In der nächsten BierTalk-Folge wird’s… ungewöhnlich: Wir sitzen in einer Kühlzelle. Nicht aus Show-Gründen, sondern weil nebenan gerade gebraut wird – und es hier drin herrlich ruhig ist. Schauplatz ist die Schweiz, genauer: die Brauerei Chen van Loon, und mein Gastgeber ist Jan van Loon. Jan erzählt, wie aus belgischen Wurzeln, Schweizer Alltag und einer ordentlichen Portion Technikleidenschaft (vom Feinmechaniker bis zum Maschinenbau) eine kleine, extrem sauber strukturierte Brauerei wurde – inklusive Farbcode für „sauber / nicht sauber“ und dem Spagat zwischen Brauen, Abfüllen, Liefern und Events. Das Herzstück der Folge: Bier trifft Wein – aber nicht als Mixgetränk, sondern als echte Co-Fermentation. Wir probieren das Sauvignon Ale (mit Trauben vergoren) und den Vigneron – Cuvée du Patron (weinige Aromatik ganz ohne Trauben, nur über Hopfen, Säure und Komposition). Zwei Biere, die verblüffend „weinige“ Momente erzeugen – dicht, moussierend, elegant – und perfekt für Beer & Dine. Eine Folge über Genuss, Handwerk, Timing (Hopfengabe nicht vergessen!) – und darüber, wie man mit einer klaren Idee ein Bier baut, das wirklich eine eigene Kategorie sein könnte…
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BierTalk – Gespräche über und beim Bier.
Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute sehr spannend, weil, die erste Folge aus einer Kühlzelle, also sehr spektakulär. Passt ein bisschen natürlich auch dafür, wo ich bin, ich bin nämlich in der Schweiz und im Winter in der Schweiz, da ist es gerne auch ein bisschen kalt, aber eigentlich ja hier warm. Spannend, werden wir gleich so ein bisschen erklären, warum und wieso, aber auf jeden Fall super spannend. Der Jan van Loon sitzt hier bei mir und ich bin in der Brauerei Chen van Loon und bin ganz gespannt, da mehr drüber zu erfahren. Erst mal schön, dass ich hier sein darf und vielleicht sagst du 2, 3 Worte zu dir selber.
Jan: Ja, erst mal herzlich willkommen, schön, dass du da bist. Kurz zu meiner Person, mein Name Jan van Loon, ich bin ursprünglich aus Belgien, respektive meine Eltern sind aus Belgien in die Schweiz gezogen. Geplant waren 3 Jahre, mittlerweile sind es 38 Jahre, sind hängen geblieben. Und, ja, als gebürtiger Belgier mit dem Thema Bier immer ein bisschen in Berührung. War aber nicht von Anfang an in dieser Branche, habe zuerst das Gymi gemacht oder Abitur, wie es bei euch gerade heißt, und dann studiert, zuerst angefangen mit Bewegungswissenschaft und Sport. Habe das dann relativ schnell über den Haufen geworfen, bin zurück in das Schweizer Bildungssystem, habe eine Lehre gemacht, also eine praktische Ausbildung als Polymechaniker, Feinmechaniker und dann danach parallel Maschinenbau studiert.
Markus: Wahnsinn, also ziemlich viel, was da auf einmal so passiert ist. Vielleicht noch mal ganz kurz zurück, um das ein bisschen aufzulösen, also das heißt, deine Eltern sind aus Belgien und waren dann schon, bevor du ankamst, sozusagen hier in der Schweiz oder waren dann noch dort oder wie lief das, weil du sagst, du bist gebürtiger Belgier, aber hier im Schulsystem dann gewesen?
Jan: Ja, mein Vater hat 1987 eine Postdoc-Stelle, also er hat doktoriert, dann die Postdoc-Stelle, seine erste Stelle am Paul Scherrer Institut in der Schweiz, das ist in Villigen ein renommiertes Forschungsinstitut. Und geplant war, dass er für 3 Jahre dort seinen Postdoc macht und dann, ja, mal schauen.
Markus: Kamen Dinge dazwischen.
Jan: Ja, er ist geblieben, er ist letztes Jahr dort in Ruhestand, also die ganze Zeit dort geblieben.
Markus: Faszinierend.
Jan: Und ich bin mit 2 Jahren eigentlich halt mitgezogen, ich hatte ja keine andere Wahl, und, ja, hier dann aufgewachsen und das ganze Schulsystem hier gemacht.
Markus: Und erlebst du ein bisschen das Beste aus zwei Welten, glaube ich. Also, es ist ja auch Wein irgendwie mit im Spiel hier oder auch in Belgien, weiß ich gar nicht, da bin ich mal gespannt und natürlich jetzt ja auch das Thema Bier. Vielleicht, wenn du da mal so ein bisschen erklärst, wie kommt die Familie dazu, dass man eben sagt, wir machen jetzt Bier und auch noch Wein.
Jan: Also eigentlich, wie eingangs, als Belgier ist es wie naheliegend, da ist das Thema Bier omnipräsent, wie in Deutschland eigentlich auch. Ja und dann in der Schweiz, also mein Vater hat schon immer alles, was mit Gärung, mit Gärprozessen zu tun hat, interessiert und hat eigentlich, als er in der Schweiz angekommen ist, ein paar Jahre später dann einem Rebclub beigetreten, um das Thema Wein ein bisschen zu verfolgen und dann ein paar Jahre später selber Reben gepachtet und hat das eigentlich immer nebenbei gemacht, als Hobby. Und das Thema Bier ist dann eigentlich entstanden im Weinkeller, das war dann, ich weiß nicht, ob wir schon in das Thema rein springen, …
Markus: Ja, gerne.
Jan: … wie die Firma dann entstanden ist. Das ist dann der Name Chen plus Van Loon, das ist jetzt nicht ganz üblich schweizerisch alles. Der Name Chen ist ursprünglich chinesisch und der Geschäftspartner meines Vaters, der ist gebürtiger Australier, er ist Tasmanier, das ist ja noch mal spezieller, von Tasmanien, aber die Mutter ist von der Schweiz und Urgroßvater Chinese, darum Chen. Und da war so eine Zeit, das war 2013, da war er der Önologe im Weingut Zum Sternen in Würenlingen und mein Vater hat dort seinen Wein produziert. Und dann haben sie sich im Keller kennengelernt und irgendwo ist dann das Thema Bier mal aufgekommen, weil Chris gesagt hat, ja, weißt du, um guten Wein zu machen, brauchst es viel Bier. Das sagt man in Australien so, wenn du aus den Reben kommst, eher mal Bier und nicht nur Wein. Und, ja, wie schon gesagt, mein Vater, alles, was Fermentation ist, gerne. Und sein Bruder oder mein Onkel hat in Belgien selbst eine kleine Brauerei betrieben und hat uns dann eigentlich das Handwerk beigebracht. Ja, so sind die ersten 50 Liter im Weingut Zum Sternen entstanden, klassisch auf dem Gaskocher, angeleitet von meinem Onkel. Ja, so ist eigentlich die ganze Story entstanden oder die Firma, respektive die ersten Brauversuche. Und dann relativ schnell nach den ersten Verkostungen, ja, okay, das kommt gut an, why not?
Markus: Why not, ja. Und von den Bieren her, waren das dann von Anfang an eher belgische Bierstile?
Jan: Ja, schon auch. Also das Allererste war unser Pale Ale, das war eher inspiriert von der Cooper’s Brewery in Australien, halt von Chris her. Und dann das Zweite war, glaube ich, schon das Amber und das White. Also unser Amber geht Richtung belgisches Trappist und das White ist ein belgisches Witt, von uns ein bisschen anders interpretiert, genau. Also das Thema ist schon omnipräsent.
Markus: Super spannend. Und wenn ihr dann so Biere mit nach Belgien bringt, wie reagiert da so die Verwandtschaft, sind die begeistert, sind die eher kritisch?
Jan: Die sind begeistert. Am Anfang war es so, dass wir von unserem Onkel gelernt haben, mittlerweile lernt er von uns. Nein, er betreibt die Brauerei nicht mehr, er macht es jetzt wirklich nur noch als Hobby und kriegt von uns ab und zu ein Paket geschenkt. Es ist noch lustig vom Firmennamen, also der Firmenname ist CVL Brewers GmbH. Und mein Onkel in Belgien, sein Braupartner heisst Clemens, also auch mit C, und sie haben dann CVL Belgium draus gemacht. Auch so ein bisschen, wenn du dir die Etikette anschaust, da ist im Logo ein roter Balken mit einem Schweizer Kreuz und sie haben dann einfach die belgische Fahne als Linie umgesetzt, so ein bisschen kopiert.
Markus: Naja, innerhalb der Familie geht das, oder?
Jan: Ja, BEER HANDCRAFTED BY WINEMAKERS, BEER HANDCRAFTED WITH PASSION, aber auch so mit Schnörkelstrift.
Markus: Interessant.
Jan: Genau.
Markus: Und jetzt haben wir viel über die alten Herren gesprochen, wie kommst du jetzt da ins Spiel?
Jan: Ja, eigentlich Zufall, natürlich das Projekt mitverfolgt von Anfang an, logisch. Also die Firma wurde gegründet 2014 und 2015 hat Chris dann die Stelle gewechselt und ist zum Weingut Hammelweine in Waadtland, und das sind von hier, ja, ist etwa 3 Stunden Weg. Ja und dann zum schnell mal abfüllen, war das dieses Thema, ja, es ist blöd zu kommen und mein Vater hat gefragt, hast du mal Zeit zum Helfen? Ja, klar, meine ich, habe geholfen beim Abfüllen, beim Etikettieren. Und, ja, so hat sich das dann entwickelt, immer wieder, hast du mal Zeit und aus dem, hast du mal Zeit, dann ist die nächste Aktion, okay, Chef, ich komme. Und jetzt seit 2022 haben wir die Rollen getauscht, habe ich die Firma eigentlich übernommen, also wir führen sie … (Telefon klingelt)
Markus: Aha.
Jan: Ja, nächste Aktion.
Markus: Ja, jetzt muss kurz gearbeitet werden. Das ist auch das Geheimnis, hinter dessen wir hier sitzen, hier in der Kühlzelle, weil draußen natürlich die Brauerei auch arbeitet und den ein oder anderen Lärm macht und für einen Podcast ist das schwierig und hier drin ist es in der Tat komplett ruhig. Also dann lassen wir dich mal kurz arbeiten und sind gespannt, wie es gleich weitergeht.
Jan: Gut.
Markus: So, na, das war ja schnell. Was hast du jetzt gemacht?
Jan: Nur schnell den Dampfabzug quasi eingeschaltet und die Kühlung vom Dampf.
Markus: Es entsteht nämlich gerade ein sehr spannendes Bier in den Töpfen, was für eins?
Jan: Das White Ale, das ist ein belgisches Wit, dass wir auf unsere Art interpretieren. Sprich, wir nehmen nicht die klassische Hefe dazu, sondern benutzen eine Weißweinhefe und das macht es dann zu einem spannenden Produkt. Ja, das klassische Wit geht eher so ein bisschen in Richtung Nelke, von der Hefe her. Und das hast du bei uns nicht, das ist so ein bisschen das Phenolische und eine leichte Süße, weil die Hefe nicht alle Zucker vergärt. Also die langwertigen Zucker werden nicht vergoren von der Weißweinhefe und das gibt dann das Liebliche.
Markus: Balanciert dann das Bier auch ein bisschen aus.
Jan: Ja.
Markus: Und ihr habt auch schöne Flaschen, habe ich gesehen. Ist da ein bestimmter Grund dahinter, warum das so ist?
Jan: Ja, also ja und nein, Zufall. Wir gehen zurück zu den Anfängen, 50 Liter werden gebraut, irgendwann kommt der Moment Abfüllen. Wir sind im Weinkeller und der Moment heißt, wir brauchen noch Flaschen, sonst wird das nichts. Und es hat dann noch eine Palette gehabt mit Champagnerflaschen, die niemand mehr gebraucht hat und dort haben wir uns bedient, quasi, ja, aus der Not. Und irgendwie hat es sich ergeben, dass wir das ganze Branding dann um die Champagnerflasche aufgebaut haben und die ersten 3 Jahre waren auch nur in den Champagnerflaschen. Und dann kam ein großer Auftrag dazu und die wollten kleine Flaschen. Und dann haben wir einen Flaschentyp gesucht, der ähnlich aussieht und das sind jetzt die kleinen Fläschchen, sind aber italienische Bierflaschen.
Markus: Ja, aber auch sehr hübsch. Also, ich kann mir vorstellen, da stehen auch die einen oder anderen als Blumenvasen nach Gebrauch dann irgendwo rum.
Jan: Richtig.
Markus: Schon toll. Ich meine, ihr seid ja dann in diesem, ich sage mal, Schweizer Bier-Hype klingt ein bisschen blöd, aber es gab hier ja schon ein starkes Wachstum gerade an Hobbybrauern, die dann eben so kleine Brauereien eröffnet haben. Hier ist ja auch die Grenze relativ fließend, wie man sich da entwickeln kann. Wie würdest du so den Schweizer Markt sehen so in der Zeit, also seitdem du jetzt hier mit am Ruder bist?
Jan: Ja, wir sind 2014 eingestiegen, dort war die Kurve steil wachsend. Es gab das System, wenn du mehr als 400 Liter produzierst und oder verkaufst, dass du dich anmelden musst bei der Zollbehörde, dass du Biersteuer zahlst und dann kriegst du eine Brauerei-Nummer, das ist eine fortlaufende Nummer. Und wir waren damals die Nummer 606, das war 2014. Und ich habe vor 2 oder 3 Jahren mal die Firma vorstellen dürfen und in diesem Rahmen mal kurz nachgeschaut, wo wir jetzt mittlerweile stehen. Ich kann dir die fortlaufende Nummer nicht sagen, aber die ist weit über 1.700.
Markus: Woah!
Jan: Aber das ist immer fortlaufend, also es gehen ja wieder Brauereien zu und aktiv waren 1.169, irgend sowas, 1.269, aktiv. Aber eben, das sind alle, die mehr als 400 Liter produzieren. Sprich, ja, der größte Teil vom Biermarkt ist von den Mitgliedern vom Brauereiverband abgedeckt, das sind ein Paar mehr als 50 Stück und die produzieren eigentlich den größten Teil vom Kuchen.
Markus: Und ganz, ganz viele ganz Kleine sozusagen.
Jan: Genau.
Markus: Hat man da Kontakt untereinander?
Jan: Ja, schon. Meistens an den Bierfestivals geht man ein bisschen rum und lernt sich kennen und dann, ja, man sieht sich halt immer wieder an den Anlässen. Jetzt übernächste Woche ist die GLUG, eine Getränkemesse, die ist eigentlich aufgebaut oder einer der Mitgründer ist ein Brauer, also da ist ein starker Fokus auf die Bierbranche auch, und da trifft man sich dann auch, ja.
Markus: Und warst du schon mal auf einem Festival in Belgien mit deinen Bieren?
Jan: Nein, tatsächlich noch nicht. Wir hatten mal eins im Auge, das Zitos, aber das gibt es nicht mehr, soweit ich weiß.
Markus: Puh. Müsste ich eigentlich wissen, weiß ich aber gerade nicht. Ich weiß, dass es gewackelt hat.
Jan: Ja, zumindest, ja. Aber sonst ist eigentlich der Fokus schon in der Schweiz. Und, gut, wir haben in Deutschland einen kleinen Feinkostladen, der die Biere importiert.
Markus: Du darfst ruhig sagen, welcher das ist.
Jan: Das ist Gourmido, der ist eigentlich gestartet mit italienischen Produkten und, ja, der hat jetzt eigentlich Fokus auch auf gute Produkte.
Markus: Und die versenden auch online?
Jan: Die versenden auch online.
Markus: Perfekt. Wir werden den Link mit in die Shownotes packen, dass die Leute dann auch vielleicht, wenn wir nachher noch ein Bierchen probieren, können die dann mitmachen.
Jan: Sie haben halt nicht das ganze Sortiment.
Markus: Nein, aber immerhin.
Jan: Genau.
Markus: Ja, ansonsten, man kann hier auch vorbeikommen, oder, wenn man sich vorher mal anmeldet vielleicht oder so.
Jan: Das ist Voraussetzung, weil, wir sind so klein, dass ich eigentlich ziemlich alles mache. Sprich, heute bin ich im Brauen, morgen ist noch Reinigung und Lieferung und dann nächste Woche ist noch Besprechung für ein Beer and Dine und viel auf Achse, darum trifft man mich nicht immer hier an, darum, vorher anmelden ist immer gut.
Markus: Das heißt, also du bist praktisch die Brauerei mehr oder weniger, mit deinem Vater dann?
Jan: Ja, genau. Also ich mache die Hauptarbeit, bin der einzige Lohnbezieher. Nicht mehr ganz, stimmt nicht, seit September haben wir jetzt im Außendienst eine 20-Prozent-Stelle. Und mein Vater hilft tatkräftig mit beim Abfüllen, weil, das geht alleine nicht mit der Anlage, die wir haben. Aber sonst vom Brauen, vom Etikettieren, Lieferung, ja.
Markus: Du hast gerade Beer and Dine erwähnt, das heißt, #00:14:50-9# du machst auch Veranstaltungen?
Jan: Ja, wir versuchen mit Gastronomen zusammen Erlebnisse zu schaffen, dass wir eigentlich die Kombination aus Bier und Essen den Leuten ein bisschen näherbringen wollen. Und das, ich denke, das ist ein Konzept, wo wir vermehrt den Fokus auch drauflegen wollen, weil das eigentlich das dann spannend macht. Bier allein ist schon spannend, aber die Kombination von gutem Bier und gutem Essen hat dann schon noch mehr Reiz, finde ich, es gibt halt schöne Kombinationen und Woah-Momente.
Markus: Ja. Wie kommt man auf so Kombinationen, also gibt es da Sachen, wo du dich in der Schweiz bedienst, da gibt es ja eine große Tradition mit Käse zum Beispiel hier oder gibt es auch Sachen aus der belgischen Tradition, Schokolade zum Beispiel oder so, die du übernimmst, wie ist das?
Jan: Ich darf es fast nicht sagen, aber ich finde die Schweizer Schokolade fast besser. Aber, ja, Käse ist ein Thema, da haben wir uns noch nicht allzu sehr damit auseinandergesetzt. Wir haben aber eine Brauerei, mit der wir eng im Austausch sind und die fokussiert mehr auf das Thema Beer and Cheece, aber in Beer and Food, also da wollen wir ein bisschen näher zusammenarbeiten. Und sonst, ja, aus Belgien gewisse Kombinationen, die einfach Klassiker, Moule-Frite mit einem Wit und Stoofvlees mit einem schönen dunklen Amber, das sind Klassiker und da gibt es natürlich viel, viel mehr spannende Sachen, ja. Und irgendwie, ja, das Thema war immer da, Genuss. Und Genuss definiert sich bei uns nicht nur über ein Produkt, sondern halt über die Kombination von verschiedenen Produkten, da gibt es ja ganz viele.
Markus: Ich glaube, das ist auch ein bisschen eine Herausforderung, weil, wenn man jetzt sagt, man hat eben besondere Biere, hat dafür auch eine besondere Flasche, ein besonderes Label und eben auch, ja, ein Design oder, ja, eine Ethik oder was auch immer man drumherum baut, dann macht es ja auch Sinn, dass man sagt, vom Pairing her nehme ich da jetzt nicht den Schokoriegel aus dem Supermarkt oder so, sondern versuche dann eben was zu finden, was da irgendwie auf Augenhöhe ist, um dann wirkliche Genussmomente hinzubekommen.
Jan: Ja, vermehrt das, und jetzt suchen wir verschiedene Gastronomiebetriebe auf und versuchen dort gemeinsam schöne Events auf die Beine zu stellen. Wir durften letztes Jahr durften wir im Trafo ein schönes Beer and Dine machen, dort hatten wir 102 Personen.
Markus: Das ist ordentlich.
Jan: Das war für uns so, das war wirklich eine schöne Veranstaltung, super gekocht, super durchorganisiert. Hätte ich nie damit gerechnet, weil das, was ich vorher kannte, waren so, ja, 20, 25 Personen und, ja, war schön.
Markus: Aber reden wir noch ein bisschen über die Brauerei an sich. Also das ist hier ja ein eher kleines System, 3 Hektoliter, glaube ich, wo ihr dann mit Doppelsuden arbeitet, wenn ich dich vorhin richtig verstanden habe.
Jan: Ja.
Markus: War das schon immer so oder hat sich das entwickelt?
Jan: Hat sich entwickelt. Also, wenn wir wieder zurückgehen in 2014, als die Firma gegründet wurde, haben wir die Räumlichkeiten vom Weingut Zum Sternen nutzen dürfen und hatten eine Braumeister 2 Hektolitern, so All-in-One-System. Und das war für den Start super, aber natürlich auch mühsam. Du hattest dann die Brauanlage versteckt im Keller und im Schopf noch was, bis du gestartet warst. Ging einen Moment, aber keine Mietkosten, das war natürlich gut. Das Negative, wenn die Erntezeit kommt, dann gibt es keinen Platz mehr und das ist so September, Oktober. Ja und dann war für uns so die Überlegung, wir suchen einen Raum, wo wir uns einrichten können und wenn wir das schon machen, dann ist der nächste Schritt so, von zwei Hekto, gut, das ist natürlich ein riesen Schritt, wenn man sagt, probiere ich es von 2 auf 6, erst mal auf 3 so. Ja, das war die zwei Hekto und dann haben wir einen Raum gesucht. Und wenn wir noch in dem bleiben, Chris war da analog im Weingut Zum Sternen und dort hatten sie auch Lohnkelterung. Und eine davon war Besserstein und das ist eine Art Genossenschaft und Zusammenschluss von verschiedenen Winzern in der Region Villigen. Und unser Vermieter Christian Voser war auch dabei und so hat Chris natürlich ihn gekannt und wusste, dass dieser Raum frei ist. Also wir befinden uns hier eigentlich in einem ehemaligen Weinkeller, Christian Voser hat hier in diesen Räumlichkeiten seine Weine produziert, genau. Und von der Story passt das natürlich wieder mit dem Winemaker. Und das war schon am Anfang so, ja, Christian, wir brauchen so eine Ecke, um uns einzurichten. Ja, ist gut. Dann ging die Planung weiter, also, Christian, ja, eigentlich bräuchten wir den halben Keller. Oh ja, kein Problem. Zum Abschluss gesagt, ja, wäre gut, den ganzen Keller zu haben. Ja, auch kein Problem. Und so hat sich das, ja, abgezeichnet, haben wir die größere Anlage gekauft und 4 Gär- und Lagertanks, das war in 2015, Oktober und 2 Jahre später ist dann das Lager dazugekommen und 2022 die 4 weiteren Gär- und Lagertanks. Also eigentlich sukzessive gewachsen, das immer nebenher gemacht, also 100 % gearbeitet und dann am Wochenende produziert und geliefert und was alles dazu gehört.
Markus: Spannend. Das führt vielleicht noch zu der Frage, die Gegend hier ist also eigentlich eine Weingegend, oder, erst mal nur vom Verständnis.
Jan: Ja, eine nicht so bekannte Weingegend, wenn ich so sagen darf. Also jetzt Neunhof selber nicht, weil es Schattenhang, da gibt es gar nichts. Die Gegenseite Wettingen hat schönere Reben und dann Richtung Würenlingen oder unteres Argental, da gibt es schon auch viel Reben.
Markus: Also ein Geheimtipp beim Wein und auch ein Geheimtipp beim Bier.
Jan: Mittlerweile ja. Das war natürlich in den Anfängen, es gab nur Pinot Noir und es gab nur Riesling und das ist natürlich jetzt gewachsen, also jetzt haben viele auch ein bisschen interessantere Sorten angebaut und es gibt doch schöne Weine zu entdecken. Früher war es schon noch Essig.
Markus: Ja, da gibt es ein bisschen Parallelen zu den Franken auch.
Jan: Also ich will jetzt niemanden auf die Füße treten, aber es ist sehr, sehr, sehr viel gegangen und mittlerweile, die Region Aargau auch sehr schöne Weine, ja, muss man wirklich sagen. Also es kratzt vielleicht noch ein bisschen am Image, aber das ist definitiv, man muss sich nicht mehr verstecken.
Markus: Ja, also da gibt es wirklich Parallelen zu Franken auch. Also als ich noch jung war, da war das auch Großteils einfach sehr saurer, sehr einfacher Weißwein und mittlerweile hat sich da wirklich eine, zumindest in Deutschland, Spitzenweingegend etabliert mit ganz, ganz tollen, spannenden und sehr vielfältigen Produkten. Auch moderne, kreative, jüngere Winzer, die halt auch vom Orange Wine bis zu den Betoneiern und was weiß ich was alles ausprobieren und das ist einfach sehr spannend zu verfolgen, was man da so alles machen kann. Ihr habt ja auch so ein bisschen Bier-Wein-Hybrid-Geschichten.
Jan: Darf ich ganz kurz?
Markus: Du darfst unbedingt, wir machen die nächste Pause live mit dabei. So, weiter geht’s. Wir haben wieder 7 Minuten bis zur Hopfengabe, spannend. Also während eines Sudes haben wir das, glaube ich, auch noch nie gemacht. Doch, einmal in Bayreuth, glaube ich, aber da waren ganz viele Brauer, war so ein Collaboration Brew, da konnte ich mir dann immer jemanden rausziehen. Heute geht es nicht, weil, die Collaboration ist ein Brauer sozusagen, da ist man ja auch immer voll verantwortlich. Genau, wir waren gerade so ein bisschen bei dem Thema eben Bier-Wein-Hybride oder wie auch immer man das nennt, also Biere, die man mit Trauben oder Beteiligung von Wein irgendwie herstellt. Was habt ihr da schon so ausprobiert?
Jan: Verschiedenes, also es gibt ein Produkt, das wir jetzt im Standardsortiment haben, das ist das Sauvignon Ale, dort arbeiten wir mit, wie es der Name, mit Sauvignon-Blanc-Trauben. Und da ist eigentlich als Basis, das, was ich heute braue, ein Wit. Ein bisschen Malzgehalt reduziert und dann mit dem Traubensaft eigentlich den vergärbaren Zucker kompensiert und danach wieder mit der Weißweinhefe gearbeitet und hopfentechnisch mit Nelson Sauvin, der auch so ein bisschen in diese Sauvignon-Blanc-Noten reingeht. Und so ist es eigentlich schon spannend, die Hefe, die will ja aus der Würze das Bier machen und aus dem Saft den Wein und das eigentlich parallel, so gesehen der Hybrid. Und das gibt ein ganz schönes Bierchen, vielleicht haben wir nachher noch die Möglichkeit, das zu degustieren zusammen.
Markus: Schauen wir mal.
Jan: Vielleicht gibt es noch was anderes. Das war eigentlich ziemlich die erste Traubensorte, die wir verwendet haben für diese Art Bier. Und wir haben das natürlich noch optimiert, verfeinert und so wie es jetzt ist, das Produkt, sind wir eigentlich sehr zufrieden.
Markus: Und wenn du sagst Weinhefe, ist es dann tatsächlich eine Hefe, die da in dem Produkt arbeitet oder ist das dann so ein aufeinander Aufbauen von bestimmten Hefen?
Jan: Ja, das ist eine Hefe, genau. Die eignet sich hervorragend dafür, scheint sich wohlzufühlen mit beiden Medien, genau. Ja und weil das so ein schönes Produkt ist, haben wir jetzt auch angefangen, noch ein bisschen zu experimentieren, mit anderen Traubensorten. Thema war, wir haben es ganz am Anfang auch mit Roten mal versucht, ja, ist bei den Versuchen geblieben. Jetzt haben wir das dieses Jahr wieder aufgenommen oder letztes Jahr und, ja, wir sitzen jetzt quasi neben den Versuchen, die sind in der Flaschengärung, die sind jetzt eine Woche in der Flasche.
Markus: Das muss man vielleicht ein bisschen beschreiben, für das Kopfkino. Also da sind lauter kleine Fläschchen, die hier in der Ecke stehen, so schön aufgereiht in Reih und Glied, so wie im Zinnsoldatenmuseum sozusagen. Und die Vordersten haben eben einen anderen Kopf als die anderen, da ist nämlich obendrauf dann, ja, ein Spundapparat oder sowas Ähnliches oder was misst du da?
Jan: Ein Manometer, genau.
Markus: Um dann eben zu sehen, wie die Sache so voranschreitet. Und die werden jetzt praktisch so immer wieder verkostet oder wie macht ihr das?
Jan: Also es ist eigentlich, nach der Abfüllung sind sie 2 Wochen in der Wärmezelle für die Flaschengärung noch und dann wird das sukzessive verkostet, um zu schauen, wie sich das Produkt auch entwickelt, ob es in den Anfängen schon das ist, was wir uns erhoffen oder was wir noch optimieren müssen. Und eigentlich so nach 3 Monaten hast du dann eigentlich schon die volle Reife vom Bier. Vorher ist es natürlich sehr jung, aber du schmeckst natürlich schon die Tendenz sehr gut raus, genau. Und jetzt haben wir mit 2 anderen Traubensorten was gemacht. Einerseits mit Scheurebe, das ist für Deutsche eine spannende Sorte. Die haben wir selber als Trauben angepflanzt. Also ganz am Anfang war die Parzelle vom Vater auch noch Riesling und da hat er dann gesagt, es machen alle in der Region Riesling, raus damit, wir pflanzen Scheurebe. Und, ja, jetzt haben wir eigentlich meines Wissens das erste Mal mit dieser Traube was gemacht. Ich kann dir nicht ganz sagen, warum wir nicht von Anfang an mit Scheurebe gearbeitet haben, wäre naheliegend. Die Sauvignon-Blanc-Trauben haben wir zugekauft. Wobei, das endet jetzt auch, wir haben vor 2, 3 Jahren jetzt auch Sauvignon Blanc gepflanzt, noch eine Parzelle dazu gepachtet, damit wir wirklich die Story von der Rebenpflege bis ins Glas komplett selber abdecken können. Die sind jetzt sukzessive am Wachsen, jetzt letztes Jahr sind, Rechnen ist eine Kunst, so etwa 25 % sind jetzt eigene Trauben und das wird jetzt sukzessive wachsen, ich sage jetzt mal, in 2, 3 Jahren ist dann Vollertrag und dann können wir wirklich die komplette Ernte für unsere Biere benutzen, sind nicht mehr abhängig von anderen Winzern.
Markus: Das ist auch ein schöner Satz, da landet der ganze Wein in der Brauerei.
Jan: Die ganzen Trauben, nicht der Wein.
Markus: Oder die ganzen Trauben aber letzten Endes
Jan: Eine Sorte, ja.
Markus: Nee, warum ist. Ist das dann auch noch was, was du dann Stück für Stück dazulernen musstest oder noch tust, jetzt gerade, diese ganze Weingeschichte?
Jan: Noch tue, ja. Mein Vater wird ja nicht jünger, irgendwann muss das dann auch von mir bewirtschaftet werden und, ja, sukzessive, aber meistens. Ja, wie soll man sagen, die lieben Menschen im Ruhestand haben nie Zeit und wenn sie Zeit haben, dann ist es schon gemacht. Dann sagt er, ja, ich will das mit begleiten, sage mir, wenn du das nächste Mal was machst, da war es schon gemacht. Ja, es war schönes Wetter, dann musst du, klar. Und ich habe natürlich meine Brauplanung, ist schwierig zum Teil, um die Termine da wirklich abzustimmen, weil du halt so wetterabhängig bist.
Markus: Ich finde es überhaupt schon spannend, das beides parallel zu haben. Weil, einerseits Winzer, ist ja schon ein Beruf, der im Grunde so einen Jahreszyklus hat, also weil, das ist ja eben praktisch vom Winter über die ersten Trauben oder dem Sprießen überhaupt vom Wein, von den Blüten bis zu den Trauben, dann eben bis zur Ernte und dann hinten raus wieder die Pflege im Winter angeht. Wo der Brauer es verhältnismäßig einfacher hat, sagen wir mal so, man hat ja die Gerätschaften und hat halt sein Malz und das kann man eigentlich ganzjährig kaufen und eigentlich ist es da relativ unabhängig von der jeweiligen Jahreszeit, also im gewissen Rahmen zumindest. Das ist dann schon vielleicht auch ein bisschen ein anderes Mindset, oder, so vom Wein machen zum Bier machen?
Jan: Ja, definitiv. Beim Wein hast du pro Jahr einen Versuch, wenn das scheitert, dann hast du nichts. Und, ja, nicht, dass man das will, aber beim Bier wäre es zumindest möglich zu sagen, okay, der Sud ist scheiße, mache ich es halt noch mal neu, je nachdem. Natürlich jetzt, wenn wir die Hybride machen, nicht, dann ist auch der Versuch vorbei, dann gibt es nächstes Jahr wieder was. Aber im Grundsatz, vom Mindset ist natürlich schon, ich glaube, die sind dann schon sehr auf Nadeln, wenn es um die Ernte geht, vor allem gegen Schluss, immer nervös wegen dem Wetter, verständlich. Das haben wir auch, ja, es ist ein schöner Sommer und dann irgendwann kommt Kälteeinbruch und Regen und das, was die Trauben am Schluss nicht brauchen. Ja und dann ist der Moment, um dann zu reagieren.
Markus: Und was heißt das dann, heißt das dann, dass plötzlich früh um 3 Uhr Sturm geläutet wird? So wie jetzt.
Jan: So wie jetzt, genau.
Markus: Jetzt läutet die Brauerei nämlich Sturm und braucht ihren Brauer wieder, dann machen wir wieder eine kurze Pause. Wunderbar, es kann weitergehen. Es sind noch 2 wunderschöne Fläschchen angekommen, da werden wir jetzt gleich ein bisschen drüber reden. Und wir waren gerade bei dem Punkt, also ob das dann eben passiert, dass dich mitten in der Nacht jemand rausschmeißt und sagt, jetzt müssen Trauben geerntet werden oder so?
Jan: Nee, das schon nicht, aber man ist halt an die Zeit gebunden. Das ist jetzt bei uns, ich sage jetzt, von Anfang September bis Oktober, die 2 Monate sind so ein bisschen eine Art Sperrzeit auch für Urlaub. Also ich habe Anfang September Geburtstag und geplant war, mit der Freundin ein verlängertes Wochenende. Ja, wir sind dann in den Reben gelandet, weil genau dann der Zeitpunkt war zum Ernten. Das ist halt einfach, das gehört dazu, man weiß es und man nimmt es auch sportlich. Ich meine, Geburtstagstag ist ein Tag wie jeder andere auch, schlussendlich.
Markus: Ja und jetzt sagen wir mal so, in jungen Jahren kann sowas ja auch ganz romantisch sein, oder, vielleicht.
Jan: Naja, harte Arbeit.
Markus: Okay, also ich habe da jetzt so im Kopf zum Beispiel, ich habe auch mal mehrere Bücher über Wein schon gemacht und habe da unsere fränkischen Winzer besucht. Und bei einem bin ich mal angekommen so am späten Nachmittag und da war so eine große alte Scheune und so ein kleiner Spalt die Tür auf, niemand hat reagiert, ich bin dann da so rein, schiebe die Tür auf, komme da näher ran und da war so ein großer Holzbottich und die ganze Familie war da dringestanden, Vater, Mutter, 3 Kinder und die haben die Reben gestampft und hatten einen Heidenspaß. Haben mich erst gar nicht bemerkt, haben gesungen und gemacht und getan und währenddessen eben ihren Wein produziert. Da habe ich mir gedacht, es gibt schon noch die Momente.
Jan: Ja, wie gesagt, stören tut es nicht, weil, du weißt es. Und, was man auch weiß, es ist ja da für ein schönes Produkt, wo man am Ende einfach auch stolz drauf ist und Freude hat. Also mich stört es dann in dem Moment nicht. Klar, planbar wäre schön. Aber ist ja jetzt, wenn du sagt, eben von der Planbarkeit, ich habe 8 Gär- und Lagertanks und von Anfang September müssen dann 4 Tanks leer sein und leer bleiben. Und Worst Case ist, dass die 4 Wochen, 5 Wochen leer stehen, aber du kannst zwischendrin nichts machen. Da ist so, sie müssen leer sein, weil dann, wenn es soweit ist, wird produziert.
Markus: Ja, also das ist auch was, was mir aufgefallen ist, also weil, du sagst ja gerade, ihr seid auch sehr klar strukturiert und klare Planung und ich finde es eine unglaublich saubere Brauerei und eine unglaublich gut strukturierte Brauerei, wo alles auch seinen Platz hat und seine Farbe hat und alles genau geordnet ist. Und das erlebt man auch nicht so oft, also muss ich wirklich sagen, ganz, ganz toll und fällt mir auf jeden Fall ganz positiv auf. Und gerade, wenn man, glaube ich, auch mit so vielen verschiedenen Werkstoffen arbeitet, ist es vielleicht auch wichtig, dass man da besonderen Wert drauflegt, damit eben alles so auch da bleibt, wo es hingehört, sagen wir mal so. War das auch schon immer so oder ist das so ein bisschen dein Einfluss gewesen, das so zu strukturieren?
Jan: Nein, das ist eigentlich unser beider Einfluss. Also der Partner muss jetzt weghören, zuhause, ich habe mal einen Begriff gehört, der ziemlich gut passt, strukturierter Chaot, das ist, was zu Hause zutrifft. Und hier ist, ja, wir haben unser System, wir haben auch ein Qualitätsmanagement eingeführt. Da ist sehr stark der Vater der Treiber, der das halt vom Job auch …
Markus: Ja, bei 2 Personen ist das schon gut, ja.
Jan: … ja, immer mitverfolgt. Und wir haben das wirklich, also es gibt eine ganze Struktur mit Prozessbeschreibungen, mit Rezepturen und mit Reinigungsplänen und, und, und, also das Ganze. Du hast ja auch gesehen, mit den Farben, das ist unser interner Farbcode, rot ist dreckig, muss gereinigt werden, don´t use. Grün, wie du es am Zapfhahn siehst, ist gereinigt und desinfiziert, ready to use. Und gelb ist gereinigt, aber noch nicht desinfiziert. Ich meine, ich kann ja rauslaufen und am nächsten Tag krank sein und wenn was gemacht werden muss, ist klar, okay, das ist sauber oder das ist nicht sauber einfach. Zum Teil ist es ja optisch schon ersichtlich, aber ist mehr so ein bisschen, ja, für uns gehört auch das strukturierte Arbeiten, das gehört für uns mit dazu.
Markus: Cool.
Jan: Und auch von der Philosophie, du siehst es, die Schläuche liegen drum, wie es sein muss, zumindest zum Arbeiten. Das ganze Zippen, das mache ich dann Morgen. Früher habe ich es noch angehängt, aber, ja, 12 Stunden reichen auch, müssen nicht immer 15 sein. Und, ja und dann ist auch, die Haltung kann sein, ja, gut, ich komme ja morgen wieder, ich kann es ja liegen lassen. Gibt es nicht, das wird aufgeräumt, alles gespült, die Schläuche aufgehängt und dann Morgen, wenn ich komme, wird das wieder aufgebaut, sauber. Das gehört dazu, das ist für uns, so, wie es in der Flasche dann daherkommt, muss es auch in der Brauerei aussehen. Und für ist schon, ja, es dürfte schon wieder ein bisschen mehr, aber es hat alles Zeit.
Markus: Ja und wenn du schon die Flasche ansprichst, muss ich sagen, also ansprechend sind sie auf jeden Fall, die beiden, die jetzt dastehen. Was ich sehr interessant finde, ihr habt ja bei dem Schweizer Flaggen-Logo jetzt auf einmal rot durch grün ersetzt. Darf man das so einfach?
Jan: Es ist A) nicht die Schweizer Flagge, weil die wäre ja quadratisch.
Markus: Ah, okay.
Jan: Es ist ein Plus, das Logo ist Chen plus van Loon. Ich weiß, mit dem Rot und dem Kreuz, man landet automatisch bei Schweiz. Das soll auch ein bisschen darauf hinweisen, aber grundsätzlich, wenn du dir die Flaschen vielleicht angeschaut hast, all unsere Biere haben eigentlich denselben Auftritt, es ist nur die Farbe vom Streifen geändert. Es wird langsam schwierig mit den Grünnuancen, dass sie unterscheidbar sind.
Markus: Also keine Blasphemie auf jeden Fall für einen normalen Schweizer, sage ich mal, sehr schön.
Jan: Nee, nee.
Markus: Ja, es ist auch optisch wirklich sehr schön und hat ja auch so ein bisschen den Anklang auch an den Wein vielleicht so ein bisschen. Also dann bin ich mal gespannt, bei dem einen ist das Sauvignon Ale und das andere heißt Vigneron, da bin ich auch mal sehr gespannt, ein Cuvèe.
Jan: Ein Cuvèe du Patron, genau.
Markus: Ja, also, wenn du nichts dagegen hast, ich freue mich sehr, wenn wir was probieren können.
Jan: Ich würde sagen, wir haben jetzt die ganze Zeit gesprochen über das Sauvignon Ale, lass uns das doch öffnen.
Markus: Ich sage ja immer, man kann nicht über Bier reden, wenn man es nicht probiert.
Jan: Ich kann noch während dem Öffnen und während dem Einchecken zur Etikette ganz kurz noch. Das Design kommt von einem Sizilianer, also er wohnt in Deutschland, in Rheinfelden, ist Sizilianer ursprünglich, Physiotherapeut und ist Hobbygrafiker. Und er ist wirklich auch so ein Perfektionist und es hat sehr lange gebraucht, sehr viele Iterationen, um dann auf die Etikette zu kommen, aber das Resultat lohnt sich definitiv. Er macht das nebenbei, hat eine Druckpresse von 18-schiss-mich-tot im Garten stehen, also unseren Bierdeckel hat er von Hand noch gedruckt. Und was ich nicht wusste, sein Bruder wohnt in Neunhof, das hat sich dann herausgestellt.
Markus: Um die Ecke, das ist ja unglaublich, ja, Wahnsinn. Das ist ja dann wirklich so Handproduktion alles?
Jan: Also die Etiketten natürlich nicht mehr, aber die Bierdeckel, die wir noch haben, sind im Moment noch Handproduktion, ja. Da kannst du nicht mehr bezahlen, das ist im Moment so. Aber es ist auch die Etikette, das Haptische, das Papier ist ein bisschen teurer, hochwertiger, es soll auch der ganze Auftritt von außen schon widerspiegeln, was dann auch der Inhalt sein soll. Ist natürlich immer subjektiv, ich meine, über Geschmäcke müssen wir nicht diskutieren, das ist, wie es ist.
Markus: Und da haben wir jetzt das Bier unfiltriert in der Flasche. Macht ihr noch eine Flaschengärung, oder?
Jan: Ja, all unsere Biere sind drucklos abgefüllt und dann Flaschengärung, das ziehen wir komplett durch. Darum auch die Manometer, die du hier in der Wärmezelle siehst, das ist halt Qualitätskontrolle, dass wir wissen, die Hefe hat ihren Job gemacht und es ist ausgewogen und keine Bombe.
Markus: Und schon wieder viel Mathematik, ganz nicht so ohne. Okay, wunderbar, also optisch schon mal sehr, sehr schön, geheimnisvoll.
Jan: Das Tageslicht fehlt natürlich.
Markus: Ich weiß, aber das Gute ist, wenn man viel bei Bierwettbewerben ist, dann ist man gewohnt, dass das Licht, also es soll ja immer perfekt sein, ist es meistens nicht, und damit hat man so eine persönliche Kalibrierung. Also ich könnte mir vorstellen, dass das jetzt wirklich ein richtig schönes, sehr helles, angenehmes Gelb, aber mit so einem leichten Weinstich irgendwie auch ist, so ein bisschen einen Grünstich. Ja und Schaum, also das ist ja auch immer ganz schön bei dem Bier, wenn so ein kleiner, feiner, weißer Schaum oben drübersteht. Also auf jeden Fall Im Glas schon mal sehr faszinierend. Dann sage ich mal Prost.
Jan: Prost, schön, dass du da bist.
Markus: Interessant, habe ich jetzt viele so klassische Fruchtnoten, so Birne, Apfel, aber auch ein bisschen Stachelbeere und so. Ist natürlich jetzt relativ frisch sozusagen, aber ist auch gut.
Jan: Aber es sind so die Noten, wie du im Sauvignon Blanc auch.
Markus: Ein bisschen Kiwi auch, finde ich, ganz interessant, ja. Ja und dann kommen aber auch schon so Hefenoten, ein bisschen eine alkoholische Note und so klassische weinige Aromen kommen auch rüber, so Weißwein. Ich habe es jetzt schwer, es genauer zu definieren, aber auf jeden Fall schon mal sehr komplex in der Nase. Gibt es noch was, was du ergänzen würdest vom Geruch her?
Jan: Ich glaube, du hast es schön auf den Punkt gebracht, gibt es nichts zu ergänzen.
Markus: Und auf jeden Fall auch schön frisch, also den Eindruck hat man auch, so ein schönes grünes Aroma, ja, mit allem, was da so dazugehört, frischer Apfel, frische Fruchtnoten, vielleicht ein bisschen Zitrus auch, also sehr schön. Na dann, nu aber. Wahnsinn, also unglaublich dicht von der Aromatik her. Also da passiert ganz, ganz viel, es ist ein sehr starker Körper, sehr selbstbewusster Körper. Schöner moussierender Atem im Mund, also ganz toll, wie es den ganzen Mund ausfüllt und sich dann noch mehr so entfaltet, dann kommen auch wieder diese fruchtigen Aromen, gerade so Apfel, Apfelschale auch so ein bisschen, dann auch so in die Zitrusrichtung, Ananas. Also was mich total begeistert, ist dieses Dichte, also das übernimmt die Führung sozusagen und bis zum Ende des Trunks ist dieses Bier selbstbewusst da, Wahnsinn.
Jan: Und bleibt schön am Gaumen, nicht penetrant. Also es ist überhaupt nicht bitter, ist schön rund. Süffig, also gefährlich süffig, hat auch 6 Volumen.
Markus: Und es eins der ganz wenigen Bier-Wein-Hybride, wo wirklich beides gleichberechtigt da ist. Als du hast ganz klar diesen Biereindruck und auch vom Mundgefühl, vom Finale her, rund rum, das ist ein Bier, aber es ist auch ein Wein. Also du hast wirklich diese fruchtigen Aromen, du hast vor allem im Nachgang dann sehr, sehr viel, was dann noch mal bleibt, noch mal wiederkommt und da sind sehr viele Weinaromen dann da und das ist tatsächlich ein schönes Zusammenspiel von den beiden Welten. Und dadurch, dass es so dicht ist, sind die eben auch miteinander ständig im Austauschen und fallen auch nicht auseinander, das ist wirklich sehr schön.
Jan: Das ist so ein bisschen die Süße vom Malzkörper und die Säure vom Wein und das balanciert sich schön aus.
Markus: Stimmt, da haben wir noch gar nicht drüber gesprochen, genau, das Säure-Süße-Spiel ist auch ganz toll. Also das kann ich verstehen, dass das so beliebt ist, absolut. Es ist wirklich, also das, glaube ich, holt auch viele Leute ab.
Jan: Es gibt ja viele, die sagen, ich bin kein Biertrinker. Leider vorzugsweise hört man es, zumindest in der Schweiz, immer noch von Frauen viel, ich trinke kein Bier, und wenn man sie dann abholt, ja, was ist denn das, was stört, ist es meistens das Herbe, das Grasige und auch so, ja, die Bitterkeit und dann das Malz, so die Kombination, denken halt die meisten noch an ein Lagerbier und that’s it. Und wenn du dann sowas auftischt, ist das, oh, woah, okay, das habe ich auch gerne. Ich sage, ja, das ist auch Bier, Punkt.
Markus: Punkt, ja.
Jan: Das fehlt ein bisschen so in der Kultur in der Schweiz, finde ich so, es hat eine schöne Vielfalt, aber so von der Bierkultur, also wenn ich es vergleiche mit Belgien, da gehst du in den Supermarkt, das Regal ist voll, du gehst in die Gastronomie, ja, bring mir ein Bier, weil, funktioniert nicht. Da funktioniert es wieder mit, bring mir einen Wein, weil da gibt es nicht so eine große Auswahl. Aber beim Bier, die Vielfalt, das, finde ich, ist schon, ja, dürfte ein bisschen mehr zelebriert werden. Es hat schon ein gutes Niveau erreicht, aber was so der letzte … Was mir aufgefallen ist, dieses und letztes Jahr, es gibt im Dorf, wo meine Eltern aufgewachsen sind, gibt es eine Kerstwanderung, also eine Wanderung von Dorf zu Dorf, es ist an der Kirche eine Krippe aufgebaut und das ist Tradition, da gehst du einfach als Familie, als Kollegen, du gehst auf diese Wanderung und an der Krippe gibt es etwas zu trinken. Und du schaust in die Runde und es gibt schon Glühwein, aber eigentlich ist Bier dominant, und Mann und Frau. Also weißt du, das ist nicht, die Frau ist dann eher auf Wein, es ist einfach, alle trinken Bier, Punkt.
Markus: Ja, das funktioniert in Belgien überhaupt erstaunlich gut. Dieses Jahr, nee, letztes Jahr war ich auch wieder zu Brussels Beer Challenge in Belgien und da hatte ein Freund von mir zufällig in seinem Auto noch ein Fass Bier, ein Collaboration Brew, den er in Franken gemacht hat, mit einer Brauerei dort, und der war eben noch übrig von einer Veranstaltung. Und dann haben wir gesagt abends, naja, also du hast ein Fass Bier in deinem Auto, das könnten wir doch jetzt eigentlich, ne und sind dann zum Dorfbrunnen und haben dann an den Dorfbrunnen das Fass aufgestellt und angezapft, und einer hat mit seinem Handy noch ein bisschen Musik gespielt. Und dann haben wir eigentlich gedacht, naja, mal schauen, wie lange, bis die Polizei kommt. Aber das Gegenteil ist passiert, die ganze Nachbarschaft ist gekommen und die Leute von der Kneipe nebenan sind gekommen und dann haben wir da mehr oder weniger so ein kleines Dorffest spontan organisiert. Und das hat mal wieder gezeigt, wie doch in Belgien das Thema Bier gut gelebt wird und anders gelebt wird vielleicht als in vielen anderen Ecken. Und ich muss sagen, mich erinnert das auch ein bisschen an belgische Biere, weil es so ein individuelles Bier ist. Also in Belgien ist es ja so, dass man doch ziemlich viele Biere hat, die immer für sich selber stehen, also ein Duvel oder ein …
Jan: Ein Tripel.
Markus: Ja, solche Sachen, die Trappistenbiere sowieso oder auch Delirium oder so, es gibt ganz viele Biere, die man auch erkennt, weil sie halt so, wie sie sind, sehr einzigartig sind und sehr speziell sind und es eben nicht darum geht, noch ein Pilz zu sein, sondern eben seinen eigenen Charakter zu bewahren. Und das, finde ich hier, ist auch sowas, das könnte auch für sich alleine stehen, also wenn es keinen Begriff für Bier oder Wein gäbe, dann wäre das so ein eigenes Getränk, was irgendwie so sich selber definiert. Und das ist natürlich auch was Besonderes, weil, das gibt es so sonst nicht und, wie gesagt, von der Komposition her ganz, ganz schön. Und toll ist eben auch, so die perfekte Mariage, sagt man ja immer, sind zwei Sachen, die zusammenkommen, die für sich gut sind, zusammen besser sind als alleine und keiner gewinnt. Und das, finde ich, hat man hier so, also dass eben nicht entweder das Bier oder der Wein am Ende so die Oberhand hat und dass auch wirklich beide Komponenten so zusammenpassen, dass es insgesamt was Schöneres noch ergibt, wo man wirklich schön merkt, dass es zusammenkommt. Und da passen halt die Eigenschaften, also gerade die Kohlensäure betont das sehr schön und bringt die Aromen sehr schön rüber, der Malzkörper trägt das dann aber wieder bis zum Schluss und so, also es kommt alles irgendwie so zusammen und das macht das. Es ist wirklich ein ganz, ganz tolles, schönes Bierchen, also vielen Dank, tolles Erlebnis.
Jan: Ja und ich muss auch sagen, viele verwechseln es, es ist immer lustig, wenn dann die sagen, ihr habt doch so ein Bier mit Wein. Dann sage ich, nein, das ist kein Bier mit Wein, absolut nicht, es ist zusammenvergoren. Es ist nicht ein Bier-Mischgetränk mit Wein, sondern es ist, wie man die Gewürze noch zum Kochen gibt beim Bier, gibt es halt einen Saft dazu und dann mit der Hefe.
Markus: Wie viel darfst du überhaupt verraten oder willst du verraten so, wie viele Anteile das zum Beispiel sind mit Bier und Wein? Also irgendwie so ein bisschen, also wie gesagt, nur, was du sagen möchtest.
Jan: Du kannst ja mal schätzen, weißt du, das kommt ja sehr kräftig daher auch von dem …
Markus: Also, ich meine, gut, ich kenne jetzt das Grundbier nicht, aber geschätzt würde ich sagen so, vielleicht 70 % der Bieranteil und vielleicht so 30 % der Saftanteile so.
Jan: 95/5.
Markus: Oh, okay. Na, dann machen die Trauben aber einen super Job.
Jan: Gut, das Geheimnis steckt dann auch im Verarbeiten der Trauben, da gehe ich nicht rein.
Markus: Nein, musst du ja auch nicht.
Jan: Aber, ja, das ist ein bisschen das Wissen, was wir aus dem Wein machen und halt mitbringen, genau.
Markus: Ja, ich denke halt, je größer auch der Bieranteil ist, umso besser muss man schon auch auf der Bierseite arbeiten, dass es zwar da ist, aber sich zurückhält und diesen Wein dann aufnehmen und entsprechend zur Geltung bringen kann. Und das ist natürlich, je höher der Anteil ist, umso schwieriger, das dann zu machen. Dadurch hast du aber dann auch nicht ganz so viel Alkohol wahrscheinlich am Ende, oder?
Jan: 6 Volumen.
Markus: Naja, gut, schön. Ist für Belgien ein normales Bier.
Jan: Knapp Bier.
Markus: Ja, genau.
Jan: Letztes Jahr waren wir bei der Konferenz Trends in Brewing in Löwen und in diesem Rahmen bin ich dann mit einem ehemaligen Brauer von Achouffe am Abend noch im Gespräch gewesen und irgendwann hat er mich angeschaut, hat er gesagt, weißt du, also ganz ehrlich, alles unter 6 Volumen ist Limonade, aber bei Acchouffe 8,5, um dem Dreh. Darum ist das jetzt für mich so ein Running Gag, auch bei den Führungen, wenn wir dann Bier trinken mit 5,2, dann sage ich, ja, wir trinken jetzt noch Limonade, es geht dann später ins Bier, so zieht sich die Story dann ein bisschen durch.
Markus: Apropos, weil wir gerade bei Trends in Brewing sind, das geht da jetzt sehr stark auch in die Richtung entweder alkoholfreie oder überhaupt ganz andere Getränke als Bier, die aber aus einer Brauerei kommen. Merkt ihr da was von dem Trend, habt ihr da eigene Ambitionen in irgendeiner Art und Weise?
Jan: Es ist natürlich omnipräsent, also, wenn du es nicht merkst, dann bist du ein bisschen blind im Markt, das schon. Aber, wie gesagt, mit unserer Größe ist so, wir fokussieren jetzt auf die Genussschiene mit schönen Bieren und das Alkoholfreie, das können die Großen sehr, sehr gut. Also wir sind immer noch nicht so Fan, rein aromatisch, es fehlt halt was an dem of flavour alcoholfri. Nein, also nicht falschverstehen, aber für uns im Moment ist es, ja, wir fokussieren uns auf das, was mit unseren Anlagen möglich ist, wo wir Freude haben und das Alkoholfreie, ja, sollen die anderen noch machen. Ich sage nicht, dass wir es nicht machen und dass wir nicht irgendwann auch in die Richtung was machen, aber im Moment eigentlich ausbauen mit dem, was wir haben. Ich glaube, da wir so klein sind, gibt es noch genügend Platz für die Produkte, auch wenn der Alkoholkonsum rückläufig ist. Aber weil es ja eigentlich ein Produkt ist, das im höheren Preissegment und eher als Genuss gedacht ist, auch mit Food Pairing, haben wir gesagt, okay, eben wenig Alkohol, dafür Qualität und das ist, wofür wir einstehen. Und mal schauen, was in vielen Jahren ist, aber die Idee ist schon, dass wir eigentlich, ja, das, was wir jetzt können, richtig gut machen.
Markus: Ja, ich denke auch, also es wird auf jeden Fall auch mittelfristig für richtig gute Produkte auf der alkoholischen Seite auch immer Platz sein, das auf jeden Fall und gerade, wenn man von gehobeneren Gastronomien mit gehobenen Ansprüchen redet, sowieso. Und wer weiß, also ich sehe euch jetzt sicher auch nicht, ein alkoholfreies Pils zu machen, aber was ich mir total vorstellen kann, vielleicht irgendwann mal, ist halt ein kreatives, spannendes Getränk auf Fermentationsbasis, wie auch immer, vielleicht unter Verwendung von Früchten, Kräutern, was auch immer, sowas zu machen, was dann zum Beispiel eben auch in einer höheren Gastronomie stehen kann, als niedrigalkoholisches oder alkoholfreies Getränk, um dann eben aber trotzdem eine spannende, interessante, aromatisch vielfältige Wahlalternative darzustellen jetzt zu so einem Bier. Weil, das wäre ja auch komisch, wenn man so ein wunderschönes Bier nimmt und als Alternative dann, ja, ein normales alkoholfreies Lager, das ist dann ist ein bisschen viel.
Jan: Ja, wenn, dann würde ich es schon anders versuchen, aber, ja, ich glaube, in der ganzen Diskussion über das Alkoholfreie, ich habe auch schon vieles probiert und spannend für mich finde ich die Getränke auf Teebasis, muss ich sagen, da gibt es wirklich schöne Sachen. Und das, wenn, dann könnte ich es mir in die Richtung vorstellen, so mit Tee als Basis, das gibt ganz schöne Sachen.
Markus: Also wer für mich da sehr vorbildlich ist, ist Theo Musso in Italien mit seinem Botanic. Ich weiß nicht, ob du das schon mal probiert hast. Da gibt es mittlerweile eine ganze Range von verschiedenen Getränken, die eben mit ganz vielen Kräutern und Früchten und so weiterarbeiten und das macht er sehr schön, oder eben zum Beispiel auch viele Kombucha-Geschichten oder so, also das gibt es tolle Sachen. Ist ja jetzt auch nicht so wichtig, fand ich nur spannend, wenn du eben gerade davon redest. Weil, ich war vor 2 Jahren bei der Trends in Brewing und da war das eben auch ein großes Thema und jeder versucht halt, da irgendwie so seinen Umgang damit zu finden.
Jan: Das war Topic Nummer 1. Ich meine, grundsätzlich, also man muss ja ein bisschen realistischer sein, weil, wenn die großen Brands voll darauf setzen und auch noch ihre Mühe damit haben, gerade wenn es um Körper geht, ja, wie sollen wir das als Kleine dann entsprechend in dem Bereich so hinkriegen, also das ist David gegen Goliath.
Markus: Nee, ich glaube, das geht nur in der kreativen Nische eben, wo man dann gucken kann. Ja, wer weiß, also kann sich ja noch was ergeben. Das heißt aber, so ein Bier jetzt steht zum Beispiel hier dann in guten Restaurants oder wo kriegt man euch in der Schweiz?
Jan: Ein bisschen quer durch die Schweiz. Wir haben in der Region Luzern, da gibt es einen Händler, der uns in schöne Locations reingebracht hat. Ich weiß zum Teil selber nicht, wo wir drin sind, das wird mir dann über Ecken wieder zugetragen. Eine ganz schöne Adresse ist natürlich in Zürich der Dolder und die anderen oder auf dem Bürgenstock die Villa Honegg, das sind die renommierten 5 Sterne in der Schweiz, und es steht tatsächlich das Sauvignon Ale auch dort.
Markus: Perfekt.
Jan: Und sonst eher, ja, gehobene Gastronomie, es gibt in der Region ein paar Restaurants, die es haben. Es geht bis Genf, dort gibt es ein Thai-Restaurant, die haben dann eine eigene Rezeptur. Also wenn du dich umdrehst, die 2 Paletten in deinem Rücken, die sind jetzt frisch abgefüllt, die gehen dann nach Genf, das ist wirklich ihre Rezeptur, für sie entwickelt, eigenes Label. Genau, solche Sachen machen wir auch noch.
Markus: Sind da dann Thai-Kräuter im Einsatz oder so?
Jan: Ja, Koriandersamen.
Markus: Ah, okay.
Jan: Genau, ja und ist so ein bisschen vom Hopfen, um die Zitrusnote halt abzudecken.
Markus: Ihr seid ja auch bei Bierwettbewerben relativ erfolgreich. Hilft das dann auch im Absatz?
Jan: Kommt immer darauf an, was man damit macht.
Markus: Okay.
Jan: Wir haben da jetzt 3-mal mitgemacht bei den Finest Beer Selection von Meininger und Doemens und das ist für uns eigentlich, ich sage jetzt, der Wettbewerb zum Mitmachen, weil es halt vom Konzept auf uns zutrifft. Es ist blind degustiert, es ist nicht kategorisiert und das ist das, was uns dazu bewogen hat, mitzumachen sozusagen, das ist ja nicht, wo teilst du so ein Ale ein. Klar, du kannst sagen, okay, Italien Grape Ale, das ist dann eine Kategorie in dem Wettbewerb und dann ist zum Teil Alkohol vorgeschrieben. Und wir sind nicht so auf die Stilschiene fokussiert, sondern das Ziel ist einfach, ein schönes Genussbier zu machen, ob das jetzt 100 % in die Kategorie Pale Ale oder Amber Ale passt, das klingt jetzt vielleicht blöd oder hart, aber es interessiert uns in dem Moment nicht. Es geht in die Richtung, aber es ist so gemacht, wie wir finden, dass es Spaß macht. Und, ja, wenn du am Wettbewerb mitmachst und es ist halt vorgegeben, Alkohol ist zwischen 5 und 7 und du hast 7,5, dann bist du raus. Und von dem her, für Meininger und Doemens macht es eigentlich Sinn, diese Finest Beer Selection, weil es halt wirklich ohne Kategorie und auch blind ist und es wird nicht das Beste gesucht, natürlich auch, also nicht das beste Pale Ale, sondern es ist einfach, alle über 90 sind ausgezeichnet und sind wertgeschätzt, Punkt. Und das, von der Philosophie finde ich das halt schön, darum haben wir dort mitgemacht. Und, klar, wir haben dann eingereicht die beiden Produkte, die jetzt vor uns stehen, Sauvignon Ale und Vigneron, weil, das sind die Steckenpferde. Wenn wir aussuchen müssen, was uns auszeichnet, sind es sicher die beiden. Und die haben dann, was war es, 92 Punkte war es beim Sauvignon und 91 beim Vigneron oder umgekehrt. Dann war in 2024, war das Sauvignon mit 96 Punkten, Vigneron mit 93. Und jetzt letztes Jahr in 2025 war das Sauvignon wieder 91 und das Vigneron 95 und dann haben wir dort aber das gesamte Sortiment noch eingeschickt als Baseline, um mal zu schauen, wo wir stehen und es sind dann 6 von 9, sind über die 90 gekommen und 2 eben mit 95, also ganz daneben sind wir nicht.
Markus: Ich wollte gerade sagen, also da müsst ihr schon was richtig machen. Und dazu muss man sagen, dass 95 und 96 wirklich Ausnahmewerte sind, also das wird jetzt nicht reihenweise vergeben, sondern da gehört schon was dazu, das ist natürlich schon cool. Und ein bisschen muss man zur Entschuldigung der Wettbewerbe natürlich noch sagen, es ist halt nicht so einfach, wenn du so einen Wettbewerb machst, musst du ja kategorisieren in irgendeiner Form, sonst tun sich die Brauer ja auch schwer, irgendwas einzureichen, weil sie nicht wissen, wo, und deswegen ist es bei größeren Wettbewerben halt so, dass man eine Kategorisierung braucht. Aber nichtsdestotrotz bin ich da völlig bei dir, das erzähle ich auch immer allen Judges in der Ausbildung, im Grunde, den Brauer interessiert das erst mal nicht, also der sagt nicht, ich schlage jetzt das Lehrbuch auf und will jetzt das perfekte Pilz oder was weiß ich was brauen, meistens zumindest, sondern man sagt eben, okay, was passt zu mir, was ist meine Historie, was ist meine Idee, was ist mein Bier sozusagen und das mache ich jetzt. Und vor allem auch, was verkauft sich unterm Strich, das ist ja auch ein wichtiger Punkt. Und ob das dann am Ende in irgendeine Kategorie irgendeines Wettbewerbs irgendwo reinpasst, ist eine ganz andere Frage. Also das ist auch einer der Gründe, warum viele kleine Brauereien in Franken gar nicht mitmachen bei Wettbewerben, weil sie gar nicht wüssten, wo sie dann ihr Bier da reinsortieren sollen Und insofern also hat beides, finde ich, seine Berechtigung. Aber ich finde es schon spannend, insgesamt so der Einfluss von Bierwettbewerben, ich sehe es weniger direkt beim Verbraucher, sondern oft eben so bei diesen Zwischenhändlern, weil die oft einfach ein bisschen gucken, weil sie überfordert sind mit Tausenden von Brauereien und dann nach irgendwas halt gucken müssen, welchen nehme ich denn in mein Sortiment. Und dann ist so eine Wettbewerbsgeschichte natürlich immer ein Anhaltspunkt, wo man sagen kann, okay, so schlecht können die nicht sein und dann probieren wir es halt mal mit denen, und insofern, das ist schon spannend.
Jan: Ja, aber am Schluss ist es subjektiv. Also das ist, du kannst, das siehst du dann an der Finest Beer Selection, das sind alles technisch saubere Biere, weil, du hast ja die Möglichkeit, alles zu probieren am Schluss, nach der Siegerehrung und, ja, da gibt es Sachen, wo ich sage, ja, ist nicht mein Stil, schmeckt mir so nicht. Aber das ist sicher technisch als Jugde eigentlich das Schwierigste, zu sagen, okay, ist nicht mein persönlicher Favorit, aber ich muss jetzt differenzieren und sagen, okay, das ist technisch sauber gemacht und so. Von daher, ja, sie sind gut, aber ob es sich dann wirklich sich verkauft.
Markus: Das ist sowieso noch mal ein anderes Blatt, also das wissen wir ja generell. Also viele Biere, die am Markt ganz großartig funktionieren, werden niemals eine Medaille gewinnen, aus verschiedensten Gründen, das ist auch noch mal so ein Unterschied. Aber, ich denke mal, das ist genau der Punkt, also bei Beerjudges hat man immer den subjektiven Level sozusagen und, ich glaube, das ist eigentlich der entscheidende Punkt, wenn man dann eben zu einem Beerjudge in dem Level wird, dass man es schafft, sich ein bisschen zu objektivieren und zu sagen, okay, ich bin jetzt quasi nur noch erst mal so ein Messinstrument, also wo ich praktisch die Werte, die der Wettbewerb vorgibt, für gewisse Stile zum Beispiel, in mich hineinnehme und dann vergleiche ich das, was ich da trinke oder verkoste eben mit diesen Werten und dann kann ich sagen, passt es oder passt es nicht. Es dreht sich dann ein bisschen um, wenn man dann am Finaltisch ist, wo dann eben nach mehreren Runden vielleicht nur noch 10 übriggeblieben sind, die alle in den Werten wunderbar sind. Und dann kommt es wieder auf eine Subjektivität an, weil man dann natürlich sagen muss, okay, die sind alle top, aber trotzdem kann bei dem ein oder anderen Wettbewerb halt nur einer Gold gewinnen oder so und dann muss ich da einen Konsens auch schaffen, aber ich muss eben auch meine Meinung oder meine Wahl dann auch begründen können und das macht dann die Sache auch wieder spannend. Ja, also noch mal vielen Dank für dieses tolle Bier, also das war eine sehr, sehr schöne Erfahrung, tolle Überraschung, es hat mir sehr viel Freude gemacht.
Jan: Sehr schön. Dann würde ich ganz kurz nur schnell einen kurzen Check.
Markus: Ah, die Brauerei ruft, sehr gerne machen wir da einen kleinen Break. Okay, wir schauen mal, ob alles noch läuft. So, also wir sind wieder weiter am Verkosten, wir müssen nur aufpassen, weil die Hopfengabe noch kommt und die darf natürlich auf gar keinen Fall vergessen werden, das wäre irgendwie doof, vor lauter Bier verkosten.
Jan: Ziemlich, ja.
Markus: Ja und jetzt haben wir das Dunkelgrünere von den beiden Bieren und das heißt Vigneron Cuvée du Patron, also die Cuvée des Patrons, also des Oberhauptes, oder?
Jan: Genau, das ist eigentlich die Kreation vom Vater, das ist so das Brand dahinter. Die Idee war grundsätzlich, wir sind Fan vom Sauvignon, können es aber einmal im Jahr produzieren, klar, wenn es die frischen Trauben gibt und dann hat es so lange, wie es hat. Und dann war die Frage, ja, wie können wir das Ganze, naja, imitieren, einen Sauvignon Blanc imitieren ohne Trauben. Und da gibt es in der Hopfenwelt schöne Hopfen, Aromahopfen, die ähnliche Aromakomponenten eigentlich haben. Und die haben wir dort reingepackt, haben es leicht angesäuert und das gibt da so ein schönes, erfrischendes Bier, das dann mehr von den Noten in Richtung Litschi, Grapefruit geht, ein bisschen mehr Säure aus der Sauvignon. Das wird auch bei einem Fest so, ein Champagner-Bier oder ein Bier, das nach Champagner schmeckt, das wäre das. Und es wird auch gerne verwechselt. Respektive, ich kann mich noch erinnern an eine Finest Beer Selection bei einer Verkostung, sind sie nachher gekommen, haben gesagt, ja, wenn das so nach Wein schmeckt, da muss ja viel mehr Traubensaft verarbeitet sein als beim Sauvignon. Ich habe gesagt, ja, null, kein Schluck.
Markus: Krass!
Jan: Ja, was, wie, kann ja nicht sein. Ich habe gesagt, ja, da kommt halt auch sehr der Weincharakter durch.
Markus: Also was ich da ja prinzipiell schon mal ganz toll finde, ist ja überhaupt der Ansatz, also weil das ja jetzt ein komplett komponiertes Bier ist sozusagen, also wo man wirklich gesagt hat, ich weiß, wohin ich will und ich überlege mir, wie komme ich dahin und baue dann eben die verschiedenen Komponenten, egal, ob jetzt Hopfen oder eben die Säuerung, die Hefe, alles so zusammen, dass ich am Ende dabei rauskomme. Und das, finde ich, ist ja eigentlich die wirkliche Handwerkskunst, sage ich mal, wenn ich vor Augen ein Produkt habe, was als Ergebnis dabei rauskommen soll und eben weiß, welche Weichen ich wie wann zu stellen habe, um da am Ende hinzukommen, weil es eben kein Zufallsprodukt ist, sondern eben ein sehr bewusstes. Und von vornherein finde ich das schon mal aller ehrenwert, weil das wirklich eben heißt, man kann die Klaviatur seiner Profession spielen, um am Ende eben dahin zu kommen, wo man will. Und von der Optik her, muss ich sagen, ist es fast noch ein Tick weiniger als das Sauvignon, also ein bisschen heller, aber auch eine schöne, so eine goldene Farbe wieder, mit einem leichten grünlichen Stich, wahrscheinlich. Nein, also im positiven Sinn, also Wein hat ja auch oft, wenn er so golden ist, so ein bisschen so ein leichtes Grünliches, das finde, egal. Und wieder wunderbarer weißer Schaum, also der ist auf jeden Fall hier auch wieder gemein mit dem anderen.
Jan: Genau und eigentlich, das Ziel war wirklich, die Aromatik in den Vordergrund zu stellen und der Körper ist schlank.
Markus: Also von der Nase her, finde ich, also blöderweise weiß ich es jetzt, deswegen kann ich natürlich sagen, es wirkt ein bisschen hopfiger, aber in dieser Hopfigkeit sind es tatsächlich genau diese Noten, die man eben auch mit Wein assoziiert. Also wir haben wieder ebenso Früchte, Apfel, Stachelbeere, aber dann gibt es eben so eine Süßere, wie du vorhin Litschi gesagt hast, für mich so die Litschi, die man so aus der Dose nimmt, finde ich, so. Und wieder im Hintergrund so weinige Noten, das finde ich auch total spannend, also toll. Prost.
Jan: Prost.
Markus: Also ich kann die Judge-Kollegen verstehen, weil wir haben eine ähnliche Dichte, also vielleicht ein kleines bisschen weniger, aber ähnlich wie bei dem Sauvignon, von der Intensität her, vom Mundgefühl her, von der Cremigkeit. Und durch diese etwas höhere Säure noch ein bisschen mehr weinigen Charakter sozusagen, weswegen man dann eben noch verführt ist eben, schneller zu sagen, da muss mehr Wein im Spiel sein sozusagen.
Jan: Kein Tropfen.
Markus: Und der Hopfen hält sich schön im Hintergrund mit seiner Bittere. Das ist auch eine Parallele, dass man sehr, sehr wenig Bittere hat, es ist schon ein bisschen da, aber angenehm. Und Malz spielt tatsächlich auch eine Rolle, das finde ich auch schön, so ein bisschen Honig, ein bisschen so die klassischen Bierkörpernoten sind da und drumherum dann das Fruchtige, was wir gerade so besprochen haben.
Jan: Und das ist so, zumindest haben wir etwas Ähnliches noch nicht gefunden soweit, zumindest nicht im Schweizer Biermarkt.
Markus: Also Wahnsinn finde ich den Nachgang oder das Finale beziehungsweise auch danach, weil du dann wirklich den Eindruck hast, du hast jetzt einen Wein getrunken, das ist unglaublich. Ja, weil da kommt genau sowas retronasal rüber, wo du eben erinnert bist, ja, an einen schönen Weißwein, das könnte jetzt auch ein Silvaner oder ein Riesling oder irgend sowas sein, der da von hinten wiederkommt, faszinierend.
Jan: Und das ist ein Produkt, das bietet sich auch im Pairing gut an oder für weitere Spinnereien. Wir haben dann, als wir das Produkt hatten, ein paar Mal am Tisch gesessen und gedacht, ach, es hat so eine schöne Frische, so eine schöne Fruchtigkeit, eigentlich wäre es cool, ein Sorbet daraus zu machen. Und es ist ziemlich häufig wieder gekommen, die sagen, ja, ein Sorbet, okay. Und dann, muss ich sagen, wir haben einen Händler, einen Weinhändler, der hat auch jetzt ausgebaut mit Genussprodukten. Und der hat in der der Region ein klasse Eis, eine Eiscreme und ich habe die probiert und die sind fantastisch. Also das ist ein Ein-Mann-Betrieb, er macht das von der Basis, Bio-Milch, selber pasteurisieren, mit Butter und er kennt die Produkte, macht die Pürees selber. Wenn es ein Stracciatella gibt, macht er zuerst die Kuvertüre selber, also ein Freak, sehr, sehr gute Produkte. Und ich habe den dann angeschrieben und gesagt, hey, wir haben eine Idee, wir wollen gern ein Eis machen oder ein Sorbet. Und dann habe ich ihn getroffen und das war spannend, weil, er war sehr skeptisch, er hat gesagt, ja, ich habe schon mal mit Bier was gemacht und das hat nicht funktioniert. Okay, gut, probier das und dann schauen wir weiter. Und er war dann an einem Beer and Dine bei einem Händler und hat die Biere ein bisschen probiert und, du hast gesehen, es hat die ganze Zeit gearbeitet so, okay, okay, gut, mhm, mhm, war in sich gekehrt und hat gesagt, okay, wir probieren das. Und wir haben dann so ein bisschen gesagt, was die Richtlinien sind, Sorbet, was wir wollen. Und auch beim Eis haben wir da mit unserem Black Ale noch auf Eiscreme-Basis was gemacht. Und das Sorbet, ich sage dir, das ist intensiv Litschi, und es ist eigentlich nur die Zuckermasse, die du brauchst für das Sorbet, mit dem Bier, halt im richtigen Verhältnis, sauber eingestellt, aber wenn du das isst, Litschi, einfach Litschi. Und wenn du dann noch einen Schluck vom Vigneron oder mit Vodka, also Zitronensäure und Vodka, machst du unser Sorbet, ich sage jetzt unser, weil, es ist ein Co-Brand, mit dem Vigneron, das gibt dann die Säure, die die Süße wieder kompensiert.
Markus: Woah!
Jan: Das haben wir jetzt ein paar Mal als Zwischengang schon gehabt bei den Beer and Dine, das kommt sehr gut an.
Markus: Und das hat der dann ganz normal in seinem Sortiment?
Jan: Das hat er in seinem Sortiment, genau. Wir haben dann die Logos, haben wir Verschmolzen, das ist ein schönes Co-Branding.
Markus: Und wo ist der, wenn man das erleben möchte?
Jan: Ammerswil, das ist bei Lenzburg, ist von hier 20 Minuten. Aber das ist auch, er macht das auch nebenbei noch und in der Wintersaison ist er 100 % am Arbeiten, im Sommer hat er mehr in der eigenen Produktion noch. Ja, das versuchen wir jetzt ein bisschen zu promoten, weil, das hat es auch verdient.
Markus: Also die Fruchtigkeit ist wirklich der Hammer. Also ich merke jetzt auch, wenn es so ein bisschen wärmer wird, entwickelt es auch noch viel Ananasnoten mit dazu, also sehr tropische, exotische Fruchtnoten drumherum, aber der Weincharakter bleibt. Also dafür, dass es eben nichts mit Wein zu tun hat, ist das wirklich sehr erstaunlich.
Jan: Das ist Bier.
Markus: Magst du was verraten zu den Hopfen? Also was ich so kenne, wäre jetzt Nelson Sauvin oder Hallertauer Blanc oder irgendwie solche Geschichten.
Jan: Gut, es gibt noch einen weiteren, dann sind wir schon durch, Motueka.
Markus: Ja, super, ah, okay.
Jan: Das sind eigentlich die 3 als Aromahopfen und Bitterhopfen ist ja nicht so, das ist Bramling Cross.
Markus: Wie schafft ihr das, die Bittere so niedrig zu halten, also bei doch der Menge Hopfen, die da im Spiel ist?
Jan: Late Hopping, also du willst ja das Aroma und nicht die Bitterstoffe und Säure. Wenn du eine gewisse Säure hast im Sud, dann wird die Umwandlung der Bitterstoffe gehemmt.
Markus: Also auch eine ganz, ganz tolle Komposition.
Jan: Danke schön.
Markus: Und das heißt logischerweise auch, deswegen könnt ihr das auch stabil reproduzieren, oder, weil ja alles bekannt ist und kontrolliert ist.
Jan: Genau. Beim Sauvignon hast du halt immer noch den Jahrgangseinfluss, der spielt halt trotz allem mit.
Markus: Gibt es noch irgendwas, wo du sagst, dass möchtest du gerne irgendwann mal im Leben probiert haben, mit diesem Spiel mit Wein und Bier?
Jan: Boah.
Markus: Oder irgend so einen Traum oder von deinem Vater vielleicht auch?
Jan: Ich glaube, das, was wir jetzt machen, geht schon in die Richtung, aber, ja, jetzt Traum ist übertrieben, wir arbeiten schon dran, mir ist halt wirklich das Austüfteln von noch weiteren Rezepturen mit anderen Rebsorten, einfach, um ein bisschen auch die Charakteristik ins Bier bringen und ist halt immer same but different, so ein bisschen in die Richtung.
Markus: Und so diese ganze Ecke mit Holzfässern, also in Belgien zum Beispiel die Geuze-Ecke beziehungsweise hier so klassische Weinholzfasslagerung, wäre für euch kein so Thema?
Jan: Tatsächlich nicht, das ist, da hast du uns auf dem falschen Fuß erwischt, wir sind tatsächlich nicht so Fan von Bier im Holzfass. Weil das ist immer das Naheliegendste, ja, er ist ein Winzer, er macht sicher Holzfasslagerungen. Beim Wein braucht es das, wenn du sagst, Rotwein, jetzt um die Tannine zu brechen, da hat seine Berechtigung, braucht den Sauerstoff. Aber wenn du das Bier in ein Holzfass gibst, setzt du das einem seiner Hauptfeinde, dem Sauerstoff, aus und was ist der Sinn, für uns jetzt, was ist der Sinn dahinter? Es gibt immer diese oxidative Note, das Sherry, da sind wir wieder bei dem, schmeckt uns nicht und wir kommen immer wieder zum selben Schluss, wir probieren immer und schon diverse, auch Italian Grape Ale, die dann im Fass, es drückt dann immer dieselbe Note, kommt in den Vordergrund.
Markus: Und so klassische Gewürze ist dann auch nichts für euch, so die belgischen Lambic oder so?
Jan: Ja, so richtig, richtig, ich habe jetzt den Rodenbach Grand Cru, da muss ich sagen, da stimmt die Balance, das ist schon.
Markus: Weil da ja Essig eine Rolle spielt.
Jan: Und ich habe noch, die Brauerei kennst du sowieso, van Steenberge und ich haben einen Brand davon, Fourchette und die haben das wieder in Sauvignon-Blanc-Fass gepackt.
Markus: Stimmt.
Jan: Und von denen habe ich noch Flaschen und das ist eines der Wenigen, wo ich sage, okay, da ist auch die Balance gelungen. Es drückt schon ein bisschen das Oxidative nach, aber das kann ich trinken und habe ich noch Flaschen und will es wieder probieren.
Markus: Ja, die Brauerei ruft.
Jan: Ja.
Markus: So, also jetzt sind wir wieder zurück, der Sud ist auch an seinem Höhepunkt angekommen, sagen wir mal so. Ja, noch ganz kurz, also den Jef van Steenberge kenne ich auch gut, mit dem habe ich auch schon einen Podcast gemacht. Und, ich glaube, letztes Jahr haben wir mal zusammengesessen und haben das Fourchette probiert, das ist schon auch eine spannende Kreation, die aber auch ganz bewusst für den Markt gemacht ist und auch gut aufgenommen wird.
Jan: Das war für uns so eine spontane Entdeckung. Also wenn wir nach Belgien gehen, wir gehen auch durch die Läden und kaufen Sachen, die wir nicht kennen. Und das war ein Etikettenkauf, das war ansprechend, weil, es geht so in unsere Richtung von schlicht und edel so, es kommt schön dahin. Und wir haben das probiert und haben gesagt, woah, okay, in die Richtung wollen wir auch noch ein bisschen arbeiten, der Stil, das passt uns.
Markus: Aber den Effekt habt ihr auf jeden Fall bei mir heute schon 2-mal erzielt, das ist hervorragend.
Jan: Sehr gut.
Markus: Und ich kann auch alle nur einladen, die jetzt zuhören, sowohl mal im Shop vorbeizuschauen oder natürlich im Idealfall mal bei dir vorbeizukommen und sich sowohl dich und die Brauerei als auch die Biere dann eben intensiv anzuschauen. Vielen Dank für die tolle Arbeit, die ihr da macht, das ist eine große Bereicherung für die Bierwelt und für mich eine richtig schöne Entdeckung und kann ich nur die Daumen drücken, dass es weiter so geht und ihr weiter so tolle Biere macht und du den Enthusiasmus nicht verlierst und ihr mit der Familie da weiterhin so eine tolle Bier- und Weinfamilie bleibt.
Jan: Wir geben uns die größte Mühe und aufgeben kommt noch nicht in Frage, Enthusiasmus ist noch genügend da und Ideen auch.
Markus: Perfekt.
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