BierTalk 118 – Interview mit Lukas Arndt, Brauer, Gründer und Geschäftsführer von Liquid Story Brewing in Braunschweig

Die Beziehung zwischen BierTalk und Lukas Arndt begann mit einer Tomatengose, einer echten Wundertüte an Aromen, die die Bierfreunde zugleich überraschte, begeisterte und herausforderte. Dahinter stecken Lukas und seine Freundin Sophia, die in unermüdlicher Arbeit – und im Nebenjob – ihre gesamte Energie und Kreativität in den Aufbau der jungen Marke „Liquid Story“ stecken. Und das mit großem Erfolg und vielen spannenden Bieren. Eines davon ist eine Hommage an Sophia, trägt ihren Namen und hat unter anderem Safran im Rezept. Freut Euch also auf einen unterhaltsamen BierTalk der Extraklasse – vielleicht bestellt Ihr Euch davor die passenden Biere zum Mitmachen…

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Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute reise ich mal wieder weiter weg, nämlich in den Norden, in den Norden von Deutschland, zu einer ganz spannenden Brauerei. Und die habe ich dieses Jahr sogar schon dreimal getroffen und habe dabei alle Ebenen der Gefühle durchgemacht. Und deswegen freue ich mich total, den Lukas jetzt mal persönlich kennenzulernen, über seine Biere zu sprechen, es sind auch ganz viele davon da. Und, ja, erst mal, Lukas, schön, dass du da bist. Und vielleicht stellst du dich ganz kurz mal unseren Hörern selber vor.

Lukas: Ja, moin, Markus, schön das ich hier sein darf. Und ich bin sehr, sehr gespannt auf die ganzen Gefühle, die du zum Ausdruck gebracht hast uns gegenüber, die du grade eben erwähnt hast. Ich heiße Lukas Arndt, bin 29 Jahre alt und Co-Gründer, mit meiner Freundin Sophia habe ich gemeinsam Liquid Story Brewing vor zwei Jahren im Frühsommer gegründet 2021. Und wir haben es uns einfach zur Aufgabe gemacht, den Biermarkt so ein bisschen durchzuschütteln mit unseren Kreationen ohne Grenzen und trotzdem immer mit der Sache dabei.

Markus: Absolut. Und das macht ihr auch und das macht ihr auf eine ganz hervorragende Art und Weise, also das sei mal vorneweg gesagt. Das sind jetzt keine negativen Gefühle, aber natürlich habe ich zum Beispiel in Frankfurt von euch ein Tomatenbier getrunken. Was jetzt für mich, der ich einfach kein großer Liebhaber von Tomatensaft aller Art bin, eine persönliche Herausforderung war. Also solches war es aber sehr gut gemacht, also auch mit den Kräutern und sowas, alles wunderbar. Und es gibt eben eine riesige wunderbare Bandbreite und ich muss sagen, was mich auch ein bisschen inspiriert hat ist, ich habe natürlich auch ein bisschen auf eurer Website gelesen und mich ein bisschen informiert. Und da schreibst du ja unter anderem, dass du am liebsten gar nicht so viel Vorrede machst und dich vorstellst und was weiß ich was alles machst, sondern am liebsten mit deinen Bieren, über deine Biere und da drüber auch deine Story erzählst. Und dem will ich natürlich gerne Rechnung tragen. Und du hast ja auch dankenswerter Weise ein Paket mit sieben verschiedenen Bieren, das ist eine ziemlich hohe Zahl für einen BierTalk geschickt. Mal schauen, ob wie sie alle schaffen, aber ist auf jeden Fall sehr cool. Und da sind auch die Unterschiedlichsten dabei, also von der Berliner Weisse mit Erdbeeren, bis zum IPA mit Weinhefe und was weiß ich was, ein Pastry Stout, ich bin schon wirklich ganz, ganz gespannt. Ja, mit was wollen wir denn anfangen, was denkst du?

Lukas: Oh, das ist eine sehr gute Frage. In den meisten Fällen geht man ja gerne von tief nach schwer, was die Biere angeht, deswegen können wir von mir aus gerne tatsächlich auch mit dem Sauerbier, das wir mit La Villana gemeinsam gebraut haben in Italien, beginnen, wenn du möchtest, außer du hast andere Vorschläge.

Markus: Also immer gerne, gar kein Thema. Und das ist ja die zweite Gelegenheit, wo wir uns getroffen haben dieses Jahr, nämlich in Italien bei meinem Lieblingsbierfestival, über der ich gefühlt in jedem BierTalk, glaube ich, spreche, die Beer Craft in Bozen, das ist einfach so, so toll. Und da war ich auch dieses Jahr sehr froh, dass eben ihr zum Beispiel dabei wart als Vertreter sozusagen der deutschen Braukunst. Und La Villana ist natürlich auch eine spannende italienische Brauerei und da ist es umso spannender mal zu sehen, was ihr euch zusammen überlegt. Und das Ganze heißt STRAWEISS oder STRAWEISS, ich weiß gar nicht, wie man es korrekt ausspricht, der Franke würde auf jeden Fall STRAWEISS sagen. Man sieht auf jeden Fall auf dem Etikett schon ganz viele Erdbeeren, das ist so ein bisschen mir rosa Hintergrund hinterlegt, dann sind so ein paar Limetten drauf. Eine schwarze Dose, schlank, edel. Und, ja, bin ich mal gespannt, ich mache mal auf. So.

Lukas: Der Italiener spricht es übrigens oder versucht es auch übrigens STRAWEISS auszusprechen.

Markus: Ja, dann ist ja alles richtig, wunderbar. So, ja, hervorragend. Also im Glas habe ich hier so, ist schwierig, weil ich habe hier ein bisschen abgedunkelt, weil es heute bei uns so heiß ist, aber ich würde sagen, es ist ein, ja, ein helles Orangegelb. Wie ist es denn bei dir?

Lukas: Genauso. Tatsächlich, wenn man ein bisschen Fantasie hat, kriegt man vielleicht auch so einen leichten Rotstich noch raus. Aber im Gegensatz zu beispielsweise Himbeeren, die auch gerne irgendwie im Bier mit verbraut werden, gerade vielleicht in der Hobbybrauerszene oder sowas, gibt Erdbeere, genau wie Tomate, wie wir festgestellt haben, nahezu fast gar keine Farbe ab. Also da müsste man dann irgendwie zu anderen Erdbeerpräparaten greifen, seien das gefrier- oder sonnengetrocknete Erdbeeren. Aber durch das reine Püree oder die reine Frucht möchte die Farbe nicht so recht ins Bier. Tut dem Ganzen aber nichts Schlechtes damit.

Markus: Absolut. Und da kann ich auch nur die Hörer mal auffordern, probiert einfach mal aus, kauft euch einen Erdbeersaft, einen Orangensaft und noch irgendeinen anderen Fruchtsaft, keine Ahnung und gebt das mal in dunkle Becher, sodass ihr nicht seht, welche Farbe das hat. Und dann probiert die mal zu verkosten und rauszufinden, welcher Saft ist welcher. Es ist gar nicht so einfach, die Augen machen da viel mit. Und dementsprechend ist es eine umso schönere Kunst, wenn man diese Aromen hier wunderbar ins Glas bringt, denn was wir immer haben, ist die Nase. Und in der Tat ist die hier auch richtig schön erdbeerig, aber auch citrusig, so eine schöne Mischung. Und sogar ein bisschen Apfel, würde ich auch sagen, ist dabei. Sehr frisch, sehr fruchtig auf jeden Fall. Aber klassisch Erdbeere, also das auf jeden Fall, richtig schöne reife, wo man jetzt sagt, da möchte ich total gerne reinbeißen. Passt genau zur Jahreszeit, also das ist auf jeden Fall in der Nase da, wunderbar. Wann kommen denn die Erdbeeren da dazu?

Lukas: Und zwar zur Nachgärung. Also wir haben uns einfach darauf verständigt, dass wir im Prinzip nicht, wie ich es sonst wahrscheinlich machen würde, auch noch im Heißbereich mit den Früchten arbeiten, sondern das Ganze erst mal sehr, sehr einfach gestalten. Ziel war sowieso, ein sehr, sehr schönes Sommerbier zu kreieren, deswegen nicht zu schwer, nicht zu multidimensional, vielleicht so, dass man dann auch gegebenenfalls mal ein Döschen mehr davon trinken kann. Und ähnlich wie das Kokosnusspüree und das Limettenpüree sind die zur Nachgärung mit dazu gekommen. Und du hast im Prinzip auch schon grade auch noch den Apfel angesprochen. Das Ganze wurde mit der Philly Sour vergoren, also der Hefe, die neben der alkoholischen Gärung auch die Milchsäuregärung kann. Und dementsprechend, die bringt so diese, ja, leichte Eigenart an Charakteristik da mit rein.

Markus: Ja, na, wunderbar. Hm, also jetzt muss ich es doch mal probieren. Man kann ja immer nicht solange über Bier reden, ohne dass man dann endlich mal einen Schluck nimmt so. Hm, ja, eine sehr, sehr schöne Reise, finde ich. Also natürlich hat es eine gewisse säuerliche Note, aber sie ist gar nicht sehr extrem. Und es wird dann sofort aufgefangen, also da kommen dann erst so diese Orangen-, Limettennoten, dann kommen die Erdbeeren. Machen ein richtig schönes Mundgefühl, sind dann sehr präsent, auch auf der Zunge sehr schön präsent. Und dann, hinten raus hat man dann auch einen Kokosnusseindruck, also da sind die auch da. Das geht vielleicht auch schön zusammen mit diesem leicht nussigen Charakter, den ja auch die Erdbeere hat durch ihre Kerne. Und hinten raus bleibt dann so eine schöne Melange, finde ich, also wo man dann alles noch ein bisschen hat. Also ein bisschen Limette, die hat ja auch in sich so ein bisschen tropische Kokosaromen mit dabei, dann eben die Erdbeere und dazu dann noch die leichte Säure. also sehr schön, sehr erfrischend. Also wirklich ein Sommerbier, grade richtig für so einen Tag wie heute. Ja, das war euer Ziel, ne?

Lukas: Genau. Es geht mir tatsächlich auch grade so ein bisschen so, als würdest du meine Verkostungsnotizen über das Alter dieses Bieres auch generell so ablesen einfach.

Markus: Oh! Schön.

Lukas: Aber es ist in der Tat so, dass tatsächlich die Kokosnuss im Geruch gar nicht so dominant ist. Aber, das muss man dazu wissen, wir spielen gerne mit verschiedenen Gewürzen, Früchten und nicht jedes Gewürz oder jeder Fruchteinsatz hat immer den Hintergrund, am Ende des Tages auch dominant zu sein. Deswegen, der Fokus ganz klar auf den Erdbeeren. Und, wie du gesagt hast, grade vor allem auch retronasal und vielleicht ein bisschen auf der Zunge liegenbleibend, kommt dann auch dieses leicht holzige, cremig Anmutende von der Kokosnuss, die das Ganze dann so ein bisschen unterstützt.

Markus: Ah, nein, also wirklich sehr schön, wunderbar umgesetzt. Also das Einzige, wo ich immer ein bisschen Kribbel habe ist, wenn man sowas dann Berliner Weisse nennt. Aber da bin ich alleine auf weiter Flur, das weiß ich, weil ich mir immer denke, Berliner Weise ist ja eigentlich schon eher das, was mit dem Cocktail an Mikroorganismen gemacht wird. Wobei du mich allerdings schon beruhigt hast, wenn ihr das Philly Sour verwendet habt, dann ist ja da auch schon was anderes im Spiel als einfach nur kesselsauer und das ist ja schon mal sehr schön. Also insofern, das Ergebnis ist wunderbar, also ich bin wirklich sehr begeistert, echt schön.

Lukas: Ja, auf jeden Fall. Also ich tue mich natürlich auch immer schwer damit, deswegen ist unsere deutsche Verkehrsbezeichnung auch einfach also Sauerbier, schlicht gehalten. Ganz einfach, weil wir auch gar nicht mit einer reinen Gärung, also wo wir im Prinzip nicht verschiedene Hefestämme benutzen, diese Mehrdimensionalität schaffen können einer reinen Berliner Weisse.

Markus: Genau, jetzt hast du aber schon ganz viel anklingen lassen, was dich und deine Philosophie ausmacht. Also jetzt kommst du nicht drum hin, trotzdem ein bisschen was zu erzählen. Wie kommt man denn auf den Gedanken, sowas überhaupt zu tun? Also wie kommst du überhaupt zum Gedanken Bier?

Lukas: Ja, das ist relativ einfach zu sagen und zwar bin ich gelernter Brauer und Mälzer. Also ich habe bei Ötti beziehungsweise OeTTINGER in Braunschweig von 2012 bis 2014 meine Lehre zum Brauer und Mälzer gemacht und habe währenddessen schon angefangen, ja, Zuhause zu brauchen, zu experimentieren. Und, ja, ich war schon damals zum einen der Überzeugung, okay, das will ich auf jeden Fall mal irgendwie probieren, mich damit selbstständig zu machen, weil der Biermarkt das damals überhaupt nicht hergegeben hat. Ich glaube, Prototyp hat jetzt grade 10-Jähriges gefeiert, also dementsprechend 2012 bis 2014 weiß man, wie dünn der Markt auf jeden Fall noch in Deutschland war. Und auf der anderen Seite bin ich tatsächlich auch eine Person, die sich gerne irgendetwas sagen lässt oder vorschreiben lässt und dementsprechend war klar, okay, ich muss mein Ding da irgendwie alleine durchziehen. Nach der Lehre selber bin ich dann erst mal studieren gegangen. Das habe ich jetzt vor Kurzem beendet, mein Ingenieursstudium, ich habe Chemieingenieurswesen studiert hier in Braunschweig. Ich wollte damals auch nie aus Braunschweig weg und bin deswegen auch nicht nach Berlin oder Freising gegangen. Und 2017 habe ich Sophia in einer Craftbeer-Bar in Braunschweig kennengelernt. Wir haben da beide gearbeitet und, ja, im Prinzip aus dem Arbeitsverhältnis wurde dann mehr. Und, ja, sowohl partnertechnisch, also auf der Liebesebene als auch im, ja, Business-Umfeld haben wir einfach einen gemeinsamen Nenner gefunden. Ich übernehme dabei größtenteils den Brauerpart und sie macht sehr, sehr viel Arbeit, ja, was man nicht sieht, alles, was so hinten rum auch passiert und ist auch gleichzeitig mein größter Kritiker, bis ich dann weine. Und, genau, wir kochen sehr gerne und dementsprechend sind auch unsere Biere gerne mal ein bisschen extravaganter, weil wir es einfach lieben zu experimentieren. Also wir lieben natürlich auch die traditionellen deutschen Bierstile, aber wir wollen uns nicht davon abhalten lassen, im Prinzip auch unsere Ideen irgendwie ins Fass oder in die Dose zu bringen.

Markus: Ja und das ist ja eine riesen Bandbreite, wie hier ja auch schon vor mir steht und wie man auch auf der Website sehen kann, also da ist echt ein großer bunter Strauß. Und das ist natürlich ganz schon zu hören, dass du quasi die doppelte Liebe gefunden hast, also sowohl das Thema Bier umsetzen konntest als auch gleich noch mit einer Partnerin. Das ist natürlich ganz, ganz großartig und an der Stelle dafür schon mal Glückwunsch. Und wahrscheinlich hast du schon eine halbe Million blöde Kommentare wegen OeTTINGER bekommen, es ist ja eine Vorlage für viele lustige Witze. Aber ich finde es auf jeden Fall wunderbar, dass jemand, der da anfängt und ja letzten Endes trotzdem richtig gut Bierbrauen lernt, auch wenn es die Leute immer nicht denken, dann eben sagt, okay und gehe ich in den ganz anderen Weg und mache einfach mal genau das Gegenteil, mache einfach mal ein bisschen verrückte Sachen, kreative Sachen und lebe dieses andere Ende aus. Weil, ich meine, die normalen Sachen gibt es ja eigentlich genug, also letzten Endes, man muss ja nicht nochmal die ganz normale Standardpalette brauen, würde ich sagen.

Lukas: Ja, definitiv, also vor allem hat man kein richtiges Verkaufsargument dann. Also wenn man sagt, hej, ich habe hier OeTTINGER 2.0 oder Krumbacher 2.0 gebraut und nehme aber dafür den dreifachen Preis, weil ich es machen muss, dann gehen einem die Argumente für den Verkauf aus. Und auf der anderen Seite, klar, ich kann nichts Schlechtes über OeTTINGER sagen, die Leute waren super, die Ausbildung war hervorragend. Ich würde auch jederzeit wieder meine Brauer- und Mälzerausbildung in einer großen Brauerei, in einer Industriebrauerei machen und nicht in einer kleinen Brauerei. Das mag jeder so sehen, also es gibt Vor- und Nachteile jeweils, aber ich fand das hervorragend gut und bereue das auch nicht. Man muss aber auch ganz klar dazu sagen, das, wenn ich mit solchen Themen ankomme und das muss auch kein TOMATO BASIL, ein Sauerbier mit Tomate sein oder irgendwie jetzt ein Sauerbier mit Erdbeeren, dass man auf, ja, wenig Anklang trifft in dieser traditionellen alten Brauerschiene bei den Gesellen. Und dafür reicht dann meistens schon ein modernes Pale Ale oder ein IPA aus, dass die sagen, nee, das möchte ich nicht. Und das ist tatsächlich so ein Punkt, den ich so ein bisschen schade finde, dass diese, ja, alte Brauerschule nicht richtig hinter dieser Neuentwicklung oder Weiterentwicklung der Bierstile steht.

Markus: Ja, das sind ganz richtige Gedanken, finde ich, also grade, weil man eben beides hat. Auf der einen Seite ist dort wirklich die Grundlage gelegt worden auch bei dir, ein richtig guter Brauer zu werden und sich mit dem Metier echt gut auszukennen und auch das Handwerkszeug zu haben, kreativ zu werden. Und auf der anderen Seite ist dann aber diese sich selbst einbremsen, dass auch zuzulassen und zu genießen, zu akzeptieren, zu respektieren, das fehlt dann manchmal so ein bisschen. Aber ich habe den Eindruck, es wird besser. Ich meine, die Zeiten gehen natürlich auch ein bisschen voran und ich glaube, auch in diesen Brauereien kommen nach und nach auch mal andere Biere an und wie letzten Endes auch Leute wie du beweisen einfach, dass es eben auch anders geht. Apropos, nachdem wir ja sieben Biere haben und schon eine Viertelstunde fast geredet haben, müssen wir noch eins probieren. Was machen wir denn jetzt?

Lukas: Ja, das erste Bier habe ich vorgeschlagen, jetzt sagst du mal an.

Markus: Okay. Gut, also dann würde ich aus mehreren Gründen jetzt SOPHIA vorschlagen also.

Lukas: Ja, ich wäre traurig gewesen, wenn sie heute nicht kommt, aber ja.

Markus: Nein, unbedingt, also einerseits natürlich, weil sie ja hier auch ein bisschen mithört und bei uns irgendwie dabei ist, andererseits weil du sie ja schon erwähnt hast und über sie erzählt hast. Und dann auch, weil das ein Bier war, was ich bei unserer dritten Gelegenheit, wo wir uns dieses Jahr gesehen haben, nämlich in Neumünster auf der Bierköste, was ich dort dann probiert habe. Und es war für mich was Besonderes, weil ich musste an dem Tag noch fahren, das heißt, ich konnte mir nur ein einziges Bier auf diesem ganzen Bierfest aussuchen. Und ich habe mir dann das ausgesucht, weil es mich einfach interessiert hat, wie man mit diesem Thema Safran im Bier spielen kann. Und da bin ich jetzt mal total gespannt, wie das jetzt schmeckt hier aus der Dose, damals hatte ich es ja bei euch vom Keg. Und, ja, deswegen würde ich das jetzt gerne machen, dann machen wir das.

Lukas: Dann mal zu, dann machen wir das.

Markus: Ja, so. Auch hier nochmal aus Sicherheitsgründen der Hinweis an die Hörer, wir trinken natürlich nicht jede Dose aus, also wahrscheinlich jedenfalls nicht, sondern man kann ja dann den Rest auch später noch trinken. Also wenn ihr jetzt mitmacht zum Beispiel, ihr könnt ja die Biere im Webshop bestellen natürlich bei Liquid Storys, dann auch immer drauf achten, dass man das Ganze zwar zu einem schönen Erlebnis macht, aber eben mit Bedacht trinkt letzten Endes, das ist  ja auch wichtig, ja.

Lukas: Definitiv, im besten Fall teilen, ja. Alle sieben Biere in einer Session hier, das geht in die Hose.

Markus: Genau, eben, man kann ja auch anhalten und am nächsten Tag weitermachen, beim Podcast, wir können das jetzt hier nicht.

Lukas: Oder so, genau, genau, genau.

Markus: Und zu zweit oder zu dritt ist natürlich noch schöner, wenn man dann irgendwelche Nachbarn hat vielleicht oder Freunde oder wen auch immer, der da mittut, dann ist es natürlich noch besser. Ja, jetzt haben wir ein etwas dunkleres Bier, würde ich sagen. Das leuchtet mich richtig an, so ein bisschen geheimnisvoll, gefällt mir sehr gut. Hat einen schönen Schaum, der da obendrauf steht, auch leicht getönt. Und, ja, wenn man da rein riecht, dann ist der Safran tatsächlich da, also voll von der Aromatik her. Ich muss sagen, mein letztes Erlebnis mit Safran hatte ich, da habe ich einen, ich glaube, das war ein weißrussischer Hochzeitskuchen oder irgend sowas. Also in der Pandemie habe ich ganz viel gebacken und gemacht und getan und habe dann eben mir so ein Rezept rausgesucht und da war eben auch ganz viel Safran drin. Und das war gar nicht so einfach, über den Backprozess mit dem Safran so zu arbeiten, dass der am Ende auch raus kam. Es war dann sehr intensiv und meine Freundin zieht mich regelmäßig damit auf, wenn wir irgendwas mit Safran haben, was ich damals mit diesem Kuchen veranstaltet habe. Aber nichtsdestotrotz, es ist wunderbar, ich liebe den Geruch von Safran. Und der ist hier wirklich ganz schön, ganz intensiv. Wie kamst du grade da drauf, man kann ja mit so vielen Sachen brauen?

Lukas: Ja, ich liebe es tatsächlich auch, mit Safran zu kochen, mit Safran zu brauen. Und mir ist durchaus bewusst, das zum eine viele Leute vielleicht gar nicht wissen, wie Safran riecht, welche Aromatik er besitzt und auf der anderen Seite es ein extrem schwieriges Gewürz ist. Weil, ja, das ist ähnlich wie ein Rauchbier, am Ende des Tages muss man diese Charakteristik des Safrans irgendwie mögen. Man kann das auch nicht weiter runter dividieren, wonach schmeckt Safran? Weil, Safran hat natürlich irgendwie was Fruchtiges, was Blumiges, aber am Ende des Tages ist es halt Safran, womit man das beschreiben mag. Und in der Tat hat mich also am Ende des Tages überzeugt, das zu machen, das Safran wasserlöslich ist. Also wir haben es mit vielen Gewürzen zu tun, grade wenn wir mit dem brauen möchten, dass wir das Problem haben, dass wir eigentlich eine Fettlösligkeit besitzen und dementsprechend im besten Fall vielleicht noch sogar mit Alkohol als unipolares Lösungsmittel arbeiten können. Safran aber hingegen ist wasserlöslich und dementsprechend bin ich auch super zufrieden, dass die Stärke, die Intensität des Safrans dabei so gut rauskommt. Und, was man natürlich nicht vernachlässigen darf, es geht um Sophia bei diesem Bier, das ist ja eine kleine Hommage an, ja, ihre Arbeit, alles, was sie reinsteckt mit in das Unternehmen, obwohl wir das beide nur im Nebenerwerb machen. Es ist das teuerste Gewürz der Welt auf das Kilogramm gerechnet und dementsprechend natürlich nochmal eine schöne Anekdote im Prinzip als Wertschätzung ihr gegenüber.

Markus: Ja, das hätte ich sowieso noch gefragt, wie man sich ein Safranbier leisten kann? Aber können wir gleich och dazu kommen. Also ich finde auch, dieser Geruch ist wirklich sehr einzigartig, auch der Geschmack, es bleibt sehr, sehr lang. Wer es nicht kennt, probiert es einfach. Ich glaube, es ist wirklich schwierig, das jetzt hier in Worte zu fassen, es ist ein sehr eigenes Aroma. Im Grunde ist es eine Krokusart und davon sind es diese Blütenstände, die da in den Blüten innen drin sind. Stempel, ich weiß gar nicht, wie das genau heißt, aber jedenfalls die Fäden da drin. Und die werden rausgezogene und das ist dann eben dieses Gewürz. Und das ist eben, wird mit Gold aufgewogen, also früher auch schon, war schon immer sehr, sehr teuer. Und ist sowohl von der Färbekraft als auch von der Aromakraft eben extrem intensiv. Und dadurch, dass es so selten ist und so einzigartig, so eindeutig wiederzuerkennen auch natürlich, dadurch eben auch so wertvoll und so besonders. Und das hast du jetzt noch komponiert mit Vanille und Hibiskus, was man auch ein bisschen merkt. Was ich interessant finde, der Safran scheint die alkoholische Note so ein bisschen zu unterstützen, es hat einen ziemlich starken alkoholischen Charakter in der Nase.

Lukas: Gehe ich mit, definitiv. Wir haben dem Ganzen so ein bisschen entgegengewirkt so durch den Milchzucker, durch die Laktose, die noch mit drin ist. Und auch die Vanille sorgt ja im Prinzip dafür, dass das Ganze noch ein bisschen cremiger, dessertartiger wird. Am Ende des Tages aber spielt es auf jeden Fall mit in die Aromatik rein, selber, dass der Safran da so dominant ist.

Markus: Ich finde, was schön ist, ist die Vanille, die bringt das Ganze dann noch in so eine Richtung wie Rum, also fast so eine Rumtopfaromatik hat man da noch ein bisschen mit dabei.

Lukas: Ja, ja.

Markus: Das, finde ich, ist irgendwie auch sehr, sehr schön, also spannend. Muss man dann doch einen Schluck natürlich trinken, klar.

Lukas: Ich finde es tatsächlich relativ spannend auch an dem Bier, also ich meine, wenn man das selber ausschenkt, sieht man es nochmal mehr, dass tatsächlich der Schaum auch leicht gelb ist. Also der Safran hat so eine starke Färbekraft, das, wenn man das Bier zapft, ich weiß nicht, wie es jetzt grade bei dir aus der Dose kam, tatsächlich so dieser Schaum so im ersten Anzug so einen leichten Gelbstich hat, finde ich super spannend.

Markus: Krass! Also kann ich leider hier jetzt nicht nachvollziehen, weil wir hier einfach nicht die Lichtbedingungen dafür haben, aber ich werde es nachher dann, wenn ich den Rest trinke, nochmal bei maximalem Licht mir begutachten. Das ist natürlich spannend, also wenn der Safran sich sogar da durchsetzen kann. Hast du da von Anfang gewusst, wie du mit dem Safran arbeiten musst oder war das dann so ein Herantasten, probiere ich es mal hier, probiere ich mal da, also wo dann der beste Einsatz ist, um das dann am Ende auch entsprechend rüberzubringen?

Lukas: Ja, tatsächlich haben wir uns da ein bisschen ran getastet. Der Safran selber hat relativ viel vorgeben. Einfach die Hitzeinstabilität hat einfach schon dafür gesorgt, dass wir wussten, okay, wir werden das auf jeden Fall im Kaltbereich machen. Und dann, das es, ja, gleich zu anderen Bieren, wo wir mit Gewürzen oder Früchten arbeiten, versuchen wir verschiedene Dimensionen während der Rezeptentwicklung erst mal darzustellen. Also das kann sein, das wir zum Beispiel die Gewürze erst mal versuchen, in einer wässrigen alkoholischen Lösung. Also im Prinzip als Modelllösung, gar nicht unbedingt Bier, versuchen zu lösen und zu gucken, okay, wie verhält sich das, wie lange hält das selber? Und am Ende des Tages kann man im Prinzip auch wie bei IPAs oder anderen Bieren, die mit extrem flüchtigen Aromastoffen arbeiten, sagen, je später desto besser eigentlich. Klar, man muss immer diese Einwirkzeit so ein bisschen bedenken. Grade Vanille zum Beispiel ist ein extrem gutes Beispiel dafür, dass man vielleicht nicht zwei Tage vor der Abfüllung erst damit anfangen sollte zu arbeiten, sondern das Ding auch gerne mal ein, zwei Wochen auf der Vanille liegen darf. Aber im Prinzip testen wir uns von Modelllösungen über einzelne, ja, Heimbrautage an die Rezepte ran.

Markus: Also das finde ich auch toll, also einerseits, dass ihr es macht und andererseits auch, wie du es so sagst, weil es eben zeigt, dass man grade auch bei solchen Bieren eben nicht sagt, ich mache da jetzt mehr oder weniger so ein Zufallsprodukt, sondern man überlegt sich schon sehr genau, also was man wie, wann und wo einsetzt. Und macht eben auch seine Versuche, bis man am Ende eben etwas hat, was man dann in der großen Menge letzten Endes produziert. Also, klar, kann man irgendwie auch nicht anders, weil es wäre ja Mist, wenn man das Ganze in den Sand setzt bei dem Preis. Aber trotzdem ist, glaube ich, viele haben so den Eindruck, wenn so Kreativbrauer da sind, dann mischen die halt jeden Tag was eben grad so aus dem Kühlschrank kommt zusammen und machen halt ein Bier draus. So ist es eben nicht. Also das ist eben auch eine Kunst, solche Biere dann auch so zu komponieren und so schön abstimmen zu können. Also das ist schon, gefällt mir sehr gut. Zumal hinten raus der Hibiskus sogar noch kommt, das finde ich auch schön. Der ist dann so im Nachtrunk ganz, ganz präsent, mag ich.

Lukas: Genau und in der Nase habe ich den tatsächlich auch nicht. Der ist bei mir tatsächlich auch nur im Geschmack so ein bisschen vorhanden, vielleicht auch sowas leicht fruchtig Säuerliches bringt der noch mit rein. Aber das, was du angesprochen hast bezüglich Experimentalsude und dann Rezepte entwickeln, es ist halt ein schwieriges Thema. Weil am Ende des Tages, man braucht extrem viel Zeit für diese Rezeptentwicklung auf der einen Seite und auf der anderen Seite ist gegebenenfalls auch gar nicht die Wertschätzung da. Wir befinden uns leider grade in so einer, ja, Spirale der Releases, also jeden Monat irgendwie zwei bis sechs neue Biere rauszubringen. Aus der wir eigentlich tatsächlich auch so ein bisschen ausbrechen wollen, aber ich meine, es gibt genug andere Vertreter, die sich genau auch darin befinden. Und das muss am Ende des Tages auch jedem irgendwie bewusst sein, das, wenn ich vier IPAs im Monat rausbringen würde, also ich kann nicht nebenher noch jedes Rezept 100-Prozent neu entwickeln. Wenn es um irgendwelche Gewürze oder sowas geht, da ist man natürlich, wie du schon gesagt hast, vorsichtig, einfach aufgrund des Wareneinsatzes und dementsprechend tastet man sich da sehr, sehr vorsichtig ran. Aber, ja, wir müssen uns dem Markt auch so ein bisschen anpassen, definitiv.

Markus: Ja, das sind Herausforderungen, die da wirklich in nächster Zeit anstehen und, ja, wo man dann seinen guten Weg finden muss. Das Schöne ist natürlich, wenn man sich dann schon einen Namen gemacht hat und auch schon ein paar Rezepte entwickelt hat, die dann vielleicht auch das Potenzial haben, längerfristig am Markt zu bleiben, das ist natürlich dann schon mal eine gute Voraussetzung unterm Strich. Ihr habt da als Hopfensorten einen Pink Boots Blends verwendet. Wie kamt ihr dazu und was war da drin?

Lukas: Im Prinzip ist das sechste Jahr des Pink Boots Blend der Trigger gewesen, dieses Bier letztendlich zu brauen. Weil, ich weiß gar nicht, welche Society jetzt dahintersteckt, die da mit Yakima Chief gemeinsame Sache macht, auf jeden Fall geht es im Prinzip darum, vor allem Frauen in dieser Brauerszene zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass auch in der Brauerszene Gelichberechtigung irgendwie, ja, an der Tagesordnung steht. Also man kann sich das selber, wenn man so eine Person ist wie wir, eigentlich gar nicht vorstellen, weil, man behandelt jeden Menschen gleich und dementsprechend sieht man da eigentlich keine Unterschiede. Aber am Ende des Tages ist es wohl leider tatsächlich immer noch so, dass vor allem auch in der Brauerszene, sei das der Service oder auch vielleicht in der Brauerei, Frauen noch nicht immer ganz für voll genommen werden und dementsprechend gibt es halt diesen Pinkt Boots Blend einmal im Jahr. Bei dem auch gewisse Erlöse dann gespendet werden dann im Prinzip, um diese Sache zu unterstützen. Und als dann das Free Order aufkam dafür, habe ich mir gesagt, also ich hab die Frau in meinem Haus sitzen, die im Prinzip unter der Oberfläche immer nur mit schwimmt und wenig, wenig Anerkennung bekommt. Und das ist die beste Gelegenheit dafür, diesen Blend zu benutzen. Das ist, dieser Blend wird immer unterschiedlich zusammengesetzt von Yakima Chief. Ich bin mir gar nicht 100-prozentig sicher grade, ohne nachzugucken, welche da dieses Jahr drin sind, ich glaube, auf jeden Fall Laral, Lotus und noch ein Dritter. Genau, den setzen die immer zusammen, den Blend und geben den dann raus.

Markus: Ja, auf jeden Fall hat er sich schön mit deinen Gewürzzutaten vermischt. Und es ist insgesamt dann eben ein ganz besonderes Milkshake-IPA, also wo die Charakteristiken vom Mundgefühl und so, das ist alles ein klares Milkshake-IPA, aber drum rum hat man denn eben diese ganzen Gewürzaromen. Wie ist das, wenn man jetzt für sowas Safran kaufen geht, da kann man ja jetzt nicht in den normalen Supermarkt gehen und von diesen kleinen Plastikdöschen 100er kaufen, wie macht man das?

Lukas: Dafür gibt es tatsächlich Online-Händler. Es gibt mittlerweile für alles irgendwie Online-Händler, die darauf spezialisiert sind, bestimmte Produkte zu importieren und dementsprechend war das auch gar nicht so schwierig. Also ich habe vorhin gesagt, Safran, das teuerste Gewürz der Welt, man muss sich aber vorstellen, jetzt auf 10 Hektoliter, also auf 1.000 Liter Bier, sind da am Ende des Tages 60 Gramm Safran drin. Das hört sich erst mal wenig an, vom Volumen her ist das ein ganzer Mixer voll, aber sind noch Mengen, die durchaus einfach auch ohne großartiges Netzwerk und Kontakte zu bekommen sind.

Markus: Ja, wobei ja trotzdem so ein Gramm Safran zwischen fünf und zehn Euro kosten kann, also wenn man es so normal im Supermarkt kauft, ne?

Lukas: Ja, also genau, also billig war es nicht, natürlich. Aber das ist ungefähr mit der Vanille gleichzusetzen vom Einkaufspreis her. Also es lässt sich noch grade so aushalten, sage ich mal und es ist ja auch für einen besonderen Anlass gewesen.

Markus: nein und wirklich wunderbar, ein sehr schönes Bier und ich hoffe, du hast auch viel positives Feedback bekommen. Und hat es denn Sophia auch geschmeckt?

Lukas: Auf jeden Fall, Sophia gefällt das Bier sehr, sehr gut. Da war sie ein bisschen baff, als sie das dann am Ende des Tages, diese Dose in der Hand hatte. Das war gar nicht so einfach, dass die ganze Zeit vor ihr geheim zu halten, weil normalerweise besprechen wir natürlich auch, was wir demnächst rausbringen. Und das mal parallel irgendwie brauen zu lassen oder zu brauen, war nicht so einfach. Und das Feedback war tatsächlich sehr, sehr gut. Und, ja, das größte Problem, was, wenn überhaupt aufgetreten ist, ist, dass die Leute nichts mit Safran anfangen konnten, aber, dann haben wir sie dazu gebracht, dass sie was damit anfangen können.

Markus: Ja oder, ich meine, letzten Endes, klar, solche Biere können polarisieren und dann ist es eben so, da gibt es halt den ein oder anderen, der es nicht mag. Das ist ja auch okay, wenn es einfach so ist, das jemand kein Safran mag, soll er das tun, dafür habt ihr noch andere in der Auswahl. Kannst du dich noch dran erinnern, als du das mit Sophia getrunken hast, dieses Bier, wie so ihre erste Reaktion war?

Lukas: Ja, tatsächlich weiß ich das sehr genau, weil sie ziemlich aufgelöst war, also positiv gesehen, weil auf der Dose selber auch noch ein Text steht, der im Prinzip, ja, die Idee hinter dem Bier verdeutlicht. Und, ja, im Gegensatz zu mir, ist Sophia auch ein sehr emotionaler Mensch und, ja, es hat sie auf jeden Fall sehr berührt und das hat wiederum mich sehr berührt.

Markus: Wunderbar, da müssen wir gar nicht tiefer gehen. Wer es möchte, bestellt euch einfach dieses wunderbare Bier, dann könnt ihr auch den Text lesen, könnt es genießen und könnt eure Bilder dazu malen. Also auf jeden Fall, ja, danke schön dafür, das ist ganz, ganz toll. Jetzt bist du wieder dran, dir eins auszusuchen.

Lukas: So, was hast du denn da noch stehen?

Markus: Oh, also, ich habe noch einmal, Moment, das Imperial Stout, dann, dann, wo steht denn der Bierstil? Also ich glaube, das andere ist das Pastry Sour oder Pastry … oh nee, da steht IPA. Moment, Entschuldigung. Also das, wo PIVO mit Vanilla und Orange und so weiter drauf steht.

Lukas: Das hast du in schwarz und in weiß, ja?

Markus: Ja, im weitesten Sinne, also andere Farben sind da auch noch drauf, aber der Unterschied …

Lukas: Ja, ja, ja, aber der Hintergrund.

Markus: … zwischen den beiden ist auf jeden Fall hell und dunkel, genau.

Lukas: Ja, ja, ja.

Markus: Der Franek ist da ja einfach gestrickt, aber so ist es. Dann habe ich euer TAKE-IT-EASY-IPA, wo ich auch schon sehr gespannt drauf bin. Und dann gibt es hier noch zwei, da steht drauf, Knowledge Is Power, was an sich schon ein toller Spruch ist. Also da bin ich auch gespannt, ja.

Lukas: Ah, sehr schwierige Ausfall auf jeden Fall.

Markus: Siehst du mal, vor welche Herausforderungen due die Leute stellst.

Lukas: Was wir gerne auch bei unseren Tastings machen, obwohl es sich erst mal komisch anhört, ist tatsächlich, das Stout irgendwie in die Mitte einzubauen und am Ende des Tages dann mit hellen leichteren Bier weiterzumachen. Deswegen würde ich einfach sagen, dass wir jetzt mit dem Imperial Stout, also mit dem PIVO mit schwarzem Hintergrund, weitermachen.

Markus: Wunderbar. Warum nicht eine Gipfel zwischendurch erklimmen, ist ja nicht so schlecht. Also, so. Oh ja, also jetzt sind wir hier wirklich schwarzbraun unterwegs. Wunderbarer Schaum, der ist Kaffeefarben, würde ich sagen. Ganz dicht, ganz viel Schaum, sehr schön, sehr stabil. Röstaromen, also auf jeden Fall das drin, was draufsteht, würde ich schon mal sagen.

Lukas: Das ist schon mal gut.

Markus: Ja. Und wenn man dann reinriecht, ich grad mal ein bisschen überlegen, also ich habe auf jeden Fall diese klassischen Röstaromen, ein bisschen Schokolade, ein bisschen Kaffee, dann aber auch Vanille und so ein bisschen Citrus-Touch, würde ich sagen, aber auch rote Beeren, so fast Richtung Erdbeeren. Wie eine Schoko-Erdbeere, würde ich sagen, wenn man diesen Spieß auf der Kirchweih hat, wo man dann so eine Erdbeere in dunkler Schokolade hat. Ja, sehr vielschichtig auf jeden Fall.

Lukas: Ja, man bekommt nicht nur Durst sondern Hunger, wenn du das grade so erzählst.

Markus: Süß geht ja sowieso immer, ne.

Lukas: Ja, ja, definitiv. Und bei unseren PIVOS, also im Tschechischen bedeutet Pivo nichts anderes als Bier, deswegen ist der Name selber erst mal so leichte Provokation gegenüber unserem deutschen Reinheitsgebot. Weil wir es ja hier im deutschen Raum nicht Bier nennen dürften, haben wir uns gedacht, okay, zufälligerweise die Anfangsbuchstaben der Extrazutaten. In dem Fall jetzt Pink Pepper Berrys, also rosa Pfefferbeeren, Vanille und Orange, sowie der Bierstil, entweder IPA oder Imperial Stout jetzt, was wir vor uns stehen haben, ergibt halt diesen Namen. Und wir dachten auch, wir finden es besonders lustig, wenn man im Prinzip nicht ein Bier aufteilt und dann verschieden behandelt, sondern zwei verschiedene Biere braut und mit den gleichen Zusatzstoffen, in dem Fall halt rosa Pfefferbeeren, Vanille, Orange, bearbeitet und guckt, wie die sich unterscheiden. Am Ende des Tages zum einen super für den Sommer geeignet, diese ganzen Gewürze und gleichzeitig auch super für den Winter und da bot es sich einfach an, ein helles und ein dunkles Bier zu machen.

Markus: Das ist ja spannend, das habe ich, glaube ich, noch nie gehabt, den Ansatz, das man sagt, man nimmt dieselben, wie soll man sagen, besonderen Zutaten, aber eben zwei völlig unterschiedliche Bierstile dahinter, klasse. Also gut, probieren wir mal. Also es geht süß los, es ist extrem cremig im Mund, also ganz, ganz grandioses Mundgefühl. Dann kommen die Röstaromen, das ist so eine Mischung aus Schokolade, Kokosnuss, ein bisschen Lakritz auch, ein bisschen Kaffee. Und dann kommen die Früchte dazu, tatsächlich dieser Erdbeereindruck, den ich hatte, Mandarine auch so ein bisschen, die sind ja auch drin. Hinten raus, muss ich grad mal schauen, ob dieser Pfeffer. Ja, so ganz hinten raus merkt man eben auch ein bisschen diesen leichten Schärfe-Touch, das ist auch sehr schön. Und der ist nicht nur hinten, der ist auch auf der Zunge, schön und dazu noch die Vanille. Also sehr interessant, sehr komplex, Wahnsinn. Da kann man, glaube ich, lange dran trinken. Und grade diese fruchtige Reise mit diesen ganzen schokoladigen Aromen, das ist natürlich schon sehr schön. Und für mich sehr angenehm, wenig Bittere. Also es ist natürlich Bittere da und die gehört auch dahin, aber oft ist es eben so, dass diese Biere für mich zu viel Bittere haben und das ist hier nicht so. Das ist wirklich sehr, sehr schön, sehr angenehm, aber auch eine ordentliche Herausforderung mit 10% und gefährlich, weil man merkt es nicht sofort.

Lukas: Ja, definitiv. Also das ist unser einziges kommerzielles Imperial Stout bisher gewesen, aber wir lieben den Stil auch aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten und gleichzeitig auch Vielzahl an Herausforderungen. Also wenn du die Bittere ansprichst, wir mögen nicht so, dass man die Hopfenbittere mit einträgt, sondern man hat halt auch noch die Röstmalze, die ihren Teil dazu beitragen. Auf der anderen Seite, wenn wir uns die Kochbittereinheiten, also ich rechne immer in Kochbittereinheiten, egal ob es ein IPA oder Stout ist, alles was Whirlpool oder Dryhoping kommt oder sonst was, das beachte ich nicht mehr von den Bittereinheiten, um mir das Leben ein bisschen einfacher zu machen. Aber wenn wir uns die Kochbittereinheiten bei dem Stout angucken, sind das trotzdem immer noch 50 Bittereinheiten. Also deutlich über so einem norddeutschen Pils eigentlich. Aber diese Bittereinheiten spielen natürlich auch gegen die Süße und die Süße gegen diese Bittere so ein bisschen, weswegen die die Waage halten. Und hätten wir diese Bittereinheiten nicht, wäre das Bier gegebenenfalls zu flach. Am Ende des Tages wollten wir aber auch ein hochprozentiges Bier haben, das sich trotzdem sehr, sehr einfach trinken lässt. Und durch diese Gewürzzugaben, wir möchten immer gewisse Symbiosen ausnutzen im Prinzip, dass man halt durch Gewürzmischungen etwas komplett Neues kreiert. Das heißt also, dass das einzige Gewürz gar nicht immer unbedingt schmeckbar sein muss. Grade auch zum Beispiel der rosa Pfeffer, auch wenn er manchmal durchkommt. Das ist tatsächlich, haben wir das auch gemerkt, teilweise tagesformabhängig und natürlich auch temperaturabhängig, tut aber sein Übriges für die anderen Zutaten. Also im Prinzip genau wie eine Gewürzmischung, Marsala, Curry oder von mir aus auch Spekulationsgewürz, wirken diese ganzen Zutaten, ja, zusammen und verstärken somit einen neuen einzigartigen Eindruck.

Markus: Ja, also wirklich in dem Fall wunderbar gelungen. Und ich erinnere mich grade, als ich letztes Jahr in Polen war bei einem Bierwettbewerb und da war ein englischer Freund von mir, der auch Bier-Judge ist, schon ein etwas älteres Semester. Und der war dann eingeteilt am Pastry-Stout-Tisch und hat sich dann geweigert, die Biere zu verkosten, weil er gesagt hat, für ihn ist das kein Bier. Also man muss wirklich, aller Ehren, ich sage jetzt auch keine Namen, aber man muss auch wirklich ihm zu Gute halten, er ist normalerweise ein sehr offener Mensch, der auch alles trinkt und macht und tut. Da hat es vielleicht auch an dem Tag irgendwie ihn auf dem falschen Fuß erwischt. Aber das war dann schon eine lustige Diskussion, wir haben ihn dann einfach ausgetuscht an dem Tisch. Und da waren aber auch krasse Sachen dabei. Also eins zum Beispiel war einfach Kiwi-grün, hat super toll geschmeckt, war faszinierend. Aber ist natürlich dann für jemanden, der jetzt ein klassisches Bier gewöhnt ist, wenn man einfach so ein grünes Ding ohne Schaum im Glas hat, ist dann schon eine Herausforderung zugegebenermaßen. Aber hier wirklich, das finde ich auch nochmal ganz wichtig, dass man hier auch den Biercharakter ganz klar merkt, also das es einfach, das Stout trägt das Ganze. Ist wie so eine Leinwand, wo dann eben die ganzen Zutaten drauf spielen, aber immer wieder sich mit diesem Bier auseinandersetzen, also das ist immer so ein Spiel. Und das ist auch was, was man schön lange immer wieder im Mund haben kann und auch so ein bisschen nachverfolgen kann, wenn man da so ein bisschen überlegt, was ist drin, schmecke ich das, wo ist das? Und was macht das mit mir, wie ist das denn eben nach dem Trunk, also wirklich interessant. Du hast es grade angesprochen, wollte ich vorhin schon fragen, also nachdem es ja in Deutschland dieses Reinheitsgebot gibt, würden ja viele sagen, eigentlich kann man so ein Bier gar nicht machen. Habt ihr da einfach ein gutes Verhältnis zu den Leuten in der Behörde oder wie macht man das clever, um das gut hinzubekommen?

Lukas: Ja, wir umgehen halt den Ausdruck Bier, also wir nennen das Ganze Brauspezialität.

Markus: Und das reicht schon?

Lukas: Ja. Also wir hatten tatsächlich anfangs die Probleme, wir haben eine Zeitlang ja auch in Berlin-Spandau bei BRLO gebraut und da wollten wir im Prinzip mal so eine Ausnahmegenehmigung beantragen für ein sogenanntes besonderes Bier, das bezog sich in dem Fall tatsächlich auf ein Bier mit Kaffeebohnen. Und das Problem war tatsächlich aber dann, da wir Wanderbrauer sind und in Braunschweig sitzen, dass die Braunschweiger Behörden gesagt haben, Spandau ist verantwortlich, weil, Sie sind zwar derjenige, der das Produkt in Umlauf bringt und dementsprechend auch für verantwortlich, aber Sie produzieren das Getränk nicht und dementsprechend ist Berlin-Spandau für verantwortlich. Und Berlin-Spandau meinte, ja, hier wird es nur produziert und Sie sind erster Inverkehrbringer, dementsprechend ist Braunschweig verantwortlich. Und am Ende des Tages haben beide Stelle im Prinzip gesagt, Sie können uns gerne den Antrag schicken, aber wir werden den nicht bearbeiten. Und dementsprechend mussten wir uns da andere Sachen ausdenken, womit jeder leben kann. Aber, ja, wir haben kein Problem damit, dass einfach nur Brauspezialität zu nennen.

Markus: Aber das ist ja großartig, ne, wenn das über Bundeslandgrenzen hinweggeht, dann ist eigentlich die Bürokratie völlig überfordert, also da hat man wenig Chancen. Habe ich schon von vielen anderen auch gehört. Und auch innerhalb von Berlin, da ist es ja so, dass die verschiedenen Bezirke sehr viel Einzelmacht haben und auch da kann das ganz, ganz unterschiedlich sein, je nachdem wo man eben grade sitzt. Also, ja, gut, dass ihr das hinbekommen habt, also wirklich spannendes Bier. Wie gehen da die Leute damit um, wie sind da die Reaktionen, auch auf die 10%?

Lukas: Überraschend positiv, also grade bei unseren Bier-Tastings auch, wo wir gerne mal nur den 08–15-Pilstrinker sitzen haben. Was, ehrlich gesagt, auch genau die Zielgruppe ist, weil, wir möchten den Leuten zeigen, was möglich ist, kriegen wir erstaunlich wenig negatives Feedback. Ich glaube einfach, weil das Bier an sich einfach eine relativ runde Sache ist, auch für die 10% relativ wenig Ecken und Kanten hat, obwohl es dann doch sehr, sehr multidimensional im Geschmack und auch im Aroma ist, aber wir waren auch erschrocken. Normalerwiese mit unseren Bieren, wir versuchen ja auch bewusst irgendwie zu provozieren und den Diskurs zu erzwingen, aber, ja, das Ding funktioniert irgendwie.

Markus: Ja, na, das ist ja dann auch gut so. Und was ich auch gut finde, ihr gebt auch immer wirklich alle Zutaten an. Also das finde ich jetzt hier auch zum Beispiel schön, dass ihr auch alle Malzsorten angebt und da ist unter anderem ja auch Spitzmalz dabei, wie in vielen anderen eurer Biere auch. Also ich habe das mal kennengelernt, also ich bin ja kein gelernter Brauer, deswegen habe ich da jetzt nicht so viel Basiswissen dazu, aber mein Wissen ist, es ist letzten Endes nur ganz, ganz kurz vermälztes Getreide, sodass eben vor allem die Schaumeigenschaften dann noch sehr, sehr gut vorhanden sind. Vielleicht kannst du da noch ein paar Worte dazu sagen, wenn du es willst, um unseren Hörern, falls die auch drauf stoßen, da ein bisschen Hintergrund zu geben, warum nutzt man das und was ist das eigentlich.

Lukas: Ja, sehr gerne, also wir haben generell keine Geheimnisse, was das angeht. Und zwar ist es nun mal so, dass jetzt grade auch durch diese IPA-Entwicklung im Prinzip vom West Coast zum East Coast oder dem New-England-IPA-Stil, vermehrt andere Getreidesorten mit ins Bier gewandert sind, also in den meisten Fällen, in dem Fall jetzt Hafer oder Weizen. Und wir verwenden in unseren Bieren, sofern das nicht irgendwelche Biere sind, die wir in der Kollaboration oder sowas brauen, wo wir vielleicht keinen Einfluss drauf haben, brauen wir ohne Weizen. Wir möchten nicht mit Weizen brauen und dementsprechend brauchen wir irgendwie ein paar Ersatzprodukte, wenn es darum geht, irgendwie die Vollmundigkeit zu erhöhen, mehr Protein ins Bier reinzubringen. Und neben Hafer arbeiten wir zum einen gern mit Dinkel, aber eben auch mit Spitzmalz. Spitzmalz ist ein Gerstenmalz und dementsprechend genau genommen ja nicht mal eine andere Getreideart und hat aber ähnliche Eigenschaften im Prinzip wie Hafermalz oder Dinkelmalz, für unser Verständnis. Einfach dadurch, dass das, ja, Malz nur leicht angekeimt wurde, sind gewisse Proteinstrukturen noch nicht so weit aufgebrochen, das Malz ist generell nicht so weit und bringt dementsprechend, wie du schon gesagt hast, zum einen Vorteile für den Schaum, aber eben auch im größeren Einsatz einfach auch für das Mundgefühl.

Markus: Ja, vielen Dank, das ist natürlich eine spannende Zutat. Ich habe es kennengelernt bei dem Thema Berliner Weisse, weil die eben damals gesagt haben, sie wollen unbedingt diese massive Schaumeigenschaft, die diese Biere früher hatten, eben wieder irgendwie hinkriegen. Und das ging offensichtlich mit unseren modernen Weizenmalzen einfach nicht mehr so und da spielt dann eben Spitzmalz, also spielte zumindest, ich weiß gar nicht, ob es immer noch so ist, aber damals, als ich da so die ersten Recherchen gemacht habe vor 10, 12 Jahren oder sowas, spielte das eine relativ große Rolle in den neuen Berliner-Weisse-Rezepturen, um da eben diesen Schaumberg sozusagen ein bisschen zu produzieren. Ja, jetzt müssen wir dann ja eigentlich die helle Seite ausprobieren, nachdem wir auf der dunklen Seite waren oder?

Lukas: Ja, aber sehr gerne.

Markus: Na, dann machen wir das mal. Da bin ich jetzt gespannt, das ist echt ein tolles Experiment, muss ich wirklich sagen. Ist es dann auch dieselbe Menge an Zutaten jeweils?

Lukas: Nee, die haben wir teilweise ein bisschen variiert. Das liegt aber auch einfach daran, dass wir zum Beispiel jetzt, also in dem Milk-Shake-IPA, das, was du dir grad eingießt oder gleich eingießt, da haben wir unter anderem auch noch Orangen- und Mandarinenpüree mit drin. Das haben wir zum Beispiel bei dem Stout weggelassen. Einfach auch, weil wir die daraus resultierende, ja, Fruchtsäure dem Stout wegnehmen wollten. Also wir hatten so ein bisschen Sorge, das gegebenenfalls die Säure, die gegebenenfalls durch den, ja, Röstmalzeinsatz sowieso schon existiert, da der so ungünstig hervorgehoben wird und dementsprechend haben wir minimal die Extrazutaten angepasst, je nachdem wie der Bierstil dann grade ausgefallen ist, um im Prinzip das zu berücksichtigen.

Markus: Okay. Das heißt aber auch, die helle Seite war zuerst da?

Lukas: Nee, die wurden parallel gebraut.

Markus: Nein, ah, okay, na gut. Also, dann machen wir jetzt mal auf, so. Also wo wir grade drüber gesprochen haben, sensationeller Schaum, also muss man wirklich sagen. Der steht hier wirklich wie eine Eins, der ist fast so viel wie Bier, ganz, ganz schön und ist wirklich sehr, sehr stabil. Das Bier strahlt mich an, so richtig hell goldgelb, würde ich sagen. Hat so einen schönen Schimmer, ein bisschen geheimnisvoll. Und ganz intensive schöne Citrusnoten, zu Orange und ich würde sogar sagen, Orangenblüte, also ziemlich viel Florales auch mit dabei. Ja und so andere Citrusfrüchte, auch so ein bisschen Limette, ein bisschen Mandarine, ein bisschen, ja, fast Pomelo oder so, also ganz interessant, so ganz viele verschiedene Aromen. Dann kommt auch die Vanille so ein bisschen an der Seite hoch, auch sehr schön. Ja, also gut, probieren wir mal. Ja, sehr voll, sehr vollmundig, schönes volles Mundgefühl. Eine sehr angenehme Süße, die sich so durchzieht. So ein bisschen Honig, aber ganz fein, also nicht so impertinent, wie das auch sein kann. Viel Frucht, die sich auch von vorn bis hinten so durchzieht. Also auch da würde ich sagen, so Orangenblütenhonig, das ist irgendwie so ein bisschen, zieht sich da so durch. Und auch so ein bisschen, wenn man Jasminblüten denkt so, solche floralen Geschichten sind mit dabei. Und dann kommen hinten auch noch so Tropenfruchtaromen, also so ein bisschen Mango, ein bisschen Papaya. Wahnsinn, also das habt ihr ja nicht zugegeben oder, das ist Zufall oder Absicht?

Lukas: Nee, richtig. Also beziehungsweise in dem Fall dadurch, dass es ja ein Milk-Shake-IPA ist, tut der Hopfen so sein Übriges.

Markus: Ach, stimmt, der ist ja auch noch da, ja.

Lukas: Genau, genau, richtig, der ist auch noch da. Aber im Prinzip so, wenn ich im Prinzip als Zuhörer dir zuhöre, wie du die Biere beschreibst, dann ist es genau das, was wir im Hintergrund hatten, also das Milk-Shake-IPA tatsächlich eher sommerlich angehaucht und die gleichen Zutaten dann im Stout eignen sich durchaus als Wintermodell. Und dementsprechend dominieren auch unterschiedliche Abschnitte dieser Extrazutaten dann jeweils da drin.

Markus: Und ich finde, es hat auch einen gewissen Anklang an das SOPHIA. Also so, wenn man sich den Safran geistig ein bisschen wegdenkt, so dieses drum rum, der Körper, die Vanille, das erinnert mich auch ein bisschen da dran. Also vielleicht liege ich da auch falsch, aber es geht mir ein bisschen so.

Lukas: Nee, da liegst du sehr richtig, weil die Basisrezepte so ein bisschen aufeinander aufbauen. Also wen wir einfach uns die Chronologie angucken, dann kommt das PIVO vor dem SOPHIA. Und im Prinzip die Lehren, die wir aber aus dem PIVO gezogen haben, haben wir vielleicht noch im SOPHIA dann angepasst. Aber grade, wenn es um den Einsatz von Vanille geht oder auch Laktose oder wie wir das Basisbier aufbauen, die sind natürlich schon sehr, sehr ähnlich. Einfach auch deswegen, weil diese Zutaten ja nur die Basis bilden sollen und dementsprechend brauchen wir da nicht so großartig dran herumspielen und ein komplett anderes Bier zu machen.

Markus: Also auf jeden Fall auch ein sehr, sehr schönes Bier und vom Alkohol ja nicht ganz bei 10%, eher so bei 7, das ist auch ganz gut so. Aber auch gefährlich, also das trinkt sich auch sehr schön, kann ich mir grad im Sommer total gut vorstellen. Könnte ich mir auch vorstellen, dass man es mal ganz anders serviert, vielleicht in so einem Sektglas, ein bisschen kühler, zu irgendeinem Empfang oder so, würde auch funktionieren.

Lukas: Auf jeden Fall.

Markus: Also sehr, sehr schöne Geschichte. Jetzt hast du grade beim letzten Bier gesagt, ihr habt früher mal bei BRLO gebraut. Das heißt, wo braut ihr denn jetzt?

Lukas: Aktuell sind wir bei der Wittorfer Brauerei in Neumünster. Und das funktioniert sehr, sehr gut mit Henning und seinem Team, die lieben es. Sagen sie zumindest, vielleicht lügen sie auch, ich weiß es nicht, aber sie lieben es zumindest, wenn ich mit neuen Rezepten um die Ecke komme. Die haben auf jeden Fall sehr, sehr viel Spaß da drüben.

Markus: Es kommt vielleicht drauf an, was du wieder an neuen Zutaten mitbringst. Also vielleicht gibt es ja welche, die dann vielleicht auch für die Brauerei doch eine Herausforderung sein können.

Lukas: Ja, auf jeden Fall, also die Tomaten-Gose war definitiv sowas. Da hat mich der Hennig auch direkt nach der Abfüllung angerufen, meinte, er hat noch nie sowas getrunken, super abgefahren, super lecker, aber es wird nie wieder gebraut werden, weil das Abfüllen so eine Scheiße gewesen sein soll. Da muss ich noch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten. Das Problem ist nämlich, das dieses TOMATO BASIL bei so vielen Leuten Anklang findet, das wir eigentlich nicht darauf verzichten wollen.

Markus: Das heißt, du arbeitest jetzt grade dran, ihn zu überzeugen, dass er das dann vielleicht doch noch ändert?

Lukas: Ja, ja, auf jeden Fall. Man muss dazu sagen und das ist auch tatsächlich so eine große Herausforderung für uns, egal ob wir erst mit einem Modellstoffsystem arbeiten oder tatsächlich auch im 20-Liter-Maßstab Biere brauen. Und dann versuchen, die Rezepte upzuscalen, also für den großen Maßstab umzuformen, dass im Prinzip alles, was im kleinen Maßstab funktioniert oder angewendet werden kann, nicht unbedingt auch für den größeren Maßstab gilt. Und dementsprechend müssen wir durchaus auch mal Zutaten in anderen, ja, Formen zugeben. Sei das in dem Fall jetzt, wenn man die Tomaten sich anguckt, dass das Tomatenmark werden muss und keine Tomaten aus der Dose oder das wir im Prinzip die Orangenzeste anders zugeben müssen. Und, genau, es ist immer sehr, sehr spannend, am Ende des Tages ist nicht umsonst das Upscaling selber eine Ingenieursschiene an sich, weil das nicht ganz so einfach ist. Und genau deswegen haben zum Beispiel auch größere Brauereien wie, ich glaube, Dogfish aus den USA eine Pilotanlage, die im Prinzip die größere Anlage in den gleichen Dimensionen widerspiegelt im Prinzip, um das Problem ausschließen zu können.

Markus: Jetzt hast du sehr clever dieses Tomatenbier doch im Podcast untergebracht, finde ich aber auch klasse. Und ich will auch nochmal sagen, also obwohl ich es selber als persönlicher Mensch nicht besonders gut fand, einfach weil ich den Geschmack nicht mag, finde ich es großartig, dass es so ein Bier gibt. Und ich fand es auch großartig, dass die Aromen, die da drin sein sollten, nämlich Tomate und Basilikum und eben dieses Sauerbier drum rum, dass das auch alles da war. Also insofern, Hennig, falls du zuhörst, meine Stimme hätte dieses Bier, das es nochmal gebraut werden darf, vielleicht findet ihr einen Weg, wäre auf jeden Fall eine großartige Geschichte. Also ich finde, das sind auch so Sachen, die muss man auch einfach mal machen und probieren. Und am Ende des Tages sieht man ja, entweder Leute mögen es, dann macht man es mehr oder Leute mögen es halt nicht, dann macht man halt was anderes. Das ist ja das Schöne in einer Brauerei, das du ja nicht festgenagelt bist, immer dasselbe machen zu müssen. Und auf der anderen Seite, wenn es dein Laden ist, dass du halt auch mal sagen kannst, ich mache das jetzt und völlig egal, was da vielleicht der ein oder andere denkt. Das hat ja auch was mit Selbstbewusstsein zu tun und ich glaube, das ist auch so ein bisschen dein Selbstverständnis oder?

Lukas: Ja, definitiv. Also zum einen wollte ich dem Tomatenbier jetzt gar nicht so die große Bühne geben, das Problem ist leider nur, dass man an diesem Bier und auch an dem Rezept in der Produktion, relativ viele Sachen erklären kann, weil es ein extremes ist. Aber, genau, wir sind immer mit dem Gusto angetreten, dass wir uns nicht reinreden lassen werden und das wir genau erst mal nur das machen wollen, worauf wir wirklich Bock haben. Am Ende des Tages ist es auch einfach so, das, wenn wir uns für eine Thematik nicht begeistern können, dann wird auch das Endprodukt nicht gut. Und dementsprechend müssen uns die Leute, und das machen sie auch, in der Hinsicht vertrauen, dass wir wissen, was wir machen, egal welche Kreation da irgendwie als Nächstes auf die zurollt.

Markus: Ja und wenn du wir sagst, dann seid es ja ihr beide und ihr habt euch quasi mitten in der Pandemie dazu entschlossen, diese Brauerei aufzumachen, da gehört ja auch was dazu. Wie ist das denn so gereift in euch?

Lukas: Ja, die Pläne existierten schon länger und wir haben immer geguckt. Und, ja, Sophia musste mich überreden, dass ich zumindest erst mal den Bachelor bis dahin fertigmache und den Abschluss in der Tasche habe und während es Masters das dann im Prinzip durchsetzen kann. Und wir haben uns dann irgendwie gesagt, als Corona aufgeploppt ist, okay, wann sonst? Also ich meine, es kann immer irgendwas passieren, wir müssen es jetzt probieren. Corona hat uns auch relativ viele Optionen weggenommen, das kann gut, das kann schlecht sein. Zum Beispiel wollten wir eigentlich erst den Weg über so eine Gasthausbrauerei oder in den Brewpub gehen. Das Ganze hat sich natürlich dann sofort erledigt, als wir wussten, okay, die ganze Gastronomie ist erst mal lahmgelegt, sodass wir im Prinzip gezwungen waren, auch so kleine, ja, handfreundliche Gebinde abzufüllen. Und wir dachten, ja, gut, wir befinden uns am absoluten Tiefpunkt grade weltwirtschaftlich, was soll passieren? Und dass das nicht der Tiefpunkt war, das wissen wir mittlerweile auch alle, aber es ist auf jeden Fall nicht die falsche Entscheidung gewesen.

Markus: Nee und ich finde, es ist, glaube ich, auch ganz gut, dass ihr nicht diesen Brewpub zuerst umgesetzt habt. Weil, da kommen dann einfach noch so viele andere Sachen mit rein, die, glaube ich, dann eventuell so eine Linie wieder ganz schön verwässern. So konntet ihr ja wirklich oder kannst du auch in dem Bereich, was das Bier angeht, wirklich sehr, sehr klar deine Linien durchziehen, ohne dass du eben von irgendwelchen Sachen gezwungen wirst oder eingeschränkt wirst, die sich halt daraus ergeben, dass man diesen Laden hat, also das ist schon sicherlich gut. Wie ist denn das bei der Wittorfer Brauerei, was ist das für eine Brauanlage, ist die eher neu und ist die eher groß oder wie muss man sich das vorstellen?

Lukas: Ja, genau, die haben im Prinzip jetzt neulich erst aufgestockt, ich glaube, Anfang diesen Jahres oder letzten Jahres, auf ein 20-Hektoliter-Sudwerk. Vorher hatten sie, ich glaube, ein 5-Hektoliter-Sudwerk, das kennen wir nicht mehr, wir kennen nur das Neue. Und dann bietet uns Hennig im Prinzip an, dass wir ab 10 Hektoliter Chargen brauen. Und, ja, die Ausstattung ist super modern, er hat ja so einen kleinen 2-Mann-Dosenfüller. Mit das beste Modell, um die Biere auch wirklich sauerstofffrei oder zumindest sehr, sehr sauerstoffarm abfüllen zu können und das war uns generell sehr, sehr wichtig. Deswegen sind wir alt auch so ein bisschen auf unseren Produktionsort beschränkt. Weil, die Brauerei muss einen Dosenfüller haben und dann muss er natürlich auch noch unsere Maßstäbe irgendwie ein bisschen fitten. Das bringt uns nichts, wenn wir bei der OeTTINGER-Brauerei produzieren, die einen Dosenfüller mit 60.000 Dosen die Stunde haben, das muss alles im Maßstab bleiben. Und dementsprechend sind wir irgendwann mal auf Hennig zugekommen und das muss ich auch ganz klar betonen, als Wanderbrauer ist der persönliche Kontakt mit der anderen Brauerei sowas von entscheidend. Und da kann ich auf jeden Fall nur den Hut vor Henning, Kevin & Co, es ist einfach ein klasse Umfeld, in dem wir uns da bewegen.

Markus: Ja, auf jeden Fall, es sind ganz, ganz liebe Jungs. Also eifrige Podcast-Hörer haben ja vor einigen Wochen schon unseren Live-Podcast gehört, den wir aus Neumünster gemacht haben, wo der Henning auch dabei war, wo wir schon ein bisschen erzählt haben. Und wir werden ihn sicherlich auch demnächst noch im BierTalk selber haben. Also das ist, ja, er ist ein ganz lieber Mensch, der sich auch einfach sehr kümmert und auch dadurch, Gott sei Dank, auch viel Erfolg hat und auch viele andere Brauereien, die bei ihm auch ihre Biere machen lassen, das ist schön. Ich habe mir jetzt grade geistig vorgestellt, wo du das erzählt hast, wie dieses Telefonat ablaufen würde, wenn du bei OeTTINGER anrufst und einfach sagen würdest, ich hätte gerne in eurem Maßstab die Tomaten-Basilikum-Gose gebraut. Mich hätte interessiert, wie die da drauf reagieren. Und wenn man dann mal anfangen würde, das wirklich zu planen, da kommen dann ein paar Lastwägen mit Tomatenmark irgendwie oder so und dann kommt eine halbe Gärtnerei mit Basilikum. Also ich glaube, die würden das am Ende des Tages wahrscheinlich nicht machen oder?

Lukas: Ja, also man würde natürlich irgendwie sagen, das Geld die Welt regiert. Ich habe aber die Vermutung, ich kenne ja die Belegschaft zum Teil, dass allein die sich schon querstellen würde. Also das die sagt, ej, hau ab, also du kannst mich mal. Vorher quittiere ich meinen Job, bevor ich hier die Tomaten irgendwo reinwerfe. Aber ich sehe keine Chance, ja.

Markus: Weil, das wäre auch der maximale Anschlag auf die Brauerei, glaube ich. Weil, das dann danach wieder umzurüsten auf Pils und Helles ist auch nicht einfach, glaube ich. Naja, egal, auf jeden Fall eine schöne Vorstellung. Mal schauen, vielleicht, wenn ich mal jemanden von da treffe, frage ich mal, wie das so wäre? Egal, ja, jetzt haben wir noch drei Bierchen für uns stehen, ich habe ganz vergessen, wer dran ist, sich eins auszusuchen. Zwei sind ja Knowledge Is Power, die müssen wir wahrscheinlich wieder zusammen machen und dann haben wir noch das Take It Easy, was machen wir denn?

Lukas: Wir machen erst die Knowledge-Power-Serie, weil das Take It Easy so ein bisschen auf diesem Ansatz des Knowledges Power #2 aufbaut.

Markus: Okay. So und bei dem Knowledge Is Power bin ich jetzt auch ein bisschen verwirrt. Also hier auch wieder ein weiß und eins schwarz, auf beiden steht aber 2.

Lukas: Ja, Gastronomen hassen diesen Trick, genau wie bei dem PIVO. Ich weiß nicht, wie viele Anrufe ich schon bekommen habe, wie bescheuert wir denn sein müssen, dass wir zwei Biere identisch nennen. Aber das sind auch wir und zwar haben wir uns gesagt, okay, Wissen ist Macht und wir möchten die Leute mal mit auf diese Reise nehmen. Es gibt ja unterschiedlichste theoretische Ansätze, wie man im Prinzip Biere weiterentwickeln kann vom Geschmack her, von der Geschmacksstabilität. Und manche sind im Prinzip schon so salonfähig, dass wir uns gewundert haben, warum es dazu noch keine weiterführenden, ja, Praxisversuche gibt. Und wir haben uns einfach gesagt, okay, wir machen das mal, aber wir möchten den Leuten auch dementsprechend, weil das immer nur kleine Unterschiede sein werden, auch das Referenzbier mit an die Hand geben. Das heißt, also die weiße Dose beim Knowledge Is Power ist immer das Referenzbier und die blaue Dose ist immer das Bier, im Prinzip wird die Batch gesplittet nach dem Brautag und wird um eine Zutat meistens ergänzt. Und in dem Fall, beim Knowledge Is Power #2 ist zum Ende der Gärung noch eine Weinhefe da mit zugekommen.

Markus: Ah, also das heißt, wir haben grundsätzlich ein IPA und einmal mit und einmal ohne Weinhefe sozusagen.

Lukas: Genau.

Markus: Okay. Dann würde ich ja fast vermuten, wir müssen mit der Weißen anfangen oder?

Lukas: Ja.

Markus: Ja, also gut, dann machen wir das. So. Oh, die raucht sogar ein bisschen, diese Dose. Trinkst du auch so oft so viele Biere so schnell?

Lukas: Ja, das hat dann wahrscheinlich weniger mit Verkosten zu tun. Also gut, wenn wir nur immer ein halbes Bier trinken, ja. Aber ich muss zugeben, obwohl ich immer der Erste bin, der sagt, okay, Bier ist Genussmittel, ich trinke relativ schnell. Also ich kann auch schnell genießen, so ist es nicht.

Markus: Ja, na, das kann ich total nachvollziehen. Es gibt ja auch bei uns eine fränkische Trinkgeschwindigkeit, die kann man dann zur Not immer an den Tag legen, wenn die Gläser leer werden müssen, dann geht das schon auch mal. Aber das stimmt natürlich, ich finde, man muss immer beides haben, es geht darum, verantwortlich damit umzugehen und eben auch den Genuss in den Vordergrund zu stellen. Es gibt aber auch mal eine Situation, wo man einfach gerne mal ein Bier trinkt und das ist auch okay, also insofern, alles gut.

Lukas: Ja, definitiv.

Markus: Hier jetzt ein richtig schönes helles Bier. Also das ist jetzt so richtig schön hell golden, strahlt mich wieder an, hat wieder so einen leichten schönen Schimmer. Auch hier wieder schöner Schaum, wunderbar, schön weiß, feinporig, steht. Und, ja, das ist jetzt vom Geruch her eindeutig ein IPA. Also sehr schöne fruchtige, ein bisschen so Pinienbaum-, harzige Noten. Aber es hat schon so ein bisschen weinige Anklänge, also obwohl da ja keine Weinhefe drin ist, sagt du, ne?

Lukas: Genau, genau.

Markus: Und, ja, so ein bisschen Tropenfrüchte, ein bisschen Mango, ein bisschen Maracuja auch. Für mich stehen diese Tannenzapfen so ein bisschen im Vordergrund oder Fichten, wie auch immer. Ja, schön, also interessanter Geruch auf jeden Fall, sehr komplex. Und, ja, wie gesagt, ich kann mich dem nicht erwehren, so eine leichte Weinnote hat es auf jeden Fall.

Lukas: Ja, ich liebe es, dir immer zuzuhören und dann am Ende des Tages aufzuklären auf jeden Fall, das macht mir sehr, sehr viel Spaß und bestätigt im Prinzip auch genau die Intention, die wir damit hatten. Und in dem Fall ist schon als Hopfen selber mit drin Nelson Savaun.

Markus: Ah, okay.

Lukas: Und Nelson Savaun ist dafür bekannt, dieses leicht Stachelbeerige, ja, Traubenhafte schon mit reinzubringen. Wir haben natürlich damit gespielt auch, genau. Und die Basis ist im Prinzip ja ein West Coast ähnliches IPA, also relativ trocken gehalten. Da gehe ich auch später gerne noch drauf ein, warum wir das so gemacht haben. Und, ja, Nelson Savaun spielt halt mit in dieses Weinhefending mit rein und abgesehen davon ist es auch einfach ein geiler Hopfen.

Markus: Nein, das jetzt, wo du es sagst, also ich schwöre, ich habe vorher nicht drauf geguckt, weil auf der Dose ist das so klein, in meinem Alter kann ich das gar nicht lesen. Aber ist natürlich eine schöne Koinzidenz, wunderbar. Also ich finde auch, ich habe mittlerweile einen Schluck genommen, das ist Wahnsinn, wie hochvergoren das ist, also wie schön fein auch das Ganze. Und hinten raus, dann merkt man auch eine ordentliche Bittere, die ist sehr, sehr schön, sehr präsent auch. Ja, auch die alkoholische Note ist ordentlich da, also darf es auch sein bei 7,5. Und schön ist, dass diese Fruchtigkeit trotzdem immer da ist und auch da bleibt und am Schluss noch da ist. Also man hat immer dieses kleine Paket aus Mango und Maracuja, was immer noch so mit rumspielt und auch dabei ist. Und Stachelbeere ist auch ein guter Punkt. Ich weiß nicht, ob ich da drauf gekommen wäre, wenn du es nicht gesagt hättest, aber wo du es gesagt hast, ist es jetzt auf jeden Fall da. Hat auch was damit zu tun, also das kann ich ja auch allen nur empfehlen, es ist ja grad Sommerzeit und meine Freundin schreibt mir auf den Zettel zum Einkaufen immer einfach nur, ich soll ihr Beeren mitbringen, weil sie gerne sich halt so ein Müslifrühstück macht mit irgendwelchen Beeren. Und bei ihr ist im Kopf, na, da gibt es halt dann Himbeeren und Erdbeeren und sowas. Und ich kaufe dann halt auch mal Stachelbeeren zum Beispiel oder Johannisbeeren aller Art oder was weiß ich was, was es halt grade so gibt, um einfach auch mal diese anderen Aromen wieder sich reinzuziehen, wieder zu memorieren, damit einfach nochmal zu arbeiten, damit man das nicht vergisst und das man einfach die Vielfalt weiterhin präsent hat. Und vielleicht hat es auch was damit zu tun, das ich erst Stachelbeeren im Frühstück hatte. Also auf jeden Fall, nein, sehr schön, mit gefällt dieses Hochvergorene, das hat ja auch so einen Anklang an was Weiniges, fast schon Sektiges irgendwie.

Lukas: Ja, ja.

Markus: Ein sehr nobles Bier, finde ich.

Lukas: Genau, auf jeden Fall, das war auch so die Intention. Deswegen, auch wenn das Bier im Prinzip ohne Experimentalhefe ist, sind da selbst auch schon zwei Hefen drin, also wir lieben es tatsächlich, mit den Hefen zu experimentieren. Und unter anderen wurde das Bier oder Knowledge Is Power #2 als Gesamtes auch mit der WB-3470, also mit der untergärigen oder kasachischen untergärigen Pilshefe vergoren, deswegen auch dieser hohe Endvergärungsgrad so ein bisschen zu erklären ist. Also ich glaube, der liegt bei fast 85 % scheinbarer Endvergärung. Das ist schon sehr, sehr hoch für Biere solcher Art.

Markus: Hast du jetzt wirklich gesagt, wir haben hier die untergärige Hefe, die das vergoren hat? Krass.

Lukas: Ja, ja, also Combo. Das ist so ein Mix aus S-04 und WB-3470. Wir scheuen uns im Prinzip nicht, unter- und obergärig zusammenzuwerfen, das funktioniert erstaunlicherweise sehr gut.

Markus: Ja. Na, ist ja historisch auch völlig richtig. Also das ist, glaube ich, auch vielen nicht so bewusst. Und in letzter Zeit habe ich immer wieder Diskussionen, grade mit amerikanischen Bierfreunden, also ohne denen zu nahetreten zu wollen, aber die sind immer sehr strikt, also was die Bierstildefinitionen angeht und was Zutaten und so weiter angeht. Und dann muss ich denen halt immer erklären, okay, aber eigentlich gab es zuerst Bier und dann hat irgendjemand dem Ganzen so Bierstile drüber gestülpt. Und das ist auch alles erst in einer Zeit passiert, als wir modernes Brauen hatten und moderne Verfahren und all das. Und wenn wir überlegen, wie so ein Bier im 19. Jahrhundert ausgesehen hat, da gab es das einfach nicht, dass man sagt, wir geben jetzt hier ober- oder untergärige Hefe dazu, das waren immer Mischgärungen. Und man hat halt mit der Temperatur so ein bisschen gesteuert, wo die Reise halt hingeht und dementsprechend ist das einfach ganz normal. Aber da kann man manchmal Stunden diskutieren und es kommt dann doch nix dabei raus. Ja, ich glaube, viele von denen werden halt einfach mit diesen BCJP-Homebrew-Richtlinien groß und verinnerlichen die dann wie so eine Bibel. Und das ist dann interessanter Weise, obwohl es ja eigentlich um Kreativität geht und darum, auch Grenzen bewusst zu überschreiten, ist da dann trotzdem sehr viel Striktheit irgendwie da und da diskutiert man echt oft ganz schön lange rum, muss man sagen.

Lukas: Ja, definitiv. Das ist auch eine Sache, die wir gelernt haben in unseren ersten zwei Jahren jetzt, dass wir eigentlich nicht nach Subkategorie brauen. Also schreiben wir auf unsere ganzen Dosen auch eigentlich immer nur IPA drauf, egal ob es jetzt New England Style ist oder West Coast Style oder sonst was, weil wir uns eigentlich diesen Grenzen auch nicht untersetzen wollen. Aber wie du auch schon angesprochen hast, es ist teilweise relativ mühselig, den Leuten dann erklären zu wollen, dass es eigentlich völlig egal ist, sondern man im Prinzip als Brauer dann sich auch so ein bisschen ausleben will und nicht nur nach diesen Styleguidelines lebt. Wobei ich natürlich auch verstehe, das man das versucht irgendwie zu kategorisieren, grade wenn es darum geht, okay, das Bier zu bewerten nach gewissen Stilkriterien oder sowas. Es ist tatsächlich eine sehr, sehr schwierige Thematik, aber ich finde es sehr, sehr witzig und sehr schön auf jeden Fall, dass du durchaus auch deine Erfahrungen damit schon gemacht hast.

Markus: Ja, ja. Na, ich finde halt, es gibt diese beiden unterschiedlichen Fälle, also entweder, man macht einfach ein Bier und man genießt ein Bier, verkostet ein Bier, dann brauche ich eigentlich keine Styleguidlines. Oder ich bin bei einem Bierwettbewerb, die Biere werden unter einer Richtlinie eingereicht und von dem Brauer auch in irgendeine Kategorie reingesteckt. Und dann muss man ja Juror irgendeine Richtschnur haben, nach der man dann diese Biere auch beurteilt. Das ist ja wichtig, ohne ein Koordinatensystem kann man das ja nicht verorten. Also dementsprechend, das ist dann natürlich so und dann ist es auch so, dass natürlich ein Bier, was dann dem nicht entspricht, was der Styleguide sagt, für den Wettbewerb auch kein gutes Bier. Was aber nicht heißt, dass es nicht in der Welt ein gutes Bier sein kann. Und das ist, glaube ich, so der Punkt, dass das mittlerweile gerne mal vermischt wird. Und zum Beispiel dem normalen fränkischen Brauer hier auf dem Land, dem ist völlig scheiß egal, was für ein Bierstil da draufsteht. Der macht sein Bier, seit 100en von Jahren macht die Familie ihr Bier und das macht er halt. Und er schreibt halt irgendwas drauf, Vollbier, Lager irgendwas, was er halt schon immer drauf geschrieben hat, aber dem ist völlig egal, was irgendein Amerikaner unter diesem Bierstil versteht. Und das ist auch völlig egal, solange dieses Bier nicht bei einem Bierwettbewerb ist. Und diese Diskussion ist halt, wie gesagt, immer ganz interessant. Naja, will ich gar nicht so tief einsteigen, aber es ist auf jeden Fall spannend, sagen wir mal so. So, also, jetzt haben wir diese nichtweinige, aber doch weinige Variante probiert, jetzt müssen wir eigentlich auf die dunkle Seite gehen.

Lukas: Definitiv.

Markus: So, also, wir arbeiten uns voran, eine Stunde und zehn und wir haben schon sechs Biere, sehr gut.

Lukas: Ein gutes Tempo, würde ich sagen.

Markus: Ja, es läuft. So, also die Farbe ist ähnlich, würde ich sagen, ja, also ich habe es jetzt nicht mehr ganz genau im Kopf, wie das vorher war. Das ist auch wieder sehr strahlend, sehr hellgelb, goldgelb, hell goldgelb. Der Schaum ist wieder sehr, sehr stabil, sehr dicht, das ist auf jeden Fall sehr, sehr ähnlich. Ah, ja und in der Nase, in der Tat hat man jetzt ein bisschen mehr diesen, ich würde fast sagen, eher so auch Sekt-, Champagner-Charakter. Also sehr frisch, sehr viel Kohlensäure, noch mehr von diesen weinigen Noten, okay. Weniger von diesen ganzen harzigen Aromen und dafür mehr so Orange, mehr so Citrus auch mit dabei. Und die Beeren, also Stachelbeere, in der Tat, ist wieder da, aber ich würde auch fast sagen, so ein bisschen Richtung Johannisbeere und so ein bisschen gewürzige Noten sind auch dabei. Also sehr komplex wieder, mal ein Schlückchen nehmen. Das ist aber interessant, also das kommt mir jetzt ein bisschen süßer vor, ein bisschen mehr Körper. Tolles Mundgefühl und da kommt jetzt auch wieder relativ viel von diesen ganzen tropischen Früchten und auch wieder Stachelbeere, in der Tat. Heute ist irgendwie der Tag der Stachelbeere. Sehr schön und es bleibt sehr lange. Also das gefällt mir auch gut. Was sagst du?

Lukas: Mich freut es einfach nur, wieder dich zu hören. Weil, ich meine, hätte ich mir vorher aufgeschrieben im Prinzip und in einem Brief und zugemacht, was ich von den Bieren hören möchte, dann ist genau das auch bei rumgekommen, was rumkommen soll.

Markus: Ah.

Lukas: Und dementsprechend bin ich tatsächlich sehr, sehr fasziniert, dass das hier in unserem, ja, Mini-Tasting, ohne irgendwelche großartige Information tatsächlich auch durchaus bei dir so ankommt. Also sowohl dieses, ja, harzig Piniege so ein bisschen weg ist, dass man gegebenenfalls auch ein bisschen tropisch fruchtiger unterwegs ist. Und vor allem auch ganz entscheidend, im Geschmack auch eine gewisse Süße dazu empfindet. Dass diese Weinnoten irgendwo intensiviert werden, ist klar. Die Weinhefe ist ja bei einem scheinbaren Endvergärungsgrad von 50 oder 45 % dazugegeben. Die hat durchaus noch einen gewissen Einfluss auch auf die Gesamtaromatik des Bieres und ist einfach sehr impulsiv in ihrem Ausdruck. Aber auch im Prinzip das, was wir mit diesem Bier erreichen wollten. Also wenn wir dieses Knowledge-Power-Serie uns angucken, das ist jetzt Edition 2, Edition 1 gab es ja auch schon als IPA, ist tatsächlich eine Idee, den sofortigen Eindruck dieser Biere zu verändern. Und auf der anderen, jetzt natürlich schwer nachzuvollziehen, weil es so eine Momentaufnahme ist, vor allem die Geschmacksstabilität dieser Biere, grade bei den IPAs, so ein bisschen zu erhöhen und länger hinauszuzögern. Und dementsprechend, diese Weinhefe hat metabolische Eigenschaften, die besitzt Enzyme, die eine normale Bierhefe nicht besitzt, wenn man jetzt mal die Brett außen vor nimmt. Gut, das ist auch keine typische Bierhefe. Und die Weinhefe, die normalerweise Anwendung zum Beispiel in neuseeländischen Sauvignon-Blanc-Weinen findet, kann im Prinzip Thiole befreien. Und das sind, ja, schwefelhaltige Alkohole, die ein SH-Ende im Prinzip haben und die haben den Vorteil, dass der Geruchsschwellenwert sehr, sehr gering ist. Also wir reden hier von wenigen Nanogramm pro Liter. Und das sind im Prinzip diese Aromen, je nachdem welches Thiole sich dann grade anguckt, die entweder von Johannisbeere oder wenn dieser Geruch von Johannisbeere zu intensiv wird, vielleicht sogar Richtung Katzenurin geht oder auf der anderen Seite halt auch Rhabarber, Stachelbeere, Passionsfrucht. Und dementsprechend wollten wir gucken, okay, wie verhält sich das und vor allem auch über die Dauer und das Alter des Bieres.

Markus: Also das finde ich jetzt wirklich ganz spannend. Und wo du sagst Rhabarber, ist auch noch so eine Geruchskomponente, die ist auf jeden Fall da, sehr interessant. Und zwar, ich hatte gestern erst eine Rhabarberschorle, deswegen habe ich jetzt grade nochmal geistig runter skaliert. Und das ist in der Tat so, wenn ich ein bisschen weniger im Glas habe und jetzt nochmal so eine frische Nase nehme, dann ist das wirklich dieser Geruch. Toll, also das finde ich faszinierend. Ist ja auch eine ganz neue Spielwiese jetzt mit diesen Hefen und was man da so alles machen kann, nochmal eine weitere Stufe mit Bier und den Bieraromen letzten Endes umzugehen, ne.

Lukas: Auf jeden Fall. Also vor allem bin ich deswegen auch sehr, sehr zuversichtlich, weil es am Ende des Tages vielleicht auch um Ressourcenschonung geht. Also wenn man sich vorstellt, man hat irgendwie ein stark gehopftes IPA und hat enorme Produktverluste einfach durch den Hopfen, der nachträglich mit rein kommt und man kann diese Aromen aber gegebenenfalls durch die Hefe auch noch besser auswaschen aus den Produkten. Also diese Thiole als Precusor, die wir nicht wahrnehmen, sind sowohl im Hopfen als auch im Malz vorhanden. Und wenn wir da im Prinzip jetzt noch weitere Wege finden, das zu intensivieren, dann können wir natürlich umgekehrt auch zum einen, ja, müssen wir weniger Hopfen verwenden. Und das bedeutet natürlich auch, dass diese extrem teuren Produkte hoffentlich auf Dauer gesehen etwas günstiger werden können.

Markus: Ja und ich muss sagen, was mir jetzt auch so auffällt ist, wir haben jetzt einige IPAs getrunken und die waren alle durch die Bank, also, klar, IPAs, keine Frage, aber alle nicht so vordergründig hopfengetrieben wie man das normalerweise von IPAs erwarten würde. Sondern da waren durch die besonderen Zutaten oder hier durch die besonderen Hefen jeweils ganz, ganz viele andere Aromen im Spiel, die diesen Bierstil nochmal ganz, ganz viel dazugegeben haben und es trotzdem spannend und interessant machen. Aber eben ganz anders, als wenn ich jetzt, sagen wir mal, zehn klassische hopfengestopfte IPAs, die ich sonst so auf dem Markt bekommen würde, denen gegenüberstellen würde. Das finde ich ganz interessant, das ist eine neue Dimension von IPA, die man da feststellen kann, finde ich.

Lukas: Ja, auf jeden Fall ist das auch das Ziel. Also ich meine, wir haben Hopfen, klar, es kommen immer neue Sorten, langsam so ein bisschen ausgereizt, was wir damit machen können. Also früher, da braucht man gar nicht lange zurückgucken, vor fünf Jahren hätten wir wahrscheinlich Knoblauch und Zwiebel noch als Fehlaroma identifiziert und mittlerweile erwartet man das teilweise in den ganz jungen frischen IPAs. Einfach weil die Konzentration oder die Menge, die wir an Hopfen rein schmeißen, so enorm ist und auf der anderen Seite werden die Biere dadurch weniger, ja, unterschiedlich. Und das ist auch definitiv Philosophie von uns, von Liquid Story, das wir halt auch versuchen, unsere eigene Signatur irgendwo zu finden. Wir lieben natürlich auch diese klassischen New England IPAs, gar keine Frage, aber wir möchten natürlich auch irgendwo unsere eigene Geschichte schreiben und uns nicht nur irgendwo anreihen.

Markus: Und wie funktioniert das, wenn man keine eigene Brauerei jetzt hat, wenn ich mit all diesen Rohstoffen, mit den Hefen, mit dem Stopfen, mit so vielen verschiedenen Malzen spielen will? Habt ihr da irgendwo ein Zwischenlager oder hast du da in Wittorf so einen extra Container, wo das alles drin ist oder wie funktioniert das?

Lukas: Also, genau, also grade, wenn es um die Hefen geht, die kann man relativ gut lagern. Da braucht man auch gar nicht so viel Platz, also die bestellen wir meistens nach Braunschweig. Hier haben wir auch ein großes Kühlhaus, da könnten wir im Prinzip auch eine Menge unterbringen auf jeden Fall zu unseren ganz normalen Bieren, die da stehen. Und auf der anderen Seite ist es auch alles eine Sache der Kommunikation. Also man weiß ja im Prinzip, was wann gebraut wird gegebenenfalls und dann kauft man tatsächlich brauspezifisch ein, seien das jetzt Reisflocken, sei das Dinkel, Malz oder irgendwelche bestimmten Hefen, bestimmten Hopfensorten. Wir haben tatsächlich auch einfach noch gar nicht die Größe vom, ja, Ausstoß her, dass wir irgendwelche Contracts haben im Hopfen-Game und da im Prinzip an die Mengen gebunden sind, sondern wir kaufen tatsächlich für jeden Brauvorgang spezifisch ein.

Markus: Also so ein bisschen just-in-time-Produktion, könnte man sich das vorstellen?

Lukas: Auf jeden Fall. Also wenn es später besser läuft, das ist leider auch, sage ich mal, ein Nachteil, dadurch, dass wir das nur im Nebenerwerb machen und auch sonst irgendwie hier Vollzeit irgendwo unterwegs sind noch parallel, das man tatsächlich eher in so einer, ja, Art und Weise immer reagieren muss auf das, was vor einem liegt. Also man arbeitet eher die Deadlines ab, als das man wirklich Jahre vorausplanen kann. Ich hoffe, da kommen wir dann irgendwann hin, wenn sich das alles auch ein bisschen beruhigt und wir etablierter sind, das würden wir schon gerne machen. Aber am Ende des Tages ist es auf jeden Fall so, dass wir wenige Sude vorausplanen und dann dementsprechend das organisieren.

Markus: Jetzt hast du ja schon so ein bisschen von der Zukunftsmusik gesprochen. Wie ist es denn aktuell, also ist es schon ein Unternehmen, wo du sagen kannst, ihr beide könntet damit schon überleben oder ist es momentan noch auf diesem Schritt dahin?

Lukas: Ja, wir sind froh, wenn das Unternehmen für sich alleine erst mal überleben kann. Das wird auf jeden Fall noch ein bisschen dauern. Wir haben es einfach jetzt grade auch mit den, ja, mit der Weltwirtschaft so zu tun, dass wir erst mal versuchen, dass Unternehmen an sich zu stabilisieren und uns erst mal da rausnehmen. Man muss natürlich auch dazu immer sagen, dieses, ja, first to market ist ganz, ganz entscheidend. Und wenn wir uns da jetzt zum Beispiel Fürst Wiacek, Sudden Death Brewing oder Frau Gruber angucken, die waren nun mal einfach auch drei, vier Jahre früher als wir am Start, wo gegebenenfalls auch diese, ja, ich nenne es jetzt einfach mal diese 6-Euro-Dosen grade erst im Kommen waren. Wir sind jetzt die dritte oder vierte Generation vielleicht von dieser Art von Brauern und müssen auch erst mal unseren Platz finden. Und es ist ganz, ganz entscheidend am Ende des Tages, dass wir auch, ja, damit leben können, nicht aus monetärer Sicht, sondern was die Arbeit und den Einsatz irgendwie darbietet. Und wir sind auf jeden Fall zuversichtlich, dass es in Zukunft der Fall sein wird, aber wir können im Prinzip auch nicht irgendwie in den Spiegel gucken und sagen, hej, in zwei Jahren ist das so und so, sondern das lassen wir auf uns zukommen.

Markus: Ja, ihr seid auf jeden Fall auf einem guten Weg und ich glaube, das ist auch eine Chance. Also weil, also auf der einen Seite, klar, also das waren nun mal die Ersten, die damit so rausgegangen sind. Aber auf der anderen Seite gehen mir da Gespräche durch den Kopf, die ich hatte, als ich mal wieder mit meinen Berliner Braufreunden gesprochen hab. Und ich glaube, das war 2012 oder irgend sowas, wo ich mein erstes Berliner Brauereienbuch geschrieben habe und da waren halt so Leute wie Hops & Barley und der Thorsten Schoppe und so, das waren halt alles so die Leute der ersten Stunde. Und als ich dann die neue Auflage gemacht hab und habe dann da auch mit eben so Bierleuten gesprochen, die ich dann so getroffen hab bei verschiedenen Brauereien, dann wussten die teilweise gar nicht, wer Hops & Barley ist und andere haben halt gesagt, naja, das sind halt diese Alten, die waren halt früher schon da, das ist ja langweilig. Und auch, wenn man mit dem Philipp dann spricht, dann sagt der das auch, dass er das total schade findet, dass er mittlerweile von der Wahrnehmung her eher so ein Dino ist, also obwohl es ihn ja grade mal 15 Jahre gibt oder 10. Aber dass die Leute einfach dadurch, dass das sich so schnell dreht und das die Szene sich so schnell verändert und es schon wieder neue Leute einfach sind, dass dadurch tatsächlich wieder andere in den Fokus rücken. Und ich glaube, das ist auch eine Chance, also grade für Leute wie euch auch, sich da zu positionieren und so bestimmte Themen auch zu besetzen, weil ihr ja jetzt auch nichts kopiert. Also das finde ich ja auch großartig, es war jetzt kein Bier dabei, wo man sagen kann, das ist so wie, irgendwas, was man halt so, so wie das IPA von denen. Also wenn wir jetzt 25 New England IPAs getrunken hätten, halt mal mit den Hopfen oder mit den Hopfen oder so, da hat man da gewisse Parallelitäten, aber hier ist ja wirklich immer eine sehr individuelle Note dabei. Und ich glaube, das ist auch was, was die Leute dann schätzen und was sie sich auch merken. Also wo man dann auch sagt, okay, da komme ich wieder, das sind Leute, an die kann ich mich erinnern. Das ist ja dann auch eine schöne und wichtige Sache. Gibt es denn so eine Art Fanclub?

Lukas: Ja, auf jeden Fall. Also egal was mit Liquid Story irgendwann mal passieren wollte, woran es auf jeden Fall nicht gelegen hat, ist der Support, den wir von den Leuten um uns herum auf jeden Fall erfahren. Und damit meine ich nicht nur den regionalen Support, also in Braunschweig, sondern wirklich tatsächlich deutschlandweit und über die Grenzen hinaus, wenn wir in Antwerpen irgendwie auf einem Bierfest waren oder in Bozen auch. Und ich meine, das ist tatsächlich auch einer dieser Punkte, die so uns immer wieder motivieren auch, ja, diesen Vollzeitjob im Nebenerwerb irgendwo durchzuführen. Das man also im Prinzip immer wieder zu hören bekommt von wegen, das finden wir so klasse, was ihr macht und das treibt uns auf jeden Fall auch an. Deswegen, da ist auch, ich möchte es nicht Fanclub nennen, sondern eher also Teil des Liquid-Story-Seins. Also wir wollen die Leute ja mit auf diese Geschmacksreise nehmen und wir freuen uns natürlich, wenn die Leute, ja, einfach mit einsteigen und sich treiben lassen.

Markus: Also Vollzeitjob im Nebenerwerb ist ein gutes Stichwort. Was sagen denn da deine Eltern dazu?

Lukas: Die unterstützen mich mit jeder Minute und jeder Idee, die sie auf jeden Fall haben. Also das ist, ja, die sagen, okay, er hat es durchgezogen, er macht es. So wie wir ihn kennen, immer mit dem Kopf durch die Wand, bloß nicht auf irgendjemanden hören oder irgendwie zurückstecken. Und, ja, am Ende des Tages ist es try and error und das wissen die auch alle. Und dementsprechend bin ich natürlich auch umso glücklicher, dass auch vor allem das familiäre Umfeld, wo Sophia natürlich dann auch durch ihren Arbeitseinsatz die Pfeilspitze bildet, so hinter mir steht. Also die würden uns niemals hängenlassen, egal ob das irgendwo mal schnell aushelfen ist, weil eine Person auf einem Bierfest fehlt oder sonst mal hier mit einem Festivalstand aufbauen oder sowas, das ist ein unglaublicher Support.

Markus: Ja, nee, das ist ganz, ganz viel wert. Also ich erinnere mich grade an so Leute wie den David Hertl oder auch den Markus Hope oder sowas. Als ich die zum ersten Mal bei irgendwelchen Festivals gesehen habe, da war immer die ganze Familie am Start, Mutter, Schwester, Vater, wer auch immer, wer zwei Beine hatte und irgendwie helfen konnte, bis zur Oma, war irgendwie mit dabei. Und das ist letzten Endes auch was, was natürlich dann viel wert ist, grade in diesen Anfangstagen, weil man halt jede Hand gebrauchen kann manchmal und dann ist das ja auch ganz gut so. So, Take It Easy.

Lukas: Jawohl.

Markus: Wir haben noch ein Bier, wunderbar. Also für alle, die jetzt immer noch dabei sind, wie gesagt, ihr könnt über den Online-Shop auch die Biere bestellen. Und Take It Easy gibt es schon länger oder?

Lukas: Nee, ist unser letztes Release gewesen.

Markus: Oh! Okay.

Lukas: Anfang Juni kam es raus.

Markus: Spannend, okay. Ich habe gedacht, also es schaut für mich oder hat für mich zuerst so gewirkt wie so ein Evergreen. Vielleicht weil es so grün ist, kann auch sein. Aber egal, also auf jeden Fall spannend, bin ich mal gespannt, machen wir das mal auf. Da müssen wir jetzt nicht mehr auswählen, wir haben ja nur noch eins.

Lukas: Genau.

Markus: Uih! Also Farbe auch wieder sehr schön, helles Goldgelb, schöne Kohlensäurefäden, die sich hier durchziehen. Übrigens, wer das hört, das ist mein Hund, der ist heute irgendwie ein bisschen unausgelastet, aber das gehört manchmal auch dazu. Ja, ein wunderbarer Schaum, der auch wieder steht. Also das ist auf jeden Fall grandios schon mal vom Ausschauen her. Und von der Nase her, jetzt sind wir sehr fruchtig unterwegs, würde ich sagen. Also da, hm, ist gar nicht so einfach, also auf jeden Fall Mango, Maracuja, ein bisschen sowas Bananiges auch interessanterweise, ein bisschen rote Beeren. Also ziemlich viele sehr verschiedene Fruchtaromen, das wundert mich jetzt so ein bisschen, aber spannend auf jeden Fall. Auch ein bisschen eine weinige Note, ein bisschen eine sehr feine schöne Kohlensäurenote auch dabei. Ja, interessant, das erinnert mich fast ein bisschen an unser Knowledge Is Power grade. Und eine tolle Mischung, also aus Citrusfrüchten, roten Beeren, bis hin zur Erdbeere sogar, dann eben Tropenfrüchte, bis hin zur Banane. Das hat man eigentlich selten bei so IPAs. Und am Ende auch eine kleine Honignote mit dabei, also sehr interessant. Bis hin zu fast auch so einer, wie soll man sagen, so im positiven Sinne so eine Teenote, also was sehr Florales irgendwie auch noch. Interessant, also sehr komplex. Gut, probieren wir mal ein bisschen. Setzt sich fort, spannend. Also auch wieder eher schlank, sehr nobel, weinig, fast so ein bisschen Champagner-mäßig. Sehr schön diese Fruchtnoten, da kommt dann sogar Apfel und Birne ein bisschen mit ins Spiel. Also im positiven Sinne würde ich einen Obstsalat, durch den man durchreist. Zwar einer, der vielleicht schon einen Tag länger gestanden ist, wo man auch noch Rosinen mit rein hat und vielleicht ein paar kleine Abriebchen von Schokolade und ein paar Nüsse und ein bisschen Honig. Also sehr interessant, es ist unheimlich komplex, was da alles mit dabei ist. Spannend! Also von wegen Take It Easy, würde ich jetzt mal eher nicht so sagen, also, wie gesagt, im positiven Sinn, da ist echt viel, was man so entdecken kann. Was steckt dahinter, da bin ich jetzt echt mal gespannt.

Lukas: Ja, deine Nase ist echt unfassbar gut, muss man dazu sagen, ich bin sehr, sehr beeindruckt.

Markus: Oh, danke.

Lukas: Ja! Und zwar, Take It Easy, der Name einfach schon deswegen, weil wir dieses Mal im Prinzip ein sommerliches IPA brauen wollten. Normalerweise, unsere IPAs, die machen wir gerne mal ein bisschen bitterer. Also das heißt, eine ordentliche Whirlpool-Hopfung kommt in den meisten Fällen tatsächlich auch immer dazu, die natürlich eine gewisse Bittere noch mit ins Bier reinbringt neben dem Kaltstopfen. Und in dem Fall haben wir, ja, die Whirlpool-Hopfung auf ein Minimum runter gedreht, haben tatsächlich mit einer Maischehopfung gearbeitet und fast ausschließlich kaltgestopft, einfach um die Bittere ein bisschen zu zügeln und das Bier, ja, doch besser trinkbar zu machen. Und dann auch wie im Prinzip bei den Vorgänger, und deswegen sage ich auch, okay, das baut auf den Knowledges Power #2 auf. Ist tatsächlich auch, dass es im Prinzip wieder ein Ansatz ist, okay, was können wir mit den Hefen erreichen? Deswegen ist auch wieder unter anderem diese Weinhefe mit drin.

Markus: Ah, okay.

Lukas: In dem Fall tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt dazugegeben im Prinzip, damit diese Weinaromatik nicht so ganz so dolle dominiert. Aber auf der anderen Seite haben wir es mit insgesamt vier Hefestämmen zu tun, die alle unterschiedliche Eigenschaften mit in das Bier bringen sollen. Und zum Beispiel, deswegen finde ich das mit der Banane so lustig, ich glaube, da sind insgesamt drei Päckchen, also das ist wirklich wenig, drei Päckchen a 11 Gramm von der WB-06 Fermentis mit drin, also von der Weizenhefe.

Markus: Okay. Okay, spannend!

Lukas: Einfach, um im Prinzip noch eine neue Dimension da zu schaffen. Und ich finde es umso faszinierender, dass du direkt mit der Banane um die Ecke kommst, weil die auf jeden Fall auch da ist, genau. Und wir wollten im Prinzip die volle Bandbreite, okay, welche Hefen haben wir, welche Merkmale besitzen diese Hefen? Und wie bringen wir das so zusammen, dass dieses Getränk an Komplexität dadurch gewinnt, ohne im Prinzip zu aufdringlich zu sein?

Markus: Woah! Also das haut mich jetzt um, da habe ich nicht damit gerechnet, dass man bei so einem Juicy IPA grade mit den Hefen spielt. Aber das macht es natürlich dann, das erklärt dann auch ein bisschen, wo dann diese ganzen Aromen herkommen. Und natürlich wollen die Hefen alle fressen, deswegen sind wir dann auch so hoch in der Endvergärung. Das ist natürlich sehr, sehr spannend, woah! Wie kommt man denn auf die Idee?

Lukas: Ja, keine Ahnung.

Markus: Okay.

Lukas: Irgendwie das Thema hier, man muss ja dazu sagen, also das hört sich jetzt so an, als wären wir schon voll am Ende der Fahnenstange mit unserem Wissen und sowas, aber am Ende des Tages wissen wir eigentlich noch überhaupt nichts. Wir sind nur mutig genug, die Sachen auch auszuprobieren und anzugehen. Weil Fakt ist für uns, wir wollen uns immer weiterentwickeln. Und für uns heißt weiterentwickeln nicht, dass wir die doppelte Menge immer an Hopfen rein schmeißen, sondern wir gucken, okay, wie können wir wirklich den nächsten Schritt gehen der Innovation? Und da sind die Hefen noch völlig unterrepräsentiert, unserer Meinung nach.

Markus: Ich finde, daran merkt man auch, dass es euch noch nicht solange gibt, weil ihr praktisch auf all den Experimenten aufbaut, die die Leute gemacht haben, die schon vorher da waren. Also ich glaube, vorher haben ganz viele Leute eben mit ganz vielen Hopfen experimentiert und was weiß ich was und der Ansatz ist ja jetzt nochmal völlig anders, dass man sagt, okay, diese Klaviatur mit dem Hopfen, das kennt man. Da gibt es auch spannende Sachen, keine Fragen. Aber, wir setzen da jetzt noch einen drauf und spielen dann eben ganz intensiv mit diesem Hefeklavier. Und da ist natürlich, wie du sagst, ich glaube, da ist das Ende der Fahnenstange noch lange, lange nicht erreicht. Und es gibt ja auch noch ganz, ganz viele Hefen, die entweder grade erst entdeckt sind oder noch unentdeckt sind aller Wahrscheinlichkeit nach und da gibt es natürlich auch viel Potenzial für Aromen und für Biere und für Getränke überhaupt aller Art. Aber das ist wirklich, das haut mich jetzt ein bisschen um, das ist echt spannend, da mit vier Hefen zu arbeiten, dass die auch alle vier irgendwie es schaffen, sich da irgendwie einzubringen und das man trotzdem noch ein schönes IPA hat, was den Namen auch verdient. Das ist echt toll!! Das trinkt sich auch schön. Also wie ist da so das Feedback, wenn es noch gar nicht solange draußen ist, was sagen da die Leute?

Lukas: Tatsächlich sehr, sehr gut, also, genau, das, was du im Prinzip auch angemerkt hast. Vielleicht kam mal zurück von wegen, okay, das ist mir fast ein bisschen zu Hefe-lastig für so ein IPA. Aber auch das ist wieder völlig in Ordnung. Weil, am Ende des Tages wollen wir eben auch die Diskussion anregen und die Leute sollen sich damit auseinandersetzen, mit der Thematik und das durchaus diskutieren. Aber im Grunde grade auch, weil das einfach so sommerlich angehaucht ist, auch grade, was die Bittere und sowas angeht und, ja, die Trinkfähigkeit. Ja, das Feedback selber ist immer natürlich gut. Man muss natürlich auch dazu sagen, vielleicht gibt es negatives Feedback, was nur nicht an uns herankommt, das kann natürlich auch sein, aber wir können nichts Schlechtes berichten.

Markus: Ja, also ein gutes Beispiel, finde ich, dafür ist immer die Schneeeule, also wenn man dann die Ulrike so immer mal auf Facebook auch verfolgt. Und da gibt es ja dann Leute, die wirklich sich dann diese Berliner Weissen nehmen und dann das verkosten eben bei Untapped oder irgendwie sowas und dann halt so Verkostungsnotizen schreiben wie, oh Gott, das Bier ist sauer oder, das schmeckt ja nach Apfel oder was weiß ich was. Also wo man halt weiß, okay, das gehört einfach zu diesem Bierstil, aber Leute haben das schlicht und einfach nicht verstanden. Also ich glaube, denen passiert es relativ häufig, dass sie da so negatives Feedback bekommen, das einfach nur darauf basiert, dass jemand überhaupt nicht nachvollziehen kann, was die da tun. Insofern ist es ja eigentlich schön, wenn bei euch die Leute, also ihr die eher mitnehmen könnt und ihr dann praktisch mit denen diese IPA-Reise einfach ein bisschen weitergeht, als sie vorher vielleicht schon auch gegangen sind. Und das ist ja auch interessant, also war auch in Amerika zum Beispiel eine Diskussion jetzt beim World Beer Cup. Da gibt es ja jetzt gefühlt 150 IPA-Kategorien und irgendwann ist auch die Frage, ist dann irgendwann Mal das Ende dieser Fahnenstange erreicht? Und man hat tatsächlich auch gemerkt, dass da viel Ähnliches und Gleiches dabei ist. Aber dieser Level, jetzt zu sagen, wir nehmen diesen Bierstil und experimentieren da einfach weiter und gehen jetzt eben zum Beispiel mit der Hefe mal noch ganz andere Wege, da war noch relativ wenig zu spüren. Also da bin ich mal gespannt, das wird sicherlich ein Thema in der Zukunft werden, auch für andere Bierstile vielleicht. Aber insbesondere da, weil natürlich, aktuell zumindest, es auch noch so ist, wo IPA draufsteht, das verkauft sich schon mal gut. Einfach weil das für viele Leute ein klangvoller Bierstil ist, wo sie sagen, da kaufen sie gerne und da sind sie auch bereit, mal andere Aromen, andere Dinge zu akzeptieren und das ist schon schön. Also an der Stelle mal wirklich auch nochmal ein Kompliment, gefällt mir echt gut, war eine tolle Reise, die wir da so unternommen haben in den letzten Anderthalbstunden. Vielleicht noch so als abschließende Frage, wie geht es denn weiter mit euch, was sind denn so konkrete Pläne? Wo kann man euch vielleicht so, weil, der Podcast wird wahrscheinlich erst im September ausgestrahlt, kann man euch so noch im Laufe des Jahres erleben oder auch schon nächstes Jahr, wenn ihr das wisst? Und was kann man vielleicht noch erwarten an Weihnachtseditionen oder kann man irgendwas vorbestellen, wie kann man euch unterstützen, das wäre vielleicht auch noch interessant.

Lukas: Ja, also biertechnisch möchte ich noch gar nicht so viel verraten. Das hängt aber auch einfach damit zusammen, dass ich gerne mal jemand bin, der auf den letzten Drücker irgendwas umwirft und ich will jetzt keine Versprechungen geben, die ich am Ende des Tages nicht einhalten kann. September, ja, schwierig, wir sind im September in Bayreuth bei Maisel & Friend. Mal gucken, wann der Podcast rauskommt, dass es auch rechtzeitig ist. Ansonsten haben wir, ja, ein kleines Event wahrscheinlich noch im November in Braunschweig. Aber auch, auf jeden Fall werden wir nächstes Jahr wieder in Bozen vertreten sein, denke ich, einfach weil uns der Ort und die Leute auch so gefallen, und das im Prinzip immer auch als kleines Urlaubsdomizil wahrnehmen und oder aber auch die Bierköste in Neumünster. Nichtsdestotrotz, konkrete Pläne haben wir schon einige und das bezieht sich vor allem natürlich irgendwie auf so eine eigene Location oder sowas. Das ist aktuell nicht ganz einfach, sei es entweder aus der Betrachtungsweise mit Krediten oder aber auch, die passende Immobilie zu finden. Wir möchten einfach auch, dass die Leute irgendwie einen festen Bezugspunkt zu uns haben. Das ist als Wanderbrauer wahrscheinlich nicht ganz so einfach immer nachzuvollziehen, dass die Leute im Prinzip einen Bezugspunkt brauchen. Aber das haben wir jetzt schon öfters gehört und das würden wir uns auch sehr, sehr gern wünschen, dass man da irgendwie eine kleine Bar oder so einen Tabroom aufziehen kann, das haben wir auf jeden Fall im Hinterkopf. Aber die Zukunft wird zeigen, inwieweit das realistisch zeitnah umzusetzen ist.

Markus: Und wäre das dann in Braunschweig oder irgendwo anders?

Lukas: Ja, vorerst ja, denke ich mal, obwohl mich natürlich auch andere Städte reizen, nicht nur auf Deutschland bezogen. Fakt ist nun mal aber auch, dadurch, dass ich gebürtiger Braunschweiger bin und Sophia wirklich seid, ja, knapp 12 Jahren hier lebt, das wir den Markt kennen, wir wissen, wie die Braunschweiger ticken, wir wissen, wo die Immobilie sein muss, wie die aussehen muss, welches Drumherum wir da haben wollen. Und dementsprechend, ja, ohne zu weit vorwegzugehen, sollte man mehrere Locations haben, ist Braunschweig auf jeden Fall der Startschuss.

Markus: Okay, also dafür wünschen wir euch auf jeden Fall schon mal ganz viel Erfolg und werden auf jeden Fall den Weg weiter beobachten. Vielleicht haben wir auch demnächst nochmal eine zweite Session mit neuen Bieren, können wir ja mal schauen, wann es wieder entsprechend was gibt.

Lukas: Na klar!

Markus: Und natürlich, also auch generell an alle Hörer wie immer der Hinweis, also Bozen nächstes Jahr, das sollte ein Pflichtbesuch sein. Und da ist es ja umso schöner, wenn man euch da auch wieder sieht. Also, ja, von meiner Seite aus vielen, vielen Dank, das war ein ganz toller Einblick in eure Welt, die wirklich eine andere ist und eine besondere ist und vor allem eine sehr selbstbestimmte ist. Und das gefällt mir ganz besonders gut, dass ihr euch da auslebt und dass du da auch wirklich mit all den Dingen arbeitest, die die Natur so hergibt. Und das finde ich ganz großartig und das zeigt auch, was für ein Potenzial Bier alles hat. Also auch an dieser Stelle in der Beziehung mal ein großes Dankeschön! Und, ja, dir heute noch einen schönen Abend, viel ist ja nicht mehr von übrig, aber zumindest hast du jetzt schon mal genügend Biere, die du heute noch trinken kannst und dann bis bald auf jeden Fall auch wieder persönlich.

Lukas: Ja, auf jeden Fall, da freuen wir uns drauf. Und vielen Dank, dass wir die Gelegenheit bekommen haben, mit dir über unser Lieblingsthema so philosophieren zu können, das hat mir auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und ich hoffe, den Hörern gefällt es auch oder hat es gefallen, wenn ihr das hört, seit ihr am Ende. Und, genau, besucht uns, wir freuen uns immer.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

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