BierTalk 123 – Interview mit Silvio Reiß, Biersommelier, Gründer und Inhaber von Vintäsch in Stolberg bei Aachen

Silvio Reiß verkaufte in seinem Laden gebrauchte Lederkleidung und Ledertaschen und kam auf die Idee, zur Unterhaltung und Launesteigerung seiner Kunden interessante Biere anzubieten. Schnell kamen mehr Leute für die Wartebank als für die Umkleidekabine, und aus dem Klamottenladen mit Bierbeiwerk wurde ein Bierspezialitätenladen mit etwas Lederdekoration. Auf 50 Quadratmetern stehen nun über 800 Flaschen, viele davon holzfassgereift und Vintage. Der Abschluss als Biersommelier folgte, ab Januar 2024 wird in der historischen Altstadt von Stolberg ein Bierbegegnungszentrum auf doppelter Fläche und mit einem Biergarten seine Pforten öffnen. Für den Podcast haben wir uns an Bambergs höchster Stelle, dem Altenburgbiergarten, getroffen und unter anderem das Geheimnis des Hundes auf Silvios Logo gelüftet…

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Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute mal wieder ganz spannend, das ist ja immer spannend, aber heute ganz besonders spannend aus vielerlei Gründen, einmal sind wir open Air sozusagen  und zwar für Bamberg jedenfalls, ganz oben auf der alten Burg, hier habe ich noch nie eine Podcast aufgenommen. Und wir sitzen bei einem wunderschönen sommerlichen Wetter unter den großen Kastanien und Linden, die es hier gibt und lassen uns so ein bisschen die virtuelle Sonne auf den Bauch scheinen, weil sie ja durch die Bäume aufgehalten. Aber es ist sehr schön, wir sitzen da, wir haben ganz viel Bier. Und wir, dass ist der Silvio, der gleich seinen weiteren Namen komplett aufklären wird, das wird jetzt zu kompliziert, wenn ich das mache. Erst mal schon, das du da bist und, ja, ich hoffe, du bist gut angekommen und fühlst dich hier auch wohl.

Silvio: Herzlichen Dank, dass ich hier in Bamberg sein darf, wie du so schön beim Podcast gesagt hast, eine der europäischen Hauptstädte des Bieres. Und mein Name ist Silvio Reiß, ich führe in der Nähe von Aachen in Stolbergdorff, mit doppel-f, einen Bierspezialitätenladen und der heißt Vintäsch. Vintäsch ist ein Wortspiel gewesen aus Vintage und das rheinische Wort Täsch, weil ursprünglich habe ich mal angefangen nur mit gebrauchten Lederklamotten, Ledertaschen zu handeln. Und wie ich den Laden aufmachte, kam mir dann die Idee, damit dann morgens einer kommt, nachmittags nicht was ruhiger wird, habe ich dann so gesagt, okay, dann werde ich mal ein wenig Bier in den Laden rein tun und fängst du einfach mal mit 120 Sorten bayrischen und belgischen Bieren an. Völlig als alter Jeck erst mal so, wie es mir gefallen hat und wo ich gedacht hab, das schmeckt mir, das könnte auch den Leuten schmecken. Da ich immer auch sehr viel in Oberbayern unterwegs bin, weil Bayern, sage ich immer so ein bisschen, die zweite Heimat ist, ich mag die Lebensart sehr gerne, die Fränkische habe ich auch schätzen und kennengelernt, muss man auch dazu sagen. Aber so gab es diese Bierkonstruktion am Anfang, bayrisch und bayrische Biere. Und dann habe ich 2021, ja, den Biersommelier gemacht in Österreich. Und dann war es dann weg mit gefährlichem Halbwissen, sondern man wollte das so ein bisschen auf ein anderes Fundament bringen. Und mittlerweile habe ich so circa 800 Bierspezialitäten auf 52 Quadratmeter verteilt und ein großes Bags-Repertoire nach wie vor und habe mich mehr und mehr auf Aged-Biere und auch B.A.B.-Biere, also Barrel Aged Biere noch dazu spezialisiert.

Markus: Da muss ich gleich mal einhaken, wenn du sagst, 800 Biere auf 52 Quadratmetern, das klingt so ein bisschen wie nach meiner Biergarage. Also da passt nicht mehr viel anderes rein oder?

Silvio: Nee, die Taschen sind rausgeflogen, ich habe noch ein bisschen schweizer Armeetasche, aber natürlich bin ich an Kapazitätsgrenzen. Und das ist einer der Gründe, warum ich im Januar das Dorf verlasse, in die Altstadt von Stollberg ziehe, die ja überflutet war. Und jetzt gibt es ein Förderungsprogramm und dadurch nutze ich das und fange direkt in der historischen Altstadt an, habe einen Laden, der wird dann 100 Quadratmeter sein. Und bin jetzt grad noch dabei, mit der Stadt eine Ausschankgenehmigung zu bekommen, sodass ich draußen eben auch eine Bierbegegnungsstätte machen kann. Dass ist das, was ich unglaublich möchte und ein bisschen, fast so nach dem Münchner Beispiel, also wenn die Leute im Sommer kommen, ihre Brotzeit mitbringen, dass sie dann eben auch da die Möglichkeit haben, ein vernünftiges, was immer vernünftig ist, Fragestellung, Geschmacksache, ein schönes Bier trinken können, vielleicht einigen wir uns lieber darauf.

Markus: Genau. Und wenn du schon München sagst, du bist ja hier quasi auch im landestypischen Outfit hier mit Lederhose unterwegs. Machst du das Zuhause dann auch im Laden?

Silvio: Ja, selbstverständlich. Also ich habe jetzt, wenn ich wiederkomme, glaube ich, 3 oder 4, 4, mittlerweile 4 Oktoberfest-Tasting-Termine, die habe immer, das wird immer sehr stark gefragt und da bin ich auch authentisch. Jetzt können weiter, natürlich heute im Zeitalter von Politikern korrekt gesagt, ist das kulturelle Aneignung? Nein, sage ich jetzt mal dazu, nein. Weil es ist ja einfach, ich ziehe das an und ist für mich kein Kostüm.

Markus: Ja. Ja und sich eine bayrische Kultur anzueignen, naja, wie auch immer.

Silvio: Ich versuche jetzt nicht Bayrisch zu sprechen, würde ich grandios scheitern.

Markus: ja, ist auch besser so, dann würde uns auch keiner mehr verstehen, also da ist alles in bester Ordnung, aber natürlich sehr cool. Oktoberfest-Tasting heißt dann einfach, die 6 Oktoberfestbiere im Vergleich?

Silvio: Nein, es heißt dazu, dass man natürlich das viel weiter fasst. Bei mir ist es dann eben auch so, dass eben auch der Steffen Marx mit seinem Bier vertreten ist, das ist ja ein werbefreier Podcast, also Giesing auf jeden Fall dabei ist, allein wegen dem Story-Telling und den Kampf, dass er aber auch irgendwann auf die Wies`n kommt, er ist ja jetzt schon Münchner Bier. Natürlich geht es dann noch ein bisschen weiter, so nach der Präferenz, Ayin, für mich einer mit der besten Festmärzen, die es dort in der Region gibt. Gibt aber eben auch ein Märzen aus Österreich, um mal zu zeigen, ist ja auch ein Märzen eben da drin. Und das passt, das ist auch vielleicht gleich der Übergang, es ist immer auch ein Saisonbier dabei aus Belgien, weil es eigentlich auch mit so einwirkt in diese Tradition der Ernte, Erntedankfeste rein kommt. Ja, Oktoberfest ist ja nicht nur dieses Oktoberfest, eine Wies`n, sondern das geht ja bis zur Kita hin, also haben wir eben auch nochmal diese Dankbarkeit für quasi ein fruchtbares Jahr, dass ja in so einem Fest einfach gipfelt und dazu die Idee.

Markus: Da bin ich dir jetzt auch sehr dankbar, dass du das sagst, weil das tatsächlich was ist, was die Leute immer wieder vergessen. Und ich freue mich, wenn ich es dann selber auch immer wieder den Leuten auch nahebringe, weil das Oktoberfest eben in dieser Tradition steht, dieser Erntedankfeste. Und für genau die waren ja diese alten Märzenbiere auch gemacht, dass man dann eben, bevor es dann wieder ans neue Bier geht, nochmal so richtig aus dem Vollem schöpfen kann, was die guten alten Biere angeht. Und, ja, das ist ja toll und wir reden über Bier und sollten natürlich auch eins trinken. Jetzt hast du dankenswerterweise deinen Keller so ein bisschen geplündert …

Silvio: Den Laden.

Markus: … und da stehen jetzt, ja, aber da vielleicht, na gut, wie auch immer, also die würde ich mir zum Teil auch eher in einem Keller vorstellen, aber vielleicht ja beides, egal, also jedenfalls geplündert und jetzt stehen die hier so vor uns rum, sind kleine Flaschen, großen Flaschen. Ja, was denkst du, womit wollen wir anfangen, was hast du dir so überlegt?

Silvio: Tja, was habe ich mir überlegt, ich denke mal, das sage ich hier mal so, ich habe was mitgebracht, was ich denke, was nicht alltäglich ist. Mit dem Bier, was ich mit dem Sebastian Sauer mache von Freigeist, das, denke ich, machen wir ganz zum Schluss, vielleicht auch in die Mitte. Und ich bin großer Belgien-Fan und warum sollen wir nicht einfach versuchen, einfach mal ein schönes Bier von Vapeur zu trinken. Und der Jean-Louis Dietz war so freundlich, beim letzten Besuch, den ich unten hatte mit Journalisten bei ihm, mir einen 99er-Jahrgang oder einen 96er-Jahrgang zu vermachen. Ja und den, sollten wir einfach mal in die Vollen gehen und nicht umgedreht, dass wir uns von unten nach oben steigern, sondern wir gehen einfach, hauen wir uns mal ein bisschen Geschmack aufs Mäulchen.

Markus: Das finde ich auch eine gute Herangehensweise, warum unten anfangen, wenn man auch oben einsteigen kann. Und, ja, da bin ich also schon sehr gespannt. Also wenn du des Amtes walten möchtest oder soll ich walten, wie hättest du es gerne?

Silvio: Nee, ich denke mal, für dich ist das ja auch mal eine schöne Sache. Ich habe ja zwei Flaschen mit, wir haben ja Gott sei Dank eine Vertikalverkostungsmöglichkeit. Dann würde ich sagen, da ich, glaube ich, einen Korkenzieher mitgebracht hab, weil ich das wusste, machst du vielleicht das 22er auf und ich mache das 96er auf.

Markus: Genau. Also einen Notkorkenzieher hätte ich auch, aber ich glaube, deiner ist besser.

Silvio: Ach, ob es besser ist, weiß ich ja nicht.

Markus: Doch, weil deiner hat die Weinoption und meiner ist eher so von einer Brauerei, der ist ein bisschen kleiner. Aber jetzt machen wir hier mal, ja, jetzt, so. Und da muss man den Hörern vielleicht noch sagen, einfach damit sie sich das ein bisschen vorstellen können, korrigier mich bitte, wenn ich was Falsches sage, aber Vapeur ist wahrscheinlich die letzte Brauerei auf der Welt, die noch mit einer Dampfmaschine arbeitet. Also ich selber habe mal eine Brauerei in Sachsen-Thüringen besucht, das ist aber schon 10 Jahre her, ich glaube, der hat mittlerweile aufgehört und es gab mal den Wurm in Pappenheim, der hatte auch noch eine gehabt. Ich glaube aber fast, dass die auch nicht mehr in Betrieb ist. Weitere weiß ich, es gibt, glaube ich, noch eine in Belgien, die ist aber auch vor Kurzem verkauft oder zumindest verändert worden, also insofern wahrscheinlich die letzte Brauerei. Und das heißt, man muss sich das so vorstellen, man hat einen Raum, in diesem Raum steht in der Mitte sozusagen der Sudkessel beziehungsweise auch gleichzeitig Läuterkessel in dem Fall und dahinter steht die Dampfmaschine. Also großes Schwungrad und dann kommt das Ganze eben in Schwung, wie man so schön sagt, dann über Transmissionsriemen wird die Energie übertragen und so läuft dann eben der ganze Laden unter Dampf, deswegen heißt es auch a Vapeur. Und, ja und der Jean Louis hat das Ganze mal übernommen vor 40 Jahren ungefähr, denke ich mal. Am Anfang war es ein Hobby, eigentlich ist er Lehrer und hat dann aber nach und nach, ja, Nebenerwerb ist das falsche Wort, einfach als Liebelei, das Ganze gemacht, geführt mit seiner Frau zusammen. Und, ja, jetzt habe ich lang genug geredet und die Flasche ist auf. Und, ja, aber so ist es und das ist einfach insgesamt ein unglaubliches Erlebnis, sowohl was den Laden angeht als auch was die Menschen angeht. Jetzt hören wir hier das Bier, danke schön. Und er macht eben ganz faszinierende Biere, perfekt, mit dieser uralten Anlage und hat auch ein ziemlich breites Portfolio sogar, was er so hat.

Silvio: Muss man einfach auch mal riechen, finde ich.

Markus: Ja. Und ich muss sagen, also ein Bier von 96 hatte ich schon ewig nicht mehr, wenn ich es überhaupt schon mal hatte. Also das Älteste, wo ich mich grad erinnere, war ein Bali-Wein von 99.

Silvio: Beim letzten Besuch hat er eins von 86 aufgemacht, Jean Louis, aus seinem ersten Batch.

Markus: Boah!

Silvio: War auch ein Erlebnis.

Markus: Vielen Dank.

Silvio: Santé oder Gesundheit, wenn man so schön in Belgien bliebe.

Markus: Ja. Also vielleicht kurz für die Hörer beschrieben, wir habe hier ein karamellfarbenes Bier, würde ich sagen. Der Schaum ist natürlich über die Jahre so ein bisschen verloren gegangen, es ist aber noch etwas Karbonisierung da auf jeden Fall. Es liegt auch ordentlich im Glas. Wir haben, glaube ich, so 12% rum oder?

Silvio: Ich schätze mal. Ich glaube, er hatte, glaube ich, 9,5 gestartet.

Markus: Ja, aber es geht ja dann weiter.

Silvio: Es geht ja weiter. Könnte so hinkommen, vermute ich mal.

Markus: Also auf jeden Fall eine zweistellige Zahl. Das sieht man auch schön, wie das hier so im Glas ein bisschen vor sich hin …

Silvio: Also um es mal in deinen Worten zu sagen, du würdest ja immer sagen, der Schaum steht wie eine Eins, hier kann man sagen, der Schaum steht wie eine null.

Markus: Wie eine null, ja, genau. Aber, nee, das ist ja auch nicht wichtig, also bei so einem Bier mit der Geschichte muss das auch nicht sein. Ja und in der Nase, da ist tatsächlich, da ist eine schöne Mischung da aus den Alterungsnoten, so Wein, natürlich Rosinen. Aber dann geht es auch so in so frischere Früchte, so erdbeerige Noten, finde ich. Ich weiß nicht, wie geht es dir so?

Silvio: Ja, so ein bisschen Erdbeere, da kann ich auf jeden Fall mit dir gehen. Ich habe es natürlich jetzt einfach, weil du zuerst gerochen hast und ich natürlich auch schon einmal es auch schon kenne. Aber natürlich, finde ich, hier hast du auch volle Lotte Cider-Noten drin.

Markus: Stimmt.

Silvio: Also ich finde, so richtig Cider-mäßig so, finde ich so. Und in dieser Dörrobstsensorik, die du grade schon mal ein bisschen beschrieben hast mit Rosine, kämpfe ich immer noch so ein bisschen mit hier so Apfel, so ein Dörrapfel, so ein bisschen was.

Markus: Diese Apfelringe, die so, ne.

Silvio: Ja, Apfelringe. Und ich kann eine gute Karamellnote, finde ich, ziemlich wahrnehmen. Und hinten nochmal so leicht was Gewürziges, so in Richtung Pfeffer, leicht.

Markus: Ja. Und ein bisschen Toffee vielleicht noch.

Silvio: Ja, so Toffee, genau.

Markus: Also auf jeden Fall vom Geruch her total faszinierend, das ist schon mal wunderschön. Dann trinken wir jetzt mal ein Schlückchen. Ja, also wenn man überlegt, dieses Bier ist 3 Jahre nach meinem Abitur gemacht worden, lang, lang ist es her. Hat sich besser gehalten als ich, muss ich sagen.

Silvio: Ja, es ist natürlich, hier kommt auch das, was wir eben so sagten mit dem Apfel, finde ich, ziemlich stark durch, auch mit der Säure. Ich würde vorschlagen und das ist jetzt mal das Erfahrungswissen, was ich jetzt Gott sei Dank mit dem Bier hab, wir vergessen das jetzt mal für 10 Minuten.

Markus: Lassen wir es mal ein bisschen stehen, ja.

Silvio: Weil, ich vermute oder ich denke, dass da vielleicht in 10 Minuten noch mit der Oxidation, noch einiges passieren wird.

Markus: Auf jeden Fall. Also was den Apfel angeht, bin ich übrigens komplett bei dir. Also der hat sich jetzt noch mehr entwickelt, finde ich und auch die Säure, sie ist da, aber sie ist nicht zu stark. Also ist eine schöne …

Silvio: Ich bin immer so am schwanken, ob es so wie in die Richtung Boskoop-Backapfel geht, so war ich jetzt so grade ein bisschen kämpfen, weil es keine Elstar-Säure ist, sondern eher so eine klassische Backapfelgeschichte.

Markus: Ja und man hat auch vom Boskoop diese dicke Schale, dieses Rustikale, das passt ja da irgendwie auch total ins Bild, ne.

Silvio: Aber wir haben eigentlich was vergessen dazu, ne.

Markus: Ja.

Silvio: Vielleicht müssen wir das leicht kontern mit einem schönen Foodpairing-Käse, die wir ja da haben.

Markus: Auf jeden Fall. Also das muss man dazu sagen, der liebe Silvio hat ja auch noch andere Sachen eingepackt, nämlich hier ein bisschen Käse. Also welchen, kannst du ja gleich noch selber sagen und ein Würstchen. Ja, was für Käse haben wir?

Silvio: Ich habe mitgebracht von Pastel den Abtei-Käse, also der alte, der bis zu 24 Monate gereift ist. Ich nenne ihn immer, um es ein bisschen einfacher zu machen für die Leute, den belgischen Parmesan. Werden wir gleich mal, damit sie merken warum, ich label mal und ohne was zu sagen. So und dann habe ich mitgebracht von Dupont den Moientte, der ist dann auch in dem Blonde von denen gewaschen, soweit ich es verstanden habe, drei Monate alt. Ich habe ihn jetzt noch von der letzten Reise, ist er jetzt vier Wochen da. Und ich habe was mitgebracht, damit wir schön in Bayern noch sind, ein schönen Kaminwurzen von einer schönen Landmetzgerei, schön dunkel geräuchert. Weil ich gesagt hab, wenn wir schon in Bamberg sind, dann muss das Ding auch Rauch haben.

Markus: Sehr gut.

Silvio: Ich muss mich da ja auch ein bisschen anpassen. Das war so die Idee, die ich dabei hab. Und du warst ja freundlicherweise sogar und hast einen Orval-Käse, glaube ich, mitgebracht.

Markus: Genau, noch den alten Orval, weil ich hab ja auch grade erst die Ecke so ein bisschen besucht und überall ein bisschen Käse eingepackt. Und, ja, da bin ich jetzt sehr gespannt, den können wir jetzt auch gleich noch dazulegen. Und, ja, wie machst du das normalerweise, wenn du mit Leuten so Bier und Käse machst?

Silvio: Bei mir gibt es kein Tasting ohne Käse, es gibt kein Tasting ohne Schokolade, sondern das ist bei mir mit in meinem Tasting-Programm drin, weil ich der Überzeugung bin, dass ein reines Bier-Tasting zu kurz gesprungen ist. Das ist so die Erfahrung, die ich gemacht habe und das ist die Erfahrung, die ich dann auch zurückgemeldet bekommen habe. Das ist einfach so, es gibt immer einen Abtei-Käse, es gibt immer auch was dazu. Wenn wir zum Oktoberfest gehen, gibt es natürlich eben auch einen Obazda und dann gibt es eben auch einen schönen Bergkäse oder Heumilchkäse, damit man eben auch dieses Bier einfach nochmal auf einen ganz anderen Level damit schieben darf. Damit die Leute auch sehen, dass Bier zugleich sein kann wie Wein. Wir wissen, es ist besser …

Markus: Ja!

Silvio: … aber wir müssen ja erst mal anfangen damit.

Markus: Das stimmt, ja.

Silvio: Das sind aber die Erfahrungen, die ich gemacht hab eben auch durch die Tasting-Formate, die ich in der Gastronomie dauerhaft führe. Das heißt, so einmal in der Woche bin ich in irgendeinem Gastronomiebetrieb und mache zum Beispiel Diner and Beer, gibt es ein Dreigangmenü und ich mache 6 abgestimmte Biere. Es gibt immer wieder ein neues Menü, es gibt natürlich auch immer wieder neue Biere oder Beef and Beer und dann ist wirklich 6 verschiedene Cuts und 6 verschiedene Biere dazu. Und dann gibt es eben noch zwei, drei andere Formate, die ich noch im Kopf habe, die grade im Entwickeln sind und so wie es ausschaut, im Oktober wird es dann vielleicht schon Fisch und Bier geben.

Markus: Das ist auch spannend.

Silvio: So, das sind sozusagen so Dinge. Und das ist, was ich so gemerkt hab, da holt man adere Leute ab auf einer anderen Ebene, weil sie eh entspannt sind und dann ist der Zugang sehr oft ruhiger, weil die wollen einen genussvollen Abend haben. Ich versuche immer sozusagen, ich bin bei der Gastronomie immer nur der I-Tüpfelchen-Macher, wenn der Koch, der eben das nahrungsmittelhandwerk ist. Das ist ja einer der Gründe, warum ich den Biersommelier gemacht habe oder auch du da auch ja aktiv bist, dieses Nahrungsmittelhandwerk, das müssen wir eigentlich wieder viel mehr in das Bewusstsein der Leute bringen, dass das auch Kunst ist. Das man wirklich sieht, dass ein Koch, ein Bäcker, ein Metzger, ein Brauer, und damit schließt sich wieder der Bogen, es verdient hat, wieder mehr gefeiert zu werden, mehr Zelebration und mehr Respekt dem gegenüber bringen. Und da schwingt natürlich eben die Nähe zu Belgien unglaublich rein, wo man sieht, dass das eben was ganz anderes ist, wieder eine andere Kultur ist, die Bierkultur sowieso, aber auch die gepaarte Essenskultur, die wir dort haben.

Markus: Glaubst du, dass das auch einer der Gründe ist, warum es bei dir dann entscheidend funktioniert? Also weil, wenn ich überlege, also es ist hier in Bamberg schon sehr schwer Leute zu motivieren, für einen vernünftigen Preis so ein Bier- und Käse, Bier- und Schokolade-Tasting zu besuchen oder ein Bierkulinarium, solche Dinge. Wir haben ja schon viel probiert und machen auch viel, in Nürnberg hatten wir mal eine Zeitlang was etabliert, das ist aber mittlerweile auch eingeschlafen, in München war es auch schwierig. Und viele Kollegen erzählen ja auch, dass sie das nicht umgesetzt bekommen, weil die Leute einfach nicht bereit sind, das entsprechend zu honorieren, also diesen Genuss dann eben auch so zu nehmen, wie er ist. Ich könnte mir vorstellen, bei dir in der Ecke ist das vielleicht ein bisschen anders durch die Nähe zum Genuss zu Belgien, zu Frankreich. Sind da die Leute vielleicht ein bisschen offener oder wie geht es dir da?

Silvio: Ich denke, das hat nicht nur was mit der Offenheit zu tun. Ihr habt grade hier in Bayern, ich sage jetzt mal, Franken mit Bayern, also das Bundesland Bayern, ihr habt eine so gute hohe Lebensmittelqualität in den Gastronomien, die danach schreit, eine richtige Bierbegleitung zu bekommen. Jetzt können wir heute langer drüber reden, Brauereibindung hin und her, ich denke, das ist einer der großen Faktoren, die wir da haben. Aus dem belgischen Kontext weiß ich zum Beispiel ist es so, dass du zwar eine Brauereibindung in dem Sinne hast, ich sage mal, du hast 5 Hähne, 4 werden von der Brauerei besetzt, aber der fünfte Schuss, den hat der Wirt frei und er kann bestimmen, was er daran macht und in seiner Bierkarte ist es vollkommen egal. Das wäre vielleicht auch ein Weg aufzuzeigen, diese Vielfalt rein zubekommen. Weil, manche Bierstile funktionieren zu manchen Essen einfach nicht, die da angeboten werden und dann ist der Wein dem wieder überlegen. Ist einfach so, ist die Erfahrung. Und, denke ich, wir müssen vielleicht umdrehen, vielleicht, ich bin nicht günstig, also ich sage mal, das Beef-and-Beer-Format, das geht bei 90 Euro los und endet bei 129 und es ist fast immer ausverkauft. Die Dinner-and-Beer-Geschichte liegt um die 80 Euro. Das ist jetzt auch schon mal erst mal ein Geld. Ich denke, vielleicht sollten wir es auch nicht so klein machen, sondern im Gegenteil, interessanter machen, das ist vielleicht einer der Wege. Ich bin immer so einer, der eher eine Philosophie hat, eher oben anzugreifen. Und 80 %, sage ich jetzt mal ganz böse, der Fernsehbiertrinker werden wir im Leben nicht erreichen. Aber die Leute, die sagen, ich trinke immer nur Wein oder ich trinke nur eine Destillation oder Spirituose, die gehen bei solchen Sachen unglaublich ab, kann ich so sagen, weil es für die eine ganz neue Genusserfahrung ist. Und die haben auch die Wertschätzung. Oder, andersrum sage ich immer, all meine Biere sind alle preiswert, sind alle den Preis wert. Und ich glaube, das ist so, wo wir vielleicht auch uns ein bisschen klein machen.

Markus: Absolut. Und wo ich auch finde, dass viele Kolleginnen und Kollegen vielleicht auch selber so ein bisschen dann davon ausgehen, dass sie es günstig machen müssen, weil sie denken, dass die Leute das sonst nicht wollen. Und ich glaube, das ist grade der falsche Ansatz, also es muss passen. Aber da können wir später noch reden, wir müssen uns, glaube ich, jetzt mal mit dem Käse beschäftigen und mit der Wurst und mit dem Bier und überhaupt. Womit fangen wir an?

Silvio: Auf was hast du Lust? Ich hätte da so einen Fingerzeig.

Markus: Die Lust ist völlig ungebrochen, aber du hast mich grade so ein bisschen gekriegt, als du gesagt hast, der belgische Parmesan, weil das klang jetzt wirklich ganz spannend. Ich nehme mir jetzt hier einfach mal so ein Stück.

Silvio: Ich habe ihn jetzt so gelabelt. Also das ist natürlich, Parmesan …

Markus: Da muss er jetzt durch.

Silvio: … Parmesan ist ja eine regionale Bezeichnung, die geschützt ist, muss man auch mal dazu sagen.

Markus: Aber es ist so, also ich rieche grade an diesem Käse und es ist tatsächlich sehr Parmesan-Like oder auch wie ein alter Gouda, also da kommt man so in diese Richtung, sehr schön. Schaut erst mal ein bisschen anders aus, ein bisschen heller, aber toll, auch fest. Probieren wir mal. Also ich bin bei dir, viel Umami, auch ein bisschen Karamell, ein schöner intensiver Käse. Ich hoffe, ihr hört uns jetzt nicht schmatzen.

Silvio: Das ist glücksseufzen, nicht schmatzen.

Markus: Dann greifen wir mal zu diesem alten Bier, das mittlerweile ja ein bisschen steht. Ja, sehr interessant, also weil, der Käse hebt die Säure fast auf und dann kommt auch wieder so ein bisschen Malzcharakter. Und dann kommt auch dieser Apfel wieder, aber witziger Weise dann eher wie so ein Apfelkompott, also mit ein bisschen Süße, mit ein bisschen Gewürzaromen, aber noch eindeutig als Apfel erkennbar, schön.

Silvio: Quasi wie so eine Apfel-Mousse, so könnte man das versuchen so zu umschreiben. Ich finde, es ist ein echt sehr toller Käse. Und der geht in meinen Tastings, ist der immer weit vorne. Wenn die Leute sagen, den, der ist einfach perfekt. Also es gibt Dinge, die sind einfach auch perfekt und das, finde ich, ist so. So wie es perfekte Biere gibt, gibt es auch perfekte Käse, um das einfach mal so zu sagen.

Markus: Absolut. Und ich finde, in der Kombination hier ist es auch schön, weil er einerseits wirklich Power hat, aber nicht zu viel, sodass das Bier trotzdem noch schön da drüber kommt, also dass die sich schön wieder vereinigen können. Und damit ist es eben möglich, dass es da ein Zusammenspiel gibt und das macht der sehr schön.

Silvio: Ich finde auch, dieses Pfeffer und Salz kommt ganz gut jetzt dazu. Dieses Salz von dem Käse und dieses Pfeffrige, was wir jetzt eben auch haben, das Chochonne ist ja auch noch mit Pfeffer verbraut und da merkt man doch auch, dass da so diese leichte Pfeffernote doch noch sehr gut andocken kann. Ich vermute, mit dem Jungen wird es noch ein etwas anderes Erlebnis sein, dass du dann eben hast.

Markus: Tut mir leid, ich hatte jetzt nur drei Gläser dabei.

Silvio: Ja, ich kann ja schnell austrinken und dann auffüllen.

Markus: Oder so, genau. Oh ja, das stimmt. Also wir haben auch das junge Cochonne jetzt hier, das natürlich noch ein bisschen mehr Biercharakter hat. Und da, muss ich sagen, da kommen mit dem Käse diese Gewürznoten total schön rüber und es wird auch floral, es wird auch Honig. Also ein sehr, sehr dichte Spanne, eine langanhaltende Aromatik, schön.

Silvio: Und wir sind wieder, für mich einer der schönste Bierstile, die die Belgier bieten können, ich sage immer, der große wallonische Bierstil ist Saison.

Markus: Saison, ja.

Silvio: Also für mich eins der exzellenten Speisebegleitungsbiere, die wir in dem Repertoire haben. Es ist immer in den Dreigangmenüs, ist immer ein Saison dabei, weil es einfach passt, also wenn es da irgendwas Fischiges gibt oder eben das Schweinefleisch, das Bier schiebt das immer dahin. Dieser Weißweincharakter, dass das auch immer bietet, finde ich immer einfach toll.

Markus: Also dass ist ein unglaublich komplexer Bierstil, ja, der eben an so vielen Seiten andockt. Also einerseits mit diesen ganzen Hefearomen, dann aber trotzdem auch mit einer ordentlichen Hopfengabe und einem schönen Malzkörper, also da ist alles so ein bisschen dabei. Und dann hat man halt noch die Saison-Varianten, wo da mit Gewürzen, mit Kräutern gearbeitet wird und das ist dann natürlich insgesamt echt ein ganz, ja, komplexer spannender Bierstil. Du greifst zur Kaminwurz.

Silvio: Ja, ich muss jetzt mal, weil ich denke, jetzt versuchen wir mal, ob das Saison da mitmacht.

Markus: Ha, Raucharoma, wunderbar.

Silvio: Auch ein Gedicht.

Markus: Die beiden können echt gut miteinander.

Silvio: Ja, das ist bei mir dann auch oft so, dass ich eben, wenn ich Nachhause gehe zu den Leuten, ich nennen das immer Tasting at Home oder sowas, wo ich dann immer sage, ich bringe immer Käse mit, ich bringe auch immer Schokolade mit und sie sagen mir, was sie kochen und ich bringe ihnen die passenden Biere dazu mit. Das ist also immer eine Überraschung. Die sagen, es gibt das, das und das, heute werden wir grillen, heute gibt es Auflauf, heute gibt es Fisch, sagen die, heute gibt es Zander, habe ich auch schon gehabt und dann versuche ich immer dann eben aus dem Repertoire, und da ist einer der Vorteile eben, dass ich dann eben über das Sortiment verfüge, ich der Meinung bin, dass ich das richtige Bier dazu finden kann.

Markus: Ja und man hat auch gleich automatisch das richtige Mitbringsel sozusagen und dann noch diesen Effekt, dass man sagt, ich bringe da was mit und das macht alles zusammen nochmal besser.

Silvio: Ja, ich denke schon, kann man so sagen, ja.

Markus: Und ich muss sagen, also jetzt grade bei dieser Kombination, damit wir das auch ein bisschen erklären, wir haben diese Kaminwurz, die an sich vor allem rauchig ist und dann relativ fett rüber kommt und, ja, dann kommen auch ein bisschen Gewürze, aber das ist nicht so ganz rund. Mit dem Bier wird das aber rund, da geht der Rauch ein bisschen zurück, das Fett reduziert sich auch so ein bisschen. Auf einmal kommt dann tatsächlich auch der Malzkörper von dem Bier und ersetzt vielleicht so ein bisschen das Brot, das wir jetzt nicht zur Wurst haben, dadurch wird es auch ein bisschen runder. Und ist dann auch, also wenn ich jetzt so die Wurst nehmen würde, dann könnte ich zwei, drei Bissen nehmen und dann wäre ich damit auch durch, aber in der Kombination mit dem Bier, kann man dann auch die ganze Wurst essen, also insofern …

Silvio: Hast du es mit dem Jungen auch mal probiert?

Markus: Noch nicht.

Silvio: Okay.

Markus: Aber, wir können uns ja steigern, kein Problem.

Silvio: Ach, um Gottes Willen, so habe ich das nicht gemeint.

Markus: Schauen wir mal. Also da, finde ich, kommen diese Weinnoten sehr viel intensiver, das wird richtig nobel. Und von der Wurst kommen die Gewürze mehr rüber und auch dieser pure Fleischgeschmack.

Silvio: Dieses Umami auch, genau.

Markus: Ja, dieses Umami-mäßige, das kommt richtig schön rüber.

Silvio: Und wird dann eingefangen von dieser Säure, die das Bier hat, das finde ich immer einfach so ein tolles Erlebnis. Ich habe das so beim Steak and Beer, also beim Beef and Beer ist es so, gibt es da immer eine Sache, manchmal bringe ich es dann mit von Facet, Cameransky, dieses Balamico, dieses de Cüvee, ein Old Flemish Brown, ein Imperial Stout und dann eben volle Lotte Balsamico-Note, Schokolade. Und wenn du da dann so ein Dry Aged Steak dagegensetzt dann, also ich lasse die Leute immer erst was trinken, ohne das Fleisch. Und dann kommen natürlich die Leute, die das Sauerbier nicht gewöhnt sind, die schönsten Kommentare, wie kann man sowas trinken? Das kann man doch keinem Esels ins Ohr kippen, also sage das mal so. Und dann sage ich, abwarten, das ist extra jetzt mal ein Säureschock für euch und jetzt, komm, esst mal das Stück Fleisch dazu. Und dann passiert so ähnlich das, was du grade beschrieben hast, genau mit diesen Dingen auch, nur dass dann da so eine Karamell-Butter-Toffee-Note reinzieht und das Fleisch dann schon so eben auch weich ist und die Leute meinen, sie haben ein Fudge, also ein Meat-Fudge im Mund. Und das ist eigentlich immer einer der schönen Überraschungsmomente in so einem Tasting. Warum das eigentlich auch mein Antrieb ist, den Leuten mal solche Geschmackserlebnisse für sich zu kreieren, das ist so die Idee, die dahintersteckt.

Markus: Ja, also ich glaube, das ist auch das, wo ich ja versuche oder was ich versuche, unseren Absolventinnen immer mitzugeben und Absolventen, dass es ja eigentlich drum geht, die Leute überhaupt wieder da hinzuführen, dass sie das, was sie zu sich nehmen, bewusster zu sich nehmen. Das ich bewusster trinke, bewusste esse, also in dem Sinne von, dass ich mal wirklich schaue, schmeckt das denn jetzt nach was? Und das fängt halt mit den einfachen Sachen an, mit dem Gemüse, mit dem Obst, was man überhaupt erst mal wieder lernen muss, richtig zu genießen, die Aromen wirklich zu erfassen und geht dann eben weiter mit zum Beispiel Fleisch. Wo ich jetzt sagen muss, dieses normale 08-15-Fleisch, was ich irgendwoher bekomme, das hat ja eigentlich gar keinen Geschmack. Das kriege ich dann irgendwie hin durch das Braten, durch das Würzen, durch das Marinieren, irgendwie, aber per se ist da nicht viel. Und das lernt man dann auch nochmal anders zu beurteilen, wenn man sich in dieser Genusswelt bewegt und hat dann natürlich auch eine andere Wertschätzung zum Beispiel auch für solche Produkte. Und das ist natürlich schon, ja, macht Spaß. Es verändert einen auch. Also hat das dein Leben auch verändert, dich damit zu beschäftigen?

Silvio: Ja, definitiv. Also es hat mich bereichert, es hat bereichert. Ich versuche es einfach mal so zu erklären, vor der Ausbildung konnte ich mit einem Stout gar nichts anfangen. Ich bin kein Kaffeetrinker, also war ein Teil der Welt für mich noch nicht eröffnet. Und da durch die Ausbildung ist es eben auch so gekommen, dass ich heute ein Stout sehr schätze, sehr liebe. Ich bin immer noch kein Kaffeetrinker, weil es ein Heißgetränk ist, ich bin eher so ein Mensch, der lieber kalt trinkt. Bei uns gibt es Zuhause tatsächlich immer zum Kuchen auch Bier, das kann vom Doppelbock angefangen sein, über ein Stout sein, das gibt es auch. Und das ist eben auch eine Sache, die man auch kultivieren kann. Natürlich ist das eben auch eine Möglichkeit aufzuzeigen, was möglich ist. Und was ich interessant fand, du hast eben dieses Fleisch ja nochmal genannt, als Blaupause, das können wir ja auch auf unser Bier teilweise runter brechen, das können wir auf das Brot runter brechen, es war wie eine Blaupause, die du grade gesagt hast, dieses Bewusstwerden. Und interessant ist es immer bei dieser Beef-and-Beer-Konstellation, die diskutieren nicht mit dir darüber, ist das Fleisch zu teuer. Nein, das finden die total geil. Also ein Wagyu, finde ich, da gehen die und zahlen dann eben für das Kilo 90 Euro. Und wenn es dann ums Bier geht, da fangen wir schon an. Und das ist eben so ein Bewusstsein, wo man anfangen muss, da zu steuern. Und da würde sich für mich auch der Bogen aschließen auf die erste Frage, die du gestellt hast davor, wie schaffen wir es, die Leute abzuholen oder wie funktioniert das oder warum kann es funktionieren? Es ist so, in das eine Restaurant bin ich einfach auch nur gekommen, ich habe die Leute eingeladen, habe gesagt, komm, bringt mal was zu Essen mit, machen wir mal ein Arbeits-Tasting. Dann waren vier Köche da, die haben gedacht, heute gibt es Eifler Pils, um es jetzt mal so zu sagen.

Markus: Lecker Bierschen.

Silvio: Lecker Bierschen, volumentrinken. Ja, das war aber dann nicht so, sondern es war anders. Ich habe es dann gezeigt und das fanden sie sehr gut. Und dann waren zwei dabei, die gesagt haben, das ist genau das, was ich auch meinen Leuten mal anbieten will, meinen Gästen und so ist es gegangen, nur so. Wenn du keinen hast, der in der Gastronomie dafür offen ist, dann können wir 17-mal gegen die Tür rennen, ein achtzehntes Mal eine blutige Nase holen, das Bewusstsein ist teilweise einfach nicht da. Und das zu schaffen, ist, glaube ich, eine der wichtigsten Aufgaben, die wir vielleicht als Sommelier, Biersommelier und Sommeliere machen. Es ist wichtig auch zu gucken, was ein Brauer macht, es ist auch wichtig vielleicht auch zu brauen, da sind ja auch viele, die die Motivation haben, ein vernünftiges, gutes, richtiges Bier zu machen. Aber da habe ich immer, meine Einstellung ist so, ich weiß wie es geht, aber ich weiß, wer es wesentlich besser macht.

Markus: Da sind wir auf einer Linie.

Silvio: Und gebt mir das Bier, wenn es gut ist, ich zeige dir, wie wir es verkaufen. Das ist dann wieder so eine Sache, die ich machen kann. Das macht eben die lange, lange Vertriebserfahrung, die ich vorher hatte, eben ein Produkt so interessant zu gestalten, dass es vielleicht dann einen Nutzen bringt, um es jetzt marketingmäßig aufzuzeigen.

Markus: Ja und das vielleicht auch mal so als Tipp an alle Kolleginnen und Kollegen, die da zuhören, weil das ist echt ein Punkt. Das haben wir von Anfang an gemacht, also die BierAkademie gibt es jetzt seit 10 Jahren und mit so Veranstaltungen haben wir schon vorher angefangen. Und es gibt ja einfach sowohl die Locations, wo man dann ist, also wo man sein Tasting macht oder mit denen man ein Menü macht oder solche Dinge, als auch die Leute, die zum Beispiel die Karten für unsere Veranstaltungen verkaufen, also unser Tourismusservice zum Beispiel hier in Bamberg, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die müssen ja die Tickets verkaufen. Und am Anfang war das tatsächlich ein Thema, weil die haben dann einfach gesagt, warum soll ich eine Karte für 99 Euro verkaufen für eine Biertour? Da verkaufe ich ja eine komplette Führung für die ganze Gruppe für 99 Euro mit dem Kasperletheater oder so. Und dann haben wir gesagt, okay, dann machen wir es mal so, wir laden euch einfach alle ein, und haben dann wirklich die gesamte Belegschaft in drei Gruppen zum Biermenü eingeladen, zum Bierseminar eingeladen, zur Biertour eingeladen. Und das Gleiche machen wir auch mit den Gastronomen, mit denen wir zusammenarbeiten und machen dann einfach mal diese Reise durch die Bierwelt und auch, je nachdem, wenn es Gastronomen sind, dann auch mit dem, was sie haben und was sie so tun. Und das ist dann immer so ein Augenöffner und dann lernen die Leute das auch zu schätzen, kommen weg von diesem Preisdenken und sind dann mit dieser Begeisterung erfüllt, mit dem sie dann später ihre Kunden beraten. Und das ist dann, ist diese Schwelle weg. Weil vorher haben die einfach ihren Kunden im Tourismusservice zum Beispiel, die haben denen nix angeboten, was mehr als 30 Euro gekostet hat, einfach weil sie selber gesagt haben, das würde ich nie machen, wenn ich irgendwo bin, also verkaufe ich das auch niemanden. Und damit waren unsere Tickets immer Ladenhüter. Und bis zu dem Zeitpunkt, wo wir das dann durchlaufen haben, das war schon ziemlich bald und seitdem läuft das und mit Gastronomien ist es genauso. Und grade die Köche sind ein guter Punkt. Weil ein guter Koch, dem drückst du so ein fassgelagertes Imperial Stout einfach in die Hand und dann probiert der und dann ist der erst mal weg. Und dann kommt er wieder und dann hat er sich was ausgedacht mit einem Nachtisch, mit einem Stück Fleisch, mit irgendwas und fängt an zu spinnen, zu experimentieren und hat richtig Lust und gefallen da dran. Und dann hat man ihn angezündet und dann ist gut, dann kann man mit dem auch weiterarbeiten und das ist, glaube ich, wichtig.

Silvio: Aber da fehlt noch ein Schritt. Da musst du den Kellner davon überzeugen, was das ist und da geht es dann weiter. Also die Beratung, die ich dann eben auch dort mache, ich habe eine Bierkarte installiert. Ich sage mal, in dem Restaurant in Aachen Hattblot, also Herzblut heißt das, der macht ein bisschen cross over, ein bisschen Aachener Küche, aber wesentlich moderner interpretiert. Beispiel, er macht einen Sauerbraten vom Seeteufel mit dieser klassischen Printensoße, die wir haben und dann mit Tanduri. Und dann einfach mal zu zeigen, oder auch ein gutes Crumble, eben was anderes und dann kann man eben auch andocken. Dort haben wir eben auch eine Bierkarte installiert, die auch sehr gut funktioniert. Die Bedienungen habe ich dann auch nochmal geschult zu sagen, was es ist, aber sie haben es dann eben auch selber probieren können und ich glaube, das ist genau der Weg. Ich sage auch, wir sind sowas wie Moderatoren so, ist es so. Natürlich müssen wir für uns immer aufpassen, dass wir nicht immer direkt in Bewertungsschemata gehen, wo ist vielleicht der Bierfehler oder warum, das interessiert den Kellner oder den Gast nicht, da geht es her reduziert auf das Genusserlebnis, so ist das, was aus der Arbeit ist. Und bei mir ist es im Laden dann eben auch oft so, viele Leute haben, ich sage da immer so ein bisschen wie das Jack Weindepot. Die kommen dann bei mir und sagen, heute koche ich das, was für ein Bier darf ich haben, was empfehlen Sie? Das ist eigentlich vielleicht der Weg, wo wir hingehen. Natürlich habe ich auch hopfenbetonte Biere im Programm und einiges an Craft Beer, aber ich habe ja mal so gesagt, ich hänge zwischen der Unistadt Aachen und zum Tor der Eifel, also wo ein ganz anderes Essempfinden ist oder wo ganz anders gegessen wird. Und das spiegelt sich dann eben auch in meinen Tastings wieder und in der Stadt ist es was ganz anderes, weil wenn ich eben aufs Land gehe. Und das ist aber sehr interessant, beides gleich. Also es geht gar nicht darum, dass das eine besser oder schlechter ist, es ist anders. Und darüber muss man sich auch Gedanken machen, dass es einfach anders ist und da überlegt, eine andere Zielansprache auch zu machen. Also ich habe das Bamberger Schlenkerla und Spezial auch erst hier verstanden, wie ich in Schlüsselfeld war und dann David Hertel mir gesagt hat, ich brauche noch eine Stunde, ich dann mal in die Metzgerei in Schlüsselfeld reingefahren bin und denke, ich habe jetzt mal Hunger auf eine Leberwurst und auf, ich glaube, eine Mettwurst. Und ich beiße da rein und denke, woah, das ist ja genau Schlenkerla. Also so habe ich es dann verstanden, so habe ich verstanden, dass die Regionalität, wie gegessen wird, das auch sehr viel mit dem Bier oder auch mit dem Getränk, was vorherrscht, an Vorliebe da ist. Und das war für mich irgendwie so ein Augenöffner, zu sehen, aha, man muss das vielleicht auch mal in so einem regionalen Kontext tun. Ich sage mal, ich bin ja in Aachen geboren, dann mit dem 10. Lebensjahr nach Köln gekommen, bin 38 Jahre Kölsch-sozialisiert gewesen, also jetzt nicht nur der Sprache, die ich auch kann, sondern eben auch des Bierstiles, aber auch immer belgische Biere getrunken, aber irgendwann war Kölsch mir dann einfach mal zu wenig, um es jetzt mal positiv zu formulieren. Aber wenn man natürlich so sieht, wenn man in Köln ist, ein halber Hahn und Kölsch passt, Punkt.

Markus: Absolut.

Silvio: Das Röggelchen brauchst du dafür, am einfachen profanen Beispiel ist es so oder ich sage mal, ein Dortmunder Export und eine Currywurst, Puff, Traumkombination, ne.

Markus: Auch Himmel und Erd, finde ich, mit dem richtigen Kölsch ist das eine geile Kombination, also passt alles zusammen. Und jetzt muss man erst mal ein Bier finden, dass die ganzen Komponenten zusammenbringt und abholt. Also das ist für mich auch ein ganz wichtiger Punkt, bevor wir gleich da noch ein bisschen mit der Kulinarik weitermachen.

Silvio: Auf jeden Fall.

Markus: Das ist ja fast gemein, wir sitzen hier davor und kriegen nix. Aber ich finde das wirklich so einen ganz wichtigen Punkt, was ich auch den Leuten immer wieder sage, man muss reisen. Also man muss Bierkulturen vor Ort erleben, man muss dann auch vor Ort die Gastronomie und zwar die bodenständige. Macht ja keinen Sinn, wenn ich überall zu McDonalds gehe oder high end, irgendwas oder so, sondern wirklich schauen, was ist denn das, worauf das alles basiert? Und dann lernt man sowohl die Kultur, was die Menschen angeht, als auch die Kultur, was eben die Speisen, die Getränke, das Bier angeht, kennen und kann das dann auch anders einschätzen und kann es auch anders vermitteln. Und das in der Kombination ist dann natürlich cool. So, wir haben noch einen Käse und noch ein Bier und überhaupt, wie machen wir jetzt weiter?

Silvio: Was begehrt das Herz, sage ich immer. Also ich würde ja zum Beispiel sowas, war jetzt so ein kleines Wortspiel. Wir haben hier ja noch was von der Heilig Hart Brewery, kleine Brauerei ja in Belgien, die du ja vielleicht auch schon kennst oder noch nicht kennst.

Markus: Da war ich noch nicht, ja.

Silvio: Ja, aber sie haben eine Cuvée gemacht und ich fand einfach mal interessant, zur Hälfte also Oak Aged und das andere Ding in eine Amphore reingetan. Also aus Georgien die Amphore kommen lassen, das zu machen und dann noch mit griechischen Joghurt.

Markus: Das fand ich krass, ja.

Silvio: Diese Kombination, überhaupt mal sowas zu machen, diesen Mut aufzubringen oder Mut, einfach mal was anderes zu machen. Und habe gedacht, vielleicht ist das ja einfach auch mal sowas, wo wir jetzt noch haben, wo wir eben alkoholisch jetzt noch nicht direkt, haben wir so ein kleines Aperitifbier mit 4,5%.

Markus: Och, das ist ja ganz geschmeidig.

Silvio: Denke ich mal, wäre vielleicht eine schöne Sache.

Markus: Ich hole mal schnell ein bisschen Wasser, dass wir die Gläser ausspülen können, genau. Ja, da holst du mich in ganz vielerlei Hinsicht ab. Also ich finde sowohl diese Geschichte mit den Amphoren aus Georgien total spannend, weil da kommt ja eigentlich der Weinbau her.

Silvio: Auch das Bier mittlerweile, sagt man.

Markus: Auch das Bier vielleicht, also man weiß es nicht, zumindest haben da die Hefeforscher schon sehr interessante Hefestämme auch gefunden, sagen wir mal so. Und, ja, allein, diese Genese dieser Amphoren, wie die hergestellt werden, wie die transportiert werden. Also, liebe Hörer, zieht euch das mal rein, da gibt es YouTube-Videos dazu, das ist total krass. Und sowas dann überhaupt mal nach Mitteleuropa zu holen, finde ich total spannend und das dann zu nutzen. Und dann finde ich auch den griechischen Joghurt, das ist etwas, was ich schon immer eigentlich sehr gerne mag, am liebsten mit viel Honig und Walnüssen. Finde ich ein tolles Aroma, was mir viel besser schmeckt als unser klassischer Honig, muss ich sagen. Und dann eben noch so eine Holznummer mit ein bisschen Barrel Aged, also ich finde, im Kopf passt das bei mir schon ganz interessant zusammen. Wobei ich mir immer überlege, wie kriegt man diesen Joghurt da irgendwie rein, also da, ja, bin ich mal gespannt.

Silvio: Wo das Bier lactotisch wird.

Markus: Ja. Also was macht der dann, weißt du, wann der dazu gekommen ist?

Silvio: Da müsste ich jetzt lügen und bevor ich irgendwie Halbwissen, sage ich nichts. Mich hat das Story-Telling erst mal angefixt, ich kannte bis jetzt nur Amphoren-gereiftes Bier auch von Stiegl. Und ich denke, das ist vielleicht auch mal wieder eine andere Spielwiese, um einfach auch mal eine Verbindung herzustellen. Ich finde immer, es gibt so Biere, da gehört das Saison dazu, ein Lambic dazu, die beides so verbindet. Und dann, mich langweilt es immer, diese Geschichte Bier versus Wein, ich finde es langweilig. Ich versuche immer zu sagen, zugleich, das ist eigentlich vielleicht so das Entscheidende. Oder man sagt immer, jeder Jeck ist anders, sagt man da bei uns so.

Markus: Ja. Prost.

Silvio: Prost.

Markus: Also hier auch nochmal für euch, liebe Hörer, von der Farbe her ist es gar nicht so weit weg von unserem Cochonne-Saison, was wir grade hatten. Also wir sind wieder bei so einem dunkel Karamell irgendwie, schöner Braunton. Dieses Mal aber mit Schaum, also zumindest ein bisschen und der ist auch schön getönt, also passt hier auch wunderbar. Ist wieder schön im Glas, man merkt, dass es ein bisschen leichter ist. Ja und dann, ah ja, von der Nase her, erst mal geht es wie ein klassisches Barrel Aged Beer los, würde ich sagen so, was erst mal obendrüber liegt. Das heißt, da haben wir dann die Holznoten, wir haben so eben Karamell, es geht auch schon wieder so in Trockenfürchte über. Aber ich finde, wenn man dann genau reinriecht, kommt dann tatsächlich schon sowas Lactisches irgendwie rüber.

Silvio: So ein bisschen Brett auch, finde ich, so ein bisschen, so eine leichte Brett-Note.

Markus: Also da wird es dann auf einmal komplex und kriegt so einen Unterbau. Also bin ich mal gespannt, dann lass uns mal probieren. Wobei die natürlich sehr gerne immer ergänzen kannst.

Silvio: Gerne, aber ich bin immer so begeistert von deinen Beschreibungen da, was soll ich da wiederholen. Ich finde die Rezens auch sehr schön. Die hat so prickelnd, so Lambrusco-prickelnd eher, um das mal so, hat sowas Lambrusco-mäßiges.

Markus: Ganz genau, das hatte ich jetzt auch im Kopf, Lambrusco, genau diese …

Silvio: Und jetzt, finde ich hier, hast du hier auch, die ersten Nussnoten kommen so leicht raus. So ein bisschen, ich schwanke, ob das so Pekannuss oder Richtung Macadamia, so bin ich so am schwanken so oder ob es vielleicht doch schon ein bisschen walnussig ist. Also bin so bei grüner Walnuss irgendwo hängengeblieben im Köpfchen.

Markus: Ich auch. Das ist natürlich immer so die Frage, Henne oder Ei. Weil ich jetzt habe ich ja eben unvorsichtiger Weise schon von dem Joghurt und den Walnüssen gesprochen, die sind da natürlich irgendwo vielleicht da in den Gehirnwindungen drin. Aber ich bin völlig bei dir, also wir haben auf jeden Fall Nussnoten, Pekannuss, Walnuss kommt mir da auch schön. Wir haben eine leichte Säure, aber die ist auch völlig okay, die komplementiert das Bier sehr schön. Und es kommen dann eben diese cremigen Noten, also irgendwo ist dieser Joghurt tatsächlich da und der passt eben auch mit diesen nussigen Noten wunderbar zusammen.

Silvio: Und bei dem Bier ist es wirklich wichtig, die Temperatur. Ich habe es beim allerersten Mal gehabt, da haben wir es bei 10 Grad gemacht, da ist es gecasht, woff hat es gemacht, die Hefe hat gesagt, gibt mir Luft. Jetzt haben wir ja so auf die 6 Grad, schätze ich mal und dadurch ist das wirklich sehr, auch jetzt vom Geschmackserlebens im Mund, sehr schön. Also es hat eine leichte Cremigkeit finde ich auch, so leicht ein bisschen cremig. Und du hast ja immer so gesagt, dieses Mindsetting des griechischen Joghurt, man bildet auch so ein,  ein bisschen da so eine Kühle von so einem Joghurt so im Mund zu haben so.

Markus: Stimmt, ja.

Silvio: Also das so wieder Punkte vom Mindsetting.

Markus: Und was ich auch cool finde, es ist so ein Aroma, was bleibt. Also du fängst an zu trinken, dann ist dieser Eindruck da in seiner Komplexität, aber der bleibt dann relativ lange genau so, also verändert sich gar nicht so sehr, aber ist eben sehr dicht. Also das geht bis in so Apfelaromen auch wieder rüber, hat dieses Säuerespiel schön, dann kommt dieses leicht Laktische hinten raus. Und auch der Abgang ist ein schönes Spiel. Also die Säure ist sehr zurück, eine leichte Bittere auch dabei und dann kommt fast, fast so ein bisschen auch ein Honigcharakter. Also es ist wirklich ein…

Silvio: Es schwankt so zwischen so einem Lambic und so ein Oud Bruin so ein bisschen, finde ich so.

Markus: Stimmt, ja.

Silvio: Hat sowas, so ein bisschen kommt mir das vor. Aber dafür, sagen wir mal, müssen wir jetzt einfach mal den Käse da mit …

Markus: Genau, machen wir hier mal Moinette, schauen wir mal.

Silvio: Schöner Reifegrad, schön Karamell, finde ich, auch drin.

Markus: Also das Tolle ist schon jetzt, wir hatten ja das Bier grade im Mund und wenn man das schon hatte, ist ja immer noch so ein bisschen was da. Und wenn man dann den Käse dazu nimmt, ist selbst das schon ein Erlebnis, wie selbst diese Bierreste sozusagen auf der Zunge mit diesem Käse spielen, den sehr rund abholen. Und hinten raus ist er dann so, wie er sein soll wahrscheinlich ursprünglich, aber vorher war er schon sehr karamellig auch, sehr voll, sehr gut. Jetzt muss ich es mal mit Bier noch mehr probieren.

Silvio: Ja, auf jeden Fall.

Markus: Wie geht es dir?

Silvio: Ja, ich finde, jetzt kommt der Joghurt irgendwie ein bisschen zum Tragen, der Käse wird so ein bisschen frischer, also er hat diesen kleinen Frische-Twist oder so einen kleinen Frischetick bekommen. Und da wahrscheinlich natürlich auch durch die Kohlensäure, löst sich das auf, finde ich ganz gut. Ich bin mal gespannt, was mein heißgeliebter Postel mit dem Bier veranstaltet.

Markus: Wir müssen noch den Orval aufmachen bei Gelegenheit, das müssen wir auch noch machen.

Silvio: Das werden wir tun. Finde ich persönlich den Moinette besser. Aber ist auch mal gut, mal immer so ein Gegenbeispiel mal zu machen.

Markus: Wobei ich sagen muss, es ist ja nicht schlecht, im Sinne von schlecht, es ist anders, man hat den Eindruck, dass der Käse selbstbewusster bleibt, das Bier geht ein bisschen zurück. Der Käse wird immer intensiver, geht in eine Richtung von so einem richtig alten Gouda, das hatte er vorher nicht. Kriegt noch mehr Umami, noch mehr Karamell und das Bier ist dann halt einfach weg, das verschwindet dann so.

Silvio: Ja, wie verdunstet.

Markus: Was aber auch nicht schlecht ist. Also es verändert sich auf jeden Fall was, sie wirken miteinander, aber mit dem Moinette ist es eher so ein Spiel auf Augenhöhe, hier ist es so, der Käse ist der King.

Silvio: Es ist kein Pairing in dem, also ist keine Partnerschaft, in dem Sinne, sondern hier geht es eher unter, um es mal so zu sagen. Kann ich gerne mit dir, also gehe ich auf jeden Fall mit dir. Aber im Prinzip ist das schon wieder total schön und das ist das, was ich auch in meinen Tastings immer habe, wir diskutieren jetzt über Käse und Bier und wie unterschiedlich das sein kann. Und auch hier mit den beiden Vapeurs, ich sage immer dann, ich mache oft Vertikalverkostung, weil die Erfahrung, die ich gemacht hab, eine Vertikalverkostung erklärt über unser Produkt Bier unglaublich viel und danach musst du gar nicht mehr viel erzählen. Diese Genusswelten, die Leute damit erlebt haben für sich, steht alleine, das ist wie so ein Alleinstellungsmerkmal. Und das ist eben auch hier, haben wir es ja eben auch gemerkt, wie unterschiedlich das ist, dass man nicht dasselbe halt trinkt, sondern das Gleiche. Ich finde das immer sehr schön erklärend dafür, ja.

Markus: Stimmt. Und das ist auch bei deutschen Kunden immer erst mal ein bisschen schwierig, weil wir uns ja wirklich, also grade, alle sind ja so MHD-geeicht und so und können das überhaupt nicht verstehen, dass diese zeitliche Dimension auch was Gutes haben kann. Weil selbst bei Käse ist das so, wenn das MHD bei uns abgelaufen ist, fängt es woanders erst an, dass es spannend wird. Und mir ist das zum ersten Mal so aufgefallen, als ich in England war und da dann einen Wettbewerb hatte, wo wir Real Ale verkostet haben. Und da war praktisch als dritte Komponente, also neben dem normalen Bierthema und so weiter, war dann einfach auch, was ist das jetzt für ein Fass? Also ist das frisch angestochen, steht es schon ein bisschen, sind wir eher am Ende? Und aus dem musste man sich auch so ein bisschen überlegen, okay, wenn das jetzt schon länger angestochen ist, dann hat natürlich was stattgefunden, hat sich das Bier verändert. Dann muss ich trotzdem im Kopf das mit einbeziehen gegen ein anderes, was vielleicht frisch vom Fass ist, wo diese Veränderungen noch nicht stattgefunden haben. Und dann beginnt man in dieser Dimension Zeit auch ein bisschen zu denken. Und da, finde ich, ist bei diesen Vertikalverkostungen natürlich ganz besonders spannend, grade wenn du über so viele Jahre gehen kannst, weil man dann einfach merkt, wie natürlich, sagen wir mal, jetzt bei einem banalen Bockbier, in Anführungsstrichen banal, wen wir da ein Frisches haben, okay, dann haben wir halt Schokolade, Kaffee, diese typischen schönen wunderbaren Aromen von so einem dunklen Doppelbock. Und wenn wir dann das Ganze ein bisschen in die zeitliche Dimenssion ziehen, dann kommt halt erst vielleicht ein bisschen Apfel, dann kommen diese Kirschen, dann kommen so die Rosinen, es wird immer intensiver, bis es dann irgendwann fast schon umkippt. Und dann pendelt es sich wieder ein und ist dann nach 10 Jahren so ein ganz schönes geschmeidiges spannende Getränk, das dann irgendwann auch mal seine Geschichte erledigt hat, aber das einfach ist eine tolle Geschichte. Und Bier denken Leute so normalerweise nicht.

Silvio: Und vor allen Dingen, ich sage mal, ich finde ja unser Bock oder Doppelbock, das ist für mich der beste deutsche Bierstil, den wir haben.

Markus: Ja.

Silvio: Die ganze Welt macht den nach, wenn du in Spanien bist, diese Reserva-Linie versucht ein Bock zu machen. Und wir haben nichts Eiligeres zu tun, den über den Supermarkt zu vertischen. Also das tut mir dann immer in der Seele wirklich weh, bin ich der Meinung, das ist so, dass man diesen nicht immer diese Wertschätzung bringt. Das ist aber das Thema, was wir eben auch schon mal hatten.

Markus: Ja.

Silvio: Ja und finde das immer sehr, sehr bewegend, solche Dinge auch zum Gegensatz zu bringen. Und ich denke, ich glaube, du kannst jetzt mitgehen, warum es gut ist, dass wir jetzt auch nochmal diesen Käse da …

Markus: Ja, unbedingt.

Silvio: Ich weiß, sowieso, aber ich denke mal, jetzt haben wir wieder gemerkt, wie die Biere auch wieder total unterschiedlich funktioniert haben, das ist das Schöne dabei.

Markus: Ich habe mich total gefreut, als du gesagt hast, du bringst Käse mit, weil ich hatte mir eben schon überlegt, ob ich von meinen Käsen, die ich jetzt eingekauft hab, welche mitnehme. Und dann hast du offene Türen eingerannt, weil genau den Moinette habe ich auch gekauft und den kleinen runden Saison auch, den sie da haben.

Silvio: Auch mit dem Hopfen den?

Markus: Ja, also den, ja, genau.

Silvio: Den gibt es auch noch mit Hopfen. Ist der gleiche Hopfen drin, den sie im Dry Hoping drin haben.

Markus: Genau, richtig. Also auch das, also vielleicht noch am Rande erwähnt, wenn ihr in Belgien unterwegs seid, ist das eine natürlich, sich die entsprechenden Biere zu kaufen, aber da, wo es dann auch Käse dazu gibt, sollte man sich das auch nicht entgehen lassen. Also sowieso in den Abteien, das ist ja klar, wo dann sowieso selber noch Käse hergestellt wird, aber auch eben wie bei Dupont zum Beispiel, also da unbedingt die Dinge parallel genießen. Jetzt haben wir hier den Orval aufgemacht, der schaut an sich schon mal ganz faszinierend aus. Das ist der Alte, also woah, also schon vom Optischen her sieht man …

Silvio: Riech mal da dran, also ich finde das schon wieder, das ist genauso schön zu riechen wie Bier, um es mal so zu sagen.

Markus: Absolut, also großartige Geschichte. Ich schneide den mal schnell, solange vielleicht noch eine Frage. Du bist ja dann quasi auch in der Nähe zu Belgien, zu dem deutschsprachigen Teil von Belgien, ergeben sich da Verbindungen?

Silvio: Ja, definitiv, also es ergeben sich daraus natürlich Verbindungen. Und das heißt also, auch die kleinen Mikrobrauer, die es da gibt, habe ich Kontakt, führe ich zum Teil auch im Laden. Letzte Woche war ich bei Val Dieu weil wir auch enger zusammenarbeiten wollen. Das geht doch immerhin bis zur ältesten Destillierie Belgiens …

Markus: Woah!

Silvio: … Rademacher so. Und ich sage mal immer, ich versuche es immer so zu erklären, ich habe eben vielleicht gesagt, Aachen ist ja so die Wiege Europas, wenn man es so sieht. Karl der Große, was Europa, wie wir so kennen, sagen wir jetzt mal nicht Nordeuropa und Osteuropa, ist aber eigentlich so in der Konstruktion, wie Karl der Große es gemacht hat. Und ich sage da immer so schön, in Aachen ist es einfach so, du setzt dich in einen Bus, schläfst ein, wachst in Maastricht auf, schläfst wieder ein und wachst auf einmal in Lüttich oder in Eupen auf. Also ich will damit sagen, da ist eine totale Durchlässigkeit trotz drei verschiedener Sprachen. Also wir haben den französischen Teil eben in Belgien, der ja dann angrenzt mit der DG, mit der deutschsprachigen Gemeinschaft, bis hin in den niederländischen Teil. Beziehungsweise, muss man dazu sagen, es ist ja eher das katholische Holland, nicht Holland, Niederlande, ist nämlich Limburg, Provinz Süd Limburg und der andere Teil von Limburg liegt eben in Belgien. Und die Geschichte hängt auch alles miteinander, Maastricht, Falkenburg, alles auch Städte von Karl dem Großen mit, das gehört alles so mit zusammen. Und in der Dialektik, wenn der Maastrichter einen Dialekt spricht und ich zwei Kölsch getrunken hab, dann verstehe ich den sehr, sehr gut und umgedreht eben auch. Dann merkt man, wie das zusammen passt. Und ich kenne noch als Kind, dass man als Deutscher in Belgien noch als Bosche beschimpft wurde und gibt es heute alles nicht mehr. Dieser Maastrichter Vertrag, der ja eben 92 zum Wirken gekommen ist, der wird in dieser Region sehr, sehr stark gelebt. Jeder sucht sich das Beste für sich aus und das finde ich auch ganz gut so und jeder weiß auch um die Kultur des anderen und es ist immer eine Sache des Respektes, finde ich auch, gegenseitig. Natürlich wollen wir das nicht glorifizieren, in Belgien wird natürlich auch Jupiler getrunken, wo wie wir hier den Pilsstil auch haben, dass muss man auch mal.

Markus: Eben.

Silvio: Man muss natürlich jetzt, wir als Bierpuristen feiern natürlich die belgischen Bierstile sehr, aber man darf ja auch nicht die Augen verschließen, das trotzdem 40 % eben auch das Pils dort getrunken wird. Aber, ja, es gibt …

Markus: Das ist ein ganz wahres Wort, da muss ich ganz kurz nochmal bestätigen, weil das wirklich sowas ist, was ich auch unseren Leuten oft sage. Also wenn wir dann in den belgischen Bierwelten geschwebt sind, dann waren wir bei den ganzen Trappisten, bei den Lambics, bei all diesen tollen Sachen und dann denken die halt, das ist die belgische Bierkultur. Und wenn sie hinfahren, merken sie, okay, 80 % dieser Bierkultur ist genauso wie bei uns, da ist halt irgend so ein helles pilsähnliches Bier, was auch immer, manchmal ist es ein Blond, aber halt ein relativ gleichförmiges, logischerweise mainstreamiges Bier. Und das, was wir als die belgische Bierkultur verkaufen, ist vor Ort ja eigentlich eine Nische oder etwas größer vielleicht als eine Nische, aber relativ gesehen eine Nische. Und deswegen ist es umso wichtiger, dass wir das tun, damit diese Nische eben auch gewertschätzt und bewahrt werden kann. Aber das ist wirklich was Wichtiges. Weil viele auch in der eigenen Kulturwertschätzung dann immer erst mal so denken, in Belgien gibt es nur dieses ganz, ganz tolle Bier und wir haben halt eher so 80 % Mainstream. Aber das ist halt überall auf der Welt so, letzten Endes. Und umso schöner ist es, wenn sie das entdecken können. Und jetzt, ja, müssen wir unbedingt diesen Orval-Käse probieren.

Silvio: Definitiv.

Markus: Ja, schauen wir mal. Du hast schon in Teile geschnitten, schauen wir mal. Sehr fein. Jetzt kriegen wir hier grade Besuch, hallo.

Frau Reiß: Hallo.

Silvio: Genau, meine Frau ist dazugekommen. Und ich sage immer so schön, der Vintäsch-Hund, der auf dem Logo ist, den gibt es tatsächlich. Und da siehst du schon wieder, wie die Verbindung ist, ich habe eben von Europa oder will es jetzt mal so sehen, die Hunderasse ist ein niederländischer Kooikerhondje und jetzt kommt es, aber in Belgien gekauft, und somit schließt sich auch wieder so ein Bogen, wo wir dann alles miteinander verbinden. Und ich habe gesagt, ich pflege auch wirklich Kontakte nach Belgien rein, ich darf eben auch für die Touristik Wallonie Journalisten nach Belgien begleiten, um deren Bierkultur. Und wichtig auch, die Essenskultur zu zeigen. Und ich sage mal, was viele auch nicht wissen, wenn wir hier zum Beispiel in Ostbelgien sind und nach Hervé fahren, das ist eine der besten Molkereien der Welt, das wissen ja auch die wenigsten Leute da, wo der Hervér Käse herkommt. Da lässt Val Dieu auch Käse machen oder es gibt auch eine Linie, die von Chimay oder von manchen Trappisten auch in Lizenz auch gemacht werden können. Und das sind so Dinge, wir machen immer alles so klein, als wir, also ich sage immer wir, vieles vor den Türen und du hast eben so geschwärmt von der belgischen Bierkultur, wir haben auch in Deutschland natürlich auch eine sehr gute Bierkultur. Wir haben eben über das Bockbier gesprochen, wir haben eine Reihe von sehr guten Craft Beer oder ich sage eher Kreativbieren. Ich finde, das ist dieser österreichische Ansatz, finde ich, eigentlich viel zielführender, das wir das nicht so nennen, Craft Beer Bier, das ist auch in meinem Verständnis nicht so. Wir haben Bier und vielleicht haben wir Kreativbier, warum können wir nicht Früchte rein tun? Okay, geht nach deutschem Reinheitsgebot nicht. Das würde jetzt die Brücke schlagen zu meinem Heimatgefühl, was ich mit Sebastian Sauer gemacht habe. Das ist ein Bier, da ist die Printengewürzmischung von einem ansässigen Becker mit drin und deswegen heißt das Bier eben nicht Bier, sondern, du kennst das ja, da haben wir drauf geschrieben, ich muss die Lesebrille anziehen, ich glaube, es ist ein Biermischgetränk mit einem 1-prozentigen Printengewürzsud, um es jetzt mal wieder …

Markus: Wahnsinn, also ganz faszinierend, werden wir gleich noch drüber sprechen. Ich wollte noch ganz kurz nachholen, weil wir angefangen hatten, grade den Orval-Käse zu probieren.

Silvio: Oh, Entschuldigung, ich habe den nicht zelebriert.

Markus: Alles gut, nein, muss man auch nicht, aber nachdem ja die Hörer nicht hier sitzen, muss man ihnen zumindest ein bisschen einen Eindruck vermitteln. Und das Schöne ist, also es ist vielleicht näher an einem klassischen Käse, den wir kennen, als die anderen beiden, aber er entwickelt ein ganz schönes nussiges Aroma. Und das wiederum passt auch wunderbar zu dem Bier, gibt das Ganze schön rund und macht am Ende dann eben also wirklich richtig Lust und lässt sich auch schön mit dem Bier kombinieren, so.

Silvio: Der Käse, den du da hast, der ist ja super, wenn du wirklich vor Ort bist und dann das grüne Orval trinkst, dann funktioniert der ja unglaublich gut. Und wir haben ja immer den Streit oft, ist es ein Saison? Wenn du die fragst, sie sagen, es ist Saison, viele sagen aber hier, es ist ein Pale Ale. Aber daran siehst du eben auch diese Einflüsse, die die Belgier eben haben, dass sie eben das gar nicht so wahrnehmen, sondern dass es eben auch so durchgängig ist.

Markus: Ja, also ein ganz wichtiger Punkt, weil eben diese ganze Idee von Bierstilen, die ist, also so, dass es bei uns hier einen echten Wiederhall hat, vielleicht 20 Jahre alt. Also wenn ich überlege, hier bei uns Franken, die normalen Brauer, die schreiben halt auf ihre Flaschen, was sie schon immer drauf geschrieben haben, da steht halt Vollbier drauf oder Lager oder manchmal steht auch einfach nur Kellerbier oder vielleicht manchmal auch Pils. Aber das ist nicht immer so, wenn zum Beispiel da in Franken auf einer Flasche Pils steht, dass dann auch das drin ist, was man jetzt beim landläufigen Bierwettbewerb unter Pils versteht, sondern das ist halt das, was der Brauer als sein Pils eben kennt. Und solange der das nicht bei einem Wettbewerb einreicht, ist das auch völlig egal. Weil, wenn seine Leute das trinken, wenn seine Leute das kaufen, sein Umfeld, seine Kundschaft und das gut finden, dann ist es doch okay und ich glaube, so ähnlich ist es letzten Endes da auch. Weil, ich meine, die Engländer, die Belgier und auch natürlich die Deutschen in der Region, die haben ihre Biere halt schon immer so gemacht wie sie sie gemacht haben. Und dann haben sich verschiedene Ideen, Aromen, Herstellungsweisen raus kristallisiert und das wurde dann halt später irgendwann mal in, ja, Schemata gepresst. Und dann eben, um es dann bei einem Wettbewerb zum Beispiel vergleichen zu können, dann muss ich das definieren, dann muss ich dem Kind einen Namen geben, man muss dem dann auch Richtlinien und Werte und Zahlen und sowas hinter bauen. Aber das ist eben erst danach gekommen, also erst gab es Bier und dann gab es Bierstile. Und das ist eine wichtige Sache, die einfach auch das ein bisschen auflockert, dass man das immer so streng sieht. Grade so, also viele amerikanische Leute, die hierherkommen, sind immer ganz, die kommen von ihrem BJCP-Katalog und wenn dann da eben Pils in der Flasche draufsteht, dann erwarten die das und wenn das nicht ist, dann gibt es schlechte Bewertungen, weil das Bier ist toll, aber ist kein Pils, deswegen gibt es nur einen Punkt von 10. Und das ist halt genau falschrum. Weil wenn das Bier toll war, aber vielleicht kein Pils, dann gebe ich vielleicht 9 Punkte und sage, vielleicht änderst du mal dein Etikett, also wenn das nicht zu einem Wettbewerb eingereicht wird, das ist eine andere Nummer.

Silvio: Aber da sind wir doch grade an einem Thema, was du grade so schön beschreibst, ist das nicht irgendwie auch immer ein wenig Bevormundung für den Konsumenten? Plattgesagt sagen wir doch immer, es gibt eh nur zwei Sorten Bier, das, was einem schmeckt und das, was nicht schmeckt. Also dieses Bevormunden, vielleicht ist es jetzt ein harter Begriff, aber vielleicht immer zu sagen, dass das so sein muss, ist vielleicht auch mal eine Denkweise, über die man nachdenken sollte, ob das immer alles zielführend ist.

Markus: Darum gibt es auch diesen schönen Spruch, alles kann, nischt muss.

Silvio: Genau. Und wichtig ist ja einfach auch, wenn derjenige damit Erfolg hat, das ist doch wunderbar. Das ist ja, wenn wir jetzt manche Diskussionen führen, ist ein Pastry Stout sauer, ist das noch ein Bier, gibt es ja. Sage ich, ja, Punkt. Wenn es dem Konsumenten schmeckt, ich sage, ja. Wenn man nachher mal sieht, die dann Brauwesen studieren, die lernen auch, wie man Molke macht, die lernen auch Getränketechnik.

Markus: Natürlich.

Silvio: Also dass das dann auch da mit rein schwingt. Ist das verwerflich? Nein, finde ich nicht. Ich finde, auch da müssen wir überlegen, ob wir das immer wirklich bevormunden. Wenn einem einfach so ein Bier schmeckt, wunderbar, wir haben ihn. Wir haben ihn mit einem Bier, wo er bis jetzt hier nicht meinte, dass das ein Bier ist. Das passiert mir ja mit der Damenwelt oft, die ja dieses hopfenbetonte Pils kennen und sagen, das ist nicht meine Welt. Also meine Frau ist ähnlich so, bevor ich Biersommelier war, konnte sie mit Bier auch nix anfangen. Gibt es auch ein paar, drei Bierstile, die findet sie gut, die passen auch zu ihrem Geschmacksempfinden. Und ich glaube, das ist eigentlich, wo wir manchmal auch ein bisschen überlegen müssen. Oder ich habe manchmal, also am Anfang der Tastings habe ich mal immer einen Fehler gemacht, also ich sage bewusst einen Fehler. Ich in voller Euphorie habe dann so an der 5. Stelle ein Celebrator Doppelbock da rein gehauen, weil ich finde, das ist ein toller Doppelbock. Und die Leute, die es eben nicht gewohnt waren, die haben gesagt, boah, das schmeckt ja überhaupt nicht, total Kaffee, boah, viel zu herb, alkoholische Bittere, kann ich nicht. War doch mein Fehler, ich habe die Leute darauf nicht vorbereitet, sondern man muss eben auch gucken, wie man sowas begleitet. Und dass ist das, wo ich sage, mit dieser Euphorie, wo man schauen muss, welche Leute habe ich da oder welchen Konsumenten habe ich dem Moment da. Und dass ist das, was ich eben auch meinte mit Stadt, Land und da muss man eben schauen, in Ruhe, wie viel man da vorbereiten kann.

Markus: Richtig. Und ich finde auch, was ganz wichtig ist, also da bin ich mit 150 % bei dir, man muss allerdings auch den Leuten sagen, das andere Ende der Fahnenstange ist genauso. Also wenn jetzt jemand sagt, ich sage jetzt aber mal ein paar Marken gleichzeitig, damit keiner denkt, ich will irgendjemand bashen, ich trinke mein Veltins, mein Warsteiner, mein Oettinger total gerne zum Fußball gucken, erste Halbzeit, wie auch immer, ich mag das gerne, wie auch immer, dann ist das auch okay. Also das ist auch eine wichtige Sache, die, glaube ich, bei uns oft ein bisschen fehlinterpretiert wird. Es gibt eben diese Bierwelt, die du es grade gesagt hast und die fängt halt irgendwo bei einem ganz normalen Standardpils, was man irgendwo bekommt, an und hört halt bei, was wir jetzt hier haben, auf. Und das eine ist nicht besser als das andere, sondern der Verwendungszweck ist vielleicht anders und die persönlichen Vorlieben sind anders. Und klar würden wir jetzt wahrscheinlich uns nicht zusammensetzen und gemeinsam ein Oettinger und ein Warsteiner verkosten, könnten wir wahrscheinlich auch, aber hier ist natürlich die Sache spannender, weil man auch über die Brauereien, über die Biere viel erzählen kann. Aber deswegen ist es immer wichtig, das andere nicht abzuwerten, sondern das gibt es eben auch und gehört auch zu dieser Kultur irgendwie dazu.

Silvio: Ich sage immer meinen Leuten, Bier ist immer was anlassbezogenes. Ich nenne dir ein Beispiel, 30. Geburtstag, würde früher dran gemessen, wie viel Kästen Bier vernichtet wurden, welches auch immer. Kommt du zum 50. Geburtstag, dann wird nicht mehr gemessen, wie Quantum, sondern dann gibt es vielleicht auch Getränke wie Wein, da ist dann eher mehr. Und da sieht man auch, wie Geschmack sich auch verändert.

Markus: Richtig.

Silvio: Und das darf man auch dabei nicht vergessen. Und das eine hat seine Bewandtnis und das andere hat seine Bewandtnis, da bin ich vollkommen bei dir. Und ich habe auch nach den Tastings, wo dann Leute dann sagen, ja, jetzt trinke ich ein Bitburger. Ich sage, wenn dir danach ist, ich bin nicht beleidigt, du möchtest das haben. Ist ja so, wie wir auch immer sagen, es gibt kein richtig, kein falsch. Wenn dem einen das nicht schmeckt, dann ist das so, was soll ich das in infrage stellen. Nur weil ich das super finde, heißt ja nicht, dass er das super findet. Das ist immer so das große Problem oder, ich sage mal, nicht Problem, aber das ist das, wo man vielleicht offen sein muss, tolerant in dem Moment.

Markus: Ja. So, jetzt gehen wir auf den Oelberg, allerdings ohne ö, Sankt Oeberg, ist das ein Ort?

Silvio: Ja. Sankt Oelberg ist nix anderes als die Verballhornung oder, steht hinten drauf, die augenzwinkernde Hommage an die Stadt Stollberg.

Markus: Ah, okay.

Silvio: St. Oelberg, das ist so bei uns so ein geflügelter Witz, sage ich jetzt mal. Und ich habe ja eben gesagt, ich ziehe ja bald runter, wo die Altstadt ja überflutet worden ist vor 2 Jahren und dann habe ich überlegt, wie ich was machen kann. Habe dann mit dem Sebastian Sauer, der ja auch in Stollberg wohnt, Sebastian wohnt 4 Kilometer von mir entfernt.

Markus: Ach, okay.

Silvio: Sebastian habe ich mal vor 14 Jahren beim Braukurs in Köln in der Braustelle kennengelernt und dann irgendwann hat man sich mal aus den Augen verloren, bis ich vor 4 Jahren dann mit dem Craft Beer anfing. Und dann haben wir eben versucht, ein Charity-Bier zu machen mit Fruit-Spende und das haben wir dann gemacht. Das war dann ein Pils, naturtrübes Pils, das hieß dann Messing Heimat, weil Stollberg die Messingstadt ist beziehungsweise die Kupferstadt. Das ist, was die wenigsten wissen, der älteste Industriebetrieb Deutschlands steht in Stollberg, weil eben dort Messing-Prim, Knöpfe, also es kommt daher, diese Messing-Knöpfe, das Patent und Kupfer wurde eben abgebaut. Und deswegen hat man eben auf dem Etikett auch immer das Galmei-Veilchen, das ist endemisch, das gibt es nur dort, da, wo sehr viel Kupfer und Schwefel vorkam, das ist ein eigenes endemisches Pflänzchen. Und dann habe ich 2 Biere mit dem Sebastian gemacht beziehungsweise ich habe gesagt, wie ich sie gern hätte und er hat sie mir dann gemacht. Einmal einen Heimat Bock mit leichtem Rauchmalz, der ist eben für das Essen gedacht, eben für Steak. Und in Aachen oder in der Städteregion Aachen essen wir einfach den Sauerbraten mit Printen, das ist einfach so. Deswegen heißt das Bier auch Heimatgefühl und Gefühl natürlich, damit wir das so haben können. Und das ist ein Bier …

Markus: So wie wir die Sauerbratensoße mit Lebkuchen machen.

Silvio: Ihr macht es mit Lebkuchen, jetzt können wir aber schauen, der Lebkuchen ist ja viel ähnlich natürlich und einfach so wird das gemacht. Und dieses Bier ist eben dafür gedacht, dass es zum Sauerbraten funktioniert und es ist eben auch dafür gedacht, dass das Bier zu Kaninchen funktioniert.

Markus: Oh.

Silvio: Kaninchen süß-sauer und zum Dessert. Das war die Idee, die dahintersteckt. Es ist eine Chimäre-Hefe drin, ich habe es auf dem Bierstil des Quadrupels gemacht.

Markus: Woah.

Silvio: Und so wie es sein musste, ich hatte Weihnachtsmarkt und das Bier war noch nicht fertig in der Gärung, habe ich gesagt, ich brauche es trotzdem. Da haben wir einen Batch vorher gemacht, den mache ich jetzt mal auf. Und dann haben wir noch einen anderen Batch 6 Wochen länger im Gärtank gelassen, das ist daneben. Und jetzt liegt dieses ganze Baby im Moment noch in einem ehemaligen Jack-Daniel´s- Lafroaigh-Fass. Und ich werde es, so wie ich es verstanden hab, den Sebastian und der Christian Vormann, wollen wir es Anfang Oktober abfüllen.

Markus: Also vielleicht noch ganz kurz für die Hörer, der Sebastian Sauer ist so ein bisschen, was soll man sagen, ein frühes Enfant terrible der Bierwelt in Deutschland.

Silvio: Pionier.

Markus: Ja, ja, ich wollte es grad sagen, es ist so ein bisschen beides, ich habe ihn auch so vor ungefähr 15 Jahren kennengelernt. Und er hat also sich einfach dem verschrieben, wirklich besondere historische spannende Bierstile zu entdecken, zu verkosten. Der war auch schon in Südamerika unterwegs und hat das Chicha probiert, rauf und runter. Und macht eben viele, viele tolle Biere, die dann eben sehr experimentell sind, sehr spannend, sehr aromatisch sind. Freut mich total, dass ihr da zusammenkommt, das wusste ich gar nicht, dass er da wohnt. Und es ist immer wieder eine Freude, was von ihm zu haben, Freigeist nennt sich das Ganze auch, Bierkultur. Und, ja, der Christian Vormann, auch witzig, der war in einem unserer allerersten Seminare, auch vor 10 Jahren muss das ungefähr gewesen sein. Und der hat sich ja auch toll entwickelt, macht auch viel Biere in seiner Brauerei, viele spannende Geschichten. Und, ja, also jetzt haben wir hier dieses schöne Bier im Glas, schaut ja fast aus wie ein Rotbier, muss ich sagen, schöne natürliche Komponente, toll.

Silvio: Ja, natürlich ist Kardamom da drin. Auch Amber, könnte man sagen, Amber oder Bernstein.

Markus: Der Joker des Biersommeliers, Bernstein.

Silvio: Ja, strohgelb.

Markus: Nein, also wirklich, eine wunder-, wunderschöne Farbe und so, wie es eigentlich sein, ein rotstichiges Braun. Schöner auch genauso getönter Schaum, der da auch perfekt dazu passt. Oh und ein unglaublich interessanter Geruch. Ich würde ja auf den ersten Tipp erst mal sagen, es hat was Florales, sowas Blütenmäßiges. Und dann, wenn man länger reinriecht, dann kommen die Printen, also dieses, ja, wir würden jetzt in Franken sagen, Lebkuchengewürzaroma, so ein bisschen rüber. Und wird dann immer intensiver und geht dann so in Honig. Aber es hat auch was Florales. Aber diese Veilchen habt ihr da nicht auch noch reingesteckt?

Silvio: Nein, aber es ist Macisblüte drin, es ist Muskatnussblüte drin.

Markus: Ah, okay.

Silvio: Du bist mit dem Floralen ganz gut. Und ich finde, den Touch, den Twist, den man hier natürlich hat, ist diese klassische Birne, diese Hefe, die du wirklich so von dem Chimäre auch immer erkennst so in der Nase. Also ich bin ja jetzt total befangen, deswegen.

Markus: Ja, Birne und auch Quitte, also es ist eine total spannende Geschichte.

Silvio: Prost.

Markus: Ja, prost. Setzt sich fort, toll. Also was ihr jetzt knistern hört, das sind die Printen, die waren nämlich auch im Paket. Und, ja, du öffnest die grade, sagen wir mal so.

Silvio: Ja, ich denke, das ist in dem Fall wichtig oder ich sage mal, die Idee, die da ist, ist einfach, damit man einfach nochmal so ein bisschen schaut, wo was da hinkommt. Hinten kannst du nochmal schauen, was für Gewürze auch drin sind.

Markus: Also ich finde es unheimlich präsent auf jeden Fall, dieses Printenaroma bleibt auch ganz lange. Und es ist, also jetzt sieht man auch, also wir haben hier Zimt, Koriander, Anis, Gewürznelke, Piment und Macis-Blüte, also, ja, eine schöne bunte Mischung an Gewürzen. Jetzt haben wir hier eine Printe, ich habe die mit Nüssen erwischt.

Silvio: Du kannst die auch mit Mandel haben, mir ist das egal, du kannst die aber auch nur mit dem normalen Zuckerguss haben.

Markus: Jetzt habe ich die mit Nüssen, wunderbar. Probieren wir das mal mit dem Bierchen, prost.

Silvio: Und jetzt merkt man, dass es eben auch mit einem Dessert funktionieren würde oder kann.

Markus: Das geht sehr schön Hand in Hand, muss ich sagen. Also, gut, ist jetzt auch in gewisser Weise erwartbar, aber richtig schön, weil auch diese süße Note von den Printen, die wird mit rüber genommen, ist aber trotzdem nicht so dominant, also das macht das Ganze sehr angenehm. Gibt es ja oft so bei so Schokolade-Tastings, dass das Süße dann zu krass ist, grade wenn man das dann so Gleiches mit Gleichen kombiniert. Hier ist es wirklich sehr, sehr schön, sehr angenehm, sehr rund. Ich kann mir das Bier auch in der Tat total gut vorstellen zu so einer richtig schönen Soße, die mit den Printen gemacht worden ist. Das führt dann ja eigentlich das fort, was man von der Speise hat, wird im Mund dann mit dem Bier weitergemacht.

Silvio: Wir haben daraus dann noch einen Printenlikör gezogen, so ein bisschen und haben dann also daraus dann eine Printen-Mousse gemacht beim Essen mit dem Restaurant. Und das ist jetzt die 1. Version und wir trinken jetzt gleich schon mal die 6 Wochen länger gelagerte Version.

Markus: Okay.

Silvio: Und es ist einfach, ich finde es sehr schön und wir haben uns bewusst entschieden aufgrund der Erfahrung. Der Sebastian hatte schon mal ein Printenbier gemacht, hat es aber dann mit Printen aufgelöst. Und dann war es sehr biskuitig und es war sehr teigig, es war also nicht viel von dem Gewürz. Und ich habe, wie gesagt, dann hier bewusst nur die Gewürzmischung genommen, so wie man dann eben das macht. Und ein ganz kleiner Bäcker, und jetzt geht es weiter, das Bier gebe ich ihm dann wieder, er zieht das in eine Ganache rein, macht darüber dann noch Marzipan, zieht das auf die Printe, daraus eine Ganache, die heißt dann Etepetete. Wir nennen sie eigentlich St. Oelberg Printe, also Printenpraline. Und haben das Spielchen nochmal zurückgespielt dann auch, einfach um nochmal zu zeigen, dass eben auch Brauen und Brotbacken oder eben auch sowas, wie das zusammengehört und das kam auch ganz gut an. Und dass ist so das, kam vielleicht so ein bisschen raus, so meine Liebe, eben auch zu sagen, ich muss Bier immer im Essenskontext betrachten, das ist so die Idee, die dahintersteckt.

Markus: Und es ist auch ein ganz teuflisches Bier, muss ich sagen. Weil, also es steht drauf 10%, wenn man mich gefragt hätte, hätte ich gesagt, naja, vielleicht 6. Also da ist schon, ja.

Silvio: Du bist aber auf einem guten Weg. Der 1. Batch ist so um die 8%, 8,5% gemessen, also sehr gut. Aber jetzt warten wir mal, was der 2. sagt.

Markus: Okay.

Silvio: Weil ich das, wie gesagt, so für den Weihnachtsmarkt brauchte, haben wir das Ding einfach ein bisschen vorher aus dem Tank gezogen.

Markus: Spannend, schaut schon ein bisschen anders aus. Hat einen richtig geheimnisvollen Schimmer, so ein Sonnenuntergang quasi.

Silvio: Das liegt an der Sonne vielleicht.

Markus: Ja, vielleicht liegt es auch an der Sonne. Der Schaum ist tatsächlich präsenter, finde ich, als bei der 1. Version, kann aber vielleicht jetzt nur am Einschenken gelegen haben. Er ist ein bisschen heller, finde ich, auch.

Silvio: Die Sonne ist natürlich auch da, meine Frau sitzt dabei, deswegen ist das natürlich so schön.

Markus: Alles strahlt sozusagen. Und was man auch sagen muss, hier zieht man die 10% oder mehr, ehrlich gesagt, wahrscheinlich sogar mehr, sieht man am Verhalten des Bieres im Glas.

Silvio: Andere Viskosität, ja.

Markus: Also das bleibt ja eigentlich von A bis Ende kleben.

Silvio: Ja, eine andere Viskosität auf jeden Fall.

Markus: Wahnsinn. Also optisch schon mal Bombe, muss ich sagen. Oh ja, okay, dann ist auch die alkoholische Note in der Nase stärker.

Silvio: Der Honig ist weg, den wir so eben so in der Nase hatten, sondern viel mehr diese Muskatnuss kommt da so.

Markus: Das ist sehr interessant, ja, es ist wie eine Birne, über die man so ein bisschen Zimt und Muskat streut so.

Silvio: Wir nehmen es zum Beispiel zum Bratapfel.

Markus: Ah ja.

Silvio: Da passt das unglaublich gut dazu.

Markus: Woah. Also, ja, da merkt man mal, es ist ja, es hat einfach ein bisschen Zeit.

Silvio: 6 Wochen.

Markus: Ja, Wahnsinn. Prost.

Silvio: Prost. Jetzt sind wir volle Lotte beim Quadrupel auch angekommen.

Markus: Aber trotzdem großartig. Also was ich ganz schön finde, ist das, obwohl jetzt die Alkoholnote stärker ist, ist sie immer noch schön eingebunden. Wir haben eine Süße, die ist auch durchaus präsent und schön. Und diese Printenaromen, die sortieren sich so, die kommen dann so Stück für Stück, eins nach dem anderen und am Ende ist es wieder komplett. Und auch das Mundgefühl, sehr, sehr angenehm, sehr moussierend, ja. Ja, hat er gut gemacht oder habt ihr gut gemacht.

Silvio: Ja, ich bin sehr zufrieden. Und ich freue mich ja im Oktober, wenn das dann aus dem fass dann rauskommt. Wir haben es in 3 Versionen gemacht. Wir haben es in ein Rumfass gelegt, wir haben es in einem Bordeaux-Fass und dann eben dem ersten Lafroaigh-Fass. Das Erste, war es ein Jack Daniel´s, dann Lafroaigh. Und dann geht es weiter, dann hat es 5 Jahre als Singelmalt für jemanden gedient, der den Whisky in Aachen macht, von dem habe ich das Fass übernommen, so ein 125-Liter-Fässchen. Wie das Fass kam, wir da reingerochen haben, da warst du schon ohnmächtig von dieser Geruchsexplosion, die wir hatten. Man konnte es beides wahrnehmen, man konnte diesen klassischen Bourbon wahrnehmen, diese volle Lotte Vanille, die schon so Bourbon-, wirklich Bourbon-Vanille war. Und dann kam so hinten, klopf, klopf, der Torf und sagte, hej, ich bin auch noch da.

Markus: Hej, ich bin auch noch da, ja, schön.

Silvio: Und das war sehr schön. Und da bin ich mal gespannt, ich schicke dir natürlich gern da zu, von der Flasche.

Markus: Oh ja.

Silvio: Aber das ist jetzt, wie gesagt, eben einfach auch ein Bier klassisch zum Speisekontext. Schöner Weise verkaufe ich das auch im Sommer. Als Printenbier ist es eben einfach eine absolute Nische, die ja eben bei uns ist. Und ich bin sehr zufrieden mit diesem Bier.

Markus: Ja und ich glaube, das ist jetzt wirklich ein Bier, das funktioniert mit ganz, ganz vielen Sachen, also ab einer gewissen Ebene. Genau, wir müssen den Käse jetzt hier natürlich auch noch angreifen, keine Frage. Vielleicht ganz kurz, weil du es grade gesagt hast, kaufen, ist ja auch ein Sinn. Also wenn die lieben Hörer, die jetzt alle nicht grade in Aachen oder um die Ecke wohnen, mal mit dir geschäftlich zu tun haben wollen, wie funktioniert das?

Silvio: Also ich habe keinen Online-Shop, ich bin ein klassischer Stationärer, aber natürlich verschicke ich. Aber, Leute, es ist jetzt nicht so mein guter Freund, der den Belgo-Shop führt, der da sehr gut drin ist, weil er da die Logistik hat. Sondern ich bin da eben so eine One-Man-Show, habe einen Laden zu führen und natürlich verschicke ich das auch sehr gern, aber dann immer ein bisschen mehr Geduld. Und dann eben wird das Ganze über Überweisung, PayPal dann abgewickelt. Weil ich habe bis jetzt immer den Online-Shop gescheut, es gibt immer Fallstricke wie vergessene Literangabe und so weiter. Und wenn dann irgendwie was vom Abmahnverein reinkommt, habe ich da keine Lust drauf und das ist so, warum ich es erst mal so …

Markus: Nee, das geht leider Gottes sehr, sehr schnell und grade, wenn man mit ausländischen Produkten arbeitet oder mit so sehr handwerklichen Produkten, weil ja auch die Produzenten da nicht immer auf alles achten, das macht schon Sinn. Heißt aber jetzt, also wir haben dann praktisch eine Email-Adresse oder schon eine Website oder wie?

Silvio: Ich hab keine Website, ich bin über Instagram, da steht ja Vinteasch mit ae dann geschrieben oder eben kann man darüber Kontakt aufnehmen. Oder ganz klassisch über Email, das geht natürlich. Der große Mappenanbieter Herr Google, wenn man mein Profil aufruft, dann kann man mir eine Email schicken oder silvio.reiss@vintaesch, mit ae, .de geschrieben, dann kann man das bestellen, verschicke ich sehr gerne. Es kann sein, ich bin jetzt grad am überlegen, das es dann über den Belgo-Shop auch zu beziehen ist.

Markus: Also hast du ja auch eine Idee.

Silvio: Frederic, haben wir schon drüber gesprochen und das werden wir jetzt mal machen. Aber das war ein Herzensprojekt und ich denke, das merkt man auch, dass es da reingepasst hat, sehr schön.

Markus: Also die Links werden wir natürlich alle noch in die Shownotes geben, sodass die Leute dann eben auch schon mal das mit dem Podcast direkt machen können. Ich muss sagen, mit dem Käse habe ich ja so nebenbei so ein bisschen probiert, passt auch sehr schön, der Parmesan, in Anführungsstrichen, macht auch hier seinen Job auf jeden Fall. Die Kaminwurz hat sich jetzt grade ein bisschen verabschiedet. Da ist sie.

Silvio: Glück gehabt, der Hund hat nicht aufgepasst.

Markus: Die versteckt sich, ja. Aber das ist das Gute an so einer bayrischen Kaminwurz, die kann das auch ab, die fällt mal runter, die ist danach wieder wie vorher, alles wunderbar. Also das ist schon auch wirklich großes Kino, das mit den Speisen zu machen. Also insofern, das vielleicht einfach auch nochmal an alle Hörer als Anregung, als Tipp, also neben der Anregung und Tipps, sich mit dir mal auseinanderzusetzen, dein Instagram-Konto zu abonnieren und so weiter. Aber eben auch wirklich, grade wenn man solche Biere hat, die auch aromatisch viel zu bieten haben, sich dann eben auch mit Käse, mit Schokolade, mit Wurst, mit was weiß ich, was man halt mag, zu beschäftigen und einfach zu spielen. Weil, ich glaube, so kommt man am ehesten dahin, oder?

Silvio: Ja, es ist alles eine Spielwiese, denke ich mal. Man kann sich auch mal verdribbeln, aber man kann eben auch mal aus 30 Metern in den Winkel schießen, um beim Fußball zu bleiben. Ja, ist definitiv so, ja. Und ich denke, das Bier ist eigentlich, steht so sinnbildlich für meine Liebe, die ich ja eben auch hab, Belgien, eben auch die Heimat, da verbunden. Und ich habe noch 2 andere Bierprojekte im Kopf und schauen wir mal, was da so ist, aber müssen wir mal Step by Step machen. Jetzt durch den Umzug werde ich den Heimatbock dieses Jahr nicht brauen lassen, das werde ich nächstes Jahr machen, weil die Geldmittel müssen da rein fließen, ist einfach so. Ich sage ja auch immer so, ich lebe nicht vom Bottle-Shop, das ist schwierig auf dem Dorf, muss man so sagen, sondern ich lebe von der Sommeliertätigkeit. Und das ist eigentlich auch der Grund, warum ich dann in die Stadt gehe, um mehr Lauffrequenz und mehr Touristen sind. Das ist der nächste Schritt, den ich machen musste, ist einfach so. Und wir merken ja auch so an einer Reihe von Erstgenerationen, die anfangen, die aufgeben oder Brauereien verkaufen, Bottle-Shops schließen. Und weil die Craft-Beer-Nische ja doch eine Nische ist, das muss man einfach mal auch sich klarmachen und deswegen ist das alles auch nicht immer so einfach, wie wir uns das wünschen und denken und das ist so, wo man ein bisschen jeden Tag kämpfen muss. Ich mach das gerne, aber manchmal ist es auch ein bisschen frustrierend.

Markus: Das auf jeden Fall. Aber immerhin, wenn man solche Produkte hat, solche Möglichkeiten zu kombinieren, macht das dann wenigstens auch Spaß, dieses Kämpfen und man hat auf jeden Fall was für sich und vielleicht für die eigene Familie auch noch mit dabei. Also auf jeden Fall, wie gesagt, nochmal vielen Dank, dass du das hier mitgebracht hast, uns teilhaben lässt. Und wir können dann ja, wenn du umgezogen bist und die nächsten Projekte angehst, einen 2. Teil machen, wo wir nochmal dann vielleicht vor Ort drauf eingehen und es uns mal anschauen. Und zwischendurch eben nochmal, an alle Hörer, schaut in Aachen vorbei …

Silvio: Stollberg.

Markus: … Stollberg, richtig, Entschuldigung.

Silvio: Bei Aachen.

Markus: Schaut in Stollberg vorbei, bei Aachen, nehmt ein paar schöne Biere, lasst euch beraten vom Silvio und vielleicht auch ein bisschen Käse, vielleicht ein bisschen Wurst und auf jeden Fall, Printen nicht vergessen.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk 122 – Interview mit Steffi Hader und Philipp Henniges vom Podcast „Buch und Bier“ aus Bamberg

Bei den KollegInnen zu Besuch: Diesmal bei „Buch & Bier“ mit Steffi und Phil. Es klingt wie die logische Evolution – vom BierTalk zum Bier- und BuchTalk. Genau deswegen haben wir uns an einem edlen Ort verabredet und im Nebenzimmer des Schlenkerla getroffen, um diese einzigartige Podcast-Folge aufzuzeichnen. Die rauchbierverliebte studierte Brauerin Steffi lernte in einer Mälzerei und wurde schließlich freie Autorin, Phil hingegen ist gestandener Buchhändler mit Hang zu neuen und kreativen Bieren aller Art. Als Paar lesen und trinken sie gerne gemeinsam und haben aus diesen beiden Hobbys schließlich einen Podcast gemacht. Zusammen mit Markus Raupach sind sie drei Bamberger mit zwei Podcasts, vielen Büchern und jeder Menge Bierdurst – der Stoff, aus dem spannende Episoden entstehen…

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Freunde des Gerstensaftes und der Druckerschwärze, wir begrüßen euch. Wir, das sind:

Steffi: Steffi, die Fachfrau, alles was mit Bier zu tun hat.

Phil: Und Phil, der Buchhändler eures Vertrauens.

Markus: So.

Phil: Und, genau, heute sind wir nicht alleine.

Markus: Ja, also jetzt werdet ihr euch wundern, zumindest wenn ihr BierTalk-Hörer seid, dass ihr ein ganz anderes Intro gehört habt als bei den anderen 202 Folgen oder sowas gehört habt. Aber, ja, wir sind heute mal wieder bei einem Podcast-Special, wo wir uns einfach mit einem anderen Podcast treffen und in dem Fall sogar mit einem doppelten sozusagen, weil ihr ja zu zweit seid.

Phil: Richtig, genau.

Steffi: Genau.

Markus: Und wir sind inhaltlich auch relativ oder überhaupt sehr nah beieinander, ihr beschäftigt euch mit Buch und Bier.

Phil: Richtig.

Markus: Und ich habe mich ganz lange mit Büchern beschäftigt und irgendwie dann auch mit Bier und hab es ab und zu mal zusammengebracht, aber nicht so intensiv und nicht so professionell wie ihr. Und das ist einfach so …

Phil: Danke schön.

Markus: Und das ist heute einfach so ein bisschen der Punkt, was mich auch sehr interessiert hat, euch mal kennenzulernen und mit euch ein bisschen drüber zu reden, wie die Erfahrung überhaupt, also sowas zu tun, wie nähert man sich dem, wie bringt man Buch und Bier zusammen. Und, ja, also insofern sehr schön, dass wir heute zusammen sind. Und vielleicht für die Hörer noch so ein bisschen als Information, falls man im Hintergrund ein bisschen was hört, wir haben uns natürlich auch einen besonderen Ort ausgesucht, weil, wenn man so ein schönes Treffen macht, dann muss man das eben auch an einem speziellen Ort machen. Und da sind wir hier im Schlenkerla in Bamberg, also Bambergs älteste Brauerei, Rauchbierbrauerei. Haben auch alle ein Rauchbier und deswegen würde ich sagen, stoßen wir mal schnell an und sagen prost.

Steffi: Ja, prost.

Phil: Genau, prost.

Markus: Prost.

Phil: Jawohl.

Markus: So und dann sage ich doch gleich mal, Ladys first, Steffi, das ist nicht dein erstes Rauchbier oder?

Steffi: Definitiv nicht. Also wenn man in Bamberg geboren und aufgewachsen ist, dann kommt man da absolut nicht drum rum. Und ich muss aber auch sagen, bei mir trifft dieses Sprichwort nicht zu, dass das Rauchbier erst nach dem dritten schmeckt, sondern das war bei mir irgendwie Liebe auf den ersten Schluck quasi.

Markus: Ja, ich muss ja sagen, ich habe mal so aus Spaß den Witz gemacht, naja, wir wissen als Bamberger manchmal nicht, ob wir zuerst Muttermilch oder Rauchbier kriegen. Und da gehörst du vielleicht auch zu diesem Teil unserer Bevölkerung, das ist sehr schön. Aber du bist ja generell mit dem Bier sehr eng verbandelt?

Steffi: Genau. Also ich habe meine Ausbildung damals in einer Mälzerei gemacht, allerdings im Büro, also ganz anderer Weg. Und habe dann beschlossen, dass ich Brauwesen studieren möchte und habe da eben ein Vorpraktikum in einer kleinen fränkischen Brauerei und dann in Weihenstephan studiert an der HSWT an der FH. Und das hat mir auch mega viel Spaß gemacht. Und habe ich mein Praxissemester bei einem Hopfenverarbeiter gemacht in der Hallertau, aber danach gemerkt so, naja, irgendwie zieht es mich doch eher zum geschriebenen Wort hin. Und bin dann wieder zurück ins Büro und habe mich nebenher selbstständig gemacht als freie Autorin.

Markus: Wahnsinn, also das finde ich ja ganz spannend. Also erst mal überhaupt ein Bürojob, aber in einer Mälzerei anzufangen und dann die Reise durch die ganze Bierwelt, inklusive der ganzen Wissenschaft zu tun und am Ende dann zu sagen, okay, jetzt verbinde ich das eben mit Kunst und Bier und dem Getränk, das ist großartig. Das heißt also, du bist jetzt wieder oder immer noch tätig im Büro und nebenbei selbstständig oder hauptberuflich selbstständig?

Steffi: Genau, teils, teils, also ziemlich 50, 50.

Markus: Und wieder in einer Mälzerei?

Steffi: Nee, im Verlag tatsächlich.

Markus: Okay. Aber was heißt jetzt freie Autorin, also wie kann ich was von dir lesen?

Steffi: Also ich habe unter anderem auch einen Blog auf Steady, wo ich regelmäßig Assets veröffentliche und ich habe auch schon in Kurzgeschichten Anthologien veröffentlicht.

Markus: Spannend. Also da werden wir ein bisschen was in den Shownotes verlinken. Bin ich schon sehr, sehr, sehr gespannt, was man da von dir lesen kann, wir hören ja eben regelmäßig voneinander, das ist ja schon mal schön. Und, ja, jetzt sitzt hier noch der Phil.

Phil: Ja, genau.

Markus: Vielleicht wenn du dich auch ein bisschen einführst, dass die Leute sich so ein bisschen wissen, was sie sich drunter vorstellen müssen.

Phil: Na klar. Ja, also ich bin der Phil, ich komme ebenfalls aus Bamberg, inzwischen schon fast 40 Jahre, man mag es nicht glauben, aber …

Markus: Wem sagst du das.

Phil: Und, ja, beim Rauchbier oder überhaupt beim Bier, das war eigentlich so seid der späten Mittelstufe, Anfang Oberstufe war klar, Bamberg, Bier, super, perfekt. Also, ja, das mit der Muttermilch und so, das hat schon irgendwie so seine Bedeutung, muss ich sagen. Also ich habe eigentlich in Bamberg studiert, bin eigentlich Diplomsoziologe. Und ich habe dann aber nach dem Studium halt auch gemerkt irgendwie, hm, die Jobs, die ich dann damit machen möchte, dann braucht man doch irgendwie 27 Praktika und hat drei Jahre kostenlos irgendwo gearbeitet und was weiß ich. Da habe ich gesagt, nee, ich möcht eigentlich lieber dann doch was Handfestes arbeiten und habe dann eine Ausbildung zum Buchhändler gemacht natürlich tatsächlich und eben auch hier in Bamberg. Und, ja, bin jetzt schon fast 10 Jahre als Buchhändler tätig.

Markus: Und wie ist dann Steffi in dein Leben gestoßen oder umgekehrt, ich weiß gar nicht, wer da zu wem wie gestoßen ist oder wurde?

Phil: Naja, also wir sind jetzt seit fast 3 Jahren zusammen.

Steffi: Ja.

Phil: Und da haben wir dann gemerkt irgendwann, hm, wir mögen beide Bücher und wir mögen beide Bier. Und haben dann irgendwann gemerkt, hm, am 23.04. ist ja sowohl Tag des Buches als auch Tag des deutschen Bieres. Und haben gesagt, das ist echt ziemlich geil irgendwie, Buch und Bier, das lob ich mir, hm, da müsste man doch irgendwie was draus machen. Und da dachten wir, wir könnten eigentlich einen Podcast aufnehmen dazu. Weil das ist heutzutage ja eigentlich ziemlich einfach, man braucht ein Programm, ein bisschen gutes Equipment. Und wir haben ein tolles Thema, wir besprechen in unserem Podcast immer ein Buch und jeweils ein dazu irgendwie passendes Bier.

Markus: Ja.

Steffi: das ist auch eigentlich aus so einer Bierlaune heraus entstanden.

Phil: Ja, natürlich.

Steffi: Ich fand es ganz witzig, als wir uns kennengelernt haben, warst du einer der wenigen, die wirklich wussten, dass das beides an einem Tag ist, aber das viele nicht auf dem Schirm haben. Also Tag des Bieres ist bekannt, in der Buchwelt dann auch Tag des Buches, ja klar, aber dass das beides eben dieser 23.04. ist, wusste eben aus meinem Bekanntenkreis jetzt nur Phil. Und dann haben wir halt so rumgesponnen so, hah, wäre ja eigentlich witzig, irgendwie Buch- und Bier-Podcast. Und das ist aber ganz lange noch so zwischen uns rummeandert und wir haben das dann immer mal wieder verworfen. Und dann hatten wir Anfang 2020 irgendwie gesagt, okay, ach, machen wir einfach, probieren wir jetzt. Und sind dann mit der ersten Folge an den Start gegangen und haben gemerkt, uns macht das so viel Spaß, dass wir jetzt monatlich immer eine Folge mit rausgehauen haben.

Phil: Genau, seitdem, richtig.

Markus: Jetzt werden sich unsere Hörer bestimmt oder vielleicht fragen, wie funktioniert das? Also man sagt, okay, wir machen einen Podcast, wir kennen uns aus beim Bier, wir kennen uns aus bei Buch, aber dann bis zu dieser ersten Folge, die dann irgendwie online ist, da sind ja so ein paar Hürden, die man überwinden muss. Also hattet ihr da die entsprechenden Kompetenzen schon, habt ihr euch das erarbeitet, wie kommt man da so rein? Und wie ist dann dieses Gefühl, wenn die erste Folge auch wirklich dann in der Welt sozusagen draußen ist?

Steffi: Meinst du jetzt die Kompetenzen im Sinne von Podcast aufnehmen und …

Markus: Alles was dazu gehört. Ich meine, man braucht ja eine Menge Technik, man muss letzten Endes die Software beherrschen. Dann ist es ja nicht so einfach, diese Wege zu finden, wie man dann dieses Ding irgendwie in die Welt bringt und dann auch noch bekannt macht. Das ist ja auch noch ein Thema, dass dann jemand auch wissen muss, dass es so einen Podcast gibt. Also müssen wir jetzt auch nicht alles erklären, aber für mich ist einfach der Punkt schon da. Oder anders rum erklärt, bei mir war es halt so, okay, ich war jahrelang, viele, viele Jahre lang beim Radio und war deswegen halt mit dem ganzen Thema Mikro und Aufnahme und Sound bearbeiten völlig vertraut und hatte halt auch eine Werbeagentur vorher und kann mit dem Computer und alles umgehen, das war für mich eben keine Hürde. Und auch dieses Thema softmäßig, da musste ich halt ein paar Websites anschauen, aber dann weiß man sehr schnell, was zu tun ist und dann war das für mich jetzt, diese Hürde, relativ klein. Ich musste halt eher dann ein bisschen gucke, wie kriege ich da ein sinnvolles Konzept irgendwie in die Sache rein, dass das dann auch jemand sich gerne anhört und vor allem bis zum Schluss anhört. Aber eben, wenn man jetzt, sagen wir mal, nicht aus dieser Ecke kommt, kann ich mir vorstellen, dass das nicht so einfach ist und man muss ja erst mal alles haben. Also ich hatte zum Beispiel am Anfang von dieser ganzen Pandemie nicht mal eine Webcam. Und dann haben wir überlegt, wir machen jetzt Videoseminare und solche Geschichten. Und dann musste ich bei eBay, habe ich dann bei eBay Bamberg die letzten Webcams ersteigert, die es zu Anfang der Lockdowns noch gab. Und ich habe drei Webcams ersteigert, die ersten beiden habe ich gekauft, die waren kaputt. Aber war noch, man hat das Geld hingelegt, dann hat jemand den Umschlag hingelegt, also war ja noch, dass man sich nicht berühren durfte und so. Und die Dritte hat dann funktioniert, genau und mit der habe ich dann angefangen. Und dann konnte ich also übers Netz bestellen, dann hat sich das ein bisschen gelöst. Aber es sind manchmal so ganz komische Sachen. Und da hat mich mal interessiert, wie ihr dann von dieser Idee und dem, wir machen es, zu diesem Punkt gekommen seid, der ist jetzt da.

Steffi: Das war gar nicht mal so eine große Schwelle, glaube ich.

Phil: Stimmt.

Steffi: Also du hattest Audacity als Aufnahmeprogramm immer auf dem Schirm.

Phil: Genau, das kannte ich schon von vorher. Weil ich mache auch, also ich bin, war in Pen-and-Paper-Rollenspielrunde und da hatten wir eine Zeitlang auch mal die Idee, Sessions komplett aufzunehmen. Und eine Freundin damals eben hat das eben mit Audacity gemacht, daher kannte ich das.

Markus: Ah, okay.

Phil: Und dann haben wir uns halt überlegt, naja, das ist ein kostenloses Programm, das laden wir uns mal runter. Da gibt es YouTube-Tutoriell dazu. So die ganz einfachen Sachen sind halt einfach, du drückst Aufnahme, du drückst Stopp, du schneidest ein bisschen mit dem einen Tool. Also ein bisschen ist untertrieben, ich weiß.

Steffi: Also das Schöne war, den Trailer haben wir auf Phils PC noch aufgenommen. Und ja, ja, das geht ja alles ganz einfach, das geht ja alles ganz einfach. Und dann hatten wir die erste Aufnahme im Kasten und ich hatte das Programm auf meinem PC und ich durfte es schneiden. Ich bin halb verzweifelt. Vor allem weil man halt dann gerade am Anfang so merkt, welche Angewohnheit man beim Sprechen hat. Also bei mir ist es immer dieses und da, und so, also dass ich immer die Sätze mit und anfange. Bei Phil ist es oft dann, dass er …

Phil: Äh.

Steffi: Nee, das äh nicht mal so.

Phil: Nicht? Okay.

Steffi: Sondern dass du immer die Sachen dreimal sagst.

Phil: Und dann, dann, dann, dann, dann habe wir das gemacht und so.

Steffi: Ja. Also mittlerweile erkenne ich es schon so an den Ausschlägen bei Audacity, dass ich weiß, ah, da ist wieder eine Stelle, okay, ich kann sie gleich raus cutten.

Markus: Ja, also das, muss ich sagen, da habe ich mittlerweile aufgegeben. Am Anfang, das Schöne war ja während dieser ersten Lockdown-Zeit, also ich habe ja eben im März 2020 oder April angefangen, da hatte man ja einfach Zeit. Also das, was wirklich verfügbar war, war Zeit, man hatte ja sonst nicht so viel zu tun. Und da habe ich dann tatsächlich auch noch so in meiner Reminiszenz an meine alte Radiozeit alles ganz hart geschnitten, jedes äh und jeden Satz richtiggestellt und was man alles so macht. Und das hört man auch, also die ersten, was weiß ich, 100 Podcasts oder sowas, die sind vom schneiden her, also ich würde mal sagen, ziemlich gut. Aber dann, als dann das langsam so dem Ende zu kam mit dieser Lockdownerei, dann hatte man einfach, also ich, jede Woche einen Podcast, manchmal sogar zwei, einfach keine Zeit mehr, das zu tun. Weil ich muss sagen, das Schneiden, es ist die vier- bis fünffache Zeit, wenn man es ernsthaft macht und wenn man halt so einen Podcast von einer Stunde hat, dann sitzt man halt fünf Stunden dran und ist dann nachher fertig.

Steffi: Genau. Ich bin nicht die Einzige.

Markus: Ja, ja. Ja, weil wenn, dann macht man es gescheit, das ist halt das Thema. Und du kannst dann halt auch nicht, weil du siehst es dann an den Ausschlägen schon, also musst du wieder ran und wieder ran. Und das ist dann, du bist halt danach fertig wie nach einer Autofahrt nach Berlin, weil du ja die ganze Zeit hochkonzentriert bist. Und dementsprechend habe ich jetzt bei den letzten 50 oder sowas lasse ich mehr laufen, weil ich mir einfach denke, es ist ja auch letzten Endes natürlich. Ist natürlich schöner, wenn man es immer alles so raus schneidet und andererseits reden wir ja im normalen Umfeld auch so. Insofern, es ist immer so eine Geschichte. Aber es freut mich, dass das anderen auch so geht.

Steffi: Ja, nee, also ich bin da mit der Zeit auch lockerer geworden. Ich war am Anfang auch, dass ich sehr, sehr viele Sachen raus geschnitten hab und dann eventuell nochmal irgendwie umgestellt und nochmal rumgebastelt. Und mittlerweile sage ich dann auch einfach, drüber laufen lassen.

Phil: Ja. Nee und ansonsten, würde ich sagen, halt von den Themen her immer ein Buch und ein Bier. Wir schauen dann halt zum Beispiel, das erste Buch war ein Amrum-Krimi, also ein Inselkrimi aber mit Androiden.

Markus: Aha.

Phil: Sehr, sehr cool. Und dann habe wir halt geguckt dazu, was passt jetzt dazu, nehmen wir irgendein Bier von der Küste, nehmen wir das und das? Und dann haben wir halt gesehen, das hat dann quasi Bezug genommen auf die Handlung. Es gab ein Bier, das hieß „Devil in the Skys“ und das hat dann einfach super zur Handlung vom Buch gepasst, weil irgendwie einer von den Figuren halt der Täter war und so weiter. Und so sind wir immer so ein bisschen rangegangen, dass wir eben geschaut haben, was passt jetzt? Passt es von der Handlung her, passt es vom Titel vom Buch her, passt es zum Setting vom Buch oder so? Und dann haben wir halt geschaut, Steffi hat halt das komplette Studienwissen über Bier, das ist halt immer großartig. Allein die Kiste mit dem Hopfen in der Hallertau und das da die Straßenlaternen nicht an sein dürfen eben. Und sowas ist halt super, das ist einfach so …

Steffi: Ja.

Phil: Also wir haben auch einen Kumpel, der hat gesagt, boah, der hört es sich so gerne an und sowas hat er halt noch nie gewusst vorher, das ist total cool. Und dann geht es halt immer wirklich darum, wir machen eine Kurzzusammenfassung vom Buch und sagen dann so ein bisschen unsere Meinung dazu. Und machen da noch einen Spoiler-Teil meistens am Ende, wo wir dann halt noch quasi weiter über das Buch reden und halt wirklich genauer nochmal drauf eingehen. Und das ist halt einfach ein bisschen so unsere, ja, Meinung über das Buch einfach oder, was würdest du sagen?

Steffi: Ja, ja.

Markus: Und ihr habt die Bücher komplett beide vorher gelesen?

Phil: Ja.

Markus: Das ist schon auch eine Herausforderung oder?

Phil: Ja.

Steffi: Vor allem es ist schwierig, weil wir ja auch zusammen wohnen, sich da nicht drüber auszutauschen vorher. Also wir haben es am Anfang gemerkt, dass wir dann doch während …

Markus: Nochmal ganz kurz, das heißt, ihr lest beide das Buch, redet aber nicht drüber, sondern erst, wenn dieser Podcast läuft?

Phil: Das haben wir so gemacht jetzt.

Steffi: Ja, also wir haben das jetzt die letzten Male angefangen, das so zu machen. Weil es war am Anfang eben schwierig, weil es halt dann doch so war, erst hat er es gelesen oder erst habe ich es gelesen und dann haben wir gewechselt. Dass dann also immer jemand beim Lesen dann schon mal dazu neigt, die Eindrücke zu sagen. Ja, aber ich finde jetzt aber das und das, oh, das regt mich grad voll auf. Oh, dieser Plot-Twist, den hätte ich nicht vorhergesehen. Und das wir das auch gar nicht aufgeschrieben haben und dann uns das Material in der Folge ausging und wir dann dachten so, häh und wir haben doch so viel drüber geredet und hatten das halt im Vorfeld schon gemacht. Und jetzt versuchen wir uns wirklich dazu zu zwingen, dass wir sagen, nee, wir verlieren da kein Wort drüber und reden dann erst an dem Abend, wo wir aufnehmen, drüber.

Markus: Woah! Und wer sucht das Bier aus?

Phil: Unterschiedlich.

Steffi: Unterschiedlich, ja. Also meistens war ich dann bei uns in Bamberg in Bierothek. Wir haben es auch schon gemeinsam ausgesucht und ich glaube, ein, zwei hattest du dann auch mal ausgesucht.

Phil: Ja, genau, die hatte ich dann, glaube ich, auch vorher einfach irgendwie gefunden, habe gesagt, das passt total zu dem Buch, was wir grade lesen und habe es dann mitgenommen.

Markus: Also das finde ich übrigens auch eine schöne Sache, weil das Gute ist ja, das Bücher so viele Andockmöglichkeiten haben. Wie du schon gesagt hast, das kann der Titel sein, dass kann das Cover sein, dass kann irgendwas Inhaltliches sein. Und dadurch hat man auch eine schöne Möglichkeit, wirklich in der Bierwelt durchaus auch mal zu Exoten vielleicht zu greifen oder so …

Phil: Ja, genau.

Markus: … und das ist dann schon spannend. Trinkt ihr auch Bier, wenn ihr Bücher lest?

Steffi: Ja.

Phil: Dann und wann, ja, ja, doch. Also nicht zu viel. Ich habe Letztens, da haben wir uns nämlich mal tatsächlich drüber unterhalten …

Steffi: Das war doch in der Weihnachtsfolge, wo uns dann eine unserer Hörerinnen gefragt hat, ab wie viel Bier geht Buch nicht mehr?

Phil: Ja, genau. Das war dann so, okay. Da haben wir uns tatsächlich aber auch so mal, glaube ich, drüber unterhalten, dass wir dann so. Und ich habe so gemerkt so, drei Bier, das geht. Also für alle Zuhörer, die nicht in Frankenland oder in Bayern sind, drei Bier heißt 3 0,5.

Markus: Ja.

Steffi: Ja, wichtiger Punkt.

Markus: Absolut, ja.

Phil: Und das war dann so, dann habe ich so gemerkt, okay, so ein, zwei Bier, habe ich gesagt, da kann ich dann auch sogar noch irgendwie fast besser lesen manchmal. Aber so ab drei wird es dann schwierig. Wenn ich dann merke, okay, ich muss jede Satz dreimal lesen, ja, nee, dann höre ich lieber auf.

Markus: Ist ja fast so eine Beschreibung eigentlich, wie Alkohol wirkt. Weil es ja so ist, dass man am Anfang so ein bisschen lockerer wird, ein bisschen euphorisch wird und so, Dinge auch durchaus positiv sieht. Und dann ist irgendwann der Punkt erreicht, wo die Wirkung, wo dann eben die Sinne etwas gehemmt werden sozusagen, man weniger gut wahrnimmt, sich weniger gut konzentrieren kann, ist ja irgendwann erreicht. Und da wird man vielleicht auch ein bisschen leichter erregbar und regt sich vielleicht doch eher leichter auf über irgendwas, was in so einem Buch ist. Also kann ich mir gut vorstellen, dass durchaus das auch einen Einfluss hat, wie man dann mit so einem Buch entsprechend umgeht. Jetzt haben wir grade diese Schlenkerla, was würdet ihr da für ein Buch dazu lesen?

Phil: Boah, mal kurz überlegen. Rauchbier oder irgendwas mit Mittelalter.

Steffi: Das wäre jetzt auch mein Thema gewesen, deswegen gesagt Mittelalter, Fantasy.

Phil: Ja oder tatsächlich irgendwas mit Feuer und Rauch und das irgendwie über den Titel so, weißt du, so hin, kam mir jetzt grade spontan. Irgendwas mit sowas vielleicht, in die Richtung. Oder eben wirklich was konkret mit Bamberg und Franken vielleicht sogar oder was würdest du sagen?

Steffi: Von Brigitte Riebe, Die Seelen im Feuer. Das ist zwar schon ewig …

Phil: Sabine Weigand.

Steffi: War das Sabine Weigand?

Phil: Sabine Weigand, ja.

Steffi: Ach nee, Brigitte Riebe war Die Hüterin der Quelle, glaube ich. Das waren diese beiden Bücher, die in Bamberg zur Zeit der Hexenverfolgung spielen.

Phil: Ja, das ist eine gute Idee, ja, ja, genau. Die könnten wir quasi beide lesen und dann so quasi ein Rauchbier und dann noch eins, was du grade trinkst, das Hansla und ein Märzen. So vergleichen, wo wird die Hexe krasser verbrannt dann.

Markus: Ja, wo ist der Geschmack da näher am Buch sozusagen.

Phil: Ja.

Markus: Ja, also das heißt, ihr seid dann auch noch einer von den wenigen Menschen, die Bücherregale Zuhause haben?

Steffi: Ja.

Phil: Und wie.

Steffi: Ich weiß nicht, ob du das Foto noch auf dem Handy hast.

Phil: Nee, warte mal.

Markus: Können wir später machen, alles gut.

Steffi: Ja, gucken wir mal später.

Markus: Also es gibt Bücher bei euch, ja.

Steffi: Ja, definitiv.

Phil: Jede Menge.

Markus: Ja, bei mir auch oder bei uns auch. Aber das ist in der Tat so, dass es mir in letzter Zeit auffällt, das bei immer weniger Menschen oder andersrum gesagt, als ich umgezogen bin, war immer dieses Thema zuerst, wo kommen die Bücherregale hin und dann diese ganzen schweren Kisten und dieses ganze Zeug, es ist ja irgendwie auch ein Einrichtungsgegenstand. Und wenn ich mir überlege, wenn ich das alles nicht hätte, wäre das vielleicht alles viel leichter, aber andererseits, man fühlt sich da halt einfach wohl. Also das ist schon toll und was Schönes und so eine Welt, in die man auch so ein bisschen, grade in der heutigen Welt, auch mal entfliehen kann und sich vielleicht auch noch ein paar andere Gedanken machen kann.

Phil: Da würde mir grad einfallen, was liest denn du so am liebsten?

Markus: Was lese ich so am liebsten, also ich muss sagen, in letzter Zeit habe ich mich tatsächlich eher auf Hörbücher verlegt, weil ich so viel unterwegs bin. Also ich habe schon tatsächlich erstaunlich oder bedauerlich lange kein belletristisches Buch mehr gelesen.

Phil: Und früher?

Markus: Und früher, ja, früher habe ich also zum Teil so Krimis, so die alten Tom Clancy oder sowas, die fand ich schon ganz gut oder auch so Medizin-Thriller oder sowas. Dann Science Fiction rauf und runter sowieso, bin auch ein alter Perry-Rhodan-Leser. Damals halt, als ich Kind war, da war der so. Und dann, naja, sowas wie der Wüstenplanet natürlich oder Tolkien und was da halt so alles. Also es gibt schon viel tolle Literatur, wo man eben grade eben so in andere Welten sich entführen lassen kann. Und ich überlege grade, was habe ich grade? Grade habe ich so ein Buch, mir fällt der Titel grad nicht ein, aber die Idee ist, das ist ein sehr aktuelles Buch auch. Also es spielt praktisch in einer Welt quasi um diese Zeit, also vielleicht nächstes Jahr oder so und da, in diesem Szenario findet auch der Russland- Ukraine-Krieg statt. Und dann taucht ein Ufo auf über der Schlangeninsel und überall auf der Welt tauchen Artefakte auf und diese Artefakte sorgen dafür, dass die Atomwaffen nicht mehr funktionieren. Und dann in einer Art Reaktion darauf, weil sie sich eben nicht mehr abschrecken können, fallen dann alle übereinander her und da bin ich jetzt grade, also irgendwie im ersten Drittel noch, dieses Buches und es entwickelt sich. Natürlich hat man dann irgendwelche Spione hinter den Linien…

Phil: Oh, das musst du mir mal schicken dann, das klingt spannend.

Markus: Ja, werde ich machen. Auf jeden Fall, also ohne groß zu spoilern. Was ich jetzt schon rausgefunden habe ist, dass diese Artefakte wohl aus Gas bestehen und sich dann materialisieren und dann an die Menschen auch anpassen. Also am Anfang sterben alle Menschen, die die berühren, später dann sterben sie erst nach ein paar Minuten und dann sterben sie nicht mehr. Das bedeutet aber andersrum, dass sie sich vielleicht auch an die Menschen adaptieren – assimilieren… Ich werde mal sehen. Also, wie gesagt, es gibt auch völlig abstruse Sachen. Oder ich habe neulich mal eins gehört, da ging es um einen Wal, der strandet in einer Welt, wo es einen Blackout gibt. Da fällt mir jetzt bloß der Name grad im Moment auch nicht ein.

Phil: Das war, Moment, vom Ironmonger?

Markus: Ja, genau, richtig.

Phil: Ja, der Wal und das Ende der Welt.

Markus: Der Wal und das Ende der Welt, der hat mir auch sehr gut gefallen, muss ich sagen, ein schönes interessantes Buch mit sehr vielen überraschenden Wendungen, wo man am Anfang gar nicht gedacht hat, dass das passiert. Also insofern, doch, also spannend. Und da, natürlich, kann man auch mit Bier immer schön arbeiten und das macht durchaus Spaß, ja. Und andersrum natürlich, ich produziere ja auch das ein oder andere Buch und da gehört dann auch immer Bier dazu. Und da bin ich dann immer sehr froh, dass es mittlerweile so tolle Biere gibt wie dieses Hansla hier, wo man eben mehr oder weniger ohne Alkohol trotzdem einen schönen Biergeschmack hat. Weil das natürlich beim Schreiben noch schwieriger ist als beim Hören oder Lesen, wenn man dann mehrere Biere getrunken hat, aber, naja. So, ja, also wie ist so die Resonanz eurer Leserschaft, was kommt da so an, was mögen die, was mögen die nicht?

Phil: Was würdest du sagen?

Steffi: Also so kam es auch besonders im Freundeskreis sehr, sehr gut an. Also ich habe diverse Personen bei mir im Bekanntenkreis, die mir halt dann auch gleich immer, wenn ich auf WhatsApp schreibe, hej, neuer Podcast ist draußen, dann kriege ich Herzchen und alles zurück, oh wie schön, der Podcast ist da und ich hab schon drauf gewartet. Und wenn mal irgendwie noch was an Kritik kommt, das ist extrem konstruktiv. Also wie gesagt, das war jetzt das, wo wir vorab schon mal gesprochen hatte eben mit der Audioqualität zum Beispiel, wo wir jetzt dann auch sagen, okay, da müssen wir mal gucken, wie wir das entsprechend adaptieren. Und, ja, eigentlich zufrieden.

Phil: Also das Coole ist auch, ich finde, ist jetzt halt nicht mega groß bekannt, das ist halt ein schönes Spaßprojekt, auf das wir Bock haben. Und es ist halt quasi so, viele im Freundeskreis hören das und sind auch sehr begeistert. Aber wir haben tatsächlich auch ein paar Leute, die wir halt wirklich direkt über Instagram oder halt direkt über Spotify dann gewonnen haben, die auch immer wieder zuhören. Also das ist auch sehr cool, also freut uns.

Markus: Ja, das ist schon spannend. Also ich hatte das neulich, dieses Jahr war ich in den USA zum World Beer Cup, um dort eben als Jugde zu sein und bin dann auch ein bisschen rum und war dann in einer von den Brauereien und war in der Schlange angestanden. Und dann spricht mich tatsächlich einer aus der Schlange an, ob ich nicht der bin mit dem Podcast? Und das fand ich echt total interessant, weil ich tatsächlich auch festgestellt hab, dass es viele Amerikaner gibt, die ganz bewusst den BierTalk hören, weil sie Deutsch lernen. Also es gibt viele, die da Deutsch lernen und die sagen, bevor ich jetzt Deutsch lerne und muss dann Äpfel und Birnen und was weiß ich, mich unterhalten oder Reiseberichte lesen, dann mache ich doch lieber irgendwas mit Bier, weil das interessiert mich und da lerne ich auch gleich die Sprache und die ich auch will, wenn ich später mal über Bier zum Beispiel mit jemanden spreche.

Phil: Was ist besonders deutsch? Bier.

Markus: Ja, genau. Also insofern, das fand ich wirklich eine ganz lustige Erfahrung, es bringt irgendwie auch Leute zusammen. Und da muss ich jetzt auch sagen, wenn ihr das Stichwort Audioqualität erwähnt, das war in der Pandemie oder teilweise auch immer noch ist das so ein Thema, weil ich oft Gäste hab, die ich halt irgendwo anders in der Welt habe. Und dann ist es halt manchmal tatsächlich eine Herausforderung mit einer schlechten Tonqualität, einfach weil die Verbindung nach Kolumbien oder sonst wo halt einfach schlecht ist. Aber ist dann manchmal auch einfach so, also man kann nicht immer Studioqualität liefern und wir sind halt auch in dem Fall doch keine Profis, dementsprechend muss man auch einfach den Abstrich machen gegenüber Leuten, die da tausende von Euro investieren, um so einen Podcast zu machen, ist das halt dann einfach so.

Phil: Sind halt nicht von der ARD gesponsert, ja.

Markus: Genau, ja. Hört ihr denn andere Podcasts?

Steffi: Ja.

Phil: Ja, jede Menge.

Steffi: Also du vor allem. Bei mir sind es immer so drei, vier, zu denen ich regelmäßig tendiere, aber ich wechsel auch immer ab. Also ich höre meistens auf dem Weg zur Arbeit, wenn ich da Fahrrad fahre, entweder Podcast oder Musik, je nach Stimmungslage. Und deswegen komme ich halt auch bei dem ganzen Output von so vielen Podcasts nicht zu so vielen, aber das sind so drei, vier, die ich regelmäßig höre.

Markus: Wollt ihr verraten, welche das sind oder wenigstens einen vielleicht?

Steffi: Also das eine ist Hoaxilla, den hören wir beide.

Phil: Ja, den hören wir beide, genau.

Markus: Worum geht es da?

Steffi: Diverse oder magst du erzählen, ich glaube, du …

Phil: Also das ist ein Ehepaar, die kommen ursprünglich aus Münster, glaube ich. Die haben angefangen als, ja, debunking von Verschwörungstheorien und Mythen. Also quasi, die halt einen Podcast machen, wir klären auf über A) Verschwörungstheorien, B) Volksmythen, C) urbane Legenden und so weiter, wo kommt das alles her, das machen die und so weiter. Und die sind halt inzwischen relativ groß geworden. Die machen auch zusammen mit dem Tommy Krappweis, also mit dem Erfinder von Bernd dem Brot, machen die so ein Ding, das heißt, wie heißt es nochmal, #Ferngespräch. Hat aber auch in der Corona-Pandemie angefangen, wo sie halt wirklich immer faktenbasiert mit Expert:innen, die halt immer da sind, reden über bestimmte Sachen, wie eben Corona und Letztens war es halt über die Verkehrswende oder sowas und so weiter. Die hören wir also sehr gerne.

Markus: Haben die auch schon aufgeklärt, ob es Bielefeld nun gibt oder nicht gibt?

Phil: Ja, das war, glaube ich, sogar mal eine Erster-April-Folge

Markus: Ja, weil Münster ist ja nicht so weit weg…

Phil: Eben, ja, genau. Und ansonsten, ich höre noch immer, die heißen Kack- und Sachgeschichten, die sind auch lustig.

Markus: Okay.

Phil: Die machen quasi, ja, das ist, total banale Themen werden hier seziert. Also die reden über Filme, Serien und so weiter und so popkulturelle Sachen an sich und gehen da halt ins Detail und reden dann so einen Quatsch wie, würde Ironmans Anzug wirklich funktionieren oder würde man dabei sterben und sowas so. Also ich höre sehr viel so Popkultursachen halt einfach im Podcast.

Steffi: Ja und bei mir sind es halt auch diverse Interview-Podcasts. Also Hotel Matze zum Beispiel, von Matze Hielscher, der halt diverse Gäste zu Gast hat und da halt über deren Leben, Lebensgeschichte Interviews führt und halt auch zum Beispiel ungewöhnlichere Fragen stellt und da eben sehr psychologisch agiert. Und man da Persönlichkeiten erlebt, wie man es halt sonst nicht mit bekäme oder abseits von diesen klassischen Interviews, die halt sonst auf irgendwelchen Bühnen geführt werden, sondern wirklich, wie wenn man mit einem Freund, einer Freundin im Wohnzimmer quatscht.

Markus: Ja, nee, das finde auch, also das ist das Schöne, das diese Podcast-Welt, ja, einfach so ein großes Potpourri hat, was man machen kann und man kann sich wirklich so ein bisschen das aus der Schublade jeweils ziehen, was einem grade passt. Also ich muss sagen, bin durch Zufall über die Supernasen gestolpert. Also fand ich von der Idee her schon irgendwie krass. Das war tatsächlich, als ich in Amerika war, weil ich dann immer im Hotel, Jetlag und sowas, hatte ich einfach viel Zeit, wo ich irgendwie nicht so recht wusste, was ich tun soll. Und dann habe ich eben entdeckt, es gibt einen Podcast mit Mike Krüger und Thomas Gottschalk…

Steffi: Das wäre hier auch meine Intention.

Phil: Ja, genau, sind das wirklich die beiden?

Markus: Es sind wirklich die beiden. Also das ist, auf der einen Seite ist es so krass teilweise geschrotet, dass man sich schon wieder drüber lustig machen kann, wie es gemacht hat. Aber auf der anderen Seite sind sie immer noch so konfus, dass sie sich auch ständig da drüber hinwegsetzen und dann ist das Innendrin irgendwie auch lustig. Also ich glaube, dass das bei der Hörerschaft vielleicht gar nicht so gut angekommen ist, weil sie es eben mittlerweile auch eingestellt haben. Aber es war auf jeden Fall eine lustige Geschichte, um mal da auch ein bisschen in meine Jugend zu reisen, weil das ja tatsächlich auch so die Filme waren, mit denen ich so groß geworden bin. Und wenn es stimmt, dann haben sie tatsächlich mal eine Fortsetzung zu ihren beiden Filmen geschrieben, die aber nie als Film rausgekommen ist und die beginnen sie in diesem Podcast dann auch Stück für Stück zu lesen. Und das fand ich auch sehr interessant, also so eine Mischung dann aus Hörbuch und Podcast und was weiß ich was. Also, ja und ich höre auch viel so aktuelle Politik ein bisschen, weil man wenig vertiefende Informationen, die man normalerweise über die normalen Medien bekommt und das finde ich ganz interessant.

Phil: Stimmenfang höre ich da zum Beispiel vom Spiegel, ja, der ist tatsächlich echt gut. Und ansonsten auch viel so Retrosachen eben auch so, also meine Retrosachen dann so. Radio Nukular zum Beispiel, heißen die. Da geht es halt viel so um später 80er-, früher 90er-Nerd Stuff, also halt lauter Filme, Spiele, Serien, alles so aus der Zeit, sowas höre ich dann auch immer.

Markus: Ja.

Phil: Um nochmal gleich weiterzukommen, von Popkultur-Nerding zum Bier-Nerding, wollte ich gleich mal fragen. Wie ist denn das, du als Sommelier, vielleicht Kenner von den Sachen, wie stehst du dazu, dass es halt Leute gibt, die immer sagen, ja, äh, dieses Craft Beer und hm, weil du bist ja auch Botschafter dafür das halt viele Leute hergehen, ja und in Franken brauchen wir das eh nicht und das ist doch eh schon alles Craft Beer in Franken? Also mein Vater ist zum Beispiel so jemand also.

Markus: Ja, das ist schwierig. Also ich sage, ganz grundsätzlich ist das Tal der Ahnungslosen ziemlich groß und zwar in beide Richtungen. Also man hat die einen Verrückten, die Craft Beer per se in den Himmel loben und davon ausgehen, dass Craft Beer alles nicht reinheitsgebotskonform ist und dass die Brauer endlich mal all das machen, was alle anderen nicht dürfen und das ist alles super und spitze und genial. Und dann gibt es halt die anderen, die sagen, das einzig Wahre ist das, was ich seit 500 Jahre trinke, gefühlt und alles, was auch nur ein My davon abweicht, ist grundsätzlich Mist. Und erst recht, wenn es dann noch sowas Modernes ist und sowas Komisches und noch so einen englischen Namen hat und überhaupt. Und das ist natürlich ein Spannungsfeld, in dem man sich bewegt. Auf der anderen Seite ist das ja auch ein bisschen das, was Bier so interessant macht. Ich meine, ich sage immer, wir haben in Deutschland 85 Millionen Bundestrainer und wir haben auch 85 Millionen Biersommeliers. Jedes Bier polarisiert, jeder hat seine Meinung, jeder hat sein Lieblingsbier, das ist jeder sofort getriggert. Auf der anderen Seite bringt Bier aber auch zusammen. Also ich versuche dann halt immer ein bisschen aufzuklären. Also Erstens, hat Bier in Deutschland nicht mal eine Definition für Craft Beer, damit fängt es ja eigentlich an. Deswegen können wir gar nicht da drüber reden, weil wir gar nicht wissen, was das eigentlich ist. Weil, hat nie jemand definiert und das kann auch keiner definieren. So, wenn man dann guckt, wo wurde das definiert, dann kann man nach Amerika gucken und kann sagen, okay, was war das da?

Steffi: Und dann ist Oettinger Craft Beer.

Phil: Ja, genau.

Markus: Ja, ja, aber man muss mal überlegen von der Idee her, was war das da? Da hatte man dieses Mainstream, sage ich mal, Bud light und was es halt da so alles gab. Und dann eine Gegenbewegung aus denen, die endlich wieder brauen durften und dann eben sich ausprobiert haben. Und wie der Amerikaner so ist, viel hilft viel, da ist man in die Extreme gegangen was Hopfen angeht, was Alkohol angeht, was Aromen angeht. Und oft, meistens sogar ganz bewusst nach dem Reinheitsgebot, weil man ja weg wollte von diesen billigen Zutaten wie Reis oder Mais oder sonst irgendwas. Und das, also dieses, über das Reinheitsgebot hinausgehen, ist ja dann erst wieder gekommen, als man dann mit Sauerbieren und so weiter experimentiert hat. Und einfach auch aufgrund der Nichtverfügbarkeit von Dingen, was weiß ich, ein Joghurt in sein Bier gegeben hat, um eben Milchsäure zu haben, weil das eben anders nicht geht in der Situation. Also das muss man alles auch ein bisschen verstehen. Und dann ist diese Experimentierfreudigkeit halt nach Europa gekommen. Und was ich gut finde ist, das es unsere Brauereien inspiriert hat einfach, also Erstens über ihr Bier anders zu reden, es zum Teil anders zu nennen, sich auch mal Gedanken über Rezepturen zu machen und dann eben auch mal ein bisschen zu spielen und auszuprobieren. Und es gibt eben nicht Craft Beer als Bierstil, sondern es gibt halt klassische einheimische deutsche Bierstile. Wenn man überhaupt von Bierstilen reden kann, das wäre das nächste Kapital. Und dann gibt es halt ausländische Bierstile, sage ich mal in Anführungsstrichen, also Biere, die halt üblich sind in Belgien, in England, in Tschechien, in den USA, wo auch immer. Und wenn wir jetzt in unserer globalisierten Welt halt zum Beispiel in Deutschland ein Bier machen nach einem englischen Rezept mit einem neuseeländischen Hopfen und weiß ich, einer belgischen Hefe, dann ist das ein ganz faszinierendes tolles Produkt, wo ganz viele Welten miteinander verbindet und ganz tolle Aromen hat und man das als solches auch versteht. Und es hat natürlich nichts damit zu tun, dass ich von diesem Bier dann 10 Halbe zur Fußballhalbzeit trinke. Dafür ist es auch nicht gedacht, das muss man auch immer sehen, dass es halt nicht nur die eine Trinkgelegenheit gibt, die man hier so vermutet. Also es ist wirklich Grundaufklärungsarbeit. Aber, ehrlich gesagt, mir ist jeder lieber, der überhaupt schon mal Bier trinkt, weil den kann ich wenigstens abholen, als man so einen oder eine, die da komplett dagegen ist. Geht manchmal auch, also wenn die generell dem Alkohol nicht abgeneigt sind, geht es irgendwie auch immer, dauert halt ein bisschen länger, die Schleife muss man drehen. Aber schön ist jedenfalls, man kriegt am Ende fast alle irgendwie beim und mit einem Bier und schafft immer so einen Aha-Effekt. Und auch aus so einer Verkostung gehen auch die Schlimmsten meistens mit mindestens einem Bier raus, wo sie sagen, Mensch, jetzt habe ich was kennengelernt, was ich doch auch interessant find und mag und der Horizont ist erweitert. Und letzten Endes ist das knallharte Horizonterweiterung, die man in unserer Bevölkerung, glaube ich, ständig in jeder Hinsicht machen müsste und ich mache es halt mit Bier. Und insofern …

Phil: Ist schon mal eine gute Idee.

Markus: Ja, naja, bei Büchern ist es ja, glaube ich, ähnlich oder?

Phil: Ja, richtig.

Markus: Also habe ich noch nie drüber nachgedacht, aber wo ihr das jetzt so sagt, kann ich mir vorstellen, auch ich selber, wenn ich überlege, so früher hatte ich so meine Lieblingsautoren und ich bin dann halt immer hin und habe geschaut, gibt es was Neues. So wie ich irgendwo in der Musik, damals noch in der Schallplattenzeit halt hingegangen bin und geschaut hab, hat meine Lieblingsgruppe eine neue Platte rausgebracht. Da ist man nicht automatisch in die anderen gewechselt und so.

Phil: Ja, stimmt schon.

Markus: Also Menschen sind halt auch Gewohnheitstiere und insofern, ja.

Phil: Ja, das auch mit einem Buch, das ist richtig. Ich meine, allein von den Büchern, die Steffi jetzt auch liest, das hat mir so viel mehr Horizont geöffnet in letzter Zeit, muss ich ganz ehrlich sagen. Also grad jetzt auch, was halt Sachtexte angeht und so weiter da und …

Steffi: Also, ja, weil ich komplett irgendwie Richtung Sachtexte umgeschwenkt bin jetzt und Gesellschaftsliteratur, wo ich vorher auch eigentlich mehr Fantasy gelesen hab.

Phil: Also das tue ich auch bis heute immer noch sehr, sehr, sehr gern. Aber, nee, es ist halt einfach spannend, sich dann mal auch was anderes anzuschauen und einfach mal da, sowohl beim Buch, als auch bei mir, als auch so Allgemein, immer mal ein bisschen über den Tellerrand zu gucken, so im Allgemeinen. Du hast noch was.

Steffi: Was uns da tatsächlich noch fehlt, auch auf unserer Bucket List quasi, wir waren noch nie zusammen auf einem Bierfestfestival.

Phil: Stimmt, stimmt, ist richtig.

Steffi: Also ist natürlich auch dem geschuldet, das wir uns eigentlich seit Corona kennen und das es halt seitdem relativ spärlich war. Aber was ich da immer super schön fand, war halt die Braukunst Live in München.

Markus: Ja.

Steffi: Was gibt es von die da so Tipps, welche Festivals gefallen dir besonders gut?

Markus: Also es kommt immer ein bisschen drauf an, weil irgendwie sind sie alle schön, aber natürlich auch alle irgendwie besonders. Und das ist halt eine Frage, mit welchem Ziel gehe ich dahin und was mag ich gern? Und bei mir ist es halt ein bisschen speziell mittlerweile, weil ich halt tatsächlich viele Biere kenne und auch selber also relativ selten sage, ich trinke bewusst jetzt mal 3, 4, 5, 6, 7 Bier, sondern ich probiere lieber und bin dann meistens eher nicht betrunken. Ist dann so, aber mein Gott. Aber grundsätzlich, also ich hab grad ein T-Shirt an, sehen jetzt wenig Leute, aber ich kann einfach sagen, ist aber Zufall, hab ich heut Früh rausgesucht, das ist vom Kerstbierfestival in Essen. Und jetzt denken viele Leute, Essen ah ja, das ist diese große Stadt in Deutschland. Stimmt nicht, es gibt auch noch ein kleines Essen in Belgien. Das ist so ein Grenzdorf zwischen Belgien und den Niederlanden. Und der Funfact dahinter ist, es gibt so eine Gruppe von Holländern oder Belgiern, also beides irgendwie zusammen, die da so in Essen, also es sind Belgier, glaube ich, mehr. Und die wohnen da und haben vor vielen Jahren mal beschlossen, wir machen ein Party, so um die Weihnachtszeit und trinken da halt die Weihnachtsbiere, die es gibt so zu Zeit, also vor 20 Jahren, sowas ungefähr, da waren das halt 5 oder so. Und dementsprechend hatten die einen schönen Abend und haben dann halt beschlossen, das machen wir jetzt jedes Jahr, machen wir so eine Art Verein und verpflichten uns, das wir immer alle verfügbaren Weihnachtsbiere trinken.

Phil: Das ist cool.

Markus: Womit sie nicht gerechnet haben ist, dass die Bierwelt auch in Belgien explodiert ist. Und mittlerweile gibt es gefühlt mindestens 250 Weihnachtsbiere jedes Jahr und eben nicht nur aus den großen Brauereien, sondern aus jeder Kleinstbrauerei. Und dieser Freundeskreis ist aber immer noch zugange. Und mittlerweile sind die tatsächlich ein Vierteljahr damit beschäftigt, durch ganz Belgien zu fahren in jeden kleinen Winkel, um dann, sobald sie verfügbar sind, diese Weihnachtsbiere zu holen, damit es die an diesem Festival zwei Tage lang gibt. Und da ist total faszinierend. Das Festival ist dann in so einer alten Schulturnhalle. Und die haben sich auch überlegt, ob sie es zwischendurch verlegen sollen, weil, wie gesagt, das ist am Ende der Welt irgendwie und wären natürlich wahrscheinlich viel besser aufgehoben irgendwo in Brüssel oder Gent oder so. Aber nein, sie wollen es da lassen.

Phil: Nee, das ist cool.

Markus: Und in so einer Turnhalle, da stehen dann die Leute in der Schlange an, gefühlt Kilometer, wenn es früh losgeht. Die Tickets werden online verkauft, gibt es dann für ein, zwei Stunden, dann sind die weg. Also es gibt, glaube ich, an beiden Tagen jeweils so 3-, 400 Tickets, dann ist das ganze Thema durch. Und dann, vor Ort hat man dann so ein großes U, da stehen dann diese Jungs dahinter und dahinter sind diese ganzen Biere, teils in Fässern, teils in Flaschen. Und dann hat man halt Tokens und kann sich dann die alle holen. Und das ist sehr interessant, weil die Biere natürlich alle ein Thema haben, also irgendwie Weihnachten, aber natürlich die verschiedensten Bierstile. Und da gibt es halt Lambic-Brauereien, die dann eben schöne Lambic Gösse machen mit irgendwie einem Weihnachts-Touch oder einfach nur Weihnachten drauf schreiben, bis hin zu welchen, die dann halt sich ein Quadrupel machen mit Zimt und Orangen und Piment und was weiß ich was allem, um das dann sehr weihnachtlich hinzubekommen. Und das ist immer wieder ein ganz großes Erlebnis und eine sehr tolle Veranstaltung. Also das kann ich nur empfehlen, wobei es tatsächlich nicht so einfach ist, Tickets zu bekommen. Könnte man aber mal schauen, ob ich da eine Lösung finde. Also auf jeden Fall, das ist spannend, ist aber sehr abgefahren. Dann der Gegensatz dazu wäre ja eins unserer nächsten Bierfestivals, das Bierfest in Nürnberg im Burggraben.

Steffi: Stimmt, ja.

Markus: Das ist im weitesten Sinne auch ein Bierfestival und …

Steffi: Das ist immer um Pfingsten rum oder?

Markus: Das ist immer um Fronleichnam.

Steffi: Fronleichnam.

Markus: Gena. Also das ist das Problem mit diesen christlichen Feiertagen, da wandert das nämlich immer hin und her, und ist aber von der Location spektakulär im Burggraben in Nürnberg.

Phil: Ja, das ist schon cool, ja, genau.

Markus: Bedeutet vor allem auch, wenn es sehr heiß ist, was es um die Zeit oft ist, ist es da unten immer sehr angenehm kühl. Bedeutet aber auch, wenn es sehr regnerisch ist, ist ein Teil eine Schlammhölle. Also wir hatten schon Festivals, wo man Bierbänke ausgelegt hat, damit die Leute durch den Schlamm laufen konnten.

Steffi: Juhu.

Phil: Okay, ein Spaß.

Markus: Aber, ja, also gab es auch schon. Und es ist das einzige Bierfestival, das ich kenne, wo es schon auch um einen Konsum geht. Also beim normalen Bierfestival hat man ja dann so kleine Gläschen und 0,1 oder 0,2 und nippt sich da so durch. Und das ist natürlich für den Brauer so ein grenzwertiges Vergnügen. Da muss man mal realistisch überlegen, weil der schenkt dann halt an so einem Festivals, wenn es hoch kommt, 50 Liter aus, das ist für einen Brauer ein Fass. Und wenn man überlegt, wie viel kann ich an so einem Fass verdienen, hat er vielleicht am Ende 2-, 300 Euro. Und dafür fährt er dahin und muss vielleicht noch eine Standgebühr bezahlen und muss übernachten, hat vielleicht noch Personal dabei. Also das ist eigentlich immer ein Draufzahlgeschäft letzten Endes, so ein klassisches Bierfestival. Und das ist in Nürnberg eben anders, da gibt es halbe Liter und, ja, da sind auch sehr viele Leute. Und das ist im Grunde einfach riesen großer Biergarten, sehr gemütlich, sehr viel Bierkultur, also kaum jemand, der über die Stränge schlägt, aber eben, man hat auch einen Absatz. Also der Brauer geht halt raus und hat dann 10 Hektoliter ausgeschenkt und dann macht es auch irgendwie Sinn. Und man hat 50 Brauereien plus Gastbrauereien, die organisiere ich immer. Und da haben wir schon sehr Exotische gehabt, aus Finnland zum Beispiel oder aus Kanada oder dieses Jahr hatten wir aus Südtirol die Batzenbräu aus Bozen, letztes Jahr hatte ich ein ukrainisches Bier. Das darf ich gar nicht so laut sagen, das haben wir mit einem niederländischen Schmuggler, hinter rum sozusagen nach Nürnberg gebracht, aber das hat ja jetzt keiner gehört.

Phil: Moment.

Markus: Naja, weil das ist, es war nicht einfach, es war Anfang des Krieges und dann ein Bier aus dem Land rauszukriegen. Und was macht ein Zoll mit einem ukrainischen Bier, also krasse Geschichte. Aber war schön, weil wir haben das ganze Geld dann gespendet, wir haben ja über 6.000 Euro an die Ukraine, Und es war auch total krass, wenn man die Geschichten gehört hat, die die einem erzählt haben.

Phil: Ja, das glaube ich.

Markus: Also das war auf jeden Fall etwas, was einen auch nochmal so ein bisschen erdet in gewisser Weise, weil man immer so leicht redet, das ist schon auch was, was wichtig ist. Und das war auch das Festival gut, fand ich auch in Nürnberg gut, dass die Leute sich auch beschäftigt haben damit …

Steffi: Richtig, richtig und da auch nochmal drüber geredet, ja.

Markus: … die haben dann auch mit den Ukrainer:innen sich unterhalten. Und da waren natürlich zu dem Zeitpunkt auch schon andere ukrainische Flüchtlinge da, die dann da auch kamen. Also das war schon auch in der Hinsicht eine tolle, also so schlimm das ist, aber irgendwie auch eine tolle Situation. Insofern, also man kann viel mit dem Thema Bier machen. Also das, die Braukunst Live wird, glaube ich, nicht mehr stattfinden.

Steffi: Ich glaube nicht, nee.

Markus: Und da muss man aber sagen, der Frank Böer, der die ja ins Leben gerufen hat, der hat einfach genau zum richtigen Zeitpunkt das Ganze abgegeben und verkauft und lebt mittlerweile in Kanada und dem geht es gut.

Steffi: Ah, okay, das ist geil.

Markus: Aber deswegen ist die Braukunst Live eben weg, weil dann der nachfolgende Käufer einfach keinen großen Sinn, glaube ich, drin sieht, die weiterzumachen. Aber es gibt, also ich war zum Beispiel jetzt bei einem kleinen Bierfest, dass sich für euch aber vielleicht auch lohnen könnte, das war die Bierköste in Neumünster.

Phil: Okay, ja.

Markus: Hört sich jetzt irgendwie schräg an, aber, also Neumünster ist ja nördlich von Hamburg, so irgendwie in Schleswig-Holstein mitten drin. Ist tatsächlich eine alte Bierstadt, also da war mal eine richtig große Brauerei mit einem richtig großen Ausstoß und hat also eine gewisse Biertradition. Und das Allerbeste ist, es gibt einen ICE, der von Bamberg dahin durchfährt.

Phil: Wann ist denn das?

Markus: Na, das war jetzt, oh Gott, wann war das denn, im Juni oder so?

Phil: Juli?

Markus: Juni, glaube ich.

Phil: Dann müssen wir unseren nächsten Amrum-Urlaub so planen, dass wir zuerst dahin fahren.

Steffi: Ja, richtig.

Markus: Genau. Also und da …

Steffi: Wir haben ja eh gesagt, wir fahren nicht mehr an einem Tag durch.

Phil: Ja, richtig, genau, eben, dann machen wir das so, wir fahren erst rein und fahren dann rüber zur Insel.

Steffi: Genau.

Markus: Also, ja und das ist toll, weil du halt da ganz viele Brauereien da so aus dem Norden hast, also kleine auch, die man ja so nicht kennt und super tolle Atmosphäre, super liebe Leute. Ein bisschen so wie am Anfang dieser ganzen Craft-Beer-Zeit, weil halt da alles noch eher neu ist. Und wie gesagt, eben die Möglichkeit einen Zug, wo man hier in Bamberg einsteigt und egal, ob der Verspätung hat oder nicht, aber man wird irgendwann aussteigen und ist da, wo man hin will.

Phil: Meistens, ja. Ich sage nur so, ganz kurz da eingeschoben, wir sind zurückgefahren aus dem Urlaub von der Nordsee und haben es bis Berlin geschafft. Auch mit dem ICE, von dem wir gedacht haben, wir können von Hamburg bis Bamberg drin sitzen und durchfahren. Und dann hieß es in Berlin, ja, dieser Zug wird heute hier nicht mehr weiterfahren, schauen Sie mal, wo Sie bleiben.

Markus: Und dann hattet ihr eine Übernachtung in Berlin?

Phil: Nee, wir haben es dann doch noch irgendwie geschafft, einen Ersatzzug zu finden, aber das war tatsächlich so, woah, danke, okay.

Markus: Ja, man muss man dann das Beste draus machen. Also ich habe dann auch schon eine Übernachtung in Berlin dann gemacht in solchen Fällen. Das kann man ja auch machen, dort gibt es auch schöne Brauereien.

Steffi: Wir hatten im Zug dann zwei Weißbiere.

Phil: Ja, genau, da ging es mir gut, ja.

Markus: In Köln ist mir das auch mal passiert, da bin ich dann unverhofft zu einem schönen Abend im Gaffel gekommen. Also manchmal muss man die Dinge dann so nehmen wie sie sind. Also die Deutsche Bahn ist da schon eine Wundertüte, aber ich lasse nicht nach, alles was geht, mit dem Zug fahren, einfach aus Prinzip und aus guter Hoffnung.

Steffi: Ja, das sehen wir ähnlich.

Phil: Ja, genau.

Steffi: Wobei ich auch sagen muss, wir hatten tatsächlich noch nicht so viele schlechte Erfahrungen mit der Deutschen Bahn.

Phil: Ja, stimmt eigentlich, das war das Einzige.

Steffi: Also ich fühle mich dann immer so ein bisschen in Zugzwang, da mal eine Lanze dafür zu brechen, weil ich sage, ej, wir hatten echt noch nicht so oft Pech, wie ich es von manchen Leuten höre. Haben halt dann einfach wirklich Pech gehabt, bei denen passiert es ständig und bei uns war es eigentlich überschaubar.

Markus: Man neigt auch dazu, das zu überdramatisieren. Ich meine, natürlich ist das Mist, wenn man im Zug dann irgendwo feststeckt oder der dann tatsächlich nicht mehr weiterfährt. Oder ich hatte auch schon Situationen, da kam ich dann bis Würzburg und musste dann tatsächlich in Würzburg ein Hotel nehmen, weil ich keine Chance mehr hatte, nach Bamberg zu kommen, das gibt es schon. Aber man muss mal andersrum sehen, wenn ich die ganzen Strecken, die ich mit dem Zug fahren würde, mit dem Auto fahren würde, wie oft wäre ich im Stau, wie oft wäre mein Auto irgendwie grade kaputt, was weiß ich was für ein Scheiß. Da würde ich mich auch immer wieder ärgern und mich wirklich aufregen und ich müsste fahren und das ist eigentlich auch super nervig. Selbst wenn man alles mit rein rechnet, also da habe ich kein Problem damit, im Zug auch mal ein bisschen länger unterwegs zu sein. Zu mal …

Phil: Und arbeiten.

Markus: Ja. Also ich finde, also ich plane es halt mittlerweile ein. Also ich plane halt nicht mehr so, dass ich sage, wenn ich um zwei irgendwo sein soll, bin ich um halb zwei da, sondern dann bin ich halt …

Kellner: Habt ihr noch einen Wunsch?

Markus: Ja, ich nehme ich noch so ein Hansla.

Phil: Ich würde gern noch ein Märzen nehmen.

Steffi: Für mich auch bitte.

Markus: So, seht ihr, habt ihr hier automatisch die Live-Situation, wie man im Schlenkerla ein Bier bestellt.

Phil: Ja, genau.

Markus: War jetzt auch relativ unspektakulär, muss man sagen.

Phil: Was mir jetzt noch eingefallen ist, jetzt sind wir von abgekommen, aber vorhin bei dem Craft Beer und so weiter. Wie war das mit dem nicht Reinheitsgebot, sondern wie hieß das?

Steffi: Natürlichkeitsgebot von Kehrwieder…

Phil: Genau. Kennst du das?

Markus: Ja, ja, natürlich.

Steffi: Boah, ja.

Markus: Also ich sage einfach meine ehrliche Meinung.

Phil: Klar.

Markus: Ich finde es von der Idee her gut, vom Namen und von der Umsetzung her schwierig.

Phil: Okay. Was würdest du besser machen?

Markus: Also der Punkt ist, also sagen wir mal so, man muss ein bisschen vorne anfangen. Beim Reinheitsgebot an und für sich geht es ja darum, dass man sagt, wir haben eben die Rohstoffe, die wir vorschreiben, um ein Bier zu brauen. Am Ende, also seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch den Gedanken zu haben, da eben ein reines Bier zu haben, ohne das irgendwelcher Schnickschnack da drin ist. Vorher war das ja eher so eine Steuergesetzgebung, aber gut, dann haben wir das so. Und das hat sich durchaus auch bewährt in vielerlei Hinsicht und zwar an dem Ende, an das wir heutzutage kaum denken, wenn wir drüber sprechen. Also wir sprechen immer drüber, das Reinheitsgebot ist ein Problem für den Brauer, der gerne einen Apfel in sein Bier schmeißen will und es nicht darf oder eine Zimtschnecke oder sonst irgendwas. Wobei Rauch zum Beispiel, weil das grade kommt, erlaubt ist.

Phil: Aber der Rauch wird ja nicht quasi nach dem Brauen infusiert.

Markus: Richtig, richtig, richtig. Wobei es auch eine Diskussion gab zum Beispiel am Anfang, ob die Holzfasslagerung reinheitsgebotskonform ist oder nicht.

Steffi: Stimmt, ja, ja.

Phil: Okay.

Markus: Mittlerweile ist sie es, aber das waren eben auch schon so Themen.

Phil: Krass. Echt?

Steffi: Ja. Ja, ja.

Markus: Ja, ja, am Anfang war das schon eine Frage. Auch bei Hopfenstopfen war das eine Frage.

Steffi: Genau.

Phil: Okay. Echt? Okay, echt krass.

Markus: ja, aber, wie gesagt, da sind wir drüber hinweg, Gott sei Dank. Also um das kurz, wo das Problem liegt, ist eben nicht das kleine Ende, sondern das große Ende. Denn wenn ich dieses Gesetzes, sage ich mal, jetzt einfach abschaffen würde und dann in andere Länder und Kulturen schaue, wo es das nicht gibt und dann schaue, wie schaut dort die Bierlandschaft aus, dann sehen wir, dass die Brauereienlandschaft überall ganz anders ist als bei uns. Das heißt also, in jedes andere Land, wo ich schaue, besteht der Biermarkt aus zwei oder drei großen Playern, die zusammen ungefähr 80 bis 95 Prozent des Marktes beherrschen, das ist AB InBev, Heineken und Carlsberg. Also ohne denen was Böses zu wollen, das sind alles Firmen, die machen Biere und sind grundsätzlich okay, aber das ist natürlich was, wenn die den Markt zu dominieren, ist das ein gewisse Problem. Und das einzige Land, in dem das nicht so ist, ist Deutschland. Hier haben wir die 10 größten Brauereien, sind eines AB InBev und der Rest sind mehr oder weniger noch Familienunternehmen, also zumindest wo Familien dahinterstehen, wo noch Brauer dahinterstehen, also wo ich eben nicht diese ganze Konzerngeschichte habe. Und da muss man sich überlegen, woran liegt das? Und das hat eben was damit zu tun, dass ich außerhalb des Reinheitsgebots eben mit vielen, vielen Dingen arbeiten kann, die Bierbrauen schneller und billiger machen. Und das würde eben bedeuten, wenn wir jetzt zum Beispiel sagen von heute auf morgen, wir lassen das Reinheitsgebot weg, dann kriegen wir an diesem Ende enormen Druck. Also dann kommen Brauereien, die im großen Stil billigere, schnellere Biere produzieren und damit von oben aufräumen. Also das heißt, den kleinen Brauer mit seinem Apfel könnte das egal sein, aber alles, was wir so kennen, Warsteiner, Veltins, auch wenn manche Leute vielleicht sagen würden, brauchen wir die überhaupt, das wäre eine andere Diskussion, aber die hätten alle ein riesen Problem und am Ende würde unser Biermarkt da genauso ausschauen. Deswegen, muss ich sagen, also es gibt schön Gründe, auch für dieses Reinheitsgebot zu sprechen und auch mal das grundsätzlich auch in einer positiven Seite zu sehen. Was für mich das größte Problem mit dem ist, ist, dass wir in Deutschland kein wirklich einheitliches Reinheitsgebot haben. Sondern die Umsetzung heißt ja immer, also im Grunde ist es ja auch so, in Deutschland darfst du eigentlich jedes Bier brauen, du musst nur, wenn du das Reinheitsgebot verlässt, ein besonderes Bier beantragen. Das heißt …

Steffi: Ja und aufpassen, was du drauf schreibst.

Markus: Genau. Und das heißt, du musst in eine lokale Behörde gehen und musst eben den Antrag stellen. Und je nachdem, was der oder die dann, der darüber zu befinden hat oder die meint, kannst du dann dein Bier verkaufen oder eben nicht. Und das ist blöd, wenn eine Brauerei dafür bestraft wird, dass sie einen Kilometer weiter links oder rechts von irgendwo ist und dann eben im falschen Gebiet und irgendetwas nicht darf. Und da, finde ich, das ist sogar fast ein Grundgesetzthema, dass es nicht sein kann, dass du einfach für dasselbe Produkt in unterschiedlichen Teilen desselben Landes anders bewertet wirst und das ist schwierig. Aber das, finde ich, ist ein Problem, dass man vielleicht irgendwie lösen kann. Und wenn wir dann zu einem Gesetz kommen, dass für alle einheitlich ist und das wieder richten kann, finde ich das grundsätzlich okay. Also so, wie gesagt, ich bin nicht dagegen, das Reinheitsgebot zu reformieren, aber ich fände es zumindest grenzwertig zu sagen, wir müssen es von heute auf morgen abschaffen, auch weil es schlicht und einfach ein Markenthema ist. Also wenn man in der Welt fragt, ist das Reinheitsgebot mindestens Nummer zwei, wenn man die Leute fragt, was kennt ihr aus Deutschland, was steht für Deutschland? Und dann ist es einfach in gewisser Weise auch dumm, dass einfach zu verlassen, weil deutsches Bier dafür auch einen Ruf irgendwo hat.

Steffi: Ja.

Markus: Auf der anderen Seite muss man natürlich dann dieses Natürlichkeitsgebot auch noch anschauen. Was ich da kritisch finde, ist halt dieser Begriff. Also wenn es um Gesetze und Gesetzgebung geht, brauche ich ja immer Dinge, die ich klar definieren kann. Und natürlich ist nicht klar definierbar. Denn im Grunde haben wir auf unserer Welt nichts, was nicht natürlich ist, weil alles aus Dingen entstanden ist, die in der Natur in unserer Welt vorkommen.

Phil: Ja, klar.

Steffi: Ich meine, du kannst nach dem Verarbeitungsgrad gehen, aber trotzdem ist es halt immer noch natürlich, auch wenn es über 5, 6, 7 Ecken verarbeitet ist.

Phil: Die Chemie ist auch letztendlich natürlich entstanden.

Markus: Ja, ja, eben, eben. Ja, vor allem, ich meine, in unserer lockeren Konversation haben wir alle, glaube ich, kann man sich auf was einigen, aber in dem Moment, wo du halt sagst, das soll ein Gesetz sein, dann muss es ein Begriff sein, der irgendwie handfest ist. Und das kann leider Gottes Natürlichkeit nicht sein, so schön die Idee ist. Also, wie gesagt, ich finde es okay, sich Gedanken zu machen, da zu reformieren, zu vereinheitlichen, finde ich gut, aber dieser Vorstoß, den finde ich schwierig. Und was mir persönlich am meisten aufgestoßen hat ist das Logo. Weil, also da haben sie, meiner Meinung nach, einfach nicht aufgepasst.

Phil: Ich weiß es nicht jetzt.

Steffi: Hab ich auch nicht mehr grad auf dem Schirm.

Markus: Ja, also da muss man immer schauen, das entstammt einfach einer Design-Denke aus den späten 30er-Jahren. Also sicherlich ist das nicht bewusst. Also ich würde es niemanden vorwerfen. Der Olli ist ein guter Freund von mir, ich mag die alle gern, auch der Chef vom Pax Bräu ist ein guter Freund, ich hab die alle ganz lieb, aber das ist wirklich was, da hätten sie vorher mal drüber nachdenken müssen, weil das muss ich nicht machen in der heutigen Zeit, mit solchen Symbolen auch ein bisschen zu spielen, also das …

Steffi: Oh, ja, ja, ja.

Phil: Jetzt bin ich gespannt, zeig mal her.

Steffi: Ja, ja, ja.

Markus: Also jetzt wurde es grade auf dem Handy entdeckt, für die Hörer.

Phil: Hm, ja, hm, na.

Markus: Und da hätte man mal mit der beteiligten Agentur …

Phil: Es erinnert leicht an einen Reichsadler.

Markus: Ja, also insgesamt das Symbol, also das, finde ich einfach, ist …

Steffi: Warum ist denn das vorher noch nie aufgefallen?

Markus: Naja, ist vielleicht auch …

Steffi: Ich habe es auch tatsächlich noch nie so genau angeguckt.

Markus: Ja und das ist auch ein Generationenthema, glaube ich. Also meine Generation ist halt dafür noch ein bisschen sensibilisiert. Und wie gesagt, es ist aber, nochmal, also der Olli ist wirklich ein ganz lieber Mensch, ich mag die alle sehr, sehr gerne und auch alle, die hier im Umfeld sind, gibt es ja auch einige, alles in bester Ordnung und wie gesagt, auch der Andreas vom Pax Bräu. Ja, wie gesagt, also das ist alles kein Ding, aber da, muss ich sagen, da, ist ein bisschen schwierig. Und sie haben halt auch damals, als sie das gelauncht haben, einfach strategisch viele Fehler gemacht. Also haben dann das Release gemacht und beim Pax Bräu in Oberelsbach, wo halt niemand, kein Journalist fährt dahin. Das ist einfach von der Strategie her, wenn ich sowas launche, dann muss ich das wo machen, wo die Medien das auch mitbekommen und so. Und das war halt von vorneherein schwierig.

Phil: Follower…

Markus: Ja. Naja, klar, also das war ja zu einer Zeit, da waren die social Medias noch gar nicht so groß. Aber generell ist es halt so, also sagen wir mal so, in den 50er, 60ern da ist ein Journalist wirklich noch, weiß ich, von Bamberg nach München gefahren zum Termin…

Phil: Ja, ja, klar.

Markus: Da hatten die die Zeit und das Geld. Heutzutage fahren die nicht mal mehr von Bamberg nach Bischberg, sondern lassen sich die Pressemitteilung schicken und das sind einfach andere Geschichten. Also da hat man, meiner Meinung nach, eine gute Idee nicht so schön umgesetzt und dann nicht so clever präsentiert und dadurch ist es so ein bisschen zum Rohrkrepierer geworden. Und man hat natürlich auch das Problem, was mir auch immer am Herzen liegt, ich finde, erst mal sollte die Bierwelt erkennen, dass sie eine Bierwelt ist und zwar egal, ob wir jetzt einen Brauer bei Oettinger haben oder eben den Andreas Seufert bei der Pax Bräu. Das sind beides Menschen, die mit Herzblut bei ihrer Sache sind, die ihr Handwerk gelernt haben und die grundsätzlich gerne ein gutes Bier machen wollen. Und das darf man denen nicht versagen, nur weil sie unterschiedliche Arbeitgeber haben. Also da muss man einfach die Kirche im Dorf lassen und muss sagen, okay, es gibt halt Bier, das trinke ich, was weiß ich, zur Fußballhalbzeit in großen Mengen. Wenn jemand das so haben will, soll er das tun. Das sind Biere, die wir eigentlich nie in der Verkostung nehmen, weil sie dafür viel zu wenig differenziert sind, aber die haben ihren Zweck und offensichtlich ja auch ihren Markt. Also ich muss ja auch ehrlich sein, wenn es Menschen gibt, die diese Biere in diesen großen Mengen kaufen, dann haben die auch ihre Berechtigung. Also wenn ich die nicht mag, ist das okay, dann kaufe ich sie halt nicht. Aber deswegen ist es kein schlechtes Bier, deswegen, es ist halt nicht mein Bier. Und das ist das Schöne, dass die Bierwelt dann eben für mich zum Beispiel sowas hat wie so ein Hansla, wo halt 90 Prozent der Menschen sagen, das kriegen sie nicht runter, ich mag das und so ist das eben. Und das ist, glaube ich, ganz wichtig, dass wir versuchen müssen, erst mal auch innerhalb dieser Bierszene der Brauwelt zu versuchen, uns als Eins zu begreifen, um auch mit einer gemeinsamen Botschaft rauszugehen, auch an die Verbraucher:innen und überhaupt da. Weil wenn wir anfangen, uns selber zerpflücken, also ein Letztes, dann höre ich auch auf zu reden. Aber was da immer so passiert, ist dieses Thema Hopfenextrakt. Dann hast du das Thema, dass das dann kleine Brauer den Großen vorwerfen, sie brauchen mit Extrakt, weil das ja so böse ist und so Industrie und so Chemie. Letzten Endes ist es einfach nur eine höhere Verarbeitungsform von Hopfen, die ihre Schwächen und Stärken hat, unbenommen, aber es ist nix Böses, es ist einfach ein Naturprodukt halt auf einer etwas anderen Stufe. Und wenn diese kleinen Brauer größer werden, fangen die auf einmal auch an, mit Hopfenextrakt zu brauen, weil es halt Gründe dafür gibt und dann werden sie auf einmal ganz leise. Und das finde ich dann immer ganz schwierig. Auf der Hälfte der amerikanischen Craft-Brauer-Biere steht Hopfenextrakt drauf, Sierra Nevada braut damit. Und dann fange ich an, gegen alle zu wettern, weil das in Deutschland irgendwo verwendet wird. Also ich finde, da ist viel Emotion, viel Polarisierung, viel, ja, unnötige Sachen da, die man nicht braucht. Und da war eben auch am Anfang bei den Natürlichkeitsbrauern so ein bisschen, die haben das Feuer auch ein bisschen geschürt. Und da muss man auch vorsichtig sein, weil das schnell auch wieder zurückkommt und dann haben ja beide nix gewonnen.

Steffi: Ja, grade von diesem Übergang von wirklich kleine Craft-Beer-Brauer, die vielleicht auch aus dem Hobby-Brewing gekommen sind, dann hast du die alteingesessenen Mittelstandsbrauereien wie zum Beispiel bei uns in Franken und du hast die Großbrauereien. Und ich hatte es halt auch auf Craft-Beer-Messen immer so wahrgenommen, dass wirklich dieser Zusammenhalt unter den Brauer:innen selber sehr, sehr eng war, also grade was Craft-Beer-Brewing anging. Aber es waren halt immer die Großen, die bösen Großen und die Mittelständler waren auch schon, dass man die schon ein bisschen skeptisch beäugt hat und dass da wirklich ein komplettes Zusammensein stattgefunden hat. Das war ja auf der Braukunst, wenn ich das wieder als Beispiel nehme, das da Braufaktum stand, also von Radeberger. Das war ja auch schon so, naja, die, hähhäh, die hängen ja an den Großen dran, da gehen wir mal nicht so hin. Und das die dann immer, also die Brauer von dort total begeistert rumgelaufen sind, oh, wir möchten gern Bier tauschen dann so nach Messeschluss, wir möchten Bier mit euch tauschen. Jeder so, äh, nee, nee, aber eigentlich von euch nicht. Das fand ich dann auch wieder so schade, weil es ist trotzdem irgendwie eine Bierwelt und eine Begeisterung und warum kann man das dann nicht so teilen?

Markus: Absolut. Und grade Braufaktum finde ich ein gutes Beispiel, weil sie halt auch ganz viel letzten Endes für die Branche getan haben durch ihre Lautstärke. Also weil dadurch, dass sie halt im Hintergrund die große Firma hatten, waren sie auch in der Lage zu kommunizieren und haben dieses Craft-Beer-Thema massiv nach vorne gebracht. Und haben auch mindestens als einer der Einzigen, vielleicht sogar der Ersten, aber vielleicht auch die Einzigen, das ganze Thema Kühlkette zum Beispiel einmal thematisiert auch, in dem sie überall diese Kühlschränke hingestellt haben. Auch wenn dann leider Gottes in den Kühlschränken mittelfristig nur noch die Verpflegung der jeweiligen Mitarbeiter drin gelegen. Aber von der Idee her zu sagen, wir müssen da drauf achten und Bier ist eben ein Lebensmittel, das auch entsprechend behandelt werden muss, das fand ich schon großartig. Ganz am Anfang haben sie auch tolle Biere importiert aus den USA, die niemand sonst bekommen hat. Also ist echt ein gutes Beispiel, wo man eben so sehen kann, wie blind dann auch viele auf dem ein oder anderen Auge waren. Und selbst, wenn man dann sagt, einem schmeckt vielleicht das Pale Ale oder IPA von denen nicht so gut, dann heißt das noch lange nicht, dass der ganze Laden schlecht ist und die Brauer doof.

Phil: Nee, das ist ja Schmarrn.

Markus: Und das ist ja auch immer, also das haben wir ja auch in diesen ganzen Frankenbiergruppen, immer das Thema. Die kaufen sich irgendeine Falsche von irgendeiner Brauerei, trinken das, finden das irgendwie nicht gut und dann wird sich elegisch in einem Facebook-Beitrag geäußert, dass das alles Mist ist und die ganze Brauerei und überhaupt. Und wenn man dann mal versucht, ein bisschen aufzuklären, man weiß ja gar nicht, was mit der Flasche überhaupt passiert ist, bis die zu denen gekommen ist. Vielleicht war das ja ein perfektes Bier, als es die Brauerei verlassen hat und ist dann einfach auf dem Weg dahin zerstört worden, vielleicht war er oder sie sogar selber schuld. Und natürlich dieses Thema, dass dann auch immer mal was passieren kann. Auch das kann sein, grade bei kleinen Brauereien. Aber dann muss ich denen ja genau deswegen auch noch eine Chance geben und nicht gleich sagen, wenn da einmal was schiefgegangen ist, dann ist das alles Mist. Und da, also diese ständige Überaufgeregtheit und dieses sofortige knallharte Aburteilen, das finde ich total schade und …

Phil: Halt dieses, was es auch in der Popkultur und so gerne gibt, dieses Gatekeeping. Dass du halt immer sagst, ja, nur das und das ist das Wahre und der echte Fan ist nur das und das. Und du musst so und so sein, sonst bist du kein Fan und sonst gehörst du nicht zu. Und das ist so, ah, das ist furchtbar, finde ich das, ja.

Steffi: Es ist halt auch schade, dass es teilweise an manchen Wörtern einfach nur scheitert. Also wir hatten mal eine Runde in der Brauerei, wir hatten Indian Pale Ale und es war eine dabei, die hat lang in England gelebt und sagt so, ah, nein, also Ale mag ich nicht. Ja, weil sie in zwei Brewpubs halt war, wo sie halt einfach so dieses abgestandene Ale getrunken hat und hat das sofort auf das nächste Bier bezogen, nur weil es Ale hieß.

Markus: Ja. Ja und dann sind sie am Ende auch Weißbier-Fans. Aber das ist eben der Punkt, also oft ist einfach auch viel Unwissenheit dabei. Also ich hatte es erst gestern wieder, da war ich mit einer Gruppe unterwegs und man hat wirklich die Hälfte der Zeit damit verbracht, mit Vorurteilen aufzuräumen. Also ist dann irgendwie auch schön und spannend und zu sehen, wie sich da so die Augen öffnen teilweise, aber es ist harte Arbeit. Und ich würde mir da wirklich wünschen, dass die Leute da einfach ein bisschen offener sind und auf der anderen Seite auch einfach sagen, okay, wenn ich was nicht mag, dann mag ich es halt und kaufe mir ein anderes. Aber ich muss deswegen niemanden erzählen, dass mir das jetzt nicht geschmeckt hat und schon gar nicht allen Leuten erzählen, dass der Laden ein Scheißladen ist, weil mir das nicht geschmeckt hat und da …

Phil: Das ist so spannend grad so. Also ich war mal mit einem Kumpel auf so einem Treffen von so einem Forum von ihm und da sind die Leute natürlich aus ganz Deutschland hingekommen. Das war dann irgendwo in Hessen, weil das halt direkt in der Mitte war. Und wir hatten halt gedacht, wir bringen mal für diese gesamte Runde aus ganz Deutschland 6 verschiedene Biere aus Franken mit und sagen, tolle Biere und so weiter hier, soundso. Und wir haben gesagt, ja, jetzt probiert sie mal alle durch und so weiter und hier und da. Und das war dann echt so irgendwie, wir waren halt völlig konsterniert, dass da alle so, ja, hm, ja, passt schon. Ja, genau. Das Einzige, und das war das Lustigste dann quasi, haben wir halt auch ein Schlenkerla dabei gehabt. Und der Einzige, der das dann richtig geil fand, war der aus Schleswig-Holstein, der hat gesagt, das ist doch mega geil, das ist wie so ein leicht rauchiger Whisky und so. Alle anderen fanden es scheiße.

Markus: Ja, also das polarisiert durchaus, ja. Oder auch noch, um was Aktuelles auch zu erzählen, wir machen auch Verkostungen ab und zu auf Kreuzfahrtschiffen, also auf Flusskreuzfahrtschiffen und wir sind dann immer regional,. zum Beispiel in Bamberg oder in Nürnberg. Und wenn wir hier in Bamberg sind, dann habe ich halt Bamberger Bier und in Nürnberg habe ich halt dann Nürnberger Bier. Und dann gibt es halt noch dazu die Herausforderung, jetzt ist Sommer. Das heißt, wenn ich dann mit meinem Bier aufs Kreuzfahrtschiff gehe, muss dieses Bier kalt sein, weil sonst muss ich da ja ewig vorher hin oder mitfahren oder so, alles schwierig. So, das heißt also, ich muss dann immer eine Möglichkeit finden, wie dieses Bier vorher zu kühlen ist. Und hier in Bamberg zum Beispiel, dankenswerter Weise darf ich das hier im Schlenkerla immer abstellen im Kühlhaus. Und dann hole ich das halt hier ab und fahre raus in den Hafen, alles super. Und in Nürnberg zum Beispiel habe ich den Deal mit Tucher, dass ich es da mache. Und dann habe ich dann eben für Nürnberg mir mal überlegt, was man da so erzählen kann und habe dann 4 Biere ausgesucht. Und die sind dann halt tatsächlich alle aus dem Hause Tucher gewesen, sage ich auch gleich warum. Und habe dann die Verkostung gemacht und habe auch so ein Bild da gepostet auf Facebook. Und dann kommt sofort, also praktisch wie so eine Autoreaktion, was trinkt ihr für eine Plörre und was für eine Scheiße und das braucht doch kein Mensch, rauf und runter. Und da muss ich auch wieder sagen, also Erstens, allein die Umstände bedingen, dass man manchmal auch grade auf die größeren Brauereien zurückgreifen muss, weil die kleineren manches nicht leisten können oder wollen. Was auch okay ist, aber was dann eben bedeutet, dass man sie bei manchen Sachen nicht verwenden kann. Und der andere Punkt ist natürlich, ich wollte mit den Bieren einfach die Nürnberger Biergeschichte erzählen. Und dadurch, dass die Biergeschichte in Nürnberg so ist wie sie ist, ist die Tucher Brauerei schlicht und einfach die einzige, die diese Geschichte in einer langen Perspektive repräsentiert. Und weil halt alle sich aufgekauft haben und am Ende nur ein Laden übriggeblieben ist. Und dementsprechend kann ich ja nun nix dafür, dass das ehemalige Nürnberger Weißbier Brauhaus mittlerweile Tucher Brauereien ist und das ich natürlich, wenn ich da drüber was erzählen will und das Weißbier entsprechend hab, dann natürlich ein Tucher Weizen nehme. Oder das eben die Reif Brauerei, oder wie auch immer, dann in der Industrialisierung auch aufgekauft worden ist. Und wenn ich über die Dampfmaschine spreche und die ersten Pilsbiere, die da gebraut worden sind, dann bin ich natürlich auch wieder bei einer Tucher Brauerei und so und selbst, wenn ich dann jetzt hier beim Rotbier bin. Und da machen sie halt einfach wirklich mit ihrem alten Sudhaus was Einzigartiges mit ihrem fassgelagerten Doppelbock, den sie dann zumischen zu einem Bier. Das ist einfach was, was eine kleine Brauerei gar nicht machen kann, weil das so teuer ist, das niemals das kostendeckend ist. Das ist einfach ein Spiel, was man da macht für die Stadt, so ein kleines Geschenk an die Stadt. Und auch das mit den Leuten zu verkosten, ihnen dann solche Aromen zu geben und diese geschichtliche Dimension und das Blending von Bieren und man kann über diese Biere halt einfach sehr, sehr lange reden. Auch wenn jetzt das Weizen einfach ein schönes normales Weizen ist, jetzt nichts Sensationelles, aber wunderbar für den Zweck und das Pils eben genauso und das Kennerbier aus Zirndorf auch. Und da finde ich einfach schade, dass man da so diesen automatischen Reaktionen bekommt, ohne dass die ein bisschen reflektieren. Für uns ist das ja auch ein Job. Also ich gehe ja da nicht hin, um als Craft-Beer-Fan zu missionieren, sondern ich bin da gebucht als Sommelier und muss eine gute Leistung abliefern und muss das auch wirtschaftlich irgendwie sinnvoll abbilden. Und dann gehören diese Dinge halt auch in dieses Kalkül.

Phil: Ja.

Steffi: Und da reicht halt schon, einfach nur den Brauereinamen irgendwo in einem Header zu haben und schon heißt es so, äh, Moment, nee, geht gar nicht, ohne sich überhaupt reflektiert damit mal zu befassen.

Phil: Das ist ungefähr das Gleiche wie, also wir haben mehrere Bekannte und Freunde, die spielen halt in Bands, lokale Bands und das ist dann immer so ungefähr wie so, ja, äh, wollt ihr nicht bei uns spielen? Ja, bezahlen können wir euch nicht, aber ist doch super Werbung für euch, so.

Markus: Genau.

Phil: Da ist irgendwie, das ist, ja, das ist dein Job, dass du das machst und das ist halt nicht irgendwie, ja, kommst du da mal vorbei, trinkst ein paar Bier, das passt schon. Also, ja, nee, das ist halt nicht.

Markus: Ja, das ist immer das Beste, wenn sie sagen, du musst auch nix für dein Bier bezahlen.

Phil: Ja.

Steffi: Ja, genau.

Markus: Das ist, naja, gut. Aber mal andersrum gefragt, was nehmt ihr denn für Bücher und Biere mit in Urlaub?

Phil: Uh.

Steffi: Mit in Urlaub?

Phil: In den Urlaub?

Markus: Also wenn ihr in einen Urlaub, ich weiß ja nicht, ihr habt grade gesagt, ihr macht Amrum-Urlaub. Da kann man ja auch schön lesen oder?

Steffi: Genau, das war letztes Jahr.

Phil: Da waren wir letztes Jahr, dieses Jahr fahren wir auf Festival tatsächlich.

Markus: Oh, okay.

Phil: Aufs Elbenwald Festival.

Markus: Und was gibt es da?

Phil: Also ist eine Mischung aus klassischen Musikfestival und Fantasy-Lesungen, Panels, Cosplay, das gibt es da alles.

Markus: Woah!

Phil: Genau. Also ich glaube, da nehmen wir dieses Mal tatsächlich wenig zu Lesen mit. Wir kaufen vielleicht eher was dort wahrscheinlich.

Steffi: Das ja, andersrum. Wobei ich das im Amrum-Urlaub auch gemacht. Also da hatte ich irgendwie ein Buch dabei und meinen Kindl, den ich halt immer zur Sicherheit dabei habe, also mein E-Reader, falls mir der Lesestoff ausgeht und ich lasse ihn dann meistens doch im Koffer liegen. Und dann habe ich mir eigentlich in der einzigen Buchhandlung auf Amrum dann immer, ich glaube, die haben zwei Filialen …

Phil: So eine schöne kleine Buchhandlung.

Steffi: … und habe mir da halt immer Nachschub besorgt. Aber da jetzt im Urlaub sind es wirklich einfach leichtere Romane, also teilweise Jugendbuch, teilweise Liebesromane.

Phil: Ich bleibe bei meiner Fantasy und Science Fiction.

Steffi: Ja, genau.

Markus: Aber man lässt sich da manchmal auch verführen, also mir ging das so. Ich habe auch vor vielen, vielen Jahren mal, haben wir so einen Nordsee-Urlaub gemacht und dann waren wir irgendwo da in the middle of no where und dann lag in so einem Laden so ein runtergesetztes Buch. Und irgendwie fand ich das ganz interessant, habe gedacht, das nehme ich jetzt einfach mal mit. Und das war dann von Kobr und Klüpfel, Milchgeld.

Phil: Ach ja. Ja, okay.

Steffi: ja.

Markus: Also muss man sich überlegen, dass man der Nordsee sich einen Roman über die Allgäu-Krimis kauft. Und seitdem bin ich da aber auch Stammhörer oder Leser, beides, weil ich das einfach als eine schöne eingängige, leichte, angenehme, witzige Literatur. Da gibt es ja mittlerweile auch so ein paar Parallelkommissare, Kluftinger und was es da so alles gibt. Und das ist einfach so für Menschen meines Alters auch mal eine leichte Kost, also braucht man ja auch mal.

Phil: Das ist witzig, man findet dann an der Nordsee Alpenromane und man hat ja bei uns dann auch wieder die Romane von Klaus-Peter Wolff zum Beispiel, die Ostfriesenkrimis.

Steffi: Ja, genau.

Phil: Das ist auch das Witzige, der ist zufälligerweise der Onkel von meinem ehemaligen Mitbewohner und deswegen …

Markus: Oh.

Phil: Genau und deswegen hatten wir den eben auch mal in Bamberg und deswegen war er auch beim Literaturfest und so weiter. Und das ist schon ganz cool. Der hat tatsächlich sogar mal, ich glaube, sogar auch das Schlenkerla in einem Roman erwähnt tatsächlich hier und dann noch den Live-Club vorne und da war er dann bei einer Band von meinem Mitbewohner, also die Hauptfigur im Roman. Und ist noch zum Giecher Bäck raus und hat sich da noch Leberkäs geholt.

Markus: Ach was.

Phil: Ja.

Markus: Gibt es den eigentlich noch, den Giecher Bäck?

Steffi: Ja.

Phil: Freitag und Samstag immer, ja, genau.

Markus: Okay. Ja, das ist schon legendär. Also für alle Hörer … wobei, ich weiß gar nicht, sollte man für sowas Werbung machen, ich weiß es nicht. Aber, doch, kann man schon. Also da kann man nachts hinfahren und sich dann eben einen richtig schönen genialen Leberkäs in verschiedensten Variationen …

Steffi: Wirklich verschiedensten …

Phil: Ja, den besten Leberkäs der Welt, also das ist wirklich so.

Steffi: Ja.

Markus: Ja.

Phil: Also da waren sogar schon Leute mit dabei, die sagen, nee, das mag ich eigentlich nicht und waren völlig begeistert. Es war sogar ein Kollege dabei, der eigentlich Vegetarier ist, der hat gesagt, das ist super. Der Jakob.

Steffi: Ah, okay, okay.

Markus: Ja, das ist dann eine überraschende Wendung auf der kulinarischen Seite, das ist ja auch mal schön.

Phil: Genau, genau. Hast du noch Fragen an uns?

Markus: Habe ich noch eine Frage, ja, das ist jetzt eine sehr strategische Frage.

Phil: Haben wir noch eine Frage? Ich bin eigentlich ganz zufrieden.

Markus: Oh.

Steffi: Die Frage mit der Frage.

Markus: Na, also ich meine, was mich noch interessiert hat, war eben, was ihr so mitnehmt, wenn ihr mal nicht podcastet sozusagen. Aber, ich meine, gut, du bist ja beruflich sowieso immer am lesen.

Phil: Genau, richtig.

Markus: Wie ist das eigentlich, darf man dann Mittagspause machen und sich mit einem Buch in die Ecke setzen oder ist es dann …

Phil: Ich habe ja immer eine Stunde Mittagspause, es wäre sehr gut, wenn ich dann auch noch was lese in der Mittagspause. Ja, genau, also in meiner Pause lese ich dann auch häufig. Leider inzwischen bin ich auch relativ häufig am Handy. Aber oft, es ist dann quasi so, wie war jetzt der Vormittag, war es anstrengend, war es nicht anstrengend? Und wenn es nicht anstrengend war, dann lese ich und wenn es anstrengend war, dann hocke ich irgendwo am Handy.

Markus: Ein bisschen berieseln.

Phil: Ja, genau.

Markus: Und wie ist es mit dir und dem Bier, bist du Hobbybrauen, vielleicht noch irgendwie dabei oder ab und zu mal irgendwo in einer Brauerei, wie ist das so?

Steffi: Ich würde gern, es ist halt zeitlich im Moment einfach schwierig. Also in der Brauerei, wo ich mitgearbeitet hab, da bin ich dann ab und zu schon noch. Wir waren jetzt im Mai da tatsächlich mal wieder unten.

Phil: In Niederbayern.

Steffi: Es ist halt die Fahrtstrecke, eben Niederbayer, das ist jetzt nicht so …

Markus: Es gibt ja hier auch so ein paar Brauprojekte in und um Bamberg, wo Mann vielleicht eventuell oder sogar Frau sich einbringen könnte sozusagen.

Steffi: Ja, bei mir ist es im Moment wirklich die Zeitfrage. Also mir hat damals im Praktikum mein Chef zu mir gesagt, naja, wenn du braust, dann musst du da einen Batscher haben, wenn du dann da so dicht mit dabei bist. Und da gehe ich voll mit, aber ich sage halt auch, ja, wenn man schreibt, muss man genauso einen Batscher haben. Und das ist halt so, wenn ich mit 2 Batschern im Leben rum laufe, dann wird es doch schon am Ende schwierig.

Markus: Ja, also ich muss sagen, was ich immer so krass finde beim Schreiben, es geht halt nicht auf Knopfdruck. Also ich kann mich nicht hinsetzen und kann sagen, ich schreibe jetzt, dann geht es in der Regel schief oder es ist sehr mühsam und meistens gefällt es einem am Ende nicht. Und dann gibt es so den Punkt, das kann manchmal eine Woche dauern oder zwei und dann auf einmal geht es irgendwie und dann ist man aber auch am Stück tagelang damit beschäftigt und so. Und das ist halt so ein Prozess anscheinend, ich weiß nicht, warum das so ist, den man nicht steuern kann und dann muss man der Dinge eben auch den Lauf dann irgendwie lassen oder auch verstehen, dass es halt mal nicht geht. Das ist dann auch für das Umfeld manchmal sehr anstrengend, aber das ist so.

Steffi: Ja, Zurzeit kannst du ein Lied davon singen, ne?

Phil: Alles gut. Nee, was wollten wir jetzt noch? Weil du grad gesagt hast, in Bamberg und Umgebung. Ich weiß, also zum Beispiel ein Kumpel von mir wohnt direkt neben dem Hopfengarten zum Beispiel und so, die machen ja auch immer so Kurse und so weiter. Wie findest du die?

Markus: Also den Kris mag ich sehr, sehr gerne vom Hopfengarten. Das ist, also ich finde das Projekt so spannend, weil sie das Bier andersrum denken. Also weil die kommen ja aus einer …

Phil: Aus einer Gärtnerei, genau, ja.

Markus: Genau, sie kommen aus einer Gärtnerei und haben ja damit angefangen sich zu überlegen, wir kaufen einfach mal Bierwürze, also haben gar nicht wirklich Bier gebraut, sondern sich vom Käsmarkt Würze geholt und haben dann einfach ihre verschiedenen Kräuter dann damit versetzt und dann einfach angefangen zu spielen. Und das Schöne ist, wenn man da eben auch hingeht und man hat ein Bier mit Eukalyptus, dann kann ich halt auch die Eukalyptuspflanze sehen, kann das Blatt in die Hand nehmen, kann es riechen, schmecken und kann dann im Bier sehen, wie äußert sich das. Und mittlerweile sind sie auch Brauerei und auch Brennerei und machen tolle Sachen. Also ich mag es ganz gerne.

Phil: Ja.

Markus: Und ich muss auch sagen, ich habe sie auch schon ganz bewusst strategisch genutzt. Wir hatten vor zwei Jahren einen Kongress hier, für Europa Bierleute, den ich ja organisiert hab. Und dann war so das Thema, natürlich kommen die nach Bamberg und man muss für die ein Programm machen. Und das Programm, was die erwartet hätten, wäre ja einfach gewesen, okay, du machst halt Schlenkerla Spezial, Fässla, was weiß ich was, Mahrs Bräu, alle durch und du schwelgst halt in der typischen Bamberger Bierseeligkeit sozusagen. Und ich habe mir dann gedacht, nee, also muss man natürlich auch machen, aber wir durchbrechen das mal. Und ich habe dann am ersten Abend ganz bewusst in den Drei Linden den Anfangsabend gemacht, wo es zu der …

Phil: Direkt bei Weyermann.

Markus: Direkt bei Weyermann, genau. Genau, zu der Zeit gab es da auch noch die ganze Weyermann-Palette, also mittlerweile haben es immer nur noch ein paar, aber das gibt es auch noch. Und ich mag das Team dort auch sehr gerne, sind ganz liebe Menschen und sind auch sehr offen. Aber wir hatten dann eben schon mal eine völlig andere Umgebung. Und wir hatten dann die Weyermann Biere und gegenüber halt die Weyermann Häuser und das war natürlich schon da sehr, sehr spannend. Und dann sind wir von da aus nachts zum Hopfengarten gelaufen und haben da eine Nachtführung im Hopfengarten gemacht.

Phil: Das ist cool.

Markus: Und das war dann cool, durch dieses ganze Gestrüpp und sowas zu wandern, ein Bierchen in der Hand. Und das war halt genau nicht das, was sie von Bamberg erwartet haben, mit Graffiti und was es da. Das ist ja, das könnte auch in Berlin sein.

Phil: Stimmt, ja, ja.

Markus: Und das war cool. Und dann am nächsten Tag sind wir dann natürlich Schlenkerla und so weiter. Aber das war dann auch das Feedback, dass das eigentlich ein guter Icebreaker war, um einfach diese ganzen Leute, die aus jedem europäischen Land kamen, auch ein bisschen zusammenzubringen, weil wir hatten echt ein Thema, worüber sie sich alle unterhalten konnten am ersten Abend, dass das nicht das ist, womit sie gerechnet haben. Und das war dann auf jeden Fall cool und der Kris hat das auch sehr gut gemacht. Und in dem Fall, also, ja, also, wie gesagt, auch da wieder, ich hab die Bamberger Brauereien alle auf ihre Art und Weise ins Herz geschlossen, ich persönlich bin nicht Fan jedes dieser Biere, aber das liegt halt an mir und das ist auch okay. Und was ich koche, mag auch nicht jeder und finde ich auch in Ordnung. Aber deswegen sind das trotzdem einfach tolle Menschen. Und ich habe viel Ehrfurcht also einerseits vor den Unternehmen, vor der Lebensleistung und der Generationsleistung von den alten Läden, aber auch vor dem Mut von so jungen Leuten jetzt wie beim Kris eben. Oder wenn man sich das Ahörnla anschaut, wie man das schafft, mitten die Stadt eine Brauerei, oder das Sternla auch, zu stellen, da gehört unheimlich viel Mut dazu und Durchsetzungsvermögen gegenüber aller Ämter und da muss ich echt sagen, da habe ich ganz viel Respekt vor. Und ähnlich ging es mir in Berlin, ich habe auch schon zwei Bücher über die Berliner Brauereien geschrieben. Und die sind auch so vielfältig, so unterschiedlich, jeder auf seine Art und Weise und die kann man alle ins Herz schließen. Auch da wieder, nicht jedes Bier ist toll, aber die Menschen sind toll und dass ist das, was mir an der Bierwelt an sich gefällt. Also dass man fast nie ein Arschloch trifft, sage ich jetzt mal so und das ist sehr angenehm. Und egal wo du auf der Welt bist, du kriegst immer eine offene Tür, du wirst immer irgendwo empfangen und das ist schon, ja, eine Ersatzfamilie auch so ein bisschen.

Steffi: Ja, das stimmt.

Markus: Und insofern, das macht schon Spaß, ja. Das ist ja fast ein schönes Schlusswort.

Phil: Ja. Bier bringt zusammen.

Markus: Bier bringt zusammen.

Phil: Jetzt stoßen wir nochmal an.

Markus: Wir stoßen nochmal an.

Steffi: Genau, ja.

Phil: Prost.

Markus: Und wir haben auch ganz im Sinne der Bamberger Bierkultur in diesen anderthalb Stunden nur zwei Biere getrunken. Also als Letztes noch, das war meine letzte Diskussion, die ich gestern auch hatte, dass ich glaube, das es einfach ein riesen Missverständnis gibt, was das Thema Bierkultur angeht. Weil, wenn man so den klassischen Bamberger fragt, was ist Bierkultur, dann heißt das, naja, wir gehen zum Beispiel im Sommer nachmittags auf den Bierkeller, haben da ein, zwei Bierchen, haben unsere Brotzeit, haben unseren Spaß. Wenn es dann vielleicht kälter wird, wechseln wir noch in eine Braugaststätte, trinken noch ein oder zwei Bierchen, haben da wieder Spaß und irgendwann gehen wir Nachhause.

Phil: Genau.

Markus: Wir hatten einen schönen Abend, wir haben das tolle Ambiente genossen, wir haben die Biere genossen, wir haben das Essen genossen, wir haben wieder neue Freunde kennengelernt und all das zusammen, das ist die Bierkultur.

Phil: Richtig.

Markus: Und das wäre auch eine Bierkultur, wenn ich ein alkoholfreies Bier oder sogar eine Limo in meinem Becher gehabt hätte …

Steffi: Ja.

Phil: Stimmt.

Markus: … trotzdem kann ich diese Bierkultur erleben. Und das hat nix damit zu tun, sich die Hucke vollzusaufen.

Phil: Ja, genau.

Steffi: Das stimmt.

Markus: Und das ist das Problem, was eben in der Botschaft, die oft in der Werbung gemacht wird, so Bierstadt Bamberg und so. Dann lesen da die Leute und grade die aus einer anderen Kultur kommen in Sachen Bier, die denken dann wirklich, man muss …

Phil: Saufen.

Markus: Genau, man muss das Bier so schnell wie möglich und so viel wie möglich, weil es billig ist. Und das ist es eben nicht.

Phil: Nee.

Markus: Und das ist was, was wir, glaube ich, echt promoten müssen, weil sonst haben wir hier in Bamberg auch ein Problem, wenn das weiter zunimmt.

Steffi: Ja, genau.

Phil: Richtig.

Markus: Und da muss man drüber reden. Aber gut.

Phil: Das sagen wir auch in jeder Folge von unserem Podcast auch mal …

Steffi: Das musst du jetzt nochmal sagen, das ist jetzt klar.

Phil: Natürlich. Wir rufen nicht zum Saufen auf, ganz bewusst, sondern zum genießen von Bier.

Steffi: Ja, richtig.

Phil: Ganz wichtig.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk 121 – Interview mit Daniel Schappert, Head Brewer bei Mondo Brewing in London, Großbritannien

Daniel Schappert lernte in einem Urlaub auf Mauritius bei einem Freund die Arbeit als Braumeister von ihrer schönsten Seite kennen. Fasziniert vom Strandfeeling war der Lebensplan gemacht, und er beendete sein Studium nach Praktika in Berlin und Kopenhagen mitten in der Pandemie. Kurz ausgebremst, fand sich dann doch recht schnell der Job als Headbrewer bei Mondo Brewing in London. Dort zeichnet er für eine große Palette verschiedenster Biere verantwortlich, in und außerhalb des Reinheitsgebotes, teils mit sehr experimentellen, wegweisenden Neuentwicklungen aller Ingedienzien. Wir haben ihn vor Ort in seiner Brauerei besucht und mit ihm eine kleine Reise durch sein Leben und seine Biere gemacht…

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Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcast BierTalk. Heute was Besonderes, weil wir sind live in London, also wirklich mal ganz woanders. Und zwar vor Ort bei Mondo Brewing und dort haben wir einen faszinierenden jungen Braumeister, Daniel Schappert. Also wie ihr schon hört, ein deutscher Braumeister, der hier arbeite und sich nach einem Braumeisterstudium eben bei uns in Deutschland hier dann in England wiedergefunden hat und wiederfindet. Und, ja, wird gleich ein bisschen was dazu erzählen. Mit dabei ist auch der Erik, Erik Schnickers, den kennt ihr ja auch schon vom Podcast und wir machen ja gemeinsam die Biersommelierkurse bei uns in der BierAkademie und, ja, wir sind hier zusammen unterwegs. Und vielleicht erst mal, Daniel, schön, dass du hier bist oder wir bei dir sein dürfen, so rum ist ja eher richtig. Und vielleicht stellst du dich nochmal ganz kurz unseren Hörern selber vor.

Daniel: Ja, vielen Dank. Ja, wie gesagt, mein Name ist Daniel Schappert, ich bin seit ein bisschen mehr als drei Jahren hier jetzt bei Mondo Brewing der erste Braumeister. Kurz zu meiner Vergangenheit, ich habe von 2013 bis 2020 in Weihenstephan Brauwesen, Getränketechnologie studiert, dann meine Abschlussarbeiten bei Stone und White Labs gemacht, also Berlin und Kopenhagen. Dann kam leider Covid genau zu der Zeit, als ich mein Studium abgeschlossen hab. Und die erstbeste Möglichkeit habe ich dann ergriffen und bin nach London hier, um den Job bei Mondo anzufangen und seitdem bin ich hier und sehr glücklich.

Markus: Ja, das merken wir auch und tolle Biere.

Daniel: Erik, ganz kurz, wir haben ja schon mal ein bisschen vorverkostet, was sagst du?

Erik: Ja, absolut. Also was man halt sagen kann, ist schon auch englisch angehaucht. Was ich aber auch gut finde, deswegen sind wir ja hier. Man merkt deutsche Einflüsse auch des Öfteren, aber es liegt nicht nur, ja, am ersten Braumeister, sondern halt auch an den beiden Founder, also sprich, einer Führungsriege hier, die einfach auch ein Fable für deutsche Biere haben und da immer, ja, auch Wert drauf legen, den Einfluss zu haben. Und man merkt auf jeden Fall, es sind alles sehr, sehr runde Biere und, ja, sie passen sich dem an, was grade gefragt. Also das sieht man halt schon beim Blick auf die Karte, also man hat da Biere mit 3,4%, was jetzt grade aktuell ist, da gehen wir aber später noch drauf ein. Aber ansonsten auch eigentlich für alle Geschmäcker alles da. Und, ja, schön zu sehen auf jeden Fall.

Markus: Ja, also ein sehr rundes Programm. Und wie gesagt, London, das heißt also schon einerseits natürlich eine große Stadt, dann eben auch eine Stadt, die für das Bier sehr bekannt und berühmt ist mit traditionellen Brauereien wie Fuller`s zum Beispiel, aber dann eben auch mit früheren Craft-Brauereien, Beawertown nur mal zum Beispiel, Camden Town, Meantime und so weiter, wenn man da so spricht. Die natürlich mittlerweile alle ihre Geschichte haben und sich weiterentwickelt haben und eben in einer neuen Riege von Brauereien, über 100, die jetzt in der Stadt eben auch sind und wieder praktisch das Thema neu interpretieren, neu leben und, ja, ganz viele spannende Geschichten machen. Und vielleicht, Daniel, bevor wir da jetzt kurz noch zu Mondo Brewing gehen, zu dir. War das schon immer ein Thema für dich im Leben, Bier zu brauen oder Bier zu genießen?

Daniel: Ja, also ich war immer sehr experimentierfreudig. Also ich komme ursprünglich aus Mainz, da war es natürlich fast nur Pils. Aber generell, was man so als Junge oder als Teenager, die Neuesten, seine es Energydrinks, Limonaden oder so, das konnte nicht verrückt genug sein, deswegen war ich, glaube ich, immer so ein bisschen da hingezogen. Ich habe mich dazu entschieden Brauwesen zu studieren, als ich Urlaub auf Mauritius gemacht hab und da einen Brauer kennengelernt hab. Aber eigentlich waren dass dann auch nur sehr simple Beweggründe, weil alles, was ich von ihm gesehen hab, war am Strand surfen mit so einem kleinen Bierbauch und einer relativ hübschen Freundin. Und ich dachte mir so, hm, das könnte auch mein Leben sein. Und mein Bruder hat eh schon in München gewohnt, ich wollte nach München und dann hat sich das ganz gut ausgegangen. Und dann habe ich da dann festgestellt, dass ich Bierbrauen ja eigentlich doch auch ganz gern mag.

Markus: Also jetzt weiß ich, was ich im Leben falschgemacht hab, ich hab nicht rechtzeitig genug einen Urlaub auf Mauritius verbracht, sonst hätte ich jetzt vielleicht auch so eine Brauereien und einen Bierbauch sowieso, das ist mir nicht ausgeblieben. Naja, alles andere besprechen wir danach, auf jeden Fall ein spannendes Thema. Und das heißt, also gut, dann studierst du in München Brauwesen. Und wie kommt man dann auf die Idee, grade zu Stone zu gehen, die ja zu der Zeit eher so ein bisschen das Enfant Terrible sozusagen waren in der deutschen Bierwelt?

Daniel: Ja, also wie gesagt, ich war, glaube ich, immer so auf Kreativität und das Besondere in Getränken aus. Und zum einen war natürlich das Enfant Terrible, aber halt auch Avantgarde zu einem gewissen Punkt und sehr viel Ausprobieren. Zu dem Zeitpunkt waren IPAs überhaupt kein Ding in Deutschland oder wirklich sehr wenig und das war, ja, die beste Möglichkeit, das zu entdecken und auch eine wunderschöne Brauereien glücklicherweise ja jetzt immer noch in Betrieb bei Brewdog. Aber, ja, das hat sich dann da einfach ergeben. Und außerdem, als Student ein halbes Jahr in Berlin, da braucht man, glaube ich, auch wenig Gründe, warum man das dann annimmt.

Markus: Ja, also klar, das erinnert dann wieder ein bisschen an die Mauritius-Geschichte, aber natürlich und ich sehe da, hat eine gewisse Parallele. Die Stammhörer werden sich bestimmt erinnern, wir haben ja mit Thomas Tyrell auch schon einen BierTalk gemacht und über das Thema gesprochen, der bei Stone damals auch der Headbrewer war. Und ich persönlich habe ja viel damals mit Greg Koch auch zu tun gehabt, als er dann hier nach Deutschland kam und erst mal einen Standort gesucht hat für seine Brauerei und dann eben sich so Stück für Stück darein gewurschtelt hat. Hast du denn mit Greg selber dann auch zu tun gehabt?

Daniel: Wenig. Also ich war wirklich, als die Brauerei dann aufgemacht hat, also nach der Inbetriebnahme, dann vor allem grade im Labor das mit aufgebaut, da war Greg natürlich noch sehr viel in anderen Sachen beschäftigt, genau. Aber mit Thomas habe ich viel zu tun gehabt, ja. War eine sehr schöne Zeit.

Markus: Hast du die Eröffnung miterlebt, wo Greg da dieses Holzfass angestochen hat und so?

Daniel: Ja, ja, ich erinnern mich daran, nächstes Thema.

Markus: Ja, nein, also coole Geschichte auf jeden Fall.

Daniel: Nein, war schön, ja.

Markus: Schön, dass du dich immerhin noch dran erinnerst. Also der ein oder andere soll das vergessen haben aufgrund seines persönlichen Alkoholkonsums. Aber lassen wir das mal auch wieder beiseite. Und, ja, dann also Kopenhagen, wieder anderes Thema, wie war das?

Daniel: Ja, genau, also da war ich bei der Hefebank White Labs, die ursprünglich aus den USA sind und dann ihre Europa-Dependance da aufgemacht haben. Das war vor allem, weil ich mich in die Stadt verliebt habe, vor allem über die vielen Male von dem Mikkeller Bierfestival und da sehr oft als Volontier mitgemacht und dann dabei auch die Stadt kennengelernt und bin immer noch in großer Liebe mit dieser Stadt. Und, genau, es ist ein sehr, sehr großes Mekka, was Bierfermentation angeht. Und White Labs ist eine sehr coole Firma und ich hatte da die Möglichkeit, meine Abschlussarbeit über Hefen für alkoholfreie Biere zu machen und das war wunderschön.

Markus: Ja, also dem kann ich auch nur zustimmen, also Kopenhagen, eine wunderbare Stadt in vielerlei Hinsicht, also was das Bier angeht sowieso, aber auch, was die Menschen, die Kultur angeht. Und was ich so toll finde, es ist halt die Hauptstadt eines Staates, eines alten früheren Weltreiches und hat aber trotzdem nur so viel Einwohner wie Nürnberg. Also das heißt, es ist ein bisschen familiärer, es ist ein bisschen kleiner, aber man hat eben trotzdem Botschaften von allen Leuten, ein sehr internationales Publikum unterm Strich und damit eben auch eine sehr internationale Atmosphäre, eine sehr offene Atmosphäre. Und dann sowas wie Carlsberg in der Stadt, die mit ihrem Labor ja auch die Welt geprägt haben, was das Thema Bier angeht. Also schon auf jeden Fall eine tolle Stadt, wo ich auch selber oft und gerne und regelmäßig bin. Ja und wie ging es dann ach London?

Daniel: Ja, dann kam Covid und den letzten Teil meiner Masterarbeit, konnte ich dann leider nicht mehr zurück nach Kopenhagen, habe es dann mit Ach und Krach irgendwie in diesen verrückten Zeiten in Deutschland fertiggemacht. War dann aber ein bisschen müde von München. Und außerdem war es natürlich auch zu der Zeit dann einfach super schwierig, einen Job zu finden als Neueinsteiger. Und dann glücklicherweise Tom unser Erfahrener, hat immer, wie gesagt, ein Fabel für deutsche Biere, deutsche Brauer gehabt, glücklicherweise ist da der Stereotyp ganz gut für uns. Und vorher war ein Studienkollege von mir hier schon als Praktikant, der ist dann grade zu Beginn von Covid auch zurück. Und dann war die Stellenausschreibung in unserem Uni-Newsletter und ich habe mir gedacht, ja, warum denn nicht, geben wir halt London mal eine Chance und schauen, was passiert. Und, ja, nach drei Jahren immer noch hier.

Markus: Ja, magst du uns vielleicht ein bisschen einen Eindruck geben, Mondo Brewing, was ist das, was passiert da, was ist so ein bisschen das Konzept?

Daniel: Ja, genau, also Mondo Brewing wurde 2015 gegründet von unseren beiden Directors Tom und Todd, beide Amerikaner, die sich über Umwege bei London Fields kennengelernt haben, beide in der Brauerei gearbeitet. Das ist, wer sich da ein bisschen einlesen will über London Field, das ist eine sehr spannende Geschichte und sehr zwielichtig, wie es damals abgelaufen ist. Aber da könnt ihr gern ein bisschen Selbstrecherche machen, das sind jetzt nicht so Alltagssachen.

Markus: Und da entsteht ja grade so eine neue Biermeile in London?

Daniel: Genau, ja. Aber, genau, aber das war so ein bisschen auf dem absteigenden Ast da grade und dann haben sie sich überlegt, dass sie das doch dann doch besser könnten und haben dann hier ihre Brauerei im Süden von London gegründet. Mondo, was italienisch für Welt ist, womit sie zeigen wollten, ihre Einflüsse. Also Todd hat in den USA und in Deutschland in Brauereien gearbeitet bei Weyermann. Tom war illegaler Weise Homebrewer in Japan. Es ist immer noch verboten heutzutage, aber da hat er vor allem seine Einflüsse bekommen, dann in Frankreich, Spanien als Brauer gearbeitet und dann beide hier in England. Und so wollten sie zeigen, genau, dass sie ihre Einflüsse aus der ganzen Welt haben. Ja, heutzutage sind wir eine, ja, vernünftige Größe. Inhouse produzieren wir so circa 5.500 Hektoliter, dann nochmal 2.000 Hektoliter Contract-Brewing, da wir einfach hier an unserer Kapazitätsgrenze sind im Moment. Vor allem Fassware für Pubs in, ja, circa 10-Kilometerradius das Meiste, aber auch viel Dosen und Flaschen. Wir sind über die Jahre ein bisschen weggegangen davon, Cask-Bier zu machen. Weil, ja, zum einen ist es schwierig, wenn man sich nicht voll darauf spezialisieren will, weil es dann doch einfach wirklich ein anderes Produkt ist. Und zum anderen ist auch einfach der Markt sehr gesättigt. Die Biertrinker, die Cask trinken, sind sehr traditionell. Glücklicherweise ändert sich das grade so ein bisschen, dass auch immer mehr kleine Brauereien mehr Cask-Biere und als Pale Ales und IPAs produzieren. Aber nichtsdestotrotz ist es immer noch ein sehr traditioneller Markt und deswegen sind wir davon so ein bisschen weggeblieben. Also so unser USP heutzutage ist, dass wir relativ viele Biere machen, also vor allem IPAs, die wir gar nicht kochen. Das war für mich auch erst mal ein großer Schock als ich hergekommen bin. Das heißt, ja, wir bringen es zu so 95 bis 98 Grad nach dem Läutern, um einfach sicherzugehen, dass alle Mikroorganismen tot sind. Und dann fahren wir es rüber in den Whirlpool, kühlen es auf 80 Grad für unseren Whirlpool, geben den Hopfen dazu und fermentieren es dann.

Markus: Und was ist da der Vorteil, das Hopfenaroma oder?

Daniel: Nee, also der Vorteil ist, dass wir relativ viele Proteine im Bier behalten, die einen sehr schönen Körper bringen und das Bier wirklich sehr weich machen. Warum man das in Deutschland nicht macht oder generell sehr wenig macht, ist die Gefahr, dass man DMS, also das Fehlaroma, was als Kohl oder Mais beschrieben wird, bringt, wenn man das nicht macht, da DMS dann nicht ausgetrieben wird. Deswegen ist das relativ nicht verbreitet. Was wir festgestellt haben ist, das englische Malz ist so überlöst, das man fast kein DMS da drin hat. Das heißt, glücklicherweise, bisher hatten wir nie Probleme damit.

Markus: Ja, das klingt auf jeden Fall total spannend. Und ist natürlich auch energieschonend, denke ich mal, unterm Strich, ne?

Daniel: Genau, ist energieschonend, ist effizient, zeitmäßig. Also wir sind bisher sehr zufrieden damit. Und ich glaube auch, dass man das mehr und mehr sehen wird in den nächsten Jahren, ja.

Markus: Ja, es gab ja auch Zeiten in Deutschland, wo man Biere eben nicht gekocht hat. Zum Beispiel Berliner Weisse früher war ja so ein Thema und insofern, ja, sehr interessant. Und, ja, Erik, willst du gleich mal in die Verkostung einsteigen? Worauf freust du dich am meisten?

Erik: Ja, ich bin sehr gespannt, weil es gibt hier verschiedene Pale Ales, IPAs und New England IPAs und die haben alle irgendeine Besonderheit dabei. Aber ich habe schon drei Sours gesehen und die interessieren mich sehr, weil Stachelbeere hat man jetzt beispielsweise selten als Sour. Also ich kenne es zum Beispiel nicht und Preiselbeere auch eher selten.

Markus: Ja und Stachelbeere, muss ich auch sagen, ist was, was ich gerne mal bei Bierwettbewerben, wenn es drum geht, Bieraromen zu beschreiben, verwende ich das ganz gerne mal, weil viele Juroren das gar nicht auf dem Schirm haben. Und dann gucken die immer so, wenn man so ein Aroma schreibt, was sonst so keiner hat, das ist so ganz witzig. Ja, zwischenrein müssen wir uns auch noch eines Themas annehmen, was in England hier jetzt relativ neu ist. Und zwar gibt es eine gesetzliche Änderung, dass eben von der Steuer her Biere mit unter 3,5%, glaube ich, so ungefähr jedenfalls, deutlich begünstigt werden und die Brauer  natürlich jetzt versuchen, alle in diese Richtung zu stoßen, was ja auch nicht so einfach ist. Vielleicht kannst du uns da nochmal kurz ein bisschen was dazu sagen und wir haben hier ja auch ein Bier dazu, was das schon so ein bisschen vorwegnimmt. Also was für Gedanken sind das und was genau steckt da bei diesem Gesetz dahinter?

Daniel: Genau, also die haben nur die Biersteuer einfach ein bisschen geändert und es wird einiges günstiger, Biere zu brauen, die unter 3,5, also 3,4 und niedriger sind. Und deswegen versucht grade jede Brauerei auf diesen Markt zu stoßen. Es ist generell so, es gibt einen Platzhirsch grade hier in London mit The Corner, die ihr Table-Bier haben, was extreme Popularität genießt und was auch genau diesen Alkoholgehalt hat. Und die es aber über die letzten Jahre sehr gut geschafft haben, trotzdem ein sehr balanciertes und wirklich einen schönen Körper in diesem Bier hinzubekommen. Und das versucht grade jede Brauerei so ein bisschen hinzubekommen. Genau und unsere Sud dazu ist das Hambar, ist ein 3,4-Pale Ale. Wir wissen noch nicht so genau, wie wir es vermarkten, das war jetzt der erste Versuch, ob es jetzt ein Tale-Beer ist oder Pale Ale, im Endeffekt ist das ja reine Marketingsache. Aber damit ihr euch was vorstellen könnt, ja, es ist ein Session Pale Ale, genau. Und wie gesagt, also man sagt ja immer so, dass das Lager das Schwierigste ist zu brauen, einfach weil man nichts kaschieren kann und jedes Fehlaroma direkt auftreten würde. Ich habe jetzt in den letzten Monaten gemerkt, dass sehr niedrig alkoholische Biere noch einiges schwieriger sind. Also man kennt es ja von alkoholfreien Bieren, da kommt so eine stechende Würznote durch, eine Süße, die man einfach nicht so haben will. Die natürlich auch immer so ein bisschen dableiben wird, weil es ist einfach nicht so viel Körper da durch den fehlenden Alkohol und dadurch kann man nicht so viel Hopfen mit rein geben, weil sonst wird es sehr schnell unbalanciert. Und, genau, wir haben das versucht so ein bisschen auszugleichen, zum einen haben wir ein Maris Otter als Malzgrundlage genommen. Nennt sich Heritage Malt hier in England, wurde in Cambridge gezüchtet und hat so ein bisschen mehr Körper, ein bisschen Biskuit-Aromen, die einfach ein bisschen mehr Fülle bringen als ein klassisches Pale Ale oder Lagermalz. Dazu ein bisschen Carapils, was auch ein bisschen mehr Körper bringen sollte. Eine relativ große Menge an Hafer und dazu noch ein bisschen Unique Malt. Wir sind davon weggeblieben, Weizen zu benutzen. Normalerweise würde sich das da auch sehr gut anbieten, aber wir wollen uns die Möglichkeit offen halten, dass wir das später dann noch als glutenfrei vermarkten können. Was ja hier relativ einfach glücklicherweise möglich ist, indem man nochmal ein Enzym dazu gibt und dann die geringen Mengen, die man durch das Gerstenmalz rein bekommt, kann man da ganz gut dann mit austreiben. Aber, genau, deswegen sind wir von Anfang an vom Weizen weggeblieben. Im Moment ist es noch nicht glutenfrei, aber wir halten uns die Möglichkeit offen. Um sonst ein bisschen mehr Körper rein zubekommen, haben wir eine relativ hohe Einmaischtemperatur. Also generell ist es üblich, hier nur einen Maischschritt zu haben, so einen Kombirast bei 68 Grad, da das Malz hier sehr gut vorgelöst ist. Wahrscheinlich müsste man auch gar kein Rast machen, du würdest trotzdem da den Zucker rausbekommen. Aber, genau, da sind wir ein bisschen höher gegangen. So klassisch wie auch bei alkoholfreien Bieren macht man dann nur eine 72-Grad-Rast. Und dadurch, dass die Schüttung relativ niedrig ist, konnten wir dann auch mit einem relativ hohem Hauptguss arbeiten, der dann trotzdem noch in unseren Maischbottich gepasst hat. Und so mussten wir dann nur einmal einen Nachguss machen, um möglichst wenig Tannine rauszubekommen, was dann einfach auch das Bier ein bisschen weniger bitter, ein bisschen leichter und dann auch später vollmundiger machen soll. Genau, das ist unser Ansatz dabei. Wir haben versucht, hier ein bisschen auf die deutschen Hopfen zu gehen, was wir sonst nicht so viel machen. Also, ich meine, unsere beiden Besitzer sind amerikanisch, das heißt, die Hopfen, die wir vorwiegend benutzen, sind aus Amerika und, ja, der Großteil ist sowas wie Citra, Simcoe, Amarillo natürlich. Wir sind hier ein bisschen mehr auf Hüll Melon und Hallertau Blanc gegangen. Einfach zum einen, weil das wird ein sehr kompetitiver Markt und deutsche Hopfen sind einfach günstiger, muss man ehrlich sagen. Zum anderen ist es auch zumindest ein bisschen nachhaltiger, weniger Transport oder, ja, kürzere Wege. Und wir sind auch sonst sehr zufrieden grade mit Hüll Melon im Heißbereich und dann auch wieder als Maischehopfung und geringen Mengen von Hallertau Blanc. Wenn auch, das ist, ich meine, derselbe Hopfen wie Nelson Sauvin, das ist einfach nur die deutsche Version mehr oder weniger, also das ist jetzt nicht ganz korrekt. Aber, ja und deswegen, das bringt auch wieder diese Stachelbeer-Weißwein-Aromen, wenn man das in geringen Mengen einsetzt. Genau, das ist unser Ansatz da.

Erik: Finde ich ziemlich spannend. Weil, bevor du den Hopfen erwähnt hast, hätte ich jetzt gesagt, ihr hättet eher englische Hopfen genommen, weil es so ein bisschen was von diesen gealterten Hopfen hat. Aber jetzt, wo du es gesagt hast, diese Mischung aus Melon, also diese Melone mit, ja, so einer vergorenen Traube, das ist eigentlich der Geruch, den ich grade in der Nase hatte. Also finde ich jetzt echt spannend, jetzt kommt nämlich die Melone da durch. Ja, also ich kenne es beispielsweise von so Kinder-Melonensäften, die gehen in diese Richtung. Und, ja, das ist so, ja, ich bin sehr gespannt.

Daniel: Ja, ich muss jetzt dazu auch ganz ehrlich sagen, das war einfach nur der Salespitch, was sich rausgestellt hat oder was wir jetzt über die Zeit gemerkt haben, man muss mit Hallertau Blanc sehr, sehr vorsichtig sein und das wirklich nur in geringen Mengen dazugeben. Wir haben dann die angereicherte Version genommen T45 und sobald man nur ein bisschen zu viel nimmt, geht das sehr in dieses Grasige, was du grade mit englischen Hopfen beschrieben hast. Das ist jetzt der erste Versuch zu diesem Bier. Wir werden ab dem nächsten Mal den Hallertau Blanc ein bisschen reduzieren, leider dann wieder zu den altbekannten einfachen Hopfen wir Citra, das so ein bisschen substituieren, einfach weil wir wissen, dass es da funktioniert. Wir sind trotzdem nicht super unglücklich mit dem Ergebnis, es ist einfach ein bisschen grasiger als erhofft.

Erik: Ja, gut, natürlich hast du die Grasigkeit, aber auch da, wie du grade schon gesagt hast, der T45, hast du natürlich auch wieder diesen Pflanzenanteil, der da auch auf eine gewisse Weise zumindest diese Harzigkeit et cetera mitbringt. Also, ja, ich bin gespannt, was ihr draus macht, aber ich bin auch gespannt, wie es jetzt schmeckt. Aber wie gesagt, ihr seid nicht ganz so unzufrieden, dann bin ich, ja, wie gesagt, gespannt, was da rauskommt jetzt.

Markus: Es hat ja auch viel mit Erwartungshaltung zu tun und wir haben natürlich auch jetzt die anderen Biere schon verkostet. Und wenn wir jetzt sagen, wir haben Biere, die zum Beispiel aufgrund der Hefe und der Thiole von dieser eigentlichen grünen grasigen Hopfennote komplett weg sind, warum dann nicht ein paar Biere haben, die grade das wieder spielen. Also weil das ja dann, was sich normalerweise bei einer normalen Brauerei durch alle Biere durchzieht, fehlt ja dann praktisch an diesem Ende der IPAs und New England IPAs und so. Und dann kann man ja vielleicht grade an der Stelle, wo man sagt, man hat vielleicht ein bisschen weniger Körper, wo das Bier einfach auch ein bisschen was braucht, was ihm noch was gibt, warum nicht da ein bisschen mit dem Aroma spielen. Und ich muss sagen, was mir sehr gut gefällt, ist das Mundgefühl mit dem Hafer, das macht sich echt toll. Und das ist was, was ich in Deutschland immer schade finde, das es relativ wenig Biere gibt, die mit Hafer und Mals in unserem Fall dann eben arbeiten, weil mir das oft gut gefällt, weil das Biere sehr schön vollmundig, sehr angenehm, sehr weich macht. Und dieses Thema glutenfrei ist hier schon ein größeres in England bei Bieren?

Daniel: Ja. Also wir haben gemerkt, es ist gar nicht so der Endverbraucher, der es wirklich sucht, aber es sind die Barbesitzer, die denken, sie müssen ein Angebot haben und sich deswegen ganz gut verbreitet. Also es gibt hier eine Brauerei, die ein sehr populäres Bier hat, was glutenfrei ist und weshalb dann unser Sales-Marketingteam entschieden hat, dass wir da auch ein bisschen in die Richtung gehen sollten. Und glücklicherweise ist es, wie gesagt, hier relativ einfach, man wirft einfach ein Enzym rein während der Fermentation und dann kann man sich relativ sicher sein, dass es glutenfrei ist, also unter dem Schwellenwert. Natürlich wird es dann auch immer noch getestet, sonst würden wir es natürlich auch nicht drauf schreiben. Aber, ja, es ist relativ simpel, es hat nicht super viele Nachteile. Das nimmt so ein bisschen den Körper raus, aber es sind nur Nuancen und es bringt dann doch nochmal ein USP mit rein, ja.

Markus: Ja, nee, auf jeden Fall ein wichtiger Punkt. Also ich erlebe es nur insofern bei uns jetzt schon, weil wir ja auch Verkostungen zum Beispiel auf den Flusskreuzfahrtschiffen machen und da gibt es zunehmend viele britische Gäste. Und da ist in der Tat die Frage, wenn wir da das Bier-Tasting machen, schon jetzt mehrmals aufgetaucht, ob wir auch eine glutenfreie Variante haben? Und es wird auch erwartet, also es hat auch mit der Erwartungshaltung was zu tun. Und natürlich kann ich jetzt nicht sagen, wir haben jetzt hier ein Schlenkerla ohne Gluten. Das wird auch noch ein bisschen dauern, dass es das gibt, aber, ja, auf jeden Fall spannend. Also danke für dieses Bier und wir wünschen euch da ganz viel Glück und Erfolg, dass ihr auch diesen neuen Markt dann schön mit bespielen könnt. So, jetzt haben wir hier das Dennis Hopp`r, was ist das denn für ein Bier?

Daniel: Also Dennis Hopp`r ist ein klassisches Westcoast IPA oder zumindest hier in England kann man es Westcoast IPA nennen, weil 5,3% in den USA wäre wahrscheinlich eher ein Pale Ale.

Markus: Wahrscheinlich, ja.

Daniel: Aber hier in England kommt man da ganz gut mit weg. Genau, ganz klassische Malzschüttung mit einem englischen Base Malt, ein bisschen Weizen, ein bisschen Carapils und das war es auch schon. Dann, als Bittergabe haben wir Columbus, Whirlpool, dann Citra, Galaxy und Ekuanot und als Dryhop Amarillo, Citra und wieder Ekuanot und dann mit einer ganz klassischen Westcoast-Hefe vergoren.

Erik: Also den Westcoast-Charakter hat man auf jeden Fall, das merkt man ziemlich gut. Jetzt bin ich gespannt, also vom Geruch her würde ich unterschreiben, dass es ein Westcoast ist. Jetzt bin ich beim Geschmack mal gespannt.

Markus: Ja, also ich finde auch, extrem fruchtig im Geruch. Ich finde, was man schön merkt, ist der Ekuanot, also der hat da so diesen leichten Guave-Touch, das ist hier wirklich sehr, sehr schön und sehr frisch auch, ja.

Daniel: Muss man immer ein bisschen aufpassen mit Ekuanot, das es dann nicht doch hin zum Green Pepper geht.

Markus: Ja.

Erik: Ja.

Markus: Ja, wobei, auch nicht schlimm.

Daniel: Aber vielleicht jetzt nicht so gewollt im Westcoast, aber, ja.

Erik: Cheers.

Daniel: Cheers.

Markus: Sehr intensiv auf der fruchtigen Seite.

Daniel: Ja, genau. Also dadurch, dass es unser Core-Beer ist, wir wollen natürlich, das Leute relativ viel davon trinken. Und auch, ich glaube, einfach diese sehr bitteren Westcoast-Zeiten vorbei sind, ist es jetzt nicht volle Pulle Westcoast-Bitterness, sondern möglichst trinkbar.

Markus: Ja und wir sind ja auf der Insel, also ich meine, das muss man ja auch immer sehen. Dann ist es ja auch völlig legitim, wenn man eben bei der Bittere ein bisschen da bleibt, wo der Gaumen hier vielleicht auch ein ist, die Leute kennen ja IPA vielleicht auch ein bisschen anders. Wobei ich sagen muss, im Nachgang ist die Bittere schon schön präsent, also da merkt man schon, dass da was da ist.

Daniel: Ja, genau, das war, was wir versucht haben, damit zu erreichen.

Markus: Und das ist ein Rezept, dass du mit entwickelt hast oder weiterentwickelt hast oder wie ist das?

Daniel: Weiterentwickelt, ja, also, genau, das war von Anfang an, von 2015 Teil der Corerange hier bei Mondo. Und dann natürlich, jeder Braumeister bringt so seinen eigenen Touch mit rein. Und, genau, das heißt, ab und zu wird halt wieder daran gefeilt, wir setzen uns hin, überlegen, was wir so verbessern könnten, schauen, was es Neues auf dem Markt gibt. Verändern manchmal die Hefe, wenn wir denken, wir können daran wieder was optimieren und so entwickelt sich das über die Jahre.

Markus: Also ich mag das Mundgefühl sehr.

Erik: Ja, das ist es, also ist richtig schön weich. Und Zweitens ist es dann halt auch noch, am Anfang kommt so eine Bittere, dann kommt eine schöne Süße, die wirklich, würde ich halt für die Region auch als passend bezeichnen und dann kommt halt nochmal diese Bittere, die du grade schon beschrieben hast. Also insgesamt, ich finde, das ist ein sehr trinkbares Bier, hat diesen Westcoast-Charakter. Und mit 5,3%, finde ich, kannst du da, und das ist echt das Schöne, da den ganzen Abend von trinken.

Daniel: Ja, das ist der Plan.

Markus: Und es erzählt aber trotzdem viel. Also es gibt ja solche Biere, die dann auch eher leer sind, wo auch zwischendurch dann man sich so ein bisschen fragt, wieso? Aber hier ist wirklich, die Hopfen sind alle da, sie sind sehr schön präsent, sie spielen miteinander und man hat dieses schöne Mundgefühl. Man hat ein angenehm schönes Finale in diesem Bier, was auch wirklich wieder Lust macht auf den nächsten Schluck und es ist eben was, was man bewusst trinken kann. Also, klar, man kann es auch nebenbei trinken, aber man kann es auch ganz bewusst trinken, das ist doch wirklich spannend. Hast du IPA brauen hier so richtig gelernt oder ist das auch Teil des Studiums gewesen, wie ist das?

Daniel: Nee, also leider gar nichts im Studium dazu. Wir hatten einen Kurs, der so ein bisschen stiefmütterlich internationale Braumethoden behandelt hat. Da wird einem dann erzählt, dass man mal auch Reis reinwerfen kann, wenn man ganz verrückt ist. Aber sonst alles hier und, ja, learning by doing und von anderen lernen, von unserem Director lernen und dann weiterentwickeln.

Markus: Und der Name Dennis Hopp`r, ist da eine bestimmte Idee dahinter?

Daniel: Also Tom und Todd sind beide sehr popkulturaffin und sind große Fans von Dennis Hopper.

Markus: Klasse.

Erik: Ja, absolut.

Markus: Also prima, wunderbar, das war schon mal ein super Auftakt, schönes Bier, freuen wir uns auf das nächste. Ja, jetzt haben wir hier was ganz Spannendes, nämlich gleich drei Biere, also praktisch die nächste Stufe gleich gezündet und zwar alles drei Biere, die man wahrscheinlich mehr oder weniger in die Sour-Richtung einstufen würde. Und auch von den Farben her sehr interessant. Also eines heißt auf jeden Fall Blueberry, dann haben wir Gooseberry und dann haben wir Lingonberry, also Blaubeere, Stachelbeere und Preiselbeere. Und da sind wir mal sehr gespannt. In welcher Reihenfolge, würdest du denn sagen, sollen wir die verkosten?

Daniel: Wir fangen mit der Stachelbeere an.

Markus: Okay.

Daniel: Ja, machen wir einfach das Beste draus, das wir hier kein Deutsches Reinheitsgebot haben und wir reinwerfen können was wir wollen, mehr oder weniger. Genau, also das ist ein 4,2%, ja, sommerliches Sour-Beer. Malzbasis relativ simpel, ein bisschen Lagermalz, ja, relativ viel Weizen und dann ein bisschen Spitzmalz, weil der Proteingehalt hier in den Malzen leider nicht so hoch ist und deswegen ist es relativ schwierig, Schaum zu bekommen. Gut, ist jetzt nicht super wichtig bei Sour-Beeren, aber wir versuchen das immer so ein bisschen auszugleichen.

Markus: Ist auf jeden Fall gut gelungen.

Erik: Ja.

Daniel: Genau und dann also ist es, zu Beginn der Fermentation geben wir eine Lactobaciluskultur dazu, lassen das für ungefähr 24 Stunden fermentieren, um den ph runter zubekommen. Und sobald wir dann unter 3,7 ph sind, geben wir einen Kveig-Hefestamm dazu. Zum einen weil sehr einfach zu behandeln, kann man genau bei den gleichen Temperaturen, bei 35 Grad vergären lassen, ohne das total komische Gärungsnebenprodukte rein kommen. Zum anderen bringt das immer auch so eine schöne leichte Joghurtnote mit. Was wir eigentlich ganz nett finden in unseren Fruited Sour Beers.

Markus: Ja.

Erik: Ja, klingt auf jeden Fall spannend. Und, ja, ich habe mich grade schon gewundert, weil ich finde, beim Riechen hast du nicht so eine extreme Säure. Aber, ja, hast du ja grade schon erklärt, auch Kveig, so ein bisschen Joghurt. Und grade durch den Lacto, ja, kann ich mir schon vorstellen, das wir gleich aber beim Schmecken das ein etwas anders sehen.

Markus: Ja, auf jeden Fall optisch schon auch die Stachelbeere so ein bisschen mit drin, also golden, aber mit so einem kleinen Schimmer, wie man das eben von den Stachelbeeren kennt, sehr schön. Wunderschöner Schaum und den Geruch finde ich auch also sehr interessant auf jeden Fall, eine schöne Mischung. Man hat so von der Stachelbeere so ein bisschen was Weiniges, so ein bisschen, wenn man so Richtung einer sehr reifen Ananas denkt oder so, so ein bisschen sowas in die Richtung ist auch da. Und dann, ja, wenn man es weiß, hat man auch die Stachelbeere. Ist immer schwierig zu sagen. Wenn man das vorher nämlich nicht weiß, würde man anders drüben denken. Aber so ist es klar da. Und, ja, okay, na dann.

Daniel: Cheers.

Markus: Prost.

Daniel: Genau und dann, also die Frucht geben wir am zweiten Tag der Gärung mit dazu, einfach um sicherzustellen, dass auch die Zucker der Früchte mit vergoren werden und das wir dann später keine explodierenden Dosen irgendwo haben. Und dann am Ende der Fermentation dryhopen wir diese Biere auch nochmal nur ganz leicht. Einfach um sicherzustellen, dass der Lactobacilus da noch mit durchkommt und wir kein Problem haben in der Brauerei, genau.

Markus: Und den Lactobacilus tötet ihr vorher den in kurzer Erhitzung ab oder wie macht ihr das?

Daniel: Nee, gar nicht. Den Stamm, den wir benutzen, hat eine EBU-Toleranz von 2 bis 3.

Markus: Oh!

Daniel: Genau. Das heißt, also wahrscheinlich müssten wir gar nichts machen, weil all unsere anderen Biere natürlich viel mehr haben. Aber einfach um sicherzugehen, werfen wir dann nochmal ein bisschen Hopfen rein. Und bisher ist das auch ganz gut gelungen.

Markus: Also wenn man böse wäre, würde man sagen, die EBU-Toleranz eines durchschnittlichen Amerikaners, nein.

Daniel: Genau.

Markus: Das war jetzt natürlich ein gewollter Gag, aber sehr würzig auf jeden Fall. Also interessant finde ich vom Geschmack her, dass ihr es tatsächlich geschafft habt, hinten raus diese Stachelbeere zu haben. Also grade im Abgang, im Finale, wenn dann so der Schluck runter getrunken ist, dann ist sie da. Und ich finde das gar nicht so einfach, muss ich sagen. Also weil Stachelbeere jetzt auch was ist, das isst man nicht jeden Tag und mal eben so nebenbei, sondern das ist ja wirklich was, was man bewusst hat. Und auch die Beere ist ja verhältnismäßig groß und hat viel Fleisch und hat viel Säure auch, also das finde ich schon eine Herausforderung, mit sowas zu arbeiten. In welcher Form nutzt ihr die, sind das die Beeren oder Saft?

Daniel: In Püreeform, genau. Ich glaube, ja, irgendwo aus England haben wir eine Firma gefunden, die uns das als Püree anbietet. Und dann werfen wir in die 2.000 Liter 100 Kilo Stachelbeerpüree rein und, ja.

Markus: Ist bestimmt nicht billig oder?

Daniel: Ist nicht günstig, aber glücklicherweise ist der Rest des Bieres relativ günstig und dann kommt man da doch noch irgendwie mit und das Sales-Team ist dann doch noch zufrieden.

Erik: Ja, also auf jeden Fall wirklich spannend. Und das mit den Weißweinnoten, die du vorhin genannt hast, die gehe ich auch mit. Und wie ich grade schon angekündigt habe, man merkt eine deutliche Säure im Antrunk auch schon direkt, was ich aber cool finde. Die Stachelbeere holt dann quasi die Säure ab, bevor du quasi dann, ja, trinkst, bevor du runterschluckst. Und das finde ich eine gute Sache, weil Sauerbier kann halt einfach auch zu sauer sein.

Daniel: Ja, genau und das versuchen wir mit drei bis vier Fruchtbieren im Jahr, dass wir da trotzdem noch so eine Balance haben. Ich meine, es sind auch nur 4,2%. Das heißt, der Plan ist da auch wieder, das relativ süffig zu machen und dann möchte man da natürlich nicht zu viel Säure.

Markus: Und wie war das für dich, als du das erste Mal, so frisch aus Deutschland kommend, mit dem Reinheitsgebot sozusagen aufgewachsen, dann hier vor der Aufgabe gestanden hast, okay, jetzt machen wir es mal ganz anders, wie ist das?

Daniel: Ich fand es ganz cool. Also glücklicherweise meine Zeit vorher bei Stone Brewing hat es mir da so ein bisschen oder hatte ich schon ein bisschen Erfahrung mit. Glücklicherweise ist es ja in Berlin relativ einfach, wie nennen sie es, besondere Biere zu brauen, deswegen war es jetzt keine komplette Umstellung. Das, wo ich wirklich schlucken musste, waren die Biere, die wir hier machen, weil das hat überhaupt nicht mit meiner bisherigen Erfahrung mit Bier zusammengepasst oder mit, was ich in der Uni gelernt habe. Aber, ja, so entwickelt man sich immer weiter.

Markus: Ja. Das sind also die nichtgekochten Biere, da kommen wir dann auch gleich noch dazu, bin ich auch schon sehr gespannt. Jetzt sind wir hier in unserer Range, also wirklich nochmal auch an euch Zuhörer:innen nochmal gesagt, probiert auch ruhig mal die Früchte. Versucht euch mal zum Beispiel Stachelbeeren, Preiselbeeren, all diese Dinge mal zu besorgen, dass auch mal im Original zu verkosten, damit ihr eben, wenn ihr dann zum Beispiel ein Bier damit habt, dass dann auch mal vergleichen könnt. Und das ist wirklich immer eine Schulung, muss ich sagen, sensorisch. Und echt sehr, sehr spannend, wie ihr das geschafft habt, dass hier umzusetzen, also großes Kino. Womit geht es weiter?

Daniel: So, das nächste Bier ist gleiche Malzgrundlage, gleiche Biergrundlage, aber diesmal mit …

Markus: Preiselbeeren.

Daniel: … Preiselbeeren, genau.

Markus: Lingonberry.

Daniel: Lingonberry, genau. Die Preiselbeeren kommen sogar wirklich aus Deutschland, weil Preiselbeeren kann man hier nicht so wirklich bekommen in großen Mengen. Das heißt, das war, wie man sich vorstellen kann, Dank Brexit relativ schwierig, jetzt die Früchte zu bekommen, aber glücklicherweise haben wir es geschafft. Gleiche Herstellungsart, gleiches Malzprofil, wie gesagt, Fermentation dasselbe. Der einzige Unterschied außer die Früchte sind dann andere dryhop, einfach mit Hopfen, der unserer Meinung nach ganz gut zu den Früchten passt. So wie jetzt bei der Stachelbeere das mit Nelson Sauvin war, was so in diese Richtung gehen soll, was hier Mosaik. Genau, aber sonst sehr ähnliche Biere, nur total anders schmecken.

Markus: Okay.

Erik: Was mir hier auf jeden Fall schon auffällt, ist der Schaum, weil der ist noch prägnanter. Der ist wirklich schön da, die Gläser stehen ja jetzt halt auch schon seit vor der Aufnahme und der ist wirklich schön. Wird wahrscheinlich dann an der Frucht liegen, dass die sich ein bisschen anders verhält, dass da wahrscheinlich mehr Eiweiße oder wie auch immer drin sind, oder?

Daniel: Wahrscheinlich, ja. Ich habe leider keine Wissenschaft dahinter gemacht, aber ich würde das jetzt mal unterschreiben.

Markus: Und was ich interessant finde ist, dass diese Joghurtnote hier viel intensiver ist als bei den Stachelbeeren. Und Preiselbeere ist ja überhaupt so eine Frucht, also da ranken sich ja auch in Deutschland ganz viele Mythen drum rum. Also es heißt ja immer, die ist giftig, ist sie eigentlich gar nicht. Also man kann die durchaus essen, hat sehr viel Vitamin C. Dann heißt es immer, die muss mindestens einmal eine Frostnacht erlebt haben, bevor man was mit ihr anstellen kann, ist auch nur bedingt richtig. Aber, weiß ich gar nicht, wie ist das, importiert ihr die tiefgefroren oder wie kommt das hierher?

Daniel: Genau, also das Püree wird in Deutschland hergestellt und dann gefroren über Lieferkette hierher. Und dann wärmen wir es hier auf in einem Wärmebad einfach, damit wir es ungefähr auf die 35 Grad bekommen, was grade in der Fermentation ist, um nicht die Hefe oder die Bakterien zu schocken. Genau und dann werfen wir es einfach in den Fermenter.

Markus: Ja, also so geht es. Jetzt müssen wir mal probieren.

Erik: Also im Geruch ist die schon wirklich stark da und, ja, anders als bei der Stachelbeere. Und das würde mich jetzt beispielsweise auch nicht wundern, dass das mit dem Geruch, was du beschrieben hast grade, einhergeht, ist es natürlich nicht so eine krasse Säure, weil die Frucht auch nicht ganz so viel Säure mitbringt wie beispielsweise eine Stachelbeere. Also kann sie, ja, aber in dem Fall ist es definitiv nicht so, es ist weicher. Finde ich aber sehr angenehm, also auch ein super trinkbares Bier.

Daniel: Vielen Dank.

Markus: Ja, das finde ich sehr erstaunlich. Also ich kenne die Preiselbeere normalerweise auch eher als ziemlich sauer, also weil ja auch viel Vitamin C zum Beispiel drin ist, aber hier ist das tatsächlich sehr weich, sehr rund. Wir kennen es in Deutschland ja normalerweise über die Marmelade, die man zum gebackenen Camembert zum Beispiel bekommt, ist so der Klassiker eigentlich.

Daniel: Oder von Ikea.

Markus: Oder von Ikea, natürlich, Lingonberry-Marmelade, die man da hat. Und ich muss auch sagen, ich kenne es auch eher aus den skandinavischen Ländern. Aber hier dieses Bier hier ist wirklich toll, weil die Balance stimmt. Also man hat wirklich ein schönes Spiel zwischen der Säure, die man in der Nase mehr wahrnimmt, dann im Mund eher zurückhaltend ist. Dann hat man da eine Süße und hinten raus kommt dann auch eine kleine Bittere, die das Ganze wieder so ein bisschen aufhebt und das ist echt spannend. Was ich bei Preiselbeeren sonst also zum Beispiel von Bränden kenne ist, dass auch die Kerne viel Aroma machen. Das ist hier ja gar nicht so der Fall, aber die sind wahrscheinlich beim Püree entweder raus oder halt zerkleinert oder irgendwie so, ne?

Daniel: Genau, raus, weil wir da, glaube ich, auch ein bisschen Angst vor den Tanninen dann hätten, dass es dann einfach auch zu bitter wird, genau.

Markus: Also, ja, sehr schön. Also ein gefährliches Bier, muss ich auch sagen, weil das könnte ich jetzt wirklich trinken wie Limo.

Daniel: Das war der Plan, ja.

Markus: Und das man da 4% dahinter hat, das ist jetzt eher unauffällig, muss ich sagen. Also schön.

Erik: Ich mag es auch sehr gerne, also wirklich ein schönes Bier, schön umgesetzt. Und ist halt von der Säure nicht ganz so krass, sodass man es wirklich auch eher langstreckenmäßig trinken kann. Echt, coole Sache, ist momentan mein Favorit.

Markus: Aber wir haben ja noch eins, also.

Erik: Ja, genau.

Daniel: So, kommen wir zu dem Nächsten, ein Blaubeer-Basilikum-Bier. Wie der ein Sour-Beer, aber diesmal ein bisschen anderer Ansatz. Wir haben versucht, mehr das auf einer Pale-Ale-Basis, das heißt, einfach mehr Malzkörper, mehr Süße dazu. Ein bisschen Maltodextren dazu gegeben, um einfach ein paar unvergärbare Zucker drin zu haben, damit man wirklich dann, auch wenn es hier nur 4,6% sind, trotzdem noch einen schönen Körper im Hintergrund hat. Dann Fermentation, wieder das Gleiche wie die anderen beiden Sour-Biere. Dann wieder 100 Kilo Blaubeerpüree dazugegeben und dann Basilikum in einer Tinktur in der Lagerung mit dazu in den Tank gehängt.

Erik: Also hier finde ich ganz spannend, beim Geruch hast du so eine Art Eukalyptus, der da so mitkommt.

Markus: Ja.

Erik: So eine leichte Schärfe, ein bisschen so in Richtung Minze, Menthol, Eukalyptus, so diese Richtung. Das finde ich sehr spannend, unterstützt die Frucht auf jeden Fall. Ja, sehr spannend.

Markus: Ja, weil ja auch Blaubeeren so ein bisschen so eine Gewürznote haben, ähnlich wie Wacholder zum Beispiel ja auch, so in diese Richtung. Das mischt sich gut mit dem Basilikum.

Daniel: Genau und dazu haben wir dann noch als dryhop relativ viel Polaris mit darein gegeben.

Markus: Ah.

Daniel: Ja, weil, wenn man den richtig einsetzt, hat man da eine sehr schöne Minznote. Was, ich finde, ein viel zu unterbewerteter Hopfen, könnte viel öfters genutzt werden. Genau und wir fanden, der passt da ganz gut rein.

Markus: Ja.

Erik: Ja, finde ich auch.

Markus: Na dann, prost.

Erik: Ja, zum Wohl.

Daniel: Zum Wohl.

Erik: Das ist richtig spannend.

Markus: Woah!

Erik: Da hast du eine Süße, du hast wieder das, was du grade gesagt hast von Polaris, was ich vorhin als Eukalyptus, Minze beschrieben hab. Dann hast du die Säure und dann hast du hinten raus noch die Fruchtsäure, also so ein Wechselspiel, aber trotzdem Hand in Hand. Also das ist echt, das ist auf jeden Fall das spannendste Bier von denen, zumindest von dem Aromenwechsel, so würde ich es jetzt mal nennen.

Markus: Ja, ist wirklich. Also es geht süß los, dann kommt die Säure, dann kommt dieses Fruchtige, die Gewürznote, dann kommt die Minze. Dann hat man ein bisschen auch eine Adstringens, so eine gewisse Bittere hinten raus, die aber eben nicht nur vom Hopfen ist, sondern, ich glaube, auch eben aus den anderen Zutaten. Also, ja, wie du sagst, also auf jeden Fall das Komplexeste. Und man merkt auch eben, dass ihr euch da natürlich Arbeit macht, das auch zu kompensieren. Weil, du sagst jetzt so lapidar, nehmen wir halt 100 Kilo von dem und 20 von dem, aber da muss man sich ja Gedanken machen, damit am Ende auch was rauskommt, was irgendjemand gerne trinkt. Also insofern, das ist dann schon auch ein bisschen ein Kunststück. Und grade mit dem Basilikum, finde ich, ist die Grenze immer ganz schwierig. Weil, wenn man das übertreibt, dann ist es schnell untrinkbar, also dann kann man es vielleicht noch zur Pizza nehmen, aber das franzt dann auch. Aber das hier ist wirklich schön, grade mit diesem Wechselspiel.

Erik: Habt ihr hier die Kerne drin gelassen? Weil ich würde jetzt mal drauf wetten, dass die drin sind, aber es kann natürlich auch vom Basilikum sein.

Daniel: Nee, genau, da ist in der Tat, war das noch in dem Püree mit drin. Und wir haben dadurch, dass wir das auf einer Pale-Ale-Basis gemacht haben, wollten wir das ganze Bier auch einfach ein bisschen hazier, das deutsche Wort?

Erik: Ja, so ein bisschen trüber.

Daniel: Trüber, das ist es, genau. Und, genau, das war der Plan da. Der Fairness halber muss ich dazu sagen, dass es eine Kollaboration mit unseren Freunden von Wiper & True genau und, ja.

Markus: Ja. Also eine Frage hätte ich noch, ihr nehmt ja jetzt da die Kveig-Hefe, das heißt, die ist jetzt eigentlich richtig in der Brauwelt angekommen oder? Also weil, vor ein paar Jahren war das ja noch eher exotisch und da irgendjemand vielleicht mal das Buch vom Lars gelesen oder so, aber jetzt mittlerweile habe ich so den Eindruck, dass sich das schon durchsetzt oder?

Daniel: Ja, ich glaube schon. Also speziell mit Sour-Bieren bekommt man das immer öfters aus den vorher genannten Gründen. Wir persönlich haben ein paar Versuche, ja, in dem letzten Jahr auch für andere Bierstiele, waren aber nicht so 100 % überzeugt von den Pale Ales und die IPAs, die wir damit gebraut haben. Waren interessante Ergebnisse, aber diese Johgurtcharakter, der da doch immer mehr oder weniger durchkommt, ist schon sehr speziell, ja, muss man mögen.

Markus: Ja.

Erik: Also in dem Fall kann ich schon mal ein Fazit ziehen, die sind alle drei wirklich gut, haben alle was Eigenes. Also für mich ist die Stachelbeere so mit das sauerste, aber frisch für den Sommer beispielsweise so auch als Durstlöscher tatsächlich. Die Preiselbeere ist für mich das am meist Trinkbarste, also da kann man wirklich mehr von trinken. Und am spannendsten ist auf jeden Fall die Blaubeere, weil die einfach so viele verschiedene Aromen da drin hat. Aber ich mag sie alle drei, ich würde halt wirklich einfach gucken, was habe ich grade für ein Thema, was habe ich für einen Moment, was habe ich zu essen, wie auch immer und mich dann entscheiden, aber ich würde keins ausschließen.

Daniel: Vielen Dank.

Markus: Ja. Und was mir gefällt, ist dieses, dass ihr dann eben versucht, mit der Frucht noch ein bisschen was anzufangen. Also wenn ich bei der Stachelbeere sage, okay, das kann man irgendwie als Frucht rein bringen, das hat eine gewisse Säure, das hat so sein Aroma, ist aber dann vielleicht nicht so ganz komplett. Und dann nimmt man eben noch die passenden Hopfen, rundet es ab und gibt dem dann insgesamt ein richtig schönes komplexes Aroma, was dann wieder Spaß macht, genauso eben bei den anderen beiden. Vor allem eben auch bei der Blaubeere, da gefällt mir grade, man muss ja erst mal auf den Gedanken kommen, Blaubeere mit Basilikum. Hat man jetzt auch nicht alle Tage, finde ich auch sehr schön. Und bei der Preiselbeere, muss ich sagen, finde ich das sehr schön gelungen, dieses Fruchtaroma umzusetzen, sehr schön die Cremigkeit im Mund, also, ja. Ja, weiter geht es mit unserer lustigen Reise hier durch die Biere von Mondo Brewing und jetzt haben wir hier, ja, ein New England IPA. Also der Bierstil, den man heutzutage quasi haben muss in gewisser Weise, der sich aber auch massiv weiterentwickelt hat. Und ihr habt hier einen ganz spannenden Ansatz gewählt, ihr habt gedacht, mein Gott, KI in aller Munde, warum nicht auch mal beim Bier, oder?

Daniel: Genau. Also das ist nur ein kleiner Versuchssud, haben wir 200 Liter von gebraut. Die Grundlage ist von unserem Core-Pale-Ale Road Soda. Normalerweise hat es eine Stammwürze von 12%, wir haben es ein bisschen stärker eingebraut mit 14 Grad Plato. Und dann haben wir eine Hefe genommen, die Thiol Precursor verarbeiten kann. Und dann haben wir es uns leicht gemacht und einfach nur in ChatGPT eingegeben, welche Hopfen wir dafür benutzen sollten. Und das hat uns rausgehauen, dass wir, wenig überraschend, Nelson Sauvin, sorry, Idaho 7 und Citra. Und, genau, das haben wir gemacht, dazu ein bisschen Cascade und Mittelfrüh in die Maischehopfung. Weil, was die aktuelle Forschung sagt, dass diese beiden Hopfen zusammen mit Saaz sehr viele Thiol Precursor in der Maische schon mit reinbringen, die dann von der Hefe ganz gut verwendet werden können.

Markus: Also wir reden da jetzt vom Nelson Sauvin, vom Idaho 7 oder auch …

Daniel: Genau, also die generell haben sehr viel, aber vor allem Cascade, Mittelfrüh und Saaz scheinen sehr gute Veranlagungen dazu zu haben, diese Precursor schon im Maischebereich mit rein geben zu können. Soweit ist es leider noch nicht aufgeschlossen von der Forschung, zumindest nicht, dass ich weiß, warum grade die sich dazu eignen. Aber das ist im Moment, was die Brauer so verfolgen. Und, genau, damit sind wir dann auch gegangen.

Markus: Ja. Also vielleicht noch ganz kurz für alle Hörer, die jetzt da noch große Fragezeichen im Kopf haben, es ist eben praktisch der neue Trend, zu sehen, was die Hefe mit Hopfenbestandteilen noch so anstellen kann, die eben normalerweise sensorisch nur wenig sich auswirken. Und da gibt es eben Hopfenbestandteile, die dann umgebaut werden zu Thiolen und die dann wiederum zum Beispiel sehr fruchtige vor allem Citrusaromen haben können, aber auch eben verschiedenste andere und damit nochmal eine Hopfenwirkung verstärken können, insgesamt das Bier nochmal intensiver, komplexer machen und damit praktisch einfach nochmal aus demselben Material mehr rausholen. Und das ist schon interessant und werden wir mal sehen, wie das jetzt hier sich gleich auswirkt. Eine Frage habe ich, habe ich es richtig erklärt oder habe ich irgendwas vergessen?

Daniel: Ja, genau. Also ich bin jetzt einfach so ein bisschen rübergegangen, weil ich dachte, die Hörerschaft kennt sich da …

Markus: Ja, vielleicht auch.

Daniel: Aber, genau, das ist alles richtig erklärt. Die Hauptaromen, die man versucht zu bekommen, ist natürlich klassisch tropisch, viel Passionsfrucht, dann wieder so Weißwein-, sogar ein bisschen Stachelbeerrichtung und Pfirsich, genau. Und wir haben versucht, da sehr in diese Pfirsichrichtung diesmal zu gehen.

Markus: Ja, absolut, hat man auch in der Nase, total, also wirklich.

Erik: Komplett, also habt ihr gut umgesetzt, zumindest im Geruch.

Markus: Und das ist auch so ein ganz spezielles Aroma, was diese Biere haben, wo man dann auch schon eben feststellen kann, okay, da ist jetzt eine Hefe am Werk, die das eben kann. Und, ja, wirklich sehr intensiv fruchtig, so eine schöne Citrus-Pfirsich-Mischung, ein schönes Bukett und dazu noch so weinige Noten, die dann so im letzten Riechvorgang so da sind, also spannend. Schaut auch schon toll aus, super cremiger Schaum. Bier selber, wunderbar geheimnisvoll, sehr trüb, sehr faszinierend. Also gut, probieren wir das mal.

Daniel: Zum Wohl.

Erik: Zum Wohl. Ja, also Pfirsich ist drin quasi, geschmacklich auf jeden Fall, sehr weich, sehr rund, süße Frucht, also reife Frucht. Aber sehr schön umgesetzt, also sehr entspannt, kann man gut trinken.

Markus: Ja. Also diese süße Note auf jeden Fall auch sehr, sehr schön. Also das New England IPA soll ja auch in der Hinsicht eben so ein bisschen anders sein und soll dann auch das ganze nochmal runder machen und natürlich trotzdem auch eine Bittere haben. Auch die ist ja da, aber diese Fruchtigkeit ist wirklich unglaublich intensiv im Vordergrund, wirklich sehr schön. Und, ja und da merkt man eben diese Kraft der Hefe, die da nochmal richtig was rausholt und das ein sehr einzigartiges Getränk macht. Also Easy C´rider, steckt da was dahinter irgendwie?

Daniel: Genau, also wir haben das mit einem Freund aus den USA, die 2nd Shift Brauereien in St. Louis und sein Name ist Steve Crider. Und da er uns ein bisschen inspiriert hat, haben wir es dann Easy C´rider genannt, genau. Aber das es eh nur ein kleiner Versuch ist, bleibt das alles hier in unserem Taproom leider, deswegen konnten wir einfach den Namen draufgeben, genau. Also was ich dazu noch sagen will, deswegen die Maischehopfung, um ein ganz klein bisschen Bittere, um das Süße auszubalancieren. Normalerweise würden wir unseren New England IPAs leicht in der Kochung eine Hopfengabe geben, aber wenn wir versuchen, auf diese Thiol Precursors abzuzielen, dann zeigt die Forschung, das es relativ viel Sinn macht, das schon bei Maischehopfung zu machen. Da muss man da nur beachten, dass da nicht alle Bitterstoffe durchkommen, also man muss ungefähr die dreifache Menge geben, als wenn es jetzt zu Kochbeginn wäre. Genau und sonst, die meisten unserer Biere relativ geringen Kohlensäuregehalt, Carbonation.

Markus: Karbonisierung.

Daniel: Karbonisierung, genau, das war das Wort. Also zum einen, weil es zum Bierstil ganz gut passt. Zum anderen, weil wir hier immer noch in England sind und das Land des Cask-Bieres. Und es ist relativ schwierig, mehr als irgendwie 4,8 Gramm pro Liter in Bier rein zugeben, ohne dass sich die Leute beschweren. Deswegen sind all unsere Biere relativ leicht karbonisiert.

Markus: Ja.

Erik: Finde ich aber auch recht angenehm, macht auf jeden Fall ein schönes Mundgefühl und ich finde es auch nicht so anstrengend zu trinken und passt zu den Bieren. Also ich vermisse da nix, ist jetzt kein Bier bei gewesen, wo ich gesagt hab, könnte ein bisschen mehr Kohlensäure drin sein. Von daher finde ich es grade beim New England IPA, wenn es schön weich ist vom Mundgefühl her, auch angenehm.

Markus: Ja und auch wieder sehr gefährlich, weil du merkst den Alkohol null und es trinkt sich wirklich sehr schön. Und hat auch dadurch, dass man dieses schöne Süße-Säure-Bitter-Spiel hat, wieder eine sehr hohe Drinkability hinten raus, wo man sagt, Mensch, da nehm ich gern den nächsten Schluck. Ist auch ein Bier, was alleine geht. Also das kann man wirklich bewusst trinken, genießen, jeden Schluck sich überlegen, was da so alles passiert. Und was ich auch interessant finde ist, dass das ja praktisch so der next Leven wieder ist, also wo man sagt, okay, am Anfang hat man dann probiert mit Dryhoping was geht und dann über die Menge. Und dann, später hat man dann die Gerätschaften entwickelt wie die Hop-Gun, den Hop-Torpedo und so weiter. Und jetzt ist man ja praktisch nochmal eine Stufe weiter und überlegt, okay, wie kann ich jetzt durch eben Veränderung der Hopfengaben, durch Veränderung des ganzen Prozesses und dann eben auch der richtigen Hefeauswahl, nochmal mehr aus diesem Hopfen rausholen. Und hat natürlich auch jetzt viel mehr Hopfensorten zur Verfügung, das kommt ja auch noch dazu und entdecke vielleicht alte Hopfensorten wieder neu. Also damit, glaube ich, wird es auch einfach viel komplexer, was auch nochmal, glaube ich, an dem Brauer oder die Brauerin einfach mehr Herausforderungen letzten Endes stellt, oder?

Daniel: Das ist korrekt. Aber ich glaube, grade auf der Ebene der Hefe sind wir wirklich erst am Anfang. Weil, ich meine, diese Hefen sind uns jetzt auch zugänglich hier in Europa, aber in den USA sind wir dann schon an dem Punkt, wo wir mit CRISPR / Cas die demodifizieren können und es erlaubt ist. Und dadurch kriegt man nochmal viel mehr die gezielten Aromen raus, die man haben will. Und auch da, glaube ich, ist so der Aktuelle, ich meine, sobald man das gen kennt, das ein bestimmtes Aroma expremiert, dann kann man das einbauen und jede Hefe das beliebig herstellen lassen. das heißt, irgendwann glaube ich nicht, dass wir noch Hopfen für eine Bittergabe brauchen, sondern wir lassen einfach die Würze ungehopft mehr oder weniger vergären und lassen Hefen, die so modifiziert sind, dass sie die Bittere, dass sie all die Fruchtnoten, die du haben willst oder nicht haben willst, genau so modifiziert arbeiten lässt, dass Hopfen irgendwann nicht mehr so nötig sein wird, glaube ich.

Markus: Klingt ein bisschen wie Himmel und Hölle gleichzeitig.

Daniel: Ja, aber ist doch viel nachhaltiger. Ich meine, wenn man sich anguckt, was Hopfen, was er verbraucht. Und, ja, außerdem, wie schwierig das auch mit der Klimaerwärmung in den nächsten Jahren werden wird, denke ich, da geht die Reise hin.

Markus: Auf jeden Fall. Also Hopfenanbau wird zunehmend schwieriger, vor allem in Europa, weil wir hier viel weniger bewässerte Hopfengebiete haben sozusagen und damit einfach mit der Trockenheit massive Probleme sind, wie wir es letztes Jahr auch zum Beispiel wieder hatten. Und, ja, interessant auf jeden Fall. Und ich muss sagen, ich war ja erst in den USA, also mindestens jede zweite Brauerei, mindestens, haben mir erzählt, dass sie eben genmodifizierte Hefen benutzen, vor allem eben auch für leichtere Biere, für alkoholfreie Biere, was weiß ich. Und da ist das eigentlich, gehört das zum ganz normalen Werkzeugkasten, den sie halt haben in ihrer Brauerei und wo sie eben dann auch schon Hopfen zum Beispiel ersetzen oder Aromen gezielt produzieren. Und ich meine, ja, letzten Endes, warum auch nicht? Ich meine, das Brauen hat sich in seiner Zeit ja immer irgendwie verändert. Und, klar, wir haben dann in Deutschland noch ein Problem mehr, weil das Reinheitsgebot ja schlicht und einfach Hopfen erfordert, also muss man dann einfach ein paar Gramm irgendwie hinzufügen.

Daniel: Ja, dürfen mal ein paar Gramm sein.

Markus: Und natürlich ist Genmodifizierung bei uns aktuell auf jeden Fall natürlich auch eine große Hürde. Nichtsdestotrotz kann man durch ganz normale Züchtung von Hopfen auch viel erreichen also oder auch letzten Endes von Hefe natürlich. Und dementsprechend sind wir mal gespannt, was da so kommt. Und auf jeden Fall, das Ergebnis auch hier schon ist wirklich faszinierend. Und was ich wirklich interessant finde, ist eben, wie viel man noch rausholen kann, wie angenehm und rund das dann ist. Und, ja, es ist halt, was ich auch toll finde, es ist ein klassisches New England IPA, aber ohne diesen Pellets-Geschmack, den man manchmal hat. Wo man dann einfach noch viel dieses grasig grüne Kräutige, als würde man fast Pellets kauen, manchmal da drin ist. Das hat man hier ja gar nicht, da bin ich voll auf der fruchtigen Seite, alles schön, total rund, die Welt ist schön und bunt. Also, nee, sehr faszinierend, tolle Geschichte. Aber wird es dann auch eine Fortsetzung geben, weil du sagst, das ist ein kleiner Sud, 200 Liter, gibt es da auch noch mehr davon?

Daniel: Ja, also ich denke, dass wir in Zukunft schon saisonal das ab und zu größer brauen werden. Also wir sind sehr zufrieden damit, aber wie du ja auch vorhin schon gesagt hast, jeder arbeitet damit jetzt, also grade in den USA und das bringt auch einen sehr einheitlichen Geschmack. Oder auch das, was man im letzten Jahr immer in den USA mit diesem Traubenprodukt, Traubennebenprodukt gemerkt hat, die Biere schmecken relativ schnell sehr gleich. Und es ist sehr entspannt für uns, damit zu arbeiten im Moment, aber, ich glaube, das in Zukunft sehr viel in diese Richtung wird und dann ist es dann auch irgendwann ein bisschen übersättigt. Also mal schauen, wie weit wir da mitgehen.

Markus: Ja und es kommt natürlich immer auf die Komposition an, also wie du es grade schon sagst, weil sonst werden die Biere eben sehr gleich. Aber man kann auch sowas wie dieses Phantasm, was letzten Endes die Traubenschalen sind, die dann verarbeitet werden, kann man halt in Nuancen einsetzen, um einem Bier noch so einen Kick in eine Richtung zu geben. Wenn man das richtig macht, ist das auch spannend. Aber, wie gesagt, das ist da, der Werkzeugkaste wird einfach ein bisschen größer, ein bisschen komplexer und die Brauer müssen einfach nochmal ein bisschen mehr lernen, Erfahrungen sammeln, sich austauschen, weil das eben auch was ist, was man eben wahrscheinlich im normalen Brauerstudium in Deutschland aktuell nicht wirklich berührt.

Daniel: Leider nicht, nein.

Markus: Gibt es denn was, wo du sagst, das hast du mitgenommen aus deinem Brauerstudium, was du hier einsetzen konntest, was den Laden auch irgendwie weitergebracht hat?

Daniel: Ach, glücklicherweise habe ich noch Ludwig Narziß miterlebt in Weihenstephan und die eine Sache, die ich von ihm gelernt habe, ist W34/70 in jedem Lager zu benutzen. Ich weiß jetzt nicht, wie weit das die Brauerei hier weitergebracht hat, aber ich finde es ein schönes Mitnehmsel. Sonst generell, denke ich, ist es einfach die, so sehr es Klischee ist, ist es auch ein Stück Wahrheit, dass wir, glaube ich, dann doch schon relativ akkurat sind und das möglichst wissenschaftlich angehen wollen. Und das versuche ich hier in einer täglichen Basis mitzugeben.

Markus: Das heißt auch Reproduzierbarkeit zum Beispiel, also das so ein Bier dann eben klar dokumentiert ist und auch wieder neu gemacht werden kann in der gleichen Qualität?

Daniel: Genau, Reproduzierbarkeit. Das wir solche Versuche wie jetzt zu Laboren schicken. Und dann, glücklicherweise habe ich ein paar Freunde, die bei Hopfenfirmen arbeiten, dass man dann auch mal die analysieren lassen kann. Das wir schauen, ob wir auch wirklich in diese Richtung gehen oder gekommen sind, die wir gehen wollten, genau, so.

Markus: Ja, na, also auf jeden Fall sehr, sehr schön. Und ein Lager haben wir ja auch schon probieren können, zum Beispiel das Helle hier. Und da muss ich sagen, es ist zwar typisch englisch, ein bisschen leichter vom Alkoholgehalt, aber nicht desto weniger, trotzdem voll im Geschmack und auf jeden Fall auch gut getroffen. Und der Herzbrucker ist, ja, mir als Franken, natürlich freut das, wenn das auch verwendet wird. Und insofern, also prima, wunderbar. Wie sind deine weiteren Pläne hier so? Also du bist drei Jahre da, hat man so sich ein Ziel gesteckt, wie das weitergeht?

Daniel: Ja, ach, das ist eine gute Frage. Also brauereimäßig oder arbeitsmäßig kann ich mir das schon noch sehr gut lange vorstellen, es ist mehr die Umgebung. Ich weiß jetzt nicht, wie sehr politisch wir hier werden wollen im Podcast. Jeder kann sich vorstellen, wie die englische Politik ist und ich weiß nicht, wie lange ich das noch mitmachen will. Aber, ja, da schweifen wir zu sehr ab. Also an sich …

Markus: Wir sind ein offener Podcast. Und, ich meine, das Schwierige ist natürlich, das wir europaweit gewisse Tendenzen haben und sich man manchmal auch überlegt, ob man nicht überhaupt auswandern kann. Aber wir haben halt keine Erde Nummer 2, also insofern müssen wir irgendwie da zurechtkommen, wo wir sind. Und ich kann dich da schon gut verstehen, ja.

Daniel: Aber, nee, also arbeitstechnisch bin ich hier sehr zufrieden und es ist eine schöne Stadt. Also man muss jetzt auch, wenn man jetzt mal den ganzen Kosmos drum rum wegnimmt, es ist auch wirklich eine schöne Stadt.

Markus: Wenn Leute jetzt hierherkommen wollen und gerne die Biere probieren wollen, was müssen die tun? Also ihr habt ja einmal den Taproom, ihr habt einmal den Pizza- und Bierladen sozusagen. Kannst du da noch ein bisschen sagen konkret, wie kommt man dazu, eure Biere hier zu genießen?

Daniel: Zum einen muss man erst mal auf die südliche Seite der Themse kommen, weil, also wir sind im Süden gelegen in Battersea und unser Bier- und Pizza-Taproom ist grade auf der südlichen Seite bei London Bridge. Aber dadurch, dass es glücklicherweise auch so eine große Bierkultur und viele Brauereien, zumindest vorletztes Jahr waren es noch 150 Brauereien in London. Das ist leider grade ein bisschen am Zurückgehen, aber es sind immer noch, ist eine extrem große Menge. Was aber auch bedeutet, dass wir jetzt nicht so vertreten sind im Norden oder im Osten, weil es einfach viele gute andere Brauereien gibt in den jeweiligen Regionen. Also, ja, das ist das Hauptding, kommt in den Süden, setzt euch in den Pub und dann findet ihr das auch schon.

Markus: Ja, auf jeden Fall, wir werden es in den Shownotes auch verlinken. Und letzten Endes, man hat dann auf jeden Fall natürlich das Bier und Pizza, den Laden da am Borough Market, wo auch viele Leute, glaube ich, gerne hingehen, um einfach mal Streetfood zu genießen und insofern kann man das ja auch gut verbinden. Ja, dann dir auf jeden Fall schon mal vielen Dank für das Tasting und für den Einblick in die Brauerei und natürlich alles Gute weiterhin und das wir uns bald mal wieder in London sehen.

Daniel: Danke schön.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk English 30 – Talk with Bill Owens, founder of Buffalo Bill’s Brewery from Hayward, California, USA

Bill Owens established Buffalo Bill’s Brewery as the first brewpub in America since Prohibition on August 2, 1983. His book How to Build a Small Brewery (1993) opened the door to the brewpub movement and he kind of reinvented Pumpkin Ale. Owens sold Buffalo Bill’s in 1994 continuing to publish American Brewer Magazine which he sold in 2001. Owens used the proceeds from the magazine’s sale to photograph America and this journey planted the seeds for his next venture, the American Distilling Institute, and Distiller Magazine. ADI was established in 2003 as a professional membership organization and publishing house to promote the art of craft distilling. Artifacts from Buffalo Bill’s Brew Pub were acquired by the Smithsonian Institute and sit alongside Owens’ photographs previously collected by the Smithsonian American Art Museum. He has received a Guggenheim Fellowship and two National Endowment for the Arts grants. Bill’s current book is The Delco Years, a dystopian novel of life after a pandemic kills everyone but people who drink unpasteurized beer. He is also working on his memoir and a book of his collected poetry…

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Zusammenfassung auf Deutsch:

Bill Owens, den Gründer der Buffalo Bill’s Brewery in Hayward, Kalifornien. Owens, bekannt für seine vielfältigen Talente als Brauer, Fotograf und Autor, gründete 1983 die erste Brauereigaststätte in Amerika nach der Prohibition und trug maßgeblich zur Wiederbelebung des Kürbisbiers bei. Nach dem Verkauf der Brauerei im Jahr 1994 widmete er sich dem Fotografieren Amerikas und gründete später das American Distilling Institute und das Distiller Magazine, um die Kunst des Craft-Destillierens zu fördern. Owens hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter ein Guggenheim-Stipendium und zwei Stipendien des National Endowment for the Arts. Aktuell arbeitet er an seinen Memoiren und einem Buch mit gesammelten Gedichten​​.

Owens‘ Leidenschaft fürs Brauen begann in seiner Jugend auf dem Bauernhof, wo er erste Versuche mit der Weinherstellung unternahm. Später, während seiner Zeit im Peace Corps und als Lehrer, entwickelte er ein Interesse am Fotojournalismus, was ihn zu einer 16-jährigen Karriere bei einer Zeitung führte. Nachdem er seinen Job verlor, kehrte er zum Heimbrauen zurück und experimentierte mit verschiedenen Techniken und Geräten. Owens‘ kreative Ansätze umfassten unter anderem die Verwendung von Kürbis und Gewürzen zur Herstellung von Kürbisbier​​.

Owens betont die Bedeutung von Selbstbildung und Reisen für das Erlernen des Brau- und Destillierhandwerks. Er hebt hervor, dass eine erfolgreiche Destillerie heute nicht nur hervorragende Produkte herstellen, sondern auch ein einladendes Ambiente für Besucher bieten muss​​. Owens erklärt, dass sowohl Bier als auch Whisky Kunsthandwerke sind, die aus Rohstoffen alkoholische Getränke schaffen, und betont die magischen Aspekte dieses Prozesses. Er diskutiert die historische Entwicklung des Bierbrauens und die zunehmende Bedeutung von Erbstückgetreide und Mais für die Geschmacksvielfalt in Bier und Whisky​​.

In Bezug auf die Entwicklung der Craft-Brau- und -Destillationsindustrie bemerkt Owens, dass er zwei Industrien ins Rollen gebracht hat: das Craft-Brauen und später das Craft-Destillieren. Sein Ziel war es immer, funktionierende Produkte zu schaffen, anstatt Ruhm oder Reichtum anzustreben​​. Owens beschreibt auch, wie er das Konzept der schnellen Bierproduktion entwickelte, was für Brewpubs von Vorteil ist. Seine Methoden erlauben es, in kürzester Zeit frisches Bier zu produzieren​​. Abschließend erklärt Owens, dass seine ersten professionellen Biere Ales waren, obwohl die Definition damals vage war und die verwendete Hefe nicht den traditionellen Charakteristika von Ales entsprach​​.

 

Interviewtext:

Markus Raupach: Hello and welcome to another episode of our podcast, BierTalk. Today I’m very honored. I’m sitting in Aalborg in Denmark. We are just the front of whiskey tasting. And I’m sitting here together with Bill Owens. He’s a very famous person, not only in the beer world, also as a photographer, as an author, and in many other ways, the whiskey world, for example. And I’m very happy to have him here and talk about his life and his beer life, which is very interesting, as I said. So great to have you here. Maybe you introduce yourself shortly.

Bill Owens: Thank you. You start when you’re very young, maybe 14, 15, you’re on a farm. And you go to Bible school, and you learn that Jesus turned water into wine. So I go home and I say, if Jesus can do this, I can do this. So I got together with a neighbour kid, we picked some grapes, we had wash tanks in the barn. We crush up the grapes and went away for a couple of months and come back. And we look in the tank and it’s got a green mould on it. So I dip it in with a jar, I said to Keith, you drink it first. Well we couldn’t drink it. We didn’t dare. So we drained the tank, took all the musk and stuff and dug a hole and buried it and we didn’t want my father to catch me, catch us. And then we poured the wine if you want to call it that into buckets and took it out to the pasture and poured it out on the pasture. And then went back and we took the garden hose and then we’re washing out the tanks. I look at the bottom and they’re all very bright and shiny. It was a galvanized tank and the wine had eaten all the galvanized offs. It was zinc. So whatever we made was rat poison with zinc in it. So the months go by, and finally one night at supper, my father turns to me and said, Billy, there’s these big rings of dead grass in the pasture. What’s that about? And I kind of rolled my eyes and I said the flying saucers landed. So that was my first experience. Then in college, I would buy malt syrup and pour the kind of syrup into a white bucket, add yeast, stir it up and make beer and drink it. In those days as a young man, you could drink three gallons of beer in three days pretty easily. We didn’t take up any refrigerator. And years later, I had a degree in industrial arts and was in the Peace Corps and taught school and wanted to become a photojournalist. I studied journalism and got a job at a newspaper out in Livermore and I worked there for 16 years. And then finally myself and reporters get laid off and you can’t find another job. And so the months are going by and I need beer, you don’t have any money. But I was a home brewer so I started home brewing again. And for the first time there was beer clubs. So I drive across town to go to these beer club and meet these geeks. And these guys were idiots. They just didn’t have any idea of chemistry or whatever they were, they were basically using malt extract, I wanted to go all grain. And there was one little booklet published out of Portland, Oregon that talked about all grain and how to do it. As a matter of fact, I remember they would take a pan and fill it with water and barley grain and put it in the oven overnight to mash overnight. Then I was told during fermentation that him and the owner, his name is Cartwright and the owner, Tom Burns, who now is deceased, I’m sorry to say, he said they would get down on their hands and knees and pray to God that the fermentation would occur. So they made pretty, pretty raw beer. And I’m looking at this and saying, I don’t understand, the books are German and they talk about decoction, which means you have to have a vessel. You heat it, the grain is mixed with water and you heat it to 130 and wait an hour. Then you heat it to 140 and wait an hour. You heat it to 150 and you wait an hour and then you boil it off. And there’s no way could I create a vessel where I can heat, rest, heat, rest, heat, rest. So I went to, took an extension course at the University of California, Dr. Michael Lewis who changed the world. And he would go to the chalkboard, and like a professor he just starts writing at this corner all the way across. And he talked about what the English shared which was simple infusion, which was revolutionary. And the point of that, and I sat there all day to raise my hand to say, what temperature you must have? And he says, if you add the water and you add the grain and you mash in at 152, you will get starch conversion in a matter of minutes. So I went home and I knew I could learn how to mash. But we had a problem. I couldn’t, I go and look at mash tons, and they have what was called a V-wire in the bottom and there’s no way I could find V-wire. There was no internet. I could look in a phonebook. But there’s no listing for V-wire. And so I didn’t know what to do about that. But finally, and I had to almost be a spy, there was a distiller in Sacramento who had used a dairy tank that opened on the bottom. And I go there one time and talk to him and he had the bottom open, and I could take a photograph and see what he was doing. Because he didn’t have a V-wire bottom. He had taken a copper pipe with a hacksaw and made slots. And a slot is 32,000, which is the same as when you mill barley. And he just mounted that pipe there, filled it with, closed the doors, put in the foundation of water, usually come over 170, add the water at 170, it drops to 160. You add the grain, it drops to 152. Then with a wooden canoe paddle stir it up, walk away. We used to mash for about an hour, and then come back and then you turn on your valve and a little bit of trub will spit out. If you want, you can put that back. People get into crazy on recirculating the first wort. They’re wasting their time. Just throw it away, it’s only a pint. But with into sparge we just run water on top of it. We didn’t have the equipment or the time. Eventually you make a spray ball. Just spray a tiny bit of water on it to get the maximum yield. And you just, you learned then not to run the wort too fast. Because if you run it too fast, the bed will collapse. And so you learn to run the wort at the right speed and you add the water to the right speed. And when I wrote a small booklet on I just call it slip and slide. You slip the water on and you slide the wort off to the kettle. So my mash time was up high on a platform. And I could just run by gravity into my kettle and then close the lid. But also I did something that when other distillers found out what I was doing, they hated me. I used sugar. I would buy 50 pounds of sugar to bump the alcohol and showed. People who know brewing you get good mouthfeel and you’d bump your specific gravity by a good five points very cheaply. So I was a homebrewer. And when I read the instructions, they say you boil it for an hour and I look in the vessel, I say, hey, there’s nothing in here. Why do you have to boil for an hour? This is stupid, right? But pretty soon you read the books and there’s certain, it’s called a hotbreak. And there’s chemistry that happens and I would learn to boil for an hour. I bought a simple heat exchanger from New Zealand. Then for my fermentation tanks, I used dairy tanks, open dairy tanks, refrigerated the room, one dairy tank was high. So I pump into the high dairy tank for four or five days, then the yeast would drop out. I drop it into the bottom tank or I pump it to the back room which is even more refrigerator, into English grundy tanks which changed the world. You could buy these three-legged grundy tanks for $400 or $500, and that’s where I connected my pipeline. So when I came out the door we brewed three kinds of beer, lager, amber and dark. There was no definition, no books, no magazines. I remember I went to a trade show with a friend of mine who makes equipment. He says, go sit by that guy over there. I said, he’s kind of scruffy-looking. Who is he? And he says, well, that’s Michael Jackson. Just go sit by him. I got acquainted with Michael Jackson. But they’re on the other side of the fence from me. I’m in love with the process, mashing and the chemistry of it. Today, both brewing and distilling is really exciting to see the innovation of this next generation coming along and making flavourful. I just say watch out scotch distilling industry. There’s some wonderful whiskies out there that are only aged one year. But in Europe you’ve still got to do three years which is stupid. Do it like in Japan, let people do whatever they want to do. So I had the, I soon expanded I think to a fourth beer. I did do some bottling. Oh one of my creative efforts was, again I like books. I picked up a history of brewing book and there’s George Washington, the President of the United States got very wealthy after he retired from being president. And he had a still. And there’s a photograph of the still and it’s at the Smithsonian Institute still today. And there’s a photograph of it. So I took the photograph and with a pencil traced it, and I made a little coat pin. We’re ripping off George Washington. But in reading about him, he used pumpkins and gourds and squash in the mash because you got a starch, you got insides and you can convert it. So I’m going to put squashes in. I’m a gardener. I grew a pumpkin. So I grew this, oh, you go buy the special pumpkin seeds for $1. And you can grow the 300-pound pumpkin. So I grew the big pumpkin, I could pick it up. It was about 80 pounds. Take it down to the brewery, chop it up, pop it into the pizza oven, bake it, so I can get at the starches, and then during mash, I would drop the pumpkins in, stir it up. And then there was a door in the bottom and I would drop it all into buckets and get it hauled away. And the pig farmer every Monday, whenever I did the pumpkin ale, the pigs were really happy because they got a little different flavour in there. But what I realized after you finish your boil, and you add some hops, if you do your boil, cool from it, you taste it, there’s no pumpkin flavour. Pumpkin comes from spices. How do I solve this problem? Wait a minute, wait a minute. Across the street is a supermarket. In the supermarket there’s a shelf called pumpkin pie. So I take the pumpkin pie spice home to a coffee pot and perk one quart of juice, right? And so when I’m all finished with the beer and I’m ready to carbonate, you add the quart of pumpkin flavour, you stir it up and you serve pumpkin ale. So everybody went crazy when somebody came out using an additive like pumpkin. And so when I see somebody claiming they didn’t add spices to it, I know they’re lying. Because there’s no flavour. That starch will, during, you’ve cooked it and you fermented it, those flavours or volatiles, they’re gone and there’s no mouthfeel from pumpkin in beer. The only thing you have to do is adjust your grain bill so you have a pumpkin colour, which is amber. So I did that for a number of years. I had the dreams. I wanted to build the mothership, a big brewery and three or four satellites and feed them, I have the mother brewery feed training, buy grain in bulk and put that together. So I did another limited partnership, raised $300,000 on that. Then people are jealous of you and you have your lawsuits. And pretty soon you lose it all. And I always thought screw you. You could take me, kidnap me. You could take me, kidnap me, take me to Bamberg Germany drop me off and I don’t speak German. I promise you come back in a year, I’ll have a car, a girlfriend, a house and a job. I know I have that personality, I will find work. And so I just moved on with my life. And so after I finally decided to sell Buffalo Bill’s Brewery after 16 years, sold it for $92,000 and the owner was driven the business, poor management and he’s now trying to sell it for $6 million. Good luck. I don’t care, I won’t go back. He was not a good brewer. I go to the local pub where I have a huge selection of wonderful clean beers, and Buffalo Bill’s became a restaurant serving some beer. So one day I’m sitting in a coffee shop talking to a typical kid with long hair, blah, blah, blah. And he says yeah, I’m going to go into real estate. I said, you ever look in the mirror? You don’t look good. They wear a white shirt and a tie. I said, I got this idea. So I just get in my car and drive to Oakland, California, go to the city hall. It’s called DBA, doing business as. You stand in line, you pay your $20, you fill it out, and you get permission to use the word microbrewery. So, then you write off to the federal government. This is pre-internet. You write off to the federal government, you get an EIN number, which is your federal license and pay taxes. The other thing you do is you take $100, you go to the bank and you do a bank account. And by then I dreamed up the name Buffalo Bill’s Brewery. I put $100 in the bank and I had a business called Buffalo Bill’s, pardon me. I said Buffalo Bill’s brewery. I went to the city hall and got the license to be the American Distilling Institute.

Markus Raupach: Okay.

Bill Owens: You have to talk to the real estate kid. And when I came back, I had this license and I said to myself, how do you make money? You do conferences. And I knew Jörg a German at St. George, who came to America and was making eau de vie, and I had beer wash. And so I would take beer wash to Jörg and he’d make whiskey for me. And so I went to Jörg and I said, can I have a conference, big space in front of the stills? And he said, sure. So I had then to, I think I spent $400 to rent 75 chairs and a couple of tables. And then I didn’t know anybody. I contacted Forsyths to see if they would be interested. And Richard Forsyth flew from Scotland to come to my conference. I didn’t even ask him to speak. But he was smart enough to put up a sign Forsyths. So every photograph was taken, his sign is in the background. But Vendome, the other coppersmith, and America has been doing it for hundreds of years, they were already advertising in my beer magazine. And then when I switched over to the distilling magazine, I had Forsyths and Vendome. Immediately then Carl and Holstein, and now the guy from China. And I’ve yet to get a couple of the Italian steel manufacturers to come advertise with me. And so now celebrating our 20th anniversary of the American Distilling Institute, about five years ago, I said to my son, take it. It’s yours. I’ve still got to go figure out if I have to sell it to him or not, and what’s the best legal way. And so I, kind of a spokesman, I travel looking for new distilleries, new marketing ideas, and he does the daily operations. So our conference will be in August, in Las Vegas. The cover photograph for the magazine for that issue will be the master distiller at Lost Spirits in San Diego, in Las Vegas, is a woman, master distiller and she will be on the trapeze upside down pouring a shot of whiskey for the cover. And so we’ll be there and we will draw from this 86 people, 20 years ago, I’m predicting will draw about 2500 people. Most important is we’ll have about 200 vendors. So if you’re looking to do a label bottles, Cooper’s still manufacture, heat exchangers, whatever, all those vendors are there and consultants. And then one afternoon, you can walk by and pick up all the literature and see who you want to do business with. But those are the people that pay our bills because we drive the next generation to them. Eric, my son has done a wonderful website. So you can go to the website and find a huge amount of information that we just give away. And so people are now inspired. When I first, I’ve driven America three times visiting distilleries. Once I drove across, just to get people to support HR 777, which is a federal thing to legalize brew pubs. Because in a lot of states brewpubs were illegal. And we finally got that law changed to allow brewpubs to be legal. And what’s really wonderful about California though, when the law changed, it says you can serve, we’ll give you this beer license and you can serve the beer, regardless of the source, means you can brew it yourself. And that’s what changed the law. You didn’t have to put all that other language in there regardless of the source. So you can buy all the beer. There are German pubs in America bringing nothing but German beers in. So now, when I do a small road trip, this year, Eric and I have done Dallas and Seattle, and I go to visit people I’ve known over the years. Now I walk in and it’s a 32-plate column. Big 2000-gallon fermentation tanks. And if you’re really hip you can ferment on Monday and distil on Friday. Five-day beer is real common, real clean. And the major difference from where I come from and in a world is all American beers are based on corn. And I’m not a corn person. I’m a barley person. Barley has more mouthfeel. But corn is our basic starch. So the trouble with the corn is you got to cook it and then use enzymes as you cook it as it goes up. Then as it starts to cool, you have to use a second set of enzymes to get your starch conversion. And so that’s a big difference. So I just, people with the laws just require you have 51% corn make the other 49% barley. But now the rye has arrived. And I’m amazed. At first I couldn’t even tell the difference between a rye and a bourbon and whatever. Now, these guys have learned how to, with enzymes, convert rye and make some rye whiskies that are fabulous. But mostly you do have to have the enzymes from barley to make that conversion so that, I actually want to do a map of the five rye states, North Dakota, Minnesota, Michigan, like that, and just visit rye distilleries, because that’s here to stay. And the other project I’m working on is the most difficult whiskey trail in the world. I have that website. It’s 3000 miles in Alaska and only 12 distilleries. And if you complete the trip, we have to set up with the website. So you post the photograph that you’ve been in, you will receive a big belt buckle like the cowboys have that has a map of Alaska on it. So we’re about ready to get that launched again. But last year, we tried to get it out and we got screwed over by the website from China. No, pardon me, India.

Markus Raupach: India.

Bill Owens: Yeah. So we lost a lot of time on that. But the idea to have these distilleries that are a thousand miles apart, and you want to go there, and I just know that it’ll be two Germans on their bicycles, right? That’ll do it. Because I’ve hitchhiked all over Europe and the best travellers in the world are the Germans. I don’t care what remote village in the Himalayas, the only people I’ve ever met were German hitching backpackers and I’ve done a lot of backpacking. So that’s about the back history of how the whole Renaissance came about. Now there’s 9000 brewpubs and microbreweries in America. So I went back to the big AHA homebrewing convention in Denver, and I walk in and it’s all tattoos, Ziggy top beards and nose rings. There’s not my crowd anymore. I walk into the distilling thing and we got aeroplane pilots, and a lot of women involved, a whole level of sophistication to be in the whiskey business because you have to make a big capital investment for a long time. And you can’t be, where breweries, you could put together a brewery for nothing. To do a distillery, you can’t find any used equipment at all. All the used dairy tanks are all gone. And so for you to go the manufacturer, I just recently bought a still from, still drag it out of Missouri, no in Florida, for $18,000. Five plates, 50 gallons, and I bought it and had the steam boiler put on it, which you just plug into the wall. So I don’t have to get any kind of permits to run a small boiler on 50 gallons. It’s a beautiful still from China. We built the shed for it and I don’t have any time.

Markus Raupach: Yes, you’re travelling a lot. So and that was a very quick ride through your history.

Bill Owens: Yes.

Markus Raupach: Maybe let’s highlight some points. So you mentioned you started in professional brewing when you founded the Buffalo Bill’s Brewery. This was in 83, as far as I know. How did that come? So how did it, did it really get professional? How did you get the equipment? How did you get the permission for that? How did you get the name?

Bill Owens: You use self-education. You just buy books and magazines and you read them and you keep them and you look back and you put together the ideas. But also the best way to learn the industry is to travel. And I tell people if you’re going to build a distillery, go to not to two distilleries, go to five. Because today, if you build a distillery, you better build a fabulous tasting room because you’re going to make 40 to 50% of your profit off of the people who walk through the door. And now more are becoming restaurants and have tacos or whatever you want, lots of pizza places. Because to go into the bottle, we can bottle, you can buy bottle machines. You can do gravity-feeding 5000 bottles pretty easily in a week, right? Without automation, just by gravity feed. But to go then to wholesale and retail, that’s the black box, because that’s controlled by major corporations and businesses. And they have a pipeline and they keep that pipeline fed. And you come along and you only have 200 bottles, you better find a nice bar that specializes in eau de vie or something to sell your product. But that’s changing now too, because we’re working really hard on allowing to get FedEx to deliver a bottle of whiskey. So I can buy whiskey from Japan. And that will happen eventually. So you can make a business doing mail order, have your customer base, and then do some local distribution to supermarkets and maybe a wholesaler to a bar in Chicago that loves whiskey, he wants every bottle ever made. You can have one of your bottles be there. And here in Denmark, Denmark’s whiskey crazy. There’s lots of lots of whiskey bars or lots of whiskies and a lot of interest in it. It’s fun to see in society. Whiskey has the magic more than, and gin has gone through the Renaissance. But to be a gin distiller it’s pretty easy. You just buy a neutral grain spirits and you could just bottle it, or you buy neutral grain spirits and do it the right way and redistill it and pick the herbs yourself and really take some care into manufacturing delicious gins.

Markus Raupach: What would you say if I asked you what is the difference between beer and whiskey?

Bill Owens: All whiskies are made from beer. The difference, of course, is I like to drink the barley wine, eight, nine per cent beer. I will sip a single shot of whiskey. But usually, I’ll do whiskey with a little bit of water and a little bit of ice, but I’m only going to do one ounce. I can’t, you can’t do five ounces of whiskey and you’re just going for that wonderful flavour. So I think that’s. But both of them require today is the craft. Because you’re starting with raw materials and you’re creating an alcoholic beverage. It’s truly magic. And you wonder about when you say oh, the Egyptians made the first beer, I say, baloney. They didn’t know how to boil, they didn’t have hops. The first beers were the monks who wrote down what they did, and they found out about hops, even flavoured stabilizing beer. That’s probably the 14th century is when real beer came out of Germany or wherever it came from, from the Europe here. And so it’s evolved a long way. In America, to make beer cheaper, to manufacture, they use rice and corn adjuncts just for flavor. They don’t use 100% barley. Barley is harder to grow, it has to grow in a northern climate. Now, believe it or not, they found a university in Michigan, they dug up a time capsule and found a jar of 100-year-old barley grain. So they know not to plan it locally because of the drift of the pollens of other plants. So they took it out to an island. And so the first patch is about as big as your table in your kitchen. And then next year, it’ll be twice as big. And eventually they’ll have real heritage grain because all the grains today had been modified by agriculture and the Cheerios and toast, Wheaties and everything watch. High yield, low costs, and the flavor profile in most of those things has long disappeared. So we are putting flavour back into our beers by the number of people heritage corn now, usually is number five. But guys are making whiskey from Indian corn, blue corn, popcorn, and really trying to get some flavours out of that. And it’s beginning to work because you will get if you use heritage corn from Peru, you know it’s going to be different. And so that’s really fun to see people figure that out. And I know two farmers growing corn in Mexico, different soil, different climate. That’s where corn really came from was the Incas. So it’s really fun to see the industry evolving.

Markus Raupach: And you were, in the first wave let’s say of the craft brewing in the US, would you say the craft distilling started maybe 20 years later or 30 years later? Or was the same, similarly thing?

Bill Owens: Yes, I had Buffalo Bill’s for 16 years. About three or four years later that I had been publishing some magazines and eventually got rid of the magazines. And did the American Distilling Institute. So in reality, I’ve kicked off two industries. But I never got really famous. I probably, I might be known, but I never made the money. I don’t think that was my purpose. My purpose was to make something to work. And that’s what’s fun is to figure out the timeline and how do I make a product that I can sell. And there’s nothing more exciting than to be on a boat here in Denmark with other whiskey geeks, right? And talk about everything that’s happening in the industry. And so it’s a major Renaissance. I just kept saying, I wonder if there’s a young person in China somewhere dreaming, usually about girls, but how to make beer or how do I make whiskey. And now on the internet, you can find all that information. But you can’t find the equipment. You’ve got to be able to find used equipment to put things together. Otherwise, you’re priced out of your range. And I wrote a book called The Nano Brewery, pardon me, The Nano Distillery, and I list 50 items, where to buy all 50 items. And if you totalled it up you can build a distillery for $46,000. That’s every piece of equipment from the scales to measuring or proof. Still from China. There’s only one problem with that $46,000. You need three times the amount of money for the building. You’ve got to go into the building, jackhammer out the floors, put in drains, pull electrical wires, paint, hire the architect if necessary, and put together a business. And then after you get the business open, you need some money to survive. So you can’t just say, oh, I got $46,000, I’m going to buy this equipment. You got a major problem on location, location, location, how many cars can fit into your parking lot, how many seats in your bar and do your spreadsheets and try to figure out will this be profitable. I just say, I’m just going to do it. I want to be a farm distiller, and there’s just a little sign on a tree that says whiskey. And you don’t even have to advertise. And when you go there, there’s some picnic tables where people sit outside, and you have a little pizza oven. And three or four days a year, you serve pizza. And you do floor malting, which I’m totally in love with, to mulch your own. I wouldn’t want to be able to grow. I don’t have, you can’t afford the land to grow your own, you have to contract that. That’s another man’s, another person’s job. But that’s the future is the farm distillery. But really the future is the marriage of the brewery distillery. Because when you brew beer, you’re 90% of the way there to whiskey. Because your beer, your wort can drop into the fermentation tank, probably you have to have hops and boiling in the fermentation tank. Or for whiskey just come right off the mash tun and ferment. Now some people will boil it, some people will even put hops in it. But you could run straight into the fermentation tank and you got overnight fermentation. And three days of flocculation you could rack and so you can mash on Monday and distil on Friday pretty easily.

Markus Raupach: And you also wrote a similar book on brewing. So few, what is that about?

Bill Owens: Draft beer in 10 days. So I had the brewpub in mind. I said, here’s how you could do a beer fast. You do this, this and this and you could, we had a distillery in San Francisco, they used to do a three-day beer. And it’s fresh and it was, they were just, what’s the word we used, shocked the beer by freezing it. Day three, the fermentation is over and you just turn the regulator down until the beer is really cool. That yeast will drop out and you just run the tap right to the bar or into a barrel. And they did great beer in three days. It could be done because the type of hops. I don’t know what the temperature of their fermentation. I don’t think they did hot fermentations. We stay away from hot fermentations. Rum guys can have that industry. That’s 90 degrees. I always fermented at 70. The Germans are all 50. It takes two weeks and the first German guy in that, says oh, you can’t drink our beer for 18 months. Yes, you can’t do it. It’s not ready. It’s not right, right? Well he didn’t last.

Markus Raupach: And when you started to do professional beers, it was ales or was it lagers?

Bill Owens: The definition was very vague because again, when you look at the ale books, all the yeast floats on the top. We were getting by on Red Star yeast at the supermarket, cutting the packets open, and when we fermented it flocculated to the bottom. So we’re not making that traditional warm ale at all. But we called it ale. Maybe because I was fermenting at 70 and not in 50. But who knows. It was just beer in my eyes.

Markus Raupach: Okay.

Bill Owens: Because the English ales have that top. As a matter of fact, a similar fermentation tanks have a place where you can pull the yeast off the top. Nobody in America messed with that. But most of them went to conical tanks and with temperature controls and let the yeast fall to the bottom, and pull the yeast off the bottom. I never liked that. I liked the open fermenters with a shallow pan bottom. And I repitched also for generations. People get paranoid that yeast will be infected, but I never had a problem. And I’ve known breweries who for years and years the same yeast strain and some of them will have a microscope to take a look. But in the beer business today over sanitation. They sanitize everything as if they’re in a operational room at a hospital. If you travel to Belgium, you’ll soon realize most of the distilleries that are embarrassingly dirty and they have coolships there with fermentation depending on when spiders or dust flowing in the front door. I’m not going to do that one. But I have built a coolship. The coolships work with cool down, but then I pitched my yeasts. I’m not going to mess with any wild yeast. It’s too scary. It’s a business. I want to do eight o’clock in the morning I strike and at five o’clock I want to go home because if you make any mistakes, you’re going to be there that evening. I don’t want to work ten hours. So you learn to regulate your business, regulate your life and pretty soon you’re able to come in on Saturday for a couple hours and not go to the brewery on Sunday. Stay away. But after 10 or 12 years, you burn it out because other people shooting by you who are better financed, better ideas and the thing that always embarrassed me was I have my instructions written down on a wall. Eight o’clock, push here. Twelve minutes to fill the tank, push here the buttons on a darkroom timer, it counts backwards. So I had the process down. So I teach a young person, they didn’t have to be a homebrewer, they just wanted to learn how to brew. And they follow my instructions, and I say, well, you watch me five times. So you come in on Monday, here’s what I’m going to do. You’ve got to be here all day. But we do that five times. And then I watch you two times, and on the eighth time I’m out of the room and let you brew on your own. And so I’ve taught a number of people how to brew. And every once a while somebody would come along who could brew better than me. And so wait a minute, my recipe, my water, my grain, my equipment, and you’re doing a better job than me. That’s magic. But it’s like being a chef, you’ve seen people who could turn the egg over perfectly. I can’t always get that egg exactly right or whatever. But there’s that magic of people that have real talent in cooking and beverages and whatever. So I’m not A or B, I’m just like in college, maybe a C plus. But I have other, I write and produce books and spreading Johnny Appleseed, spreading the gospel.

Markus Raupach: And that’s a good thing. You just told me that you’re writing a book, or you wrote a book at the moment. And it’s a novel, but beer plays some role. So maybe the end of the podcast you tell us a little bit about that. And then we put a link in the show notes so people can maybe also read your novel.

Bill Owens: Yes, it’s called The Delco Years, DelcoYears.com. It’s up on the web. And I’ve had this idea for about 20 or 30 years, 20 years, at least, about a virus killing people, but the antidote is beer. And so funny, when I got ready to do the book, I knew what to do. I take a Christian evangelical, Pentecostal, he wants to Jesus to come to take 177,000 to heaven. So he’s going to go to Russia to buy the virus and pick up a Russian bride at the same time. So he buys the virus on a fake credit card, because if you want a fake credit card, you go on the internet and you can buy one. He flies to Russia, he buys the virus, and the virus is called Nofi. I name it after the guy’s wife’s dog, right? And the Nofi virus, at Boston International, he releases it, drops the bottle out of his fanny pack. The virus gets into the air conditioning system to all the international flights, travels the world and the virus is a flesh-eating virus. So as soon as it attacks you, your arm starts to dissolve and you can be totally a pile o bones in two hours, or maybe two months. Because if you got a good antidote system, you will live longer. So the virus is spreading. But he was really mad to drop the bottle. He wanted to die at Disneyland. He wanted to poison people at Disneyland because they were hedonists. But he still goes down to Disneyland. And so the last image of him in the book is he’s at the teacup ride, going around in a circle. But he doesn’t know when he spreads this virus that the people who drink unpasteurized beer have the antidote. So there’s all of us survivors. So I just look at all the people in my bar, Buffalo Bill’s, and I just photograph them all. And they all become characters in my novel. So I send their photographs to Italy to have the drawing made of them. And so I have this gathering of people and I say, how in the hell am I going to govern people? The rest of the people are dead. We have cars. The car battery’s good for five years, hence the Delco battery. So we got five years before the real end comes, before we can eat out of a supermarket for five years easily. That food is fresh. And so I poopoo all the people that are survivalists. Oh I’m going to go out in the woods and kill animals and eat and live and build my log cabin. Forget that. We just move into suburbia, take over a house, but you break into a house, there’s nothing to steal of any value. The only thing of value is a propane tank and maybe the odd weapon. But what are you going to shoot? Who’s going to go out and shoot and knows how to skin and age meat? So we take over, go back to Livermore, where I’m from, and we take over a winery and we have now 23 million bottles of wine to barter. So my first barter is about 20 miles away to where there’s sugar beets to get sugar. And then my other barter is to the California coast to get salt. You need salt and sugar to preserve and to cook. And then you start trading for eggs. And you set up a community where I do a map and nine zones where all the people live. I say, what kind of law? You’ve got to have government. And so I started doing my research on government and I ended up using the Vikings all thing government from the 12th century, which gave individual rights to people. And I write up a constitution. Everybody has to sign the paper that they will be a good citizen. And banishment in my book, if you accidentally hit somebody with your car, you will be banished. And we just take you down to Bakersfield 200 miles away and drop you off. You cannot be in our community that is organized and has food. But the real struggle in a book and it’s really fun to write about is you have to have a weekly flea market or garage sale so you can barter with other communities. And people can get together to gossip, and meet women and have a community. But people today have no skills. I don’t know anybody who can drive a tractor. I think I could turn the tractor on. If it’s got a clutch, I could drive a tractor. I’ve driven tractors, but not the modern one. I don’t know anybody who would know the season, the year to plant wheat. And most of us have a raised garden bed. That’s good for two tomato plants. But to grow your own food it’s just simply out of the question. You couldn’t do it. You would starve. You’d have to go to steal. But you want to set your community up so you have values and barter back and forth. And one thing I liked about the Viking government is if you have your land and your indentured people who eventually become free, if you don’t like the person you’re working with, you can move to another farm. So you have to treat your people well. So it’s really about, what in the book at the end, we have a community dance where people can get together and have music and dance. But it has to be at the fairgrounds where you have an old museum with a tractor in it. So the last thing in the book, our electricity is still running because we’re very near to a dam. But I know the back of my mind, oh, we have the windmills, we have lots of windmills very near Livermore. And I know that windmills need maintenance. And after five years, half of them will be broken down. You have to maintain them. So we can tap the windmill. But I’m thinking to myself for the long run, for the communities to survive you need energy, you need electricity. So I’m looking in one of the books near Livermore was the Carnegie brickworks. And Carnegie built all these libraries in America, but they had to have a kiln and fire bricks, and near the Carnegie brickworks. And I found it looking on the internet was a coal mine. Oh, what luck to have a coal mine. And then you find the old photograph of the coal mine. So now I have to have a community meeting of all the elders running the community and say, at the museum is a steam boiler. And we can generate electricity off the generator off the steam boiler. Because electricity is going to go away in a couple of years. We have to start mining coal, getting reserves of it to fire our boilers to generate electricity for certain industries. People can be at home with no electricity. Someone can and some can’t. So we have a meeting of all the elders of the community and nobody wants to get involved in mining coal. It’s too hard work. Coal mining is not fun. So we have a real social dilemma of sending back people, back to the coal mine to do the dirtiest hardest work in the world. So that’s kind of the end of the book, having a meeting about the coal, how to save the world. But I do have drawings in the book of the virus going into the person’s stomach and the yeast cells eating the viruses. And I got that out of a scientific magazine and some big drawing. I just had my artists change it around so I have all these viruses eating other viruses. My son says to me, Dad, yeast cells can’t eat viruses. So there’s a couple lies in the book. That’s one of them.

Markus Raupach: But it’s a novel and I think people will be curious to read it. So we will put the link in the show notes. And so it’s perfect that you have the big circle again. So you started with beer and you have another beer. So thanks a lot for your time. Thanks a lot for this information.

Bill Owens: Let’s go drink some beer right now.

Markus Raupach: Yes, let’s go drink some beer. And also you listeners do the same, have some beers and maybe read the novel and yes.

Bill Owens: Yes, thank you very much.

BierTalk – Der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk 120 – Interview mit Anna Sophie Tschannett, Gründerin und Geschäftsführerin von Muschikraft / Muschicraft, Wien

In den letzten Jahrzehnten gab es viele neue Marken und Biere, aber seit kurzem steht eine knallbunte Flasche mit einer Comic-Vulva und dem Label „Muschikraft“ in den Regalen in Österreich und Deutschland. Klar, dass das polarisiert – und auch klar, dass wir als BierTalk die Sache unter die Lupe nehmen wollten. Wir haben mit der sehr sympathischen und engagierten Gründerin Anna Sophie Tschannett gesprochen und uns nicht nur zum Thema Bier, sondern auch zu vielen anderen wichtigen Aspekten rund um Fairness und Gleichberechtigung in der Branche ausgetauscht. Herausgekommen ist nicht nur eine sehr unterhaltsame Episode, sondern auch eine, die zum Nachdenken anregen soll, will und (hoffentlich) wird…

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Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute in vielerlei Hinsicht eine ganz spannende Reise, einerseits geht es ins Nachbarland nach Österreich, nach Wien, in diese wunderschöne Stadt. Und wir betreten in gewisser Weise ein ganz spannendes, ja, ich weiß gar nicht, ob man Neuland sagen darf, aber, ich meine, ich als Mann fühle mich da jetzt sowieso ein bisschen herausgefordert, denn wir beschäftigen uns mit einem spannenden Thema, nämlich mit Muschicraft, das macht die Sophie Tschannett in Wien. Und, ja, schön, dass du hier bist und wir sind ganz gespannt, deine Geschichte zu hören. Und, ja, vielleicht stellst du dich ganz kurz unseren Hörern mal selbst vor.

Sophie: Ja, also mal danke auch an dich, Markus, für die Einladung, ich bin auch sehr gespannt jetzt auf die nächste Dreiviertelstunde, die wir verbringen. Genau, ich stelle mich kurz vor. Ich bin, wie du gesagt hast, die Sophie aus Wien, bin 35 Jahre alt. Ich bin eigentlich im Quellenberuf Sozialarbeiterin, aber jetzt tatsächlich seit ein bisschen mehr als einem Jahr im Bier-Business, in dem ich das feministische Muschicraft-Bier in Österreich und jetzt auch schon in Berlin vertreibe, genau.

Markus: Ja und das hat auch ein ordentliches Presse- und Medien- und überhaupt Echo ausgelöst und da werden wir auch ein bisschen drüber sprechen, ich bin sehr gespannt. Ich finde es generell, muss ich aber sagen, wirklich gut und wichtig, sich das Thema anzunehmen. Ich bin ja schon lange in der Bierbranche unterwegs und das ist auf jeden Fall ein Defizit, dass Frauen da einfach viel zu wenig Beachtung finden in ganz vielerlei Hinsicht und insofern ist es immer gut, wenn jemand daran rührt und die Dinge nach vorne bringt. Aber bevor wir da einsteigen vielleicht überhaupt mal, wie stehst du denn zum Thema Bier? Magst du Bier, seit wann trinkst du Bier, was für Bier, wie ist es da so?

Sophie: Ja, ja, finde ich nett, weil da merkt man einfach wirklich, dass ich sozusagen jetzt in dieser Interviewform mit einer Person spreche, die wirklich auch von Bier irgendwie Ahnung hat, weil diese Frage habe ich so noch nie gestellt bekommen. Finde ich irgendwie cool, mal ein anderer Zugang, aber gut, in diesem Podcast geht es einfach auch um Bier. Also, ja, ich bin eben sehr, sehr pensionierte Biertrinkerin und das mittlerweile, ich bin 35, dann einfach auch schon seit 20 Jahren. Genau, ich habe gestartet so wie, glaube ich, ganz viele Personen, eigentlich mit dem klassischen hellen Bier, weil es einfach auch das Bier ist, dass es in Österreich, in Deutschland am meisten gibt und am meisten getrunken wird. Da möchte ich auch da gleich einhaken, weil das ist einfach so eine Beobachtung, die ich einfach auch sehr, sehr spannend finde, weil man ja irgendwie glauben würde, ah, interessant, als junges Mädel hast du immer schon Bier getrunken, ist das nicht eher untypisch? Und nein, ich glaube, eben nicht, dass es untypisch ist. Ich glaube, wenn man sozusagen sein Auge diesbezüglich auch ein bisschen schult oder offener ist, dass man ganz, ganz viele junge Personen, Frauen oder auch queere, diverse Personen sieht, die Bier trinken. Genau, dazu können wir dann später gerne auch nochmal mehr eingehen. Ich habe jetzt auch so in der Form kein Lieblingsbier, wenn es jetzt um eine Marke geht, da bin ich tatsächlich sehr offen. Ich bin jetzt auch, würde ich sagen, was den Geschmack betrifft, nicht wahnsinnig peaky, also nicht sehr, wie sagt man dazu, kritisch, sondern mich kannst du relativ schnell mit einem hellen Bier einfach sozusagen auch befrieden also, genau. Aber in dem Fall ist es ja bei Muschicraft-Bier so, dass es kein klassisches Helles ist, sondern es sich um ein Pale Ale handelt. Das habe ich schon auch bewusst so gemacht, dass es kein klassisches helles Bier ist. Da glauben viele, dass es damit zu tun hat, weil ich ein Bier extra für Frauen machen wollte und es deswegen fruchtiger gemacht habe. Das ist tatsächlich nicht der Hintergrund. Es ist spannend, das es, glaube ich, einfach tatsächlich vielen Personen schmeckt, die helles Bier nicht so gerne trinken. Aber ich habe dieses Bier deswegen in der Form so ausgewählt, weil mir es einfach gut geschmeckt hat. Ich bin da damals, wie ich begonnen hab sozusagen meine Recherche zu machen, welches Bier und in welche Richtung es gehen soll, eben mit keiner Ahnung im Hintergrund, weil ich einfach soziale Viperin bin, genau, in die Brauereien und habe mich durchgekostet. Und bei der Brauerei, bei der ich dann auch letztlich geblieben bin, bei der Schalken Brauerei in Wien, hat mir einfach das Pale Ale besonders gut geschmeckt.

Markus: Ja, das ist ja wunderbar. Und ehrlich gesagt, ist das schon mal der erste und ganz wichtige Punkt, man sollte auf jeden Fall ein Bier machen, was einem selber auch schmeckt, also das ist schon mal prima.

Sophie: Total, ja, absolut, ja.

Markus: Und ich bin gespannt, wenn du mich mal in Bamberg besucht, wir sind ja hier in Franken, ja, sage ich mal, nicht so die Liebhaber des klassischen Hellen, wir haben so ein bisschen andere Bierstile, auch welche mit Rauch zum Beispiel. Mal gucken, wie dich das dann anspricht, werden wir mal sehen, wenn es dazu kommt, bin ich sehr gespannt.

Sophie: Da bin ich gespannt, ja, ich freue mich auch. Ja, bin ich sofort open.

Markus: Und ansonsten, muss ich auch sagen, es ist eben so, also Bier ist ja eigentlich ein come-together-Getränk, wo man auch Menschen aller möglichen Bestände und was weiß ich was, Interessen zusammenbringt und warum soll das eben nicht auch so sein zwischen den Geschlechtern oder bei queeren oder bei allen möglichen anderen Leuten. Und ich habe auch viele Freude auch hier grade in der entsprechenden Szene, wo wir viel zusammen sind und wo das auch ganz viel Spaß macht und wo wir natürlich gerne ein Bier trinken, also das ist schon wichtig und ich finde es auch gut, das Bier diesen Effekt da eben auch erzielt. Und deswegen vielleicht auch gleich die Frage, diese Idee zu diesem ganzen Muschicraft-Projekt, kam das dann vielleicht auch bei einem Bier?

Sophie: Tatsächlich ja, genau, tatsächlich ja, es war wirklich so. Weil, ich war vor, mittlerweile sind es drei Jahre her im Sommer, mit einer wirklich sehr, sehr guten Freundin von mir, Tretbootfahren an der schönen Donau in Wien. Und das, ich kann sagen, ist eines meiner Lieblingshobbys, Tretbootfahren oder Elektrobootfahren an der Donau und das mit einem Bier. Ich finde, das ist einfach eine perfekte Kombination. Und mit guten Leuten halt irgendwie, mit denen man dann Gespräche führt, genau. Und an diesem besagten Tag oder Abend war es so, dass mit einer sehr guten Freundin an der Donau Tretbootfahren war und sie mir eine Geschichte erzählt hat, wo sie von ihrem Chefs aufgrund der Tatsache, dass sie eine Frau ist, ein Projekt nicht zugetraut bekommen hat. Das ganze Team war sich darüber einig, dass sie auf jeden Fall die beste Person dafür ist, ihre Chefs wollten aber auf Nummer sicher gehen und haben es ihrem Kollegen gegeben, der auf jeden Fall nicht so gut für dieses Projekt geeignet wie sie es war. Also diese Freundin hat sich das aber zum Glück nicht gefallen lassen und hat ihre Chefs wirklich auf eine sehr, ich finde, humorvolle, coole und auch kraftvolle Art, auflaufen lassen. In Österreich sagt man so, ich weiß nicht, ob es das bei euch gibt, so aufgemacht. Ich weiß nicht, ist das was, mit dem ihr was anfangen könnt oder muss ich es umschreiben, damit man versteht, was es heißen soll?

Markus: Also aufgemacht kennen wir zumindest jetzt hier bei mir in Franken nicht, aber auflaufen lassen, habe ich verstanden.

Sophie: Ja, passt, okay, super, okay. Und, genau, wie sie mir diese Geschichte erzählt hat, habe ich einfach wirklich sehr grinsen müssen und mir ist einfach ganz spontan über die Lippen gerutscht, also das ist eh klar, weil du halt die Urmuschikraft hast. Und so war dieses Wort geboren. Genau, ich hatte mein Ottakringer, mein Helles irgendwie Dosenbier in der Hand, das Wort war da. Und mir war auch irgendwie in dem Moment klar, weil wir uns beide einfach mal echt herzlichst darüber abgehaut haben, also da sehr lachen mussten über dieses Wort, dass ich damit was machen will. Und ich als Frau, also auch natürlich weiblich sozialisiert, kenne von mir selber das Phänomen, ich glaube, dass es keine grundsätzliche Geschlechterfrage ist, aber ich glaube, das es bei Frauen und weiblich gewesenen Personen einfach ein Phänomen ist, das öfter zutrifft. Ich hatte schon immer wieder in meinem Leben, finde ich, sehr gute Ideen, grad so im Bereich Social Entrepreneur, sicher auch aufgrund der Tatsache, die ich so den sozialarbeiterischen Hintergrund auch hab und mich nie getraut, eine meiner Ideen ernsthaft aufzugreifen, umzusetzen. Das hat mehrere Gründe. Also zum einen, glaube ich, dass ist sicher sehr stark diese Sozialisierung an die Weibliche, aber es ist auch, glaube ich, das Fehlen von weiblichen Vorbildern, dass ich mir das gar nicht so vorstellen konnte, dass das Frauen in der Form machen. Aber bei Muschicraft wusste, so, Sophie, du setzt dich jetzt schon solange, so konsequent mit dem Feminismus auseinander, dir ist Geschlechtergerechtigkeit ein riesen großes Anliegen. Du kannst nicht sozusagen in deinem Umfeld auch alle Personen empowern und irgendwie motivieren sozusagen, ihr Ding zu machen und es selber nicht machen. Das bist du jetzt den Feministen schuldig und mit dieser Idee machst du was. Und ganz am Anfang war es noch nicht die Bieridee, sondern mit Muschicraft habe ich mir einfach mal gedacht, okay, bei uns in Wien gibt es sehr, sehr viele Penis-Takes. Das sind so quasi wie Graffiti, große Penese einfach überall im öffentlichen Raum gesprayt. Und, ja, irgendwie so, ja, okay, gut, warum nicht? Aber auch das Phänomen, dass alles, was so mit der Vulva zu tun hat, einfach sehr ein Tabu ist, also sehr tabuisiert wird. Tabuisiert wird nur in einem wirklich sexualisierten Kontext, nicht gar die Vulva irgendwie, okay. Und das fand ich seltsam, aber dachte, okay, ich starte jetzt einfach mal mit so Vulvensticker und flute Wien mit diesen Stickern. Einfach um sozusagen die Menschen aufzurütteln, hej, wir haben ein Problem, nämlich dass der Penis einfach allgegenwärtig und super repräsentiert ist und die Vulva nicht. Und mir geht es, und das ist mir ganz, ganz wichtig, weil ich weiß, dass Feminismus für viele Personen ein totales Reizwort ist, weil es irgendwie gleichgesetzt wird mit, also dass man eine Männerhasserin ist oder eine Männermörderin ist. Nein, also das bin ich gar nicht. Ich bin auch mit einem Mann zusammen, habe jetzt auch ein Baby mit ihm, ich liebe diese Person sehr. Ich liebe ganz viele Männer, ich liebe die Menschen ganz grundsätzlich. Aber, und das kann man mir im ganzen Leben nicht nehmen, diese Beobachtung, diese Erfahrung und auch mittlerweile Studien, die das sagen, dass die Frau, Personen mit Vulva und eigentlich die Vulva als Solches viel weniger Möglichkeiten hat, in unserer Gesellschaft positiv wahrgenommen zu werden, aufzusteigen, erfolgreich zu sein, gesund zu bleiben, als es Personen mit Penis oder Männer haben. Und ich finde, das ist super, das es Penese gibt, ist gar kein Thema, genau wie ich super finde, das es Vulven gibt und alle Geschlechtsmerkmale dazwischen, ja. Aber das, was mir in diesem Gedanken des rechtlichen Diskurses sehr stark fehlt, ist diese Gleichberechtigung und auch diese Gleichbefähigung. Und, genau, deswegen waren mir diese Sticker eine Herzensangelegenheit. Und ich habe diese Herzensangelegenheit mit einer weiteren Herzensangelegenheit verknüpft, nämlich mit dem Thema Gewalt an Frauen und habe beschlossen, dass ich die Sticker, die ich verkaufe, dass ich den gesamten Erlös an Frauenhäuser in Österreich spende, genau. Und diese Sticker haben sich sehr schnell wirklich aller größter Beliebtheit erfreut und ich habe sie fleißig auch wirklich viel nach Deutschland und in die Schweiz geschickt. Und irgendwann hat so dieses Muschicraft-Ding einfach immer mehr Fahrt aufgenommen und ich habe gedacht so, da komme ich irgendwie auch selber gut mit so, ich glaube, da möchte ich mehr draus machen. Und dann kam wirklich glücklicherweise vor zwei Jahren dann im Sommer, wieder bei einem Bier mit meinem Freund aber, die Idee, hej, Muschicraft-Bier, fuck, das ist ja eine urgute Idee, wissentlich. Wobei, da war das noch eher Bauchgefühl und noch nicht so sehr Recherche und Hirnarbeit, das Bier irgendwie wirklich als das Männergetränk vermarktet wird. Und das ich es einfach ganz seltsam finde, dass wir uns halt heute immer noch in so einer sehr binären Welt befinden, die noch dazu das Gefühl hat, Produkte an ein Geschlecht festmachen zu müssen oder an Farben. Also das ist alles so, checke ich überhaupt nicht, also finde ich einfach ganz seltsam. Und, genau und wie dann diese Muschicraft-Bier-Idee geboren war, habe ich mir gedacht, gut, jetzt eben klappe ich mal den Computer auf und schaue mir die Zahlen an dazu. Und ich habe jetzt auch keine große Studie daraus gemacht, aber ich habe sehr schnell durch meine Recherchen den Eindruck gewonnen, dass das Bier-Business, wie auch einfach vermutet, wahnsinnig männerlastig ist, gut, ob das jetzt Brauer oder Brauerinnen sind. Also in Österreich war es echt schwierig, Brauerinnen ausfindig zu machen, in Deutschland eh deutlich leichter. Aber für mich war klar, ich beginne im österreichischen Markt. Und, genau, also wenn man sich so die Zahlen anschaut, ich habe sie jetzt nicht im Kopf, war aber da ein ganz, ganz starkes Übergewicht an Männern sozusagen die brauen. Und dann alles, was nach oben geht an Vorständen und Chefs von Brauereien und so, sowieso super männlich, da waren dann fast überhaupt keine Frauen mehr irgendwie im Spiel, zumindest in Österreich. Und dann auch noch interessanter Weise alles rund ums Bier, also so das Marketing, die Werbung, irrsinnig männlich. In Österreich, um ein Beispiel zu geben, ist von der beliebtesten Biermarke, die es in Österreich gibt, oder die hier am meisten getrunken wird, die Werbung eigentlich doch, du siehst immer so zwei Typen, die im Wald oder irgendwie wandern oder am Fluss sind und sich irgendwie grad bewegt haben und über die Natur ausgetauscht haben und dann ihr Bier öffnen. Und das ist gar nicht schlimm und schlecht, ja, aber klar spricht das natürlich auch in erster Linie, schätze ich, dann einfach auch Männer an. Und das, was ich schwierig finde und da, finde ich, hat man als Unternehmen einfach auch eine gewisse Verantwortung. Zumindest sehe ich das für mich so mit Muschicraft, ich möchte gewisse Klischees, die auch sehr ungesund sein können, ja, nicht reproduzieren oder bestmögliche versuchen auch zu machen. Und, genau und ich glaube, das gelingt mir mit Muschicraft ganz gut.

An dieser Stelle ein kurzer Hinweis in eigener Sache. Keine Angst, das ist ein werbefreier Podcast und das soll er auch bleiben, aber der BierTalk braucht trotzdem eure Hilfe, bitte bewertet ihn bei den Kanälen, über die ihr ihn hört. Vielen Dank und jetzt weiter viel Spaß mit unserem BierTalk.

Markus: Mir sind jetzt ganz viele Gedanken in den Kopf gekommen, ich versuche das mal alles ein bisschen zu sortieren. Aber ganz grundsätzlich, natürlich ist es ja auch eine geniale Idee oder ein genialer Zufall, dass man ja beim Bier eben seit einigen Jahren von Craft-Bier spricht und natürlich Muschicraft diese Analogie in sich trägt. Und man damit natürlich sehr, sehr schnell das Label auch rüber tragen kann und damit auch sofort die Leute abholen kann. Das ist natürlich super, können wir gleich weiter drüber sprechen, mir sind nur so ein paar andere Sachen noch gekommen. Ich muss auch sagen, ich beschäftige mich tatsächlich, also obwohl ich mit meiner Männlichkeit durchaus sehr zufrieden bin, aber sehr damit, ja, wie das eben grade mit und für Frauen in der Bierwelt und auch in meiner Bierwelt so ist. Und da sind so ein paar Schlaglichter, wenn ich so drüber nachdenke. Also eins ist zum Beispiel, ich habe viele Bücher über Bier geschrieben und habe da viele Brauereien auch besucht und habe da auch viele Fotos gemacht. Und wenn man dann in die Brauereien reingeht und geht dann zum Beispiel in die Braumeisterbüros und wo da halt da so die Sozialräume sind, dann hängt da halt in der Hälfte dieser Label, hängt halt ein Pin-up-Girl oder zwei oder drei. Und wenn man sich jetzt überlegt, da ist jetzt vielleicht eine Praktikantin oder irgendjemand, der halt da gerne mal anfangen will oder reinschnuppern will, dann ist das auf jeden Fall nichts, wo man sich willkommen fühlt, wenn Mann sofort dann damit oder Frau sofort dann damit konfrontiert wird. Also das, finde ich, ist zum Beispiel eine ganz unschöne Sache, die auch vor allem so einfach wäre zu lösen, wenn man da ein bisschen sensibilisiert wäre. Weil die meisten Firmen sich ja, zumindest in ihrem offiziellen Statements, natürlich da entsprechend auch äußern, aber eben dann im Kleinen das so nicht passiert. Das andere sind zum Beispiel auch die Bierwettbewerbe, das ist so ein Thema, wo ich sehr, sehr viel unterwegs bin. Wo es eine internationale Jury gibt. Also da geht es jetzt nicht nur um den deutschen Raum, sondern eben mehr oder weniger global. Und auch da ist es so, dass, in der Regel zumindest, 95 Prozent am Ende des Tages Männer sind. Und wir uns tatsächlich auch immer wieder Gedanken machen, wie man das fördern kann, wie man da mehr Frauen oder weibliche Personen in diesen Beer-Judge-Zirkus mit reinbringt. Und da ist einerseits die Sache an sich offensichtlich nicht so einfach, aber eben auch diese Hürden davor, dass jemand überhaupt dann soweit in der Branche eben kommt oder sich dafür soweit interessiert. Und das ist in der Tat ein Thema, weil wir einerseits es natürlich gerne haben am Jurytisch, weil Frauen einfach auch natürlich auch anders von der Sensorik aufgestellt sind, anders so über Biere auch sprechen, andere Bewertungen teilweise auch abgeben und das oft auch sehr wichtig ist. Und da natürlich einfach ein Großteil fehlt und wir dann halt wieder in dem Ergebnis das reproduzieren, das wir halt letzten Endes eine männliche Bierwelt darstellen. Und das sind so Punkte, die mir halt auch immer wieder begegnen und insofern kann ich das sehr gut nachvollziehen. Und wie war das denn, als du dann die Brauerei gesucht hast für dein Bier? Wie haben die da drauf reagiert, gab es da dann auch schon solche Berührungspunkte?

Sophie: Genau, also es war sehr unterschiedlich, aber insgesamt, muss ich sagen, es waren nicht viele Brauereien, ich war mit vier Brauereien in Kontakt. Und insgesamt, muss ich wirklich sagen, waren die Personen, mit denen ich telefoniert habe, von den vier waren drei Männer, mit denen ich telefoniert hab, wirklich freundlich und auch so auskunftsfreudig. Man muss aber auch dazu sagen, dass das alles so wirklich kleine Brauereien waren. Also so Craft-Bierbrauereien, wo ich schon ein bisschen das Gefühl hätte auch, dass das Mindset schon ein bisschen ein anderes ist, also das die durchaus aufgeklärter sind, als wenn ich mir jetzt, ich sage einfach, um jetzt irgendeinen Namen zu sagen, jemand von Gösser, Stiegl oder Zipfer genommen hätte, ja. Abgesehen davon, dass die das für mich nie gebraut hätten. Aber, genau, ich hätte das Gefühl gehabt, genau, dass das Mindset da vielleicht schon durchaus abgeschlossen ist. Aber da, denke ich, muss ich letzten Endes sagen, ich weiß es nicht, weil ich mit ihnen keinen Kontakt hatte, ist vielleicht unfair dann, egal. Aber, also grundsätzlich waren die Begegnungen total okay. Das, was halt sehr schnell gekommen ist, dass die Brauer das Potenzial nicht gesehen haben und nicht geglaubt haben, dass das wirklich gehen wird. Und ich habe dann schon gemerkt, okay, das verunsichert mich, ich bin ja gar keine Expertin und wenn jetzt die Leute die Experten sind, weil sie da wirklich im Bier-Business schon Fuß gefasst haben, nicht daran glauben, äh, okay. Aber ich habe mich zum Glück dann wieder drauf besinnt, hej, du kannst nicht bei der ersten Hürde aufgeben, nur weil Leute jetzt sagen, sie glauben nicht, heißt das nicht, nicht, das du es nicht probiert hast. Und habe dann weitergesucht und bin dann zum Glück über Umwege zu der Schalken Brauerei gekommen, bei denen ich jetzt eben bin und mit denen ich jetzt in Wien braue. Weil in Berlin braue ich ja mit jemand anderen, aber in Wien, genau, sind es die Schalken. Und ich glaube, der ganz große Unterschied, warum das dort funktioniert hat, war tatsächlich der, weil ich mit einer Frau telefoniert hab. Ich habe dann angerufen und es hat eine Anna abgehoben. Das ist mittlerweile die Frau vom Brauer, also Ann und Roland machen das gemeinsam, das Bier. Und sie hat sich diese Idee angehört und ich habe sofort gemerkt, oh, da tut sich was, also die geht anders in Resonanz, die fühlt sich anders angesprochen, weil sie ist eine der wenigen Frauen, die im Bier-Business sind und sie weiß, wie es ist. Und hat dann gesagt, ja, hej, super, das ist klasse, ich finde das Ding spannend, komm vorbei und schauen wir uns das einfach mal an. Und dann bin ich zu denen in die Brauerei in Ottakring auch, also im 16., wo ich auch wohne, also auch super praktisch und angenehm für mich. Wobei sie mittlerweile nicht mehr im 16. sind, sondern jetzt in Lobau, also im 22. sind, weil sie einfach viel mehr Bier brauen können mittlerweile zum Glück und deswegen einfach sozusagen die Brauerei wechseln mussten. Und, genau, ich war dann dort und habe dann eben beiden, also Roland und Anja von der Idee erzählt und habe gemerkt, dass die verstehen, um was es mir geht. Ich glaube, sie haben aber auch nicht unbedingt gesehen, dass das so viel Potenzial hat, aber sie haben so das gecheckt und gespürt, dass mir das wichtig ist und sie haben die Offenheit und auch die Frechheit sozusagen mitgebracht zu sagen, probieren wir es. Weil ich weiß, das andere Brauereien schon auch so ein bisschen Bedenken geäußert haben, ihre Stammkund*innen zu vergraulen. Und ich verstehe das, also ich verstehe halt, das man wirklich schauen muss, dass das eigene Business irgendwie gut bleibt, aber es sagt halt auch wahnsinnig viel aus, ja. Genau und dann, ja, haben wir uns mal drauf geeinigt, welches Bier es eben werden soll. Also sie haben mich so durchkosten lassen und ich habe dann eben beim Pale Ale, bin ich für mich geschmacklich hängengeblieben und habe gesagt, ich hätte gern was, was in die Richtung geht. Wir haben dann am Hopfen noch ein bisschen was verändert, damit das wirklich sozusagen exklusiv als Muschicraft rausgehen kann. Und das Bier war da und ich war so, okay, also ich habe mit 365 Bieren, habe ich gestartet, also 15 Kartons, also ganz, ganz wenig. Und ich weiß noch, wie ich das bestellt habe, habe ich zu meinem Freund gesagt, Scheiße, Thomas, also für mich war das auch viel Geld dann so, 700 Euro oder so, und was machen wir, wenn ich die Biere nicht los werde? Was machen wir mit so viel Bier? Und er hat gesagt, okay, bitte keinen Stress, das war im Oktober, es ist bald Weihnachten, im schlimmsten Fall verschenken wir es an Freund*innen und Familie. Und ich habe nicht schauen können, es war ich glaube, weniger als ein Wimpernschlag, ungelogen und die Biere waren alle weg. Genau und dann habe ich gedacht, okay, woah! Also das war am Anfang für mich auch noch schwer, irgendwie dann einzuschätzen, was es auf längere Sicht bedeutet, ich kann ja immer noch nicht von langer Sicht sprechen, aber auf längere Sicht bedeutet. Aber tatsächlich waren nicht nur diese 365 Biere schnell weg, sondern das erste halbe Jahr war ich einfach ausverkauft, ich konnte gar nicht genug Bier nachproduzieren. Ja, also ich muss wirklich sagen, also ich glaube, es hat uns alle ein bisschen überrollt, also sowohl Anna, Roland wie auch mich. Also ich habe schon dran geglaubt, dass das geht, aber ich habe es schon auch nischiger irgendwie einfach eingeschätzt. Es hat uns dann schon auch überfordert, also es war, dieses mediale Echo vor allem auch in Österreich und diese wirklich plötzlich Nachfrage, also das war schon so, woah! Okay, ich weiß gar nicht, wie ich das als Einzelperson, auch wenn das Bier wer anderes braut, und das waren auch nur zwei Personen, ja, also wie wir das jetzt irgendwie händeln. Das war schon auch einfach zu viel, kurz, genau, ja.

Markus: Und wie hast du das dann am Anfang beworben und wer waren dann so diese ersten Kund*innen?

Sophie: Genau, ich habe es echt nicht so viel bewerben müssen. Also ich habe schon so, wie ich diese 365 Biere dann hatte, bin ich mal irgendwie ganz mutig durch Wien spaziert und bin einfach in so Läden rein, wenn ich das Gefühl hatte, dass es interessant sein könnte. Also so, wo ich wusste irgendwie so, dass da queere Personen vor allem auch irgendwie viel sind oder dass es frauengeführte Lokale sind. Also, genau, da bin ich schon ein bisschen strategisch vorgegangen am Anfang und habe denen sozusagen das Bier hingestellt, ihnen von mir und dieser Vision und auch Mission irgendwie erzählt und zum Glück wirklich sehr schnell sehr begeisterte Abnehmerinnen gefunden. Und die dann auch sozusagen andere Gastroleute ins Spiel gebracht haben und gesagt haben, hej, bei mir in der Bar gibt es das schon. Das ist sicher was für dich, schau dir das mal an, mach einen Termin aus mit der Sophie. Das heißt, das ist dann wirklich irrsinnig schnell und sehr organisch, fand ich, also ich habe dann nicht mehr so viel tun müssen, außer vor Ort sein, mit Bier machen müssen, um dieses Biergut an die Personen zu bringen. Und werbemäßig habe ich auch wirklich nichts machen müssen. Weil, ich glaube einfach, dass ich einfach mit Muschicraft so ein bisschen den Zeitgeist auch getroffen hab, es ist halt ein Produkt, dass auch durchaus provoziert. Es ist eine Muschi drauf, ich nenne es noch dazu Muschicraft und dann ist es Bier. Also da sind auch so viele Emotionen im Spiel und das trennt und verbindet. Also es war irgendwie so ein, ich glaube, das war für viele so ein, das gibt es doch nicht wirklich, oder? Und dann so, glaube ich, auch meine Intention von dem Bier verstehend, so, okay, eigentlich ist das cool und das wollen wir gern unterstützen. Und das Einzige, was ich gemacht hab, und darüber bin ich heute auch sehr froh, auch wenn ich kurz nachher ein bisschen unglücklich drüber war, ich habe in so einem österreichisches Forum von Facebook, das heißt, die Wiener Wunderweiber, so den Post irgendwie abgesetzt, dass es dieses Bier demnächst geben wird und das ich mich freuen würde, wenn es hier in der Gruppe interessierte Personen gibt, die irgendwie Gastro oder was auch immer sind, ja, ich mich mit denen einmal zusammensetzen kann und schauen kann, ob das Bier für die auch interessant sein kann. Und in dieser Gruppe, weiß ich, sitzen sehr viele so Frauen aus der Wirtschaft, die schon auch in Österreich einfach recht weit oben sind und was zu sagen haben, auch viele Journalistinnen und so. Und habe halt schon gehofft, dass ich irgendwie den ein oder anderen Kontakt bekomme. Ich habe tatsächlich über diesen Post keinen direkten Kontakt bekommen für ein Lokal, aber 1.000 Meinungen und Bewertungen, ganz viel Shit und Hass, aber auch sehr viel Liebe. Das ist dann auch so wirklich der meist diskutierteste Post in dieser Gruppe gewesen und dieser Gruppe sind echt viele Personen. Und das heißt aber, was passiert ist, dass Journalistinnen auf das Produkt aufmerksam geworden sind und wirklich gesehen haben, dass das grad durch die Decke geht, mich angeschrieben haben und gebeten haben, ob sie eine Story machen können.

Markus: Ja, absolut, also letzten Endes gehöre ich ja da auch dazu. Und man muss auch sagen, ich wollte eben grad sagen, du hast einerseits diese Lawine an Verkaufserfolg erlebt, aber eben dann auch eine große Lawine an Feedback, sage ich jetzt mal, in alle möglichen Richtungen. Also wenn du magst, kannst du uns ja ein bisschen teilhaben lassen. Was waren denn so die Extreme in die eine und in die andere Richtung und wie geht man dann damit um?

Sophie: Ja, natürlich, also gerne. Also wie ich den Post damals in dieser Wiener-Wunderweiber-Gruppe abgesetzt habe und gesehen habe, dass da sehr, sehr viel Negatives kommt, war ich schon echt, puh, muss ich sagen, boah, ist es mir schlechtgegangen, also ich muss echt sagen, es ist mir wirklich schlechtgegangen. Und habe dann auch aufhören müssen, diese Post zu lesen. Ich muss auch dazu sagen, ich war damals im vierten oder fünften Monat schwanger und habe auch gemerkt, Sophie, du kannst dir diesen Scheiß jetzt nicht geben, weil du musst einfach schauen, dass das Baby und du irgendwie cool sind, ja. Und habe also wirklich aufgehört zu lesen, weil es mir wirklich schlecht gegangen ist und weil ich voll begonnen habe zu zweifeln, dass es eine gute Sache ist, weil ich vor allem so einfach, dass das Frauen sind, die das so zerreißen in alle Richtungen. Das hat begonnen von, also einer meiner Favorit-Aussagen war, also eine Frau, die sich fürchterlich, fürchterlich, fürchterlich und auch, finde ich, echt unter der Gürtellinie geäußert hat zu Muschi und zu mir als Person, also so auf der Art, ich muss ja komplett deppert sein und, also den nächsten nichtfeministischen Scheiß, den keiner braucht. Und dann aber vor allem interessant, die ganz große Sorge und das Bedenken, sie hat zwei Söhne, irgendwie 14 und 16, die jetzt in das Alter kommen, wo sie Bier trinken und ihre große Sorge ist, das sie Muschicraft-Bier trinken und dadurch versaut werden. Und ich habe auch wirklich herzlich lachen müssen, ich habe mir gedacht, wenn das deine einzige Sorge für deine Boys ist, hej, dann alles gut. Weil, ich glaube, du hast keine Ahnung von der Lebensrealität deiner Burschen, ja.

Markus: Allerdings, ja.

Sophie: Aber, okay. Also, genau, dann war schon auch so, genau, viele, die mir unterstellt haben, dass ich den Feminismus sozusagen ökonomisiere. Und da muss ich auch sagen, das stimmt bis zu einem gewissen Grade. Also diese Kapitalismuskritik ist sicher berechtigt, weil ich damit mein Geld verdiene, das stimmt. Gleichzeitig muss ich dazu aber auch sagen, das ist so etwas, was mich ganz, ganz wahnsinnig macht, dieses Argument, weil das, was dadurch die Aussage ist, ist, hej, es ist nicht okay, mit guten Sachen Geld zu verdienen. Also um ein Beispiel zu geben so, hej, den Regenwald abholzen, ja, ist kein Problem, kann man machen, damit Geld verdienen ist auch irgendwie nach wie vor kein Thema oder nicht wirklich Thema und auch absolut machbar. Aber wehe, du schützt den Regenwald und verdienst damit Geld, dann bist du das größte Arschloch. So und das geht sich nicht mehr aus, Leute. Also das, glaube ich, was einfach dadurch sehr problematisch ist, das wirklich viele Menschen, die, glaube ich, einen guten Kopf und ein gutes Herz haben, es nicht attraktiv gemacht wird, den auch so einzusetzen, dass man Sachen sozusagen invented oder halt rausbringt, die gut sind, ja, im Sinne von, weil sie Menschen vielleicht sozusagen ein Stück weit was bringen, im nichtkapitalistischsten Sinne und damit Geld verdienen. Also ich finde es einfach total problematisch, die Narrative ist einfach für mich sehr schwierig, genau. Und gleichzeitig verstehe ich aber auch das Argument oder auch diese Kritik. Weil ich auch finde, dass man natürlich viel, viel genauer hinschauen muss, wenn man sich feministisch labelt, dann hat man eine Verantwortung und die muss ich wirklich auch noch viel stärker erfüllen, wenn das mit ein Verkaufsargument ist und das ist es ja bei mir. Und deswegen, genau, deswegen, finde ich, ist es eine total berechtigte und wichtige Kritik, aber, ich finde, Narrative darf nicht sein, mach nix Gutes, weil Gutes muss man gratis machen. Und ich glaube, da sind wir in Österreich, und ich glaube, das gilt für Deutschland auch, durch die katholische Kirche auch irgendwie so ein bisschen brainwashed, würde ich sagen, weil sozusagen dieses Helfen und dieses Nächstenliebe gekoppelt ist an etwas, mit dem man kein Geld verdient. Was ja bei der Kirche eigentlich auch nicht stimmt, aber die Kirche würde das halt nie zugeben, Entschuldigung.

Markus: Ja und vor allem, in Deutschland bekommst sie ja auch eine Menge Kirchensteuer, also das muss man ja auch sehen, die man automatisch bezahlt. Ich weiß gar nicht, ob es in Österreich auch so ist.

Sophie: Ist in Österreich auch so, genau. Aber eben, sonst ist es ja so, ich glaube halt auch, ich sage jetzt mal, das Patriarchat auch würde sich ja in der Form nicht ausgehen, wenn, ich sage jetzt zum Beispiel Care-Arbeiten, Pflegearbeiten und all diese Geschichten, entsprechend entlohnt werden würden, ja. Dann würde auch der Kapitalismus so, wie er heute funktioniert, von einen auf den andren Tag niederfallen, das wäre für niemanden mehr in der Form leistbar, ja. Aber das sind andere Themen, die jetzt auch viel zu groß sind, um sie aufzumachen. Aber all das sind sozusagen so Hintergründe und mit-Gründe, warum ich es einfach schwierig finde, wenn man an Personen kritisiert, dass sie mit etwas Gutem Geld verdienen, genau. Und ich glaube, dass das ganz wichtig ist und dass es wichtig ist, dass Personen sich das grade auch in diesem Social-Entrepreneur-Wesen einfach noch viel mehr zutrauen, das zu machen und dass das total in Ordnung ist, aber man die Verantwortung hat natürlich mit all den Dingen, die man da verspricht und die man benutzt, ob das jetzt green ist oder eben feministisch oder was auch immer, dass man da halt auch ehrlich ist, ja, genau.

Markus: Ja, absolut. Und, ich meine, es ist ja auch so, du verdienst ja nicht Geld, um möglichst viel davon anzuhäufen und irgendwann auf einem Goldberg zu stehen, sondern du lebst ja letzten Endes davon. Und das ist ja nun mal das, was einfach heutzutage aufgrund unseres Wirtschaftssystems auch so ist, dass man von irgendjemanden was bekommen muss, damit man eben selber auch weiter existieren kann, um dann zum Beispiel auch so eine Arbeit zu leisten also, und das finde ich auch absolut wichtig. Ich glaube, bei uns in Deutschland ist es zumindest so, das halt, glaube ich, ein Teil der Vorbehalte daher kommt, dass es einfach viele Organisationen gibt, die vorgeben, nichts zu verdienen, aber es dann in Wahrheit eben doch tun und sich dadurch viele Leute dann getäuscht fühlen. Also grade von diesen ganzen Menschen, die einen im Supermarkt ansprechen oder anrufen oder sonst wie, dass man irgendwelche Mitgliedschaften machen soll oder Spenden machen soll und am Ende erfährt man dann, dass vielleicht zwei Prozent dieser Spenden wirklich irgendwo ankommen. Und, ich glaube, dadurch sind Menschen sensibilisiert. Aber das ist ganz, ganz entscheidend und ganz, ganz wichtig, dass natürlich auch ein Teil der Motivation sein muss, wenn ich sowas mache, dass die Anerkennung nicht nur in Worten, sondern natürlich auch in Geld besteht und dass dann eben einen auch motiviert, entsprechend weiterzumachen. Das ist ja auch eine Form der Zustimmung. Also wenn ich sage, ich kaufe dieses Produkt, dann sage ich ja, ich unterstütze das, ich finde das gut, ich bin da dafür. In deinem Fall ja auch noch dazu, ich leiste auch noch einen sozialen Beitrag. Also das ist ja auch alles etwas, was mit dazu gehört. Und logischerweise musst du ja in die Lage versetzt werden, das zu tun und das geht ja nicht, wenn du damit nicht ein Minimum an Geld verdienst. Also das ist schon was, wo ich hoffe, dass bei den Leuten einigermaßen im Kopf ankommt, dass der Vorwurf da wirklich völlig unangebracht ist. Und, ja, aber man muss natürlich drüber reden, drüber nachdenken und ich finde, auch wichtig, heutzutage wichtiger denn je. Es ist natürlich in so einem gesamtgesellschaftlichen Kontext, wo man auch viele Dinge hinterfragt und auch hinterfragt, wie vieles funktioniert, das passt natürlich da auch mit rein. Und da gehört natürlich auch das Verhältnis Frauen und Männer mit dazu, was eben auch seit vielen Generationen zementiert ist und eben auch hinterfragt wird. Und auch das ist letzten Endes ein ganz wichtiger Punkt und gut, dass es mal angegangen wird und grade eben auch beim Thema Bier. Du hast grade schon von dem Etikett gesprochen, das ist natürlich auch schon etwas, was viele Leute provoziert, in Anführungsstrichen. Also ich muss auch sagen, am Anfang habe ich erst mal geschaut, aber dann finde ich es auch schön und auch spannend und ist ja auch gut gemacht. Wie war da so die Reaktion? Und hast du da viele verschiedene Entwürfe gehabt oder hast du gleich diesen großen Wurf gleich am Anfang gemacht?

Sophie: Ja, also tatsächlich auch das, das muss ich wirklich sagen, ich glaube, das ist, warum mich Muschicraft auch so stark macht, das ich finde, dass der ganz, ganz große Teil relativ leicht von der Hand geht, und dazu gehört auch das Etikett. Also mit dem Etikett war es so, die Vulva habe ich selber gemalt, weil, genau, ich ja auch, bevor ich sozusagen mit dieser Bieridee raus bin, auch schon begonnen habe, unterschiedliche feministische Kunst auch zu verkaufen und Teilerlöse zu spenden. Und ein Resultat von diesen Kunstgeschichten oder von dieser Kunst, die ich auch produziere und gemacht habe, war dann einfach so, einmal diese Vulva ganz simpel gemalt, so wie sie auch auf den Stickern ist. Und habe dann mit einer Grafikerin Kontakt aufgenommen, die ich damals noch nicht so gut kannte, jetzt kennen wir uns ganz gut und habe ihr mal von der Idee erzählt. Sie fand diese Idee einfach auch wirklich gleich sehr, sehr gut und hat gesagt, sie würde sich total freuen, wenn sie es graphisch umsetzen darf. Und ich habe gesagt, total, ich würde mich auch freuen. Weil, also meine Skills waren auch per Paint und ich kann kein Etikett selber machen, also ich bin da wirklich auch auf professionelle Unterstützung angewiesen. Und das, was wirklich auch aber wieder sehr schön war, wir haben uns da in, weiß ich nicht, irgendwie 20 Minuten ausgetauscht, was irgendwie wichtig ist. Ich habe gesagt, ich möchte, dass es laut ist. Ich möchte, dass es ein bisschen wehtut. Ich möchte nicht so eine sanfte, weiche, warme Vulva und alles so, sondern ich will so peng! Ja und sie hat einfach verstanden, was ich meine mit, ich will so peng. Und sie hat von mir diese Vulva bekommen und den Namen und den Rest hat dann einfach sie umgesetzt. Und sie hat auch wirklich gesagt so, ja, ich freue mich jetzt total und ich habe jetzt eh grad so zwei Projekte, die so ein bisschen mühsamer sind, weil sie sich schon ein bisschen länger ziehen. Und sie würde das jetzt mal kurz einfach nur so ein bisschen angehen, weil sie selber interessiert ist, was draus kommt. Und sie hat wirklich einfach 45 Minuten gebraucht, hat mir diese ersten Entwürfe geschickt und ich habe gesagt, Stopp, mehr brauche ich nicht, ich will genau das! Und dann gab es drei unterschiedliche Farbmöglichkeiten. Also es gab eins, wo dann zum Beispiel mehr blau war oder mehr grün auch war und eben diese rosanere Variante. Und ich war selber total unschlüssig, also mein Favorit war, glaube ich, eigentlich so das Grüne. Aber ich habe dann die Instagram-Bubble abstimmen lassen und da war dann doch recht eindeutig das Etikett, wo halt einfach rosa am stärksten irgendwie ist, das Beste ist. Und habe dann auch einfach wirklich sozusagen auf die Croud gehört und es auch so dann ausgewählt. Und, genau und dann war das Etikett auch schon. Das heißt, das ist alles einfach irrsinnig schnell und leicht gegangen. Ich weiß noch, wie ich mir gedacht hab am Anfang, boah, wenn du jetzt ein Bier beginnst zu machen, ich hoffe so, ich habe den Atem dafür, ja, weil das aus so vielen unterschiedlichen Kleinteilen besteht, ja und dann geht das vielleicht nicht und dann stelle ich mir das aber so vor. Und ich muss wirklich sagen, vielleicht, weil ich auch keine wahnsinnig komplizierte Person bin, traue ich mich zu sagen, vielleicht ist es auch deswegen gegangen, dass ich diesen ganz argen Anspruch an Perfektion zum Glück nicht mehr hab und das dann einfach eine schnelle irgendwie runde Geschichte für mich war, genau. Und natürlich, die Reaktionen, sie waren so gut wie schlecht. Also es gab wirklich Personen, also deswegen ist es ja auch, ich weiß nicht, ob es sowas auch in Deutschland gibt, aber in Österreich gibt es den Werberat.

Markus: Ja, haben wir auch.

Sophie: Ja, genau, also ich weiß nicht, soll ich es kurz erklären, damit die Leute verstehen, was das ist oder ist das eh so gut?

Markus: Gerne.

Sophie: Ja, okay. Also in Österreich hat der Werberat sozusagen, ist es ein Gremium aus verschiedensten Personen, die aus der Werbung schon kommen, also irgendwie tätig sind im Bereich der Werbung, die abstimmen müssen, wenn es Personen gibt, die sich an dem Werbeinhalt stoßen. Und da gibt es sozusagen drei Pfeiler, das ist Diskriminierung, Sexualisierung und Falschaussage. Und wenn eines dieser drei Kriterien zutrifft, dann kannst du vom Werberat gewisse Auflagen bekommen, genau. Und es gab scheinbar Personen, die sich an dem Vulva-Etikett so stark gestört haben, dass sie es dem Werberat gemeldet haben und mit der Kritik, dass sie sich im Alltag belästigt fühlen. That´s it, mehr war es nicht, es war einfach, ich fühle mich von Muschicraft in meinem Alltag belästigt, Punkt, mehr war es nicht. Und ich habe gesagt, aha, interessant. Ich sage jetzt einfach mal Dieter, keine Ahnung, ich weiß nicht, wer die Person ist, vielleicht war es auch eine Frau, ich weiß es nicht, okay, Dieter, aber ich kann dir sagen, ich fühle mich im Alltag auch von so vielen Dingen belästigt und kann nichts dagegen tun. Und ich finde dann auch so diese unkonkrete Ausführung von Belästigung schon mal irgendwie eine Frechheit tatsächlich, aber okay. Und musste dann ein Positionspapier verfassen, warum dieses Bier nicht sexistisch und nicht diskriminierend ist und habe das auch verfasst, habe das auch dem Werberat gegeben. Und letztlich hat der Werberat zum Glück nicht wirklich eine Handhabe gehabt, weil weder der Fakt der Sexualisierung, noch der Diskriminierung gegeben ist, weil mein Produkt genau das Gegenteil sagen soll, ja. Und eine Vulva per se ist deswegen sexualisierend, weil unsere Gesellschaft das aus der Vulva macht. Das heißt, das sagt ja mehr über die Person aus als über die Vulva oder meine Intention. Eine Vulva ist eine Vulva, ein Penis ist ein Penis, der Kontext, den erstellen wir, ja. Und das fand ich einfach sehr spannend, also ich finde einfach so, das sagt einfach schon wieder so viel auch über unsere Gesellschaft aus und wie konsumiert wird und was man wie darstellt. Und wenn du eine Vulva irgendwo siehst und Personen sagen, das ist sexualisierend, dann haben wir ein Problem, weil, die Vulva ist in erster Linie ein Geschlechtsmerkmal. Und, genau, aber das heißt, da sind die Wogen halt auch rauf und runter irgendwie. Klar, das war mir auch bewusst, mir war auch klar, Sophie, sieh dich warm an, wenn du jetzt eine Vulva gemalt auf ein Etikett klebst, also gibst und dann auch noch es Muschicraft nennst, dann wird es ganz viele Personen geben, die das nicht packen. Und das ist aber auch zum einen okay. Und das ist für mich ja natürlich auch gut, weil es mir aufzeigt, dass mein Produkt eine absolute Berechtigung hat. Weil, wenn es jetzt niemanden gäbe, der sich daran stößt, dann hätten wir ja auch das Thema und das Problem nicht. Und das heißt, genau, ich habe das Gefühl, und das war dann auch das, was mir geholfen hat bei diesem ersten Shitstorm, den ich bekommen habe in dieser Wiener-Wunderweiber-Gruppe, letztlich konnte ich rausgehen mit dem Gefühl, okay, Sophie, das ist echt unangenehm, aber es zeigt dir auf, dass es das braucht, plus, um was geht es dir mit Muschicraft. Und mir geht es darum, dass Personen in Diskurs treten, also das einfach ein Diskurs losgeht und losbricht. Und das habe ich geschafft! Ob Leute jetzt da total positiv sich äußern oder negativ sich äußern, sie machen sich Gedanken. Und ich glaube, viel mehr kann ich auch nicht erwarten, ja. Also das ist schon mal, sich Gedanken über etwas machen oder das Wort Muschi einfach mal aussprechen, ist schon viel, finde ich, ja. Und deswegen, ich glaube nicht, dass ich jetzt die großen Rechten oder Radikalen oder auch Konservativen bekehre, das glaube ich eh nicht, aber ich glaube, dass ich schon durchaus Menschen mit Muschicraft erreicht hab, die am Anfang irrsinnig skeptisch waren und heute damit versöhnt sind. Die sind vielleicht noch keine Fans, aber sagen so, hej, ich verstehe, um was es da geht und deswegen hat es meine Unterstützung.

Markus: Ja, ich finde auch, also das Wichtigste, glaube ich, ist erst mal, es ist wirklich da in jeder Hinsicht einfach laut. Das heißt, es wird auch gehört und damit hat man auch eine Awareness, eine Aufmerksamkeit für das Thema und es kommt eben in den Diskurs. Und gut, ich meine, auf der einen Seite hat man dann eben die Diskussionen, aber auf der anderen Seite sorgen die ja dann auch nochmal eben letzten Endes für Öffentlichkeit und für Werbung unterm Strich und das ist dann natürlich am Ende auch gut. Also insofern, glaube ich auch, wenn du das jetzt so klein irgendwo mit einem mini Etikett ohne Vulva in die Ecke gestellt hättest, hätte es keiner wahrgenommen, dann wäre das auch nicht gut gewesen. Also ich glaube, da muss man schon ein bisschen auf die Kacke hauen, damit das auch funktioniert. Also was mir so aufgefallen ist und was ein nicht so unbeliebtes Argument in der Bierwelt wiederum ist, da gibt es ja zum Beispiel auch die brauenden Frauen und da gibt es aus Amerika kommend den Trend der Pink Boots Society. Und da wird halt immer wieder gesagt, warum muss es denn unbedingt pink oder rosa sein, ihr schlagt doch damit genau in diese Kerbe, in dieses Vorurteil, in das Klischee, wo euch sowieso alle hinhaben wollen. Und, ja, kam dieses Argument auch und was sagst du denen?

Sophie: Also interessanter Weise, ich habe mir dasselbe gedacht, warum ich nicht Pink will, weil so, oh, dann hat das gleich wieder so diesen eben sehr mädchenhaften, sage ich jetzt mal, Touch. Bis ich dann auch für mich gecheckt hab, boah, Sophie, wirklich, also wir müssen echt aufhören, Farben Geschlechtern zuzuordnen. Und ich meine, wenn man sich auch historisch anschaut, ich meine, das ist ja beim Bier wie auch bei Farben, also Bier eben historisch, muss ich dir eh nicht sagen, da kennst du dich ja viel besser aus als ich auch, aber dass das Brauhandwerkmal ein sehr weibliches war und dann ein sehr männliches geworden ist. Und das Farbe, also rot und rosa, war sehr lange Zeit nur Männern vorbehalten, weil es die edle Farbe war, die nur Männer tragen durften. Und dann gab es irgendwann halt sozusagen diesen Bruch und dann hat begonnen irgendwie durch diese Binärität auch, die ja auch viel später gekommen ist, also diese Vielfalt an Geschlechteridentitäten war ja schon vor vielen 1.000en Jahren oder 100en Jahren, war man viel offener diesbezüglich als man heute ist, ja. Also es hat sich viel irgendwie verschlechtert. Aber, genau, bei Farbe ist es für mich wirklich dasselbe Phänomen, dass ich wirklich immer wieder entsetzt bin. Ich erlebe es jetzt bei meiner Tochter, sie wird immer für einen Burschen gehalten, immer, immer, immer, weil sie nicht durchgehend in rosa gekleidet ist. Und ich kriege dann so Antworten wie, das, das ist ein Mädchen, warum hat sie eine blaue Haube auf? Und ich denke mir, wieso fragst du mich das, ist doch komplett egal. Aber ist es nicht, genau. Und diese Pink Boots, also eben auch diese Bewegung aus Amerika, ich finde halt und ich glaube, dass es da halt auch wirklich wichtig ist, dass man möglichst offen ist. Also ich habe dazu mehrere Meinungen, glaube ich, ja oder mehrere Zugänge vielleicht. Also das eine ist, ich finde ja nix am Mädchenhaften schlecht und ich finde auch nicht, dass es Mädchen genommen werden soll. Ich finde nur, und das, glaube ich, ist ein bisschen der Trugschluss, ich glaube, dass dieses Bedürfnis, sich zu schminken, sich hübsch zumachen, gut zu riechen, sich die Beine zu rasieren, all das zum einen schon ein doch von Männern gemachtes Phänomen ist, dass Frauen schon so ausschauen sollen. Auch wenn ganz viele Frauen jetzt aufschauen werden und sagen, das hat damit gar nix zu tun, ich will es, weil ich das traurig finde, wissen wir halt alle gar nicht, wie stark wir da einfach beeinflusst sind und sozialisiert worden sind, vor allem seit dem letzten Jahrhundert, wo Werbung einfach so, so stark greift. Und ich glaube einfach, dass es diese Attribute gibt, aber ich glaube nicht, dass diese Attribute grundsätzlich nur Personen mit Vulva zugeschrieben werden sollten oder nur Personen mit Vulva oder Frauen das empfinden. Ich glaube oder kenne immer mehr Männer, die sagen, sie wurden urgern einen Rock tragen, aber sie trauen sich nicht, weil die gesellschaftliche Ächtung ihnen zu steil ist, ja. Das heißt, ich glaube, es geht wirklich ganz, ganz, ganz stark darum, und das ist wirklich einer meiner größten Glaubenssätze aktuell, dass wir uns gesamtgesellschaftlich einen Gefallen tun würden, wenn wir diese Binärität aufbrechen. Und das heißt jetzt nicht, dass es nicht diese ganz, unter Anführungszeichen, klassischen Männer, wie sich klassische Männer halt outen, geben darf. Das heißt es gar nicht, das heißt nur, dass es vielleicht von diesen 50 Peters 20 Peters gibt, die sich gerne irgendwie mal schminken wollen und dann soll das einfach in Ordnung sein. Und dasselbe gilt für Frauen, Personen mit Vulva und für alle Geschlechtsmerkmale, die es dazwischen gibt, ja. Und, genau, also ich verstehe die Kritik bis zu einem gewissen Grad, hej, schaut, dass ihr nicht zu sehr reproduziert da, das es Frauen zugeschrieben wird. Weil, da gehört ja unter anderem auch dazu, dass ihr kein Bier trinkt und jetzt macht ihr ein rosanes Etikett und macht ein Boot drauf und Stöckelschuhe und Frauenschuhe. Also ich kann das schon verstehen, das Argument, dass das schwierig ist. Ich glaube halt, und das ist das, was ich halt schon auch in unserer Gesellschaft als sehr bedenklich empfinde oder halt auch beobachten muss, das man sehr schnell urteilt, ohne sich einfach auch Hintergründe anzuschauen. Und warum muss man immer bewerten, bewerten, bewerten? Warum kann man nicht einfach sagen, ja, dann machen wir das so, ist doch wurscht, passt, ja.

Markus: Also letzten Endes, für mich ist das Thema Offenheit da einfach ganz wichtig und ich habe für mich einfach beschlossen, für mich ist die Grenze da, wo es mir persönlich was tut. Und in dem Moment, wenn jemand anderes sagt, er möchte, was weiß ich, sich schminken oder sie oder wie auch immer oder Schuhe anziehen, die ich komisch finde oder was auch immer, solange ich persönlich davon nicht berührt bin, ist es mir schlicht und einfach egal, solange er oder sie sich damit wohlfühlt, dann ist das auch in Ordnung. Und umgekehrt erwarte ich das genauso, dass die Leute mich so annehmen wie ich eben bin, sein will. Und wenn sie damit nicht zufrieden sind, sollen sie es auch lassen, ist auch okay. Aber ich glaube wirklich, eine gewisse Gelassenheit und einfach, ja, den Punkt, nicht ständig anderen Leuten zu sagen, wie sie zu sein haben oder nicht zu sein haben oder was sie zu tun oder zu lassen haben, das ist leider Gottes, glaube ich, das größte Problem, dass in der ganzen Geschichte liegt. Was vielleicht auch seine Gründe hat, was Unsicherheiten angeht, was eben Erziehung angeht, was die jeweiligen Psychen und so weiter, also gibt es ja 1.000 Gründe, warum Menschen so …

Sophie: Total, total, total, absolut, ja, richtig, ja.

Markus: Aber gut, das kriegen wir heute nicht gelöst. Also ich finde, es ist auch immer wichtig, sich Gedanken zu machen. Wenn so jemand dann kommt und sowas sagt, versuche ich immer erst mal kurz innezuhalten und zu überlegen, warum sagt der oder die das jetzt. Und wenn ich dann nachvollziehen kann, warum das so ist, dann geht es mir schon mal anders. Ud dann fühle ich mich auch nicht mehr so persönlich betroffen, weil letzten Endes weiß ich, das geht dem oder der gar nicht um mich, sondern im Grunde ist das Problem eben sowieso auf der anderen Seite und äußert sich dann nur in der Richtung. Und damit kann man dann auch leichter leben, wenn man weiß, die Kritik ist gar nicht gegen mich persönlich gerichtet, sondern eigentlich …

Sophie: Genau, das finde ich sehr spannend, dass du das sagst, voll. Also wirklich, das finde ich auch ein sehr wichtig Punkt, weil das ist auch wirklich das, glaube ich, was zum Teil mit Muschicraft passiert ist, das Personen sich persönlich angegriffen gefühlt haben. Und das habe ich überhaupt auch nicht in Betracht gezogen, dass das passieren kann. Es ist nichts Persönliches in der Form, ja. Also, genau, es ist schön, wenn es ankommt und wenn Personen beginnen, drüber nachzudenken, aber es geht mir, also ich habe das jetzt nicht gemacht, um diese eine Person total zu verärgern.

Markus: Ja und du hast, was wir auch noch kurz besprechen sollten, du hast ja auch einen caritativen Aspekt mit dabei. Das finde ich auch noch sehr interessant, du hast ja schon gesagt, du spendest was an Frauenhäuser.

Sophie: Genau.

Markus: Da vielleicht nur, damit man sich das in etwa vorstellen kann, weil ich muss sagen, klar, ich habe jetzt noch nie ein Frauenhaus gesehen oder betreten, ist auch gut so, aber wie funktioniert das? Also wie spendet man an ein Frauenhaus und was machen die dann zum Beispiel mit diesem Geld?

Sophie: Genau, also grundsätzlich spendest du an Frauenhäuser so wie du an alle möglichen anderen Einrichtungen auch spenden kannst. Bei mir ist es so, dass ich die Chefin von den autonomen Frauenhäusern mittlerweile auch persönlich kenne, die Maria Rösslhumer. Und ich mich einfach für dieses Thema deswegen entschieden habe, weil es eines ist, das mich jetzt seit vielen Jahren begleitet, natürlich auch durch meinen Beruf als Sozialarbeiterin. Also ich habe lange im Bereich der Obdachlosenhilfe und Wohnungslosenhilfe gearbeitet und leider mit vielen Frauen zu tun gehabt, die von Gewalt betroffen waren und das oft einfach auch der Grund der Obdachlosigkeit war. Und das ist einfach ein Thema, ich weiß nicht, das hat sich so in mein Herz gebohrt und, genau, ich finde einfach auch so diese Zahlen an Femizide und so weiter in Österreich und auch in Deutschland … also Femizide, also das ist der Mord an Frauen, weil sie Frauen sind so, genau. Und da ist die Zahl in Deutschland ja extrem hoch, aber in Österreich ist sie jetzt sozusagen im Durchschnitt noch höher. Und, genau, ich komme da einfach nicht raus, aus der Wut und aus der Traurigkeit, das wir uns da so befinden und das die Politik so wenig macht, das ist so ein unattraktives Thema scheinbar. Und hatte einfach das Gefühl, okay, egal was ich mache, ich möchte all mein Wissen und mein Herz und auch so mein soziales Verständnis, was bei mir, glaube ich, recht groß ist oder recht hoch aufgerichtet, immer dafür einsetzen, etwas zu machen, um Personen auch zu unterstützen, die sonst wenig Beachtung und Geld bekommen. Und, genau, das heißt, wie funktioniert das? Bei mir ist es so, dass ich mir bei meiner Hochrechnung, die wie ich begonnen habe, so ein bisschen das Bier zu skalieren, angeschaut habe, okay, wie viel davon kann ich an caritative Einrichtungen geben? Und es war sehr schnell klar, es ist nicht viel, es sind zehn Cent pro Flasche, damit mir auch noch ein bisschen was hängenbleibt. Aber natürlich in der Hoffnung, wenn mal ganz, ganz viel Bier verkauft wird, dass es dann auch dementsprechend die Summe ist. Und gleichzeitig ist es aber auch so, das weiß ich eben auch von der Maria Rösslhumer, also von der Chefin von den autonomen Frauenhäusern, dass sie wirklich um jeden, jeden Cent froh sind, weil sie so wenig bedacht werden von der Regierung. Nicht nur, dass sie wenig bedacht worden sind in den letzten zwei Jahren, sind die Budgets für Frauenagenden, und darunter fallen auch die Frauenhäuser in Österreich, gekürzt worden. Es sind Frauenhäuser geschlossen worden, obwohl alle Frauenhäuser aus den Nähten platzen und sie Leute Heim schicken müssen. Also es geht nicht darum, dass man die Frauenhäuser geschlossen hat, weil sie nicht ausgelastet waren, also sie sind zum Platzen voll gewesen und man hat sie trotzdem einfach wegradiert, genau. Und, genau, das heißt, bei mir, also wenn du als Konsument oder als Konsumentin das Bier kaufst, dann gehen zehn Cent brutto davon an die Frauenhäuser in Österreich. Und in Deutschland ist es so, also in Berlin da sind wir auch noch nicht ganz so weit wie in Österreich. Muss man auch sagen, ist ein bisschen schwieriger in Deutschland als in Österreich, auch weil ich halt nicht vor Ort bin. Das, glaube ich, macht schon auch einen großen Unterschied natürlich. Und da haben wir uns noch nicht so festgelegt, welches Projekt es sein wird, aber da ist das Verkaufsversprechen genau dasselbe, das zehn Cent pro verkaufte Flasche an ein queeres oder an ein Female-Empowerment-Projekt gehen werden.

Markus: Mit wem braust du da zusammen?

Sophie: Den ersten Sud haben wir jetzt mit BRLO gebraut, sind auch total happy mit dem Bier, mit dem Ergebnis. Und da gibt es vielleicht, so viel kann ich schon mal vorwegnehmen, glaube ich, schon auch so die Idee, mit mehreren Brauereien in Deutschland zu kooperieren und die dann sozusagen das jeweilige Bundesland vielleicht abdecken. Weil das, was mir mit Muschicraft und auch der Marke, die hier Berlin betreut, sehr wichtig ist, ist einfach auch so diesen Umweltaspekt zu gut wir es können, da ist eh nicht alles möglich, aber so gut wir es können mit einbeziehen. Und da heißt es aber für mich ganz dezidiert, dass ich es nicht verantwortbar finde, Bier durch die Welt zu schicken und einfach wirklich darauf zu schauen, dass wir die Wege möglichst kurz halten. Deswegen war das für mich klar, wenn ich nach Berlin gehe, dann kommt das Bier nicht aus Wien, sondern es soll eine Brauerei aus Berlin sein. Aber es muss auch sozusagen sich von der Wirtschaftlichkeit dann so ausdrücken, dass mir was zum Leben über bleibt. Und dasselbe gilt halt für die Nathalie und da stehen wir grad noch so ein bisschen an einem Punkt, wo wir schauen müssen, wie wir das gewährleisten können.

Markus: Ja, finde ich aber auf jeden Fall einen guten Ansatz und auch eine gute Idee, da über Deutschland sich ein bisschen weiter auszubreiten. Wobei die Katharina Kurz sicherlich eine gute erste Ansprechpartnerin auf jeden Fall auch war für Berlin und die natürlich da auch eine gute Möglichkeit haben, allein aufgrund ihrer Verbreitung, da entsprechend auch was dafür zu tun. War das dann von der Rezeptur her auch ein anderes Bier oder hast du da dasselbe?

Sophie: Nein, genau, ich habe mit dem Brauer aus Wien so eine Lizenzvereinbarung treffen können. Also das heißt einfach, dass ich ihm das Rezept nicht abgekauft habe, sondern pro verkaufte Flasche in Berlin kriegt er einen Prozentsatz raus, der dann ihm gehört, dafür dürfen wir das Rezept verwenden. Und das wäre auch für alle anderen weiteren Brauereien, die noch dazukommen, dasselbe Prozedere, genau.

Markus: Das heißt also, die Idee ist schon eher, bei einem Bierstil oder Bier zu bleiben und jetzt nicht zu sagen, wir weiten das noch aus und machen dann vielleicht noch ein, keine Ahnung, Imperial Stout oder ein Dunkles oder einen Bock?

Sophie: Doch, doch, doch.

Markus: Doch?

Sophie: Doch, doch, doch, das noch, oh ja, oh ja, also unbedingt. Also mir wäre ganz wichtig, jetzt auch möglichst schnell eigentlich ein Alkoholfreies auch anzubieten. Weil das natürlich auch für all die, ich habe es jetzt ja selber erlebt, das Schwangere und auch stillende Personen und überhaupt, alkoholfreies Bier, ist so meine Beobachtung, jetzt wirklich so im Kommen ist oder mehr kommt oder mehr nachgefragt wird, genau, also da bin ich ganz offen. Aber mir war wichtig, mal für den Start sozusagen mit dem Signature Beer und das ist so das Originale grade, dieses Pale, mal mit dem zu beginnen und dann einfach weitere Sorten dazu zumachen so peu a peu.

Markus: Nee, also Alkoholfrei finde ich auch ganz, ganz wichtig und entscheidend und natürlich schon mal allein aufgrund des Themas eben Schwangerschaft. Aber es gibt ja auch viele andere Gründe, warum man grade keinen Alkohol will oder kann oder so, und es ist ganz wichtig, dass das Bier oder die Brauereien da drauf auch eine Antwort haben. Und da gibt es eben mittlerweile ja schöne Möglichkeiten, alkoholfreie Biere zu machen. Also freue ich mich schon drauf, trinke ich auch selber viel daheim, also insofern, das ist alles gut. Vielleicht mal vorneweg noch oder hinten raus, genauer gesagt, noch zwei kurze Fragen. Das Bier in Berlin, wie war denn da so das Feedback und wo bekommt man das?

Sophie: Genau, also das Feedback in Berlin war tatsächlich, und das muss ich echt sagen, hat mich auch sehr, sehr, sehr gewundert, aber auch dafür habe ich mittlerweile gewisse Hypothesen aufstellen können, also mir wurde gesagt, wie ich in Wien gestartet hab, von ganz vielen Personen, du musst mit diesem Bier nach Berlin. Weil, wenn das in Wien so einschlägt, dann wird das in Berlin noch viel stärker einschlagen. Und das war leider nicht so. Also ich muss sagen, klar, also wir haben voll die Fans in Berlin und die Nachfrage, die steigt auch kontinuierlich, was total schön ist, auch immer mehr coole so Female und Business melden sich jetzt, die irgendwie mit Muschicraft für Deutschland auch kooperieren wollen, aber, dieser arge Einschlag wie es in Wien war, ist ausgeblieben bis jetzt, ja. Und das überrascht mich insofern, weil es gab einen großen Artikel im Spiegel, es gab einen großen Artikel im Stern, genau, im Stern, der heißt Stern, ne?

Markus: Ja, ja.

Sophie: Ja, doch, genau, ja. Und habe mir gedacht, okay, also spätestens, wenn das da irgendwie auch sozusagen rausgeht, dann wird viel passieren, aber es ist in Berlin in der Form nicht passiert. Interessanterweise, die Bundesländer rund herum, gab es total große Nachfrage und da haben wir auch wirklich irrsinnig viel Lokalanfragen bekommen, dass sie das unbedingt wollen. Aber das Problem war, okay, wir sind damit in Berlin und wir haben keinen Vertrieb und die Nathalie kann jetzt nicht beginnen, dass Bier irgendwie durch ganz Deutschland zu schicken oder zu bringen. Also so Berlin, ja, war irgendwie ein bisschen verhalten interessanteweise. Ich weiß nicht, ob es damit zu tun hat, das so Berlin einfach eh insgesamt schon sehr cool ist und da einfach schon sehr viel progressiver einfach ist und da einfach dann das nicht mehr so das Aufsehen ist, woah eine Vulva. Weil, die haben wir eh überall schon und jeder macht irgendwas damit. Vielleicht hat es damit zu tun. Vielleicht hat es aber auch damit zu tun, das man vielleicht Muschi in Berlin nicht so sagt. Aber das glaube ich, weil Muschi Kreuzberg auch mit dem Film eigentlich durchaus ein Wort ist, das sehr geläufig ist auch in Berlin. Also, genau, ja, also so die ganz konkrete Antwort darauf habe ich noch nicht, vielleicht werde ich sie auch nie haben. Ich weiß aber, dass ich sehr gern in Berlin bin, weil ich einfach auch sehr gerne mit meiner Kollegin der Nathalie arbeite und auch wirklich, wirklich glaube, dass das in Deutschland totales Potenzial hat. Nur sind eben, und das ist, glaube ich, so das größte Problem, warum es in Berlin auch noch nicht so eingeschlagen hat, meine persönlichen und auch arbeitsmäßigen Ressourcen sind sehr erschöpft, weil ich ja für Österreich alleine bin und einfach auch Mama geworden bin in demselben Jahr und mehr nicht möglich ist, genau.

Markus: Ja, aber das kann sich ja entwickeln.

Sophie: Das kann sich entwickeln, genau. So langsames Wachstum, glaube ich, darf auch sein.

Markus: Sie haben auch viele Gründe, kann ich mir vorstellen, warum Berlin da ein bisschen zögerlich ist. Also einerseits eben, weil es da schon alle möglichen Sachen gibt und weil es da auch schon lange eine gewisse Offenheit für das Thema gibt, auf der anderen Seite ist das Bier ja da schon rauf und runter durch genudelt worden. Dann ist aber wiederum, glaube ich auch, die Bereitschaft jetzt für solche Dinge vielleicht ein bisschen mehr Geld auszugeben, nicht so groß und so. Also ich denke, da gibt es wirklich eine ziemlich große Gemengelage. Dann ist, glaube ich, die entscheidenden Zielgruppen, weiß ich gar nicht, ob die überhaupt Spiegel und Stern lesen.

Sophie: Stimmt auch, ja, das stimmt auch.

Markus: Wie gesagt, das ist halt einfach so. Ich glaube, mittelfristig, glaube ich, wird sich das schon durchaus lösen. Und ich muss sagen, ich habe hier mal bei uns vor vielen, vielen, vielen Jahren, mein Gott, das ist bestimmt schon 15 Jahre her oder so, habe ich mal ein Projekt mit initiiert, das hieß Holla die Bierfee. Und das war ein Bier von Frauen für Frauen, da haben sich vier Braumeisterinnen, über die habe ich jeweils Porträts geschrieben gehabt. Weil ich eben mal recherchiert hab, was gibt es denn für junge Brauerinnen bei mir in der Region in Franken und die vier waren da eben und die habe ich porträtiert. Und dann haben die sich aufgrund dieses Artikels zusammengetroffen und beschlossen, sie machen jetzt ein Bier von Frauen für Frauen und das gibt es auch heute noch. Und das war auch so ein Thema, was am Anfang grade hier bei uns in der ländlichen Gegend sehr eingeschlagen ist und dann auch wirklich viele Leute interessiert hat, aber auch eben zum Beispiel in Berlin nicht so. Also wir werden auf jeden Fall von dir noch viele interessante und tolle Sachen erleben, das habe ich schon irgendwie ein bisschen im Gespür und ich freue mich auch drauf. Und ich freue mich auch drauf, wenn wir uns mal persönlich sehen, also gerne entweder mal hier in Bamberg oder natürlich auch in Berlin oder Wien, bin ich jeweils auch ab und zu mal vorhanden. Also in Wien auf jeden Fall, wenn ich beim Bierwettbewerb bin und in Berlin sowieso immer wieder.

Sophie: Ja, wirklich gerne, also ich würde mich sehr freuen. Also wirklich, ja, wäre sehr schön, ja, wirklich Markus. Und ich fand auch, das war ein sehr, sehr feines respektvolles und schönes Gespräch. Und auch so eben, es ist nicht selbstverständlich auch, dass das Gegenüber da auch diese Bereitschaft da auch mitbringt, da so mitzugehen und auch so eben auch wirklich so im Ton und auch ein Verständnis und Wertschätzung und offen bleibt. Also auch wirklich dir ein großes Danke, hat Spaß gemacht, war schön.

Markus: Also den Dank kann ich nur zurückgeben. Und auch den Dank für dein Engagement, dafür, dass du das überhaupt machst und eben deine Nase da entsprechend auch raushängst und die Schläge dann auch einfängst, die dann eben da kommen. Also da noch viel, viel Kraft damit und, ja, alles Gute und ich freue mich schon auf die nächsten Storys rund um Muschicraft.

Sophie: Danke, ich auch, alles Liebe, super.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk 119 – Interview mit Dr. Laura Dietrich, Prähistorikerin am Österreichischen Archäologischen Institut, Wien

Laura Dietrich forscht zur Urgeschichte der menschlichen Kultur und hat sich dabei fast ein bisschen zufällig auch dem Thema Bier gewidmet. Schließlich war sie bei den Ausgrabungen am Göbekli Tepe persönlich vor Ort und hat somit Hand angelegt an sehr frühe Funde von bewusst fermentierten Getränken auf Getreidebasis, landläufig „Bier“ genannt. Um ihre Thesen zu beweisen, begab sie sich mit ihrem Team auf das Feld der experimentellen Archäologie und braute selbst mit Kopien der gefundenen Gefäße und Materialien ein prähistorisches Bier. Das Resultat hatte gut 2% Alkohol und einen leicht rauchigen Geschmack – und bewies, dass es tatsächlich möglich war, mit den Verhältnissen und Gerätschaften von Gobekli Tepe vor über 10.000 Jahren ein Bier zu brauen. Im BierTalk lassen wir diese Reise nochmals Revue passieren und sprechen über die neuesten Forschungen von Laura Dietrich und ihre ersten Erkenntnisse daraus…

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Markus Raupach: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute mal wieder eine Reise in eine andere Dimension und zwar in die historische Dimension, wir gehen weit zurück in die Geschichte, wir treffen die Prähistorikerin Dr. Laura Dietrich. Sie ist schon seit Langem unterwegs und forscht eben über die historischen Wege nicht nur Bier zu brauen, aber eben auch und hat viele Versuche schon angestellt und wir sind sehr gespannt. Erst mal vielen Dank, Frau  Dietrich, dass Sie hier sind und vielleicht stellen Sie sich unseren Hörern ganz kurz selbst vor.

Laura Dietrich: Hallo, vielen Dank für Ihre Einladung, Herr Raupach, ich freue mich, hier heute zu sein in diesem Podcast. Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin an der österreichischen Akademie der Wissenschaften inzwischen geworden. Ich habe jahrelang in Deutschland gearbeitet, am Deutschen Archäologischen Institut in der Orientabteilung und bin auch Ernährungsarchäologin. Ich beschäftige mich insbesondere mit dem Thema Ernährung inklusive frühen Alkohol in der Vorgeschichte und mit dem Ursprung, ja, der Lebensmittelindustrie, der Cuisine, wie man so sagen würde.

Markus Raupach: Ja, na, das klingt ja spannend in vielerlei Hinsicht. Haben Sie denn persönlich eine Beziehung zum Getränk Bier zum Beispiel oder zum Alkohol überhaupt?

Laura Dietrich: Wenn Sie mich damit fragen wollen, ob ich trinke, dann würde ich eher nein sagen, ich trinke eher selten, aber ich kann durchaus ein gutes Getränk oder ein gutes Bier schätzen. Und ich glaube aber, dass es im Ursprung dieses Phänomens nicht nur um den Geschmack geht, sondern auch um das Zusammensein. Es geht auch um Co-Mentalität, es geht auch um Zusammensein und zusammen Feste machen, das ist ja, was uns Menschen zusammenbringt letztendlich und darum geht es. Deswegen bin ich durchaus in der Lage, ein gutes Bier zu kosten ab und zu.

Markus Raupach: Ja, wunderbar, das reicht ja auch völlig, also wäre auch völlig in Ordnung wenn nicht. Aber ich denke, es ist eben ein Thema, das grade Bier natürlich eine Möglichkeit ist, eben zusammenzukommen, Freundschaften zu schließen. Und es kann auch ein alkoholfreies Bier sein, also das ist überhaupt gar kein Thema. Aber interessant finde ich schon, wenn man so in die Geschichte zurückschaut, dass Menschen dann eben auch gezielt alkoholische Getränke gemacht haben, um eben zusammen zu feiern. Und ich habe dann auch gelesen, später ging es auch darum zum Beispiel den Göttern nähern zu sein, also ein religiöser Aspekt. Haben Sie dazu auch schon Forschungen gemacht

Laura Dietrich: Was heißt hier später, ich denke, das wichtig ist auch früher, früher Aspekt, Religionen oder Kult. Wir nennen das Kult, wir nennen das nicht Region, wir prähistorischen Archäolog*innen, wir nennen das Kult. Also kultische Aspekte haben schon von Anfang an eine wichtige Rolle in der Produktion der Nahrung überhaupt bei den frühen Sammlerpopulationen und auch in der Produktion des Alkohols. Es ging darum, Kohäsion zu verschärfen, um Momente für die, ja, wir nennen sie nicht ungerne Gottheit, aber um sakrale Monumente zu bauen, darum ging es von Anfang an. Und man kann Kohäsion schaffen, wenn man zusammen Nahrung produziert, wenn man zusammen feiert auch. Und wir, die Menschen heute, ja, wir sind ein Produkt einer Singularität und das ist der Übergang zu einer, ja, von Jägern und Sammlern und sammeln von Produkten zu Ackerbau und zur Viehzucht. Wir sind das Produkt einer Singularität, was ungefähr 9500 vor Christus im Bereich des fruchtbaren Halbmondes in Vorderasien auch vorgekommen ist. Was dazu geführt hat, das Populationen, das mobile Populationen von Jägern und Sammlern sich gesetzt haben, sesshaft wurden und angefangen haben, die Kontrolle über ihre Umwelt zu nehmen. Pflanzen zu domestizieren, Tiere zu domestizieren und letztendlich Nahrung zu produzieren. Das ist vorher nie passiert. Wir wissen nicht, warum. Alkohol ist ein Teil dieses Phänomens, frühes Bier ist ein Teil dieses Phänomens. Kult ist ein anderer Teil dieses Phänomens. Wir wissen nicht, warum das so vorgekommen ist, aber wir sehen, dass die erste, ja, massenhafte Produktion von Nahrung im Bereich von monomentalen Bauten auftritt, wie in Göbekli Tepe, wie in Karahan, aber es gibt mehrere solcher archäologische Städte mit frühen Monumentalbauten. Wir reden hier von einem Zeitraum von vor 11.500 Jahren und das ist erstaunlich. Wir reden von einer Arbeitskraft, die uns heute wundersam erscheint. Das ist passiert, weil die Menschen, die sich dort gesammelt haben, die nötigen Ressourcen zur Verfügung hatten auch.

Markus Raupach: Ja, das ist ein ganz starkes Bild. Und ich muss sagen, so habe ich das selber noch gar nicht gesehen, ist aber völlig richtig, dass die Menschen eben sagen, okay, ich nehme nicht das, was ich zufällig finde und ich suche, sondern ich sorge selbst dafür, dass es Nahrung gibt und das ich das anbaue, dass ich eben die Kontrolle übernehme. Das ist ein ganz, ganz interessanter Aspekt, der mir so gar nicht bewusst war, aber ist natürlich völlig richtig. Und ist ein absoluter Paradigmenwechsel, das kann ich total nachvollziehen und richtet ja auch den Fokus dieser Gesellschaften völlig neu aus, weil dann geht es eben drum, sich zu ernähren, diese Sesshaftigkeit zu standardisieren, langfristig eben zu erhalten. Da sind wir jetzt auch eben schon bei dem Göbekli Tepe, den Sie schon erwähnt haben als so einen Hügel oder einen Berg in der Grenzregion zwischen Syrien und der Türkei. Vielleicht, wenn unsere Hörer nicht alle so vor Augen haben, vielleicht könnten Sie mal beschreiben, was ist das überhaupt? Also wie schaut es da aus, was finde ich da, ja, wie muss ich mir Göbekli Tepe heute vorstellen?

Laura Dietrich: Also Göbekli Tepe ist eine prähistorische Städte im Südosten der heutigen Türkei an der Grenze zu Syrien. Ungefähr ein paar Kilometer von der heutigen Stadt Sanliurfa entfernt und es ist nur empfehlenswert, diese Städte, die ein UNESCO Weltkulturerbe ist, zu besuchen. Denn bis 1995 als die Städte entdeckt oder beziehungsweise das Deutsche Archäologische Institut angefangen hat dort zu graben, hat man nicht gerechnet, das solche Monumente in dieser Zeit, wir sprechen von 9500 vor Christus, gebaut werden können. Es ist eine Städte, die aus Monumentalgebäuden besteht, sie sind gebaut aus Monolithen in Form eines T-Pfeilers, also in Form eines T, die mit einer Mauer zusammengesetzt sind und in der Mitte befinden sich zwei weitere Monolithen mit von bis zu fünf Meter und tonnenschwer. Es gibt auf dem Plateau, das ist eigentlich das Plateau eines Gebirges, also ziemlich hochgelegen, mehr als 20 solcher Monumentalgebäude, mit Durchmesser von bis zu 30 Metern. Es ist eine erstaunliche Arbeit, die mehrere 1.000 Jahre gedauert hat im Übrigen, diese Gebäude mit den prähistorischen Mitteln zu bauen. Die monumentalen Gebäude, die sind voll mit Symbolen, mit Elementen von Kult. Sie sind voll mit Art, mit prähistorischer Kunst, was auch erstaunlich ist, sie sind Skulpturen mit eingeritzten Reliefs. Und sie sind umgeben von 100en, etwas späteren rechteckigen Bauten, die dazu gedient haben, verschiedene anderen domestische Arbeiten, wie unter anderem auch Kochen und Herstellung von Bier, durchzuführen. Es gibt sehr, sehr viele Interpretationen über Göbekli Tepe, aber so genau wissen wir Archäolog*innen bis heute nicht, denn es ist so erstaunlich. Und heutzutage werden mehrere solcher Städte erforscht, es sind fünf bis sechs andere solcher Städte. Wir denken, dass diese, für die damaligen Verhältnisse, sehr, sehr großen Fundstädte nicht zum permanenten Wohnen sozusagen diente oder nicht nur, sondern auch als Versammlungsort, ursprünglich als Versammlungsort mehrerer Gruppen von Jägern, Sammlern dienten, die verschiedene Kultelemente dort vollführt haben, die unter anderen gezielt Anlagen gebaut haben mit verschiedenen Symbolen. Jede Anlage repräsentiert in ihrer Symbolistik eine andere Tierart. Also das heißt, in jeder von diesen Monumentalbauten sind bestimmte Tiere dargestellt in Skulpturen und in Ritzungen auf den T-Pfeilern. Eine Anlage hat beispielsweise Vögel als Tier, eine andere Anlage hat Schlangen als Tier. Also jedes Tier dominiert in dem ein oder anderen Gebäude. Wir denken, das hat sehr viele Ähnlichkeiten mit dem modernen Scharmanismus oder mit dem traditionellen Scharmanismus eher, wo die Menschen sich als Nachfolger von Tieren identifizieren, ja, unter anderen. Ja, das ist ein Aspekt von Göbekli Tepe. Ein anderer Aspekt ist, wie ich auch schon erwähnt habe, die menschliche Arbeitskraft, die an der Errichtung dieser Städte involviert waren. Es ist nicht selbstverständlich, dass mobile Gruppen von jeden Sammlern sich einfach zusammentun, dazu braucht es eine Organisation, dazu braucht es permanente Nahrung. Es ist nicht selbstverständlich, dass sie sich zusammentun, um solche Städte, wir nennen sie Kultstädte, zu errichten. Dazu muss es ein wichtiger Grund gewesen sein. Wir finden das in dem Kult und wir haben zu dem sehr viele archäologische Befunde, die daraus hindeuten, dass die Teilnehmer*innen an den Ritualen da auch zusammen Feste gefeiert haben.

Markus Raupach: Also das finde ich eine total faszinierende zeitliche Dimension auch. Also wen man überlegt, der Kölner Dom, der hat ja 630 Jahre gedauert, bis man ihn fertiggebaut hat. Und das war aber in einer Zeit, wo die Menschen schon organisiert waren und wo man die ganze Infrastruktur und so weiter hatte. Und jetzt sagen Sie, das waren Monumente, die hat man über 1.000e von Jahren errichtet, das heißt also, ohne diese ganze Logistik, die es im späten Mittelalter ja schon gegeben hat. Das muss ja, wie Sie schon gesagt haben, ein Wahnsinns Apparat drum rum gewesen sein. Was mich da noch interessieren würde, wenn wir jetzt zum Beispiel den Kölner Dom nehmen, dann kann man ja in diesen 600 Jahren auch sehen, wie sich die Fähigkeiten verändert haben im Laufe dieser 600 Jahre. Kann man das in Göbekli Tepe auch sehen, dass über diese Zeitläufe die Abläufe sich geändert haben oder die Kunst sich verändert hat oder dass die Fähigkeiten besser geworden sind, sagen wir so?

Laura Dietrich: Also die Fähigkeiten sind von Anfang an erstaunlich auch. Ich habe auch vorhin erwähnt, die Monumentalbauten, die sind früher, die sind von Anfang da, die werden zuerst gebaut und sie sind voll mit einer wunderbaren Kunst, ja. Man sieht Künstler am Werk, man sieht dort Leute, die geübt haben, es sind erstaunliche Reliefs. Und wir machen das grade experimentell nach. Im Museum Asparn in Wien haben wir mit einer Experimentalreihe angefangen, diese Kunst zu reproduzieren und es ist schwierig, wir sehen das jetzt. Die frühen Monumentalbauten, man sieht, dass man daran sehr lange und sehr gezielt und sehr schön daran gearbeitet hat. Die späteren Bauten, die Rechteckbauten, die sind, ja, symbolärmer, wenn man es so nennen darf. Also sie haben nicht mehr diese ganzen Skulpturen, sie haben nicht mehr die Reliefs, die verzierten T-Pfeiler, die früher üblich sind wie in den Monumentalbauten. Es handelt sich dabei um Monolithen, die anthropomorphisiert sind. Also das heißt, Elemente der menschlichen Pracht und menschlicher Körper übernehmen. Sie haben Arme, sie habe Gürtel, sie haben andere Klamotten drauf, sie haben in ihrer Präsentation andere Kleidung drauf. Das kommt später nicht mehr vor. Das ist aber ein Phänomen, was oft vorkommt in einem Kult, dass das einfach abstraktisiert so, ja. Also das man weiß, früher ist dort was passiert und man stellt das bildlich dar und bleibt, in Anführungszeichnen, nur das Symbol, aber man weiß trotzdem, was passiert ist. Man kennt aus den Erzählungen dieser früheren szenischen Darstellungen, aber man benötigt ihre genaue Darstellung nicht mehr.

Markus Raupach: Ja, eine Entwicklung, die ja auch zum Beispiel unsere modernen Religionen schon genommen haben. Wenn wir jetzt sagen, wir haben einerseits diese Kultstätten oder diese Monumentalbauten und andererseits auch eine sesshafte Siedlung oder eine dauerhafte Siedlung, die da eingerichtet worden ist, kann man da sagen, wie lange es die schon gegeben hat und wie groß diese Siedlung war, wie viele Menschen da vielleicht gelebt und gearbeitet haben?

Laura Dietrich: Also darüber gibt es sehr, sehr viele Interpretationen. Und, ja, im Prinzip handelt es sich insofern nicht um übliche domestische Gebäude, es sind durchaus Menschen da, die leben. Man kann das nicht nachrechnen, das ist unmöglich. In der Archäologie kann man eine Population vor allem dann nachrechnen, wenn ein Gräberfeld in der Nähe der Siedlung vorhanden kann. Dann kann man ja ungefähr wissen, wie viele und so weiter, dann kann man ja nach den Haushalten rechnen. In Göbekli Tepe sind das nicht übliche Haushalte und die Gebäude sind auch nicht gleichzeitig gebaut worden. Die sind nach und nach, das kann man ja nachvollziehen, in dem man die Stadt analysiert, aber man kann das nicht so genau datieren, absolut datieren. Also es ist schwierig, mit den jetzigen Methoden nachzuvollziehen, wie viele Gebäude gleichzeitig am Göbekli Tepe sozusagen bestanden haben und wie viele verlassen wurden, wie viele bewohnt wurden. Das kann man ja nicht im Einzelnen nachvollziehen. Aber was man sagen kann, dass man damit rechnet, dass nur ein kleiner Teil der Bevölkerung da dauerhaft gelebt hat, weil es auch keine Wasserressourcen in der Nähe gibt. Die Lage des Göbekli Tepe ist nicht üblich für eine Siedlung. Normalerweise sind Siedlungen, also Dörfer, prähistorische Dörfer in der Nähe von Gewässern gelegen. Ist auch normal, man braucht ja Wasser in allen Bereichen des Lebens und Überlebens und Göbekli Tepe hat das nicht. Es hat einen kleinen Bach in der Nähe, das aber nicht genug decken kann. Man kann ja natürlich Wasser sammeln, aber man muss es zubereiten, wenn man nicht möchte, dass das Wasser giftig wird. Was sehr schnell in der Wärme des Orients passieren kann. Also wir rechnen momentan nicht damit, dass sehr viele Menschen dauerhaft dort gewohnt haben, sondern eher damit, dass ab und zu, und das haben wir nachgewiesen, sich Menschen dort versammelt haben und aus verschiedenen Entfernungen kamen, um Feste, Rituale dort durchzuführen und um weiterzubauen. Arbeit war für den Bau von Göbekli Tepe sehr wichtig. Wenn man das nachvollziehen möchte, wenn man die Arbeit in der Vorgeschichte nachvollziehen möchte, dann sollte man sich Göbekli Tepe als bestes Beispiel nehmen. Und eben, denke ich oder es ist, wir haben ja auch nachweisen können, dass Bier oder Alkohol ein bedeutender Teil der Arbeit war und wahrscheinlich auch ein Motor dieser Arbeit war oder auch rauschende Feste.

Markus Raupach: Ja, das auf jeden Fall. Und ich finde, das ist ganz interessant, ich meine, auch wenn es jetzt etwas später war, aber wir haben ja auch schon uns mit Matthew Adams aus Ägypten unterhalten und der hat ja auch erzählt, dass diese Städte, wo die große in Ägypten gelegen war, das war Mitten in der Wüste. Ganz weit weg vom Fluss, ganz weit weg von den Ressourcen auch für Holz zum Beispiel oder sonst irgendwas. Das heißt, die Menschen mussten wirklich alles dahin transportieren, das bedeutete unglaublich viel Logistik. Und auch überhaupt erst mal den Plan zu sagen, wir sagen das nicht an eine Stelle, wo es einfach ist, sondern wir gehen ganz bewusst irgendwohin, wo es sehr schwierig ist. Das ist ja auch eine Entscheidung, die irgendjemand bewusst gefällt haben muss. Also ich glaube, da gibt es noch ganz viel zu forschen, da bin ich auch sehr gespannt, was Sie da in der Zukunft noch herausfinden werden. Jetzt müssen wir aber ein bisschen natürlich auch auf unser Thema kommen hier als BierTalk. Würde ich aber vielleicht vorneweg nochmal sagen, es geht ja generell um das Thema Nahrung, also was haben denn diese Menschen damals überhaupt gegessen und getrunken natürlich? Ich habe bisher gehört, es gab irgendwie Antilopenknochen, die man gefunden hat und es gab eben Reste von Getreide. Können Sie da noch ein bisschen den aktuellen Stand uns erzählen?

Laura Dietrich: Also die Nahrung in Göbekli Tepe bestand aus Wildtieren. Gazellen waren bevorzugt, die migrieren, die sind dort anwesend im Frühling und im späten Herbst. Das wissen wir durch Isotopenanalysen genau, sonst nicht. Und Auerochsen in einem kleineren Anteil. Ein großer Teil der Nahrung bestand aus Wildgetreiden, die um Göbekli Tepe herum und allgemein im fruchtbaren Halbmond sehr reichlich vorhanden waren. Das wissen wir aus bioklimatischen Rekonstruktionen. Auch heute, wenn Sie Göbekli Tepe nicht in der Hauptsaison, sondern vielleicht im Frühfrühling oder Spätherbst besuchen, werden Sie überall grüne Getreide, grüne Wildgetreide dort sehen. Es ist ja auch wunderschön und der ganze Wüstenaspekt, das verschwindet, wenn man das schaut und man versteht ja auch viel mehr. Also Wildgetreide waren ein sehr wichtiger Teil der Nahrung. Das wissen wir weniger aus den erhaltenen botanischen Resten sondern viel mehr, weil die Konservierungskonditionen am Göbekli Tepe nicht gut sind. Und überhaupt, botanische Reste bleiben nur erhalten, wenn sie verbrannt werden. Wir wissen aber, weil Göbekli Tepe ein Inventar von 10.000 Reibsteinen hat. Das ist erstaunlich, das hat noch keine Fundstätte, keine neolithische Fundstätte bislang. Es ist die größte Sammlung der Reibsteine aller Zeiten, also aller neolithischen Zeiten. Normalerweise haben Siedlungen vielleicht 50 Reibsteine, mit Glück und die größten Siedlungen bis zu 200. Und Göbekli Tepe hat 10.000 davon. Und nicht nur 10.000 Reibsteine, sondern es hat auch ein paar 100 Steingefäße. Das heißt, vor den keramischen Behältern, die keramischen Behälter sind da noch nicht entdeckt worden, die kommen erst etwa 2500 bis 3000 Jahre später in der Region. Aber man benutzte in Göbekli Tepe sehr große, also sehr große bis zu kleinen Steingefäßen als Behälter für verschiedene Nahrungen oder verschiedenen Flüssigkeiten auch. Und wir haben Steintroge mit einem Umfang von bis zu 160 Liter. Auch ihre Herstellung ist erstaunlich, die sind fester Teil der Rechteckbauten. Und wir haben auch sehr viele sehr feine Steingefäße, die man in der Hand halten kann, die nicht größer als eine Schlüssel sind, von denen man beispielsweise sehr einfach trinken kann. Die sind auch sehr schön hergestellt, sehr kunstvoll. Sie sind poliert, wir sehen sehr viel Arbeit dort. Sie sind verziert auch, diese Gefäße, also sie sind eine besondere, ja, Tafelware.

Markus Raupach: Wie konnte man denn einen Stein dann so bearbeiten, dass er zum Beispiel zu einer Schale wird? Das erfordert ja auch Werkzeuge oder Instrumente oder so.

Laura Dietrich: Genau, das machen wir alles experimentell jetzt nach, die T-Pfeiler, die Steingefäße und so weiter. Es ist so, dass der Kalkstein am Göbekli Tepe sehr weich ist. Das ist eine Besonderheit der Region. Also das heißt, es kann sehr gut mit Steinwerkzeugen, mit härteren Steinwerkzeugen bearbeitet werden, wie zum Beispiel Silex oder anderen. Also wir haben beispielsweise sehr viele Steinbeilagen in Göbekli Tepe, die nicht nur zum Fällen von Bäumen benutzt wurden, sondern auch zum Steinschnitzen verwendet wurden. Das wissen wir jetzt genau, wir haben das experimentell nachgewissen. Und wir haben auch verschiedene Gerölle, Silexartefakte. Also man kann relativ leicht ein einfaches, ja, Steingefäß herstellen. Aber, das ist nicht nur das am Göbekli Tepe, sondern die Art, die Verzierung, die Kunst zeigt, dass dieses Geschirr besonders war, das einem besonderen Zweck diente. Das Trinkgeschirr, was ich erwähnt habe, das ist auch aus sehr vollkommenen Gesteinen gefertigt worden. Also das ist nicht aus lokalem Kalkstein, sondern aus Gesteinen gefertigt, die wahrscheinlich von 100 Kilometern hergebracht wurden. Die Sourcen haben wir nicht genau identifiziert, aber es wird dran gearbeitet. Und sind, wie gesagt, sehr kunstvoll verziert und man sieht, der Zweck war hier, einen Apparat herzustellen, die der Herstellung der Nahrung diente und der Getränke diente. Und das ist zum ersten Mal in der Geschichte so. Das ist eine Zeit der Revolution. Es ist eine Zeit, in der der Mensch zum ersten Mal anfängt, gezielt mit Nahrung zu experimentieren, das sieht man in archäologischen Befunden. Wenn Sie heute in einem Supermarkt gehen und Blicke so in die Regale werfen würden, dann würden Sie feststellen, das fast alles, was wir konsumieren, als Pulver oder als Flüssigkeit oder als Paste vorhanden ist. Also das heißt, Sie gehen selten in einen Supermarkt und kaufen sich ein Schwein oder eine Gazelle voll, sondern Sie kaufen sich verarbeitete, zu Pulver verarbeitete Sachen und das hat den Ursprung in dem akeramischen Neolithikum. Und wahrscheinlich auch in der Gewohnheit, Nahrung zu pulverisieren und sie miteinander zu vermischen, um neue Geschmackserlebnisse zu erzielen. Und da, hier kann der Alkohol, der frühere Alkohol wahrscheinlich auch verortet werden. Es geht um Geschmackserlebnisse auch, es geht um die Erfindung der Cuisine auch.

Markus Raupach: Also das finde ich unglaublich spannend, vor allem wirft es ja einen ganz neuen Blick auf diese Gesellschaften. Also weil, ich muss ja auch, um so Gefäße herzustellen und die zu verzieren, um mir dann Gedanken über Rezepte, über die Küche zu machen, da muss ich ja Zeit haben und nicht die ganze Zeit beschäftigt sein mit jagen und sammeln und Überleben und Fortpflanzen. Sondern da muss die Menschheit ja schon einen Schritt weiter gewesen sein in der Kultur. Und das bedeutet ja eigentlich, dass die Kultur an sich schon noch viel älter gewesen sein muss, um zu diesem Zeitpunkt schon soweit zu sein. Also da schauen wir doch sehr weit zurück in die Geschichte oder?

Laura Dietrich: Genau, genau. Also, natürlich, das hatte natürlich Vorsprung, also es ist nicht so, dass diese Innovation plötzlich auftritt. Es gibt ja durchaus vorherige Geschehnisse, das ist die Zeit vor dem akeramischen Neolithikum um 12500 vor Christus. Da wird auch experimentiert mit Reibsteinen, Mahlsteingefäßen. Wir haben, was ja zum Thema hier sehr gut passt, auch erste sehr frühe Nachweise, mögliche Nachweise, integrative Nachweise vom Bierbrauen in Israel, ja, sehr früh, also früher als Göbekli Tepe. Es ist ja eine Studie, die ist nicht ganz sicher, aber es ist wahrscheinlicher so, dass man in so einer Siedlung auch Bier hergestellt hat, ja. Wir haben natürlich diese früheren Nachweise, das ist ein Prozess, was wächst, was natürlich aber die Idee, Rezepte zu konstruieren, ja, die Idee, den Kochprozess inklusiven den Bierbrauprozess, ja, das gehört dazu und mehrere Schritte zu sequenzieren, um zu zusammengesetzten Mahlzeiten oder Flüssigkeiten oder Getränken zu gelangen. Das ist erst mal hier zu verorten, zeitlich im akeramischen Neolithikum. Und das ist im Kontext der Fundstätte mit Monumentalbauten zu verorten und im Kontext der Menschenversammlungen zu verorten, im Kontext der feste zu verorten.

Markus Raupach: Also total spannend, Sie haben mich schon völlig begeistert. Das merken wir auch daran, dass wir immer noch nicht über Bier reden. Aber eine Frage habe ich noch, bevor wir zum Bier kommen, Sie haben grade die Reibsteine erwähnt. Ich glaube, da können sich viele Hörer erst mal nichts drunter vorstellen. Also was ist ein Reibstein, wie schaut der aus und was hat man damit gemacht?

Laura Dietrich: Also einen Reibstein kennt man ja unter dem Begriff Mühlenstein. Und jeder, der mal in einem Museum war, weiß, was eine Handmühle ist, Handmühlen sind eine spätere Erfindung, ja. Mit Reibsteinen ist ein kompulsives Gerät gemeint. Er besteht auf aus einem Unterteil, das heißt Unterliege und ein Oberteil, das heißt Läufer, also es läuft, es läuft auf dem Unterlieger. Und damit kann man nicht nur Getreide zu Mehl verarbeiten oder zu Schrot verarbeiten, sondern alle Mengen Nahrungsmittel. Und das kennen wir aus ethnographischen Berichten und Beispielen so, dass Reibsteine quasi universelle, ich nenne sie, universal Crusher, universelle Zerkleinerer, sind, für alle möglichen Nahrungsmittel, für Nüsse, für Fleisch, für Fisch. Das ist alles nachgewiesen. Soßen, man kann direkt Soßen drauf machen, man kann Suppen machen, man kann Eintöpfe da drauf direkt mischen. Man macht alles mit diesem sehr, sehr nützlichen Geräten. Und später hat man auch Mineralien damit zerkleinert, um Metall herzustellen zum Beispiel. Also sind die ersten universellen Zerkleinerer der Menschheit, ja. Zuhause greifen wir heute auf Mixer, man kann ja sehr, sehr gut eine Suppe mixen, einen Handmixer benutzen. Das alles haben wir schon Tausende von Jahren vor uns mit den Reibsteinen gehabt.

Markus Raupach: Ja, ich wollte grad schon sagen, das ist so der Thermomix der Steinzeit, könnte man ein bisschen sagen. Ja und jetzt geht es natürlich drum, was wurde damit hergestellt? Und wir sind natürlich auch beim Thema Bier, aber man hat auch, denke ich mal, Urformen vielleicht von Brot oder Brei oder solche Sachen gemacht. Also wie hat die Nahrung so ausgesehen, die man zu dieser Zeit mit Hilfe der Reibsteine und der Getreide machen konnte?

Laura Dietrich: Also wir Archäolog*innen müssen das alles rekonstruieren. Das ist nicht so leicht, antike Rezepte oder, ja, alte Rezepte zu rekonstruieren oder überhaupt uns vorzustellen, was mit den Geräten gemacht wurde. Und es reicht nicht, das wir ethnographische, ja, Beispiele schauen oder traditionelle Gesellschaften schauen und sagen, das ist dafür benutzt worden, sondern es ist eine ganze Wissenschaft. Das ist Abnutzung von Rückständen. Wir versuchen, das alles wie ein Puzzle, mit kriminalistischen Methoden so zusammenzusetzen. Das heißt, wir schauen uns alle diese Geräte, wir schauen uns die Reibsteine an und wir schauen uns die Muster der Abnutzung an der Oberfläche makroskopisch, mikroskopisch, wir nehmen Proben von deren Oberfläche. Wir versuchen, das Rückstände zu identifizieren und das Gleiche machen wir auch mit den Steingefäßen. Und da versuchen wir, das alles in ein, ja, Konzept, uns zusammenzureimen und in ein sinnvolles Konzept zusammenzubringen, uns das vorzustellen, was dort passiert ist. Und es ist so, dass die Reibsteine aus Göbekli Tepe eindeutig Spuren, also mehrheitlich Spuren von der Herstellung von Schrot nachweisen aus Einkorn. Das haben wir auch experimentell nachgemacht mit den Spuren auf den Replikaten, mit den Spuren der Originalen verglichen. Also das heißt, man hat überwiegend nicht ein feines Mehl hergestellt, mit dem man normalerweise Brot machen kann, weil man damit die Stärke befreit und weil man damit einen Teig in Vermischung mit Wasser formen kann, das klebt, sondern in Göbekli Tepe hat man überwiegend Getreide, Einkorn in diesem Fall, grob zu Schrot verarbeitet. Wir denken, dass das für, ja, Breigerichte eher geeignet war und für Biere natürlich, eher als für Brotgerichte. Wir haben auch einen Anteil von etwa einem Viertel der Reibsteine, die auch zur Herstellung von Feinmehl beziehungsweise Brotprodukte verwendet wurde, aber das war nicht das Hauptgericht am Göbekli Tepe. So, man hat Schrot hergestellt, das wissen wir genau beim Analysieren der Reibsteine. Dann, was hat man mit diesem Schrot gemacht? Das wäre unsere nächste Frage gewesen. Wie kann man mit Steingefäßen Schrot verarbeiten, weiterverarbeiten? Wir haben Proben, wir haben uns die Abnutzungsspuren der Steingefäße angeschaut. Wir haben Rückstandsanalysen durchgeführt, in dem wir die Wandungen durchbohrt haben. Wenn man Glück hat, können sich dort Rückstände absetzen, wir hatten Glück in dem Fall, in Göbekli Tepe. Also wir haben große Steintröge analysiert und festgestellt, dass sie eindeutige Nachweise von erhitzten Getreide zeigen. Erhitzt, das ist ja da das Zauberwort hier, also die müssen erhitzt gewesen sein. Das schließt eine reine Funktion als, ja, Vorratsgefäße oder Vorratscontainer aus. Das heißt, die Getreide, die in diesen großen Steintrögen waren, die wurden erhitzt und wir haben Nachweise, dass sie mit einer großen Menge von Wasser vermischt wurden. Das ist ein zweiter Schritt. Wir haben auch mehrere verschiedene Nachweise, zum Beispiel, abgesehen von erhitzten Getreiden, in einigen von diesen großen Steintrögen kommen Fettsäuren von Pflanzen vor. Zum Beispiel von Vicia, das ist eine Hülsenfrucht oder auch von Kräutern, was ja auch interessant beim Bierbrauen wäre. Also von Artemisia, von Beifuß, vom Wermutkraut, wir haben aber auch Senf und wir haben Nachweise vom Baumharz da. Ja, das ist ein Puzzle erst mal für uns. Das ist so viel und so für mich, wie kann man prähistorische Rezepte kreieren und wir haben das dann experimentell. Also der dritte Schritt war, dass alles experimentell nachzumachen. Also aufgrund der Nachweise von erhitztem Getreide und Schrot war ja dann möglich, war dann sehr wahrscheinlich, dass man entweder Brei oder Bier hergestellt hat, wir wissen das. Wir haben auch sehr viele Nachweise von verbrannten Steinen um diese Steintröge herum im Original gefunden von Feuer. Wir haben das so interpretiert, dass das als Hitzesteine zur Erwärmung der Gefäßinhalte benutzt wurde, also zum Kochen im Kochprozess auch, ja. Und man kann das sehr leicht nachmachen, viel leichter, als man es sich vorstellt, in dem man Steine, so faustgroße Steine, insbesondere Basaltsteine, die sind gute Hitzeträger, in Feuer einlegt und ab und zu, wenn sie warm werden, die rausholt. Das kann man sehr leicht machen mit entweder mit Holzlöffeln oder auch mit längeren Knochen, die haben wir nämlich auch in den Gefäßen, Knochen-Spatula. Man kann sie rausholen und dann kann man sie in die, ja, Flüssigkeit rein tun, um das zu erhitzen. Wir haben also Getreide mit Wasser vermischt und diese Flüssigkeit mit Hilfe der Hitzesteine erhitzt, was man ja auch als Maischen sozusagen kennt. Also man kann Bier entweder aus vermälztem Getreide herstellen oder auch aus nichtvermälztem Getreide herstellen, das geht auch. Wir kennen traditionelle Biere, bei dem das Vermälzen nicht nötig ist, ja. Wir haben keine Hinweise auf vermälzte Getreide, die sind da nicht erhalten. Die Getreidekörner sind in den Funden sehr selten erhalten, das habe ich schon gesagt. Aber, wir haben Hinweise auf einen Kochprozess mit Hilfe der Hitzesteine, also auf einen Kochprozess, auf Erwärmung großer Menge Wasser mit Getreide.

Markus Raupach: Total spannend. Das erinnert mich natürlich an das mittelalterliche Steinbierbrauen, was wir kennen, wo man das ja teilweise aus anderen Motiven gemacht hat, zum Beispiel zum Brandschutz oder so. Das Spannende ist ja auch, dass man damit ja sogar die Temperatur in gewisser Weise steuern kann, weil man ja Erfahrungswerte hat, wenn ich jetzt meine Trog habe und ich habe so viel Flüssigkeit da drin, dann gebe ich einen Stein rein, dann passiert das, dann gebe ich noch einen rein, dann passiert das und wieder einen und so. Das heißt also, man kann zu dieser Zeit sogar schon die Temperatur in gewisser Weise regulieren. Das finde ich auch eine sehr spannende und interessante Geschichte, weil das ja vielleicht sogar ein bisschen besser geht als später, wenn man mit reinem Holzfeuer arbeitet, wo ich ja immer eine gewisse Spanne habe, wie heiß oder wie nicht heiß das eben wird und wann die Temperatur sich jeweils auswirkt. Also das finde ich auch einen total spannenden Aspekt. Jetzt haben Sie grade gesagt, man kann Bier herstellen aus vermälzten Getreide. Das ist klar, weil wir dann die Enzyme haben, die die Stärke umwandeln können in Zucker. Bei unvermälzten Getreide kenne ich das bisher aus der Forschung so, dass das dann zum Beispiel Reis war oder Maniok oder so, den die Menschen gekaut haben und wieder ausgespuckt haben und dann die Enzyme praktisch aus dem Speichel die Verzuckerung gemacht haben. War das dann da auch so oder gab es da noch andere Möglichkeiten?

Laura Dietrich: Ja, also, genau, was Sie auch gesagt haben, es geht auch so, nur halt nicht mit Malz sondern mit Einkorn. Aber das haben wir experimentell noch nicht ausprobiert, das haben wir vor. Die Experimente sind für Sommer 2024 geplant, ja. Ich rede gerne von den Ergebnissen, die ich persönlich experimentiert habe. Es gibt ja aber schon, genau, traditionelle Getränke, Biergetränke, die so hergestellt werden mit Hilfe der Amylase. Also man kaut die und damit kann man ja sozusagen auch Fermentation produzieren oder anstiften. Wir haben, wie gesagt, mit Malz experimentiert, zumal Malz auch, ich hatte vorhin die Entdeckung erwähnt, dort ist Malz vermutet worden, ja, die Existenz von Malz. Es ist nicht schwer, Getreide zu vermälzen oder es ist nicht ein so komplizierter Prozess, wie man es sich vorstellen würde. Man würde das solchen Jäger,- Sammlerpopulationen sehr gut zutrauen, die Göbekli Tepe errichtet haben, die die ganze, ja, Cuisine erfunden haben. Die erfunden haben, wie man pulverisierte Nahrungsmittel miteinander vermischt, um verschiedene Geschmackserlebnisse zu erzielen dann. Also es ist im Prinzip nicht schwierig, aber wir haben das nicht direkt nachgewiesen, bis jetzt, ja. Wir haben dennoch vermälzte Getreide benutzt und, ja, wie Sie auch gesagt haben, was ja auch richtig, stimmt, man kann das Maisen mit Hilfe der Hitzesteine sehr, sehr gut kontrollieren auch, was essentiell in der Produktion von Bier ist, in dem man entweder einen Stein rausnimmt oder einen Stein mehr rein macht. Man kann ab und zu die Temperatur des Wassers probieren, mit dem Finger probieren. Das bedarf einer gewissen Erfahrung, die aber nicht schwer zu erreichen war bestimmt. Und man kann auch, soweit ich weiß, hat man traditioneller Weise auch die Temperatur des Wassers durch Spiegelung kontrolliert. Also eine bestimmte Art und Weise, wie man sich das Gesicht da verspiegelt hat, das kann man ja auch machen. Aber im Prinzip ist das sehr leicht, die Temperatur für anderthalb Stunden, zwei Stunden zu kontrollieren, mit Hitzesteinen zu kontrollieren. Dann kann man ja alle Hitzesteine rausnehmen und auch mit dem Läutern beginnen, was wir auch gemacht haben. Wir haben zwei Experimente durchgeführt. Eines, in dem wir die Würze getrennt zuerst in ein Steingefäß eingefüllt haben und Hefe dazu gemacht haben, moderne Hefe dazu gemacht haben und eines, in dem wir die Würze in dem Steintrog, wir haben einen Steintrog, ein Replikat nachgemacht, der so ähnlich ist wie in Göbekli Tepe, aber ein bisschen kleiner. Aber es gibt ja auch durchaus diese großen da, 30 Liter Kapazität, die die Großen in Göbekli Tepe erreichen, in diesem Bereich von 30 Liter bis zu 160 Liter. Also das ist eher ein kleineres Exemplar, aber es kommt im Original davon vor. Und wir haben auch die Würze gelassen und das Gefäß mit einem Leinentuch und Erde bedeckt zur Fermentation einmal, ohne das wir Hefe zusätzlich dazu gemacht haben. Wir haben aber verschiedene Blätter, verschiedene Äste mit Blättern darein getupft, weil Hefe im Prinzip überall vorhanden ist, auf allen Obstbäumen. Es war ja auch nicht schwer dazuzukommen, dass das Bier so entstehen kann, für einen prähistorischen Menschen. Unser Produkt hatte 2% Alkohol, das haben wir nachgemessen auch. Es ist leicht rauchig im Geschmack, auch nicht schlecht.

Markus Raupach: Ja, das klingt doch auf jeden Fall sehr gut. Und für mich als Bamberger sowieso, weil wir ja das Rauchbier bei uns quasi als Hausbier haben. Und es ist ja auch zum Beispiel bekannt, dass durch diese Steine dann natürlich Zucker karamellisiert und ich da drüber natürlich auch nochmal Maillard-Reaktionsaromen habe und eben den Karamellzucker habe und auch eine gewisse Süße eben in dem Getränk. Und wenn Sie überhaupt beschreiben, also wie hat das geschmeckt, also wenn Sie sich daran erinnern, wenn Sie das versuchen, jemand nahezubringen, ist das ein angenehmes Getränk, ja, war das eher süß oder eher säuerlich oder beides, ja, können Sie dazu noch was sagen?

Laura Dietrich: Ja, also ich denke, ich bin als moderner Mensch auf jeden Fall voreingenommen. Geschmack entsteht in der Kindheit auch und unser Geschmack ist sozialisierend natürlich. Also ich kann jetzt nicht bestimmen, wie das prähistorisch geschmeckt hat. Mir hat das gut geschmeckt, es ist, wie gesagt, rauchig, aber mir schmecken rauchige Sachen eh. Und ich bin begeistert von dem Experiment gewesen und das es gelungen ist. Und ich bin begeistert von dem Thema und das beeinflusst natürlich meinen Geschmack auch, mein Geschmackserlebnis gewissermaßen, also ich bin da subjektiv. Wir werden auf jeden Fall nächstes Jahr, 2024, das Experiment nachmachen und Sie sind gerne eingeladen, wenn Sie das probieren wollen. Ich denke, Sie als Bierkenner werden das sehr gut beschreiben können.

Markus Raupach: Also da bin ich auf jeden Fall sehr, sehr gerne dabei, geben Sie mir einfach Bescheid, das wird gemacht, versprochen. Ich bringe auch ein bisschen Rauchbier aus Bamberg mit, dann haben wir noch eine andere Möglichkeit, etwas zu verkosten. Ja, Sie haben das ja alles selbst dann eben nachgebraut, gab es denn einen Unterschied zwischen dem Bier mit der Hefe, die Sie zugegeben haben und dem Bier mit der wilden Hefe?

Laura Dietrich: Ich denke, ich kann mich daran erinnern, dass die Wildhefe ein bisschen fruchtiger so geschmeckt hat. Aber, wie gesagt, das ist alles ein bisschen nach Empfindung auch. Aber sonst, so vom Alkoholgehalt her nicht und dominant ist auf jeden Fall der Rauchgeschmack.

Markus Raupach: Okay, gut. Also zwei Fragen habe ich noch, dann sind wir auch fertig, ich will Sie ja gar nicht zu lange hier aufhalten. Also eine Frage noch, wir haben ja schon drüber gesprochen, das Bier war ja eher dann auch ein kultisches Getränk, ein bewusst hergestelltes Getränk für Fete, für Feierlichkeiten. Gibt es trotzdem einen Zeitpunkt, wo Bier dann zum Alltagsgetränk wird, also wie wir es zum Beispiel in Ägypten kennen, dass das ein normaler Bestandteil der Nahrung war? Gibt es da irgendwie Funde, ab wann man das sagen kann?

Laura Dietrich: Das ist eine sehr gute Frage und es ist auch eine Frage, die ich mir jetzt selbst in meiner Forschung stelle auch. Also die Entwicklung ist eher kompliziert, wie auch die Menschheit ist, die entwickelt sich sehr kompliziert, die Beschreibung vom frühen Bier zum Brot. Denn es ist so, dass nachdem diese Revolution der Cuisine, der Küche, des Geschmacks, der Ernährung in akeramischen Neolithiken stattfindet, im Bezug, im konkreten Bezug auf diese Monumentalstädte, auf Versammlungen, Feste, Feiern, Kult, die Entwicklung eher 3000 Jahre später in Richtung der Brotherstellung läuft. Überraschender Weise setzt sich das Brot als Produkt 3000 Jahre später. Und das Brot als Produkt wird auch im Zuge der Neolithisierung, der neolithischen Migration, mit nach Europa transportiert. Und die Geräte, die, ja, Reibsteingeräte, die wir ganz konkret in Bezug auf Brotproduktion sozusagen einordnen können, die tauchen als Erstes auch dort also im Bereich der heutigen Südost-Türkei, Nord-Syrien auf, relevante auch, die tauchen da das erste Mal um 7000. Die werden dominant im Befund und werden langsam auf die anatolische Küste nach West-Anatolien, dann in den Balkan, dann in Zentraleuropa, mitgebracht. Also wir wissen, was von den neolithischen Migranten wird, ist Brot, das haben wir im archäologischen Bild, so. Der Nachweis von Bier, gibt es auch, ja, auch im eher 6. Jahrtausend vor Christus in Europa. Wir wissen aber nicht, zu welchem Maß, die Forschung ist sozusagen am Anfang, ja. Also die Entwicklung ist sehr sprunghaft so von dem frühesten Bier in Südost-Asien zu dem frühen Bier in Europa. Was nicht heißt, dass es nicht existiert hat, das heißt nur, wir wissen ja noch nicht so genau, zu welchem Maß das produziert wurde und ob diese beiden Phänomene direkt verbunden sind, ja, das entwickelt sich ja auch später im Neolithikum Mittel-Europas.

Markus Raupach: Ja, weil man ja auch dann später aus Brot oder zum Teil aus Brot auch Bier hergestellt hat. Und ich kann mir vorstellen, der Vorteil von Brot ist natürlich, man kann es wesentlich leichter aufheben und wesentlich leichter transportieren als ein fertiges Bier. Das ist auch ein Punkt, der dazu beigetragen hat, jetzt mal aus meiner Laiensicht heraus. Letzte Frage, was mich noch interessieren würde, es wird ja immer wieder auch kritisch angemerkt, dass man zwar immer wieder spricht vom Bierbrauen in Göbekli Tepe zum Beispiel, aber das es keinen 100-prozentigen Beweis gibt. Jetzt habe ich ja viele Artikel von Ihnen auch gelesen, da fällt unter anderem das Stichwort Oxalat. Jetzt wollte ich einfach mal fragen, was kann man denn diesen Leuten sagen, also gibt es sichere Nachweise, dass es Bier gegeben hat oder ist es aktuell eher noch eine Annahme?

Laura Dietrich: Also in der Wissenschaft und vor allem der archäologischen Wissenschaft gibt es sehr selten eindeutige Beweise. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass man in Göbekli Tepe Getreide zu Breien und oder zu Bieren erhitzt und zubereitet hat, das ist sehr wahrscheinlich, ja. Also es ist sehr wahrscheinlich, dass die ganzen Reibsteine nicht zur Produktion von Brot benutzt wurden, es ist sehr wahrscheinlich, dass die Steintröge nicht als Vorratskessel für Getreide benutzt wurden. Es ist sehr wahrscheinlich, es ist sicher, dass dort Getreide erhitzt wurde und zu verschiedenen Mahlzeiten nicht nur aus Getreide, wie ich ja vorhin erwähnte auch, aus Kräutern, die man durchaus auch in einem Brauprozess benutzte, Beifuß, Wermutkraut, aber auch Senf, aber auch andere pflanzliche Zutaten, ja, zugegeben hat. Es ist nicht sicher, dass das ganze fermentiert hat. Das können wir bis jetzt nicht nachweisen, das ist ja unmöglich. Es gibt ja bis jetzt kein archäologisches Verfahren, durch das man Fermentation nachweist, das ist der einzige Unterschied. Deswegen sagen wir hier vorsichtig, man hat Brei oder Bier zubereitet. Die ähnlichen Schritte, ja, bei dem ähnliche Schritte durchlaufen werden müssen, also ähnliche Schritte, ähnliche Kochschritte sozusagen beinhalten, ja. Es ist nicht 100-prozentig sicher, dass man dort Bier hatte, aber die Nachweise vermehren sich auch. Wir haben ein Beispiel, das ist ja noch früher und wir haben sehr viel kontextuelle Evidenz. Das muss man ja auch in Betracht nehmen als Archäologe, Archäologin, ja.

Markus Raupach: Ja, na, das auf jeden Fall. Also ich denke auch, da gibt es ja eben dann auch die Überlieferungen aus den ersten Schriftquellen und so weiter, aus den Geschichten, aus den Sagen, die ja auch schon lange Tradition haben, wo natürlich immer Bier oder Alkohol oder eben beides eine Rolle gespielt haben. Ja, vielen Dank, also das war ein ganz, ganz spannender Einblick in Ihre Arbeit. Vielleicht abschließend noch, wenn jemand jetzt zum Beispiel Sie einmal besuchen möchte oder Göbekli Tepe besuchen möchte, geht das einfach, kann man bei Ihnen in Wien vorbeischauen oder wie läuft das? Und wie kann man die Stellen in der Türkei beziehungsweise in Syrien anschauen, geht das?

Laura Dietrich: Ja, also zu Besuch in Göbekli Tepe würde ich auf jeden Fall raten, das ist ja sehr leicht geworden oder es ist jetzt sehr touristisch orientiert alles. Man kann ja via Istanbul nach Sanliurfa fliegen und dort gibt es sehr viel Organisation, heimische Organisation zum Besuch der Fundstätte und es werden Touren angeboten, nicht nur zu Göbekli Tepe, sondern auch zu den anderen T-Pfeiler-Städten wie Karahan Tepe und so weiter. Und 2007, als ich dort angefangen habe zu arbeiten, war das alles nicht, es ist ein riesen Fortschritt. Und ich würde auf jeden Fall die Gelegenheit nutzen, erst vielleicht nächstes Jahr, nachdem die Folgen des Erdbebens vorbei sind hoffentlich, würde ich die Städte in jeden Fall besuchen. Bei mir, man kann meine Arbeit, meine experimentelle Arbeit in jedem Fall im Museum Asparn, neben Wien, nachschauen. Dort habe ich eine Experimentalreihe mit meinen Studierenden, ich bin angefangen und wir werden die auch fortführen. Es gibt einen Tag der offenen Tür immer Ende Juni, Anfang Juli, da ist Publikum sehr gern eingeladen. Und nächstes Jahr wollen wir ein drittes Experiment zum Bierbrauen zu Göbekli Tepe machen und wir wollen zudem ganz große T-Pfeiler-Schnitten mit Hilfe von Steinballen. Das wird ja vielleicht für einige sehr spannend sein und man kann ja Bier kosten, wenn man möchte.

Markus Raupach: Ja, wunderbar, also vielen, vielen Dank, das wird spannend, das klingt toll also! Und ich werde es schon mal fest in meinem Kalender einplanen, freue mich dann schon, dieses Bier auch zu probieren. Und Sie haben auf jeden Fall ganz viel, ja, Lust gemacht und ganz viel Interesse geweckt und auch ein bisschen was, ich glaube, von Ihrer Begeisterung und von Ihrem, ja, von der Bedeutung, die die Kultur einfach damals schon hatte, wie weit Menschen damals schon entwickelt waren. Wir haben da immer so die Flintstones im Kopf, aber das ist einfach ganz anders. Und ich finde das ganz faszinierend und hat mir auch ein bisschen Gänsehaut bereit eben, wenn wir so die alten Kulturen wieder aufleben lassen und sehen, wie weit die schon waren und an was die alles schon gedacht haben. Also vielen, vielen Dank nochmal von meiner Seite für Ihre Arbeit und für die Zeit natürlich jetzt hier und gerne auch für ein weiteres Mal, wenn wir dann die nächsten Forschungen begleiten und vielleicht noch ein bisschen tiefer einsteigen.

Laura Dietrich: Vielen, vielen Dank für die Einladung, es hat mir sehr viel Spaß gemacht und sehr viel Freude gemacht, meine Überlegungen hier auch und meine Forschung vorstellen zu dürfen. Und ich wollte nur mal anschließend sagen, man soll den Erbauern von Göbekli Tepe die Herstellung von Bier ruhig zutrauen, diese Raffinesse zutrauen auch und nicht aus der reinen Perspektive des modernen Menschen auf die Vergangenheit schauen. Denn Göbekli Tepe und auch die anderen T-Pfeiler-Städte, die haben unser Paradigma zwar archäologisch völlig verändert zur Vergangenheit.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk English 29 – Talk with Ferry Wijnhoven, International Beer Judge and Beer Sommelier from Arnhem, Netherlands

Ferry Wijnhoven’s beer life began in typical Dutch fashion, with a Heineken. He could even see the brewery on his daily commutes. But he gradually discovered the new variety of beer in the Netherlands, where there are now almost 1,000 breweries. He also expressed his enthusiasm on social media, until his relatives cut him off as a friend because all they could see on their timeline was beer. That was the reason why Ferry eventually started his own Facebook group, which grew from 20 members to almost 17,000 in no time and is now the largest beer community in the country. In BierTalk, we talk about this fascinating story and the people behind it…

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

Zusammenfassung auf Deutsch:

Ferry Wijnhoven, ein internationaler Biersommelier und Bierjuror aus Arnhem, Niederlande, begann sein Bierleben typisch niederländisch mit Heineken und gründete später die größte Bier-Community in den Niederlanden, Beer Geeks, mit fast 17.000 Mitgliedern. Seine erste Biererfahrung machte er mit 15 oder 16 Jahren und entdeckte später die Vielfalt der niederländischen Biere. Heute hat die Niederlande fast 1.000 Brauereien. Wijnhoven arbeitet hauptberuflich als Pflanzenbiotechnologe und widmet seine Freizeit der Bierwelt. Er hat eine Familie und versucht, Beruf, Hobby und Familienleben zu vereinbaren.

Die niederländische Bierszene hat sich in den letzten zehn Jahren stark verändert, mit einem Anstieg von etwa 200 auf 941 Brauereien. Wijnhoven sieht die US-amerikanische Bierszene als großen Einfluss für die Niederlande, obwohl diese auch enge Beziehungen zu belgischen und deutschen Brauern hat. In bestimmten Regionen der Niederlande findet man Bierstile, die von den Nachbarländern beeinflusst sind.

Wijnhoven hat die Beer Geeks-Gruppe 2013 gegründet, als seine Verwandten ihn wegen seiner vielen Bierposts auf Facebook nicht mehr verfolgen wollten. Die Gruppe wuchs schnell und ist nun eine Bewegung, die Bierfestivals besucht, Bierverkostungen veranstaltet und jährliche Wohltätigkeitsaktionen durchführt, darunter die Spendenaktion „Beer Geeks Beat ALS“ zur Unterstützung der ALS-Stiftung. Insgesamt wurden über 300.000 Euro für die Stiftung gesammelt.

Wijnhoven hat auch sein eigenes Unternehmen, The Beer Enthusiast, gegründet, wo er Bierverkostungen und Beratungen anbietet. Die Firma ermöglicht ihm, seine Leidenschaft für Bier zu teilen. Er veranstaltet auch „Bottle Share“-Events, bei denen Bierliebhaber zusammenkommen, um seltene und interessante Biere zu teilen und zu genießen.

 

Interviewtext:

Markus Raupach: Hello and welcome to another episode of our podcast BierTalk. Today we explore a neighbouring country of Germany, we go to the Netherlands, and visit a dear friend of mine and a great beer enthusiast, Ferry Wijnhoven. So I’m very happy to have you here, Ferry. Maybe you introduce yourself a little bit to our listeners.

Ferry Wijnhoven: Yes. Well, thank you for having me, Markus. Yes well, my name is Ferry Wijnhoven and I’m the founder of one of the largest beer communities in the Netherlands called Beer Geeks. It’s a Facebook group I started about ten years ago and well, I rolled into the beer scene with that group.

Markus Raupach: Yes. And that’s a fantastic story. But maybe first we talk about you and yourself and the topic of beer. So when did you start with beer? And do you remember your first beer maybe?

Ferry Wijnhoven: Oh, remember my first beer. That’s a difficult one. Well, I started drinking beer when I was at the age of 15, 16, I think, or probably 15, just with some friends drinking the local Pils in as large amounts as we could possibly do. So we went to parties and drank a lot of beers. So I grew up in the countryside of the Netherlands, where there were these big tent parties where you could drink lots of lots of local Pils. I grew up to a village next to the Heineken factory. So for me, it was always drinking Heineken. But later on in life, I started discovering more beers than Pils alone. And then that’s where my real beer journey started, I would say.

Markus Raupach: Would you also say that the whole beer scene in the Netherlands changed in this time? So changing from pure Pilsner country to something with a huge diversity?

Ferry Wijnhoven: Yes, for sure. I think like many other countries, so we have the craft beer revolution going on for well, let’s say over a decade now. I think the beer scene in the Netherlands has changed very, very much. When I first started Beer Geeks in 2013 there were not so many breweries around at that time, like maybe 200 or so. The Netherlands now has 941 breweries as of today and they’re all making all kinds of different beers. So of course, Pilsner is still the beer style which is being drunk the most, and is recognized the most by most people. But nowadays, it’s really normal to go into supermarkets and see a whole range of beer styles like IPAs, barley wines, Saisons. Also in cafes and in bars, it’s really normal to see an IPA on draft or really nice Saison. So yes, the beer scene has changed very, very much since the last, or at least the last decade.

Markus Raupach: Yes. And there are people who say that maybe the Dutch beer scene is the one in Europe which is most influenced by the American beer scene. Maybe because there was not really a original Dutch beer culture before. Would you agree with that?

Ferry Wijnhoven: Yes, yes, of course. I’ve also heard this. Yes, I think there’s a sense of truth in there. So we, unlike Belgium or Germany, we kind of lack the typical local beer scene, at least for the last 100 years or so. So yes, when we started looking at other countries and started experimenting, I think the United States was one of the most influential countries for us. And we took a look at that and tried to copy it, tried to learn from it. So yes, it I tend to agree.

Markus Raupach: And is there also a close relationship between Dutch and American brewers or also between Dutch and Belgian, or German or Danish or whatever?

Ferry Wijnhoven: Yes, that I’m not really sure of. So of course, we have a lot of close relations with the Belgium brewers in the brewing scene and the German brewing scene because it’s our neighbouring countries. Americans also I know, have, like a big collaboration between some breweries in Portland and a couple of breweries in Utrecht. And it was like, also like ten years ago, when they exchanged ideas and they exchanged beers and made collaboration brews. So there is something going on there for sure. But probably less than I would say, Belgium and Germany.

Markus Raupach: And would you say the Netherlands is just one beer country? Or are there also regional things in one part of the country and in other ones?

Ferry Wijnhoven: Overall, I would say it’s like one beer country. But if you look closely then you can see some local influences. But it’s mainly also when you look at neighbouring countries, for instance, at the German border of the Netherlands, that region, that area, it’s more common to drink more German beer styles than for instance, the Belgian beer styles. We look at Brabant which is closer to Belgium, it’s quite normal to see a lot of Belgian influences there. Also, the Dutch breweries are in the southern part of the Netherlands brewing more Belgian-style beers and breweries close to the German border are making more German-style beers, like an Altbier or a Kölsch-like. So yes. But overall, I would say we have like one big beer scene with some minor differences between regions.

Markus Raupach: And almost one thousand breweries. So that’s really a huge amount. And a lot of breweries even more than, for example, Belgium, and two-thirds of German. So it’s really a big number. And if you think of yourself when you started into your working career, did you ever think of doing something with beer? Or what do you do for a living?

Ferry Wijnhoven: Yes, well, I haven’t mentioned this yet, but I’m not working in beer. So all my spare time and I mean, all my spare time is going into beer. So I’m doing more with beer than with my day job. My day job is actually I studied plant biotechnology. So I’m a plant biotechnologist and I am working in Wageningen, the city of Wageningen, in a plant biotechnology laboratory. So I would have never guessed a few decades ago that I would be so much into beer and that it would consume so much of my time. But I can now say I like a well-established balance between my day job as a plant biotechnologist and my hobby, my passion, which is beer.

Markus Raupach: And there’s also some family as far as I know, isn’t it?

Ferry Wijnhoven: Yes, with me. Yes. I have a wife and two beautiful children. Yes. And I’m also trying to combine that.

Markus Raupach: Not easy, I think.

Ferry Wijnhoven: No, it’s not easy. No, you should ask my wife. No.

Markus Raupach: I won’t. Okay.

Ferry Wijnhoven: No, it’s not easy. I’m trying to also visit as much like beer festivals and beer tastings as I can as possible because I always want to learn more. So I’m also doing a little bit of beer study on the side. So keeping the balance and keeping all the balls in the air, that’s sometimes a difficult task which is not always working out. But most of the time, it’s doable.

Markus Raupach: Do you also homebrew?

Ferry Wijnhoven: No, no. To be honest, no. I did a couple of times. I don’t own any homebrew equipment. So I’ve done it a couple of times with some friends who do own homebrew equipment, which I think is really nice to do. Also brewed a couple of beers professionally with professional brewers. But you know, you should do what you’re really good at. And to be honest, I’m great at tasting beer, describing beer, giving my passion about beer to others, enthusiasing in other people about beer. Brewing beer is not my cup of tea. You should leave that to the people who are really talented for that.

Markus Raupach: Yes, exactly the same for me. It’s good to do it like that. Yes. And then you started with this Beer Geeks group. So it’s in October 19, 2013. So do you remember that day? And what did you think when you pushed the button and say, okay, now it’s a Facebook group?

Ferry Wijnhoven: Yes, of course, I can still remember it vividly. Actually, is because of my aunts, actually, that this big Facebook group exists. At the time, it was 2013. There was a television show on the Dutch television, but it was actually a Flemish television show. It was called, it was a great show with a couple of old guys in an old van going to the countryside of Belgium, just visiting one brewery after the other. They got tourists and they got a tasting. And that was a really great show to watch. So I was watching that with my wife I think like every Friday evening or so. We were buying beers at the supermarket, Belgian beers and enjoying the show with a couple of beers. And I started finding out more and more about beer which I really liked and loved. And I thought I would just put it on my Facebook timeline. Just I thought everyone would love the journey I was taking, let’s put it like that. So for a couple of weeks, I was just exploring all of the Belgian beers which I could find putting it on my Facebook and really getting more and more into beer. And then I remember I got a phone call from my mother. She was saying, well, son, you’re really into beer right now. And you’re posting so much about beer. And I thought, yes, it’s really nice, right, that I’m taking all of you on a beer journey. I thought people would really want to see that. My mother responded, like, yes, I like that. But your aunt’s don’t really like that anymore because they only see beer on their timeline because of you. And they defriended you.

Markus Raupach: Oh, and they thought you’re an alcoholic now.

Ferry Wijnhoven: So I thought, well, that’s not an option. That’s not the way I want it to be. I just want to take some people along on my beer journey. So then I thought how to remedy this. And then I just thought about like having a closed group, on Facebook you can start a group and you can close it for the others. So I just thought I’d invite some friends, which were also enjoying the show, also enjoying some beer, taking the same journey as me. So I just thought I invite some friends and we could talk about beer in a closed setting, close surrounding. So that’s what I did. I talked to some friends, I can remember it really well. I was at the friend’s birthday party on a Friday evening or so and then was discussing this with them. And they said, well, you should do it. Just start the group. And then the next morning, I started the group, invited those people. But then yes, of course, it was very much fun. We were talking about beer. But in a few weeks already, people started to invite other people as well, which was really nice. But then like the ball started rolling, then I started with about 20 people, I think, and after a few weeks, it was already like 200. And after a few months, it was almost 1000. So this ball started rolling and couldn’t be stopped. And now we’re I think at almost 17,000 members.

Markus Raupach: Yes, I was just looking today. It’s 16,902.

Ferry Wijnhoven: Yes, yes.

Markus Raupach: So we record today, I just have to mention the date for the people, it’s July 16. So very interesting. Maybe when you listen to the podcasts, you’re already close to 20,000. I don’t know.

Ferry Wijnhoven: Yes, yes, yes.

Markus Raupach: That’s really a huge number and it’s also hard to overlook all this. And so it really, it’s now a movement we could say.

Ferry Wijnhoven: Yes, yes, yes, for sure. Yes, it is, it is hard to overlook. So like I said, I started this on my own. And but at a certain point, it was just too much for me to check every post and to like every post and to see if everyone was well behaving, etc. So I asked a few people who were really active in the group to be my administrators. So at this moment, we have four administrators, including myself to oversee everything and see if everything goes well, the way it should in a group of this size. And it’s going really well. And you say movement, I would say yes, it is a movement. So we visit each other, we look each other up at beer festivals, we host beer tastings, we do walks, city walks. So we organize city walks where we walk for a kilometre of 10 to 15, while visiting three or four breweries. We do all kinds of stuff. We have a yearly charity event where we raise money for the ALS Foundation, which we do for the last five years now. So yes, it’s really, it is a movement and I’m really proud to be the founder of that, let’s say.

Markus Raupach: Yes, fantastic. And I think it’s awesome. It must be an overwhelming feeling if you know, it’s now almost 20,000 people more or less following you on this track. And yes, is it mostly Dutch? Or is it also international?

Ferry Wijnhoven: Well, it is international. But I have to be honest, it’s like 80% Dutch, I would say. I can check the statistics. But I don’t have them right now. But I think it’s like 80% Dutch, and then we have like 10% Belgium, and then the other 10% is scattered all over the world. So we have some German people in there, but also people from Norway, also from the United States, Canada, Mexico, but it’s mainly Dutch, and also the language we post in is mainly Dutch. But of course, if every now and then someone posts in English, people will respond in English and that’s also perfectly fine.

Markus Raupach: Yes, and we will put, of course, the link in the show notes so that people can join the group. And of course, it’s a great source of information also, if people want to travel to the Netherlands, for example, and find breweries and find information and guides and whatever. So that’s a fantastic thing. So I’m also a member because of that.

Ferry Wijnhoven: Very good. Yes, we have one great example for this and it’s called the Beer Geeks World Domination. So we created a map, a Google Maps map, where we pinpoint the interesting beer spots in the world. Because we are with well, let’s say 20,000 members, and we travel a lot. And we would like to have the experiences being caught in like a map, where we can see the experiences from the people from the group. So not a paid review or whatever. But really the reviews from people from the Beer Geeks community. So what we now have is the Beer Geeks World Domination map, where you can overlay it onto Google Maps and you can see every interesting beer spot in the world with a short description of someone from the Beer Geeks community, the Beer Geeks Facebook group. This is like one of the examples of what we can do as a group, and what advantage we can have. So there is no paid reviews, you can just check it out and see what other members from this group thought of that spot if they would recommend it or not and why.

Markus Raupach: Yes, and the name is great, the World Domination Map.

Ferry Wijnhoven: Yes, it’s also someone’s invention, it’s great. You can just check it out. It’s a website. So BeerGeeksWorldDomination.nl and then you can overlay it onto your own Google Maps.

Markus Raupach: Perfect. So I also will put that in the show notes. Fantastic. And it was already a question I wrote down because I found this a fantastic topic. So perfect. Yes, and you also mentioned the ALS movement. That’s also something I think it’s very interesting, also very important. And just for the listeners, it’s a disease. It’s called amyotrophic lateral sclerosis. And maybe the most famous victim was Stephen Hawking. And we had the, I think the first public awareness was the Ice Bucket Challenge in 2014. So and how did it come that you support this movement?

Ferry Wijnhoven: Well, that’s because was one of our members from the very early days, so end of 2013, he was diagnosed with ALS. So he was like one of the members that was below the 100 when he entered the group. So he was a really early adapter member and he was diagnosed with ALS. He was called Oscar Wagner. He was a great guy, he was a guy with his heart in the right place, but never afraid to put you in your place. Let’s put it like that. So he would really like, in Dutch, we would say, Dutch, meaning he could shout a lot, but his heart is in the right place. Really an active member as well. So he joined us and he already was diagnosed with ALS at that point. And ALS is a very aggressive disease. So you can see very clearly what’s happening to a person because they lose all of their functions except the brain still remains intact. But the body loses its functions. So you could see really actively what was going on with Oscar. And also, of course, we met him a few times at beer festivals, etc. And every time we met him, again, you could see that the disease was progressing and was getting worse. And he of course also knew that. And that made quite an impact to a lot of people in the group because he was a very active member, he was a very loved member. And in 2015, he decided that it was enough. So he was really at the end. So in 2015, he ended it and like I said, that made a huge impact to all of the members of the group. And we got really aware of what the disease ALS is and what it can be and what it looks like.

So when our Facebook group was five years old, so that was in 2018, one of the members just shouted something in the group saying, okay, which brewery is going to brew like a birthday beer for this Facebook group, because we are always reviewing beers from breweries. And you have to be aware that all of the Dutch brewers are also in this Facebook group. So they read everything. So one of the members just said, well, who of the Dutch brewers is going to brew like a birthday beer because we exist for five years now? And it was Ronald from VandeStreek, from VandeStreek Bier in Utrecht, who said, well, I’m willing to do that. I’m up for the challenge. And I would love to brew a beer for this Facebook group. But he just immediately said, if I do that, let’s put a charity event next to it. Let’s sell the beer and from the profits, we donate to a charity. And then the question was which charity? And for us, that was immediately clear. Okay, there is only one charity we could think of at that moment, and that’s because of Oscar Wagner, and that’s the ALS Foundation. So that’s how this whole Beer Geeks Beat ALS because that’s how we call it, Beer Geeks Beat ALS. That’s how this whole movement started because of the five years birthday of our Facebook group. And that year, Ronald from VandeStreek, myself and the one who initiated the idea, Marcel we started this movement and we decided to brew a beer. And the idea was just to brew a beer and have the profits be donated to the ALS Foundation. But then more and more brewers they reacted, responded to this idea, like, can I help or what can I do? So then we decided, okay, let’s brew a beer with as many Dutch breweries as we can find. Let’s make one big collab out of it. And in the end, we brewed a beer called Body and Soul with 57 Dutch breweries, which was really nice establishment and a great day. A bit chaotic brewing beer with 57 breweries all at once.

Markus Raupach: So they were all together in one place.

Ferry Wijnhoven: Yes, yes. We were at, from VandeStreek Bier in Utrecht and all 57 brewers were present were present. Of course, we’re not brewing 57 all in one kettle. So the VandeStreek crew were brewing the beer. But I of course, also helped with adding the hops and someone else helped with malting, and someone else helped with cleaning the kettles. But we were all present and had a great day. We ended with a barbecue and lots of beers, of course. And that in the end became the beer Body and Soul. It was the first beer we brewed for the Beer Geeks Beat ALS movement. And besides that beer, all of the members of the Facebook group also started asking what can we do. So you were brewing beers, but what can we do? And then all of a sudden, there were all of these auctions where people auctioned off their limited or vintage beers from their cellars, just to have the money donated to this ALS Foundation. So that was great to see. That was really heartwarming to see like, what the community can also do besides beer. So we all gathered for this one challenge, of what is one task. And in the end, that first year, we donated 44,000 euros to the ALS Foundation, which was overwhelming and way more than we expected actually. So that’s how this whole ALS stuff started.

Markus Raupach: Yes, and it’s still active till today. So I read in the last four years, you had another 300,000 euros for this case.

Ferry Wijnhoven: Yes.

Markus Raupach: So that’s really a lot of money. And what is the reaction of the ALS society?

Ferry Wijnhoven: Yes, they’re very, very pleased, of course. So like you said, we now did it four times, four years, and we collected a little below 300,000 euros in total. So they are of course, very, very welcoming, and very happy and very pleased with our Beer Geeks Beat ALS movement. And also the people from the ALS Foundation are closely involved and also closely related to our cause. And well we talk to each other a lot about what we as Beer Geeks Beat ALS need and what they can provide. So it’s a close collaboration between the Beer Geeks community and the ALS Foundation at the moment.

Markus Raupach: Yes, another very good example of what the beer community can do also in terms of good stuff for the whole society. And it’s also very impressive for me to see that all these Dutch brewers are also in the group. And so this is really a very important platform for exchange. And also good communication between customers and brewers on a much bigger scale than normal when they have their bubble, this is a huge, bigger thing. So I think that’s very good for the brewers too.

Ferry Wijnhoven: Yes, for sure. So the link between consumer and brewer within this Beer Geeks community is really tight and it’s really close. Because someone could say, well, I have this beer from brewery x from the Netherlands and it contains an infection for instance. It’s off. It’s not the way it should be. Well, usually the brewer like immediately can react to it or gets tagged and then he or she can respond to it. So like troubles like this or problems with the beers or with the distribution, it can be dealt with really fast because of this community. Because we are all there, the distributors are also present in the group and beer stores owners are also in the group and the brewers are in the group. So everyone within the beer scene in the Netherlands is in this Beer Geeks community, they can respond real quick to one another and deal with it if there’s something to be dealt with, or maybe ask some more questions like how was the storage conditions or whatever. So it’s like really fast communication between the consumer and either the shop or the brewer, etc.

Markus Raupach: Yes, it’s really an interesting way of communication. We have a similar group here in Franconia. It’s a bit bigger, it has about 40,000 members and there the problem is always to have or to maintain the respect. So because many of these customers just shout out, this is a bad beer, I don’t drink it. I don’t like it. Bad brewery, whatever. Shame on the brewer. And it’s really not easy to calm that down and to explain also to these just normal beer friends that one bottle is just one little spotlight, and does never refer to the whole brewery production, whatever. So that’s the hardest work, I think to keep it all on a level where you have a good and respectful communication amongst each other.

Ferry Wijnhoven: Yes, that’s the same within my group. It’s, especially when the group is growing taller, having more members, that’s the respect towards a brewer or whatever, that’s difficult to maintain. Because you’ve always people just shouting something which they are not really familiar with. And then to explain, like, okay, maybe this is like a one-time thing, or to have one bottle could be off or for instance well, that’s how the beer is supposed to be. But of course, it doesn’t meet your expectations. But that doesn’t mean it’s a bad beer, for instance. That’s difficult to maintain. That’s the hardest part actually of moderating the group.

Markus Raupach: Yes, but still, it’s a great thing. But you also developed further. So we meet regularly in beer competitions all over the world, which is fantastic. We have a lot of fun. And we have a lot of friends international which we share that’s also fantastic. And you also have your own, I don’t know if it’s a company or a project. It’s called the Beer Enthusiast. So what are you doing there? What is the idea? What are you offering? What is the story behind?

Ferry Wijnhoven: Well, nice that you ask. Well, I have my own company. It’s a small company. Like I said, I’m not actively working in beer, but I do have my own beer company. It’s called The Beer Enthusiast. What I do is, so when I became like an international beer sommelier when I graduated, I decided I wanted to do something with it. I’m already hosting beer tastings for the last, I think, eight or nine years. So it was with a friend of mine, he had a small company, small beer company, and we hosted beer tastings. So you could hire us and we would let you taste six beers, including all of the stories on beer, how to brew beer, etc. But my friend, he decided to stop. So he had a lot of stuff going on with his personal life and he said, well, I don’t have time for the beer anymore. So he stopped his company. So it was not my company, he stopped his company. And automatically, I also couldn’t do beer tastings anymore because we couldn’t be hired anymore. So when I graduated as a beer sommelier, I decided, well, I want to pick it up again. I want to do beer tastings. I want to do maybe give some advice to the Heureka or to the hospitality industry, or stuff like that. So I started my own company called The Beer Enthusiast and what I’m doing right now, I’m doing a lot of beer tastings. So I get hired by, for instance, a beer store or a cafe, or a group of friends who just would love to have a great evening, and explore what the beer scene is about. Could be that people are really into beer, and they want to see what else is out there. Could be that people just are getting into beer and then I can really surprise them with some flavours. So that’s what I’m doing with The Beer Enthusiast at this moment. So a lot of beer tastings all over the Netherlands. So I went from last couple of weeks, last three weeks, had six beer tastings. One in Rotterdam, one in Wageningen, Utrecht, in well, a lot of places in the Netherlands and then I just provide people with a great evening and show them what the beer scene can be like and what beer can taste like. I also make some snacks to go along with that to see how does a certain flavour influence your tasting of beer, etc. I talk a lot about beer, the brewing process, beer styles. So that’s mainly my focus right now with The Beer Enthusiast. And it’s just because I really love talking about beer. I have a lot of great passion for beer. I’m excited about beer. I’m really enthusiastic about beer. And I want to take people along. And that’s what I do with my small company.

Markus Raupach: Yes and it’s fantastic. I also love to do that. And what I also experienced when I was in the Netherlands, that you have a fantastic train system. So you can easily go from every place to the other in the whole country. And of course, you have the same problem as in Germany, so you normally should not, and you are not allowed to drive and drink. So how do you do it with your tastings? Do you send the beer there? Or do they already have the beer? Or are you driving there? Or how do you do it?

Ferry Wijnhoven: Depends a little bit which tasting it is. So I also do a lot of tastings for beer stores where we are exploring like what does the store have to offer, then I don’t provide the beer myself. But I together with the owner of the store, we choose six beers from their store, which I think is really great. It’s a great story. But it’s also diverse enough to make a great evening. So then I don’t have to bring the beer. That’s already one advantage. But I almost always drive with my car because I have a lot of stuff to bring. I have my glasses to bring, I have the snacks I need to bring. Usually I have to bring a beamer and a screen. So I’m always driving by car, usually well, like 99% of the time. But of course I’ve always tasted the beer in advance. So I know what the beer tastes like, what are the tasting notes, etc. So during the tasting, I usually also pour a little bit in my glass and I drink along with the people who are having their beer tasting, but I don’t drink as much as they do. They don’t notice or I hope well, my aim is for them to think I’m also joining them. But I’m actually drinking way, way, way less, just a few sips per beer. And I could easily toss it and pour the next one, and just also go ahead with the journey like what do you see about the beer, what can you smell, and then I’m joining them in that part. But I’m not drinking as much as they do. So in the end, I can still in a safe way and a legal way drive my car home. And usually, when I come home, I’m really still a bit high on energy because I’m really enthusiastic and then I’m high in energy. And when I come home, I put my stuff away and sit on the couch and then I take one beer for myself and just sit and relax and enjoy a beer.

Markus Raupach: That’s the professional way and I really appreciate that. And it’s, it really makes so much fun to see how people enjoy that, how they discover new worlds of aromas and the stories behind the beers and the food pairing. And so it’s really great. And I’m a little bit also, yes, thinking back on when I started as a beer sommelier with all these things, and I rarely do it at the moment. But sometimes and that’s always big fun. So great. I’m jealous.

Ferry Wijnhoven: Really, it’s always a pleasure to do it. Once you get the feedback from the people joining, they’re saying we’re having a great evening and we discovered a lot of different flavours. And that’s the most rewarding part for me.

Markus Raupach: Yes, it is. And I found another interesting topic. It’s called Bottle Share Beauty. So what is behind that?

Ferry Wijnhoven: Yes, that’s also a little side project of mine. Bottle Share Beauty. It’s mainly like, it’s a bottle share. I’m doing this already since 2015 or so where I used to trade a lot with some people from the United States. So I would get, for instance, Belgian beers, like Cantillon or whatever. I would trade them for beers from the United States I couldn’t find here. So I was active in that in 2014, 15. Not anymore by the way. But back then, once you have these bottles, these big bottles, you don’t drink it by yourself. They were way too expensive to drink by yourself. Too large. Usually, they’re 75 centilitres with the high ABV. So what I, at one point decided to do was to make a bottle share, to create a bottle share. Meaning I invite all of friends and all people to join me and just take a bottle along. So I’m doing this together with a bar here in Arnhem called Cafe De Beugel. It’s a very great bar, has great beer selection, knowledgeable people behind the bar. I asked them in 2014 or 15 like can I have a bottle share in your cafe? Then I explained what would happen. I say okay, everyone is bringing one bottle with them. We’re opening the bottles. We’re sharing the beers. In that way, a lot of people can drink a lot of different beers which otherwise would be in their cellar for too long. And they first looked at me like, what? People are bringing beer to our bar, opening them and what? Wait, what? But actually, they decided to do it once and see how it goes. And it was great evening. So it’s an open bottle share, meaning everyone can join. There is no ranking or there’s nothing big happening. It’s just people coming together. Everyone who comes brings a bottle of beer they wish to share with other beer enthusiasts, beer geeks. And we just sit at the table. Usually, it’s around 14, 15 people. We just sit at a table. Everyone has their beer on-site and they tell a little bit about why they brought the beer, why they think this beer is great to share, what type of beer it is. And then we open the bottle and we all try it, taste it and have a great time. And then the next person would open their bottle explain a little bit about what is the beer they brought, why did they bring it, what beer is it. Open that one, pour it and then we taste that beer. And in the end, we have a great evening and at the end of the evening, you’ve tasted 10 to 14 different beers. Great beers where you normally could not drink it by yourself. But now you had like 10 to 15 great beers in one evening.

But the most important thing you had a great evening because you’re there with like-minded people, and having a great time, having a great laugh. That’s what I’ve been doing now for well, around 2015 up to now. We did 22 editions already. And all 22 editions were really great. Just great fun. To be honest, I asked one of the contestants lately, like what do you remember about all of these bottle shares? And she came up with great stories, like great stories at that time, we talked with this person. And then I asked her okay, you’re now giving me examples of people you met and the stories of you had the laughs you had, but no real memories about the beers. And then she said, no, it’s true. That’s true. From the past 22 editions, I can really remember the people and the great fun we had and not per se the beer. And that’s actually what I like the most. So it’s about the beer, of course, it’s about beer you want to share with like-minded people. But it’s also about like-minded people coming together and just having a great, great time.

Markus Raupach: Yes, and maybe it shows also that the most important thing is beer brings people together. It starts communication, it’s open, makes new friendships. So that’s really a fantastic idea. Maybe it’s really a good idea and maybe an idea some of our listeners want to maybe copy. But what would be the argument for the Cafe? Because I can understand that the owner says, okay, you bring your own beer, you drink your own beer, and you leave afterwards. So what is their profit of it?

Ferry Wijnhoven: It has actually more profit than you would first of all think of. Because, well, we have this agreement with the bar. Like I said, we did it already 22 times. So we are now used to it. But we made an agreement. A few agreements are those every person joining the bottle share buys two consumptions from the bar. So it could be a beer, but it could also be a Coca-Cola or 7-Up or whatever. But what we see now a lot is that people joining the bottle share, they start earlier, like hour or two earlier, and they come to eat at the bar. So they have their profits from people coming there early, having some bite to eat. But also every person buys two consumptions or maybe it could be some snacks they buy for during the bottle share. So the bar gets some profits from let’s say 10 to 15 people just sitting there all enjoying each other’s bottles, but also enjoying the snacks from the bar or two consumptions from the bar. So that’s one, so they make a profit. But the other one is also the visibility. You have inside your bar you have 10 to 15 beer geeks, which is your target audience. So this bar in Arnhem, they have a great beer selection. And people joining this bottle share they are coming from Rotterdam, they’re coming from Amsterdam, they’re coming from Brabant and next time they’re in Arnhem they know this bar now. They know, oh yes right, Cafe De Beugel has really great beer selection. I was there with a bottle share. Let’s go there for beer. So you have your target audience right there. So that’s really also a great argument. And of course, it’s just also great fun. Also for the bar owners. They tend to like join sometimes taking a sip here and there of which something they were here is up for their interest. So they also have a great time that evening. And we always organize this on a Wednesday evening, meaning it’s a slow evening for the bar. So never on a Friday or Saturday because then the bar is filled with like regular customers. So we always do this on a Wednesday evening when it’s a slow evening for the bar. So they have some profits, they have a great time and they have the right audience right there. But that’s what the bar profit is.

Markus Raupach: Yes. And I think it fills the bar also with a lot of positive energy, I would say.

Ferry Wijnhoven: For sure, for sure.

Markus Raupach: And all these people, they are not only enjoying the evening, they are taking pictures, they are making posts on Facebook and Instagram and all the social media.

Ferry Wijnhoven: It’s good exposure.

Markus Raupach: Yes, that’s a fantastic advertising also for the cafe. So yes, please, listeners, if you want to do that, I really think it’s a great idea. So let us know if you do some things like that. Ferry will be happy to hear.

Ferry Wijnhoven: Yes, exactly. I would really hope it will catch on. It has now catched on in the Netherlands quite well. So Leiden is now every once every two months of bottle sharing in Utrecht. They now are doing bottle shares in Rotterdam. I just saw one. And it’s a great way of having a great evening with like-minded people, drinking beers you would normally not open yourself and just having a great evening.

Markus Raupach: Really fantastic. And that also leads me a little bit to my last question. So first, maybe if people want to discover the Dutch beer scene. So I know it’s hard to recommend, especially beers or specific breweries. But what would be a good way to start if you say people come to, let’s say, Amsterdam or Rotterdam or somewhere and want to have a first look into the Dutch beer culture?

Ferry Wijnhoven: Well, we have great beer cities where you can have a complete day filled with beer and nothing else. Cities like Amsterdam, but also Rotterdam, Haarlem, they have great many, many breweries and many great bars to visit. I would, like I mentioned earlier for sure, check out the Beer Geeks World Domination map if you’re in a city to see which spots are interesting, and why would a Beer Geek recommend this or not. So that’s the first. And just also try to explore not the, how do you say that, the cities which are easily to go to, like Amsterdam, of course. It’s the city that is obvious to visit. But if you’re looking to explore the Dutch beer scene, maybe also take a look at the eastern part of the Netherlands or the northern part, Groningen or Drenthe. They have great breweries and great nature. So that’s also something you can combine. Take a beer bike tour, for instance. Just bike around in Groningen, there are great breweries there. There are great beer spots there. There’s a lot to discover. So my advice is not to focus on things you would assume but also take a look at the not-so-obvious spots in the Netherlands. And I’m happy or me or one of my members are very happy to give you some advice. If you just ask the question, where should I go? Or I’m heading to this city. What are the greatest beer spots? We can give you as much advice as you would like.

Markus Raupach: Or even more.

Ferry Wijnhoven: Or even more, usually more.

Markus Raupach: Yes, fantastic. I also enjoyed Utrecht very much to be there. A fantastic city and I think that’s the most important thing. So just go there, enjoy the cities, enjoy the country, the people, the culture, and of course the beer. So I think there are not many Germans.

Ferry Wijnhoven: Yes, Utrecht is also a very, very great example of a big beer city. You can spend a couple of days only doing beer stuff in Utrecht and not have seen anything touristic in Utrecht. So there’s a lot to explore.

Markus Raupach: Yes, in many ways also, there’s a lot of positive examples in terms of traffic and public transport and all these things. So yes, really, thanks a lot for this insight into the Dutch beer scene and into your work for the Dutch beer scene. And of course, I wish you all the luck for the upcoming events and years and things, and keep on with this ALS project. It’s a fantastic thing. And thanks a lot and thanks a lot for your time.

Ferry Wijnhoven: Yes no problem. Thank you for inviting me. It was great.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk 118 – Interview mit Lukas Arndt, Brauer, Gründer und Geschäftsführer von Liquid Story Brewing in Braunschweig

Die Beziehung zwischen BierTalk und Lukas Arndt begann mit einer Tomatengose, einer echten Wundertüte an Aromen, die die Bierfreunde zugleich überraschte, begeisterte und herausforderte. Dahinter stecken Lukas und seine Freundin Sophia, die in unermüdlicher Arbeit – und im Nebenjob – ihre gesamte Energie und Kreativität in den Aufbau der jungen Marke „Liquid Story“ stecken. Und das mit großem Erfolg und vielen spannenden Bieren. Eines davon ist eine Hommage an Sophia, trägt ihren Namen und hat unter anderem Safran im Rezept. Freut Euch also auf einen unterhaltsamen BierTalk der Extraklasse – vielleicht bestellt Ihr Euch davor die passenden Biere zum Mitmachen…

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute reise ich mal wieder weiter weg, nämlich in den Norden, in den Norden von Deutschland, zu einer ganz spannenden Brauerei. Und die habe ich dieses Jahr sogar schon dreimal getroffen und habe dabei alle Ebenen der Gefühle durchgemacht. Und deswegen freue ich mich total, den Lukas jetzt mal persönlich kennenzulernen, über seine Biere zu sprechen, es sind auch ganz viele davon da. Und, ja, erst mal, Lukas, schön, dass du da bist. Und vielleicht stellst du dich ganz kurz mal unseren Hörern selber vor.

Lukas: Ja, moin, Markus, schön das ich hier sein darf. Und ich bin sehr, sehr gespannt auf die ganzen Gefühle, die du zum Ausdruck gebracht hast uns gegenüber, die du grade eben erwähnt hast. Ich heiße Lukas Arndt, bin 29 Jahre alt und Co-Gründer, mit meiner Freundin Sophia habe ich gemeinsam Liquid Story Brewing vor zwei Jahren im Frühsommer gegründet 2021. Und wir haben es uns einfach zur Aufgabe gemacht, den Biermarkt so ein bisschen durchzuschütteln mit unseren Kreationen ohne Grenzen und trotzdem immer mit der Sache dabei.

Markus: Absolut. Und das macht ihr auch und das macht ihr auf eine ganz hervorragende Art und Weise, also das sei mal vorneweg gesagt. Das sind jetzt keine negativen Gefühle, aber natürlich habe ich zum Beispiel in Frankfurt von euch ein Tomatenbier getrunken. Was jetzt für mich, der ich einfach kein großer Liebhaber von Tomatensaft aller Art bin, eine persönliche Herausforderung war. Also solches war es aber sehr gut gemacht, also auch mit den Kräutern und sowas, alles wunderbar. Und es gibt eben eine riesige wunderbare Bandbreite und ich muss sagen, was mich auch ein bisschen inspiriert hat ist, ich habe natürlich auch ein bisschen auf eurer Website gelesen und mich ein bisschen informiert. Und da schreibst du ja unter anderem, dass du am liebsten gar nicht so viel Vorrede machst und dich vorstellst und was weiß ich was alles machst, sondern am liebsten mit deinen Bieren, über deine Biere und da drüber auch deine Story erzählst. Und dem will ich natürlich gerne Rechnung tragen. Und du hast ja auch dankenswerter Weise ein Paket mit sieben verschiedenen Bieren, das ist eine ziemlich hohe Zahl für einen BierTalk geschickt. Mal schauen, ob wie sie alle schaffen, aber ist auf jeden Fall sehr cool. Und da sind auch die Unterschiedlichsten dabei, also von der Berliner Weisse mit Erdbeeren, bis zum IPA mit Weinhefe und was weiß ich was, ein Pastry Stout, ich bin schon wirklich ganz, ganz gespannt. Ja, mit was wollen wir denn anfangen, was denkst du?

Lukas: Oh, das ist eine sehr gute Frage. In den meisten Fällen geht man ja gerne von tief nach schwer, was die Biere angeht, deswegen können wir von mir aus gerne tatsächlich auch mit dem Sauerbier, das wir mit La Villana gemeinsam gebraut haben in Italien, beginnen, wenn du möchtest, außer du hast andere Vorschläge.

Markus: Also immer gerne, gar kein Thema. Und das ist ja die zweite Gelegenheit, wo wir uns getroffen haben dieses Jahr, nämlich in Italien bei meinem Lieblingsbierfestival, über der ich gefühlt in jedem BierTalk, glaube ich, spreche, die Beer Craft in Bozen, das ist einfach so, so toll. Und da war ich auch dieses Jahr sehr froh, dass eben ihr zum Beispiel dabei wart als Vertreter sozusagen der deutschen Braukunst. Und La Villana ist natürlich auch eine spannende italienische Brauerei und da ist es umso spannender mal zu sehen, was ihr euch zusammen überlegt. Und das Ganze heißt STRAWEISS oder STRAWEISS, ich weiß gar nicht, wie man es korrekt ausspricht, der Franke würde auf jeden Fall STRAWEISS sagen. Man sieht auf jeden Fall auf dem Etikett schon ganz viele Erdbeeren, das ist so ein bisschen mir rosa Hintergrund hinterlegt, dann sind so ein paar Limetten drauf. Eine schwarze Dose, schlank, edel. Und, ja, bin ich mal gespannt, ich mache mal auf. So.

Lukas: Der Italiener spricht es übrigens oder versucht es auch übrigens STRAWEISS auszusprechen.

Markus: Ja, dann ist ja alles richtig, wunderbar. So, ja, hervorragend. Also im Glas habe ich hier so, ist schwierig, weil ich habe hier ein bisschen abgedunkelt, weil es heute bei uns so heiß ist, aber ich würde sagen, es ist ein, ja, ein helles Orangegelb. Wie ist es denn bei dir?

Lukas: Genauso. Tatsächlich, wenn man ein bisschen Fantasie hat, kriegt man vielleicht auch so einen leichten Rotstich noch raus. Aber im Gegensatz zu beispielsweise Himbeeren, die auch gerne irgendwie im Bier mit verbraut werden, gerade vielleicht in der Hobbybrauerszene oder sowas, gibt Erdbeere, genau wie Tomate, wie wir festgestellt haben, nahezu fast gar keine Farbe ab. Also da müsste man dann irgendwie zu anderen Erdbeerpräparaten greifen, seien das gefrier- oder sonnengetrocknete Erdbeeren. Aber durch das reine Püree oder die reine Frucht möchte die Farbe nicht so recht ins Bier. Tut dem Ganzen aber nichts Schlechtes damit.

Markus: Absolut. Und da kann ich auch nur die Hörer mal auffordern, probiert einfach mal aus, kauft euch einen Erdbeersaft, einen Orangensaft und noch irgendeinen anderen Fruchtsaft, keine Ahnung und gebt das mal in dunkle Becher, sodass ihr nicht seht, welche Farbe das hat. Und dann probiert die mal zu verkosten und rauszufinden, welcher Saft ist welcher. Es ist gar nicht so einfach, die Augen machen da viel mit. Und dementsprechend ist es eine umso schönere Kunst, wenn man diese Aromen hier wunderbar ins Glas bringt, denn was wir immer haben, ist die Nase. Und in der Tat ist die hier auch richtig schön erdbeerig, aber auch citrusig, so eine schöne Mischung. Und sogar ein bisschen Apfel, würde ich auch sagen, ist dabei. Sehr frisch, sehr fruchtig auf jeden Fall. Aber klassisch Erdbeere, also das auf jeden Fall, richtig schöne reife, wo man jetzt sagt, da möchte ich total gerne reinbeißen. Passt genau zur Jahreszeit, also das ist auf jeden Fall in der Nase da, wunderbar. Wann kommen denn die Erdbeeren da dazu?

Lukas: Und zwar zur Nachgärung. Also wir haben uns einfach darauf verständigt, dass wir im Prinzip nicht, wie ich es sonst wahrscheinlich machen würde, auch noch im Heißbereich mit den Früchten arbeiten, sondern das Ganze erst mal sehr, sehr einfach gestalten. Ziel war sowieso, ein sehr, sehr schönes Sommerbier zu kreieren, deswegen nicht zu schwer, nicht zu multidimensional, vielleicht so, dass man dann auch gegebenenfalls mal ein Döschen mehr davon trinken kann. Und ähnlich wie das Kokosnusspüree und das Limettenpüree sind die zur Nachgärung mit dazu gekommen. Und du hast im Prinzip auch schon grade auch noch den Apfel angesprochen. Das Ganze wurde mit der Philly Sour vergoren, also der Hefe, die neben der alkoholischen Gärung auch die Milchsäuregärung kann. Und dementsprechend, die bringt so diese, ja, leichte Eigenart an Charakteristik da mit rein.

Markus: Ja, na, wunderbar. Hm, also jetzt muss ich es doch mal probieren. Man kann ja immer nicht solange über Bier reden, ohne dass man dann endlich mal einen Schluck nimmt so. Hm, ja, eine sehr, sehr schöne Reise, finde ich. Also natürlich hat es eine gewisse säuerliche Note, aber sie ist gar nicht sehr extrem. Und es wird dann sofort aufgefangen, also da kommen dann erst so diese Orangen-, Limettennoten, dann kommen die Erdbeeren. Machen ein richtig schönes Mundgefühl, sind dann sehr präsent, auch auf der Zunge sehr schön präsent. Und dann, hinten raus hat man dann auch einen Kokosnusseindruck, also da sind die auch da. Das geht vielleicht auch schön zusammen mit diesem leicht nussigen Charakter, den ja auch die Erdbeere hat durch ihre Kerne. Und hinten raus bleibt dann so eine schöne Melange, finde ich, also wo man dann alles noch ein bisschen hat. Also ein bisschen Limette, die hat ja auch in sich so ein bisschen tropische Kokosaromen mit dabei, dann eben die Erdbeere und dazu dann noch die leichte Säure. also sehr schön, sehr erfrischend. Also wirklich ein Sommerbier, grade richtig für so einen Tag wie heute. Ja, das war euer Ziel, ne?

Lukas: Genau. Es geht mir tatsächlich auch grade so ein bisschen so, als würdest du meine Verkostungsnotizen über das Alter dieses Bieres auch generell so ablesen einfach.

Markus: Oh! Schön.

Lukas: Aber es ist in der Tat so, dass tatsächlich die Kokosnuss im Geruch gar nicht so dominant ist. Aber, das muss man dazu wissen, wir spielen gerne mit verschiedenen Gewürzen, Früchten und nicht jedes Gewürz oder jeder Fruchteinsatz hat immer den Hintergrund, am Ende des Tages auch dominant zu sein. Deswegen, der Fokus ganz klar auf den Erdbeeren. Und, wie du gesagt hast, grade vor allem auch retronasal und vielleicht ein bisschen auf der Zunge liegenbleibend, kommt dann auch dieses leicht holzige, cremig Anmutende von der Kokosnuss, die das Ganze dann so ein bisschen unterstützt.

Markus: Ah, nein, also wirklich sehr schön, wunderbar umgesetzt. Also das Einzige, wo ich immer ein bisschen Kribbel habe ist, wenn man sowas dann Berliner Weisse nennt. Aber da bin ich alleine auf weiter Flur, das weiß ich, weil ich mir immer denke, Berliner Weise ist ja eigentlich schon eher das, was mit dem Cocktail an Mikroorganismen gemacht wird. Wobei du mich allerdings schon beruhigt hast, wenn ihr das Philly Sour verwendet habt, dann ist ja da auch schon was anderes im Spiel als einfach nur kesselsauer und das ist ja schon mal sehr schön. Also insofern, das Ergebnis ist wunderbar, also ich bin wirklich sehr begeistert, echt schön.

Lukas: Ja, auf jeden Fall. Also ich tue mich natürlich auch immer schwer damit, deswegen ist unsere deutsche Verkehrsbezeichnung auch einfach also Sauerbier, schlicht gehalten. Ganz einfach, weil wir auch gar nicht mit einer reinen Gärung, also wo wir im Prinzip nicht verschiedene Hefestämme benutzen, diese Mehrdimensionalität schaffen können einer reinen Berliner Weisse.

Markus: Genau, jetzt hast du aber schon ganz viel anklingen lassen, was dich und deine Philosophie ausmacht. Also jetzt kommst du nicht drum hin, trotzdem ein bisschen was zu erzählen. Wie kommt man denn auf den Gedanken, sowas überhaupt zu tun? Also wie kommst du überhaupt zum Gedanken Bier?

Lukas: Ja, das ist relativ einfach zu sagen und zwar bin ich gelernter Brauer und Mälzer. Also ich habe bei Ötti beziehungsweise OeTTINGER in Braunschweig von 2012 bis 2014 meine Lehre zum Brauer und Mälzer gemacht und habe währenddessen schon angefangen, ja, Zuhause zu brauchen, zu experimentieren. Und, ja, ich war schon damals zum einen der Überzeugung, okay, das will ich auf jeden Fall mal irgendwie probieren, mich damit selbstständig zu machen, weil der Biermarkt das damals überhaupt nicht hergegeben hat. Ich glaube, Prototyp hat jetzt grade 10-Jähriges gefeiert, also dementsprechend 2012 bis 2014 weiß man, wie dünn der Markt auf jeden Fall noch in Deutschland war. Und auf der anderen Seite bin ich tatsächlich auch eine Person, die sich gerne irgendetwas sagen lässt oder vorschreiben lässt und dementsprechend war klar, okay, ich muss mein Ding da irgendwie alleine durchziehen. Nach der Lehre selber bin ich dann erst mal studieren gegangen. Das habe ich jetzt vor Kurzem beendet, mein Ingenieursstudium, ich habe Chemieingenieurswesen studiert hier in Braunschweig. Ich wollte damals auch nie aus Braunschweig weg und bin deswegen auch nicht nach Berlin oder Freising gegangen. Und 2017 habe ich Sophia in einer Craftbeer-Bar in Braunschweig kennengelernt. Wir haben da beide gearbeitet und, ja, im Prinzip aus dem Arbeitsverhältnis wurde dann mehr. Und, ja, sowohl partnertechnisch, also auf der Liebesebene als auch im, ja, Business-Umfeld haben wir einfach einen gemeinsamen Nenner gefunden. Ich übernehme dabei größtenteils den Brauerpart und sie macht sehr, sehr viel Arbeit, ja, was man nicht sieht, alles, was so hinten rum auch passiert und ist auch gleichzeitig mein größter Kritiker, bis ich dann weine. Und, genau, wir kochen sehr gerne und dementsprechend sind auch unsere Biere gerne mal ein bisschen extravaganter, weil wir es einfach lieben zu experimentieren. Also wir lieben natürlich auch die traditionellen deutschen Bierstile, aber wir wollen uns nicht davon abhalten lassen, im Prinzip auch unsere Ideen irgendwie ins Fass oder in die Dose zu bringen.

Markus: Ja und das ist ja eine riesen Bandbreite, wie hier ja auch schon vor mir steht und wie man auch auf der Website sehen kann, also da ist echt ein großer bunter Strauß. Und das ist natürlich ganz schon zu hören, dass du quasi die doppelte Liebe gefunden hast, also sowohl das Thema Bier umsetzen konntest als auch gleich noch mit einer Partnerin. Das ist natürlich ganz, ganz großartig und an der Stelle dafür schon mal Glückwunsch. Und wahrscheinlich hast du schon eine halbe Million blöde Kommentare wegen OeTTINGER bekommen, es ist ja eine Vorlage für viele lustige Witze. Aber ich finde es auf jeden Fall wunderbar, dass jemand, der da anfängt und ja letzten Endes trotzdem richtig gut Bierbrauen lernt, auch wenn es die Leute immer nicht denken, dann eben sagt, okay und gehe ich in den ganz anderen Weg und mache einfach mal genau das Gegenteil, mache einfach mal ein bisschen verrückte Sachen, kreative Sachen und lebe dieses andere Ende aus. Weil, ich meine, die normalen Sachen gibt es ja eigentlich genug, also letzten Endes, man muss ja nicht nochmal die ganz normale Standardpalette brauen, würde ich sagen.

Lukas: Ja, definitiv, also vor allem hat man kein richtiges Verkaufsargument dann. Also wenn man sagt, hej, ich habe hier OeTTINGER 2.0 oder Krumbacher 2.0 gebraut und nehme aber dafür den dreifachen Preis, weil ich es machen muss, dann gehen einem die Argumente für den Verkauf aus. Und auf der anderen Seite, klar, ich kann nichts Schlechtes über OeTTINGER sagen, die Leute waren super, die Ausbildung war hervorragend. Ich würde auch jederzeit wieder meine Brauer- und Mälzerausbildung in einer großen Brauerei, in einer Industriebrauerei machen und nicht in einer kleinen Brauerei. Das mag jeder so sehen, also es gibt Vor- und Nachteile jeweils, aber ich fand das hervorragend gut und bereue das auch nicht. Man muss aber auch ganz klar dazu sagen, das, wenn ich mit solchen Themen ankomme und das muss auch kein TOMATO BASIL, ein Sauerbier mit Tomate sein oder irgendwie jetzt ein Sauerbier mit Erdbeeren, dass man auf, ja, wenig Anklang trifft in dieser traditionellen alten Brauerschiene bei den Gesellen. Und dafür reicht dann meistens schon ein modernes Pale Ale oder ein IPA aus, dass die sagen, nee, das möchte ich nicht. Und das ist tatsächlich so ein Punkt, den ich so ein bisschen schade finde, dass diese, ja, alte Brauerschule nicht richtig hinter dieser Neuentwicklung oder Weiterentwicklung der Bierstile steht.

Markus: Ja, das sind ganz richtige Gedanken, finde ich, also grade, weil man eben beides hat. Auf der einen Seite ist dort wirklich die Grundlage gelegt worden auch bei dir, ein richtig guter Brauer zu werden und sich mit dem Metier echt gut auszukennen und auch das Handwerkszeug zu haben, kreativ zu werden. Und auf der anderen Seite ist dann aber diese sich selbst einbremsen, dass auch zuzulassen und zu genießen, zu akzeptieren, zu respektieren, das fehlt dann manchmal so ein bisschen. Aber ich habe den Eindruck, es wird besser. Ich meine, die Zeiten gehen natürlich auch ein bisschen voran und ich glaube, auch in diesen Brauereien kommen nach und nach auch mal andere Biere an und wie letzten Endes auch Leute wie du beweisen einfach, dass es eben auch anders geht. Apropos, nachdem wir ja sieben Biere haben und schon eine Viertelstunde fast geredet haben, müssen wir noch eins probieren. Was machen wir denn jetzt?

Lukas: Ja, das erste Bier habe ich vorgeschlagen, jetzt sagst du mal an.

Markus: Okay. Gut, also dann würde ich aus mehreren Gründen jetzt SOPHIA vorschlagen also.

Lukas: Ja, ich wäre traurig gewesen, wenn sie heute nicht kommt, aber ja.

Markus: Nein, unbedingt, also einerseits natürlich, weil sie ja hier auch ein bisschen mithört und bei uns irgendwie dabei ist, andererseits weil du sie ja schon erwähnt hast und über sie erzählt hast. Und dann auch, weil das ein Bier war, was ich bei unserer dritten Gelegenheit, wo wir uns dieses Jahr gesehen haben, nämlich in Neumünster auf der Bierköste, was ich dort dann probiert habe. Und es war für mich was Besonderes, weil ich musste an dem Tag noch fahren, das heißt, ich konnte mir nur ein einziges Bier auf diesem ganzen Bierfest aussuchen. Und ich habe mir dann das ausgesucht, weil es mich einfach interessiert hat, wie man mit diesem Thema Safran im Bier spielen kann. Und da bin ich jetzt mal total gespannt, wie das jetzt schmeckt hier aus der Dose, damals hatte ich es ja bei euch vom Keg. Und, ja, deswegen würde ich das jetzt gerne machen, dann machen wir das.

Lukas: Dann mal zu, dann machen wir das.

Markus: Ja, so. Auch hier nochmal aus Sicherheitsgründen der Hinweis an die Hörer, wir trinken natürlich nicht jede Dose aus, also wahrscheinlich jedenfalls nicht, sondern man kann ja dann den Rest auch später noch trinken. Also wenn ihr jetzt mitmacht zum Beispiel, ihr könnt ja die Biere im Webshop bestellen natürlich bei Liquid Storys, dann auch immer drauf achten, dass man das Ganze zwar zu einem schönen Erlebnis macht, aber eben mit Bedacht trinkt letzten Endes, das ist  ja auch wichtig, ja.

Lukas: Definitiv, im besten Fall teilen, ja. Alle sieben Biere in einer Session hier, das geht in die Hose.

Markus: Genau, eben, man kann ja auch anhalten und am nächsten Tag weitermachen, beim Podcast, wir können das jetzt hier nicht.

Lukas: Oder so, genau, genau, genau.

Markus: Und zu zweit oder zu dritt ist natürlich noch schöner, wenn man dann irgendwelche Nachbarn hat vielleicht oder Freunde oder wen auch immer, der da mittut, dann ist es natürlich noch besser. Ja, jetzt haben wir ein etwas dunkleres Bier, würde ich sagen. Das leuchtet mich richtig an, so ein bisschen geheimnisvoll, gefällt mir sehr gut. Hat einen schönen Schaum, der da obendrauf steht, auch leicht getönt. Und, ja, wenn man da rein riecht, dann ist der Safran tatsächlich da, also voll von der Aromatik her. Ich muss sagen, mein letztes Erlebnis mit Safran hatte ich, da habe ich einen, ich glaube, das war ein weißrussischer Hochzeitskuchen oder irgend sowas. Also in der Pandemie habe ich ganz viel gebacken und gemacht und getan und habe dann eben mir so ein Rezept rausgesucht und da war eben auch ganz viel Safran drin. Und das war gar nicht so einfach, über den Backprozess mit dem Safran so zu arbeiten, dass der am Ende auch raus kam. Es war dann sehr intensiv und meine Freundin zieht mich regelmäßig damit auf, wenn wir irgendwas mit Safran haben, was ich damals mit diesem Kuchen veranstaltet habe. Aber nichtsdestotrotz, es ist wunderbar, ich liebe den Geruch von Safran. Und der ist hier wirklich ganz schön, ganz intensiv. Wie kamst du grade da drauf, man kann ja mit so vielen Sachen brauen?

Lukas: Ja, ich liebe es tatsächlich auch, mit Safran zu kochen, mit Safran zu brauen. Und mir ist durchaus bewusst, das zum eine viele Leute vielleicht gar nicht wissen, wie Safran riecht, welche Aromatik er besitzt und auf der anderen Seite es ein extrem schwieriges Gewürz ist. Weil, ja, das ist ähnlich wie ein Rauchbier, am Ende des Tages muss man diese Charakteristik des Safrans irgendwie mögen. Man kann das auch nicht weiter runter dividieren, wonach schmeckt Safran? Weil, Safran hat natürlich irgendwie was Fruchtiges, was Blumiges, aber am Ende des Tages ist es halt Safran, womit man das beschreiben mag. Und in der Tat hat mich also am Ende des Tages überzeugt, das zu machen, das Safran wasserlöslich ist. Also wir haben es mit vielen Gewürzen zu tun, grade wenn wir mit dem brauen möchten, dass wir das Problem haben, dass wir eigentlich eine Fettlösligkeit besitzen und dementsprechend im besten Fall vielleicht noch sogar mit Alkohol als unipolares Lösungsmittel arbeiten können. Safran aber hingegen ist wasserlöslich und dementsprechend bin ich auch super zufrieden, dass die Stärke, die Intensität des Safrans dabei so gut rauskommt. Und, was man natürlich nicht vernachlässigen darf, es geht um Sophia bei diesem Bier, das ist ja eine kleine Hommage an, ja, ihre Arbeit, alles, was sie reinsteckt mit in das Unternehmen, obwohl wir das beide nur im Nebenerwerb machen. Es ist das teuerste Gewürz der Welt auf das Kilogramm gerechnet und dementsprechend natürlich nochmal eine schöne Anekdote im Prinzip als Wertschätzung ihr gegenüber.

Markus: Ja, das hätte ich sowieso noch gefragt, wie man sich ein Safranbier leisten kann? Aber können wir gleich och dazu kommen. Also ich finde auch, dieser Geruch ist wirklich sehr einzigartig, auch der Geschmack, es bleibt sehr, sehr lang. Wer es nicht kennt, probiert es einfach. Ich glaube, es ist wirklich schwierig, das jetzt hier in Worte zu fassen, es ist ein sehr eigenes Aroma. Im Grunde ist es eine Krokusart und davon sind es diese Blütenstände, die da in den Blüten innen drin sind. Stempel, ich weiß gar nicht, wie das genau heißt, aber jedenfalls die Fäden da drin. Und die werden rausgezogene und das ist dann eben dieses Gewürz. Und das ist eben, wird mit Gold aufgewogen, also früher auch schon, war schon immer sehr, sehr teuer. Und ist sowohl von der Färbekraft als auch von der Aromakraft eben extrem intensiv. Und dadurch, dass es so selten ist und so einzigartig, so eindeutig wiederzuerkennen auch natürlich, dadurch eben auch so wertvoll und so besonders. Und das hast du jetzt noch komponiert mit Vanille und Hibiskus, was man auch ein bisschen merkt. Was ich interessant finde, der Safran scheint die alkoholische Note so ein bisschen zu unterstützen, es hat einen ziemlich starken alkoholischen Charakter in der Nase.

Lukas: Gehe ich mit, definitiv. Wir haben dem Ganzen so ein bisschen entgegengewirkt so durch den Milchzucker, durch die Laktose, die noch mit drin ist. Und auch die Vanille sorgt ja im Prinzip dafür, dass das Ganze noch ein bisschen cremiger, dessertartiger wird. Am Ende des Tages aber spielt es auf jeden Fall mit in die Aromatik rein, selber, dass der Safran da so dominant ist.

Markus: Ich finde, was schön ist, ist die Vanille, die bringt das Ganze dann noch in so eine Richtung wie Rum, also fast so eine Rumtopfaromatik hat man da noch ein bisschen mit dabei.

Lukas: Ja, ja.

Markus: Das, finde ich, ist irgendwie auch sehr, sehr schön, also spannend. Muss man dann doch einen Schluck natürlich trinken, klar.

Lukas: Ich finde es tatsächlich relativ spannend auch an dem Bier, also ich meine, wenn man das selber ausschenkt, sieht man es nochmal mehr, dass tatsächlich der Schaum auch leicht gelb ist. Also der Safran hat so eine starke Färbekraft, das, wenn man das Bier zapft, ich weiß nicht, wie es jetzt grade bei dir aus der Dose kam, tatsächlich so dieser Schaum so im ersten Anzug so einen leichten Gelbstich hat, finde ich super spannend.

Markus: Krass! Also kann ich leider hier jetzt nicht nachvollziehen, weil wir hier einfach nicht die Lichtbedingungen dafür haben, aber ich werde es nachher dann, wenn ich den Rest trinke, nochmal bei maximalem Licht mir begutachten. Das ist natürlich spannend, also wenn der Safran sich sogar da durchsetzen kann. Hast du da von Anfang gewusst, wie du mit dem Safran arbeiten musst oder war das dann so ein Herantasten, probiere ich es mal hier, probiere ich mal da, also wo dann der beste Einsatz ist, um das dann am Ende auch entsprechend rüberzubringen?

Lukas: Ja, tatsächlich haben wir uns da ein bisschen ran getastet. Der Safran selber hat relativ viel vorgeben. Einfach die Hitzeinstabilität hat einfach schon dafür gesorgt, dass wir wussten, okay, wir werden das auf jeden Fall im Kaltbereich machen. Und dann, das es, ja, gleich zu anderen Bieren, wo wir mit Gewürzen oder Früchten arbeiten, versuchen wir verschiedene Dimensionen während der Rezeptentwicklung erst mal darzustellen. Also das kann sein, das wir zum Beispiel die Gewürze erst mal versuchen, in einer wässrigen alkoholischen Lösung. Also im Prinzip als Modelllösung, gar nicht unbedingt Bier, versuchen zu lösen und zu gucken, okay, wie verhält sich das, wie lange hält das selber? Und am Ende des Tages kann man im Prinzip auch wie bei IPAs oder anderen Bieren, die mit extrem flüchtigen Aromastoffen arbeiten, sagen, je später desto besser eigentlich. Klar, man muss immer diese Einwirkzeit so ein bisschen bedenken. Grade Vanille zum Beispiel ist ein extrem gutes Beispiel dafür, dass man vielleicht nicht zwei Tage vor der Abfüllung erst damit anfangen sollte zu arbeiten, sondern das Ding auch gerne mal ein, zwei Wochen auf der Vanille liegen darf. Aber im Prinzip testen wir uns von Modelllösungen über einzelne, ja, Heimbrautage an die Rezepte ran.

Markus: Also das finde ich auch toll, also einerseits, dass ihr es macht und andererseits auch, wie du es so sagst, weil es eben zeigt, dass man grade auch bei solchen Bieren eben nicht sagt, ich mache da jetzt mehr oder weniger so ein Zufallsprodukt, sondern man überlegt sich schon sehr genau, also was man wie, wann und wo einsetzt. Und macht eben auch seine Versuche, bis man am Ende eben etwas hat, was man dann in der großen Menge letzten Endes produziert. Also, klar, kann man irgendwie auch nicht anders, weil es wäre ja Mist, wenn man das Ganze in den Sand setzt bei dem Preis. Aber trotzdem ist, glaube ich, viele haben so den Eindruck, wenn so Kreativbrauer da sind, dann mischen die halt jeden Tag was eben grad so aus dem Kühlschrank kommt zusammen und machen halt ein Bier draus. So ist es eben nicht. Also das ist eben auch eine Kunst, solche Biere dann auch so zu komponieren und so schön abstimmen zu können. Also das ist schon, gefällt mir sehr gut. Zumal hinten raus der Hibiskus sogar noch kommt, das finde ich auch schön. Der ist dann so im Nachtrunk ganz, ganz präsent, mag ich.

Lukas: Genau und in der Nase habe ich den tatsächlich auch nicht. Der ist bei mir tatsächlich auch nur im Geschmack so ein bisschen vorhanden, vielleicht auch sowas leicht fruchtig Säuerliches bringt der noch mit rein. Aber das, was du angesprochen hast bezüglich Experimentalsude und dann Rezepte entwickeln, es ist halt ein schwieriges Thema. Weil am Ende des Tages, man braucht extrem viel Zeit für diese Rezeptentwicklung auf der einen Seite und auf der anderen Seite ist gegebenenfalls auch gar nicht die Wertschätzung da. Wir befinden uns leider grade in so einer, ja, Spirale der Releases, also jeden Monat irgendwie zwei bis sechs neue Biere rauszubringen. Aus der wir eigentlich tatsächlich auch so ein bisschen ausbrechen wollen, aber ich meine, es gibt genug andere Vertreter, die sich genau auch darin befinden. Und das muss am Ende des Tages auch jedem irgendwie bewusst sein, das, wenn ich vier IPAs im Monat rausbringen würde, also ich kann nicht nebenher noch jedes Rezept 100-Prozent neu entwickeln. Wenn es um irgendwelche Gewürze oder sowas geht, da ist man natürlich, wie du schon gesagt hast, vorsichtig, einfach aufgrund des Wareneinsatzes und dementsprechend tastet man sich da sehr, sehr vorsichtig ran. Aber, ja, wir müssen uns dem Markt auch so ein bisschen anpassen, definitiv.

Markus: Ja, das sind Herausforderungen, die da wirklich in nächster Zeit anstehen und, ja, wo man dann seinen guten Weg finden muss. Das Schöne ist natürlich, wenn man sich dann schon einen Namen gemacht hat und auch schon ein paar Rezepte entwickelt hat, die dann vielleicht auch das Potenzial haben, längerfristig am Markt zu bleiben, das ist natürlich dann schon mal eine gute Voraussetzung unterm Strich. Ihr habt da als Hopfensorten einen Pink Boots Blends verwendet. Wie kamt ihr dazu und was war da drin?

Lukas: Im Prinzip ist das sechste Jahr des Pink Boots Blend der Trigger gewesen, dieses Bier letztendlich zu brauen. Weil, ich weiß gar nicht, welche Society jetzt dahintersteckt, die da mit Yakima Chief gemeinsame Sache macht, auf jeden Fall geht es im Prinzip darum, vor allem Frauen in dieser Brauerszene zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass auch in der Brauerszene Gelichberechtigung irgendwie, ja, an der Tagesordnung steht. Also man kann sich das selber, wenn man so eine Person ist wie wir, eigentlich gar nicht vorstellen, weil, man behandelt jeden Menschen gleich und dementsprechend sieht man da eigentlich keine Unterschiede. Aber am Ende des Tages ist es wohl leider tatsächlich immer noch so, dass vor allem auch in der Brauerszene, sei das der Service oder auch vielleicht in der Brauerei, Frauen noch nicht immer ganz für voll genommen werden und dementsprechend gibt es halt diesen Pinkt Boots Blend einmal im Jahr. Bei dem auch gewisse Erlöse dann gespendet werden dann im Prinzip, um diese Sache zu unterstützen. Und als dann das Free Order aufkam dafür, habe ich mir gesagt, also ich hab die Frau in meinem Haus sitzen, die im Prinzip unter der Oberfläche immer nur mit schwimmt und wenig, wenig Anerkennung bekommt. Und das ist die beste Gelegenheit dafür, diesen Blend zu benutzen. Das ist, dieser Blend wird immer unterschiedlich zusammengesetzt von Yakima Chief. Ich bin mir gar nicht 100-prozentig sicher grade, ohne nachzugucken, welche da dieses Jahr drin sind, ich glaube, auf jeden Fall Laral, Lotus und noch ein Dritter. Genau, den setzen die immer zusammen, den Blend und geben den dann raus.

Markus: Ja, auf jeden Fall hat er sich schön mit deinen Gewürzzutaten vermischt. Und es ist insgesamt dann eben ein ganz besonderes Milkshake-IPA, also wo die Charakteristiken vom Mundgefühl und so, das ist alles ein klares Milkshake-IPA, aber drum rum hat man denn eben diese ganzen Gewürzaromen. Wie ist das, wenn man jetzt für sowas Safran kaufen geht, da kann man ja jetzt nicht in den normalen Supermarkt gehen und von diesen kleinen Plastikdöschen 100er kaufen, wie macht man das?

Lukas: Dafür gibt es tatsächlich Online-Händler. Es gibt mittlerweile für alles irgendwie Online-Händler, die darauf spezialisiert sind, bestimmte Produkte zu importieren und dementsprechend war das auch gar nicht so schwierig. Also ich habe vorhin gesagt, Safran, das teuerste Gewürz der Welt, man muss sich aber vorstellen, jetzt auf 10 Hektoliter, also auf 1.000 Liter Bier, sind da am Ende des Tages 60 Gramm Safran drin. Das hört sich erst mal wenig an, vom Volumen her ist das ein ganzer Mixer voll, aber sind noch Mengen, die durchaus einfach auch ohne großartiges Netzwerk und Kontakte zu bekommen sind.

Markus: Ja, wobei ja trotzdem so ein Gramm Safran zwischen fünf und zehn Euro kosten kann, also wenn man es so normal im Supermarkt kauft, ne?

Lukas: Ja, also genau, also billig war es nicht, natürlich. Aber das ist ungefähr mit der Vanille gleichzusetzen vom Einkaufspreis her. Also es lässt sich noch grade so aushalten, sage ich mal und es ist ja auch für einen besonderen Anlass gewesen.

Markus: nein und wirklich wunderbar, ein sehr schönes Bier und ich hoffe, du hast auch viel positives Feedback bekommen. Und hat es denn Sophia auch geschmeckt?

Lukas: Auf jeden Fall, Sophia gefällt das Bier sehr, sehr gut. Da war sie ein bisschen baff, als sie das dann am Ende des Tages, diese Dose in der Hand hatte. Das war gar nicht so einfach, dass die ganze Zeit vor ihr geheim zu halten, weil normalerweise besprechen wir natürlich auch, was wir demnächst rausbringen. Und das mal parallel irgendwie brauen zu lassen oder zu brauen, war nicht so einfach. Und das Feedback war tatsächlich sehr, sehr gut. Und, ja, das größte Problem, was, wenn überhaupt aufgetreten ist, ist, dass die Leute nichts mit Safran anfangen konnten, aber, dann haben wir sie dazu gebracht, dass sie was damit anfangen können.

Markus: Ja oder, ich meine, letzten Endes, klar, solche Biere können polarisieren und dann ist es eben so, da gibt es halt den ein oder anderen, der es nicht mag. Das ist ja auch okay, wenn es einfach so ist, das jemand kein Safran mag, soll er das tun, dafür habt ihr noch andere in der Auswahl. Kannst du dich noch dran erinnern, als du das mit Sophia getrunken hast, dieses Bier, wie so ihre erste Reaktion war?

Lukas: Ja, tatsächlich weiß ich das sehr genau, weil sie ziemlich aufgelöst war, also positiv gesehen, weil auf der Dose selber auch noch ein Text steht, der im Prinzip, ja, die Idee hinter dem Bier verdeutlicht. Und, ja, im Gegensatz zu mir, ist Sophia auch ein sehr emotionaler Mensch und, ja, es hat sie auf jeden Fall sehr berührt und das hat wiederum mich sehr berührt.

Markus: Wunderbar, da müssen wir gar nicht tiefer gehen. Wer es möchte, bestellt euch einfach dieses wunderbare Bier, dann könnt ihr auch den Text lesen, könnt es genießen und könnt eure Bilder dazu malen. Also auf jeden Fall, ja, danke schön dafür, das ist ganz, ganz toll. Jetzt bist du wieder dran, dir eins auszusuchen.

Lukas: So, was hast du denn da noch stehen?

Markus: Oh, also, ich habe noch einmal, Moment, das Imperial Stout, dann, dann, wo steht denn der Bierstil? Also ich glaube, das andere ist das Pastry Sour oder Pastry … oh nee, da steht IPA. Moment, Entschuldigung. Also das, wo PIVO mit Vanilla und Orange und so weiter drauf steht.

Lukas: Das hast du in schwarz und in weiß, ja?

Markus: Ja, im weitesten Sinne, also andere Farben sind da auch noch drauf, aber der Unterschied …

Lukas: Ja, ja, ja, aber der Hintergrund.

Markus: … zwischen den beiden ist auf jeden Fall hell und dunkel, genau.

Lukas: Ja, ja, ja.

Markus: Der Franek ist da ja einfach gestrickt, aber so ist es. Dann habe ich euer TAKE-IT-EASY-IPA, wo ich auch schon sehr gespannt drauf bin. Und dann gibt es hier noch zwei, da steht drauf, Knowledge Is Power, was an sich schon ein toller Spruch ist. Also da bin ich auch gespannt, ja.

Lukas: Ah, sehr schwierige Ausfall auf jeden Fall.

Markus: Siehst du mal, vor welche Herausforderungen due die Leute stellst.

Lukas: Was wir gerne auch bei unseren Tastings machen, obwohl es sich erst mal komisch anhört, ist tatsächlich, das Stout irgendwie in die Mitte einzubauen und am Ende des Tages dann mit hellen leichteren Bier weiterzumachen. Deswegen würde ich einfach sagen, dass wir jetzt mit dem Imperial Stout, also mit dem PIVO mit schwarzem Hintergrund, weitermachen.

Markus: Wunderbar. Warum nicht eine Gipfel zwischendurch erklimmen, ist ja nicht so schlecht. Also, so. Oh ja, also jetzt sind wir hier wirklich schwarzbraun unterwegs. Wunderbarer Schaum, der ist Kaffeefarben, würde ich sagen. Ganz dicht, ganz viel Schaum, sehr schön, sehr stabil. Röstaromen, also auf jeden Fall das drin, was draufsteht, würde ich schon mal sagen.

Lukas: Das ist schon mal gut.

Markus: Ja. Und wenn man dann reinriecht, ich grad mal ein bisschen überlegen, also ich habe auf jeden Fall diese klassischen Röstaromen, ein bisschen Schokolade, ein bisschen Kaffee, dann aber auch Vanille und so ein bisschen Citrus-Touch, würde ich sagen, aber auch rote Beeren, so fast Richtung Erdbeeren. Wie eine Schoko-Erdbeere, würde ich sagen, wenn man diesen Spieß auf der Kirchweih hat, wo man dann so eine Erdbeere in dunkler Schokolade hat. Ja, sehr vielschichtig auf jeden Fall.

Lukas: Ja, man bekommt nicht nur Durst sondern Hunger, wenn du das grade so erzählst.

Markus: Süß geht ja sowieso immer, ne.

Lukas: Ja, ja, definitiv. Und bei unseren PIVOS, also im Tschechischen bedeutet Pivo nichts anderes als Bier, deswegen ist der Name selber erst mal so leichte Provokation gegenüber unserem deutschen Reinheitsgebot. Weil wir es ja hier im deutschen Raum nicht Bier nennen dürften, haben wir uns gedacht, okay, zufälligerweise die Anfangsbuchstaben der Extrazutaten. In dem Fall jetzt Pink Pepper Berrys, also rosa Pfefferbeeren, Vanille und Orange, sowie der Bierstil, entweder IPA oder Imperial Stout jetzt, was wir vor uns stehen haben, ergibt halt diesen Namen. Und wir dachten auch, wir finden es besonders lustig, wenn man im Prinzip nicht ein Bier aufteilt und dann verschieden behandelt, sondern zwei verschiedene Biere braut und mit den gleichen Zusatzstoffen, in dem Fall halt rosa Pfefferbeeren, Vanille, Orange, bearbeitet und guckt, wie die sich unterscheiden. Am Ende des Tages zum einen super für den Sommer geeignet, diese ganzen Gewürze und gleichzeitig auch super für den Winter und da bot es sich einfach an, ein helles und ein dunkles Bier zu machen.

Markus: Das ist ja spannend, das habe ich, glaube ich, noch nie gehabt, den Ansatz, das man sagt, man nimmt dieselben, wie soll man sagen, besonderen Zutaten, aber eben zwei völlig unterschiedliche Bierstile dahinter, klasse. Also gut, probieren wir mal. Also es geht süß los, es ist extrem cremig im Mund, also ganz, ganz grandioses Mundgefühl. Dann kommen die Röstaromen, das ist so eine Mischung aus Schokolade, Kokosnuss, ein bisschen Lakritz auch, ein bisschen Kaffee. Und dann kommen die Früchte dazu, tatsächlich dieser Erdbeereindruck, den ich hatte, Mandarine auch so ein bisschen, die sind ja auch drin. Hinten raus, muss ich grad mal schauen, ob dieser Pfeffer. Ja, so ganz hinten raus merkt man eben auch ein bisschen diesen leichten Schärfe-Touch, das ist auch sehr schön. Und der ist nicht nur hinten, der ist auch auf der Zunge, schön und dazu noch die Vanille. Also sehr interessant, sehr komplex, Wahnsinn. Da kann man, glaube ich, lange dran trinken. Und grade diese fruchtige Reise mit diesen ganzen schokoladigen Aromen, das ist natürlich schon sehr schön. Und für mich sehr angenehm, wenig Bittere. Also es ist natürlich Bittere da und die gehört auch dahin, aber oft ist es eben so, dass diese Biere für mich zu viel Bittere haben und das ist hier nicht so. Das ist wirklich sehr, sehr schön, sehr angenehm, aber auch eine ordentliche Herausforderung mit 10% und gefährlich, weil man merkt es nicht sofort.

Lukas: Ja, definitiv. Also das ist unser einziges kommerzielles Imperial Stout bisher gewesen, aber wir lieben den Stil auch aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten und gleichzeitig auch Vielzahl an Herausforderungen. Also wenn du die Bittere ansprichst, wir mögen nicht so, dass man die Hopfenbittere mit einträgt, sondern man hat halt auch noch die Röstmalze, die ihren Teil dazu beitragen. Auf der anderen Seite, wenn wir uns die Kochbittereinheiten, also ich rechne immer in Kochbittereinheiten, egal ob es ein IPA oder Stout ist, alles was Whirlpool oder Dryhoping kommt oder sonst was, das beachte ich nicht mehr von den Bittereinheiten, um mir das Leben ein bisschen einfacher zu machen. Aber wenn wir uns die Kochbittereinheiten bei dem Stout angucken, sind das trotzdem immer noch 50 Bittereinheiten. Also deutlich über so einem norddeutschen Pils eigentlich. Aber diese Bittereinheiten spielen natürlich auch gegen die Süße und die Süße gegen diese Bittere so ein bisschen, weswegen die die Waage halten. Und hätten wir diese Bittereinheiten nicht, wäre das Bier gegebenenfalls zu flach. Am Ende des Tages wollten wir aber auch ein hochprozentiges Bier haben, das sich trotzdem sehr, sehr einfach trinken lässt. Und durch diese Gewürzzugaben, wir möchten immer gewisse Symbiosen ausnutzen im Prinzip, dass man halt durch Gewürzmischungen etwas komplett Neues kreiert. Das heißt also, dass das einzige Gewürz gar nicht immer unbedingt schmeckbar sein muss. Grade auch zum Beispiel der rosa Pfeffer, auch wenn er manchmal durchkommt. Das ist tatsächlich, haben wir das auch gemerkt, teilweise tagesformabhängig und natürlich auch temperaturabhängig, tut aber sein Übriges für die anderen Zutaten. Also im Prinzip genau wie eine Gewürzmischung, Marsala, Curry oder von mir aus auch Spekulationsgewürz, wirken diese ganzen Zutaten, ja, zusammen und verstärken somit einen neuen einzigartigen Eindruck.

Markus: Ja, also wirklich in dem Fall wunderbar gelungen. Und ich erinnere mich grade, als ich letztes Jahr in Polen war bei einem Bierwettbewerb und da war ein englischer Freund von mir, der auch Bier-Judge ist, schon ein etwas älteres Semester. Und der war dann eingeteilt am Pastry-Stout-Tisch und hat sich dann geweigert, die Biere zu verkosten, weil er gesagt hat, für ihn ist das kein Bier. Also man muss wirklich, aller Ehren, ich sage jetzt auch keine Namen, aber man muss auch wirklich ihm zu Gute halten, er ist normalerweise ein sehr offener Mensch, der auch alles trinkt und macht und tut. Da hat es vielleicht auch an dem Tag irgendwie ihn auf dem falschen Fuß erwischt. Aber das war dann schon eine lustige Diskussion, wir haben ihn dann einfach ausgetuscht an dem Tisch. Und da waren aber auch krasse Sachen dabei. Also eins zum Beispiel war einfach Kiwi-grün, hat super toll geschmeckt, war faszinierend. Aber ist natürlich dann für jemanden, der jetzt ein klassisches Bier gewöhnt ist, wenn man einfach so ein grünes Ding ohne Schaum im Glas hat, ist dann schon eine Herausforderung zugegebenermaßen. Aber hier wirklich, das finde ich auch nochmal ganz wichtig, dass man hier auch den Biercharakter ganz klar merkt, also das es einfach, das Stout trägt das Ganze. Ist wie so eine Leinwand, wo dann eben die ganzen Zutaten drauf spielen, aber immer wieder sich mit diesem Bier auseinandersetzen, also das ist immer so ein Spiel. Und das ist auch was, was man schön lange immer wieder im Mund haben kann und auch so ein bisschen nachverfolgen kann, wenn man da so ein bisschen überlegt, was ist drin, schmecke ich das, wo ist das? Und was macht das mit mir, wie ist das denn eben nach dem Trunk, also wirklich interessant. Du hast es grade angesprochen, wollte ich vorhin schon fragen, also nachdem es ja in Deutschland dieses Reinheitsgebot gibt, würden ja viele sagen, eigentlich kann man so ein Bier gar nicht machen. Habt ihr da einfach ein gutes Verhältnis zu den Leuten in der Behörde oder wie macht man das clever, um das gut hinzubekommen?

Lukas: Ja, wir umgehen halt den Ausdruck Bier, also wir nennen das Ganze Brauspezialität.

Markus: Und das reicht schon?

Lukas: Ja. Also wir hatten tatsächlich anfangs die Probleme, wir haben eine Zeitlang ja auch in Berlin-Spandau bei BRLO gebraut und da wollten wir im Prinzip mal so eine Ausnahmegenehmigung beantragen für ein sogenanntes besonderes Bier, das bezog sich in dem Fall tatsächlich auf ein Bier mit Kaffeebohnen. Und das Problem war tatsächlich aber dann, da wir Wanderbrauer sind und in Braunschweig sitzen, dass die Braunschweiger Behörden gesagt haben, Spandau ist verantwortlich, weil, Sie sind zwar derjenige, der das Produkt in Umlauf bringt und dementsprechend auch für verantwortlich, aber Sie produzieren das Getränk nicht und dementsprechend ist Berlin-Spandau für verantwortlich. Und Berlin-Spandau meinte, ja, hier wird es nur produziert und Sie sind erster Inverkehrbringer, dementsprechend ist Braunschweig verantwortlich. Und am Ende des Tages haben beide Stelle im Prinzip gesagt, Sie können uns gerne den Antrag schicken, aber wir werden den nicht bearbeiten. Und dementsprechend mussten wir uns da andere Sachen ausdenken, womit jeder leben kann. Aber, ja, wir haben kein Problem damit, dass einfach nur Brauspezialität zu nennen.

Markus: Aber das ist ja großartig, ne, wenn das über Bundeslandgrenzen hinweggeht, dann ist eigentlich die Bürokratie völlig überfordert, also da hat man wenig Chancen. Habe ich schon von vielen anderen auch gehört. Und auch innerhalb von Berlin, da ist es ja so, dass die verschiedenen Bezirke sehr viel Einzelmacht haben und auch da kann das ganz, ganz unterschiedlich sein, je nachdem wo man eben grade sitzt. Also, ja, gut, dass ihr das hinbekommen habt, also wirklich spannendes Bier. Wie gehen da die Leute damit um, wie sind da die Reaktionen, auch auf die 10%?

Lukas: Überraschend positiv, also grade bei unseren Bier-Tastings auch, wo wir gerne mal nur den 08–15-Pilstrinker sitzen haben. Was, ehrlich gesagt, auch genau die Zielgruppe ist, weil, wir möchten den Leuten zeigen, was möglich ist, kriegen wir erstaunlich wenig negatives Feedback. Ich glaube einfach, weil das Bier an sich einfach eine relativ runde Sache ist, auch für die 10% relativ wenig Ecken und Kanten hat, obwohl es dann doch sehr, sehr multidimensional im Geschmack und auch im Aroma ist, aber wir waren auch erschrocken. Normalerwiese mit unseren Bieren, wir versuchen ja auch bewusst irgendwie zu provozieren und den Diskurs zu erzwingen, aber, ja, das Ding funktioniert irgendwie.

Markus: Ja, na, das ist ja dann auch gut so. Und was ich auch gut finde, ihr gebt auch immer wirklich alle Zutaten an. Also das finde ich jetzt hier auch zum Beispiel schön, dass ihr auch alle Malzsorten angebt und da ist unter anderem ja auch Spitzmalz dabei, wie in vielen anderen eurer Biere auch. Also ich habe das mal kennengelernt, also ich bin ja kein gelernter Brauer, deswegen habe ich da jetzt nicht so viel Basiswissen dazu, aber mein Wissen ist, es ist letzten Endes nur ganz, ganz kurz vermälztes Getreide, sodass eben vor allem die Schaumeigenschaften dann noch sehr, sehr gut vorhanden sind. Vielleicht kannst du da noch ein paar Worte dazu sagen, wenn du es willst, um unseren Hörern, falls die auch drauf stoßen, da ein bisschen Hintergrund zu geben, warum nutzt man das und was ist das eigentlich.

Lukas: Ja, sehr gerne, also wir haben generell keine Geheimnisse, was das angeht. Und zwar ist es nun mal so, dass jetzt grade auch durch diese IPA-Entwicklung im Prinzip vom West Coast zum East Coast oder dem New-England-IPA-Stil, vermehrt andere Getreidesorten mit ins Bier gewandert sind, also in den meisten Fällen, in dem Fall jetzt Hafer oder Weizen. Und wir verwenden in unseren Bieren, sofern das nicht irgendwelche Biere sind, die wir in der Kollaboration oder sowas brauen, wo wir vielleicht keinen Einfluss drauf haben, brauen wir ohne Weizen. Wir möchten nicht mit Weizen brauen und dementsprechend brauchen wir irgendwie ein paar Ersatzprodukte, wenn es darum geht, irgendwie die Vollmundigkeit zu erhöhen, mehr Protein ins Bier reinzubringen. Und neben Hafer arbeiten wir zum einen gern mit Dinkel, aber eben auch mit Spitzmalz. Spitzmalz ist ein Gerstenmalz und dementsprechend genau genommen ja nicht mal eine andere Getreideart und hat aber ähnliche Eigenschaften im Prinzip wie Hafermalz oder Dinkelmalz, für unser Verständnis. Einfach dadurch, dass das, ja, Malz nur leicht angekeimt wurde, sind gewisse Proteinstrukturen noch nicht so weit aufgebrochen, das Malz ist generell nicht so weit und bringt dementsprechend, wie du schon gesagt hast, zum einen Vorteile für den Schaum, aber eben auch im größeren Einsatz einfach auch für das Mundgefühl.

Markus: Ja, vielen Dank, das ist natürlich eine spannende Zutat. Ich habe es kennengelernt bei dem Thema Berliner Weisse, weil die eben damals gesagt haben, sie wollen unbedingt diese massive Schaumeigenschaft, die diese Biere früher hatten, eben wieder irgendwie hinkriegen. Und das ging offensichtlich mit unseren modernen Weizenmalzen einfach nicht mehr so und da spielt dann eben Spitzmalz, also spielte zumindest, ich weiß gar nicht, ob es immer noch so ist, aber damals, als ich da so die ersten Recherchen gemacht habe vor 10, 12 Jahren oder sowas, spielte das eine relativ große Rolle in den neuen Berliner-Weisse-Rezepturen, um da eben diesen Schaumberg sozusagen ein bisschen zu produzieren. Ja, jetzt müssen wir dann ja eigentlich die helle Seite ausprobieren, nachdem wir auf der dunklen Seite waren oder?

Lukas: Ja, aber sehr gerne.

Markus: Na, dann machen wir das mal. Da bin ich jetzt gespannt, das ist echt ein tolles Experiment, muss ich wirklich sagen. Ist es dann auch dieselbe Menge an Zutaten jeweils?

Lukas: Nee, die haben wir teilweise ein bisschen variiert. Das liegt aber auch einfach daran, dass wir zum Beispiel jetzt, also in dem Milk-Shake-IPA, das, was du dir grad eingießt oder gleich eingießt, da haben wir unter anderem auch noch Orangen- und Mandarinenpüree mit drin. Das haben wir zum Beispiel bei dem Stout weggelassen. Einfach auch, weil wir die daraus resultierende, ja, Fruchtsäure dem Stout wegnehmen wollten. Also wir hatten so ein bisschen Sorge, das gegebenenfalls die Säure, die gegebenenfalls durch den, ja, Röstmalzeinsatz sowieso schon existiert, da der so ungünstig hervorgehoben wird und dementsprechend haben wir minimal die Extrazutaten angepasst, je nachdem wie der Bierstil dann grade ausgefallen ist, um im Prinzip das zu berücksichtigen.

Markus: Okay. Das heißt aber auch, die helle Seite war zuerst da?

Lukas: Nee, die wurden parallel gebraut.

Markus: Nein, ah, okay, na gut. Also, dann machen wir jetzt mal auf, so. Also wo wir grade drüber gesprochen haben, sensationeller Schaum, also muss man wirklich sagen. Der steht hier wirklich wie eine Eins, der ist fast so viel wie Bier, ganz, ganz schön und ist wirklich sehr, sehr stabil. Das Bier strahlt mich an, so richtig hell goldgelb, würde ich sagen. Hat so einen schönen Schimmer, ein bisschen geheimnisvoll. Und ganz intensive schöne Citrusnoten, zu Orange und ich würde sogar sagen, Orangenblüte, also ziemlich viel Florales auch mit dabei. Ja und so andere Citrusfrüchte, auch so ein bisschen Limette, ein bisschen Mandarine, ein bisschen, ja, fast Pomelo oder so, also ganz interessant, so ganz viele verschiedene Aromen. Dann kommt auch die Vanille so ein bisschen an der Seite hoch, auch sehr schön. Ja, also gut, probieren wir mal. Ja, sehr voll, sehr vollmundig, schönes volles Mundgefühl. Eine sehr angenehme Süße, die sich so durchzieht. So ein bisschen Honig, aber ganz fein, also nicht so impertinent, wie das auch sein kann. Viel Frucht, die sich auch von vorn bis hinten so durchzieht. Also auch da würde ich sagen, so Orangenblütenhonig, das ist irgendwie so ein bisschen, zieht sich da so durch. Und auch so ein bisschen, wenn man Jasminblüten denkt so, solche floralen Geschichten sind mit dabei. Und dann kommen hinten auch noch so Tropenfruchtaromen, also so ein bisschen Mango, ein bisschen Papaya. Wahnsinn, also das habt ihr ja nicht zugegeben oder, das ist Zufall oder Absicht?

Lukas: Nee, richtig. Also beziehungsweise in dem Fall dadurch, dass es ja ein Milk-Shake-IPA ist, tut der Hopfen so sein Übriges.

Markus: Ach, stimmt, der ist ja auch noch da, ja.

Lukas: Genau, genau, richtig, der ist auch noch da. Aber im Prinzip so, wenn ich im Prinzip als Zuhörer dir zuhöre, wie du die Biere beschreibst, dann ist es genau das, was wir im Hintergrund hatten, also das Milk-Shake-IPA tatsächlich eher sommerlich angehaucht und die gleichen Zutaten dann im Stout eignen sich durchaus als Wintermodell. Und dementsprechend dominieren auch unterschiedliche Abschnitte dieser Extrazutaten dann jeweils da drin.

Markus: Und ich finde, es hat auch einen gewissen Anklang an das SOPHIA. Also so, wenn man sich den Safran geistig ein bisschen wegdenkt, so dieses drum rum, der Körper, die Vanille, das erinnert mich auch ein bisschen da dran. Also vielleicht liege ich da auch falsch, aber es geht mir ein bisschen so.

Lukas: Nee, da liegst du sehr richtig, weil die Basisrezepte so ein bisschen aufeinander aufbauen. Also wen wir einfach uns die Chronologie angucken, dann kommt das PIVO vor dem SOPHIA. Und im Prinzip die Lehren, die wir aber aus dem PIVO gezogen haben, haben wir vielleicht noch im SOPHIA dann angepasst. Aber grade, wenn es um den Einsatz von Vanille geht oder auch Laktose oder wie wir das Basisbier aufbauen, die sind natürlich schon sehr, sehr ähnlich. Einfach auch deswegen, weil diese Zutaten ja nur die Basis bilden sollen und dementsprechend brauchen wir da nicht so großartig dran herumspielen und ein komplett anderes Bier zu machen.

Markus: Also auf jeden Fall auch ein sehr, sehr schönes Bier und vom Alkohol ja nicht ganz bei 10%, eher so bei 7, das ist auch ganz gut so. Aber auch gefährlich, also das trinkt sich auch sehr schön, kann ich mir grad im Sommer total gut vorstellen. Könnte ich mir auch vorstellen, dass man es mal ganz anders serviert, vielleicht in so einem Sektglas, ein bisschen kühler, zu irgendeinem Empfang oder so, würde auch funktionieren.

Lukas: Auf jeden Fall.

Markus: Also sehr, sehr schöne Geschichte. Jetzt hast du grade beim letzten Bier gesagt, ihr habt früher mal bei BRLO gebraut. Das heißt, wo braut ihr denn jetzt?

Lukas: Aktuell sind wir bei der Wittorfer Brauerei in Neumünster. Und das funktioniert sehr, sehr gut mit Henning und seinem Team, die lieben es. Sagen sie zumindest, vielleicht lügen sie auch, ich weiß es nicht, aber sie lieben es zumindest, wenn ich mit neuen Rezepten um die Ecke komme. Die haben auf jeden Fall sehr, sehr viel Spaß da drüben.

Markus: Es kommt vielleicht drauf an, was du wieder an neuen Zutaten mitbringst. Also vielleicht gibt es ja welche, die dann vielleicht auch für die Brauerei doch eine Herausforderung sein können.

Lukas: Ja, auf jeden Fall, also die Tomaten-Gose war definitiv sowas. Da hat mich der Hennig auch direkt nach der Abfüllung angerufen, meinte, er hat noch nie sowas getrunken, super abgefahren, super lecker, aber es wird nie wieder gebraut werden, weil das Abfüllen so eine Scheiße gewesen sein soll. Da muss ich noch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten. Das Problem ist nämlich, das dieses TOMATO BASIL bei so vielen Leuten Anklang findet, das wir eigentlich nicht darauf verzichten wollen.

Markus: Das heißt, du arbeitest jetzt grade dran, ihn zu überzeugen, dass er das dann vielleicht doch noch ändert?

Lukas: Ja, ja, auf jeden Fall. Man muss dazu sagen und das ist auch tatsächlich so eine große Herausforderung für uns, egal ob wir erst mit einem Modellstoffsystem arbeiten oder tatsächlich auch im 20-Liter-Maßstab Biere brauen. Und dann versuchen, die Rezepte upzuscalen, also für den großen Maßstab umzuformen, dass im Prinzip alles, was im kleinen Maßstab funktioniert oder angewendet werden kann, nicht unbedingt auch für den größeren Maßstab gilt. Und dementsprechend müssen wir durchaus auch mal Zutaten in anderen, ja, Formen zugeben. Sei das in dem Fall jetzt, wenn man die Tomaten sich anguckt, dass das Tomatenmark werden muss und keine Tomaten aus der Dose oder das wir im Prinzip die Orangenzeste anders zugeben müssen. Und, genau, es ist immer sehr, sehr spannend, am Ende des Tages ist nicht umsonst das Upscaling selber eine Ingenieursschiene an sich, weil das nicht ganz so einfach ist. Und genau deswegen haben zum Beispiel auch größere Brauereien wie, ich glaube, Dogfish aus den USA eine Pilotanlage, die im Prinzip die größere Anlage in den gleichen Dimensionen widerspiegelt im Prinzip, um das Problem ausschließen zu können.

Markus: Jetzt hast du sehr clever dieses Tomatenbier doch im Podcast untergebracht, finde ich aber auch klasse. Und ich will auch nochmal sagen, also obwohl ich es selber als persönlicher Mensch nicht besonders gut fand, einfach weil ich den Geschmack nicht mag, finde ich es großartig, dass es so ein Bier gibt. Und ich fand es auch großartig, dass die Aromen, die da drin sein sollten, nämlich Tomate und Basilikum und eben dieses Sauerbier drum rum, dass das auch alles da war. Also insofern, Hennig, falls du zuhörst, meine Stimme hätte dieses Bier, das es nochmal gebraut werden darf, vielleicht findet ihr einen Weg, wäre auf jeden Fall eine großartige Geschichte. Also ich finde, das sind auch so Sachen, die muss man auch einfach mal machen und probieren. Und am Ende des Tages sieht man ja, entweder Leute mögen es, dann macht man es mehr oder Leute mögen es halt nicht, dann macht man halt was anderes. Das ist ja das Schöne in einer Brauerei, das du ja nicht festgenagelt bist, immer dasselbe machen zu müssen. Und auf der anderen Seite, wenn es dein Laden ist, dass du halt auch mal sagen kannst, ich mache das jetzt und völlig egal, was da vielleicht der ein oder andere denkt. Das hat ja auch was mit Selbstbewusstsein zu tun und ich glaube, das ist auch so ein bisschen dein Selbstverständnis oder?

Lukas: Ja, definitiv. Also zum einen wollte ich dem Tomatenbier jetzt gar nicht so die große Bühne geben, das Problem ist leider nur, dass man an diesem Bier und auch an dem Rezept in der Produktion, relativ viele Sachen erklären kann, weil es ein extremes ist. Aber, genau, wir sind immer mit dem Gusto angetreten, dass wir uns nicht reinreden lassen werden und das wir genau erst mal nur das machen wollen, worauf wir wirklich Bock haben. Am Ende des Tages ist es auch einfach so, das, wenn wir uns für eine Thematik nicht begeistern können, dann wird auch das Endprodukt nicht gut. Und dementsprechend müssen uns die Leute, und das machen sie auch, in der Hinsicht vertrauen, dass wir wissen, was wir machen, egal welche Kreation da irgendwie als Nächstes auf die zurollt.

Markus: Ja und wenn du wir sagst, dann seid es ja ihr beide und ihr habt euch quasi mitten in der Pandemie dazu entschlossen, diese Brauerei aufzumachen, da gehört ja auch was dazu. Wie ist das denn so gereift in euch?

Lukas: Ja, die Pläne existierten schon länger und wir haben immer geguckt. Und, ja, Sophia musste mich überreden, dass ich zumindest erst mal den Bachelor bis dahin fertigmache und den Abschluss in der Tasche habe und während es Masters das dann im Prinzip durchsetzen kann. Und wir haben uns dann irgendwie gesagt, als Corona aufgeploppt ist, okay, wann sonst? Also ich meine, es kann immer irgendwas passieren, wir müssen es jetzt probieren. Corona hat uns auch relativ viele Optionen weggenommen, das kann gut, das kann schlecht sein. Zum Beispiel wollten wir eigentlich erst den Weg über so eine Gasthausbrauerei oder in den Brewpub gehen. Das Ganze hat sich natürlich dann sofort erledigt, als wir wussten, okay, die ganze Gastronomie ist erst mal lahmgelegt, sodass wir im Prinzip gezwungen waren, auch so kleine, ja, handfreundliche Gebinde abzufüllen. Und wir dachten, ja, gut, wir befinden uns am absoluten Tiefpunkt grade weltwirtschaftlich, was soll passieren? Und dass das nicht der Tiefpunkt war, das wissen wir mittlerweile auch alle, aber es ist auf jeden Fall nicht die falsche Entscheidung gewesen.

Markus: Nee und ich finde, es ist, glaube ich, auch ganz gut, dass ihr nicht diesen Brewpub zuerst umgesetzt habt. Weil, da kommen dann einfach noch so viele andere Sachen mit rein, die, glaube ich, dann eventuell so eine Linie wieder ganz schön verwässern. So konntet ihr ja wirklich oder kannst du auch in dem Bereich, was das Bier angeht, wirklich sehr, sehr klar deine Linien durchziehen, ohne dass du eben von irgendwelchen Sachen gezwungen wirst oder eingeschränkt wirst, die sich halt daraus ergeben, dass man diesen Laden hat, also das ist schon sicherlich gut. Wie ist denn das bei der Wittorfer Brauerei, was ist das für eine Brauanlage, ist die eher neu und ist die eher groß oder wie muss man sich das vorstellen?

Lukas: Ja, genau, die haben im Prinzip jetzt neulich erst aufgestockt, ich glaube, Anfang diesen Jahres oder letzten Jahres, auf ein 20-Hektoliter-Sudwerk. Vorher hatten sie, ich glaube, ein 5-Hektoliter-Sudwerk, das kennen wir nicht mehr, wir kennen nur das Neue. Und dann bietet uns Hennig im Prinzip an, dass wir ab 10 Hektoliter Chargen brauen. Und, ja, die Ausstattung ist super modern, er hat ja so einen kleinen 2-Mann-Dosenfüller. Mit das beste Modell, um die Biere auch wirklich sauerstofffrei oder zumindest sehr, sehr sauerstoffarm abfüllen zu können und das war uns generell sehr, sehr wichtig. Deswegen sind wir alt auch so ein bisschen auf unseren Produktionsort beschränkt. Weil, die Brauerei muss einen Dosenfüller haben und dann muss er natürlich auch noch unsere Maßstäbe irgendwie ein bisschen fitten. Das bringt uns nichts, wenn wir bei der OeTTINGER-Brauerei produzieren, die einen Dosenfüller mit 60.000 Dosen die Stunde haben, das muss alles im Maßstab bleiben. Und dementsprechend sind wir irgendwann mal auf Hennig zugekommen und das muss ich auch ganz klar betonen, als Wanderbrauer ist der persönliche Kontakt mit der anderen Brauerei sowas von entscheidend. Und da kann ich auf jeden Fall nur den Hut vor Henning, Kevin & Co, es ist einfach ein klasse Umfeld, in dem wir uns da bewegen.

Markus: Ja, auf jeden Fall, es sind ganz, ganz liebe Jungs. Also eifrige Podcast-Hörer haben ja vor einigen Wochen schon unseren Live-Podcast gehört, den wir aus Neumünster gemacht haben, wo der Henning auch dabei war, wo wir schon ein bisschen erzählt haben. Und wir werden ihn sicherlich auch demnächst noch im BierTalk selber haben. Also das ist, ja, er ist ein ganz lieber Mensch, der sich auch einfach sehr kümmert und auch dadurch, Gott sei Dank, auch viel Erfolg hat und auch viele andere Brauereien, die bei ihm auch ihre Biere machen lassen, das ist schön. Ich habe mir jetzt grade geistig vorgestellt, wo du das erzählt hast, wie dieses Telefonat ablaufen würde, wenn du bei OeTTINGER anrufst und einfach sagen würdest, ich hätte gerne in eurem Maßstab die Tomaten-Basilikum-Gose gebraut. Mich hätte interessiert, wie die da drauf reagieren. Und wenn man dann mal anfangen würde, das wirklich zu planen, da kommen dann ein paar Lastwägen mit Tomatenmark irgendwie oder so und dann kommt eine halbe Gärtnerei mit Basilikum. Also ich glaube, die würden das am Ende des Tages wahrscheinlich nicht machen oder?

Lukas: Ja, also man würde natürlich irgendwie sagen, das Geld die Welt regiert. Ich habe aber die Vermutung, ich kenne ja die Belegschaft zum Teil, dass allein die sich schon querstellen würde. Also das die sagt, ej, hau ab, also du kannst mich mal. Vorher quittiere ich meinen Job, bevor ich hier die Tomaten irgendwo reinwerfe. Aber ich sehe keine Chance, ja.

Markus: Weil, das wäre auch der maximale Anschlag auf die Brauerei, glaube ich. Weil, das dann danach wieder umzurüsten auf Pils und Helles ist auch nicht einfach, glaube ich. Naja, egal, auf jeden Fall eine schöne Vorstellung. Mal schauen, vielleicht, wenn ich mal jemanden von da treffe, frage ich mal, wie das so wäre? Egal, ja, jetzt haben wir noch drei Bierchen für uns stehen, ich habe ganz vergessen, wer dran ist, sich eins auszusuchen. Zwei sind ja Knowledge Is Power, die müssen wir wahrscheinlich wieder zusammen machen und dann haben wir noch das Take It Easy, was machen wir denn?

Lukas: Wir machen erst die Knowledge-Power-Serie, weil das Take It Easy so ein bisschen auf diesem Ansatz des Knowledges Power #2 aufbaut.

Markus: Okay. So und bei dem Knowledge Is Power bin ich jetzt auch ein bisschen verwirrt. Also hier auch wieder ein weiß und eins schwarz, auf beiden steht aber 2.

Lukas: Ja, Gastronomen hassen diesen Trick, genau wie bei dem PIVO. Ich weiß nicht, wie viele Anrufe ich schon bekommen habe, wie bescheuert wir denn sein müssen, dass wir zwei Biere identisch nennen. Aber das sind auch wir und zwar haben wir uns gesagt, okay, Wissen ist Macht und wir möchten die Leute mal mit auf diese Reise nehmen. Es gibt ja unterschiedlichste theoretische Ansätze, wie man im Prinzip Biere weiterentwickeln kann vom Geschmack her, von der Geschmacksstabilität. Und manche sind im Prinzip schon so salonfähig, dass wir uns gewundert haben, warum es dazu noch keine weiterführenden, ja, Praxisversuche gibt. Und wir haben uns einfach gesagt, okay, wir machen das mal, aber wir möchten den Leuten auch dementsprechend, weil das immer nur kleine Unterschiede sein werden, auch das Referenzbier mit an die Hand geben. Das heißt, also die weiße Dose beim Knowledge Is Power ist immer das Referenzbier und die blaue Dose ist immer das Bier, im Prinzip wird die Batch gesplittet nach dem Brautag und wird um eine Zutat meistens ergänzt. Und in dem Fall, beim Knowledge Is Power #2 ist zum Ende der Gärung noch eine Weinhefe da mit zugekommen.

Markus: Ah, also das heißt, wir haben grundsätzlich ein IPA und einmal mit und einmal ohne Weinhefe sozusagen.

Lukas: Genau.

Markus: Okay. Dann würde ich ja fast vermuten, wir müssen mit der Weißen anfangen oder?

Lukas: Ja.

Markus: Ja, also gut, dann machen wir das. So. Oh, die raucht sogar ein bisschen, diese Dose. Trinkst du auch so oft so viele Biere so schnell?

Lukas: Ja, das hat dann wahrscheinlich weniger mit Verkosten zu tun. Also gut, wenn wir nur immer ein halbes Bier trinken, ja. Aber ich muss zugeben, obwohl ich immer der Erste bin, der sagt, okay, Bier ist Genussmittel, ich trinke relativ schnell. Also ich kann auch schnell genießen, so ist es nicht.

Markus: Ja, na, das kann ich total nachvollziehen. Es gibt ja auch bei uns eine fränkische Trinkgeschwindigkeit, die kann man dann zur Not immer an den Tag legen, wenn die Gläser leer werden müssen, dann geht das schon auch mal. Aber das stimmt natürlich, ich finde, man muss immer beides haben, es geht darum, verantwortlich damit umzugehen und eben auch den Genuss in den Vordergrund zu stellen. Es gibt aber auch mal eine Situation, wo man einfach gerne mal ein Bier trinkt und das ist auch okay, also insofern, alles gut.

Lukas: Ja, definitiv.

Markus: Hier jetzt ein richtig schönes helles Bier. Also das ist jetzt so richtig schön hell golden, strahlt mich wieder an, hat wieder so einen leichten schönen Schimmer. Auch hier wieder schöner Schaum, wunderbar, schön weiß, feinporig, steht. Und, ja, das ist jetzt vom Geruch her eindeutig ein IPA. Also sehr schöne fruchtige, ein bisschen so Pinienbaum-, harzige Noten. Aber es hat schon so ein bisschen weinige Anklänge, also obwohl da ja keine Weinhefe drin ist, sagt du, ne?

Lukas: Genau, genau.

Markus: Und, ja, so ein bisschen Tropenfrüchte, ein bisschen Mango, ein bisschen Maracuja auch. Für mich stehen diese Tannenzapfen so ein bisschen im Vordergrund oder Fichten, wie auch immer. Ja, schön, also interessanter Geruch auf jeden Fall, sehr komplex. Und, ja, wie gesagt, ich kann mich dem nicht erwehren, so eine leichte Weinnote hat es auf jeden Fall.

Lukas: Ja, ich liebe es, dir immer zuzuhören und dann am Ende des Tages aufzuklären auf jeden Fall, das macht mir sehr, sehr viel Spaß und bestätigt im Prinzip auch genau die Intention, die wir damit hatten. Und in dem Fall ist schon als Hopfen selber mit drin Nelson Savaun.

Markus: Ah, okay.

Lukas: Und Nelson Savaun ist dafür bekannt, dieses leicht Stachelbeerige, ja, Traubenhafte schon mit reinzubringen. Wir haben natürlich damit gespielt auch, genau. Und die Basis ist im Prinzip ja ein West Coast ähnliches IPA, also relativ trocken gehalten. Da gehe ich auch später gerne noch drauf ein, warum wir das so gemacht haben. Und, ja, Nelson Savaun spielt halt mit in dieses Weinhefending mit rein und abgesehen davon ist es auch einfach ein geiler Hopfen.

Markus: Nein, das jetzt, wo du es sagst, also ich schwöre, ich habe vorher nicht drauf geguckt, weil auf der Dose ist das so klein, in meinem Alter kann ich das gar nicht lesen. Aber ist natürlich eine schöne Koinzidenz, wunderbar. Also ich finde auch, ich habe mittlerweile einen Schluck genommen, das ist Wahnsinn, wie hochvergoren das ist, also wie schön fein auch das Ganze. Und hinten raus, dann merkt man auch eine ordentliche Bittere, die ist sehr, sehr schön, sehr präsent auch. Ja, auch die alkoholische Note ist ordentlich da, also darf es auch sein bei 7,5. Und schön ist, dass diese Fruchtigkeit trotzdem immer da ist und auch da bleibt und am Schluss noch da ist. Also man hat immer dieses kleine Paket aus Mango und Maracuja, was immer noch so mit rumspielt und auch dabei ist. Und Stachelbeere ist auch ein guter Punkt. Ich weiß nicht, ob ich da drauf gekommen wäre, wenn du es nicht gesagt hättest, aber wo du es gesagt hast, ist es jetzt auf jeden Fall da. Hat auch was damit zu tun, also das kann ich ja auch allen nur empfehlen, es ist ja grad Sommerzeit und meine Freundin schreibt mir auf den Zettel zum Einkaufen immer einfach nur, ich soll ihr Beeren mitbringen, weil sie gerne sich halt so ein Müslifrühstück macht mit irgendwelchen Beeren. Und bei ihr ist im Kopf, na, da gibt es halt dann Himbeeren und Erdbeeren und sowas. Und ich kaufe dann halt auch mal Stachelbeeren zum Beispiel oder Johannisbeeren aller Art oder was weiß ich was, was es halt grade so gibt, um einfach auch mal diese anderen Aromen wieder sich reinzuziehen, wieder zu memorieren, damit einfach nochmal zu arbeiten, damit man das nicht vergisst und das man einfach die Vielfalt weiterhin präsent hat. Und vielleicht hat es auch was damit zu tun, das ich erst Stachelbeeren im Frühstück hatte. Also auf jeden Fall, nein, sehr schön, mit gefällt dieses Hochvergorene, das hat ja auch so einen Anklang an was Weiniges, fast schon Sektiges irgendwie.

Lukas: Ja, ja.

Markus: Ein sehr nobles Bier, finde ich.

Lukas: Genau, auf jeden Fall, das war auch so die Intention. Deswegen, auch wenn das Bier im Prinzip ohne Experimentalhefe ist, sind da selbst auch schon zwei Hefen drin, also wir lieben es tatsächlich, mit den Hefen zu experimentieren. Und unter anderen wurde das Bier oder Knowledge Is Power #2 als Gesamtes auch mit der WB-3470, also mit der untergärigen oder kasachischen untergärigen Pilshefe vergoren, deswegen auch dieser hohe Endvergärungsgrad so ein bisschen zu erklären ist. Also ich glaube, der liegt bei fast 85 % scheinbarer Endvergärung. Das ist schon sehr, sehr hoch für Biere solcher Art.

Markus: Hast du jetzt wirklich gesagt, wir haben hier die untergärige Hefe, die das vergoren hat? Krass.

Lukas: Ja, ja, also Combo. Das ist so ein Mix aus S-04 und WB-3470. Wir scheuen uns im Prinzip nicht, unter- und obergärig zusammenzuwerfen, das funktioniert erstaunlicherweise sehr gut.

Markus: Ja. Na, ist ja historisch auch völlig richtig. Also das ist, glaube ich, auch vielen nicht so bewusst. Und in letzter Zeit habe ich immer wieder Diskussionen, grade mit amerikanischen Bierfreunden, also ohne denen zu nahetreten zu wollen, aber die sind immer sehr strikt, also was die Bierstildefinitionen angeht und was Zutaten und so weiter angeht. Und dann muss ich denen halt immer erklären, okay, aber eigentlich gab es zuerst Bier und dann hat irgendjemand dem Ganzen so Bierstile drüber gestülpt. Und das ist auch alles erst in einer Zeit passiert, als wir modernes Brauen hatten und moderne Verfahren und all das. Und wenn wir überlegen, wie so ein Bier im 19. Jahrhundert ausgesehen hat, da gab es das einfach nicht, dass man sagt, wir geben jetzt hier ober- oder untergärige Hefe dazu, das waren immer Mischgärungen. Und man hat halt mit der Temperatur so ein bisschen gesteuert, wo die Reise halt hingeht und dementsprechend ist das einfach ganz normal. Aber da kann man manchmal Stunden diskutieren und es kommt dann doch nix dabei raus. Ja, ich glaube, viele von denen werden halt einfach mit diesen BCJP-Homebrew-Richtlinien groß und verinnerlichen die dann wie so eine Bibel. Und das ist dann interessanter Weise, obwohl es ja eigentlich um Kreativität geht und darum, auch Grenzen bewusst zu überschreiten, ist da dann trotzdem sehr viel Striktheit irgendwie da und da diskutiert man echt oft ganz schön lange rum, muss man sagen.

Lukas: Ja, definitiv. Das ist auch eine Sache, die wir gelernt haben in unseren ersten zwei Jahren jetzt, dass wir eigentlich nicht nach Subkategorie brauen. Also schreiben wir auf unsere ganzen Dosen auch eigentlich immer nur IPA drauf, egal ob es jetzt New England Style ist oder West Coast Style oder sonst was, weil wir uns eigentlich diesen Grenzen auch nicht untersetzen wollen. Aber wie du auch schon angesprochen hast, es ist teilweise relativ mühselig, den Leuten dann erklären zu wollen, dass es eigentlich völlig egal ist, sondern man im Prinzip als Brauer dann sich auch so ein bisschen ausleben will und nicht nur nach diesen Styleguidelines lebt. Wobei ich natürlich auch verstehe, das man das versucht irgendwie zu kategorisieren, grade wenn es darum geht, okay, das Bier zu bewerten nach gewissen Stilkriterien oder sowas. Es ist tatsächlich eine sehr, sehr schwierige Thematik, aber ich finde es sehr, sehr witzig und sehr schön auf jeden Fall, dass du durchaus auch deine Erfahrungen damit schon gemacht hast.

Markus: Ja, ja. Na, ich finde halt, es gibt diese beiden unterschiedlichen Fälle, also entweder, man macht einfach ein Bier und man genießt ein Bier, verkostet ein Bier, dann brauche ich eigentlich keine Styleguidlines. Oder ich bin bei einem Bierwettbewerb, die Biere werden unter einer Richtlinie eingereicht und von dem Brauer auch in irgendeine Kategorie reingesteckt. Und dann muss man ja Juror irgendeine Richtschnur haben, nach der man dann diese Biere auch beurteilt. Das ist ja wichtig, ohne ein Koordinatensystem kann man das ja nicht verorten. Also dementsprechend, das ist dann natürlich so und dann ist es auch so, dass natürlich ein Bier, was dann dem nicht entspricht, was der Styleguide sagt, für den Wettbewerb auch kein gutes Bier. Was aber nicht heißt, dass es nicht in der Welt ein gutes Bier sein kann. Und das ist, glaube ich, so der Punkt, dass das mittlerweile gerne mal vermischt wird. Und zum Beispiel dem normalen fränkischen Brauer hier auf dem Land, dem ist völlig scheiß egal, was für ein Bierstil da draufsteht. Der macht sein Bier, seit 100en von Jahren macht die Familie ihr Bier und das macht er halt. Und er schreibt halt irgendwas drauf, Vollbier, Lager irgendwas, was er halt schon immer drauf geschrieben hat, aber dem ist völlig egal, was irgendein Amerikaner unter diesem Bierstil versteht. Und das ist auch völlig egal, solange dieses Bier nicht bei einem Bierwettbewerb ist. Und diese Diskussion ist halt, wie gesagt, immer ganz interessant. Naja, will ich gar nicht so tief einsteigen, aber es ist auf jeden Fall spannend, sagen wir mal so. So, also, jetzt haben wir diese nichtweinige, aber doch weinige Variante probiert, jetzt müssen wir eigentlich auf die dunkle Seite gehen.

Lukas: Definitiv.

Markus: So, also, wir arbeiten uns voran, eine Stunde und zehn und wir haben schon sechs Biere, sehr gut.

Lukas: Ein gutes Tempo, würde ich sagen.

Markus: Ja, es läuft. So, also die Farbe ist ähnlich, würde ich sagen, ja, also ich habe es jetzt nicht mehr ganz genau im Kopf, wie das vorher war. Das ist auch wieder sehr strahlend, sehr hellgelb, goldgelb, hell goldgelb. Der Schaum ist wieder sehr, sehr stabil, sehr dicht, das ist auf jeden Fall sehr, sehr ähnlich. Ah, ja und in der Nase, in der Tat hat man jetzt ein bisschen mehr diesen, ich würde fast sagen, eher so auch Sekt-, Champagner-Charakter. Also sehr frisch, sehr viel Kohlensäure, noch mehr von diesen weinigen Noten, okay. Weniger von diesen ganzen harzigen Aromen und dafür mehr so Orange, mehr so Citrus auch mit dabei. Und die Beeren, also Stachelbeere, in der Tat, ist wieder da, aber ich würde auch fast sagen, so ein bisschen Richtung Johannisbeere und so ein bisschen gewürzige Noten sind auch dabei. Also sehr komplex wieder, mal ein Schlückchen nehmen. Das ist aber interessant, also das kommt mir jetzt ein bisschen süßer vor, ein bisschen mehr Körper. Tolles Mundgefühl und da kommt jetzt auch wieder relativ viel von diesen ganzen tropischen Früchten und auch wieder Stachelbeere, in der Tat. Heute ist irgendwie der Tag der Stachelbeere. Sehr schön und es bleibt sehr lange. Also das gefällt mir auch gut. Was sagst du?

Lukas: Mich freut es einfach nur, wieder dich zu hören. Weil, ich meine, hätte ich mir vorher aufgeschrieben im Prinzip und in einem Brief und zugemacht, was ich von den Bieren hören möchte, dann ist genau das auch bei rumgekommen, was rumkommen soll.

Markus: Ah.

Lukas: Und dementsprechend bin ich tatsächlich sehr, sehr fasziniert, dass das hier in unserem, ja, Mini-Tasting, ohne irgendwelche großartige Information tatsächlich auch durchaus bei dir so ankommt. Also sowohl dieses, ja, harzig Piniege so ein bisschen weg ist, dass man gegebenenfalls auch ein bisschen tropisch fruchtiger unterwegs ist. Und vor allem auch ganz entscheidend, im Geschmack auch eine gewisse Süße dazu empfindet. Dass diese Weinnoten irgendwo intensiviert werden, ist klar. Die Weinhefe ist ja bei einem scheinbaren Endvergärungsgrad von 50 oder 45 % dazugegeben. Die hat durchaus noch einen gewissen Einfluss auch auf die Gesamtaromatik des Bieres und ist einfach sehr impulsiv in ihrem Ausdruck. Aber auch im Prinzip das, was wir mit diesem Bier erreichen wollten. Also wenn wir dieses Knowledge-Power-Serie uns angucken, das ist jetzt Edition 2, Edition 1 gab es ja auch schon als IPA, ist tatsächlich eine Idee, den sofortigen Eindruck dieser Biere zu verändern. Und auf der anderen, jetzt natürlich schwer nachzuvollziehen, weil es so eine Momentaufnahme ist, vor allem die Geschmacksstabilität dieser Biere, grade bei den IPAs, so ein bisschen zu erhöhen und länger hinauszuzögern. Und dementsprechend, diese Weinhefe hat metabolische Eigenschaften, die besitzt Enzyme, die eine normale Bierhefe nicht besitzt, wenn man jetzt mal die Brett außen vor nimmt. Gut, das ist auch keine typische Bierhefe. Und die Weinhefe, die normalerweise Anwendung zum Beispiel in neuseeländischen Sauvignon-Blanc-Weinen findet, kann im Prinzip Thiole befreien. Und das sind, ja, schwefelhaltige Alkohole, die ein SH-Ende im Prinzip haben und die haben den Vorteil, dass der Geruchsschwellenwert sehr, sehr gering ist. Also wir reden hier von wenigen Nanogramm pro Liter. Und das sind im Prinzip diese Aromen, je nachdem welches Thiole sich dann grade anguckt, die entweder von Johannisbeere oder wenn dieser Geruch von Johannisbeere zu intensiv wird, vielleicht sogar Richtung Katzenurin geht oder auf der anderen Seite halt auch Rhabarber, Stachelbeere, Passionsfrucht. Und dementsprechend wollten wir gucken, okay, wie verhält sich das und vor allem auch über die Dauer und das Alter des Bieres.

Markus: Also das finde ich jetzt wirklich ganz spannend. Und wo du sagst Rhabarber, ist auch noch so eine Geruchskomponente, die ist auf jeden Fall da, sehr interessant. Und zwar, ich hatte gestern erst eine Rhabarberschorle, deswegen habe ich jetzt grade nochmal geistig runter skaliert. Und das ist in der Tat so, wenn ich ein bisschen weniger im Glas habe und jetzt nochmal so eine frische Nase nehme, dann ist das wirklich dieser Geruch. Toll, also das finde ich faszinierend. Ist ja auch eine ganz neue Spielwiese jetzt mit diesen Hefen und was man da so alles machen kann, nochmal eine weitere Stufe mit Bier und den Bieraromen letzten Endes umzugehen, ne.

Lukas: Auf jeden Fall. Also vor allem bin ich deswegen auch sehr, sehr zuversichtlich, weil es am Ende des Tages vielleicht auch um Ressourcenschonung geht. Also wenn man sich vorstellt, man hat irgendwie ein stark gehopftes IPA und hat enorme Produktverluste einfach durch den Hopfen, der nachträglich mit rein kommt und man kann diese Aromen aber gegebenenfalls durch die Hefe auch noch besser auswaschen aus den Produkten. Also diese Thiole als Precusor, die wir nicht wahrnehmen, sind sowohl im Hopfen als auch im Malz vorhanden. Und wenn wir da im Prinzip jetzt noch weitere Wege finden, das zu intensivieren, dann können wir natürlich umgekehrt auch zum einen, ja, müssen wir weniger Hopfen verwenden. Und das bedeutet natürlich auch, dass diese extrem teuren Produkte hoffentlich auf Dauer gesehen etwas günstiger werden können.

Markus: Ja und ich muss sagen, was mir jetzt auch so auffällt ist, wir haben jetzt einige IPAs getrunken und die waren alle durch die Bank, also, klar, IPAs, keine Frage, aber alle nicht so vordergründig hopfengetrieben wie man das normalerweise von IPAs erwarten würde. Sondern da waren durch die besonderen Zutaten oder hier durch die besonderen Hefen jeweils ganz, ganz viele andere Aromen im Spiel, die diesen Bierstil nochmal ganz, ganz viel dazugegeben haben und es trotzdem spannend und interessant machen. Aber eben ganz anders, als wenn ich jetzt, sagen wir mal, zehn klassische hopfengestopfte IPAs, die ich sonst so auf dem Markt bekommen würde, denen gegenüberstellen würde. Das finde ich ganz interessant, das ist eine neue Dimension von IPA, die man da feststellen kann, finde ich.

Lukas: Ja, auf jeden Fall ist das auch das Ziel. Also ich meine, wir haben Hopfen, klar, es kommen immer neue Sorten, langsam so ein bisschen ausgereizt, was wir damit machen können. Also früher, da braucht man gar nicht lange zurückgucken, vor fünf Jahren hätten wir wahrscheinlich Knoblauch und Zwiebel noch als Fehlaroma identifiziert und mittlerweile erwartet man das teilweise in den ganz jungen frischen IPAs. Einfach weil die Konzentration oder die Menge, die wir an Hopfen rein schmeißen, so enorm ist und auf der anderen Seite werden die Biere dadurch weniger, ja, unterschiedlich. Und das ist auch definitiv Philosophie von uns, von Liquid Story, das wir halt auch versuchen, unsere eigene Signatur irgendwo zu finden. Wir lieben natürlich auch diese klassischen New England IPAs, gar keine Frage, aber wir möchten natürlich auch irgendwo unsere eigene Geschichte schreiben und uns nicht nur irgendwo anreihen.

Markus: Und wie funktioniert das, wenn man keine eigene Brauerei jetzt hat, wenn ich mit all diesen Rohstoffen, mit den Hefen, mit dem Stopfen, mit so vielen verschiedenen Malzen spielen will? Habt ihr da irgendwo ein Zwischenlager oder hast du da in Wittorf so einen extra Container, wo das alles drin ist oder wie funktioniert das?

Lukas: Also, genau, also grade, wenn es um die Hefen geht, die kann man relativ gut lagern. Da braucht man auch gar nicht so viel Platz, also die bestellen wir meistens nach Braunschweig. Hier haben wir auch ein großes Kühlhaus, da könnten wir im Prinzip auch eine Menge unterbringen auf jeden Fall zu unseren ganz normalen Bieren, die da stehen. Und auf der anderen Seite ist es auch alles eine Sache der Kommunikation. Also man weiß ja im Prinzip, was wann gebraut wird gegebenenfalls und dann kauft man tatsächlich brauspezifisch ein, seien das jetzt Reisflocken, sei das Dinkel, Malz oder irgendwelche bestimmten Hefen, bestimmten Hopfensorten. Wir haben tatsächlich auch einfach noch gar nicht die Größe vom, ja, Ausstoß her, dass wir irgendwelche Contracts haben im Hopfen-Game und da im Prinzip an die Mengen gebunden sind, sondern wir kaufen tatsächlich für jeden Brauvorgang spezifisch ein.

Markus: Also so ein bisschen just-in-time-Produktion, könnte man sich das vorstellen?

Lukas: Auf jeden Fall. Also wenn es später besser läuft, das ist leider auch, sage ich mal, ein Nachteil, dadurch, dass wir das nur im Nebenerwerb machen und auch sonst irgendwie hier Vollzeit irgendwo unterwegs sind noch parallel, das man tatsächlich eher in so einer, ja, Art und Weise immer reagieren muss auf das, was vor einem liegt. Also man arbeitet eher die Deadlines ab, als das man wirklich Jahre vorausplanen kann. Ich hoffe, da kommen wir dann irgendwann hin, wenn sich das alles auch ein bisschen beruhigt und wir etablierter sind, das würden wir schon gerne machen. Aber am Ende des Tages ist es auf jeden Fall so, dass wir wenige Sude vorausplanen und dann dementsprechend das organisieren.

Markus: Jetzt hast du ja schon so ein bisschen von der Zukunftsmusik gesprochen. Wie ist es denn aktuell, also ist es schon ein Unternehmen, wo du sagen kannst, ihr beide könntet damit schon überleben oder ist es momentan noch auf diesem Schritt dahin?

Lukas: Ja, wir sind froh, wenn das Unternehmen für sich alleine erst mal überleben kann. Das wird auf jeden Fall noch ein bisschen dauern. Wir haben es einfach jetzt grade auch mit den, ja, mit der Weltwirtschaft so zu tun, dass wir erst mal versuchen, dass Unternehmen an sich zu stabilisieren und uns erst mal da rausnehmen. Man muss natürlich auch dazu immer sagen, dieses, ja, first to market ist ganz, ganz entscheidend. Und wenn wir uns da jetzt zum Beispiel Fürst Wiacek, Sudden Death Brewing oder Frau Gruber angucken, die waren nun mal einfach auch drei, vier Jahre früher als wir am Start, wo gegebenenfalls auch diese, ja, ich nenne es jetzt einfach mal diese 6-Euro-Dosen grade erst im Kommen waren. Wir sind jetzt die dritte oder vierte Generation vielleicht von dieser Art von Brauern und müssen auch erst mal unseren Platz finden. Und es ist ganz, ganz entscheidend am Ende des Tages, dass wir auch, ja, damit leben können, nicht aus monetärer Sicht, sondern was die Arbeit und den Einsatz irgendwie darbietet. Und wir sind auf jeden Fall zuversichtlich, dass es in Zukunft der Fall sein wird, aber wir können im Prinzip auch nicht irgendwie in den Spiegel gucken und sagen, hej, in zwei Jahren ist das so und so, sondern das lassen wir auf uns zukommen.

Markus: Ja, ihr seid auf jeden Fall auf einem guten Weg und ich glaube, das ist auch eine Chance. Also weil, also auf der einen Seite, klar, also das waren nun mal die Ersten, die damit so rausgegangen sind. Aber auf der anderen Seite gehen mir da Gespräche durch den Kopf, die ich hatte, als ich mal wieder mit meinen Berliner Braufreunden gesprochen hab. Und ich glaube, das war 2012 oder irgend sowas, wo ich mein erstes Berliner Brauereienbuch geschrieben habe und da waren halt so Leute wie Hops & Barley und der Thorsten Schoppe und so, das waren halt alles so die Leute der ersten Stunde. Und als ich dann die neue Auflage gemacht hab und habe dann da auch mit eben so Bierleuten gesprochen, die ich dann so getroffen hab bei verschiedenen Brauereien, dann wussten die teilweise gar nicht, wer Hops & Barley ist und andere haben halt gesagt, naja, das sind halt diese Alten, die waren halt früher schon da, das ist ja langweilig. Und auch, wenn man mit dem Philipp dann spricht, dann sagt der das auch, dass er das total schade findet, dass er mittlerweile von der Wahrnehmung her eher so ein Dino ist, also obwohl es ihn ja grade mal 15 Jahre gibt oder 10. Aber dass die Leute einfach dadurch, dass das sich so schnell dreht und das die Szene sich so schnell verändert und es schon wieder neue Leute einfach sind, dass dadurch tatsächlich wieder andere in den Fokus rücken. Und ich glaube, das ist auch eine Chance, also grade für Leute wie euch auch, sich da zu positionieren und so bestimmte Themen auch zu besetzen, weil ihr ja jetzt auch nichts kopiert. Also das finde ich ja auch großartig, es war jetzt kein Bier dabei, wo man sagen kann, das ist so wie, irgendwas, was man halt so, so wie das IPA von denen. Also wenn wir jetzt 25 New England IPAs getrunken hätten, halt mal mit den Hopfen oder mit den Hopfen oder so, da hat man da gewisse Parallelitäten, aber hier ist ja wirklich immer eine sehr individuelle Note dabei. Und ich glaube, das ist auch was, was die Leute dann schätzen und was sie sich auch merken. Also wo man dann auch sagt, okay, da komme ich wieder, das sind Leute, an die kann ich mich erinnern. Das ist ja dann auch eine schöne und wichtige Sache. Gibt es denn so eine Art Fanclub?

Lukas: Ja, auf jeden Fall. Also egal was mit Liquid Story irgendwann mal passieren wollte, woran es auf jeden Fall nicht gelegen hat, ist der Support, den wir von den Leuten um uns herum auf jeden Fall erfahren. Und damit meine ich nicht nur den regionalen Support, also in Braunschweig, sondern wirklich tatsächlich deutschlandweit und über die Grenzen hinaus, wenn wir in Antwerpen irgendwie auf einem Bierfest waren oder in Bozen auch. Und ich meine, das ist tatsächlich auch einer dieser Punkte, die so uns immer wieder motivieren auch, ja, diesen Vollzeitjob im Nebenerwerb irgendwo durchzuführen. Das man also im Prinzip immer wieder zu hören bekommt von wegen, das finden wir so klasse, was ihr macht und das treibt uns auf jeden Fall auch an. Deswegen, da ist auch, ich möchte es nicht Fanclub nennen, sondern eher also Teil des Liquid-Story-Seins. Also wir wollen die Leute ja mit auf diese Geschmacksreise nehmen und wir freuen uns natürlich, wenn die Leute, ja, einfach mit einsteigen und sich treiben lassen.

Markus: Also Vollzeitjob im Nebenerwerb ist ein gutes Stichwort. Was sagen denn da deine Eltern dazu?

Lukas: Die unterstützen mich mit jeder Minute und jeder Idee, die sie auf jeden Fall haben. Also das ist, ja, die sagen, okay, er hat es durchgezogen, er macht es. So wie wir ihn kennen, immer mit dem Kopf durch die Wand, bloß nicht auf irgendjemanden hören oder irgendwie zurückstecken. Und, ja, am Ende des Tages ist es try and error und das wissen die auch alle. Und dementsprechend bin ich natürlich auch umso glücklicher, dass auch vor allem das familiäre Umfeld, wo Sophia natürlich dann auch durch ihren Arbeitseinsatz die Pfeilspitze bildet, so hinter mir steht. Also die würden uns niemals hängenlassen, egal ob das irgendwo mal schnell aushelfen ist, weil eine Person auf einem Bierfest fehlt oder sonst mal hier mit einem Festivalstand aufbauen oder sowas, das ist ein unglaublicher Support.

Markus: Ja, nee, das ist ganz, ganz viel wert. Also ich erinnere mich grade an so Leute wie den David Hertl oder auch den Markus Hope oder sowas. Als ich die zum ersten Mal bei irgendwelchen Festivals gesehen habe, da war immer die ganze Familie am Start, Mutter, Schwester, Vater, wer auch immer, wer zwei Beine hatte und irgendwie helfen konnte, bis zur Oma, war irgendwie mit dabei. Und das ist letzten Endes auch was, was natürlich dann viel wert ist, grade in diesen Anfangstagen, weil man halt jede Hand gebrauchen kann manchmal und dann ist das ja auch ganz gut so. So, Take It Easy.

Lukas: Jawohl.

Markus: Wir haben noch ein Bier, wunderbar. Also für alle, die jetzt immer noch dabei sind, wie gesagt, ihr könnt über den Online-Shop auch die Biere bestellen. Und Take It Easy gibt es schon länger oder?

Lukas: Nee, ist unser letztes Release gewesen.

Markus: Oh! Okay.

Lukas: Anfang Juni kam es raus.

Markus: Spannend, okay. Ich habe gedacht, also es schaut für mich oder hat für mich zuerst so gewirkt wie so ein Evergreen. Vielleicht weil es so grün ist, kann auch sein. Aber egal, also auf jeden Fall spannend, bin ich mal gespannt, machen wir das mal auf. Da müssen wir jetzt nicht mehr auswählen, wir haben ja nur noch eins.

Lukas: Genau.

Markus: Uih! Also Farbe auch wieder sehr schön, helles Goldgelb, schöne Kohlensäurefäden, die sich hier durchziehen. Übrigens, wer das hört, das ist mein Hund, der ist heute irgendwie ein bisschen unausgelastet, aber das gehört manchmal auch dazu. Ja, ein wunderbarer Schaum, der auch wieder steht. Also das ist auf jeden Fall grandios schon mal vom Ausschauen her. Und von der Nase her, jetzt sind wir sehr fruchtig unterwegs, würde ich sagen. Also da, hm, ist gar nicht so einfach, also auf jeden Fall Mango, Maracuja, ein bisschen sowas Bananiges auch interessanterweise, ein bisschen rote Beeren. Also ziemlich viele sehr verschiedene Fruchtaromen, das wundert mich jetzt so ein bisschen, aber spannend auf jeden Fall. Auch ein bisschen eine weinige Note, ein bisschen eine sehr feine schöne Kohlensäurenote auch dabei. Ja, interessant, das erinnert mich fast ein bisschen an unser Knowledge Is Power grade. Und eine tolle Mischung, also aus Citrusfrüchten, roten Beeren, bis hin zur Erdbeere sogar, dann eben Tropenfrüchte, bis hin zur Banane. Das hat man eigentlich selten bei so IPAs. Und am Ende auch eine kleine Honignote mit dabei, also sehr interessant. Bis hin zu fast auch so einer, wie soll man sagen, so im positiven Sinne so eine Teenote, also was sehr Florales irgendwie auch noch. Interessant, also sehr komplex. Gut, probieren wir mal ein bisschen. Setzt sich fort, spannend. Also auch wieder eher schlank, sehr nobel, weinig, fast so ein bisschen Champagner-mäßig. Sehr schön diese Fruchtnoten, da kommt dann sogar Apfel und Birne ein bisschen mit ins Spiel. Also im positiven Sinne würde ich einen Obstsalat, durch den man durchreist. Zwar einer, der vielleicht schon einen Tag länger gestanden ist, wo man auch noch Rosinen mit rein hat und vielleicht ein paar kleine Abriebchen von Schokolade und ein paar Nüsse und ein bisschen Honig. Also sehr interessant, es ist unheimlich komplex, was da alles mit dabei ist. Spannend! Also von wegen Take It Easy, würde ich jetzt mal eher nicht so sagen, also, wie gesagt, im positiven Sinn, da ist echt viel, was man so entdecken kann. Was steckt dahinter, da bin ich jetzt echt mal gespannt.

Lukas: Ja, deine Nase ist echt unfassbar gut, muss man dazu sagen, ich bin sehr, sehr beeindruckt.

Markus: Oh, danke.

Lukas: Ja! Und zwar, Take It Easy, der Name einfach schon deswegen, weil wir dieses Mal im Prinzip ein sommerliches IPA brauen wollten. Normalerweise, unsere IPAs, die machen wir gerne mal ein bisschen bitterer. Also das heißt, eine ordentliche Whirlpool-Hopfung kommt in den meisten Fällen tatsächlich auch immer dazu, die natürlich eine gewisse Bittere noch mit ins Bier reinbringt neben dem Kaltstopfen. Und in dem Fall haben wir, ja, die Whirlpool-Hopfung auf ein Minimum runter gedreht, haben tatsächlich mit einer Maischehopfung gearbeitet und fast ausschließlich kaltgestopft, einfach um die Bittere ein bisschen zu zügeln und das Bier, ja, doch besser trinkbar zu machen. Und dann auch wie im Prinzip bei den Vorgänger, und deswegen sage ich auch, okay, das baut auf den Knowledges Power #2 auf. Ist tatsächlich auch, dass es im Prinzip wieder ein Ansatz ist, okay, was können wir mit den Hefen erreichen? Deswegen ist auch wieder unter anderem diese Weinhefe mit drin.

Markus: Ah, okay.

Lukas: In dem Fall tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt dazugegeben im Prinzip, damit diese Weinaromatik nicht so ganz so dolle dominiert. Aber auf der anderen Seite haben wir es mit insgesamt vier Hefestämmen zu tun, die alle unterschiedliche Eigenschaften mit in das Bier bringen sollen. Und zum Beispiel, deswegen finde ich das mit der Banane so lustig, ich glaube, da sind insgesamt drei Päckchen, also das ist wirklich wenig, drei Päckchen a 11 Gramm von der WB-06 Fermentis mit drin, also von der Weizenhefe.

Markus: Okay. Okay, spannend!

Lukas: Einfach, um im Prinzip noch eine neue Dimension da zu schaffen. Und ich finde es umso faszinierender, dass du direkt mit der Banane um die Ecke kommst, weil die auf jeden Fall auch da ist, genau. Und wir wollten im Prinzip die volle Bandbreite, okay, welche Hefen haben wir, welche Merkmale besitzen diese Hefen? Und wie bringen wir das so zusammen, dass dieses Getränk an Komplexität dadurch gewinnt, ohne im Prinzip zu aufdringlich zu sein?

Markus: Woah! Also das haut mich jetzt um, da habe ich nicht damit gerechnet, dass man bei so einem Juicy IPA grade mit den Hefen spielt. Aber das macht es natürlich dann, das erklärt dann auch ein bisschen, wo dann diese ganzen Aromen herkommen. Und natürlich wollen die Hefen alle fressen, deswegen sind wir dann auch so hoch in der Endvergärung. Das ist natürlich sehr, sehr spannend, woah! Wie kommt man denn auf die Idee?

Lukas: Ja, keine Ahnung.

Markus: Okay.

Lukas: Irgendwie das Thema hier, man muss ja dazu sagen, also das hört sich jetzt so an, als wären wir schon voll am Ende der Fahnenstange mit unserem Wissen und sowas, aber am Ende des Tages wissen wir eigentlich noch überhaupt nichts. Wir sind nur mutig genug, die Sachen auch auszuprobieren und anzugehen. Weil Fakt ist für uns, wir wollen uns immer weiterentwickeln. Und für uns heißt weiterentwickeln nicht, dass wir die doppelte Menge immer an Hopfen rein schmeißen, sondern wir gucken, okay, wie können wir wirklich den nächsten Schritt gehen der Innovation? Und da sind die Hefen noch völlig unterrepräsentiert, unserer Meinung nach.

Markus: Ich finde, daran merkt man auch, dass es euch noch nicht solange gibt, weil ihr praktisch auf all den Experimenten aufbaut, die die Leute gemacht haben, die schon vorher da waren. Also ich glaube, vorher haben ganz viele Leute eben mit ganz vielen Hopfen experimentiert und was weiß ich was und der Ansatz ist ja jetzt nochmal völlig anders, dass man sagt, okay, diese Klaviatur mit dem Hopfen, das kennt man. Da gibt es auch spannende Sachen, keine Fragen. Aber, wir setzen da jetzt noch einen drauf und spielen dann eben ganz intensiv mit diesem Hefeklavier. Und da ist natürlich, wie du sagst, ich glaube, da ist das Ende der Fahnenstange noch lange, lange nicht erreicht. Und es gibt ja auch noch ganz, ganz viele Hefen, die entweder grade erst entdeckt sind oder noch unentdeckt sind aller Wahrscheinlichkeit nach und da gibt es natürlich auch viel Potenzial für Aromen und für Biere und für Getränke überhaupt aller Art. Aber das ist wirklich, das haut mich jetzt ein bisschen um, das ist echt spannend, da mit vier Hefen zu arbeiten, dass die auch alle vier irgendwie es schaffen, sich da irgendwie einzubringen und das man trotzdem noch ein schönes IPA hat, was den Namen auch verdient. Das ist echt toll!! Das trinkt sich auch schön. Also wie ist da so das Feedback, wenn es noch gar nicht solange draußen ist, was sagen da die Leute?

Lukas: Tatsächlich sehr, sehr gut, also, genau, das, was du im Prinzip auch angemerkt hast. Vielleicht kam mal zurück von wegen, okay, das ist mir fast ein bisschen zu Hefe-lastig für so ein IPA. Aber auch das ist wieder völlig in Ordnung. Weil, am Ende des Tages wollen wir eben auch die Diskussion anregen und die Leute sollen sich damit auseinandersetzen, mit der Thematik und das durchaus diskutieren. Aber im Grunde grade auch, weil das einfach so sommerlich angehaucht ist, auch grade, was die Bittere und sowas angeht und, ja, die Trinkfähigkeit. Ja, das Feedback selber ist immer natürlich gut. Man muss natürlich auch dazu sagen, vielleicht gibt es negatives Feedback, was nur nicht an uns herankommt, das kann natürlich auch sein, aber wir können nichts Schlechtes berichten.

Markus: Ja, also ein gutes Beispiel, finde ich, dafür ist immer die Schneeeule, also wenn man dann die Ulrike so immer mal auf Facebook auch verfolgt. Und da gibt es ja dann Leute, die wirklich sich dann diese Berliner Weissen nehmen und dann das verkosten eben bei Untapped oder irgendwie sowas und dann halt so Verkostungsnotizen schreiben wie, oh Gott, das Bier ist sauer oder, das schmeckt ja nach Apfel oder was weiß ich was. Also wo man halt weiß, okay, das gehört einfach zu diesem Bierstil, aber Leute haben das schlicht und einfach nicht verstanden. Also ich glaube, denen passiert es relativ häufig, dass sie da so negatives Feedback bekommen, das einfach nur darauf basiert, dass jemand überhaupt nicht nachvollziehen kann, was die da tun. Insofern ist es ja eigentlich schön, wenn bei euch die Leute, also ihr die eher mitnehmen könnt und ihr dann praktisch mit denen diese IPA-Reise einfach ein bisschen weitergeht, als sie vorher vielleicht schon auch gegangen sind. Und das ist ja auch interessant, also war auch in Amerika zum Beispiel eine Diskussion jetzt beim World Beer Cup. Da gibt es ja jetzt gefühlt 150 IPA-Kategorien und irgendwann ist auch die Frage, ist dann irgendwann Mal das Ende dieser Fahnenstange erreicht? Und man hat tatsächlich auch gemerkt, dass da viel Ähnliches und Gleiches dabei ist. Aber dieser Level, jetzt zu sagen, wir nehmen diesen Bierstil und experimentieren da einfach weiter und gehen jetzt eben zum Beispiel mit der Hefe mal noch ganz andere Wege, da war noch relativ wenig zu spüren. Also da bin ich mal gespannt, das wird sicherlich ein Thema in der Zukunft werden, auch für andere Bierstile vielleicht. Aber insbesondere da, weil natürlich, aktuell zumindest, es auch noch so ist, wo IPA draufsteht, das verkauft sich schon mal gut. Einfach weil das für viele Leute ein klangvoller Bierstil ist, wo sie sagen, da kaufen sie gerne und da sind sie auch bereit, mal andere Aromen, andere Dinge zu akzeptieren und das ist schon schön. Also an der Stelle mal wirklich auch nochmal ein Kompliment, gefällt mir echt gut, war eine tolle Reise, die wir da so unternommen haben in den letzten Anderthalbstunden. Vielleicht noch so als abschließende Frage, wie geht es denn weiter mit euch, was sind denn so konkrete Pläne? Wo kann man euch vielleicht so, weil, der Podcast wird wahrscheinlich erst im September ausgestrahlt, kann man euch so noch im Laufe des Jahres erleben oder auch schon nächstes Jahr, wenn ihr das wisst? Und was kann man vielleicht noch erwarten an Weihnachtseditionen oder kann man irgendwas vorbestellen, wie kann man euch unterstützen, das wäre vielleicht auch noch interessant.

Lukas: Ja, also biertechnisch möchte ich noch gar nicht so viel verraten. Das hängt aber auch einfach damit zusammen, dass ich gerne mal jemand bin, der auf den letzten Drücker irgendwas umwirft und ich will jetzt keine Versprechungen geben, die ich am Ende des Tages nicht einhalten kann. September, ja, schwierig, wir sind im September in Bayreuth bei Maisel & Friend. Mal gucken, wann der Podcast rauskommt, dass es auch rechtzeitig ist. Ansonsten haben wir, ja, ein kleines Event wahrscheinlich noch im November in Braunschweig. Aber auch, auf jeden Fall werden wir nächstes Jahr wieder in Bozen vertreten sein, denke ich, einfach weil uns der Ort und die Leute auch so gefallen, und das im Prinzip immer auch als kleines Urlaubsdomizil wahrnehmen und oder aber auch die Bierköste in Neumünster. Nichtsdestotrotz, konkrete Pläne haben wir schon einige und das bezieht sich vor allem natürlich irgendwie auf so eine eigene Location oder sowas. Das ist aktuell nicht ganz einfach, sei es entweder aus der Betrachtungsweise mit Krediten oder aber auch, die passende Immobilie zu finden. Wir möchten einfach auch, dass die Leute irgendwie einen festen Bezugspunkt zu uns haben. Das ist als Wanderbrauer wahrscheinlich nicht ganz so einfach immer nachzuvollziehen, dass die Leute im Prinzip einen Bezugspunkt brauchen. Aber das haben wir jetzt schon öfters gehört und das würden wir uns auch sehr, sehr gern wünschen, dass man da irgendwie eine kleine Bar oder so einen Tabroom aufziehen kann, das haben wir auf jeden Fall im Hinterkopf. Aber die Zukunft wird zeigen, inwieweit das realistisch zeitnah umzusetzen ist.

Markus: Und wäre das dann in Braunschweig oder irgendwo anders?

Lukas: Ja, vorerst ja, denke ich mal, obwohl mich natürlich auch andere Städte reizen, nicht nur auf Deutschland bezogen. Fakt ist nun mal aber auch, dadurch, dass ich gebürtiger Braunschweiger bin und Sophia wirklich seid, ja, knapp 12 Jahren hier lebt, das wir den Markt kennen, wir wissen, wie die Braunschweiger ticken, wir wissen, wo die Immobilie sein muss, wie die aussehen muss, welches Drumherum wir da haben wollen. Und dementsprechend, ja, ohne zu weit vorwegzugehen, sollte man mehrere Locations haben, ist Braunschweig auf jeden Fall der Startschuss.

Markus: Okay, also dafür wünschen wir euch auf jeden Fall schon mal ganz viel Erfolg und werden auf jeden Fall den Weg weiter beobachten. Vielleicht haben wir auch demnächst nochmal eine zweite Session mit neuen Bieren, können wir ja mal schauen, wann es wieder entsprechend was gibt.

Lukas: Na klar!

Markus: Und natürlich, also auch generell an alle Hörer wie immer der Hinweis, also Bozen nächstes Jahr, das sollte ein Pflichtbesuch sein. Und da ist es ja umso schöner, wenn man euch da auch wieder sieht. Also, ja, von meiner Seite aus vielen, vielen Dank, das war ein ganz toller Einblick in eure Welt, die wirklich eine andere ist und eine besondere ist und vor allem eine sehr selbstbestimmte ist. Und das gefällt mir ganz besonders gut, dass ihr euch da auslebt und dass du da auch wirklich mit all den Dingen arbeitest, die die Natur so hergibt. Und das finde ich ganz großartig und das zeigt auch, was für ein Potenzial Bier alles hat. Also auch an dieser Stelle in der Beziehung mal ein großes Dankeschön! Und, ja, dir heute noch einen schönen Abend, viel ist ja nicht mehr von übrig, aber zumindest hast du jetzt schon mal genügend Biere, die du heute noch trinken kannst und dann bis bald auf jeden Fall auch wieder persönlich.

Lukas: Ja, auf jeden Fall, da freuen wir uns drauf. Und vielen Dank, dass wir die Gelegenheit bekommen haben, mit dir über unser Lieblingsthema so philosophieren zu können, das hat mir auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und ich hoffe, den Hörern gefällt es auch oder hat es gefallen, wenn ihr das hört, seit ihr am Ende. Und, genau, besucht uns, wir freuen uns immer.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk Spezial 57 – Interview mit Leonhard Schade, Headbrewer bei Viertel Bier in Brixen, Südtirol

Der BierTalk ist mal wieder in Südtirol zu Gast, diesmal ziemlich genau im Herzen der alpinen Genussinsel, in Brixen, bei Viertel Bier und Braumeister Leonhard Schade. Der hat eine spannende Entwicklung hinter sich, vom Zerspanungstechniker über den fast-Metzger (hier hat das Veto seiner Schwester Schlimmeres verhindert) schließlich zum Brauer. Nach der Ausbildung beim bayerischen Vorzeigebrauer Markus Hoppe kam er über seinen ehemaligen Ausbilder zu Viertel Bier und ist nun zentraler Baustein des Teams dieser noch recht jungen Südtiroler Brauerei. Zum Talk kamen acht Biere angereist, hört selbst, was wir daraus gemacht haben…

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Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Wir gehen mal wieder in meinen Lieblingslandstrich auf diesem Planeten, nämlich nach Südtirol und genau in die Mitte, also ziemlich genau in die Mitte jedenfalls und sind dort bei Viertel Bier beziehungsweise beim Braumeister, dem Leo. Da freue ich mich total, Leo, schön, dass du Zeit hast. Und vielleicht stellst du dich ganz kurz mal unseren Hörern selber vor.

Leo: Hallo, servus, ich bin der Leo, heiße mit vollem Namen Leonard Schade. Bin 22 Jahre jung oder alt, ich sehe es eher noch als jung und bin der erste Brauer beziehungsweise Braumeister beim Viertel Bier, beim Restaurant Putzer in Nasz-Sciaves in Südtirol.

Markus: Ja, faszinierend, also jetzt wissen schon mal alle Leute, wo sie hinfahren müssen, wenn sie dann bei euch auch vielleicht was essen wollen oder dann auch verschiedene Biere mitnehmen wollen. Und wir haben auch hier tatsächlich acht Biere stehen, das nötigt mir ein bisschen Respekt ab. Mal schauen, ob wir die alle schaffen, aber auf jeden Fall toll.

Leo: Ja, schauen wir mal.

Markus: Schöne Fläschchen auch auf jeden Fall, das ist schon mal großartig. Vielleicht mal vorne weg, Viertel Bier, da würde jetzt der gemeine Franke zumindest so ein kleines Fragezeichen im Kopf haben und sich überlegen, okay, ist das jetzt ein Viertel Bier oder ist es ein Viertel, wo es Bier gibt. Wo kommt das her, ist das ein Südtiroler Begriff?

Leo: Also es ist nicht direkt ein Südtiroler Begriff, sondern das hat damit zu tun, dass praktisch wir zukünftig vier Gaststätten betreiben, sage ich mal und es sind vier Gesellschafter, die das Unternehmen leiten und dabei steht schon der Name Viertel, sage mal. Aber der wichtigere Part Viertel Bier, ist eher davon gekommen, weil ja die Corona-Zeit war und da hat sich alles ein bisschen distanziert. Und da wollten wir dann praktisch ein Bier produzieren und mit dem Bier praktisch eine gemeinsame Zeit wieder zurückbringen, wie es vor Corona war. Und deswegen so das Bier für das Viertel, also da, wo die Leute wohnen. Da sind auch unsere Etiketten drauf angepasst und, genau, das Viertel Bier ist so für das Zusammensein wieder, sage ich mal, nach Corona, dass die Leute wieder zusammenkommen.

Markus: Ja, wunderbar, das ist doch eine ganz, ganz schöne und positive Botschaft. Freut mich, schon mal vielen Dank an dieser Stelle für diese Idee. Hat es auch funktioniert?

Leo: Ja, also ich tät schon meinen, ich bin ja selber noch nicht so lange bei Viertel Bier, aber es läuft sehr hervorragend. Und die Leute kommen in die Gasthäuser und, ja, trinken gemeinsam Bier, unterhalten sich, ratschen miteinander und das ist einfach schön zu sehen. Die trinken das eigengebraute Bier, das ist für mich auch sehr, sehr schön zu sehen. Also der Gedanke dahinter, der funktioniert definitiv.

Markus: Ja, absolut und wie mein Freund Holger immer sagt, Bier ist come together.

Leo: Genau.

Markus: Also es bringt einfach Menschen zusammen und zwar unabhängig von ihrer sozialen Stellung, ihrem, was weiß ich was, Beruf, Alter was auch immer.

Leo: Das ist ja alles nebensächlich.

Markus: Genau und das ist doch schön. Ja und du sagst, du bist noch gar nicht solange dabei, kommen wir doch mal ein bisschen zu dir. Wie kommst du überhaupt zum Thema Bier?

Leo: Also ich komme zum Thema Bier, begonnen habe ich es mit dem normalen Trinken, sage ich mal, wie jeder andere. Und, sage ich mal, professionell oder wo ich in die Brauwelt eingestiegen bin, das war 2019, habe ich da bei Hoppebräu in Waakirchen, habe ich da meine Ausbildung zum Brauer begonnen. Also auch erst vor vier Jahren tatsächlich, und habe die letzten Sommer abgeschlossen. Dann habe ich noch ein weiteres Jahr bei Hoppebräu oder ein weiteres halbes Jahr bei Hoppebräu gearbeitet und seit Anfang Februar bin ich jetzt bei Viertel Bier und leite da die Brauerei. Das ist so mein kurzer Weg des Bieres.

Markus: Ja, aber ein schöner Weg. Also den Markus Hoppe kenne ich ja auch gut, das ist ja wunderbar, ein guter Freund. Und der war auch schon in einen der ersten BierTalks, glaube ich mit dabei, damals wo eben noch alles sehr unsicher war 2020.

Leo: Genau, ja, den habe ich mir angehört, den habe ich mir angehört.

Markus: Das heißt aber, du selber hast diesen Beruf als Brauer für dich schon frühzeitig entdeckt oder war das auch eher so Zufall?

Leo: Na, das war eher tatsächlich sehr, sehr zufällig. Ich war auf der Realschule, habe da meine zehn Jahre Schule gemacht und habe dann eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker angefangen. Das ist im Metallbereich, fräsen, drehen. Und das hat mir aber nicht so viel Spaß gemacht, sage ich mal, das habe ich dann abgebrochen. Und da habe ich schon für mich festgestellt, ich will irgendwas in der Handwerksrichtung machen. Also das habe ich gewusst, Büro, nein, lieber im Handwerk bleiben. Und dann wollte ich als Erstes Metzger werden. Das fand aber meine Schwester leider nicht so toll, die hat mir davon abgeraten. Und die hat mich auf Hoppebräu aufmerksam gemacht, dass die noch einen Azubi suchen. Ja und dann habe ich mal angerufen, Praktikum ausgemacht und dann war das mehr so Quereinsteiger eigentlich. Also im Metallbereich eine Ausbildung angefangen, aber dann im Bierbereich fertiggemacht.

Markus: Ja, von der Zerspanung zur Bierbereitung, das ist doch auf jeden Fall eine schöne Karriere. Und meine Schwester würde auch sagen, es ist wichtig, dass man auf seine Schwester hört.

Leo: Ja.

Markus: Also in dem Fall, also alles richtig gemacht. Und bevor wir jetzt weitermachen, müssen ja, nachdem wir ja doch ein ordentliches Pensum haben, mal mit einem Bier anfangen.

Leo: Da hast du absolut Recht.

Markus: Ich bin tatsächlich etwas überfordert. Mit welchem, würdest du denn raten, dass wir anfangen?

Leo: Sollen wir einfach ganz, ganz klassisch mit einem Hellen einsteigen?

Markus: Dann machen wir das, das ist das, wo Bio Helles draufsteht, ne?

Leo: Genau, da steht Bio Helles drauf. Weil, das ist Bio-zertifiziert, genauso wir unser Weizenbier und deswegen haben wir den Namen. Ist ein unfiltriertes Helles, wir haben keine Filtration in der Brauerei, bei uns ist alles naturtrüb.

Markus: Und man sieht auf dem Etikett schon, dass Viertel, also ganz viele verschiedene Häuserfassenden, wo die Fenster einladend offen sind, die Türen offen sind und offensichtlich man einfach ein schönes buntes Leben hat. Und, ja, jetzt mache ich es mal, Moment. So und hinein ins Gläschen.

Leo: Ah, riechen tut es schon mal gut.

Markus: Oh ja und zwar sehr schnell sehr viel. Also das ist man von Hellem ja gar nicht so gewöhnt, dass die sich so intensiv durchsetzen. Wunderbar, das freut mich. Und es schaut auch wunderbar aus. Also sehr schöne hellgoldene Farbe.

Leo: Und leichte Trübung mit drin.

Markus: Ja, das hast du ja vorher schon gesagt, ne.

Leo: Genau, ja. Wunderbar.

Markus: Passt. Und schöner Schaum auch mit einer leichten Tönung mit drin, also sehr ansprechend, lächelt einen richtig an. Und die Nase ist dann tatsächlich auch, ja, typisches Helles, aber sehr intensiv. Also man hat ein bisschen hopfige Noten, ein bisschen Citrus, ein bisschen Heu.

Leo: Ja, genau, Heu, Stroh, hätte ich jetzt auch noch gesagt.

Markus: Genau.

Leo: Ein bisschen eine Süße so, was Karamelliges leicht drin.

Markus: Ja, so eine Mischung aus Karamell, Honig irgendwie, also auf jeden Fall malzig.

Leo: Dann, Prost!

Markus: Prost, ja. Jetzt habe ich gar nichts, ich stoße mal mit der Flasche an, dann hört man das wenigstens.

Leo: Ja, das ist eine gute Idee.

Markus: So, Prost!

Leo: Prost!

Markus: Ja, wunderbar. Also sehr frisch und eine angenehme Süße, das gefällt mir richtig gut. Also dadurch hat es einen vollen Körper und der Hopfen ist präsent, begleitet das Ganze so ein bisschen. Und übernimmt ganz hinten raus, da übernimmt er dann so ein bisschen die Führung und sagt, okay, jetzt ist fertig. Trocknet so ein bisschen aus, es moussiert schön auf der Zunge, finde es ein ganz schönes Mundgefühl und eben sehr erfrischend. Also, Kompliment, schön.

Leo: Danke schön, danke schön. Ja, mit dem bin ich auch sehr, sehr zufrieden, mit dem Bier. Ist unser Hauptträger, sage ich mal und auch zu Recht. Grad bei uns hat es hier grad 30 Grad und da ist das grad sehr, sehr angenehm, so ein kühles Bier zu trinken.

Markus: Woah! Ja, das kann ich mir vorstellen. Bei uns hat es sich ein bisschen beruhigt, wir sind jetzt so bei 23. 24 Grad, also normale Sommertemperaturen, sagen wir mal so, die heißen hatten wir jetzt die letzten Tage. Aber ein perfektes Sommerbier, also auf jeden Fall. Und du sagst Top Seller, also das ist so euer Hauptbier?

Leo: Ja, genau, das ist so das Leitpferd oder das Zugpferd, kann man sagen.

Markus: Seit wann habt ihr das im Programm?

Leo: Da muss ich ein bisschen kurz auf die Geschichte zurückgreifen, früher hat Viertel Bier, das gibt es erst seit 2021, auch noch sehr jung, diese Firma oder diese Brauerei, sage ich mal, davor war es die Köstlaner Brauerei in Brixen. Und die ist dann durch Corona leider, sage ich mal, aufgekauft worden, hat halt nicht mehr funktioniert. Weil, ja, die Brauereien haben es schwergehabt in Corona, wissen wir ja. Und, genau, dann ist das von den vier Gesellschaftern übernommen worden und die Rezepte sind auch mit übernommen worden. Also seitdem ständig angepasst und verfeinert natürlich. Aber ich weiß nicht, wie lange es die Köstlaner Brauerei schon gegeben hat.

Markus: Aber als du kamst, war es auf jeden Fall schon da?

Leo: ja, ja, da war das natürlich schon da, ja.

Markus: Und du hast das aber noch ein bisschen weiter verfeinert, auch mit deiner Erfahrung vom Markus?

Leo: Genau, so schaut es aus. Ein bisschen rumgespielt, ein bisschen was beim Malz geändert, das wir sogar ein bisschen am Malz sparen. Und das Endprodukt ist trotzdem hervorragend, meiner Meinung nach, von dem her, alles richtig gemacht.

Markus: Ja, also wie gesagt, sehr erfrischend, trinkt sich bedauerlich schnell.

Leo: Das merke ich auch.

Markus: Doch, auf jeden Fall gut den Brauer natürlich. Und dass du überhaupt dahin gekommen bist, hat das was damit zu tun, dass der Markus auch schon bald auf diesem Fest in Südtirol war im Schloss in Bozen oder hast du die unabhängig kennengelernt?

Leo: Das war in Verbindung mit Hoppebräu. Weil, als ich in meinem ersten Lehrjahr bei Hoppebräu war, war der vorherige Braumeister vom Viertel Bier, der Jonas Steiner, der war im dritten Lehrjahr, also im letzten. Und der hat mir praktisch die Basics noch vom Bierbrauen beigebracht und dann habe ich über ihn die Stelle übernommen, weil der eine kleine Bierreise nach Japan gemacht hat und dann im Sommer den Meister macht, den Meistertitel in Deutschland bei Doemens.

Markus: Das ist ja witzig, dann gab es da so eine Staffelübergabe sozusagen.

Leo: Genau, ja. Das ist, ja, tatsächlich, da ist früher schon eben der Kontakt entstanden, Freunde geblieben und dann hat es sich zufällig ergeben.

Markus: Tja, wunderbar.

Leo: Und die Chance muss man natürlich nutzen.

Markus: Absolut, prima. Und wenn wir schon das zu feiern haben, sollten wir das mit dem nächsten Bier feiern. Jetzt erhöhen wir hier mal die Schlagzahl. Was machen wir denn jetzt auf?

Leo: Ich tät sagen, wir könnten untergärig bleiben, beim Ambris, das Amber Lager oder wir gehen in die obergärige Richtung und probieren einfach mal das Weizen, je nachdem, was dort …

Markus: Da bin ich jetzt hin- und hergerissen. Wobei, ich finde die Idee gar nicht schlecht, so einen kleinen Ausflug in die Weizenrichtung zu machen. Da gibt es ja zwei davon, ne?

Leo: Genau, ja. Einmal haben wir auch wieder das normale Weißbier, unser Bio Weizen und dann haben wir noch die Vierkorn Weisse mit dem Namen Quattro, italienisch vier, weil da vier Getreidesorten drin sind. Da haben wir erst einmal die Gerste, dann den Weizen natürlich und Roggen und Dinkel sind da auch mit drin. Und jetzt rede ich schon davon, jetzt müssen wir es eigentlich probieren.

Markus: Ja, ich überleg grad, ich habe überlegt, eigentlich müssten wir ja erst mal den kleinen Berg machen, um dann den großen Berg zu machen, wenn man schon in Südtirol quasi ist. Aber warum fangen wir nicht dem großen Berg an, du hast Recht, dann nehmen wir das Quattro zuerst und können dann ja wieder ein Schluck vom normalen Weizen nehmen, genau. Übrigens an die Hörer, wir trinken natürlich jetzt nicht jeweils 0,3 aus, also zumindest ich nicht, aber das kann man dann ja am Abend im Nachgang noch tun. Das ist ja sehr schön, diese Biere halten ja ein bisschen frisch.

Leo: Das stimmt.

Markus: Uih! Also die Farbe finde ich sensationell! Das ist so ein richtig schönes, ja, wie soll man sagen, orange, braun, so ein Leuchten, das strahlt mich an wie so ein halber Sonnenuntergang.

Leo: Ein bisschen Bernstein auch.

Markus: Ja, ganz, ganz schön. Also Farbe schon mal wunderbar, da hast du mich absolut abgeholt. Es ist opal, also man kann nicht durchschauen, opak würde man ja sagen, aber es hat eben diesen wunderschönen Schein, Schimmer, der so ein bisschen geheimnisvoll ist. Der Schaum oben drauf auch sehr fest, sehr stabil, leicht getönt, also wunderbar. Und in der Nase tatsächlich klassisch Weizen.

Leo: Nelke, Banane leicht dabei.

Markus: Schön ausgewogen, also man hat beides, so eine Banane zwischen gelb und braun und die Nelke, das Phenolische hinten rum, rundet dass dann so ein bisschen ab.

Leo: Okay. Denn jetzt haben wir ja ein zweites Glas zum anstoßen, jetzt brauchen wir keine Flasche mehr.

Markus: Ja, Prost!

Leo: Prost!

Markus: Das ist auch ein sehr schönes Mundgefühl, also wieder sehr cremig, sehr voll. Auch ein schönes Spiel dieser leichten Säure, die das Weizen hat mit der Süße.

Leo: Ein bisschen spritziger ist es.

Markus: Ja.

Leo: Aber auch wieder schön erfrischend.

Markus: Kommt auch so eine leichte Citrusnote dazu. Aber ich finde auch diese Säure sehr schön, also weil, die macht es schlank, die rundet das wirklich ab, wo du ja eigentlich sehr viel Süße hast.

Leo: Das hat letztes Jahr, hat das Bier beim European Beer Star den zweiten Platz gemacht, Silber.

Markus: In welcher Kategorie?

Leo: Mehrkornbiere, glaube ich, war es, die Kategorie, wenn ich mich nicht täusche.

Markus: Okay. Ja, ich war im Weizen-Finale am Tisch, aber Mehrkorn hatte ich, glaube ich, nicht. Aber auf jeden Fall, es ist wirklich sehr, sehr schön. Ich finde auch, dass diese Dinkel und was war es noch, Dinkel und?

Leo: Dinkel und Roggen.

Markus: Und Roggen, ja, genau. Genau, die beiden Noten, also nicht direkt jetzt, dass man das Getreide schmeckt, aber man merkt das am Mundgefühl, also sehr schön voll, sehr schön rund. Das gibt dem Ganzen eine tolle Note.

Leo: Und für die Farbe ist es auch wunderschön, also da steuert es natürlich auch mit dazu.

Markus: Wie hoch ist da der Anteil von den beiden Getreiden?

Leo: Das kann ich dir nicht sagen, ich sage mal, zwischen 10 und 20 Prozent ist der Anteil.

Markus: Jeweils?

Leo: Genau, ja und dann Gerste und Weizenmalz machen den Rest noch.

Markus: Da läutert man auch eine gewisse Zeit oder?

Leo: Ja, das dauert schon mal ein bisschen länger, aber dafür ist es das wert.

Markus: Der Erfolg zählt, ja.

Leo: Ja, das macht ja nix.

Markus: Und macht ihr das dann in Flaschengärung oder in Tankgärung?

Leo: Wir machen es im Eintankverfahren, genau und machen dann Hauptgärung, Nachgärung. Und dann lassen wir es eben noch, also obergärig, das Weizen und das Quattro mindestens vier Wochen lagern, vier bis fünf im Eintankverfahren, ZKT, genau.

Markus: Woah, das ist ja echt ganz schön lang für ein Weizen, schön. Wie kommt das denn in Südtirol an, ist das ein klassisches Südtiroler Bier, so ein Weißbier und noch dazu ein Mehrkornweißbier?

Leo: Klassisch täte ich nicht sagen, also überhaupt nicht. Aber dadurch, dass die Craftbeer-Szene oder die Kreativbierszene immer mehr wächst in Südtirol oder generell die Bierszene in Italien, kommt das schon gut an, weil die Leute immer interessierter werden, sage ich mal. Und mit dem Namen Quattro erreichst du ja dann auch schon wieder italienische Kunden und dann geht das eigentlich schon ganz gut. Also viele probieren oder trinken lieber das klassische Weizen, weil es von Vierkorn ein bisschen abgeschreckt sind. Aber wenn man da ein bisschen Überzeugungsarbeit leistet beim Verkauf, dann schmeckt es den Meisten doch sehr gut.

Markus: Ja, das passt ja auch zum Viertel Bier, weil wir wieder vier haben, das ist ja dann irgendwie auch eine schöne Geschichte.

Leo: Genau, ja.

Markus: Jetzt habe ich übrigens den Beer Star entdeckt, der ist ja sogar auf dem Etikett. Also da hätte ich ja auch drauf kommen können.

Leo: Genau, ja.

Markus: Naja.

Leo: Ich habe es auch schon wieder vergessen gehabt.

Markus: Ja, nein, wunderbar, sehr schön. Also das finde ich schon auch wichtig. Also Leute sagen ja immer, was bedeuten diese Wettbewerbe und was soll das überhaupt? Also ich glaube, auf der einen Seite ist es natürlich eine Bestätigung auch für die Leute, die das Bier machen, also das kann ich mir ganz gut vorstellen.

Leo: Absolut.

Markus: Und auf der anderen Seite ist es natürlich auch, grade für den Markt, wenn es drum geht, dass es Zwischenhändler gibt, die halt Biere von Brauereien kaufen, um sie wieder jemanden zu verkaufen. Die brauchen ja auch eine gewisse Leitlinie, welche Biere sich lohnen zu kaufen. Und da spielen, glaube ich, Wettbewerbe, zumindest die Wettbewerbe, wo jetzt nicht 100e Medaillen vergeben werden, spielen da durchaus eine Rolle, wonach man sich so ein bisschen orientiert, zumindest soweit mir die Läden so mitgeteilt haben.

Leo: Ja, absolut. Wenn dein Bier natürlich eine gutgesehene Auszeichnung hat, wie der European Beer Star, dann ist das sehr, sehr förderlich.

Markus: Jetzt hast du ja gesagt, italienisch. Hast du dich da auch schon ran gewagt, an die Sprache?

Leo: Ich bin langsam dabei, sage ich mal. Ich bin ja seit vier Monaten jetzt in der Brauerei, mir war als Erstes wichtig, dass die Brauerei komplett läuft und das Italienisch habe ich da mal hintenangestellt, also da hatte die Brauerei Vorrang. Aber jetzt natürlich langsam ist wirklich oder jetzt ist schon alles standardisiert und läuft alles von allein, fast und jetzt geht es Richtung Italienisch lernen.

Markus: Wunderbar. Gibt es denn im Team Leute, die nur Italienisch sprechen oder sin die eh alle zweisprachig?

Leo: Die sind alle zwei- bis eigentlich dreisprachig. Weil, sie sprechen Italienisch, dann Deutsch oder Südtiroler Dialekt und Englisch auch noch.

Markus: Ah ja.

Leo: Und generell in der Brauerei ist es ja ein sehr, sehr kleines Team, das bin ich und mein Azubi, der Aron und dann haben wir noch einen von den Gesellschaftern dabei, der Thomas, der schaut auch, das ab und zu mal mithilft. Genau, also das Brauereiteam besteht aus zweieinhalb Mann und der Rest von den Kollegen sind da im Servicebereich tätig und die sind eben dreisprachig. Genau, also eigentlich bin ich der, der am wenigstens Sprachen kann.

Markus: Na, dafür kannst du Bier und das ist auch gut.

Leo: Ja, genau, das sagt viel mehr als Worte aus.

Markus: Ist ja eigentlich der ganz entscheidende Punkt sozusagen. Nein, also hervorragend. Dann würde ich jetzt im Sinne unseres Auftrags sagen, dann müssen wir jetzt nochmal das Bio Weizen uns anschauen. Wenn es dir zu schnell geht, sag Bescheid.

Leo: Na, kein Problem.

Markus: Aber ich denke mir, wenn wir es schon mal da haben. Und, also an die Hörer, ihr könnt euch natürlich dieses Paket dann auch bei Viertel Bier bestelle. Ihr habt einen Online-Shop oder so, ne?

Leo: Einen Online-Shop haben wir keinen, weil wir generell nur, ja, eben lokal vertreiben und auch nur in den Gasthäusern, genau.

Markus: Aber man kann vorbeifahren und sich dieses Paket holen?

Leo: Ja, natürlich.

Markus: Genau, also das.

Leo: Vorbeifahren, Achterbox, alle Standardbiere und genießen.

Markus: Absolut. Also das ist ja sowieso die Maßgabe für Südtirol überhaupt, wenn man da hinfährt, also man kommt ums Genießen nicht rum und zwar ziemlich egal, in welcher Beziehung, also sei es jetzt optisch, sei es eben beim Essen, beim Trinken, bei allem. Also es ist einfach ein Landstrich, deswegen schwärme ich ja so viel davon, weil das einfach so schön ist, also ziemlich egal, wo man da ist. Jetzt mache ich mal schnell das Bier auf, Moment. So.

Leo: Ja, generell, wird da in Italien oder Südtirol, ich glaube, mehr Wert auf Lebensmittel gelegt, wie die Deutschen, würde ich mal behaupten oder tät ich so meinen. Sie schätzen das mehr oder sie nehmen sich generell mehr Zeit dafür.

Markus: Auf jeden Fall, sie nehmen sich mehr Zeit dafür und sie nehmen auch verhältnismäßig zu ihrem Einkommen mehr Geld dafür, das ist auch so ein Punkt. Da ist man dann eher bereit, halt mal ein paar Euro mehr hinzulegen, wenn es dann eben drum geht, auch was Vernünftiges zu bekommen, das stimmt.

Leo: Genau, ja, genau.

Markus: Und ist vielleicht auch das Motto, also das finde ich auch wieder ganz gut, dass man in Südtirol jetzt keine überteuerten Preise hat, aber eben auch keine Dumping-Preise. Sondern die Leute verlangen schon einfach ein anständiges Salär für das, was sie tun und das finde ich auch wichtig.

Leo: Anständig, leicht gehoben, aber wir sind natürlich auch Südtirol-Touristenanziehung, einfach weil es so schön ist und damit machen wir natürlich gut Geld.

Markus: Warst du vorher in Südtirol schon unterwegs, bevor du da jetzt Brauer geworden bist?

Leo: Nein, tatsächlich nicht. Also ich bin einmal mit dem Hoppe Markus während der Arbeit noch, bin ich mal runtergefahren, um mir das Ganze mal anzuschauen für einen Tag. Und, genau, also ich habe eigentlich, bevor ich meinen Arbeitsvertrag unterschrieben habe, habe ich eine Woche Praktikum praktisch gemacht und einen Tag, wo ich die Brauerei einfach mal angeschaut hab. Und das hat für mich ganz leicht oder war genug, dass ich gewusst hab, okay, da geht es weiter, den Weg gehen wir weiter.

Markus: Da bleibe ich erst mal, genau, ja.

Leo: Genau, ja.

Markus: Okay. Also, erst mal zu dem wunderbaren Weizen, also jetzt wieder hell oder heller.

Leo: Genau, jetzt hell, ja.

Markus: Genau, auch eine leichte Trübung, wie es sich gehört, schöner Schaum oben drauf, also wunderbar. Und in der Nase ein bisschen mehr Banane, würde ich sagen oder?

Leo: Ja, finde ich auch, stimme ich dir zu.

Markus: Und man hat auch ein bisschen malzige Aromen drum rum, also ein schönes volles Weizen, würde ich sagen. Also es hat einen sehr intensiven Geruch auch.

Leo: Ein bisschen blumiger, ein bisschen sanfter wie das Quattro.

Markus: Ja, interessant, ne, also vor allem in diesen Danach, wirkt es natürlich ein bisschen zurückhaltender, aber hat es was damit zu tun, dass wir ja vorher den großen Berg eben hatten quasi.

Leo: Genau, ja.

Markus: Aber sehr schön. Also da finde ich jetzt auch, es ist insgesamt ein bisschen schlanker oder, also weniger Restsüße und auch wieder sehr cremig. Hinten raus, muss ich sagen, retronasal, da ist dann viel Nelke auch da, also tatsächlich beide Aromen schön präsent.

Leo: Ja, die Hefe, die mag ich sehr, sehr gern, die verwendet wird.

Markus: Also schöne Karbonisierung auch, richtig schön moussierend, richtig intensiv, das kann man fast beißen, also sehr schön. Und dadurch, dass es nicht so süß ist, ist es auch eher ein Bier, was man wirklich easy trinken kann, also wo man jetzt nicht nur eins trinkt. Das ist natürlich auch wichtig für die Brauerei, ne?

Leo: Ja, absolut. Ich habe das manchmal, wenn ich so ein mastiges Weißbier trinke, dann trinkt man vielleicht eine Halbe oder zwei, aber danach ist der Bauch so voll. Und bei dem ist es, da fühlt man sich noch, ja, eben nicht zu mastig, eher schlank und das ist einfach zu trinken.

Markus: Ja, nee, das geht echt schön. Und die sind jetzt alle in 0,3er-Flaschen, ist das auch so die Standardgröße oder gibt es da auch Leute, die einen halben Liter Weißbier trinken?

Leo: 0,3 ist die Standardgröße oder generell auch 0,3-Gläser, das ist so das normale Biertrinken in Südtirol, Italien. Aber wir haben natürlich auch 0,5-Gläser. Also ich trinke meistens beim Feierabendbier ein 0,5, ja, weil man es einfach gewohnt ist auch von Daheim.

Markus: Ja, wenn schon, denn schon, ne.

Leo: Ja. Nein, also 0,5 gibt es natürlich auch, aber generell trinken die Leute in Italien lieber aus 0,3er, weil es ja eher warm ist und dann bleibt es erfrischender. Verstehe ich schon, macht schon Sinn, genau.

Markus: Ja, sie trinken ja auch ein bisschen langsamer, ist ja auch vernünftig vielleicht.

Leo: Ja, ist ja auch in Ordnung.

Markus: Bist du auch ein bisschen rumgekommen schon in Südtirol in den vier Monaten oder noch nicht?

Leo: Ein bisschen, also nicht viel, muss ich ganz ehrlich sagen, aber ein bisschen. Also ich war mal in Bozen gewesen und so ein bisschen umeinander gefahren, sage ich mal, Meran. Aber das waren immer nur so Tagesausflüge oder wegen irgendeinem Programm von der Arbeit oder was, sage ich mal. Also tatsächlich bin ich ein bisschen wenig noch rumgekommen. Das muss ich erst mal auf meine to-do-Liste mit drauf schreiben.

Markus: ja, unbedingt, mach das.

Leo: Oder beziehungsweise weiter oben stellen, weiter oben stellen.

Markus: Ja. Warst du bei der Beer Craft in Bozen?

Leo: Ja, da waren wir dabei. Da waren wir ja letztes Jahr auch schon dabei und, ja, war schön, war wirklich schön. Die Kulisse war der Wahnsinn. Für mich war es das erste Mal und, ja, die Leute waren einfach gutgelaunt, waren gut drauf, war ein schönes Bier-Event.

Markus: Ja, also ganz kurz den Hörern erklärt, falls es jemand ist, der die anderen BierTalks nicht kennt, die wir zu dem Thema schon gemacht haben. Das ist wirklich für mich das schönste Bierfest der Welt. Das ist das alte Schloss Maretsch, eben mitten in Bozen. Und eigentlich ein Schloss, was bei uns in Deutschland schlicht und einfach unter Denkmalschutz stehen würde. Und da würde man vorne und hinten eine Kette hinmachen und dann könnte man das von außen anschauen, ein paar Postkarten kaufen und dann wäre es das. Und das Schöne ist wirklich, im positiven Sinne, dass in Bozen dieses Schloss leben lässt. Also das heißt, man sagt, okay, das war von Menschen für Menschen gebaut und genauso wollen wir das wieder haben und deswegen gibt es da eben Veranstaltungen. Zum Beispiel die Beer Craft, wo dann in allen Räumen dieses Schlosses überall Stände sind von verschiedensten Brauereien. Und das ist dann aber auch mit Respekt. Also da sind zum Beispiel überall Wandmalereien und so, aber es ist jetzt nicht so, dass man da lauter Leute sieht, die mit dem Fuß gegen die Wand stehen oder so, sondern die vielen Gäste, die da sind, auch wenn sie Bier trinken, respektieren auch, wo sie sind. Und das finde ich schon auch schön, dass man bei all dieser Bierlaune da eben auch so ein Gespür dafür hat, wo man ist. Und dadurch kann das auch weiterleben und dadurch ist es wirklich ganz, ganz toll. Und in der Mitte gibt es einen Innenhof, da ist dann auch immer Musik, da kommt man dann auch zusammen. Zum Beispiel zu den Siegerehrungen, wenn es drum geht, das beim Wettbewerb eben die Biere prämiert werden. Also wirklich ein ganz, ganz tolles Fest mit einer sehr schönen Atmosphäre. Wo auch die Leute sehr eng, also auch im menschlichen Sinne eng zusammen sind, man genießt gemeinsam dieses Bier und interessiert sich füreinander. Also wirklich, für mich ein ganz tolles Erlebnis und ein absoluter Grund, immer wieder dahinzufahren.

Leo: Ja, das stimme ich dir absolut zu, das war wirklich ein sehr, sehr schönes Wochenende. Da trifft man auch wieder Leute, sage ich mal, wo man auf anderen Bierfesten schon gesehen hat oder was, kann man mit denen mal wieder ein bisschen ratschen. Einfach generell da an solchen Festen oder speziell bei der Beer Craft ist es immer interessant, mit jedem zu quatschen, weil jeder hat irgendwie seine eigene Biergeschichte. Und, genau, das ist eigentlich so das Schöne, dass die Besucher immer so, die Bierinteressenten immer so offen sind bei dem Thema.

Markus: Und auch die Brauereien untereinander, habe ich so den Eindruck.

Leo: Ja, absolut.

Markus: Also, ich meine, vielleicht so generell, hast du mittlerweile dann auch schon Freunde gefunden vor Ort, dass du dich nicht nur mit deiner Brauerei beschäftigen musst?

Leo: Ja, natürlich, natürlich, nur den ganzen Tag in der Arbeit, das geht dann auch nicht. Ja, schon, sehr, sehr gut eingelebt, einen netten Freundeskreis aufgebaut. Die ganzen Mitarbeiter auf der Arbeit, die sind hier auch alle super freundlich, die haben mich auch alle mit offenen Armen empfangen. Und, ja, ich habe mich wirklich gut eingelebt, fühle mich wohl, habe eine eigene Wohnung gefunden und da kann ich mich absolut gar nicht beklagen, das ist wirklich schön.

Markus: Wunderbar. So, auch diesen Satz werden wir mit einem Bier feiern.

Leo: Ja, sehr gut.

Markus: Welches nehmen wir denn jetzt? Wir haben immer noch fünf.

Leo: Wir haben immer noch fünf, ja. Jetzt würde ich sagen, trinken wir das Alma, das Südtiroler Pale Ale.

Markus: Oh, okay.

Leo: Genau.

Markus: Machen wir mal auf. Alma heißt doch eigentlich Weisheit oder?

Leo: Ich bin mit den Namen noch ein bisschen unsicher, muss ich tatsächlich sagen.

Markus: Ich auch. So. Also, ah, jetzt sind wir noch ein Stückchen strahlender, so ein Sonnengelb, würde ich jetzt sagen. Auch natürlich eine leichte Trübung, aber das ist ja auch klar, weil nicht filtriert. Wieder ein schöner Schaum. Also dann zieht sich bis jetzt durch alle Biere durch, dass wir einen ganz schönen Schaum haben, jetzt auch bei einem Nichtweizen, wunderbar. Oh ja und jetzt haben wir schöne Hopfenaromen in der Nase, ganz toll.

Leo: Genau, genau. Ist auch hopfengestopft, dieses Pale Ale. Und warum Südtiroler Pale Ale? Weil das wirklich, die Rohstoffe 100 Prozent aus … oder, nein, nicht 100 Prozent, aber das ganze Malz, Wasser, Hefe, das kommt alles aus Südtirol, sage ich mal.

Markus: Also nur dem Hopfen musstest du natürlich dir irgendwo noch was anderes besorgen.

Leo: Genau, ja, da bin ich auf die Hallertau zurückgegriffen beziehungsweise bei der Hallertauer sind wir gute Einkäufe. Und ab nächstes Jahr dann in Tettnang bei der Gruppe Bio.

Markus: Ah ja, stimmt, da gibt es ja den Lochner, den Markus Lochner mit dem Bio Hof.

Leo: Genau, die Gruppe Bio. Weil wir wollen schauen, dass wir nicht nur Helles und Weizen in Bioqualität brauen können, sondern das wir Stück für Stück erweitern und schauen, so langsam alles auf Bio umzustellen. Das wird nicht ganz einfach und dauert natürlich auch seine Zeit, aber das ist so der Plan und deswegen gibt es dann 2024 von der Hallertau auf Tettnang einen Wechsel.

Markus: Das ist auf jeden Fall ein guter Plan. Und ich finde auch, was die da auf die Beine stellen großartig. Also da gibt es ja auch das Hopfengut No20, die kleine Brauerei, die die dann im Hopfenhof noch dazu haben. Und also überhaupt der Bodensee, faszinierende Hopfenanbauregion. Also das ist sicherlich eine spannende Geschichte. Von der Aromatik her, finde ich, ist es auch ein schönes Spiel. Also wir haben auf der einen Seite diese klassischen Citrusaromen, die so an Ananas und Mango und so erinnern, aber auf der anderen Seite auch so ein bisschen rote Johannisbeere oder schwarze Johannisbeere. Und so ein bisschen florale Aromen, so Richtung Rose oder Hibiskus oder so.

Leo: Ein bisschen was, was so ein bisschen stachelt, sage ich mal, ist vielleicht die Johannisbeere.

Markus: Also ein schönes und ein ziemlich intensives Aroma für ein Pale Ale, finde ich, also schon sehr, sehr schön hopfig. Ich habe noch gar nicht getrunken.

Leo: Wirklich wenig bitter, im Nachtrunk nur ein bisschen, aber sonst übertönt die Fruchtnote schon sehr.

Markus: Da, finde ich jetzt, hat es eine sehr, sehr schöne Honignote, die dann auch wirklich schön mit dem Hopfen spielt. Also weil, die haben ja auch so ein bisschen eine harzige Komponente und das passt richtig schön zusammen, toll.

Leo: Das freut mich.

Markus: Also auch wieder sehr weich. Der Trunk geht süß los und dann hat man eben diese Honignoten, ein bisschen harzig und das geht fast nahtlos dann über in die Hopfenaromatik und hat dann eben diese leichte Pinien-, Fichtenaroma und dann hinten raus kommt auch wieder ein bisschen was von den fruchtigen Aromen. Und man hat eine schöne Bittere, die aber nicht so intensiv ist, wie du sagst. also ein schönes klassisches Pale Ale.

Leo: Ja, genau. Nicht zu extrem in eine Richtung, immer schauen, dass man einen Mittelweg findet. Ausgeglichen muss es sein.

Markus: War das auch ein Bier, das schon da war, als du dahin kamst?

Leo: Genau, also alle, bis auf das Pils waren schon vor Ort, bevor ich gekommen bin. Das waren die sieben Hauptsorten und die sollen natürlich auch weitergeführt werden. Und seit meiner Ankunft ist dann noch das Loop dazugekommen. War eigentlich ein Einmalsud, aber das ist sehr, sehr gut angekommen bei den Kunden und dann haben wir gesagt, ja, wenn sie so gern das Bier trinken, dann nehmen wir das auch noch zu den Hauptsorten mit auf. Pils, sehr begehrter Bierstil, ist nie schlecht, wenn man den auch dabei hat.

Markus: Ja, auf jeden Fall, das gehört natürlich sicher dazu. Und, ich meine, letzten Endes habt ihr dann halt zweimal vier Hauptsorten, das ist ja eigentlich von der Zahl auch wieder passend zum Namen.

Leo: Absolut.

Markus: Aber wenn du das jetzt schon so erwähnst, dann, finde ich, sollten wir es auch trinken oder?

Leo: Ja, das machen wir mal.

Markus: Ist zwar wirklich ein spannender Ritt, weil wir jetzt mal ganz bewusst die Reihenfolge vielleicht auch mal anders machen als man sie normalerweise machen würde. Aber das macht ja nichts, man ist ja praktisch professioneller Trinker, dann kann man das auch tun. Schauen wir mal das Kellerpils an, ist ja auch ein sehr schönes Etikett mit den Skateboardern da drauf. Also ganz viele Leute, die auch ganz viel Spaß haben, das geht richtig durcheinander in jede Richtung, sehr schön. Also machen wir das mal auf. Ah, das ist jetzt deutlich heller. Würde ich jetzt sagen, Zitronengelb vielleicht. Noch viel mehr Schaum, also der Schaum ist sensationell, das ist ja Wahnsinn. Also ich habe mir jetzt ja gar nicht so viel eingegossen, aber selbst das schon ist fast, also ungefähr so viel Schaum wie Bier, obwohl ich echt nicht so eingeschenkt hab, als das es sein müsste, also wirklich schön. Und der steht auch immer noch wie eine Eins, sehr schön. Ist ganz weiß, so ein Meisterpropper-Schaum.

Leo: An der Wand ein bisschen haften oder bleibt haften.

Markus: Genau, ja, haftet sehr schön am Glasrand, auch das, richtig. Wunderbar! Und hat auch wieder diesen sehr frischen Geruch. Das erinnert so ein bisschen an das Helle von vorhin.

Leo: Aber jetzt kommt mehr das Blumige vom Hopfen raus, finde ich.

Markus: Ja, da sind wir jetzt bei dieser berühmten Blumenwiese.

Leo: Genau, ja, durch die Perle.

Markus: Sehr schön, also so richtig, ja, grünes Gras, Blumenwiese, ganz leichte Citrustöne dabei. Auch wieder so ein kleines bisschen Honig, also Malz ist schon auch da. Aber ungemein frisch, also das gefällt mir wirklich gut, dass da so eine frische Note dabei ist, wo man schon vom Riechen Lust bekommt, da auch mal ein Schlückchen zu nehmen. Das muss ich jetzt, glaube ich, auch tun.

Leo: Ich glaube auch, Vertrauen wir mal dem Geruch.

Markus: Oh ja, also da ist jetzt dann doch mehr Bittere da, ist auch gut so. Aber sehr weich, also die ist schön eingebunden. Kommt bald und bleibt dann auch schön, aber sie ist nicht so, dass sie am Ende alles so zusammenzieht und den ganzen Mund in Beschlag nimmt, aber ist präsent. Wirkt fast ein bisschen wie ein Grünhopfenbier, also hat viel so grüne Aromatik.

Leo: Stimmt, ja, jetzt wo du es sagst. Ich finde, ein bisschen bitterer könnten wir das noch machen, also ein bisschen Bittere würde schon noch gehen. Ich rede immer sehr, sehr gern kritisch auch über Bier, also auch über die eigenen, die ich braue.

Markus: Es kommt halt drauf an, in welche Richtung man gehen will. Also wenn man jetzt sagt, das soll ein Kellerpils sein, eigentlich würde man ja sagen, ist das ein Bierstil, den es gar nicht gibt.

Leo: Ja, genau.

Markus: Aber wenn wir jetzt mal sagen, es gibt ihn, dann wäre eben die Frage, was macht das Unfiltrierte mit dem Pils? Und dann wären wir ja genau da, das es die Bittere ein bisschen zurücknimmt, dass es dem ein bisschen mehr Körper gibt, ein bisschen mehr auch diese Malzigkeit betont. Also an sich sind wir eigentlich da. Ich finde also auch hier wieder, schön so ein bisschen auch Akazienhonig ist irgendwie mit dabei und dann eben schön hinten raus diese grünen Hopfennoten.

Leo: Sehr, sehr blumig.

Markus: Ja. Also, ich meine, es kommt drauf an, also man muss natürlich auch ein bisschen gucken, wie die Kundschaft das so will, ne?

Leo: Ja, natürlich.

Markus: Der Italiener an sich, keine Ahnung, mögen die sehr bittere Pilsbiere?

Leo: Ich tät tatsächlich sagen, dass sie eher nicht so bitter trinken, wenn man vergleicht zu irgendwie den Deutschen, sage ich jetzt mal. Also wir, glaube ich, trinken gerne ein bisschen bitterer wie die Italiener. Aber das glaube ich nur, ich habe jetzt keine Studie, die das leider belegt.

Markus: ja, ich kann es auch nur aus der Empirie sagen. Also ich meine, ich kenne viele italienische Pilsbiere, aber ich muss sagen, ich kennen nicht viele, die sehr bitter sind, insofern. Ich komme allerdings auch aus Franken, wo es überhaupt gar kein bitteres Bier gibt eigentlich, also muss man auch wieder sagen, als bis auf ganz wenige Ausnahmen heutzutage, aber so historisch gesehen, ist das nicht unbedingt unsere Stärke gewesen. Ja, also ich denke mal, der Begriff Kellerpils ist auf jeden Fall gut getroffen. Wenn man jetzt sagen würde, es wäre ein normales Pils, dann gebe ich dir recht, dann müsste man es vielleicht noch ein bisschen bitterer machen, aber so ist es in sich auf jeden Fall stimmig. Und holt vielleicht beide Gruppen ab, also sowohl die, die sagen, ich hätte vielleicht gern ein Pils als auch die, die sagen, ich möchte mich jetzt hier in den Garten setzen und einfach ein schönes erfrischendes Bier haben, das ein bisschen mehr Aroma vielleicht hat als ein Helles.

Leo: Ja, so ein Einsteigerpils.

Markus: Ja.

Leo: Ja, Kellerpils, Einsteigerpils, das ist vielleicht ein guter Name.

Markus: Ja. Du kannst ja dann noch die nächste Version dann wieder weiterentwickeln, kannst du ja immer noch gucken, ob du dann da nochmal ein bisschen Gas gibst in Sachen Bittere. Aber, wie gesagt, es muss halt ja trotzdem angenehm bleiben und da kenne ich nur ganz wenige Beispiele, die das echt gut hinbekommen. Also Schönramer Pils ist für mich so ein Beispiel, wo man eine sehr hohe Bittere hat, die aber immer noch schön eingebunden ist, wo man immer noch gerne trinkt. Ansonsten schlägt das dann oft so ein bisschen in den Strängen drüber irgendwo, wo man sagt, das brauche ich jetzt natürlich nicht, ne.

Leo: Was ich noch ganz gern hab bei Pilsbieren, ist so eine Citrusnote mit drin. Das finde ich immer sehr, sehr angenehm. Vielleicht auch ein bisschen in die Richtung gehe, mal schauen.

Markus: Das stimmt. Das hat man so ganz, ganz, ganz, ganz leicht, aber eben, das könnte man auch mehr machen, das stimmt, ja.

Leo: Schauen wir mal, was die zukünftige Rezeptweiterentwicklung so mit sich bringt, ich bin gespannt.

Markus: Genau, also das ist ja ein Punkt, wenn ich dann nächstes Jahr wieder da bin, können wir ja dann mal probieren, wie sich dieses Pils so weiterentwickelt hat, genau. Habt ihr denn so von eurer Entwicklung her, also ihr habt jetzt praktisch euren Laden, du hast gesagt, geplant ist, dass es vier Läden sind. Aktuell, wie viele sind es momentan?

Leo: Aktuell sind es zwei und zwei sind noch im Bau. Also es gibt einmal den Putzer eben, das Restaurant, wo die Brauerei mit drin ist. Die ist außerhalb von Brixen, also von der Stadt. Dann gibt es in Brixen selber, sind dann die anderen drei. Eins davon ist der alte Schachthof, der steht schon, der ist auf und läuft. Und die anderen zwei sind das Lasserhaus und die Viertel Bar, genau und die sind grad noch im Bau oder im Umbau, sage ich mal, sollte auch nicht mehr zu lange dauern. Also hoffentlich können wir die Ende diesen Jahres noch aufmachen oder vielleicht auch schon früher, wenn es richtig gut läuft.

Markus: Ja und dann habt ihr Brixen praktisch komplett besetzt, könnte man sagen oder?

Leo: Genau, das ist dann unseres, das haben wir eingenommen, da darf keiner mehr hin. Nein, ist natürlich schön, wenn es trotzdem weiterhin Biervielfalt gibt.

Markus: Und mit dem Schlachthof bist du auch wieder ein bisschen beim Metzger angelangt, ne.

Leo: Genau, ja, das habe ich mir auch gedacht. Und was auch ganz lustig ist eigentlich, die Straße, in der ich wohne, ist die Köstlaner Straße und früher hat es ja die Köstlaner Brauerei gegeben. Also früher war die Brauerei ganz hier um die Ecke, wo ich jetzt grad wohne, das ist ein lustiger Zufall.

Markus: Das heißt, du wohnst in der Stadt sozusagen?

Leo: Genau, ja, ich wohne in einem Ortsteil von Brixen und die Brauerei ist von mir zehn Minuten, Viertelstunde, je nach Verkehr, mit dem Auto entfernt.

Markus: Und drum rum ganz viele Berge und Bäume und …

Leo: Sehr, sehr viele schöne Berge. Viele Äpfel werden angebaut, schöne Weinfelder, sage ich mal und, ja, sehr, sehr grün alles, immer eigentlich topp Wetter., Ein bisschen mehr könnte es vielleicht regnen, weil es ein bisschen trocken ist, aber sonst sehr, sehr grün. Südtirol, die Natur eben, ach, das ist traumhaft. Also immer, wenn mich irgendjemand aus Deutschland besucht, ist dann immer, wenn man irgendwo mit dem Auto hinfährt, mit denen kannst du dich gar nicht unterhalten, weil die nur aus dem Fenster schauen und, uih, so schöne Berge, die ganze Zeit.

Markus: Ja, egal wo man hinschaut, also das ist wirklich …

Leo: Ja, das ist Wahnsinn.

Markus: … immer großartig. Und für mich ist es wie so eine Insel, also als hätte man die Berge und da mitten rein würde man das da so rein pflanzen.

Leo: Ja, so ungefähr, einfach einen schönen Fleck nach Italien gestellt.

Markus: Unglaublich. Ja, so, drei haben wir noch.

Leo: Drei habe wir noch, weiter geht´s. Also das Skuro, unser Coffee Stout, würde ich zum Abschluss trinken …

Markus: Ja, damit wir wieder wach werden.

Leo: … weil das sehr, sehr intensiv ist. Wenn wir bei bitter bleiben wollen, können wir das India Pale Ale, das Alto Ale probieren als nächstes.

Markus: Vielleicht ja, damit wir in dem Fall die Berge mal in der richtigen Reihenfolge besteigen, wäre ganz gut. Und um auch zu sehen, wie … obwohl, nee, wir hatten eh das Pils dazwischen, insofern ist es fast schon wieder wurscht. Ach je, egal. Nein, also ich würde sagen, lass uns das IPA nehmen, weil ich habe zumindest das Pale Ale auch noch gut in Erinnerung. Dann gucken wir mal, so. So, seht ihr mal, liebe Hörer, so kann man in einer Stunde acht Bier trinken, das müsst ihr erst mal hinbekommen.

Leo: Ja, Gott sei Dank keine ganzen Flaschen.

Markus: Nein, Gott sei Dank nicht. Das wäre ein bisschen heftig, das machen wir nicht.

Leo: Zu viel des Guten.

Markus: Oh, also da finde ich die Farbe jetzt auch toll. Da hat man richtig schönes, ja, wie soll man es beschreiben, Toffee-braun, ist vielleicht ein blödes Wort, aber ein leichtes Rotbraun.

Leo: Ja, eine rötliche Note in einem intensiven Braunton.

Markus: Oh ja oder so, genau, sehr schön. Und es ist tatsächlich so, ich habe so ein Glas, was sich nach unten ein bisschen verjüngt. Also unten ist es eher, würde ich mal sagen, auf der gelbbraunen Seite und je weiter es sich nach oben öffnet, umso röter wird es. Und das ist ein sehr schöner Effekt, weil das dann wirklich so ausschaut, als würde dieses Rot aus diesem Bier heraus leuchten. Also das ist wirklich eine sehr schöne Geschichte. Da würde ich jetzt als IPA-Trinker sagen, das erinnert mich dann eher so an die frühen amerikanischen IPAs, wo man noch viel Karamellmalz drin hatte und so oder eher britisch, das Ganze.

Leo: Ja, das ist jetzt kein neumodisches Hazy IPA, sondern da sind wir eher auf der klassischen alten Seite.

Markus: Der gute, alte richtige Stoff, genau. Genau, schöner Schaum auch wieder, der ist jetzt wieder leicht getönt und steht aber auch wieder wie eine Eins. Also das ist wirklich schon mal ein Markenzeichen eurer Brauerei, egal was man trinkt, der Schaum ist immer wunderbar. Das ist schon mal sehr, sehr schön.

Leo: Ja, das Auge trinkt ja mit.

Markus: Ja, unbedingt.

Leo: Das ist ja wichtig, ist ja wichtig.

Markus: Ich hatte gestern eine Verkostung auf einem Kreuzfahrtschiff, auf so einem Fluss-Kreuzfahrtschiff bei uns und es waren lauter Engländer und Kanadier. Und dann musste ich denen erst mal erklären, dass der Schaum bei uns zum Bier dazu gehört.

Leo: Auh, ja.

Markus: Weil, die haben mich ganz komisch angeschaut, als ich ihnen gezeigt hab, wie man richtig einschenkt und habe ihnen halt gezeigt, so und so und so und dann war am Ende halt eine schöne Blume drauf. Und dann haben die echt erst mal geschaut und dann musste ich denen das erst erklären. Weil für die war es normal, dass man so einen Plastikschieber hat und alles, was da irgendwie weiß ist oben drauf, erst mal wegschiebt, bis das Glas komplett voll ist.

Leo: Das ist ja ein grobes Foul bei uns, grobes Foul.

Markus: Ja, ja, absolut. Aber, also passiert dir, wenn du in Belgien bis oder in England bist oder sowas, das ist ganz normal, da wird der Schaum bekämpft. Nein, wir sind Freunde des Schaums.

Leo: Ja, absolut.

Markus: Und auch das Aroma ist wirklich sehr schön und ist tatsächlich auch so ein schönes klassisches IPA-Aroma. Also für mich habe ich da also auf der einen Seite so ein bisschen Ananas, sehr reife Ananas und auf der anderen dann so rote Beeren, Erdbeeren, ja, so Waldbeeren, also schöne viele Beerentöne. Ein bisschen harzige Noten dann auch.

Leo: Wieder auf der süßlichen Seite, ja.

Markus: Und natürlich, die alkoholische Note merkt man auch. Also da ist schon ein bisschen mehr geboten jetzt. Wo sind wir denn, bei 6,5%.

Leo: Ja, genau, schon mal ein bisschen höher angehoben, aber das darf ja auch sein.

Markus: Also immer noch keine Bombe, aber man riecht es auf jeden Fall.

Leo: Ja.

Markus: Na gut, dann probieren wir das mal. Auch spannend, also das hat jetzt ein sehr schönes Spiel zwischen dieser alkoholischen Note und der Bittere vom Hopfen. Ud dazwischen drängt sich dann immer mal wieder dieser Körper und die Fruchtigkeit vom Hopfen. Sehr interessant, wie die so miteinander unterwegs sind. Ich muss nochmal anfangen.

Leo: Du musst einmal einen Schluck Wasser dazwischen trinken.

Markus: Das macht auf jeden Fall Sinn, das stimmt, ja.

Leo: Extra ein Glas hergestellt und jetzt hast du den ersten Schluck genommen, das war wieder ein Klassiker bei einer Verkostung.

Markus: Wir sind ja unter uns.

Leo: Ja, das stimmt und die anderen, die zuhören. Aber das ist ja in Ordnung.

Markus: Das ist jetzt okay, die wissen ja, was wir tun.

Leo: Ja, sehr schön.

Markus: Nein, also ich muss wirklich sagen, also ich finde das echt interessant, für 6,5% hat das eine ganz schön intensive Alkoholnote. Also was ich nicht negativ finde, sondern ich finde es erstaunlich. Sehr präsent und die wirklich in Verbindung mit der Harzigkeit im Hopfen und mit der Bittere vom Hopfen, sodass es dann hinten raus auch wieder schön rund wird. Also gefällt mir gut. Ist natürlich deutlich bitterer als jetzt zum Beispiel das Pale Ale oder auch das Pils.

Leo: Absolut.

Markus: Darfst du verraten, was da für Hopfen drin sind?

Leo: Ja, ich glaube schon. Also ich weiß es nicht, aber ich mache es einfach mal.

Markus: Okay, im Zweifelsfall schneiden wir es wieder raus, dann hat es nie jemand gehört.

Leo: Sehr gut, so machen wir es. Also wir haben drin zum Bittern den Taurus und dann haben wir weiterhin noch drin beim Kochen und im Whirlpool, Mandarina Bavaria, Hallertauer Blanc und der Vierte war der Callista.

Markus: Ah, okay, das ist eine spannende Kombination. Also Mandarina, finde ich, ist aber auch in bisschen eine Wundertüte, kann sich sehr unterschiedlich entwickeln. Und Blanc hat mich bisher besonders überzeugt bei Weißbieren. Aber ist auch ein schöner Hopfen, den ich gerne mag. Den man selten als IPA-Hopfen hat, muss ich sagen, also das ist auch sehr spannend. Und Callista ist natürlich so einer der neuen Stars irgendwie, diese schönen fruchtigen Multivitamin-fast-Noten irgendwie bringt.

Leo: Richtig, citrusartig. Und beim Stopfen variieren wir zwischen den genannten und fügen noch den Huell Melon dazu. Genau, also im Bier sind fünf verschiedene Hopfensorten drin, wenn man das Dry-Hoping mit einberechnet.

Markus: Das finde ich jetzt echt spannend, ich glaube, ich hatte noch nie ein IPA, wo Blanc, Mandarina Bavaria und Huell Melon eine Rolle gespielt haben. Aber es geht, es geht gut, sehr schön.

Leo: Ist eine unübliche Mischung. Aber wenn ich das Bier trinke, dann kommt mir ein IPA in den Sinn und, ja, dann glücklich, wenn ich IPA höre und wie das hergestellt wird, dann bin ich zufrieden.

Markus: Ja und ich denke, es ist auch was, wo man beide Seiten gut zufrieden stellt. Also ich glaube, jetzt so diese Craft-IPA-Nerds, für die ist sehr viel Aroma da, dass sie so noch nicht kennen, mit dem sie sich beschäftigen können. Und alle anderen haben einfach ein schön trinkbares Bier, was es nicht übertreibt mit diesen exotischen Hopfennoten, sodass man da immer noch einfach ein schön trinkbares Bier dahinter hat. Und das ist, glaube ich, für beide Benutzergruppen ein guter Kompromiss.

Leo: Ja, das sehe ich genauso, das glaube ich auch.

Markus: Und auch das war schon da, als du kamst, ne?

Leo: Genau, das war auch da. Also bis auf das Pils waren von denen alle da. Ich habe jetzt ein neues Bier, habe ich neben den Rezepten, was ich verfeinert habe, schon gebraut und zwar wird das ein Festbier für den Herbst dann, Herbstbeginn. Und, genau, da bin ich auch sehr, sehr gespannt drauf. Das ist praktisch das erste Bier nach meinem Rezept, was an die Öffentlichkeit kommt.

Markus: Spannend. Wann wird das präsentiert?

Leo: Wir wollen es eine richtig lange Lagerzeit geben, also wir haben oder ich habe mir gedacht, sechs bis acht Wochen, vielleicht auch länger, also wahrscheinlich eher ein bisschen länger. Und dann, je nachdem wie wir die Tankbelegung, wie wir die Tanks brauchen und so weiter, füllen wir es dann in Fässer ab und dann, dass es so im Herbst oder was bereit ist.

Markus: Also so eine Mischung aus Oktoberfest- und Bockbier, von der Zeit her.

Leo: Ja, von der Zeit her, genau. Und von der Farbe so ein bisschen eher hell, bernsteinfarbig, also nicht zu viele EBC, genau, aber schon von der Stammwürze ein bisschen gehobener. Soll man schon was spüren, dafür dass es ein Festbier ist.

Markus: Dann sowas für den Weihnachtsbraten zum Beispiel auch?

Leo: Ja, genau, genau, würde ich sagen, ein bisschen malziger, ein bisschen mastiger und ein bisschen dunkler. Einfach, was dann zu der kälteren oder nicht mehr warmen Jahreszeit, sage ich mal, gut dazu passt.

Markus: Hast du da eigentlich schon Pläne, wenn du dann jetzt zum Beispiel an Weihnachten denkst, gehst du da zu deiner Familie oder bleibst du da in Südtirol oder besuchen die dich?

Leo: Das ist eine sehr, sehr gute Frage, ich weiß es nicht. Wahrscheinlich, na, nix wahrscheinlich, ich weiß es nicht. Also vielleicht fahre ich nach Deutschland zu meiner Familie oder ich verbringe hier Weihnachten, je nachdem wie es mit der Arbeit ist, da schauen wir einfach mal, wie sich das ausgeht und, ja.

Markus: Ja und was der Freundeskreis so ergibt bis dahin oder so, je nachdem, man weiß es nicht.

Leo: Ja, genau, vielleicht machen ja die irgendwas, dann hockt man sich da dazu. Es ist ja noch lang hin, jetzt sind wir ja erst mal froh, dass der Sommer da ist.

Markus: Das stimmt, genau. Also wir zeichnen hier ja Ende Juni auf, also da ist alles noch im vollem Sommersaft sozusagen. Und apropos Sommersaft, jetzt haben wir noch zwei, es nähert sich.

Leo: Wir kommen dem Ziel näher, ja.

Markus: Und jetzt weiß ich auch, dass wir das Amber Lager nehmen, weil wir ja das Coffee Stout zum Schluss nehmen wollen.

Leo: Absolut, so machen wir es.

Markus: Also, dann machen wir mal hier Ambris auf.

Leo: Bei der Beer Craft war ja dieser KuBo Award, also da waren auch Judges ja eben da. Warst du ja auch mit dabei oder?

Markus: Ja, ja, ich war da mit dabei. Ja, ich bin seit Anfang von dem KuBo Award dabei.

Leo: Ja, perfekt. Und, ja, da hat es Silber gewonnen.

Markus: Perfekt. Das ist ja auch ein schöner Preis, also dieser Holzwürfel, das ist einfach sehr, sehr schön.

Leo: Ja, der war traumhaft, also wir haben uns richtig gefreut.

Markus: Und es ist wirklich ein ganz einzigartiger Wettbewerb, also einerseits nehmen da nur die Biere teil, die es auch auf dem Festival gibt. Und andererseits ist es so, dass die erste Runde, also das Bier wird praktisch in zwei Runden verkostet und die erste Runde ist so, dass die Judges zu den Brauereien an die Stände gehen. Und das heißt auf der einen Seite natürlich, dass ist dann kein Blind-Testing mehr, okay, aber auf der anderen Seite hat man dann die Möglichkeit, eben auch mit dem Brauer über sein Bier zu sprechen. Und das ist oft ganz sinnvoll, weil man halt sonst oft bei einem Wettbewerb einfach da sitzt und einfach mit diesem Bier konfrontiert wird und ein paar Sekunden Zeit hat, sich da eine Meinung zu bilden, aber wenn man dann Fragen im Kopf hat, dann kann man die niemanden stellen. Und so ist das wirklich eine ganz schöne Geschichte. Und es ist dann auch so, das da nicht eine Note vergeben wird, sondern wir sagen einfach nur in dieser ersten Runde, ist das ein Bier, was ins Finale kommen soll oder nicht. Und danach, die nächste Runde, da werden dann die Biere blind verkostet. Das heißt, da sind dann andere Judges bei diesen Bieren, also jeweils, das wird so durchgemischt und da verkostet man dann blind. Also dann hat es den gleichen Level oder Standard wie jeder andere Bierwettbewerb auch, aber eben in dieser ersten Runde hat man diese Fragemöglichkeit. Und das ist grade bei so exotischeren Bieren oder besonderen Bieren oder wo halt besondere Zutaten vielleicht verwendet werden, wirklich gut, weil die bei einem normalen Bierwettbewerb einfach runterfallen und insofern, also wirklich toll. Und Gratulation, also auch diese Preise sind nicht leicht zu gewinnen, so viele gibt es ja nicht. Also sehr schön, freut mich.

Leo: Danke schön, danke schön. Ja, also wirklich, danke schön, das ist wirklich schön zu hören. Und, ja, dieses System war mir nicht bewusst, dass es verwendet wird. Ich habe eben gemeint, dass es eine Blindverkostung ist, also alles, nicht Stages eins und Stages zwei praktisch, aber ich finde das System sehr, sehr interessant und einen guten Einfall. Also unterstützt ihr, dass man einfach ein bisschen was von dem Brauer dann erfährt, was waren seine Gedanken dahinter und so weiter. Es ist ja nicht nur der reine Geschmack, sondern vielleicht auch ein bisschen was, was dahintersteckt, was das jetzt zu einem sehr, sehr guten Bier macht.

Markus: Ja, eben und auch ein bisschen was Persönliches. Also man hat dann eben auch mit dem Brauer in der Regel dann auch Kontakt und versteht dann auch einfach mehr. Und liegt natürlich auch ein bisschen an den beiden Initiatoren. Also dahintersteht einerseits Lorenzo Dabove, der, sage ich mal, italienische Bierpapst, die eine Hälfte vom Teku-Glas, könnte man auch sagen. Und das andere ist der Bobo, dem das Batzen Bräu in Bozen gehört und der so einer oder wahrscheinlich der Vater der modernen Biere in Südtirol eben ist und sich da auch ganz viel engagiert und einfach auch ein ganz toller Mensch ist. Und in dieser Kombination haben die beiden sich halt gedacht, wie kann ich einerseits einen neuen Bierwettbewerb machen, der aber diesem speziellen Setting Rechnung trägt, was man da in diesem Schloss hat. Und auf der anderen Seite, wie kann ich auch diese besonderen Persönlichkeiten, die ich überall in Südtirol habe, irgendwie da auch ein bisschen mit einfließen lassen. Und da, glaube ich, kam das dann am Ende dabei raus, das so zu machen. Und, ja, muss ich auch als Judge sagen, sehr spannend. Und was auch noch dazu kommt ist, dass sie versuchen, eine möglichst internationale Jury zu haben. Also bei der allerersten Ausgabe war es so, da waren wir, glaube ich, nur acht Judges und es war von jedem Land einer. Also ich war praktisch der Deutsche und dann gab es halt einen Österreicher und einen Schweizer und einen Franzosen und einen Ami und so. Und das ist auch spannend, weil du viele Bierwettbewerbe hast, wo diverse Nationalitäten einfach aufgrund der Herkunft, wo der Wettbewerb ist oder so, überrepräsentiert sind. Und das fand ich auch einen interessanten Ansatz und das ist auch jetzt immer noch, dass es extrem international ist, mit sehr vielen Nationalitäten. Und das bringt natürlich in so einen Bierwettbewerb und in so einen Preis dann auch nochmal gewisse Wertigkeit rein, weil es eben eine sehr internationale Jury ist, die das Ganze bewertet.

Leo: Ja, absolut, stimme ich dir absolut zu. Weil ich andere Bierkulturen eben aus den anderen Ländern gewohnt sind, sage ich mal und, ja, da hat ja jeder dann seien eigenen Geschmackssinn in seiner Bierkultur, sage ich mal, aufgebaut. Und dann ist so eine Verkostung von so vielen Geschmackssinnen, sage ich mal, ist dann umso interessanter, was dann dabei rauskommt oder was die Gemeinsamkeiten da sind.

Markus: Genau. Und es sind alles Leute, die viel Erfahrung bei internationalen Wettbewerben haben. Auch das gehört dazu, dass sie da schon die Judges aussuchen und ganz gezielt Leute ansprechen, die dann eben in dieses Profil passen. Aber wir müssen mal über das Bier reden.

Leo: Ja, stimmt.

Markus: Also ich muss sagen, es erinnert mich von der Farbe sehr an das IPA. Es ist für mich einen Ticken dunkler, aber sonst ist es sehr ähnlich, also hat auch diesen wunderschönen Rotschimmer.

Leo: Ich finde es viel rötlicher oder habe ich ein schlechtes Licht, ich weiß es nicht.

Markus: Nee, ich kann ein schlechtes Licht haben, das kann sein, weil bei uns jetzt tatsächlich eine Wolke sich vor die Sonne geschoben hat. Aber das Rötliche ist wirklich, da hast du Recht, das ist sehr intensiv. Wenn ich das Glas ein bisschen tiefer halte, habe ich mehr Licht und dann sieht man das. Also ganz schönes Red Ale könnte man ja auch sagen, obwohl es ein Amber Ale ist oder Lager …

Leo: Amber Lager, genau.

Markus: … Entschuldigung, ein Lager, genau, das ist auf jeden Fall da. Und toll finde ich auch von der Nase die Kombination. Also auf der einen Seite hat man schöne hopfige Aromen, aber auf der anderen Seite kommt auch ein bisschen Röstaroma, fast Kaffee, Schokolade, Toffee vom Malz rüber.

Leo: Ein bisschen rauchiger.

Markus: Ja und eben schöne fruchtige, wieder so rote Beeren, ein bisschen Citrus vom Hopfen. Das ist in der Kombi eine ganz angenehme Kiste. Und im Mund ist es ähnlich, es geht süß los und dann kommen diese Schokoladen-, Toffee-, Karamellaromen und dann kommt auch ein bisschen eine Fruchtigkeit. Und dann, nach und nach kommt aber auch der Hopfen und übernimmt so ein bisschen und hinten raus wird es dann wieder ganz schlank und aufgeräumt. Und es bleibt ein sehr angenehmer schokoladiger Eindruck, so eine Vollmilchschokolade fast mit ein bisschen Fruchtigkeit, also spannend.

Leo: Ja, sehr, sehr gut beschrieben, da kann ich jetzt fast nix hinzufügen.

Markus: Schade, aber ist ja gut. Nein, also wirklich ein tolles Bier. Und es gibt auch noch gar nicht so viele, ja, in Franken würden wir sagen Rotbier. Also mit diesem Gedanken, dass man eben so eine schöne Malznote hat, die eben mit diesen schönen rötlichen Farben umgeht und auf der anderen Seite so eine schöne Hopfennote. Das gibt es ganz, ganz selten, ist ja eigentlich eher tatsächlich, wie man es aus der englischen Welt kennt bei den Ales, spannend. Ja, also auf jeden Fall ein ganz, ganz tolles Bier. Also, liebe Hörer, kann man euch nur ans Herz legen, schaut mal, wenn ihr vorbeikommt, unbedingt nach dem Ambris, das ist echt, also die anderen waren auch toll, aber das ist wirklich von der Vielfalt der Aromen und von der Art, wie die eingebunden sind, ein ganz besonders schönes Bier, also das hat mir gut gefallen. Und jetzt haben wir natürlich noch die dunkle Seite der Macht sozusagen, also das Skuro, so viel Italienisch kann sogar ich, also jetzt ist es dunkel.

Leo: Genau, es ist ein Coffee Stout.

Markus: Coffee Stout heißt in dem Fall mit Kaffee?

Leo: Genau. Wir machen am Ende der Hauptgärung, fügen wir mit einer Kaffeerösterei aus der Region, fügen wir Kaffeebohnen hinzu, also in den Gärtank mit rein. Und dann bleiben die da für eine gewisse Zeit, zwischen 36 und 48 Stunden, mit drin. Werden die wieder raus getan und dann geht es weiter in die Lagerung.

Markus: Und die sind ganz oder irgendwie gemahlen oder …

Leo: Die sind ganz, genau.

Markus: Aha. Und was passiert dann mit denen danach?

Leo: Ja, danach tun wir sie entfernen, weil, ja mit denen, glaube ich, kann man nix mehr machen. Also Kaffee würde ich von denen nicht mehr trinken, wenn ich ganz ehrlich bin, das schmeckt dann nicht mehr so gut und müsste man erst wieder trocknen und so weiter, also die kommen leider in den Müll. Es ist ja, Gott sei Dank, nicht so eine große Menge, weil wir ein 5-Hektoliter-Sudhaus haben, deswegen brauchen wir nicht so viele Kaffeebohnen auf 500 Liter.

Markus: Ja, so ein Kilo wahrscheinlich oder so, ne?

Leo: Ja, ein bisschen mehr.

Markus: Ein bisschen mehr, 5 Kilo, genau, so ungefähr in Prozent vielleicht, ne, irgendwie so.

Leo: Ja, genau, um den Dreh rum, um den Dreh rum.

Markus: Aha, ja, interessant. Ja, ich habe nur gefragt, weil manchmal ist es ja so, also ich kenne zum Beispiel einen Bier-Judge, einen ehemaligen Brauer, der arbeitet eben mit den Kakaonibs. Und wenn die für das Bier verwendet worden sind und macht danach mit denen nochmal eine Schokolade, wo er dann diese Kakaonibs wieder verwendet. Und interessanter Weise geben die dann der Schokolade tatsächlich auch ein bisschen Bier-Touch, das ist auch sehr interessant.

Leo: Oh.

Markus: Also manchmal kann man mit diesen Dingen dann doch noch irgendwas anstellen. Aber ich gebe dir Recht, einen Kaffee würde ich aus den Bohnen auch nicht mehr machen. Aber gut, machen wir mal auf, so. Na, es wehrt sich, aber jetzt.

Leo: Da muss ich mich vielleicht da beim nächsten Sud an die Köche wenden, ob die da vielleicht irgendwas Feines draus zaubern können.

Markus: Ja oder vielleicht tatsächlich auch die Schokolatiers. Ich weiß nicht, ob du Kontakte hast, es gibt ja Karuna-Schokolade in Südtirol, da müsstest du vielleicht mal gucken. Vielleicht haben die Interesse, das mal auszuprobieren. Also ich meine, mehr als schiefgehen kann es ja nicht, wer weiß, also.

Leo: Ja, das stimmt, das stimmt.

Markus: So, also. Oh ja!

Leo: Das läuft raus wie Öl.

Markus: Ja, Ebenholz, könnte man fast sagen, also richtig schöne dunkelbraune, schwarzbraune Farbe. Der Schaum auch total dunkel, schön kaffeebraun. Woah, also Farbe, schon mal sehr, sehr gelungen, sehr intensiv und ganz anders natürlich als all die anderen.

Leo: Ja, das hebt sich deutlich ab.

Markus: Ja. Und auch das haftet schön am Glas, man sieht den Film schön. Und, oh und es hat auch tatsächlich einen richtig schönen frischen Kaffeegeruch, also tatsächlich als hätte man den frisch aufgebrüht, spannend.

Leo: Sehr intensiv, also wirklich sehr intensiv.

Markus: Ja. Und du sagst, während der Gärung gebt ihr das dazu?

Leo: Am Ende der Hauptgärung, ja.

Markus: Aha. Das heißt, da wird ein bisschen auch noch die Bohne mit vergoren?

Leo: Vielleicht 0,12 % oder 0,1 wird noch mit vergoren, ja, aber mehr dann auch nicht.

Markus: Ja, nein, also es ist sehr interessant, also man kann damit so viel spielen. Ich habe grade erst eine Kaffeerösterei in Polen besucht, also da gibt es eine Brauerei, die hat auch eine Kafferösterei, deswegen. Und die experimentieren auch ganz viel, auch mit verschiedenen Fermentierungen und auch zum Beispiel der sauerstoffarmen Fermentierung zum Beispiel und mit Barrel-Aging für Kaffee. Also auch spannend. Da tut man dann Kaffeebohnen in zum Beispiel frisch geleerte Whisky-Fässer und dann aromatisiert man auf dem Weg die Bohnen, also auch interessant. Deswegen, vielleicht kann man wirklich mit den Bohnen noch was anstelle. Aber hier, also der Geruch ist toll.

Leo: Das hört sich ja sehr, sehr interessant an, ja, die Bohnen noch in ein Whisky-Fass. Das bleibt auf jeden Fall im Kopf, die Idee.

Markus: Ja oder auch mit Rotwein. Also es wirklich, also habe ich bis jetzt kennengelernt in Brasilien, da war es das erste Mal, dass ich es gesehen habe. Da gibt es einen Röster, der mit Barrel-Aging für Kaffee arbeitet. Dann in Berlin, da hatten wir den Barrel Summit letztes Jahr, glaube ich. Da gibt es auch eine Kaffeerösterei, die damit ganz viel machen und jetzt eben in Polen zum dritten Mal, das mir so eine begegnet ist. Und da haben wir die Kaffees auch probiert, es ist tatsächlich so, also man dann so einen leichten Touch, in dem Fall war es dann Rotwein in Berlin. Verrückt, also, na gut, ich meine, klar passiert es irgendwie, aber man denkt es nicht.

Leo: Ja, das ist aber sehr interessant. Man geht um acht in der Früh zum Kaffee trinken und hat da eine leichte Biernote mit drin, dann startet der Tag natürlich schon gut.

Markus: Eben, ne, zaubert ein Lächeln auf die Lippen. So wie dieses Bier, also finde ich jetzt auch sehr schön. Es hat nämlich am Anfang, hat es auch noch eine gewisse Süße, so eine kleine auch gewisse laktische Note und dann übernehmen aber die Röstaromen, die Säure und der Kaffee so ein bisschen das Ruder. Man hat da eine ordentliche Kaffeebittere und dann tatsächlich auch ein bisschen den Eindruck, als würde man einen Kaffee trinken und hinten raus wird es dann wieder ein bisschen bieriger.

Leo: Ich finde, die Schokolade, die ist auch noch immer mit ein bisschen im Mund dabei, also die dunkle Schokolade, Zartbitter oder Bitterschokolade.

Markus: So an den Rändern von der Zunge, als würde der Kaffee so ein bisschen eingepackt sein in so eine 80-%-Schokolade oder so.

Leo: Ja, genau. Dieses Bier ist hauptsächlich bei den Süditalienern, glaube ich, sehr, sehr beliebt, die uns besuchen, die mögen das sehr, sehr gern.

Markus: Ja, wenn man überlegt, die sind ja immer nur Espresso-Mengen an Kaffee gewöhnt und da kriegen sie jetzt endlich mal eine vernünftige Menge, das ist doch vielleicht auch gar nicht mal so schlecht. Ja, sehr schön, also das gefällt mir auch gut, grade weil es diese echt frische Kaffeenote hat. Also manchmal ist das ja so fast ein bisschen aufgesetzt und hier ist es echt on Point, also mhm.

Leo: Ja, wird viel mit Schokoladenmalzen gearbeitet oder Brownmalt für die Farbe und da kommen natürlich eben die angenehmen Aromen mit. Und der Kaffee im Gärtank, der gibt dem Ganzen nochmal einen richtigen Kick.

Markus: Also da muss ich unbedingt mal, wenn ich nächstes Jahr runterkomme oder vielleicht vorher schon, schauen wir mal, muss ich mal vorbeikommen, muss ich mal gucken. Vielleicht habe ich ja Glück und bin da, wenn das grade im Tank ist. Weil, das finde ich echt eine spannende Geschichte. Also ich glaube schon, dass diese Kaffeebohnen von der Gärung so ein bisschen was mitbekommen, weil sonst kriegst du das Aroma nicht so raus, also das macht ja was mit den Bohnen. Das ist echt schön, also Hut ab.

Leo: Vielen, vielen Dank.

Markus: Wunderbar. Und so ist das ja auch ein Menü sozusagen, das wir so ein bisschen durchlaufen haben, also angefangen von …

Leo: Ein 8-Gänge-Menü.

Markus: Ja, ein 8-Gänge-Menü in etwas über eine Stunde, aber das passt. Und wirklich von dem Bio Hellen über tolle Weißbiere, dann eben die klassischen Pale-Ale-, IPA-Variationen, die aber dann doch gar nicht so klassisch waren. Und dann aber auch ein Pils, ein Amber Lager und dann dieses schöne Coffee Stout. Also eine tolle Reise, die ich wirklich auch unseren Hörerinnen und Hörern nur ans Herz legen kann. Ja, wie sind denn deine Pläne, machst du im Sommer irgendwie Urlaub oder ist da dann tatsächlich jetzt eher erst mal Arbeit angesagt?

Leo: Also Sommer, da ist Arbeit. Ich sage mal, Urlaub habe ich eigentlich dieses Jahr keinen mehr geplant. Also jetzt ist erst mal Arbeit, jetzt ist ja Hauptsaison für uns, es wird richtig intensiv viel gebraut, abgefüllt was geht. Und Richtung Urlaub schaut es grad eher mau aus. Aber vielleicht ergibt sich mal spontan eine braufreie Woche, weil alle Tanks frei sind und dann eher, ja, auf der spontanen Richtung. Kurzfristig vielleicht irgendwo einen kleinen Ausflug oder so, aber was Größeres ist jetzt nicht geplant dieses Jahr.

Markus: Ja oder man fährt einfach zwei Dörfer weiter und genießt ein bisschen die schöne Natur, das geht natürlich auch. Na, dann vielen, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und das du uns diese schönen Biere alle geschickt hast. Und dann drücken wir dir ganz fest die Daumen, dass der Sommer gut läuft und die Gäste weiter so fleißig trinken. Also an den Bieren liegt es auf jeden Fall nicht.

Leo: Wunderbar, wunderbar.

Markus: Und dann freue ich mich, wenn wir uns dann bald möglichst wiedersehen, er weiß, vielleicht mal zwischendurch irgendwo oder dann spätestens nächstes Jahr in Bozen. Und da dann vielleicht auch mit dem ein oder anderen Zuhörer unseres BierTalks, denn da mache ich ja auch immer viel Werbung. Also nächstes Jahr Beer Craft, das wäre die Gelegenheit, diese Biere live vor Ort und dann vielleicht auch mit Leo zu trinken. Also vielen Dank dir und heute noch einen schönen weiteren Restabend mit den ganzen Bieren.

Leo: Ich bedanke mich auch vielmals, dass ich dabei sein hab können. Hat mich sehr, sehr gefreut, mit dir dieses Gespräch zu führen über das Thema Bier. Und, ja, wir sehen uns spätestens nächstes Jahr auf de Beer Craft und ich wünsche dir ebenfalls einen sehr, sehr schönen Abend. Vielen Dank für die Verkostung, das war sehr interessant mit dir. Und, ja, jetzt müssen wir wohl die Gläser noch alle austrinken.

Markus: Das müssen wir jetzt machen, auf jede Fall.

Leo: Das ist immer der schwierige Teil.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

BierTalk English 28 – Talk with Gary Tickle, CEO at Sustainable Beverage Technologies (BrewVo), Golden, Colorado, USA

Gary Tickle is the managing director of SBT and, as a native Australian, had found his way to the subject of beer early on. But it was to take some time before a drink for cozy evenings with family and friends was to become the work for a revolutionary invention called „BrewVo“. The basic idea behind the technology is to be able to break beer down into its constituent parts and later reassemble them as desired. For example, any beer can be served with a higher, lower or no alcohol content. Or ingredients present on site, such as water, can be skipped during transport, saving a lot of energy and money. Even storage is much easier – instead of barrels, simple cuboid cartons containing the respective parts of the beer are now sufficient. Sounds like science fiction? Deschutes has tested it and Gary explains it in BierTalk…

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

Zusammenfassung auf Deutsch:

Gary Tickle, ursprünglich aus Australien, hat eine lebenslange Verbindung zum Bier und wurde durch die innovative Arbeit von SBT zum Thema Bier neu inspiriert.

SBT hat eine revolutionäre Technologie namens „BrewVo“ entwickelt, die Bier in seine Bestandteile zerlegt und später nach Wunsch wieder zusammensetzt. Dies ermöglicht die Herstellung von Bier mit unterschiedlichem, niedrigerem oder keinem Alkoholgehalt und spart Energie und Geld bei Transport und Lagerung. Die Technologie trennt Alkohol und Wasser vom Bier und reduziert es auf ein Sechstel seiner normalen Dichte, wodurch ein sogenanntes Multi-Brewed Bier entsteht.

Neben BrewVo hat SBT auch NexDraft entwickelt, eine Zapftechnologie, die Multi-Brewed Bier in seiner dichten Form in einem Beutel erhält und es in Echtzeit in frisches Fassbier zurückverwandelt. Diese Systeme arbeiten zusammen, um Bier effizienter und umweltfreundlicher zu transportieren.

Interessanterweise wurde während der Entwicklung festgestellt, dass das Multi-Brewed Bier standardmäßig ein erstklassiges alkoholfreies Bier ergibt. Diese Entdeckung war zufällig, da die Technologie für alle Bierarten gedacht war. Das System ermöglicht es, das gleiche Bier in verschiedenen Alkoholstärken anzubieten, indem es alles in Echtzeit mischt.

Ein Beispiel für die Anwendung dieser Technologie ist Deschutes Brewery, eine der Top-10-Craft-Brauereien in den USA, die erfolgreich eine alkoholfreie Version ihres Flaggschiff-Bieres Black Butte Porter mit BrewVo hergestellt hat.

SBT arbeitet auch daran, diese Technologie auf andere fermentierte Getränke wie Wein auszuweiten und sieht darin ein großes Potenzial für die Zukunft. Sie sind zuversichtlich, dass diese Technologie dazu beitragen wird, die Craft-Bierindustrie nachhaltig zu verändern und zu erweitern, indem sie neue Verbraucher anzieht und den Konsum steigert​.

 

Interviewtext:

Markus Raupach: Hello and welcome to another episode of our podcast BierTalk. Today, again, we cross the Atlantic Ocean and we go to the United States to Golden, Colorado, and meet a new friend of mine, Gary Tickle, who is the Chief Executive Officer of Sustainable Beverage Technologies. So a complicated word for a German guy, but it was very interesting to meet you at your booth and to see all your inventions. And so I’m very happy to have you here. And maybe you introduce yourself a little to our listeners. Hi, Gary.

Gary Tickle: Hi. Thanks, Markus. Thanks for having me. Yeah. And to make it easy for our listeners, we just refer to ourselves as SBT, it’s much easier to pronounce for everybody. It’s much shorter too. So yeah, I’m the CEO of SBT. I’ve been with a company about two and a half years now. And my background was originally in CPG. But we can talk a little bit more about that as we go along.

Markus Raupach: Yeah, fantastic. So as I said, wonderful to have you here. And maybe first, a little bit to get to know you in person a little bit better. So what about you and beer? Is this a long-term relationship? Or more or less short-term? Or what is your preference around beers?

Gary Tickle: Well, it’s interesting. I mean, I’m originally from Australia. And I would say it’s a birthright in Australia to have a connection with beer. I think that’s just part of our culture growing up that beer had strong regional dimensions to it. You were aligned to a beer which really spoke to who you were and where you came from, which state you belonged to. So right from the very early days, I can think of spending evenings with my parents and friends at little beer gardens out in the country where I grew up. And beer was just an integral part of society and social gatherings and connectivity, frankly, in the community. So I guess I have a very early fond memory of beer in a positive light and how it played a part in my upbringing. In a responsible way, but in a very, very close community setting. And fast forward to today, in between, I started working with a global CPG food company and travelled the world working for them in New Zealand, then in South Asia, based in India, and in Switzerland, before coming to the US. And so my reconnection with beer came relatively recently, and in the last two and a half years where I was very intrigued by the work that SBT was doing. The founder and inventor of this technology is Patrick Tutera, a very smart guy, has a very interesting background himself, which we can talk about more. But when he realized he didn’t want to be the CEO of this company, he came looking for someone who did want to ultimately run the business alongside him. And I was super intrigued from really from a consumer standpoint, Markus about what’s happening in this industry, and where it’s going. Because that’s been my life has been studying in the consumer and understanding what it means for the future of your business. And I could see beer was ready for change. And I could see SBT presented a really unique opportunity to bring about that change in a very disruptive way.

Markus Raupach: Yes, a lot of changes, a lot of new approaches to beer itself, and also to the idea of a non-alcoholic beer and to serving beer or whatever. We will talk about that in a minute. So it’s a really huge change, possibly. So sustainability always is also a very important thing. And I think together with beer, that’s like a perfect match. So maybe our listeners have no idea what the invention is about. So maybe if you bring us a little bit like you would do a documentary, you would start it, and so what is, if it starts with a brewery having a beer wanting to bring it to the customer. So what is the difference if we use your new idea?

Gary Tickle: Yes, so maybe Markus, I’ll tell my documentary story through the lens of Patrick Tutera the founder because I think it’s interesting to understand how we got to where we are today. And it started with him as a keen hiker, backpacker, outdoors guy reaching the top of a mountain one day, I think in Utah and realizing that he would love to have a cold beer up there. But it’s a heck of a mission to carry a lot of beer up a mountain when the majority of it is you’re just carrying water.

Markus Raupach: Yes.

Gary Tickle: And his fundamental thought was, well, there’s got to be a way of doing this without having to carry all this water but still enjoy a great beer. And that idea played on his mind for some time before he eventually got around to starting in his garage in Alaska, where he was based at the time, tinkering around with the idea of how to separate, essentially take water out of beer and then being able to reconstitute the beer at a future point in time, which obviously introduces a lot of interesting possibilities for sustainability in the transport. So fast forward that to today, that idea has become now a large-scale technology platform patented processes. And there are two essential platforms, Markus, for any brewery. The first platform is what we call BrewVo. BrewVo is a technology which is installed inside an existing brewery. It relies on existing brewing processes. So it’s totally receiving a standard beer from a brewer, it’s then processing that beer and separating out the water and alcohol and shrinking the beer down to one-sixth it’s normal density to produce what’s known as Multi-Brewed beer. And that Multi-Brewed beer in its 6x dense form now has an ABV of less than 3%. So it is, had the majority of the alcohol taken out and the vast majority of the water taken out. And that Multi-Brewed beer is now available to do many things with. So if we just pause there, and go to the other platform, which is called NexDraft. NexDraft is a tap technology that can receive that Multi-Brewed beer in its 6x dense form in a bag and box, so no keg, and can reconstitute the beer back into fresh draft beer in real time on the tap system, so in your normal taproom environment and produce a great fresh draft beer. So you have this connection at this ecosystem whereby the 6x dense liquid is travelling through the supply chain with a fraction of the water that you would normally be shipping. Beer is typically somewhere in the order of 90-plus per cent water. And so when you think about the logistics of moving beer today, it’s predominantly moving stainless steel and water in keg format one way and then of course, you’ve got to return those keg. So you’re shipping stainless steel and air in the opposite direction, and then going through a whole water and chemical treatment process to clean those kegs. So there’s a lot of carbon footprint there tied up with the movement of draft beer kegs. So in this case, with these two technologies working together, BrewVo can produce a 6x dense liquid, can be put into a bag and box format, shipped through the supply chain, and then received at the other end and plugged into the NexDraft system, and pour it as fresh draft beer. And importantly, that technology can be connected to existing tap systems. It doesn’t require you to start again and rip all of your taps out. It connects to your existing tap lines and feeds them fresh draft beer. So that’s the two core technology platforms and we can talk more detail about what else they offer. But in essence, that’s the two platforms we offer at SBT.

Markus Raupach: Wow, that sounds too good to be true. But to say, to be honest, we tried it at the booth. So I know, I saw it, so it’s really real. And just to get a little bit into it. So you have the beer, and then it’s separated into three parts. So one part is pure alcohol?

Gary Tickle: Yes, so the way it works, Markus, is when we put the beer through BrewVo, we split the beer out. I always think of beer in three parts as all the good stuff, which is everything in the fermentables that you’re building in the grain bill, alcohol and water. So we strip out the alcohol and water, we separate them as one permeate. So the water and alcohol comes out together in a form such that it’s right about a 6% ABV permeate. It just looks like clear water. If you were to look at it, you’d say it’s a glass of water. But in fact, when you taste it, you realize it is alcohol in that water, but that creates a very interesting side stream from the process where it’s perfect base to make hard seltzers from it. You literally just have to carbonate it and add a flavouring base, fruit base or whatever you want to add and you’ve created a more based hard seltzer. And so what remains in a Multi-Brewed beer is that all the good things that you want to keep in the beer.

Markus Raupach: So we have the water and alcohol part and then the rest is, it’s like a still liquid but very sticky substance where it’s …

Gary Tickle: No, it’s not even very sticky, Markus. It has a very similar viscosity, slightly more viscous, obviously than a normal beer. But pours pretty easily, but obviously it’s now, it’s very much a flavour and aroma-dense liquid and it’s a perfect base then just to reconstitute in real-time. And what we learned along the way, really by chance, actually, it was quite serendipitous that having some master brewers who were in our facility tasting beers made from our NexDraft system, they asked us just to pour the beers without adding any alcohol back. We can talk a bit about that in a minute. And that’s how we came to find that actually, this Multi-Brewed beer produces, by default, best-in-class non-alcoholic beer. And it really was by chance. Because the technology platforms were designed to be for all beer. So Markus, when you think about that 6x dense liquid, Multi-Brewed beer travelling through the supply chain in a bag and box, it has with it a sidecar and an additional bag. And in that bag can be different levels of ethanol, or it could be just distilled water. With the intention of being that when you plug the bag and box into the NexDraft system, you can be pouring beer at different alcohol strengths, because it’s literally blending everything together in real-time. So you have the Multi-Brewed beer, you have the sidecar of ethanol, and you have water, of course, all being blended and carbonated in real-time. So we can have the situation as we do from time to time in our headquarters on our tap system, we have the same beer being poured as non-alcoholic session strength and full strength side by side on three taps. And it’s all happening with real-time blending.

Markus Raupach: Wow. So okay, so if we stay in the image, we have like the concentrate, and then we have the water and the alcohol. And first, those are together, and then you also extract the alcohol from the water or does this stay together?

Gary Tickle: No, we keep them together, Markus. I mean, obviously you could distil it down. I mean, that’s a possibility. But it is ready to go as a hard seltzer base. So it’s a ready-made solution and it means you have a very water-efficient process. If we just talk about brewing as a process it will be well known to brewers that it takes a lot of water to make beer. And so in this particular case, if you have the opportunity to use that water, then you really have got to a best-in-class water solution. Because now you’re using the sidestream that’s coming from the Multi-Brewed beer, you’re repurposing that as a base for hard seltzer, and any remaining water you can actually use to clean through the BrewVo unit. So it actually makes a very water-efficient process inside the brewery.

Markus Raupach: Yes. And I don’t know if you can answer the question. But I’m just curious, how do you convince the aromas to leave the alcohol and stay in the concentrate?

Gary Tickle: Yes. So this is really, this is where the magic happens. You would know, Markus, there are many different approaches technically to removing alcohol from beer.

Markus Raupach: Yes.

Gary Tickle: And I typically call them alcohol-stripping processes. They are designed where you brew a beer upfront in the brewery, and you try and guess or estimate what you’re going to lose in the stripping process to retain whatever you get at the end of the process. And you hope that you retain a lot in the stripping process. But the truth is, as you know, beer is a fairly sensitive, delicate product. It doesn’t like to be manipulated, it doesn’t like to be mechanically changed or chemically changed. And so these stripping processes generally have telltale signs in the finished beer. You can tell, I’m sure you can as someone who’s very educated in beer, that when you taste the beers, you can generally tell what technology made that NA beer by virtue of what’s missing from the beer, or what’s present in the beer that shouldn’t really be there. And so this is always the fundamental challenge. We say that making non-alcoholic beer is much harder than just making beer. Because you’re trying to remove the alcohol very gently, and at the same time retain all of those key characteristics that make the beer a great tasting experience, right? Which is ultimately what matters most. So this patented process, which obviously we can’t go into all the trade secrets, but this is where the magic happens. The design that Patrick has built around the technology and the process because it’s not just the physical piece of equipment, it’s also how we would train you to use that physical piece of equipment in such a way that you finish the beer fully with a ferment cycle. We call it Multi-Brewed beer because we literally brew a beer inside a beer. And I know I’m speaking in riddles, but this is how the technology works. And at the end of the day, it means you end up with a fully fermented and finished beer with all the aromatics and mouthfeel, and the key properties that really make the beer a great drinking experience, retained in the beer. And in the meantime, the alcohol has left the scene. So this is the key to the technology that we say, we say this, not jokingly, we say this, at SBT we really all hate making beer. We hate making beer with a passion. We only like making great beer, because at the end of the day, that’s what the consumer wants and that’s what will bring them back to non-alcoholic beer. And I think today, this is why for me, it was such an interesting opportunity to come and work with SBT is clearly this is where we can satisfy the consumer, we can bring them something new and differentiated, higher quality, and I genuinely believe this is what will help sustain the craft brewing industry into the future. It will bring new consumers into the category and it’ll expand consumption because they’re going to have a great drinking experience.

Markus Raupach: Yeah. And you can adjust the alcohol content however you like. That’s a fantastic idea. Yeah.

Gary Tickle: Correct. Yes. And the NexDraft system, you can do that, you can even do it in the brewing process. Because once you’ve got that Multi-Brewed beer and its 6x dense form, mathematically when you do the dilution down five parts to one, you obviously end up with a beer that’s less than 0.5% ABV. But it’s technically possible to add back malt-based ethanol at the time of canning. So, and we’ve done this. You can have the same beer canned as in NA, some as a session strength and some as a higher strength beer by the amount of ethanol you choose to add back at the time of canning. So you can even do real-time blending of the same beer into different products. That’s just another feature and advantage of how the technology works.

Markus Raupach: Yes, it’s like breaking the beer in its pieces and then put the pieces together however you like and maybe add other ones.

Gary Tickle: Correct. Yes, yes. And that’s work that’s ongoing. The other thing it lends it to, and we’ve done this as well, Markus, is we’ve made beer in Denver, Colorado and we’ve shipped that Multi-Brewed beer in totes, large totes, 275, 280 gallon totes, shipped them across the country to the east coast where another brewer just put it in a bright tank, blended, carbonated and packed it locally. So instead of sending 3000 cases of beer right across the country, we just sent five totes of beer in a small truck and they finished the beer locally. So it’s a hub and spoke model opportunity. So what I also appreciate about this technology is it opens up market access in a very unique way. There’s no reason why we couldn’t ship that same beer in tote form to Germany, and have someone can and pack it locally, as opposed to sending thousands of cases of beer in cans.

Markus Raupach: Yeah, no chance of oxidation and whatever happens to be.

Gary Tickle: No, and not shipping the water all the way across the Atlantic just to have it packed locally.

Markus Raupach: So that it’s really a revolutionary idea. And just a question. When you have like a pub and you get this beer from your brewery, so you get like a box and in the box are the two liquids? Or just the concentrate?

Gary Tickle: Yeah, so this is where the supply chain piece obviously in the US if you know the US market, it’s quite a unique market because it’s really, it’s a federal system, but state-run. And so the laws around how things move through the supply chain actually vary a little bit from state to state. But let’s talk generically, the supply chain is no different than it is for beer. An existing beer distributor can receive the bag and box, the two bags will be side by side, one will have Multi-Brewed beer, the other one will have malt-based ethanol in it. They will travel in their, what we call their individual box to the marketplace, and then if you’ve got a NexDraft tap system, all you do is literally clip the beer into the bag, clip the bag onto the NexDraft system. It’s a five-second job to click it in. And then it immediately recognizes which beer it’s pouring and starts pouring that on the NexDraft system. So yeah, it’s a very simple solution. And when you think about it, one-sixth still, which is the equivalent of call it 45 to 48 pints of servable beer, is a 13-pound bag. You can hold it in one hand. So if you think about just moving around six filled kegs today and the size and dimensions of it, you can literally just pick up the bag with one hand and that’s the same equivalent in terms of servable pints of beer.

Markus Raupach: Yeah, and it’s like a cube so it’s much easier to store. So that’s really, of course, very helpful.

Gary Tickle: Yeah, the other. Yes, and the other interesting feature Markus, is we can freeze the beer. When it’s in its 6x dense form in those bags for the NexDraft system, we can actually put the beer to sleep. We can put it in a deep freezer and freeze it. And we have a customer today in Bogota, Colombia who has our NexDraft system. They have it in their retail environment, and they’re pouring fresh craft beer that’s been made in Denver, Colorado. And what we do is we make the beer, we bag it, and we freeze it. We send them a frozen pellet of beer and they literally just put it in a freezer. And as they need the beer, they just take it out, give it 24 hours to come up to temperature, and then they just clip it in and pour it as fresh craft beer. And the challenges of shelf life of keg beer is, after 90 to 100 days, the keg is finished. But in this case, we have beers that they’re pouring as fresh craft beer that are up to a year old that have just been put to sleep. And they just wake the beer up when they need it.

Markus Raupach: And the only thing you have to have at your bar is the NexDraft system, and carbonation and water?

Gary Tickle: Yes, so the NexDraft system. And we’re very fortunate now we have Middleby, which is a publicly listed company here in the US who is now a strategic partner with us, they’ve invested in us. And they will be our global partner for the selling and distribution of the NexDraft system. They’re also a technical partner in developing the next generation of this unit. But the idea is that we would simply come to anybody who has an interest in adopting this technology. They purchase a NexDraft system, it will hook into their existing tap lines. So they don’t have to change the taps themselves, that stays as is. So if you’re like above the bar, the consumer knows no different. They would not know where the beer is coming from. But the NexDraft system will have a self-contained housing that can receive the bags and it’ll have what we call a small back room package, which does the real-time receival of the local water, filtration, chilling and carbonation of that water to blend in with the beer in real-time. And for the consumer experiences, it’s just another draft beer on tap. It just happens to be a great NA beer on tap that tastes like any other great beer.

Markus Raupach: It really sounds like rocket science to me. Did you ever tried to do it also with other beverages? So like like whiskey or milk or something like that?

Gary Tickle: At this stage, it lends itself primarily to be ideal for fermented beverages. The other area of endeavour we’re working on is wine. Because we look around, we’ve successfully done it with alcoholic ciders. We’ve de-alkalized ciders and made a great NA cider product, which again, theoretically, you could do a blend back at any level and additive. So same idea. But we think wine is a very interesting area, because my experience and those of us who’ve done a little bit of research in this area, we don’t really find any great NA wine. And we recognize it’s tougher because the ethanol makes up a bigger proportion of the consumable experience. And so that’s the first thing to consider. But also, it seems that the technologies today being used to de-alkalize are taking a lot of the character of the wines away. And they’ve come up as, it’s a long way short of a wine experience. So this is definitely a field of endeavour for us. We think we can do a better job with that. And that’s a very interesting expandable market in its own right.

Markus Raupach: Well, yes, that’s totally right. I think NA wine is a huge field and they are still struggling. I also didn’t have any good one at the moment.

Gary Tickle: I’ve tried. I’ve tried a lot, but I haven’t really found one that I’d say I would come back for. And this is the key, I think, Markus, for any of these products is you want repeatable expandable consumption. You don’t just want trial. And here I can give you a real-world experience of vero what we did with Deschutes. Deschutes, a well-known top 10 craft brewery here in the US out of Bend, Oregon. We did some initial development work with them on a beer, on an Irish stout, which was very successful. And then they came back and challenged us and said, well, if you really think you guys are good at this, we’re going to really put you the test. We’re going to give you our flagship beer, which is Black Butte Porter, and we want to see if you can make an NA version of this good enough that we would be willing to put our brand on it and call it Lite Butte. Not just call it a beer, but actually call it by its name, our flagship brand. And so we did that work. We were extremely proud of the product that we made at the other end. They were delighted with it. It subsequently went on to be a winner, the Best of Craft Beer Awards in Oregon and ultimately, what the real experience is for them is where that product is available on the shelf alongside all of their core alcoholic products today, it’s their highest velocity SKU, which is really interesting. It’s expandable consumption and it’s bringing back, I think, it’s bringing back loyalists who may have drank maybe five of those beers when they were in their 20s, and now they’re in the 40s and 50s and they’re drinking less of it. But now they have the chance to drink one full strength and a whole case of NA version and still feel like the drinking great Black Butte NA, which I think is where it’s really interesting for the industry.

Markus Raupach: Yeah. So that would have been my next question. So is there already a real-life experience of that? So Deschutes is really a big number to tell about that. So do you have any other experiences are already using the technology?

Gary Tickle: Yes. So just to conclude on the Deschutes experience, they have chosen to adopt the technology and it’s now public information. So by the end of this year, they will have a BrewVo unit under their own roof and they will be manufacturing for themselves and looking to expand obviously, the availability of the NA version of their beers. Peter Skrbek the CEO of Deschutes, he’s, I think quite a visionary leader and fully understands that this really can be a game changer. Because we’re not frightened to make analogues of existing alcoholic beers. We’re not frightened to challenged with give us a great NA, a great alcoholic beer that you make, and we’ll make the equivalent. We do it for Tommyknocker who’s based in up in Colorado not too far from us in Idaho Springs. They have a really interesting product. It’s a blood orange IPA in alcoholic form, which is a big seller for them. It’s a very unique beer, very aromatic, strong notes of blood orange. And they challenged us to make the NA version of that, which we’ve done. And it does extremely well for them. And again, as you can appreciate, that’s a tough beer to make. To retain always aromatics, to bring that rich flavour through. It’s doing very well for them. We also work with Groovy. Groovy is based out of Denver, Colorado. They’re an NA-only company. So they do NA beer and NA wine. And Groovy challenged us to make Groovy Golden, which is a very simple light American lager. And I’d argue the toughest beer to make, Markus because you really don’t have any complex things going on in the beer to hide behind. If the beer comes up short, you’re going to know immediately when you taste it. So I would argue the toughest beer to make. And so we made Groovy Golden for them. And the history now is that in 2022, we had two entries in the best, in the World Beer Cup in the NA category and it was Groovy Golden and Black Butte Porter. And Groovy Golden won gold and Black Butte Porter won silver. So it’s telling that very, very different beers, very, very different stylistically, and yet we demonstrated BrewVo has a breadth of capability to produce great beers in both cases.

Markus Raupach: Unfortunately, I was not at the table. I didn’t have any non-alcoholic beer and I was at the World Beer Cup this year. But I will try it when I’m back in the US. And so it’s really, it’s fascinating. And I’m still not sure what is the better part of it. So of course, the NA capability is fantastic and it’s new and it’s a new market, and there’s a lot of way to go. But on the other side, the idea to reduce transport, transport cost, carbon footprint, all these things, because at the moment, we have huge problems to import, for example, the typical US craft beers into Europe. We simply don’t get them anymore. So like the Sierra Nevada, like the Anchor Brewings or whatever. So it’s really hard to get these beers and if there is new ways to make that much more simple, that of course could also solve a lot of problems. So and I’m really curious. So maybe one last question on the process. Is it, does it have any impact where the aroma comes from? So no matter if it’s a hop aroma, a malt aroma, a yeast aroma, all these aromas have the same ability to be in the concentrate and to stay there and to be re-diluted afterwards?

Gary Tickle: Yeah, the short answer is yes, Markus. And again, because we do a Multi-Brewed process, it’s really interesting that we can actually use different yeast strains at different times in the total process. And, again, without going deep into the secrets of how we do that, it means that we can keep the characteristics of some of the maybe very exotic yeast strains that are something that you ultimately identify with and you want in the final product, we can introduce that quite late in the process to ensure that, in fact, you do get a good representation of them. And in terms of aroma, we have some very sophisticated processes by which we can introduce some very hoppy notes that are a key characteristics of, obviously, the IPA market is very big in the US, it’s quite dominant here in the craft industry. So it’s key to be able to demonstrate that you can retain those key characteristics of the beer to be able to call it an IPA. And I would say, the blood orange IPA, for example, is a very clear demonstration that we’re able to do that, and very faithfully represent a product. It’s a very hoppy beer with a strong blood-orange overtone. Those things, if you’ve got a typical alcohol stripping process, competitive technology, it’s really tough to retain all of that. It’s really tough to demonstrate all that in the beer, but we can.

Markus Raupach: So and the very last question that means if I have a brewery, and I produce just my normal beer and I have this BrewVo system, I produce my beer normally with my normal equipment and afterwards, put it in the BrewVo? Or I brew with BrewVo and I have to make new recipes or to bring that in it?

Gary Tickle: No. So it’s the former. You have your existing brewhouse, you’re brewing beers the traditional way. We will give you some guidance on how to actually simplify some of that brewing process. So we have some benefits on how we can make BrewVo more efficient in how we design the initial recipe. So minor tweaks to your normal typical recipe, but nothing significant. Just things that we can do that will actually probably be value engineering of the beer upfront. And then yeah, it’s going through a typical ferment cycle, but much faster. We don’t try and finish the beer before we put it through BrewVo because we’re doing a Multi-Brewed process. And then BrewVo receives that beer from your normal brewhouse from the fermenter. We put it through BrewVo and then we complete the beer using our patented approach to finishing that beer on a ferment cycle. So yeah, so it really is designed to be an installation inside an existing brewhouse and using traditional brewing processes, which would be well understood by your listeners.

Markus Raupach: Have you ever tried it with one of these very heavy beers like barrel-aged beers, or barley wines, or even icebox or something like that?

Gary Tickle: We’ve not been challenged to do that yet. But I don’t have a concern that we could do it. I think it’s more a question of at the moment we’re building style beers that are being requested by our customer base. So it’s really whatever product brief we they come with, we work on. I think the interesting thing to go back to your point earlier, Markus, is the exciting opportunity to bring beer back to markets which may be starved of that breadth of availability that, the styles that they just can’t get their hands on anymore. The idea that we can work with partner brewers in Germany, for example, who can receive Multi-Brewed beer, blend and pack, carbonate and pack it in a typical form that they would be used to doing, presents just a whole new way of working, right? Because it’s creating a whole new ecosystem for beer that doesn’t rely solely on kegs and cans to make it possible.

Markus Raupach: Yeah. And I think it would even be possible to make it with the Purity Law.

Gary Tickle: Yes, absolutely.

Markus Raupach: Because the only thing is that the carbonation has to be from carbon dioxide, which is from a brewing process. But that is possible because that’s available. And then you can do that. So that’s, I’m very curious about that and I’m very much looking forward to that.

Gary Tickle: I think it’s, is it Reinheitsgebot.

Markus Raupach: Yes, yes.

Gary Tickle: My pronunciation was probably?

Markus Raupach: No, it was good. That was very good.

Gary Tickle: It’s pretty good for an Australian, right?

Markus Raupach: Yeah.

Gary Tickle: So yeah, the short answer is yes, we totally respect those laws. We want that, right? Because our intention is to make high-quality fresh draft, high-quality beer that is not in any way created through artificial means. It’s through traditional brewing practices. So yes, we’d absolutely be able to do that and vice versa. It’d be very interesting to see some of the German beer styles more available coming this way. Because if you’ve got customers who have BrewVo on either side of the Atlantic, then effectively they can work together and they’ve got a closed ecosystem that they can help each other. And whoever has a BrewVo unit will have the ability to make this beer into the bag and box format, and thereby be available into these NexDraft tap systems. And I think of that as a very interesting opportunity of being able to put draft beer in places where you simply can’t put it today because of physical constraints. The fact that you can’t, you don’t have the space to put a large storeroom for kegs. So whether it’s things like cruise ships, for example, or small format, quick service restaurants, just places where draft experience would be great, but today, it’s physically not possible, we think that’s a new opportunity for NexDraft to bring beer to new places.

Markus Raupach: Yes, and you can expand the variety because you can have much more beers the same time if you have smaller containers. So yeah, fantastic. So if people now are interested, we will put the link to the website in the show notes. Is there any other hub of information where people could have a look at?

Gary Tickle: Yeah, well, I think our website www.BrewVo.com is the best place to look and we do have a Contact Us link on that page on that website. And feel free to reach out to us. We would love to talk to you and work with more brewers. We’re all about changing the world of beer. Our passion is to see beer grow and grow in a way that it has never been able to grow before. And also to be able to say that it is best in class in terms of sustainable footprint for the type of beverages we serve.

Markus Raupach: Yeah, what an important message and an important invention. So thanks a lot, and I’m really looking forward to coming back to the States and try some of these beers. And of course, you’re always invited to come to Germany and maybe also bring some. I would be very interested.

Gary Tickle: Absolutely. Yeah. Well, we look forward to seeing you here. And of course, we look forward to working with partners in Germany as well.

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