BierTalk 24 – Interview mit Daniel Stenglein aus Hirschaid, Hobbybrauer, BeerJudge und Foren-Administrator

Daniel Stenglein jobbte nicht nur als Jugendlicher schon in einer Brauerei, seit seinem 16. Lebenjahr steht er selbst am Braukessel und arbeitet an seiner Hobbybrauer-Karriere. Mittlerweile ist er bei einer stattlichen Anlage angekommen und administriert ein Hobbybrauer-Forum mit über 8.000 Mitgliedern. Außerdem startet er gerade als International BeerJudge durch und ist beispielsweise Mitglied in der Jury der World Beer Awards. Im BierTalk mit Holger Hahn und Markus Raupach berichtet der gebürtige Bamberger von seiner Leidenschaft, seinen Träumen und seinen Erlebnissen auf den großen Treffen der Hobbybrauerszene im ganzen Land. Natürlich verkostet er auch eines seiner Biere

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Holger: Herzlich willkommen zu einem neuen BierTalk, mit mir, dem Holger und dem …

Markus: … Markus.

Holger: Wir haben das doppelte Dutzend voll und sind bereits beim 24. Talk. Das ist ja irgendwie auch was Besonderes, also so zwei Dutzend BierTalks. Und jetzt haben wir gedacht, jetzt geht’s wirklich in die Vollen. Weil ihr wisst ja, die besten Biere, die der Markus und ich je getrunken haben, kommen natürlich von Hobbybrauern. Natürlich auch die schlechtesten, die wir je getrunken haben. Und so haben wir uns einen Hobbybrauer eingeladen, den Daniel Stenglein. Daniel, vielleicht stellst du dich kurz selber vor und sagst mal, wie das kam mit deiner Brauleidenschaft und wie das so alles ist.

Daniel Stenglein: Danke erst mal für die Einladung, dass ich hier sprechen darf. Das freut mich natürlich total. Und wie gesagt, ich bin der Daniel Stenglein, bin 36 Jahre alt und geboren in Bamberg, ich wohne jetzt in Hirschaid. Und ich bin leidenschaftlicher Biertrinker, verkoste gerne Biere. Ein ganz großes Faible habe ich eben für das Bierbrauen. Das hat sich eigentlich schon früh entwickelt, sage ich mal. Meine Mutter und ihr damaliger Lebensgefährte, die waren jedes Wochenende irgendwie mit dem Passat, damals mit so einem ganz alten Passat sind wir im Landkreis rumgefahren und immer die Wirtschaften abgeklappert. Und ich bin da immer als Kind so auf der Bank eingeschlafen. Und mein Onkel, der ist Braumeister, auch in einer Brauerei im Landkreis, in einer größeren. Da habe ich auch schon so mit 15 mal einen Ferienjob gemacht. Und dann ab 15, 16, Bier trinken natürlich dann erst mal. Und dann vor ein paar Jahren hat dann ein Arbeitskollege, den grüße ich jetzt mal kurz, den Jürgen, der hat mich halt eingeladen. Da habe ich schon gewusst, der braut immer selber Bier. Dann sind wir bei dem in den Garten rein. Und dann habe ich da mit ihm zum ersten Mal einen Sud gemacht, hat auch echt wunderbar gleich geschmeckt, war echt richtig gutes Bier. Ab da hat es mich halt total erwischt. Da gibt’s immer so ein Sprichwort, so ein amerikanisches: Give a man a beer and he wastes an hour. Teach him how to brew and he wastes a lifetime. Und das passt halt absolut.

Holger: Markus, du bist doch auch bestimmt im Passat sozusagen über die Straßen Oberfrankens gejagt nach dem besten Bier von irgendeinem Keller, oder wie war das bei dir?

Markus: Die ganz genauen Motive weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr, weil ich da ja auch noch relativ klein war. Aber es war auf jeden Fall so, dass wir jedes Wochenende immer am Sonntag rausgefahren sind irgendwo aufs Land. Und vom Gefährt her war das damals noch so ein ganz alter Mercedes 220, glaube ich, den mein Vater hatte, da war er auch ganz stolz drauf. Also mit dem sind wir immer rausgefahren. Oder manchmal auch noch mit meiner Oma, in Anfangszeiten hatte die auch noch ein Auto. Das hat sie dann später abgegeben, das war irgend so ein kleiner weißer Fiat oder so. Das war ein bisschen abenteuerlich, aber immer spannend. Und tatsächlich wirklich jedes Wochenende eine andere Brauerei. Und im Sommer dann noch in der Stadt unter der Woche fast jeden Nachmittag auch im Biergarten. Also ich habe das schon auch quasi mit der Muttermilch mitbekommen. Das ist eigentlich so der fränkische Volkssport gewesen und zum Teil sicherlich immer noch.

Holger: Daniel, was sind denn deine Lieblingsbierstile? Also gibt’s da irgendwas, was du immer wieder braust oder immer nach dem Gesetz der Hobbybrauer, kein Bier zweimal, oder wie geht das bei dir?

Daniel Stenglein: Ja, am Anfang habe ich da auch schon experimentiert, muss ich sagen, ich habe viele verschiedene Bierstile gebraut. Aber jetzt komme ich so zurück, meine Leidenschaft ist einfach das untergärige fränkische Lager. Und da versuche ich eigentlich so das perfekte Rezept zu kreieren. Biere reproduzieren im Hobbybereich ist natürlich, hat halt eine gewisse Qualität, also muss man auch können. Das ist sehr schwierig. Aber ich versuche da eigentlich relativ häufig, das gleiche Bier zu brauen. so ab und an, wenn mal so spezielle Feiern sind, wo ich weiß, okay, jetzt ist der Geburtstag von meinem kleinen Bruder, der trinkt ein Pale Ale oder ein IPA, dann braue ich auch mal sowas. Aber eigentlich eher untergärige Biere.

Holger: Vielleicht noch mal für die Hörer. Die Thematik Reproduzierbarkeit der Biere, also die Braukunst ist ja, immer wieder das Bier auch zu reproduzieren, was man herstellt und was der Verbraucher auch haben möchte. Also egal, was ihr jetzt für Biere trinkt und die sind halt von einer Marke und haben einen Bierstil, und ihr wundert euch vielleicht gar nicht, warum die immer gleich schmecken. Aber es ist ja immer mindestens einmal am Tag, aber bei den großen Brauereien auch dreimal am Tag ein unterschiedlicher Sud. Und die Braukunst ist eben, genau das Produkt wieder zu treffen und genau zu reproduzieren. Und bei den Bedingungen, die man eben als Hobbybrauer hat, ist es sehr schwierig, das so zu schaffen, wie das eben in einer professionellen Brauerei geht. Also das vielleicht als Erklärung. Markus, hast du denn schon Biere vom Daniel verkostet?

Markus: Ich überlege die ganze Zeit. Also ich glaube, unterbewusst ja, weil er ja schon an Hobbybrauer-Wettbewerben teilgenommen hat, wo ich in der Jury war. Also nehme ich mal an, dass ich da auch Biere von ihm probiert habe. Allerdings wusste ich ja nicht, dass sie von ihm sind. Ich glaube, er hat mir auch mal irgendwann was so zum Probieren vorbeigebracht. Aber ich muss ehrlichgesagt sagen, so ganz bewusst habe ich jetzt keins im Kopf. Das müssen wir unbedingt noch nachholen.

Holger: Unbedingt.

Daniel Stenglein: Auf jeden Fall, Markus.

Holger: Daniel, also da wäre ich dann auch unbedingt dabei und würde auch die Anreise nach Bamberg natürlich nicht scheuen. Aber du hast ja was jetzt auf dem Tisch stehen vor dir, würde ich sagen. Beschreib doch mal, was da steht, was das ist und warum du dir das gerade für diesen BierTalk heute ausgesucht hast.

Daniel Stenglein: Ich habe ein fränkisches Pilsner vor mir stehen, das habe ich selber gebraut. Auch ein Sud, der mal einigermaßen frei von Fehlern ist. Also schmeckt mir auch sehr gut. Ist auch jetzt schon lange abgelagert. Fränkisches Pilsner deswegen, weil es nicht ganz so herb ist wie ein norddeutsches Pilsner, aber schon kräftiger. Die fränkischen Pilsner, die haben immer so eine extrem ausgeprägte Hopfenblume. Das habe ich hier auch gemacht. Ich habe da hier in den Whirlpool massiv Aromahopfen mit reingeschmissen und der kommt richtig gut durch. Ist auch sehr gut geklärt mittlerweile. Also das ist natürlich auch immer so ein Thema bei den Hobbybrauern. Wir haben ja keine Filtration, da muss man auf natürliche Weise das Bier klären. Aber es ist sehr klar geworden und schmeckt mir vorzüglich.

Holger: Ja, dann schütte es doch mal ein. Lass uns hören, wie das ploppt sozusagen.

Daniel Stenglein: Es war schon offen.

Holger: Ah!

Markus: Ah!

Holger: Okay. Okay. Du hast dir also Mut angetrunken?

Daniel Stenglein: Ich musste meinen Mund befeuchten.

Markus: Also vorzeitiger Bier auf, na, wie auch immer. Lassen wir das mal so stehen. Naja gut, aber es schmeckt dir. Das ist doch schon mal super. Und Holger sagt ja immer, also einerseits ist Pils ja sowieso sein Lieblingsbierstil, aber andererseits ist es natürlich auch einer, der echt schwer zu brauen ist. Also ist das was, wo ein Hobbybrauer vielleicht doch auch Erfahrung braucht, bis er sowas machen kann? Oder lässt sich das doch einfach bewerkstelligen?

Daniel Stenglein: Grundsätzlich untergärige Biere bedürfen schon eine gewisse Professionalität auch, weil da spielen ja auch so Dinge rein beim Abfüllen mit Sauerstoffkontakt et cetera. Pils und klassisches Helles sind so die schwierigsten Bierstile, die man brauen kann. Da muss man wirklich auf sehr viel achten. Ist ein sehr schwerer Bierstil, auf jeden Fall.

Holger: Ich kann das vielleicht auch noch mal ergänzen. Also ich habe auch schon oft selber gebraut und braue auch schon lange, aber jetzt in den letzten Jahren eigentlich kaum noch. Aber angefangen habe ich auch mit 16. Und ein Pils ist eben so schlank und trocken und verzeiht keine Fehler. Das ist es eigentlich. Also diese untergärigen Biere, also Helles oder Pils, sind beides sehr schwer, das stimmt. Die verzeihen keine Fehler. Wenn man einen Fehler macht, dann kommen die auch sofort zu Tage. Also nehmen wir jetzt mal ein klassisches obergäriges Bier, was jetzt in unserer Szene unbedingt beliebt ist. Also nehmen wir jetzt mal ein IPA. Wenn man da jetzt nicht ganz sauber ist, dann hat man ja immer noch die Möglichkeit auch dann hinterher zu stopfen und so. Also man kann ein bisschen kaschieren. Aber bei einem Pils kannst du ja fast nichts machen. Und das ist auch dann der Grund, warum die amerikanischen Brauereien, also auch durchaus die bekannten Craft Breweries dazu übergehen, auch Pilsbiere zu brauen. Gar nicht so sehr, weil die Kunden das so stark nachfragen, sondern nach außen zu dokumentieren, dass sie es wirklich können. Das finde ich sehr interessant.

Markus: Habe ich vor Ort auch erlebt, als ich in Oregon war vor ein paar Jahren, dass die wirklich megastolz waren und als allererstes Bier uns wirklich ihr Pils präsentiert haben, obwohl sie seit 20, 30 Jahren auf dem Markt sind. Weil sie einfach sagen: Jetzt endlich haben wir auch das. Und nachdem wir das so gut können, sind wir jetzt auch richtige Brauereien. Also steckt viel dahinter.

Holger: Genau. Sind wir wer. Markus, du hast doch wahrscheinlich auch was mitgebracht. Was hast du denn da auf deinem Tisch stehen?

Markus: Ich habe ein kleines Wagnis. Und zwar habe ich, ich glaube, so um Weihnachten rum oder so, eine Hobbybrauer-Flasche geschenkt bekommen. Und ich weiß ehrlich gesagt leider Gottes nicht mehr von wem. Und ich weiß auch nicht mehr genau, was da drin ist. Aber sie war in meinem Kühlschrank und ich habe mir gedacht: Mensch, das ist doch jetzt genau der richtige Zeitpunkt, die mal aufzumachen. Also es handelt sich um eine ganz normale handelsübliche 0,5 Liter Flasche mit einem rosa Korken obendrauf. Also das ist schon mal was, wo man nicht genau weiß. Und sie ist komplett voll, also ganz, ganz wenig nur Luft noch in der Flasche. Da sieht man schon, also da merkt man schon, dass es ein Hobbybrauer-Bier ist, weil die normalen Brauereien, die größeren Brauereien ja alle eine genaue Füllhöhe haben und auch einhalten. Und jetzt bin ich mal gespannt. Ich mach‘s mal auf. Also Kohlensäure hat es auf jeden Fall. Das ist ein bernsteinfarbenes Bier. Schaut fast aus wie ein Rotbier, also hat einen schönen Braunton mit einem Rotstich. Ein schöner fester beiger Schaum. Also das von der Seite aus schon mal gut gelungen. Ich rieche mal rein. Aha! Und jetzt hat man auch so einerseits kräutrige Noten, andererseits so ein bisschen rote Beeren. Also wirklich ganz spannend. Ich bin ganz positiv überrascht. Und rauchig, leichte Rauchnote. Also das hat offensichtlich mir jemand geschenkt, der weiß, dass ich gerne Rauchbier mag. Mmh! Oh ja! Und auch geschmacklich großartig. Schön weich, schön rund, ein bisschen Honignote dabei. Ganz toller Abgang, wenig Bittere, leichte Säure, die hintenraus den Mund wieder ein bisschen saubermacht. Schön! Sehr erfrischend. Habe ich zufällig eine Superwahl getroffen. Und wenn er jetzt zuhört, vielen Dank an den Hobbybrauer oder die Hobbybrauerin! Noch mal, wer den rosa Deckel verwendet, wird es wissen. Und es war wunderbar. Also eine tolle Erfahrung, wie du schon am Eingang gesagt hast. Man hat teils die besten Biere bei den Hobbybrauern. Großartig!

Holger: Unbedingt! Daniel, erzähl doch mal ein bisschen: Wie sind denn deine Bedingungen? Also mit welcher Anlage arbeitest du? Wo machst du das dann sozusagen? Wenn man untergärig braut, dann ist man ja so bei einer mittleren Vergärungstemperatur von 6 Grad. Wie stellst du die sicher im Schlafzimmer, dass ihr da ständig 6 Grad habt? Und wie machst du das eigentlich mit deiner Partnerin und so? Also erzähl doch mal, mit welchen Bedingungen arbeitest du?

Daniel Stenglein: Angefangen habe ich das Ganze tatsächlich so, ich bin zur Oma dann gefahren nach diesem ersten Brautag, mit dem Jürgen zusammen. Und ich habe dann gesagt: Oma, du kannst jetzt keine Klöße mehr machen. Ich brauche den Wecktopf. Ich habe mir den dann geholt den Wecktopf, dann ein paar Sude drauf gemacht, aber dann merkt man schnell, man will sich verbessern. Das gehört ja auch zum Hobby dazu, die stetige Verbesserung auch des Brauprozesses. Und dann Irgendwann bin ich jetzt bei meiner Anlage gelandet. Ich habe jetzt zwei 70-Liter-Töpfe, kann Druckgärung machen. Also ich habe so einen zylindrokonischen Gärtank. Ich habe in meinem Schuppen, das ist außerhalb vom Haus, den habe ich da eingerichtet, habe alles rausgefliest, Wasser reingelegt. Eine Kühlkammer mit drinstehen, da lagern meine Biere und vergären drinnen. Und das Ganze ist alles weitestgehend automatisiert. Also das Maischeprogramm, also die verschiedenen Rasten durchlaufen, das ist automatisiert. Ich habe ein Rührwerk. Und dann eben wird es runtergekühlt, da habe ich auch einen eigenen Brunnen, was auch sehr von Vorteil ist, dann muss man nicht so aufs Wasser merken. Und dann geht der Sud eben in den Gärtank. Dann kühle ich noch die restlichen paar Grad herunter. Häufig ist es so, es kommt immer ein bisschen auf die Hefe drauf an, bei den untergärigen Bieren gibt’s ja auch sehr, sehr viele verschiedene Hefen. Und die, die ich dann meistens nehme, also ich gebe die Hefe dann dazu, das Anstellen, das stelle ich bei 6 Grad an. Dann führe ich diese Temperatur nach gewissen Tagen immer höher und lande dann so am Schluss bei 12 Grad. Das ist auch alles automatisiert mit so einer Steuerung in meinem Kühlschrank.

Holger: Hört sich auf jeden Fall schon ziemlich professionell an. Und so die gesetzlichen Themen, dass man pro Haushalt 200 Liter und steuerfrei brauen kann, die wirst du wahrscheinlich überschreiten, oder?

Daniel Stenglein: Im letzten Jahr tatsächlich nicht. Das liegt an meiner Braumethode. Ich mach das sogenannte „No Sparge“. Ich gebe keine Nachgüsse dazu, ich braue nur Vorderwürze-Bier. Das ist ja auch so das Ambrosia des Brauers, die Vorderwürze. Dadurch kann ich natürlich nur meine Braukessel bis zur Hälfte so. Ich hatte immer so 30 Liter Ausstoß und braue so alle 5 bis 6 Wochen mal. Brauen ist das eine, die Maische einmaischen und die Würze zubereiten, ja, das kann man häufig machen, aber was immer viele vergessen auch im Hobbybereich, was dann hinten noch kommt. Die Lagerung und das Vergären alles, da braucht man auch Kapazitäten. Und die müssen natürlich dann auch erst mal geleert werden.

Holger: Ja, sehr gut. Dann machst du eigentlich ausschließlich Vorderwürz-Biere?

Daniel Stenglein: Genau.

Holger: Vielleicht noch mal ganz kurz zur Erklärung. Die Vorderwürze, wenn man eben die Maische fertig hat und dann ins Läutern übergeht, dann ist eben die Vorderwürze quasi die erste Phase des Abläuterns, dabei entsteht die. Und das ist eben ganz wertvoll. Das wird natürlich auch von professionellen Brauereien schon mal hergenommen. Ich habe das ja schon mal beantwortet, also welches Bier nehme ich auf die einsame Insel mit. Da hatte ich ja geantwortet, das wäre bei mir das Imperial Pils der Trumer Brauerei aus Obertrum bei Salzburg. Und das ist auch ein reines Vorderwürz-Bier im Übrigen. Also nur so by the way. Markus, das ist doch was, oder? Also das macht mich ein bisschen durstig auch.

Markus: Ja. Ich bin schon gespannt, was du dir für ein Bier rausgesucht hast. Man muss vielleicht zur Ehrenrettung noch sagen, für die Brauer natürlich hat das jetzt nichts Verwerfliches, wenn jemand nicht nur mit der Vorderwürze braut, sondern es ist ja so, dass nach diesem ersten Läutern einfach noch sehr, sehr viele Inhaltsstoffe im restlichen Malz zurückbleiben, im Treber. Und dass deswegen schon immer eigentlich üblich ist, dass man dann noch mal Wasser drüber gibt, nachschwänzt, wie man das auch sagt, und man damit eben noch mal die restlichen Dinge herauslöst. Und das gibt insgesamt dann natürlich eine Mischung aus dem ersten Lauf sozusagen der Vorderwürze und dem Nachlauf. Und beides zusammen ist dann das, was normalerweise eben zum Bier wird, das macht man seit dem 17., 18. Jahrhundert so, und hat damit eben insgesamt eine maximale Ausbeute aus dem jeweiligen Malz. Und wenn man sich den Luxus leisten kann so wie das Trumer bei seinem Imperial Pils macht oder eben auch der Daniel als Hobbybrauer machen kann, ist es natürlich toll, wenn man nur mit der Vorderwürze arbeitet. Aber es ist nicht schlechter, wenn man die Nachgüsse auch mit dazu nimmt. Aber jetzt mal andersrum, Holger, was hast du dir denn für ein Bierchen ausgesucht? Lass man hören.

Holger: Ich hatte schon Angst, keiner von euch fragt mehr. Ich mach‘s mal auf. Jetzt schenke ich es mal ein. Und jetzt trinke ich es auch. Prost! Ich habe mir wie immer natürlich Gedanken gemacht. Es war ja klar, ich habe mit zwei Oberfranken zu tun. Das war das Erste. Dann weiß ich ja von dem einen, dass er das andere Geschlecht wirklich sehr liebt. Er redet ja ständig von irgendwelchen Frauen. Damit meine ich jetzt den Markus. Dann habe ich mir gedacht, ich weiß ja auch so ein bisschen über den Daniel ein bisschen Bescheid, und dann habe ich schon auch gewusst, also so untergärige Lagerbiere, das ist ein Steckenpferd, also habe ich mir auch ein untergäriges Bier ausgesucht. Und jetzt muss man da irgendwie so das Thema Frauen und untergäriges Lager, also ein Helles, miteinander verbinden. Und so bin ich zu Arcobräu Mooser Liesl gekommen. Und ja, es ist eben so, dass diese Dame wirklich mal existiert hat. Also Arcobräu war halt ganz berühmt eben für das gute Helle, aber es war eben auch so, dass viele nicht nur wegen dem Hellen in den Schlossbiergarten kamen, sondern eben auch wegen dieser netten und schönen Bedienung. Und dann schmeckt das ja noch viel besser. Ich hoffe, ich habe jetzt bei euch beiden genug Bilder produziert. Mir schmeckt‘s auf jeden Fall sehr. He-he-he!

Markus: Ich brauche jetzt erst mal noch einen Schluck Rauchbier. Prost!

Daniel Stenglein: Prost!

Holger: Darüber hinaus habe ich mich jetzt auch noch für eine besondere Flasche entschieden, weil dieses Bier gibt’s eben in zwei verschiedenen Gewindeformen, und zwar einmal in der 0,5er-Euro-Flasche, so wie man sie kennt, und dann eben noch so eine kleine Flasche. Und die finde ich besonders schön. Also es sind halt nicht diese normalen 0,33er-Flaschen, sondern eben die Euro-Flasche, die man kennt, eben nur klein.

Markus: Als 0,25er oder als 0,33er?

Holger: Nein, als 0,33er. Und da mache ich mir jedes Mal Gedanken. Das machen ja jetzt so einige, die nehmen ja diese kleine Flasche her, also da weiß ich nicht, wie das hier bei dieser Flasche ist, aber beim Giesinger weiß ich das. Da hat der Steffen Marx schon diese Flasche auch genommen, hat die aber nicht nur runtergedampft, also sozusagen runtergezogen in den normalen Abmessungen, sondern hat eben auch mit dem Flaschenhals was verändert, damit es besser ist vom Einschüttwinkel, auch wenn man aus der Flasche trinkt. Das finde ich auch ganz spannend. Ich weiß gar nicht, Daniel, welche Flaschen verwendest du denn? Wo kommen die her? Wie machst du das? Kronkorken, Bügelverschluss? Also wie geht das, wie funktioniert überhaupt die Abfüllung da bei dir?

Daniel Stenglein: Wie ja bereits erwähnt, die Entwicklung auch im Brauprozess schreitet natürlich auch immer wieder voran. Und so habe ich dann auch irgendwann mich dafür entschieden, alles auf Druck umzustellen, eben Druckgärung, und dann auch Abfüllung in Kegs. Und dann aus den Kegs mit einem selbergebauten Gegendruckfüller in Bierflaschen dann abfüllen. Die hole ich dann meistens aus der Brauerei frisch gewaschen. Da habe ich zu einigen Brauereien einen guten Draht. Da zahle ich dann das Pfand nur und dann fülle ich das eben in die Flaschen ab. Und dann ganz normal mit so einem ganz normalen Kronkorken-Verschließer. Da habe ich mir mal bei so einer Sammelbestellung in Facebook damals, ich glaube, 5000 Kronkorken geholt. Und dann wird das zugemacht und …

Markus: … und dann ist die Flasche zu sozusagen.

Daniel Stenglein: Genau.

Markus: Und wie ist das mit dem Thema Hefe und Nachgärung und so? Also ist da noch mal Flaschengärung bei dir am Start oder wie machst du das?

Daniel Stenglein: Aktuell nicht mehr, das habe ich am Anfang gemacht. Ganz viele Hobbybrauer, die lassen das Bier ja durchgären, bis ein gewisser Restextrakt eben im Gärbottich drin ist und die Hefe sich dann sozusagen schlafenlegt, weil sie nichts mehr zum verknappern hat. Die meisten Hobbybrauer oder sehr viele, sagen wir mal so, die füllen dann das Bier in Flaschen ab und dann wird eben ein gewisser Anteil Haushaltszucker mit dazugegeben, und dann kann die Hefe diesen Haushaltszucker wieder verstopfwechseln, weil die Hefe produziert ja zu gleichen Teilen dann Alkohol und eben das CO2. Und unter Druck, weil die Flasche ja zu ist, kann sich dieses CO2, was eben durch diesen Haushaltszucker dann entsteht, in der Flasche beziehungsweise im Bier dann binden. Und das ist dann so die klassische Nachgärung oder die Flaschengärung dann.

Markus: Da sind wir ja ein bisschen jetzt bei der Gretchenfrage der Hobbybrauer eigentlich. Weil normale Brauereien würden für die Flaschengärung die schon erwähnte Würze nehmen, um ihr Bier in der Flasche weitergären zu lassen und bleiben damit im Reinheitsgebot. Wenn ich jetzt ein Würfelzuckerchen nehme, dann verlasse ich es ja eigentlich. Das heißt, wie hältst du es mit dem Reinheitsgebot? Was ist so deine Haltung dazu und wie sieht‘s mit deinen Bieren dabei aus?

Daniel Stenglein: Ich bin da absolut zweigeteilt. Also ich glaube nicht daran, aber ich finde es auch gut, sagen wir so. Für mich haben Biere, die jetzt Kirschen drin haben wie ein Kriek oder belgische Biere, die haben auch ihre Daseinsberechtigung, das sind ja historische Biere, die es teilweise schon länger gibt als untergärige Lager. Und warum darf man die nicht in Deutschland brauen? Das ist absoluter Quatsch. Es gibt genug Beispiele, wo Brauer jetzt dann nach Tschechien fahren zum Beispiel und dort ihren Sud brauen lassen, nur weil es in Bayern eben nicht erlaubt ist. Und ich finde, das sind Beschränkungen, die der Kreativität überhaupt nicht förderlich sind. Und wenn jemand sein untergäriges Bier trinken will, das nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516 gebraut ist, dann ist das ja auch absolut in Ordnung und wir können das ja auch weiterhin draufschreiben. Aber ich finde halt auch, dass diese Leute, gerade diese kreativen Brauer, wo wir auch ganz viele kennen, Markus, die sollten auch ihre Chance haben, das hier in Bayern brauen zu dürfen. Und nicht dann draufschreiben zu müssen, alkoholhaltiges Malzgetränk oder so.

Markus: Das ist in der Tat eine schwierige Geschichte, weil halt auch in Bayern dieses Thema durchaus unterschiedlich gelebt wird. Weil es ja auch größere Brauereien gibt in Bamberg, in Augsburg, die regelmäßig andere Biere machen und eben kein Problem haben. Das ist so ein bisschen auch ein Thema, finde ich, was da mit reinspielt. Auf der anderen Seite haben wir die Thematik, dass, wenn all das eben bei uns gemacht werden dürfte, was außerhalb von Deutschland erlaubt ist, dann hätten wir natürlich auch ein großes Problem bei den etablierten Brauereien. Und deswegen ist es auch für mich ein sehr zwiegespaltenes Thema. Aber ich habe dich unterbrochen.

Daniel Stenglein: Ich finde Bier brauen, das ist ja wirklich das komplizierteste Getränk der Welt. Wir haben vier Zutaten und jede Zutat ist praktisch eine Wissenschaft für sich. Und da diese Harmonie zu treffen, so ein Aromaspiel dann daraus zu machen, das ist ja auch was ganz Fantastisches. Und ich für mich, ich braue ausschließlich nur mit diesen vier Zutaten. Ich habe am Anfang dann mal so ein Grapefruit in ein IPA gesteckt, aber diese Aromen, die kann man auch aus gewissen Hopfensorten herauskitzeln. Und jetzt nur noch eigentlich mit den vier Zutaten. Genau.

Markus: Holger, wie ist es denn bei dir mit Reinheitsgebot?

Holger: Ich bin eigentlich ein Verfechter des Reinheitsgebotes, weil das für uns, glaube ich, als Bierland, das ist einfach ein Markenzeichen. Und das Thema Export ist nicht mehr wegzudenken, wir brauchen das, das ist wichtig für die Brauereien. Das ist auch wichtig für das Existieren der Branche. Das war ein genialer Marketingzug eben dieses Lebensmittelgesetz eben dann Reinheitsgebot auch zu nennen, also das heißt ja nicht schon seit 1516 so. Ich glaube, es ist auch genügend Kreativität da, um sich da entsprechend zu bewegen. Ich bin eigentlich ein Verfechter des Reinheitsgebotes, bin aber vollkommen auch bei dem, was ihr gesagt habt. Ich gebe jetzt auch ein Beispiel. Ich würde zum Beispiel das Reinheitsgebot vielleicht sogar noch strenger machen, aber dafür eben dann auch wieder in bestimmte Richtungen öffnen. Was soll jetzt dabei sein, wenn ich ein Fruchtbier herstellen möchte und ich nehme 40 Kilo frische Himbeeren, wo es reiner ja eigentlich nicht geht? Was ist dagegen einzuwenden? Wo ich natürlich absolut dagegen bin, wären jetzt künstliche Himbeeraromen. Da bin ich dann wieder froh, dass wir das so geregelt haben bei uns. Auf der anderen Seite, es ist ein urdeutsches Thema, hat uns viel, viel gebracht und bringt uns auch immer noch was. Das ist sowas, wie so ein bisschen Made in Germany, so kann man das Reinheitsgebot eben auch sehen. In meinen Augen sollten wir es auch in Ehren halten und uns auch erhalten. Also so ist ein bisschen meine Meinung.

Markus: Also in Ehren halten und erhalten finde ich auf jeden Fall auch gut. Bin ich dabei. Daniel, du kommst ja auch ganz schön rum und wir haben uns auch schon bei Bierwettbewerben getroffen. Wie ist das denn so, wenn du andere Hobbybrauer triffst oder sogar im Ausland? Ist das eine Community, habt ihr euch alle lieb? Oder gibt’s da auch Rivalitäten? Wie kann man sich das so vorstellen?

Daniel Stenglein: Da muss ich jetzt ein bisschen weiter ausholen. Ich bin ja auf Facebook einer der Administratoren der Facebook-Gruppe Hobbybrauer. Wir haben da 8300 Mitglieder, und da bekomme ich natürlich auch viel mit. Ich kenne auch sehr viele Leute mittlerweile, Brauer, ich habe da auch wirklich sehr, sehr große Freundschaften geschlossen. Ich muss ganz ehrlich sagen, nirgendwo ist das Miteinander so gut wie unter den Hobbybrauern. Das habe ich auch letztes Jahr auf der HBCon, auf der Heimbrau Convention, in Romrod habe ich das gesehen. Also das war ein wahnsinniges Festival, absolute Freude und jeder mit jedem unterhalten und überhaupt keine Rivalitäten oder so, das gibt’s da nicht. Man freut sich eigentlich für den anderen. Wenn jemand jetzt den ersten Platz beim IPA bekommen hat, da haben alle applaudiert und das war wirklich, wirklich ganz, ganz toll. Und auch bei mir so in der Gruppe, da muss man ganz, ganz selten irgendwie mal eingreifen oder mal irgendwie darauf hinweisen, dass sich jemand im Ton vergriffen hat. Das kommt da eigentlich ganz, ganz selten vor.

Holger: Ich kann das nur bestätigen. Ich habe lange, lange Zeit gesagt, das ist so ein bisschen eine arschlochfreie Zone. Und ich bin da aber weggekommen davon. Also mit der Craftbier-Welle habe ich auch so den Eindruck gehabt, da sind viele auf den Zug aufgesprungen, wollten schnelles Geld verdienen. Kommerziell ist da vieles reingekommen, einige, die eben nur – oder was heißt nur – aber die eben nicht wirklich aus dem Brauhandwerk kommen, egal ob jetzt professionell oder hobbymäßig. Sondern aus der Betriebswirtschaft oder Marketingecke, die haben dann brauen lassen, haben schöne Etiketten entwickelt und so. Also da hat sich auch was verändert. Aber bei den Hobbybrauern, da gebe ich dir vollkommen recht, ist es nach wie vor immer noch eine arschlochfreie Zone. Und ich bin da auch gerne unter diesen Kollegen.

Markus: Ich muss auch sagen, für mich hat es so ein bisschen eine zeitliche Versetzung. Wenn ich überlege, als ich die ersten größeren Zusammenkünfte von Craft-Brauern erlebt habe, so vor 10, 15 Jahren, da war das ein unglaubliches familiäres Gefühl, alle hatten sich wirklich lieb, sie haben sich unterstützt, man hat sich gegenseitig geholfen. Und es war wirklich ein ganz, ganz tolles Ambiente, tolles Erlebnis, eine tolle Szene. So 10 Jahre später hat man gemerkt, dass da langsam aber sicher Gräben aufgebrochen sind. Die einen sind eben größer geworden, dann auf einmal war man Konkurrenz und so, und es wurde schwieriger. Und das zieht sich ja bis heute durch. Und als ich jetzt zum Beispiel letztes Jahr oder auch dieses Jahr wieder in Bayreuth war, bei der Homebrew, und dann ist diese Nacht, wo der Sieger verkündet wird vom Hobbybrauer Wettbewerb, da habe ich wieder diese ursprüngliche Atmosphäre gespürt, so wie das eben mal bei den Craft-Brauern auch war. Da hat man richtig gemerkt, wie die gemeinsam das Bier feiern, wie sie sich feiern, wir sie ihr Hobby, ihre Kreativität, ihre Begeisterung zusammen teilen. Und das, muss ich wirklich sagen, fand ich ein ganz, ganz tolles Erlebnis. Ich hoffe mal, dass die Hobbybrauer das schaffen, sich das zu erhalten, und eben nicht auch in so eine andere Fahrwasserecke kommen. Glaube ich aber nicht, so wie mir die Leute vorkommen, sind die schon wirklich alle Feuer und Flamme und halt echte Hobbybrauer mit Begeisterung und Emotion und Passion und so.

Holger: Also du kannst das auch bestätigen, was ich gesagt habe, oder?

Markus: Meinst du jetzt mich?

Holger: Ja.

Markus: Das wollte ich damit eigentlich gesagt haben.

Holger: Ja, okay. Mhm (bejahend).

Markus: Oder war das jetzt alles sehr unverständlich? Das Rauchbier ist vielleicht stärker, als ich so gedacht habe. Ich weiß ja nicht, wie viel drin ist, keine Ahnung. Daniel, vielleicht noch das Thema Biere bewerten. Also wir haben ja gemeinsam eben schon Hobbybrauer-Wettbewerbe auch gejudged beziehungsweise warst du Teilnehmer und manchmal eben auch in der Jury und so. Wir machen ja auch zusammen größere Wettbewerbe. Wie ist das so, wenn man auf diese Seite auch noch wechselt und dann vielleicht ein bisschen mehr Erfahrung hat und dann vielleicht auch ein bisschen sensibel ist für Dinge, die nicht so sind, wie sie sein sollen? Und dann kommst du mit Leuten zusammen, die du total gerne magst, aber sie kriegen es mit ihren Bieren halt nicht hin, sind aber trotzdem sehr stolz darauf. Wie geht man damit um, das freundschaftlich irgendwie doch rüberzubringen?

Daniel Stenglein: Schwieriges Thema. Ich bin trotzdem immer der Meinung, man sollte konstruktive Kritik ausüben, weil nur das bringt ja auch einen weiter beim Bierbrauen. Den größten Fehler, den ich eigentlich gemacht habe, war ein Fehlaromen-Seminar zu besuchen, weil dann wusste ich, dass Biere auch nicht schmecken können. Vorher war es halt irgendwie immer so ein bisschen so im Sumpf, da ist irgendwas, aber man kann es nicht identifizieren. Wenn man dann so seine Zunge und seinen Geschmack da ein bisschen übt, dann wird man auch extrem kritisch mit den Bieren und auch mit den eigenen Bieren wird man auch extrem kritisch. Ich gebe auch zum Beispiel nie ein eigenes Bier raus, was jetzt einen Fehler drin hätte, so grüner Apfel oder so, Acetaldehyd, dann Diacetyl, wenn ich das vorher nicht drin haben wollte. Also beim böhmischen Pils, klar, aber beim untergärigen fränkischen Lager möchte ich kein Diacetyl haben und ich gebe es auch nicht raus. Obwohl das ja eigentlich auch bei vielen Brauereien, auch in Franken, der Hausgeschmack ist, und viele mögen das ja auch, Diacetyl, aber für mich ist das halt so, seitdem ich das so mache mit Bieren verkosten und Fehlaromen-Seminare et cetera, man wird kritisch, auf jeden Fall. Und den Leuten kann ich dann, wenn ich Kritik übe, dann versuche ich, ihnen trotzdem irgendwie immer mitzugeben, das und das kannst du besser machen, versuch doch mal das, um den Fehler zum Beispiel rauszubekommen oder vielleicht diese Geschmacksnuance ein bisschen raus zu kitzeln.

Holger: Bei Diacetyl ist der Markus auch sehr empfindlich, oder?

Markus: Ja. Da bin ich leider auch sehr empfindlich. Ich muss noch sagen, finde ich sehr schade, weil ich das früher wirklich sehr, sehr gerne gemocht habe, und da wusste ich ja nicht, was es ist. Gerade wenn ich in Tschechien war und habe da eben gerade die dunklen Biere getrunken, die ich gerne mag, und in Franken passiert dann das halt auch öfters. Und mittlerweile bin ich halt dafür sehr sensibel. Das ist schade einerseits, weil ich jetzt wirklich auch das echt nicht mehr mag. Also dann lasse ich es auch stehen und trinke es halt nicht. Und wie gesagt, eigentlich schade, weil viele Leute empfinden das als angenehmes Aroma. Vielleicht an der Stelle mal für die Hörer, die da nicht so tief drin sind. Es gibt beim Bier Aromen, die entstehen, wenn man zum Beispiel im Prozess Fehler macht oder eben zumindest nicht so macht, wie man heutzutage der Lehrmeinung nach eben machen sollte. Oder wenn es eben Verunreinigungen gibt bei den Rohstoffen oder Infektionen, und dann wird es halt richtig schlimm, wenn einfach Sachen dann im Bier drin sind, die da nicht reingehören. Das alles sind Fehlaromen, die man als BeerJudge schon kennen und unterscheiden können sollte. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass die Brauer auch erwarten im Wettbewerb, dass man ihnen so ein bisschen zumindest sagt, was man bessermachen kann, dass dieses Aroma eben nicht mehr entsteht. Und das ist vielleicht so der Bogen, den man schlagen kann. Ich bin natürlich auf der einen Seite sehr sensibel, auf der anderen Seite bin ich dann aber auch sehr froh, dass es so Leute wie den Daniel gibt, weil ich selber jetzt kein Hobbybrauer bin oder zumindest kein guter, und er dann jemand ist, der viel konkreter jemandem sagen kann: Pass auf! Wenn du das vermeiden willst, dann mach doch dieses und dieses und jenes. Da kann ich immer nur aus dem Lehrbuch was wiedergeben, aber eben nie aus der Praxis. Deswegen ist ganz wichtig, dass Hobbybrauer da eben auch dabei sind und sich einbringen.

Holger: Ich glaube, in meinem Erleben ist es auch so, dass gerade auf den Wettbewerben das auch passiert. Dann werden ja so Tische aufgebaut, jeder probiert bei jedem, man tauscht sich aus und klopft sich auf die Schulter. Und holt sich auch Ideen, so nach dem Motto, Mensch, das könnte ich auch mal versuchen, da hat er eigentlich recht und so. Also das ist schon toll. Was ist denn dein Lieblingswettbewerb, Daniel? Wo gehst du am liebsten hin?

Daniel Stenglein: Als Judge war für mich der World Beer Award eigentlich so ein einschlägiges Erlebnis. Das fand ich ganz toll, dass der Markus mich da mitgenommen hat, mich als kleinen Hobbybrauer. Da jetzt hier so kommerzielle Biere verkosten, das war ganz toll. Da habe ich auch unheimlich viel gelernt an dem Tisch, wo ich gesessen war mit dem Table Captain. Aber natürlich auch sehr, sehr anstrengend. Also das darf man nicht unterschätzen, wenn da je Flights reinkommen mit jeweils 20 Münchner Dunkel zum Beispiel. Dann zu jedem was schreiben und sich drüber unterhalten, wie das Bier denn schmeckt und was für Aromen drin sind, eventuell Fehlaromen. Das war eine ganz, ganz tolle Erfahrung.

Holger: Habt ihr euch da am Tisch getroffen ihr beiden, oder wie war das?

Daniel Stenglein: Der Markus hat mich gefragt, ob ich da mitgehen möchte nach Hamburg. Da habe ich gesagt: Natürlich, diese Chance nutze ich. Und der Markus ist ja da praktisch der Obersommelier, sage ich mal, oder Markus wie würdest du dich da bezeichnen?

Markus: Da bin ich quasi der Leiter der deutschen Jury. Könen wir mal so sagen. Mhm (bejahend).

Daniel Stenglein: Genau. Und dann haben wir uns halt oben am Vorabend in Hamburg getroffen, waren da ein paar Bierchen trinken, und am nächsten Tag die Verkostung. Das war echt ganz toll.

Markus: Genau. Und das ist ja auch immer so eine Gratwanderung, weil vor so einem Wettbewerb, auf der einen Seite freuen sich alle Judges, dass man zusammenkommt und Zeit miteinander verbringen kann und es ist total schön. Auf der anderen Seite weiß man aber auch, am nächsten Tag steht echt ein hartes Programm auf der Tagesordnung, wo es auch mal heißen kann, 60, 70, 80 Biere zu probieren. Das heißt, man muss wirklich Disziplin wahren an dem Abend vorher. Das ist tatsächlich immer nicht so einfach. Wir haben es aber gut hinbekommen, war ich auch sehr stolz auf unsere ganze Jurymannschaft. Es waren dann auch, glaube ich, alle so gegen elf, halb zwölf im Bett, zumindest alle, von denen ich wusste. Und das ist schon ein wichtiger Punkt. Am nächsten Tag trifft man sich dann früh, also das war deine Frage, glaube ich, Holger, ob wir uns dann am Tisch selber gesehen haben? Nur bedingt, weil dadurch, dass ich ja jetzt Jury-Chef bin, eher so eine Supervisor-Funktion habe, wo ich gar nicht mehr so viel am Tisch selber dran bin, sondern eher so dafür da bin, für die Jury-Leute da zu sein, im Zweifelsfall bei Fragen zu helfen oder auch selber mal bei so kniffligen Sachen zu entscheiden, ist das jetzt noch so oder so. Oder auch mal zur Not auf ein Etikett zu schauen, ist da vielleicht was bei der Einordnung falsch gegangen oder stimmen vielleicht irgendwelche Werte nicht? Also da gibt’s viele, viele Dinge, die man da im Hintergrund noch tun muss. Auf jeden Fall eine spannende Geschichte, und steht ja auch dieses Jahr wieder an. Dieses Jahr werden wir da wahrscheinlich ein ganz besonderes Experiment machen, aber da dürfen wir, glaube ich, offiziell noch gar nicht drüber reden. Deswegen muss ich das an der Stelle jetzt erst mal lassen. Aber da können wir, wenn wir dann den nächsten BierTalk zusammen machen, auch mal drüber sprechen über die Erfahrungen, die wir da sammeln. Weil jetzt eben alle neue Wege gehen müssen, weil die klassischen momentan nicht funktionieren und vielleicht auch auf längere Sicht nicht funktionieren. Wie ist das denn bei den Hobbybrauern, Daniel? Durch die Corona-Geschichte sind da auch Events ausgefallen? Gab’s da auch welche, die dadurch Probleme hatten? Oder wie ist da so die Kommunikation?

Daniel Stenglein: Das größte Event oder eines der bedeutendsten Events, also die Heimbrau Convention, die war quasi schon in den Startlöchern und ein paar Tage vorher kam dann der Shutdown und dann wurde alles abgesagt. Die HBCon wird ja von einem privaten Verein organisiert. Das war natürlich extrem schade und der Verein stand auch kurz davor, irgendwie mit den Finanzen nicht mehr zurecht zu kommen. Weil die haben ja auf dem Schloss alles organisiert, das ganze Merchandising, die Organisation, das war ein Riesenaufwand. Auch hier muss ich wieder sagen, die Hobbybrauer, im Forum zum Beispiel gab’s dann und bei mir in der Gruppe gab‘s einen Aufruf zwecks Spenden. Und da haben sich dann alle gemeldet, also die HBCon wurde, Stand bis jetzt, gerettet. Viele Spenden sind eingegangen und wahrscheinlich wird sie dann auch wieder nächstes Jahr stattfinden. Wir haben ein Jahr darauf gefiebert, weil das für uns Hobbybrauer natürlich ein ganz, ganz tolles Event ist, und dann haben wir zwei Tage vorher oder drei Tage waren es, glaube ich, die Absage bekommen. Das war extrem schade für uns.

Markus: Krasse Sache. Aber es scheint ja jetzt dann doch wenigstens an sich gerettet zu sein, das ist ja schon mal ganz gut. Vielleicht noch abschließende Frage zu dem Facebook-Thema. Da ist ja auch immer so der Eindruck, mittlerweile ist ja da ganz viel Unsinn auch, was auf dem Netzwerk verbreitet wird. Andererseits so eine sehr spezifische Gruppe zu haben mit 8000 Mitgliedern, das ist ja schon sehr spannend. Wie kam das denn so, was gibt’s da für Herausforderungen? Und was ist so das Besondere an so einer Gruppe, so einer großen Gruppe auf Facebook?

Daniel Stenglein: Wie das kam? Ich war von Anfang an mit dem Hobbybrauer-Fieber infiziert. Ich habe mich dann auch im Forum mit eingebracht und in der Gruppe. Und irgendwann habe ich dann mal gesagt so, ich habe dann so gemerkt, dass in der Gruppe so ein bisschen was falschgelaufen ist, dass viele so Unsinns-Beiträge kommen. Und dann habe ich irgendwann mal den Chef von der Gruppe, also dem die Gruppe gehört, haben ich dann mal gefragt: Wie wär‘s denn, kann ich dich unterstützen als Moderator? Das hat dann gut geklappt. Und irgendwann hat er mich dann als Admin ernannt. Wie du gesagt hast, also es gibt immer wieder Ausreißer, aber der Ton an sich ist bei uns extrem gut. Wir haben da auch Regeln aufgestellt, also die muss auch jeder dann bestätigen die Regel, wenn er die Gruppe betritt. Und wir als Administratoren schauen halt im Hintergrund dann, ob das Thema jetzt dem entspricht, unseren Gruppenregeln entspricht, und ob wir das so akzeptieren können. Eingreifen oder so oder moderieren so einen Beitrag, ganz, ganz selten. Also das ist wirklich sehr, sehr gut. Und innerhalb dieser Gruppe habe ich ja dann auch für die BrauBeviale, zusammen mit der brau@home haben wir dann einen Teil organisiert. Also die Schaubrauen und so die Beiträge haben wir dann letztes Jahr gemacht. Das Get Together der Hobbybrauer, da kamen dann auch extrem viele zusammen. Da habe ich dann die Aufrufe gemacht im Forum und in der Facebook-Gruppe. Und es sind alle gefolgt und ist ein sehr, sehr schönes Miteinander, auf jeden Fall. Was ich nicht mehr missen möchte in meinem Leben.

Holger: Daniel, was ist denn noch geplant? Also was sind für Biere noch geplant, was steht auf dem Braukalender?

Daniel Stenglein: Auf dem Braukalender steht als nächstes ein Bock auf jeden Fall. Den muss ich auch immer länger ablagern, das ist im Hobbybereich auch immer so ein Thema. Den werde ich dann so im Oktober dann ausschenken. Den werde ich jetzt dann irgendwann mal einbrauen. Und für einen kürzeren Zeitraum jetzt dann doch noch mal ein Pale Ale möchte ich machen. Jetzt habe ich auch hier vor mir am Tisch ein ganz spannendes Bier, ein alkoholfreies Pale Ale. Und da werde ich mich jetzt auch mal demnächst rantrauen. Das ist ja so, die Hobbybrauer, die preschen immer ein bisschen so vor mit den Trends. Also wir haben ja auch jetzt im Moment so die alkoholfreien Biere, was ich auch extrem spannend finde. Zum Beispiel jetzt mit Kveik hefevergorene Biere, die jetzt absolut im Trend sind. Glaubt ja auch meistens keiner, wenn man sagt, man vergärt ein Bier, ein Lager, bei 30 Grad und es entstehen keine Fehleraromen und es ist ein cleanes Lager. Das glaubt man ja fast gar nicht. Aber es ist mit Kveik-Hefen möglich. Und da sind die Hobbybrauer eben extrem innovativ und probieren auch alles aus. Das werde ich jetzt mal aufmachen, das alkoholfreie Pale Ale. Das ist von Maisel. Das ist ein richtig gutes Pale Ale, finde ich. Hat eine schöne Hopfenblume, ist sehr, sehr fruchtig, hat einen leichten Würze-Geschmack. Aber was auch bei so einem alkoholfreien Bier auch vollkommen in Ordnung ist für mich persönlich, weil wenn das dann so leer schmeckt und nur fruchtig, also ein bisschen Würze muss schon mit drin sein. Prost!

Markus: Prost!

Holger: Ja, Prost! Unbedingt! Mensch, das ist doch ein schönes Schlusswort, dass nicht nur die Hobbybrauer hervorragende Biere brauen, sondern innovativ sind und Trends anteasern oder ankündigen. Also liebe professionellen Brauer und Konzerne, schaut auf diese Welt und guckt auf die Hobbybrauer. Da könnt ihr einiges für das Thema Produktmanagement herausziehen.

Markus: Genau. Und vielleicht noch an der Stelle der Tipp. Die Hobbybrauer sind auch organisiert, also es gibt Vereine, einen Verband, kleine Gruppen jeweils vor Ort. Also wer Interesse hat, in dieses Thema selber Bier brauen einzusteigen, meldet euch da einfach mal. Das sind alles liebe Menschen, die zeigen euch das, die lassen euch mitmachen und helfen euch auch bei den ersten Schritten sich selber was zusammen zu basteln. Wer noch nach einem Hobby sucht, das ist auf jeden Fall ein cooles, ein sehr vielfältiges und ein sehr lustiges. Also an der Stelle vielleicht auch noch mal die Einladung. Macht das!

Holger: Ja, perfekt!

Daniel Stenglein: Besser kann ich es nicht sagen, Markus.

Holger: Ja genau. Also schönes Schlusswort. Daniel, an der Stelle vielen, vielen Dank für deine Zeit und für deine Offenheit, aus deiner Welt zu berichten. Und natürlich auch an dich, Markus, wie immer, es war mir ein Vergnügen.

Markus: Vielen Dank!

Daniel Stenglein: Vielen Dank! Ich habe auch zu danken. Ciao!

 

BierTalk – der Podcast rund ums Bier.

Alle Folgen unter www.biertalk.de

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