BierTalk Spezial 28 – Interview mit Alexander Maier von der Bock’s Corner Brewery in Vaasa, Finnland

Alexander Maier fand durch einen glücklichen Zufall zum Thema Bier und vertiefte seine neue Leidenschaft dann auch gleich mit dem Braumeisterstudium in Weihenstephan. Dort lockte nicht nur der Gerstensaft, sondern auch eine holde Maid aus dem hohen Norden, heute seine Ehefrau. Über mehrere Stationen in Deutschland gelang es Alex schließlich, bei einem neuen bzw. wiederbelebten Brauereiprojekt in Finnland anzuheuern und so die Bock’s Brauerei in Vaasa mit aufzubauen. Im BierTalk erzählt er von seinen umfangreichen Erfahrungen im Land des heißen Sauna-Gluthauches und die beste Überlebensstrategie für einen deutschen Einwanderer, Care-Pakete…

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Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute mal wieder oder nochmal wieder ein Special. Wir sind viel unterwegs und jetzt tatsächlich nochmal in fernen Gefilden, nämlich im hohen Norden. Und haben da auch einen spannenden Gast. Wo wir sind und wer das ist und so, werden wir gleich noch erfahren. Vorher am Mikrofon wie immer der Markus und …

Holger: … der Holger.

Markus: Ganz genau! Unser Gast heißt Alexander Maier. Alex, vielleicht magst du zwei, drei Takte zu dir selber sagen und vielleicht das Geheimnis lüften, wo wir sind.

Alexander Maier: Geheimnisumwobenes Finnland, ich bin in Finnland. Ich selber bin in Vaasa, der Markus sitzt in Helsinki bei einem Bierfestival. Ich kann gerne ein paar Worte zu mir selber sagen. Mein Name ist Alexander Maier, ich bin Diplom-Ingenieur für Brauwesen und Getränketechnologie. Ich habe in Weihenstephan studiert, klassische Ausbildung zum Ingenieur. Habe dann ein bisschen bei Paulaner gearbeitet, meine Diplomarbeit da geschrieben. Danach war ich 3,5 Jahre bei Krombacher als Produktentwickler. Dann, wie es der Zufall so will oder auch nicht Zufall, bin ich nach Finnland gegangen. Aus dem einfachen Grund, weil meine Frau Finnin ist, und die ist hier aus der Gegend, heißt aus Kristinestad, was 100 Kilometer südlich von Vaasa ist. Da braue ich jetzt seit circa sechs Jahren fröhlich vor mich hin in einer kleinen Gasthausbrauerei sozusagen. Das ist eine 10-Hektoliter-Anlage. Ursprünglich aufgewachsen bin ich in Hann. Münden, das ist zwischen Göttingen und Kassel. Das heißt, jeder, der auf der A7 mal langgefahren ist, kennt das bestimmt. Das ist so die kurze Vorstellung meinerseits.

Markus: Ja, eine kurze, aber sehr spannende Vorstellung. Vielleicht nochmal zum Einordnen, Finnland ist ein sehr großes Land und vor allem auch ein sehr weit ausgedehntes Land und Vaasa ist so ungefähr in der Mitte, würde ich sagen, und liegt dann eben an der Küste, so gegenüber von der schwedischen Küste. Da werden wir bestimmt auch gleich noch ein bisschen erfahren, wie das da so ist. Vielleicht eine Frage, bevor wir dann so langsam zum ersten Bier kommen …

Holger: Markus, da muss ich jetzt direkt einschreiten, weil als alter Marinesoldat und Ostseefahrer, also muss doch jeder wissen, also ihr fahrt sozusagen auf die Ostsee und dann seht ihr so Schweden und Norwegen da so runterkommen und rechts ist so das Baltikum und dann kommt Finnland und dann kommt der Bottnische Meerbusen. Und da liegt dann Vaasa. So muss man das erklären.

Markus: Genau! Also am Busen …

Holger: (unv. #00:02:55.8#) so ein komischer Oberfranke, aber Busen ist ja wieder was für dich, wie man dich so kennt.

Markus: Da geht das Kopfkino doch gleich wieder an. Nein. Apropos, aber nichtsdestotrotz hattest du dann deine Freundin quasi vorher schon in Deutschland gefunden oder wie kam das?

Alexander Maier: Ja, ja, die war da schon in Deutschland. Die hat in Freising, wo ich grad noch studiert habe, hat die ihr Sprachpraktikum gemacht. Und wie du sicherlich weißt, gibt’s in Freising den ein oder anderen Dialekt.

Markus: Oh ja!

Alexander Maier: Und inmitten dieser Dialektfülle war ich einer der wenigen, der Hochdeutsch gesprochen hat und mich mit meiner damaligen oder beziehungsweise mit der jetzigen Frau verständigen konnte. Da wurde aus dem Hochdeutsch, einem ganz normalen Gespräch wurde dann eine Beziehung. Dann hat es erst ein bisschen Fernbeziehung gehabt. Sie ist gelernte Deutschlehrerin, arbeitet jetzt aber mit was komplett Anderem. Deswegen war sie dann in Freising bei IHS und hat da ihr Sprachpraktikum gemacht.

Markus: Hast du dann jetzt auch Finnisch gelernt?

Alexander Maier: Finnisch, muss ich sagen, ist eine recht komplizierte Sprache. Meine Frau ist zweisprachig aufgewachsen, das heißt, in Finnland gibt’s eine Minorität, 5 % der Finnen sind schwedisch-sprachig und sie spricht auch schwedisch. Also Schwedisch habe ich schon gelernt und hier in Vaasa gibt’s ungefähr gleich 30 % Schwedisch-Sprachige. Und alles, fast alles geht auch auf Schwedisch. Schwedisch habe ich schnell gelernt, das ist recht nah am Deutschen. Finnisch, muss ich sagen, ist schon sehr kompliziert. Brauche ich in meiner täglichen Arbeit auch nicht unbedingt, weil ich glaube ziemlich jeder Finne kann auch Englisch. Da hat sich das so ein bisschen erübrigt bis jetzt. Mal gucken, ob das noch klappt. Was wir gemacht haben, ist, unsere Tochter auf einen finnisch-sprachigen Kindergarten zu schicken, damit sie das lernt. Aber auch sie hat es noch nicht geschafft, mir das ordentlich beizubringen. Ja, wirklich schwere Sprache, muss ich sagen. Ein bisschen angefangen zu lernen. Wenn man seinen Alltag in Schwedisch und Englisch, teilweise auch Deutsch hier auch verbringen kann, erübrigt sich dann so ein bisschen das Finnische. Ich glaube, wenn ich weiter im Landesinneren wohnen würde, würde es noch viel, viel eher gehen, das zu lernen. In dem Fall bleibe ich erstmal beim Schwedischen.

Markus: Auf jeden Fall lustig, dass deine Tochter dann eine Sprache kann, die ihr beide nicht könnt. Finde ich auch sehr, sehr witzig. Holger, du alter Marinesoldat, bist du denn da schon mal angelegt und hast du da irgendwelche Bordsteinschwalben gefunden?

Holger: Nein, also ich kann sagen, wir waren öfter in Schweden und da habe ich auch nette Damen kennengelernt. Aber ich war auch schon mal in Helsinki, aber dann nicht als Marinesoldat, sondern später als Nutzfahrzeug-Mann. Aber Finnland kenne ich überhaupt nicht gut. Also ich kenne eigentlich nur Helsinki und sonst nichts. Aber den Teil eben dieses Meerbusens kenne ich nur von schwedischer Seite. Und das war immer sehr gut, weil bei uns war das so, wenn dann der Kommandant, wenn wir Landgang hatten, war immer die Frage, wird jetzt erste Geige weiß oder erste Geige blau befohlen? Erste Geige weiß, das war halt so, also da sah man schon ziemlich schnieke aus so. Na ja, und dann lief es halt besser, also wenn ihr versteht, was ich meine. Aber lasst uns da nicht weiter drauf eingehen, es ist auch schon so wahnsinnig lange her. War aber eine tolle Zeit.

Markus: Spannend, spannend, spannend! Vielleicht, Alex, noch eine Frage: Wie kamst du überhaupt zum Thema Bier? Also wenn man da im Norden in Deutschland aufwächst, ist nicht unbedingt sofort Bier die erste Wahl, oder doch? Wie war das bei?

Alexander Maier: Purer Zufall, muss ich sagen. Ich habe damals, wo ich fast fertig war mit dem Abi, man orientiert sich ein bisschen, was will man machen, dann geht man zu etlichen Unis und schaut, was es so alles gibt. Im Endeffekt hat mich dann aber doch nichts so doll angesprochen, dass ich sofort angesprungen bin. Da habe ich durch Zufall in der FAZ einen Artikel über eine Frau gelesen, die hat eine Ausbildung und danach das studieren wollte. Habe ich gesagt „Aha! Das kann man studieren.“. Das weiß ja auch nicht jeder, dass man Brauwesen studieren kann. Und dann habe ich mich da ein bisschen reingelesen. Das hat sich sehr gut angehört, ein bisschen Naturwissenschaften, also im Endeffekt ein bisschen von allem war in diesem Studiengang möglich. Und dann, bevor man anfängt zu studieren in Weihenstephan, muss man natürlich ein Praktikum absolvieren. Und dieses Praktikum habe ich in der Martini-Brauerei Kassel absolviert. Und da hat es mich halt sofort gepackt. So Bier getrunken hatte ich schon vorher gerne, sonst geht man, glaube ich, auch nicht in die Richtung. Aber dieses Praktikum in der Martini-Brauerei Kassel, das hat mich dann so beeindruckt, dass ich gesagt habe „Okay! Das will ich machen.“. Und dann habe ich mein Studium angefangen in Weihenstephan.

Markus: Und apropos anfangen, wir sollten auch mal anfangen, was zu trinken. Vielleicht lassen wir dir mal den Vortritt. Was hast du dir denn von deinen Bieren geholt?

Alexander Maier: Ich habe mir etwas geholt, was auf der einen Seite sehr bayerisch ist, aber auf der anderen Seite auch sehr finnisch. In Finnland gibt’s das sogenannte Sahti. Das Sahti ist im Endeffekt ein mit Brothefe, also mit Bäckereihefe vergorenes Getränk. Auf Englisch sage ich immer Finnish Super Drink. Ich dachte mir, Sahti ist immer relativ schwer zu trinken. Das heißt, ich habe sowas wie einen Wacholder-Weizenbock gebraut, also im Endeffekt einen klassischen Weizenbock, aber mit Wacholder-Einfluss, der dann im Sahti normalerweise zum Zuge kommt. Dadurch, dass die Weißbierhefe und die (unv. #00:08:36.9# Brei?)-Hefe aromatechnisch sehr nah beieinander sind, kommen wir da ein bisschen in die Sahti-Richtung. Aber vielleicht ein bisschen mehr trinkbar, auf Finnisch wird es dann (unv. #00:08:46.6# Katajan Vehna Boki?) heißen. Auf Deutsch würde ich es dann einfach als Wacholder-Weißbierbock nennen.

Markus: Das gibt’s so am Hahn bei euch in der Brauerei, oder wie?

Alexander Maier: Das gibt’s bei uns in der Brauerei am Hahn. Auch im Alko, im finnischen (unv. #00:09:03.0# Monopol?) erhältlich. Und seit zwei, drei Jahren dürfen wir das tatsächlich aus der Brauerei heraus verkaufen. Was früher nicht erlaubt war für Biere über 4,7. Von daher bei uns im Shop am Hahn und im Alko findet man das.

Markus: Okay! Vielleicht magst du uns kurz ein kleines bisschen beschreiben, wie du das jetzt im Glas hast, wie das riecht und wie das schmeckt. Weil vielleicht nicht jeder sich das so vorstellen kann. Vielleicht, solange du das einschenkst, ganz kurz dazu gesagt, du hast es schon erwähnt: Das Sahti ist praktisch so ein Urbier, was sich eben in der Ecke Finnland, Estland, Schweden so erhalten hat und was im Grunde eben, wie du schon sagst, mit Bäckerhefe gemacht wird und dann über Wacholderzweigen abgeläutert wird. Also im Grunde schon ein Bier, aber eben ein besonderes, kriegt einen ziemlich starken Bananengeschmack normalerweise durch die Bäckerhefe und kann vom Alkohol her auch mal deutlich zweistellig werden. Also schon ein durchaus kräftiges Gebräu. Wie ist es denn bei dir?

Alexander Maier: Ich wollte etwas machen, was vielleicht ein bisschen mehr Drinkability hat. Im Endeffekt ist es 7 %, das ist jetzt nicht das schwächste, aber wir sind hier noch nicht im richtigen Hardcore-Sahti-Bereich, wo du sagst, es können 9, 10, 11 % werden. Ich wollte aber diesen Geschmack haben, indem ich den vom Wacholder mit reinkriege und von der Banane und von der Nelke. Das wollte ich kombinieren mit einem schönen Körper. Also hier habe ich im Endeffekt nur ein bisschen (unv. #00:10:28.2# Cara Weed?) genommen, um das ein bisschen süßer zu machen. Ganz klassisch 50-50-Aufteilung, gehst du hoch auf 17 Plato, da ist ein bisschen Restkörper noch drin. Das ist, wenn man dran riecht, kommt natürlich erstmal ein bisschen das Weißbier in den Vordergrund. Und wenn man dann erstmal einen Schluck nimmt, das mache ich jetzt einfach mal, ist der Wacholder auch sofort da. Der Wachholder, in dem Fall habe ich Beeren, also Beeren habe ich zum Beispiel hier vor meiner Haustür gepflückt, ich habe einen Wacholderstrauch vor der Tür und die Äste, die man natürlich verwendet. Und die haben natürlich ätherische Öle immer drin und diesen Wacholdergeschmack. Wenn man zum Beispiel Wacholder zum Kochen benutzt, kennt man den vielleicht. Es gibt auch eine gewisse Schärfe. Also es ist ein leicht scharfes, aber dennoch süßliches hintenraus wärmendes, sehr leckeres Bier, würde ich sagen.

Markus: Holger, jetzt bekommst du bestimmt auch langsam Durst. Kannst du da mithalten mit diesem schönen 7 % Gebräu?

Holger: Unbedingt bekomme ich Lust und hört sich wahnsinnig gut an. Aber wir müssten vielleicht auch noch was auflösen, weil ihr zwei, ihr seid da in Finnland, also der eine in Vaasa und der andere in Helsinki. Und ich selbst bin gerade in Crailsheim. Also für die Leute, die das nicht wissen, das ist das hohenlohische Franken. Es kann immer noch sein, dass es bestimmte Leute nicht wissen. Also Crailsheim liegt so ganz im nordöstlichen Teil von Baden-Württemberg und ist zwischen Heilbronn und Nürnberg, also wenn man das so verorten darf. Und hier gibt es eben auch Brauereien und ich habe mich heute eben dann auch wirklich für ein Crailsheimer Bier entschieden, und zwar von der Engel Braumanufaktur. Das ist ein Kellerbier, und zwar ein dunkles naturtrübes Kellerbier. Das ist sehr schön.

Markus: Wunderbar! Da bin ich fast ein bisschen neidisch. Weil das gibt’s natürlich jetzt hier in Finnland nur bedingt. Wobei wir heute im Wettbewerb tatsächlich auch ein Kellerbier hatten, und das war gar nicht schlecht.

Holger: Auf jeden Fall, also kann ich euch natürlich, das ist jetzt schon im Glas, und das ist so ein richtig schönes opakes, wie soll ich sagen, so ein Kastanienbraun mit so einem ganz leicht beigen Schaum, wunderbare Schaumkrone, ganz toller fester Schaum. Und hat eben so eine ganz, ganz tolle Röstnote und auch eine Karamellnote und hat einen, wartet, lasst mich einen Moment trinken … ja, also ist genauso, also alles, was man sich erwartet, wenn man also die Flasche sieht, übrigens mit Schraubverschluss, auch noch mal was Besonderes, also weder ein Kronkorken noch ein Bügelverschluss, sondern ein Schraubverschluss. Aber die Etikettengestaltung und alles und wie man jetzt das Bier hier im Glas hat, dann erwartet man auch dieses Mundgefühl. Und das Mundgefühl ist in der Tat richtig cremig und so samtweich. Also diese malzigen Röstaromen umspielen diese karamellige Süße. Und jetzt, wenn ich es mir jetzt dann erlauben darf, würde ich dazu mir wahrscheinlich so einen schönen Eintopf bestellen und danach noch einen Nussbecher bestellen, also so ein Eis-Nussbecher. Das werde ich wahrscheinlich auch machen. Also unglaublich schönes rundes naturtrübes dunkles Kellerbier. Kann ich nur jedem empfehlen. Hat übrigens 5,3 % Alkohol und hat auch eine Vollmundigkeit, also macht was her. Also Engel Brauerei, wenn da noch nie einer was von gehört hat, dann sollte man sich zumindest mit dem Bier, das kann ich empfehlen, da kann man sich schon drin verlieben. Das Motto der Engel Brauerei ist übrigens „Prost, mein Engel!“.

Markus: Ja, kann ich auch nur zustimmen. Von der Engel Brauerei habe ich schon viele gute Bier getrunken. Kann man auf jeden Fall tun. Vielleicht an der Stelle, Alex, kriegst du da so ein bisschen Heimatgefühle? Gibt’s Dinge, die dir mal abgehen, wenn du da immer so in Vaasa rumhängst? Oder hast du dich da schon ganz akklimatisiert?

Alexander Maier: Natürlich gibt’s immer gewisse Sachen, die einem fehlen. Ich glaube, vor allem Wurstwaren, da können die Finnen nicht mithalten. Biermäßig, sage ich mal, mache ich mir einfach das, was mir fehlt. Das braue ich mir dann einfach, das funktioniert ganz gut. Aber auf der Essensseite würde ich sagen, ist vor allem alles, was mit Wurst zu tun hat, da haben wir schon in Deutschland eine Riesenauswahl. Das Gleiche mit Brot oder Brötchen. Aber inzwischen gibt’s hier auch eine schöne Bäckerei, die macht ein schönes Sauerteigbrot. Sozusagen wir haben schon was gefunden, was das so ein bisschen ersetzen kann. Aber Brezen zum Beispiel, die man immer in Bayern hat, die fehlen mir auch hier ein bisschen. Also da kann so eine Lidl-Brezel, die es auch hier gibt, nicht mit einer gescheiten Brezel mithalten. Aber ansonsten bin ich recht zufrieden hier, kann mich nicht beklagen. Und zur Not fragt mal halt zu Hause nach, dass man mal ein Carepaket zugeschickt bekommt.

Markus: Genau! Auch eine schöne Idee. Ich kann auch nur allen sagen, ich bin jetzt, glaube ich, zum dritten oder vierten Mal in Finnland auch bei dem Bierwettbewerb hier und bin auch schon ein bisschen rumgereist und kann das eigentlich auch nur empfehlen. Das ist ein wunderschönes Land mit sehr, sehr lieben Menschen. Der einzige Punkt ist: Man fühlt sich ein bisschen wie in China, weil man wirklich kein Schild lesen kann. Und es sind sehr viele Buchstaben drauf mit sehr vielen Punkten, aber man weiß wirklich selten, was man sich so drunter vorstellt. Ich habe mir auch ein Bierchen geholt und natürlich durfte ich jetzt auf dem Wettbewerb keines mitnehmen, weil wir da ja nicht wissen, was wir trinken. Aber ich bin jetzt mal eben schnell noch in den Laden um die Ecke vorbeigegangen und habe einfach mal geguckt, was da so rumsteht, und fand was ganz Spannendes. Das mache ich jetzt mal auf. Aber ihr habt schon gehört, das ist in einer Dose und fließt da raus, wunderschönes Glas, also eine ganz tolle, richtig schöne Bernsteinfarbe, oben drüber ein Schaum, der ist auch leicht getönt, sehr stabil. Und dem Ganzen entströmt eine ganz angenehme, so fruchtige Note, auch ein bisschen Heu, ein bisschen Gras. Und wenn man dann trinkt, ist es ein sehr weiches Mundgefühl, sehr rund und sehr hochvergoren, sehr angenehm zu trinken und eine ordentliche Bittere hintenraus. Also ein schönes Bier, es steckt in einer goldenen Dose mit einem grünen Etikett. Und die Brauerei heißt Olvi. Die kennst du bestimmt, Alex.

Alexander Maier: Ja.

Markus: Das ist die älteste noch existierende traditionelle finnische Brauerei. Also da gab‘s früher mal viele Brauereien, dann sind die natürlich auch ziemlich eingegangen, und dann blieb eben Olvi sozusagen übrig. Und mittlerweile gibt’s wieder viele Neugründungen, und so, dass es über 100 Brauereien sind, glaube ich, mittlerweile wieder in Finnland.

Alexander Maier: Mhm (bejahend). Wir sind bei circa 130 Kleinbrauereien inzwischen, plus die Großen. Olvi ist, glaube ich, die drittgrößte. Was natürlich in Finnland war, auch die Prohibition, die sehr, sehr, sehr viel Brauereien in die Knie gezwungen hat. Das hat, glaube ich, quasi die Bierkultur hier ein bisschen vernichtet. Wer überlebt hat nach der Prohibition, hat danach einfach ein Lager gemacht. War auch sehr oft begrenzt, was man brauen durfte, zwei Biere maximal. Man musste eine Extralizenz beantragen, wenn man ein drittes, stärkeres Bier brauen wollte. Also es war alles nicht so einfach. Es ist inzwischen natürlich etwas einfacher, aber immer noch kein Vergleich zu Deutschland.

Markus: Ja, da kommen wir bestimmt gleich noch dazu, weil das wirklich interessant ist, wie da so die Regelungen sind. Genau wie du sagst, Olvi war so eine von den Brauereien wie in den USA auch, die sich in der Prohibitionszeit dann mit Limonaden und sowas über Wasser gehalten haben. Ich habe die Dose vor allem deswegen genommen, weil ich den Bierstil auch spannend fand. Sie haben nämlich ein American Cream Ale gemacht. Das finde ich eigentlich ganz spannend, weil es ist, als das Pils-Bier aufkam in Mitteleuropa, haben alle Bierkulturen eine Antwort drauf gefunden. Also in Köln hat man das Kölsch gemacht, in England hat man das Golden Ale gemacht, und in den USA kam dann eben das Cream Ale auf. Das heißt, man hat die obergärige Hefe genommen, sie aber kalt vergoren beziehungsweise das Bier sehr lange gelagert, so dass dann sowas ähnliches wie ein Pils oder ein Helles am Ende dabei rausgekommen ist. Also superspannend und auch sehr, sehr schön umgesetzt. Das ist auch was, was mir heute bei dem Wettbewerb aufgefallen ist, dass gerade hopfenbetonte Biere hier in Finnland sehr, sehr gut sind, sehr klar in der Aromatik, obwohl es bestimmt gar nicht so einfach ist, frische Hopfen hier zu bekommen. Also insofern kann ich da nur ein Kompliment aussprechen. Ist mir auch bei deinen Bieren schon aufgefallen. Wie ist das, Alex, mit der Rohstoffversorgung? Kommt ihr da zurecht?

Alexander Maier: Ja, ja. Also es dauert halt einfach ein bisschen länger, bis alles hier ist, aber im Endeffekt funktioniert das schon ganz gut. Man muss halt einfach nur Geduld mitbringen und früh genug bestellen, dann klappt das auch mit den Zutaten. Hopfen vielleicht nicht so gut verfügbar, aber die Malze hier sind auch hervorragend. Es gibt Viking Malt, das ist, glaube ich, Nummer 7 in der Welt, Nummer 3 in Europa, und die haben hervorragende Malze. Hopfentechnisch, klar, wenn man das schön kalt angeliefert kriegt, funktioniert das auch schön verpackt.

Markus: Und kalt ist ja.

Alexander Maier: Kalt ist es ja. Einfach im Winter bestellen, dann funktioniert’s auch. Bei minus 20, das gefällt jedem Hopfen dort. Einfach in die Kühltruhe rein danach und dann ist gut.

Markus: Das ist wahrscheinlich das Geheimnis. Genau! Aber wir waren vorhin so ein bisschen stehengeblieben bei diesen ganzen Regelungen. Vielleicht, bevor wir da drauf eingehen, wie war das denn, als du da angekommen bist? Also war die Brauerei schon da und du bist dazugestoßen oder hast du die mit aufgebaut oder hast du dir erst eine gesucht? Wie war das?

Alexander Maier: Nein. Also die Brauerei hat noch nicht als Brauerei jetzt existiert. Aber wir sind an eine Stelle, wo es früher auch eine Brauerei gab, also die Original Bock-Brauerei. Die wurde 1892 gegründet und die hat bis 1986 existiert, wurde dann aufgelöst, war Teil des Hartwall Konzerns. Was ich ganz interessant finde, der letzte Braumeister, der zuständig war, war auch Weihenstephaner, aber ein Finne, (unv. #00:21:07.4# Johanni Valenius?). Und so schließt sich wieder der Kreis, dass der erste Baumeister dann nach 30 Jahren Trockenzeit in Vaasa auch wieder aus Weihenstephan kommt. Nein, wir haben 2015 komplett neu angefangen. Das war viel größer. Die Brauerei, die vorher dastand, war irgendwann mal, der Hartwall hat da sehr viel Limonade auch gemacht und Aura und ganz viele andere Produkte. Und die Produktion haben die dann irgendwann verlagert und dann wurde halt die dichtgemacht die Brauerei komplett. Die Anlagen wurden verkauft überall in die Welt hin. Und wir haben dann 2015 wieder komplett mit einer 10-Hektoliter-Anlage komplett von Grund auf wieder angefangen,

Markus: Heißt, wenn du von wir sprichst, bist du auch Teil der Inhabergruppe oder wie kam das? Wem gehört der Laden eigentlich?

Alexander Maier: Ich bin kein Teil der Inhabergruppe. Auch das war wieder ein Zufall, dass ich überhaupt rausgefunden habe, dass hier eine Brauerei aufmacht. Und zwar hat die Mutter von meiner Frau mir immer Artikel über Bier in Schwedisch geschickt, damit ich mein Schwedisch ein bisschen verbessere. Und einer dieser Artikel war dann, dass da eine Brauerei aufmacht in Vaasa. Wir waren sowieso ein bisschen auf dem Sprung nach Finnland und ich habe einfach mal hingeschrieben und gefragt „Hey! Habt ihr schon einen Braumeister?“. Haben gesagt „Nein. Schick mal deinen Lebenslauf.“. Lebenslauf geschickt, ein, zwei Stunden in Skype ein bisschen gequatscht, bin mal hier rüber geflogen, habe mir das Ganze mal angeguckt. Ja, da habe ich quasi den Job bekommen. Ich muss auch ehrlich dazu sagen, so viele Braumeister gibt’s in Finnland nicht. Es gibt einfach keine Ausbildung in dem Bereich in Finnland. Also die meisten, die dann in Finnland Braumeister sind, sind entweder aus Kopenhagen oder haben irgendwo in Schweden an einer Hochschule oder sowas mal ein bisschen was gelernt, aber so eine richtig klassische Braumeister-Ausbildung gibt’s nicht. Habe den Job dann bekommen, bin hierhergekommen, und ich bin angestellt, aber von Anfang an dabei. Brauerei war dann jedoch schon bestellt, war aber okay. Ist Flecks Brauhaus-Technik, ist ein kleiner Produzent aus Österreich. Ich kann mich nicht beschweren, das funktioniert gut. Aber ich war schon da, als die Brauerei aufgebaut wurde, so dass man jede Leitung kennt und jeden Winkel und alles so. Das war ganz nett. Ich weiß nicht, wie oft man da als Braumeister die Möglichkeit hat, von Anfang an dabei zu sein. Ich war dabei, konnte jeden Prozess aufbauen. Im Endeffekt musst du alles vom Wischmopp bis zur Automation irgendwie alles mitkriegen, wie das funktioniert, und alles bestellen. Das war ganz nett, das mal mit aufzubauen.

Markus: Und Ehefrau und Schwiegermutter glücklich. Das ist natürlich selten. Gell, Holger, das ist ja immer ein wichtiger Punkt mit den Schwiegermüttern.

Holger: (unv. #00:23:47.2#) das ist ja das Thema „happy wife happy life“. Aber da ist natürlich jetzt auch wirklich, ich meine, ihr habt ja ein sehr schönes Portfolio. Was ist denn euer Topseller und was mögen denn deine beiden Damen da besonders gern?

Alexander Maier: Topseller ist das Kultapukki, da wie ein klassisches finnisches Lager ist, hat 4,5 %, golden, (unv. #00:24:07.9#) ein bisschen malzig, nicht zu bitter. Das läuft am besten. Meine Frau ist da mehr so auf der hopfigen Seite, aber auch erst, seitdem sie mich kennengelernt hat. In Bayern hat sie ein bisschen gelernt Bier zu trinken, und danach ist sie auf ein IPA und inzwischen auf Session IPA, das ist, glaube ich, der Favorit im Moment. Das geht dann so ein bisschen Pale Ale, ein bisschen (unv. #00:24:29.8#), was ich habe, das ist das, was sie gerne trinkt. Ansonsten, die Mutter trinkt nicht so viel Alkohol, von daher, da nicht so viel biermäßig in der Richtung. Aber ich habe jetzt mit Limonade angefangen, da ist sie jetzt umso glücklicher, kann sie die trinken.

Holger: Wunderbar! Du gibst wirklich alles für die Frauen. Ich kann mich entsinnen, wo ich in Finnland war und wo wir dann auch immer wieder mal Kontakte hatten, nutzfahrzeugtechnisch, da haben die dann immer mir Lapin Kulta in der Dose gebracht. Das war halt so ein klassisches Lager und ganz eisgekühlt war das auch gut gegen Durst löschen.

Alexander Maier: Ja, ja. Du musst dir vorstellen, Sauna ist, glaube ich, …

Holger: Absolut, absolut! Da habe ich auch eine Erfahrung, also da habe ich auch eine Erfahrung. Das war hart. Also (unv. #00:25:17.3#), das war sehr hart.

Alexander Maier: Da brauchst du auf jeden Fall eiskaltes Bier.

Holger: Ja, unbedingt!

Alexander Maier: Was es dann im Endeffekt ist, in der Sauna funktionieren, glaube ich, am besten eiskalte Lager. Absolut! Sogar vielleicht Lapin Kulta. Aber ich persönlich bestimmt seit fünf Jahren kein Lapin Kulta mehr getrunken habe, weil ich davon doch nicht so überzeugt bin.

Markus: Das ist so ein bisschen das Gegenstück zu unseren Mainstream-Bieren sozusagen, die es eben bei uns ja auch gibt. Aber ich finde auch, also Sauna und Bier, habe ich ja auch meine Erlebnisse in Finnland schon gemacht, unter anderem mit der Rauch-Sauna. Das habe ich, glaube ich, in irgendeiner Podcast-Folge schon mal erzählt. Aber das Spannendste überhaupt fand ich, dass zum Beispiel, wenn man da am Frühstückstisch im Hotel sitzt und sowas, wenn dann nur finnische Familien sind, dann spricht da eigentlich niemand. Man sitzt da und die essen so in sich hinein, aber es gibt jetzt keine große Unterhaltung. Und das zieht sich so ein bisschen durch. Aber wenn die dann in der Sauna sitzen und ihr Bier haben, dann wird losgequatscht, und zwar die ganze Zeit, wo man bei uns normalerweise in der Sauna eher still ist. Also finde ich ganz interessant, dass das sich so komplett umdreht. Wie war denn das für dich, Alex, mit der Mentalität? Bist du da gleich zurechtgekommen oder hat dich deine Frau da entsprechend eingeführt? Wie war das?

Alexander Maier: Nein, ich finde das ganz angenehm. Ich muss sagen, ich bin persönlich auch nicht so, also man ist sehr viel am Labern im Beruf, auch gerade Biere erklären und sehr sozial und alles schön und gut. Wenn man dann mal ein bisschen Ruhe hat, ist das auch schön, mal ein bisschen ruhig zu sein. Ich habe mich da eigentlich recht sofort eingefühlt, ich habe auch kein Problem, da am Frühstückstisch mal still zu sein. Sauna ist natürlich ein sehr sozialer Punkt in Finnland sozusagen. Jeder hat im Endeffekt eine Sauna in Finnland, entweder in der Wohnung eine Gemeinschaftssauna, die man sich dann buchen kann. Oder wenn man ein Haus hat, hat man natürlich auch die Sauna normalerweise mit drin. Also ich habe mich da eigentlich recht sofort wohlgefühlt. Also kein unnötiges Gequatsche sozusagen, ein bisschen norddeutsch, wobei ich selber aus Mitteldeutschland bin. Aber nein, hatte ich überhaupt keine Probleme mich einzufügen.

Markus: Und die Häuschen, die man so in der Seenplatte hat, die heißen dann Mökki. Finde ich auch sehr süß. Da hat man dann eben so eine Art kleines Ferienhaus, auch wieder mit Sauna. Also wirklich eine ganz spannende und ganz liebenswerte Kultur auch. Also finde ich …

Alexander Maier: Absolut!

Markus: Auch, absolut! Was auch noch spannend ist in der Sauna, man lässt die Badebekleidung an, also zumindest bei den öffentlichen Saunen.

Alexander Maier: Ja.

Markus: Also bei uns ja immer alle alle Hüllen fallen lassen, ist das hier ganz anders. Auch spannend!

Alexander Maier: Ich finde das immer lustig, wenn man in Deutschland ist, und da gibt’s irgendwelche Saunaregeln. Das ist völliger Schmarrn. Kein Finne hat irgendwelche Saunaregeln. Das ist halt, du gehst da rein, wenn dir warm ist, gehst du wieder raus. Wenn du ein bisschen mehr Dampf brauchst, schmeißt du es drauf. Da gibt’s auch kein Handtuch-Rumgewedel und den ganzen Kram, den man in Deutschland hat. Ich weiß nicht, wo das herkommt. Anscheinend braucht man in Deutschland ein bisschen mehr Regeln, und wie auch immer. Hier ist das alles recht entspannt mit der Sauna.

Markus: Alles wild zelebriert, sagen wir mal so. Holger, was sagst du zum Handtuch-Wedeln und zum Löyly? Das ist dann der Aufguss, der Nachguss, wenn es heiß wird.

Holger: Das war das ja, ich sag mal, wir kennen nur Aufguss aus der Schöpfkelle und dann ein bisschen aromatisiert oder so. Aber ich weiß nicht, wie viel Mengen die da reingeschüttet haben bei dem Aufguss und es war eine Bullenhitze. Ich sag ja, es war hart, es war hart. Aber es war lustig und auch die finnische Mentalität, finde ich irgendwie, also habe ich sehr genossen. Es waren unglaublich lustige Leute, ich weiß nicht, vielleicht ist das nur in Helsinki so und im Norden des Landes wieder anders, keine Ahnung. Ich sag ja, ich kenne das gar nicht so gut. Aber mit denen ich da zu tun hatte, das war mega. Also das hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht damals. Ja, würde ich gerne auch wieder hin, also ehrlich gesagt. Muss man mal machen.

Alexander Maier: Auf jeden Fall, kommt vorbei, sobald wieder ein bisschen Reisefreiheit herrscht oder (unv. #00:29:23.1#), kommt auf jeden Fall rüber und schaut euch das Land mal an.

Markus: Genau! Ich packe dich nächstes Jahr dann einfach mit ein, wenn es wieder hier zum Bierwettbewerb geht. Weil das ist auch so ein Thema, ich schaue schon immer, zu welchen Wettbewerben ich wieder hinfahre, weil bei manchen ist es ja okay, dass man einmal da war. Aber das ist eben hier in Finnland wirklich so nett und so schön und so liebevoll auch, dass man es wirklich nicht missen mag. Das ist auch so, dass eben von den, es gibt ja nicht so fürchterlich viele Finnen, sagen wir mal so, das heißt, die kennen sich natürlich dann auch alle irgendwie und man ist dann ganz schnell auch so ein bisschen Teil der Familie. Und auch das finde ich total nett, diese Offenheit, diese Herzlichkeit und dieses wirklich füreinander da sein. Und insofern, kann ich auch allen Hörern nur empfehlen. Aber bevor wir hier endlos weiter über das Finnische an und für sich sprechen, müssen wir wieder ein bisschen zurück zum Bier. Der Holger hat schon gefragt, was so eure Lieblingssorten sind. Nur habe ich eure Biere auch auf dem Wettbewerb kennengelernt in den letzten Jahren und du hast auch schon mal den Wettbewerb gewonnen zum Beispiel mit deinem Doppelbock. Und andere Biere waren auch oft im Finale. Wie ist das denn, also gibt’s da dann auch so Leute, die dann stolz auf dich sind oder kommen dann Leute zur Brauerei und wollen diese Biere probieren? Wie ist das?

Alexander Maier: Also eine Medaille ist ganz nett, aber im Endeffekt geht’s darum, dass man die Kunden, die hier vor Ort sind, erreicht auch. Die Leute haben das Bier auch vorher getrunken und werden es auch hinterher trinken. Eine Medaille ist nur ein schöner Beweis dafür, dass das Bier eine gewisse Qualität hat. Im Endeffekt geht’s darum, was die Leute hier vor Ort mögen, und dann passt man sich auch ein bisschen an. Die Medaillen, die hängen da irgendwie an der Wand oder die Auszeichnungen. Das ist schön, mal gewonnen zu haben. Im Endeffekt geht’s mir darum, dass ich die Leute in Vaasa erreiche und dass die halt die Biere mögen. Wie gesagt, unser meistverkauftes Bier hat keine Medaille gewonnen und trotzdem mögen das die Leute. So ein schöner Doppelbock, mit dem ich 2019 den ersten Preis im „Dunklen Bier“-Bereich gewonnen habe, der läuft auch gut, klar, aber im Endeffekt geht’s mir persönlich darum, dann die Kunden hier vor Ort zu erreichen. Ob man dann eine Medaille gewinnt oder nicht, ist einfach nur eine Bestätigung der eigenen Arbeit, würde ich mal sagen so.

Markus: Ja, das stimmt! Aber vielleicht als Abschluss von diesem Themenblock vielleicht noch ganz kurz auf die Empfehlungen an unsere bieraffinen Hörer. Also man kann natürlich zu dem Wettbewerb kommen, aber das ist gar nicht so einfach, weil man da erstmal in die Jury muss. Aber damit verbunden ist ein Festival, und dieses Festival findet an sechs verschiedenen Wochenenden oder zu etwas längeren Zeiträumen in sechs verschiedenen Orten in Finnland statt. Da sind dann immer so um die 30, 40 Brauereien in einem abgesperrten Bereich und die haben dann eben die absolut bunteste und verrückteste Auswahl an Bieren von dem schon angesprochenen Sahti bis eben zu den verschiedenen Bieren, die auch der Alex zum Beispiel macht. Und das lohnt sich auf jeden Fall, dafür vielleicht dann auch mal herzufahren. Das findet man auch, wenn man nach „Bierfestival Finnland“ sucht, findet man das im Internet ganz einfach. Wir haben gerade schon vorhin das angesprochen, das wollte ich noch kurz mit dir besprechen. Diese Regelungen für den Bierverkauf, also was man darf und was man nicht darf, als ich das erste Mal hier war, war das noch in Kraft, da durften dann Biere bis 4,5 % glaube ich überhaupt nur außerhalb der Brauerei verkauft werden. Und dann gab‘s ganz viele verschiedene Regelungen. Wie hat sich das denn im Laufe der Zeit entwickelt und wie ist das momentan?

Alexander Maier: In der Zeit, da haben die auch schon angefangen, sechs Jahre her, war es noch so, dass man alles, was unter 4,7 war, im normalen Laden verkaufen durfte, aber nicht in der Brauerei. Heutzutage sind wir schon bei 5,5 im normalen Laden. Und kleine Brauereien unter 500.000 Liter dürfen malzbasierte Getränke, also Biere bis 12 % aus der Brauerei direkt rausverkaufen. Ich glaube, das hat auch sehr viele Brauereien während der Corona-Zeit gerettet. Die Regeländerung war jetzt um die 3 Jahre her, und das macht mir natürlich auch Spaß, weil ich dann auch Spezialchargen wie Eisböcke oder sonst was auch direkt aus dem eigenen Laden heraus verkaufen kann. Man braucht nicht unbedingt eine Bar zu haben, wo die dann auch natürlich eine Schnapslizenz und sowas hat, sondern man kann das direkt dann aus der Brauerei bis 12 % verkaufen. Wenn man alles andere zwischen 5,5 und höher, wenn man das irgendwo anders verkaufen will, geht’s eigentlich nur durch den Alko. Das ist ein Alkohol-Monopol, das dem Staat gehört. Der ballert dann relativ viel Gebühren obendrauf, sodass im Endeffekt der Staat zwar Gewinn macht, aber die Brauerei nicht so viel. Ja, das System funktioniert irgendwie, man kriegt da auch einen Service im Endeffekt und die Auswahl ist auch okay, aber man ist dann doch schon ein bisschen begrenzt, wie man denn sein Bier distribuieren kann. Gerade in der Zeit jetzt, wo die ganzen Bars geschlossen waren, haben viele Brauereien Probleme gehabt, irgendwie überhaupt ihre Biere loszuwerden. Weil wenn keiner dein (unv. #00:34:26.4#) bestellt und du hast keine Abfüllanlage, dann hast du wirklich richtig Probleme gehabt.

Markus: Was kostet denn so ein normales Bier bei euch, wenn man da einen trinken will?

Alexander Maier: Wenn du zu uns in die Brauerei kommst, haben wir vom klassischen Lager, das heißt, so um die 7 Euro für ein 0,4. Wenn du natürlich mit dem Alkohol ein bisschen höher gehst, ist es natürlich teurer. Und wir sind da noch relativ günstig. Ich glaube, wenn du in Helsinki ausgehst, bist du bei 8, 9 Euro locker.

Markus: Insofern auch ein bisschen was für die Genießer, dafür sind die Biere ja auch alle recht fein. Und als letzter Punkt, Holger, hast du schon mal so im Norden erlebt, was ich auch sehr faszinierend finde, ist so dieser Wechsel im Sommer im Winter, dass man praktisch zum Beispiel jetzt hier in der Sommerzeit, da kann man bis morgens um zwei, um drei draußen sitzen und es ist noch hell. Und ein paar Stunden später wird es schon wieder hell. Im Winter ist es andersrum, da ist es quasi den ganzen Tag und Nacht dunkel. Hast du das schon erlebt und was hat das so mit dir gemacht?

Holger: Ich habe das auch schon erlebt, und im Sommer ist das super, aber im Winter ist das natürlich auch schwierig. Für Leute, die dann so ein bisschen vielleicht sogar eine depressive Stimmung haben und so, das macht was. Ich habe das damals so erlebt, dass das für mich, also ich habe das gespürt. Das war nicht angenehm. Das kennt man von uns gar nicht. Also es wird manchmal dann auch gar nicht so richtig hell. Ja, das fand ich unangenehm, also absolut unangenehm.

Markus: Hm! Okay! Alex, wie ist das für dich? Hast du dich da schnell dran gewöhnt?

Alexander Maier: Ja. Dafür gibt’s auch sehr viel guten Kaffee hier. Ich glaube, wir haben den höchsten Kaffeeverbrauch. Also Kaffeeverbrauch pro Kopf in Finnland, ich habe da eigentlich nicht so die Probleme mit. Vor allem, im Winter hast du hier auch viel mehr Schnee als in Deutschland und das macht das Ganze dann ein bisschen heller. Ich glaube, wenn man noch ein bisschen weiter nördlich geht, also ungefähr nochmal drei, vier Stunden, ich glaube, dann ist es ein bisschen mehr dunkel. Aber bei uns ist es nicht so schlimm. Also ich habe es selber nicht als so schlimm bemerkt. Vielleicht verstecke ich mich auch zu viel im Sudhaus, wer weiß. Ich habe es selber als nicht so belastend empfunden, muss ich sagen. Aber den Sommer genieße ich natürlich sehr. Jetzt, wo es so schön lange hell ist, man kann draußen sitzenbleiben, ist schon sehr angenehm.

Holger: Mein Erlebnis war auch gar nicht in Finnland, sondern war wirklich im Norden von Schweden. Aber das ist dann schon so Polarkreis-Region. Und da ist es wirklich, also eigentlich gar nicht mehr richtig hell geworden.

Alexander Maier: Ja, das kann ich mir vorstellen. Wenn da komplett gar nicht mehr die Sonne rauskommt, kann ich mir schon vorstellen, dass es ein bisschen belastend sein könnte. Hier, wo ich jetzt noch bin, ist es zwar schon relativ hoch im Norden, aber im Endeffekt sieht man schon noch Licht.

Markus: Und deine Familie hat dich schon mal besucht, deine Eltern oder so?

Alexander Maier: Ja, ja, sicher! Also vor Corona waren die regelmäßig hier. Klar! Meine Schwester, Bruder, sind alle mal hier. Die waren mal im Winter hier auch, fanden die den Schnee super, und im Sommer natürlich, wenn es so schön lange hell ist, dann genießt man das, glaube ich, auch.

Markus: Du hast gerade noch ein letztes Stichwort gebracht und auch schon kurz darüber gesprochen, die Corona-Zeit. Wie war das für euch in Finnland? Gab‘s da auch so eine Art Lockdown und wie habt ihr das jetzt überstanden? Läuft’s jetzt wieder einigermaßen normal?

Alexander Maier: Letztes Jahr war der Lockdown ein bisschen länger, da haben wir zwei, zweieinhalb Monate komplett dicht gehabt, zumindest die Bar, die Brauerei lief ein bisschen weiter. Alles abgefüllt, was ging, auf Flasche und das dann raus in die Läden. So hat man halt einigermaßen überlebt. Dieses Jahr war es ein bisschen kürzer, da war die Bar sechs Wochen dicht. Aber jetzt im Sommer läuft‘s einigermaßen. Die inländischen Touristen, die kommen vorbei, die trinken, die kaufen. Und das gibt uns Hoffnung.

Markus: Gut! Das ist ja schön. Also insofern nochmal der Appell an alle, die jetzt zugehört haben und noch nicht in Finnland waren: Tut das bei Gelegenheit und schaut dann vor allem natürlich beim Alex in Vaasa vorbei. Vielen, vielen Dank für deine Zeit, für die spannenden Infos, für den Einblick in dein Leben und deine Brauerei. Und dann sehen wir uns hoffentlich bald wieder persönlich.

Alexander Maier: Ich bedanke mich auch. Ich hoffe, es war einigermaßen interessant. Und ich hoffe, man sieht sich mal wieder in Deutschland.

Holger: Super! Mach’s gut, Alex! Vielen Dank! Tschüss!

 

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