BierTalk 63 – Interview mit Sven Bleiber, Brauer, Biersommelier und Bierkönig bei der Privatbrauerei Barre in Lübbecke

Sven Bleiber ist Bier. Ob als Brauer, Biersommelier, Bierkönig oder Alter Ego Brauer Bernhard – jede Sekunde seines Lebens scheint dem Gerstensaft gewidmet. Doch es gibt auch noch eine dunkle und zugleich helle Seite des bierigen Hühnen: Er spielt gerne mit dem Feuer – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Geschichte hinter all dem erfahrt Ihr in dieser spannenden Podcast-Folge, in der natürlich auch fünf schmackhafte Barre-Biere in Glas kommen, ganz getreu Svens Lieblingslied „All Voll“, das er auch im BierTalk zum Besten gibt…

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

 

Holger: Herzlich willkommen zu unserem 63. BierTalk. Heute verspreche ich euch, es wird wieder richtig bierig. Zu Gast ist Sven Bleiber von der Barre Brauerei. Am Mikrofon ist Holger und an der anderen Seite wie immer der …

Markus: … Markus.

Holger: Sehr schön! Sven, grüß dich! Schön, dass du da bist. Ich freue mich sehr.

Sven Bleiber: (unv. #00:00:31.4#)

Holger: Jetzt geht’s für mich auch wieder Richtung Heimat. Es ist natürlich schon fast Niedersachsen, aber es ist noch Nordrhein-Westfalen. Es gibt so viel zu erzählen bei euch, das kann ich schon mal sagen. Meine beiden Lieblingsmitarbeiter in der Brauerei heißen Gustav und Alfred, aber da kommen wir später dazu. Stell dich doch mal vor.

Sven Bleiber: Ja, (unv. #00:00:53.0#) zusammen, also wie schon angekündigt, ich bin Sven Bleiber, ich bin seit inzwischen über 27 Jahren als Brauer in der Brauerei Barre im schönen Ostwestfalen. Wie gesagt, gar nicht, weit weg von Niedersachsen. Als Brauer habe ich lange Jahre auch wirklich aktiv gearbeitet im Sudhaus, innerhalb Filtration. Wenn es sein musste, hat man auch beim Flaschensortieren im Flaschenkeller ausgeholfen. Aber irgendwann wurde ich dann bei uns zum Bierkönig, da können wir vielleicht später nochmal kurz darauf eingehen, zum Gambrinus. Wir haben in Lübbecke einmal im Jahr das Bierbrunnenfest und da tritt halt dieser Gambrinus in Kraft. Dann kam irgendwann der Chef zu mir und meinte: Herr Bleiber, Sie sind hier der Mann fürs Historische, machen Sie mir doch mal einen historischen Brauer. Dann habe ich einen historischen Brauer gemacht. Dieser historische Brauer ist mein Alter Ego Brauer Bernhard. Den mache ich inzwischen seit 2012. Und 2013 habe ich dann mein Diplom Biersommelier gemacht.

Holger: Ja, das hört sich doch wunderbar an. Ich würde sagen, wir starten.

Sven Bleiber: Ja, dann los.

Holger: Dann sag doch mal, also wir haben hier fünf Biere vor uns und …

Sven Bleiber: Genau! Wir haben ein bisschen was zu tun.

Holger: Genau! Die werden wir auch alle verkosten. Und das ist für mich eine ganz besonders schöne Sache, wenn es wirklich zack-zack-zack immer nur um Bier geht. Womit beginnen wir denn? Du darfst das festlegen.

Sven Bleiber: Ich würde jetzt einfach mal ganz, ganz klassisch anfangen mit einem Barre Pils. Wir sind eine klassische Pilsbrauerei, ein mittelständisches Unternehmen, und das ist unser Verkaufsschlager. Ich glaube, so kann man es am besten zusammenfassen. Dementsprechend würde ich damit anfangen. Ich hoffe, ich kriege es jetzt hin.

Holger: Sehr schön! Aber ich habe gar keine Plopp-Flasche, ich habe nur Kronkorken.

Sven Bleiber: Das ist richtig. Das Problem ist bei Plopp-Flaschen, wenn man die verschickt, haben die oft das Problem, dass die Post nicht so sehr pfleglich mit den Paketen umgeht und die Plopp-Flaschen auslaufen. Das Problem hatten wir tatsächlich bei unseren ersten Online-Tastings. Und dann sind wir dazu übergegangen, keine Plopp-Flasche mehr zu verschicken, sondern ganz normale Longneck-Flaschen mit Kronkorken. In dem Fall habe ich natürlich hier zuhause die historische, schon fast historische Bügelverschluss-Flasche.

Markus: Da mache ich meins auch mal auf jetzt.

Holger: Absolut! Ich weiß jetzt schon, es wird für mich ein ganz toller Talk, weil wenn wir schon mit Pils anfangen und dann auch nach Nordrhein-Westfalen gehen, also besser geht’s ja gar nicht.

Sven Bleiber: Ja, man hört’s schon.

Holger: Herrlich! Feierabend-Pilsken.

Markus: Prost!

Holger: Prösterchen!

Sven Bleiber: Prost! Genau! All voll, wie ich immer so schön zu sagen pflege.

Markus: Du pflegst das sogar zu singen. Ich weiß nicht, ob du das so spontan auch zum Besten geben kannst, aber das ist auch immer schön.

Sven Bleiber: Ich kann ja mal gerade, wenn wir schon mal das erste Bier eingeschenkt haben, gebe ich euch gerne die erste Strophe. Natürlich kann ich das spontan. Also „All voll“ ist ein Trinklied, was Brauer Bernhard sich so ein bisschen auf die Fahnen geschrieben hat, was ganz gut zu ihm passt. Das hört sich dann in etwa so an: „All voll, all voll, all voll, all voll, all voll, all voll. Bist du voll, so lege dich nieder. Stehe früh auf und fülle dich Bier, das ganze Jahr. Den Abend und den Morgen. All voll, all voll, all voll, all voll, all voll, all voll, all voll. All voll.“

Holger: Mensch! Also ganz toll. Sven vielen, vielen Dank. Das ist das erste Mal, glaube ich, dass ich in diesem Podcast wirklich das Bild vermisse. Das hätte ich jetzt gerne gesehen. Ich kann euch, liebe Hörer, nur dazu ermutigen, auf die Barre Website zu gehen und sich einfach mal anzuschauen, wie der Sven in Wirklichkeit aussieht, und dann mit dieser Gesangsprobe ist dann alles klar. Das schwöre ich euch. Das Pils ist im Glas.

Sven Bleiber: Genau! Das Pils ist im Glas.

Holger: Und lacht mich an.

Sven Bleiber: Wir haben hier ein klassisch norddeutsch, eher herbes Pils. Ein bisschen weg von den Fernsehbieren, was sie ja nicht schmälern sollen in ihrem Ruhm. Das ist historisch gewachsen. Da kommen wir vielleicht später noch ein bisschen darauf zu sprechen, warum das historisch ist, dass wir ein etwas hopfigeres Pils haben bei uns. Wir haben es in einer Bügel- und einer Longneck- und in einer 0,5er-Liter-Flasche. Aber ansonsten ist es schön filtriert, wir haben hier einen schönen weizengelbes Pils mit einem schönen, feinporigen Schaum, der haftet ganz gut im Glas an. In der Nase ganz klassisch so die leichten Hopfenaromen. Ich muss einfach erstmal einen Schluck nehmen.

Holger: Unbedingt!

Markus: Prost!

Sven Bleiber: Das ist mein erstes heute. Ich finde das immer großartig.

Holger: Na ja, wir haben ja auch noch nicht 22 Uhr. Also es darf auch dein Erstes sein.

Sven Bleiber: Na ja, also das Ding ist, ich habe im Laufe des heutigen Abends noch ein Tasting, ich muss mich jetzt mit dem Trinken so ein bisschen zügeln. Das ist gar nicht so einfach. Ich muss nachher noch ein paar gerade Sätze voreinander kriegen.

Holger: Aber das gelingt dir sicher.

Sven Bleiber: Bin ich auch von überzeugt.

Holger: (unv. #00:05:34.4#) ganz hervorragend, es hat so einen schönen trockenen Nachtrunk, wie sich das für ein Pils mit einer schönen herben Hopfenbittere gehört. Und deshalb nehme ich direkt nochmal ein Schlückchen.

Sven Bleiber: Ja, das geht mir nicht anders. Markus, was meinst du zu unserem Pils?

Markus: Es freut mich, dass es euch schmeckt. Hahaha! Nein, mir schmeckt‘s natürlich auch, kein Thema. Wobei ich als Franke natürlich mit diesen sehr herben Pilsbieren nicht immer so ganz glücklich bin. Aber das ist in sich sehr rund. Und dafür, dass es ordentlich Bittere hat, hat es trotzdem auch noch einen schönen Körper und dadurch ist es auch insgesamt eine schöne Geschichte. Kann man gerne trinken und ist wahrscheinlich auch, wenn es dann wieder ein bisschen sommerlicher wird, dann auch ein tolles Bier, wenn man draußen im Biergarten sitzt. Sehr, sehr schön!

Sven Bleiber: Es ist auch tatsächlich mein persönlicher Favorit im Sommer. Je wärmer, desto lieber trinke ich das Pils. Ansonsten haben wir in der Bandbreite noch ein paar mehr Sachen zu bieten. Wovon soll ich berichten? Ich habe jede Menge Themen, über die wir sprechen können.

Markus: Vielleicht, was ich ganz wichtig finde, es weiß jetzt nicht jeder, wer oder was Barre eigentlich ist. Also wir haben bis jetzt gehört, es ist irgendwo zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, und du hast schon mal den Ort Lübbecke erwähnt. Das kennt jetzt vielleicht auch nicht jeder oder verortet es vielleicht falsch. Also wenn wir vielleicht erstmal so ganz grundsätzlich dem Hörer mal sagen, wo sind wir denn eigentlich, was steckt denn da so dahinter, dass wir dich mal so verortet bekommen.

Sven Bleiber: Sehr gerne!

Holger: Lübbecke ist nicht der Ort mit dem Holstentor.

Sven Bleiber: Um Gottes Willen! Nein, nicht Lübeck. Das haben wir tatsächlich gehabt, da ist ein Malzfahrer, der wollte bei uns Malz anliefern, der hat sich ganz gehörig getäuscht und ist in Lübeck gelandet und hat dann in Lübeck die Berliner Straße gesucht. Hat die dann aber verzweifelt vermisst, und vor allem dann da die Brauerei vermisst. Also der war ganz, ganz verkehrt. Nein, Lübbecke ist im schönen Ostwestfalen. Wir befinden uns in der Nähe, also ich sag mal, ein bisschen westlich von Hannover, östlich von Osnabrück. Ihr seht schon, wir sind so ein bisschen niedersachsen-mäßig da so eingekeilt. Minden ist eine größere Stadt mit etwa 80.000 Einwohnern ganz in der Nähe. Bielefeld sind auch nur 40 Kilometer, die Stadt, die es angeblich nicht geben soll. Im beschaulichen Lübbecke, direkt im Wiehengebirge, also die ganze Brauerei ist umgeben von Wald, also wir sind mitten im Wald. Nur nach Norden raus können wir ein bisschen gucken, da geht’s dann runter in die norddeutsche Tiefebene. Aber ansonsten befindet sich die Brauerei mitten im Wald. Wir haben diese Brauerei teilweise in Steilhänge hineingebaut, also wir haben wirklich Felswände und Höhlen am Brauereihof. Wir sind ein traditionelles Unternehmen, wir sind eine Familienbrauerei seit 1842, befinden uns jetzt mit der Brauerei in der sechsten Generation. Geleitet wird das ganze Ding von Christoph Barre, das ist der Chef, also der Name ist Programm. Darum heißt die Barre Brauerei Barre Brauerei. Das ist nicht nach einer Stadt oder so genannt, sondern nach der Familie, die sie seit Anfang an geführt hat. Wir haben eine bewegte und eindrucksvolle Geschichte. Meine Wenigkeit ist seit langer Zeit, also über 27 Jahre als Brauer da. Ich bin da der Bierkönig, ich bin der Mann fürs Historische. Mache aber auch als Brauer Bernhard dort Führungen. Wir haben ein wunderschönes Brauereimuseum. Wenn denn die Läden mal wieder öffnen dürfen und auch vor allem die Gastronomie, dann möchte ich gern möglichst viele Leute herzlich willkommen heißen, sich unsere Brauerei und das Museum anzuschauen und mit mir quasi ein Bier zu trinken. Das wäre ganz großartig.

Holger: Wer jetzt noch nicht auch Google nachgeguckt hat, wo Lübbecke ist, dem ist auch nicht zu helfen. Also wunderbar, das könnte ein Tourismusbüro nicht besser formuliert haben.

Markus: Absolut! Ich habe …

Holger: Markus, entschuldige bitte, mein Gott, also du trinkst ja auch nichts, klar. Ich meine, Pils ist nicht dein Bierstil. Da hast du jetzt wieder nichts zu tun. Also dann los (unv. #00:08:55.0#)

Markus: Na ja, was heißt hier nichts? Ich habe halt mein Glas schon leer und habe mir gedacht, ich hebe mir das Restvolumen eher für die anderen Biere auf. Aber ich habe gerade noch eine andere Idee. Jetzt reden wir gerade von Sven und Barre und so, aber du warst auch vor deinen 27 Barre-Jahren schon da. Wie ist das denn passiert? Bist du aus dem Mutterleib gefallen und warst ein Brauer? Oder wann hat dich diese Erkenntnis ereilt und wie bist du da so dazu gekommen?

Sven Bleiber: Es gibt tatsächlich Menschen, die behaupten, ich müsste eigentlich mit einem Bierfass oder aus einem Bierfass geboren sein. Das möchte ich allerdings abstreiten, ich kenne meine Mutter sehr gut. Aber es ist wirklich so, es gab in meiner neunten Klasse ein Praktikum, und es gab bei uns im Ort, wo ich aufgewachsen bin, ich bin aufgewachsen in der Nähe von Münster, in Steinfurt, heißt das heute. Früher sagte man noch Borghorst, das ist der Ortsteil von Steinfurt. Dort bin ich aufgewachsen, und das Haus meiner Oma war vielleicht so Luftlinie 2000 Meter von der Brauerei weg. Und wenn der Wind richtig stand, dann konnte man riechen, wenn in der Brauerei gemaischt wurde, wenn in der Würzepfanne der Hopfen dazugegeben wurde. Und das konnte ich riechen. Das fand ich schon als Zweijähriger, Dreijähriger, wo ich dann da ganz viel war und auch später danach, immer einen sehr angenehmen Geruch. Dann habe ich gesagt, Mensch, ich wollte ganz gerne was mit Naturwissenschaften machen nach der Schule und habe mich dann zu einem Praktikum halt in einer Brauerei entschlossen. Und dann habe ich gesehen, also Laborant und so, das ist vielleicht dann doch nicht so mein Job. Ich wollte aber gerne in dieser Brauerei arbeiten, weil da waren so viele positiv bekloppte Menschen, im positivsten aller sinne, so dass ich in der Brauerei Rolinck, im schönen Burgsteinfurt, meine Ausbildung gemacht habe dann anschließend. Und von da aus habe ich dann einen Miniabstecher für acht Monate in die Nähe von Rheda-Wiedenbrück zur Hohenfelder Brauerei gemacht, auch wieder ein kleines familiäres, mittelständisches Unternehmen. Und von da aus hat es mich dann zur Brauerei Barre schon verschlagen. Also das ist schon eine ganze Weile her.

Markus: Also wirklich gradlinig. Okay! Holger, jetzt können wir auch gerne ein weiteres Bierchen machen. Oder hast du noch eine Frage?

Holger: Ich würde jetzt sagen, zweites Bierchen, und dann würde ich mal meine Frage platzieren.

Sven Bleiber: Zweites Bierchen, da würde ich euch ganz gerne, und jetzt komme ich gerade dem Markus, denk ich mal, entgegen, zweites Bier würde ich ganz gerne …

Holger: Kellerbier.

Sven Bleiber: … das Keller 1842 ins Glas zaubern, weil ich glaube, das ist dem Markus dann doch lieber.

Markus: Okay! Dann machen wir das mal auf.

Holger: Da hängt natürlich auch immer die Messlatte hoch. Also er hält sich ja für einen Kellerbier-Kenner. Da können wir ihn das gleich auch mal beschreiben lassen. Aber toll, ist ja 1842 Gründungsjahr der Brauerei.

Sven Bleiber: Genau!

Holger: Und nur für die, die es nicht wissen, der Verbrennungsmotor, also der Ottomotor, den gab‘s glaube ich schon, aber natürlich das Automobil noch nicht. Also Carl Benz hatte es noch nicht erfunden. Aber es gab den Hafermotor, den gab‘s schon.

Sven Bleiber: Den gab’s.

Holger: Und den habt ihr auch. Da habe ich doch in der Anmoderation schon gesagt, das sind meine beiden Lieblingskollegen bei euch in der Brauerei. Erzähl doch mal, wie das da ist mit dem Hafermotor bei euch in der Brauerei.

Sven Bleiber: Wir sind, meines Wissens nach, die letzte Brauerei in Norddeutschland, die noch regelmäßig mit dem Hafermotor ausfährt. Zu Deutsch, wir haben eine Bierkutsche, und diese Bierkutsche ist nicht nur für Festivitäten und reine Dekoration, sondern diese Bierkutsche fährt regelmäßig freitags, also sobald jetzt die Gastronomien wieder aufmachen. Im Moment stehen die beiden Gäule ein bisschen gelangweilt im Stall, muss man sagen, aber sie haben halt einen schönen Paddock und können dann hinausschauen auf die Brauerei. Sie stehen leicht erhöht. Wenn man also bei uns die B 239 runterfährt und den Blick so ein bisschen also auf Lübbecke zu und den Blick so ein bisschen links schwenken lässt, dann haben die einen sehr schönen Stall, so ein bisschen am Hang. Und dort stehen dann unsere beiden Brauereipferde, die unseren Bierwagen quasi ziehen. Also die Pferde sind natürlich der Hafermotor. Und diese beiden Brauereipferde, Gustav und Alfred, die sind bei uns schon ewig lange. Wir haben diese quasi übernommen aus der früheren Zeit, als noch immer mit Pferden ausgefahren wurde, haben wir diese Tradition uns erhalten und gerettet. Wir mögen das sehr, sehr gerne und fahren und versorgen unsere Gastronomen im Ort dann freitags immer mit dem Bier. Das ist immer ein großes Highlight, wenn die Kutsche dann durch die Innenstadt fährt. Das ist natürlich großartig.

Holger: Und auch zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter, oder wie ist das?

Sven Bleiber: Es ist natürlich wetterbedingt immer so ein bisschen, also ich sag mal bei Glatteis, wenn sich so ein Pferd, was irgendwo zwischen 800 und 1000 Kilo wiegt, wenn das ins Rutschen kommt, das rutscht. Darum sind wir natürlich bei Glatteis oder so da ein bisschen vorsichtig. Wir schauen uns also schon die Straßenverhältnisse an. Aber ob das regnet oder ob die Sonne scheint, spielt eigentlich keine Rolle, also die müssen raus dann. Die müssen auch arbeiten. Das sind auch Kaltblüter, westfälisch Kaltblut, und die müssen arbeiten, sonst sind die auch nicht zufrieden.

Holger: Sehr schön!

Markus: Also habt ihr eure Pferdeliebe langsam ausgelebt und können wir zum Bier kommen, oder wollt ihr noch ein bisschen philosophieren und (unv. #00:13:43.3#)

Sven Bleiber: Also wegen meiner können wir gerne zum Bier kommen. Ich weiß nicht, was ihr gerade für Vorstellungen habt beim Bier, wer auf Pferden reitet und was er anhat und so, keine Ahnung.

Holger: Das ist ein Ignorant, ein Ignorant. Aber komm, jetzt erzähl schon übers Kellerbier da.

Markus: Also echt, ich meine, erst kündigst du es an und dann muss ich hier so lange warten. Also ganz toll! Also ein sehr, sehr schönes tolles Kellerbier. Was mir gleich am Anfang aufgefallen ist, es hat einen richtig schönen Geruch, so schön heuige Aromen, grasige Aromen. Dann hat man richtig viel Schaum, also ein richtig ordentlicher, schöner stehender und leicht getönter Schaum. Und drunter hat man dann so einen wirklichen Sonnenuntergang, könnte man sagen. Also ein schönes, leuchtendes Goldorange, leicht trüb. Und wenn man das dann trinkt, dann ist das total weich und mild und ein richtig schöner Abgang, ganz rund. Also jetzt sehr gaumenschmeichelnd und natürlich ein großer Gegensatz zu dem Pils. Und in der Tat, da bin ich jetzt schon wieder ein bisschen mehr zu Hause. Wobei, wie gesagt, mir das andere durchaus auch geschmeckt hat. Kellerbier 1842 heißt auch, dass es tatsächlich irgendwas mit einem historischen Rezept zu tun hat, oder ist das jetzt eher so, dass man sagt, man nimmt halt einfach Bezug auf das Gründungsjahr sozusagen?

Sven Bleiber: Genau! Das ist eher ein Bezugnehmen auf das Gründungsjahr der Brauerei. Ein historisches Rezept steht nicht dahinter. Wir haben uns natürlich, als wir dieses Kellerbier entwickelt haben, also wir wollten was Naturtrübes und wir wollten auch, was ein bisschen milder ist, was vielleicht auch so einem Markus Raupach ein bisschen besser schmeckt als unser Pils. Da waren wir natürlich dann so ein bisschen am Überlegen und haben tatsächlich nicht einfach nur, weil wir gesagt haben, oh, wir brauchen jetzt ein naturtrübes im Programm, wir füllen einfach unser Pils in Naturtrüb ab. Das war uns zu einfach. Man kann immer einfache Wege gehen und man kann richtige Wege gehen, und da war es uns lieber, einen richtigen Weg zu gehen und ein neues Bier quasi zu erschaffen mit einer schönen milden Würze, mit einem schönen Malzkörper. Ich muss natürlich sagen, seitdem es dieses Kellerbier gibt, wir haben es letztes Jahr zum ersten Lockdown rausgebracht, weil wir gesagt haben, jetzt haben wir es fertig, jetzt bringen wir es auch in die Flasche, weil wir natürlich auch nicht wussten, wie lange dieser ganze Spaß noch geht. Das Bier hat es geschafft, innerhalb von einem guten halben Jahr quasi die Top 2 unserer verkauften Biere zu werden. Also es ist insgesamt sehr, sehr, sehr gut angenommen worden. Ich persönlich muss auch sagen, dass ich ganz schön beim Markus bin auch, das Kellerbier ist bei mir immer zu Hause. Also ich habe immer eine Kiste Kellerbier. Man hat immer so ein bisschen das Problem, dass man nicht genau weiß, wie man seinen Haustrunk jetzt aufteilen soll, weil man hat auch ein bisschen mehr davon. Aber man hat auch 15 verschiedene Biere im Portfolio, die man sich zu Hause hinstellen könnte. Das Kellerbier hat echt den Einzug in meinem Haushalt gehalten und ich trinke es wahnsinnig gerne.

Markus: Na, also das hört man doch total gerne. Und Zyniker könnten natürlich sagen, jetzt habt ihr 170 Jahre gebraucht, um endlich auf einen vernünftigen Bierstil zu kommen. Aber das ist natürlich Quatsch. Nein, aber es ist wirklich ein ganz tolles Bier und da kann man euch nur beglückwünschen. Und ich glaube, es ist auch gerade in der jetzigen Zeit ganz wichtig, sowas zu haben, weil glaube ich die Leute jetzt auch ganz gerne so ein schönes, harmonisches rundes Bier haben wollen, was sie zum Beispiel auch zu jedem Biergarten-Essen, ob es jetzt der Wurstsalat ist oder irgendwie eine schöne Platte mit Käse oder so, das ist einfach ein tolles schönes Bier. Und was mir wirklich am allerbesten gefällt, ist dieses Weiche, Runde, das Mundgefühl, das ist wirklich ein tolles Bier. Also ganz großes Kino. Oder Holger, was sagst du?

Holger: Unbedingt! Mir hat das Pils auch wahnsinnig gut geschmeckt, weil es eben Ecken und Kanten hat und eben noch eine schöne Bittere hat, wie sich das in meinen Augen für ein Pils auch gehört. Aber hier haben wir jetzt einen ganz tollen Vertreter dieses Bierstils Kellerbier. Und mir gefallen besonders auch so die Karamellaromen. Also es sind so deutliche Karamellaromen da, finde ich. Und was ich auch noch mal sagen muss, ist auch das Etikett. Also die Gestaltung des Etiketts und so, und dann auch in dieser 0,33er Flasche, das macht Lust einfach, das Bierchen mitzunehmen und mal zu verkosten. Das habt ihr wirklich gut gemacht.

Sven Bleiber: Herzlichen Dank! Es ist auch, wie gesagt, etwas, was mir wahnsinnig viel Spaß bereitet. Also wirklich auch das Etikett, weil es einfach auch so ein bisschen von unseren normalen Etiketten abweicht, weil es ein bisschen mehr Bezug zum Bier hat, sage ich mal, zu dem Bier, was auch in der Flasche ist. Und das Bier kommt halt wirklich so eins zu eins aus dem Tank und dann geht’s in die Flasche. Also wir füllen es direkt ab.

Holger: Und daher kommt …

Sven Bleiber: Daher kommt auch diese schöne Karbonisierung, einfach weil das viel Gärungskohlensäure ist. Da merkt man einfach auch, das ist ein bisschen anders eingebaut.

Holger: Sehr angenehm ist das. Also das ist das Mundgefühl, von dem der Markus auch schon gesprochen hat. Und auch so dieses Naturtrübe und so, wirklich toll. Das verstehe ich gut, dass die Leute dieses Bier sehr gut angenommen haben. Auf jeden Fall.

Markus: Deswegen ist es jetzt auch schon leer. Also deswegen (unv. #00:18:11.5#) mal ein weiteres in Angriff nehmen.

Sven Bleiber: Jetzt würde ich sozusagen zu unserem geschichtlichsten Bier, also das Bier mit der größten Geschichte. Also hier muss ich echt gleich aufpassen, dass ich nicht zu weit aushole und nur so ein bisschen stichpunktartig das Ganze zusammenfasse. Weil ansonsten sprenge ich unseren Zeitrahmen. Denn ich möchte nun zum Louis Barre Imperial, einem Lagerbier kommen, was ich finde sehr besonders ist. Vor allem für unsere doch eher traditionelle, klassische Mittelstandsbrauerei, sage ich mal. Wir sind sehr traditionsbewusst und daher ist dieses Bier schon etwas sehr Besonderes.

Markus: Na, wenn schon Imperial draufsteht, oder Holger, da muss man Respekt haben.

Holger: Auf jeden Fall! Jetzt müssen wir natürlich auch noch mal klären, Louis Barre, also ist wahrscheinlich auch so eine historische Person.

Sven Bleiber: Genau! Das würde ich gerne, ich werde das auch gleich tun, aber ich weiß, dass der Markus, wenn ich jetzt anfange zu reden und wir haben vorher das Bier nicht verkostet, dann fängt der Markus wieder das Schimpfen an.

Markus: Genau!

Sven Bleiber: Da wir das nicht wollen, würde ich ganz gerne erst einmal das Bier kurz besprechen und dann, wenn man dann was im Glas hat, das bespricht sich dann auch nicht so trocken.

Holger: Die Moderation habe ich und deshalb, Sven, wir beide können genau absprechen, was wir wollen. Und der Oberfranke, der macht dann mit, dafür sorge ich schon.

Markus: Unglaublich! Unglaublich!

Sven Bleiber: Ich würde es trotzdem ganz gerne erst (unv. #00:19:33.1#)

Holger: Auf jeden Fall!

Sven Bleiber: Nicht nur wegen dem Markus, sondern auch, weil es wirklich schöner ist, wenn wir erst was zum Bier gehört haben. Also wir haben hier, wie ich schon sagte, ein Lagerbier. Ich erzähle ein bisschen was zur Brauart und dann könnt ihr gerne ein bisschen was dazu sagen, wie es bei euch so ankommt. Lagerbier, von dem Farbton her, haben wir hier wirklich so ein schönes Altgold, würde ich sagen. Wir haben einen weißen feinporigen Schaum. Wir haben ein Bier gebraut mit vier verschiedenen Malzen. Das ist tatsächlich Pilsener Malz, das ist Münchner Malz und zwei verschiedene Karamellmalze, Kara „Pils“ und Kara „Hell“. Diese beiden Malze sorgen für diese Vollmundigkeit, die dieses Bier hat. Da haben wir ein bisschen uns versucht an einem historischen „Vorbild“ – sage ich mal in Anführungsstrichen – zu orientieren. Dazu kommt dann wirklich viel Aufwand bei der Hopfengabe. Also als Hopfensorten haben wir die Hallertauer Perle. Die geben wir in zwei Chargen, also beim Kochen einmal zu Anfang für die Bittere, einmal zum Ende, dass wir auch noch ein bisschen Hopfenaroma reinkriegen. Und dann geben wir nochmal einen speziellen Hopfen, einen Hallertauer Saphir-Hopfen, der ganz besondere Noten nochmal ins Bier bringt. Was das für welche sind, hören wir gleich. Denen geben wir aber dann erst als Whirlpool-Gabe, sprich, nach der Kochung, wenn das Kochen schon durch ist, die Würze aber noch heiß ist, dann geben wir diesen Hopfen dazu, und der sorgt dann quasi für die Aromatisierung des Bieres. Und jetzt würde ich sagen, nehmen wir mal einen Schluck.

Holger: Prost!

Markus: All voll, sage ich da.

Sven Bleiber: All voll, sage ich da.

Holger: Prost!

Sven Bleiber: Da bin ich ganz bei dir.

Holger: Das ist jetzt ein Bier, wenn ich jetzt hier raus auf die Straße gehe und würde jetzt halt irgendeinen Münchner reinbitten und sagen, magst du ein Bier, und ich würde ihm das halt anbieten, dann wäre der zufrieden. Das ist schon fast süß.

Sven Bleiber: Das ist, glaube ich, eigentlich nur diese Vollmundigkeit. Das kommt durch diese Malze, durch diese Malzigkeit kommt dieser süße Eindruck. Und dadurch, dass die Bittere nicht im Vordergrund steht, sondern hier wirklich das Hopfenaroma, was in der Nase ist, das steht im Vordergrund. Und hier haben wir wirklich ganz schöne Hopfenaromen, wie ich finde. Da haben wir wirklich so ein bisschen zitronige, ein bisschen blumige Noten. Im Hintergrund haben wir ein bisschen dieses Grasige. Ich finde das schon sehr, sehr cool. Also das ist ein tolles Sommerbier, wie ich finde.

Markus: Ich weiß nicht, ob ihr euch erinnert, aber das erste Schneider TAP5, das war auch total geprägt von Saphir. Und das erinnert mich total, oder andersrum, das Louis Barre Imperial erinnert mich jetzt total an dieses erste TAP5. Das war damals so was ganz Neues. Und in diesem Weizen-Doppelbock war dann auch die Plattform so schön für den Hopfen, für das Hopfenaroma.

Sven Bleiber: Ja, das stimmt.

Markus: Und das vergisst man dann nicht mehr. Jetzt muss ich wirklich sagen, dass ich das wieder habe, das ist richtig intensiv, richtig schön, und das gibt dem Bier wirklich eine ganz besondere Note, die es auch ganz klar anders macht als alle anderen, die man so kennt. Also wirklich toll.

Sven Bleiber: Der Gedankengang dahinter war so ein bisschen, wir wollten ein Bier machen, was nicht zu sehr, ich sag mal, craftig ist, was nicht zu sehr in die Craftbier-Richtung geht, wo man einfach auch mal mehr als auch nur eine oder zwei Flaschen von trinken kann, wenn man das möchte. Das ist einfach dabei rausgekommen bei diesem Versuch sozusagen. Ja, das ist so ein Spezialbier, was wir haben. Weil wir sind halt keine Craftbier-Brauerei. Wir sind nicht eine Craftbier-Brauerei, die sich jetzt sofort jedem Trend anpassen kann, sondern wir sind halt ein klassisches Familienunternehmen und da ist halt sowas bei rausgekommen. Ich persönlich trinke es total gerne. Also das schon ein schönes Bier, wie ich finde, und hat eine tolle Geschichte. Und da komme ich jetzt gleich drauf. Und zwar ist es so, dieser Louis Barre, da wollten wir eben schon drauf kommen, dieser Louis Barre, das ist der älteste Sohn des Firmengründers gewesen, von Ernst Johann. Der war so ein bisschen Brauer wider Willen. Also eigentlich sollte der jüngere Bruder die Sache in die Hand nehmen, der hat es aber vergeigt, und dann musste Louis quasi nach seinem Studium, nach seinem Chemiestudium, der ist eigentlich Chemiker gewesen, nach seinem Chemiestudium zurückkommen in die Brauerei und musste quasi dann die Kohlen aus dem Feuer holen, wie man so schön sagt, und hat dann die Brauerei übernommen. Ich versuch mal, die Geschichte wirklich komprimiert zusammen zu bringen. Der hat das Bierbrauen revolutioniert. Der hat eine junge Dame kennengelernt, und diese junge Dame war die Nichte von Johann Georg Poppe. Den kennt so kein Mensch, aber seine Produkte sozusagen kennen die meisten. In Bremen gibt’s dieses Verwaltungsgebäude vom Norddeutschen Lloyd und Johann Georg Poppe war Architekt und Chefberater der größten deutschen Schifffahrtslinie der damaligen Zeit und vom Norddeutschen Lloyd. Und der hat unter anderem dieses Verwaltungsgebäude entworfen und bauen lassen. Auch etliche Schiffe, die damals gefahren sind. Also da ist dann das Thema Auswanderer-Welle, die dann von Deutschland, aus ganz Europa nach Amerika ausgewandert sind. In der Zeit befinden wir uns. Und da hat Louis Barre es über diese Verbindung geschafft, unser Barre Bier auf den Dampfern des Norddeutschen Lloyds zu installieren als Bier und auch quasi zu exportieren eigentlich in die ganze damalige Welt, die irgendwie eine Rolle spielt. Also da ist Asien, da ist Südamerika, da ist aber auch, ganz großes Ding war Nordamerika. Das war nicht ganz einfach, weil wenn man sich überlegt, 1880 sage ich mal rum, die Haltbarkeit vom Bier lag irgendwo zwischen 8 und 14 Tagen Und das jetzt hinzukriegen, ein Bier so haltbar zu machen. Und ein Brauer wäre wahrscheinlich dahintergekommen, aber der gute Louis als Chemiker hat das ein bisschen anders geguckt. Dr. Carl Linde hat 1876 diese Kältemaschine entwickelt und wir waren die dritte Brauerei nach der Dreher Brauerei in Triest und nach der Spaten Brauerei in München war die Barre Brauerei die dritte Brauerei, die eine Kältemaschine ihr Eigen nannte. Und wir konnten dann ganzjährig gleichmäßig kalt lagern. Durch diese Kaltlagerung bekam das Bier, sage ich mal, eine höhere Qualität von Grund auf. Und anschließend, nach dieser Lagerung, hat der gute Louis Barre das Ganze abfüllen lassen in 0,75er Champagnerflaschen. Sekt gab‘s damals noch nicht, das waren alles Champagnerflaschen. Bierflaschen gab‘s auch in großer Stückzahl noch nicht, aber Champagnerflaschen gab’s halt. Diese Champagnerflaschen wurden dann so ganz klassisch mit einem Naturkorken, mit Agraffe versehen. So kamen die dann in große Holztröge und dann wurden diese Champagnerflaschen in 80 Grad heißem Wasser gebadet. Also er hat sie pasteurisiert, – für die damalige Zeit war das ein absolutes Novum – um die Haltbarkeit hinzukriegen. Und dann nach dem Pasteurisieren wurden sie mit Etikett versorgt, mit Siegelwachs wurde quasi dann der Korken nochmal versiegelt zusätzlich. Dann gingen diese Flaschen per Pferdefuhrwerk und Zug und Schiff rund um die ganze Welt. Also New York, und wir sprechen wirklich von massiven Mengen, also wir sprechen von 300.000 bis 500.000 Flaschen jährlich. Das war ein Geschäft, was wirklich wahnsinnig gut funktioniert hat, auch für die Brauerei. Das war alles wirklich tutti. Gipfelte dann leider im Beginn sozusagen des Ersten Weltkrieges, 1914 haben die Engländer den Laden dichtgemacht, haben gesagt, hier kommst du nicht durch, und dann war Feierabend. Und dann ist innerhalb von nur vier Jahren der Umsatz der Brauerei um 80 % eingebrochen. Das gipfelte darin, dass der gute Louis Barre sich sozusagen die Kugel gegeben hat, und zwar keine goldene von Ferrero.

Holger: Manometer! Also dir könnte man auch stundenlang zuhören. Und das ist ja das, was den Biersommelier ausmacht, einfach die Biere mit Geschichte zu verbinden. Ich muss jetzt nochmal ganz kurz zurückspringen ins Jahr 1842. Das haben wir gar nicht erwähnt. Da war was ganz Besonderes. Und das ist mir jetzt so gekommen, wo ich dir zugehört habe. Josef Groll hat in Pilsen das Pils erfunden, im Jahre 1842.

Sven Bleiber: Richtig!

Holger: Das haben wir gar nicht erwähnt. Das müssen wir unbedingt noch machen.

Sven Bleiber: Genau! Es ist so, 1842 war tatsächlich zufällig das Gründungsjahr der Brauerei und das Erfindungsjahr sozusagen des Pils.

Holger: Aber natürlich ein Bayer, wenn ich das kurz sagen darf, aus Vilshofen, der eben 1838 dann in Pilsen begonnen hat und 1842 das Rezept entwickelt hat. Der gute Josef. Wollen wir denn noch eins weitergehen?

Sven Bleiber: Ich würde dann tatsächlich nun zum Maibock, also wir sind natürlich in der passenden Zeit, und ich würde zum Maibock übergehen. Jetzt kommt das erste Starkbier tatsächlich.

Holger: Steht auch drauf. Also direkt am Halsetikett steht drauf „Starkbier“.

Markus: Das hat uns unser lieber Kollege Meinhard auch empfohlen. Hat gesagt, wenn ihr Barre trinkt, dann unbedingt den Maibock. Also bin ich mal gespannt.

Sven Bleiber: Wir haben einen schönen schlanken Maibock. Wir haben hier nicht so was Mastiges, sondern einen relativ schlanken Maibock, einen filtrierten Maibock mit einer Stammwürze, in einer Würzepfanne, so von 17,2 etwa und einem Alkoholgehalt, der so etwas, also ich sag mal, 6,9 steht drauf, meistens sind wir so bei 7,1, 7,2. Das kann immer mal ein bisschen abweichen. Bier, darf man nicht vergessen, ist ein Naturprodukt, und man kann die Hefe nicht immer so mit der Peitsche dahinterstehen und sagen, Hefe, tue dies, Hefe, tue das, man muss die Bedingungen schaffen. Und manchmal macht die Hefe ein bisschen mehr als sie soll. In diesem Fall haben wir 3 % Restextrakt, sprich, Restzucker. Das ist eine relativ angenehme Süße. Wir haben hier einen, ich würde wirklich schon sagen, also wirklich einen richtig goldenen Ton, richtig dunkles Gold, mit einem schönen, vielleicht sogar leicht eingefärbten Schaum, feinporig, anhaftend. Und in der Nase, ist der Klassiker, ein bisschen grasig, und Honig eindeutig im Vordergrund.

Holger: Markus, das ist doch ein Bier, das dir gut schmeckt. Da bin ich ganz sicher.

Markus: Ja, auf jeden Fall! Sagen wir mal so, wenn es jetzt noch ein dunkler Bock wäre, dann wäre ich ganz im Himmel, aber ich bin kurz davor. Also so auf Wolke Sieben vielleicht. Auch das Etikett vermittelt einem schon so ein bisschen, das kommt so unschuldig daher, das ist so hellgrün, dann steht da so ein bisschen (unv. #00:28:42.1# launig?) Maibock drauf. Unten drunter sind fünf Blümchen, blau, rot, weiß und gelb. Und siehst du, ich habe fünf gesagt, das sind eigentlich nur vier. Er wirkt schon. Es ist wirklich ganz nett und brav. Und dann kommt dieses Bier und schmeißt sich auch so rein in den Gaumen, man schluckt es so runter und freut sich. Und erst so danach merkt man, okay gut, da war doch ein bisschen mehr Gehalt drin. Der kommt dann und wärmt und gibt einem dann so ein richtig schönes Gefühl. Und dann hat man auch wieder Lust auf den nächsten Schluck. Also ein tolles Bier, ein sehr rundes Bier wieder, auch ein sehr weiches Bier. Und wie du schon sagst, mit der Restsüße genau richtig eingestellt, so dass es nicht so mastig ist, aber eben sehr angenehm, sehr weich und sehr, sehr schön schmeichelnd so ein bisschen, wenn man das trinkt. Also muss ich dem Meinhard sagen, hat er uns gut empfohlen, ist ein tolles Bier, kann man auch nur weiterempfehlen. Sehr schön!

Sven Bleiber: Das ist immer ein echtes Highlight, wenn wir unseren Maibock machen. Den gibt’s einmal im Jahr. Der ist jedes Jahr auch ein bisschen anders. Weil wie gesagt, Hefe, man kann es nicht so hundertprozentig programmieren. Wir wissen, woran wir uns langhangeln müssen, aber er variiert immer so ein bisschen. Und dann kommen immer schon die Maibock-Süchtigen, sage ich mal, die kommen immer schon. Weil einbrauen tun wir den im Dezember, und die kommen dann aber schon, also spätestens Anfang Januar sind die dann schon da und wollen den ersten Maibock am besten aus dem Tank zwickeln. Also da sind die ganz heiß drauf.

Markus: Da wäre ich allerdings auch dabei, gar kein Thema. Apropos Tank zwickeln und heiß drauf. Du machst auch so Feuershows und Feuerspucken und solche Dinge. Wie kam man denn da dazu und wie überlebt man das?

Sven Bleiber: Ich bin relativ vielseitig interessiert und habe lange Jahre wirklich intensivste Mittelalter gemacht. Inzwischen hat das Bier so ein bisschen die Oberhand gewonnen, habe auch Ritteressen moderiert und diese ganzen Geschichten. Und dann kam es irgendwann, dass auf einem Mittelaltermarkt eine Feuershow ausgefallen ist. Dann hat der Veranstalter gefragt, wer kann eine Fackel schwingen? Dann kriegte ich so einen Fackelschwing-Ding in die Hand und dann habe ich das erste Mal eine Fackel geschwungen und fand das ganz großartig. Von da hat es sich dann entwickelt, dass ich angefangen habe, mit Feuer zu spielen. Man überlebt das, indem man sehr vorsichtig ist und großen Respekt vor diesen ganzen Spielzeugen hat, und vor allem von dem Feuer, was an (unv. #00:30:38.7#) Ende halt brennt. Ich spucke auch Feuer, auch das geht nur mit sehr, sehr viel Respekt und sehr viel Vorsicht. Aber es ist natürlich eine hervorragende Geschichte, ich spiele inzwischen mit meiner Frau zusammen Feuertheater. Das heißt, wir denken uns Theaterstücke aus und ich spreche die ein, die wird mit Musik unterlegt, und was quasi im Theaterstück dargestellt wird, spielen wir mit Feuerwerkzeugen sage ich mal. Da kann eine brennende Sense, da können brennende Schwerter dabei sein und, und, und, und. Also das ist auch eines meiner vielen, vielen, vielen Hobbys.

Markus: Wahnsinn! Jetzt hast du mir meine zweite Frage eigentlich vorweggenommen, weil ich fragen wollte, was dann eine Frau dazu sagt, wenn der Mann anfängt hier mit Feuer zu spielen und sich anzuzünden und so und selber Feuer zu spucken. Dann macht die auch noch mit. Ist ja unglaublich.

Sven Bleiber: Die macht mit. (unv. #00:31:21.6#)

Markus: Das ist wirklich traumhaft. Wahnsinn! Also dann Prost auf dich und deine Frau. Wunderbar!

Sven Bleiber: All voll und herzlichen Dank!

Holger: Auf jeden Fall! Wir müssen auf die Frauen anstoßen, das ist ganz wichtig.

Sven Bleiber: Unbedingt! Also auf Frauen muss man immer anstoßen.

Holger: Ja, unbedingt! Und jetzt, das ist ja der zweite Moment, wo jetzt die Bilder fehlen. Und gebt es einfach ein, Sven Bleiber auf Google und dann auf Bilder und dann wird alles klar.

Markus: Das Tolle ist, deine Kinder, die können sagen, sie sind quasi aus Feuer und Eis geboren. Das ist doch schon schön, oder?

Sven Bleiber: Ja, vor allen Dingen ist es natürlich so, der Kleine ist jetzt in seiner Schule, wenn irgendwann die Kinder anfangen damit anzugeben, was die Papas alle machen, dann kann er irgendwann sagen, und mein Papa, mein Papa ist der König. Dann ist der Drops eigentlich gelutscht.

Markus: Genau, das ist der Ober, der alles sticht sozusagen. Wahnsinn!

Sven Bleiber: Sozusagen!

Markus: Apropos König, du hast vorhin noch vom Bierkönig erzählt?

Sven Bleiber: Ja genau! Also das ist eine alte Tradition, die Tradition gibt’s in der Brauerei Barre seit 1954. Tatsächlich gibt’s das Bierbrunnenfest, also wir sind die Stadt mit dem Bierbrunnen in Lübbecke. Es gibt Mythen, dass es irgendwann einen Zeitpunkt gegeben hat, dass wirklich ein Brunnen aus dem Bier kam. Ich persönlich zweifele das an, aber man weiß es nicht, die Zeitzeugen fehlen mir. Nichtsdestotrotz ist es so, dass wir, wenn nicht gerade Lockdown oder sowas Doofes ist, dann feiern wir in Lübbecke das Bierbrunnenfest, ein riesiges Volksfest, was vor etlichen Jahren mit dem Stadtfest fusioniert ist. Weil man gesagt hat, Mensch komm, warum feiern wir eigentlich zwei Feste und das eine nur auf einem Sonntag, so dass drei Tage kann bei uns gefeiert werden? Also man täuscht sich in den Ostwestfalen gerne, man sagt gerne, sie sind so trocken und so, aber eigentlich feiern die Ostwestfalen ganz schön gerne und ganz schön viel. Und das Bierbrunnenfest, eine herzliche Einladung ist immer so, zweites Wochenende im August, da findet das statt. Und ist, finde ich, eine Riesengaudi und da läuft richtig Bier, ab morgens um 11 ist Anstich und dann wird bis pünktlich 18 Uhr, manchmal wird bis 19 Uhr verlängert, durchgezogen. Das ist ein hartes Stück Arbeit für einen Gambrinus, das könnt ihr mir aber glauben.

Markus: Kann ich mir vorstellen. Apropos …

Holger: Für mich hört sich das eigentlich alles eher an wie Traumjob. Also so richtig Mitleid kann ich eigentlich nicht entwickeln, würde ich sagen.

Sven Bleiber: Ist es auch. Die Leute sagen immer, (unv. #00:33:31.5#) du hast deinen Job und ich habe mir meinen Job selber gebaut, muss ich sagen. Ich habe mich selber irgendwie immer hingestellt und habe gesagt, ja, mache ich, und dann habe ich es gemacht. Ich liebe meinen Job, ich finde, ich habe einen der besten Jobs, die es gibt. Ich bin Biersommelier, ich kann den Leuten was über das älteste Kult- und Kulturgetränk der Welt erzählen. Das muss man ja auch mal so sagen. Und ich kann selbiges Produkt auch noch herstellen. Wir haben eine kleine 50-Liter-Anlage, wo man ein bisschen experimentieren kann, und wir haben natürlich die große Brauerei. Also die Bandbreite, in meinem Job wird es niemals langweilig.

Holger: Herrlich!

Markus: Das ist doch das beste Stichwort für das nächste Bier. Ich freue mich die ganze Zeit schon auf was Dunkles.

Sven Bleiber: Jetzt Markus reibt sich die Hände und jetzt kommen wir nämlich dazu, jetzt kommen wir zum Markus sein, also einem von Markus Lieblingsstilen, ich hole das mal gerade ran, unserer Schwarzen Acht.

Markus: Jo!

Holger: Markus, das hört sich an, als würden wir das immer einspielen, diese Geräusche. Und das müssen wir auch mal sagen, dass wir das nicht tun.

Markus: Nein, machen wir nicht, machen wir nicht. Das ist immer live.

Holger: Das ist echt. Das müssen wir auch mal sagen.

Sven Bleiber: Das ist so. Wir haben jetzt hier die Schwarze Acht im Glas. Die schwarze Acht ist kein Produkt, was ganzjährig im Portfolio der Brauerei Barre ist, sondern die Schwarze Acht ist ein sogenanntes Editionsbier. Wir haben 2015 damit angefangen, Editionsbiere zu brauen. Da möchte ich euch wirklich einladen, mal bei uns auf der Homepage zu gucken. Da könnt ihr euch ein Bild davon machen, wie wir unsere Editionsbiere präsentieren. Wir haben bunte Flaschen, wir haben 0,75er Steingutflaschen mit Bügelverschluss. Die sind relativ aufwändig gestaltet, sind teilweise glasiert. Jetzt haben wir zum ersten Mal ein unglasiertes mit der Schwarzen Acht. Das ist einfach eine schwarze Flasche mit weißer Aufschrift, die Acht befindet sich im Schriftzug. Es heißt Schwarze Acht, weil wir acht Zutaten haben. Wir haben vier verschiedene Malze, dann Wasser, wir haben Hefe, wir haben Hopfen. Und so kommen wir zu einem besonderen Bier. Es ist die achte Edition. Es ist „schwarz“, in Anführungsstrichen. Also wenn man es im Glas hat, ist es eher ein, tja, was würdet ihr sagen, Mahagoni oder eher Kastanie, oder? Gebt mal einen Tipp ab.

Markus: Waldhonig zum Beispiel.

Sven Bleiber: Ja, Waldhonig ist ein super Vergleich. Das passt. Es ist wirklich so, die Farbe vom Waldhonig. Hervorragend, Markus! Der Schaum ist cremefarben, auch da wieder ganz feinporig anhaftendem Schaum. Wir haben natürlich 8 % Alkohol, wie sollte es bei einer Schwarzen Acht sonst sein. Jetzt möchte ich euch einladen, einfach mal ein Schlückchen von diesem schönen Bier zu nehmen, wie ich finde.

Markus: Wird sofort gemacht. Mmh!

Holger: Ich habe es schon gemacht und es ist wieder so ein Raupach-Bier, wo er dann total, also jetzt ist er wahrscheinlich auf Wolke Acht.

Markus: Jetzt bin ich durch die Himmelspforte durch, wobei Wolke Acht natürlich auch schön ist. Und man darf auch nicht vergessen, die Schwarze Acht ist auch die Billardkugel, die man als letzte versenken muss, bevor das Spiel dann zu Ende ist sozusagen.

Sven Bleiber: Genau!

Markus: Also insofern, und so ist das auch ein bisschen. Natürlich ist es ein richtig schönes, intensives malzbetontes Bier, aber es hat auch ganz tolle Fruchtaromen. Und zwar, wenn man an so eine dunkle Kirsche denkt, an so eine Johannesbeere, ja überhaupt, so Beerentöne, Erdbeere vielleicht auch ein bisschen. Und das macht es ganz besonders, auch schon im Geruch, auch schon in der Nase mischt sich das. Und dann kommen noch so ein bisschen Kaffeearomen. Also Wahnsinn! Und dann sehr intensiv, sehr druckvoll kommen die 8 %, das wirkt fast sogar noch stärker, muss ich sagen. Tolles Bier, und eins, was mich da wirklich abholt. Aber auch dann so ein bisschen versenkt, wenn man die ganze Flasche austrinkt. Aber sehr, sehr schön. Also das ist toll und zeigt auch wirklich, dass ihr so eine große Bandbreite habt und auch an diesem Ende eine Antwort habt auf die Frage: Wo ist denn die Schwarze Acht? Da ist sie. Nein, toll! Also wunderbar! Arbeitest du selber an solchen Rezepturen auch mit, oder wie läuft das?

Sven Bleiber: Es ist tatsächlich so, bei der Entwicklung unserer Editionen haben wir so einen Mind Tool. Wir haben mehrere Leute, da ist zum Beispiel mein Sommelier-Kollege Arno (unv. #00:37:27.3# Hüsmann?). Arno ist top Typ, etwas über 30 Jahre alt, ein echtes ostfriesisches Original. Und er hat bei uns schon gelernt, hat dann einen Biersommelier gemacht, hat dann seinen Braumeister gemacht, und hat jetzt einen Braumeister, der seinen wohlverdienten Ruhestand feiert, abgelöst, und ist jetzt sozusagen mein Vorgesetzter. Also vom Lehrling zum Chef, zumindest mein Vorgesetzter halt. Wir sind aber auch Kumpels. Wir setzen uns dann ganz oft zusammen, und dann heißt es immer ganz oft so vom technischen Leiter, dann heißt es, jetzt mach mal, entwickelt mal. Die Geschichte von der Schwarzen Acht ist eine ganz besondere. Und zwar haben wir ein Rezept gefunden, früher gab es bei uns diesen Doppelbock, also es gab früher einen Gambrinus Bock. Jetzt schlagen wir die Brücke zurück zum Gambrinus. Es gab früher in den 60er Jahren, in den 70er Jahren wohl auch noch, ein Gambrinus Bock. Und da ist in alten Unterlagen tatsächlich das Rezept wiederaufgetaucht. Das war das letzte Mal geändert 1965. Da wurde die letzte Änderung eingetragen, dass sie in dem Rezept rumgeschrieben haben. Und ich habe dann dieses Rezept bekommen, so hier, nimm mal. Dann habe ich mir ein Rezeptprogramm dazu geholt und habe dann quasi diesen Gambrinus Bock sozusagen ein bisschen überarbeitet, ein bisschen nivelliert, ich habe hier mit Chocolate Malz gearbeitet und mit einem Kara Aromamalz. Ich wollte das Wuchtiges, ich wollte was, was auch so ein bisschen Dampf hat. Und da Arno tatsächlich in einer Meisterschule war, musste ich mich mit der ganzen Geschichte relativ alleine rumschlagen, habe das dann am Ende mit unserem technischen Leiter, mit Dirk Stapper, den ich auch schon über 30 Jahre kenne, abgeglichen, und dann haben wir es gebraut. So ist dieses Bier entstanden. Also nach einer historischen Vorlage ist diese Schwarze Acht entstanden.

Markus: Wahnsinn! 60 Jahre Biergeschichte. Holger, wie schmeckt‘s dir?

Holger: Ich find‘s mega auch. Und ich muss jetzt schon wirklich aufpassen. Also jetzt hier Maibock, da habe ich mir schon ein halbes Glas von gegönnt und jetzt habe ich schon wieder ein halbes Glas getrunken. Von der Familie ist noch niemand zuhause. Die denken sich dann auch wieder, was hat er jetzt wieder gemacht.

Sven Bleiber: Deinen Job.

Markus: Und das ist auch leider ein irreversibles Ding. Wenn man das mal drin hat, dann ist es drin.

Sven Bleiber: Genau!

Holger: Aber sehr, sehr gut. Also mir schmeckt‘s mega.

Sven Bleiber: Es ist auch ein Bier, was mir wahnsinnig gut gefällt. Also es ist wirklich top. Wir machen, wenn wir jetzt was Neues entwickeln, da steht jetzt wieder die Entwicklung von der nächsten Edition an und wir müssen jetzt wieder tief in uns gehen, weil natürlich auch manchmal ist es von der Produktion her nicht so einfach. Weil wir haben natürlich unsere Tanks und die sind nicht darauf ausgelegt, kleinere Chargen zu produzieren. Das merkt man allein daran, wenn man sieht, im Sudhaus haben wir eine Mindestausschlagmenge, damit das ganze Sudhaus so funktioniert. Die liegt irgendwo bei 180 Hektolitern. Da haben wir aber einen ganz guten Kontrakt, dass wir das Bier, was wir überschüssig haben, auch weiter in dem Umlauf halten, nämlich das meiste davon wird abgebrannt. Also es geht in die Brennerei und die machen einen schönen Bierbrand draus.

Markus: Da sind wir also wieder beim Feuer. Wahnsinn!

Sven Bleiber: Da sind wir beim Feuer.

Markus: Eine Frage vielleicht noch von mir. Jetzt bist du gerade jemand, der davon lebt, mit Menschen zu interagieren. Ich kenne dich ja so und wir haben auch schon viele Veranstaltungen gemeinsam gemacht, und es ist einfach, da ziehst du deine Energie und da bist du auch am besten und das begeistert die Menschen immer. Wie ist das in so einer Zeit? Jetzt sind wir fast ein Jahr mehr oder weniger kontinuierlich im Lockdown oder hatten zumindest erhebliche Einschränkungen, was Veranstaltungen anging. Wie geht’s dir da? Also wie füllst du das wieder auf und wie kompensierst du das und wie ist vielleicht auch deine Vorfreude, wenn wir dann endlich in einem halben Jahr vielleicht wieder loslegen können?

Sven Bleiber: Meine Vorfreude ist wahnsinnig groß. Also mit dem Bier, das geht noch ganz gut. Wir haben tatsächlich im Januar angefangen, regelmäßig Online Tastings zu machen. Und über diese Online Tastings, ich gestalte diese Tastings halt kommunikationsoffen. Zu Deutsch, ich komme zu den Leuten nach Hause ins Wohnzimmer. Das heißt wirklich, ich habe die Leute alle auf meinem Bildschirm, sehe die und die sehen mich die ganze Zeit. Und die können sich jederzeit dazuschalten. Also sie können jederzeit den Kanal aufmachen und mich ansprechen, und ich antwortete dann auf die Fragen, die dann da reinkommen, ganz, ganz offen. Also das ist schon relativ ähnlich einer Besichtigung, wenn auch nicht ganz der Ersatz. Aber das ist eine Sache, die da zumindest als Ersatzdroge hilft. Es ist natürlich so, dass sämtliche Feuershows, sämtliche Mittelalter-Veranstaltungen brechen da weg. Und das ist schon ein bisschen schade. Aber ich habe zum Glück, muss ich sagen, ich habe ein relativ großes Haus mit einem relativ großen Grundstück, wo es immer irgendwas zu tun gibt, wo man immer irgendwas restaurieren oder umbauen oder so kann. Und ich habe zwei wundervolle Kinder, und meine Kleine ist anderthalb, mein großer ist sechseinhalb. Und das sind natürlich zwei Faktoren, die halten einen im Tritt. Abends dann ist man auch froh, wenn man um 21 Uhr dann mal Feierabend hat. Ich entlaste dadurch natürlich ein bisschen meine Frau. Und die setzt sich derweil an die Nähmaschine, was eines ihrer großen Hobbys ist. So sieht das Leben im Hause Bleiber aus. Und das ist eigentlich eine Sache, die auch relativ befriedigend ist. Aber ich freue mich, und das muss ich auch ganz ehrlich sagen, wieder, wenn ich durchstarten kann, wenn ich wieder Leute durch die Brauerei führen kann, wenn ich rausfahren kann zu den Leuten und sie mit unseren Barre-Produkten versorgen kann und mit den vielen Geschichten, die ich zu erzählen weiß rund um das Thema Bier und Brauerei. Aber so, ich komme damit klar. Für mich ist dieses Internetding immer mehr Ersatz geworden. Also wir haben in unserem Brauer-Stammtisch, den wir inzwischen wirklich monatlich abhalten, wo wir dann mal drei Stunden locker zusammensitzen und über Bier quatschen und auch über alles Mögliche, Andere. Also diese sozialen Kontakte, da hat das Internet wirklich eine ganz, ganz wichtige Position eingenommen.

Markus: Ja, das stimmt. Wer weiß, wie es wäre, wenn wir das gar nicht hätten. Holger, du bist immer noch glücklich mit dem Bier? Wie steht‘s bei dir? Wir können ja langsam ein bisschen zum Ende kommen. Was meinst du?

Holger: Am Anfang habe ich gedacht, Mensch, fünf Biere und so, aber jetzt bin ich so an der Ecke, wo ich denke: Scheiße! Wo ist das sechste? Du hast vorhin schon gesagt, also im Haustrunk könnt ihr zwischen 15 Produkten wählen, und jetzt, ja, so langsam, warum ist Lübbecke so weit weg?

Sven Bleiber: Ja. Ich möchte euch hier gerne mal willkommen heißen, also es wäre mir wirklich eine große Vergnüglichkeit, wenn ihr euch mal auf den Weg zu mir machen würdet. Also wir haben sogar schon wirklich hier unsere Sektionstreffen, war letztes Jahr im September, Ende September haben wir Sektionstreffen hier abgehalten von den Biersommeliers, also Westfalen, Münsterland. Und das war auch sehr, sehr schön. Also die Leute haben nicht gedacht, also wir haben Brauerei besichtigt, wir sind in Barres Brauwelt, da durfte sie noch aufhaben, haben wir halt dann gegessen und so. Es war wirklich ganz, ganz großes Kino und hat wirklich mega-viel Spaß gemacht.

Holger: Es ist eine Reise wert. Ja, das glaube ich gerne.

Sven Bleiber: Definitiv!

Markus: Die werden wir auch unternehmen, denke ich mal. Aber so lang dann erstmal vielen lieben Dank, Sven.

Sven Bleiber: War mir eine große Vergnüglichkeit.

Markus: Also das war ganz, ganz toll. Und der erste BierTalk, in dem gesungen wurde, und der erste BierTalk, in dem Holger über Pferde philosophiert hat.

Holger: Na ja, und der erste BierTalk, wo man eigentlich auch gerne Bilder gehabt hätte. Man hätte gerne ihn dann auch singen sehen, nicht nur hören.

Markus: Das stimmt. Aber gut, wir wiederholen das dann mit einer Feuershow live irgendwie als Liveevent, sobald das wieder möglich ist. Also auf jeden Fall spannende Geschichte und toll. Und jetzt muss ich erstmal diese ganzen Biere noch austrinken. Aber wie gesagt, auf jeden Fall vielen, vielen lieben Dank, Sven! Vielen Dank für die Zeit und für die vielen Infos. Und Holger, ich denke, wir haben tolle Biere genossen, oder?

Holger: Unbedingt! Da muss ich jetzt sagen, da gab‘s keinen Ausfall, sondern egal, wer jetzt was gerne möchte, kann sich aus dem Barre Portfolio wunderbar bedienen. Ja, unbedingt! Und der Meinhard hat auch recht gehabt, also der Maibock, Respekt. Also wirklich Respekt.

Sven Bleiber: Mir bleibt in diesem Sinne nur noch eins zu sagen, ihr habt euch wohl oder übel, (unv. #00:44:54.9#). Ich verabscheue mich, eurer Brauer Bernhard. Macht’s gut!

Holger: Mach’s selber gut!

Markus: Wunderbar! Welch Schlusswort. Ciao!

 

BierTalk – der Podcast rund ums Bier.

Alle Folgen unter www.biertalk.de

Mehr lesen

„Wir denken Bier neu“

Von einem Oberfranken, der in Welt zieht, um Bamberger Bier zu verkaufen Christian Klemenz, der im März 2013 sein 26. Wiegenfest feiert, wirkt bei der ersten Begegnung wie der sympathische,…

Tradition aus Tradition

Kaspar Schulz feiert neue Produktionshalle Bamberg. Die älteste Brauereimaschinenfabrik der Welt wächst weiter. Im Beisein von allerlei Prominenz aus Politik und Wirtschaft weihte Pfarrer Matthias Bambynek die neue Produktionshalle des…