimmt auch viele, der war damals auch ein Blogger und war auch aus dem Coburger Landkreis, der hat mir damals mein erstes Pale Ale und mein erstes IPA gebracht von einer Brauerei, die in München im Klaus im Haus das Spatenbräu gewohnt hat, das waren zwei Typen, die hießen damals noch CREW AleWerkstatt, ich glaub, die kennen auch viele. Dann habe ich das probiert und fand es auch wirklich komisch im Trinken. Aber wie die Geschichte ja mittlerweile vorangegangen ist, finde ich es mittlerweile gar nicht mehr so komisch, wie es jetzt eigentlich ist.

Holger: Du hast ja dann mehr oder weniger Hobby zum Beruf gemacht, so kann man schon sagen, oder?

Michael König: Das kann man schon sagen, es war aber auch alles Zufall. Ich habe ja meinen Biersommelier gemacht eigentlich aus privater Leidenschaft und habe in Coburg auch Tastings und Bierseminare angeboten und dann war es so, das kann ich mich auch noch erinnern, da war eine Stellenausschreibung eines zu der Zeit relativ bekannten Craft Beer Onlineshops. Der hat vier Stellen ausgeschrieben und ich hatte schon ein gewisses kaufmännisches Grunddenken und wusste, dass man natürlich mit Bier online verschicken relativ Geld verdienen kann oder zumindest ist es schwierig damit Geld zu verdienen, weil die Maschen auf dem Getränk eigentlich ziemlich gering sind. Ich kannte aber den Inhaber. Dann habe ich ihn damals angeschrieben, der war aus Potsdam, der Onlineshop, dann habe ich gesagt: „Also wenn der nicht in Potsdam sitzen würde, ich würde ich ja glatt bewerben“, und dann hat es echt, glaub ich, fünf Minuten gedauert und dann kam zurück ja, hast du denn Lust von zu Hause für uns zu arbeiten? Und das war damals der Startschuss für diesen Onlineshop und eigentlich mein Einstieg in diese Bierwelt hauptberuflich.

Holger: Ich würd sagen, wir schreiten zum zweiten Bier also ehrlich gesagt also.

Markus: Ich wunder mich schon warum du das nicht schon längst sagst. Du musst doch schon mit der Zunge am Boden kleben, oder?

Holger: Ne, es ist ja auch total interessant, also wirklich total interessant, weil es ja auch so spannende Bierographien sind, die einem gerade so in der Biersommelier-Welt begegnen und der Michael ist einfach ein Superbeispiel. Ich freu mich auf das nächste Bier. Was haben wir gesagt American Pale Ale, oder?

Michael König: Hoptimism.

Holger: Ja Hoptimism. Ist doch ein American Pale Ale und da musst du ja dann schon wieder ausholen und erzählen was das mit dem Thema Hobbybrauerwettbewerb auf sich hat und wie es dann zu so einem schönen Bier kommt. Ich mach es derweil schon mal auf.

Michael König: Ich kann mich noch erinnern, es war auch der Start bei der Brauerei Maisel, ich habe am 1. Januar 2016 bei der Brauerei Maisel angefangen, meine Stelle ist ja auch schon mehrmals ein bisschen umdefiniert worden. Ich war zu Beginn im Marketing also hauptsächlich wirklich im Marketing angesetzt, das Liebesbier wurde eröffnet im März 2016 und in dieser Zeit waren meine Hauptthemen in den ersten zwei Monaten Bierkarte schreiben und eben auch schon Events planen. Das weiß ich noch, da ist der Chef, dann haben wir uns noch gar nicht so oft gesehen gehabt, haben wir und hat mir das Thema Hobbybrauerwettbewerb auf den Schreibtisch gelegt. Ich war zu dem Zeitpunkt aber auch schon mit dem ersten Craft Beer Fest beschäftigt und ich bin ja selber kein Hobbybrauer, gebe ich auch zu. Ich habe bis jetzt noch nie die Zeit gefunden. Für mich war es einfach spannend ein Craft Beer Fest zu machen und dann kam eben das Thema Hobbybrauer. Ich habe auch damals schon ein erstes Konzept geschrieben und es ist dann auch irgendwie verlaufen. Mit der Dynamik, die dann in der Erlebniswelt und mit dem Liebesbier kam, ist dann die Zeit für das Thema Hobbybrauer auch eigentlich verschwunden, dann gab eben Störtebeker mit ihrer deutschen Meisterschaft. Da ist es das Thema bei mir wieder aufgepoppt, wie sieht es denn aus bei uns mit einer Hobbybrauermeisterschaft und ich habe immer gesagt, wir brauchen letztendlich ein Partner dazu, dann waren wir damals beim World Beer Cup in Nashville und da war auch die Andrea Cartwright. Und wir kamen dann ins Gespräch über das Thema Hobbybrauern, Andrea Cartwright organisiert ja die BrauBeviale. Wir haben uns in diesem Gespräch eigentlich zusammengefunden dieses Projekt Hobbybrauer zu starten und im Herbst 2018 haben wir den ersten Hobbybrauer gekürt bei unserem Craft Brauerfestival. Das war damals das Thema Weizenbier und wir haben eben zusammen mit der BrauBeviale damals diesen Wettbewerb gestartet, haben im Frühjahr 2019 die erste Veranstaltung dazu gestartet, die HOME BREW, das ist ein Wettbewerb, es ist ein Ausschenken von Hobbybrauern und eine Art Messe also letztendlich ist es ein Get-together der Hobbybrauerszene. Ich war damals, muss ich auch wirklich zugeben, sehr skeptisch, ob das wirklich funktioniert, dass so viele kommen aber Markus, ich habe ja deine Verkostung bei der BrauBeviale gesehen, du warst ja beim ersten Mal auch schon dabei und es war wirklich erstaunlich wie viele Menschen den Weg damals ins Liebesbier und in die Erlebniswelt gefunden haben. Das Liebesbier war an dem Tag wirklich am Anschlag, von dem was sie leisten können, weil sie auch gar nicht damit gerechnet haben, dass so viele Leute nach Bayreuth kommen und auch die zweite Veranstaltung war wirklich unglaublich und es ist, glaub ich, stärker als jedes Craft Brauerfestivals, die wir so machen, das ist diese HOME BREW und ja, wir haben jetzt einen Gewinner von unserem Wettbewerb 2020, das Thema war American Pale Ale und es ist der Christopf Wolfrum aus Nürnberg und eben das Hoptimism hat da gewonnen.

Holger: Ehrlich gesagt, ich habe es schon probiert, also aber ich, ich will euch natürlich die Chance geben nachzuziehen, falls ihr.

Markus: Also ich habe die Gelegenheit jetzt auch schon ergriffen, muss ich sagen und bin auch schon dabei es zu genießen. Das ist ja wirklich ein ganz tolles Bier, also ich kann mich auch noch gut an den Wettbewerb erinnern Anfang des Jahres, wo wir auch wirklich echt lange zusammengesessen waren. Also das muss ich auch sagen, das finde ich auch ne tolle Qualität, gerade bei dem Wettbewerb, dass die Jury sich echt mit den Bieren auseinandersetzt und das ist ja auch was Besonderes, das man eben wirklich nur einen Bierstil hat. Und der dann eben 100 Mal eingereicht wird und man dann wirklich über mehrere Runden und auch wirklich eine intensivere Auseinandersetzung dann zu einem Gewinner kommt und das war wirklich eine lange Diskussion am Ende, bis dann Hoptimism gewonnen hat und ich muss sagen, was mich damals schon begeistert hat, begeistert mich jetzt wieder, das ist einfach ne ganz tolle Hopfenkomposition, also wo natürlich die klassischen Aromen Citrus und so weiter rüberkommen, bisschen Pinie, das kennt man ja aber da ist jetzt eben auch noch so ein bisschen Kokos, so ein bisschen dunkle Beeren, so ein bisschen Guave, Ananas und so und das geht dann eben so drum rum um dieses klassische Pale Ale Aroma und macht das ganze wirklich sehr rund und sehr spannend und dann hat man trotzdem noch einen schönen Malzkörper. Das war das warum ich bei der Jury dann gesagt hab, das ist mein Favorit, weil man eben bei dem Pale Ale meiner Meinung nach eben auch noch was vom Malzkörper haben muss und das ist hier eben auch noch mal schön umgesetzt. Man sieht es auch schon in der Farbe, das ist gar nicht so unähnlich zu dem Kellerbier, was wir vorhin hatten und so muss es eigentlich sein und das finde ich, also wie gesagt, ein ganz tolles Bier. Kann man nur empfehlen, jedem der es noch bekommt, das ist ja limitiert, holt euch auf jeden Fall mal ein, zwei Fläschchen, um auch diesen Bierstil American Pale Ale kennenzulernen.

Holger: Also ich kann das nur absolut bestätigen, weil irgendwo ist es ja schon ganz normaler Bierstil, der vielfach interpretiert wird, also es hat was, also das hat so ein, so eine ganz besondere Note, wo man auch noch in dem Stil immer wieder noch was entdecken kann und ich bin auch mega begeistert, also wirklich mega begeistert und habe das ja schon so oft gesagt, die besten Biere meines Lebens habe ich von Hobbybrauern getrunken, die schlechtesten zwar auch aber das ist ja egal und das hier gehört auf jeden Fall dazu, also kaufen würde ich sagen, kaufen. Prost.

Markus: Genau, ein Satz vielleicht noch, weil es der Michael auch erwähnt hat, das ist auch noch was, was mir wirklich sehr stark in Erinnerung bleibt von dem Hobbybrauerwettbewerb von der HOME BREW, dass da wirklich die Atmosphäre wirklich stimmt, also so wie das am Anfang in der Craft Beer Szene war, da haben wir das immer wieder so erlebt, als wir in Hamburg waren, als da zum ersten Mal auf der Internorga auch so ein Craft Beer Corner aufgemacht wurde, da war das einfach eine Familie oder auch in Berlin oder so, da waren die zusammen und haben sich gefeiert und unterstützt und das ist dann nach und nach so ein bisschen verloren gegangen, als sich das weiterentwickelt hat aber eben bei der HOME BREW, da habe ich das wieder erlebt, also sowohl bei der ersten als auch bei der zweiten Auflage, dass wirklich dieser Raum, wo vielleicht normalerweise nur 50 Leute reinpassen, sind dann plötzlich paar 100 Leute drin und dann ist die Siegerehrung, dann werden eben die Biere nacheinander aufgerufen vom dritten bis zum ersten Platz und der ganze Saal freut sich und jubelt und klatscht und alle freuen sich für die mit, die gewonnen haben und das ist wirklich ein einziges Happening, wo am Ende das Bier gewinnt und das finde ich ganz toll, also sowohl von der Atmosphäre, als auch in dem Fall jetzt von Maisel, dass die das auch möglich machen, weil das ja gar nicht so einfach ist so was auf die Beine zu stellen in der Art und Weise und das dann auch so laufen zu lassen und das ist echt toll und da freut es mich auch, dass du dich da so reinhängst Michael, dass das weiterhin möglich bleibt.

Holger: Ich weiß auch gar nicht was los ist heute, aber jetzt muss ich dir schon wieder zustimmen, also es ist irgendwie ganz komisch, also und das, das möchte ich auch noch mal betonen also auch die Craft Beer Brauerszene war mal eine arschlochfreie Szene, ja? Die Hobbybrauer haben das zum Glück sich immer noch erhalten, bei den Craftlern ist es so ein bisschen verloren gegangen im Thema Wettbewerb und Mammon und das kann ich also auch nur bestätigen, die Stimmung auf diesen Festen und wie man auch miteinander umgeht, wie man sich gegenseitig auch berät, daran teilhaben lässt, wie es entstanden ist, Rezepte diskutiert und so, muss man mal erlebt haben, also ich weiß, ich weiß auch nicht, ich muss dir einfach zustimmen. Ich weiß nicht wieso, aber ich, ich muss dir einfach zustimmen.

Markus: Ich glaube das liegt daran, dass der Michael einfach clever ist und dass er ganz viel Erfahrung hat und dass er deswegen sein Tasting mit einem Kellerbier angefangen hat und wenn das so versöhnlich und schön losgeht, dann kann man einfach nur auf so eine Ja-Straße kommen, wo man sich einfach nur noch zustimmt.

Holger: Also okay, dann reizen wir weiter. Reiten wir weiter.

Michael König: Ich würde gern noch was zu dem Thema American Pale Ale sagen. Pale Ale ist ja ein Bierstil, wo ich, wenn ich mich zurückerinner an meine ganze Craft Beer Historie, ich kann mich erinnern an die ersten zwei Braukunst Live, da hat man noch einen Eisbock unheimlich gerne getrunken, da gab es überall ein Pale Ale, da gab es überall ein IPA, ohne das die IPA’s jetzt in irgendeine Richtung gingen und da war das einfach unheimlich spannend von jedem mal das Pale Ale zu probieren, es IPA, ich weiß noch im zweiten Jahr, da kam plötzlich der Hopfen Mandarina Bavaria, dann wollte man überall dieses Mandarina Bavaria und CREW Republic hatten ein Imperial Stout. Und auch das gab es damals wirklich noch kaum zu probieren und dann hat man gemerkt wie diese Craft Beer Bewegung immer weiter wurde und als das Thema IPA kam, ist dieser Bierstil Pale Ale eigentlich immer weiter nach hinten gerückt. Heute ist es eigentlich nur noch so was ja, das muss ich irgendwie im Sortiment haben aber es kräht, ich würde mal sagen, kein Hahn mehr danach. Man sieht mit dem American Pale Ale, auch noch eine kleine Anekdote nebenbei, weil unser Braumeister, der musste das Pale Ale ja nachbrauchen. Der kriegt ja dann die Hopfensorten und der hat festgestellt, dass er an die Hopfensorten nicht drankommt und musste über den Hobbybrauerversandt die Hopfensorten bestellen und ist natürlich auf einen sehr hohen Wareneinsatz gekommen, weil für die Menge, die wir gebraut haben, muss der da ein bisschen was bestellt und er ärgert sich heute noch über den Wareneinsatz bei diesem Pale Ale.

Holger: Da überlegt man sich’s dann schon. Da müssen die durch die Jungs, also jetzt reiten wir die Bierstraße weiter entlang und kommen zum nächsten Bier, Double IPA, oder?

Michael König: Ja, das war ein großer Schritt nach oben, da vom Pale Ale zum Double IPA. Und ich habe auch immer noch Respekt von dem Hopfenreiter, ich kenn das Bier relativ gut und ich habe auch schon viele Erlebnisse mit dem Bier gehabt.

Markus: Na, da sind wir mal gespannt aber vorher machen wir es auf.

Michael König: Ja genau.

Markus: So, jetzt gießen wir auch ganz schnell ein, damit wir ganz schnell zu den spannenden Erlebnissen kommen, die uns der Michael erzählen will.

Holger:  Da geht es ja wirklich um Freundschaft auch unter Brauern, oder? Das ist ja so ein Freundschaftssud, ne?

Michael König: Ganz genau, wird Freundschaftssud genannt, genau.

Holger: Schieß los.

Michael König: Ich bin am 01.01. zur Brauerei Maisel gekommen, wer mal in Bayreuth ist und direkt von Kulmbach zumindest nach Bayreuth reinfährt, der sieht dieses riesige Verwaltungsgebäude, da sitzt eben alles, was so Vertrieb und Marketing, die sitzen alle drin, ich saß da auch und es kam dann die Entscheidung, dass ich eben mein Büro nach drei Wochen in die Biererlebniswelt, die war damals noch Baustelle, weil das Liebesbier war in den Innenzügen des Baus, nach hinten verlegt in die Biererlebniswelt, ins Baustellenbüro zum Herrn Maisel. Jetzt muss man sich natürlich vorstellen, man ist als erster Biersommelier in einer mittelständigen Brauerei, in der noch nie jemand als Biersommelier gearbeitet hat und sitzt direkt neben dem Inhaber und die Aufgabe ist, schreib mir eine Bierkarte. Man ist natürlich irgendwie im Zweifeln, wie mach ich das eigentlich? Ich habe zu dem Zeitpunkt ja nur Texte für Onlineshops erstellt und muss jetzt eine Bierkarte schreiben und da weiß ich auch noch, ich habe mein erstes Bier beschrieben, habe das so rüber gelegt zum Herrn Maisel, habe gesagt: „Chef, passt Dir das so?“ Es waren sechs Zeilen. Er hat gesagt: „Ja, sieht gut aus, weitermachen“, und dann kam dann auch so das Marketing, wo ich damals noch gar nicht drüber nachgedacht habe und meine Jungs, die halt dann über Druckdaten und alles sich so Gedanken machen und dann haben wir hochgerechnet wie viele Biere wir eigentlich haben und wir kamen dann auf die erste Bierkarte, mit insgesamt 120 und dann kam natürlich auch der Preis noch oben und wir müssen ja auch ein paar Karten drucken und es war relativ teuer, das weiß ich noch, beim ersten Mal aber Chef, das ist auch immer noch was, was ihn heute spiegelt. Er ist dann so, wir wollen Qualität und wir machen das und wir haben das einfach umgesetzt, auch wenn innerhalb der ersten drei Monate 5.000 Karten verschwunden sind, keine Ahnung wohin die verschwunden sind und was man immer noch sagen muss, was da für ein Betrag dahintersteht, aber das war meine erste Aufgabe und während dieses Baus wurde in der Biererlebniswelt in einem Flur von einem Berliner Künstler ein Gemälde gemalt. Der Auftrag vom Chef war, mal mir was mit Bier und der hat da eine Figur gemalt, die eben aus Hopfenpflanze mit dem Mantel, sieht so ähnlich aus wie Sankt Martin, aber eben, dass es eben aus Hopfen ist, auf einem Pferd sitzt, das Pferd ist aus zerbrochenen Fässern zusammen und das war eben damals das Gemälde Hopfenreiter. Ich habe es zum ersten Mal gesehen, bin in dieses Baustellenbüro rein, habe gesagt: „Chef, dazu müssen wir eigentlich ein Bier machen“. Er sitzt da, schaut mich an und sagt: „Eigentlich ne coole Idee.“ Das Bier muss ein richtig hopfiges Bier sein, dann kommt man automatisch auf Double IPA und wir hatten damals im März die erste Veranstaltung und haben gesagt, alle Brauereien, die da ausstellen, müssen uns Hopfengeschenke mitbringen und wir brauen daraus diesen Hopfenreiter. Das Bier wurde eben damals gebraut, nachdem diese erste Veranstaltung war und dann kam der erste Geburtstag des Liebesbiers, wir wollten wieder eine Veranstaltung machen und dann habe ich gesagt, wir müssen eigentlich zu dem ersten Geburtstag wieder einen neuen Hopfenreiter trinken. Da wurde es dann meine Aufgabe fünf Brauereien auszuwählen ein Mix aus nationalen und internationalen die uns eben Hopfen schenken, das Grundbier ist per se eigentlich immer gleich und wir machen immer wieder ein schönes Double IPA mit unterschiedlichen Hopfengeschenken und verschiedenen Brauereien und das jetzt mittlerweile, glaub ich, der 5. Hopfenreiter, genau der 5. Ich habe neulich ein Untappd Ranking mal rausgeguckt, welcher am höchsten ist. Wir sind jetzt auf Platz 3. mit dem Hopfenreiter 2020. Wie schmeckt euch das Bier? Ihr habt es bestimmt schon getrunken, oder?

Markus: Ja.

Holger: Ja.

Markus: Ja allerdings also ein intensives Bier und ich find es ist auch wieder ne schöne Komposition also natürlich überwiegt der Hopfen, natürlich ist der sehr präsent und man hat auch da wieder sehr schöne fruchtige Noten, kommt auch so ein bisschen Pinie, es ist einfach ein sehr, sehr krasses, intensives Bier, trotzdem ist es schön abgerundet mit dem Malzkörper und der ist dann eben auch sehr Druckvoll, das heißt, da habe ich dann auch natürlich den Alkohol, der kommt auch gut rüber, der wärmt auch, wenn man dann getrunken hat, merkt man so, wenn das den Gaumen runterrinnt, dann ist das eben auch so ein bisschen so ein warmer Effekt also ein schönes Bier jetzt auch für den Winter zum Beispiel und es ist insgesamt einfach unheimlich ausgewogen, also wo man einfach sagt okay, natürlich habe ich sehr, sehr viel Hopfen, viele Bittereinheiten kann man ja auch sagen, auf der anderen Seite haben wir richtig viel Alkohol aber in der Komposition ist es trotzdem noch ein Bier, was in sich schwingt und wo man wirklich sagen kann, das ist schon ganz spannend, also weil es ganz viele verschiedene Aromafacetten hat, ganz viele Möglichkeiten hat mit Foodpairing zu arbeiten aber eben auch was ist, was man einfach mal so schön zu zweit so ein Fläschchen vielleicht trinken kann, vielleicht auch nach einem Menü zum Beispiel als Digestif, also ganz fein. Holger, was sagst du denn?

Holger: Ich kann dir schon wieder nur zustimmen.

Markus: Herrje.

Holger: Was ich also wirklich schön finde, ist dann so im Nachtrunk kommt so, ja so ein, also so eine richtige Gewürznote daraus, weißer Pfeffer irgendwie so was, ja?

Markus: Ja, pfeffrig, finde ich auch.

Holger: Und das find ich auch noch mal ganz spannend, aber auch natürlich die Aromen, die du jetzt auch schon beschrieben hast, also so irgendwie ganz klassisch auch so fruchtig aber dann auch so ein bisschen Steinobst mit dabei, also ich find‘s mega. Also wirklich mega und auch die Etikettengestaltung und so, das machen wir, glaub ich, viel zu selten, dass wir darüber auch reden und das gehört ja auch voll dazu, wie man auch ja, Kunst mit einbinden kann, der Hopfenreiter, den kann man ja im Liebesbier an vielen Stellen auch sehen und das gefällt mir hier auch besonders gut. Ich find diese Figur unheimlich toll, die passt auch dazu, die hat so was Geheimnisvolles und man will es eigentlich entdecken, auch der Name, den find ich prima. Ja das gehört dazu, auch der Kronkorken, also insgesamt ganz toll macht ihr das.

Michael König: Vielen Dank. Dann geht natürlich auch ein ganz großer Dank an meine Kollegen. Ich glaub wir haben da ein sehr cooles Designteam muss ich sagen und ich würde auch sagen, dass wir ein sehr gutes Brauteam haben, ihr werdet es spätestens beim Weizenbock merken, was denn so das Geheimnis des Brauens ist. Ich bin jedes Jahr begeistert von diesem Hopfenreiter und wir haben ja, falls es mal jemand wissen möchte, so eine kleine Brauwerkstatt, das ist ein 25 Hektoliter Sudwerk und der Hopfenreiter ist unser größtes Limited. Wir brauen normalerweise bei einem Limited einen Sud. Das war beim Hoptimism so, ich glaub aber, dass ich jetzt das demnächst erhöhen werde und wir mindestens bei jedem Limited 2 Sude brauen werden. Beim Hopfenreiter sind wir mittlerweile auf 4 Sude, die hintereinander gebraut werden, weil da die Nachfrage eigentlich immer mehr von Jahr zu Jahr sehr steigend ist.

Holger: Von dem Freundschaftssud kann man ja eigentlich wunderbar überleiten zum nächsten Bier.

Markus: Was ja auch eine gewisse Herausforderung ist, weil der ist ja nicht nur in der Flasche, sondern der ist auch noch in einer großen Box, also in einem Pappkarton würde man jetzt auf gut Fränkisch sagen, der ist blau-weiß, es ist ein großer Bock drauf natürlich und man sieht das schöne Maisel’s Weisse Logo und dann steht da Bajuwarus und ja, jetzt machen wir das mal auf, das ist ja jetzt eine große Herausforderung.

Michael König: Ich habe das hier eigentlich ausgewählt, um eigentlich mal zu zeigen was ist eigentlich die Arbeit eines Sommeliers und.

Markus: Zum Beispiel ein Bier aus einem Pappkarton auspacken. Nein Quatsch okay.

Michael König: Es hat ein Pappkarton als Packung aber die Idee des Bajuwarus ist ja, es ist ja ein Bier was man aktuell zumindest nicht kaufen kann, sondern das ist eine Gratiszugabe auf einen Kasten Maisel’s Weisse in der Herbstzeit. Das heißt, man kauft einen Kasten Maisel’s Weisse und kriegt keinen Laster, also so einen Mini-LKW oder kein Joggingtuch oder sonst irgendwas, sondern man kriegt eine Flasche Maisel’s Weisse Bajuwarus 0,75 kostenlos dazu also es ist nicht kaufbar, das Bier wird extra eingebraut bei uns dafür, für diese Verkaufsaktion und meine Aufgabe war, wie heißt das Bier eigentlich? Warum heißt das so? Und dann natürlich ein bisschen Marketing muss natürlich auch einfließen, die ganzen Texte. Auch da gibt es dann schöne Meetings, man sitzt zusammen und denkt dann, was muss denn da eigentlich drauf? Ja und am Ende des Tages entsteht so ein Produkt, wo man dann natürlich als Sommelier dann davorsitzt, irgendwann sich in den Händen hält und auch wirklich seine ganzen Texte wieder spiegelt und man schon ein bisschen stolz drauf ist, was dann wirklich dann entstanden ist.

Holger: Aber was natürlich total Wahnsinn ist, ist diese unglaubliche grenzenlose Kreativität zu besitzen und auf einem Weizenbockkarton ein, wirklich ein Bock abzubilden, ne? Das ist ja wirklich toll.

Markus: Holger, ich glaub, du hast zu viel Hopfenreiter getrunken. Nein aber machen wir es doch mal so, ich mach das jetzt hier mal auf. Muss halt sagen, ich habe davon auch noch ein paar Flaschen im Keller, die ich allerdings ganz bewusst habe, um sie dort zu lagern. Das fließt jetzt ja richtig schön ins Glas und wir machen jetzt mal ganz was Besonderes, wenn das eh deine Worte sind Michael, dann verkoste ich jetzt mal dieses Bier mit deinen Worten und lese mal vor was du da geschrieben hast. Also da steht: „Unsere streng limitierte Bierspezialität verzaubert mit ihrer kastanienbraunen Farbe und einer cremigen Schaumkrone“. Absolut also für mich hat es auch noch so ein bisschen so einen rötlichen Touch, ganz schön, aber haben ja Kastanien auch, also wunderbar. Es geht weiter: „Nase und Gaumen werden verwöhnt von einem Aromenfeuerwerk aus reifer Banane, Vanille und einem Hauch Dörrobst und Nelke. Honig und Karamellnuancen runden unseren Bajuwarus wunderbar ab. So bleibt dieser weiche und vollmundige Weizenbock in genussvoller Erinnerung“. Okay Holger also jetzt trinken wir mal und schauen mal, ob das stimmt.

Holger: Ja, ich könnte jetzt noch ergänzen, während ihr trinkt, Ba ju wa rus, ne?  Bajuwarus leitet sich ab von Bajuwaren, dem ursprünglichen Namen der Einwohner Bayerns, Klammer auf, Franken gehört erst seit 1806 dazu, Klammer zu. Zusammen mit der für Weizenbockbiere so typischen Endsilbe US ergibt sich eine neue Wortschöpfung, die einprägsam für die Herkunft, sowie den starken Charakter unseres Weizenbocks Pate steht.

Markus: Das war der zweite Teil des Textes.

Holger: Ja. Absolut und dann gibt es ja hier noch Tradition, ne? Die Brauerei Gebrüder Maisel ist eine traditionsbewusste Familienbrauerei aus Bayreuth, liegt in Oberfranken, die mit ihrer Maisel’s Weisse zu den Wegbereitern der bayerischen Weißbierkultur zählt. So jetzt kommen wir aber auf jeden Fall mal zu dem ÜberQuell Bier The Man Behind, ja? Ist ja auch ein Freund eben von ÜberQuell, wo es jetzt zu so einem Gewürzbier kommt, zu einem Weihnachtsbier mit einer winterlichen Stimmung, das ist ein schöner Abschluss, oder?

Markus: Ja allerdings muss ich sagen. Ich würde gern noch den Weizenbock vorher austrinken. Also nicht die ganze Flasche austrinken aber zumindest mein Glas austrinken.

Holger: Aber was machst du denn die ganze Zeit? Also ich mein, du hörst stundenlang zu, von dir hört man überhaupt nix und jetzt kommst du wieder so daher und sagst, du hast dein Glas noch nicht ausgetrunken. Schläfst du, oder was?

Markus: Ein gutes Bier braucht auch einfach ein bisschen Zeit also und ich find das ist so ein schönes, so ein schön cremiges Bier, was einerseits wirklich diesen typischen Weißbieraromen hat, also bisschen Banane, bisschen Nelke, bisschen Citrus, sehr frisch aber auf der anderen Seiten eben wirklich auch einen ganz tollen Körper hat, auch wieder schön leicht karamellige Aromen und das ist so richtig schön weich und ich muss sagen, ich habe das jetzt mit Genuss angefangen zu trinken, vielleicht habe ich mir auch ein bisschen mehr eingeschenkt als ihr, das mag sein aber ich wollte es jetzt noch in allen Genuss kurz gemütlich austrinken.

Holger: Also pass auf, pass auf ihr beiden, also ich habt ja beide meine Handynummer, wenn ihr dann dazu übergeht irgendwann das Gewürzbier zu öffnen, ich habe es ja schon etwas länger auf, ruft mich einfach an, ich komm dann wieder dazu, okay? Ich komm dann einfach wieder dazu.

Michael König: Ich habe zwei Dinge Jungs, zum einen, ich komm gleich zum Gewürzbier aber vielleicht, wenn ihr das Weizenbier getrunken habt und vielleicht fällt eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen dem Weizenbock und dem Hopfenreiter auf. Beide Biere kann man unheimlich gut trinken, ohne dass man merkt, dass der Weizenbier 7,5 hat oder der Hopfenreiter 8,5. Das ist die Kunst eines Brauers und auch unseres Brauteams, die diese Biere, auch die starken Biere, was oftmals ziemlich fatal ist, unheimlich gut trinkbar macht. Ich muss mich nicht durchbeißen, sondern ich trink diese Biere mit Genuss und ich merke auch okay, ich kann auch vielleicht mehr trinken, nur vielleicht irgendwann kommt so die Grenze, wo man sagt, okay, das Verkosten endet jetzt so langsam.

Markus: Da kommt so ein bisschen ein gewisses patriotisches Gefühl durch, weil ich den Eindruck hab, das ist tatsächlich was, was den Brauereien am besten gelingt, die eben gerade in Franken und Bayern eine lange, gute Tradition haben und einfach seit vielen Generationen wissen wie man ein vernünftiges Bier macht, sodass es die Leute auch gerne trinken und dieses Wissen, was einfach vielleicht nichts ist, was man an der Uni studiert, sondern was wirklich so eine Traditionsgeschichte einfach ist, das fließt eben auch in modern interpretierte Biere hinein und verleiht denen dann eben das, was die Amerikaner als Drinkability bezeichnen, also einfach die Möglichkeit davon wirklich, wie du es gerade erzählt hast, gerne was zu trinken, ohne sofort vom Alkohol erschlagen zu werden, sodass es einfach Freude macht die schön zu trinken und also besonders beim Weizenbock fällt mir das jetzt auf, da hast du völlig recht, da, da ist wirklich, das kann man richtig schön trinken und das mach ich jetzt auch dem Holger zuliebe, damit wir dann noch zum Gewürzbier kommen aber auf jeden Fall stimme ich dir da völlig zu, sind beides Biere, die man richtig schön trinken kann, die eben diese, diese Handwerkskunst einfach präsentieren.

Holger: Aber siehst du mal, jetzt muss ich ja doch noch wieder sprechen, ja? Das hat nämlich gar nichts mit Wissen zu tun, sondern ausschließlich mit Können und können kommt von üben, weißt du? Also das ist nämlich das Thema.

Markus: Das widerspricht sich ja nicht. Ich sage ja, das ist eine Traditionsgeschichte von, von eben Brauern, die das seit 15 Generationen machen und das ist natürlich ganz viel üben und machen und dadurch entsteht dieses Können, was man dann vielleicht auch leichter an seine Nachfolger weitergeben kann, als wenn man jetzt als Universitätsprofessor irgendwo vorne am Pult steht.

Holger: Klugscheißmodus aus.

Markus: So aber jetzt weiter gehts.

Holger: Ja also ich sag jetzt nix mehr. Ich, ich sag jetzt nichts mehr, klar habe ich das schon jetzt getrunken und alles also ich sag jetzt nix mehr. Ihr seid, also jetzt macht da einfach weiter.

Michael König: Wobei du jetzt schon was sagen musst, weil das ist ein Bier, was ich ausgewählt habe wegen dir. Wenn du da drauf kommst, finde ich ja, dann zieh ich mein Hut.

Holger: Manometer. Pass auf, ich versuch mal mein Glück, also das ÜberQuell hat ja mit Hamburg zu tun.

Michael König: Ja.

Holger: Da kann ich mir einen Sinn, da haben wir mal Erlebnisse zusammen gehabt, Lagerstraße 30 oder 32, ich weiß jetzt gar nicht genau wo der Shop ist, also auf jeden Fall altes Mädchen und davor ist ja ein Biershop und da waren wir drin.

Michael König: Echt? Ne, das ist aber die falsche Erinnerung.

Holger: Ja okay.

Michael König: Schön, dass du das weißt, weil ich tue mich da ein bisschen schwer mit meinen grauen Zellen aber wo haben wir uns denn kennengelernt? Wo war unsere erste Begegnung?

Holger: Unsere erste Begegnung war auch im Zusammenhang mit der Bierakademie, da haben wir halt eine gemeinsame Ausbildung miteinander gemacht, den Bierfachmann.

Michael König: Das war vom Bier begeistern.

Holger: Ja, vom Bier begeistern, stimmt.

Michael König: Und jetzt gehts weiter. Wer war denn da dabei?

Holger: Also ich bin ja schon über 44, ah da war der Danny Domingo dabei, oder?

Michael König: Richtig. Wo arbeitet Danny Domingo jetzt?

Holger: Ja der, ja genau, also das ist die Verbindung zum Bier, so ist es ja.

Michael König: Genau.

Holger: Ja absolut, da wäre ich jetzt nicht draufgekommen, aber so wie du es sagst, Mensch und ich fühl mich geehrt, weil das ist ja ein ganz, ganz besonderes Bier und da muss man auch erst mal drauf kommen, wenn man an mich denkt, da so ein Spiced Lager aus dem Schrank raus zu kramen und dann auch noch an die Weihnachtszeit zu denken, dann stell ich mir vor, wenn du dann an mich denkst, dass es dir richtig warm ums Herz wird, ja. Das mag ich.

Michael König: Immer, immer wenn ich an dich denke, wird es mir relativ warm ums Herz.

Holger: Weißt du? Also weitermachen. Siehst du Markus, es gibt dann doch noch Leute, die mich mögen.

Markus: Auf jeden Fall aber ich denke, ich kann sogar noch was dazu beitragen, weil ich glaube, dass wir auch auf dieser Messe in Hamburg FOOD & LIFE oder so ähnlich, oder Style oder wie auch immer die hieß.

Michael König: Das war eat&STYLE.

Markus: Ah, eat&STYLE genau, weil da warst du ja für Bier-Deluxe und wir waren da für Spiegelau.

Holger: Ja, für Spiegelau.

Markus: Für Spiegelau richtig und da haben wir uns ja auch mehrmals gesehen und waren dann noch in Hamburg unterwegs und auch da erinnere ich mich durchaus an Hamburg, also passt schon.

Michael König: Ja mit Messe verbinde ich immer sehr intensive Zeiten, wo durchaus die ein oder andere Erinnerung fehlen könnte im Nachhinein.

Markus: Das stimmt und was ich auch ganz interessant finde, Bier ist immer die heimliche Währung auf einer Messe, also egal auf welcher Messe ich war, ich war ja meistens als Biervertreter, als Biersommelier da, egal was ich wollte, ich bekam es mit Bier. Die Leute, die dann abends vorbeikamen, waren total glücklich, wenn man ihnen noch ein Bier gegeben hat und das war immer so also egal was mal wollte, man hat es immer mit Bier erreichen können und das ist natürlich toll, wenn man dann ausgerechnet einen Bierstand hat, weil dann ist natürlich der Zugang auch relativ leicht.

Michael König: Gebe ich dir recht, auch eine schöne Erinnerung, was ich mit Bier so hab, auch auf Messen, ich war einmal auf einer Weinmesse, da waren lauter Gastronomen, die haben den ganzen Tag Wein getrunken, den ganzen Tag und wir standen, glaub ich, gefühlte sechs Stunden da und haben eine Berufsschulklasse betreut und dann kamen die ganzen Gastronomen, die eben mit dem Thema Wein fertig waren und jetzt kam die Währung, von der du sprichst, Bier und dann kamst du  wirklich erst mal ins Gespräch. Nachdem die 5 Flaschen Wein geleert haben, kommst du mit dem Thema Bier sehr gut in Verbindung. Also es ist auf allen Messen so, wo ich sage, mit Bier kannst du alles erreichen.

Markus: Also jetzt haben wir hier ein Julebryg, also im Grunde ein Weihnachtsbier könnte man wahrscheinlich sagen, oder? Wenn man das richtig übersetzt?

Michael König: Genau, das ist so ein dänisches Weihnachtsbier.

Markus: Fantastisch und da sind natürlich jetzt auch, weil es halt dänisches Bier ist, also mit dem Reinheitsgebot nichts mehr zu tun haben muss, mit dem Deutschen, sind natürlich jetzt auch Gewürze und andere Dinge drin, was man auch sehr schön riecht. Ich glaub Holger, du hast mit dem Bier schon angefangen, oder?

Holger: Ja unbedingt.

Markus: Für mich ist so, so, so Honignoten drin, dann bisschen Orange, dann so Muskat, Zimt, Anis, irgendwie so, so eine Melange und dann auch noch so ein bisschen Trockenbeeren also eine ganz spannende, interessante Geschichte vom Geruch.

Michael König: Ich bin kein großer Freund von Gewürzbeeren. Was mir aber aufgefallen ist, ich wusste ja, dass hier ÜberQuell dieses Julebryg eben braut, das braueen sie ja jedes Jahr zusammen mit einem dänischen Brauer, ich bin mir aber nicht mehr ganz sicher, ob das wirklich ein Lager war, ob das früher nicht ein Ale war. Ich weiß, dass die Dominanz der Gewürze früher viel stärker war, da kommt mein Gaumen an eine Grenze, sobald es stärker wird. Es ist das Gleiche wie bei diesen ganzen Pumpkin Bieren aber jetzt, dadurch dass es ein Lager ist und diese Gewürznoten, sie sind da aber sie überfordern mich nicht, sie sind einfach Wegbegleiter für das ganze Bier und ich find das wirklich spannend, wie sie drin sind und ich könnte mir auch durchaus vorstellen das Bier weiter zu trinken und das find eigentlich wirklich gut. Ist natürlich im Alkohol etwas jetzt nach unten, wir bewegen uns bei 6,2, was schon relativ stark ist aber von dem Weizenbocklevel nach unten gegangen aber aufgrund der Aromatik einfach.

Markus: Ich find es wirklich sehr, sehr spannend und also du hast recht, historisch gesehen war das sicherlich eher ein obergäriges Bier, aber es ist eben genauso auch wieder, wie du sagst, dass das Lager einer schöneren Leinwand eigentlich bietet, wo man dann darauf diese ganzen Gewürzaromen präsentieren kann. Und es erinnert mich tatsächlich auch ein bisschen so an Kürbisbiere von der Würzung, von der Zusammenstellung her und also man kann es wirklich schön trinken. Und was ich auch interessant finde, ist, dass da ja The Man Behind Pate gestanden ist für das Bier oder Partner war für ÜberQuell und dahinter steckt ja der Anders Coisbo, ein Däne, der früher mal Polizist war und sich dann umgeschult hat sozusagen als Brauer und da jetzt eben als Man Behind also Mann im Hintergrund unterwegs ist und tolle Biere macht und das freut mich sehr. Den mag ich auch sehr gerne, den treffe ich oft bei Wettbewerben, dass ich jetzt auf diese Art und Weise mal wieder Kontakt zu ihm hab, sehr, sehr schön.

Holger: Was mir jetzt noch mal wichtig ist wirklich auch hier hervorzuheben, also auch hier ist natürlich auch wieder die Flaschengestaltung und das Etikett ganz toll, mit den Tannenbäumchen drauf und dann ist ja oben dann diese Kordel und dann gibt es ja hier den Anhänger in Form einer Visitenkarte, ne? So von der Größe her und dann eben Für und Von, ne? Also da könnte man jetzt schreiben, Für Holgi, Von Michael, das versöhnt doch und dann sind wir wieder voll bei dem Charakter des BierTalks, weil der Charakter des BierTalks ist ja ein Gespräch unter Freunden und da bin ich jetzt der Meinung, das haben wir heute wirklich ganz exzellent geschafft, ich bedanke mich also erstens für die Bierauswahl und auch für Einblicke, die du uns gegeben hast und Markus, auch ein großes Dankeschön an dich also so viel Übereinstimmung haben wir ja selten. Ich geh jetzt schön noch in den Nachmittag und werde heut Nacht auch gut schlafen, wenn ich die ganzen Reste ausgetrunken hab. Also macht’s gut! Tschau!

Markus: Ja tschau, das geht mir genauso. Auch vielen Dank lieber Michael und vielen Dank lieber Holger, für den großen Konsens heute, tolle Sache.

Michael König: Auch von meiner Seite vielen Dank, machts gut.

Holger: Tschau, tschüss.

Markus: Tschau.

Michael König: Tschau.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk 43 – Interview mit Markus Eder von der Küferei Wilhelm Eder aus Bad Dürkheim

Die Magie der Holzfässer haben die deutschen Brauer erst im letzten Jahrzehnt richtig kennen und schätzen gelernt. Die Firma Wilhelm Eder ist hingegen als Küferei, Sägewerk und Fassvermittler bereits seit über drei Jahrzehnten am Markt, allerdings bisher mit den Schwerpunkten Spirituosen und Wein. Nun aber lockt auch das Bier das Fass und umgekehrt – und Mitinhaber Markus Eder ist fast täglich unterwegs, um unter anderem Fässer an die Brauer zu bringen. Dabei ist ihm kein Weg zu weit, um neue Aromasensationen zu entdecken und in die Heimat zu holen. Außerdem toastet die seine Firma Fässer auch selbst und kann so allerlei Geschmäcker von Nutella bis Honig in die Biere zaubern. Hin und wieder hadert der Küfer aber auch mit den Brauern, doch hören Sie am besten selbst…

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

 

Holger: Herzlich willkommen zu dem 43. BierTalk mit einem ganz speziellen Thema, und zwar mit dem Thema holzfassgereifte Biere. Oder wenn man ganz genau ist, geht’s eigentlich wahrscheinlich eher ums Holz und um die Fässer und dann um die Reifung. Aber man darf gespannt sein. Unser Gast ist der Markus Eder, einer der letzten Küfer in Deutschland, die das wirklich noch in einem richtig großen Stil betreiben. Am Mikrofon bin ich, der Holger, und der …

Markus: Markus.

Holger: So, Herr Eder, guten Morgen, herzlich willkommen! Ist ganz toll, dass Sie da sind und sich für uns Zeit nehmen. Und vielleicht sagen Sie ein paar Worte zu sich selbst und auch zur Firma, damit die Hörer einen Eindruck haben, was Sie so im Tagesgeschäft alles treiben.

Markus Eder: Ja, sehr gerne. Zunächst mal vielen Dank für die schöne Einladung und Einleitung. Mein Name ist Markus Eder, wie Sie es eben schon richtig vorgestellt haben. Ich betreibe mit meinem Bruder hier in Südwest-Deutschland, genauer gesagt in Bad Dürkheim, ein Sägewerk, eine Küferei und eine Tischlerei. Gestört hat mich eben so ein bisschen der letzte Küfer, den Sie da so zitiert haben. Ich möchte es eigentlich anders formulieren. Das ist richtig, was Sie sagen, das Handwerk ist fast ausgestorben und wir sind eigentlich wieder der erste Küfer, der das so vielleicht richtig macht oder im größeren Stil macht. Wir sind hier circa 60 Kollegen, die sich dem Thema gewidmet haben. Wir produzieren selbst Fässer bis zu einem Inhaltsvolumen von im Moment circa 20.000 Liter, von klein bis groß. Das Ganze bewegt sich von tatsächlich B2C bis B2B auch in den Export hinein. Wir sind also sehr export-lastig. Das bedingt natürlich auch die Branche. Wir bewegen uns nicht nur im Biersegment, sondern natürlich vom Volumen her bedingt ist der Alkohol, was die Fässer anbetrifft oder die Holzfässer anbetrifft, natürlich der wesentlich größere Markt weltweit gesehen. Genau wie natürlich auch die Weinbranche, das Bier als solches, das ist in meinen Erinnerungen eigentlich ein Thema, was erst in den letzten zehn Jahren aufgekommen ist. Angehaucht, aus meiner Sicht, meinen Kunden natürlich zuerst aus den USA, dann eingeschwappt über Benelux, dann kam ein bisschen Deutschland und inzwischen natürlich ganz stark die Brauer in unseren östlichen Nachbarländern, von einem Gürtel Litauen über Polen, Tschechien runter in den Balkan. Dort sitzen im Moment in der Tat eigentlich unsere größten Kunden.

Holger: Ich habe Sie kennengelernt in Österreich bei einer Weiterbildung zu dem Thema holzfassgereifte Biere. Und da haben Sie, also weiß ich nicht mehr ganz genau im Wortlaut, aber bei mir ist also angekommen: Jungs, wenn ihr also ein Bier brauen wollt, was nach Nutella schmeckt, ich toaste euch das Fass so, damit das so schmeckt. Ihr müsst eigentlich nur ein Stout reinkippen. Und erklären Sie doch mal, wie geht denn das?

 

Nutella mit dem Holzfass

Markus Eder: Das ist in der Tat auch so. Das ist eigentlich keine Zauberei, sondern letztendlich die moderne Küferei heutzutage. Das ist ja ein gewisser Anteil an Mechanik, das haben wir drauf, das sind im Gegensatz zum letzten Jahrhundert natürlich moderne CNC-Maschinen, die da mit ins Spiel kommen. Und das mit den Geschmacksvariablen, das ist eigentlich das, was das Holzfass ausmacht. Diese Aromen-Zugabe oder dieses, Aromen auf die Holzoberfläche aufbringen, respektive mit den Parametern Temperatur und Zeit, also dieser Hitzebehandlung, versuchen, dieses Holz in seinen chemischen Bestandteilen so aufzuspalten, dass Sie da Holzzucker rausbekommen. Und je nachdem, das muss man sich vorstellen wie so ein Koordinatensystem X-Y-Achse, die eine Achse ist die Temperatur, die andere Achse ist die Zeit. Und das kann ich miteinander verweben und kann das in unterschiedlichen linearen Abfolgen abbilden. Und so wissen wir eben, wann ein Aroma wie Schokolade entsteht. Wir wissen, wann ein Aroma wie Rauch entsteht, also dies (unv. #00:04:18.1#). Und ich kann Ihnen sagen, wann ein Fass nach Mandeln oder nach Honig schmecken kann. Das darf man sich natürlich jetzt nicht so vorstellen, dass ich da jetzt in eine Tafel Trauben-Nuss reinbeiße, das wäre dann wiederum zu einfach. Aber diese Aromen-Struktur ist da hinterlegt.

Holger: Sehr spannend! Markus, hast du das schon mal gehört? Also dass man einfach ein Fass ein bisschen mit Temperatur bearbeitet und dann meint man, man würde ein Nutella-Glas auslöffeln?

Markus: In gewisser Weise schon. Also ich habe das zuerst mal so richtig wahrgenommen, als diese Bier-Querdenker-Workshops losgingen. Das ist, glaube ich, auch schon über zehn Jahre her. Da wurde am Anfang ja noch drüber diskutiert, ob eine Bierlagerung in einem Holzfass überhaupt reinheitsgebotskonform ist.

Markus Eder: Ja, richtig!

 

Die Bierquerdenker

Markus: Und dann hatten wir, ich glaube, 2013 oder sowas mal in Nürnberg am Dutzendteich einen Workshop, wo Sie dann auch da waren, wo wir dann auch Biere verkostet haben und wo mir dann zum ersten Mal auch dieses wirklich große, breite Spektrum bewusst geworden ist, weil es ja um viele Dinge geht. Also einerseits darum: Was für ein Holz nehme ich? Ist das vorbelegt, ist das frisch? Habe ich das mit einer Temperatur irgendwie bearbeitet? War da eine Vorbelegung von irgendwas drin? Habe ich da noch eine Gärung im Fass oder nur eine Lagerung? Und wie auch immer. Und all diese Komponenten können dann auf das, was da drin ist, bei uns meistens eben Bier, Einfluss nehmen und total spannende, manchmal beabsichtigte, manchmal auch eher zufällige Aromen verursachen. Und das ist eine ganz, ganz eigene und sehr spannende Welt. Also toll!

Markus Eder: Das war eigentlich diese schöne Zeit, diese Entdeckerzeit, dieses Aufbrechen in neue Geschmacksstilistik. Da sind auch wirklich surreale Sachen gemacht worden, beziehungsweise gebraut worden. Und das fand ich eigentlich das Spannende. Inzwischen sind wir schon wieder da angelangt, dass man versucht, eigentlich diese tollen Sachen, die wir da angefangen haben, dann einfach wieder zu reproduzieren in Form von Cubes. Also zur Erklärung, das sind dann so kleine gewürfelte Fässer, die einfach dann im Tank vorgelegt werden, um so ein gewisses Geschmacksbild zu imitieren, um dann einfach wieder diesen ganzen Preiskampf aufnehmen zu können. Insofern waren das superspannende Zeiten, in der Tat.

Holger: Das Stichwort, was da so reinkommt, ist gar nicht so schlecht. Wer möchte denn mit dem ersten Bier beginnen und das dann auch in sich hineinkommen lassen?

Markus Eder: Wenn Sie mir den Ball so spielen, dann fange ich gerne an. Ich habe heute Morgen aus unserem Weinklimaschrank in dem Büro von meinem Kollegen ein Bier aus der Schweiz mir ausgesucht. Das ist von der Brauerei Pilgrim, also Kloster Fischingen. Ein Imperial Belgian Blonde. Und das war in Rumfässern gelagert, fünf Monate, hat ordentlich Alkohol, bringt also fast 15 Volumenprozent mit. Ist also kein Bier, wo ich abends so an der Theke gegen einen Durst trinken würde, sondern, und das ist eigentlich immer auch mein Credo, also wer mich schon mal gehört hat, der weiß, dass ich ja immer sage, Mensch, also dieses Craftbier soll eigentlich sich an die Weintrinker wenden, die sind ja „viel Kummer gewohnt“, in Anführungszeichen gesetzt. Nein, sondern die können sehr viel besser, das sage ich jetzt bewusst provokant, mit diesem Aromen-Spektrum umgehen, wie es manche Biertrinker eben können, die, wie Sie eben so diese Steilvorlage geliefert haben, eigentlich sich dem deutschen Reinheitsgebot gewidmet haben. Und das macht die ganze Sache spannend. Und hier in meinem Fall, ich hoffe, ich werde nicht enttäuscht jetzt so bei dem Verkosten, ich hab‘s vor Jahren ja natürlich auch schon mal verkostet. Das Ganze macht das dann natürlich so barock, das macht das füllig, das macht das Ganze überschwänglich in den Aromen, die angeboten werden.

Holger: Dann trinken Sie doch mal einen Schluck.

Markus Eder: Also Leute, es ist besser geworden in der Reifung auf der Flasche, als ich das tatsächlich im Kopf hatte. Es ist so wie ich es anmoderiert habe, es ist eine barocke Fülle von Geschmacksaromen, von Süße, von Rum, von dem Hopfen, der also hinten dann im Nachtrunk, sagt man ja bei den Biertrinkern, sich so am Gaumen festlegt. Also es ist wunderbar ausbalanciert. Es hat jetzt auch eine schöne Kühle. Also wir haben das auf Weißweintemperatur gekühlt. Ich habe es ja eben schon gesagt, wir haben das im Weinklimaschrank liegen. Es ist wunderbar. Würde ich also, wenn es jetzt nicht gerade Mitte des Vormittags wäre und ich nicht noch Anschlusstermine hätte, da könnte ich mich jetzt verlustieren an der Flasche. Ist eine 0,75er Champagnerflasche. Also auch von der Anmutung her eine tolle Geschichte. Und auch da, man fokussiert sich so ein bisschen auf das Weinige.

 

Der Unterschied zum Wein

Holger: Sehr gut! Wir müssen jetzt über zwei Dinge sprechen. Also ich komme jetzt noch mal zurück zum Wein. Für mich kann Bier ja mindestens genauso viel wie Wein, wenn nicht mehr. Aber Sie haben natürlich recht, Sensorik muss man trainieren und schulen, und da sind die Weintrinker uns vielleicht ein bisschen voraus. Aber ich muss sagen, also jetzt gerade holzfassausgebaute Weine, also kann ich mich erinnern, lange, lange Zeit einfach nur Barrique-Bomben, die alles erschlagen haben. Und da würde ich jetzt behaupten, natürlich auch mit Ihrer Hilfe haben wir im Bierbereich das von Anfang an etwas besser gemacht und haben darauf geachtet, dass das so nicht passiert. Das ist das eine Thema, wo Sie bitte noch was zu sagen. Und das zweite Thema ist, erklären Sie doch mal, wieso Weißwein-Kühlschrank und dann Weißwein-Temperatur, eigentlich kommunizieren wir ja solche Biere, die eben so stark im Alkoholgehalt sind, dann fast eher bei Zimmertemperatur zu trinken, weil Kälte raubt ja Aromatik.

Markus Eder: Lassen Sie mich das doch dann grad als erstes aufgreifen. Die Kälte raubt Aromatik, da haben Sie natürlich recht. Aber grad solche Biere, die so kraftvoll sind, die haben bei Zimmertemperatur was so Sattmachendes und Sättigendes, dass Sie oftmals schon nach den ersten Schlucken satt sind und einfach keine Lust auf mehr verspüren. Und das ist genau dieser Vorteil von diesen Weinklimaschränken, die ja in der Gastronomie gang und gäbe sind und in einem gut sortierten Privatkeller fehlt sicherlich kein Klimaschrank. Wenn ich abends Lust habe auf ein Rosé, dann kann ich ja nicht erst vorkühlen und dann ist der Abend vorüber. Oder wenn ich einen Weißwein trinken möchte, dann braucht der eine andere Temperatur wie mein Fläschchen wertvoller Rotwein.

Holger: Ich habe ja keine Lust auf Rosé oder Weißwein. Also ich trinke vielleicht mal zum Heiligen Abend ein Glas Wein, um meinen Schwiegervater nicht zu verärgern, aber ansonsten ist mir es zu langweilig. Aber jetzt können Sie gerne weitermachen.

Markus Eder: Und das ist die Steilvorlage an Sie. Das sollten Sie vielleicht korrigieren. Diese kleinen Weinklimaschränke, die man dann auch für das Bier benutzen kann, die gibt’s inzwischen gar nicht mehr mal so teuer und bekommen die in verschiedenen Angeboten bei den Hard-Discountern in einer fairen Qualität. Also nur mal so als kleiner Seitenhieb. Das ist ja genau der Punkt. Ich muss versuchen natürlich, ein Bier auch passend anzubringen und es schmecken zu lassen. Es nützt mir nichts, wie jetzt die Brücke wieder zu den Weinmachern, mich selbst und mein Bier zu feiern und den anderen, für die es eigentlich gebraut worden ist, den schmeckt’s nicht. Wenn ich jetzt also an die Situation denke, dass ich so ein Bier mit fast 15 Volumenprozent auch mal zu einem Teller Pasta oder zu einem Fischgericht trinken möchte, dann ist das einfach bei Zimmertemperatur aus meiner Sicht ein No-Go. Sie haben recht, wenn wir jetzt in einer Profi-Degustation sitzen und wollen dann da eine Stunde lang über dieses Bier sinnieren und alle möglichen Aromen da rausarbeiten, da bin ich ganz bei Ihnen, das lässt sich bei Zimmertemperatur in der Tat besser veranstalten, als wenn das gekühlt ist. Aber das ist ja eigentlich nicht die Idee, für die das Bier gebraut ist. Und da sind wir dann wieder bei dem Punkt der Weinmacher, die in den 90er Jahren tatsächlich dieses Wort Barrique so verstanden haben, dass ich auf die Daube beißen muss, wenn der Wein im Glas steht. Und das hat sich ganz schnell relativiert. Und wenn Sie sich jetzt heute Rieslinge in einem großen Fass zu Gemüte führen oder Sie trinken schöne Spätburgunder oder auch tolle schwere Rotweine, dann werden Sie in den seltensten Fällen, es sei denn, es ist irgendwie schiefgegangen, noch diesen Holzton oder diese Daube tatsächlich draufbeißend erkennen, sondern wir erkennen vom Holz geküsste Weine, um den Ausdruck zu strapazieren. Und das ist eigentlich das, woran wir arbeiten und worauf wir hinaus möchten. Und das ist genau wiederum dieses Spiel mit dem Feuer im wahrsten Sinne des Wortes beim Toasten. Das ist die Kunst, ein Fass so zu präparieren und das entsprechend dann auch in dem Einsatz bei dem Weinmacher oder dem Brauer zu überführen, dass es dann genauso schmeckt, dass ich es auch vermarkten kann. Und das ist auch immer mein Credo, ihr sollt den Wein nicht für euch machen und ihr sollt das Bier nicht für euch brauen und euch selbst feiern, sondern ihr sollt das für den Markt machen, dass es auch verkauft werden kann. Und wenn ich, gelinde gesagt, für eine Flasche Bier 20 Euro haben möchte, dann muss das verdammt noch mal auch so schmecken wie ein Konsument das auch letztendlich trinken kann. Ohne dass er sagt, um Gottes Willen, das bringt mich ja um oder das schnürt mir die Kehle zu. Und das ist genau auch diese Kritik an den Brauern heutzutage. Da geht’s eigentlich nur noch darum, kurzfristig ein Aroma auf ein Bier aufzubringen, was tatsächlich dann auch in diesem Mindesthaltbarkeitsdatumsablauf getrunken werden kann, weil danach fällt‘s in seine Bestandteile auseinander. Da habe ich auf der linken Seite das Bier, auf der rechten Seite das Holz. Das hat mit der Holzfassreifung nichts mehr zu tun. Der Weinmacher, der hat aus seinen Anfangsfehlern gelernt, und der Bierbrauer, so kommt‘s mir manchmal im Moment vor, der hat am Anfang vieles richtig gemacht und will jetzt möglichst schnell diese Sache hinter sich bringen. Also diese Reifezeiten von in der Regel mindestens ein paar Monaten, die werden gern übersprungen, indem man jetzt einfach im Tank diese Aromen, Holzalternativen vorlegt.

Markus: Da sind Sie ja selber auch nicht ganz unschuldig dran, oder? Wenn ich mir überlege, was es jetzt so alles für Produkte gibt, um diesen Effekt eben zu beschleunigen, von Holzstäben, von Holzwürfeln, bis hin zu praktisch zermahlenem Holzstaub sozusagen, den man da rein gibt. Ich meine, damit geben Sie denen ja auch die Tools, das zu tun, oder?

 

Wie schlau sind die Brauer?

Markus Eder: Der Brauer als solches ist ja ein intelligenter Mensch, der hat dann natürlich die Steilvorlage aus der Spirituosenindustrie aufgenommen. Diese Produkte werden in der Tat für alle Spirituosen mit eingesetzt, bei denen das die gesetzliche Grundlage hergibt. Wir orientieren uns ja da an der europäischen Spirituosenverordnung, die im Übrigen eigentlich weltweit Geltung hat, weil jeder, der in Europa irgendwas verkaufen möchte, der muss sich daran orientieren. Und natürlich kann ich dem Brauer nicht verbieten, sich bei uns im Shop Beans, Cubes, Staub und was der Geier weiß alles zu kaufen. Nur interpretiert er den Einsatz dieser Produkte falsch. Die Produkte sind es, und das gebe ich auch in jedem meiner Vorträge wieder, die sind zum Finischen gedacht. Das heißt also, wenn ich ein Produkt jahrelang auf dem Markt habe, bleiben wir jetzt bei dem Thema Rum oder Bier in Rumfässern gelagert, und ich arbeite mit Handelspartnern zusammen und kann dann nicht jedes Jahr ein sogenanntes neues Jahrgangsbier auf den Markt bringen, weil es natürlicherweise in Holzfässern gelagert und das auch noch in gebrauchten Holzfässern gelagert oder vorbelegten Holzfässern gelagert, nicht jedes Jahr gleichschmecken kann. Und wenn der Konsument, sprich, in erster Linie eigentlich der Handelspartner, das nicht akzeptiert, dann müssen Sie versuchen, Jahrgangsschwankungen auszugleichen. Und dafür sind diese Produkte wunderbar geeignet. Aber ein Bier nur im Tank und dann mit Hilfe von Alternativprodukten entsprechend zu aromatisieren, das ist ja der große Unterschied, wir haben auf der einen Seite fassgereifte Biere, wo sich dann also durch diesen Reifeprozess oder die Fasslagerung diese molekulare Struktur innendrin ja verheiratet, und auf der anderen Seite habe ich dann lediglich im Tank aromatisierte Biere. Die dann auch nach ein paar Monaten auseinanderfallen. Das ist der große Unterschied.

Holger: Markus, stell doch mal dein Bier vor, was du dir ausgesucht hast.

Markus: Gut! Dann mache ich das gerne. Also ich habe da aber auch noch ein paar Anmerkungen dazu. Aber dann machen wir das mal zuerst. Ich habe mir natürlich auch ein holzfassgelagertes Bier ausgesucht. Ich muss vielleicht eins noch vorwegschicken. Es ist ja so, Sie haben völlig recht, die Brauer haben da in den letzten Jahren sich dazu hin entwickelt, dass der Idealtypus sozusagen das Imperial Stout aus dem Whiskyfass wurde. Und je intensiver diese Whisky- und Holzfassnoten da waren, umso besser war das. Und diese Biere haben dann auch bei vielen Wettbewerben Preise abgeräumt. Und dann haben sich alle an diesen Standard so herangetastet. Und der ist dann in gewisser Weise ja auch gar nicht so schwer, weil wenn ich einfach ein sehr intensives aromatisches, sehr starkes Bier braue und das entsprechend mit Whisky und Holz irgendwie zusammenbringe, dann kommt immer irgendwie sowas dabei raus. Und diese Diskussionen hatten wir jetzt auch in den Wettbewerben immer wieder, gerade in den Finals von den Kategorien holzfassgereifter Biere. Und Gott sei Dank geht da der Trend jetzt wieder mehr dahin zu sagen, es geht wirklich um die Kunst dabei und darum, Bier und Holzfass wirklich zu vereinen, zu verheiraten, was Neues zu machen, ein spannendes Aroma zu bringen und eben nicht eine maximale Intensität zu haben. Sondern eben wirklich ein wohlschmeckendes interessantes anderes Bier, was wirklich inspiriert ist von dem, was das Holzfass bringen kann. Und so eine Idee habe ich hoffentlich jetzt auch. Ich hab‘s noch nicht probiert, ich bin gespannt. Ich habe von BrewDog so eine Special Edition, und zwar nennt sich das Cosmic Crush Raspberry. Und ist im Grunde ein Fruchtbier, Sour Ale, aber eben dann in Rotweinfässern gereift. Und jetzt gucken wir mal, wie das schmeckt. Das habe ich jetzt auch dem Vormittag geschuldet, bewusst mal eins genommen, was nicht an dieser 10 % Marke kratzt. Weil das auch zum Beispiel so ein Punkt ist in den Wettbewerben, dass halt diese meisten holzfassgereiften Biere wirklich immer Alkoholbomben sind. Und das müssen sie ja nicht sein. Also einer, der das sehr gut bewiesen hat in letzter Zeit, ist der Oli Lemke in Berlin mit seiner Eiche. Das ist eine Berliner Weisse auf einem Eichefass, die eben mit, glaube ich, mit 1,5 oder 2 % daherkommt und wunderbar das Holzfass repräsentiert. Und jetzt schauen wir mal, hier, das hat 4,5 %, schaut natürlich wunderbar aus. Also da hat man einerseits diese fruchtigen, roten, beerigen Noten schon im Auge mit einem leichtgetönten Schaum. Und es schimmert auch schon so ein bisschen dieses Rotwein-Holzfass-Thema durch. Also es ist nicht mehr ganz so frisch fruchtig, sondern schon ein bisschen so leicht bräunlich eingetönt. Jetzt riechen wir mal. Ja schön! Also ganz schön die Himbeernoten in der Nase, ein bisschen Minze, und ein bisschen auch so marzipanige Töne. Und dann kommt so drum rum tatsächlich weiniges Holzfassaroma. Ich probiere mal. Ordentlich sauer, also da merkt man, da ist die Fruchtsäure und da ist auch ein bisschen über die wilde Gärung Säure dazugekommen. Und das macht dann Platz wieder für die Frucht. Und hintenraus tatsächlich kommt dann so ein schöner leichter Rotwein, also eher wie so ein Primitivo, gar nichts Schweres oder so. Was das schön auffängt, was dann in so eine Kirsche übergeht, Sauerkirsche, und insgesamt dann auch schön runtergeht. Sehr viel Kohlensäure, im Grunde so ein bisschen wie ein Sekt. Spannendes Bier auf jeden Fall. Das wäre für mich auch so der Punkt. Also ich war jetzt zum Beispiel im Sommer in Italien, habe da Kollegen besucht, und eine Brauerei besucht, die heißt Siemàn. Die sind im Sommer ein Weinbetrieb und im Winter ein Bierbetrieb. Und machen aber konsequent alles in Holzfässern, also sowohl die Weine als auch die Biere. Und da habe ich eben mal wieder erlebt, wie sehr die Italiener in diesem Denken eben mit Holzfass, mit Aromen und so weiter sind. Wie ist denn das für Sie als Markt, sind Sie da aktiv? Wie erleben Sie die Italiener in dem Bereich?

 

Wein und Bier im selben Laden?

Markus Eder: Also ähnlich wie Sie das jetzt eben so schön beschrieben haben. Ich bin da jetzt ein bisschen skeptisch, wenn einer im Sommer Wein macht und im Winter Bier. Das sind so für mich eigentlich zwei Dinge, entweder du machst Wein oder du machst Bier. Also ich bin ein Fan davon, eine Sache richtig zu machen. Ich sehe einfach im Alltag, Sie haben ja jetzt ein wunderschönes Beispiel gebracht, wenn jemand da so sein Bier in Rotweinfässern oder noch „schlimmer“, in Anführungszeichen schlimmer gesetzt, in Weißweinfässern macht, dann kämpft er automatisch auch immer mit diesen Bakterien, die immer wieder als Rückstände in den Fässern sind. Da kann ich die saubermachen, wie ich möchte. Und das ist ja auch die Fragestellung, ob ich das überhaupt machen möchte, die Fässer saubermachen, weil dann mache ich ja auch die ganzen Aromen daran sauber. Ich halte es für nicht ganz unproblematisch, denn Sie haben dann immer ein gewisses Restrisiko mit einem entsprechend hohen Risikoaufschlag sogar, dass Ihr Bier in eine ganz andere Richtung geht, als Sie das eigentlich vorhaben. Wenn das dann in einer überschaubaren Größenordnung läuft, so dass man dann sagen kann, na ja, also wenn es schiefgeht, geht die Welt auch nicht unter, ist das super. Ansonsten kenne ich natürlich in Italien auch ganz viele Brauer, viele Brauer bestellen sich ja auch bei uns ihre Holzfässer, die sie dazu dann benötigen, und machen sich wirklich einen riesigen Kopf über diese Zusammenstellung der Fässer. Und das ist vielleicht auch ein bisschen ein schönes Vorurteil, was man da hat gegenüber unseren südländischen Kollegen, manchmal auch ein bisschen zu kompliziert gedacht.

Markus: An einer Stelle muss ich kurz Entwarnung geben. Diese Siemàn Brauerei heißt deswegen Siemàn, weil es sechs Hände sind, also drei Brüder, die da zusammenarbeiten. Also sie haben schon mal genügend Manpower. Und dann ist noch die ältere Generation mit im Betrieb, und die haben wirklich zwei verschiedene Räume auch beziehungsweise sogar zwei verschiedene Häuser, wo in einem eben die Brauerei und im anderen die Winzerei untergebracht ist. Und sie arbeiten da wirklich sehr bewusst getrennt. Aber Sie haben natürlich recht, wenn ich solche Dinge mache, dann muss ich schon mich darauf auch wirklich konzentrieren. Und da gibt’s für mich noch ein anderes Beispiel, zum Beispiel in Berlin, den Oliver Lemke, der glaube ich als Erster auch fürs Thema Bier das Thema Cuvèetieren entdeckt hat. Also, dass er gesagt hat, ich lege mein Bier da jetzt in verschiedene Holzfässer und vorbelegte Fässer, und schaue dann, wenn das alles „fertig“ ist, oder in Anführungsstrichen fertig ist, wenn ich der Meinung bin, dass der Reifeprozess so weit ist, wie ich ihn haben möchte, dann fange ich an, das zu blenden. Und gucke, wie kann ich diese jeweils zusammenbringen, um am Ende dann wirklich ein Gesamtkunstwerk daraus zu machen. Und das ist wirklich, der Barrel Blend heißt das in Berlin, gibt’s immer einmal im Jahr eine Edition. Und da finde ich, merkt man so in Reinstform, wie weit man das treiben kann, wenn man das sehr professionell und sehr bewusst und auch sehr gut einfach von der Sensorik angeht. Kennen Sie das Bier zufällig?

Holger: Passt mal auf! Moderation, hat ja was mit Nötigung zu tun, und deshalb unterbreche ich euch einfach, weil …

Markus: Ach, du hast Durst?

Holger: Ja, ihr wollt mich doch nicht verdursten lassen. Also was seid ihr denn für Egoisten? Wir besprechen jetzt einfach mal mein Bier und dann können wir da wieder …

Markus Eder: Einsteigen.

Holger: … in Berlin weitermachen sozusagen.

Markus: Also gut!

Holger: Was habe ich mir ausgesucht? Ich habe mir ein Nordik-Porter, ein Eisbock von Störtebeker ausgesucht. Den mache ich jetzt mal auf und schenke ihn auch ein.

Markus: War der auch in einem Holzfass?

 

Bier aus dem Portweinfass

Holger: Der war auch in einem Holzfass, und zwar in einem Portweinfass. Das ist natürlich jetzt auch eine richtige Bombe, ganz intensiv, sofort kommt sozusagen die Bitterschokolade durch. So richtige wuchtige Noten, so ähnlich wie der Herr Eder das auch gerade beschrieben hat. Ich trinke mal einen Schluck. Wunderbar! Also so richtig schön Vanille- und Tabakaromen. Es sind auch so wuchtige Trockenfrüchte dabei. Ich würde sagen, so eine Backpflaume, die auch so ein bisschen an Rumtopf erinnert.

Markus Eder: Das ist die große Gefahr im Übrigen bei solchen Bieren, dass du dann so eine Rumkugel oder einen Rumtopf hintenraus bekommst. Aber Entschuldigung, ich wollte Sie nicht unterbrechen.

Holger: Das ist auf jeden Fall ein komplexer Geschmack, den ich jetzt hier schmecke. Und dazu dann noch die Farbe und die Schaumbildung, also richtig tiefschwarz und so eine richtig tolle schöne Schaumbildung. Und mir geht’s wie Ihnen, Herr Eder, also schade, dass es vormittags ist, weil mit dem Bier könnte man jetzt in aller Ruhe einfach weitermachen und darüber nachdenken, wie schön doch das Leben ist. Und jetzt gehen wir zurück in deine Welt, Markus, Berlin, und wenn du vielleicht noch mal daran erinnerst, was du gerne wissen möchtest.

Markus: Ich hatte einfach nur die ganz kurze Frage gestellt, ob er vielleicht den Barrel Blend von Lemke kennt?

 

Der Barrel Blend von Lemke

Markus Eder: Ja sicher kenne ich den. Ich kenne sowohl den Oli wie auch den Barrel Blend. Sie sind natürlich jetzt auf dieses Beispiel eines Leuchtturmprojektes eingegangen. Der Oli Lemke ist sicherlich einer der besten, genau wie es der Jens Reineke bei Störtebeker ist. Das sind Leute, die beschäftigen sich intensiv damit. Es sind auch im wahrsten Sinne des Wortes Querdenker, die auch sich von dem Thema Wein und anderen Aromen beeinflussen lassen, beziehungsweise das bewusst auch wahrnehmen. Und sich dann natürlich auch einen Kopf machen, wie kann ich den hohen Alkohol zum Beispiel ersetzen über ein Tannin vom Holzfass, um mein Bier vielleicht das Potential, was es braucht, mit auf die Flasche geben zu können. Wir haben ja festgestellt, dass da wohl zumindest einer von Ihnen auch in diesen 2013ern Dutzendteich-Vorträgen waren. Ich erinnere mich sehr gut, da ist ein Italiener vorne auf die Bühne marschiert und hat gesagt, seine Biere haben 40 Jahre Haltbarkeit. Wo wir uns dann eigentlich alle angeschaut haben, wie kommt sowas oder wie geht sowas? In der Tat kann ich natürlich auch ein Bier über das Holzfass auch mit geringerem Alkoholgehalt haltbar machen über eine gewisse gesunde Tannin-Zufuhr, ähnlich wie beim Wein übrigens. Ob das dann natürlich 40 Jahre hält, weiß ich nicht. Und die andere notwendige Sache ist natürlich, dass das Holzfass neu ist oder zumindest sehr frisch ist. Also wenn ich da jetzt mit einem Portweinfass komme, was, es soll ja auch so sein, unter Umständen zehn Jahre alt ist, weil ich ja dort diese Portweinaromen suche, dann bringt dieses Fass natürlich nicht dieses Potential mit. Wenn ich jetzt mit einem neuen Fass arbeite, was ich dann einblenden kann in so eine Geschichte, dann gehe ich natürlich mit einer ganz anderen Tannin-(unv. #00:26:17.8#) da ran und Tannine macht die Sache haltbar. Und dann kann ich auch natürlich den Alkoholgehalt nach unten fahren.

Holger: Ich würde noch mal zu den Anfängen zurückkehren, weil ich finde es so wichtig, dass man auch noch mal das Thema Holzfass auch so brau- oder bierhistorisch betrachtet. In München gibt’s ja Brauereien, die man kennt, und hier ist es ja auch immer noch Tradition, eben den klassischen Holzfassanstich vorzunehmen. Es sind dann eben in der Regel 30 Liter Fässer, die von innen ausgepicht sind. Da gibt’s hier in Laim die Familie Schmid, die eben dieses Handwerk immer noch betreibt und in erster Linie dann die Fässer auch repariert und auch baut. Wie ist denn das, also wenn so ein Holzfass dann gepicht ist, dann meint man ja immer, also das schmeckt ja noch besser. Also da gibt’s eben die Flasche und dann gibt’s das frischgezapfte Bier. Aber wenn es dann wirklich aus einem Holzfass kommt, das ist ja das Genialste. Und eigentlich durch das Auspichen gibt’s doch gar keinen Kontakt mehr zu dem Holz. Also kann man das erklären, Herr Eder?

 

Warum Bier ins Holzfass?

Markus Eder: 1970 zum Beispiel hat ein Bier aus einem Holzfass oder ein Bier generell anders geschmeckt wie heute. Warum? Weil es noch zum größten Teil aus diesen gepichten Holzfässern gekommen ist. Und dieses Pich oder dieser Harz, der hat ja auch eine gewisse Aromen-Wirkung auf dieses Bier. Das heißt, man hat damals eine andere Hopfenrezeptur gehabt und hat natürlich über dieses Harz, da gibt’s natürlich einen Mikroaustausch mit Sauerstoff von außen durch dieses Harz, durch dieses Gepichte. Da hat ein Bier voller geschmeckt oder anders. Voller, mag ich gar nicht mal so sehr beurteilen, weil ich habe zu der Zeit auch noch kein Bier getrunken, aber die alten Küfer, die erzählen mir, das hat ganz anders geschmeckt wie ein Bier heute, weil einfach die Zutatenliste so reduziert worden ist. Diese ganze Zusammensetzung war anders. Und da kommen natürlich dann auch viele Nostalgie-Gedanken hinterher. Das Thema, was wir eigentlich betreiben, das ist ja die Holzfassreife. Das hat ja vordergründig zunächst mal gar nichts zu tun mit den kleinen Bierfässern oder mit großen Bierfässern. Also wir produzieren jetzt in der Tat schon seit zwei Jahren große Bierfässer, die aber hauptsächlich nach Osteuropa in den Markt dort reingehen, sprich, Tschechien. Aber der Markt als solches ist, Sie haben es ja eben selbst gesagt, das sind in der Regel sehr kleine Fässer, das sind Zierfässer, das sind Showfässer, die da gemacht werden. Das sind Fässer, die für Enthusiasten entstehen. Hat aber mit dem Thema Craftbier jetzt vom Volumen des Marktes her kaum was zu tun. Wir haben jetzt auch in dem klassischen Brauereisegment wieder Kunden, die tatsächlich Biere wieder aufsetzen auf Holzfässer. Man laboriert inzwischen durch diese bekannte Toasting-Technik, die wir eingangs unseres Gesprächs ja kurz dargestellt haben, die Biere wieder ohne diese Pich- oder Pech-Schicht innen drin in Holzfässern auszubauen. Der Brauer hat im Kopf diesen Sprung genommen, dass also auch ein bisschen Sauerstoff von außen dazukommen darf, ohne dass das Bier schlecht wird. Ich glaube, das ist die neue Interpretation von der ganzen Geschichte.

Markus: Da kommt mir noch eine andere Frage. Ich habe gerade noch mal nachgedacht, das war glaube ich damals der Agostino Arioli mit seinem Captain Hannock hieß, glaube ich, dieses Bier, was er vorgestellt hat in Nürnberg mit den 40 Jahren Haltbarkeit. Und ich habe mit der Sandra Ganzenmüller neulich mal eine Flasche verkostet. Wir haben festgestellt, so ganz mit den 40 Jahren kann man das vielleicht nicht sehen, weil die Biere eben doch abbauen. Aber was mich interessieren würde, Sie haben ja erzählt, es gibt jetzt viel diesen osteuropäischen Markt. Und ich frage mich, was tun die denn in die Fässer rein? Also sind das dann Imperial Stouts oder gibt’s da auch regionale Bierstile oder Wein-Hybrid-Geschichten oder sowas? Was kann man sich da vorstellen?

 

Welches Holz für welches Bier?

Markus Eder: Da wird eigentlich die ganze Litanei gespielt oder die ganze Klaviatur durchgegangen, sowohl als auch. Wenn ich den Markt in Tschechien sehe, dann sind das eigentlich eher Biere, die wir kennen, was Volumenbiere sind, die einfach wieder voller im Geschmack werden. Das haben die Tschechen sowieso ja schon immer draufgehabt, wenn Sie da an die Pilsner-Geschichte denken. Also dass die Biere einfach voller geschmeckt haben als jetzt vielleicht in, sind Sie mir nicht bös, in Bayern oder im Bayerischen Wald oder was auch immer. Also ich will da auch niemandem zu nahe treten, das ist einfach eine ganz andere Stilistik. Wenn Sie dann jetzt Beispiel nach Litauen gehen oder Estland, wo wir auch ganz viele Kunden haben, da werden die Craftbiere sicherlich weinlastig ausgebaut. Und ganz interessanterweise, wenn Sie dann ein bisschen südlich gehen nach Polen, da ist dann wieder diese High-Spirit-Belegung. Also tatsächlich, da wird mit verschiedenen Mash Bills aus ehemals belegten Bourbon-Fässern gearbeitet. Man schaut sich da an, was ist der Unterschied zwischen einem Woodford Reserve, einem Buffalo Trace und einem Wild Turkey. Also jetzt nicht von dem Endprodukt, dass man jetzt also diesen Bourbon probiert oder dann auseinanderdividiert, was war Tennessee und was ist tatsächlich Bourbon, sondern man schaut sich diese Mash Bill an. Was war da vorher drin? Wie ist das destilliert worden? Also die Märkte sind da sehr viel exakter, sehr viel genauer, sehr viel dezidierter wie in Deutschland. Das sehe ich ja jeden Tag, wo dann einfach der Unterschied gar nicht mehr gemacht wird, was ist das eigentlich für ein Bourbon-Fass, sondern da geht’s um ein vorbelegtes Bourbon-Fass mit ganz frisch und noch feucht innendrin. Das ist eigentlich das Nonplusultra. Aber was dahinter eigentlich steckt, das wird wenig beleuchtet. Das ist für mich eigentlich der große Unterschied.

Holger: Es ist ja auch noch mal eine Frage, als auch die Holzsorte, also deutsche Eiche, französische Eiche, amerikanische Eiche, dann der Transport auch, oder? Da sind Sie ja auch spezialisiert und bieten da viel an Dienstleistungen auch an.

Markus Eder: Ja, das ist richtig. Also das ist ein riesiges Thema geworden. Es gibt Situationen, wo wir tatsächlich mit Kühltransporten durch ganz Europa fahren, um Fässer auszuliefern oder von unseren Lieferanten her zu holen. Wir haben eine eigene Logistikabteilung hier sitzen. Das ist manchmal auch gar nicht so einfach, Container, wenn Sie jetzt grad sagen, also USA, das ist ja relativ einfach, aber wenn Sie dann jetzt in Mexiko Tequila- oder Mezcal-Fässer zu laden haben und da durch drei Klimazonen müssen. Oder Fässer jetzt wie grad im Moment in einem Auftrag nach Indien gehen oder nach Indonesien, wo Sie einfach mit den Witterungsumständen, sprich, Temperaturunterschieden arbeiten müssen, um diese Fässer zu konservieren und frisch zu halten. Also da gibt’s alle Variablen, die hier gespielt werden, von Trockeneis über Ozonisierung, bis zum Aufschwefeln, bis zu Kühlcontainern. Man kann sich das teilweise nicht vorstellen und manchmal sitze ich dann auch für mich so im Stillen da und denke, Mensch Leute, also klar macht man diesen Aufwand und betreibt den Aufwand. Ob das jetzt aber wie das wir hier uns auf die Fahne geschrieben haben, dieser Nachhaltigkeit entspricht, die wir uns vorstellen, nach deren Richtlinien wir unser Rundholz einkaufen, die Submissionen, die fangen jetzt gerade diese Woche wieder an, das ist dann schon manchmal fraglich.

Holger: Wir können ja endlos weitermachen, das ist ja wirklich so ein spezielles Thema, aber wir haben uns ja selber beschränkt, den BierTalk einfach so um die 30 Minuten werden zu lassen, und sind somit schon wieder am Ende. Also wir können festhalten …

Markus: Halt! Eine kleine Frage habe ich noch, Holger.

Holger: Boah!

 

Holzstücke, Holzstaub und das Reinheitsgebot

Markus: Das muss ich jetzt doch noch, weil es mich wirklich interessiert. Und ich glaube, weil es auch die Hörer interessiert und weil wir es ja schon mal gekratzt haben. Inwiefern ist was jetzt noch reinheitsgebotskonform? Also es ist abgeklärt, dass es okay ist, ein Bier in einem Holzfass zu finishen oder zu lagern, aber darf ich jetzt zum Beispiel dieses kleingehäckselte Holz oder diesen Holzstaub oder den Würfel oder den Stab verwenden und das Ganze im Stahltank haben? Darf ich diese Dinge vielleicht vorher in Whisky einlegen und das Zeugs da mit reinkippen? Also wo sind Grenzen und wo sind vielleicht auch Gefahren? Also ich habe auch gehört, jemand hat Holzstaub in sein Bier gegeben und dann hat sich im Nachhinein eine Belastung mit unschönen Sachen ergeben, weil eben das auch Staub war vom Holz außen, also von der Außenseite des Holzfasses und diese Verunreinigung ist dann auf dem Weg auch mit ins Bier gekommen. Also wenn Sie da vielleicht noch einen Satz dazu sagen könnten?

Markus Eder: Das ist eine Frage, die bekomme ich eigentlich jeden Tag gestellt, weniger aus dem Biersegment, sondern vielmehr aus dem Spirituosen-Segment. Das ist das, was ich vorhin schon angedeutet habe mit der berühmtberüchtigten Spirituosen-Verordnung. Ich kann hier natürlich keine Rechtsberatung durchführen, aber lassen Sie es mich, was das Thema Bier anbetrifft, vielleicht salomonisch beantworten. Es ist oftmals die Frage, wie ich ein Produkt beschreibe und wie ich meinen Lagerprozess oder Reifeprozess beschreibe. Es lässt sich durchaus in einer Fassreifung eine Aromatisierung mitnehmen, ohne dass ich die kennzeichnen muss.

Markus: Okay. Und …

Markus Eder: Ich wollte bewusst diese Pause jetzt einlegen.

Markus: Kein Thema! Und was eben die Möglichkeit einer Verunreinigung dadurch angeht, gibt’s sowas? Oder auch zum Beispiel, dass eben dadurch praktisch Zucker wieder eingebracht wird in ein Bier und man damit von einer künstlichen Zuckerung oder zusätzlichen Zuckerung sprechen kann? Sind sowas Themen, um die Sie sich kümmern müssen?

Markus Eder: Ja natürlich. Das sind dann, entschuldigen Sie die Neunmalklugen, die dann glauben, sie könnten sowas do it yourself machen und dann mal schnell in die Schreinerei nebenan gehen und mal auf den Boden gucken, was da rumliegt. Also letztendlich, natürlich, wir gehen hier mit Lebensmittel um, die Produkte müssen zertifiziert sein. Wie überall im Leben, manchmal ist erst fragen und dann schießen besser, wie umgekehrt.

Markus: Lieber Holger, du darfst gerne fortfahren.

Holger: Sehr gut! Es ist ja ein Thema, wo man sagen könnte, es ist ein Fass ohne Boden. Da habe ich mal gelernt, das gibt es eigentlich nicht, es gibt nur eins ohne Böden.

Markus Eder: Genau!

Holger: Das ist ja vielleicht ein schönes Schlusswort. Ich bedanke mich recht herzlich und wünsche euch und mir natürlich auch erstens einen schönen Tag, aber vor allen Dingen weiter auch so tolle Produkte, die eben mit Holzfässern in Berührung gekommen sind und komplexe Geschmackserlebnisse sicherstellen. Vielen, vielen Dank!

Markus Eder: Ich danke Ihnen! Ade!

Markus: Ade!

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