BierTalk 90 – Interview mit Michael Hanreich, Betriebsleiter der Brauerei Schlenkerla / Heller Bräu aus Bamberg

Geboren in Starnberg entdeckte Michael Hanreich seine Liebe zum Bier und startete in die Lehre bei der Augustiner Brauerei in München, spannende Stationen im Ausland folgten. Eine Stellenanzeige führte ihn schließlich nach Bamberg zur Schlenkerla-Brauerei, deren wahre Bedeutung er erst entdeckte, als er bereits seine Arbeit als Braumeister und späterer Betriebsleiter begonnen hatte. Besonders begeistert ihn die Kombination aus Geschichte und Tradition auf der einen und der kontinuierlichen Innovation und Kreativität auf der anderen Seite. Das verbindet ihn sowohl mit Brauereiinhaber Matthias Trum, als auch mit seinen Vorgängern, zu denen er regen Kontakt pflegt. Michael Hanreich ist auch weltweit gefragter Gesprächspartner – schließlich führt er eine von zwei erhaltenen historischen Rauchdarren und stellt damit die „geheime Zutat“ für das legendäre Bamberger Rauchbier her, das international nach wie vor seinesgleichen sucht…

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Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute sind wir in einem ganz zentralen Gebäude in Bamberg, in der Schlenkerla Brauerei. Und da bin ich natürlich grundsätzlich sowieso immer gerne, aber besonders gerne hier, weil, da war ich noch nie, nämlich im Büro vom Braumeister. Das ist natürlich sehr cool und ich bin nicht nur im Büro, er ist auch da, Michael Hanreich. Wunderbar, dass du dir die Zeit genommen hast und vielleicht magst du dich ganz kurz unseren Hörern selber vorstellen.

Michael: Ja, hallo, ich bin Michael Hanreich, komme aus Starnberg, also kein gebürtiger Oberfranke. Bin jetzt hier seit fast acht Jahren in der Brauerei Schlenkerla tätig, verantwortlich für Produktion und alles rund ums Bier. Und gelernt habe ich beim Augustiner Bräu in München und bin dann über viele Stationen im In- und Ausland hier ins schöne beschauliche Bamberg zur legendären Rauchbierbrauerei gekommen, wo es mich wirklich mit Stolz erfüllt, dort zu arbeiten.

Markus: Also du hast schon mal keine Angst vor großen Namen und vor großen Aufgaben, oder?

Michael: Genauso ist es, ja. Also da, wie groß hier der Name war, die Brauerei kannte ich natürlich, mir hat auch Rauchbier schon immer geschmeckt, als Lehrling schon. Und ich habe mal in der Schweiz gearbeitet und da gab es den großen Kopp und da gab es Schlenkerla Bier, kein Witz, Märzen, und wenn es mich gelüstet hat, dann bin ich da immer hingegangen und habe mir ein paar Seidler gekauft. Und wie große der Name der Brauerei eigentlich ist, vor allem in der Bierbranche weltweit, das ist mir dann eigentlich erst so richtig hier in Bamberg bewusst geworden, ja.

Markus: Ja, die Dinge entwickeln sich. Und vielleicht springen wir da noch ganz kurz hin, bevor wir zu unserem ersten Bierchen auch greifen, das heißt, wie bist du überhaupt zum Thema Bier gekommen? Also bist du schon als Dreijähriger in einen Sudkessel gefallen oder wie muss man sich das vorstellen?

Michael: Ja, das muss man sich so vorstellen, ich habe dieselbe Affinität wie mein Chef auch, ich bin sehr geschichtsinteressiert. Er sagt es ja auch immer sehr gerne, das freut mich dann auch immer wieder zu hören, dass das schon immer sein Lieblings- und bestes Fach in der Schule war, war bei mir genauso. Und in dem Zusammenhang bin ich nicht weit von der Klosterbrauerei Andechs aufgewachsen, sprich, Starnberg, Kosterbrau Andechs, zwölf Kilometer entfernt. Und die Klosterbrauerei Andechs ist ja ursprünglich aus einer Grafenburg entstanden, der Grafen von Andechs Meranien, die ja hier auch sehr präsent waren. Und über diesen Weg Heimatgeschichte, Grafen von Andechs, als Jugendliche bin ich auf die Klosterbrauerei Andechs gestoßen und dann habe ich mir das mal angeschaut, wie da eigentlich drin gearbeitet wird. Und die Kombination eben aus diesem Historischem, diesem wirklich gewachsenen Historischen aus vielen Jahrhunderten und die Kombination mit dem Modernen, computergesteuert, Edelstahl. Und auf der anderen Seite gepichelte Holzfässer über glühenden Kohlen, das hat mich so wahnsinnig angesprochen, dass es mich nicht mehr losgelassen hat und dementsprechend habe ich diesen Weg eingeschlagen und habe ihn nicht bereut bis zum heutigen Tag, ja.

Markus: Und was hat da die Familie dazu gesagt, als du angekommen bist, Papa, Mama, ich werde jetzt Brauer?

Michael: Ich glaube, die waren froh, dass ich überhaupt was gefunden habe. Weil, davor hat man mich immer gefragt, was willst du denn eigentlich werden und ich hatte keine Vorstellungen. Das, was ich machen wollte, dafür hätte ich Abitur gebraucht, das hatte ich nicht, ja und eben auch in Richtung Geschichte irgendwas. Und Handwerksberufs, ich wollte unbedingt auch was machen, wo man, muss man ganz ehrlich sagen, wo man nicht am Ende des Tages total dreckig Nachhause kommt. Und da ist Brauerei einfach wunderbar, also in der Brauerei ist es immer sehr sauber. Und die Verschmutzungen, in Anführungszeichen, die da anfallen. Die sind angenehm, sage ich jetzt mal, Hefe oder sonstige Dinge und lässt sich wunderbar reinigen, also das am Ende des Tages eigentlich alles glänzt, ja und das hat mir eigentlich auch gefallen, ja.

Markus: Wobei wir ja eine Ausnahme im Schlenkerla haben, das ist die Rauchdarre, oder?

Michael: Die Rauchdarre, ja.

Markus: Da hat es schon auch ein bisschen Ruß und so, aber, gehört dann dazu.

Michael: Genau, Mälzereien beim Augustiner Bräu in München, auch mit Mälzerei, war mir nichts Neues oder nichts Fremdes, auch die Staubentwicklung dort mit den vielen, vielen Millionen von Körnern, die da von A nach B transportiert werden. Und, ja, ist natürlich ganz was anderes als in der Brauerei, die ja nass ist und die Mälzerei ist trocken und warm, von dem her kein Neuland und mit unserem speziellen Geruch, den wir hier haben, ja.

Markus: Absolut. Und jetzt sind wir auch schon beim Thema, nass und trocken, denn einerseits sind wir trocken, andererseits steht vor uns ein kühles Nass. Du hast uns ganz liebenswerter Weise ein wunderbares Bier schon mal mitgebracht, direkt aus der Brauerei. Und das ist also einerseits für mich generell eins der faszinierendsten Biere, die wir hier in Bamberg überhaupt haben, nämlich das helle Lagerbier vom Schlenkerla. Warum, kommen wir vielleicht gleich noch dazu. Aber das gibt es jetzt, Dank der Pandemie, glaube ich, in einer speziellen Edition oder gab es das vorher schon?

Michael: Gab es vorher nicht, hat aber nichts mit der Pandemie zu tun.

Markus: Ah, okay.

Michael: Sondern das wir einfach, Etiketten mussten ja neu gedruckt werden, wir hatten auch die Ressourcen eigentlich nicht zur Verfügung, um da jetzt irgendwie noch da ein neues Nischenprodukt auf den Markt zu bringen. Aber aus Europa ein Kunde, hat eine Großbestellung aufgegeben, ob wir denn das machen können? Und die Großbestellung war so groß, dass es sich gelohnt hat, extra Etiketten zu drucken. Und man kann auch sagen, das ging nach Schweden, das Ganze. Die haben da angefragt, sie könnten sich das vorstellen und das mal als naturtrübe Sorte im Sortiment zu haben, so saisonal nur, einmalig. Und dann sind wir da mit aufgesprungen, haben gesagt: „Ja, dann machen wir das auch halt mit deutschen Etiketten“, ganz genau, ja.

Markus: Wunderbar. Na, dann füllen wir das mal ins Glas, also, es handelt sich um das helle Lagerbier in der unfiltrierten Edition. Also so eine Art U würde man hier in Bamberg sagen oder Kellerbier könnte man da auch so sagen.

Michael: Genau oder Kellerbier, Zwickelbier. Man muss auch dazu sagen, dass wir natürlich wussten hier von den ganzen Selbstabholern, dass das Kellerbier, unser Lager unfiltriert, sehr, sehr beliebt ist, also es werden unzählige Fässer jeden Monat davon verkauft an Privatpersonen. Ist aber sonst ja nirgends irgendwo erkenntlich, dass es dieses Bier gibt. Und dementsprechend haben wir gewusst, dass das mit Sicherheit einen großen Anklang finden wird, ja.

Markus: Also ich weiß noch, als so die ersten Posts dann auf Facebook, das ging ja wirklich durch die Bierwelt und alle waren total interessiert und begeistert. Und, ja, jetzt haben wir das hier auch im Glas und es sieht erst mal so aus wie man es kennt, also wunderschön golden, hat sich eben durch die lange Lagerung auch gesetzt. Das ist, finde ich, auch so ein Punkt, wo ich mit vielen Leuten immer diskutiere, die dann eben bei den Wettbewerben sagen, ist der Bierstil jetzt filtriert oder unfiltriert und so weiter. Man muss ja überlegen, bevor man diese ganze Filtrationsgeschichte gemacht hat, hat man die Biere ja einfach vernünftig gelagert und dadurch waren sie ja auch verhältnismäßig klar. Und dementsprechend muss man, glaube ich, sein Verständnis da auch manchmal ein bisschen anpassen. Und hier sieht man das sehr, sehr schön, wie eben dieses Bier hier so auch fast ganz klar rüberkommt, ne?

Michael: Sehe ich ganz genauso. Also ich habe fünf Jahre in einer Gasthausbrauerei gearbeitet für Paulaner, die haben weltweit kleine Gasthausbrauereien, Paulaner Bräuhaus. Und da war unsere Philosophie auch, die besten unfiltrierten, naturtrüben Biere sind eigentlich die richtig gut gelagerten, weil, die Hefe ist ja immer noch im Bier enthalten, halt nicht so sichtbar für den Konsumenten. Und ab und zu gab es dann natürlich auch immer jemand, ah, das ist doch kein unfiltriertes Bier, weil alle eine Milch-Shake-Optik erwarten. Und da habe ich gesagt: „Ja, doch, es ist unfiltriert, es ist halt schön geklärt.“ Ja, so stellt es sich das nicht vor. Und dann habe ich das auch irgendwann mal nach München weitergegeben an den Chef, also meinen direkten Vorgesetzten und da hat er gesagt: „Ach, denken Sie sich nichts, es gibt doch nichts Besseres als ein unfiltriertes, geklärtes Bier, ja.“

Markus: Ja, absolut, also ursprünglicher geht es eigentlich nicht.

Michael: Ja, unter dem Mikroskop würde man zwar die vielen Millionen Hefezellen auch sehen, aber, genau, ich sehe es genauso wie du, ursprünglicher geht es gar nicht, hervorragend, ja.

Markus: Wunderbar, also strahlt uns hier richtig golden an, hat diesen perfekten weißen Schaum. Ist auch eins der Biere, wo man mal von unten schauen kann. Das finde ich immer ganz spannend, weil man da nämlich diesen Schaumteppich, selbst wenn oben gar nicht mehr so viel ist …

Michael: Stimmt, ja.

Markus: … sieht man diese ganzen Bläschen, das ist wirklich ein ganz faszinierender Anblick, immer wieder gerne. Und ohne, dass man jetzt die Nase reinhängt, hat es sich schon im ganzen Raum verteilt, mit diesem sehr, sehr einzigartigen Geruch, der für mich immer so ein bisschen was von Honig hat, ein bisschen was von Rauch natürlich, so Lindenblütenhonig vielleicht oder Akazien. Und dann halt, ja, grüne Noten, grasige Noten, also Malz sowieso, aber einfach ein sehr einzigartiger, sehr spezieller Geruch. Als du das Bier das erste Mal getrunken hast, weißt du noch, was dir da durch den Kopf gegangen ist?

Michael: War hervorragend und zwar, ich kannte es nicht, kannte ja nur Märzen bisher und den Urbock, den habe ich mal in Nürnberg gefunden. Und als ich mich hier vorgestellt habe, hat der Chef dann am Ende des Vorstellungsgespräches gesagt: „Wollen Sie noch ein Bier mitnehmen?“ War unten im Haus, im Restaurant, sage ich: „Ja, das Märzen kenne ich, was gibt es denn noch?“ Ja, er hätte das Weißbier und das Helle da. Ja, bitte und dann hat er mir einen Sechserträger mitgegeben jeweils. Und dann habe ich mich in der Schweiz, wo ich gewohnt habe, auf die Terrasse gesetzt und habe dieses Bier aufgemacht. Und die Schweizer haben ja doch die Lagerbiere, sind doch sehr wie die Amerikaner, sage ich mal, sehr dünn und ganz wenig Hopfen und so. Und dann habe ich dieses Bier aufgemacht und es war eine Geschmacksexplosion. Ich war so begeistert und habe mir diese sechs Biere so eingeteilt, dass ich es wirklich nur getrunken habe, wenn ich, jetzt habe ich Lust drauf. Also war gigantisch, wirklich, ja, mit diesem Aromahopfen. Und halt eben nicht ganz so typisch, was man von einem Hellen erwartet mit einem blau-weißen Etikett, sondern dieser Aromahopfen, der ja doch auch leicht dominant ist mit dieser ganz leichten Rauchnote, fand ich total klasse, ja. Ganz was Eigenes eigentlich, ja.

Markus: Ja, das ist ein weltweit einzigartiges Bier. Und das ist eben auch toll, weil auch, ich nehme es gerne mal mit, wenn ich irgendwo unterwegs bin oder andersrum, wenn wir Verkostungskurse haben oder so, ist das für mich immer ein gern genommenes Kalibrierungsbier, weil es halt nirgendwo reinpasst, für die normalen Leute. Und dann müssen sie schon immer ein bisschen nachdenken und sich Gedanken machen und dann auch die Aromen so ein bisschen erforschen. Und wenn man dann eben noch sagt, wo kommt denn dieser Rauch her und dann ist es eben mal nicht das Malz und auch nicht der Hopfen, sondern es ist eben die Hefe, das ist dann schon eine sehr spannende Geschichte. Aber ich glaube, wir müssen jetzt mal trinken, sonst verdursten wir ja. Also, Prost.

Michael: Prost, ja.

Markus: Danke schön. Wunderbar, also eigentlich sagt das Schweigen genug.

Michael: Ja.

Markus: Nein, wirklich, es ist echt ein Genussbier, also weil es sehr viel zu sagen hat, einen schönen Körper hat, obwohl es gar nicht so viel Alkohol hat. Es ist weich, es ist cremig, wir haben wirklich diese Honignoten, richtig schön intensiv. Hinten raus kommt dann die Bittere, aber auch in einer angenehmen, sehr lange anhaltenden Weise, die auch dann eben mit dieser Süße so ein bisschen weiterspielt. Und man merkt auch, je länger ich rede, desto mehr merke ich, ich muss eigentlich wieder was trinken. Und so gehört es ja auch, ne?

Michael: Genau.

Markus: Und das ist wirklich eine ganz tolle Geschichte. Und viele wissen eben gar nicht, dass es das gibt, weil es ja unten auch nicht offen ausgeschenkt wird oder eben, wie es dann eigentlich dazu kommt. Hast du eigentlich ein Lieblingsbier in der Schlenkerla-Range?

Michael: Habe ich, ja. Also für mich eines der absoluten Lieblingsbiere ist wirklich das Weizen. Also hier im Frankenland wird eh wenig Weizen getrunken und verkauft auch. Ich habe auch lange Jahre keins mehr getrunken gehabt, einfach, weil ich keine Lust mehr auf diesen Biertyp hatte. Und dann kommen wir wieder darauf zurück, auf den zweiten Sechserträger und es war damals Juni, als das war, also es war sehr warm und dann habe ich mir dieses Weißbier aufgemacht und habe auch gesagt: „Wow!“ Weil, das war diese Kombination eben fruchtig, also sehr viel Körper, sehr voluminös, trotzdem diese schöne fruchtige Note und dann dieser Rauch, ja. Also wenn ich anderen das eben erzähle, die sagen immer: „Ja, das passt doch nicht zusammen.“ Also für das absolut perfekte Grillbier, wenn ich Zuhause bei uns im Garten grille, immer Schlenkerla Weizen. Und eben genau diese Kombination, schön zum langsam trinken, viel Körper, also die Stammwürze ist ja doch relativ hoch mit 13,4 Prozent und dann das fruchtige und das rauchige dann in dem Ganzen eingebettet und wie es auch miteinander harmoniert, also finde ich ganz klasse, ja. Ich habe auch Kollegen neulich da gehabt aus einer sehr großen bekannten Weißbier-Brauerei und die haben am Anfang alle so, hm, hm, hm, hm, Rauchbier, Rauchbier, aber das Weißbier fanden sie auch klasse. So saßen wir da auch unten im Restaurant und alle haben das Weißbier getrunken, haben gesagt: „Was ist das für ein tolles Weißbier.“ Gehört eigentlich zu meinen Lieblingsbieren und ich liebe das Fastenbier. Also das für mich, Fastenbier ist, ich kann es gar nicht genau beschreiben, aber das ist so irgendwie nochmal ein Ticken anders als das März. Also ich mag das März natürlich auch sehr gerne, aber das Fastenbier ist einfach für mich so irgendwie perfekt, ja, hat für mich sowas Perfektes, ja, von diesem Bierstil ja und dann gleich gefolgt natürlich vom Lager, ja.

Markus: Ja, beim Fastenbier, muss ich sagen, das ist von den stark oder stärkeren Bieren, die ihr macht, das, dass mir am besten frisch schmeckt. Also man kann die ja auch alle lagern und altern und die entwickeln sich auch schön und da, muss ich sagen, beim Fastenbier ist es so, dass ich da am liebsten den Zustand mag, wenn es ziemlich frisch ist. Wo hingegen man zum Beispiel bei der Eiche, da kann man ja nach 20 Jahren, theoretisch, immer noch eine trinken. Und das ist super spannend, aber ist natürlich auch sehr individuell, da hat, glaube ich, jeder so seine Vorlieben, was man da so …

Michael: Ja, ganz genau. Danach kommt eigentlich gleich für mich das Kräusen, ist ja auch dieses Lager mit dieser Note. Also das wird ja auch wirklich aufgekräust mit dem Märzen, klassisch 15 Prozent, so wie man das macht mit Bieren im Hochkräusenstadium. Und dann kriegt es, ich finde, der Biertyp verändert sich, hat nicht mehr viel vom normalen Lager, weil durch diese zweite Nachgärung, die das Bier durch dieses Aufkräusen erfährt, entfaltet sich eine ganz andere Geschmacksvielfalt dann, ja. Und dann mit diesem Hopfen, also diese doch schon deutlichere Rauchnote und dann das viele Hopfenaroma, feine Hopfenaroma vom Lager dazu, das harmoniert unwahrscheinlich gut, finde ich, ja. Also nicht nur im Sommer, wir haben es ja nur im Sommer, sondern ich finde, das könnte man auch ganzjährig trinken, ja.

Markus: Ja, also da kann ich mich erinnern, dass wir das schon recht oft gemacht haben, dass im 5-Liter-Fass zu haben und dann wirklich so, das trinkt sich dann auch schnell weg, so ein Fass. Nee, das ist schon wirklich faszinierend und spannend. Und vielleicht, wenn wir ganz kurz noch gucken, du hast gesagt, du warst viel im Ausland, was waren da so Stationen, wo du sagst, da erinnerst du dich besonders gerne oder da hast du besondere Sachen erlebt?

Michael: Also ich erinnere mich gerne an meine erste Auslandsstation, auch an meine erste Meisterstation, das war Paulaner Brauhaus Budapest. Und einmal ist es eine sehr tolle Stadt, aber, in dieser Stadt habe ich gelernt, über meinen bayrischen Tellerrand hinauszusehen in Sachen Bieren. Weil, ich war ja auch einer von der Sorte, der gesagt hat: „Ja, die anderen können es ja nicht und das können sie selber trinken und so weiter.“ Und da war mein Lieblingsrestaurant direkt an der Donau, ich konnte ja nicht nur immer im Paulaner essen. Da habe ich natürlich geschaut, wenn ich Besuch bekommen habe, wo gehen wir hin, habe ich ein belgisches Bierhaus entdeckt. Hatte einmal eine sehr hervorragende Küche, einen schönen Biergarten direkt an der Donau, in der Stadt und 70 oder 80 verschiedene Biere. Und da habe ich mir gedacht, Michael, jetzt musst du doch auch mal belgische Biere probieren, und es waren wirklich so tolle Biere dabei. Und dann habe ich angefangen, mich für Biere außerhalb des bayrischen Bieres zu interessieren und mich damit zu beschäftigen und auseinanderzusetzen und das Ganze halt auch mit anderen Augen anzugehen. Und deshalb erinnere ich mich, ehrlich gesagt, immer sofort, wenn ich gefragt werde, sofort an Budapest und muss an das Bierhaus denken, weil das meinen Horizont deutlich erweitert hat, ja.

Markus: Also eine Offenbarung in Ungarn …

Michael: Ja.

Markus: … sozusagen. Na, ist ja auch wirklich spannend. Ich finde, Budapest überhaupt ist so eine Stadt, also bei mir ist es auch schon ein paar Jahre her, dass ich das letzte Mal da war, aber wo man merkt, wie das Leben so pulsiert und wie die …

Michael: Ganz toll.

Markus: … Leute auch diese Veränderungen, gut, das ist jetzt schon 30 Jahre her, aber so im Zuge der Wende, einfach diese Freiheit, wie das da gelebt wird und geliebt wird. Und wie das wirklich ganz sympathische, lebensfreudige Menschen sind, die auch ganz offen sind und natürlich gerne auch mal einen trinken, egal ob Wein oder Bier oder so und Musik auch eine Rolle spielt und Kultur. Und das ist wirklich ein Land, das mir auch sehr in Erinnerung geblieben ist.

Michael: Ja, hat mir sehr gut gefallen, genauso wie du es sagst, sehr nette Leute, sehr offen. Und dieser südländische Touch, den diese Stadt schon hat, ja, gepaart mit diesen alten K- und K-Monarchie-Gebäuden, also fand ich sehr lebendig, quirlig, ja, ganz ehrlich, hat mir auch sehr gut gefallen, ja.

Markus: Was waren da noch weitere Stationen?

Michael: Da war ich leider nur ein Jahr, da mussten wir das Brauhaus schließen aus komplizierten Gründen, sage ich jetzt mal. Dann war ich in München stationiert und von München bin ich dann direkt nach Peking, China, gibt es auch ein Brauhaus, Paulaner Brauhaus, gibt es einige Bräuhäuser. Und da war ich da fast drei Jahre und habe dort dann auch sehr, sehr viele Biere kennengelernt, englische Biere. Weil, es gab da so Westler-Supermärkte, die haben dann irgendwann aufgemacht und die hatten auch ein riesiges Biersortiment. Schlenkerla gab es nicht und halt viel englische Biere, Ales und solche Sachen, auch schottische. Und dann habe ich da auch angefangen, die zu trinken und habe dann nochmals meinen Horizont erweitern können. Irgendwann war es mir dann zu viel mit dem Smog und 15 Millionen sind die und so, und dann habe ich gesagt: „Ich muss wieder zurück nach Europa“, ein bisschen Heimweh. Und dann habe ich eine neugegründete Brauerei auf der grünen Wiese in Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein, das Arbeiten angefangen, ja. Und das war sehr interessant, komplette Brauerei so, außer Mälzerei, von Mühle bis Flaschenfüllerei, alles da gewesen.

Markus: Sind das die, die sich so im Crowdfunding da finanziert haben?

Michael: Ja, so teilweise.

Markus: Oder teilweise zumindest, ja.

Michael: Ja, genau, das ist so mit diesem, genau, das ist in der Schweiz ja typisch so mit diesen Aktien, das sind so Genussscheine eigentlich mehr, ganz genau. Und habe dann dort auch festgestellt, dass die Schweizer, weil, Lichtenstein ist ja da irgendwo eingebettet und hat ja mit Biersteuer und allen anderen Dingen einen Verband, sind sie natürlich an die Schweiz gekoppelt. Und da habe ich dann auch festgestellt, dass die Schweizer Brauer sehr viel aufgeholt haben. War mir vorher gar nicht bewusst, für mich war die Schweiz ein Weinland. Und dass es da damals schon, also ich habe da von 2008 bis 2012 gearbeitet in Lichtenstein, schon sehr, sehr viele so neugegründete kleine Brauereien gab und sehr viel Craft-Brauereien, die wirklich sehr, sehr gute Biere im Hinterhof, im Keller, in der Garage gebraut haben, ja. Also habe ich eigentlich immer die richtigen Stationen erwischt gehabt, um weiterhin in Sachen Bier dazuzulernen und, ja, neue Horizonte zu entdecken, ja.

Markus: Also klingt total spannend. Und finde ich auch sehr interessant so von den Jahren her, weil, ich war Ende 99, Anfang 2000 mit der Uni in Peking, damals noch als Geschichtsstudent. Und da war es noch so, da gab es relativ wenig Autos, also da war eigentlich so die Rikscha immer noch so das Hauptverkehrsmittel. Und es war auch so, dass wenig Leute irgendwie eine westliche Sprache kannten. Also wenn wir dann ins Restaurant sind, dann haben wir so einen Block bekommen und einen Stift und habe dann gemalt, was wir essen wollen, also ein Huhn oder so. Das war schon extrem lustig und war auch faszinierend von der Kultur her und so. Und wir sind da auf den Dächern rumgekraxelt von Peking, weil es dann auch so einige historische Sachen gab. Weil, das war damals ein Seminar, was sich mit europäischer Expansion beschäftigt hat und da gab es eben schon Forscher im 18., 19. Jahrhundert, die da eben in Peking oder in China überhaupt waren. Und das finde ich interessant, wie sich auch das so schnell verändert hat, ne, wie das dann ein Land ist, ich war vor vier Jahren, glaube ich, das letzte Mal dort in der Nähe von Shanghai und das ist wirklich eine völlig andere Welt geworden, auch die Menschen. Also schon faszinierend.

Michael: Ja, 2005, ich habe alleine gemerkt, ich war von 2005 bis 2008, wie sich das verändert hat, alleine der Verkehr, 2005 ging es noch. Ich habe dann so einen Beiwagen grad gehabt, weil, da war man sehr mobil in dieser großen Stadt. Haben die Westler alle gefahren, weil man einfach sehr mobil war. Und der Verkehr fließt ja da oder ist ja ganz langsam geflossen, kein Vergleich zu unserem Verkehr, die fahren ja alle da mit 40 nur dahin. Und 2008 hat es keinen Spaß mehr gemacht, damit zu fahren, weil, es waren die Straßen voll und einfach ein einziges Gequetsche, ja und aber dann schon sehr modern. Ich meine, ich kannte dieselben Geschichten von meinem Chef, der hat damals das 1992 in Betrieb genommen. Das war das erste Brauhaus in Asien überhaupt.

Markus: Oh!

Michael: Ja, die erste Gasthausbrauerei Asiens. Und der hat da auch zu mir gemeint, ja, also zu meiner Zeit, hat er gemeint, liefen noch alle in grün und blau durch die Gegend, ja und alle auf dem Fahrrad, ja.

Markus: Ja, richtig, ja.

Michael: Das Schöne war natürlich auch in Peking, das es sehr viele Bräuhäuser Paulaner gab und dann sind, die Braumeister, haben wir uns immer gegenseitig besucht, also auch Shanghai, Wuxi, Shenyang, Dayan und überall, Chengdu. Und da hat man dann dadurch immer die anderen Städte kennengelernt, weil das viel mit den Kempinsky-Hotels zusammen war und in Peking war ja ein Lufthansa-Center, also man hatte immer ständig Kontakt mit westlichen Menschen gehabt. Und das war eigentlich ganz interessant auch, ja.

Markus: Ja, faszinierend. Also schön, so viele Erfahrungen sammeln zu können und auch schön, über diesen Umweg die Bierkulturen so ein bisschen zu erforschen. Und das führt ja dich eigentlich zu dem, was du auch machst, wo wir uns ja auch immer wieder treffen, nämlich bei Bierwettbewerben in der Jury zu sein. Was ja auch immer so eine Geschichte ist, also grade, wenn du als Deutscher da hingehst und du stehst ja dann immer automatisch für das Thema Lagerbier und wenn du aus Franken kommst, für Kellerbier oder so, ist man ganz schnell mal in so einer Schublade. Aber es ist auch faszinierend, da dann auf diese verschiedenen Personen zu treffen und sich am Jurytisch auszutauschen. Wie sind da deine Erlebnisse, wie erlebst du das so, wenn du da mit den Leuten zusammensitzt?

Michael: Ja, jetzt ist es natürlich so, jetzt, wenn die hören, dass ich vom Schlenkerla komme, ja, ist kein Witz, da geht es nur um Schlenkerla und Rauchbier und können wir mal vorbeikommen. Aber wirklich jetzt, es macht mir riesen Spaß zu erfahren, ob jetzt irgendwie aus Ecuador oder aus Taiwan, und in der Bierbranche, es kennt jeder, ja, also wirklich, die Länder, ich bin immer wieder fasziniert. Neulich ein Argentinier und, ja, bei uns gab es auch, aber viel zu wenig, ich weiß, unser Zoll ist kompliziert. Ah und wie frisch das noch ankommt. Das bereitet einem natürlich total große Freude und erfüllt einen mit Stolz. Bevor ich hier war, da hat man sich dann eben allgemein ausgetauscht. Ich bin über Lichtenstein, bin ich da mit reingekommen und, ja, man trifft einfach die Leute von überall und tauscht sich aus und hält Smalltalk. Und da merkt man eigentlich auch, was für eine schöne Familie die Bierfamilie ist, also Brauerfamilie kann man gar nicht mehr sagen. Also die ganzen Leute, die irgendwie interessiert sind und so, wenn man die einmal getroffen hat irgendwo, man kennt sich für immer eigentlich, ja.

Markus: Ja.

Michael: Und das ist das, was ich so schön daran finde eben auch, dass man Leute dann nach Jahren trifft, mit denen man an einem Tisch gesessen ist beim Verkosten und da ist dann wieder ein großes Hallo. Und da bin ich mir oft nicht so ganz sicher, ob das in anderen Branchen auch so ist, ja, also das ist schon so eine richtig große Familie, ja. Und das ist eigentlich so das, was mir da an dem Ganzen auch gefällt und was ich da auch kennengelernt habe, war mir vorher auch nicht so bewusst, ja.

Markus: Ich finde auch, grade diese Bier-Jugde-Familie ist so irgendwie spannend, weil, es ist ja immer, irgendjemand ist ja da Zuhause, wo der Wettbewerb grade ist. Und die kümmern sich ja dann wirklich so, als wenn man als Schüler irgendwie in eine Gastfamilie gekommen ist. Also man ist immer integriert und es wird einem irgendwas gezeigt, wo der normale Tourist irgendwie niemals hinkommt. Und es ist immer sehr herzlich und man gibt auch aufeinander irgendwie ein bisschen Acht. Ist ja auch so ein Punkt, wenn man in irgendeinem anderen Land ist, kennt vielleicht die Gepflogenheiten nicht, dann ist das schon auch immer etwas, wo man sich auch sehr sicher fühlt, und das finde ich echt schön also. Und grad Schlenkerla punktet, also ich bin jetzt zwar nicht der Braumeister vom Schlenkerla, aber ich habe auch immer mal wieder gerne was dabei und grad so eine Eiche, Jahrgangseiche, ist immer was, was gut in den Koffer passt. Und ich glaube, die Weiteste habe ich mal in Chile bei einem Bierwettbewerb, haben wir dann am Schluss, nach dem Wettbewerb den Best of Show gemacht, also werden da praktisch von allen Kategorien nochmal die besten Biere genommen und da nochmal dann das Beste und dann haben wir danach gesagt: „Okay, jetzt verkosten wir diese Eiche.“ Und das war schön, ja, die Andächtigkeit zu haben, wenn man dann diese Flasche öffnet und so, diese goldene Kappe oben runterkommt und dass dann so ins Glas fließt und die dann ziemlich still sind, wie sie das dann verkosten und sich da natürlich bedanken und so. Das war schon oder ist immer wieder ein tolles Erlebnis und man hat auch Spaß, da so ein bisschen Botschafter zu sein, ne.

Michael: Ja, das finde ich auch ganz toll, ja. Und ich kriege das auch mit, wie so Leute wie du eben oder auch andere, auch von Doemens jetzt, meine Meisterschule, ich habe meinen Meisters auf Doemens gemacht, die Eiche, die ist was ganz Spezielles also unter diesen Bockbieren. Und wie jeder damit umgeht, so wie du jetzt davon sprichst und ich habe es auf der Messe auch mal erlebt, wir waren so beim Schlenker, die hatten so einen Stand, das waren Amerikaner, Bamberg, fährst du Heim oder wohnst du im Hotel? Ja, kannst du uns irgendwie nicht zwei, drei Flaschen mitbringen? Dann habe ich denen am nächsten Tag sechs Flaschen mitgebracht und die waren so happy, die haben sich so gefreut. Und weil es auch hier das Bier eigentlich auch nur ganz kurze Zeit gibt und im Ausland ist es ja auch sehr speziell, also im Ausland bekommt man es ja nur auf Sonderbestellung, sage ich jetzt mal so und es ist eine absolute Rarität. Und einfach, ich sage immer, unter den Doppelböcken der Königstiger, also es ist wirklich was ganz spezielles, also ich mag es natürlich auch total gerne. Und ich habe jetzt erst wieder von jemand, den ich auch beim Verkosten vor Jahren kennengelernt hatte, der hat mich jetzt neulich angeschrieben, du, Michael, du weißt noch, wir kennen uns seit 2000 und, ich weiß gar nicht mehr, 16, glaube ich, ja, wir machen ein Online-Testing und hätten gerne Eiche und ich weiß, die gibt es nicht. Und kannst du uns irgendwie weiterhelfen, wir würden so gern die Eiche präsentieren, die gehört einfach dazu und so? Und das haben wir dann halt schon irgendwo hinbekommen. Und das war so im Baden-Württembergischen Raum und die waren dann auch alle, die waren so zugeschaltet, waren auch hauptsächlich aus Baden-Württemberg und die haben dann so ihr Feedback gegeben und haben auch gemeint, kannten sie nicht bisher, die Leute, aber, tolles Bier, ja, ganz eigen und ein tolles Bier, ja.

Markus: Ja, faszinierend. Also Bier kann eben auch Botschafter sein, genauso wie ein Braumeister ein Botschafter sein kann. Und, ja, jetzt kommen wir vielleicht nochmal wieder zurück, wir haben ja noch ein zweites Bier und das ist ja auch was Neues, kann man sagen. Und das ist überhaupt was, also ich will jetzt keine große Werbung für Schlenkerla machen, aber gut, die Leute wissen ja eh, dass ich das mag und auch gerne mache, wie ich ja für andere Bamberger Brauereien ja auch stehe, aber das Schöne ist ja, dass sich die Brauerei nicht ausruht. Also man könnte ja auch sagen, wir haben unser Bier und wir machen das seit 500, 600 Jahren und dann machen wir das halt weiter und gut ist, wird ja eh getrunken. Sondern, es ist ja wirklich eine Innovation passiert, wo diese Bierpalette jetzt von vielleicht vier oder fünf Bieren, die es vor zehn, 20 Jahren gab, jetzt angewachsen ist auf zehn, zwölf oder so und mit ganz vielen Ideen, also in die alkoholarme oder in die alkoholfreie Richtung fast zu gehen, in die mal nicht rauchige Richtung zu gehen jetzt hier, wo wir gleich drüber reden und ein spezielles Projekt zu unterstützen. Ist das ein bisschen auch auf deinem Mist gewachsen oder wo kommt das her?

Michael: Nein, es ist eigentlich, wenn man so sagen darf, die Idee vom Chef. Also wo wir wieder auf den Eingang vom Gespräch zurückkommen, sehr geschichtlich interessiert, natürlich Biergeschichte ganz besonders. Und ich denke auch, das ist ein ganz toller Weg halt auch, nicht so wie viele andere. Ich beobachte natürlich den Markt, man kriegt es mit so diese ganze Me-Too-Sachen, einer hat eine Idee, alle machen es nach, sondern da was ganz was Eigenes zu fahren und zwar auf der Linie Geschichte, das finde ich ganz toll. Weil, vor 2-, 300, 400 Jahren oder vor 100 Jahren konnten sie ja auch schon Biere brauen, hatten halt eine andere Technologie, aber haben auch sehr viel aufgeschrieben, dokumentiert, geplant, gezeichnet. da gibt es ja, kennst du vielleicht auch, Sankt Gallen, da diese Zeichnung, die aus dem 9. Jahrhundert, glaube ich, ist oder 10. Jahrhundert grade die großen Teile sind und diese Zeichnung, dieser Plan dieser Brauerei, die sieht ja genauso aus wie sie es im 19. Jahrhundert auch gemacht haben, also detailgenau, also unglaublich. Und von dem her finde ich das ganz toll, wenn man genau aus solchen Dokumenten oder aus dieser Zeit sich irgendwas raus holt, raussucht, sagt, entweder ist jetzt über die Generationen irgendwo eine Verbundenheit vorhanden wie mit dem Stiftsgarten Bier eben auch mit der Familie, der Inhaberfamilie. Oder eben, dass es was sehr Historisches ist, dass es halt mal gab, dass dann in Vergessenheit geraten ist, so wie die Heinzlein-Biere so für die Landarbeiter und das man sowas dann eben produziert oder diese Idee umsetzt, um Nischen oder auch was Größeres zu füllen, genau. Also ich bin dann praktisch der Chefkoch so, der Chef kommt mit der Idee und ich setze es dann um, ja.

Markus: Und also, letzte Frage noch, weil es mir grad noch einfällt, mir ist auch aufgefallen, dass Schlenkerla jetzt dann doch auch bei Bierwettbewerben mal Biere einreicht, was ja früher, glaube ich, eher nie gemacht worden ist.

Michael: Das war nur mit den Heinzlein-Bieren.

Markus: Ah so. Aber immerhin also.

Michael: Oder du meinst, wenn du auf unsere Internetseite schaust oder so?

Markus: Nee, mir ist es nur, weil, es wurden ja auch Medaillen gewonnen und so also, ne.

Michael: Genau, aber die waren alle international, das machen sehr viele von unseren- also die Letzten da bei diesem Indy-Beer-Cup in Südamerika, der spanische Importeur, der hat das mit angeleiert, er hat uns gefragt, er würde da gerne mitmachen, weil er sagt, das sind super Biere, ob wir dazu auch bereit wären? Da haben wir uns um gar nichts gekümmert, außer dass wir ihm die Biere zugeschickt haben, die er einreichen wollte. Und dann ist das natürlich sehr, sehr erfreulich, man freut sich, wenn dann irgendwann die Mitteilung kommt, man hat keine Ahnung, ja, ihr habt da eine Medaille gewonnen, ja. Also es war nicht bewusst, ja, manchmal haben wir es mitbekommen, manchmal kommt einfach irgendwie so die Mitteilung, hallo, herzlichen Glückwunsch, ganz genau, ja.

Markus: Ja und freut einen dann natürlich auch. Genau, also wir haben die Katze ja schon aus dem Sack gelassen, wir haben jetzt hier das Stiftsgarten Bier, werden wir uns auch gleich noch drüber unterhalten, wie es zu diesem Namen kommt. Und da steht jetzt drauf, mit Bamberger und Spalter Hopfen. Also das heißt, da ist ja jetzt dann schon mal noch eine regionale Zutat mehr drin sozusagen. Und, ja, ich würde sagen, wir machen es mal auf, oder?

Michael: Ja, sehr gerne.

Markus: Machen wir mal. So, schauen wir mal. Das ist wieder mal so ein Moment, wo die Hörer nämlich immer sagen: „Ihr spielt doch dieses Einschenken ein als Soundtrack oder so“, nein, es ist immer live.

Michael: Ja, ich kann es bestätigen.

Markus: Das klappt mal besser und mal schlechter. Jetzt grade war es wieder sehr schön.

Michael: Ja, ein toller Schaum, gell.

Markus: Wunderbar.

Michael: Ja.

Markus: Ja, also vielleicht magst du uns das Bier mal beschreiben, wenn du möchtest?

Michael: Also farblich, für mich, klassische Märzenfarbe, es soll ja auch mehr ein Märzentyp sein. Also unser Rauchbiermärzen ist ja auch ein Märzen, aber das ist ein dunkler Vertreter. Farbe, ja, Bernstein. Für mich persönlich so eigentlich die Urfarbe eines Bieres, ja, also so stelle ich mir Biere vor, wie sie schon vor Jahrhunderten ausgesehen haben von der Farbe, als man so helle Malze noch gar nicht produzieren konnte, wie sie heute hergestellt werden, und von dem her ist es sehr, sehr ansprechend.

Markus: Ist so ein oranges Leuchten, finde ich.

Michael: Ja, stimmt, genau.

Markus: Also wirklich eine ganz schöne Farbe.

Michael: Ja, wir verenden auch dann klassische Malze, also Münchner Malz und helles Malz, was charakteristisch für Märzenbiere ist. Und gibt ein klassisches Maischverfahren, also es wird nicht einfach irgendwie auf die Schnelle produziert, sondern schön klassisch, zwei Maischverfahren in unserem Sudhaus. Sieht man dann auch toll am Schaum, finde ich.

Markus: Ja.

Michael: Ja, ganz toller Schaum. Und dann kommt natürlich dieser erwähnte Hopfen dazu, Bamberger Hopfen ja. Wo wächst der Bamberger Hopfen, wird der ein oder andere jetzt gefragt haben? Wir haben ja hier eine schöne Gärtnerei mit kleiner Brauerei auch in der Stadt inzwischen, der auch sehr gute Biere braut, und der baut auch Hopfen an. Und natürlich war das unser erster Ansprechpartner, weil, Stiftsgarten Bier, Stiftsgarten mit eigenem Weinberg. Und Hopfenhang gibt es noch nicht, ja und dann haben wir gemeint, das sollte dann eigentlich schon mit dabei sein, um diese Regionalität noch mehr zu stärken oder hervorzuheben. Ja, unser lieber Kollege, kann man ja sagen, von der Gärtnerei, der hat gesagt, er hat Hopfen noch. Weil, wir wollten unbedingt bei den ersten Suden Doldenhopfen, also frisch geernteten Doldenhopfen beim Brauen mit dazu geben, ja. Und der Spalter ist ja auch regional, eine alte schöne klassische Aromahopfensorte, ist ja auch irgendwo Region, Spalter-Raum, kleines Hopfenanbaugebiet. Mussten wir auch erst schauen, ob es überhaupt noch einen auf dem Markt gibt, weil der Hopfen gar nicht mehr so gefragt ist, ja. Und in dieser Kombination ist dann dieser klassische Biertyp in dem Stil entstanden, ja.

Markus: Und warum Stiftsgarten Bier?

Michael: Das Rezept ist ursprünglich von der alten Klosterbrauerei vom Michelsberg. Die Klosterbrauerei, 1969 ist die, glaube ich, geschlossen worden, war mal nach der Säkularisierung angepachtet vom Urgroßonkel von meinem Chef. Urgroßonkel, glaube ich, war es, jetzt muss ich echt überlegen, ja, auf jeden Fall Urgroßvater oder Urgroßonkel. Und der hatte viele Jahre im Koster Michelsberg Bier gebraut und hat die Rezepte alle hinterlassen. Die sind alle so, wie man es sich vorstellen kann, in altdeutscher Schrift geschrieben. Ich kann die noch lesen, sage ich mal, der Chef sowieso, musste man sich da rein lesen. Die Kiloangaben gab es damals noch nicht, das war alles damals ein bisschen anders und er schreiben eben Bamberger Hopfen, ja. Und dann war für uns natürlich naheliegend von der Region her und auch von der Landschaft, dass das Spalt am Nächsten kommt. Weil, viele Hopfenanbaugebiete gibt es ja nicht, das Nächste ist unv. #00:35:20-7# Aber ist eigentlich irgendwo ein bisschen eine andere Landschaft, auch von den Böden her. Deshalb haben wir diesen Spalter Spalten auch verwendet, weil es eine gewisse Ähnlichkeit hat und dann eben die Gespräche hier mit dem Gärtner. Und dann haben wir eben dieses Rezept so umsetzen können mit diesem Bamberger Hopfen. Und das ist auch nicht nur ein bisschen was, sondern das ist wirklich, der Anteil ist halbe, halbe. Und es hat dann jetzt letztendlich für vier Sude gelangt, der Hopfen und jetzt schauen wir mal, wie das Ganze sich entwickelt, ja. Und mit dem tollen Bezug eben zum Kloster Michelsberg, der alten Brauerei, die bis 1969 gebraut hat. Und die ja eigentlich urkundlich eine der ältesten Deutschlands ist, 1150 irgendwann oder 56, also ist urkundlich. Ob die ganze Zeit durchgebraut worden ist, weiß man nicht, aber man kann davon ausgehen. Weihenstephan, Weltenburg sind, glaube ich, die Einzigen und Klosterbrauerei Scheyern, die vielleicht älter sind. Und dann hat man das halt jetzt mit diesem alten Rezept und der Idee dahinter, wieder ins Leben gerufen, ja. Und Stiftsgarten, weiß man ja, ist ja hier die Stiftsgartengesellschaft, die steht ja da dahinter, war auch ein Teil der Idee damals zum 1.000-Jährigen, 1.000 Jahre Michelsberg, 21 war, glaube ich, die erste urkundliche Erwähnung da oben vom Kloster, genau.

Markus: Irgendwie so, ja.

Michael: Und das ist dann aber ein bisschen untergegangen wegen Corona auch. Und man hat ja da bei einer befreundeten Brauerei, bei einer kleinen, hat man ja damals den Jubiläumssud gebraut, eben für dieses Jubiläum. Und das kam so gut an, dass dann die Stiftsgarten Brauerei gesagt hat: „Wir hätten es gern in Euro-Flasche und ihr seid unser erster Ansprechpartner“ und dann in der Kombination mit diesen alten Rezepten vom Grasser, Herrn Grasser, ist dieses, meiner Meinung nach, tolle Produkt entstanden.

Markus: Ja, jetzt müssen wir es natürlich noch verkosten. Solange du trinkst, erkläre ich noch kurz den Hörern, also Stiftsgarten, das kommt eben daher, ein Synonym für Koster ist eigentlich auch Stift, also dementsprechend handelt es sich um den Garten dieses Klosters. Und wie sich das bei Klöstern so gehört, liegt das auf einem Hügel in der Stadt, einer von den berühmten sieben Hügeln in Bamberg. Und dieser Hügel erstreckt sich dann eben rund um das Kloster und geht auch in Richtung Stadt, in Richtung Fluss nach unten und da gab es wohl früher auch mal Hopfenanbau, der dann gewandelt wurde zu Kräutern und auch zu Wein. Und dann ist das mal so ein bisschen verfallen, war dann so eine Streuobstwiese mit Zufallsbegrasung, würde ich mal so sagen, und dann hat man vor einigen Jahren das wieder hergestellt als Weinberg mit Streuobstwiese. Es gibt dann eben auch einen Bamberger Wein seitdem wieder und gibt eben auch eine Gesellschaft, die sich um das Ganze kümmert. Und da war dann jetzt eben naheliegend, auch mal an diese bierige Seite zurückzudenken, was einerseits den Hopfenanbau angeht, aber andererseits eben auch diese alte Klosterbrauerei. Und, ja, wie schmeckt es? Probieren wir mal, hm.

Michael: Schön vollmundig, schöner malziger Körper, so wie sich das für ein Märzenbier gehört.

Markus: Ja, also die Cremigkeit finde ich auch da wieder unglaublich, wie schön weich das auf der Zunge ist, wie so das Malzige, die süßen Aromen da auch da sind.

Michael: Also ich persönlich finde, dass der Hopfen ganz speziell ist, also es ist so ein ganz spezielles Aroma, intensiv, aber nicht wie Bitterhopfen.

Markus: Nee.

Michael: Und auch nicht so mild wie jetzt Aromahopfen, sondern mehr die Bittere, die aber sehr angenehm im Mund liegt, ja.

Markus: Und man merkt auch noch so ein bisschen, dass da Pflanzensubstanz auch mit dabei ist, das, finde ich, merkt man auch. Und so ein kleiner Hauch von Rauch ist irgendwie auch drin. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, kann auch sein, aber ist auf jeden Fall, ja, ein tolles Bier und hat natürlich mit diesen 5,7 Prozent mit dem Märzencharakter, ist einfach ein bisschen selbstbewusster. Also das erzählt ein bisschen mehr, das bleibt ein bisschen präsenter und ist ein sehr schönes selbstbewusstes angenehmes Bier, ja.

Michael: Also das mit den 5,7 hat auch einen historischen Hintergrund, das haben wir nicht uns ausgedacht. Das Bier hat ungefähr dieselbe Stammwürze wie unser Märzen, ist aber deutlich höher vergoren, unser Märzen hat ja so 5,3. Der Hintergrund ist der, dass in diesen Rezepten die Bezeichnung oder die Ausführung zu dem Bier stand, dass die Biere vom Michelsberg sehr weingeistig gewesen sind. Und den Begriff alkoholisch kannte man damals noch nicht und wenn was viel Alkohol oder mehr Alkohol oder besonderen Alkohol hatte, hat man von weingeistig gesprochen. Und dann war die Vorgabe natürlich auch für uns hier in der Brauerei, soll auch dieses Bier weingeistig sein, ja. 5,3 ist schon eine ordentliche Weingeistigkeit, aber passt unwahrscheinlich gut zu diesem Biertyp, ja. Weil, das ist ja was, was man schön gemütlich trinkt und, ja, genießt eigentlich, ja.

Markus: Ja, das könnte ja vielleicht sogar angelehnt sein, an diese ersten Aufgussbiere sozusagen. Also das man sagt, okay, das man vielleicht eben mit dem Malz danach noch einen zweiten oder sogar dritten Aufguss gemacht hat und so dann eben so zu den Heinzleins der damaligen Zeit vielleicht auch kam. Könnte man sich vorstellen, ne?

Michael: Ja, ganz genau. In der Nase auch sehr schön das Malz.

Markus: Also ein bisschen nussige Aromen auch.

Michael: Genau, ja. Das kommt klar von diesem Münchener Malz, ja.

Markus: Ja. Und, ja und das merkt man, finde ich, auch im Mund, also diese karamellige Weichheit, das passt wirklich schön. Das Wasser ist ganz normales Bamberger Wasser, oder?

Michael: Ganz normales Bamberger Wasser, ja.

Markus: Wunderbar. Ja und das Rezept habt ihr dann schon noch anpassen müssen oder ist das mehr oder weniger das?

Michael: Eigentlich haben wir es eins zu eins so übernommen, also in seinen Grundzügen. Wir haben es halt so ein bisschen an unsere Technologie halt einfach angepasst, ja, aber im Großen und Ganzen, klar, das Malz ist natürlich in seiner Struktur anders, wie es vor 150 Jahren gewesen ist, allein schon vom Anbau ist es nicht mehr dasselbe. Und da hat man dann einfach in der Technik so ein bisschen dementsprechend die Schrauben gedreht, damit das halt nicht ganz, sage ich jetzt mal, aus dem Ruder läuft in Sachen Alkoholgehalt oder Vergärung, weil damals die Biere oder die Maischprogramme oder die Malze waren nicht so hochgelöst, wie man sagt und dementsprechend war das Maischprogramm natürlich länger. Und das sind aber, sage ich jetzt mal, minimale Dinge, die man halt einfach der Technologie angepasst hat. Aber grundsätzlich wurde auf jeden Fall versucht, das so hinzubekommen, wie es in diesen Rezepten beschrieben ist oder angegeben ist auch, die Rezeptur. Wie es natürlich damals geschmeckt hat, das weiß heute niemand mehr, ja.

Markus: das ist die große Frage, glaube ich, immer noch. Aber ihr macht es ganz normal in eurem Sudhaus hier, ne?

Michael: Ganz genau, ja.

Markus: Da kommt dem ja vielleicht auch entgegen, dass das ja ein Sudhaus aus den 1930er-Jahren ist, das also, glaube ich, viel noch von der Technik oder von der Denkensweise in sich trägt, wie sie da wiederum 100 Jahre vorher war und da sind wir dann ungefähr bei dem Bier, ne. Das ist schon auch eine Herausforderung oder, mit so einem Sudhaus noch zu arbeiten?

Michael: Ja, als, sage ich jetzt mal, erfahrener Braumeister, eher weniger, ja. Das ist so, vielleicht ein bisschen überspitzt dargestellt, wenn ich einen Mercedes mal gefahren habe, kann ich auch einen BMW fahren oder einen Opel, ja, das ist da nicht so. Man denkt sich da rein in das Ganze und weiß, mit was man zu tun hat, ja. Ist natürlich, so wie wir es haben, eine Direktfeuerung am Pfannenboden was anderes, als wenn ich mit heißem Wasser oder mit Dampf oder mit Strom heize. Aber das schaut man sich halt an und dann weiß man, wie man damit umzugehen hat, ja. Aber ist natürlich das Schöne auch für mich halt als Braumeister, dass man was Neues macht, das man halt auch die Möglichkeit hat, mal sowas Historisches zu brauen, ja. Das man auch einen Chef hat, der hinter sowas steht und der es umsetzen möchte und sagt: „Das passt auch zu uns“ und nicht als Marketing-Gag, sondern halt auch aus Interesse, ja. Das ist ja das, was uns ja auch freut, auch meinen Vorgänger, der ja immer noch mitwirkt im Hintergrund ein bisschen, was sehr schön ist. Und das uns dann natürlich interessiert, was kommt jetzt da am Ende raus, ja? Das ist, man sieht das schon, man kann das ja ablesen, dass da mit Sicherheit was rauskommt. Also wir haben nie einen Gedanken daran verschwendet, dass das ein Fehlschuss wird oder Fehlschuss werden könnte, überhaupt nicht, weil, dafür war das alles so klar definiert. Und man hat das ja dann praktisch übersetzt und man hat sich eigentlich gefreut. Ich habe schon im Beerentank probiert, wo geht die Richtung hin, ja? Grade wegen dem Hopfen, wie kommt das mit dem Hopfen? Haben wir hier ja noch nie gemacht mit Doldenhopfen, die Arbeit. Verträgt es unsere Technologie überhaupt? Der Whirlpool, gab es ja zu damaligen Zeiten sowas überhaupt nicht. War ja mittels Würzeförderung, mittels Pumpe überhaupt nicht möglich war, das wird ja auf eine hohe Geschwindigkeit gebracht, das Ganze. Und hat einwandfrei alles funktioniert, ja. Und das war auch schön zu sehen, dass es funktioniert, weil, dann kann man natürlich darauf aufbauen. Haben wir gesagt: „Können wir wieder machen, können wir vielleicht noch was anderes mit Doldenhopfen machen, ja.“ Und natürlich auch, wie sich der Geschmack entwickelt bei Doldenhopfen gegenüber den verarbeitenden Pellets. Aber ich muss sagen, das Ergebnis, wir waren alle begeistert, muss man wirklich sagen, ja. Und die Brauer auch, ist auch ganz wichtig, nicht nur die Braumeister, sondern auch die Bierbrauer.

Markus: Ja, die muss man ja auch mitnehmen. Also das heißt, man könnte sich jetzt vorstellen, dass wir dann demnächst ein red hopped smoked IPA, wie auch immer, da mal was macht?

Michael: Nee, nee, das glaube ich nicht, also wir bleiben schon der klassischen Linie treu. Also, ich meine, die Stiftsgarten Brauerei gab es lang und ich denke, die haben nicht nur dieses Bier gebraut, also es kann gut sein, dass wir da noch sagen: „Wir wollen auch mal das ausprobieren.“ Aber jetzt haben wir damit jetzt erst mal angefangen und hat sich gut entwickelt, die Resonanz ist sehr gut, ja. Ich habe noch keinen gehört, der gesagt hat, was habt ihr denn jetzt da gemacht, ja? Und vor allem auch, dass es nicht die Schlenkerla-Linie ist, sondern Kellerbräu, der wir ja sind eigentlich, bloß, Kellerbräu kennt ja kein Mensch. Und das wir halt als Rauchbierbrauerei eben auch was anderes machen, was nicht mit dem Rauch zu tun hat, aber mit der Brauerei verbunden ist, genau, ja.

Markus: Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann hätte ich, glaube ich, mal so ein richtig schönes Dunkles. Also weil, früher hatten wir ja die Maisel-Brauerei auch in Bamberg und die hatten ja die Michelsberg Brauerei dann mit übernommen und haben da als einziges Bier aus dieser alten Klosteredition das Benediktiner Dunkel weiter gebraut.

Michael: Aha, okay.

Markus: Und das war ein richtig schönes dunkles Bier, also was ich echt gerne gemocht habe als Jugendlicher, darf man gar nicht so laut sagen. Aber halt richtig schön malzbetont, also fast noch intensiver als so ein typisches Münster Dunkel. Und das ist doch bei uns eher selten in der Ecke und macht auch, glaube ich, in Bamberg keiner.

Michael: Das stimmt, jetzt, wo du es sagst, gell. Bei uns im Süden gibt es das öfters.

Markus: Ja.

Michael: Ich persönlich mag den Biertyp auch sehr, sehr gerne, wenn er schön gemacht ist, ja. Aber es stimmt, wir haben hier diese Vollbiere und viel dunkler wird es dann meistens gar nicht. Da sind wir schon mit unserem Märzen, stechen da schon raus. Aber so ein klassisches bayrisches Urdunkel oder wie auch immer, wie man es nennt, stimmt, ja, das …

Markus: Schauen wir mal, genau.

Michael: Ja, wenn es schon mal gebraut worden ist, dann ist es das ja noch irgendwo versteckt geschrieben, ja.

Markus: Das stimmt, auf jeden Fall. Vielleicht, wenn wir noch so ein bisschen in die Zukunft schauen, also die meisten Schlenkerla-Braumeister, zumindest, wenn sie dann mal hier waren, sind ja dann auch da geblieben. Deckt sich das mit deiner Planung auch oder hast du noch so Ideen, was du noch so gerne machen würdest?

Michael: Nee, überhaupt nicht. Ich bin froh, dass ich wieder in Bayern bin oder, ich sage jetzt bewusst Bayern, weil, für mich ist es Bayern, für euch ist es …

Markus: Ist erlaubt.

Michael: Es ist erlaubt, weil ich halt aus dem Süden komme. Bamberg ist eine ganz tolle Stadt und die Umgebung ist toll. Und ich genieße hier diese Bierlandschaft, also die Kellerkultur. Ich meine, im Münchner Raum hast du ja die Biergartenkultur, aber die Kellerkultur ist auch ganz was Tolles und halt diese Stadt, in der halt richtig Bier gelebt wird. Also das ist nicht nur Schlenkerla, sondern es gibt jetzt 14 Brauereien.

Markus: 15, glaube ich.

Michael: 15, ja, von ganz klein bis ganz groß. Es gibt einen namhaften weltweit bekannten Anlangenbauer, es gibt zwei Mälzereien. Eine davon spezialisiert, dass in über 200 Länder ihre Spezialmalze verkauft. Habe ich auch gesehen, wenn ich in der Welt unterwegs war und kleine Brauereien angeschaut habe, überall standen die Säcke von der Firma. Und es ist natürlich ganz toll, diese Kombination aus allem und als Braumeister, was will man denn mehr? Was soll einen da noch locken, ja?

Markus: Das stimmt. Und das ist wirklich so, egal wo du auf der Welt bist, wenn du irgendwie Bamberg sagst, also entweder haben sie ein Sudhaus von hier oder eben Malz oder waren zumindest schon mal da. Also das ist tatsächlich, es reicht. Es ist viel besser, wenn du München oder Berlin oder sowas sagst, da ist man immer gleich gut angesehen. Ja, dann sage ich, ganz, ganz vielen Dank für deine Zeit, für die Infos, für die tollen Biere natürlich.

Michael: Sehr gerne, sehr gerne.

Markus: Und wünsche dir natürlich von Herzen, dass das alles genauso weiterläuft wie es jetzt schon ist, das wir uns noch oft sehen auf ein gutes Bier und vielleicht bei dem ein oder anderen Wettbewerb. Und, ja, heute noch einen schönen Tag dir.

Michael: Ja, vielen, vielen Dank und das Gleiche wünsche ich dir auch, ja. Und immer viel Zeit für viele gute Biere.

Markus: Das haben wir.

 

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