BierTalk 27 – Interview mit Meinhard Wicht von ProBierKult aus Rüsselsheim

Meinhard Wicht ist nicht nur gestandener Biersommelier, sondern auch gelernter Brauer und eine der Säulen der Deutschen BierAkademie. Kein Wunder, dass Holger ihn sich als Geburtstagsgast bei diesem BierTalk gewünscht hat. Nachdem Meinhard auch ein wahrer Experte in Sachen Foodpairing ist, lüftet er im BierTalk das Geheimnis der Grünen Soße und verkostet unter anderem ein spannendes Bier der kleinen Flügge-Manufaktur aus seiner Heimatregion. Bierkultur im Rhein-Main-Gebiet ist ohne Meinhard Wicht nicht zu denken, und genau das hört Ihr auch in diesem unterhaltsamen Gespräch…

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Holger: Herzlich willkommen und guten Morgen zum 27. BierTalk. Ich habe ein kleines Geheimnis, ich habe nämlich heute Geburtstag. Und deshalb durfte ich mir ein Geschenk machen und da habe ich dann meinen lieben Freund und Biersommelier-Kollegen Meinhard Wicht zum Talk gebeten. Hier ist natürlich wie immer der Holger und der …

Markus: Markus.

Holger: Meinhard, schön, dass du da bist. Guten Morgen! Du bist wirklich mir heute das liebste Geschenk, das muss ich mal vorab sagen. Aber sag doch mal was zu dir.

Meinhard Wicht: Hallo! Vielen Dank für die Einladung und natürlich dir auch einen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Fühl dich gedrückt von allen Seiten, das mit dem Küssen machen wir dann mal später. Hallo, hier ist der Meinhard, Meinhard Wicht. Ich bin diplomierter Biersommelier und so die stille Kraft im Hintergrund bei der BierAkademie. Ich bin Jahrgang 67, glücklich verheiratet, Familienmensch. Und die danach zweitwichtigste Sache in meinem Leben ist einfach Bier.

Holger: Du bist nicht nur diplomierter Biersommelier, sondern du bist auch diplomierter Brauer. Das musst du auch erwähnen.

Meinhard Wicht: Das muss ich auch erwähnen. Ja natürlich, irgendwas hat ja immer eine Vergangenheit. Die Vergangenheit wollte eigentlich in eine ganz andere Richtung. Ich wollte eigentlich Klavier und Gesang, auf Privatschulen Musik studieren. Das hat nicht geklappt. Wie der Zufall so wollte, damals hatte ich schon immer wieder zu Hause Wein gemacht und so bin ich dann irgendwie bei der FH Wiesbaden oder damals FH Wiesbaden auf Weinbau- und Getränketechnologie gekommen. Und hatte während dieser Aufnahmezeremonien für Klavier und Gesang schon den Plan B vorbereitet, wenn das nicht klappt. Und ich bin dann auch kurzerhand da abhandenkommen, bin schließlich nach den Praktikas in Berlin an der TU gelandet und habe dort quasi Brauerei-Technologie studiert und dort auch relativ lange ausgehalten. Ich bin dann von der Technik in den Vertrieb gewechselt und Marketing, habe da diverse Stationen in Deutschland hinter mir und bin seit 2011 dann diplomierter Biersommelier. Und habe mich 2016 mit allem Mut des Jahrgangs dann selbstständig gemacht und lebe jetzt Bier von vorne nach hinten.

Holger: Markus, auch an dich einen herzlichen guten Morgen! Wie geht’s dir denn heute?

Markus: Ach ja, mir geht’s gut. Also erstmal natürlich auch alles Gute zum Geburtstag aus Bamberg von uns allen hier. Die Sonne scheint, das ist schon mal wunderbar. Ihr beide seid da, auch gut. Ich habe ein gutes Bier kaltgestellt. Also insofern geht’s mir richtig gut und ich freue mich natürlich auch, dass wir zu dritt diesen schönen Tag begehen können.

Holger: Apropos Bier kaltgestellt, da kann man doch nur sagen, Meinhard, du bist der Gast, was hast du uns denn heute mitgebracht? Erzähl doch mal!

Meinhard Wicht: Ich habe zwei Biere vorbereitet, einmal was hier aus der unmittelbaren Nachbarschaft, zwei, ja, so ein bisschen unbeugsame Brauer, hören auf den Namen Dominik Pietsch und Joachim Amrhein. Die Brauereimarke heißt Flügge, sprich, eben da geht das Thema des Brands, um das Flüggewerden, ein bisschen anderslaufen, wilde, freie Kreaturen quasi brauen. Ich habe mich heute Morgen für was ganz Schönes entschieden, und zwar für Fränk, ein so genanntes Maracuja Sauer mit zarten 3,5 % Vol., ein klassischer 8,5 Plato Brau. Und ich habe als zweites Bier, ach, das machen wir nachher.

Holger: Genau, das machen wir nachher. Mach mal auf …

Meinhard Wicht: Ja.

Holger: … und beschreib doch mal, was da so reinfließt.

Meinhard Wicht: Wir hören, es ist noch ordentlich Druck auf der Leitung. Wenn man das jetzt so hört, merkt man, dort wird ein feinporiger samtener cremiger weißer Schaum quasi aus der Flasche fließen schön ins Glas hinein. Wir haben eine wirklich strahlendgelbe Maracuja an leuchtender Gebräufarbe, ein superdichter, cremiger Schaum wie so ein Cappuccino im Grunde. Und wenn ich reinrieche, da strömt wirklich ein schöner Fruchttopf von so ein bisschen Aprikose, Maracuja, all diese gelben Früchte tanzen. Und hintenraus liebäugelt sozusagen einfach eine faszinierende Säure und macht einfach jetzt mich schon richtig wässrig im Mund, das dann auch die Lippe zu legen und da mal zu probieren. Ich sag an dieser Stelle einfach mal: Prost! Zum Wohl!

Holger: Zum Wohl!

Markus: Prost!

Markus: Ja, spannend. Schön dir zuzuhören, wie du das beschreibst. Ich kenne das Bier schon auch etwas länger, weil ich in Bayreuth war, da war eine Messe, anlässlich der Home Brew. Da waren viele, viele Brauer eingeladen, unter anderem eben auch Flügge, und die hatten, ich glaube, damals sogar nur dieses eine Bier am Hahn. Das war wirklich total spannend. Also ein sehr erfrischendes, sehr fruchtiges, sehr spannendes Getränk.

Meinhard Wicht: Eine wundersame Harmonie letztlich hier in diesem Bier. Wir reden ja immer von dieser dosierten Balance, und das trifft‘s hier. Ich habe eine schöne Frucht, es wird eben nicht süß, wo immer diese Gefahr beim Brauansatz liegt, dass es einfach zu süß und zu klebrig wird oder vielleicht auch künstlich schmeckt. Hier haben wir einfach mit diesem Maracuja-Püree, das beim Brauen sozusagen dann verwendet wird in der Gärung, einfach eine schöne Balance, und die Säure, also wie bei allen säurebetonten Bieren der Brauerei Flügge, die kitzelt einfach hier schön angenehm und rundet das Ganze wirklich samtig ab. Es ist nichts Adstringierendes dabei, es ist wunderbar trinkbar und es macht eigentlich fast in jeder Lebenslage einfach Spaß. Und hintenraus strömt dann einfach eine wunderbare, fast schon exotisch anmutende Fruchtigkeit einfach. Und verleitet mich einfach, noch einen Schluck zu nehmen. In dem Sinne: Prost!

Markus: Prost! Mach das doch. Ich bin auch grad ein bisschen erinnernd, wir hatten im letzten BierTalk ja den Christof Pilarzyk zu Gast, der in Rödental bei Coburg mittlerweile angekommen ist, aber eigentlich ein Urhesse, und der auch noch Hessisch babbeln kann, wie er uns gesagt und vorgeführt hat, aber mittlerweile sehr zufrieden ist in seinem fränkischen Exil. Du bist aber so ein richtiger Urhesse und bist auch schon immer Rüsselsheim und …

Meinhard Wicht: Ich bin ein Urhesse. Ja, also ich kann das auch wirklich wunderbar, da hessisch babbeln. Ich kann das ein bisschen auf Knopfdruck hin und her switchen. Natürlich, ich bekenne mich daher, daher auch natürlich jetzt hier die Geschichte, wir machen halt bei uns in Südhessen viel Äppler, also den klassischen Apfelwein. Daher komme ich mit allen säurebetonten Bieren relativ gut zurecht. Ich finde das total spannend, welche Kreationen da mit irgendwelchen wilden Hefen Säure bilden, die man früher eigentlich nie in der Brauerei haben wollte nach der altdeutschen klassischen Brauerlehre. Um Gottes willen, ein Brett gehört nicht in die Brauerei, schon gar nicht irgendwo in die Leitungen. Heute hantieren viele, viele Brauer von Nord nach Süd mit diesen wunderbaren Kreationen. Spannende Biere werden auch in der Zukunft, denke ich mir, noch wunderbar da entstehen.

Markus: Hat man da auch so eine Identität? Also ich meine, wir als Franken sind ja da sehr landsmannschaftlich organisiert, die Bayern sowieso, die Ruhrgebietler ja auch. Wie ist das so als Hesse? Hat man das? Ist das ein Lebensgefühl?

Meinhard Wicht: Ja, natürlich. Als Hesse, man unterscheidet schon so, man fühlt sich hessisch, weil man hessisch babbelt. Man unterscheidet so im großen Ganzen so drei hessische Volksstämme sozusagen. Wir haben die Nordhessen, die so ganz weit von uns weg sind, so da oben im Kasseler Raum, also schon fast so eigentlich nicht mehr dazugehörig. Wir haben dann die Südhessen, wo ich mich einfach dazuzähle. Also sprich, so das Rhein-Main-Gebiet, und vielleicht, wenn es genau nimmt, und einen Fluss, der so ein bisschen das Hessenland, das Rhein-Main-Gebiet teilt, den Main nimmt unterhalb des Mainz bis zur baden-württembergischen Grenze. Das ist eigentlich so der Südhesse. Und unsere Identität, ja, letztendlich, wir trinken gerne Apfelwein, wir sind den Weinen sehr aufgeschlossen. Letztlich auch aus der Historie heraus wurde auch schon im historischen Frankfurt viel, viel Wein getrunken. Wir feiern gerne wie viele andere Völker auch. Und Rippchen mit Kraut, typische deftige Hausmannskost, ein Handkäs mit Musik oder eben hier als wunderbare Empfehlung die Musik weggelassen und mit einem Fränk einfach mal den Handkäs angemacht, ist eine wahnsinnig schöne Experience. So lässt es sich dann einfach leben. Wir gehen raus und wir leben auf unseren Plätzen und genießen sozusagen auch wie bei uns hier den Main-Lauf oder verkrümeln uns irgendwo tief in die Wälder und haben Spaß.

Holger: Ich muss sagen, ich bin auch wahnsinnig gerne zum Beispiel in Frankfurt, und habe so den Eindruck, so in dem Städte-Ranking, wo man sagt, Mensch, da fahren wir mal hin und gucken uns die Stadt an und erleben das alles mal, ist Frankfurt, geht das so ein bisschen unter so gegen Berlin und Hamburg und Köln und München und weiß ich nicht, was man da noch alles nennen darf. Aber ich muss sagen, hier, grüne Soße, das ist so ein typisches Frankfurter Gericht, und das ist großartig. Also ich freue mich da immer und habe da auch so meine speziellen Läden dann in Sachsenhausen, wo ich dann dahingehe und mir das immer bestelle. Ich freue mich da immer wie ein Schneekönig, das zu essen. Das finde ich großartig.

Markus: Das gibt’s auch als Bier. Das hast du mir mal mitgegeben, Meinhard.

Meinhard Wicht: Genau. Also der Julian Menner hat das zusammen mit den Jungs von Glaabs eben entwickelt über lange Testreihen. Es gibt ein so genanntes Grüne Soße Bier. Habe ich heute noch nicht frisch bekommen, deswegen habe ich es auch sein gelassen. Eine wahnsinnig spannende Geschichte, wenn plötzlich dann nach dem Eindruck eines bisschen kräftigeren Hell, so diese sieben Kräuter der Grünen Soße quasi mit einfließen und dann den Spannungslauf machen. Also in Käseverkostungen oder auch, wenn du irgendwas mit Kräutersoße gemacht hast, dann sind das so Geschichten, die einfach viel, viel Spaß machen. Ob man vielleicht einen großen Topf davon trinken muss, das muss jeder selbst wissen. Aber so als Ergänzung, als Spielerei, ist das ein schönes, schönes Bier, wo ich einfach sage: Wow! Mal eine wieder schön gewonnene Alternative.

Holger: Du hast es jetzt gerade nur so nebenbei erwähnt, aber ich will es noch mal verstärken. In so einer wirklich richtig echten Grünen Soße muss man auch diese sieben Kräuter quasi verbauen. Wir würden sagen verbrauen. Ich weiß jetzt gar nicht genau, es ist Petersilie und Kerbel und Schnittlauch, das weiß ich noch.

Meinhard Wicht: Pimpernelle.

Holger: Pimpernelle, genau. Und dann ist es Borretsch, oder ich weiß nicht?

Meinhard Wicht: Borretsch. Ja, warte! Wir müssen einfach mal schauen. Da muss ich ganz ehrlich sagen, da werden natürlich jetzt die Ketzer sagen: Okay! Das ist kein Hesse. Aber da man das bei uns sozusagen als fertiges Paket bekommt, macht man sich nicht so sehr viele Gedanken darüber, was da eigentlich drin ist. Man geht da auf den Markt und kauft dann sozusagen die fertige Geschichte und zerhäckselt die dann zu Hause mit einem Wiegemesser sorgsam, dass die ganzen Ingredienzien, die Säfte sozusagen, das Ganze nicht bittermachen. Wir haben Kerbel, wir haben Petersilie, wir haben die Pimpernelle, wir haben Sauerampfer, Schnittlauch, Kresse und Borretsch.

Markus: Das kaufst du praktisch als Kräuterpaket, also du kriegst dann so ein Bündel?

Meinhard Wicht: Ja, das gibt’s dann, sozusagen dann irgendwie vor dem 1. Mai fängt das schon an, ich glaube, sogar schon Ostern, und dann kriegst du von den hessischen Grünämtern, sozusagen einfach die, diese Kräuter anbauen, schon die fertiggepackte Mischung und daraus kannst du dann einfach nach Couleur mit Schmand, Sahne und so weiter dann deine eigene Grüne Soße dazu packen. Du hast ein bisschen Öl, hast noch ein bisschen Senf, Salz, Pfeffer, das Ei gehört auch so mit rein, und dann eben den Schmand und die saure Sahne. Ich persönlich mag‘s ein bisschen fluffiger, ich nehme gerne Kefir oder einen frischen Joghurt, um das Ganze noch so ein bisschen säuerlich zu halten, und noch ein Spritzer Zitrone rein, macht‘s dann. Aber das muss jeder so ein bisschen für sich selbst wissen. Eine supergute Ergänzung für Barbecue, eventuell auch, wenn es sozusagen noch Spargel gibt statt einer zerlassenen Butter oder einer Hollandaise einfach Grüne Soße mit dazu und schon ist das Labmahl aus Goethes Zeiten dann ein wunderbarer Wegbegleiter.

Markus: Da melde ich mich mal an, wenn du wieder in die Richtung hier rollst nach Franken, dann bring doch mal so ein Bündel mit. Das probiere ich aus.

Meinhard Wicht: Gerne.

Holger: Sehr gut. Markus, jetzt kommen wir wieder zurück zum Bier, bevor wir da total absolut …, aber gut, ich bin ja selber schuld, ich hab’s ja sozusagen mit reingebracht. Aber mir schmeckt‘s auch so wahnsinnig gut. Also zurück zum Bier. Ich weiß es nicht, aber es könnte ja durchaus sein, was ist denn bei dir alles verbraut, also welche Malzsorten, welche Hopfensorten, welche Hefen?

Markus: Jetzt wird’s kompliziert. Das steht ja nun nicht wirklich bei jedem Bier drauf, was genau drin ist, aber ich habe mir schon was überlegt, was auch so eine Brücke ein bisschen zu Meinhard schlägt. Aber ich mach’s vielleicht erst mal auf. So, und dann kommt das natürlich jetzt noch ins Glas. Wenn ich schon sage, eine Brücke zum Meinhard, also er hat ja ein Bierchen, wo Maracuja drin ist, Passionsfrucht, und das ist in meinem Bier auch drin. Dazu noch ein bisschen Orange, noch ein bisschen Guave. Das ist ein Bier mit einer ziemlich weiten Reise hinter sich. Ich habe mir gedacht, nachdem der Meinhard ja eine neue Sache erfunden hat, von der er gleich erzählen wird, da benutzt er dieses Bier nämlich auch, habe ich mir gedacht, dann muss ich es doch gleich hier ein bisschen verkosten. So, Meinhard, jetzt müsstest du eigentlich wissen, um welches Bier es sich handelt, oder?

Meinhard Wicht: Naja, ich denke mal, es gibt ein Bier auf Hawaii.

Markus: Richtig. Also wir sind auf Hawaii und haben dort von der Kona Brauerei das Hanalei. Ein Island IPA, was eben bewusst sehr fruchtig ist, mit Passionsfrucht, mit Orangen, mit Guave. Die genauen Hopfensorten und Gerstensorten kann ich dir leider nicht sagen, Holger, aber auf jeden Fall spannend. Erstens, dass es doch Bier auf Hawaii gibt und vor allem dann eben so eins, was so wunderbare fruchtig frische Noten hat. Natürlich kommt die Citrusfrucht rüber, natürlich kommt die Guave schön. Und wenn man das dann trinkt, also eine sehr, sehr schöne Mischung, es ist vom Bier her sehr schlank. Also damit auch sehr schön trinkbar, perfekt jetzt auch für die warmen Sommertage, die uns hoffentlich wieder bevorstehen. Und durch diese intensive fruchtige Note natürlich ganz, ganz spannend. Und erinnert auch ein bisschen an Hawaii, an Urlaub, an Sommer, an frische Früchte, und das, habe ich mir gedacht, ist bestimmt schön für diesen Geburtstagsmorgen so ein buntes Bier zu haben. Also fühl dich mal so Holger, als würde man dir jetzt auch eine Kette um den Hals gehängt haben und dich ein bisschen betanzen.

Holger: Sehr gut, ja, auch die Tänzerinnen, wenn du die auch noch mitschickst, wunderbar. Pass auf! Ich habe jetzt zwei Themen, die müssen wir so hintereinander weg machen. Erstens habe ich mal gehört, das wird gar nicht auf Hawaii gebraut. Stimmt das oder stimmt das nicht?

Meinhard Wicht: Kona hat zwei Braustätten, eine quasi auf Hawaii und die andere irgendwie im Norden von Amerika, um diesen wirklichen Nachfragedruck, glaube ich, auch begegnen zu können.

Markus: Ja, irgendwo bei San Francisco muss das sein, soweit ich weiß.

Meinhard Wicht: Genau. Ja.

Holger: Zweites Thema, das ist jetzt ein bisschen größeres Thema, aber Markus ist jetzt wieder mal selber schuld. Der hat ja gerade gesagt, also ihr könnt ja zurückspulen und euch das nochmal anhören, er hat ja gerade gesagt, also welche Gerstensorten da jetzt drin sind, das kann ich dir nicht sagen. Und danach hatte ich ja gar nicht gefragt, sondern ich hatte gefragt, welche Malzsorten sind da drin? Jetzt muss man dann natürlich auch noch mal beschreiben, was ist eigentlich der Unterschied, warum geht eigentlich das mit der Gerste gar nicht und warum muss man das vermälzen? Weil du es jetzt schon so schön angesprochen hast, Markus, kannst du es ja mal erklären.

Markus: Oi, oi, oi! Na gut. Aber wir sind jetzt aber noch nicht in unserem Online-Sommelier-Kurs, der ja auch demnächst startet. Aber mal ganz kurz erklärt, ist es eben so, dass das Getreide an und für sich, also das Gerstenkorn, ganz viel Stärke in sich trägt. Das ist einfach die Energiepackung, die das Getreide mitbekommt, damit es eben auf seinem Weg zum Korn und später eben auch zum Halm alles dabeihat. Aber das kann die Hefe nicht fressen, die möchte gerne Zucker fressen. Und damit aus der Stärke Zucker wird, braucht’s einen Prozess. In der Natur ist es der Prozess, wo einfach des Korn sagt: Okay! Ich darf jetzt wachsen. Wo die Enzyme aktiviert werden, Stärke abgebaut wird und daraus dann ein Blatt und eine Wurzel und alles wird, damit das Ganze später eine Pflanze ist. Und in der Mälzerei verursacht man im Grunde denselben Prozess, aber dann stoppt man das Wachstum, damit man dann eben viel Zucker hat, mit dem dann später die Hefe auch richtig schön arbeiten kann. Also das ist so eben ganz komprimiert die Geschichte, wer das genauer will, muss einfach bei uns mal ein Bierseminar besuchen oder so, da schauen wir uns das natürlich genau an.

Holger: Genau. Aber in jedem Fall, es lohnt sich sehr, immer genau beim BierTalk zuzuhören. So. Jetzt habt ihr ja alle ein Bierchen und ich noch nicht als Geburtstagskind. Und deshalb mache ich jetzt auch mal meins auf. Jetzt war ich ja gestern in Südtirol, und Südtirol hat ja quasi fast eine Monopol-Brauerei, das ist die Brauerei Forst bei Meran. Und die haben ein neues Produkt, das ist ein Alkoholfreies mit 0,0 % Alkohol. Kennt das jemand schon von euch?

Meinhard Wicht: Nein, leider noch nicht.

Markus: Nein, habe ich auch noch nicht probiert.

Holger: Ich war jetzt da also gestern auf der Freiheitsstraße in Meran, das ist direkt im Zentrum, da gibt’s so einen Brauereiausschank und eine schöne Gastronomie, da war ich also Mittagessen und musste ja dann auch noch wieder zurück nach München. Und ich habe mir gedacht, komm, das ist ja genau das Richtige, so ein Forst 0,0. Dann habe ich also das bestellt, also wie immer da perfekt serviert, perfekt temperiert und auch perfektes Glas dazu. Naja, und dann habe ich mich einfach so ein bisschen beschäftigt und habe auch ein bisschen nachgefragt, und dann wurde mir berichtet, ist wirklich ganz neu, gibt’s eigentlich erst seit Ende März, kommt gut an, liegt voll im Trend. Und das Thema alkoholfrei haben wir auch schon so oft besprochen, ist sicher ein Thema, was viel Beachtung findet und auch noch finden wird. Jetzt bin ich dann noch tiefer eingestiegen, weil mir das ganz gut geschmeckt hat. Also ich habe dann einfach gedacht: Mensch! Das ist wirklich eigentlich das erste 0,0 alkoholfrei, was so einen schönen bierigen Charakter hat. Also man hat wirklich ein schönes Bier im Glas gehabt und dann auch im Mund. Wenn man jetzt aber auf die Zutaten geht, dann wird man gewahr, dass eben da ein natürliches bieriges Aroma drinsteckt. Dazu wollte ich doch mal mit euch sprechen. Wenn man da so drüber nachdenkt, dann muss man einfach schauen, das Thema Aromen im Bier kennen wir ja, wir nennen es dann Biermischgetränke. Also da kommen dann ein Zitrusaroma rein und macht dann eben ein schönes Radler und so. Diese Biere sind ja auch sehr stark im Wachstum gewesen oder sind immer noch im Wachstum, aber so ab 2013, würde ich jetzt behaupten, sind die stark im Kommen gewesen. Also was auch immer man sich da vorstellen kann, ihr kennt alle diese Biere. Der Löwenanteil sind fruchtige Geschmacksrichtungen, wo eben dann auch diese Aromen drin sind. Und mittlerweile gibt’s ja dann auch eine Nachfrage an Kräutern und Blüten und Gewürzaromen, die dann auch wiederum Biermischgetränke produzieren. Aber ich hatte das noch nie bei einem Alkoholfreien so wahrgenommen. Wie geht’s euch denn damit?

Markus: Ich meine, ganz grundsätzlich muss man sagen, Südtirol liegt ja nun in Italien und hat deswegen mit unserem Reinheitsgebot, das wir in Deutschland kennen, nicht direkt was am Hut. Dementsprechend haben die natürlich Möglichkeiten, solche Dinge zu tun. Man müsste mal klären, was ein natürliches Bieraroma eigentlich ist. Da kann vielleicht nachher der Meinhard noch was dazu sagen. Ich gehe mal davon aus, dass damit gemeint ist, dass es entweder Aromen sind, die aus Bier in seinen verschiedenen Schritten gewonnen werden, oder aus den Rohstoffen von Bier, also aus dem Malz, aus dem Hopfen oder eben irgendwo zwischendurch aus der Maische, aus dem Treber. Das könnte einfach dazu gedacht sein, um diesen intensiven Biergeschmack, der eben normalerweise bei einem Alkoholfreien oft fehlt, weil eben Alkohol raus ist, weil mit niedrigen Stammwürzen gearbeitet wird, den eben reinzubringen. Und das scheint ja auch ganz gut gelungen zu sein. Insofern ist es die Frage, wie man das beurteilt. Aber grundsätzlich ist der Trick vielleicht gar nicht so dumm, zu sagen, okay, wir nehmen eben in gewisser Weise konzentriertes Bier und geben das dazu, um das Ganze wieder anzureichern. Was sonst das Thema Aromen angeht, glaube ich, muss man auch wieder ein bisschen unterscheiden. Also ich glaube, diese ganzen künstlichen Aromen, die wir so noch aus den 80ern, 90ern kennen, die sind mittlerweile aus den meisten Biermischgetränken raus. Was so diese ganz großen Zuwächse hatte, das waren vor allem die Natur-Radler. Also die erste Brauerei, die damit ja so richtig auf den Markt gekommen ist, war die Kulmbacher Brauerei, der haben sie dieses Natur-Radler auch aus den Händen gerissen ab dem ersten Verkaufstag. Und viele andere sind da auf den Zug aufgesprungen. Also Natur-Radler heißt eben, natürliche Aromen, heißt, bei weitem nicht so viel Zucker wie früher, heißt auch, in der Regel naturtrüb. Und das waren einfach Punkte, wo die Leute wirklich darauf angesprungen sind und das bis heute auch noch tun. Insofern, also würde mich selber mal interessieren, muss man mal vielleicht bei Forst selber nachfragen oder mal hinfahren oder so, wie auch immer, wie die das genau machen. Aber wenn es so ist, wie ich es vermute, dass die praktisch sagen, okay, wir haben ein relativ leeres alkoholfreies Bier, was halt einfach bei vielen so ist, und geben dem so eine Art Bieraroma-Konzentrat dazu, um das zu ersetzen, muss ich sagen, wenn das auch noch gut schmeckt, „Chapeau!“, ist es mit Sicherheit eine gute Idee.

Meinhard Wicht: Ja, also ich denke auch, dass das so in die Richtung läuft. Ich kann nur Holger einfach bitten, das mal als Hausaufgabe mitzunehmen und doch einfach mal Forst an zu tickern, vielleicht auch mit dem Hinweis auf diesen BierTalk. Und ich würde auch vermuten, dass quasi, wenn ich die Alkoholphase entziehe quasi, kommt ja irgendein Konzentrat quasi dabei raus. Ich habe eine wässrige Phase und eine Konzentrat-Phase, wenn ich die sozusagen dem bierähnlichen Getränk dann wieder beimische, dann muss ich das irgendwie deklarieren als natürliches Aroma. Und ich schätze mal, da geht so der Weg hin. Wobei, wie gesagt, natürliches Aroma rein von der Kennzeichnungspflicht in Deutschland nicht unbedingt was direkt in der Korrelation zu tun haben muss, sondern das soll dir sozusagen nur das Surrogat geben, dass es das sein könnte. Wir kennen ja die wunderbare braune Brause, die der ein oder andere ja immer mal wieder trinkt. Da ist es ja auch so, das sind ja ganz andere Stoffe, um die es da geht. Ich weiß nicht, ob man das verteufeln muss, bin ich mir nicht so sicher. Wichtig, ist das Ergebnis, was dann in der Flasche oder in der Dose präsentiert wird, trinkbar? Ja, würdest du, Holger, sozusagen ein zweites oder auch ein drittes davon trinken wollen?

Holger: Unbedingt! Ich hatte das ja gesagt, also es geht überhaupt nicht ums Verteufeln, sondern mir hat es sehr gut geschmeckt. Ich war dann richtig positiv überrascht und wollte dann einfach auch mehr darüber wissen. Wir haben ja auch schon andere Alkoholfreie, gute, sehr gute Alkoholfreie hier im BierTalk gehabt. Es gibt ja auch den Trick, mit unvergorener Würze zu arbeiten, um ein Alkoholfreies wieder ein bisschen bieriger zu machen. Und in der Form hatte ich es also wirklich noch nirgendwo gelesen. Aber es hat in jedem Fall Lust auf einen zweiten Schluck gemacht. Und ich habe mir auch noch eins bestellt. Also in der Tat, ich hatte mir Schlutzkrapfen bestellt, da war dann das erste Bier relativ schnell weg, weil ich einfach Durst hatte, es waren 28 Grad in Meran. Und das zweite lief dann wie von selbst auch hinterher. Aber ich nehme die Hausaufgabe gerne an und werde das mal recherchieren und zur Verfügung stellen. So, Meinhard, jetzt kommen wir wieder zu dir. Du hast ja noch ein Bier mitgebracht, das hast du schon angekündigt.

Meinhard Wicht: Interessanterweise ist noch ein Fass Kona Brew Hanalei übrig, das ich heute sozusagen dann am Freitag auch als erstes Bier mit auf diese Tour nehmen werde. Was hat es mit dieser Tour auf sich? Relativ einfach. Zurzeit ist es als Biersommelier relativ schwierig, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, sämtliche Veranstaltungen eigeninitiiert oder auch fremd, also mich trifft man auch hin und wieder im Naiv in Frankfurt, in der Fahrgasse, als durch den Abend führenden Biersommelier bei Sascha und Christian an. Und auch dort sind die ganzen Tastings nur noch digital und eher nicht existent. Sodass man irgendwann mal auf die Idee kommt, man muss raus, man muss vielleicht auch wieder ein bisschen was für die eigene Kasse tun. Und so bin ich auf eine herzliche Idee oder beziehungsweise Idee aufgegriffen gekommen, dass ich gesagt habe: Okay! Wenn die Leute nicht zu mir kommen, dann komme ich als Biersommelier zu dir nach Haus. Ich habe mir ein Cargo-Bike gemietet und fahre dann freitags und samstags hier durch Rüsselsheim und biete da auf zwei verschiedenen Touren sozusagen ein spezielleres Fassbier an. Du kannst dich über WhatsApp sozusagen bei mir melden: Hallo! Stoppe an der Hausnummer in der Straße Soundso. Und wenn du dann kurz vor der Tour deine Hausnummer mit einem grünen Seidel siehst, weißt du, ich habe dich registriert und ich komme dann im Fluss sozusagen bei dir vorbei, klingele, alles unter hygienischen Gesichtspunkten mit dem Distancing und du gibst mir dann ein frisches Glas von dir und du kriegst dann das Gebräu, was ich gerade zurzeit im Anstich habe, reingezapft. Und dann kannst du dich freuen, mit einem frisch gezapften Bier von der Haustür bei dir in den Garten gehen und weiter den Tag fließen lassen.

Markus: Ja, coole Idee. Also es gab ganz tolle Bilder, die man auch anschauen konnte schon auf Facebook. Es gab auch Zeitungsartikel, die schon geschrieben worden sind. Und du hast ja eben auch gerade dieses Hawaii Dings so ein bisschen als Aufhänger genommen und bist auch entsprechend angezogen gewesen. Also das finde ich wirklich eine ganz großartige Sache, weil es den Leuten einerseits wirklich im wahrsten Sinn des Wortes auch Farbe ins Leben bringt, eben besondere Biere, besondere Aromen. Und du bringst ja nicht nur das Bier, du redest ja auch ein bisschen drüber. Und das ist ja einfach so ein Punkt, ja, also der Biersommelier, der nach Hause kommt, ist ja fast ein bisschen so wie der Weihnachtsmann, der durch den Kamin hüpft, nur dass man da steckenbleiben kann. Also auf jeden Fall gut.

Meinhard Wicht: Ich liefere quasi den Grund, quasi wieder weiter Bier trinken zu dürfen. Und Bier zum Thema zu machen, natürlich gibt’s den ein oder anderen netten Gartenzaun-Plausch dann und es entwickelt sich was. Ich habe ein paar Wiederholungstäter, es kommen immer wieder neue Leute bei der Tour zusammen. Ich bemühe mich sozusagen jedes Wochenende oder auf jeder Tour andere Biere zu präsentieren. In der Regel sind es zwei verschiedene, die ich mitnehme, wenn mir das beschaffungstechnisch möglich ist. Ich lege auch relativ viel Wert darauf, dass ich Biere auswähle, die es hier bei uns, bei den Gastronomiekollegen eben nicht am Hahn gibt. Also, dass ich keine Konkurrenz bin, den Nimbus des Biersommeliers auch so ein bisschen gerecht werde. Eben Informationen gebe, vielleicht auch den ein oder anderen Koch- oder Würz-Tipp. Ja, es kommt relativ gut an. Es macht auch eine Menge Spaß. Man kommt in wirklich abgelegene Ecken meiner Heimatstadt. Und ja, mal schauen, wie lange ich das noch machen werde. Das wird sicherlich nicht den ganzen Sommer funktionieren, weil man merkt da auch jetzt allmählich, das öffentliche Leben nimmt wieder Fahrt auf, es finden wieder die ein oder anderen Veranstaltungen statt. Da muss man halt ein bisschen sensibel sein. Aber ich denke mir, jetzt so noch die nächsten zwei, drei Wochenenden werde ich das noch mal probieren, um da mit interessanten Bieren an den Start zu gehen.

Holger: Wenn du losfährst, weißt du schon, zu wem du fährst oder geht das auch während der Tour? Also kann ich jetzt sagen …

Meinhard Wicht: Wenn mir jemand noch während der Tour zuruft und ich bin sozusagen auf dieser von mir auch in allen möglichen Kanälen kommunizierten Strecke noch nicht an ihm vorbeigerauscht, dann werde ich auch anhalten. Natürlich, das ist ja der Charme sozusagen, also das wird kein anderer Lieferservice so schaffen. Ich bin mit dem Cargo Bike auch ultrawendig. Das ist halt einfach so die Stärke, wo du sagst: Wenn mir jemand zuruft, ich sehe es auf dem Display und ich bin noch kurz vor ihm, natürlich halte ich an, klar. Bier her, gerne.

Holger: Wie lange planst du dann pro Stopp ein und woher weißt du, wie viel Leute dann da sind?

Meinhard Wicht: Das weiß ich nicht, das ergibt sich. Also ich hatte so letzte Woche eine wundersame Begegnung. Ich habe einen entfernten Stadtteil von uns so im Süden mit eingebunden mit der Extratour, hatte dann noch einen Wegpunkt generieren können in so einem Industriegebiet. Naja, weil das ist schon ein Stückchen zu fahren, du musst halt 12 Minuten stramm strampeln. Da waren dann noch Baustellen dazwischen. Ich war sehr reserviert, weil das eigentlich eine Gastronomie war, und wie gesagt, eigentlich möchte ich ja zu Gastronomen nicht fahren, ich möchte denen eigentlich nicht die Kraft nehmen. Aber der Gastronom stand freudig da, hatte eine ganze Stiege mit 0,3er-Seideln da, und ich fragte nur so ganz irritiert: Wie viel Bier darf’s denn sein? Ja, mach mal alle voll. Und so war‘s dann auch. Mehr oder weniger der gesamte Biergarten so mit knapp 25 Leuten wollten dann unbedingt ein Kona Brew aus Hawaii trinken und hatten sich alle tierisch gefreut. Der Wirt war auch angenehm und fand diese Aktion ziemlich gut. Ja, spannend einfach so, was dann passiert. Also das ganze System hat eine schöne Eigendynamik, ich weiß im Grunde nicht, auf was ich mich einlasse. Heute Abend gibt’s auch in der westlichen Ausrichtung einen Stopp, da sind 22 Personen avisiert. Naja, wenn es 30 sind, sind es 30, und wenn es nur 12 sind, sind es nur 12. Diese Freiheit nehme ich mir einfach und das kriegen wir dann mit dem Spaß quasi realisiert.

Markus: Aber auf jeden Fall eine coole Sache, also muss man wirklich sagen. Und scheint ja auch eben angenommen zu werden. Ich finde die Idee auch schön, also zu sagen, man hat da eine richtige gute Zapfanlage und kann einfach schönes frisches Bier den Leuten bringen und noch dazu eins, was sie eben so normalerweise nie kriegen, …

Meinhard Wicht: Genau.

Markus: … mit Erklärungen, mit Spaß. Ist sicherlich eine ganz, ganz klasse Sache. Vielleicht kannst du irgendwann noch upgraden auf ein Elektrorad oder so. Dann musst du nicht mehr ganz so viel strampeln.

Meinhard Wicht: Nein, muss gar nicht. Also das war ja bei dem Urgedanken ja schon die Geschichte. Natürlich könnte man sich jetzt so eine 50er Ape von Vespa nehmen oder ein bisschen was Größeres oder auch irgendeine Lokomotive. Bei uns im nahen Darmstadt gibt’s eine Brauerei, die hat so ein Autogefährt, Pickup oder was auch immer, deren Symbol die alte Rummel-Lok sozusagen simuliert, wo hinten dann auf dem Leitstand die Zapfanlage integriert ist. Aber mir war das alles von der Idee viel zu aufwendig. Ich wollte es simpel haben, ich wollte ein gefülltes Fass, ich wollte einen schönen Zapfhahn und ich wollte wendig sein. Wenn mir jemand zuruft „Hast ein Bier?“, „Ja, habe ich“. „Hast einen Becher?“, „Ja, habe ich auch“, und los geht’s. Also, sprich, so ein bisschen situationsabhängig da eben agieren zu können und nicht der Straßenverkehrsordnung. Natürlich schon der sozusagen unterliegen, aber im Zweifelsfall auch Fahrradwege, Abkürzungen und sonst was zu machen, um wirklich in so einem routenoptimierten Programm sich durch meine Heimatstadt Rüsselsheim zu schlängeln.

Holger: Großartig! Wer sich erinnert, also wer uns schon länger verfolgt und auch den Meinhard schon länger verfolgt, der weiß, dass der Meinhard so ähnliche Dinge auch schon in einer Straßenbahn gemacht hat.

Meinhard Wicht: Genau.

Holger: Das ist ja auch so super angekommen. Ich kann nur sagen, Meinhard, du weißt ja, ich bin auch ein großer Oldtimer-Fan und habe ja so einen kleinen alten Lastwagen. Wenn du mal Lust hast, ich komm zu dir und wir machen das mal mit dem Lastwagen. Also das würde auch gehen.

Meinhard Wicht: Ja natürlich, gerne, logisch. Ich sag mir immer so, Notsituationen wie diese jetzt aktuell, die muss man kreativ nutzen und muss einfach schauen, was kann man in so einer Situation machen? Das geht bei uns ja beide nicht, Holger, wir haben ja den ähnlich gelagerten Friseur, wir können keine Locken drehen, weil wir an der Bushaltestelle warten und uns Sorgen machen, sondern wir müssen das Schicksal in die Hand nehmen und müssen da eben ein Stückchen aktiver sein, eben unsere Kreativität ein Stück in Bahnen lenken.

Markus: Ich will ja eure Fleischmützen-Romantik nicht stören, aber ich glaube, wir müssen noch ein Bierchen aufmachen, oder?

Meinhard Wicht: Ja. Also ich habe mir als zweites Bier, weil ich den Markus, auch ein Namensvetter von dir, sehr, sehr schätze, weil er ein gestandenes Mannsbild ist. Trotz seiner jungen Jahre ist er in der Welt schon rumgekommen, strammer Oberbayer, der einfach so viel Herzblut in seine Biere reinbringt. Für mich immer wieder ein bisschen schwieriger zu bekommen, aber ich habe eben hier jetzt noch ein wunderbares Bier, es ist in der Korrelation auch eben eher ein Schankbier, weil auch hier eben nicht so viel, er sagt hier ein P10 mit 4,1 %. Also wer mich kennt, natürlich, ich mag auch ein Bier mit 12 % oder 13 % aus der belgischen Liga oder sonst woher. Aber ich finde Biere unter 4,5 % und viel Aroma eine wahnsinnig spannende Geschichte, weil wer selbst braut, weiß, das ist richtig knifflig, das ist richtig schwierig, da die Balance zu finden. Umso mehr freut es mich auch, dass dem Markus seine Hoppebräu einfach wunderbar ankommt, dass er momentan wirklich da im Tölzer Land einfach überfliegt sozusagen, zwischen dem Alpenpanorama und Tegernsee gelegen, einfach sich zu so einem kleinen Hero da aufhebt. Umso mehr freue ich mich einfach, heute hier die Wuide Hehna, ein obergäriges Schankbier mit euch trinken zu dürfen. Wie gesagt 4,1 %, er hat dort drin Citra, Magnum und Callista, hat ein Cara Hell und ein Pilsener Malz drin. Und ich freue mich jetzt schon, dieses Bier für euch zu öffnen.

Holger: Großartig! Ich habe jetzt nicht mitgezählt, aber sind es auch sieben Zutaten?

Meinhard Wicht: Nein, es sind nicht sieben Zutaten, es sind nur fünf, eben Pilsener Malz, Cara Hell, damit die ganze Kiste so ein bisschen schlanker bleibt. Und dann hat er ein Magnum, ein Citra und Callista noch drin.

Markus: Du kannst ja noch Wasser und Hefe dazuzählen, dann hast du auch wieder sieben.

Holger: Ja, du hast natürlich wieder vollkommen recht. Ja, Markus, du bist einfach so schlau, also das ist ja nicht auszuhalten. Und vielleicht kann ich noch kurz darauf hinweisen, dass wir ja auch eine Tour machen mit einem Oldtimerbus, auch zum Markus, …

Meinhard Wicht: Super!

Holger: … also zum Markus Hoppe in dem Fall. Also das, was der Meinhard da gerade angepriesen hat. Die Tour startet in München und wir besuchen Markus Hoppe und kriegen dann die Brauerei gezeigt, dürfen kulinarisch verwöhnt werden und genießen natürlich auch die Biere. Also wer dazu Lust hat, einfach unsere Seite besuchen, ist auch eine tolle Geschichte, auch gerne als Geschenk oder als Geburtstagsparty oder Jubiläum oder Hochzeitsfahrt, wie auch immer. So, Meinhard.

Meinhard Wicht: So, zum Bier.

Holger: Jetzt sag noch mal was zum Bier.

Meinhard Wicht: Ja. Also eine schöne weiße cremige Decke, also wunderschön feinporig. Wir haben ein leicht opalisierendes so strohgelb, nicht ganz so kräftig, und wenn wir reinriechen, kriegen wir halt schon wirklich so eine leichte Citrus-Nase mit raus. Und wenn wir es jetzt trinken, ja, wunderbar, die Bittere greift schon so ein bisschen auf der Zunge an. Wir haben ja den Magnum drin und dann spielt Citra und Callista ein wundersames Balancespiel auf der Zunge. Es fließt gut, es ist schön schlank gehalten, aber durch die sorgsame Auswahl der Hopfen und Dosierung macht es richtig Spaß auf der Zunge. Ich habe schon hinten so diesen klassischen Hopfenrand auf der frühen Trinkerzunge sozusagen, wir haben ja 10:30 Uhr, eher ungewöhnlich, dass man schon mit solchen Bieren liebäugelt, aber es macht einfach Spaß zum Trinken. Also ich denke mir einfach jetzt so, irgendwas ein bisschen schärfer Gegrilltes vom Barbecue-Herd, das ist dann genau die richtige Geschichte. Oder einen leichten Fisch nur mit einem Pfeffermantel macht bestimmt viel, viel Spaß hier den Sommer sozusagen einzuläuten.

Markus: Wenn man sich dann noch vor Augen führt die Zapferei, so heißt ja der Biergarten vom Markus Hoppe, und eben das Panorama dahinter mit Alpen und Kühen und blauem Himmel und Wolken und See, also das ist ja schon eine einzige Idylle, also ganz, ganz spannend. Und ist auch schön eigentlich, wenn wir so zwischen Hawaii und Oberbayern, das ist ja quasi beides so ein Ferientraumziel, hin und her schwanken. Aber ich glaube, Holger, wir sind jetzt langsam aber sicher am Ende unserer Zeit angelangt, oder?

Holger: Ja, leider, also leider, auch da hast du wieder mal recht. Es war mir ein Vergnügen mit euch, ja, so viele verschiedene Themen anzuschneiden. Wir haben ja kulinarisch fast alles berührt, was man im Thema Genuss berühren kann, und sind dann auch noch mal richtig ins Detail gegangen. Ich kann mich nur sehr bedanken für diesen schönen Morgen, den ihr beide mir bereitet habt. Macht’s gut!

Meinhard Wicht: Ja. Danke euch!

Markus: Ja, Prost, lieber Meinhard, Prost, lieber Holger, noch einen schönen Geburtstag. Und auf bald!

Meinhard Wicht: Auf bald!

Holger: Tschüss!

Meinhard Wicht: Tschüss!

 

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