BierTalk Spezial 11 – Interview mit Jonas Krebs von der Brauerei Buckskin aus Taipeh

Jonas Krebs aus Oelde startete seine Braumeister-Karriere erstmal in Südafrika, wo er bei der größten Craft-Brauerei Jack Black’s Brewing Company anheuerte. Nach zweieinhalb Jahren landete er beim Heimaturlaub in Franken und lernte bei einer Brauereibesichtigung Braumeister Georg Rittmayer kennen. Der war gerade dabei, als Berater einen Unternehmer aus Taiwan bei der Eröffung einer neuen Brauerei zu unterstützen. Da kam ein junger Braumeister mit Auslandserfahrung wie gerufen – und nun ist Jonas ein echter Star in dem kleinen Inselstaat und durfte auch schon bei internationalen Wettbewerben glänzen

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Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einem ganz besonderen BierTalk Special. Wir sind 10.000 Kilometer gereist, fast ans andere Ende der Welt, und sind in Taipeh gelandet, das ist die Hauptstadt von Taiwan. Und dort gibt es einen deutschen Brauer, den Jonas, der sich gleich vorstellen wird. Vorher noch, wir sind natürlich auch immer dabei, ich, der Markus, und …

Holger: … der Holger.

Markus: Wie gesagt, wir springen jetzt mal über einen ganzen Kontinent und mehrere Ozeane und begrüßen den lieben Jonas. Magst du ein bisschen was zu dir selber sagen?

Jonas Krebs: Hallo erst mal in die Runde! Mein Name ist Jonas Krebs, ich bin 25 Jahre alt und bin der Braumeister von der Buckskin Brauerei hier in Taiwan. Ich bin jetzt seit über zwei Jahren hier in Taiwan ansässig, wir haben eine Brauerei eröffnet, und mit der Mithilfe von den Beratungen von dem Georg Rittmayer, wo wir hier in Taiwan ausschließlich deutsche Bierstile herstellen und somit in den Markt eingebracht haben, und das jetzt, Stand nach zwei Jahren, sehr, sehr erfolgreich. Wir haben zwei Brauereien, eine Versuchsanlage von 5 Hektoliter und eine 50 Hektoliter-Produktionsanlage, mit der wir eine Gesamtkapazität von circa 100.000 Hektoliter erwarten. Und nach dem ersten abgeschlossenen Jahr sind wir bereits schon bei über 30.000 Hektoliter gelandet.

Markus: Das ist schon eine ordentliche Zahl. Da müssen wir in Franken lange suchen, bis wir eine Brauerei finden, die den Ausstoß hat, und vor allem nach einem Jahr hat. Krasse Sache! Werden wir gleich noch ein bisschen mehr drüber reden. Holger, was sagst du? Taiwan, sagt dir das was?

Holger: Ja, ich war auch in meinem Leben schon einmal in Taiwan. Damals aber nicht im Zusammenhang mit dem Thema Bier, macht aber nichts. Aber das, was ich in Erinnerung habe biertechnisch, ist einfach International Lager. Also mehr kenne ich da gar nicht.

Jonas Krebs: Ja, das hat sich jetzt, ich weiß nicht, wann Du hier in Taiwan warst, wann war das ungefähr?

Holger: Ich glaube, das war 2011.

Jonas Krebs: Ah okay! In den letzten Jahren hat sich der Markt doch schon geändert. Taiwan hat ja erst das legale Bierbrauen 2002 zugelassen, davor war es ja illegal, Bier hier in Taiwan zu brauen, außer von der Staatsbrauerei. Somit hat sich dann auch in den letzten Jahren die handwerkliche Braukunst hier erst entwickelt. Also durch die großen Biere oder durch die Staatsbrauerei war halt dieses Internationale Lager sehr, sehr weit verbreitet, ist es auch immer noch. Jetzt in den letzten Jahren ist auf jeden Fall durch, ich sag mal, Craftbier oder handwerklich gebraute Biere Neues in den Markt mit reingekommen.

Markus: Da sind wir jetzt mal sehr gespannt, was du dir für ein Bierchen ausgesucht hast. Vielleicht fangen wir doch mit dir mal an.

Jonas Krebs: Ich habe mir ein Bier aus meiner Heimat ausgesucht, ich komme ja ursprünglich aus Oelde. Was wir im Sortiment haben, ist das Dortmunder Export. Oelde ist relativ nahe an Dortmund, das sind nur 70, 80 Kilometer. Als allererstes Bier habe ich mir ein Dortmunder Export ausgesucht.

Markus: Aber aus deiner Brauerei, oder?

Jonas Krebs: Klar, aus meiner Brauerei.

Markus: Na dann, hören wir mal zu, wie das reinläuft.

Jonas Krebs: Okay!

Markus: Und ich muss sagen, ich habe mich gut vorbereitet, werde an dieser Stelle gleich mitmachen. Ich habe nämlich auch eine Dose Dortmunder Export aus deiner Brauerei.

Jonas Krebs: Ah okay!

Markus: Können wir jetzt quasi zeitgleich auf demselben Planeten trinken. Holger, du hast das auch schon probiert, als wir uns mal getroffen haben, aber das ist schon ein bisschen her.

Holger: Ich weiß schon, in der Altdeutschen Stube im Schlenkerla, oder?

Markus: Richtig, genau! Da hatte ich die Buckskin Biere dabei. Musst du dich jetzt erinnern, ich mache auch mal auf.

Holger: Boah! Das hat sich richtig toll angehört.

Jonas Krebs: Um ein bisschen was zum Dortmunder Export zu erklären. Das Dortmunder Export ist jetzt relativ neu in unser Sortiment mit reingekommen. Was halt außergewöhnlich ist, ist wirklich die Farbe. Die Farbe, wenn man es direkt ins Glas gießt, es ist ein sehr, sehr dunkles Gold, was mehr sogar in den Orangeton mit reingeht. Sehr, sehr feinporiger Schaum. Jetzt vom Geschmacklichen ist es eine sehr, sehr leichte Süße, gute Vollmundigkeit und ein leichtes Durchklingen vom Hopfen, was so ein bisschen Citra- und Mandarinen-Aromen mit durchbringt.

Markus: Kann ich nur bestätigen. Was mich sofort wirklich in den Bann gezogen hat, ist die Farbe. Das ist wirklich so ein Braungold, viel dunkler, als man normalerweise so ein Export erwarten würde. Und in der Nase richtig schöne Hopfennoten, wo auch diese Citrus-Töne schön rüberkommen. Holger, machen wir dir jetzt den Mund zu wässrig? Dann darfst du sonst auch schon loslegen.

Holger: Mir war ja klar, ich kann gegen euch nicht anstinken. Und ich habe dann gedacht: Na ja, was machst du jetzt eigentlich? Ich habe mich einfach für ein Hauptstadt-Bier entschieden.

Markus: Von welcher Hauptstadt?

Holger: Ja, unsere natürlich.

Markus: Naja, man könnte sagen, es gibt die Bierhauptstadt, dann wäre es ein Bamberger Bier. Es gibt die bayerische Hauptstadt, dann wäre es ein Münchner Bier. Es gibt die deutsche Hauptstadt, dann wäre es ein Berliner Bier.

Holger: Nein, nein. Ich habe mich für ein Berliner Bier entschieden. Einfach, wir sind ja jetzt in Taipeh und dann einfach, bei uns ist dann ja Berlin die Hauptstadt und deshalb habe ich dann einfach gedacht: Ich nehme mal ein Bier von BRLO. Weil BRLO hatten wir überhaupt noch nicht, und haben wir zwar mal erwähnt zum Thema, wie sind die jetzt auch gebeutelt durch Corona und so ganz kurz, aber über die Biere haben wir noch gar nicht gesprochen. Und BRLO finde ich, ist erwähnenswert, und deshalb habe ich mich für ein BRLO Pale Ale entschieden.

Markus: Na, dann darfst du das auch schon aufmachen, würde ich sagen, oder Jonas?

Holger: Habe Dank, vielen Dank!

Jonas Krebs: Ja, das auf jeden Fall. Ja.

Markus: Schön ist auch die Bittere, finde ich, von dem Export. Also es ist hinten raus wirklich dann eine kräftige Bittere, die schön den Mund wieder aufräumt und auch richtig Lust macht, den nächsten Schluck zu nehmen. Sehr schönes Bier. Wie kommt es denn in Taiwan an? Ist das euer Topseller-Bier oder eher noch so eine Nische?

Jonas Krebs: Es ist momentan noch eine Nische. Also wie schon gesagt, es ist relativ neu in den Markt gekommen, es ist auch nur speziell für, wir haben hier verschiedene Projekte, also es ist speziell für eine Marktkette ausgewählt. Dort kommt es sehr, sehr gut an, ist aber bei weitem noch nicht unter Bestseller. Unser Bestseller ist nach wie vor unser Hefeweizen, was er sehr, sehr gut ankommt, was auch maßgeblich die Fruchtigkeit, die eben halt in diesem tropischen Land, gerade wenn es ein bisschen wärmer jetzt im Sommer wird und mit der hohen Luftfeuchtigkeit, was einfach sehr, sehr erfrischend wirkt.

Markus: Was, glaube ich, die Leute am allermeisten interessiert, ist, was passieren muss, damit jemand wie du aus Deutschland nach Taiwan geht und dort eine Brauerei mit aufmacht? Das ist sicherlich eine spannende Geschichte, denken wir zumindest. Ist dem so?

Jonas Krebs: Ja, es ist eine sehr, sehr Geschichte. Um jetzt mal ganz am Anfang anzufangen, wo ich jetzt in meiner ganz, ganz jungen Karriere noch, nach meiner Brauerschule habe ich meinen Meister gemacht, und danach bin ich dann als allererstes für zweieinhalb Jahre nach Südafrika, nach Kapstadt gegangen. Und als ich dann zu Besuch oder zum Urlaub in Deutschland war, mache ich eigentlich generell immer mindestens drei bis fünf Tage Urlaub in Bamberg oder im Frankenland. Was dann sehr, sehr interessant und sehr, sehr glücklich auch war, ist, dort bin ich auf eine Person gestoßen, den Herrn Georg Rittmayer, weil ich da die Brauerei mir angeguckt habe, einfach Brauerei besichtigt, ein paar Biere verkostet habe. Und so sind wir ins Gespräch gekommen. Und der Herr Rittmayer ist schon Berater für die Buckskin Brauerei und hat dieses ganze Konzept gestartet. Dann ist das eine zum anderen gekommen und somit hatten wir ein sehr, sehr interessantes Gespräch. Er hatte dann auch gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, nach Taiwan zu kommen und dieses interessante Projekt zu starten. Ja, da konnte ich natürlich auf jeden Fall nicht Nein sagen. Also ein paar Monate später war ich dann das allererste Mal in Thailand, wo dann die Inbetriebnahmen angefangen haben. Das Land hat mir so super gefallen, das Konzept Buckskin, das Projekt hier sehr, sehr viel versprechend. Und dann haben wir zusammen mit dem Eigentümer von der Brauerei hier den Vertrag unterschrieben und ein paar Monate später bin ich dann von Kapstadt nach Taipeh gezogen. Und bin jetzt auch hier schon seit zwei Jahren.

Markus: Eine krasse Geschichte. Dazu muss man vielleicht noch sagen, dass ja auch die Ursprungsgeschichte sehr witzig ist. Dass ja der Eigentümer von Buckskin vor Jahren auch eine sehr erfolgreiche Whisky-Destillerie ins Leben gerufen hat und der Georg Rittmayer ja im Whisky-Club ist, und darüber diese Verbindung entstanden ist. Das finde ich total spannend, wie so alkoholische Getränke Leute auf dem ganzen Planeten irgendwie zusammenbringen und am Schluss zu einer neuen Brauerei in einem ganz fernen Land führen können.

Jonas Krebs: Da sieht man auch natürlich, wie klein einfach die Industrie ist, gerade die Brauerindustrie ja sowieso, jeder kennt fast jeden. Und dann so in der Whisky-Industrie ist es ja dann auch nicht ganz so weit.

Markus: Das stimmt. Hast du noch andere Deutsche in Taiwan, mit denen du dich da regelmäßig triffst? Oder bist du so ein bisschen auf dich allein gestellt?

Jonas Krebs: Nein, also jetzt über die Zeit hat man doch schon Freunde kennengelernt, teilweise deutsch, aber auch teilweise Deutsche, die aus den USA oder aus Südafrika oder lokale Leute hier. Was sehr, sehr interessant hier in Taiwan ist, die Leute sind sehr, sehr offen, sehr, sehr freundlich und die kommen auf einen zu. Das heißt, es ist eigentlich relativ unproblematisch, hier neue Kontakte zu knüpfen, weil es einfach so ein sehr, sehr offenes Land ist.

Markus: Holger, wie hast du denn Taiwan erlebt, als du dort warst?

Holger: Überhaupt sind ja die Asiaten einfach so ein sehr freundliches Volk und viel Gastfreundschaft ist mir da begegnet. Ich habe das als wahnsinnig abwechslungsreich erlebt. Also ich hatte damals nicht wirklich viel Zeit, ich war dann eben im Zentrum von Taipeh, das ist ja so eine richtige Metropole, das kann man gar nicht anders sagen, also riesig. Ebenso auch landschaftliche Reize, ich bin ja so ein großer Berge-Fan, und da gibt’s dann sogar auch Berge, da kann man viel erleben. Es ist auch noch mal ein bisschen anders als China insgesamt. Also ist ein Inselstaat und ich habe mich da mit schweren Nutzfahrzeugen beschäftigen dürfen und natürlich da auch die ganzen asiatischen Wettbewerber, die man hier auch überhaupt nicht kennt. Teilweise dann auch die Hersteller, die aber auch riesig groß sind und so. Das hat mich beeindruckt, überhaupt Asien, finde ich ein wahnsinniges Gebiet. Und was mir allerdings überhaupt nicht gefallen hat, ist einfach das Klima. Ich bin ja so jemand, der nicht unbedingt die Wärme und Hitze schätzt, und wenn dazu dann noch diese unglaubliche Luftfeuchtigkeit dazukommt, dann ist das für mich nicht angenehm. Das hat mir so ein bisschen alles verleidet. Aber das Land als solches und auch die Bevölkerung, das war großartig.

Jonas Krebs: Die Luftfeuchtigkeit, das ist, glaube ich, mit die größte Umstellung. Ganz so anfangs, gerade in der Sommerzeit, wenn es dann draußen über 30 Grad sind und dann noch 80 % oder plus 80 % Luftfeuchtigkeit, das ist schon wirklich sehr, sehr hart zu Anfang, aber man gewöhnt sich mit der Zeit dran. Ist dann wirklich, wenn man dann ein- oder zweimal nach Deutschland kommt, dann denkt man auch wirklich, oh, die Luftfeuchtigkeit ist hier aber sehr, sehr gering. Man gewöhnt sich, wie gesagt, mit der Zeit wirklich an die Luftfeuchtigkeit, aber die ersten, ich sag mal so, zwei, drei Monate waren doch schon eine sehr, sehr große Umstellung, das auf jeden Fall.

Markus: Und wie schaut’s mit der Bierlandschaft in Taiwan aus? Also gibt’s da neben der großen Brauerei und deiner Brauerei auch eine Craftbier-Szene oder sowas?

Jonas Krebs: Das ist alles momentan im Wachstum hier in Taiwan, die handwerklich gebrauten Biere. Es gibt jetzt grob geschätzt so um die 50 Craftbier-Brauereien hier in Taiwan. Die meisten beschäftigen sich dann wirklich mit American Pale Ales, IPAs oder belgische Biersorten sind hier auch stark vertreten von der Craftbier-Industrie. Wir waren jetzt so die ersten, die wirklich auf deutsche handwerkliche Braukunst aufgesprungen sind, auch sehr, sehr erfolgreich. Die ganze Craftbier-Industrie, die entwickelt sich noch. Also es ist jetzt bei weitem noch nicht sehr, sehr stark vertreten, wir sprechen jetzt hier von ungefähr 1 bis 2 % von der Craftbier-Industrie. Also der Hauptanteil liegt wirklich noch bei der Staatsbrauerei oder bei importierten Bieren. Ich denke mal, dass sich das in den nächsten Jahren auf jeden Fall noch entwickeln wird, weil der Kunde auf jeden Fall sehr, sehr interessiert ist. Die einzige Frage wird halt sein, okay, jetzt gerade die Phase mit dem Coronavirus, das ist natürlich eine sehr, sehr schlimme Phase, gerade für den Aufschwung dann auch, gerade wenn sich dann noch die Industrie entwickelt.

Markus: Bei uns hört man ja, dass in Taiwan die Einschränkungen eigentlich fast gar keine sind oder wenig. Wie ist das denn vor Ort? Also wie war das oder wie ist das bei euch?

Jonas Krebs: Taiwan hat sich sehr, sehr gut verhalten. Also Taiwan selber hat ja sehr, sehr früh reagiert, als das Virus ausgebrochen ist. Wir hatten ja schon die ersten Einschränkungen nach dem chinesischen neuen Jahr. Das heißt, Anfang Februar, da waren schon Reiseeinschränkungen aus gewissen Ländern als Maßnahme. Somit hat sich die Ausbreitung des Virus, also wir haben jetzt hier ungefähr knapp unter 500 Verdachtsfälle. Man merkt‘s schon auf jeden Fall, also gerade jetzt in Sachen Keg-Business oder was in Taiwan auch sehr, sehr populär ist, wenn man in ein Restaurant geht, bestellen sich die meisten lokalen Leute große Flaschen, das heißt 600-Milliliter-Flaschen. Das heißt, auch dieser Markt von den großen Flaschen ist enorm zurückgegangen. Wir haben hier jetzt keine Beschränkungen, wo man überhaupt gar nicht rausgehen darf.

Markus: Ist die Gastronomie offen oder zu?

Jonas Krebs: Die Gastronomie ist offen, das nach wie vor, aber definitiv prozentual gesunken. Es gehen jetzt nicht mehr ganz so viele Leute aus wie vorher.

Markus: Lass uns doch den Holger mal ganz kurz fragen, wie es ihm mit seinem Pale Ale geht? Ist noch was davon da?

Holger: Ich habe immer noch was. Also ich höre euch ja gespannt zu, weil das ist sehr interessant, mal zu hören, der einen Livebericht abgibt. Also im Prinzip ganz klassisches Pale Ale auch mit den Hopfensorten, die da so reingehören, also Cascade und Citra und Centennial, und danach kommen dann auch ganz klar so tropische Früchte, ein bisschen Grapefruit, Mango, Maracuja. Und mir schmeckt das gut. Ich habe erst überlegt, ob ich ein alkoholfreies von BRLO Naked nehmen soll, weil das auch richtig toll ist. Aber hier ist irgendwie, war es alles so verregnet, da habe ich gedacht, so ein schönes fruchtiges Bier ist genau das Richtige, um dem entgegen zu stehen.

Markus: Sag mal, Jonas, in Taiwan wirst du wahrscheinlich so Pale Ale weniger brauen können. Aber hast du sowas in Südafrika gemacht?

Jonas Krebs: In Südafrika haben wir uns doch mehr auf American Pale Ales und IPAs fokussiert, als auch International Lagers, weil Südafrika war zu der Zeit dann auch noch in der Situation, also die Craftbier-Industrie hat sich dort stark entwickelt und dann kam ja der Zeitpunkt, als ABI SAB aufgekauft hat. Und somit sind dann auch andere Partner wie Heineken, Heineken hat ja viele Craftbier-Brauereien in Südafrika zu der Zeit dann auch aufgekauft, also groß-, mittelständisch, das hat sich jetzt momentan, wie ich das momentan jetzt noch verfolge, nicht so positiv auf jeden Fall für den Markt entwickelt.

Markus: In was für einer Brauerei warst du da?

Jonas Krebs: Jack Black’s Brewing Company. Das war zu dem Zeitpunkt dann auch noch die größte Craftbier-Brauerei in Südafrika. Wir haben jetzt knapp über 22.000 Hektoliter dort gemacht und diese wurde dann jetzt auch zu Heineken verkauft.

Markus: Wenn man jetzt in Taiwan zum Beispiel so ein Export oder so ein Hefeweizen kauft, was würde das jetzt für einen Deutschen kosten und wie viel kostet das für einen Taiwaner?

Jonas Krebs: Generell ist Alkohol hier in Taiwan ein bisschen preiserhöht. Das meiste Bier, das geht irgendwie so in den Convenience Stores hier, sowas wie 7-Eleven, FamilyMart. Und wir sprechen jetzt hier von knappen 60 NTD, Taiwan-Dollar. Das wären umgerechnet zwischen 1,70 und 2 Euro.

Markus: Also schon ein relativ stolzer Preis.

Jonas Krebs: Genau!

Markus: Was kosten so die Industriebiere?

Jonas Krebs: Die Industriebiere sind auch relativ hoch angesetzt, also wir sprechen da auch zwischen 1,30 bis 1,50 Euro für die Dose. Gerade wenn es dann in die Bars geht, da zahlt man doch schon gut und gerne für einen halben Liter so um die 6 bis 7 Euro.

Markus: Wie trinken die Taiwaner ihr Bier? Also ist das auch so ähnlich wie bei uns, dass man so nach der Arbeit so ein Fläschchen aufmacht? Oder wird das eher zelebriert oder ist das was, was mit Wein und Schnaps zusammen passiert? Wie müssen wir uns das vorstellen?

Jonas Krebs: Hier in Taiwan, was wirklich sehr, sehr stark ist, ist das Zusammensein für Essen. Man geht halt abends immer oder die meisten Leute gehen abends aus zum Essen gehen, weil es billiger ist. Jetzt im Restaurant etwas zu essen, jetzt gerade für die einzelne Person oder für zwei Personen ist es meist immer günstiger, auswärts zu essen, als wenn man jetzt selber für sich kocht. Wenn man dann in die Restaurants geht, Keg Bier ist dort nicht so stark vertreten. Es ist eher, dass sie sich wirklich in deutsche große Flaschen, das heißt, 600-Milliliter-Flaschen bestellen und diese dann in sehr, sehr kleinen Gläsern zusammen trinken.

Markus: Wie ist es für dich, wie kommst du da so an? Bist du da eine besondere Erscheinung, wenn du durch die Straße läufst? Du bist ja auch ein großer blonder Junge sozusagen. Ich war ja auch schon dort, und das ist ja doch ein deutlich anderes Erscheinungsbild. Wie fühlt man sich da so? Wie lebt sich’s?

Jonas Krebs: Man wird öfters mal angesprochen, die Familie hatte mich auch besucht so und meine Cousins, die sind auch relativ groß. Und da wurden wir dann auch an den Zugstationen angesprochen, ob wir nicht ein Foto zusammen machen können, weil einfach die Größe und weil sie sowas generell nicht kennen. Man wird sehr, sehr herzhaft angenommen. Und es ist halt immer so ein bisschen was Besonderes, gerade wenn man dann unter lokalen Personen zusammen ist.

Markus: Wollen wir zu deinem zweiten Bier schreiten.

Jonas Krebs: Ich bin mal gespannt, ob wir auch wieder das gleiche Bier zusammen haben. Aber diesmal habe ich ein Bier gewählt, wo wir sehr, sehr erfolgreich letztes Jahr bei den World Beer Awards waren. Vielleicht hattest …

Markus: Alt?

Jonas Krebs: … du das auch schon, hier in Taiwan war es natürlich, als du hier das Event gehalten hast, die Master Class, du hast das ja auch mit Sicherheit probiert, das Altbier, genau, …

Markus: Ja.

Jonas Krebs: … wo wir beim WBA ja als bestes Altbier weltweit 2019 abgeschlossen haben, wo wir sehr, sehr stolz darauf sind. Das habe ich als zweites Bier gewählt.

Holger: Zum Glück bin ich kein Rheinländer, sondern Ruhrgebietler, das ist noch mal ein ganz deutlicher Unterschied. Ich bin Duisburger, und da ist natürlich Altbier auch immer Thema gewesen. Also zu der Zeit, wo ich angefangen habe, Bier zu trinken, waren bei uns in Duisburg zwei Marken absolut bestimmend, eben König Pilsener und Diebels Alt. Dann hat man sich halt irgendwie da festlegen müssen, also bist du Malz-Aromatiker oder bist du Hopfen-Aromatiker. Aber wir hatten jetzt letztens noch einen BierTalk, wo ich auch noch mal das Thema Altbier so mit reingebracht habe, weil ich einfach schade finde, dass dieser Bierstil so wenig Beachtung findet. Da wird wenig mit gemacht, wenig experimentiert und so. Das ist schön, dass du jetzt auch noch mal ein Altbier so mit reinbringst, weil das ist quasi nur noch in der Region, also im Düsseldorfer Raum, am Niederrhein noch verbreitet, und ansonsten trifft man Altbiere fast nirgendwo mehr an.

Markus: Ich war ja in London bei den World Beer Awards auch in der Jury dabei und muss wirklich sagen, es hat mich dann, als es dann verkündet wurde, auch unheimlich gefreut und auch begeistert. Und insgesamt kann man sagen, dass mittlerweile mehrere Brauereien aus dem asiatischen Raum echt qualitativ ganz hochwertige Biere machen und viele Preise abgeräumt haben. Wobei es bei euch halt einfach was Besonderes ist, weil ihr ja auch so ganz neu seid und eben auch nicht nur bei den World Beer Awards gewonnen habt, sondern auch beim European Beer Star. Was ja von der Hürde her noch mal ein bisschen höher vielleicht hängt, gerade bei den deutschen Bierstilen. Das ist schon großartig. Also du warst ja auch dabei beim European Beer Star letztes Jahr, wie ist das überhaupt so, wenn man so als taiwanesischer Brauer dann mit den Deutschen ins Gespräch kommt? Wie reagieren die so, finden die das cool oder sind die ein bisschen skeptisch? Wie hast du dich da gefühlt?

Jonas Krebs: Generell war es eine sehr, sehr schöne Erfahrung, und das war mein allererstes Mal als Beerjudge bei einer internationalen Competition. Beim European Beer Star, also gerade, da waren ja sehr, sehr viele Biere dabei, ich glaube, das war ja jetzt dieses Jahr wieder eine Rekordzahl an Bieren, die eingeschickt wurden. Und diese Vielfalt mit den Leuten, dass einfach so viele verschiedene Leute aus unterschiedlichen Ländern kommen und somit einfach die Erfahrungen miteinander teilen, die Biere wirklich beschreiben und somit dann auch auswerten, was in den meisten Fällen von unserer Seite aus sehr, sehr schwierig war, gerade wenn sie in die Finalrunden kommen, weil es einfach so viele gute Biere auf dem Markt gibt oder mit eingeschickt wurden, als es dann zu den Finalrunden kam, wo wirklich einfach die kleinsten Qualitätsansprüche schon den Unterschied gemacht haben. Generell der Austausch zu anderen Brauern aus der Welt ist natürlich immer sehr, sehr interessant, gerade einfach zu sehen, wie unterschiedlich die Kontinente zueinander sind.

Holger: Ich hätte auch noch mal eine Frage, Jonas. Wie ist denn das eigentlich mit Bierfestivals? Gibt’s sowas auch schon jetzt in Taiwan? Also, dass man so wie wir das jetzt kennen, so Craftbier-Feste hat oder auch so, was weiß ich, Oktoberfest Revival oder sowas? Findet das statt oder hat man das gar nicht?

Jonas Krebs: Craftbier-Feste finden hier schon statt, also es gibt kleinere Craftbier-Feste. Wir müssen ja immer noch uns im Auge behalten, dass Taiwan jetzt die Hälfte an Landesfläche von Bayern hat, also ist ein sehr, sehr kleines Land, aber gewisse Craftbier-Feste gibt’s schon. Wir haben jetzt auch zum Beispiel selber, weil wir versuchen jetzt auch, einfach so als Buckskin und mit anderen Brauern zu kommunizieren, wie wir auch beim European Beer Star, dort haben ja auch noch zwei weitere taiwanesische Brauereien gewonnen, wir versuchen einfach mal jetzt so ein Zusammenfinden in der Biergemeinschaft auf zu leben, das ist schon wichtig. Und gerade durch Craftbier-Feste, wir haben zum Beispiel ein Oktoberfest von unserer Brauerei aus in unseren Bierhäusern gehalten, mit Oktoberfest-Bier, was wir speziell für dieses Event hergestellt haben hier in unserer Pilotanlage. Also sowas gibt’s schon, aber es ist noch sehr, sehr wenig, und das versuchen wir jetzt auch ein bisschen mehr zu fördern. Und mal schauen, wie es dann auch mit größeren Craftbier-Festivals hier in Taiwan in der Zukunft dann sein wird.

Holger: Dann gibt es ja Brauereien, also ich denke da jetzt zum Beispiel an BrewDog oder auch an Mikkeller, die haben ja in den Metropolen der Welt überall so Bars. Und sind die auch schon in Taiwan angekommen?

Jonas Krebs: Zum gewissen Teil schon, also wir haben jetzt auch zwei Bars mit unseren Bieren aufgemacht in Taipeh, wo wir insgesamt über 12 verschiedene Biere anbieten. Aber die ganzen Craftbier Bars, also wo auch wirklich Biere importiert werden, in Fassbieren importiert wird, die gibt’s hier schon. Die sind auch sehr, sehr erfolgreich, gerade jetzt vielleicht nicht zu dieser Zeit, aber generell sind einfach die Leute sehr, sehr neugierig, um verschiedene Sachen, was man einfach mit Bier anstellen kann, zu erschmecken.

Holger: Die Preise, die ihr jetzt erlangt habt, haben die eine Bedeutung für die Leute? Also schaut man da richtig nach, also dass man merkt, dass die Leute sich danach entscheiden? Also so, dass man sagt, boah, hier World Beer Award oder was weiß ich, Asian Beer Award, gibt’s sicher auch sowas, dass das so einen Boost gibt auch im Absatz?

Jonas Krebs: Die Qualitätsansprüche sind sehr, sehr hoch. Als ausschlaggebender Punkt sind dann wirklich Awarde, die einfach durch verschiedene internationale Veranstaltungen erlangt wurden. Die sind dann auch wirklich ausschlaggebend, damit der Kunde mehr Geld zahlt und dieses Produkt dann konsumiert.

Holger: Was mich jetzt noch unbedingt interessiert: Wie heißt Hefeweizen auf Chinesisch?

Jonas Krebs: Hefeweizen heißt xiǎomài píjiǔ, xiǎomài ist das Weizen, píjiǔ ist Bier.

Markus: Das heißt, dein Chinesisch ist mittlerweile besser geworden?

Jonas Krebs: Ja, es ist immer noch sehr, sehr schwer, aber ich versuche oder ich gebe mein Bestes auf jeden Fall, wirklich ein bisschen mehr mein Chinesisch aufzubessern. Vielleicht das nächste Mal können wir ja gerne Chinesisch miteinander sprechen, Markus.

Markus: Ich kann es halt nicht, aber das ist dann kein Thema. Da würde ich fast sagen, weil wir jetzt auch ein bisschen am Ende unserer Zeit angelangt sind, vielleicht magst du dich mal auf Chinesisch von unseren Zuhörern verabschieden und dann können der Holger und ich auch noch winken. Oder hattest du vorher noch eine Frage oder wolltest du, Jonas, noch irgendwas?

Jonas Krebs: Erst mal bedanke ich mich recht herzlich für die Einladung, dass wir diesen Podcast machen dürfen. Es freut mich sehr, es freut mich auch wirklich, dass ihr die Brauindustrie so weit unterhaltet. Ich wollte eigentlich nur mich bedanken und euch alles Gute wünschen und hoffentlich bald bei Bierveranstaltungen mal wieder zu sehen.

Holger: Dann zài jiàn!

Jonas Krebs: Ja, zài jiàn.

Markus: Ja.

Holger: Wenn wir schon vorher nicht nĭ hăo gesagt haben, müssen wir jetzt wenigstens zài jiàn sagen.

Markus: Da bin ich jetzt raus und sag einfach noch mal: Prost! Auf dass wir bald wieder ein schönes Bierchen zusammen trinken können. Mach’s gut und wir bleiben in Verbindung.

Holger: Alles Gute für dich, Jonas!

Jonas Krebs: Okay!

Holger: Super, Dankeschön!

Jonas Krebs: Alles klar, Dankeschön! Ciao!

Holger: Tschüss!

 

BierTalk – der Podcast rund ums Bier.

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