BierTalk 159 – Interview mit Christian Weber, CEO Karlsberg Getränke Verbund, Präsident Brauerbund und Brewers of Europe

In dieser Folge geht’s für Markus ganz in den Westen Deutschlands: ins Saarland – zur Karlsberg Brauerei. Zu Gast ist Christian Weber, der als 5. Generation im Familienunternehmen Verantwortung trägt und erzählt, wie ihn sein Weg früh ins Ausland geführt hat – von Schottland über verschiedene Stationen bis zurück nach Homburg. Im Gespräch geht es um die besondere Geschichte der Region zwischen Frankreich und Deutschland, um Heimatgefühl, Wandel und warum das Saarland erst mit der Industrialisierung so richtig zur Bierregion wurde. Natürlich wird auch verkostet: Markus probiert das Karlsberg Urpils und schwärmt von der markanten, langen Bittere, die sofort wieder Durst macht – „Fahnenträger“ nennt Christian das Bier, das wie kaum ein anderes für Karlsberg steht. Außerdem sprechen die beiden über Innovationen wie die Homburger Braunacht, bei der jedes Jahr neue Biere vorgestellt werden – und trotzdem viele am Ende wieder beim Urpils landen. Und Christian gibt einen Einblick, wie es ist, ein Familienunternehmen mit vielen Gesellschaftern zu führen – und parallel als Präsident im Deutschen Brauer-Bund und bei den Brewers of Europe die Interessen der Branche zu vertreten. Am Schluss verrät Christian auch, wie man Karlsberg erleben kann…

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BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute reisen wir mal ganz in den Westen der Republik, in ein kleines Land, das sogar auch schon mal ein eigenes Land war, nämlich ins Saarland. Und dort gibt es eine der größten und erfolgreichsten Brauereien in ganz Deutschland, Karlsberg. Gerne verwechselt mit einer anderen Brauerei, die auch einen anderen Anfangsbuchstaben hat, aber da kommen wir vielleicht noch dazu. Und dort sitzt der Christian Weber und da bin ich mal ganz gespannt. Erst mal schön, dass du da bist und vielleicht sagst du zwei, drei Worte zu dir selber.

Christian: Ja, Markus, ganz herzlichen Dank für die Einladung erst mal. Ich freue mich immer, wenn Menschen sich für das Thema Bier interessieren und deswegen freue ich mich heute auf unser Gespräch zu ganz, ganz vielen Themen, die wir wahrscheinlich dazu haben. Zu meiner Person, ich bin, wie gesagt, hier aus dem Saarland, stemme ich mit, jetzt in ein paar Tagen, 47 Jahren die 5. Generation hier bei uns im Unternehmen der Karlsberg Brauerei und, ja, darf da aus der Familie heraus das Unternehmen mit meinem Team zusammenführen und tolles Bier brauen.

Markus: Ja, also das ist ja eigentlich schon mal zusammengefasst alles, wir könnten eigentlich schon wieder aufhören, aber es ist natürlich unglaublich viel mehr, über das man reden kann. Und, ich meine, ich komme jetzt hier aus Franken und da gibt es unheimlich viele Familienbrauereien und wenn ich da eben so zu einer typischen fränkischen Brauerei gehe und da den Juniorchef sozusagen habe und frage, so wie ist das, dann erzählt er mir, ja, der ist da als Kind schon irgendwie auf dem Dreirad durch die Brauerei gegondelt und hat die Leute genervt und ist da drin so groß geworden. Und auf der einen Seite war es doof, dass er immer schon wusste, dass er machen muss und so, auf der anderen Seite war es auch irgendwie cool. Ich weiß nicht, euer Laden ist ja doch ein bisschen größer. Wie war das denn für dich, also warst du in deiner Kindheit, in deiner Jugend irgendwie mit dem Betrieb auch betraut oder hast du dich da eher rausgezogen, wie war das?

Christian: Also, ich sage mal, fundamental als Brauerei sind wir, glaube ich, sehr vergleichbar von der Größe mit den vielen mittelständischen Brauereien, die es in Deutschland gibt. Was uns vielleicht ein bisschen unterscheidet, ist, dass wir dann eben ein paar andere Themen über die Zeit angefangen haben, im Mineralwasserbereich, Saftbereich unterwegs. Aber mal so als Brauerei hier, Homburg ist eine kleine Stadt mit 40.000 Einwohnern. Ich bin natürlich hier ziemlich nah an der Brauerei aufgewachsen, habe da auch immer wieder Berührungspunkte gehabt, muss aber gestehen, dass es bei uns jetzt nicht in der Familie so war, dass man da irgendwie mit 10, 12 Jahren hier im Betrieb war und durch die Gegend gelaufen ist. Und dazu kam dann auch, dass ich mit 16, wollte ich mal so ein Jahr ins Ausland, um ein bisschen die Sprache zu lernen und bin in Schottland gelandet und bin dann 16 Jahre später mit 32 erst wieder zurückgekommen. Also jetzt nicht aus Schottland, aber habe dann von dort aus verschiedene Stationen im Ausland gemacht und hatte insofern auch so in dieser Phase, wo man, ja, ins Berufsleben einsteigt, auch eine gewisse Distanz zu diesem Unternehmen. Und dann aber trotzdem irgendwann hat es mich dann doch wieder hier nach Hause gezogen und bin dann eingestiegen und habe hier erst mal mitgearbeitet und dann so Schritt für Schritt die Aufgabe von meinem Vater übernommen.

Markus: Ist man als Saarländer ein heimatverbundener Mensch?

Christian: Ich glaube, das ist, ja, grundsätzlich jeder. Also ich habe bisher noch nie einen Menschen kennengelernt, dem die Heimat irgendwie nicht wichtig ist. Es gibt unglaublich viele Saarländer, die nicht im Saarland sind, also es sind sehr viele Saarländer, die man überall auf der Welt trifft und insofern ist es eine Kombination. Ich glaube, es gibt einen sehr engen Bezug zu Familie, zu Tradition. Wir sind ein, ja, ich sage mal, so ein kleines Land, sehr ländlich geprägt, viele kleine Ortschaften, die Menschen, die nah beieinander sind und da, glaube ich, eine hohe Emotionalität entsteht zu diesem Thema Saarland und dieser Heimat und gleichzeitig zieht es uns alle in die Welt hinaus, also das ist vielleicht so eine Kombination, ja.

Markus: Ja, auf jeden Fall spannend. Also für mich ist das Saarland schon immer ein sehr spannender Landstrich, sozusagen immer in diesem Spannungsfeld zwischen Frankreich und Deutschland gewesen. Dann eben so ein bisschen hin und her, Napoleon hat es schon besetzt und dann später ging es eben wieder zurück. Und dann war es ja nach dem zweiten Weltkrieg mal kurz sogar eigenständig, hatte eine Fußballnationalmannschaft, ist ja schon irgendwie alles auch spannend. Und da als Unternehmen auch zu sein natürlich, das bedeutet ja auch ständiges Hin und Her mit Besatzungszonen, unterschiedlichen Währungen, unterschiedlichen Lieferanten. Also das sind ja viele, viele Herausforderungen, die gerade durch diese spezielle Lage irgendwie sind. Ihr habt ja bestimmt so ein Unternehmensarchiv und so, wenn man da so ein bisschen reinschaut, merkt man, dass das schon viele Herausforderungen mit sich gebracht hat, diese Lage gerade im Saarland?

Christian: Ja, auf jeden Fall und man merkt, wie es die jeweilige Generation geprägt hat und deren Aufgabenstellung auch verändert hat. Also, mein Großvater hat, glaube ich, fünfmal die Nationalität gewechselt, ohne umzuziehen. Und wie du es eben auch angesprochen hast, fünfmal die Währung, fünfmal den Wirtschaftsraum, also das prägt natürlich eine Unternehmung extrem. Daraus ist bei uns jetzt mal grundsätzlich das Thema Internationalisierung entstanden. Wir sind eine von, ich glaube, soweit es mir bewusst ist, 2 deutschen Brauereien, die einen wirklichen Standort in Frankreich betreiben, in Saverne bei uns, in der Nähe von Straßburg, die Brasserie Licorne, eine Brauerei, die dort aufgebaut wurde. Also diese Deutschland-Frankreich-Kombination hat uns da auf jeden Fall geprägt, auch in unserer, im Vergleich kann man ja auch das Thema Europa nehmen, um nachher noch mal zu sprechen, unserer Überzeugung, dass man über diese Grenzen einfach hinausdenken muss, im Sinne von, wo man seine Geschäfte macht. Was uns im Saarland natürlich auch ausmacht, und das ist für das Thema Bier extrem relevant, vor 200 Jahren waren wir keine Bierregion, vor 200 Jahren war hier Landwirtschaft und Weinbau und erst mit der Industrialisierung über das Thema Kohle, Kohlegruben, Erz, Stahl, Stahlfabriken, da ist der große Durst der Saarländer entstanden, und mit diesem Durst kam der Wechsel vom Wein zum Bier. Und daraus sind die Brauereifamilien, ja, die Brauereien hier im Saarland entstanden, die daraus natürlich insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg dann ihren großen Aufschwung, ihr Wachstum hatten. Wissentlich, dass wir die ersten Jahre ja noch Teil von Frankreich waren, erst viel später sozusagen als neues Bundesland in die Bundesrepublik gekommen sind, was auch für so ein Unternehmen natürlich viel Veränderung gebracht hat. Also diese Geografie, die Bodenschätze, die wirtschaftliche Veränderung, die haben uns immer geprägt. Und, ich sage mal, wir erleben es jetzt hautnah, dass wir ja jetzt wieder an so einer Veränderung stehen, hier vor den Toren der Stadt Homburg stehen große Automobilzulieferer, in Saarlouis ein großes Ford-Werk, das jetzt schließt. Also das sind strukturelle Veränderungen, die natürlich auch für uns herausfordernd sind, wo wir aber als, ich sage jetzt mal so, in 5. Generation Unternehmen natürlich jetzt auch nicht überrascht sind, dass sich Dinge verändern, insofern, glaube ich, vielleicht sind wir da ein Stück vorbereitet auf solche Veränderungen.

Markus: Ja, auf jeden Fall. Das, finde ich, ist auch wirklich was Besonderes an diesen traditionellen Handwerksbetrieben, wo Brauereien für mich auf jeden Fall so ein Aushängeschild sind, weil man ja einerseits über so viele Generationen eben schon besteht und damit auch eben Zeiten mitgemacht hat. Zum Beispiel bei euch am Anfang, da gab es noch kein Pkw, in dem Sinn zum Beispiel und schon gar kein Telefon, geschweige denn Handy oder Internet oder so und viele, viele Veränderungen, die eben im Laufe der Zeit immer wieder gelaufen sind. Und wenn man so normalerweise in wirtschaftliche Dimensionen guckt, dann gibt es ja immer so Produkte mit Produktlebenszyklen und normalerweise ist ja kein Lebenszyklus eines Produktes über 150 Jahre oder so, sondern das heißt eigentlich, dass jede Generation wieder einen Zyklus neu anfangen muss, das Produkt in gewisser Weise neu erfinden muss, um wieder so einen neuen Hype, so einen neuen Zyklus zu produzieren. Und das ist, glaube ich, wirklich eine krasse Herausforderung, die man da irgendwie hat. Vielleicht noch 2 Fragen zum Unternehmen und dann kommen wir gleich zu den anderen Punkten. Das eine, was mir ganz am Anfang aufgefallen ist, als ich schon vor vielen Jahren einen Podcast mal gemacht habe mit Mitarbeitern von euch, dass ja der erste Gründer auch schon Christian Weber hieß. Und da gibt es ja andere Unternehmen in Deutschland, gerade in der Brauereiecke, wo dann jeder Erstgeborene auch wieder so heißen muss. Ist es bei euch auch so oder ist es eher Zufall, dass du auch so heißt?

Christian: Das müsste man jetzt meinen Vater fragen, ob das jetzt Zufall war. Also, ich glaube, dass da schon so ein gewisses Thema mitschwingt. In meiner Generation jetzt vielleicht ein bisschen weniger, als das in den Generationen davor war, also wir hatten da Christians, Pauls, Richards, in verschiedensten Konstellationen. Wir sind auch eine große Familie, muss man dazu sagen, also ich bin einer von 30 Mitgesellschaftern im Unternehmen. Insofern, da gibt es alle möglichen Namenskonstellationen, die da sich vielleicht auch in Zukunft ergeben werden, wenn ich das dann irgendjemand mal weiter übergeben werde. Aber vielleicht war das in der Vergangenheit natürlich auch so eine Form, oder ist es immer noch, eine Form der Wertschätzung gegenüber den Menschen, auf deren Arbeit man, ja, das Privileg hat, aufzubauen und zurückzugucken und zu sagen, na ja, da waren Menschen vor einem, die hatten ihre Aufgabe, die hatten ihre Themen und in ihrer Form haben sie die bewältigt, sonst gäbe es uns in der Konstellation nicht. Also, ich glaube, so diese Wertschätzung für das, was erbracht wurde, ist wahrscheinlich eines der großen Themen, die Familienunternehmen prägt.

Markus: Das ist schön gesagt und finde ich auch ein ganz schönes Bild auch. Vom Namen her, also wenn man überlegt, 1878, da gab es ja, glaube ich, die großen Dänen auch schon. Weißt du, warum der Name Karlsberg gewählt worden ist und inwiefern das vielleicht was miteinander zu tun hat oder eben bewusst nicht?

Christian: Genau, also bei uns weiß ich es, bei den Kollegen aus Dänemark so ungefähr. Die sind auch, glaube ich, ungefähr gleich alt, ich glaube 76, ich habe es jetzt nicht genau im Kopf, aber wir sind in der gleichen Phase gegründet. Bei uns ist es eine sehr klare Geschichte. Also hier in Homburg gab es einen Hügel und auf diesem Hügel hat der Herzog Karl August Ende des 18. Jahrhunderts ein großes Schloss errichtet. Er war Anwärter für den Thron von Bayern und hat da, ich sage jetzt mal, so als Machtdemonstration, sich ein großes Lustschloss, so Art Versailles, hier hingestellt. Er hatte dann nicht sehr viel Glück, war dann hochverschuldet, musste ins Exil nach Mannheim, französische Revolutionstruppen haben das Schloss platt gemacht und sein Bruder wurde König von Bayern. Also für ihn ist es nicht ganz so gut gelaufen. Aber angeblich, und so ist die Überlieferung, gab es in diesem Schloss ein Gebäude, das heute auch noch steht, das wir als Brauerei irgendwann gekauft haben, und in diesem Gebäude gab es damals schon eine Schlosshausbrauerei sozusagen. Und als mein Ururgroßvater dann hier die Brauerei aufgebaut hat, hat er sich entscheiden müssen, nennt er die jetzt Weber Brauerei oder sucht er sich einen Namen. Ich sage mal, damals wurde der Begriff Marketing wahrscheinlich noch nicht irgendwie in den Mund genommen, aber das ist ein Branding, und dann hat er sich entschieden, er nennt diese Brauerei Bayerische Bierbrauerei zum Karlsberg. Ich muss dazu sagen, zu dem Zeitpunkt waren wir auch Teil von Bayern und auch das Thema bayerische Bierstile war ja damals so ein Begriff, der auch viel genutzt wurde, um zu definieren, was man denn herstellt. Ja und dann hat er gesagt, okay, das ist in der Nähe von diesem Berg mit dieser Brautradition und so nennen wir das jetzt. Und zu dem Zeitpunkt gab es natürlich  noch keine Markenanwälte, die jetzt mal im Internet geguckt haben, ob es noch eine andere Firma gibt, die auch so heißt. Und, ja, wir haben uns irgendwann auch mit den Kollegen aus Dänemark da auf, ich sage jetzt mal, eine Art und Weise, wie wir miteinander da nebeneinander her arbeiten, geeinigt und das ist auch alles okay. Es sorgt natürlich, wenn ich jetzt sage, für welche Firma ich arbeite, ab und zu noch mal für eine Nachfrage, aber, ja, ist vielleicht auch gar nicht so schlecht.

Markus: Ja, also ich finde es auch immer ganz witzig. Und für alle, die eben lesen können, ist ja klar, man hat ein K am Anfang und kein C. Und vielleicht auch noch mal für alle, die historisch nicht so ganz dabei sind, es gab eben mal die Bayerische Pfalz, also ein Stück Bayern, was eben auf der anderen Rheinseite lag und da war eben Homburg mit dabei, ein Teil eben vom heutigen Rheinland-Pfalz auch, und das war eigentlich bis zum Zweiten Weltkrieg letzten Endes.

Christian: Genau, die Grenze lief sozusagen, die Grenze zwischen Bayern und Preußen oder in den anderen Regionen lief hier genau durch diese Saar-Region durch. Also da gibt es Bereiche, die waren ein Teil von Bayern, da gibt es Bereiche, die waren ein Teil von Preußen oder anderen Herzogtümern. Ich glaube aber, es war auch damals schon bewusst, ich glaube, es war ja jetzt nicht unbewusst gewählt, dass dieser Begriff bayerisch in Bezug zu einer Brauerei gewählt wurde, weil natürlich diese Fragestellung von einem Qualitätsabsender und einer Bierart damals die Leute natürlich auch schon beschäftigt hat. Das prägt auch uns extrem über die Jahre, kann man sich vorstellen, hier in der Region, wo regelmäßig die Kriege von links nach rechts gegangen sind. Also, ich glaube, es gibt in unseren Chroniken einen Ausspruch von meinem Großvater, der das irgendwann mal aufgeschrieben hat, wo er glücklich war, wieder echtes Bier brauen zu können, weil vorher einfach nur die Möglichkeit war, Dünnbier herzustellen, weil es gar kein Malz gab. Und dieses Verständnis, dass Produktqualität für den Konsumenten echt relevant ist, das ist halt schon sehr tief bei uns verankert, auch über die Zeiten, in denen es einfach nicht möglich war, höchste Qualität herzustellen, weil die Rohstoffe nicht da sind. Ich glaube, da zieht sich so ein kleiner roter Faden bei uns durch.

Markus: Das stimmt auf jeden Fall. Und, ich meine, bayerische Bierbrauerei hieß damals eben untergärig brauen, Lagerbier brauen, helles Bier brauen, klares Bier brauen. Alles Eigenschaften, die man eben sonst so nicht hatte und dementsprechend war das auch ein Zeichen von Innovation, von Qualität sowieso und war sicherlich auch einer der Schlüsselfaktoren damals in der Brauwirtschaft überhaupt. Aber da kommen wir vielleicht gleich noch dazu, wenn wir dieses wunderbare Bier probieren, was hier auch schon vor mir steht. Einen Moment muss es aber noch warten, weil ich jetzt noch mal gerne zurückspringen würde, du gehst dann nach Schottland, um Englisch zu lernen. Also das ist ja ein bisschen so, als würde jemand aus London in die Oberpfalz reisen, um Deutsch zu lernen. Wie ging es dir da und hast du dann eher schottisches Englisch gelernt oder konnte man das damals so ein bisschen adaptieren, wie war das?

Christian: Ja, also da war viel Zufall natürlich im Spiel. Also bei uns im Saarland sagt man, ich kenne einen, der kennt einen, der kennt einen, also diese ganze Welt, welche Ideen man entwickelt. Und da war es zufällig, dass ich jemanden kannte, der jemanden kannte, der mal auf einer Schule da oben in Schottland war, habe mir das angeguckt und das war irgendwie, ja, war spannend, interessant, in der Natur, auch ein Stück weg von allem, also das war ganz interessant. Und irgendwie bin ich dann dort hängen geblieben, bin dann noch mal kurz zurück nach Deutschland, Bundeswehrzeit und bin dann aber auch ganz explizit wieder zurück nach Edinburgh und habe in Edinburgh dann studiert, was wahrscheinlich eine der schönsten Städte Europas ist. Und, ja, das Schottische, das Englische, diese Mischung, auch diese, keine Ahnung, vielleicht so als Saarländer, der ja auch immer so ein bisschen belächelt wird, wo kommt ihr denn da aus der Ecke der großen deutschen Bundesrepublik her, fühlte sich das vielleicht da oben in Schottland auch so ein bisschen, da gab es vielleicht so Verbindungspunkte, egal. Also ich fand das ganz toll da oben und, ja, bin dann viele Jahre da oben geblieben und dann über verschiedenste Stationen ins Ausland, immer so Einzelentscheidungen, es hat sich immer wieder eine Tür aufgemacht. Und ich habe so eine Tendenz vielleicht so auch in meiner Persönlichkeit, meistens, wenn sich eine Tür aufmacht, dann gehe ich einfach mal durch und schaue, was daraus wird und so war es danach dann eigentlich auch.

Markus: Ich glaube, so muss man auch sein, also wenn man solche Sachen angehen will. Also, wenn ich überlege, wenn mir jemand mit 16 gesagt hätte, du gehst jetzt da nach Schottland, da hätte ich schon erst mal geguckt, also ich war zumindest noch nicht ganz so weit, glaube ich mal, mit 16. Also ich hätte es schon irgendwie hinbekommen, aber, wie gesagt, da habe ich großen Respekt davor. Das war sicher nicht einfach, oder, als du da aufgeschlagen bist und dich orientieren musstest?

Christian: Ja, am Anfang ist das ja immer spannend. Ich weiß noch, der schwierigste Moment war, als ich dann nach den ersten 3, 4 Monaten an Weihnachten wieder zu Hause war und dann wieder hinzugehen. Also allem Anfang wohnt natürlich auch so eine Faszination inne und wenn man dann realisiert, dass es jetzt Realität ist, dass es jetzt auch dauerhaft ist, ich glaube, das ist so der Moment, wo es dann am schwierigsten ist, sich dann auch zu committen und zu sagen, okay, gut, jetzt ziehen wir das auch durch. Und, ja, ich glaube, so war es dann auch später in den verschiedenen Stationen und auch immer wieder, wenn ich jetzt hier so gucke, die letzten doch schon bald 16 Jahre, die ich jetzt hier wieder zu Hause im Saarland bin oder in der Brauerei bin, was anzufangen ist immer leicht, was durchzuhalten ist wahrscheinlich viel schwieriger.

Markus: Ja, wem sagst du das. Aber, ja, Edinburgh ist ja eine wunderschöne Stadt, wie du schon gesagt hast. Ich finde auch insgesamt das Setting da oben, das Klima, die Landschaft, auch die Freundlichkeit der Menschen, die Offenheit, die Herzlichkeit, also ich habe das auch wirklich nur positiv erlebt. Passiert mir auch selten, dass ich Länder so gut in Erinnerung habe. Und ich kann mir gut vorstellen, dass das schnell zu so einer Art zweiten Heimat dann auch wird, oder?

Christian: Ja, also ich vermisse es auch, muss ich ehrlich sagen, ich bin es viel zu selten da oben. Es ist natürlich so eine Zeit, wo man, also ich war da oben zwischen 19 und 23, 4 Jahre lang, also das ist natürlich eine Zeit des wirklich Großwerdens. Also da Freundschaften, Menschen kennenlernen, sich zum ersten Mal richtig verlieben, so diese ganze Welt, das prägt einen natürlich, vielleicht noch mehr als irgendwelche Mauern und irgendwelche Straßenzüge oder irgend so was. Ja, ich war dort, als das Jahr 2000 eingeläutet wurde. Ich glaube, es ist eine der coolsten Städte, um Silvester zu feiern, das ist Hogmanay, wie es da oben heißt. Also du merkst, da komme ich so ein bisschen ins Schwärmen und ein bisschen ins Melancholische rein, also mich freut es. Ich hoffe, dass ich das in den nächsten Jahren schaffe, noch öfters da oben zu sein.

Markus: Ich finde es total schön, weil das ja auf der anderen Seite auch zeigt eben, was du vorhin auch schon ein bisschen erwähnt hast, es gibt einfach so viele so schöne Orte auf diesem Planeten und eine gewisse Offenheit dafür ist einfach wichtig. Und natürlich fühlt man sich da oder dort mal eine Zeitlang wohl oder so, aber insgesamt ist es einfach toll, das alles erleben zu können. Und da kommt jetzt eigentlich schon die nächste Frage von mir, dann habe ich ja gelesen, du warst relativ bald dann auch in Ghana. Das ist ja nun eine ganz andere Nummer. Also wie erlebt man dann so ein afrikanisches Land, mit all dem Gewusel und ganz anderen Klima und all den Herausforderungen, die man da so hat?

Christian: War auch wieder so eine Moment-Bauch-Entscheidung. Also ich war auf einem Projekt, das eigentlich an der Elfenbeinküste war, das sich aber in dieser Sahelzone bewegt hat, das war so ein 3-Monats-Projekt mit der Firma, mit der ich damals gearbeitet habe. Länder, wo man heute gar nicht hinfahren würde, also Chad, Mali, Niger, Burkina Faso. Also Länder, wo man heute sagen würde, uh. Da bin ich damals, ich weiß heute noch, ich bin durch Mali gelaufen und stand da in der Hauptstadt, in der Hauptstraße und auf einmal fährt ein Karlsberg-Urpils-Lkw um die Ecke, das war ganz surreal. Das war so einer von diesen ausgemotteten 30 Jahre alten Lkws, die dann irgendwann auf ein Schiff gepackt wurden und nach Afrika für ein 2. oder 3. Leben dann geschifft wurden, also das war ganz surreal. Also ich bin da runter für ein Projekt und während des Projekts hat mir der dortige Finanzchef angeboten, ob ich nicht Lust hätte, dort runterzuziehen, dort fix zu arbeiten in der westafrikanischen Region, also Ghana war so die Basis. Aber ich hatte das Glück, dass ich so von ganz links oben, also Liberia, bis so Mitte rechts unten, bis in den Kongo, also diese ganze Küste habe abreisen und arbeiten dürfen, mit sehr, sehr vielen Unternehmen und Strukturen, die da unten aufgestellt waren. Und das war natürlich so mit 25, 26 oder noch ein bisschen später, 26, 27, das war Adventure pur. Also das, ja, ganz großes Glück, sehr viel Zufall, aber dann halt auch es einfach zulassen, dass es passiert. Und es ist eine unglaubliche Region, also vor allen Dingen mit etwas, was wir uns hier so in Europa so gar nicht vorstellen können, da sind halt 60, 70 Prozent der Menschen unter 30 Jahre alt. Also die Dynamik und die Struktur, aber auch die Herausforderungen, die daraus entstehen, dass es einfach eine unglaublich junge Gesellschaft ist, das ist etwas, was in Europa, ja, ist natürlich ganz weit weg von unserer Realität hier.

Markus: Ja und merkt man immer mehr. Und ich muss sagen, ich war in dem Alter ungefähr auch zweimal in Ägypten, bin einmal von oben nach unten und einmal von links nach rechts mit einem Rucksack und einem Freund da durchgereist. Und was mich damals so beeindruckt hat war, dass meine Definition von, was ist ein gutes Leben oder ein schönes Leben oder ein erfülltes Leben oder ein Leben, mit dem ich zufrieden bin, so völlig anders ist als die Definition von den Menschen da. Und aber das für die trotzdem, die hatten eben ihr Glück, ihr Leben, ihre Lebensfreude und das war auch völlig in Ordnung. Also da norden sich so Normen, die wir so, wenn man so in Europa aufwächst, die man so mitnimmt, norden sich da völlig neu ein. Und man lernt auch mehr zu respektieren und einfach zu sehen, da gibt es andere Kulturen, die haben halt andere Werte, andere Sachen, wie sie sich da ordnen und aufstellen und wie sie eben ihr Leben definieren. Und das hat mir damals viel gegeben, wo ich mitgenommen habe und gesagt habe, okay, natürlich habe ich meine Art zu leben, aber die ist deswegen nicht besser oder schlechter als die andere, sondern es ist halt eine von vielen Möglichkeiten, wie man auf dem Planeten irgendwie zurechtkommt und die anderen sind auch okay. Also in Ägypten hat es natürlich auch viel mit der Religion zu tun gehabt. Wie war das denn in Ghana, hat man da solche Momente auch erlebt?

Christian: Also, was ich da mitgenommen habe, es ist natürlich jetzt viel zu Stereotyp, muss man echt aufpassen mit solchen Aussagen, ich habe viel mehr Menschen erlebt, die so im Moment leben, also deren Aufgabe es einfach ist, tagtäglich voranzukommen. Die jetzt nicht aufbauen können auf einer irgendwie langen Unternehmens- oder Familientradition, die immer konfrontiert sein können mit, das Leben kann auch sehr schnell vorbei sein, Krankheiten und all diese Themen halt viel präsenter sind, als es hier in unserem System ist. Also dieses, in dem Moment leben, für den Moment leben, war total ausgeprägt, aber natürlich auch mit dem Blick oder dem Bedürfnis, etwas für seine Kinder, für seine Familie, für sein soziales Umfeld auch zu leisten. Also dieses Miteinander, diese Strukturen, diese sozialen Strukturen, die dann noch ein Stück weiter ausgeprägt sind oder anders ausgeprägt sind, als sie in Europa sind, wo ja viel mehr Struktur und Abläufe und auch so dieses, so linear nach vorne denken, also linear nach hinten schauen und linear nach vorne denken ja eine sehr ausgeprägte Sache ist. So war es, also muss es irgendwie so bleiben und so geht es dann irgendwie auch weiter, das war dort schon gefühlt anders. Ich muss auch sagen, ich bin dann von Ghana nach Wien gezogen, was ja auch eine wunderbare Stadt ist, aber der Wechsel von Afrika oder von Ghana nach Wien ist mir dann schon schwerer gefallen. Also da war man auf einmal, es war alles eingeschränkter, es war alles reglementierter, es war natürlich sauberer, schöner, toll, also ganz hohe Lebensstandards und so weiter und so fort, aber auch dieses, ja, vielleicht so ein kleines bisschen weniger frei, so würde ich es vielleicht beschreiben.

Markus: Ja und da hattest du noch Glück, dass du nach Wien gekommen bist, das hätte noch anders auch laufen können. Ich habe immer noch im Hintergrund dein schönes Bild in Mali von dem LKW, wo Urpils draufsteht, der so vorbeifährt und dann überlege ich mir, welche Temperaturen da geherrscht haben und dann bekomme ich unglaublich viel Durst und, ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir mal ein Bierchen aufmachen, das ist eigentlich auch einer der Grundbestandteile dieses Talks. Und ich habe von euch ein schönes Paket bekommen mit dem Urpils und sogar den richtigen Gläsern dazu, da bin ich jetzt auch gleich mal gespannt. Und, ja, wenn du nichts dagegen hast, würde ich sagen, lass uns mal das zusammen trinken, okay?

Christian: Genau, ich habe jetzt eine Flasche davon vor mir stehen.

Markus: Ich habe, Moment, hat man jetzt wahrscheinlich gut gehört, ich habe Dosen bekommen. Wobei ich ja, also da wird ja bei uns immer sehr viel diskutiert, über dieses Thema Flasche oder Dose und ich werde nicht müde, den Leuten zu erklären, dass die Dose, die wir jetzt haben in 2025/26 einfach mit Abstand das beste Behältnis für den Transport eines Bieres ist. Man darf es nur nicht aus der Dose trinken, man muss es dann halt in ein schönes Glas geben, dann ist alles bestens. Weil, dann haben wir im Grunde sowas wie ein kleines Fass und da ist dann eben kein Lichteinschluss, keine Oxidation, kein sonst irgendwas, sondern eben so frisch, wie es geht und deswegen bin ich schon mal mit der Dose auch sehr, sehr glücklich. Und da steht auch ganz viel drauf, da können wir auch gleich noch ein bisschen drüber sprechen. Aber so ganz vorne weg, also natürlich schaut es einen an wie ein Pils, aber es ist sehr schön strahlend hell, es hat einen wunderbaren, bei mir ganz lange stehenden, weißen Schaum und verströmt ganz viele malzige und auch hopfige Noten, so ein bisschen zusammen. Die Malzkomponente ist sogar relativ stark, sehr schön. Ist das das Bier von der Karlsberg Brauerei oder ein Bier von der Karlsberg Brauerei?

Christian: Also das ist unser Held, das ist unser Fahnenträger, wenn man es mal so, wenn jetzt die Olympischen Spiele anfangen, das ist wirklich, wofür wir als Unternehmen mehr als alles andere stehen. Es ist auch, ich sage jetzt mal, so die Entwicklung unseres Unternehmens beschreibt, es ist ein Bier, was erst relativ spät in unserer Geschichte entstanden ist. Es gab davor verschiedenste Pilsbiere und das dominante Bier bei uns hier in der Region war eigentlich die Kategorie Export, das hat auch sehr viel damit zu tun, ja, also mit dem Herstellungsverfahren natürlich, aber auch bei diesem Thema Durst für Menschen, die in Stahlfabriken arbeiten. Also, wir sind eine sehr durstige Region grundsätzlich, aus dieser industriellen Struktur heraus und die Kohlegruben und alle diese Themen haben natürlich dazu geführt, dass die Menschen auch nahrhafte Biere, also nicht nur Flüssigkeit, sondern auch wirklich Nährstoffe zu sich nehmen wollten und das war dann lange diese Exportwelt. Dann ist das gewechselt in Pils und dann kam irgendwann der Moment, wo diese Thematik Pils, ja, eigentlich jeder gemacht hat oder, ich sage mal, so in der westlichen Hemisphäre Deutschlands Pils sehr dominant wurde oder große Pilsmarken entstanden sind. Und hier im regionalen Wettbewerb ist dann auch stark über das Differenzierungsthema mit, ja, hochwertigen, heute würde man es Premiumprodukten nennen, aber, wie macht man das Pils noch ein Stück besonders, und da ging es in diese Richtung mehr Hopfen, höherer Hopfenanteil, herbere Pilsbiere. Und bei uns wurde daraus aus dem Bier das Urpils als eigenständiges Produkt und das hat sich dann aufgrund der Geschmacksbedürfnisse der Konsumenten, aber auch der Fokussierung des Unternehmens auf das Produkt, sehr stark in den Vordergrund gerückt, ist das dominante Produkt bei uns geworden. Ein Produkt, das wir auch über einige Jahre auch außerhalb dieser Region intensiv bearbeitet haben. Gibt es so ein paar alte Werbespots, an die man sich noch erinnern kann aus den 90er, Ende der 90er-Jahre. Ja, also es ist unser Held, neben all den Themen, die daraus an Innovationskraft und so weiter entstanden sind.

Markus: Also ich finde ja das Bild vom Fahnenträger auch total schön. Also im Grunde etwas, was für die Brauerei steht und so ein bisschen anführt und ein Fanal ist sozusagen und auch etwas, wo die anderen gerne mitmarschieren sozusagen, im Gleichklang trotzdem irgendwie, also toll. Und, ja, also dann sage ich mal Prost. Und ich muss wirklich sagen, also das zieht sich so ein bisschen durch, ich probiere mal, es ist wirklich eine schöne Mischung aus diesem malzigen Grundton, der für mich für einen Pils sogar eher deutlich ist, aber gut ist, ich mag das, und dann aber der Bittere, die wirklich richtig schön knackig wird. Vor allem, je länger man dann getrunken hat, also das entwickelt sich dann lange noch am Gaumen, trocknet richtig aus. Das ist eine richtig schöne herbe Bittere, die sehr, sehr lange bleibt, also endlos lang eigentlich und wirklich diesen Effekt, den Mund so auszutrocknen, sodass man eben wieder Durst bekommt, eine ganz besondere Intensität da auch spielt. Gefällt mir sehr, sehr gut und ist tatsächlich auch was Besonderes, also was man eben jetzt hat, so ein Everyday-Pils, gerade so sonst aus dem Westen von Deutschland. Das finde ich schon sehr schön, aber auch sehr mutig, muss ich sagen, gerade in der Zeit, wo man ja die Bittere immer eher reduziert hat, zu sagen, nee, da bleibe ich jetzt doch mal bei einer ordentlichen Bittere. Ist das ein Rezept, was sich in der Zeit auch wandelt oder eher was, wo ihr versucht, eher so stabil zu bleiben?

Christian: Das ist schon sehr stabil. Ganz in den Anfangsphasen, glaube ich, war es sogar noch ein Stück bitterer, aber das ist jetzt seit vielen, vielen Jahren, ist dass das Rezept. Wir haben daneben dann andere Bierstile natürlich eingeführt. Es gibt auch einen Pilsner, das wir neben dem Urpils fahren, was ein gutes Stück weniger überhopft ist. wir spielen das Thema Hell, wir haben Export, also wir haben die verschiedensten Bierarten daneben auch. Ehrlich gesagt, der Konsument hat sich aber seit Jahrzehnten jetzt schon immer wieder zurückorientiert und gesagt, ja, aber eigentlich, das Einzige, was wir wirklich wollen, ist Urpils. Wir machen da eine ganz spannende Veranstaltung jedes Jahr, jetzt auch schon seit 10 Jahren, wir nennen das die Braunacht, wo wir jedes Jahr hier in Homburg auf dem Marktplatz, mit den Menschen hier aus der Stadt, jedes Jahr 3 neue Biere vorstellen. Also unsere Braumeister und Braumeisterinnen, produzieren dann jedes Jahr 3 neue Biere und sind da auch ein bisschen versucht, ein bisschen crazy zu sein, ein paar Dinge auszuprobieren, ja, die man sonst ja nicht mal wirklich direkt leicht an den Konsumenten bringt, ein paar sehr süffige Themen. Und daraus entstehen dann normalerweise Produktentwicklungen, also unser Kellerbier ist zum Beispiel daraus entstanden. Und die Menschen probieren und finden das total toll und jedes Jahr 3 Neue und freuen sich auf die neuen Kreationen. Aber jeder Dritte und Vierte sagt mir dann, ja, das ist echt toll, was ihr da gemacht habt und dann gehe ich nachher jetzt ein Urpils trinken. Also, so diese Kombination aus Experimentieren und dann aber trotzdem irgendwie zu sagen, ja, aber ich habe mich da auf einen Geschmack eingeschossen. Du hast es ja eben, also schöner hätte ich es jetzt nicht beschreiben können, diesen Durst, den man vom Trinken bekommt, das ist schon, da steckt schon viel Wahres drin.

Markus: Ja, es ist echt bemerkenswert. Und, ich muss jetzt auch sagen, ich habe jetzt nicht getrunken, während du gesprochen hast und es ist unglaublich, wie stark das Verlangen wächst und wie es wirklich immer noch präsent ist. Also das ist wirklich große Kunst, toll. Ich habe mit dem Martin Mihm und der Franziska Riemhofer ja schon mal einen BierTalk gemacht, das war, glaube ich, 22 oder so, da haben wir auch schon über diese Braunächte gesprochen. Und das fand ich auch ein ganz, ganz tolles Konzept, auch die Idee, eben da mal ganz andere Stile auszuprobieren, ganz andere Biere, aber an der Bevölkerung eben auch zu testen sozusagen, das ist ja auch gut und mutig und interessant. Und ihr habt ja insgesamt auch von der Beteiligung der Mitarbeiter sehr kreative Konzepte, wo ihr versucht, die möglichst mitzunehmen und in diese Prozesse einzubinden. Ist das was, was du so ein bisschen eingeführt hast oder gab es das vorher auch schon?

Christian: Also ich habe es auf jeden Fall nicht, ich als Person, eingeführt. Als ich hier angefangen habe, haben wir natürlich sehr viel Diskussionen darüber gehabt, in welche Richtung orientieren wir die Marke Karlsberg und sind irgendwann zu dem Punkt gekommen, aus vielen Diskussionen und vielen Menschen, die da gesagt haben, okay, guck mal, das ist die Option, diese Option, auch sehr intern. Also wir hatten da keine Agenturen drauf sitzen, die da irgendwie groß oder, wir hatten das auch, aber die Agenturarbeit, das war uns immer am Schluss so ein bisschen, ja, irgendwie 0815 oder das macht irgendwie jeder, aber irgendwie sind wir in den internen Diskussionen mit den vielen Menschen, die da involviert sind, bei der Fragestellung gelandet, wie sprechen wir eigentlich über die Menschen, die die Produkte machen. Ich glaube, man kann sich ja für verschiedenste Wege entscheiden, wie man ein Produkt darstellt, ob das dann die Inhaltsstoffe oder die Historie oder was auch immer sind. Und wir sind halt bei der Thematik dieser Handwerkskunst gelandet, also bei Menschen, die sich ja jeden Tag Mühe geben, dass jeden Tag diese gleichbleibende hohe Qualität entsteht und das nicht abhängig davon, ob jetzt irgendwie es gehagelt hat oder nicht oder die Sonne geschienen hat oder nicht, sondern wirklich handwerklich daran arbeiten, ohne da irgendwie mit Zusatzstoffen und Themen unterwegs zu sein, die innerhalb des Reinheitsgebots in der Lage sind, solche Produkte herzustellen und dann gleichzeitig kreativ zu sein. Und daraus entstand dann die Idee, naja, dann lass uns doch diese Menschen in den Vordergrund stellen, bis hin zu dem Punkt, dass wir sie aufs Etikett bringen und erzählen, dass das die Teams sind, die sich das jetzt wieder ausgedacht haben oder die dafür auch Verantwortung übernehmen. Und ich glaube, dass das für uns, also auf jeden Fall bei uns hier in der Region, wir haben ja eben ein bisschen drüber geredet, was so in unserer DNA als Saarländer ist, dieser Zusammenhalt, diese Gemeinschaft, besonders in so Momenten, wo dann irgendein anderer Ministerpräsident sagt, man sollte das Saarland doch einfach irgendwo anders rein integrieren, das sind so Momente, da wächst halt was zusammen. Und, ja, so würde ich es mal beschreiben, das ist dann so Schritt für Schritt entstanden und das passt natürlich wunderbar zu unserem hohen Anspruch an Qualität der Basis, der Basisprodukte, der Hauptprodukte und gleichzeitig der Bereitschaft, also Dinge auszuprobieren, aber sie, und das ist mir total wichtig, sie so auszuprobieren, dass wir es nicht für uns machen, weil wir irgendwie der Meinung sind, es wäre irgendwie total cool, ein Produkt so und so zu verarbeiten, sondern weil wir dem Konsumenten auch irgendwie einfach was bieten wollen und sagen, okay, pass mal auf, wir haben uns überlegt, das hier könnte dir doch schmecken. Und das ist ja eine große Herausforderung in den letzten 10 Jahren Bier, glaube ich, insgesamt gewesen, bei Produktentwicklung im Bierbereich, für wen macht man es, macht man es für sich selbst, weil man irgendwie das toll findet, macht man es für den Konsumenten, macht man es für irgendeine Marketingagentur, weil die der Meinung ist, dass unbedingt das und das gemacht werden muss. Und, ich glaube, da stehen wir auch als Brauereiwirtschaft noch vor großen Aufgaben, sich zu überlegen, wie macht man das am besten.

Markus: Also so richtig gut aufgefallen ist es mir zum Beispiel auch bei eurem Bock. Also den hatte ich sehr oft auch in Verkostungen, auch zum Beispiel während der Pandemie, da haben wir viele Online-Verkostungen gemacht und da habe ich ja immer in der Vorbereitung geschaut, dass ich ein bisschen Informationen über die Unternehmen, über die Geschichte, über die Leute hinter den Bieren und sowas mir ein bisschen besorge und Interviews geführt und so. Und da fand ich es eben auch total schön, dass da die Menschen hinter dem Bier im Vordergrund gestanden waren, auf den ganzen Bildern drauf waren, auch greifbar waren, auch für mich zum Beispiel dann im Interview sehr schnell erreichbar waren und wir wirklich das ganz toll eben als Bier präsentieren konnten, wo mit Herzblut von oben bis unten alle so ein bisschen dahinterstehen und das hat mir damals schon richtig gut gefallen. Und der Bock ist für mich auch ein ganz, ganz großartiges Produkt. Vielleicht, weil ich als Bamberger auch dem nicht so hopfigen Bier etwas näher bin, wenngleich ich immer noch trotzdem begeistert bin von dem Pils, keine Frage.

Christian: Aber, ich glaube, es ist ein sehr gutes Beispiel, weil, bevor wir diesen Prozess angefangen haben, war das Bock ein tolles Bier, aber sehr schwer trinkbar, also das war so in der Kategorie, im Saarland sagt man, mal was anderes. Und in diesem ganzen Prozess des Weiterentwickelns, nächsten Schritt denken und die Menschen involvieren, haben diese Leute, wie die Franziska oder der Martin, die haben auch gesagt, naja, wir machen das jetzt schon, damit die Leute auch sagen, das kann man trinken. Also diese Drinkability-Thematik ist dann total in den Vordergrund gerückt und die Bockbiere, die daraus entstanden sind, sind ganz anders als die, die es vielleicht vor 10 Jahren gab zum Beispiel, das merkt man.

Markus: Die habe ich leider damals nicht probiert, muss ich schändlicher Weise zugeben, aber die modernen Versionen sind auf jeden Fall sensationell. Also toll, freue ich mich schon immer jedes Jahr wieder drauf. Was ich allerdings dann auch nicht so leicht finde, ist, wenn man Leute hat, die eben so mit Herzblut dahinterstehen und sich so auch identifizieren und dann hat man einen Biermarkt, der jetzt so gemein ist wie der aktuelle Biermarkt, so ein bisschen. Wie geht ihr denn damit um? Also man merkt es ja sicherlich auch bei euch vor Ort bei den Leuten, bei den Konsumenten, vielleicht sogar in den Familien der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, es ist so ein gewisser Wandel da, der Trend eben zu den alkoholfreien Bieren vielleicht auch und generell weg vom Alkohol. Was man auch dann ein bisschen lösen muss, dass man sagt, okay, es geht jetzt nicht um Bier im Allgemeinen und es geht nicht um die Brauerei, sondern es geht eben nur um diesen Aspekt des Alkohols, also das ist alles gar nicht so einfach. Wie geht ihr damit um und wie erlebt ihr das im Moment?

Christian: Wie gehen wir damit um, also, ich glaube, so Momente sind sehr gut, um sich noch mal zu sammeln und klar zu werden, warum man das eigentlich macht und was wirklich relevant Erfolg in Zukunft bedeuten wird. Also in Zeiten, in denen die Flut alle hebt, würde ich es mal so beschreiben, dieser Begriff wird ja oft benutzt, wird man natürlich auch sehr bequem und, ja, es läuft doch und man ist so ein bisschen im Wettbewerb miteinander, aber irgendwie wachsen alle und auf einmal ist es doch alles gut. Das sind so die Momente, in denen man Veränderungen sehr schwer vorantreibt, so, aber es sind natürlich Momente, die einem emotional mehr Energie geben als die Momente, wo man sagt, ich bin jetzt hier in rauem Fahrwasser und ich muss jetzt hier irgendwie gucken, wie ich da durchkomme, also das ist so eine, ich sage mal, so eine Grundthematik. Jetzt muss man auch noch mal dazu sagen, ich finde das immer wichtig, das zu relativieren, es war letztes Jahr am Biermarkt natürlich extrem schlecht, aber wir sind auch in einem Geschäftsmodell, das in sich erst mal ein grundsätzlich gutes, stabiles Geschäftsmodell ist. Wir haben ein Produkt, das extrem wertgeschätzt wird. Also, ich glaube, das Image, das deutsches Bier hat, auch in Deutschland bei der deutschen Bevölkerung, was das Thema Qualität und Verlässlichkeit und Produktsicherheit und all diese Themen ist, ist extrem hoch, auch im Verhältnis vielleicht zu vielen anderen Produktkategorien, die man so im Lebensmittelbereich hat. Deswegen und das ist, glaube ich, was, was extrem wichtig ist, dass der Konsument sich natürlich fragt, bisher konsumiere ich das und das, was soll ich in Zukunft konsumieren, ist ja auch kein neues Phänomen. Ich würde im Moment sagen, dass die Diskussion über Alkohol zwar wesentlich ist und auch da ist und man sich damit auch beschäftigen muss, es aber ein Stück überbetont wird im Verhältnis zu dem Thema Konsumbereitschaft. Also, was wir ja gerade erleben ist, dass die Menschen halt weniger in die Gastronomie gehen und sagen, okay, ich spar mir ein bisschen Geld und mache damit was anderes oder lege es zur Seite, weil ich weiß ja nicht, was in Zukunft passieren wird und wie sich die Welt um mich herum verändern wird. Und das sieht man natürlich, dass die Gastronomie da extrem unter Druck steht und dass natürlich das für Fassbier natürlich seine Auswirkungen hat, das ist, glaube ich, im Moment ein ganz relevanter Punkt. Aber du hast ja gefragt, wie gehen wir damit um. Wir gehen damit um zu sagen, okay, man muss sich da der Realität stellen, man kann nicht sagen, okay, hoffentlich wird das irgendwann mal anders. Und wir gehen damit um, indem wir uns mit dem Produkt beschäftigen und wir sagen, okay, naja, wir sind natürlich im Wettbewerb mit vielen anderen Getränken, Flüssigkeiten, die Menschen zu sich nehmen, um das Leben zu genießen, um Durst zu stillen, um, ja, einfach Getränke zu konsumieren, was können wir tun, um das für den Konsumenten irgendwie spannend zu machen? Dann ist alkoholfrei natürlich ein großes Thema, was, glaube ich, auch einer der großen Vorteile der Brauwirtschaft ist, dass wir dort schon so weit sind, so hervorragende Produkte herstellen zu können. Aber wir dürfen auch nicht aufhören, im Bereich Bier an sich, Bier mit Alkohol, mit mehr oder weniger, verschiedensten Formen, Innovationen voranzutreiben, weil, dieses Bedürfnis nach Konsum wird es in verschiedensten Facetten geben. Ja, und, ich glaube, da sind wir im Bereich Bier eigentlich ganz gut aufgestellt. Wenn ich das jetzt vergleiche mit Spirituosen und Wein, da haben wir ein paar strukturell große Vorteile. Die Spirituosen brauchen lange Jahre, bis sie Innovationen vorangetrieben haben, weil sie ihre Produkte erst mal in die Keller et cetera legen müssen. Ein Winzer, der davon abhängig ist, wie das Wetter im letzten Jahr war und die technologisch ja das gar nicht so abbilden können, wie wir das in der Brauwelt können. Also da sind wir in vielen Bereichen, haben wir strukturelle Vorteile, auch wenn die anderen Getränkekategorien genauso schützenswert und bewahrenswert sind, wie das Thema Bier. Aber wir müssen halt auch was draus machen und das, glaube ich, beginnt mit Produkt, Produkt, Produkt, Produkt.

Markus: Ja, also das sind viele, viele ganz interessante Aspekte, die du gerade so im Vorbeigehen mit abgehandelt hast, super spannend, danke. Also einerseits auf jeden Fall natürlich das Thema, dass die Brauer endlich mal, sage ich mal, die Nase vorn haben gegenüber zum Beispiel den Winzern. Also wo ja viele Jahrelang der Wein einfach im Marketing und in vielen Bereichen Jahrzehnte voraus war, ist jetzt, plötzlich gibt es einen Bereich, wo das völlig andersrum ist. Ist total interessant, dass sich das so auswirkt. Und auf der anderen Seite, was ich auch sehr interessant fand, was du gesagt hast, dass man das vielleicht tatsächlich auch trennen muss, dass man sagt, es gibt einmal diesen Aspekt dieses Trends eben von einem Teil der Menschen weg vom Alkohol, aber eben auch diesen anderen Trend, zum Beispiel in der Gastronomie weniger zu konsumieren, wo man es entweder so sehen kann, dass es beides auch Gemeinsamkeiten hat oder es eben auch durchaus trennen kann. Da muss ich selber noch mal drüber nachdenken, das finde ich auf jeden Fall einen sehr spannenden Ansatz. Was ich in diesem ganzen alkoholfreien Trend ganz spannend finde ist, dass man auf der einen Seite ja die Zielgruppe hat, die von einem alkoholischen Getränk kommt, also die weiß, wie zum Beispiel euer Urpils schmeckt oder wie ein Weißbier schmeckt oder wie was weiß ich was schmeckt und dann eben sagt, ich möchte da eine alkoholfreie Alternative haben. Also das heißt, da weiß ich genau, von wo die kommen und wo die hinwollen sozusagen. Und dann gibt es aber eine immer größer werdende Zielgruppe von jungen Menschen, vor allem natürlich, die groß geworden sind und mittlerweile eben 20, Mitte 20 sind, die überhaupt noch nie ein alkoholisches Bier getrunken haben. Also die eben nicht wissen, wie zum Beispiel das Urpils schmeckt oder ein Weizen schmeckt oder so, die aber trotzdem in einer Brauerei eine Heimat finden können, weil eine Brauerei in der Lage ist, eben ganz viele Getränke herzustellen, auch ganz viele ohne Alkohol und eben sehr innovativ und kreativ sein kann im Rahmen ihrer ganzen Möglichkeiten und die sind ja nun mal sehr, sehr groß. Und, ich glaube, da liegt auch eine große Chance, also dass man sagt, man entdeckt vielleicht da sogar ganz neue Zielgruppen, entwickelt ganz neue Produkte und schafft es da eher noch mal so ein Hebel loszutreten für eine ganz schöne Seitenlinie, die vielleicht dann in Zukunft die normale Bierlinie so ergänzt oder begleitet sozusagen. Habt ihr euch da auch schon Gedanken zu gemacht?

Christian: Ja und wir experimentieren da ja seit Jahren mit diesen Themen. Also bei uns ist ja auch die Besonderheit, dass wir ja neben dem Thema Karlsberg auch mit der Marke MiXery unterwegs sind und die Marke MiXery ja dort aus einer ganz anderen Konsumwelt, Konsummoment, Konsumentenwelt irgendwie unterwegs ist als jetzt ein gezapftes Urpils, insofern beschäftigt uns dieses Thema schon sehr, sehr lange. Und was wir immer wieder realisieren ist, dass Pauschalisierungen halt nicht funktionieren, also im Sinne von, die Generation XYZ hat jetzt die und diese Bedürfnisse. Man muss wirklich tief runtergehen in die Lebenswirklichkeiten der Menschen und deren Wünsche, Träume und Ambitionen. Also es gibt ganz viele Menschen, deren großer Antrieb es ist, sportlich fit zu sein, die gerne ins Fitnessstudio gehen, die Männer, die gern ein Sixpack hätten, um was auch immer damit zu beweisen, die Frauen, die der festen Überzeugung sind, dass das für sie Lebenserfüllung ist und bringt und für die das ein ganz wesentlicher Bestandteil ihres Lebens geworden ist. Und diese Menschen, die können 14 sein, die können 40 sein und die können auch viel älter sein. So und wenn diese Menschen dann sich entscheiden, dass das ihr Lebensstil ist, werden sie ihre Konsumprodukte danach ausrichten. Jetzt ist es aber auch nicht so, dass 90 % der Bevölkerung Mitglied in einem Fitnessstudio sind und auf jeden Fall haben nicht 90 % der Menschen den Anspruch, irgendwie Influencer bei TikTok zu sein, um zu zeigen, wie viele Planks sie können oder solche Themen, also es gibt sehr, sehr unterschiedliche Konsumenten mit sehr, sehr unterschiedlichen Momenten und Lebensinhalten. Und, ich glaube, wir müssen als Unternehmen oder als Getränkehersteller, als Brauerei, uns mit diesen verschiedenen Modellen beschäftigen und zu sagen, okay, wann wollen wir präsent sein, wann passt es auch zu meiner Marke. Da muss man auch echt aufpassen, dass man dort relevant ist und nicht diesen Phaeton-Effekt am Schluss auch generiert. Phaeton-Effekte für mich, als VW den Phaeton eingeführt hat und gesagt hat, wir machen jetzt dieses super Luxus-VW-Thema, dann können die CEOs der DAX-Unternehmen, die müssen nicht mehr Mercedes fahren, sondern die können auch VW fahren. Und es hat halt einfach irgendwie, also in meiner persönlichen Meinungsanalyse, halt auch nicht zur Marke gepasst, es war dann irgendwie nicht konsistent, die Menschen konnten das jetzt irgendwie nicht miteinander in Verbindung bringen, warum dieser Golf, der ein gewisses Bedürfnis abbildet, jetzt der gleiche Absender sein soll wie ein Phaeton. Das heißt aber nicht, dass es nicht in verschiedenste Kategorien gehen kann. Und, wie du sagst, Brauereien haben halt den großen Vorteil, dass sie tief verankert sind in einer Region, die Menschen haben einen Bezug dazu, die Menschen kennen normalerweise jemanden, der in der Brauerei arbeitet. Diese hohen Qualitätsstandards, die wir abbilden, sind natürlich total entscheidend dafür, dass die Menschen sagen, okay … also es ist ja schon was sehr Intimes, bereit zu sein, du hast jetzt eben eine Dose aufgemacht, hast die in ein Glas geschüttet und hast ohne zu zögern das an deinen Mund gesetzt und hast das runtergeschluckt. Also das ist ja ein unglaublich hoher Vertrauensvorschuss, den wir haben, als deutsche Getränkehersteller, aber auch deutsche Brauereien. Und jetzt darauf aufzusetzen und sagen, okay, naja, wo würde uns da jemand noch vertrauen, so. Jetzt kann man das natürlich dann in alle Richtungen spinnen und sagen, naja, Sojasoße wird auch fermentiert, eine Sojasoßenfabrik ist sehr ähnlich wie eine Brauerei, dann könnte man doch als Brauerei auch Sojasoße herstellen. Aber wo ist der Sprung dann zu weit und wo sagt der Konsument, na, also ganz ehrlich, Sojasoße brauche ich von euch jetzt nicht, das macht irgendwie Sinn, dass ich mir die von dem japanischen Hersteller kaufe, weil, das macht in meinem Kopf irgendwie Sinn. Und das ist, glaube ich, eine spannende Phase, wo man viel experimentieren muss, wo man viel ausprobieren muss und am Schluss der Konsument entscheidet, nimmt man es uns ab oder nicht.

Markus: Also da hast du einen schönen Einblick uns auch gegeben, was so alles in dem Kopf von jemandem vorgeht, der eben für so ein Unternehmen auch mit verantwortlich ist. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass das gar nicht so einfach ist, wenn du sagst, das sind 30 Gesellschafter, viele Leute, natürlich die Mitarbeiter, die noch mit dabei sind, auch was zu sagen haben, der Betriebsrat, was weiß ich, wer alles noch. Wie ist das so, also wie ist es überhaupt, so ein Unternehmen zu leiten, so der Kapitän ein bisschen zu sein, da so rein zu wachsen und wie kommst du damit zurecht und wie viel ist bei dir so Alltag und wie viele sind für dich so Strategie-Themen, wo du dir langfristig Gedanken machen musst?

Christian: Ich glaube, da geht jeder so ein bisschen anders mit um. Ich habe ja das Glück, dass ich über dieses Thema Familienunternehmen, was hier in Deutschland sehr weit verbreitet ist, mit sehr, sehr vielen unterschiedlichen Familienunternehmen zu tun habe, ob das Brauereien sind oder nicht Brauereien, wo es lustigerweise auch immer so ist, dass jeder so ein bisschen seinen eigenen Weg wählt. Also, da gibt es Unternehmen, da muss jede Produktentwicklung über den Schreibtisch des Inhabers und da gibt es Unternehmen, wo der Inhaber, ich sage jetzt mal, auf der Himalaya-Reise das Update bekommt und alles andere halt vor Ort abläuft, also da gibt es sehr viele unterschiedliche Entwürfe. Ich habe für mich irgendwann mal entschieden, ich muss immer wieder hinterfragen, welche Rolle ich spielen darf, soll und auch kann und dort die Abgrenzung zu finden, welche Themen ich nicht mache oder auch nicht kann. Also ich weiß, ich bin kein Einkäufer von Dosen. Also auch, wenn wir bei uns im Unternehmen viel Bier in Dosen herstellen, ist das Letzte, was ich machen werde, zu einem Dosenlieferant gehen und zu versuchen, mit dem über den Preis einer Dose vorhandeln, so. Und so, glaube ich, gibt es ganz viele Themen, wo man sich einfach entscheiden muss, ob man dort eine Rolle hat oder nicht. Ich versuche es in meinem Unternehmen, also wir versuchen, sehr dezentral zu sein, flache Hierarchien, die Leute nah bei den Themen dran zu haben und viel Eigenverantwortung in den Themen auch reinzubringen, weil, ich glaube, das ist einfach eine Geschwindigkeitsfrage auch. Also wenn irgendwie alles über meinen Tisch müsste, würden wir als Unternehmen, glaube ich, extrem langsam werden im Verhältnis zu, dass die Strukturen so aufgebaut sind, dass die Menschen vor Ort an den Themenentscheidungen treffen können. Das bringt aber mit sich, die Fragestellung nach, ja, ich sage jetzt mal, einem Rahmen, in dem wir uns bewegen. Und das sehe ich dann schon als meine Rolle, immer wieder an dem Rahmen zu arbeiten, in welchem wir als Unternehmen agieren wollen. Also ein kleines Beispiel, als ich hier angefangen, haben, war ein sehr großer Anteil unseres Unternehmens die Produktion für andere, wir haben unsere Produktionsanlagen anderen bereitgestellt und haben für die Produkte hergestellt und das ist, ja, ein Geschäftsmodell, und neben diesem, für andere, haben wir unsere eigenen Marken hergestellt. Und in Prozessen mit Teams, mit Diskussionen über warum und was ist eigentlich unsere Zielsetzung und was ist so langfristig richtig, sind wir bei einer Thematik gelandet, dass es doch eine Option ist, dass die Zielsetzung ist, eigentlich nur noch für uns selbst herzustellen, nur noch für unsere eigenen Marken herzustellen. Und dann ist es dann schon eine Rolle, glaube ich, eines Inhabers, eines Gesellschafters, geschäftsführenden Gesellschafters, wie auch immer die Definition ist, da dann irgendwie durch eine Tür durchzugehen und zu sagen, okay, gut, darauf committen wir uns jetzt und das schreiben wir jetzt auch an die Wand. Also, wenn du jetzt unser Leitbild schaust, das wir als Unternehmen haben, da steht irgendwo Marken, große Marken ist der Überbegriff und das ist die Zielsetzung, mit der wir uns beschäftigen, da steht nicht Produktion für andere. Und, ich glaube, diese Klarheit, gewisse Rahmen dann auch festzuzurren, also irgendwann mal so ein Nagel einzuschlagen und zwei Rahmenteile miteinander zu verbinden und sagen, das ist jetzt der Rahmen hier, der gegeben wird, das sehe ich als meine Aufgabe und womit ich mich dann beschäftige. Und auch immer wieder zu gucken, sind wir noch im Rahmen oder haben wir eine Tendenz irgendwie, wieder aus dem Rahmen rauszugehen, habe ich selbst eine Tendenz, aus dem Rahmen rauszugehen. Unternehmen sind ja auch immer geprägt von Opportunitäten, also von Dingen, die so einem über den Weg laufen und sagen, ja, das könnte man doch auch noch machen. Also, ich weiß nicht, wir haben am Anfang ganz viele andere Themen gemacht, die nicht Getränke waren zum Beispiel und dann haben wir uns committed, wir machen nur noch Getränke. Wir sind jetzt kein Immobilienunternehmen oder wir machen keine Chips oder, weiß der Himmel was, was man alles so machen kann, wir machen Getränke, Brauerei, Saft, Wasser und das dann auch festzuzurren. Und wenn dann irgendjemand sagt, okay, ich hätte hier ein Unternehmen für Chips, die könntet ihr doch auch mal machen, dann wissen wir halt, naja, aber wir haben uns committed und so sehe ich da meine Aufgabe.

Markus: Ja und das sind ja auch durchaus wichtige Entscheidungen, die man da trifft. Also ich kann mich erinnern, das war auch eine der ersten Male, wo ich euch als Brauerei bewusst wahrgenommen habe, das war, glaube ich, 2017 oder sowas, da war ich auf einer Cropue-Tour durch Frankreich, da ging es eben darum, die Gerstenernte anzuschauen und sich darüber eben zu unterhalten, und da waren auch Leute von Karlsberg eben dabei und da klang eben gerade so, dass es da große Umwälzungen gegeben hat. Und ich habe im Vorfeld ja ein bisschen gelesen und da hattest du ja mal diese Entscheidung eben gefällt, zu sagen, wir verzichten wirklich auf 30 % unserer Produktion, unseres Umsatzes in gewisser Weise, bewusst, um uns da zu konsolidieren. Das erfordert dann aber schon auch ein gewisses Standing oder, auch gegenüber den Mitarbeitern und so?

Christian: Naja, es erfordert erst mal ein Team, das der Meinung ist, dass das eine gute Idee ist. Also, wenn ich der Meinung bin, das ist eine gute Idee und sonst keiner, dann ist das schon mal ein ziemlich klarer Gradmesser, dass es keine gute Idee ist. Und das entstand halt aus einer Gruppe von Menschen hier im Unternehmen, die sich damit lange Zeit beschäftigt haben und das durchgekaut haben und das Für und Wider und wir das diskutiert haben. Und dieses Team muss es dann ja auch ausbaden, also im Sinne von, das Team und ich zusammen. So Entscheidungen sind ja immer ganz nett, wenn man sie getroffen hat, wir haben ganz am Anfang drüber geredet, was anzufangen und was durchzuhalten, und wir sind immer noch in diesem Prozess des Durchhaltens. Also es ist jetzt noch nicht so, dass man so in 2017 entscheidet, man verändert was und in 2018 ist alles besser. Also wir sind jetzt 10 Jahre, würde ich sagen, nach einem Veränderungsprozess immer noch auf dem Weg der Veränderung, und ich bin der festen Überzeugung, dass in 10 Jahren dieser Weg immer noch nicht, zum Glück, nicht beendet sein wird, weil, bis dorthin werden ja immer wieder neue Konstellationen reinkommen. Also es beginnt mit einem Team, das sich committet und sagt, wir ziehen das jetzt durch und natürlich dann eines Commitments der Familie, die dahintersteht und sagt, ja, okay, das wird jetzt bestimmt nicht einfach, das ist jetzt nichts, was irgendwie vergnügungssteuerpflichtig ist, aber es macht Sinn. Und da haben wir natürlich oder da habe ich das Glück, dass ich und meine Familie da eine gute Art und Weise des Zusammenarbeitens in einem Familienunternehmen gefunden haben, wie solche strategischen Ausrichtungen auch besprochen, diskutiert werden, gechallenged werden, hinterfragt werden und dann aber auch es durchgezogen wird.

Markus: Und wie geht das bei 30 Leuten? Also ist es dann irgendwann Demokratie am Schluss, wo man sich dann unterordnen muss oder muss man versuchen wirklich alle mit ins Boot zu holen, wie funktioniert sowas?

Christian: Naja, wir haben da natürlich über verschiedene Ebenen mit Beiräten, Gesellschaftsversammlungen, den Rollen von mir als Geschäftsführer und Gesellschafter natürlich Prozesse eingeführt, wie solche Diskussionen zu führen sind, zu laufen sind. Aber Prozess ist das eine, am Schluss ist es ein Werben um Unterstützung, weil, es ist ein Gespräche führen, es ist ein Diskutieren, es ist ein Erklären, es ist aufzeigen, wo man hin will und dann auch wirklich die Realität darstellen und sagen, okay, so sieht es jetzt aus, dort können wir hin oder dort können wir hin, gehen wir jetzt diesen Weg zusammen und dieses Commitment von allen einzusammeln. Das ist in Familienkontexten, kann das mal gut gehen, mal nicht so gut gehen. Ich bin da sehr glücklich darüber, wie das bei uns im Unternehmen aufgestellt ist, auch, wie die Familie sich da im Hintergrund aufgestellt hat. Aber es ist, ja, es ist eine große Arbeit, dass auch immer wieder, bleiben wir bei diesem Fahnenträger, immer wieder die Fahne auch in die Hand zu nehmen und sie durch die Gegend zu schwenken, auch wenn mal gerade irgendwie ein Moment ist, wo es mal gerade nicht so läuft.

Markus: Ja, also wirklich eine krasse Aufgabe auch. Und, ich meine, letztens Endes, da warst du ja noch ein paar Jahre jünger, wirklich auch wieder ein Zeichen, dass du echt früh schon gesagt hast, du nimmst auch harte Verantwortung und auch Verantwortung eben in schweren Zeiten oder wo einem der Wind entgegenweht oder wo man einfach den Kurs wirklich dramatisch ändern will, übernimmst sie. Ist das dann vielleicht auch was, was man dann beim Deutschen Brauer-Bund gesehen hat, als man nach einem neuen Chef gesucht hat und dann 23 sich überlegt hat, warum wählen wir nicht den Weber zum Chef vom Deutschen Brauer-Bund, wie hast du das mitbekommen?

Christian: Also erst mal. glaube ich, wesentlich bei der Entscheidung, warum ich diese Rolle übernommen habe, ist, weil es keine Chefrolle ist. Also, das ist ein Verband, der aus ganz vielen Menschen besteht, die sich ehrenamtlich in verschiedensten Gremien und Strukturen, Abläufen, Prozessen irgendwie engagieren und da sind Leute dabei in Ausschüssen, die das ehrenamtlich machen. Da gibt es ein ganz starkes Team in Berlin, die das Tagesgeschäft machen und sich die Tage und die Nächte um die Ohren schlagen, um hundertseitige Dokumente, Entwürfe von irgendwelchen Referenten durchzulesen, um rauszugucken, was könnte denn jetzt in einem Referentenentwurf zu irgendeiner Energiepolitik problematisch für die kleine Brauerei in Bamberg sein, das ist ja eine riesen Aufgabe, das zu tun. Meine Rolle ist dabei ja nicht dabei irgendwie, wie das jetzt hier im Unternehmen ist, da irgendwie Chef zu sein und irgendwie der Letzte zu sein, der irgendwie Daumen hoch, Daumen runter, sondern meine Rolle ist ja ganz viel, Gesicht dieser Brauwirtschaft zu sein, Kommunikation zu betreiben, Themen zu bewerben, im Gespräch mit Politikern natürlich dann, ich sage jetzt mal, über eine solche Rolle, über solch einen Titel auch eine gewisse Gravitas in so eine Rolle reinzubekommen und dann zu sagen, okay, wie können wir da jetzt auch eine Position beziehen, die wahrgenommen wird, wo jemand sagt, okay, ja, gut, mit denen lohnt es sich zu reden. Und natürlich zu schauen, dort viel zu koordinieren, viel zusammenzuhalten, viel Gemeinschaft zu fördern in einem sehr großen Verband mit sehr vielen Mitgliedern, mit sehr vielen Strukturen. Ich glaube, ich kann nicht beantworten, warum jetzt andere mir das jetzt irgendwie zugetraut haben, was ich weiß, ist, dass es sehr wichtig ist, dort sich darum zu bemühen, dass die Menschen zusammenarbeiten und dass man gemeinsam in eine Richtung arbeitet. Und das ist etwas, was, glaube ich, mir insgesamt wichtig ist und warum ich eine Überzeugung habe, warum ich da einen Beitrag in dieser Verbandsarbeit auch leisten kann, dass man dort nicht Richtungen vorgibt und sagt, wir müssen dort langlaufen, sondern die gemeinschaftlich entstandenen Richtungen, auch, die Leute bei der Stange zu halten, die Leute auch zusammenzubringen und auch das Gefühl zu geben, komm, wir sind hier alle in einem Boot, lass uns jetzt dran arbeiten.

Markus: Ja, das war auch so ein bisschen die Intention von meiner Frage, das mal ein bisschen zu triggern, weil es dieser große Unterschied ist, auf der einen Seite eben schon der Geschäftsführer, Leiter eines doch nicht ganz so kleinen mittelständischen Unternehmens zu sein und auf der anderen Seite dann eben ein Verband vorzustehen als Präsident, aber eben auch als repräsentativer Präsident, wo man dann im Grunde Unternehmen in derselben Branche, aber halt von Radeberg bis Bamberg betreuen muss, also von ganz groß bis ganz klein und irgendwie dafür auch stehen muss und eben auch in einer anderen Rolle, auch in seiner eigenen Rolle, auch in der eigenen Wirkmächtigkeit da in einer anderen Stufe ist. Also du musst da schon so ein bisschen den Hut wechseln, den du aufhast sozusagen. Fällt einem das manchmal schwer oder eher leicht und welche Rolle gefällt dir besser?

Christian: Es ist, wie du sagst, es ist was ganz anderes. Man darf nicht versuchen, das eine mit dem anderen irgendwie oder zu sagen, so, wie ich das hier mache, mache ich das jetzt dort, das ist zum Scheitern verursacht. Ich bin ein Mensch, der, oder ich finde das Thema Politik extrem wichtig. Also ich habe eine tiefe Überzeugung, dass politische Prozesse extrem wichtig für das Bestehen von Unternehmen sind. Also noch mal, in unserem Anfangsstadium, wir haben es als Unternehmen erlebt, was verändert sich für ein Unternehmen, wenn sich politische Rahmenbedingungen verändern, also in der Extremwelt, dass man aus einem Land in ein anderes wechselt und wie viel Stabilität und Klarheit im politischen System der Nährboden für Wachstum, für positive wirtschaftliche Entwicklungen sind. Und da habe ich eine tiefe Überzeugung, dass es total wichtig ist, sich mit den Menschen, also mit den Menschen im Gespräch zu sein, die die Bereitschaft haben, politische Entscheidungen zu treffen. Was ja eine große Verantwortung ist und etwas, was wir, glaube ich, vergessen wertzuschätzen, dass da Menschen sagen, okay, ich engagiere mich politisch und ich will hier die Dinge besser machen. Und, ich glaube, dass man sehr, sehr viel bewirken kann, wenn man es schafft, mit diesen Menschen auf Augenhöhe über Themen zu sprechen, zu diskutieren, auch immer wieder zu zeigen, was uns wichtig ist, was Brauereien wichtig ist, ich glaube, da kann man sehr viel bewegen. Und deswegen, das ist eine tiefgründige Überzeugung, die ich da habe, warum ich es auch sehr gerne mache. Es ist ein Amt, was manchmal, glaube ich, viel Frustrationsresilienz mit sich bringen muss, weil die Anzahl der, ich nenne es mal interessanten Ideen, die da so politisch teilweise positioniert werden oder womit sich Menschen beschäftigen, da sitzt man manchmal und denkt sich schon, okay, gut, das haben die jetzt nicht wirklich auf Papier gebracht. Also diese, ja, diese Frustration mit dem System ist natürlich sehr präsent. Also, ich glaube, wenn ich da im Europäischen Parlament teilweise sitze und diese Prozesse sehe, dann denke ich mir schon, boah, das ist jetzt nicht, das kann jetzt doch nicht die Realität sein. Dann muss ich aber immer wieder sagen, naja, aber es ist zum Glück ein demokratisches System. Also, ich sitze lieber im Europäischen Parlament, als mir vorstellen zu müssen, dass man von Präsidentengnaden in einer Diktatur sich auseinandersetzen muss, mit was da gerne jemand hätte. Also insofern bin ich da sehr positiv auch nach vorne eingestellt, dass wir in dem richtigen System unterwegs sind, aber das System lebt davon, dass man sich engagiert, dass man seine Meinung kundtut, dass wir, und da bleibe ich jetzt mal bei der Brauwirtschaft, dass wir als Brauereien dort in der Lage sind, klar zu artikulieren, was wir als wichtig erachten und was wir auch als Gefahr für uns erachten. Es ist schon sehr viel Arbeit, Schaden abzuwenden, muss man schon dazu sagen. Und das ist eine total wichtige Aufgabe, das ist eine Aufgabe, die, zum Glück, ein sehr kompetentes Team in Berlin und ein sehr kompetentes Team in Brüssel und in Deutschland, muss man auch immer wieder dazu sagen, extrem kompetente Teams in den Bundesländern, also der Deutsche Braubund besteht ja aus Regionalverbänden, und was da in München, was da in Stuttgart, was da in Hamburg, in allen Regionen gemacht wird, das sind sehr, sehr viele Menschen, die da extrem hart arbeiten dafür, dass es uns erlaubt ist, unser Geschäft zu betreiben. Und wenn ich da so ein bisschen unterstützen kann, dann, glaube ich, ist das eine Rolle, die ich jetzt gerne begleite.

Markus: Ja und auf jeden Fall eine ganz wichtige Rolle für die Branche. Und, ich glaube, es ist auch vielen Leuten da draußen nicht unbedingt klar, dass eben Brauer-Bund jetzt nicht nur heißt, wir sind, sage ich mal, im weitesten Sinne eine Lobbyvereinigung, um eben möglichst viel Bier zu verkaufen, sondern es geht ja massiv darum, dass auf der politischen Ebene, sowohl in Deutschland als auch in Europa, natürlich Gesetze und Regelungen, und was weiß ich was alles, gemacht werden oder auch vereint werden oder neu gedacht werden, wie auch immer, die dann letzten Endes die ganze Branche betreffen und die eben bei einer ungünstigen Regelung, bei irgendwas, wo man dann eben nicht bedacht hat, dass es da auch Brauereien gibt, die davon betroffen sind, dazu führen kann, dass die Branche wirklich massiv leiden muss. Und das alles vorzudenken, mitzudenken, zu begleiten und eben immer da am Ball zu sein, das ist wirklich eine krasse Arbeit und die eben sehr viel mehr ist, als einfach nur, sagen wir mal, eine Kampagne zu starten, für oder gegen Bier, wie auch immer, sondern das ist, wie du schon gesagt hast, echt viel, viel, ja, Arbeit und Gehirnschmalz. Und du hast es ja gerade schon erwähnt, das Ganze gibt es ja nicht nur auf der deutschen Ebene, sondern das Ganze gibt es dann eben auch auf der europäischen Ebene und das ist jetzt quasi so der letzte aktuelle Karrieresprung, sage ich mal, wenn man das so sehen will, also ist auch die Frage, ob du das selber als Karriere überhaupt siehst, weiß ich nicht, aber dass du jetzt eben auch Präsident der Brewers of Europe geworden bist, also sozusagen auf der europäischen Ebene jetzt die Brauereien vertreten darfst beim europäischen Parlament und dich da für die Belange einsetzen darfst, musst, kannst, wie auch immer man das sieht. Wie kam das für dich und siehst du es als Karriere?

Christian: Nein, also Karriere, das ist was ganz anderes. Das ist ein großes Privileg, das begleiten zu dürfen, es ist total spannend, es ist interessant, es ist eine Aufgabe, es ist eine Rolle. Lustigerweise sitze ich schon länger im Präsidium des europäischen Verbandes als im Präsidium des deutschen Verbandes. Also beide Verbände haben, in Brüssel heißt es Board, in Berlin heißt es Präsidium, eine Gruppe, wo ganz viele Brauereien, Brauereivertreter drinsitzen und gemeinsam diskutieren und der jeweiligen Geschäftsführung Richtungen geben, mit welchen Themen sie sich beschäftigen müssen und auch Entscheidungsprozesse dann auch begleiten. Und in Brüssel war ich schon, bevor ich in Berlin war, habe dort ganz viele Jahre jetzt irgendwie miterleben können, was da auf europäischer Ebene, aber auch in dem Zusammenspiel zwischen den Ländern und der Europäischen Kommission im Europäischen Parlament passiert und immer wieder an diesen Themen gearbeitet, ob das jetzt Verpackungsrichtlinien sind oder Alkoholgesetzgebung und diese Themen. Und, ja, dann haben wir dort ein rotierendes System, wo alle 3 Jahre ein neuer Präsident gewählt wird und irgendwann kamen sie auf mich zu, haben gesagt, ja, also jetzt sitzt du schon so lange hier am Tisch, jetzt mach mal hier bitte Butter bei die Fisch jetzt könntest du diese Rolle des Präsidenten auch mitbegleiten. Und das ist, ich bin da sehr dankbar, dass wir jetzt in einer Welt leben, in der sehr viel online passiert. Ich bin sehr dankbar, dass wir in Brüssel und Berlin zwei sehr starke Geschäftsführungsteams haben, die das Thema begleiten, weil es natürlich schon ein Zeitaufwand ist, also ich sitze jetzt nicht jede Woche in Brüssel und gucke mir da an, was da diskutiert wird, das hat sich schon entwickelt. Aber so bin ich zu dieser Rolle gekommen. Auch wahrscheinlich, weil wir als Unternehmen ein sehr europäisches Unternehmen an sich sind, also mit einer Brauerei in Deutschland und einer Brauerei in Frankreich. Wir sind im saarländischen Brauereiverband und im Elsässer Brauereiverband als Basis, da kommen wir her, aus dem Elsass und aus dem Saarland und daraus sind wahrscheinlich auch, ich sage mal, so eine gewisse Bereitschaft entstanden, uns als Unternehmen, das ist ja nicht nur ich, also mein Vater hat diese Rolle schon begleitet auf beiden Ebenen, uns als Unternehmen vielleicht auch da etwas zuzutrauen, dass wir die Belange von kleinen, großen, mittelgroßen Brauereien auch verstehen und auch richtig vertreten, weil wir da ja so ein bisschen auch von der Art und Weise des Unternehmens, ja, dazwischen sitzen. Wir sind kein internationaler Konzern und wir sind keine Gasthausbrauerei, aber vielleicht sind wir an beiden Themen doch nah genug dran, um Interessen zu verstehen oder zu glauben, dass wir sie verstehen.

Markus: Und wie ist das dann konkret so, wenn man jetzt auf der europäischen Ebene ist und ist da mit den anderen, sage ich mal, Brauer-Bund-Präsidenten so zusammen und macht sich so seine Gedanken? Gibt es vielleicht auch konkrete Dinge, wo du sagst, da haben wir schon mal was bewirkt oder da waren wir wirklich besonders gefordert, das war so ein Kernthema oder das steht jetzt gerade an? Gibt es da irgendwas, wo du uns mal kurz einen Einblick geben kannst, wie das eben so ist, wenn man in so einem Gremium ist?

Christian: Der Unterschied zwischen der europäischen Ebene und der deutschen Ebene ist das sogenannte Prinzip der Diskontinuität. Also das heißt, wenn in Deutschland eine neue Regierung gewählt wird, dann ist alles, was die Regierung davor gemacht hat, erst mal eigentlich im Mülleimer, jede neue Regierung muss mit neuen Konzepten, mit neuen Gesetzesvorhaben anfangen. In Brüssel ist das anders, da übergibt die eine Kommission der nächsten Kommission die laufenden Projekte, so. Und diese Projekte sind auf europäischer Ebene deswegen auch, die kleben fester. Also wenn eine Regierung, ja, ist ja keine Regierung, aber wenn die Kommission vor 10 Jahren der Meinung war, wir müssen uns mit dem Thema Verpackungsgesetze beschäftigen, dann ist das 10 Jahre später meistens immer noch da. Und das ist eigentlich die große Herausforderung auf Brüsseler Ebene, dass es viele, viele Themen gibt, die sehr langfristig angegangen werden aus Prinzipien heraus. Also, Verpackung ist deswegen ein wesentliches Thema, weil das auch im Moment immer noch, also das begleitet mich jetzt seit 15 Jahren, die sogenannte PPWR, also die Packaging and Packaging Waste Regulation, wo es darum geht, wie müssen Mehrwegflaschen deklariert werden. Ist eine Kiste, wie wir sie in Deutschland, eine Kiste Bier, ist das überhaupt zulässig? Wie sieht es mit Folien aus, die um eine Dose herumgewickelt werden, darf das so verwendet werden, wie viel Recyclinganteil, also solche Themen. Und da sind sehr, sehr viele solcher Themen, die immer wieder da sind und meistens auch sehr, sehr lange da sind, wo es eine sehr intensive Arbeit bedarf, diese Themen zu bearbeiten und sich zu fragen, okay, können, müssen wir das in irgendeiner Form beeinflussen. Zum Beispiel, also, es war kurz vor knapp, dass wir in Deutschland alle Bierkisten hätten wegwerfen müssen und neue Bierkisten kaufen, damit sie EU-konform waren. Und EU-konform jetzt nicht, weil sich die Kommission damit irgendwie beschäftigt hat, sondern weil alle Gremien auf europäischer Ebene und die jeweiligen Länder und Strukturen sich diesem Thema überhaupt nicht gewidmet haben. Also es hat keiner auf dem Schirm gehabt, dass so, wie die Regulierung geschrieben wurde, dass das bedeutet hätte, dass die bestehenden Kisten nicht mehr verkehrsfähig sind. Und da gibt es noch 25 andere Beispiele. Manchmal sind es Einzelideen, wo jemand sagt, okay, wir müssten das doch jetzt so und so, wir müssten da doch mal was verändern, und manchmal sind es so ganz lang sich dahinziehende Prozesse, wo man echt wachsam sein muss, dass einem da nichts auf die Füße fällt. Und das ist eigentlich so die Hauptarbeit, da immer wieder zu schauen, was sind Gesetzesvorhaben, was steht in diesen Gesetzesvorhaben drin, welche Veränderungen würde das mit sich bringen? Viele Dinge sind da nicht aufzuhalten, muss man auch sagen, viele Dinge werden kommen und werden uns beschäftigen. Viele Dinge kann man hinterfragen und besser machen. Das ist eigentlich das Idealszenario, wenn man sagt, ja, also  Grundprinzip verstanden, ja. Also, ein kleines Beispiel, Deklaration der Inhaltsangaben auf einer Flasche Bier, so. Das kann man so oder so machen. Also du kannst ja mal die Liste machen der Getränke, wo hinten draufstehen muss, was drin ist oder wo hinten es nicht draufstehen muss und wie geht man damit jetzt um, so. Und wie kann man diesen Prozess so gestalten, dass man sagt, ja, das finde ich total richtig, dass hinten draufsteht, was in einem Getränk drin ist, aber wie macht man das jetzt so, dass Brauereien das auch darstellen können? Ja, jetzt, es wird eine Diskussion geben über, wie wird die Biersteuer erhoben auf europäischer Ebene. Da gibt es viele, die sagen, naja, das ist relativ simpel, Steuer geht nach Alkoholgehalt und dann gibt es andere, die sagen, ah ja, okay, aber in Deutschland ist das nicht Alkohol, sondern Plato. Wie geht man damit jetzt um, muss die ganze deutsche Biersteuer-Gesetzgebung geändert werden, weil auf europäischer Ebene dort Standards eingeführt werden, so ungefähr kann man sich das Thema vorstellen.

Markus: Was dann auch noch schwierig ist, ist natürlich, dass das ja alles Leute machen, nicht in dem Bewusstsein, anderen wehtun zu wollen, sondern man versucht ja eigentlich, für alle was besser zu machen, aber genau da ist dann, glaube ich, auch die Schwierigkeit bei der ganzen Geschichte. Was ich auch merke ist, wie unglaublich tief du dich da jeweils reindenken musst und auch reindenkst. Was machst du denn, um mal den Kopf frei zu kriegen? Also hast du ein bestimmtes Freizeitkonzept, bestimmte Hobbys oder irgendwas, wo du sagst, Mensch, also wenn ich mal nichts mit Bier zu tun haben will, dann mache ich XY?

Christian: Ich habe da einen sehr großen Ausgleich, ich habe eine Familie mit vielen kleinen Kindern zu Hause. Also das ist so der ultimative Realitätscheck, dann komme ich zu Hause und dann hole ich die teilweise aus der Schule ab oder bringe die morgens in die Kita und wir sitzen abends am Abendessenstisch und es wird drüber gestritten, warum der eine dem anderen jetzt irgendwie den Zauberwürfel weggenommen hat. Also, die Realität ist für mich halt schon der Gegenpol zu diesem, sich mit einem Verpackungsgesetz beschäftigenden. Ob das jetzt den Kopf frei bekommen oder Entspannung ist, ist jetzt vielleicht ein bisschen anders dargestellt. Ich lebe zum Glück in einer Region hier, wo man sich sehr gut bewegen kann. Also wir haben hier viel Wald, wir haben hier viel Natur, das ist wahrscheinlich der beste Moment, wo ich irgendwie rauskomme und sage, okay, jetzt einfach mal physisch woanders sein. Und dieses, ich glaube, es ist ein Privileg hier bei uns im Saarland, wie schön die Natur ist. Aber zwischen Arbeit und Kindern ist da nicht so viel Platz.

Markus: Naja, gut, das kommt vielleicht mit der Zeit dann, also Kinder werden ja älter, das ist ja unweigerlich und dann ändert sich da vielleicht wieder einiges. Aber das ist auf jeden Fall für mich auch eine gute Anregung, mal im Saarland auch Halt zu machen. Also bisher bin ich da leider mehr oder weniger immer nur durchgefahren, muss ich zugeben, aber muss man mal ändern, um sich ein bisschen mehr die Sache anzuschauen, und das würde ich dann vielleicht auch allen unseren Hörerinnen und Hörern raten. Letzte Frage dazu, kann man bei euch die Brauerei irgendwie erleben, wenn man da durchfährt, kann man da vorbeischauen, gibt es da eine Führung oder irgendwas, was man machen kann?

Christian: Wir haben keine klassischen Führungen mehr, wir haben einen Bereich der Brauerei umgebaut in ein, ich sage jetzt mal, in eine Location, eine Event-Location, auf Neudeutsch, also ein ganz großer Raum, in der wir 20 Zapfhähne haben, wo 20 verschiedene Biere am Hahn sind. In dem gleichen Gebäude, das heißt, bei uns die alte Schlosserei, steht die Mikrobrauerei, unsere Versuchsbrauerei. Dort arbeitet hier der Martin Mihm, hattest du vorhin gesagt, und auch die ganzen anderen Brauer und Brauerinnen arbeiten an der ganzen Produktentwicklung. Und was wir machen, um die Brauerei zu erleben, ist an solchen Momenten, wie die Braunacht oder wir haben eine Bocknacht, also verschiedenste Veranstaltungen, die Brauerei dann zu öffnen und die Leute bei uns in die alte Schlosserei einzuladen und dann direkt mit den Brauern auch über das Thema Bier diskutieren zu können, weil wir das auch spannender finden, als die Menschen jetzt irgendwie an einer Dosenanlage vorbeizuschiffen. Also das ist ja so, okay, guck mal, die Dosenanlage, die dreht sich und da bewegen sich Maschinen. Ist natürlich auch faszinierend, aber diese alte Schlosserei, dort, wo das Produkt entsteht, das ist das, wo wir die Menschen gerne bei uns haben.

Markus: Also das finde ich auch zumindest eine sehr, sehr gute Option, weil es ja letztendlich auch nicht darum geht, Maschinen zu bewundern, sondern eben die Bierkultur zu feiern und das macht man am besten mit anderen Menschen und mit den Bieren. Insofern, wir werden natürlich die Website mit verlinken und da kann man dann eben nach den Terminen gucken und dann auch vorbeischauen.

Christian: Der beste Moment, wenn ich werben darf, ist das letzte Wochenende im April, da ist die Homburger Braunacht, das ist so unsere, ja, da kann man uns wirklich hautnah erleben.

Markus: Perfekt, also dann haben wir jetzt schon mal einen Fixpunkt im Terminkalender. Dafür vielen Dank und auch vielen Dank für deine Zeit und das Insights so ein bisschen in deinen Kopf und dein Leben und all das, was es ausmacht und was du letztendlich auch für uns und für die Bierkultur machst, vielen Dank auch dafür. Und dann heute noch einen schönen, guten, starken weiteren Tag im Kampf für dich und die Biere und die Bierwelt.

Christian: Ich kann nicht nur zurückgehen an dich, für dein Engagement für das Thema Bier, das ist echt bemerkenswert und es hat mir sehr viel Spaß gemacht heute, danke dir.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

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