BierTalk Spezial 27 – Interview mit Jonas Kohberger von der Nevada Cervecería aus Kolumbien

Oberhalb der ersten kolonialen Stadt Südamerikas, Santa Marta. Die Hafenstadt an der Karibik ist ein beliebtes Ausflugsziel für Kolumbianer und Touristen. Auf einer Anhöhe im Hinterland liegt Kolumbiens älteste Kaffeeplantage, wo im November 2014 der gebürtige Teisendorfer Jonas Kohberger ankam, um eine Brauerei aufzubauen. Als gelernter Brauer und Mälzer hatte der heute 32jährige damals schon einige Erfahrung in Kanada und Indien sammeln können, lebte sich schnell ein, lernte eine Frau kennen und beschloss, dass er auch nach den ursprünglich geplanten vier Monaten hier bleiben würde. Mittlerweile ist er Teilhaber der Brauerei und baut sich selbst mit einem nachhaltigen Konzept eine eigene Landwirtschaft auf. Aktuell braut er vier Biere, Happy Nebbi, Happy Tukán, Happy Coca und Happy Colibrí. Im BierTalk erzählt er seine Geschichte und verkostet eines seiner Biere mit uns. Leider war die Verbindungsqualität ins kolumbianische Hochland eher schlecht, deswegen müsst Ihr vielleicht bei manchen Sätzen zweimal hinhören, aber es lohnt sich…

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Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute mal wieder mit einer weiten Reise, quasi fast um die halbe Welt, Richtung Südamerika. Und dort haben wir den Jonas Kohberger, der in letzter Zeit auch schon in der Zeitung ein paar Mal war hier in Deutschland, weil er eben in Kolumbien bei einer Brauerei arbeitet. Heute haben wir ihn hier bei uns. Erstmal hallo, lieber Jonas! Vielleicht stellst du dich noch mal kurz den Hörern vor, damit sie besser wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Jonas Kohberger: Guten Morgen, Markus! Ja, ich bin der Jonas Kohberger, ich komme aus Teisendorf, gelernter Brauer und Mälzer. Ich bin seit 2014 hier in Kolumbien, habe die Nevada Cerveceria aufgebaut und bin hier quasi der Braumeister, Mitbesitzer von der Brauerei.

Markus: Quasi eben schon so eine kleine Karriere hingelegt. Vielleicht mal ganz kurz vorneweg: Wie kamst du überhaupt zum Thema Bier? Hast du schon als kleiner Junge gesagt, ich will das machen, oder wie ging das?

Jonas Kohberger: Mit 14 in der Schule habe ich ein Praktikum gemacht. Das habe ich bei Paulaner in München gemacht. Und dann war für mich klar, dass ich Brauer werde, weil ein Brauer macht halt viel, das ist ein sehr facettenreicher Beruf. Man hat Mechanik mit dabei, Mikrobiologie, die Physik, die Chemie, Elektrik, alles ist da mit dabei.

Markus: Das heißt, das hast du dann irgendwann deinen Eltern erzählt „Mein Beruf ist jetzt Brauer“ und hast dann losgelegt?

Jonas Kohberger: Meine Familie von der Mutter, die kommen von der Mosel, die Großeltern. Und die Großeltern, die hatten Weinberge und eine Winzerei, also war das kein Thema.

Markus: Ja, spannend! Dann hast du die Ausbildung gemacht und nach der Ausbildung ging’s dann gleich in eine Brauerei oder bist du dann schon in Richtung Ausland gegangen? Wie waren da so deine Gedanken?

Jonas Kohberger: Nach der Ausbildung habe ich bei Doemens die Braumeisterschule angefangen und nach drei Monaten, vier Monaten habe ich mir gesagt „Du bist noch jung, breche das ab und gehe ins Ausland, sehe die Welt, habe Spaß.“ und da bin ich nach Kanada und habe da in einer Brauerei gearbeitet, Craft-Brauerei mit 10.000 Hektoliter im Jahr Ausstoß. Haben wir eine Produktionsbrauerei gehabt und ein Sud-(unv. #00:02:16.0#), also (unv. #00:02:18.1#) in der Gasthausbrauerei zu brauen und dann auch in der Produktionsbrauerei brauen und abfüllen und alles. In Kanada war ich vier Jahre und dann habe ich eine E-Mail bekommen aus Indien, ob ich nicht interessiert wäre, in Indien auch eine Gasthausbrauerei aufzubauen.

Markus: Und der Ruf war da sehr verlockend, oder? Allein schon wegen des Klimas.

Jonas Kohberger: Genau. Und dann habe ich in Kanada gekündigt und bin nach Indien.

Markus: Und wie muss man sich das vorstellen, eine Brauerei in Indien? Also ja, vom Klima und von den Leuten und so? Da gibt’s ja auch noch Bundesstaaten mit Prohibition. Wie war das dort?

Jonas Kohberger: Die Brauerei war in Bangalore im Staat Karnataka. Und das war eine der ersten Provinzen, die Braulizenzen ausgegeben haben. Das war 2013. In Mumbai gab’s Lizenzen, dann in Goa gab‘s Lizenzen, in Karnataka und in einem anderen Bundesstaat noch. Also sehr limitiert. Und jetzt ist auch der Bierhub und Indien in Bangalore, weil 2013 gab’s mindestens 7 Gasthausbrauereien allein in Bangalore.

Markus: Und wie war das dort mit der Rohstoffversorgung und so? Musste man alles importieren, oder?

Jonas Kohberger: Musste man alles importieren, haben wir Weyermann Malze importiert und auch dann (unv. #00:03:38.5#) haben wir den Hopfen gekauft, das geht ja auch über Weyermann. Wir haben dann containerweise Malz gekauft.

Markus: Und dann kam irgendwann der Ruf, noch weiter weg, oder?

Jonas Kohberger: Ja. Über einen Bekannten wollte ich dann eigentlich auch nach China zu (unv. #00:03:55.0#). Und da hätte ich einen Job gehabt, aber in China, wenn die jedes Jahr die Sachen ändern. Ein Jahr braucht man das Papier, das andere Jahr braucht man das nicht, braucht man was anderes. Und das war halt sehr kompliziert, um ein Arbeitsvisum zu bekommen. Dann habe ich die Chance gehabt, hier nach (unv. #00:04:14.6#) zu gehen für vier Monate und diese Brauerei einzufahren, weil ich immer noch auf das Visum für China gewartet habe. Aber nach den vier Monaten bin ich einfach geblieben, bin als (unv. #00:04:25.9#) in die Brauerei eingestiegen und seitdem bin ich immer noch hier.

Markus: Und wie lange ist das jetzt her, dass du in Kolumbien angekommen bist?

Jonas Kohberger: Im November 2014.

Markus: Also doch schon eine ganz schön lange Zeit. Und hast mittlerweile dort auch eine Familie gegründet, oder?

Jonas Kohberger: Ja, ich habe eine Frau, habe mir jetzt auch ein kleines Stück Land gekauft, zehn Hektar, wo ich jetzt auch ein bisschen Landwirtschaft betreiben werde.

Markus: Wie müssen wir uns das vorstellen jetzt aus einer deutschen Sicht, was ist in Kolumbien anders, was sind da für Herausforderungen im Unterschied jetzt zu dem, was wir hier so kennen?

Jonas Kohberger: Das ist alles ein bisschen lockerer vom Leben her, aber vom Thema Getränkeproduktion ist es ein bisschen schwieriger. Das Gesundheitsamt (unv. #00:05:06.1#) und die wissen halt überhaupt nichts über Bier. Und die tun halt Vorschriften machen wie, eine Brauerei muss (unv. #00:05:13.5#)-Betrieb sein, (unv. #00:05:16.6#) und seit 2018 oder 2019 müssen wir, das heißt auf Spanisch, buenas practicas de manufactura haben. Ach, wie heißt denn das auf Deutsch?

Markus: Sag’s nochmal auf Spanisch, vielleicht verstehe ich es dann?

Jonas Kohberger: Buenas practicas de manufactura.

Markus: Ach so, einfach gute Handwerksverfahren oder so, würde ich sagen.

Jonas Kohberger: Ja genau, genau! So kann man das übersetzen. Und es ist halt eigentlich sehr viel passiert (unv. #00:05:42.8#), macht, aber die schreiben das halt vor, auch wie die Installation sein muss. Das muss alles leicht zu reinigen sein. Holz sollte man nicht benutzen, zum Beispiel für den Dachstuhl, was auch total absurd ist. Wo wir angefangen haben die Straße zu uns, das war quasi eine Schotterpiste und wurde das erste Mal (unv. #00:06:01.8#) 2015 meinten die „Ach, das geht nicht, ihr könnt doch hier die Brauerei nicht haben, weil die Straße ist doch nicht geteert.“. Und da wollten die, dass wir quasi sieben Kilometer die Straße teeren.

Markus: Das ist ja Wahnsinn! Das ist ja auch ein sehr, sehr großes Land. Ich glaube, so vier-, fünfmal so groß wie Deutschland. Wo bist du da so ungefähr, damit wir uns das vorstellen können?

Jonas Kohberger: An der Karibikküste, 20 Kilometer von Santa Marta ist die älteste Stadt von Südamerika, also die erste gegründete Stadt von Südamerika. Christoph Kolumbus ist quasi hier angekommen, weil wir sind hier in der Sierra Nevada de Santa Marta, das höchste Gebirge in der Nähe vom Meer.

Markus: Bist du auf den Spuren von Christoph Kolumbus ein bisschen unterwegs sozusagen. Als du da angekommen bist, war die Brauerei schon da oder hast du die komplett mit neu aufgebaut?

Jonas Kohberger: Komplett aufgebaut. Als ich gekommen bin, war noch nicht mal das (unv. #00:06:55.8#) und das Sudhaus da. Die Brauerei ist eine (unv. #00:06:58.0#) Kapelle. Also habe ich mitgeholfen quasi alles zu renovieren, dann alles zu installieren, Rezepte gemacht, Sude gemacht. Mein erster Flaschenfüller quasi mit (unv. #00:07:09.3#) Gegendruckfüllern auf einem Holzgestell gebaut.

Markus: Kann man von der Kapelle noch was erkennen, dass es mal eine Kapelle war?

Jonas Kohberger: Ja, wir haben immer noch den kleinen Glockenturm mit der Glocke und sogar noch die Jungfrau, Carmen heißt die hier, die Jungfrau Maria oder die Jungfrau Carmen, in der Brauerei.

Markus: Aber du steigst jetzt nicht auf die Kanzel, um das neue Rezept zu verkünden, oder so?

Jonas Kohberger: Nein. Also hier auch im Dorf, das war sehr umstritten, eine Brauerei in einer Kapelle. Und dann, wo man das den Leuten erklärt hat, nein, das hat Tradition, die Mönche haben Bier gemacht, Wein gemacht in der Fastenzeit. Die haben ja auch nur Bier getrunken und (unv. #00:07:49.2#). Und dann, wo man das ihnen erklärt hat, haben sie es dann schon verstanden.

Markus: Und wer war so die Zielgruppe? Also gibt’s da einfach viel Bevölkerung, wo du da jetzt bist, oder gibt’s da viel Tourismus? Oder für wen hat man dieses Bier erstmal, habt ihr dieses Bier überlegt?

Jonas Kohberger: Wir sind hier in einer sehr touristischen Zone, Touristen und auch Kolumbianer. Und vorm Coronavirus, unser Maß war 90 % Touristen, durch den Coronavirus haben wir das umgestellt, haben mehr an die Kolumbianer-Zielgruppe gedacht. Und jetzt verkaufen wir dasselbe, was wir nur den Touristen verkauft haben, (unv. #00:08:23.5#) Kolumbianer. Und der Tourismus, der ist langsam wieder am Kommen. Also erwarten wir da mindestens einen Sprung von 50 %. Haben auch schon während der Pandemie angebaut, um mindestens 10 neue Tanks zu installieren. Vor 2 Monaten haben wir endlich einen halbautomatischen Flaschenfüller bekommen. Ja, es läuft.

Markus: Apropos es läuft, ihr macht Bier und das wäre eigentlich auch ganz cool mal zu wissen, was ihr für Biere macht und vielleicht magst du mal eins mit uns aufmachen und uns ein bisschen beschreiben, was wir da haben?

Jonas Kohberger: Lass mich mal kurz, ich hoffe mal, dass das Internet bis dahin geht. (unv. #00:09:03.2#). Unsere Biere haben Namen von Vögeln und Tieren in der Region, haben eins, das heißt Happy Tukán. Das ist ein Tukan, der Vogel mit dem großen Schnabel. Das ist eigentlich (unv. #00:09:27.9# Red?) Ale, 12 % Plato, 25 Bittereinheiten, schön (unv. #00:09:33.2#) Farbe, schön karamellartig, aber auch sehr trocken. Weil ich habe diese Biere ein bisschen angepasst ans Klima. Weil rauchige Biere am Stand zu trinken bei 35 Grad ist halt nicht so toll. Alle Biere haben den Namen Happy, weil Bier macht dich ja glücklich.

Markus: Auf jeden Fall! In Deutschland dürfte man damit wahrscheinlich nicht werben, aber in Kolumbien geht das bestimmt.

Jonas Kohberger: Haben wir ein (unv. #00:09:58.1#) Pils, das heißt Happy Nebbi. Nebbi ist in der Sprache von den (unv. #00:10:03.3#), von den Eingeborenen hier, Jaguar, also wie die Katze Jaguar. Alle Biere sind unfiltriert, (unv. #00:10:11.3#) eine schöne gelbe Farbe, toller Schaum, aromagehopft mit (unv. #00:10:14.8#) und Spalt, also sehr klassisch.

Markus: Das hast du jetzt gerade im Glas das Pils, oder wie?

Jonas Kohberger: Nein, ich habe unser Pale Ale im Glas. Das ist ein Pale auch hopfengestopft mit (unv. #00:10:25.7#). Und in der (unv. #00:10:28.1#)

Markus: Also erstmal ganz spannend, dass wir zum ersten Mal akustisch live verfolgen konnten, wie so ein Bier aus dem Tank gezwickelt wird. Und das hast du jetzt, ist denn so ein Kokablatt, also das hat bestimmt so die klassischen Ingredienzen, die man so kennt, hat das Auswirkungen, wenn das im Bier drin ist?

Jonas Kohberger: Nein. Weil die Kokapflanze ist ein Tee, das ist wie ein Grüner Tee oder Schwarzer Tee. Das hat auch eigentlich gar nichts mit Kokain zu tun. Das ist zwar der Grundstoff, um Kokain herzustellen, aber die Pflanze an sich ist sehr, sehr weit entfernt von der Droge.

Markus: Und gibt’s in Kolumbien sowas ähnliches wie ein Reinheitsgebot?

Jonas Kohberger: Jain. (unv. #00:11:06.6#) die Gesundheitsbehörde schreibt vor, dass Gerstenmalz genommen werden muss, aber man kann auch verschiedene Additionen machen. Quasi mit Mais oder mit Reis, aber es soll mindestens 50 % Gerstenmalz enthalten sein.

Markus: Ich war schon in Brasilien und in Chile, und dort habe ich auch erlebt, wie gerade mit Früchten oder Kräutern oder sowas sehr viel experimentiert wird. Und es gibt dort auch dieses Chicha-Bier, dieses Urbier sozusagen. Wie ist das in Kolumbien, gab’s da eine Biertradition? Oder war die zwischendurch mal weg oder haben die Spanier eher den Wein dagelassen? Wie war das?

Jonas Kohberger: Die Chicha-Tradition in Kolumbien gibt’s immer noch, Chichas kannst du an jeder Ecke kaufen. 1890, um 1900, sagen wir mal so, hat die Familie Koch die Bavaria Brauerei hier in Kolumbien gegründet. Und die hatten eine ganz große Marketingaktion mit Plakaten und alles „Chicha macht dich krank. Es ist besser, ein gutes Bier zu trinken.“.

Markus: Das ist ja ganz schön krass. Aber wenn wir nochmal kurz bei dem Thema Chicha sind, da gibt’s die unterschiedlichsten Mythen, Sagen, Legenden, wie das hergestellt wird. Davon, dass es Leute eben kauen reihum und dann wieder ausspucken und sowas. Wie ist das in Kolumbien? Wird das auch noch so hergestellt?

Jonas Kohberger: Mit Reinspucken nicht, aber es wird halt einfach, da macht man einen Saft aus verschiedenen Früchten oder auch aus Mais, also nur gemahlener Mais, den tut man (unv. #00:12:27.8#) und dann hat man das Chicha.

Markus: Also auch alkoholisch durchaus eine ordentliche Portion?

Jonas Kohberger: Genau!

Markus: Wie kommen die Leute mit euren Bieren zurecht? Gibt’s da jetzt dann schon richtig Bierfans, die regelmäßig zu euch kommen?

Jonas Kohberger: Ja, seit 2014 hat der Craft-Boom hier in Kolumbien angefangen. Es gibt auch fast in jeder Stadt mindestens eine spezialisierte Craftbier-Bar. (unv. #00:12:49.7#) Leute, die suchen schon unsere Craftbiere oder auch andere Craftbiere, weil das kolumbianische Bier, es gibt eine große Brauerei, die Bavaria, die macht halt quasi alle Biersorten. Das heißt (unv. #00:13:02.9#), das ist sehr vertreten hier an der Küste, der Rest ist auch normal Lager, Lagerbier, 4,5 %. Ein bisschen wässrig und die Leute sind halt einfach gelangweilt von dem Einheitsbrei und die suchen schon was noch anderes.

Markus: Und wie ist es von der wirtschaftlichen Situation hier? Also Venezuela geht’s ja nun gar nicht gut und in anderen Ländern ist es in Südamerika auch gerade nicht so toll. Kriegst du da was mit? Wie ist das in Kolumbien, ist das da stabil?

Jonas Kohberger: Ja, das ist hier eigentlich sehr stabil. Das ist eher ein Aufschwung, weil die neue Generation, sagen wir mal die Millenniums, also quasi meine Generation, die haben schon studiert, haben bessere Jobs, verdienen ein bisschen mehr und gönnen sich halt mehr Sachen. Und das Bier kostet zweimal so viel oder fast dreimal so viel wie das normale nationale Bier, und die Leute doch kaufen schon viel.

Markus: Wie hast du dich mit der Sprache zurechtgefunden? Gleich am Anfang Spanisch gelernt oder kam das so mit der Zeit?

Jonas Kohberger: Als ich angekommen bin, wusste ich genau zwei Wörter, cerveza por favor, bitte ein Bier. Das war das Wichtigste. Ich habe mich mit (unv. #00:14:08.0#) ein bisschen verständigt und so Wörter und Sätze gelernt, und entsprechend fließend Spanisch.

Markus: Ihr seid zusammen mit einer Kaffeeplantage oder Kaffee-Finca oder so, ne?

Jonas Kohberger: Genau! Die Brauerei ist auf der Kaffee-Finca „La Victoria“. Das ist die noch älteste funktionierende Kaffeeplantage in Kolumbien. Die wurde gegründet 1892. Die aktuellen Besitzer sind auch Deutsche. Die haben es übernommen 1960 die Finca. Dadurch, dass wir auf einer Kaffeefinca sind, Kaffeeplantage, machen wir auch jedes Jahr den ersten Kaffee von der Ernte ein Coffee Stout. Das geht sehr gut, weil man hat den frischen und besten Kaffee. Und das (unv. #00:14:53.8#) halt Happy Colibrí. Und wurde von Ray Daniels, einer der besten 10 Biere zum Entdecken auf der Welt gekürt.

Markus: Den Ray kenne ich, der hat auch viele Bücher schon geschrieben. Das ist wirklich spannend, also muss ich unbedingt mal probieren. So ein ganz frisches Coffee Stout ist bestimmt eine ganz besonders spannende Angelegenheit. Ihr habt auch zusammen mit der Kaffeeplantage so ein bisschen das Management für die Überbleibsel vom Brauen, vom Treber. Da habe ich gelesen, es gibt eine große Grube mit Würmern, die das fressen. Stimmt das und wie kam das?

Jonas Kohberger: Ja, wir haben die große Wurmgrube, weil wenn man die Kaffeekirschen erntet, die haben eine rote Schale, und das muss man halt separieren von der Kaffeekirsche und die Schale. Und die Schale, da ist ein Kompost, auch wieder was in die Plantage eingetragen wird und die Würmer helfen halt, einen guten Kompost zu machen. Und deshalb tun wir auch den Treber mit rein, um das Volumen noch mal zu steigern. Und der Treber, der hat ja auch immer noch ein bisschen Restzucker, die Würmer, die sind glücklich.

Markus: Das kann ich mir vorstellen. Ich habe hier auch schon mal ein Bier getrunken, das jemand eben aus dem Fruchtfleisch vom Kaffee gebraut hat. Das fand ich auch spannend. Also hat jetzt nicht nach Kaffee geschmeckt, aber hatte einen sehr interessanten eigenen Geschmack. Hast du sowas auch schon probiert?

Jonas Kohberger: Im Bier noch nicht, aber mit der Schale. Zum Beispiel Starbucks hat vor zwei Jahren groß angefangen mit der Kaffeeschale Pils zu machen.

Markus: Ah, spannend! Das habe ich noch nicht probiert.

Jonas Kohberger: Vielleicht noch eine Frage zu deiner eigenen kleinen Landwirtschaft. Da habe ich gelesen, dass ihr da eine besondere Art von Wirtschaften macht, nämlich die Permakultur. Vielleicht kannst du das mal kurz erklären, was ihr da drunter versteht und wie das funktioniert?

Markus: Alles oder gar nicht. Und die Finca produziert für die Finca. Quasi ich baue Mais an, der Mais ist für die Hühner. Dann haben wir natürlich Eier und dann auch Fleisch, Hühnerfleisch. Und dann der Kot von den Hühnern ist natürlich wieder ein natürlicher Dünger, was dann wieder für die Bäume und Pflanzen und verschiedenen Früchte angebracht wird, quasi ein geschlossener Kreislauf.

Markus: Also ein unglaublich nachhaltiges Konzept. Das finde ich echt toll. Sehr, sehr spannend! Kommst du denn ab und zu mal nach Deutschland zurück? Oder war das jetzt wegen Corona überhaupt möglich?

Jonas Kohberger: Das letzte Mal war ich in Deutschland 2018, schon wieder drei Jahre her.

Markus: Wie habt ihr die Corona-Zeit erlebt bei euch?

Jonas Kohberger: Hier war auch, alles wurde dichtgemacht, alles abgeschottet. Man konnte nur raus, mit der letzten Nummer vom Personalausweis konnte man zweimal die Woche einkaufen gehen. Dadurch, dass wir eigentlich auf einem Berg oben sind, wir sind auf 600 Meter Meereshöhe, hatte man ein bisschen mehr Freiheit. Dadurch, dass ich jetzt das Bier mache, quasi unbeschränkte Freiheit, weil Bier ist quasi ein Lebensmittel. Also die Lebensmittelproduzenten konnten ganz normal arbeiten gehen und ausliefern ohne Restriktionen.

Markus: Okay! Und jetzt ist das Leben aber wieder mehr oder weniger normal?

Jonas Kohberger: Mehr oder weniger. Die Impfung auch wie in Deutschland, es wird halt im Moment sehr viel geimpft. Ich warte jetzt immer noch auf nächsten Monat zum Impfen, weil hier wird das mit dem Alter gemacht, zuerst die Älteren und dann die Jüngeren. Und mittlerweile von 35 Jahren und aufwärts wird geimpft, und ich bin 32 Jahre alt, also muss ich noch ein bisschen warten.

Markus: Ja, dann drücken wir dir ganz fest die Daumen, dass das gutgeht und dass es auch mit der Brauerei weiterhin gutgeht. Ich würde mich freuen, wenn wir ein bisschen in Kontakt bleiben und vielleicht, wenn du dann mal nach Deutschland kommst und ein Bierchen mitbringst, dass wir uns mal sehen. Also vielen Dank auf jeden Fall für deine Zeit, für die Infos. Und heute noch einen schönen weiteren Tag. Du bist ja schon um drei Uhr morgens aufgestanden, können wir uns gar nicht vorstellen wahrscheinlich.

Jonas Kohberger: Eine Sache habe ich auch noch. Wir sind auch mittlerweile mit dabei, eine Craft-Destillerie aufzubauen. Das ist auch ein tolles Projekt, weil Kolumbien hat halt sehr viele Früchte. Und da haben wir vor drei Wochen einen Mango-Schnaps gebrannt, haben auch Calvados mit dem (unv. #00:18:52.6#) von hier, der schmeckt fast wie Calvados, ein neues Abenteuer.

Markus: Das klingt auf jeden Fall nach einem alkoholischen, aber auch nach einem sensorischen aromatischen Abenteuer. Spannend!

Jonas Kohberger: Vielen Dank, Markus! Und wir bleiben in Kontakt. Und wenn ich nach Deutschland komme, treffen wir uns auf ein Bier.

Markus: Und auf ein Schnäpschen. Ha-ha-ha!

Jonas Kohberger: Genau!

Markus: Also bis dann! Danke schön! Ciao!

Jonas Kohberger: Okay! Ciao!

 

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