BierTalk 103 – Interview mit Andreas Weber, Braumeister der Urban Chestnut Brewery in Wolnzach, Hallertau

Mit großem Pioniergeist eröffnete Urban Chestnut als erste US-Brauerei eine Dependance in Deutschland, noch vor Greg Koch und Stone in Berlin. Herzstück der Brauerei im Herzen der Hallertau ist Andreas Weber, Braumeister aus der Region, der schon im Studium bei den Amerikanern begann und auch die Mutterbrauerei in St. Louis über mehrere Monate kennen lernen durfte. Sein Herz schlug schon immer für die Gerstensaft, nicht zuletzt, weil er als Kind das Leben in der Hallertau quasi mit der Muttermilch aufsog. Nach einem Praxis-Jahr in der Schlossbrauerei Au wusste er, dass das Brauen seine Leidenschaft ist, studierte Brauwesen und traf schließlich Florian Kuplent, den Eigentümer von Urban Chestnut. So kam zusammen, was zusammen gehört – im BierTalk erzählt Andreas seine Geschichte und die der Urban Chestnut Brauerei in Deutschland. Außerdem verkosten wir zwei spannende Biere mit Grünhopfen und Holzfassreifung…

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Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Ja, heute Sylvester, letzter Tag des alten Jahres und wir schauen an einen besonderen Ort, zu einer besonderen Brauerei, zu einem besonderen Menschen, nämlich nach Wolnzach zu Urban Chestnut. Das war immerhin die erste amerikanische Brauerei, die sich in Deutschland niedergelassen hat. Und wir schauen zum Andreas Weber, ein wunderbarer Braumeister, der dort ganz großartige Dinge tut und mir auch zwei schöne Bierchen geschickt hat, die wir zusammen verkosten werden. Und da freue ich mich also auf einen wunderbaren BierTalk ins neue Jahr. Ganz solang werden wir vielleicht nicht reden, aber es kommt ein bisschen drauf an, wann unsere lieben Hörer da jetzt einschalten, vielleicht macht der eine oder andere ja kurz vor zwölf an, je nachdem. Also auf jeden Fall, schön, dass du da bist, lieber Andreas und vielleicht stellst du dich nochmal ganz kurz unseren Hörern selber vor.

Andreas: Ja, grüß dich, Markus, schön, dass ich hier teilnehmen darf. Ich bin der Andreas, auch Andy, wie man mag. Genau und bin jetzt mittlerweile dann im sechsten Jahr Braumeister für die Urban Chestnut Brewing Company in Wolnzach, mitten im Herzen der Hallertau. Und, genau, bin selber studierter Braumeister und bin tatsächlich unterm Studium schon auf Umwege zur Urban Chestnut gekommen, habe da erst, ja, als Werksstudent gearbeitet noch und bin dann direkt nach dem Studium auch in die USA gegangen für drei Monate und durfte dann letztendlich danach einsteigen in Wolnzach, genau.

Markus: Ja, das ist doch eine sehr spannende Geschichte. Und man kann, glaube ich, wirklich auch sagen, du bist nicht nur der Braumeister, du bist auch ein bisschen das Aushängeschild der Brauerei, bist auch immer entsprechend gekleidet und bist ja auch aus der Region. Das ist ja auch ganz toll, also wenn man einen Brauer hat, der in der Brauerei ist, der auch wirklich verwurzelt ist und eben auch Land und Leute kennt. Und es ist immer eine Freude, dich zu besuchen, also das schon mal vorneweg, kann man allen Hörern nur empfehlen, da einfach mal vorbeizuschauen vor Ort und einfach mit dir zusammen das ein oder andere Bier zu genießen, da macht es dann umso mehr Spaß. Aber, gucken wir mal ein bisschen zurück, deine Geschichte in dem Fall ist es ja wirklich, in Anführungsstrichen, ein relativ kurzer Weg, wenn du schon im Studium praktisch die Kontakte da geknüpft hast. Aber schauen wir vielleicht nochmal ein Stückchen voran, war das denn für dich immer klar, dass du in Sachen Bier mal unterwegs sein wirst oder hattest du auch vorher mal andere Pläne?

Andreas: Ja, das ist eine gute Frage. Also Bier ist eigentlich schon relativ ein großer Teil auch von meinem Leben gewesen. Also meine Großeltern haben zwar selber keinen Hopfen mehr angebaut, haben das zwar selber noch mitbekommen über die Urgroßeltern. Also die kommen letztendlich aus der Region, aus einem kleinen Ort, der eigentlich fast ausschließlich aus Hopfenpflanzern besteht und da entsprechend waren halt die Hopfenfelder und die Hopfengärten. Das war also für mich oder für uns als Kinder, war das halt immer schon super spannend, vor allen Dingen auch die ganzen Bulldogs oder Traktoren, die da halt rumfahren und, ja, dementsprechend hat sich das sicherlich irgendwo schon relativ früh eingeprägt, der ganze Hopfen und die Thematik, die dazu gehört. Relativ gefasst habe ich das Ganze dann aber erst relativ spät, das war dann am Ende von der Schulzeit, wo ich mir überlegt habe, ja, was will ich denn machen? Ja und dann hat es mich irgendwie so interessiert und auch fasziniert, dass ich mich dann tatsächlich, wollte ich mich da noch auf eine Lehre bewerben. War relativ spät dran, konnte da nicht anfangen mit einer Lehre in dem Jahr, wollte aber unbedingt in dem Jahr schon was machen und habe mich dann tatsächlich eingeschrieben für Brauwesen, also für den Studiengang Diplom Braumeister heißt der. Und habe dann ein Praktikum machen müssen dafür. Es ist so, also das ist jetzt ein bisschen theoretisch über das Studium, aber da muss man letztendlich entweder eine Lehre vorweisen, dass man den Diplom Braumeister studieren kann oder ein einjähriges, ich sage jetzt mal, so zwei Praxissemester eben machen, um überhaupt einzusteigen ins Studium. Und habe mich dann entsprechend auf ein Praktikum beworben und habe dann einen Praktikumsplatz bei der Schlossbrauerei Au in der Hallertau bekommen und habe dann letztendlich ein Jahr dort, ich sage mal, eine mini Lehre gemacht und bin da eigentlich durch alle Stationen durchgeschleust. Und habe dann eigentlich auch in diesem einjährigen Praktikum sofort erkannt, das ist was für mich. Auch die, ich sage mal, die unschönen Seiten des Brauens, also viel Schrubben, viel, ja, viel saubermachen, viel, ja, auch so kleinere Sachen machen, die jetzt vielleicht nicht so viel Spaß machen, aber auch, das lernt man irgendwie lieben und das gehört auch dazu. Und das Ganze hat sich dann irgendwie, ja, eine Leidenschaft bei mir entwickelt, das ganze Thema Bier und bin dann auch mit vollem Elan ins Studium dann eingestiegen. Habe tatsächlich unterm Studium auch jeweils zwei Tage in der Woche, also das komplette Studium auch durch, zwei bis drei Tage in der Woche, eben noch weiter bei der Schlossbrauerei in AU gearbeitet, habe also quasi immer so entlang des Wegs die Praxis mit der Theorie verbunden. Und, genau, habe dann 2015 als Urban Chestnut aufgemacht hat in Wolnzach, habe ich schon gemerkt, oh, da passiert was und das war auch total spannend, was Neues und was Aufregendes. Und das war dann tatsächlich meine erste Begegnung auf der Braukunst Live damals, auch mit Florian Kuplent, also einer der Eigentümer der Firma und habe die dann einfach mal blöd gefragt: „Ja, wie schaut es aus, kann ich bei euch auch diese zwei, drei Tage in der Woche arbeiten?“ Genau, das war dann so der Übergang, das ging dann auch relativ schnell, sodass ich eigentlich quasi seit Anfang an auch mit dabei bin.

Markus: So war es um dich geschehen quasi.

Andreas: Ja, genau.

Markus: Also sehr, sehr spannend. Und ich muss sagen, als du das vorhin gesagt hast, das hat mich total an die Bilder erinnert, die ich auch persönlich von der Hallertau im Kopf habe, also nicht nur im Kopf, sondern auch in der Nase. Also wir sind ja normalerweise mindestens einmal im Jahr da und dann in der Regel eben zur Hopfenernte. Und das ist dann eben schon so, wenn man dann im Auto hinfährt und das Fenster offen hat, ab einem gewissen Radius um Wolnzach und eben die ganze Hallertau, fängt es an, nach Hopfen zu riechen. Und je mehr man dann in die Orte hineinfährt, umso intensiver wird das. Und besonders spannend ist es dann, wenn man dann morgens im Hotel aufwacht und das Fenster aufmacht und dann sofort so ein ganzer Schwall an Hopfenaromen reinkommt und man dann wirklich weiß, okay, also da bin ich. Erinnert mich so ein bisschen an meine Kindheit, ich bin ja aufgewachsen nicht weit weg von der Mälzerei Weyermann und da war das dann auch immer so, wenn der Wind richtig stand, dann war eben der Malzduft in meinem Zimmer und so war das dann halt einfach auch eine Sache, mit der man groß wird. Und dann habe ich ja mittlerweile auch gute Freunde in der Hallertau, auch eine Familie, die einen Hof hat und die haben auch kleine Kinder. Und das ist auch faszinierend, wenn die dann mit ihrer Erntemaschine durch die Felder fahren, dann rennen die Kinder hinterher und sammeln so die letzten Ranken noch und Reben ein und sind da voll mit dabei, fahren, wie du gesagt hast, auf dem Bulldog mit, auf dem Traktor mit, wenn dann der Hopfen aufgeladen ist, sitzen die Kinder oben drauf. Und das ist einfach ein riesen Vergnügen und ein Spaß und so kommt man wirklich da mit rein. Und ich glaube, so ein bisschen kann sich da deine Kindheit auch vorstellen, oder?

Andreas: Ja, also wir hatten das tatsächlich nicht die ganze Zeit, also wir sind mit der Familie dann viel rumgekommen also. Aber ich war tatsächlich jeden Sommer zumindest auch immer bei den Großeltern eben da draußen. Ich selber hatte nicht das Glück, ich sage jetzt mal Glück, nicht dort aufzuwachsen, wir sind ein bisschen städtischer unterwegs gewesen, aber das war trotzdem, ja, wie gesagt, die ganzen Ferien und so waren wir halt immer da, genau.

Markus: Ja, auf jeden Fall Teil deines Lebens. Und haben denn die Großeltern noch so ein bisschen die alten Hopfengeschichten erzählt, die man heute nur so aus den Museen kennt oder ist das, also waren die da selber auch noch mit dabei?

Andreas: Ja, also letztendlich, die kannten das hauptsächlich aus einer Zeit, wo man halt noch mit den Händen die Hopfen gebruckt hat in so Körbe. Und, ja, die Oma hat das immer erzählt, ja, das war halt, früher ist das halt teilweise relativ gemütlich auch zugegangen. Natürlich musste man schon seine Arbeit machen, aber man hat da auch das ein oder andere Bier auch auf dem Feld getrunken. Und, ja, das war eine andere Zeit, also jetzt nicht so mit Maschinen oder sowas, sondern das war mehr noch die Handarbeit. Da sind ja auch viele Hilfsarbeiter immer gekommen für die Hopfenernte, auch aus den Städten raus, genau.

Markus: Ja, so ein bisschen die Romantik, die man vielleicht auch kennt so. Es gibt diese alten Filme, das Königlich Bayerisches Amtsgericht und wenn da die bayrische Realität vor 120 Jahren dargestellt wird, das ist dann immer irgendwie lustig. Aber, egal, also man weiß ja auch immer nicht, was stimmt und was so ein bisschen Makeup ist. Aber, also in Sachen Hopfen auf jeden Fall, das ist ja auch das, was man von den Erzählungen, von den Berichten oder in den Museen sieht, was das eben früher bedeutet hat und wie das auch das Leben der Leute und des Landstrichs so bestimmt hat. Und insofern ist das dann vielleicht doch ein bisschen auch in den Genen angekommen, wer weiß. Auf jeden Fall, in der Schlossbrauerei Hallertau, also Au in Hallertau, mehr im Herzen kann man ja eigentlich gar nicht sein. Wie war das denn da in Sachen Hopfen? Also die haben natürlich, denke ich mal, sicherlich Hallertauer Hopfen verwendet, aber gab es dann auch Spezialbiere, wo du mit brauchen konntest, die man dann zum Beispiel mit Grünhopfen gemacht hat oder mit besonderen Hopfensorten oder mit experimentellen Geschichten oder so?

Andreas: Das war, die waren tatsächlich auch von Anfang an der ganzen Sache nicht so verschlossen. Also von der ganzen Sache, damit meine ich jetzt Craft Beer beziehungsweise das Craft Beer auch Einzug bei uns erhält, also das eine Welle aufkommt, wo dann plötzlich Ales und auch speziellere Geschichten gebraut werden und die waren dem Ganzen gar nicht so verschlossen. Und ich kann mich auch erinnern, wir haben grade, also das war, ich rede jetzt vom Zeitrahmen 2013 rum und das war so, dass die relativ früh schon so mit Fassbieren experimentiert haben und haben ihren dunklen Doppelbock in Holzfässern gelagert. Zum Teil waren das Rotweinfässer, irgendwo aus Italien und das andere waren Whiskyfässer von Glenmorangie. Und das Interessante daran war, dass in diese Fässer dann noch Brettanomyces-Hefe hinzugegeben wurde, was eine sehr spezielle, ich sage jetzt mal, belgische Hefe ist oder aus dem belgischen Raum kommt oder im belgischen Raum noch viel verwendet wird. In der klassischen Berliner Weisse ist sie ja, glaube ich, auch drin. Auf jeden Fall wurde die hinzugesetzt einfach, um das Bier irgendwie noch zu sichern und den Restzucker letztendlich zu verstoffwechseln und das hat dann sehr interessante holzfassgelagerte Biere ergeben. Also es war eine sehr spannende Geschichte, also die waren auch so leicht säuerlich dadurch noch, also sehr, ja, sehr interessante Biere. Das war so der erste, also ich sage jetzt mal, das war für das Verhältnis von der Brauerei schon sehr, fast schon revolutionär eigentlich, also dass da auch dann Brettanomyces hinzugegeben wurde.

Markus: Also wollte ich grad sagen, also in der Brauerei, das ist ja Blasphemie, also für die damalige Zeit. Ja, Wahnsinn, cool, finde ich sehr spannend. Der dunkle Bock ist der Schneebock, oder?

Andreas: Das ist der Schneebock, genau, das ist auch ein richtig gutes Bier.

Markus: An den erinnere ich mich, den finde ich immer sehr lecker, muss ich sagen. Aber diese Holzfassvariante habe ich in der Tat nicht verkostet, schade. Gibt es das noch, machen die das noch?

Andreas: Das weiß ich tatsächlich nicht. Heißt Eiskeller, weil die Fässer, und das ist auch das Spannende, also die haben einen alten Eiskeller quasi dafür reaktiviert und haben da drin die Holzfässer gelagert. Und dann war quasi in dem alten Eiskeller, waren dann da so Holzfässer aufgebahrt und da waren dann die ganzen Biere drin. Also im Nachgang habe ich erst auch kapiert, dass es nicht so witzig ist, wenn man dann mit Brett auch rumspielt und auch Brettanomyces dann in der Brauerei verwendet. Also das wusste ich damals noch nicht so oder beziehungsweise hatte ich das noch nicht so auf dem Schirm, dass das eigentlich auch sehr riskant sein kann.

Markus: Ja, zumindest wenn die dann auf Abwege geht und sich bei den anderen Bieren auch so ein bisschen einnistet und da wird man die ja so schnell nicht wieder los, ne, also das ist schon …

Andreas: Ja, genau.

Markus: … eine spannende Geschichte. Na, ich werde auf jeden Fall bis zum Erscheinen vom Podcast das recherchieren und auf jeden Fall in den Shownotes verlinken, dass man dann auch zur Schlossbrauerei natürlich kommt. Aber nun lass uns zu deiner neuen Wirkungsstätte kommen. Und vielleicht muss man, bevor wir dann auch gleich zu dem Bier natürlich kommen, die Hörer noch kurz ein bisschen aufklären. Also du hast ja grade gesagt, Florian Kuplent, klingt ja jetzt nicht so amerikanisch erst mal. Auf der anderen Seite habe ich vorhin gesagt, die erste amerikanische Brauerei, die sich in Deutschland niedergelassen hat und Urban Chestnut klingt ja auch ein bisschen so. Vielleicht kannst du da ein bisschen aufklären, nachdem du ja mehr oder weniger von Anfang an dabei warst, glaube ich, kannst du die Geschichte ganz gut erzählen, oder?

Andreas: Genau, also die Urban Chestnut Brewing Company, muss ich jetzt ein bisschen zurückgehen in der Zeit, also die Geschichte in Deutschland beginnt tatsächlich 2015, da komme ich jetzt gleich noch dazu. Aber die tatsächliche Geschichte der Firma beginnt eben in Saint Louis im Jahr 2010 oder Ende 2010, Anfang 2011 und zwar haben sich eben Florian Kuplent und David Wolfe selbstständig gemacht mit der besagten Brauerei. Beide waren Anheuser-Busch-Angestellte bis zur Übernahme durch InBev. Die hatten oder haben nach wie vor auch ihren Hauptsitz in Saint Louis in den USA, also im Bundesstaat Missouri, so in der Mitte der Mitte. Also die Stadt heißt auch the Gateway to the West, also es ist also so der, ja, das Tor zum Westen. Und die haben letztendlich sich selbstständig gemacht, weil eben durch diese Übernahme von Anheuser-Busch durch InBev, da sind viele Dinge passiert und da haben dann auch sehr viele Leute einfach gekündigt. Ja, das war, also der Florian sagt immer, dass die nicht mehr so familiär war, die Brauerei, von heute auf morgen. Also das war tatsächlich davor auch ein großer Konzern, aber irgendwie familiärer noch als das irgendwie inhabergeführt war. Und wie gesagt, haben sich hier Urban Chestnut Brewing Company selbstständig gemacht und wollten von Anfang an das Ganze zweigleisig aufstellen. Also zum einen den Fokus auf europäische Biere setzen, auf deutsche und vor allem auch bayrische Bierstile und auf der anderen Seite eben dieses revolutionäre Craft Beer eben auch repräsentieren, das Ganze eben zweigleisig zu fahren. Also das man sagt, man behält oder bewahrt das Alte und aber nutzt auch das Neue, um eben Vielfalt anzubieten. Und diese zwei Welten vereint eben entsprechend auch der Name und deswegen dieses Urban, also eben für diese revolutionäre Seite, für alles, was urban und städtisch ist und Chestnut für die Kastanie, die klassischerweise immer im Biergarten stehen sollte. Genau, also um diese Verwurzelung und auch das Traditionelle eben zu zeigen durch dieses Symbol der Kastanie, genau, das war so das Ziel. Jetzt noch kurz zu Florian Kuplent, der ist tatsächlich auch gelernter Brauer, kommt aus Mühldorf, hat auch in Weihenstephan studiert und ist dann über ein paar Stationen eben nach Amerika gekommen und ist dann in Amerika auch nochmal gewechselt von dem Standort Newark zum Standort Saint Louis von Anheuser-Busch, genau. Hat davor auch bei Meantime in London gearbeitet, genau, so ein paar Stationen. Alle weiß ich, glaube ich, gar nicht.

Markus: Ja, aber Meantime ist auf jeden Fall schon mal eine sehr, sehr spannende Station. Die haben damals faszinierende Biere gemacht, ist heute nicht mehr ganz so, aber immer noch spannend.

Andreas: Ja, genau. Also vom Zeithorizont war das Ganze eben mit dieser Firmengründung Ende 2010, Anfang 2011. Und das Konzept, grade dieses zweigleisige Konzept, wurde sehr gut angenommen, vor allem, sage ich jetzt mal, diese klassischen bayrischen Biere, die wir von Anfang an eben auch mit gebraut haben. Sodass wir erst die Brauerei dann auch noch durch einen relativ großen Biergarten auch erweitert haben in Saint Louis und tatsächlich dann 2013, also drei Jahre später schon eine zweite größere Brauerei gebaut haben, die letztendlich dann einfach diese Kapazität erweitern sollte, weil eben das Ganze so erfolgreich war auch vom Konzept her. Und, genau, bei der zweiten Brauerei hat man dann auch gleich so eine schöne, na, ich sage mal, nach bayrischem Vorbild so eine Bierhalle dazu gebaut. Also so eine ganz große Theke, sehr viele große Tische und da ist halt so das Beisammensein im Vordergrund eigentlich auch, total schön.

Markus: Ja, das sieht man auch ganz toll, wenn man mal auf die Website schaut und so. Und auch die Biernamen finde ich ja spannend, also dass man da in Amerika ein Schnickelfritz Weißbier anbietet oder ein Stammtisch Pilsener und so, das ist schon irgendwie schön. Also ich glaube, natürlich, ich meine, gut, die Amerikaner mögen ja auch ihre, sagen wir mal in Anführungsstrichen, deutsche Vergangenheit, sind ja viele Auswanderer auch dahin und die lange Zeit ja auch die Bierwelt dort geprägt haben. Und ich glaube, dass das schon, ja, für die tatsächlich sowas ist, was auch ein bisschen Heimat wiedergibt, also zumindest so, wie ich das auch drüben erlebt habe. Und ich glaube, da haben die ganz gut ins Schwarze getroffen mit der Brauerei, ne?

Andreas: Ja, also das war definitiv auch Teil des Erfolgs. Und vor allen auch, ich sage immer dazu, die Küche muss dann auch passen. Und die Küche ist immer, ich sage so Fusion-bayrisch. Also wenn ich jetzt Fusion-bayrisch sage, ist es also nicht so, wenn es jetzt, ja, ein Schnitzel gibt, dann ist es halt nicht so zwingend, wie wir uns ein Schnitzel hier vorstellen, aber es ist halt so, ja, mit Fusion, also mit so, ja, mit so einem modernen Touch, sage ich jetzt mal, auch kulinarisch. Und, genau, das ganze Konzept ist halt, ja, also ich habe immer das Gefühl, das hat dann zwischenzeitlich schon auch mehr grade in das Bayrische, Europäische gedriftet, weil wir da uns halt einen Namen für gemacht haben. Unsere Craft-Biere drüben sind eher unbekannt, sage ich jetzt mal vorsichtig, genau wissen tue ich es jetzt auch nicht tatsächlich.

Markus: Ja und ich meine, es ist natürlich auch die Frage, was ist Craft und was ist nicht Craft? Also selbst in Amerika ist die Definition ja durchaus unterschiedlich. Und auch da hat ja auch dieser Begriff Craft schon eine gewisse Evolution erfahren, also wo es am Anfang, glaube ich, sehr viel mit den Hobbybrauern, Heimbrauern zu tun hatte und da dann eben auch viel mit diesem Ausprobieren mit allen möglichen extremen Aromen. Und dann aber später, glaube ich, so in der zweiten Welle ging es vor allem auch um qualitativ hochwertige spannende Biere, die dann vielleicht auch mal anders sind als jetzt die normalen Amerikanischen, aber auch die schon bekannten IPAs und Pale Ales und so. Und ich glaube, da ist jetzt grade das untergärige Bier sehr in Mode, also so, wie ich da zumindest bei meinen letzten Besuchen erlebt hab, da kriegt man dann überall spannende Kölsch und Alt. Wobei die jetzt nicht untergärig sind, aber zumindest sehr beliebt, aber eben auch Pils und Helles und Dunkles und all die Stile, die wir halt so als normal ansehen, das ist dort bestimmt mittlerweile auch eher Craft.

Andreas: Genau, ja. Also, ja, mit Craft Beer, für die Definition habe ich so erst mal die neueren Bierstile eben gemeint.

Markus: Ja, absolut, das war jetzt keine Kritik oder so. Ich finde dass total spannend, weil man das eben nicht greifen kann, was heißt das schon, ne? Weil, für uns in Deutschland ist es ja tatsächlich so, die erste Idee von Craft Beer war halt, alle Bierstile, die grade über die amerikanische Schiene kamen und das waren ja damals die IPAs und Pale Ales und so. Aber das ist unser kleiner Blick in diese Welt und umgekehrt gibt es halt drüben auch einen kleinen Blick und, naja, wie auch immer, egal. Ich glaube, die Hörer haben sich damit auch schon oft auseinandergesetzt. Ist auf jeden Fall spannend und macht es ja nur noch spannender, wenn man sich dann in diesem Umfeld bewegt, wenn man dieses, sage ich jetzt mal in Anführungsstrichen, Nicht-Craft trotzdem auf eine sehr craftige Art und Weise in dieses Umfeld reinsetzt und damit, ja, im Grunde mit diesem bodenständischen Heimatbegriff spielen kann und das dann eben doch zu was Besonderem macht. Also irgendwie sehr spannend.

Andreas: Ja, ja, auf jeden Fall. Und, ja, das ist, ja, in den USA ist das halt einfach, es ist da einfach auch insgesamt mehr, ja, ich sage immer, mehr machbar. Ich sage auch immer, dass die Leute eventuell das dann auch, je nachdem nach Konzept auch, ja, ein bisschen mehr auch annehmen, also auch offen sind dann auch für neue andere Sachen und trotzdem aber das Alte oder das andere nebenher haben, ja, wenn man das so sagen kann.

Markus: Ja und sie können auch auf eine sehr positive Seite oder Art und Weise dankbar sein, glaube ich. Also bei uns wird das immer so hingenommen, na gut, es gibt halt ein neues Bier oder es gibt eine neue Brauerei oder so, aber in Amerika, habe ich das Gefühl, das ist dann immer erst mal so eine kleine Sensation, die man dann auch feiert und weiterträgt und unterstützt und das ist irgendwie eine andere Atmosphäre oft grade für so neue Ideen, oder?

Andreas: Ja, also auf jeden Fall auch, das stimmt, genau.

Markus: Ja und dann seid ihr irgendwie, habt ihr euch überlegt, dann doch in Deutschland was zu machen?

Andreas: Genau, also das ist tatsächlich eine, ja, interessante Geschichte. Also man muss dazu sagen, es war jetzt nicht die ursprüngliche Idee, die Firma irgendwann nach Deutschland zu bringen, sondern das ist tatsächlich fast schon durch reinen Zufall so gekommen wie es gekommen ist. Und das liegt daran, dass wir tatsächlich nicht selber eine Brauerei auch gebaut haben jetzt in Wolnzach, sondern wir haben letztendlich eine insolvente Brauerei aus dem Ort übernommen. Also quasi, die Brauerei stand schon da und wir haben dann entschieden, wir brauen dort Bier. Und die Geschichte dazu ist eigentlich auch relativ witzig, weil, wir kaufen für die USA unseren Hopfen in großen Teilen auch direkt vor Ort in Wolnzach, zum Teil auch eben direkt von einem Bauern, der seinen Hopfen direkt vermarktet und das ist eben in Wolnzach oder ein Ortsteil von Wolnzach. Und die haben dann einfach beim, ja, beim Weißwurst-Frühstück haben sie halt darüber gewitzelt, ah ja, jetzt ist der Bürgerbräu, so heißt die ehemalige Brauerei, ist jetzt insolvent und habt ihr nicht Lust, die zu übernehmen, dann gibt es in Wolnzach wieder ein gescheites Bier. Ja und das hat halt beim Florian, hat das gegärt, die Idee und er hat dann halt einfach mal, ja, sich ein bisschen eingearbeitet in die Thematik und hat dann ein Angebot abgegeben auf die Anlagen. Und ursprünglich war der Gedanke, man verschifft die Anlagen dann, wenn es zum Kauf käme, verschifft es rüber in die USA, damit man die Anlagen nutzen kann. Und, ja, war dann tatsächlich der Höchstbietende und dann kam der Entschluss, wieso probieren wir e nicht einfach? Und im Zweifelsfall können wir ja nach ein oder zwei Jahren, wenn die Leute überhaupt keine Lust auf uns haben, immer noch die Anlagen verschicken, die laufen ja nicht davon. Und dann, ja, haben wir im Mai 2015 angefangen zu brauen. Also ich muss dazu sagen, die Insolvenz der Bürgerbräu in Wolnzach war 2014 und, genau, im Januar war das eigentlich in trockenen Tüchern, 2015 und im Mai 2015 haben wir dann den ersten Sud gebraut. Und das war dann von Anfang an, hat es wie eine sehr kleine Bombe eingeschlagen, also es ist sehr positiv angenommen worden im Ort, vor allen Dingen weil das Konzept, was wir auch hier hatten, überzeugt hat. Wir haben auch versucht, getreu dem Firmenmotto, diese beiden Welten eben zu verbinden, nur das Ganze noch klassischer am Bayrischen zu halten, grade auch, um den ländlichen Raum zu überzeugen. Und das haben wir mit unserem Portfolio, also vom Sorten-Portfolio, was wir am Anfang hatten, eigentlich ganz gut umgesetzt, hatten von Anfang an zum Beispiel eine klassische historische Sorte, die Hopfenperle. Das ist, kann man sich vorstellen wie ein Export, ein bisschen stärker, ein bisschen hopfiger. Und dadurch, dass wir diese historische Marke eben auch weiterführen und auch wieder zum Leben erweckt haben, war dann automatisch auch so diese Verbundenheit zum Ort da. Dann haben wir von Anfang an eben Zwickel oder unser Zwickel gehabt. Das ist ein, ja, ein bisschen malziges, helles Kellerbier, das war eigentlich anfangs als unser Helles oder als unser Standardbier gedacht. Und noch zusätzlich eben das Zuagroast und da haben wir uns eigentlich bewusst auch mit der bayrischen Namensgebung, ja, so, das ist, ich sage immer vorsichtig, das es ein kleiner Geniestreich ist, weil es so ein bisschen witziger Begriff ist, es ist ein bayrischer Begriff, den viele verstehen und er bedeutet auch, letztendlich Zuagroast, also zugereist. Es ist ein Pale Ale und es ist ein zugereister Bierstil, also nicht heimisch, also das Ganze mit so ein bisschen Witz verpackt. Und, ja, das ist einfach von Anfang an sehr gut angenommen worden. Und auch, weil wir eine ehrliche Geschichte erzählt haben, wir haben uns da auch nicht versteckt. Am Anfang war auch die Debatte, soll man den Namen führen, also soll man das Ganze als Urban Chestnut firmieren oder einen anderen Namen verwenden, der vielleicht dem Volksmund geläufiger ist? Aber dadurch, dass wir uns einfach auch von Anfang an nicht versteckt haben, erzählen wir auch seid Anfang eine ehrliche Geschichte und die kauft uns auch jeder ab. Und das ist, glaube ich, auch Teil des Erfolgs, den wir entsprechend eben hatten.

Markus: Ja, auf jeden Fall. Und ich denke mal, also Urban Chestnut ist dann trotzdem auch für den gemeinen Bayern ganz gut auszusprechen.

Andreas: Ja.

Markus: Wobei andersrum, Zuagroast glaube ich, wirklich was ist, was der Nicht-Bayer vielleicht erst nach ein oder zwei von diesen Pale Ale wirklich gut aussprechen kann.

Andreas: Ja, ja, das kann schon sein.

Markus: Aber dann ist es ja auch gut. Und ich muss sagen, ja, ich habe das damals also mitbekommen, aber tatsächlich eher so ein bisschen am Rande mitbekommen und ich glaube, das war aber auch ein guter Weg. Also auf der einen Seite hast du schon Recht, so wie eine kleine Bombe, aber das eben eher lokal und weniger auf dieser nationalen Ebene oder so. Weil, also ich kann mich noch erinnern im September, 14. oder sowas war das, glaube ich, hat ja dann Stone aufgemacht und die haben ja am Anfang so mit diesem Claim, wir sind die ersten Amerikaner, die hier in Deutschland irgendwas machen, sind so rausgegangen. Und da war dann aber damals schon klar, ist nicht so ganz richtig, da gab es jemand, der war ein paar Monate vorher dran, also wirklich auch eine echt spannende Geschichte. Und ich glaube auch, ihr habt es geschafft, von Anfang an eben bei den Leuten anzukommen, also weil ihr ja zum Beispiel auch in der Brauereiwirtschaft die Biere trotzdem noch parallel habt laufenlassen. Also jede andere Brauerei hätte wahrscheinlich gesagt, alles andere raus und nur unser Bier und das ist da aber anders gelaufen. Und ich glaube, das war ein schöner, intelligenter, cleverer Weg, die Leute wirklich nach und nach reinzuholen. Und jetzt muss ich sagen, jetzt war ich ja mittlerweile schon sehr oft bei euch und man merkt, dass es wirklich auch da die Stammtischhocker sozusagen gibt, die da schon immer sind und die wirklich die Brauerei auch so als ihre Brauerei so ein bisschen ins Herz geschlossen haben. Und das ist schon schön und das, finde ich, ist auch eine Leistung. Weil, also grade auch nach so einer Insolvenz ist es ja auch gar nicht so einfach, so eine Braustätte wieder zu beleben und die Leute wieder zu gewinnen und irgendwie scheint es aber ganz gut aufzugehen. Wie fühlst du dich aufgenommen von den normalen Leuten dort vor Ort?

Andreas: Ja, also das fühlt sich immer ein bisschen an wie eine große Familie. Also wir haben auch in der Brauerei, also haben wir ja so einen also mittlerweile sogar Lokalpolitiker, muss ich dazu sagen, einen, der sehr gut im Ort vernetzt ist, angestellt und dadurch ist uns einfach der Ort Wolnzach sehr viel näher, ja, herangewachsen, weil einfach der Austausch mit den Leuten da ist. Der Austausch mit, ja, einfach mit den, ja, ich sage immer, auch mit den Handwerkern oder egal mit wem man redet, da ist einfach auch so ein gewisses Wir-Gefühl da und das ist eigentlich das Schöne auch an so einem Ort.

Markus: Ja und jetzt müssen wir, glaube ich, langsam vom Wir-Gefühl zum Bier-Gefühl kommen, weil, du hast ja mir zwei wunderbare Biere in ein Paket gesteckt und zwar einmal ein Hallertauer Grünhopfen Lager und dann eine kleine schöne, interessante, spannende Flasche, auf der noch gar kein Etikett drauf ist. Aber da können wir vielleicht später drauf kommen, vielleicht, also wahrscheinlich macht es Sinn, oder, die große Flasche zuerst zu öffnen?

Andreas: Ja, ja, macht auf jeden Fall Sinn, ja.

Markus: Okay, na, dann machen wir das doch mal. Und da bin ich mal gespannt, was du uns da erzählst, ein echtes Grünhopfen Bier aus der Hallertau, also viel näher dran geht es ja eigentlich gar nicht.

Andreas: Ja, ich sage immer bei unseren, das ist das Frischeste. Ob es wirklich stimmt, weiß ich nicht, aber ich behaupte es einfach immer.

Markus: Naja, also zumindest von der Entfernung, wie gesagt, also mehr geht ja eigentlich nicht. Und, also es präsentiert sich wunderbar im Glas, ich habe hier eine richtig schönes strahlendes Goldgelb, Hellgold, Gelb und es hat wie eben typische Grünhopfenbiere, so einen ganz leichten grünlichen Schimmer, wo man einfach dann schon merkt, dass da noch was drin ist, ein bisschen pflanzliche Substanz drin ist. Es hat einen wunderbaren Schaum, also steht wie eine eins, ganz viele dichte kleine feine Poren. Hm und es riecht gut. Also auf der einen Seite ein bisschen Citrus und dann ganz schön diese grasigen grünen Aromen, die tatsächlich so ein bisschen so eine Hanfnote haben. Und, ja, ein bisschen leicht kräutrige Anklänge, richtig schön, aber auch irgendwie weich. Also wobei man weich ja eigentlich nicht riechen kann, aber es wirkt irgendwie so, also sehr angenehm. Und dann kommt auch ein bisschen was aus dem Malzkörper rüber, also ein sehr spannender Geruch. Was habt ihr da für einen Hopfen verwendet?

Andreas: Ja, das ist unsere, ich sage immer Spezialität, wir machen es jedes Jahr, also nicht immer gleich, sondern es sind durchaus, wechseln wir da immer ein bisschen von den Sorten. Wobei, ich muss dazu sagen, wir schreiben auf unsere Etiketten auch immer die Hopfensorten drauf, die sind schon drin. Nur durch die Menge, die wir mittlerweile an Grünhopfenbier auch brauen, habe ich ein bisschen mehr Flexibilität, auch noch andere auszuprobieren. Und jetzt ist es letztendlich so, dass wir da immer sortenreine Sude machen. Also ich spreche mich in der Regel immer mit den Bauern ab und sagen wir, okay, dieses Jahr nehme ich von dir Tradition und vom anderen nehme ich den Mittelfrüh und von wieder einem anderen nehme ich dann den Blanc und so kommt das Ganze dann zusammen. Und wir machen aber immer, ich sage immer, immer Single-Hop-Grünhopfenbiere. Also das ist immer ein einzelner Sud mit einer Sorte und am Ende werden diese ganzen Einzelsude aber dann verschnitten und die geben dann dieses Gesamtkonzept. Also das ist quasi so eine Art Grünhopfen-Cuvée, kann man schon fast sagen.

Markus: Ein Kunstwerk sozusagen.

Andreas: Ja, ja, Kunstwerk trifft es vielleicht auch, ja. Ja, aber wie gesagt, das ist also tatsächlich immer in Absprache mit den Bauern. Also es ist auch jeder Sud in der Regel von einem anderen Bauern, also Ersten anderer Ortsteil oder anderer Hof und auch andere Sorte. Also, ja, das suche ich mir dann so immer ein bisschen raus, zusammen. Und der Grundstock, um jetzt zu den Hopfensorten zu kommen, der Grundstock ist bei jedem Grünhopfenbier, was wir machen, immer Hallertauer Blanc, also ein Sud immer mit Hallertauer Blanc, ein Sud mit, jetzt muss ich grad selber, mit Hersbrucker ist auf jeden Fall ein Sud immer und dann Tradition ist der dritte, genau, also die drei sind immer so der Grundstock. Und ich habe in den letzten Jahren auch immer einen Sud dazu genommen eben mit Mittelfrüh, also der Hallertau Hallertauer. Dann, wir haben auch mal einen Sud Perle gemacht, dieses Jahr jetzt nicht. Dieses Jahr ist eine neue Zuchtsorte sogar tatsächlich mit drin, also der Hallertauer Amira, heißt der, hat jetzt auch schon einen Namen bekommen. Und habe ich jetzt eine Sorte vergessen? Ich bin jetzt grad selber am überlegen. Nee, die fünf sind es dann, ja, genau.

Markus: Ja, absolut spannend. Also ich muss auch sagen, als du das so aufzählt hast, da habe ich ja zuerst gedacht, es ist immer ein Sud so und ein Sud so und ein Sud so und habe dann überlegt, was könnte das sein? Und dann hast du gesagt, okay, nein und dann wird es eben nochmal verschnitten und das ist wirklich spannend. Also ich glaube, das dieses, was ich vorhin so als weich beschrieben habe, das ist, glaube ich, das, was ein bisschen vom Blanc kommt, diese, ja, wie soll man sagen, es ist schwer zu beschreiben, vielleicht so ein bisschen Steinfrucht oder gelbe Frucht oder so. Irgendwie interessant, also auf jeden Fall sehr, sehr schön. Und ich finde auch diese grünen Aromen, dieses leichte Hanfthema finde ich wirklich ganz, ganz schön. Und jetzt, wie siehst du es vom Geruch, habe ich was vergessen?

Andreas: Nee, also es ist, wie gesagt, also ich finde das auch immer das Spannende, es ist eigentlich alles drin, ich sage immer, alles dezent, was halt die Hallertau zu bieten hat. Also tatsächlich mal ein Bier, wo man vielleicht dann danach suchen muss, also nicht direkt suchen muss, aber wo man alles bekommt, ohne das es jetzt, um es in Worte zu fassen, ohne dass man es zum Beispiel hopfenstopfen müsste oder irgendwie, ja, so neuere Techniken anwenden muss, das man das Aroma rausbringt, das ist eigentlich das Spannende.

Markus: Okay, ja, dann probieren wir doch mal ein Schlückchen. Prost und danke.

Andreas: Ja, bitte, bitte.

Markus: Also eine Sache, die mir bei all euren Bieren immer gut gefällt, ist das Mundgefühl und das ist hier auch wieder so richtig schön cremig. Das Bier kommt in den Mund, ist natürlich am Anfang auch ein bisschen, ja, soll man sagen süß oder zumindest, ja, malzig. Und dann ist es auf der Zunge und dann ist es so richtig schön cremig und moussiert so ein bisschen. Ist vor allem sehr präsent, also ist einfach ein schöner, angenehmer Körper, ein angenehmes Mundgefühl und dann wandelt sich dieses Malzige in die Bittere vom Hopfen und die zieht sich dann so richtig schön runter, grade wenn man schluckt, die bleibt dann ganz, ganz lange und zwar auf eine sehr angenehme Art und Weise. Also es ist nicht so, dass es einen komplett zusammenzieht, sondern sie ist einfach da und bleibt und dieses Bier ist sehr, sehr präsent. Und dazwischen hat man dann auch noch, wenn man dann wieder ausatmet, wieder diese ganzen Hopfenaromen und dann auch nochmal eine sehr schöne angenehme weiche Mischung verschiedener Aromen, die wirklich, ja, grade diesen grünen Aspekt, diesen pflanzlichen Aspekt richtig schön rüberbringen. Und es ist doch eine ganz schöne Bittere drin, oder, also vielleicht jetzt keine 30 Bittereinheiten, aber so knapp dran, kommt das ungefähr hin?

Andreas: Ja, das ist immer die Preisfrage, wie viel Bittereinheiten sind tatsächlich drin? Auf das Etikett schreiben wir 25 drauf. Ich kann mich tatsächlich, glaube ich, an kein Jahr erinnern, nee, in keinem Jahr haben wir die 25 genau getroffen. Also es war tatsächlich, wir hatten Jahrgänge, da muss man vielleicht dazu sagen, so ein Grünhopfenbier, das ist einfach sehr stark jahrgangsabhängig, also das ist in einem Jahr so und im nächsten Jahr, also es ist nicht reproduzierbar, also ich könnte jetzt nächstes Jahr nicht das gleiche Bier nochmal brauen. Das liegt einfach daran, dass kommt dann teilweise auf so Sachen wie das Wetter am Erntetag drauf an. Weil, wir geben immer dieselbe Menge Grünhopfen und lassen uns, gefühlt, immer so ein bisschen überraschen, was dann bei rauskommt. Und jetzt, ja, um nochmal zu den Bittereinheiten zurückzukommen, ich glaube, dieses Jahr sind wir aber tatsächlich von den 25 Bittereinheiten gar nicht so weit entfernt gewesen, ich glaube, 26 oder 27, also auch nur minimal bitterer als jetzt angegeben wäre.

Markus: Nee, ist ja auch völlig okay. Und ich muss sagen, ich gebe da normalerweise nie viel auf die Bittereinheiten, ich habe auch erst grade, als du das gesagt hast, nochmal auf das Etikett geschaut und die 25 auch gefunden., aber ist ja auch wunderbar. Ich meine, wichtig ist eigentlich, dass es ein schönes harmonisches Bier ist und das diese Bittere einen nicht komplett erschlägt oder so. Das es insgesamt halt auch vor allem, finde ich, so wie hier jetzt auch, dieser lange Ausklang, wo diese Bittere einfach dableibt, wo das Bier präsent bleibt, das muss einfach da sein, und dann entsteht ja automatisch wieder so dieser Drang zum nächsten Schluck, das hier auch wirklich sehr, sehr gut ist. Und was ich auch schön finde, es ist nicht so aufdringlich Grünhopfenbier. Also da gibt es ja mittlerweile auch manche, die dann wirklich, das ist schon fast Pflanzensaft, erinnert einen dann fast an Smoothie oder so. Und das ist hier nicht so, sondern das ist einfach in erster Linie mal ein richtig gutes Bier und dann kommen halt diese schönen Grünhopfenaromen dazu und das macht es wirklich spannend. Und ich finde es total interessant, dass du sagst, dass da jetzt selbst der Erntetag Einflüsse drauf hat, weil es ja wirklich wieder zeigt, wie sehr doch Bier auch so ein Naturprodukt sein kann. Ja, was sagst du zum Geschmack, wenn du so probierst?

Andreas: Ja, also ich finde heuer, es ist tatsächlich ein sehr, sehr rundes Bier geworden. Ja, also ich finde auch grade, es ist tatsächlich auch nochmal der Blanc, der mich persönlich immer so am meisten überrascht, weil der tatsächlich, es ist ein Hopfen, der unglaublich viel zu bieten hat. Und ich finde, heuer hat man, also gut, tut sich jetzt schwer, das im Vergleich zum letzten Jahr zu bewerten, also für mich persönlich und grade im Vergleich zum letzten Jahr, ist heuer eben auch, also ich finde, es geht in eine weinartige Note eben, mit dabei. Und, ja, also ich finde es einfach auch ein unglaublich gut trinkbares Bier.

Markus: Ja, das, finde ich, der große Vorteil ist, ja, das man es einfach schön trinken kann und das ein echter Genuss ist, der aber dieses Thema Hopfen, und grade Grünhopfen, richtig schön präsentiert. Und damit natürlich auch so ein bisschen einzigartig ist, grade wenn man als Brauerei eben aus so einer Ecke wie der Hallertau letzten Endes kommt. Ist es denn jedes Jahr ein Helles oder habt ihr auch mal überlegt, vielleicht so ein Grünhopfenbier mal ganz anders zu denken und zum Beispiel mal ein Dunkles zu nehmen oder so?

Andreas: Denkbar wäre es auf jeden Fall, ja, es ist halt jetzt, wo du es sagst, können wir vielleicht auch mal ausprobieren, ja, wir haben es bis jetzt immer als helles Lager gemacht. Wir wollten eigentlich gezielt nie so richtig Pils drauf schreiben oder in diese Pilsrichtung gehen, sondern wollten es immer ein bisschen dezenter haben. Und, ja, das es eben nach wie vor auch ein gut trinkbares Bier ist oder gut trinkbar, ich sage jetzt mal, ein bisschen leichter eben ist.

Markus: Ja, aber darf man nicht vergessen, wir sind ja in Oberbayern und da ist natürlich grade so ein helles Bier einfach der Standard, den man da einfach auch haben möchte und den die Leute auch haben möchten und so. Ja, wie kommt es an bei den Leuten auch vor Ort, verstehen die das Thema Grünhopfenbier?

Andreas: Ja, also auf jeden Fall. Ich sage auch immer, dass das Grünhopfenbier so in gewisser Art und Weise eine kleine Hommage an die Hopfenpflanze ist. Also ich sage auch immer, wir geben mit dem Bier irgendwie den Pflanzern ja was zurück, indem wir das ja absolut unverarbeitete, frisch geerntete Produkt hernehmen und dann in dem Bier ja zur Schau stellen. Also das ist ja tatsächlich auch so eine, also ich finde, das Bier hat dadurch nochmal was sehr persönliches. Und grade bei uns in der Region, ja, gibt es genau eben zwei Biere, die aus unseren Saisonbieren sehr gut ankommen und eins davon ist eben das Grünhopfenbier, was man eben, ich sage auch immer, fast nur regional verkaufen. Also das kommt nicht sehr weit, sehr weit weg, sage ich jetzt mal vorsichtig.

Markus: Und mal andersrum gefragt, was ist für den Brauer oder Braumeister die Herausforderung bei so einem Grünhopfenbier? Also das kann man ja nicht einfach so brauen wie jedes andere Bier, oder, muss man sich da ein bisschen besonders vorbereiten und die Anlage besonders einstellen, was macht man da?

Andreas: Der Grünhopfen hat folgenden technologischen Nachteil, also ich kann ihn nicht einfach, zum Beispiel oder klassischerweise, beim Kochen dazugeben, dann habe ich nämlich das Problem, dass ich so viel Grünmaterial und auch diese Dolden da zusetze, dass ich das nicht durch meine Leitungen und auch nicht durch meine Pumpe verarbeiten kann. Heißt, man muss sich da ein bisschen was überlegen, wie man den geben kann als Hopfengabe, ohne aber technologisch jetzt große Nachteile zu haben. Und wir machen es letztendlich so, dass wir eine Whirlpool-Habe im Läuterbottich machen. Das klingt jetzt etwas befremdlich, hat aber folgenden Hintergrund, dass wir im Läuterbottich ja einen Siebboden drin haben und wir da letztendlich diese Hopfenmenge Grünhopfen drauf werfen. Also wir dosieren immer, um eine Zahl zu nennen, circa ein Kilogramm pro Hektoliter Grünhopfen. Jetzt muss man sich vorstellen, das ist ja nicht so kompakt wie Pellets oder so, sondern der ist ja relativ voluminös und dementsprechend, das ist dann eine ziemliche Menge, die dann eben in den Läuterbottich eben reinkommt. Und da wird dann die heiße Würze nach dem Kochen eben quasi draufgegeben und wir lassen das Ganze dann eine Viertelstunde ziehen und machen dann erst den tatsächlichen Whirlpool. Also es ist so ein, ja, vorgeschalteter Whirlpool-, ja, Ersatz, weil wir im Whirlpool wiederum auch den Hopfen nicht so geben könnten.

Markus: Spannend, also ihr dreht praktisch nochmal eine Extrarunde durch den Läuterbottich?

Andreas: Genau, wir drehen nochmal eine Extrarunde durch den Läuterbottich, genau.

Markus: Sehr interessant. Finde ich gut und das funktioniert ja auch gut, schön. Und vielleicht auch noch eine Besonderheit für alle, die noch nicht bei euch waren, ihr habt ja diese ganz tolle offene Gärung. Merkt man denn da auch während der Gärung, dass sich so ein Grünhopfenbier anders verhält als die anderen?

Andreas: Ja, also das ist tatsächlich Wahnsinn, also ich würde mal behaupten, das bei uns alle lieber zur Grünhopfenbierzeit im Keller stehen als den Rest des Jahres, weil das Aroma einfach unbeschreiblich ist. Also das tatsächlich in der Hauptgärung, merkt man das, ganz anders. Also ich normalerweise in der Hauptgärung hauptsächlich so schwefelige Noten und so in der Luft wahrnehme. Also wer schon mal in einem Gärkeller stand, der weiß jetzt ungefähr, was ich vielleicht meine. Und beim Grünhopfenbier hat man das eigentlich fast gar nicht, sondern es ist halt wirklich schon so ein Aroma in der Luft, schon ähnlich, wie dann das fertige Bier, also die ätherischen Öle gehen quasi bei der Gärung halt einfach schon mit raus. Und das ist, ja, auf der einen Seite ist es natürlich schade, weil wir sie auch verlieren, aber auf der anderen Seite ist es unglaublich, also das Aroma, dass dann auch so wahrzunehmen tatsächlich schon in der Gärung.

Markus: Und der Arbeitsplatz wird für den Brauer nochmal attraktiver sozusagen, ne.

Andreas: Ja, genau.

Markus: Nein, sehr, sehr spannend. Also, wie gesagt, kann man allen Leuten nur empfehlen, also unbedingt mal vorbeischauen, unbedingt sich auch die offene Gärung anschauen, ist ja fast immer was drin und natürlich eben auch die Biere vor Ort probieren. Und jetzt müssen wir uns aber noch diesem kleinen Fläschchen nähern. Also magst du ein bisschen aufklären oder wollen wir erst probieren und du klärst dann auf?

Andreas: Wie du lieber magst also.

Markus: Also mir ist es egal, ich bin offen für alles.

Andreas: Ja, schenk es mal ein, ich glaube, dann kannst du schon raten, vielleicht.

Markus: Okay. Also es ist eine kleine Flasche, so ein richtig süße kleine 0,3er und, machen wir mal auf. Also bis jetzt verhält es sich noch wie ein normales Bier, ich lasse es mal ins Glas. So, also erst mal, die Farbe ist auf jeden Fall schon mal deutlich anders, also wir haben ein richtig schönes braun, rotbraun, rostbraun, also ganz toller Rotstich, es leuchtet richtig schön. Meins wirkt jetzt auch sehr klar, also fast filtriert, würde ich sagen, ja, also wunderbar. Oben drauf ist ein sehr dunkler schöner cremiger Schaum, der auch wieder sehr feinporig ist. Also natürlich nicht ganz so intensiv wie bei dem Grünhopfenbier, ist ja auch klar, aber auf jeden Fall ganz toller Schaum. Und wenn ich das Bier im Glas drehe, ist es sehr viscos, also auf jeden Fall ist da mehr Alkohol drin. Es riecht, oh, es riecht, also sehr, sehr schön, man hat Karamell, man hat Vanille, man hat so ein bisschen auch, ja, Trockenbeeren, rote Beeren, Kirsche, Schokolade. Ja, so ein bisschen spritige Noten, vielleicht ein bisschen Whisky oder so. Ja, aber auch Stachelbeere, also ein sehr komplexes Aromenspektrum. Jetzt probiere ich mal ein Schlückchen. Also das Alkoholische, das setzt sich fort, da ist auf jeden Fall ein bisschen was drin. Tolle Süße auch, die aber sehr schön eingebunden ist, hinten raus hat man auch wieder Bittere, also sehr harmonisches Bier. Dazwischen ganz viel nochmal diese beerigen, fruchtigen Noten, also grade, jetzt habe ich so Himbeere auch und Blaubeere, dann Schokolade ein bisschen drum rum, viel Karamell, also sehr angenehm. Also aus dem Bauch raus würde ich jetzt sagen, das ist ein Doppelbock, dunkler Doppelbock, der irgendwie von einem Fass oder von Chips ein bisschen geküsst geworden ist mit etwas Whisky vielleicht, ich weiß es nicht, aber das kannst du bestimmt aufklären.

Andreas: Genau, also ich wollte grad sagen, sehr gut, Fall gelöst. Ja, also es ist natürlich unser dunkler Doppelbock, also der ganz normale dunkle Doppelbock, den wir auch so ganz normal brauen und auch verkaufen, in relativ alten Whisky-Fässern gelagert. Also wenn ich jetzt sage, relativ alt, ich glaube, das eine war zehn und das andere zwölf Jahre, also zehnjähriger und das andere zwölfjähriger Whisky. In dem Fall jetzt nur zwei Fässer, das ist eine relativ streng limitierte Auflage, haben da jetzt auch nur 1.000 Flaschen abgefüllt.

Markus: Wow, jetzt fühle ich mich geehrt.

Andreas: Ja, eine davon hast du bekommen, ohne Etikett, an den Etiketten habe ich noch gespart. Nein, die …

Markus: Da gab es nur 900.

Andreas: Da gab es nur 900. ja. Nee, die Etiketten, also die sind leider erst zu einem späterem Zeitpunkt gekommen, deswegen hast du noch keins. Ja und das Etikett, da ist letztendlich, da sind Holzfässer drauf, unser Logo, ist auf jeden Fall ein sehr schönes, ja, so Strukturpapieretikett, passend zum Bier eben, also was Edleres. Und, genau, also um jetzt auch zu sagen, was für ein Whisky das war, also es war jetzt Slyrs. Kennt man vielleicht, vom Schliersee sind die, namhafter bayrischer Whisky. Genau und haben da dann letztendlich die Fässer geholt und unseren Wolamot da drin letztendlich reifen lassen für sechs Monate und haben den dann erst in einen Lagertank gepumpt, wieder Überdruck auf karbonisiert, also nicht nochmal Zucker sowas dazugegeben. Ja, also das wir letztendlich dieses Bier, was wir in den Tank gepumpt haben, nicht mehr beeinflussen, sondern dass das letztendlich einfach nur noch lagert dann ab dem Zeitpunkt und dann entsprechend abgefüllt in diese kleinen Flaschen. Und das ist jetzt so das dritte Mal, dass wir sowas Experimentelles in einer sehr streng limitierten Auflage machen. Wir hatten letztes Jahr, hatten wir eins gemacht zusammen auch mit Freigeist, mit Sebastian Sauer. Das war ein Eisbock, ein Raucheisbock oder ein dunkler Raucheisdoppelbock, also was …

Markus: Oh! Das ist der, den wir damals gezwickelt haben, oder, kann das sein?

Andreas: Genau, den hattet ihr sogar damals probiert auch, ja. Auch sehr spannende Geschichte, da waren es, glaube ich, ein bisschen mehr, da waren es 2.000 Flaschen, die wir abgefüllt haben, genau. Und wir hatten aber auch von dem Bier jetzt tatsächlich mal so einen Vorgänger gemacht, da war allerdings nicht so alter Whisky drin, aber es war auch der dunkle Doppelbock in Holzfässern gelagert. Genau, also es ist so ein bisschen, wir versuchen da sehr streng limitiert noch so ein paar Spezialgeschichten zu machen. Das ist, muss ich auch dazu sagen, das ist so ein bisschen so ein, ja, ein kleines Hobby von mir, sage ich jetzt mal vorsichtig, weil ich grade so ein riesen Fan auch von holzfassgelagerten Bieren bin. Vielleicht, um den Bogen zu schlagen zum Anfang, vielleicht kommt das sogar daher, dass wir das wir das in Au da damals auch gemacht haben, da hat es auf jeden Fall das Interesse an sowas geweckt und hatte aber auch in der Zwischenzeit sehr, sehr, sehr viele, sehr, sehr, sehr gute holzfassgelagerte Biere aller Art getrunken, genau und so probieren wir das eben auch ein bisschen zu verbinden.

Markus: Also da triffst du bei mir auch so einen Punkt, ich finde es wirklich spannend, was man mit dem Thema Holz alles machen kann. Und weil, es geht ja auch weit über das hinaus, was man so landläufig denkt, also natürlich kann ich ein Bier in ein Holzfass stecken und natürlich kann ich auch dieses Holzfass vorher mit irgendwas anderen belegen und so, das ist ja, ja, quasi Basics. Aber dann eben, wenn man dann noch weitergeht, wenn man dann versucht, verschiedene Dinge dann zu verschneiden zum Beispiel oder wenn man Biere nimmt, wie jetzt ein alkoholfreies oder alkoholarmes, denen Körper fehlt und das dann zum Beispiel über Holz ein bisschen ergänzt oder besondere Hölzer nimmt, wie jetzt zum Beispiel man so Regenwaldhölzer hat aus Brasilien oder sonst wo, das finde ich dann schon wirklich spannend, wie sehr man einem Bier da nochmal die ein oder andere Ecke geben kann und wirklich nochmal für eine Geschmacksexplosion sorgen kann. Also ist ja immer Diskussion, was Bier so alles bieten kann und dann immer die Frage, wie viel Aromen kann Bier haben und Wein und was weiß ich was, da wird ja immer viel rumdiskutiert. Aber ich finde, wenn man dann eben auch noch diese Dimension von Holz mit dazu nimmt, dann ist Bier wirklich unglaublich vielfältig, weil man da ja nochmal ganz, ganz viel machen kann, was über die traditionellen Ingredienzien ja nicht so geht. Und insofern, also super spannend und in dem Fall auch ganz, ganz toll umgesetzt. Mir gefällt besonders gut, dass die Süße erhalten geblieben ist von dem Doppelbock und wie schön die sich mit den anderen Aromen verbindet, also das ist wirklich eine tolle Geschichte. Ich kann mir auch vorstellen, dass eure Standardkunden das auch toll finden. Also für den gemeinen Bayern vor Ort ist das doch bestimmt auch ein Gaumenschmaus, oder?

Andreas: Ja, auf jeden Fall, also die sind dann immer so ein bisschen begeistert von so kleinen Auflagen und sowas Spezielles. Also was wir dazu noch machen, wir verkaufen das dann immer auf dem Christkindlmarkt nochmal so als Direktverkauf, also das ist auch die einzige Verkaufsstelle, wo wir überhaupt dann so Bier direkt verkaufen. Und da sind dann wirklich, also das wird dann als Weihnachtsgeschenk gekauft. Wir hatten da schon ganz viele, die es dann einfach direkt vor Ort dann trinken, also, ja, ganz interessante Geschichte auch. Also es wird irgendwie, ja, ich sage immer, es wird nicht wie Bier behandelt, sondern so als was Hochwertiges. Manchmal würde ich mir wünschen, dass Bier generell immer so als was sehr Hochwertiges angesehen wird auch in der Bevölkerung, aber gut, reicht ja schon, wenn man die Leute damit dann erreicht. Und das, also es verkauft sich auch sehr gut dann immer.

Markus: Ja, vielleicht bringt es ja auf lange Sicht die Leute dazu, einfach zu sehen generell, was der Brauer da tut, dass das einfach eine tolle Sache ist und dass das, was er dann eben macht, entsprechend auch was Tolles ist. Und ich muss sagen, ich habe grad so überlegt, was ich bei euch schon so alles gegessen habe im Wirtshaus, also wir hatten letztes Mal einen sensationellen Kaiserschmarrn und den in Kombination mit diesem Bier, vielleicht noch ein Kügelchen Eis, aber muss vielleicht gar nicht sein, stelle ich mir ganz besonders toll vor. Also schöne Geschichte auf jeden Fall.

Andreas: Muss ich auf jeden Fall der Irmi noch sagen, dass du ihren Kaiserschmarrn so gelobt hast, da freut sie sich dann.

Markus: Ja, also das kannst du ihr auch sagen, also das war wirklich, weil, das ist halt, das ist oft so, das wird oft so ein bisschen lieblos gemacht und bei ihr war das richtig toll! Also toll präsentiert, toll vom Geschmack, vielfältig in der Aromatik, auf den Punkt, also wirklich hervorragend, kann man einfach nur so sagen. Und wie ich überhaupt finde, dass das ja bei euch auch dazu gehört, das eine ist ja die Brauerei und das Bier und das andere ist dann auch das Wirtshaus. Und es ist sicherlich ein bisschen anders, als man sich das vielleicht landläufig vorstellt, aber es ist sehr, sehr schön und macht auch richtig Spaß, dort zu sein, ich bin da immer wieder gerne. Ja, du hast ja auch die fränkische Braukunst schon studiert, also auf jeden Fall auf der Sandkerwa, da haben wir uns, glaube ich, das letzte Mal persönlich getroffen. Ah nee, halt, danach waren wir bei euch, stimmt dann aber das vorletzte Mal, wie auch immer. Gibt es da auch Einflüsse, wo du sagst, das würdest du vielleicht gerne mal in Wolnzach ausprobieren?

Andreas: Ich hätte unglaublich gern einen Gassenausschank in Wolnzach, aber ich glaube, das werde ich nicht umsetzen können.

Markus: Naja, müsste man vielleicht noch ein bisschen verlegen, irgendwie in den Ort rein, aber wer weiß, also.

Andreas: Ja, ja, wer weiß, ja. Ja, also wir haben ja, muss ich dazu sagen. als wir jetzt in Bamberg waren, ist eine unglaublich schöne Stadt, ja, wir haben da auch sehr viel mitgenommen, also auch das Bier vor Ort und dann natürlich die Sandkerwa war nochmal ein spezielles Fest dazu. Ich muss dazu sagen, es ist doch nochmal was anderes, grade zum Beispiel ein Schlenkerla frisch zu trinken als aus der Flasche. Also da war auf jeden Fall der Unterschied so aus meiner Wahrnehmung wahrscheinlich am krassesten. Aber auch die Lagerbiere, die wir da getrunken haben, also war unglaublich fein alles, ja. Ein großes Lob an das Handwerk in Bamberg, muss ich auch mal dazu sagen, ja.

Markus: Das werde ich weitergeben. Ich finde, es ist ein bisschen so wie auf dem Oktoberfest, wo ja auch die Brauereien wirklich versuchen, für dieses Fest ein Maximum an drinkability und Bierqualität zu erzeugen. So ist natürlich die Sandkerwa bei uns auch so ein Spot, auf den alle auch ein bisschen hin produzieren und dann auch versuchen, sich von ihrer besten Seite zu zeigen und das schmeckt man auch. Wobei generell Schlenkerla, das ist ein sehr, sehr gutes Stichwort, das bringt uns auch schon wieder zurück zum Holz, das ist halt auch ein Thema. Weil das, was du in der Wirtschaft bekommst, das ist halt aus einem Lagertank ins Holzfass gefüllt und dann aus dem Holzfass ausgeschenkt und das gibt dem Bier auch nochmal ein ganz anderes Aroma. Also wir haben da neulich die Probe mal gemacht und haben das Holzfass Schlenkerla da sozusagen verkosten und daneben das Normale aus der Flasche und dann gab es eine Zeitlang jetzt eine besonderer Edition, unfiltriert aus der Flasche. Und die drei nebeneinander fand ich wirklich total spannend, was das für einen Unterschied machen kann, obwohl es ja an sich schon so ein aromatisch intensives Bier ist, aber dann eben im Hintergrund, neben diesem ganzen Rauchthema, wie schön sich das dann zum Beispiel aus dem Holzfass präsentiert und wie mehr da dann eben die drinkability da ist, wie sehr viel besser das läuft, in Anführungsstrichen. Und das ist halt auch das, was man jeden Tag erlebt, wenn man da am Laden vorbeiläuft und sieht, wie da 50, 100 Leute drum rumstehen und einfach nur ihr Bierchen trinken. Das würde ja unter normalen Umständen, würden viele Leute so als fragwürdig empfinden, aber ich glaube, da ist das eben was, wo dieses frisch Zapfen dem Bier echt richtig gut tut, also insofern. Ja, was sind denn deine Pläne so für nächstes Jahr, wir haben ja die Sylvesterfolge, Pläne, Vorsätze, wie sieht es bei dir so aus?

Andreas: Ja, Vorsätze, das ist mal eine gute Frage. Ich glaube, ich mache mir mal keine, dann ist man auch nicht enttäuscht, wenn die Vorsätze nicht eingehalten werden. Nein, toi, toi, toi, also wir bauen grade, muss ich dazu sagen, wir bauen ein Haus und ich hoffe, dass das alles reibungslos dann irgendwie mal über die Bühne geht und dann in ich schon zufrieden.

Markus: Okay, na, dann wünsche ich dir da ganz viel Glück, dass das alles gut läuft mit eurem Häuschen und dass ihr euch da gut einlebt und du nochmal mehr eine Heimat findest und uns dann entsprechend auch erhalte bleibst, das ist dann auch gut für die Bierwelt, das ist dann sehr schön. Und natürlich vielen Dank für die Biere, also für die beiden, die ich hier habe sowieso, aber auch für die anderen, die du der Menschheit immer wieder schenkst. Bitte nicht aufhören damit und …

Andreas: Ich habe es nicht vor.

Markus: Sehr gut. Dann freue ich mich, wenn wir uns bald mal wieder vor Ort sehen und wünsche dir heute auf jeden Fall einen schönen Tag. Und allen, die wirklich jetzt zum Erscheinungstermin sozusagen den BierTalk hören, auf jeden Fall dann auch ein gutes neues Jahr 2023.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de

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