BierTalk 157 – Interview mit Matthias Sailer, Erster Braumeister beim Hofbräuhaus Traunstein

In dieser BierTalk-Folge geht’s nach Traunstein – in eine Stadt, in der Bier nicht nur Getränk ist, sondern Geschichte, Stolz und Alltag. Ich bin zu Gast im Hofbräuhaus Traunstein und spreche mit Matthias Sailer, dem ersten Braumeister des Hauses – und einem Mann, der seit über 20 Jahren für genau diese unverwechselbare Traunsteiner Braukunst steht. Wir schauen gemeinsam zurück bis 1612, als hier bereits gebraut wurde, und erzählen, wie sich die Brauerei vom ursprünglichen Weißbier-Betrieb unter Herzog Maximilian bis zum modernen, privat geführten Unternehmen entwickelt hat. Und natürlich geht es um Matthias ganz persönlichen Weg: vom Schulprojekt in der 9. Klasse bis zum Braumeister mit 20 – inklusive seiner Leidenschaft für Weißbier und der Frage, warum die berühmten „Bananennoten“ eben nicht einfach so passieren. Dazu gibt’s eine Verkostung mit fünf Bieren: vom alkoholfreien Zwickl über Helles und Pils bis zu Dunklem Weißbier und Dunklem Doppelbock. Eine Folge über Braukultur, Erfahrung – und darüber, wie Tradition lebendig bleibt, wenn man sie wirklich versteht. Prost!

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BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute reisen wir nach Süden, also zumindest von Bamberg aus gesehen, in eine meiner absoluten Lieblingsregionen, sowohl was Urlaub und überhaupt Lebensqualität angeht, aber natürlich auch was Bier angeht und da bin ich ganz, ganz froh, mal wieder dort sein zu können, und zwar sind wir heute in Traunstein und dort gibt es ein Hofbräuhaus. Und ein Hofbräuhaus hat natürlich auch einen Hofbräuhaus-Braumeister und den haben wir heute zu Gast, Matthias Seiler. Erst mal schön, Matthias, dass du da bist. Wir haben auch ein paar schöne Biere, freue ich mich drauf. Vielleicht stellst du dich einfach mal unseren HörerInnen kurz selber vor.

Matthias: Ja, servus, Markus, freut mich natürlich, heute dabei sein zu dürfen, spannende Angelegenheit. Ja, ich bin der Matthias Sailer, bin 39 Jahre alt und, ja, bin mittlerweile auch schon wieder seit knapp 2 Jahren erster Braumeister im Hofbräuhaus Traunstein, bin aber, sage ich jetzt mal,  mit dem Unternehmen schon länger verbunden, ich habe da, sage ich mal, eine sehr rasche Karriere hingelegt, war mit 20 schon Braumeister und bin bis 2024 zweiter Braumeister gewesen im Hofbräuhaus und, ja, habe jetzt letztes Jahr die Position gewechselt.

Markus: Das ist ja eine Turbo-Karriere, könnte man sagen, da werden wir gleich noch ein bisschen drüber sprechen. Vielleicht erst mal so ganz grundsätzlich, ich glaube, viele Leute wissen gar nicht, dass Traunstein ja wirklich eine richtige Bierstadt ist, also einerseits mit ganz viel Geschichte, aber auch mit vielen aktiven Brauereien in der Stadt und drumherum. Vielleicht kannst du das den Leuten vielleicht mal ein bisschen näherbringen, also wie schaut es denn da so in Traunstein aus und warum steht da ein Hofbräuhaus?

Matthias: Ja, das ist tatsächlich eine spannende Geschichte, weil Traunstein, wie du ja erwähnt hast, ist tatsächlich eben sehr geschichtsträchtig und war immer schon eine Beamten- und Bierstadt und immer noch haben wir drei Brauereien bei uns in der Stadt, worauf die Stadt Traunstein auch sehr stolz ist, das ist die Brauerei Wochinger, die Brauerei Schnitzelbaumer und das Hofbräuhaus in Traunstein. Hofbräuhaus deswegen, liegt daran, dass wir 1612 gegründet wurden vom damaligen Herzog Maximilian in Bayern, der ist dann später zum Kurfürsten geworden. Also das war sehr lange eine staatliche Brauerei, ich glaube, bis 1821 war das der Fall, bis das dann privatisiert wurde und, ja, war damals als Weißbierbrauerei gegründet, 1612 und, ja, mittlerweile haben wir natürlich nicht nur Weißbier, sondern das komplette bayerische Sortiment auch zu bieten.

Markus: Das war ja in Kelheim zum Beispiel so, dass die bayerischen Herzöge oder Könige dann damals gesagt haben, wir wollen uns aus dieser Sache zurückziehen, weil es für uns nicht mehr wirtschaftlich erfolgreich ist und wollten diese Brauhäuser abstoßen und haben das dann an Privatleute verkauft. War das in Traunstein dann genauso?

Matthias: Ja, das war sehr ähnlich. Also das war um diese Säkularisationszeit herum eben und da wollte der bayerische Staat tatsächlich diese Hofbräuhauser gewissermaßen abstoßen. Und bei uns war es auch so, also der bayerische König hat von 1806 bis eben 1821 das Hofbräuhaus noch verpachtet gehabt und 1821 müsste das dann gewesen sein, wo sie es dann tatsächlich verkauft haben.

Markus: Und die Räumlichkeiten und so, was ihr heute habt, das datiert alles in diese Zeit zurück oder gab es da zwischendurch mal Neubau oder so?

Matthias: Ja, es war ja so, dass wir in Traunstein 2 große Stadtbrände hatten, das war 1704 und 1851 und bei beiden Stadtbränden ist das Hofbräuhaus schon auch stark in Mitleidenschaft gezogen worden, beim ersten, meine ich, ist es sogar komplett abgebrannt und beim zweiten schon auch zu großen Teilen. Ja, aber es ist trotzdem natürlich eine tolle Sache, weil wir seit über 400 Jahren eben genau auf diesem Fleck Bier brauen, also der Ort ist derselbe. Und das ist ja das, was mich immer sehr stolz macht oder wo ich eine große Freude habe, weil ich weiß, über 400 Jahre vorher am selben Ort sind auch Leute rumgelaufen, die genau dasselbe gemacht haben, wie wir jetzt, nämlich Bier brauen.

Markus: Ja und wenn man die Fenster aufmacht, dann sieht man die Alpen, man hat die wunderschöne Voralpenlandschaft, man kann in kürzester Zeit zum Chiemsee zum Beispiel, das Bayerische Meer, also auch eine wunderbare Region, um einfach mal da zu sein, mal ein bisschen die Seele baumeln zu lassen und, wie gesagt, es gibt auch eine Menge Brauereien da. Bist du selber aus der Region?

Matthias: Also ich selber bin tatsächlich nicht aus der Region, aber nicht weit entfernt, also ich komme ursprünglich aus dem Rottal, Bayerbach nennt sich das kleine Örtchen und, ja, bin dann quasi mit 20 eben dann 95 Kilometer Richtung Süden gewandert.

Markus: Und Bier brauen war schon immer für dich ein Traumberuf oder hast du da ein bisschen über Ecken hingefunden?

Matthias: Absolut, also ich würde mich da schon als 100-prozentigen Bierbrauer, eher 1000-prozentigen Bierbrauer bezeichnen. Ich habe, ja, das war eigentlich in der Realschule, in der 9. Klasse, da hat es mal geheißen, jetzt müsst ihr ein Referat halten und ich habe einfach keine Idee gehabt, über was, weil freie Themenwahl war, aber letztendlich war es dann so, das war irgendwann das Alter, wo man sich langsam fürs Bier interessiert hat und dann habe ich da ein Referat über Bier gehalten. Und das hat mich tatsächlich richtiggehend gefesselt, das hat mich wahnsinnig interessiert und, ja, dann habe ich mich auch sehr schnell dazu entschieden, eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer zu machen.

Markus: Wahnsinn, also sehr, sehr spannend. In der 9. Klasse hatte ich die Idee, glaube ich, noch nicht, obwohl, wer weiß, so genau kann man sich ja da nicht dran zurückerinnern. Aber auf jeden Fall natürlich eine schöne Geschichte und du bist dann ja auch beim Weißbräu in Kößlarn gelandet, warst also auch mit diesem ganzen Weißbier-Thema durchaus vertraut. Ist heute auch noch ein großes Thema bei euch in Traunstein, oder?

Matthias: Ja, so ist es. Also ich habe eben, wie du erwähnt hast, in einer Weißbierbrauerei gelernt, wobei wir damals auch schon untergäriges Bier gemacht haben, aber größtenteils Weißbier. Und das ist natürlich jetzt noch ein Thema, also das ist eine Sorte, die mich absolut interessiert. Die leider ein bisschen unter Druck ist momentan, wie wir alle wissen, vor allem seit der Corona-Zeit. Aber es ist halt eine unglaublich schöne Biersorte, eine klassisch bayerische Biersorte und zwar auch immer schon im Hofbräuhaus mein Favorit, muss ich sagen.

Markus: Ja und was ich auch sagen muss, Weißbier ist eine der wenigen Biersorten oder Bierstile, wenn ich international unterwegs bin, bei irgendwelchen Wettbewerben oder so, man merkt, die tun sich alle unglaublich schwer, also ein richtig gutes Weißbier zu machen, was das Profil auch trifft, was vom Mundgefühl, von der Karbonisierung, aber eben auch von der Aromatik so ist, wie das, was man aus diesen ganz klassischen oberbayerischen Weißbierbrauereien kennt, das scheint richtig schwer zu sein. Hast du da eine Idee, warum das so ist? Weil, ich meine, viele haben ja auch Technologie und Anlagen und so weiter, geht ja alles, aber irgendwie ist das Endergebnis nie so, wie wenn man zu einer Brauerei wie zu euch kommt.

Matthias: Ja, das mag vielleicht auch an der sehr langen Erfahrung liegen, die wir damit haben, ich glaube, dass das einfach so stark in unserer Erfahrung, in unserer Geschichte verwurzelt ist, das Weißbier, dass da einfach sehr, sehr viel Kompetenz da ist. Und gerade bei uns, Weißbier ist für mich eine ganz wichtige Geschichte, und da habe ich noch eine Anekdote dazu. Ich war immer ein sehr großer Freund eines relativ bananigen Weißbieres, also diese bananige Note, die Fruchtnote, die hat es mir sehr, sehr angetan, das war immer mein Ziel, auch im Hofbräuhaus, als ich da als zweiter Braumeister begonnen habe und habe da sehr lange hingefeilt und irgendwie ist es nie ganz so richtig geworden, also nie richtig konstant geworden, die Banane. Und dann bin ich hergegangen, auf der Messe habe ich einen befreundeten Braumeister getroffen, Müller Frank, und der hat mir dann einen Tipp gegeben, ich nenne jetzt keine Namen, kauf dir mal bei der und der Hefebank die 68er aus Weihenstephan, also gleicher Name, aber die wirkt anders und die produziert die Banane dann, ja, sehr, sehr konstant. Das hat dann auch nicht ganz funktioniert, aber irgendwann bin ich dann hergegangen und dann hat es mir gereicht und ich habe diese Hefe dann von der Hefebank, diese Alternativ 68er bezogen und habe die Büchse dann neutralisiert und bin nach Weihenstephan zu unserer Hefebank rauf und habe gesagt, so, jetzt isoliert es mir das Ganze, ich will nur noch diese Hefe haben und von euch topfit gepflegt. Und das ist jetzt mittlerweile schon seit knapp 10 Jahren so und die arbeitet jetzt zuverlässig und die macht mir genau das Geschmacks- und Geruchsprofil so, wie ich mir das vorstelle.

Markus: Also das macht mir jetzt ja richtig schon Vorfreude und Lust auf das Weißbier, das du mir auch geschickt hast, also 5 wunderbare Flaschen habe ich da vor mir stehen. Und man sagt ja immer, man soll nicht so viel über Bier reden, man soll es lieber auch probieren, vielleicht sollten wir damit mal anfangen. Wie möchtest du es, in welcher Reihenfolge möchtest du es denn haben, womit wollen wir anfangen?

Matthias: Also letztendlich haben wir jetzt 5 Biersorten da aus unserem Haus, das ist einerseits das Zwickl Alkoholfrei, ja, alkoholfreies Freestyle-Produkt, sage ich immer, das ganz interessant ist zum Verkosten. Dann habe ich ein Helles von uns da, der Klassiker. Also es sind nahezu 80 Prozent unserer Hektoliter, sind helles Bier. Dann habe ich unser wunderbares Pilz noch da. Und beim Weißbier habe ich an unser dunkles Weißbier gedacht, weil das ja auch irgendwo unsere Ur-Sorte ist im Hofbräuhaus. Also logischerweise, 1612 haben die nur Weißbier gebraut und zwangsläufig war das damals dunkel und dementsprechend wollte ich mit dir dieses dunkle Weißbier verkosten. Und ganz zum Abschluss noch unseren dunklen Doppelbock, der Maximilian, nennt sich der, mit über 19 & Stammwürze. Und, ja, ich würde jetzt, ehrlich gesagt, mal mit einem Alkoholfreien sanft beginnen und dann steigern wir uns, würde ich sagen.

Markus: Wunderbar, also dann machen wir das sehr gerne. Zu Maximilian muss ich noch sagen, der kommt so unschuldig daher in seinem kleinen Fläschchen, aber ich glaube auch, der hat es dann ganz schön in sich, werden wir dann gleich probieren. Aber gut, dann machen wir mal das Zwickl auf.

Matthias: Also beim Zwickl Alkoholfrei muss man dazu sagen, das ist sozusagen mit 2 alternativen Hefen vergoren, das sind Glucosevergärer und die Stammwürze ist eben so, ja, mit knapp 7 % Prozent berechnet, dass wir am Schluss so bei 0,4 % Alkohol rauskommen. Und, ja, ist ein ganz interessantes Produkt, weil es sehr einzigartig ist in seiner Herstellung. Und, ja, lass dich überraschen, wie es wirkt auf dich.

Markus: Das mache ich auf jeden Fall. Also schon mal optisch, auf jeden Fall, ist es wunderschön, also es ist verhältnismäßig hell, hat eine tolle Trübung, so ein bisschen geheimnisvoll schimmert es mich so an. Obendrauf ein sehr schöner weißer Schaum, der da immer noch wie eine Eins steht, ganz viele kleine Poren, ganz dicht und man merkt auch schon am Glas, wie der richtig schön da auch so stehen bleibt und kleben bleibt und so die klassischen Ringe sozusagen bildet, also das ist schon optisch auf jeden Fall eine Augenweide. In der Nase hat man auf jeden Fall die klassischen Bieraromen, also malzig, ein bisschen Honig, ein bisschen Brot, ein bisschen so Weißbrot, in so eine Richtung. Und auf der anderen Seite aber auch Hopfen, also bisschen kräuterige Noten, diese berühmte Blumenwiese so ein bisschen, ein bisschen heuig.

Matthias: Genau.

Markus: Aber auch ein bisschen was Fruchtiges, also ein bisschen so leichte Citrusnoten, die ja auch gerne mal vom Hopfen kommen. Also in der Nase auf jeden Fall wunderbar bierig, trifft auf jeden Fall den Kern. Und, ja, weiß ich nicht, gibt es was zu ergänzen in der Nase, wo du sagst, das wäre dir noch wichtig zu sagen?

Matthias: Nee, ich glaube, du hast das ziemlich gut umrissen. Also es ist tatsächlich, wir haben da mit Hopfen auch ziemlich gespielt, da kommen wir vielleicht später noch drauf. Also bei uns haben wir die Möglichkeit, die Kaltwürzegärung, die Kaltsedimentation anzuwenden und das eignet sich auch ganz gut, dass man dann mit dem Hopfen immer wieder ein bisschen spielt, mit der Kalthopfung. Und, ja, die Hopfenaromen hast du sehr gut beschrieben, also Blumenwiese, heuig und diese leichte Citrusrichtung, das ist die Mischung zweier Hallertauer-Hopfen, die das ergibt. Und, ja, die überdecken natürlich auch leicht dieses Würzeartige, das hast du ja zwangsläufig in solchen Produkten, das wird da sehr gut zugedeckt damit. Und, ja, absolutes, muss ich auch dazu sagen, absolutes Trendprodukt, also momentan 52 % plus in diesem Jahr, wird vom Endverbraucher sehr gut angenommen.

Markus: Ja, na dann, probieren wir mal. Prost, einen schönen Morgen noch mal.

Matthias: Prost!

Markus: Also schönes weiches Mundgefühl, angenehm auf der Zunge. Es hat ein schönes Spiel zwischen Süße, die am Anfang kommt und einer leichten Säure, die sich dann so nach und nach entwickelt und ganz hinten raus legt sich dann die Hopfenbittere drüber. Ist so leicht stringierend, also klärt so ein bisschen den Mund wieder. Ich finde, die Süße bleibt aber auch relativ lang, also so ein bisschen diese Honig- malzigen Aromen, angenehm, sind lange da und auf jeden Fall auch schön erfrischend und sehr konsistent, also vom Anfang bis zum Ende eine schöne Intensität. Also nicht wässrig oder so, wie man sich das manchmal bei so alkoholfreien Bieren vorstellt, sondern wirklich einen richtigen eigenen Geschmack. Und ich kann mir richtig gut vorstellen, dass das im Sommer, wenn man da so im Biergarten sitzt, der beste Durchlöscher überhaupt ist. Also sehr, sehr schön, ist euch gut gelungen.

Matthias: Hat tatsächlich Drinkability und es ist ja bei alkoholfreien Bieren nicht ganz so einfach, eine Drinkability zu erzeugen. Aber wie du es gesagt hast, also diese, ja, ausgewogene Mischung zwischen Süße, Säure und Hopfenbittere, ja, das harmoniert da absolut und regt tatsächlich auch zum Weitertrinken an..

Markus: Genau. Und wenn wir schon mal den Chefbraumeister da haben, also du hast jetzt gesagt, mit 2 verschiedenen Hefen. Sind das dann Prozesse, die getrennt voneinander ablaufen oder gemeinsam?

Matthias: Es ist tatsächlich eine sogenannte Mischfermentation, also die beiden Hefen arbeiten da gemeinsam in der Hauptgärung und Nachgärung, es läuft Hand in Hand. Die Würze, die wir da ruhen lassen, damit sich die noch mal klären kann, damit sie den Kühldruck abscheidet, das passiert bei uns so 5 bis 6 Stunden lang und während diesem Prozess geben wir dann schon den Hopfen dazu, also den Kalthopfen dazu. Und dadurch, dass die Gärung ja nicht so wahnsinnig intensiv ist, treibt die CO2 jetzt diese Hopfenöle aus dem Bier nicht so stark aus, also die bleiben uns da schon gut erhalten.

Markus: Und wie lange experimentiert man rum, bis man bei dieser Qualität ankommt?

Matthias: Ja, es ist dadurch, dass es keine Erfahrungswerte gab, haben wir schon lang rumexperimentiert, wir sind ja 2020 auf den Markt gekommen damit und haben ja die 2 Jahre davor schon gut Forschungsarbeit betrieben, haben uns dann 2020 entschieden, das auf den Markt zu geben, und auch in der Zwischenzeit haben wir immer wieder gefeilt und immer wieder angepasst. Also es ist tatsächlich gar nicht leicht, konstant ein derartiges Produkt herzustellen.

Markus: Was mir auffällt, ist, ihr habt es in einer 0,33er-Flasche, also in einer kleinen Flasche. Läuft es einfach besser oder steckt da auch eine Idee dahinter?

Matthias: Das war von Anfang an so gewollt, weil wir einfach da eine elegante Flasche haben wollten, dafür ist es ein komplett neuartiges Produkt. Und, ja, die Vichy-0,33-Flasche ist ja bei uns im Hause die absolute Lieblingsflasche und die haben wir dann dafür auserkoren und wollten da einfach mal ein bisschen gegen den Strom schwimmen und ein alkoholfreies Bier mal in der 0,33er anbieten.

Markus: Ja und läuft ja offensichtlich, wenn du sagst, über 50 % plus. Was ist da so das Feedback, was sagen euch die Leute, wenn die euch berichten, wenn sie es probiert haben?

Matthias: Also es ist tatsächlich sehr, sehr positiv, weil es auch so ist, dass sehr viele Frauen das sehr gerne mögen, die Süße, die wir drin haben, macht es gewissermaßen gefällig. Und es ist tatsächlich durchgehend positiv, muss ich wirklich sage, also da gibt es ganz, ganz wenige Negativmeldungen.

Markus: Habt ihr noch andere alkoholfreie Biere, also Weizen zum Beispiel oder so?

Matthias: Also wir haben auch noch ein alkoholfreies Weizen und ein alkoholfreies Helles, aber die meiste Dynamik ist jetzt gerade in diesem Zwickl Alkoholfrei drin.

Markus: Ich kann mir das gut vorstellen, weil, es gibt ja einfach für das Alkoholfreie neben der klassischen Zielgruppe, die jetzt, sagen wir mal, vielleicht eben zum Weizen oder zum Hellen greift, weil sie halt aus irgendwelchen Gründen kein normales Weizen oder Helles trinken kann, gibt es ja irgendwie eine neue Zielgruppe, die vielleicht überhaupt nicht vom alkoholischen Bier kommt, die einfach nur ein schönes Getränk haben will. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die von dem Zwickl echt gut abgeholt werden, weil es eine schöne, runde Aromatik ist, die irgendwie schon bierig ist, aber eben nicht extrem, aber in sich eben auch von der Säure, von der Süße, von der Bittere sehr ausgewogen und eben auch schön passt. Also kann ich mir echt gut vorstellen, dass auch jemand, der vielleicht kein klassischer Biertrinker oder Biertrinkerin ist, daran gefallen findet. Das finde ich auf jeden Fall gut, tolle Entwicklung, schön.

Matthias: So ist es, ja. Und du siehst das ja auch auf der Front, also auf dem Bauchetikett und auf dem Brustetikett erwähnen wir erst mal das Wort Bier noch gar nicht, also es ist tatsächlich nur dieser Begriff Zwickl Alkoholfrei drauf und, ja, eben drum gewissermaßen auch ein Freestyle-Produkt, das auch den klassischen oder nicht unbedingt den klassischen Biertrinker oder Alkoholfreitrinker anspricht, sondern das ist einfach mal ein interessanter, etwas anderer Entwurf von einem alkoholfreien Bier.

Markus: Auf jeden Fall. Und ich muss sagen, so auf den ersten Blick ist mir auch alkoholfrei nicht aufgefallen, also weil, das Etikett an sich ist mit so blauem Hintergrund, Blümchen und Hopfen und so Sachen und das alkoholfrei ist auch in dieser Farbe und damit verschwimmt es erst mal so ein bisschen und man sieht es erst mal nur als Zwickl, also es dauert ein bisschen, bis man da dahinterkommt. Das finde ich auch ganz pfiffig, also einfach mal ein selbstbewusstes eigenes Produkt, wie du eben so sagst, schön. Ja, also, ja, ist man ja als Franke auch immer so ein bisschen, überlegt man sich, wenn man so Kellerbiere, Zwickl-Biere von woanders sozusagen kennt, aber das gefällt mir wirklich sehr, sehr gut, also schön, kann ich mir gut vorstellen, dass im Sommer öfters mal zu haben. Apropos, wie breit ist denn eure Verbreitung so, also um Traunstein rum, wo kriege ich eure Biere?

Matthias: Also grundsätzlich ist es so, dass wir eine Brauerei sind, die einen sehr hohen Fassbieranteil hat, also 45 % unserer Hektoliter gehen ins Fass, das heißt, wir sind grundsätzlich eher gastronomieorientiert. Wir sind zwar auch im Export sehr gut vertreten, vor allem in Österreich und in Italien, aber da auch größtenteils im Fass. Und der Handel spielt bei uns mittlerweile seit Corona immer wieder eine größere Rolle, aber, ich sage mal, in der Heimatregion ist es so, dass wir so in einem Radius von 60 Kilometer richtig stark sind, aber sind auch in München vertreten, haben auch Vertriebsgebiete in Baden-Württemberg, in Berlin. Im Export geht es noch weiter rum, wir haben einen sehr umtriebigen Exportleiter, da werden wir jetzt wahrscheinlich in Japan angreifen. Also das sind natürlich nicht so viele Hektoliter, aber, ja, der Großteil ist auf alle Fälle bei uns in der Region beheimatet.

Markus: Und dieser Begriff Hofbräuhaus, also normalerweise hätte ich jetzt gedacht, wenn jetzt jemand nach München kommt und sagt, ich verkaufe jetzt als Hofbräuhaus dort ein Bier, dann kommt erst mal so ein Markenanwalt oder so, aber das ist eine Sache, die alle führen dürfen, die mal Hofbräuhäuser waren, oder?

Matthias: Ja, wir sind da schon immer im Dialog mit dem Hofbräuhaus München und entsprechend mit Abgrenzungsvereinbarungen und so weiter und so fort, aber im Prinzip kommen wir aus. Und, ja, letztendlich ist es ja auch so, dass auch wir eben ein echtes Hofbräuhaus sind und dementsprechend dürfen wir natürlich den Namen auch tragen.

Markus: Ja, auf jeden Fall. Es gab ja über 25, glaube ich, und selbst in Bamberg hatten wir eine Hofbräu, also, insofern. Das war natürlich damals auch ein Titel, den die Herrscher auch verliehen haben, wenn sie Unternehmen in irgendeiner Art und Weise ehren oder loben oder sonst irgendwie was Gutes tun wollten, dann haben sie das gemacht, interessant. Letzte Frage vielleicht zu dem Zwickl, gibt es das dann auch im Fass, funktioniert das?

Matthias: Nein, das würde nicht funktionieren, also wir haben da noch vergärbaren  Zucker drin und dementsprechend wäre es jetzt nicht möglich, das im Fass anzubieten.

Markus: Okay, also das ist dann ein reines Flaschenthema, aber auf jeden Fall, wie gesagt, sehr, sehr schön und ein guter Start, würde ich mal sagen. Womit machen wir denn weiter?

Matthias: Jetzt ,würde ich sagen, jetzt konzentrieren wir uns auf unsere Lieblinge in Sachen Genuss natürlich, das ist schon einmal eine Stufe drüber, also ich würde jetzt weitermachen mit unserem absoluten Klassiker, unserem Hellen. Ja, eben knappe 80 sozusagen unserer Hektoliter sind Helles, also wir bieten zwar 16 Biersorten an, aber wir sind in einer Region beheimatet, in der absolut, ja, das bayerische Hell der Renner ist.

Markus: Okay, na dann machen wir es auch, wenn wir schon mal so ein Parade-Helles haben.

Matthias: Ich muss dazu sagen, dass unser Helles ein P12 ist, also das heißt, wir haben hier Exportbier- Qualität. Ist hier in der Region tatsächlich noch öfter der Fall, dass Brauereien ihr Helles als P12-Bier interpretieren. Also das ist natürlich schon so, dass wir da ein bisschen mehr Malzanteil grundsätzlich drin haben, aber trotzdem absolut unser Ziel, ein sehr schlankes, elegantes Bier herzustellen, das, ja, einfach dem bayerischen Hellen absolut entspricht.

Markus: Ja, also für alle Hörerinnen und Hörer da draußen, die mit P12 jetzt nicht gleich was anfangen können, es geht um Stammwürzegehalt, also wie viel letzten Endes an Malz eingesetzt wird, um das Bier herzustellen, und da sind wir eben bei, sage ich mal, einer normalen Malzmenge. Viele brauen das Helle eben etwas weniger ein, etwas leichter, um eben da vom Alkoholgehalt und von der Intensität ein bisschen runterzukommen. Aber ich mag es auch gerne, ehrlich gesagt, wenn es eher ein bisschen kräftiger ist. Und, ja, also im Glas auf jeden Fall perfekt, also da kann man wirklich überhaupt nichts sagen, wie der Franke so als höchstes Lob sagt. Also perfekt klar, absolut, ja, glanzfein, wie man so schön sagt, die Perlen steigen fein auf, die Farbe ganz schönes intensives Gold, also helles Gold, sehr, sehr schön. Und obendrauf der Schaum, den wir gerade auch schon so hatten, also ganz schön, schön weiß, stabil. Den kann man hier auch ganz schön von unten anschauen, das mache ich immer ganz gern bei so Hellen, weil man da sieht, wie dieser Schaumteppich oben auf dem Bier so drauf ist mit den gleichmäßigen Poren. Ganz schön, macht richtig Lust, also optisch auf jeden Fall schon mal eine absolute Bombe. Jetzt riechen wir mal rein. Ja, geruchlich auch absolut spot-on, also das ist schon sehr schön. Und das ist auch sowas, ähnlich wie beim Weißbier, so diese richtig guten Hellen, da gibt es tatsächlich schon offensichtlich eine Fähigkeit in Bayern, das noch mal anders zu machen als sonst wo, sehr schön. Also man hat einerseits das hopfige Aroma, ein bisschen Citrus, ein bisschen grasig, blumig, sehr, sehr schön, ganz leichter Honigaromen im Hintergrund, dann das Malzige dazu, sehr intensiv und sehr rund, aber auch sehr ausgewogen. Also für ein Helles einfach auch ausdrucksvoll, ohne zu intensiv zu sein. Das ist oft so die Kunst, also viele Helle haben einfach ein sehr schwaches Aroma, wo man sich dann immer fragt, wo ist jetzt das Bier, aber hier habe ich das wunderbar. Und auch so ein bisschen, ja, richtig frisch. Und mir gefällt die Hopfenaromatik da drin richtig gut, also die kommt total schön rüber und wird unterstützt vom Malzigen. Aber es ist genau so, wie es sein soll, also hervorragend.

Matthias: Ja, es ist immer noch dezent, aber, genau, wie du sagst, dass, ja, unterstützt sich mit dem Malz da gegenseitig sehr, sehr gut und, ja, absolut. Ich muss zugeben, ich habe jetzt schon mal bei deiner Beschreibung so viel Lust bekommen, dass ich zwischendrin schon mal getrunken habe.

Markus: Das werde ich jetzt auch gleich machen. Ja, es geht so weiter, also ganz schönes Mundgefühl, ganz weich, ganz schöne Kohlensäure auf der Zunge.

Nicht zu süß, das finde ich auch gut, also man hat eine leichte Süße, aber die ist eher dezent. Dann leichtes Säuregegenspiel und hinten raus dann die Bittere.

Durchaus etwas selbstbewusst, also vielleicht ein bisschen selbstbewusster als bei anderen Hellen, aber sehr schön und immer noch sehr harmonisch, sehr ruhig. Und vor allem das Schöne ist, die Aromen, die wir in der Nase hatten, sind genau so auch im Mund und bleiben die ganze Zeit da. Also es hat keine Leere, hat keine Schwankungen dazwischen, sondern es ist wirklich vom ersten bis zum letzten Schluck, man hat das Malzige, man hat diese leichte Honignote, man hat das getreidige Weißbrot auch wieder so ein bisschen, das ist ein bisschen was, was wir auch schon im Zwickl hatten, und dann eben die Hopfennote, die dann so hinten raus übernimmt und einfach noch mal den Gegenspieler macht und uns so ein bisschen auf die Wiese entführt so. Also sehr schön, doch, gefällt mir richtig gut, tolles Bier.

Matthias: Vielen Dank. Ja, ist ein sehr ausgewogenes Bier und, ja, wie du weißt, ein bayerisches Helles darf ja nicht unbedingt in eine Richtung krass ausschlagen, du brauchst ein harmonisches Bier, ein elegantes, ausgewogenes Bier und das ist unser Anspruch. Und tatsächlich ist es so, dass wir da auch sehr viel Energie reinstecken und sehr viel Aufwand reinstecken, das ist tatsächlich die alte bayerische Art der Bierherstellung. Wir haben ein Zweitankverfahren, eigentlich sogar ein Dreitankverfahren, da wir hier auch wieder diese Kaltsedimentation anwenden zur Kühldruckabscheidung. Das heißt, wir lassen die Würze im Sedimentationsbottich, bevor die Hefe dazukommt, einfach noch mal 5 bis 6 Stunden ruhen und während dieser Zeit setzt sich der Kühldruck ab und der behindert dann die Hefe nicht so stark bei der Fermentation. Also es ist bei uns größtenteils dann auch so, dass wir ein Erntehefeverfahren haben, also keine Propagationshefe oder nur anteilig, das ist unser Anspruch. Und das ist im Prinzip eigentlich das, was die alten Bierbrauer ja vor 100 Jahren schon gewusst haben, die waren ja nicht blöd, die wussten ja vor 100 Jahren schon, was müssen wir machen, dass da ein topp Bier rauskommt. Und sehr viel von diesem Wissen haben wir bei uns in der Brauerei jetzt versehen mit moderner Technik und lassen wir immer noch arbeiten, sage ich mal.

Markus: Kann man sagen, dass durch diese Sedimentation dann die Gärung schneller oder harmonischer oder irgendwie besser abläuft? Also wie könnte man das definieren, was macht das für die Hefe dann einfacher für die Gärung?

Matthias: Ja, letztendlich ist es so, dass sich dieser Kühldruck sonst an der Zelle, an der Außenwand der Hefezelle abladen würde und, ja, die Hefe gewissermaßen verschmieren würde. Diese Kühldruckabtrennung ist ja schon lange ein bisschen so ein Diskussionspunkt bei den Bierbrauern, aber wir haben mit unserem Erntehefeverfahren tatsächlich da die Erfahrung gemacht, dass das unserer Hefe richtig guttut. Und wir verwenden die Hefen auch 4- bis 5-, vielleicht 6-mal und, ja, wenn die einfach in dieser Zeit nicht verschmiert wurde durch diesen Kühldruck, dann bleibt die bis zum Schluss leistungsfähig.

Markus: Ja und das Ergebnis spricht ja eindeutig für euch. Du sagst, das hat jetzt 80 % Anteil. War das auch schon vor dem großen Hellen-Hype ähnlich oder hat sich das auch noch mal mehr entwickelt in den letzten Jahren?

Matthias: Es hat sich noch ein bisschen weiterentwickelt, wobei in dem Zeitraum, in dem ich es überschauen kann, also die letzten 20 Jahre, vor 20 Jahren hatten wir halt da einen Anteil von knapp 70 % und jetzt sind wir mittlerweile eben bei 80 % gelandet.

Markus: Ja, aber das sind halt ganz andere Zahlen als wir das hier zum Beispiel bei uns haben oder vielleicht noch weiter weg, wenn man nach Berlin oder Köln oder sonst wo guckt. Das finde ich schon sehr erstaunlich, wie da Helles als Bierstil so den Trend übernommen hat, so ein bisschen den Stab übernommen hat vom Weißbier und wirklich also gerade in so Metropolen wie Berlin, aber mittlerweile ja deutschlandweit ein Trend geworden ist und wie letzten Endes alle versuchen, genau das mehr oder weniger nachzubrauen, was wir hier im Glas haben. Mit bedingtem Erfolg, manche machen es gut, manche haben noch Wege zu gehen, sagen wir mal so. Aber es ist wirklich interessant, dass Leute diesen Bierstil so lieben und schätzen gelernt haben. Weil es ist ja nicht so, also viele sagen ja dann immer, naja, es hat halt wenig Geschmack. So ist es ja gar nicht, es hat schon Geschmack, es ist halt einfach total rund und total balanciert und damit halt anders als ein Weißbier, was jetzt eben sehr stark die Hefenote spielt oder ein Pils, was sehr stark die Bittere oder die Hopfennote spielt oder so, hier haben wir halt einfach diese Ausgewogenheit, was ja wirklich, ja, einfach toll ist und ich glaube, das ist auch der Grund, warum das bei den Leuten so gut ankommt. Ja, also ihr seht das als konsistenten Trend auch für euch für die nächsten Jahre, ja, wirklich schön. Gibt es denn so einen Killer-Trick, wenn wir jetzt so Heimbrauer zum Beispiel haben, die zuhören und die sagen, ich möchte mal bei mir zu Hause in meinem Kochtopf ein Helles machen, also, keine Ahnung, geht das überhaupt oder gibt es irgendwas, wo du sagst, also das, wenn sie das machen, dann haben sie schon mal die halbe Miete so ungefähr?

Matthias: Ja, das ist natürlich gar nicht so einfach, weil du im Heimbrauerbereich halt beim Hellen tatsächlich immer das Problem hast, dass dieses Produkt sehr sauerstoffanfällig ist und da hast du die technischen Möglichkeiten halt nur sehr schwer oder es ist wirklich sehr schwierig, den Sauerstoff da fernzuhalten und das ist ein bisschen eine Problematik. Aber was mit Sicherheit ganz wichtig ist und ganz positiv ist, wenn man so eine gute untergärige Hefe hat, die kann man sich bei irgendeiner Brauerei in der Nachbarschaft besorgen, die Brauereien sind da meistens recht freizügig und gute untergärige Hefe ist schon mal das Erste, um im kleinen Bereich auch ein gutes Helles herstellen zu können.

Markus: Hast du selber auch eine Hobbybrauer-Vergangenheit?

Matthias: Nein, habe ich nicht, aber ich muss sagen, du hast das vorher erwähnt, ich habe ja beim Weißbrau in Kößlarn gelernt, das ist eine sehr kleine Brauerei und habe da wirklich noch jeden einzelnen Handgriff gelernt beim Bierbrauen in dem Sudhaus, die Brauerei gibt es immer noch. Und, ja, das ist, sage ich mal, für die Basics eines Bierbrauers, ist das absolut toll gewesen, absolut wichtig gewesen, weil damit, ja, hast du halt wirklich alles vom Grund auf erlernt und dieses Wissen, ja, kann ich heute noch anwenden.

Markus: Apropos Wissen anwenden, ihr habt ja auch diese großen Kupfergefäße. Müsst ihr die auch noch mehr oder weniger täglich putzen oder wie macht ihr das?

Matthias: Die Außenreinigung der Kupfergefäße in unserem Sudhaus, das ist tatsächlich ein wunderschönes Kupfersudhaus, das wir da haben, ja, machen wir einmal in der Woche, machen wir da eine große Außenreinigung. Machen die Biersieder auch immer wieder mit Freude, weil einfach dann das sehr, sehr toll ist, wenn du am Freitag nach Hause gehst und schaust dir dieses wunderbare Kupfersudhaus an und das Kupfer glänzt dann, also das ist was absolut Tolles, das freut die Bierbrauerszene.

Markus: Ja, also da kann ich mich noch daran erinnern, ich war vor, oh Gott, 12 Jahren oder so was oder 15, weiß ich gar nicht, bei euch im Zuge der Recherche für ein Buch über alle Brauereien in Bayern und habe da eben alle besucht und die Fränkischen hatte ich ja logischerweise schon, aber die Bayerischen eben noch nicht. Und da kann ich mich noch gut erinnern, vor allem, weil ihr auch diese bayerischen Rauten überall habt, ne?

Matthias: So ist es, ja. Also tatsächlich frisch abgeschlossen hatten wir jetzt eine Baustelle, in dem ich den neuen Läuterbottich eingesetzt habe, also wir haben einen neuen Läuterbottich bekommen in diesem Sudhaus und der Läuterbottich war zuvor noch das einzige Gefäß bei uns im Sudhaus, das zu 100 % aus Kupfer war und nach 65 Jahren hat es jetzt mal den Geist aufgegeben. Jetzt sind wir da in einer sehr komplexen Baustelle ein Edelstahlgefäß rein, aber, es wäre natürlich eine Sünde, einfach da ein nacktes Edelstahlgefäß reinzustellen, wir haben dann die Kupferhaube runtergeschnitten, haben diese Kupferhaube dann im Nachgang wieder aufgesetzt und neu gefliest mit italienischen Fliesen, wieder in schönen weiß-blauen Rauten, also es ist ganz toll geworden und, ja, so sieht das aus. Es ist immer bei uns eine große Herausforderung, mit wenig Platz etwas Tolles zu machen und es ist uns da, glaube ich, aber auch wieder sehr gut gelungen.

Markus: Kann man das eigentlich besichtigen, also kann man vorbeikommen, gibt es Brauereiführungen oder so?

Matthias: Ja, Brauereiführungen spielen eine große Rolle bei uns, also das sind fast 10.000 Besucher jedes Jahr, da kann man sich auf der Homepage informieren. Und es sind sogar sehr viele Brauereiführungen, die da durch laufen.

Markus: Ah ja, okay, na, dann könnt ihr alle mal vorbeischauen, die ihr da jetzt zuhört. Habt ihr denn geschmacklich eine Veränderung gemerkt, nachdem ihr den Läuterbottich gegen den Edelstahlbottich ersetzt habt?

Matthias: Also wir sind tatsächlich erst in der 3. Sudwoche, ich kann es noch nicht sagen. Also die Biere sind jetzt momentan ganz frisch im Lagerkeller gelandet, aber ich gehe davon aus, dass da nichts ist, dass da keine Aufweichungen gibt, und das ist natürlich auch unser Ziel.

Markus: Ja, aber es wäre interessant, also ob das vom Material her was ausmacht. Ich habe mal einen Braumeister hier lange gesprochen und der hat eben damals erzählt, also die haben damals das Kühlschiff ersetzt durch moderne Technologie und haben dann festgestellt, dass die Biere tatsächlich wirklich deutlich anders geschmeckt haben und haben sich dann so ein kleines Kühlschiff aus dem Alten machen lassen und nutzen das jetzt so ein bisschen in der Kombination, um das so ein bisschen wieder hinzubekommen, was ihnen wichtig war. Und das fand ich ganz interessant, also dass man da eben manchmal auch Veränderungen bemerkt. Aber gut, das werden wir dann ja sehen. Das heißt, also noch trinken wir hier jetzt Biere, die über den alten Läuterbottich gelaufen sind sozusagen.

Matthias: Genau so ist es, ja.

Markus: Apropos Bier trinken, womit machen wir denn weiter?

Matthias: Ja, ich würde jetzt vorschlagen, dass wir dann noch in Richtung Pils gehen, ist so meine Lieblingsbiersorte. Ich muss dazu sagen, dass das ein absolut klassisches, bayerisches Pils ist. Also hier ist es eigentlich uns auch ganz wichtig, uns ein bisschen an das Helle anzulehnen, wir wollen ein ausbalanciertes Bier herstellen, ein gefälliges Bier herstellen, mit einer eleganten, schönen Hopfencharakteristik, die aber nicht übertrieben ist. Aber wir überzeugen uns jetzt einfach selbst davon.

Markus: Genau, das machen wir. So, offen ist es und hinein. So, da ist es. Ja, also optisch sind wir in der Tat ungefähr da, wo das Helle auch war. Ich überlege gerade, ob es von der Farbe her nicht sogar einen Tick heller ist, aber vielleicht täuscht mich das jetzt, das kann sein, also ich habe ja auch nicht das perfekteste Licht.

Matthias: Sehr ähnlich, mit Sicherheit. Also wir stellen da unsere Biere auch tatsächlich mit 100 % Pilsner-Malz her, und das ist auch unser Ziel, dass die Biere, gerade das Helle und das Pils, dass die so licht wie möglich sind. Das ist ein bisschen eine Charakteristik, die das Hofbräuhaus nach dem Zweiten Weltkrieg schon entwickelt hat, die wollten damals in den 50er-Jahren schon Biere herstellen, die möglichst hell sind.

Markus: Ja, also von der Farbe her, wie gesagt, für mich kommt es fast sogar so rüber, als wäre es ein bisschen heller als das Helle, aber, wie gesagt, das kann jetzt wirklich die Beleuchtung sein. Du sagst 100 % Pilsner-Malz, ich fand es ganz witzig, mir haben mal ein paar Leute erzählt, dass in vielen Hellen so ein kleiner Anteil Münchner Malz drin ist, 5 oder 10%. Machen die das wegen der Farbe oder auch wegen einer geschmacklichen Komponente oder ist das vielleicht Tradition, weißt du da was?

Matthias: Ja, wahrscheinlich eine Mischung aus allem, aber ich würde mal vermuten, am ehesten natürlich aus der farblichen Seite heraus, weil das die Farbe natürlich dann ein bisschen mehr in die Goldrichtung drückt. Aber wir gehen hier in einen anderen Weg, wir wollen unbedingt so hell wie möglich sein.

Markus: Ja und das seid ihr auch, also auch beim Pils, wunderbar. Ja und wie du es gesagt hast, also die Nase ist in der Tat, da ist der Zeiger jetzt so ein bisschen mehr auf der Hopfenseite, aber eben nur ein bisschen. Wir haben trotzdem auch die malzigen Komponenten, wir haben wieder dieses schöne, leichte Honig-, Getreide-, Biskuit-, Weißbrot-Aroma, was vom Malz her kommt und auf der anderen Seite, der Hopfen ist für mich jetzt sehr floral, sehr blumig, ja, fast so ein bisschen Kamille, so kräuterig. Also wirklich eine schöne Aromatik, die sich auch gut ergänzt mit diesen Malznoten, also das kommt da sehr schön zusammen und es wirkt auch schon in der Nase sehr weich, obwohl man es ja noch gar nicht im Mund hat, aber wirkt auf jeden Fall so, und, wie gesagt, verbindet sich schön. Also diese Honignoten sind dann fast so ein bisschen wie ein Wildblütenhonig oder so und da hat man zusammen wirklich eine tolle Nase, das gefällt mir richtig gut. Habt ihr da spezielle Hopfen am Start?

Matthias: Also wir verwenden zu 100 % Hopfen aus der Hallertau. Und was du jetzt so schön beschrieben hast, ist größtenteils die Frucht vom Hallertau Select. Also es ist tatsächlich so, diese Florallnoten, diese Blumenwiese, das Heuige, leicht Kamille, das stammt größtenteils vom Select. Und, ja, ist auch bei uns, Hopfen war schon immer ein großes Thema. Wir arbeiten da direkt zusammen mit Hopfenbauern beziehungsweise auch mit der IGN jetzt, einer kleinen Pflanzergemeinschaft und wollen da absolut Kontakt haben zum Pflanzer, zur Pflanzergemeinschaft, sodass wir da wirklich nah dran sind an unserem Rohstoff und sind dann auch bei der Ernte oben. Also diese Hallertauer Hopfen haben bei uns Tradition und sind uns da auch absolut wichtig.

Markus: Ja und geben ein tolles Aroma, nicht nur in der Nase, ich habe jetzt auch mal die Gelegenheit genutzt und schon mal einen Schluck genommen, sorry.

Prost, by the way. Aber es ist wirklich, es ist sehr verlockend, sowohl optisch als auch in der Nase, da konnte ich jetzt gar nicht anders. Und am Gaumen finde ich das ganz faszinierend, also weil, es fängt an wie das Helle, also so ein bisschen unschuldig, ein bisschen süß und so ähnlich, also ein bisschen weniger von dieser Säurekomponente und dann aber entwickelt sich der Hopfen und der entwickelt sich richtig schön. Also der übernimmt so ab der Hälfte, würde ich sagen, wenn man so auf der halben Zunge so durch ist und dann wird es immer intensiver und bleibt auch nach dem Trunk sehr lange und geht auch sehr tief in den Gaumen. Also wirklich eine richtig schöne, selbstbewusste, deutliche Bittere, die aber nicht over the top ist, also die trotzdem, wie es halt sein soll bei einem Pilz, eben kräftig deutlich ist, aber ohne jetzt unangenehm zu sein. Aber was sie dann wirklich ganz gemein macht, ist, dass sie den Mund wirklich austrocknet, sodass man einfach gar nicht anders kann, als den nächsten Schluck zu nehmen. Das ist einerseits sicherlich gewollt, andererseits natürlich auch gefährlich. Also sehr, sehr schön und ich finde es trotzdem für ein bayerisches Pilz hat es eine gute Bittere, finde ich aber auch gut so, also gefällt mir richtig gut und, ja, auch sehr stiltypisch. Gibt es für euch da von den Hopfengaben auch Besonderheiten, also stopft ihr da auch ein bisschen oder habt ihr da noch verschiedene, ja, Verfahren, wie ihr mit dem Hopfen da loslegt?

Matthias: Also Hopfenstopfen tun wir jetzt in dem Sinne nicht. Ginge auch nicht, weil wir doch auch sehr viele Pilz nach Italien verkaufen und die erwarten dann ein klares Pilz. Und wie man weiß, das Hopfenstopfen ist da für die Kolloidstabilität nicht so gut, das heißt, die Biere würden das sehr schnell wieder austrüben. Also der Hopfen wird zu 100 % im Sudhaus gegeben, da aber in entsprechenden Verhältnissen und Mischungen, ist es ein bisschen Hallertauer Perle dabei und das machen wir da in 3 verschiedenen Gaben in verschiedenen Mischungen komplett in der Sudpfanne.

Markus: Habt ihr jemals versucht ein Grünhopfenbier zu machen?

Matthias: Da fehlen uns leider die technischen Möglichkeiten ein bisschen, um den Hopfen dann wieder abzuseihen, sage ich jetzt mal. Würde mich auf alle Fälle interessieren, aber vielleicht fällt mir da noch irgendwas ein, um das technisch so hinzubekommen.

Markus: Ja, also, ich denke, mit der Hopfenaromatik könnte ich mir das total gut vorstellen, das würde dem halt noch ein bisschen mehr Körper geben, noch ein bisschen mehr diese grünen Aromen. Aber es ist so auch wunderbar, also es ist mir nur gerade eingefallen, dass ich mir überlegt habe, das wäre doch total spannend, dass mal in der Grünhopfenvariante zu probieren, aber richtig schön. Jetzt auch in der kleinen Flasche. Gibt es das auch in groß oder ist das so ein klassisches Produkt, was man in 0,33 hat?

Matthias: Das gibt es tatsächlich auch in der 0,5er, aber der absolute Löwenanteil natürlich in der 0,33er-Flasche. Wie gesagt, das ist mein Lieblingsbier, das ist ein richtiges Braumeisterbier und, wie du gesagt hast, das regt auch sehr zum Weitertrinken an, absolutes Genussbier. Und, ja, war für mich auch immer der Josef Kroll aus Vilshofen, der 1842 in Pilsen das erste Pilsener gebraut hat, stammt ja aus derselben Gegend wie ich, vielleicht liegt es daran, dass ich da sehr Pils-affin geworden bin. Deshalb, da sind wir eher Richtung Nordosten gereist und nicht nach Süden, aber letztendlich ein absolut tolles Bier. Das ist also ein Bier, das so interpretiert ist, dass es dem Braumeister schmeckt.

Markus: Das finde ich gut und das ist auch völlig richtig. Also ich finde, das ist für mich der einzige wirklich negative Teil an diesem Hellen-Trend, dass dadurch bei vielen Brauereien, gerade in Bayern, die richtig gute Pils-Biere machen, das so ein bisschen runterfällt, also dass viele Leute die Pilsbier gar nicht mehr probieren, weil, das ist ganz oft so, dass man wirklich hervorragende Pils-Biere hat, die im Schatten von den Hellen stehen. Ein gutes Beispiel für mich ist auch Augustiner, die ein ganz tolles Pils machen, aber die meisten Leute, die man so anspricht, kennen das gar nicht, dass es das überhaupt gibt. Und hier ist es genauso, das ist ein richtig schönes, tolles Pils und das muss man unbedingt auch probiert haben, also das präsentiert auch die Hopfenbittere richtig schön in Kombination mit der Frische, mit der Klarheit, mit der Balance, die eben vom Bierkörper selber herkommt. Das ist wirklich ein tolles Bier.

Matthias: Ja, also absolut. Wir haben in Bayern eine sehr hohe Pils-Kompetenz, also ich stelle das auch immer wieder fest, es sind tolle Pils-Biere, die wir in Bayern in der ganzen Breite produzieren, aber wie du sagst, ja, der ganze Hell-Trend verschluckt natürlich teilweise ein bisschen die anderen Sorten. Und deswegen haben wir danach ja auch, das wäre mein Vorschlag, das nächste Bier, das ist nämlich auch ein tolles Bier, ein dunkles Weißbier. Das sind leider auch Sorten, die ein bisschen in Vergessenheit geraten und ich finde es ganz, ganz wichtig, dass man diese Sorten auch wieder aufleben lässt, dass man sich damit beschäftigt. Das sind ganz, ganz tolle Biersorten, die wir hier im Angebot haben und, ja, gerade beim Thema Genuss oder bei der Verbindung Bier und Essen ist das auch etwas, das sehr, sehr kompatibel ist. Ich würde vorschlagen, wir gehen aufs dunkle Weißbier.

Markus: Ja, eine Frage habe ich noch, also ich bin sofort dabei, beim dunklen Weizen, weil das eines meiner persönlichen absoluten Lieblingsbiere ist und ich freue mich über jedes dunkle Weizen, das ich wieder entdecken oder neu entdecken darf und das es überhaupt auf dem Markt noch gibt und wie du schon sagst, das ist so die Allzweckwaffe im Thema Food Pairing, da kann man fast alles dazu haben und es wird immer passen. Aber eine Frage noch zum Pilz oder generell vielleicht auch zum Hellen, das hängt ja viel auch vom Wasser ab. Wie ist das bei euch, also habt ihr ein eigenes Wasser oder ist das so Alpenvorlandwasser oder wie läuft das bei euch?

Matthias: Ja, da haben wir tatsächlich großes Glück, weil wir eine eigene Quelle haben, diese eigene Quelle sitzt am Fuße des Traunsteiner Hochbergs. Und, ja, das hat tatsächlich einen ganz eigenen Zauber, also diese Quelle bringt uns genauso viel Wasser, dass es für uns reicht, um zu brauen und auch für unser Betriebswasser, für die Zipfvorgänge und so. Und diese Quelle, ja, führt durch ein 2 Kilometer langes Leitungsnetz durch die Stadt Traunstein, landet dann bei uns. Es ist tatsächlich so, dass dieses Wasser nicht mal eine Pumpe braucht, weil wir hier Gefälle haben, natürliches, also von ganz allein läuft es durch die Leitungen zu uns in die Brauerei und ist tatsächlich von der Mineralisierung her, klar, das ist ein klassisches Voralpenlandwasser mit einem hohen Kalkanteil, also Calciumhydrogencarbonat, aber es lässt sich sehr leicht enthärten und die weiteren Mineralien, die da drin sind, also diese möglichen Schadmineralien, Nitrat und so, ist so gut wie nicht vorhanden. Ein topp Wasser, das wir nachweislich schon seit, ja, ca. 1840 bei uns im Hause zum Bierbrauen verwenden. Also selbst die Wasserversorgung hat bei uns große Historie und, ja, macht große Freude, mit diesem Wasser Bier zu machen.

Markus: Ja und ich glaube, heutzutage ist es für eine Brauerei auch ein richtiger Schatz, wenn man seine eigene Quelle, sein eigenes Wasser hat, weil ja da jetzt mittlerweile auch Diskussionen aufkommen, eben gerade, wenn man Zeiten hat, wo es wenig regnet, wo man Wasser überhaupt braucht, gibt es ja tatsächlich Gegenden in Europa, wo die Brauereien nicht brauen dürfen, weil eben Wassermangel herrscht und so. Da seid ihr dann natürlich außen vor mit eurer eigenen Quelle, wo es noch dazu von selber zu euch fließt, das ist natürlich schon schön. So, also gut, jetzt freuen wir uns auf dieses dunkle Weizen, gefällt mir schon von der Flasche her wunderbar, also schöne, ja, die Farbe total passend auch zum Bier, zumindest soweit ich das jetzt schon absehen kann, also ein dunkles Weißbier. Hat auch etwas mehr Druck, so. Ist das in Flaschengärung? Ah, okay, oh ja, oh, sehr schön, also ich habe es jetzt hier schon im Glas und wir haben also, ja, die Farbe ist so ein ganz schönes Dunkel. Also, ich glaube, viele stellen sich unter einem dunklen Weizen immer sowas vor, was pechschwarz ist und dann nur nach Kaffee und Schokolade riecht, aber das ist es ja gar nicht, sondern wir haben ja, wie du schon gesagt hast, eher ein historisches Weißbier, so wie die früher halt waren und da waren die Malze in so einer braunen, dunklen, dunkelbraunen Bernstein Farbe und hatten halt dann immer auch ein bisschen karamellige, nussige Aromen, sowas, aber eben nichts, was in diese Röstaromen geht, die schon sehr, sehr dunkel sind, die es auch erst viel später in der Biergeschichte gibt, aber solche Weißbiere sind selten geworden. Aber das sieht man hier optisch schon mal sehr schön, dass wir uns darauf freuen können, ich hoffe mal und dann haben wir den Schaum noch dazu, der natürlich jetzt ein bisschen getönt ist. Eine Menge Schaum auf jeden Fall, was ja für dieses Bier auf jeden Fall auch ein tolles Qualitätsmerkmal ist und auch von der Farbe her eine schöne Trübung, ja, es funkelt mich so ein bisschen an und möchte, dass ich jetzt dran rieche. Ja und wie sage ich immer so schön, ein gutes dunkles Weizen ist so eine karamellisierte Banane, so wie, wenn man zum Chinesen geht und dann diese Banane mit Honig als Abschluss hat, irgendwie so und sowas haben wir hier in der Nase, also richtig schöne Fruchtigkeit.

Matthias: Ja, vom Flavour her haben wir uns jetzt natürlich gut gesteigert, das ist ganz klar, das dunkle Weißbier hat auch sehr, sehr viel zu bieten, was das Flavour anbelangt bei uns, ist eine richtig schöne eigene Biersorte, die wir auf die absolut alte Art und Weise interpretieren. Also, ich glaube, ist auf alle Fälle eine absolut tolle Biersorte, die es wert ist, dass man es probiert.

Markus: Ja, unbedingt. Also diese Fruchtigkeit in der Nase, also es ist nicht so ganz die braune Banane, ist durchaus auch noch ein bisschen frisch, fruchtig und das tut dem auch gut und man hat im Hintergrund auf jeden Fall auch diese karamelligen, nussigen Aromen, die auch mit dazugehören. Und so ein kleines bisschen Gewürznelke ist auch da, also eine richtig schöne Kombination, aber wie du es schon gesagt hast, die Banane ist natürlich im Vordergrund. Aber es lädt auf jeden Fall total ein, ich nehme jetzt mal ein Stückchen, Prost. Ja, perfekt. Also es fängt genau so an, wie es gerochen hat, wir haben eine sehr schöne, intensive, kräftige bananige Note, mit so, wenn man so Karamellsoße drüber macht, so ein bisschen, also ganz schön drumherum vom Malz begleitet. Es hat auch leichte Citrusnoten noch mit dabei, die runden das schön ab und dann hat man ein moussierendes Mundgefühl, total schön, wie das mit der Zunge spielt, die Kohlensäure ist da, ist sehr lebendig, sehr frisch. Und wenn man dann so runterschluckt, dann kommt aber auch eine kleine Bittere, die so ein bisschen wieder aufräumt, die Süße auch ein bisschen wegräumt und so den Mund wieder frisch macht für den nächsten Schluck. Also vom Eindruck her vor allem unglaublich rund, unglaublich harmonisch, ohne satt zu machen, was ja bei manchen Weißbieren so ist, dass die sehr dick sind und hier hat man das dann doch in einer sehr schönen, trinkbaren Variante. Und wie wir gerade schon gesagt haben, das ist natürlich ein toller Begleiter, da kann ich vom Schweinebraten bis zum Schokoladenkuchen nahezu alles dazu kombinieren oder Obstsalat oder Spargelsuppe oder was weiß ich.

Matthias: Also ich kann dazu sagen, dass wir 100 % unserer Münchner Gerstenmalze, also das dunkle Gerstenmalz, das wir verwenden, haben wir von einer Mälzerei, das ist die Mälzerei Wurm im Pappenheim, mit denen arbeiten wir auch schon seit vielen Jahrzehnten zusammen und die stellen das Münchner Malz wirklich auf die alte Art und Weise her. Also muss man sich vorstellen, das ist tatsächlich, die weichen intensiver, die keimen intensiver, die schwelken intensiver, die darren intensiver. Das ist richtig, haben wir festgestellt, ein dunkles Malz, genauso wie es sein soll, gibt ein unglaubliches Aroma auch her und eben hier in der Kombination mit unserer Weißbierhefe ergibt es eben diese, ja, Geruchs- und Geschmacksexplosion, die aber nicht übertrieben ist, sondern die ein sehr, sehr harmonisches, bekömmliches, tolles dunkles Weißbier hergeben. Und ja, diese Kombination vor allem aus Malz und Hefe, finde ich auch schon toll.

Markus: Ja und ich finde auch, die Malzkomponenten sind eben wunderbar präsent, ohne in dieses Rüstige zu gehen. Und das ist ganz großes Kino, also gefällt mir richtig, richtig, gut. Und, ja, also ganz im Grunde würde ich das wahrscheinlich gar nicht dunkles Weizen nennen, sondern im Grunde ist es ein Weißbier, wie es eben vor den modernen Malzen mehr oder weniger war.

Matthias: Deswegen haben wir es ausgewählt heute.

Markus: Ja, also großartig, wunderbar. Und es zeigt halt auch, dass ein Weißbier eben nicht nur dieses reine Hefethema braucht, sondern dass eben der Körper, die Malzkomponente unglaublich wichtig sind, damit es dann am Ende eben auch ein harmonisches, ein komplexes, ein ausbalanciertes Bier wird und eben nicht nur irgend so was mit einer extremen Fruchtnote und sonst nicht viel dabei, was man relativ oft hat, oder sehr süß zum Beispiel, oder so, das ist hier, das ist eben ein richtiges Bier. Also sehr, sehr, sehr schön, gefällt mir richtig gut. Wenn wir gerade schon vom Wurm sprechen, also Pappenheim auch natürlich ganz toll, das ist ja gar nicht so weit weg von euch, also ein bisschen nach Norden, glaube ich.

Matthias: Das ist schon Mittelfranken, ja, gerade so.

Markus: Genau, aber hat ein wunderschönes Schloss und da kommt ja auch dieser schöne Spruch mit den Pappenheimern her. Aber die Familie Wurm, die sind ja nicht nur Mälzerei, ich weiß gar nicht, die Brauerei existiert schon auch noch, oder?

Matthias: Meines Wissens ja.

Markus: Weil, da war ich mal und die haben damals noch so eine alte, ja, ich weiß gar nicht, ob es eine Dampfmaschine war, aber auf jeden Fall so eine Maschine mit Sprungrädern und Transfusionsriemen und mussten noch Öl nachfüllen jeweils in ihrem Produktionsprozess, das fand ich ziemlich krass, ich weiß gar nicht, ob es das noch gibt. Aber da warst du wahrscheinlich in letzter Zeit auch nicht, oder?

Matthias: Bei der Brauerei nicht, bei der Mälzerei waren wir oder  sind wir des Öfteren, weil wir natürlich nicht nur beim Hopfen sind, sondern auch die Gerste, die Braugerste kurz vor der Ernte immer ganz gern begutachten. Und, wie gesagt, wir haben zu all unseren Mälzern, es sind nur bayerische Melzer, die wir haben, aber da haben wir zu allen ein sehr gutes Verhältnis und da lassen wir uns natürlich auch blicken, wenn unser Rohstoff dann zur Ernte ansteht.

Markus: Ja und ich finde, da zeigt auch dieses Weißbier zum Beispiel, wie wichtig es ist, dass man eben nicht nur auf die Hopfenseite schaut. Also das war ja gerade durch diesen ganzen Craft-Beer-Trend, wurde der Hopfen ja sehr betont oder überbetont und alle Leute haben eben nur noch von Hopfensorten und Hopfenaromen gesprochen, aber dass eben die anderen Rohstoffe da mindestens eine genauso große Rolle spielen und einfach auch notwendig sind, um im Zweifelsfall den Gegenpart spielen zu können und man sich da eben sehr auch aufs Malz zum Beispiel konzentrieren muss, das wurde so ein bisschen vergessen. Das finde ich schon gut, wenn man das tut.

Matthias: Das ist ja immer ein Zusammenspiel aus all unseren Rohstoffen und es geht ja nicht das eine ohne das andere und dementsprechend, glaube ich, muss man immer die gleiche Wichtigkeit den Rohstoffen auch zukommen lassen, aber das machen wir, glaube ich, bei uns im Hause auch ganz gut. Und da ist es einfach gerade beim Malz und Hopfen, also bei der Gerste oder beim Weizen und beim Hopfen ist es eben mir auch sehr wichtig, dass wir Braumeister, mein Kollege der Niklas Wallner auch noch und auch unsere Bräus, der Bernhard Sailer, der Maximilian Sailer und seine Frau Birgit, dass wir uns da wirklich blicken lassen und dass wir uns da wieder erden, Jahr für Jahr und einfach unseren Rohstoff begutachten, bevor er geerntet wird.

Markus: Wo du es gerade so erwähnst, wir hatten es ja auch schon im Vorgespräch, die Inhaber heißen ja auch Sailer und du heißt auch Sailer, aber das ist leider nur ein Zufall, oder?

Matthias: Ja, es ist tatsächlich purer Zufall. Ich habe es ja vorher schon erwähnt, ich stamme ja ursprünglich nicht aus dem Chiemgau, sondern eben aus dem Rottal und mein Vater, der hat Ahnenforschung gemacht bis zurück 1790, also bis dahin, kann ich sagen, bin ich mit den Sailers in Traunstein nicht verwandt, ist einfach tatsächlich eine zufällige Namensgleichheit.

Markus: Das war doch bestimmt der allererste Witz, der gefallen ist, als du da angefangen hast, oder? Wahrscheinlich.

Matthias: Ja, das war tatsächlich so, also das war noch 2006 und da war es eigentlich schon im Hause auch noch üblich, dass man sich mit den Inhabern siezt und der Seniorbräu, der Bernhard Sailer, der war damals 55, der hat aber dann gleich am 2. Tag zu mir gesagt, also da, dass man jetzt einen anderen Sailer siezt, das sieht er nicht ein und hat mir sofort das Du angeboten, da sind wir uns dann sehr schnell einig gewesen, dass wir das nicht brauchen. Gibt es einige Witze immer wieder um das Ganze, aber, ja, wie gesagt, Zufälle gibt es einfach.

Markus: Ja, das ist ja klasse. Noch kurz zum Weißbier, du hast gesagt, der Gerstenanteil ist ganz reines Münchner Malz. Was habt ihr dann im Weizenanteil, ist da ein bisschen Karamell dabei oder so?

Matthias: Ich muss dazu sagen, nicht ganz, also ich habe schon ein bisschen Karamellmalz, Gerstenmalz drin noch, aber das Münchner Malz, das wir verwenden, ist dann eben zu 100 % vom Wurm und Weizen, Spezialmalz, haben wir jetzt nicht drin. Weizenmalzanteil ist ungefähr bei 52 % bei dem Bier, aber es ist ein ganz normales, helles Weizenmalz und, ja, die Farbe kommt da tatsächlich vom dunklen Gerstenmalz, das wir gerade thematisiert haben.

Markus: Ja, also wirklich wunderbar und also sowohl ein Glückwunsch als auch ein Dankeschön, dass ihr das noch macht, weil wirklich dunkles Weizen für mich echt so ein ganz wichtiger Bierstil ist, den ich auch oft in den Tastings habe, immer wieder in Veranstaltungen. Und das Lustige ist auch wirklich, dass die meisten Leute es einerseits nicht kennen, aber andererseits sofort lieben lernen, wenn sie es dann mal haben. Und das ist vielleicht einfach auch noch mal eine Botschaft an die Brauer da draußen, also traut euch gerade mit solchen Bierstilen auch mal offensiv ranzugehen, die Leute damit zu konfrontieren, weil, ich glaube, es ist wirklich was, was viele Leute einfach schlicht und einfach nur nicht kennen und da muss man, glaube ich, einfach ein bisschen ran, an die Geschichte.

Matthias: Absolut, ja. Und wir haben in Bayern so tolle Biersorten und wenn ich da an einen hellen Bock denke oder auch ein leichtes Helles zum Beispiel, da kann ich so viel reininterpretieren, das sind so absolute klassische Sorten, wo der Bierbrauer sich eigentlich absolut austoben kann und kann da tolle Produkte herstellen und die meisten Brauereien machen das auch, aber irgendwie ist es beim Endverbraucher nicht mehr ganz so auf dem Schirm. Und das ist auch der Job von uns Brauern, glaube ich, und das müssen wir jetzt ohnehin mehr machen, dass wir uns einfach wieder viel mehr auf den Genuss, auf die Lebensfreude, die unser Bier vermittelt, konzentrieren und, ich glaube, da darf die Sortenvielfalt, die wir anzubieten haben und diese große Qualität ganz, ganz groß im Vordergrund stehen.

Markus: Und auch unser letztes Bierchen ist ja ein bisschen, kein Exot, aber trotzdem schon auch eine Besonderheit, also da haben wir jetzt einen dunklen Bock, der schon in der Flasche schon sehr schön ausschaut, muss ich sagen.

Matthias: Ja, es ist ja so, jetzt haben wir ja von dunklem Malz gesprochen, das haben wir jetzt natürlich gleich in konzentrierter Form. Ein dunkler Doppelbock mit 19,2 % Stammwürze und 7,8 % Alkohol, der kann natürlich was. Und du siehst das ja auf dem Etikett, es ist ja bei uns auch tatsächlich so, wir hatten 2021 bei uns im Hofbräuhaus einen großen Etiketten-Relaunch und, ja, da haben wir uns damals, ja, da waren wir so zu 10, zu 12, mit Inhaber, Geschäftsführer, Abteilungsleiter, Braumeistern und da haben wir uns wirklich für jede Biersorte einmal getroffen, haben dieses Bier dazu getrunken und haben Geschichten darüber erzählt und das haben wir dann alles aufgeschrieben und das haben wir dann in unsere Etiketten eingearbeitet. Also du hast das ja bei den anderen Flaschen auch schon gesehen, diese ganzen Storys, die wir hier erzählen können, beim Doppelbock siehst du zum Beispiel unten den Kurfürsten Maximilian, der ja der Brauereigründer war und nach dem wir dieses Bier benannt haben, den haben wir unten auf dem Etikett drauf, mit den Rauten dazu. Also wir haben uns da wirklich sehr, sehr stark auseinandergesetzt mit unseren Sorten, mit der Historie dazu und haben danach die Etiketten kreiert.

Markus: Ja und ich habe jetzt, wo du es gesagt hast, auch das Etikett noch mal weiter näher angeschaut, das ist ja wirklich wunder-, wunderschön. Also oben sitzt ein Mond mit Sternen, der strahlt dann so über einen geflochten Gerstenkranz, würde ich mal sagen, nach unten und dann hat man rechts und links eine Mönchsfigur sitzen mit einem Heiligenschein, also vielleicht einen Heiligen, darüber steht Papa Sanxit, also Papa steht vielleicht für den Papst oder so, ich weiß es gar nicht und, genau, schaut ein bisschen aus wie so eben eine historische Zeichnung, oben noch die Bayernrauten drin. Hat das was Bestimmtes auf sich, mit der Zeichnung?

Matthias: Das hat zum Beispiel jetzt hier den Hintergrund, dass wir da ganz stark an die klösterlichen Traditionen erinnern wollten. In der Fastenzeit ist ja bekanntermaßen sehr viel von dem Bockbier getrunken worden und, ja, diese klösterlichen Traditionen in Bayern, die wollten wir da auch noch mal darstellen auf unserem Etikett, weil einfach diese Biersorte natürlich sehr stark auch daraus geboren wurde. Der Mond ist dafür da, um die etwas dunklere Farbe sozusagen, also dieses Finstere, dieses Dunkle zu charakterisieren und, ja, so haben wir da überall eine Story dahinter.

Markus: Ja, also ich habe jetzt gerade mal unseren Freund Google bemüht und offensichtlich, also was ich mir vorstellen könnte, ich weiß nicht, ob es stimmt, aber dieses Papa Sanxit heißt ja praktisch, der Vater hat es, ja, genehmigt oder bestätigt oder anerkannt oder so.

Matthias: Das ist ja diese Erlaubnis gewesen für den dunklen Doppelbock, diese Story, wo man dem Papst mal dieses Bier rübergefahren hat, um wirklich mal genehmigen zu lassen, ob das für die Mönche in der Fastenzeit auch in Ordnung ist d das Bier ist auf der langen Reise sauer geworden und damit hat er es genehmigt, so zumindest die Geschichte. Und diese Genehmigung haben wir quasi auf unserem Etikett auch noch mal abgedruckt.

Markus: Wunderbar, also ein von allerhöchster Stelle genehmigtes Bier, das wir uns jetzt genehmigen, also wunderbar. Ich mache mal auf, so. Uih, ja, wunderschön. Also die Farbe ist ein richtig schönes Rotbraun, also ein, ja, Kastanienbraun, würde ich sagen, mit einem ganz tollen Rotschimmer, so Kirschrot, richtig schön da drin, klar und obendrauf sitzt dann ein richtig schöner braunbeiger Schaum, auch wieder kräftig, also für so ein starkes Bier eigentlich ein richtig guter Schaum, richtig viel davon, der auch da lange steht. Und, ja, der Raum ist schon voll, also das merkt man sofort, diese schönen malzigen Röstigen, das geht so in so eine Vollmilchschokolade, Haselnuss, Nougat, also ganz tolle Aromen. Gerade zur Weihnachtszeit, perfekt eigentlich, ich hab noch gar nicht in meinen Adventskalender geschaut. Also richtig weich, richtig rund, also ganz, ganz großartige Nase. Ja, also voll, eigentlich die ganze Röstpalette im positiven Sinne, fährt die so durch, toll, also kann man nichts anderes sagen. Oh ja und am Gaumen dann geht es ein bisschen mehr in die Kaffeeröstaromen-Richtung und merkt man auch ein bisschen den Alkoholgehalt durchaus, also hat eine gewisse Intensität, eine gewisse Schwere. Die Fruchtigkeit kommt auch, interessanterweise, es kommt so ein bisschen, ja, so eine Mischung aus Feigen, Trockenbeeren ein bisschen, auch wieder Kirschen, erinnert ein bisschen an die Farbe, die man so hatte. Im Nachtrunk ist es dann wie so ein Nuss-Nougat-Ding, also wenn man so einen ganz großen Löffel Nutella hat, das, was da so übrigbleibt, das hat man hier ganz schön. Und was man auch merkt, es ist ganz wohlig weich, wie es da so den Gaumen runterläuft und man kann dieses Bier nachverfolgen, bis es dann irgendwann unten ankommt. Also ganz schön, ganz rund und kann seine Energie nicht verbergen, will es auch nicht, muss es auch nicht, also wirklich schönes, selbstbewusstes, tolles Bockbier. Und ehrlich gesagt, auch wie beim Weizen, schon eine Hopfennote, die man erkennt, also sehr schön, passt auch gut, also, ja.

Matthias: Als Gegengewicht brauchst du da natürlich den Hopfen auch irgendwo, weil, wie du sagst, da ist das Malz natürlich schon sehr mächtig. Und das Ganze darf nicht zu süß wirken, das muss im Trunk auch eben ausbalanciert sein und da haben wir den Hopfen drin und der macht uns da wirklich ein schönes Stück Gegengewicht. Und ansonsten auch, also ich bin ein absoluter Fan von diesem Bier, jetzt sind wir wieder beim Thema Genuss, da ist dieses Bier absolut, absolut top. Und, ja, man schmeckt auch, dass es absolut ausgelagert ist, wir haben hier eine Lagerzeit von 3 Monaten, also richtig, auch hier wieder nach der alten bayerischen Art interpretiert, so wie man einen Doppelbock machen sollte und genau so machen wir es. Das ist uns auferlegt, diese bayerische Brauart immer noch hochleben zu lassen.

Markus: Eine Pflicht, gegen die man sich nicht wehrt, das ist schon sehr schön.

Matthias: So ist es.

Markus: Ja und auch nicht wehren will, ja. Und habt ihr so ein Bockbier-Anstich oder Fest oder sowas, wann diese Biere präsentiert werden?

Matthias: Ja, wir haben tatsächlich bei uns in der Brauerei im historischen Saal seit 2010 wieder ein eigenes Starkbier-Fest. Da bringen wir knappe 200 Leute unter im schön restaurierten alten Saal des Hauses, direkt in der Brauerei. Also das ist immer sehr, sehr schnell ausverkauft, die Karten in Traunstein sind immer nur wenige Stunden teilweise auf dem Markt. Und das ist natürlich auch eine sehr, sehr schöne Tradition, die sehr viel Spaß macht, dieses Starkbier-Fest bei uns im Hause. Und im Chiemgau selber ist es ja auch noch so, dass viele Starkbier-Feste abgehalten werden. Also ist schon noch was, was es hier in ziemlich lebendiger Form zu betrachten gibt.

Markus: Und ist es bei euch dann eher im Frühjahr oder eher jetzt im Winter?

Matthias: Ist im Frühjahr, in der Fastenzeit.

Markus: So klassisch, wie man es eben so in München ja auch hat zum Beispiel.

Matthias: Genau, in der Fastenzeit vor August dann..

Markus: Und ist da dann auch so ein Programm noch mit irgendwelchen Reden oder irgendwelchen Sachen oder man genießt einfach das Bier?

Matthias: Ja, da werden Reden gehalten, da ist ein Kabarettist da, da werden die Politiker, die Lokalpolitiker und Sonstiges an Prominenz zerplekt, wie man sagt, ja, also volles Programm.

Markus: Schön, also volles Bier, volles Programm, das gefällt mir echt richtig gut. Ist das auch etwas, was man gut lagern kann?

Matthias: Ja, es ist tatsächlich so, dass wir bei uns in der Brauerei die Bockbiere seit 2004 auch immer wieder aufbehalten, also diese dunklen Doppelböcke. Und hochinteressant, nach über 20 Jahren, das ist so ziemlich eine der wenigen Biersorten, die nicht schlechter wird über die Zeit, also diese reifen, dunklen Doppelböcke schmecken auch ganz, ganz hervorragend. Also da verstärkt sich das Karamellige noch ein bisschen, die Biere werden nicht unrunder, sondern das ist immer noch sehr, sehr harmonisch und echt toll und immer wieder auch interessant, alte dunkle Doppelböcke, in Anführungsstrichen, zu verkosten. Macht auch wahnsinnig viel Spaß, machen wir von Zeit zu Zeit und ist wirklich was Schönes.

Markus: Also da würde ich mich ja fast mal selber einladen, also das muss man unbedingt mal machen, also ich finde das auch großartig. In der Ausbildung mache ich das manchmal, wenn wir so Blindverkostungen machen, nehme ich oft so sowas wie den Doppelbock, meistens vielleicht so 10 Jahre alt ungefähr, mache dann die Etiketten runter und dann ist es ja einfach so ein kleines Fläschchen, was da steht, keiner kann sich was darunter vorstellen. Und wenn man das dann einschenkt und die Leute raten lässt, was es für ein Bierstil ist, dann kommen die fast immer so mit Quadrupel oder Dubel, also auf jeden Fall in der belgischen Richtung, weil sich dann eben noch mal dieses Trockenbärige mehr entwickelt hat über die Zeit und das Malzige noch mal runder wird, der Hopfen sich ein bisschen abbaut. Und das sind, also wie du schon sagst, das sind ganz tolle Biere, die man wunderbar lagern kann, die sich super entwickeln und wo man eben auch mal sieht, so ein weiteres Potenzial, was wir bei Bier so ein bisschen vergessen haben, dass eben eine Alterung durchaus auch positiv sein kann oder zumindest interessant, das wird von vielen eben gar nicht wahrgenommen. Also das kann man jedem mal sagen, kauft euch mal so einen Kasten und stellt ihn mal in euren Keller für 2, 3 Jahre und dann verkostet immer wieder mal und erlebt einfach, wie sich so ein Bier verändert, das ist großartig, also sehr schön. Was macht ihr sonst noch auf der Bockseite, gibt es noch andere Bockbiere von euch?

Matthias: Ja, wir haben tatsächlich noch einen hellen Bock, auch 100 % Pilzner-Malz, ist aber quasi mit 16,5 % Stammwürze, also da sind wir von dem her ein bisschen schwächer, aber der ist halt dafür hoch vergoren. Und der ist natürlich auch eine ganz schöne Biersorte, haben uns auch schon mal das ein oder andere Mal den Spaß gemacht, das nicht zu sagen, was das gerade ist und viele Endverbraucher haben es nicht unterscheiden können von einem normalen Hellen, weil der eben auch so schlank ist und weil der eben auch absolut Drinkability hat und da ist natürlich das Ergebnis dann durchschlagend. Aber ist auch eine ganz, ganz tolle Biersorte, also der helle Bock. Ist zwar nicht die absolute Trendsorte, aber gerade in Italien geht da immer noch recht viel und für mich auch ein wunderbares Bier.

Markus: Also heller Bock ist halt auch gefährlich, weil man eben den Alkohol nicht sofort merkt und das Gefährliche ist ja auch, wenn das dann mal drin ist, ist es drin, dann kann man es nicht mehr ändern. Aber ja, toll, also wie gesagt, jetzt haben wir diese 5 wunderbaren Biere durch und wirklich jedes auf seine Art und Weise super, super geschmackvoll, super spot on, auch für die jeweiligen Bierstile und alle aber auch mit einer eigenen Note, mit einem eigenen individuellen Geschmack, wo man auch eben merkt, das ist jetzt kein Massenprodukt sozusagen, sondern da macht jemand auch seine Handschrift irgendwie mit rein. Schön, also toll, vielen Dank an der Stelle. Was mich noch interessieren würde, du hast jetzt schon ein paar Mal erwähnt, Italien, das heißt, für euch ist das ein wichtiger Markt, wie seid ihr da hingekommen und wie funktioniert das? Seid ihr regelmäßig da irgendwie auf Messen oder wie kommt man da hin?

Matthias: Ja, es ist tatsächlich ein sehr, sehr wichtiger Markt für uns mittlerweile, ein sehr interessanter Markt, weil die Italiener ja bekanntermaßen sehr genussfreudig sind und durch unsere Lage, wir sind ja nicht weit entfernt vom Brenner, da sind wir natürlich logistisch ganz gut angebunden. Und da gibt es tatsächlich eine Geschäftsbeziehung, ich meine seit 2004 und, ja, die haben wir ausgebaut, haben wir gepflegt, haben da tolle Partner, also gerade im Bereich Südtirol, Trentino sind wir sehr gut vertreten, geht aber rüber, Venezien, Friaul, also bis runter Kalabrien, also wir haben da wirklich, ich sage mal, sind wir sehr, sehr gut vertreten. Ich würde sagen, das sind um die 20 % unseres Hektoliter-Umsatzes, die in Italien getrunken werden und das hat sich wirklich top entwickelt und sind wir auch auf der Hochqualitätsschiene unterwegs, auf der Hochpreisschiene, muss man auch sagen, unterwegs. Aber die Italiener lieben diese charaktervollen Biere, die lieben Bayern, die lieben das, was wir als Hofbräuhaus Traunstein sind und es macht auch absolut Spaß, also es gibt regelmäßigen Kontakt, sind oft hier bei den Brauereiführungen, wir sind auch oft vor Ort und, ja, es ist eine sehr, sehr angenehme und schöne Zusammenarbeit, muss ich sagen.

Markus: Ja, also das muss ich auch sagen, die Italiener, also in ihrer Gesamtheit, haben wirklich die bayerischen Biere lieben und schätzen gelernt. Und das ist auch nachhaltig, also finde ich ganz interessant, also selbst mitten in Rom gibt es eine Craft-Beer-Bar, sage ich mal, in Anführungsstrichen, die davon lebt, bayerische und fränkische Biere vor allem auch auszuschenken. Und ich war früher öfters in Mailand auf der Messe, die da immer um Nikolaus rum ist, Artigiano in Fiera heißt die und da gibt es oder gab es, weiß ich gar nicht, ob es noch so ist, aber früher war da auf jeden Fall immer eine Halle, wo auch große Bierstände waren aus Franken, aus Bayern und da waren ab Eröffnungszeit, waren da die Leute gesessen und haben wirklich also einerseits getrunken, aber andererseits sich auch interessiert für die Brauereien, für die Geschichte, für die Personen. Bis hin zu Rimini, wo ich nächstes Jahr auch wieder sein werde, für den Wettbewerb dort, Birra dell’Anno und da ist im Nachgang immer auch eine große Messe, wo die italienischen Brauer alle da sind und da aber auch eine Halle ist, wo dann eben auch Brauer aus Deutschland, schwerpunktmäßig auch aus Bayern da sind und da merkt man auch, also das Interesse ist einfach da und eine große Wertschätzung und eine Liebe auch dazu und das macht wirklich viel Freude. Und ich kann mir vorstellen, jetzt haben wir ja bald Olympia in Italien, also in Cortina d´Ampezzo und in Mailand und da in der ganzen Gegend drumherum, da seid ihr sicher auch gut vertreten, also wird vielleicht das eine oder andere Bierchen auch in ein Goldkehlchen fließen, wie auch immer. Also dir auf jeden Fall ganz, ganz vielen Dank für die tollen Biere, für deine Auskunftsfreudigkeit an so einem Samstagmorgen, ist ja auch nicht selbstverständlich, vielen Dank und ja, dir auf jeden Fall noch eine schöne Zeit bis zum Weihnachtsfest und dann einen guten Rutsch natürlich auch ins neue Jahr.

Matthias: Sehr gerne, vielen Dank auch und es hat absolut Spaß gemacht, war eine richtig coole Geschichte. Ebenso natürlich schöne Weihnachten und frohe Festtage und hoffentlich natürlich das eine oder andere Genussbierchen noch dazu.

Markus: Ja, das Schöne ist, du hast mir ja von jedem zwei geschickt.

Matthias: Ja klar.

Markus: Wunderbar, also die werden schon noch ihren Weg finden, danke schön, tschau.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

BierTalk English 42 – Interview with Vinnie Cilurzo, Co-Founder of Russian River Brewing Company, USA

Welcome back to BierTalk — this time we’re heading to Sonoma County, California, to talk with Vinnie Cilurzo, co-owner of Russian River Brewing Company. We dive into what makes Russian River beers so famously crisp and consistent: an uncompromising focus on freshness — cold chain, low oxygen, tight distribution, and quality control all the way to the shelf. Vinnie also opens the brewhouse door and shares the thinking behind his hopping approach, recipe evolution (yes, even Pliny the Elder), and why staying relevant means never stopping the work. And because it’s Russian River, we also touch wild beer, the story of the “Vinnie Nail,” the fonio collaboration with Garrett Oliver, and their latest sustainability step: CO₂ recovery. Grab a beer — and enjoy the conversation…

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BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hello and welcome to another episode of our podcast BierTalk. Today I’m very happy to again go to the other side of the planet, where it’s probably warmer than here, because we have winter time here in Germany now and we are in California, and I’m very happy to have Vinnie Cilurzo from Russian River here on air. And it’s great that you are here, and maybe you can introduce yourself a little to our listeners?

Vinnie: Sure, of course. Well, first, it’s great to be here, happy to spend the next whatever hour, whatever now time is. I’m Vinnie Cilurzo, co-owner of Russian River Brewing Company. We are a craft -brewery in the United States, specifically in California and more specifically in Sonoma County. So that’s about 50 or 60 kilometreers north of San Francisco, over the Golden Gate Bridge. So that means that any time we go to San Francisco, my wife and business partner Natalie and I, we get to drive over the Golden Gate Bridge, which never gets old, so kind of a cool part of being here. We’re right in the middle of wine country, so we have hundreds of wineries surrounding us, the Napa Valley and the Sonoma wine country. The name of our brewery, Russian River Brewing Company, comes from the actual river that runs through Sonoma County, and it’s also the wine appellation here, which has a very similar climate to Burgundy in France, so we grow a lot of Pinot Noir and Chardonnay. So I’m as much of a wine drinker as I am a beer drinker. And our brewery has been open since 1997, so that makes us pretty historical in the current craft-beer -segment, where most breweries opened much more recently, and I’ve actually been in craft beer, micro-brewed beer, as it was originally called, since 1994.

Markus: Yeah, thats a long time. And also Im very curious, I hope I will have the time to come to San Francisco and then the Bay Area in the next years. A gGood friend of mine, Pete Schlossberg, is always inviting me and treating me with chocolates and whatever , maybe we will have the moment. Maybe to start right into the middle, for me, the most impressive moment when I had your beers was, when I was in Las Vegas last year for the CPC and judging at the World Beer Cup, and I started exploring the city and then I had a longer walk, and I came to a place called Zombie Brewing or Zombies Brewing. And it looked a bit strange, it was behind a bridge. And then I went there and opened the door and then there were three beers from Russian River on tap. I tried them all immediately and they were so fresh and crisp. And that was my first time and I had them on tap and so I ultimately really fell in love. And what do you think, why is it like that? What do you think you are doing different fromto others.

Vinnie: Well, first off, Vegas is an interesting market for us. Its one of our smallest, if not our smallest, markets and I like to think of it as a bit of a pressure relief valve, if you will, so if we ever have excess beer, it goes to Vegas. Vegas will get beer every month, but its volume fluctuates. And theres really only maybe six or eight places that sell our beer in Vegas on tap, so you just happened to stumble ontoand one of the very few. T and then there’s just a handful of accounts that sell it in a market, so off-premise, so bottles or cans that you can take to go, so, it’s a very small market, but it’s close to us, from California. But for the freshness factor, you kind of hit upon one of the cornerstones of our business, and one of our ethos in our model that has always been there ever since the day that we opened two-plus decades ago, and that is to focus on freshness. And obviously, we have super high standards in the brewery and were doing everything we can to make ultra-fresh beer, so keeping oxygen levels really low and all the other things that go along with that. But one of the things that you hear a lot, at least here in the States, and I know in Germany, most beer is not kept cold all the way through the distribution chain, but thats actually something that we can do here in the States if you put your mind to it, and thats something we do at Russian River. So, once the beer comes off the packaging line, it immediately goes into a cold box. When we deliver it, we sell to about 500 accounts that we deliver directly to in the Bay Area, so that would be San Francisco, Oakland, and then up here in the area where were at , so all the accounts that sell our beer are mandated by us, Russian River Brewery, to keep the beer cold. When we ship to a distributor, to a regional distributor, say in Southern California or maybe up to Oregon or Washington or to Colorado, we ship the beer cold there as well, and so the beer that you had in Vegas would have been shipped cold. And then were only shipping as much, only enough beer for that distributor to sell in the following three to four weeks, and then they have to wait for the next shipment, and they have to sell out of it. We also have, for the most part, a Russian River Brewery employee covering every market that we sell our beer in, and so their job is really less about selling beer, and theyre more a brand ambassador and a quality ambassador for freshness, and theyre making sure that the stock is ultra-fresh I, and if they find old beer, like an old bottle of this or that, instead of doing the traditional way, which would be in the United States, where the distributor comes back in and buys back the beer from the account, and then they would split the loss of that beer that they didnt get to sell with the brewery, our sales team, our brand ambassador team, our Russian River Brewery team that’s out in the street, they just buy the beer right off the shelf. In fact, I was just up in Seattle two weeks ago, brewing a beer with a friend, doing a collaboration, and I was working the market the day before with our rep up there, and we found a few bottles of pale ale of ours that was past code, and Jeremy just bought them right off the shelf, and we walked out with six bottles of our beer that were out of code. To be honest with you, they were probably still in good shape, but that’s just the ethos and values that we live by. And so that is one of the ways that we ensure that our beer is ultra fresh, and I often get texts from friends in Southern California that buy a bottle of our beer, and they say “I, is this right?” This was just bottled five days ago, and that is very common, Wand were often are taking pallets right off the packaging line and loading them right into trucks, and then they land at the distributor and because we keep low inventories at the distributor, we get ultra fresh beer out into the market, even as a 50,000 barrel brewery, which is the size we are.

Markus: Isn’t that maybe also the key factor in general for American IPAs? Because if I think in Germany, of course, we have great hops and great hop areas, but it takes a long time until the hop is harvested, and then it’s brought to cooperatives, and then it’s processed, and whatever, and maybe it takes a year until breweries are really starting to brew and so many IPAs we have here simply don’t have the freshness already in the hops, and also then it takes a time to bring it to the markets, whatever. So, many years ago, when I was first time to Yakima, that was the same impression for me. I was there, and the beers were so much more hoppy, intense and crisp, yeah, full of these fruity, pliney, tasty, whatever aromas. Is that maybe also some important part of the American IPAs?

Vinnie: Yeah, when youre talking about IPA directly and West Coast IPA or American IPA or hazy IPA even, the freshness of the hops is obviously a big deal. One thing that you’ll find here in the Sstates, in the major hop farms in the Pacific Northwest that you won’t find, for the most part this is a genegeneraliszation, but for the most part, German farms, because most of them are so small, they don not have cold storage on their facilities, whereas almost all the farms here in the Sstates will have at least a small cold box. And they’re also running their hops from their farm to whoever processes for them, literally the same day or if not the same day, the next day that they were bailed and then from there, theyre going right into cold storage. So that cold storage is something thats really a focus on the hop industry here, and always has been. We are already brewing with Croppier 2025 hops, so hops that were harvested just in early September this year. We’re already brewing with some of those hops right now. So there is truly a freshness factor there. And if your hops are pelleted, all else being equal, if they’re pelleted and you store them at cold temperatures, say, I mean, our hop freezers are below freezing, so theyre 25° degree Fahrenheit, so were like -negative 3°C or something like that. Anyways, if you cold- store your hops and theyre pelleted properly, they’ll actually hold for several years, and that’s pretty well accepted in the industry, whether you’re in the US or Germany or wherever. But it’s getting to that point and trying to get them there in a reasonable amount of time. We also use a fair amount of whole Holcone hops. And here in the States, whole Holcone hops are bailed into 200-pound bales, so that is about 90 or 91 kilogrammes per bale. We actually will have those bales cut into quarter bales and then put into mylar bags that are nitrogen- flushed. And we do this because it preserves them a little bit better. So, although it costs us a little bit more because we are using whole Holcone hops, it does help us there. So yeah, from the IPA standpoint too, you also have to look at how they are stored and sold in the store. I say this all the time to our customers, “Don’t ever buy our IPA if you don’t see it stored cold in the store.” And 99% of the time it is, and that’s what our sales team’s main job is, is to drive quality with our retailer partners. But even if it’s not Russian River, if it’s a big brewery, a big national craft brewery or someone smaller than us, if that IPA isn’t stored cold, don’t buy it. That to me is the very first thing a consumer can do to protect their dollar and make sure that what they’re buying is really fresh. And then second is, when you buy that or look at that can or bottle of IPA in the store here, if it does not have a packaged- on date, a bottled-on or a canned- on date, I wouldn’t buy it either. As a consumer, I want to know when this beer was put into a can or a bottle and that will help drive my decision on how fresh the beer is and if I want to buy it or not.

Markus: That’s really impressive to hear, especially as we have the German perspective, and we had only one company which tried to start to have something like a cool chain and also fridges everywhere and trying to have a surveillance that itis really kept cold. But in the end, it didn’t work. The employees of these stores started storing their lunch inside of these fridges and not the beer. And so it was really, maybe it still has to be some time until this idea reaches Germany, whatever.

Vinnie: I’ll also add that that’s the mindset for a lot of big breweries, big distributors, here in the States as well. So that’s not specific to Germany. And I see that everywhere, in other countries that Natalie and I are fortunate enough to travel to. And so it takes a very special craft brewery in America, and it takes a lot of work to make that happen. But you can do it. But it does take an awful lot of work and you have to be able to stand behind your values, your ethos and your beer. YAnd you have to be ready to buy it back when its in cold storage still and is out of code. And that’s something that we do and really the values that we live by. And we’re an IPA brewery first and foremost. And we do make about 15%. So one five, 15% of our production is lagers, a Pilsner and a Helles. But gosh, like 80% of our beers that we sell, produce and sell as IPA. So we live and die by the freshness.

Markus: Yeah. And you were just talking about the hop cones. So what is the contribution for you that you say, okay, I still want to use the whole hop cones in my product?

Vinnie: Yeah. So we use whole cone hops on the hot side. So we have a hop back, or a hop jack as its called. And so our brew house is Ziemann, made by a German manufacturer there. And we really absolutely love our Ziemann brew house. And when we went to design the brew house with them, this was something that we asked them to do. And they were very open to do. We actually got pushback from some other brew house manufacturers when we were shopping this around. And in fact, Ziemann had already done it once previous for another American brewery. So they had experience doing this when they installed the brew house at the Karbach Brewing Company in Texas. And so what we do is we replace a lot of our whirlpool hops, which traditionally would contribute to mostly just aroma on the hot side. And we switch those into whole cone hops and put them in a hop back. And so the wort, after its done boiling in the kettle , and I will say that we use a lot of hop extracts, CO2, pure resin hop extract for bittering. That’s something I’ve been doing since 1998. And I’m a firm believer in using this product. And then we’re also using more advanced htop products on the dry hop side, which I know wouldn’t be legal in Germany. I talked to Eric Toft from Schöoenraomer about this, and he’s always like, “Ooh, that’s illegal. We can’t do that here.” But anyway, so that’s some other stuff that we do that’s downstream that we can talk about also. But back to the whole cone hops. So then when the wort transfers to the whirlpool, it goes through the normal process in the whirlpool. And then from there, so, theres very few pellets added in the whirlpool. From there wort is transferred and flows over the top of the whole cone hops in this hop back small vessel. And then the wort exits the vessel and then to a pump. And then the pump sends the wort, the unfermented beer, directly to the wort cooler. And the idea is that the wort is only in contact with the hops for maybe five minutes. And so this wort, being in contact withfor the hops for a short amount of time, will still will extract the volatile and beautiful hop oils that we want. But then the wort gets cooled down immediately. And so we lock in those aromatic compounds into the wort. And then the wort goes off, gets aerated, yeast added, and off to the fermenter. And whereas, if you think about a whirlpool process and the traditional method of US breweries and most breweries around the world, but specifically thinking aboutto IPA, when you make that whirlpool hop addition, let’s say you have itthe wort takes 10 minutes to transfer the wort from your kettle to your whirlpool, which is average for us, fast for some probably, maybe slower than others, but probably it’s faster than most. And then the wort will sit for 20 minutes to wait for it to stop spinning. And then, for us, its 30 to 40 minutes to cool our wort down. So youre now well over an hour that those hops have been in contact with the wort. And although we are extracting flavours and whatnot from the hops, we’re also losing a lot of those hop aromas, those super delicate hop aromas, which are really volatile at the warm temperature. And they’re just going out the kettle stack. And so this is not a novel concept. This is something that Sierra Nevada Brewing Company here in the United States, which I believe just celebrated their 40th anniversary, have been doing forever. And its something that I saw at Sierra Nevada when I was still a home brewer touring their brewery years ago, decades ago. And so it’s something that we adopted here. And I really like what it adds to our IPAs. And so thats the foundation of it. So, are we leaving something behind in the hops when we discharge them and they just go to the compost bin? We absolutely are. But we also have more control of our aromas and flavours that we’re getting from the hops. And we also have more control of our bitterness because were also not extracting a lot of bitterness from the hops at this point. And then we’re not losing the aroma, because we have less contact time. And for us, we like it. It may not be the best process for every brewery, but for us, it works really well. And like I said, that’s not unique to us, but it is somewhat unique in the industry in the US, because you do have very few breweries using whole cone hops. And I think for us, it’s about 17 or 18% percent of our total hop purchases are whole cone. When you get to the dry hop stage of our brewing process for IPA, we, for the most part, are always dry hopping after fermentation is complete. We’ve removed as much yeast as we can from the cone of the tank. We add the hops to the top of the tank. And then we usually weill do a pH adjustment at this point. So, before the hops go in, we’ll adjust the pH of the beer down with food- grade phosphoric acid. And that’s because what we now know from hops is that for every pound per barrel of hops that we dry hop, we raise the pH of the beer on average of 0.1. So again, the pH will go up on average 0.1. So its really 0.08 to 0.14, depending on the hop variety, but let’s just say it’s 0.1. So for every pound per barrel we dry hop, we’re taking the pH up by 0.1. So if the end of fermentation is that the beer is, say, 4.3 and we dry hop at three pounds per barrel, we’re going to probably go from 4.3 to 4.6 pH. And at 4.6 pH, we have a hard time reducing the diacetyl from hop creep. Hop creep’s the secondary fermentation that we see from the enzymes in the hops. And so the enzymes break down the residual long- chain sugars, which are adding sweetness and body to the beer. And then we have a secondary fermentation, we have a spike in VDK or diacetyl. And so if were not lowering pH, the yeast has a hard time reducing that. And so we make this phosphoric acid addition to lower the pH, to counter the rise in pH we get from dry hopping. And then this in turn helps us get through the dry hop process quicker. And then we also have a unique process in dry hopping that all of our fermenters here at our big production brewery have a port on the back of the tank on the cone where we can insert a mixer. The brand is called Guth, it’s a German company, but we can get them here and they’re pretty readily used in the wine industry. And so we’ll mix the tank with a portable flexible stainless steel impeller mixer. And this gets the hops integrated into the beer more quickly and we get more extraction out of the hops as well.

Markus: Yeah, that’s very interesting. And as far as I understand, its a lot about two things. It’s extraction on one side, but also transformation on the other side.

And so, in terms of the whole hop cones, that means if you have this shorter contact time with the whole hop cones, you also have less transformation of these aromas and more extraction of these first very volatile, very specific aromas. And maybe that’s the explanation for why you have so different aromas on that side than if you would use it, lets say classic way. And in general, we now have a lot of experiments here in terms of the bio-transformation. Are you also experimenting with that on thate last side of the beer?

Vinnie: Yeah. And I’ll also add, just to clarify, that on the dry hop side, we are using pellets. So we’re using pellets on the dry hop, but we are using whole cones. So yeah, your explanation is correct on the hot side, but yeah, pellets. And then we also use a lot of concentrated pellets. So they go by different brand names, whether it’s Cryo or CGX, and Haas has their version as well as Steiner. So we’re using those as well, which we see helps reduce hop creep. But anyways, back to bio-transformation, thats something, it’s still a pretty big buzzword, at least here in the United States craft beer world, amongst small breweries that are focused on IPA. It’s not something weve really looked too deep at because I think it’s a very, very difficult thing to quantify whether you have it or not, because most breweries will talk about bio-transformation based on academia saying that it does or does not work with this yeast or that yeast and at this point in the process. But if you’re a small brewery and you don’t have the ability to then do a side-by-side a brew that doesn’t have that same process, you know what Im saying? To do a control and then do whatever your process is to try to trigger bio-transformation. How do you really know if you’re having bio-transformation or not? And let’s also call a spade a spade that here in the States, it’s that typical American mindset, if a little is good, a lot’s better. And when I started out brewing at my first brewery in Southern California that was called Blind Pig, which is now our main IPA brand outside of Pliny the Elder, it’s our single IPA, if you will. It’s our number two selling beer now. It was revolutionary to dry hop at one pound per barrel. Now, one pound per barrel is, if you’re not talking about concentrated pellets or anything like that, just straight T90 pellets, one pound per barrel here in the United States is pedestrian. It’s not a huge dry hop load. I mean, you have breweries whose average dry hop load is four pounds per barrel, five pounds per barrel, albeit these are small breweries, but still it is a sizable amount of hops that are going in. And so I bring this up because, is it really bio-transformation that we’re seeing, or is it just the sheer volume of hops that we’re adding to the beer and you’re just creating these super intense aromas and flavours?

Markus: Good question. And really also a great difference fromto the German amounts of hops, which are normally used for beers here.

Vinnie: Yeah. And I don’t mean to downplay bio-transformation. I’m not saying it doesn’t happen. I’m just saying that most people that talk about it probably haven’t been able to do research and do a side-by-side with or without whatever that process is. And I guess from that standpoint, I’m just a little more scientifically minded. I’m definitely a very artistic brewer, but there needs to be science behind it as well. And at the end of the day, I just feel like, you know what, if the process we’re doing works and it tastes and smells great, then that’s fine. And I’m good with that.

Markus: Absolutely. And you mentioned Sierra Nevada. And I think for me, maybe the big difference is if you look at the iconic Sierra Nevada products like the Pale Ale or the Torpedo Extra IPA, these were still based on, let’s say, a British-like idea with crystal malt and all that. And I think you were one of the first to remove these crystal malts and, like, open the canvas for the hops. Is that right or was there something in between?

Vinnie: Yeah, that’s the one thing even early, early on, if I look all the way back to Blind Pig, where I still have my old brew log recipes, you know, yes, we did use some crystal malt in our IPAs, in my IPAs, but it was a very small percentage, 2% to 3% of crystal 15 or crystal 40. And we did this for a long time. But even when the rest of the U.S. craft beer industry was growing with IPAs, most breweries were making their IPAs much higher in crystal malt, much like what you had mentioned with Sierra Nevada, Torpedo and whatnot. And yes, their IPA and a lot of other large craft breweries‘ IPAs still have some crystal malt, whereas we were always on the lower end. So our beers always popped a little bit more. We certainly weren’t the first brewery to explore removing it completely, but it’s something that we did many, many, many years ago. And, you know, I think of, and you may have some listeners that say, “Wwell, aren’t your consumers, your customers, you know, used to what that flavour profile is?” And yes, to one extent, but, you know, I think our consumer is also open-minded enough that if we can make the beer better, then that is good for them as well. And I’ve always thought of our recipes as more concepts rather than a concrete recipe that is just locked in and we can’t make changes to it. You’d be shocked if you looked at the Pliny the Elder recipe from 20 years ago to what it is now. The main through- line is the two- row base malt. There’s sugar added for a drier beer for the fermentation. And that also helps us reduce the fan levels, the free amino nitrogen. But also the other only, like, main through- lines is the Simcoe hop and then Amarillo being the number two hop. Past that, you know, all the hops are much different. In fact, we just recently added in a brand new hop called Tangier and dropped out a few hop varieties. You know, it’s always been a citrus-focused driven flavour profile along with pine and stone fruit. And so, this new hop Tangier allows us to get a nice orange quality, a citrus quality, as opposed to having to blend a few hops together. So, I’m always looking and I do a lot of work in our pilot brewery on new hop varieties to try to think about how we can incorporate them into the beer. And one of the ways to make the flavour and aroma in an IPA pop is to really just use a clean canvas. And yes, most smaller to mid-size breweries here in the States are not using crystal malt in their IPA. They’re using either Pilsner or two- row malt as the base. And sometimes with or without a percentage of dextrose sugar as well, as part of the fermentation mix. Now, with that said, you also need to look who your clientele is and your market. And for us, our market and the people we sell to are, you know, are open-minded enough and they trust Russian River Brewing Company. They trust the quality of our beer. They trust that every time they buy a bottle or can of our beer, it’s going to be super high quality. But they also trust in all the R&D and the pilot work I do in our pilot brewery to make our beers better. And we’ve always been very transparent about it. Weve never been secretive about the fact that we are often, you know, trialling things in the pilot brewery. And if they work out, they will eventually work their way into our beer. But I also think that’s whats kept us relevant. You know, Russian River Brewery is now 26 or 27 years old. I can’t even remember. So, we’ve been around a long time. And, you know, one of the things that has kept us relevant, and let’s talk about Pliny the Elder, our number one selling beer, our double IPA, is that the recipe has evolved with the palatelet. And so, at least for our customers, they want to follow where we’re going, which is making the beer dry or making it more hop-t forward. Whereas someone larger who has more of a wider audience and a broader audience, like Sierra Nevada or New Belgium or whoever, you know, they may still stick with the model of putting crystal malt in their IPA because they’re marketing to a broader audience who maybe wants a little more sweetness, you know, in the beer. And thats’s one of the things that that ingredient is going to give. I was just at the Craft Beer and Brewing bBrewers rRetreat, and it was at Sierra Nevada Mills River, and one of the other guest breweries there is from Florida. And he was talking about the IPAs he makes and how he still has more of an old- school IPA. And what he was referring to was that it still has some crystal malt in it because that’s what his customers want. And so, it’s important to not just move your recipe because it’s what you want. You do still need to know that your customer is going to be open to that. And that’s one of the great things about having, we have two brew pubs, so each of our brewery locations have a restaurant attached to it, is that we have direct communication with the customer. And so, I can make a beer and we have a brand we have a thats called Rn&D, so capital R, lowercase and then capital D, so like research and development. And anytime a customer sees Rn&D on the chalkboard, they know that I made that beer in their little five-barrel pilot brewery. And so, our bartenders and servers can get direct feedback, and then I can extract that feedback from our front- of- house team and learn, you know, like, well, did they like this, was this too much, was there not enough flavour, so on and so forth.

Markus: Maybe this is even the biggest challenge, because if I think back to the days in Berlin, I wrote a book about all the Berlin craft breweries like 15 years ago. And when I came back five years ago, and wase’re talking to those who were iconic 15 years ago, most of them said, “Okay, it was great when we started when all the craft beer ideas in Germany, in Berlin started, people came in every day, wanted to have the new beer, the new shit, and try it the next day, something different, and whatever, it was like a roller coaster. And now, 10 years later, they don’t look at us anymore, because we are now the old guys, and we are the guys that have been there.” So they go to other ones, to newer ones, which make more, more releases for whatever things. And I think that is that is quite tough to, on one side, be innovative and productive and go to these demands. And on the other side, to keep something, some iconic, some continuous beers, like like other breweries in Germany, which have beenare existing for 600 years, more or less doing the same beers all thisese time, and still on the market. So that’s, I think that’s, that’s really a difference or a challenge if you start a new brewery, like 25 years ago, and find a way to be, on one side, still these new guys which make the interesting, trendy stuff and the others, on the other side, to have a business with a with a customer base, which are used to specific beers and like them once and once again, and stick toon the on the brand.

Vinnie: You just hit the nail on the head with what keeps Natalie and I up at night and why I was up at 3.30 this morning laying in bed because, I’m always thinking about what I can do to our beers to keep them relevant and keep them focused and keep the consumers focus on us. There is a trend here in the United States for many small breweries to not have a flagship beer, meaning they don’t have one main beer that represents them. I feel, and Natalies, the same way, we feel very fortunate that we have a beer like Pliny the Elder, that is our number one beer that represents 60 or 65% of our total volume production. It makes planning much easier. But it also gives us a lot of, you know, different batches to keep making it better and better, just like, you know, the German breweries you mentioned, you know, that only make a handful of beers. There’s something really magical about being able to brew the same beer over and over again and dial it in and get your process down. I love that and I’m happy that we have,e, you know, that and that, you know, really, four or five of our beers represent like 98 or 95% of our total volume, with one of those being 60 or 65%.

Markus: Yeah, when I was talking to Jamie Bogner some, no, maybe a year ago, we were, of course, also talking about the IPAs and the development of the IPA and the pale ale. And he mentioned that more and more breweries start to more or less brew them as lagers, so use lager yeast, and so change the whole idea of that. Do you have an idea about that?

Vinnie: Yeah, yeah, it’s interesting you bring that up. We’re doing a collaboration with a brewery in Los Angeles called Highland Park in January, that arguably was the one that brought this to the forefront. Interestingly, Matt Brenelson from Firestone Walker and I have talked about this on and off over the years, but Bob Kuntz at Highland Park is the one whothat really brought this to fruition and has a really great story. And I’ll be at their very small brewery. You know, he’s also the one that brought West Coast Pils to the forefront and would actually be a really interesting interview for you to chat with him, because it’s a modern version of Pilsner with an IPA flavour profile. But yeah, so he ferments all of his IPAs with lager yeast. So you are starting your fermentation cooler, but not as cold as a classic Pilsner or Helles or whatever other lager style, but definitely cooler than if you were using an ale yeast. And so we do make some IPAs where we are using lager yeast for that fermentation. And what you get is an even cleaner fermentation profile. You get fewerless esters, which again, here in the States, breweries are trying to have a super clean malt foundation, a really clean yeast contribution, and then let the hops really pop. And then you continue the process as if it’s an IPA, and the beer warms up through the fermentation so that when you’re dry hopping, you’re up to dry hop temperature, which is 68° Fahrenheit or 20° C, and off you go. And you do have more sulphfur. You have a little bit more sulphfur, but that’s not a bad thing because with that extra sulphfur, you have a little more shelf stability. It’s acting as a preservative. But I do know that some breweries also fight a little acetaldehyde in their IPA when they are fermenting with lager yeast. So there, it’s really a balance of not fermenting too cold, but fermenting warm enough to where you’re blowing off some of these quote unquote “off” flavours, but also cold enough to where you’re achieving what you’re trying to achieve, which is a cold fermentation to have a really clean platform. So yeah, we do do do this, but it’s not our regular process. Our regular yeast for our IPAs is Chico yeast, which is of course a reference to Sierra Nevada Brewing Company and the yeast that they started with. And rumour is, is that that yeast originally came from the Ballantyne Brewery, which is an old IPA brewery, which has some great history, in the middle of the mid- US. I actually don’t know if that’s totally true, and I’m not even sure if Ken knows that or not. But regardless, it’s a workhorse of an IPA, and it’s sort of the equivalent of 34/70, but on the ale side. It actually ferments quite cold for an ale yeast. It can ferment warmer. It’s pretty clean. Yes, it does have some ester contribution, but not a huge amount if you ferment it on the lower end of its spectrum. And 34/70 is kind of that same way. You can ferment it really cold. You can ferment it warmer. They’re just both super flexible yeasts that are, I’d say theyre related in the sense that they have that ability to really be flexible in how the brewer wants to use them.

Markus: Yeah. And there is some logic behind it. If you think that maybe American IPA started with bringing it more and more hop- forward. So first you reduce the crystal malt, also the malty part, make it more like a canvas for the hops. And then you may even reduce yeast aromas to have even more space for the hops, which is somehow logical for me. So, interesting. And now we have a lot of cold IPAs and all that stuff here also, which we get from the States and many nice beers among them. In general, I think that change in the beer world, at least in Europe, but probably also in the States, also goes another way, because people are drinking less or at least different. Also, they maybe have less money or they spend less money and they want alternative drinks like kombucha and hop water and whatever things. So in general, the alcohol consumption goes down and the interest on alcoholic beer goes down. Do you have this also at your brewery, and are you developing other products too?

Vinnie: You know, the only alternative thing that we make is hop water, at least right now. I mentioned that we add some advanced hop products. They’re flowable liquid- extracted hops. So basically super concentrated hops into a flowable form for some of our beers. So that replaces some of the T90 pellets. And we have reasons for doing that. And you can take some of those same products and make hop water and make a really clean, nice, easy- drinking hop water. That’s really the only thing we do. We don’t make non-alcoholic beer. We don’t make seltzer or, you know, FMBs, so.Those things just aren’t in our purview. Our real focus is just staying on our lane. We know what we’re good at. We know that we can always do better. We never rest on our laurels. You know, Natalie and I always say that we run our business with a little bit of paranoia. We’re always looking over our shoulder, always thinking that someone can do better. And that’s what drives us to keep making better and better beer and be more sustainable and do all the things we do that keeps our business healthy. You know, we’re going to have 5% growth this year. We had 7% growth last year and a couple percent growth the year before. You know, in the history of Russian River Brewery, there’s only been one or two years when we haven’t had any growth. And I’m also a firm believer that, to be successful, you don’t need to just keep growing. You know, the wine industry here proves that every year, that you can be a 10,000 case winery and do that year after year after year and not grow. You find other ways to, you know, you raise your prices a little bit, you find efficiencies, so on and so forth. And so, you know, for us, our business is pretty healthy, given the climate. And we’re very, you know, humbled and honoured that folks will continue to buy our beer even after all these years. But, you know, we also work our butts off to do that. But we also have made sure that were staying in our lane, like I just said a minute ago. And staying in our lane means that we don’t need to make seltzer. And I don’t have any issue with anyone making seltzers or kombucha or whatever you have to do to survive. If that’s what you need to do and your customers buying it, great, but it’s just not who we are. I have made, or I shouldn’t say made, I’ve attempted to make non-alcoholic beer three times in our pilot brewery. By the third time, it tasted as good as most of the major NA beers here in the States, but it didn’t taste any better. And with that in mind, you know, we haven’t released any NA beer. I’ve dumped them all. Would I like to have a non-alcoholic beer for our two brew pubs? I would. I would like to have one that we make, but until I can make one that meets, you know, what I think I want the flavour to be, we will continue to buy a non-alcoholic beer from another brewery. So we serve Firestone Walkers 805, which I think is one of the best non-alcoholic beers here in the States. And I’m fine with that, because they can make a better version of it than we can make. And but like I said, we’ll just stay in our lane and just try to keep focusing on making all of our beers better, and have better shelf stability, flavour stability, aroma stability, all that stuff.

Markus: First of all, it’s great to hear that your business is doing well. So I’m very happy about that. And second, I think it’s maybe the first time I ever heard from an American brewer that the main focus is not to grow. For me, that was always the big difference between most of the brewers I know here in my area, in Franconia, because if you ask them, they would never say, “We want to grow”, because they produce what they can produce. And they are always on that level and they won’t make more and they sell everything they produce. And that’s good for them. And when I went to the States, always the first or at least the second sentence was, okay, wwe have that plan of that growth and that growth and that and then we sell and whatever. And so for me, that was always a big difference. And I’m very, very, very happy to hear that also that thinking is there somewhere at least. That’s great.

Vinnie: Yeah. And all the growth we’ve had, this 3three to 5% growth, that’s all been organic. It’s not forced. We don’t tell our sales director, “You must find 5% more growth.” It’s just her telling Natalie and I, “Wwell, this is where the market’s going.” And if she came to us and said, “Twe don’t have anywhere to, there isn’t anywhere to grow”, that’s fine too. In fact, that’s what I expect every year. And we’re actually pushing up against our total capacity here at the brewery. And we aren’t looking to add more tanks and grow. And that’s actually what got a lot of breweries in trouble, is that they grew too fast and they invested too much. And then that loan payment was just too much to handle and they closed. And it’s really sad here in the States right now. There’s a lot of breweries closing small and large, and a lot of old iconic brands that are closing, going out of business. And that’s somebody’s dream. That’s someone’s business that’s closing. And although there are probably too many breweries here in the States right now, it’s still, it sucks for somebody in their business.

Markus: Yeah, I was very shocked , the last one I heard about was Rogue.

Vinnie: That’s the most recent one. And before that 21st Amendment. And when we were designing our big production brewery here in Windsor, California, which is just a short 10- minute drive from our brew pub in Santa Rosa, where we also brew and most people think of Russian River, one of the technical consultants we were using, he would, when we laid out what our, hes, someone we’ve known in the industry for years, but when he really got to know Natalie and I, and he’s, and he’s Belgian , he’s Flemish. So, you know, he has that idea of, like Trappist monasteries. He knows all about that. He, Floris would always say, “You and Natalie, you are like monks. Like you don’t grow your business. You’re not into growing your business. You think more like a monk does, with, you know, with the Trappist breweries that make beer.” And I always thought that was funny and wore it with a badge of honour and yeah, so, yeah, but there is a lot of truth in it.

Markus: But there is a lot of truth in it. What one thing, I have to ask, for a friend who is a very skilled home brewer and he has a lot of barrels where he is experimenting with and he uses a thing he calls the Vinniewind nail. And I think that refers to you. And he asked me if I can ever can talk to you, I have to ask you if there is a story behind that.

Vinnie: Yeah, so to give you a little background, I’m guess my claim to fame in the beer industry, is the double IPA, because Im credited with making the first modern, double IPA in the beer industry, back in 1994. And then the second thing is, is the Vinnie nail, so named after me. So essentially, when we started making barrel aged beers, I didn’t have a way. I was to pull a sample out. And if you know anything about doing, like, wild barrel- aged beer specifically, which is what we do and what were known for. When you add the pretend to my seas, you form a pellicle or a film yeast on the top. So if you use a traditional wine thief to pull a sample out, you break the pellicle and that’s not good because the pellicle is what protects the beer from too much oxygen. And with the pellicle, the only oxygen you’re getting is the micro- oxygenation through the wood. So the thought was, was to drill a hole in the head of the barrel. And then I stick a stainless steel nail in the head of the barrel. And so you then use a hammer, the backside of a hammer, to pull the nail out. And then you have a cup and the sample just trickles out of the nail, and you can kind of control the flow by the, if the bung is in or not, and the barrel is vented, and then you put the nail back in. It’s always important to have an extra nail in your pocket or I tuck it into my watch band. Funny story ,,Natalie gave me an, I watch for Christmas a few years ago, and it’s got a stainless steel band that I can pull tight. And that’s where I stick the nail. So it’s a use of my, I watch that. I didn’t know that I, that I would actually, you know, use for that reason, but you pull the sample and the, the, the beer comes out and its below the level of the pellicle. And so that’s the reason behind it and how it got started and, why I did it originally. I had looked at a bunch of different things that you could use, to put in to that hole and most were either too big or they were too clumsy, or it just wasn’t the right fit, but a nail, a stainless steel nail was perfect.

Markus: Absolutely. And it really works perfectly even in my friend’s cellar. So that’s great, yeah.

Vinnie: Yeah, it works. It works well. And it’s, and I get, and I’ll be honest, I chuckle to myself whenever I see a picture of, you know, in a beer magazine or a story about, you know, someone pulling a sample and they pull the nail as, as it’s called, and they’re taking their sample. And I’d think back to just how like simple and utilitarian and why I did it. And we’re really, you know, that’s another part of our business that’s, that’s growing again, our sour, wild, funky beer programme. Every, all these beers age in used wine barrels, or we have fooders. So upright wooden tanks that we’dve bought from wineries, that didn’t have a use anymore. You know, these beers were once about 10 or even 12% of our total beer sales. And then, no, from probably 2018 to 2022. So, through the pandemic, also the, they dropped and you know, back in the 2010 to 2015, it seemed like every brewery, at least in California, was making some form of a wild beer. So to some degree, our sales got diluted just by other people making them, but slowly and little by little as other breweries stopped making them. And we’re one of the only breweries that distributes our wild beers throughout the whole state of California, where we sell 80% of our beer in total, just in California. I mean, it’s 40 million people live here. It’s a small country in and of itself. So we have a huge marketplace and an audience, those sales have gone back up and we can almost like can’t keep the wild beers in stock, but the differences is we’re selling a lot more draughft wild beer instead of bottles, which is fine. We’re well take it either way. And I’m just excited that people are still drinking, these types of beers and theyr’re curious about it. And again, you know, as a lot of these breweries havethat we’re doing, it have dropped out of this part of the market, the overall quality of the wild beers being sold out in the marketplace has gone up, because those of us that are still making it like the lost Abbey, Beachwood, a little brewery in Southern California. And there’s, and you know, like Allagash on the eEast coast, from Portland, Maine. And there are’s many more that are still in the game, but the quality level is up again, because everyone that’s left already was already making super high quality wild, you know, funky barrel- aged beer. And here we are again, those same breweries are now the ones left and the quality is there. And that’s really exciting.

Markus: It’s about quality and innovation in a way. I know our hour is coming to an end, but I have two points I want to spotlight a little bit. One is the alternative grains idea. So you had this project with Garrett Oliver about Fonio, and I would just be curious or be interested about your experiences with Fonio and how it went and if there is a continuation on that.

Vinnie: Yeah, yeah, I love, that was such a great project and we, you know, we absolutely love Garrett and all he’s doing. And you knowI, if your listeners don’t know about the Michael Jackson Foundation, I encourage them to look it up on the internet and all the good work he’s doing there. And then he’s got this Fonio project that started out with Natalie and I trying some of his Fonio beers in 2019. And then, last year he asked us to be a part of the Bbrewing for Iimpact, collaboration, which was a global collaboration that also included Guinness and Carlsberg. And we were lucky enough to be the one US brewery. They asked to be a part of it. And so we made a Belgian blonde ale, that was inspired by a blonde ale that we were drinking at West Flutter in their blonde, back in 2022 when Garrett and Natalie and I were travelling together in Belgium. And so we kind of used that as the inspiration, thenat made a Belgian blonde ale that had 30% Fonio. And it went over really well in the marketplace. And we even made used Fonio in our kitchens at the pubs. And so if your listeners don’t know, Fonio is an ancient, Western African grain thats 5,000 years old that has the ability to grow virtually in sand without any irrigation, no fertiliszer, no pesticides, no insecticides, so on and so forth. It really is an incredible grain, has great flavour. When you eat it, it has this kind of nutty quality to it. But in beer, it comes off as being like a lychee fruit or a Sauvignon Blanc white grape type of flavour. It’s really cool. So, even past that project, we’ve continued to use it. We use it in our, in our saison, that’s called Robert. We make a blonde ale that we actually have the Fonio blonde ale on right now. And we’ve continued to tweak the recipe, but that’s now, just using our Chico yeast. So it’s a really clean beer, it has the colour of like an industrial lager because the Fonio lightens the colour up so much. We’re using a little bit of Nelson hops from New Zealand, kind of melds well with those flavours from the Fonio, and we’re using 30% Fonio in the grain bill. This year, 2026 coming up, we have a partnership with whole foods where theyre going to be featuring our Fonio beer and all of the whole foods that we sell in mostly here in California, but a couple of the other states we shipped to as well, that they’re going to have this, focused on Eearth Dday, which is in April. So that’s pretty cool. So yeah, we we’ve continued to use it and I’m super excited, and really just happy for Garrett and honoured that he asked us to be a part of the project and it really got us into using it.

Markus: Yeah, that’s really great to hear. And I must say, I tried some of the beers he made with athe Senegalese brewer in Africa and I was really surprised.

Vinnie: The Fonio Guinness was amazing. That was my favourite of all the ones I tried.

Markus: Unfortunately, I haven’t tried that, but maybe there is the opportunity in the future. The other point I want to talk about a little is, you are just installing a CO2 recovery equipment at your facility, and I would be curious about how was the decision was on that and what do you hope to achieve with it?

Vinnie: Yeah, that was so seven years ago when we opened and started building our production brewery, our big production brewery, we decided that we were going to install CO2 recovery down the line. And so we designed it into the facility, but couldn’t afford to put it in then hindsight, that was a blessing in disguise, because there’s been so much more advancement for small CO2 recovery equipment from just seven years ago to now. So in the end, we went with Daluem, just an absolutely amazing company. And we are really thrilled with what we have. So yeah, we did a lot, I did a lot of research the last few years. And then, you know, last year and into early this year, we installed all the hard piping and whatnot ourselves. And then they came in and helped us install the equipment. And so we’re now a 100%hundred percent off the grid. We don’t buy CO2 anymore. We send CO2 to our Santa Rosa pub as well. Weve even sold a CO2 cause we have an excess CO2. We’ve sold CO2 to another local brewery and since July 23rd, which is the day we turned it on, we’ve collected, about 225,000 pounds of CO2. So it’s pretty, it’s a pretty exciting and something Natalie and I have always wanted to do. We have a lot of sustainability built into our brewery. We have a wastewater treatment plant that treats all of the, it’s a pretreatment that treats all the brewery effluent. Most of that water gets treated at the end and refiltered and comes back into the building. And that’s our cleaning water for all the brewing. So our CIP is all reclaimed water. The whole landscape of our property is, is watered with recycled non-potable recycled water from our municipality. None of the rainwater, leaves our property. It all goes into the ground and then naturally into the aquifers or it flows out tohe wetlands that we have. Some day we’ll be able to run all of our toilets on the recycled water. Once some of the regulations change here in the state, and then solar would be the very last thing we do down the line. And we picked solar last because it’s the most expensive.

Markus: Fantastic to hear. And really interesting how big the change was between the first days when you started and the challenges then and what do you have now.? And that also leads me to maybe my last question. So if you would sit down with your younger self at the very start of your brewery journey, what would you say to yourself after all that perspective?

Vinnie: Yeah, that’s a shocking that we’ve got to where we are. I would have never thought that, you know, we would be a 50,000 barrel brewery. We did it very slowly, but were thrilled, you know, with what we’ved done, but yeah, just a total surprise. I didn’t think that we’d ever be at this level. I always, I remember going to Sierra Nevada as a home brewer and seeing the brewery and how pretty and shiny it was and just how tight it was and immaculate and efficient and just like, I would have never have thought that we would have had a facility like that. And you know, we’re humbled that people drink our beer the way they do and you know, honoured that, that we’re still relevant and in peoples conversations about beer. So, yeah, I think a younger Vinniey would have been shocked that, to see what beer has done for us.

Markus: And not only for you, also for us, I’m a really big fan. So thank you very, very much for your time, for the information.

Vinnie: Yeah. I hope you can come visit us sometime and maybe come out for our Plinyplenty of the younger triple IPA release some day.

Markus: I will do my best. Thank you very much and have a nice day.

Vinnie: Take care.

BierTalk 156 – Interview 2 mit Werner Schuegraf, Gründer, Braumeister und Ingenieur von Hopfenhäcker aus München

In dieser Folge geht’s nach fünf Jahren wieder nach München – und zwar zu einem Brauer, der sich seinen Weg nicht „geerbt“, sondern selbst erarbeitet hat: Werner Schuegraf von Hopfenhäcker, manchen bereits bekannt von BierTalk Folge 7. Wir sprechen darüber, wie aus den ersten Schritten bei Spaten, einer prägenden Craft-Beer-Zeit in den USA der 90er und den ersten Suden in der eigenen Garage schließlich eine eigene Brauerei wurde – erst in einer ehemaligen Bäckerei, später mit einem spannenden neuen Kapitel in der Forschungsbrauerei München-Perlach. Werner erzählt, warum er klassische Bierstile liebt – und trotzdem gern an genau der Stelle „dreht“, wo man es nicht erwartet: etwa beim Hellen, das durch Double Dry Hopping plötzlich eine ganz neue Dimension bekommt. Dazu verkosten wir diesmal nicht sein klassisches Sortiment – von Kill Bill (Belgian Wit) bis zu den IP Brothers (India Pale Lager), sondern landen bei drei limitierten Sauerbieren, gereift in Whisky-, Portwein- und Rumfässern…

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BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute werden wir etwas ganz Schönes und sicherlich auch Spannendes und Interessantes machen, denn wir treffen uns mit jemand, den wir, ach Gott, vor fünf Jahren, über fünf Jahren, weit über fünf Jahren schon das erste Mal im BierTalk hatten und er hat ein neues Projekt und hat von diesem neuen Projekt uns ganz spannende Fläschchen zukommen lassen und das werden wir jetzt mit ihm gemeinsam verkosten. Ja, bleibt die Frage, wo wir sind, mit wem wir sprechen, ich lüfte das Geheimnis, wir sind in der Landeshauptstadt in München bei Werner Schuegraf, der dort die Hopfenhäcker Kreativbrauerei hat, mittlerweile an einer neuen Wirkungsstätte ist, da können wir gleich ein bisschen drüber reden. Und, ja, erst mal Werner, wunderbar, schön, dass du da bist. Und vielleicht für all die, die sich entweder nicht mehr erinnern an den letzten BierTalk oder die ihn nicht gehört haben, sage doch mal zwei, drei Worte zu dir selber.

Werner: Ja, Markus, hallo und hallo an alle anderen. Ja, zu mir selbst, ganz vorne angefangen, in München geboren und irgendwann dann entdeckt, dass man ja vielleicht Brauer machen könnte. Bei uns, also ich bin kein Brauer seit Generationen, sondern tatsächlich, in unserer Familie bin ich der Einzige und werde es auch vorerst mal bleiben, weil die Kinder alle das nicht weitermachen wollen. Also, Brauer gelernt beim Spaten in München, dann Weihenstephan, den Ingenieur gemacht. Dann dem Thema Gasthausbrauerei verschrieben, eine Zeitlang, ja, eigentlich dann weiterhin auch, war ich dann im Anlagenbau nach ein paar Jahren Gasthausbrauerei hier in München, Köln, Augsburg, dann eben Anlagenbau weltweit und da war dann eigentlich so meine erste Berührung in den 1990er-Jahren mit Craft Beer einfach in den USA, wo es losgegangen ist. War spannend, ich fand es spannend, die Kollegen teilweise fanden es mehr wie anstrengend oder untrinkbar. Ich fand es immer schon spannend, weil da Menschen kreativ was gemacht haben und das hat mir gefallen. Da gab es dann schon mal die Idee, vielleicht kann man sowas machen, deutsches Brauwesen mit amerikanischem Freidenken, also damals noch, wir sind jetzt in einer anderen politischen Situation, zu verbinden, ist dann aber untergegangen. Und dann mehr oder weniger durch einen Zufall 2014 ist es dann losgegangen, dass wir in der Garage im 100-Liter-Maßstab gebraut haben und dort dann auch einen Amerikaner kennengelernt, der, ja, wahrscheinlich sogar mehr deutsch ist, wie ich deutsch bin. Und so haben wir uns in die verschiedenen Bierstiele eingearbeitet, bis dann 2016 das Angebot kam, in München, Haidhausen, mitten im Trubel, eine Brauerei einzubauen, eine alte Bäckerei und das haben wir dann gemacht und seit 2016 sind wir halt gewerblich unterwegs.

Markus: Spannend auf jeden Fall. Und da habe ich dich ja auch schon mehrmals besuchen dürfen, in dieser ehemaligen Bäckerei, sehr interessante Location, ein bisschen verwinkelt, aber hat auch einfach gut zu euch gepasst, auch gut zu euch als Team, du bist ja mit deiner Frau oder Lebensgefährtin zusammen und machst das, und ihr habt auch ganz interessante Konzepte für die Biere, mit schönen Etiketten und tollen Namen. Wenn wir vielleicht so ein bisschen noch darauf eingehen, wie hast du da zu deiner Linie gefunden, weil du machst ja im Grunde schon eher, sage ich mal, klassische Bierstile, aber immer mit einem Twist und der ist dann meistens sehr spannend, sehr hopfig oder sehr, ja, aromatisch auf jeden Fall.

Werner: Ja, gut, so erkläre ich meine Biere auch, genauso, wie du gesagt hast, traditionell, aber mit einem Twist. Ja, es sollte schon die Kombination aus dem normalen schweren deutschen Brauertum und eben dieser Freidenke sein, was jetzt nicht unbedingt amerikanisch sein muss. Die Amerikaner haben sich ja auch bei uns umgesehen, waren in Belgien, waren weltweit, sage ich mal, unterwegs und haben dann gesagt, so, das ist jetzt Craft Beer. Also einfach über den Tellerrand geschaut, um, ja, Biere anders zu bringen, aber schon noch so, dass es einem nicht die Ohren aufdreht, sondern dass es auch der Normalbiertrinker versteht, das ist mir wichtig. Also es sollte einer, der immer nur Helles trinkt, dem möchte ich einmal was anderes geben und der soll danach sagen, oh, habe ich gar nicht gewusst, dass es so auch schmecken kann, das ist mir wichtig. Wir haben natürlich auch unser Helles, aber das ist halt doppelt kaltgehopft, also, ja, das ist so die Idee dahinter.

Markus: Ja und die Biere sind ja auch sehr erfolgreich. Ich war jetzt auch zuletzt im Finale vom Lieblingsbierwettbewerb, da haben wir uns ja auch gesehen. Du musstest dann ja oder ihr musstet ja dann aus diesem schönen Münchner Herzensstüberl raus. Wie hat sich das denn ergeben?

Werner: Ja, Februar 2019 wurden wir angesprochen von dem Hausbesitzer der Forschungsbrauerei hier in München-Perlach, also erst mal nur angesprochen, da gab es noch ein bisschen hin und her und dann beim nächsten Treffen war das Thema, ob man sich vorstellen kann, mit dem bisherigen Brauer zusammen hier am Standort Bier zu machen. Hintergrund war der, dass denen 2018 im Oktober das Sudhaus von 1936 endgültig kaputt gegangen ist und es war jetzt keine große Bereitschaft mehr da, richtig neu zu investieren, darum hat man sich ein bisschen umgeschaut, hat gesagt, welche Player sind hier in der Gegend, vielleicht hat ja einer Lust, hier einzuziehen und dann in Kooperation oder der eine braut montags, der andere braut dienstags und so weiter, lagert links und lagert rechts, so etwas zu machen. Und da haben wir gesagt, ja, ist keine so schlechte Idee, wir müssen ja drüben eh raus. Das war ja klar, dass das ein Abrisshaus ist und dass das nur eine begrenzte Zeit hat. Und dann haben wir den Prozess gestartet, bis wir so, ja, eigentlich waren wir uns auch klar mit dem vorhergehenden Brauer, dass wir das zusammen machen. 14 Tage nach unserem Kick-Off, mehr oder weniger Meeting, kam dann vom Hausbesitzer die Nachricht, der zweite Brauer oder der erste Brauer, wie immer mal sagen will, macht nicht mit, von dem her waren wir dann alleine hier am Standort. Und, ja, hätte nicht besser kommen können, sage ich mal.

Markus: Absolut. Und man muss auch noch sagen, die Forschungsbrauerei ist ja wirklich ein Kleinod in vielerlei Hinsicht, also liegt so ein bisschen außerhalb, schaut so aus wie so eine Mischung aus einem kleinen Schlösschen und so einem Industriedenkmal irgendwie, also ganz, ganz interessant. Und hat ja auch eine spannende Geschichte, war ja tatsächlich eine Forschungsbrauerei, in der auch lange Zeit eben Biotechnologie und Rezepte und so weiter erforscht worden sind. Interessanterweise bin ich da mal auch drauf gestoßen, als ich über die deutsche Biergeschichte recherchiert habe, da gibt es so eine Gruppe von englischen Bierexperten, die nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland sind und überall so ein bisschen geschaut haben, wo denn oder was denn spannend ist irgendwo in der deutschen Bierlandschaft, wo man was lernen könnte, wo man was kopieren könnte letzten Endes. Und einer der ganz wenigen Orte, der erstens noch relativ unversehrt war und wo sie dann auch spannende Sachen gefunden haben, war die Forschungsbrauerei, also da muss der Stand schon relativ hoch gewesen sein. Vielleicht kannst du so ein bisschen noch mal sagen, für alle, die jetzt nicht so genau wissen, wo das ist, dass wir das ein bisschen einordnen, wo liegt die Forschungsbrauerei und wie schaut es da ungefähr aus?

Werner: Ja, also die Forschungsbrauerei ist in München-Perlach, das ist der Südosten von München. Die Straße, in der wir sind, ist die Unterhachinger Straße, das heißt, die führt direkt nach Unterhaching, also Richtung Süden. Kleine Gemeinde irgendwann mal gewesen. Perlach selbst ist 1930 erst zu München gekommen und jetzt, spannend, 1930 ist auch die Forschungsbrauerei gegründet worden. Wenn man jetzt so ab von dem, was wir jetzt gerade reden wollten, noch mal sich das betrachtet, das Erste ist ja, wenn man in München eine Brauerei aufmacht, heißt es, wann gehst du aufs Oktoberfest? Überhaupt keine Ambitionen, will überhaupt niemand, weil das komplett Schmarrn ist, also zumindest in der Größenordnung, wie es jetzt betrieben wird. Ein Craft-Beer-Zelt, wo viele verschiedene Player drauf wären oder so, das würde dem Oktoberfest guttun, aber, ich sage mal so, nach den Regularien, die es jetzt gibt, hat man da keine Chance. Und jetzt aber, natürlich eine Grundvoraussetzung zur Aufnahme in den Verein Münchner Brauereien, und das ist ja wieder die Voraussetzung, dass man auf die Wiesn darf, ist eine hundertjährige Brautradition in München. Und das ist natürlich so ein kleiner Sidekick, Forschungsbrauerei 1930, 2030 sind gerade noch mal fünf Jahre hin, hat eine hundertjährige Brautradition, also das nebenbei. Ja, du hast es gesagt, das ist ein Industriedenkmal mehr oder weniger schon hier, wir sind zwar nicht denkmalgeschützt, aber es schaut so aus. Es sind zwei ähnliche Gebäude, weil 1930 wurde die ursprüngliche Brauerei gegründet und 1936 gegenüber der jetzt bestehenden Brauerei mit dann 20 Hektoliter Ausschlagmenge, also da hat man dann schon ein bisschen was produzieren können, die Alte war irgendwie mit 8 Hektoliter, das war relativ schnell zu klein. Und Gottfried Jakob, der Gründer, war ein sehr innovativer, einfallsreicher, gescheiter Mensch, hat Untersuchungen für Brauereien betrieben, hat Probesude gemacht, hat Gersten getestet, also es wurde hier auch selbst gemälzt, hat Druckkochungen, also verschiedenste Verfahren auch angewendet, die er selbst auch beraten hat und hat in den 50er-Jahren irgendwie 20 Patente geschrieben, also ganz ein gescheiter Mensch. Was für mich persönlich noch mal ganz spannend ist, auch wenn die Familie eigentlich nicht aus der Brauerei kommt, hat meine Großmutter beim Gabriel von Sedlmayr gearbeitet, in der Spatenbrauerei. Meine Großmutter war noch 1896 Jahrgang und hat mit dem Gottfried Jakob Untersuchungsaufträge verhandelt. Das ist natürlich für mich so ein Ding, wo sich jetzt der Kreis schließt, weil in unserer Familie die Forschungsbrauerei immer Thema war, obwohl wir nie da waren, weil wir im Südwesten aufgewachsen sind und der Münchner bewegt sich ja nur nach Süden und sonst nirgendswohin, von dem her sind wir fast nie in den Osten gekommen.

Markus: Also das wusste ich auch noch und das ist ein schöner Twist, dass du auch in deiner Familie eine direkte Verbindung sozusagen dazu hast. Aber jetzt müssen wir langsam einmal flüssig werden. Vielleicht noch ganz kurz, wir werden in den Shownotes natürlich auch die Website verlinken, dort gibt es auch einen Shop, also da kann man unter anderem mit Sicherheit auch die Biere bestellen, die wir heute verkosten. Aber ich kann auch nur empfehlen, mal zu den Klassikern zu schauen, also ich erinnere mich an Kill Bill zum Beispiel oder die IP Brothers oder, ich überlege gerade, den Roten kenne ich, glaube ich, noch und einige andere, also spannende Biere. Willst du da vielleicht noch zwei, drei Sätze dazu sagen, wenn jemand sich euer Sortiment so ein bisschen verkosten will, was würdest du dem so an die Hand geben?

Werner: Ja, alles am besten verkosten. Ich meine, wir haben ja vorhin darüber geredet, so ein bisschen klassisch im Grundaufbau, dann aber noch mal eins oben drauf, also da haben wir hell, weiß und rot, also das Handgehopfte, unser Helles, doppelt kaltgehopft, das Weiße, die Hanfblüte, mit Hanfblüten gestopft. Der Rote, Münchner Märzen nachempfunden, ist aber kein Märzen, jetzt reden wir mit einem Franken, also das ist ein Rotbier, zu Deutsch, da weiß der Oberfranken Bescheid. Dann ein bisschen internationaler, Kill Bill als Belgisch Witt, IP Brothers als IPL, also als Indian Pale Lager gemacht. Wir sagen zwar immer jetzt ein IPA, weil es viele Erklärungen immer nach sich zieht, aber es ist in Wahrheit ein IPL. Dann haben wir unseren Wuiderer, das ist ein Imperial Red Ale und dann, ja, King Leo, ein Pilz, was inspiriert ist von dem Bier der Löwenbräu, was es zu meiner Studienzeit gegeben hat. Eins der besten Pilzbiere in Deutschland, auch wenn es in Bayern gebraut wurde, haben mir die Leute bestätigt, die es damals gemacht haben und einer davon war der Narziß, der damals bei Löwenbräu war. Er hat mir auch ganz klar gesagt, was er gemacht hat, da war er schon über 90, darum habe ich gesagt, das muss ich unbedingt machen. Dann haben wir Saisonbiere, zurzeit ein Winterbier, ein Belgisch Dubbel. Und eins unserer Topseller ist das Alkoholfreie, der Easy Rider, kaltgehopftes, mit gestoppter Gärung. Ein schön aromatisches Bier, wo wir viele Fans haben, und das Ganze, ja, im Shop erhältlich. Und das, was wir jetzt dann verkosten, die sind tatsächlich noch nicht im Shop, weil wir immer ganz schwach sind mit diesen Dingen, da muss uns immer erst einer anfragen und sagen, wann wird es denn mal Zeit oder jetzt ist mal Zeit, macht das mal. Aber ansonsten kann man uns auch immer anschreiben, wir schicken es auch so.

Markus: Na, wunderbar. Also wie gesagt, das werden wir auch mit in die Shownotes geben. Und ansonsten, fühl dich schon mal angestupst, also wir zeichnen jetzt zwei Wochen vor Weihnachten auf, der Talk wird kurz nach Weihnachten online sein, das heißt, vielleicht ist es bis dahin ja passiert, wir gucken mal. Eine Frage noch zur Hanfblüte, wenn du sagst, es wird mit Hanfblüten gestopft, sind da dann auch ein paar gewisse Inhaltsstoffe in dem Bier oder eher nicht?

Werner: Ja, dürfen natürlich nicht, sind ja normale Bio-Hanfblüten, womit man sich auch jederzeit sein Tee aufgießen kann, im Bier dürfen sie natürlich nicht sein. Hatten wir am Anfang ein bisschen Probleme, aber nachdem die Politik sich da ja nicht bewegt, mit diesem Biergesetz und die Verwaltung nichts machen können will, machen wir das weiter, das Verfahren ist eingestellt worden. Und dasselbe gilt übrigens für das Kill Bill auch, weil da haben wir auch Gewürze und Bitterorange mit drin. Also wir sind da in der Duldung, mehr oder weniger.

Markus: Okay. Dann, also wie gesagt, Leute, wenn ihr es noch nicht probiert habt, dann macht das. Und jetzt stiegen wir ein in die neue Kreation, wie gesagt, das kam bei mir im Paket an und ich fühle mich auch schon ganz geehrt, weil ich noch nie, glaube ich, von einem Bier, das limitiert ist, die ersten Flaschen bekommen habe. Also da steht dann eben hinten drauf, die Reihenfolge, also die Nummerierung sozusagen und es sind 250 Flaschen pro Charge und ich habe dann immer die Nummer 1 bekommen, also da ich fühle mich ja schon mal ganz, ganz geehrt. Und wir haben also drei verschiedene Biere, vorne steht Sauerbier, fassgereiftes Sauerbier drauf und dann haben wir einmal im Whiskey-Fass, einmal im Portwein-Fass und einmal im Rum-Fass. Aber vielleicht kannst du uns erst mal so ein bisschen einführen, was ist das denn überhaupt für ein Bier und ist es immer dasselbe Grundbier oder wie verhält sich das?

Werner: Also in dem Fall ist es dasselbe Grundbier, ja, ein Vollbier mit Weizenanteil, mit der Lachancea vergoren, 5 Alkohol, also relativ, ja, ich sage mal, erst ein unspannendes Bier. Was wir mit dem Bier sonst noch gerne machen, ist unser tropischer Traum, also ein bisschen mit Maracuja mischen, kommt immer ganz gut an und spannenderweise auch bei traditionellen Biertrinkern. Ich habe schon manchmal die Angst gehabt, also auf Veranstaltungen, wenn dann die bei uns unten in Lederhosen und mit Hut und so weiter, die Traditionalisten kommen und du bietest denen das Bier an, dass du es wieder ins Gesicht kriegst, aber, nein, gerade bei solchen haben wir auch die Erfahrung gemacht, also da waren einmal drei Junge da, die wirklich aus dem Oberland in Vollverkleidung, in Volltracht waren und die haben sich dann noch zwei weitere gekauft, also ist spannend, ja. Genau und das Bier habe ich dann jetzt in diese drei Fässer gelegt. Die drei Fässer haben eine Vorgeschichte, die haben wir das Jahr zuvor, im Fall des Portweinfass, mit einem hellen Festbier belegt, was ich noch nie gemacht gehabt habe, ein helles Bier in ein Fass zu legen. Das war ein 14,5er, also ein richtiges Festbier, war da auch für neun Monate drin. War ein Traum, fand ich oder fanden viele. Dann, was wir schon öfter gemacht haben, das Imperial Red Ale mit knapp sechs Alkohol, obergärig, richtig schönes, eigentlich schweres Ale, ja, ins Whiskey-Fass, Slyrs-Fass, ein dreijähriges Whiskey-Fass. Ich hatte es auch schon im Zwölfjährigen, das war mir zu viel zum Thema Whiskey, das Dreijährige bringt noch mehr Noten vom Holz einfach mit, noch ein bisschen Vanille, das ist sehr viel angenehmer in Verbindung zum Bier, weil ich auch immer schaue, dass man noch erkennbar ein Bier hat und nicht nur dann einen Whiskey. Und das Rum-Fass hat die Vorgeschichte von unserem Valentinator, also einem dunklen Doppelbock, Jamaika-Rum-Fass, genau dasselbe, parallel neun Monate, gute neun Monate in diesem Fass und das war unsere letztjährige fassgereifte Tradition oder Galerie, oder wie sagt man. Ja und da habe ich jetzt in diese drei verschiedenen Fässer mit den drei verschiedenen Vorbelegungen das Sauerbier, das gleiche Sauerbier dieses Jahr rein und habe gesagt, das möchte ich jetzt ausprobieren, nicht wissend was passiert.

Markus: Du hast praktisch die Fässer geleert und sofort wieder gefüllt oder war da dazwischen dann …

Werner: Genau, ja.

Markus: Und wenn du sagst Sauerbier, das heißt, du hast da bewusst ein kesselsaures Bier gemacht oder was hast du da gemacht?

Werner: Tanksauer, mit der Lachancea, die ja irgendwann aufhört, Säure zu bilden, vergoren.

Markus: Dann bin ich ja mal gespannt. Also ist ja eigentlich vom Alkoholgehalt her, ich sage jetzt mal, nicht so üblich, also meistens hat man ja in den Holzfässern eher recht starke Biere. Wobei ich sagen muss, ich habe da schon ganz, ganz tolle Beispiele erlebt, die sogar auch noch tiefer waren, also ab 2, 3% schon. Es ist halt anders und das ist auch eben mal spannend, weil der Nachteil ist oft bei diesen sehr, sehr starken Bieren, dass es halt alles überpowert, hat man halt den Whisky zum Beispiel und dann noch so ein Imperial Stout, dann ist halt alles aus vollen Rohren. Und irgendwie ist es dann auch, überfordert einen das auch irgendwo und ist dann auch immer ein bisschen gleichförmig, weil das ist halt dann so intensiv, ja, ist halt so, aber es hat dann keine Komplexität. Insofern, bin ich mal sehr gespannt. Mit welchem sollen wir denn anfangen?

Werner: Also ich würde mit dem Port anfangen, das ist das Weichste tatsächlich, ja.

Markus: Dann mache ich mal auf, so. Also was ja schon mal ganz grandios ist, ist die Farbe. Also einerseits hat es einen schönen Gelb-Orange-Ton, das geht aber dann so in ein Rotgold über und hat dann eben gerade so, also beim Einschenken auch, so einen wunderschönen Rotschimmer, der einen dann fast schon an einen Portwein erinnert. Ist das bei dir auch so?

Werner: Ja, ist bei mir so. Ich weiß jetzt nicht ganz genau, welches Glas du hast.

Markus: Ich habe unser Verkostungsglas, aber gleichzeitig auch das Barrel-aged-Glas, ist also für dieses Bier eigentlich wahrscheinlich ziemlich gut.

Werner: Ich habe ein Weinglas tatsächlich, weil, wenn wir jetzt dann gleich trinken werden, ich glaube, du kannst mir dann sofort folgen, ohne dass ich was sage. Also ich trinke die Biere gerne aus einem Weinglas.

Markus: Ja, absolut, also, ich meine, sowas braucht sowieso Öffnung, Bauch, Raum, um sich entfalten zu können, auch ein bisschen atmen zu können und dafür sind die natürlich perfekt. Also Nase ist auf jeden Fall auch sehr interessant. Ich habe tatsächlich als allererstes auch so weinige Noten, die begleitet sind dann von so ein bisschen Honig, ein bisschen Karamell und dann kommt eben so diese süße Kirsche vom Portwein, sowas kommt auch so ein bisschen mit raus, also ganz interessant. Und was war da vorher für ein Bier noch drin, bevor das jetzt reinkam?

Werner: Ein Festbier, ein helles Festbier, relativ traditionell. Da war auch, da müsste ich jetzt nachschauen, kein Kalthopfen mehr mit drin. Also das war ein Bier, was wir für hier die evangelische Gemeinde zu ihrem 50-jährigen Gottesdienstjubiläum gebraut haben, die haben von Haus aus nur die Hälfte abgenommen, das war klar, aber war eine schöne Aktion. Und mit so Bieren, die wir dann für irgendjemand brauen und wo immer was übrigbleibt, da probiere ich immer gerne Dinge damit.

Markus: Absolut, bietet sich ja auch an. Und in dem Grundbier jetzt ist auch einfach, also es ist kein besonderer Hopfen oder irgendwas, einfach nur ein 5-%-Klassiker, aber eben gesäuert?

Werner: Ja, da ist Citra mit drin, da ist Perle, Sorachi haben wir auch noch da drauf. Aber das ist jetzt, also, ja, kein hopfenbetontes Bier, das soll es nicht werden.

Markus: Es ist jetzt bei mir auch noch ein bisschen wärmer geworden, da geht es auch noch in so eine Malve-, Hibiskus-Note, also wirklich sehr, sehr schön, ein bisschen Erdbeere fast sogar, eher so gekochte Erdbeeren, lustig. Und wenn man es trinkt, was ich ganz toll finde, ist dieses unglaublich weiche Mundgefühl. Also das geht ja sofort los, ist ganz samtig und ist auf der Zunge, liegt es auch schon ein bisschen schwer, aber moussiert auch und dann entfalten sich noch mal auch diese fruchtigen Aromen und der Trunk ist auch ganz weich und ganz rund. Durchaus wärmend, also dafür, dass es nur 5% hat, finde ich, ist es sehr, sehr dicht, sehr intensiv, also ganz volles Bier und auch von der Säure her ganz harmonisch. Also sie ist am Anfang da, bleibt auch da, ist aber eben auf einem Level, ich würde mal sagen, wahrscheinlich wie so ein Riesling oder so, also ganz angenehm und schön, ja.

Werner: Ich habe gewusst, du kommst auf den Punkt. Also ich versuche zwar immer, die Biere erkennbar als Biere, also auch die fassgelagerten, als Biere zu bringen, aber in dem Fall, würde ich sagen, du bist eher, eben, bei so einem Riesling, beim Cidre oder sowas. Also, wenn es jemand die Haare hochstellt, weil man sagt, das ist Sauerbier, es ist Sauerbier, darum deklariere ich es auch so, habe ich auch gar keine Furcht davor, aber es ist, es würde mir jeden, nicht jeden Wein, das ist jetzt ein Schmarrn, aber es würde mir auch einen Wein ersetzen, sage ich mal, als schönen Aperitif, vorm Essen sowas, du hast die Säure. Ich kriege jetzt tatsächlich gleich Hunger.

Markus: Schön.

Werner: Ja, das bereitet dich vor, es ist trocken, ja, das ist für mich, ich empfinde das sehr stark im Weinvergleich, ja.

Markus: Also ich kann mir jetzt vorstellen, dass zum Beispiel auch, also anstatt von einem Rosé, also so ein schöner leicht fruchtiger Sommerwein. Also das finde ich ja das Angenehme, weil es eben nicht so schwer ist, trinkt sich das auch viel leichter und hat im Grunde dann genau diesen Effekt, dass es durch die Säure auch ein bisschen erfrischend ist. Es ist auch, also obwohl dicht ist, jetzt trotzdem nicht so komplex von der Aromatik, dass es einen völlig überfordert. Also, ich glaube, das kann man einfach wirklich schön, wie du sagst, so als Aperitif oder wenn man so auf einem Fenster draußen sitzt, irgendwo auf einem Balkon im Sonnenuntergang, kann man das schön genießen, das ist echt ein tolles Bier, also spannend.

Werner: Ich meine, das war schon ordentlich sauer, das muss man schon sagen, ja, aber die Säure, die die abgebaut wurde über die Lagerzeit in dem Holz, phänomenal, also ich finde es sehr rund. Natürlich merkt man es an den Lippen, aber es hat sich sehr, sehr, sehr abgebaut.

Markus: Ist das ein Prozess, den du schon kanntest oder etwas, wo du jetzt sagst, okay, damit habe ich vielleicht irgendwie ein bisschen gerechnet, aber ich wusste es nicht und es hat sich jetzt so entwickelt?

Werner: Ja, ich habe schon damit gerechnet. Ich bin ja im anderen Leben noch, mache ich ja noch Gesundheitsprodukte, wo ich mich mit Milchsäurerfermentation beschäftige und habe mich da mit Milchsäuregärung, ja, dann auch natürlich als Brauer, Berliner Weisse, die ganzen Geschichten, wie die früher gemacht wurde, nicht unter zwei Jahren Lagerung oder Rodenbach, die es zwei Jahre im Holzfass haben, das war schon klar, dass sich die Säure abbaut, dass es so weit geht, war mir nicht klar.

Markus: Und sind das dann Mikroorganismen aus dem Fass, die das machen oder ist das was, was schon im Bier ist, was dann sich einfach entwickelt über die Zeit?

Werner: Das entwickelt sich einfach, das ist die Säure an sich, meine ich. Diese Ausreifung der Milchsäure, die kenne ich schon, welcher Mechanismus dahintersteht, Forschungsaufgabe, Jugend forscht, muss ich mal nachschauen.

Markus: Ja, deswegen bist du ja in der Forschungsbrauerei.

Werner: Genau.

Markus: Nein. Also wirklich, was mir echt auch sehr gut gefällt ist, was du auch gerade gesagt hast, diese Harmonie, diese Ausgewogenheit. Und oft ist es ja eher so eine Reise, entweder fängt es sehr sauer an und entwickelt sich dann oder andersrum, aber hier ist der Trunk wirklich von Anfang bis zum Ende sehr konsistent, auf einem sehr angenehmen, aber eben gleichbleibenden Niveau und die Säure unterstützt auch die Aromen. Also diese Fruchtigkeit, die ich habe, eben diese Erdbeernoten und Traubennoten natürlich und Kirsche so ein bisschen, all das passt auch genau zu dem Säure-Level, den man da hat. Also wenn ich jetzt überlege, das vergleichen würde mit einem richtig guten Erdbeerwein, also nicht so gesüßten Produkten, sondern eben so echt, dann ist das auch ähnlich und wirklich dieses Fruchtige, was da im Hintergrund ist, das gefällt mir echt richtig gut. Und du hast dann praktisch jeweils ein Fass oder hast du da bei dir mehrere rumstehen?

Werner: Nee, nee, so groß sind wir auch nicht, jeweils ein Fass, aber das sind doch 200-Liter-Fässer.

Markus: Das heißt, von jedem gibt es 250 Flaschen, wenn ich das richtig gesehen habe sozusagen.

Werner: Also wir haben noch nicht alle abgefüllt, aber vielleicht wären es auch 249 oder 251, aber das ist so die Menge, die wir befüllt haben und raushaben, also genau, die waren nicht ganz voll. Eben auch für einen, ich sage mal, besseren Kontakt mit der Umwelt habe ich die extra nicht ganz voll gemacht, denke ich, hat gewirkt.

Markus: Sucht man sich da eigentlich dann einen bestimmten Portwein raus oder ist das dann einfach ein Portwein-Fass?

Werner: Ja, da könnte man natürlich noch weiter philosophieren, also, ja, es geht dann schon auch um die Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit. Das ist ein Tawny Port, ist jetzt für Leute, mit denen ich gesprochen habe, ein guter Portwein, aber, also da müsste man noch viel testen, um zu sagen, Mensch, das ist besser. Beim Whisky-Fass habe ich es ja schon mal erfahren, was mir da besser tut, beim Portwein bin ich da noch zu neu, muss ich sagen, ja.

Markus: Naja, aber auf jeden Fall, das ist dir gut gelungen, da kann ich nur sagen, Hut ab, sozusagen, sehr schön, es ist, ja, also wie ein Mon Cherie mit weniger Schokolade. Also, nein, wirklich sehr, sehr angenehm. Und vor allem, wie gesagt, ich glaube, das Gute ist wirklich, es ist nicht so stark, die Säure ist auf einem sehr angenehmen Level und insgesamt ist es einfach sehr harmonisch, sehr weich, sehr rund und dadurch eben auch erfrischend und im positiven Sinne überraschend, also sehr schön. So, dann hätten wir jetzt noch Whisky und Rum, womit machen wir weiter?

Werner: Also ich bin immer beim Whisky dann als zweites, also wir steigern uns so ein bisschen in der Intensität der Nase oder so, also auch das Fass kommt dann ein bisschen mehr durch, du wirst sehen. Also ich würde mit dem Whisky und Rum ist dann so ein bisschen das Raueste am hinteren Ende.

Markus: Okay, also dann machen wir mal den Whisky auf, so. So, also, von der Optik her, würde ich sagen, ähnlich, ein bisschen goldener, ein bisschen weniger rot, aber es ist auch da, also einen gewissen Rotstich hat es auch. Was ich interessant finde, ich habe jetzt hier sehr viel mehr Schaum, also bei dem anderen war es eher wenig Schaum, hier hatte ich jetzt einen ordentlichen Schaum obendrauf, der auch immer noch ein bisschen steht und schöne weiße, feine Pörchen hat. Und es strahlt und lächelt mich an, also das auf jeden Fall.

Werner: Also ich habe jetzt tatsächlich beim ersten Bier, war überrascht, wie es bei mir geschäumt hat. Kann ich jetzt nicht sagen, vielleicht, ich meine, wir müssen das ja wieder ins Fass tun, ins Stahlfass und dann karbonisieren, vielleicht waren da Unterschiede, das kann schon gut sein.

Markus: Oder ich habe einfach anders eingeschenkt, das kann natürlich auch immer sein, man ist ja nie gleich, das gehört ja irgendwie auch dazu.

Werner: Bei mir war jetzt kein Unterschied und, wie gesagt, ja, es war relativ viel.

Markus: Vielleicht war ich bei dem ersten zu vorsichtig, das könnte auch sein, dass ich jetzt doch ein bisschen mehr Gas gegeben habe.

Werner: Vielleicht war es das, ja.

Markus: Also die Nase ist ja tatsächlich jetzt ganz anders, hat mehr dieses Malzige, fast schon Marzipanige, Vanille kommt jetzt auch mehr rüber und weniger dieses Fruchtige, was wir vorhin beim Portwein hatten.

Werner: Ja.

Markus: Ja, so auch so ein bisschen, geht so fast in so eine leichte Ledernote, also sehr, ja, wie gesagt, deutlich anders, man hat mehr von diesem Malzeindruck, man hat das Fass noch mal ein bisschen anders präsent, eben mit mehr Vanille, mit mehr Mandel, mehr Karamell.

Werner: Ja, es ist schon ein bisschen kerniger eben.

Markus: Jetzt kommt auch ein bisschen so Fruchtigkeit. Also ein bisschen anders, das geht eher so in Apfel oder Quitte, aber ist auf jeden Fall auch da.

Werner: Das Obst, ja.

Markus: Stimmt, ja, so feige Rosine. Ein bisschen Tabakleder, finde ich, hat es auch, also da ist noch so ein anderer Ansatz mit dabei. Was war das für ein Whisky, ein Slyrs-Whisky?

Werner: Slyrs, ja, 3-jähriger Slyrs.

Markus: Ja, also vom Geruch her auf jeden Fall auch schon sehr schön und ähnlich intensiv, aber eben anders in der Aromatik.

Werner: Ich bin komplett dabei, also es ist nicht ganz so harmonisch, also nicht so eine Einheit wie das Erste, es ist so links und rechts ein bisschen, wobei es sich danach wieder so formt zu einem Ding, also es ist auch da. Das andere hat einen durchgehenden Körper, das hat das jetzt nicht so, da überwiegt einmal das ein bisschen stärkere Aroma und das Bier geht in den Hintergrund.

Markus: Interessant, das ist jetzt ein bisschen mehr ein Spiel mit Süße und Säure. Also da hat man praktisch so auf der einen Seite dieses vom Bier Schrägstrich Whisky, Schrägstrich Fass, dieses Vanille, Karamellige, Malzige, ein bisschen Honig auf der einen Seite und auf der anderen Seite dann eben diese Säurenoten, die dann auch wieder ein bisschen ins Fruchtige gehen, aber für mich wechseln die sich so ein bisschen ab. Also vorher war es ja so eine durchgehende Aromatik, jetzt ist es so ein bisschen eben abwechselnd. Und hinten raus hat man dann tatsächlich so ein bisschen so einen Apfelmost, ja, fruchtigen Charakter eben auch noch mal mit Vanille und Karamell und einen schönen eher süßen Ausklang spannenderweise.

Werner: Dasselbe Bier, dieselbe Lagerzeit.

Markus: Aber es vereint sich wieder am Ende, sie kommen zusammen und dann, der Nachtrunk ist wieder schön einheitlich. Also das erzählt wie ein bisschen eine Geschichte, während man trinkt, da ist man eben mal ein bisschen mehr auf der Whisky-Seite, mal ein bisschen mehr auf der Bier-Seite, mal ein bisschen mehr beim Fass und dann kommt man wieder zurück. Also der Nachdruck ist ganz angenehm, das finde ich ganz schön, also weil das so eine süße Fruchtigkeit, wie, wenn man so einen Bratapfel gerade gegessen hat oder so, ein bisschen auch noch die Haut, also ein bisschen was Ledriges auch. Also ähnlich wie im Geruch auch, wenn man so einen Boskop-Apfel hat vielleicht oder so, der ein bisschen auch Gerbstoffe in der Haut hat und auch ein bisschen so die Gewürze von so einem Bratapfel sind irgendwie auch mit dabei. Und was war da in dem Whisky fast vorher für ein Bier drin?

Werner: Das Imperial Red Ale, also ein 6-%iges Red X, also eigentlich hauptsächlich Red-X-Malz, Amarillo, Centennial, ein bisschen Citra, Taurus, also so die kräftigen Dinge tatsächlich, ja.

Markus: Ich glaube, die haben sich schon auch ein bisschen bemerkbar gemacht, also die malzige Komponente auf jeden Fall noch mal. Und auch, diese Hopfen haben ja durchaus auch noch mal intensivere, auch fruchtige und gewürzige Aromen, ich könnte mir vorstellen, dass das auch, so ein bisschen zumindest, sich damit rüber gezogen hat.

Werner: Also wir haben die Fässer tatsächlich nicht ausgewaschen, sondern einfach nur auslaufen lassen und dann neu befüllt, ganz bewusst.

Markus: Und in dem Fass selber, ist da dann auch noch mal irgendwas passiert, gärungsmäßig oder mit Brett oder mit irgendwelchen anderen Mikroorganismen oder war das dann eher so, dass es einfach gereift ist?

Werner: Also nicht gesteuert, das war jetzt ein bisschen eine spontane Sache. Es hatte schon einen Deckel, sage ich mal, oder eine leichte Oberfläche, da ist schon noch mal was passiert, ja. Das war schon auch bewusst so gemacht, indem man da einfach auch den Luftraum gelassen hat, nicht nur einfach randvoll gefüllt und dem Sauerstoff keine Chance und damit auch irgendwelchen Mikroorganismen, sondern schon so, dass man noch eine Oberfläche hat, damit sich da noch was tut, aber spontan.

Markus: Hast du das zwischendurch mal probiert im Laufe dieser Lagerzeit?

Werner: Ja, ja, ich habe es regelmäßig probiert, war, ja, ich sage mal, es war ähnlich wie in dem Portwein-Fass das Festbier, nachdem ich das ja das erste Mal gemacht habe und immer so nicht ganz sicher war, ob ein helles Bier in einem Fass ausgebaut wirklich was bringt, war es auch über die Zeit so die ersten 5, 6 Monate so, dass man sagt, okay, ja, ist halt so und dann irgendwann hat es angezogen. Und wenn wir es dann raushaben und gesagt haben, was für ein Bier, also es hat sich wirklich dann entwickelt, aber relativ spät. Und die, ja, die Leute, die alle drei getrunken haben, die haben dann das Festbier im Port-Fass nachgekauft, ja.

Markus: Ja, ich glaube, das ist schon so, ja, weil so ein helles Bier halt doch noch mal mehr, sage ich mal, Raum bietet, dass sich eben die Aromen vom Fass und von der Vorbelegung da noch mal ausbreiten können, was halt oft bei zum Beispiel bei so einem Imperial Red oder einem Imperial Stout oder irgendwie so, da ist halt das Bier an sich total intensiv und lässt dann weniger Raum. Also vielleicht hat das was damit auch zu tun.

Werner: Du hast halt bei dem hellen Bier, wenn das irgendwelche Ausschläge macht, die können sehr dramatisch werden, ja, weil das nichts puffert. Aber ich bin tatsächlich totaler Fan, wir machen ja auch unser Flower Power, das ist eigentlich unser Sommerbier, das war eigentlich immer unser Maibier, schon gut gehopft, ein Festbier mit Bitterorange, auch so ein bisschen ein Ding. Und das ist so mein nächstes Projekt, dass ich das in eine Chardonnay-Fass lege, weil ich bin eigentlich ein totaler Fan von hellen Bieren. Also auch nicht über, das hat dann auch 6 Alkohol oder so und das ist dann einfach gut weggelegt, es ist so irgendwie, wie soll man sagen, subtiler, die Aromatik dann.

Markus: Auf jeden Fall. Wo ich auch mal ganz überrascht war, war ein heller Bock in einem Muskateller-Fass, das hat sich auch sehr schön verbunden. Also weil da der Bock, also der hat natürlich ein bisschen mehr Alkohol gehabt, aber an sich war er jetzt auch nicht sehr intensiv und hat dann wirklich sehr schön diese ganzen, ja, auch gewürzigen Traubenaromen von dem Muskateller aufgenommen, das war eine tolle Kombination. Also, ich glaube, da ist noch viel Musik drin und gerade was helle Biere angeht, ist halt noch nicht so viel ausprobiert worden. Also, wie gesagt, hier fühle ich mich wieder in so einer, ja, schönen, entweder in so einer sommerlichen Situation oder in so einem Aperitif oder so, also wirklich ein sehr schönes, frisches Bier, was man gerne trinkt. Vielleicht jetzt eins, wo man ein bisschen mehr noch drüber nachdenken kann. Also das Erste, finde ich, hat man einfach schön wegtrinken, im positiven Sinne, können und hier beschäftigt man sich vielleicht ein bisschen mehr damit und es kann eben auch die Whisky-Herkunft nicht verbergen und will es ja auch nicht, also insofern, das auf jeden Fall auch schön. Könnte ich mir auch dann vielleicht im späteren Verlauf von so einem Menü dann zu einem der Hauptgänge oder sowas vorstellen, aber auf jeden Fall, ja, auch wieder durch diese schöne, angenehme Komplexität, rund, Weichheit, ja, wirklich interessant. Also finde ich auch toll, wie unterschiedlich die sich in den verschiedenen Fässern hier entwickelt haben auf der einen Seite und wie schön sich trotzdem die Drinkability, sage ich mal, also dieses Verhältnis Säure, Alkohol, Süße, wie sich das wiederum gleich entwickelt hat, sodass die da auf dem gleichen Niveau sind.

Werner: Ich bin bei dir, also das eine, das Zweite jetzt hier ist komplexer, es ist, ja, regt ein bisschen mehr zum Nachdenken an, könnte man im Verlauf des Menüs irgendwo mit einbauen. Das Erste ist für mich ganz klar ein Aperitif, sommerlich frisch, durchgehend da, was es verspricht schon von der Nase her.

Markus: Ja, dann müsste ja von der Logik her das Rumbier dann unser Dessertbierchen sein. Bin ich mal gespannt, ob dem auch so ist, schauen wir mal.

Werner: Ja, schauen wir mal, ja.

Markus: Ich mache mal hier mal auf, so. Haha, also es lag wirklich an mir, jetzt habe ich mal mit noch etwas mehr Effet eingeschenkt und jetzt hat es noch mehr Schaum, also ich war schuld, alles gut. Also Farbe auf jeden Fall auch wieder ähnlich jetzt, würde ich sagen, noch ein bisschen intensiver, ein bisschen dichter, etwas dunkler.

Werner: Dunkler, ja.

Markus: Also bei mir steht der Schaum jetzt sogar wirklich wie eine 1 immer noch, wunderbar, toll.

Werner: Ja, kommt schon runter, ich habe auch noch Schaum, aber es ist vielleicht sogar ein bisschen intensiver wie bei den anderen Bieren.

Markus: Was war das jetzt für ein Rum, um das mal so einzuordnen?

Werner: Jamaika.

Markus: Jamaika.

Werner: Das Fass, ja, die ganze Geschichte weiß ich nicht dazu, aber wir haben ja hier so einen Holzfasshandel bei uns im Oberland, ich habe es auf jeden Fall aus dem Schnee ausgegraben. Doch, das war vor zwei Jahren, hat es ja bei uns am 2. Dezember so wild geschneit, wo dann gar nichts mehr ging und da danach bin ich da rausgefahren, um das Fass zu holen und da mussten wir erst mal verschiedene durchriechen, ob die okay sind und entsprechend mussten wir erst mal so, ja, ein halber Meter war es nicht, 20 cm, 25 cm von den Fässern weggraben und da haben ich mir das dann ausgesucht. Da erinnere ich mich immer noch an kalte Finger, ja.

Markus: Ja, also in der Nase, finde ich, ist jetzt das Fass noch mal als solches intensiver, also die Holznoten, die Holzaromatik. Man hat tatsächlich auch so dieses typische Rum, Rosine, Schokoladige, ein bisschen in diese Richtung, ja und auch, was wir vorhin schon so ein bisschen hatten, diese Tabakkomponenten, sowas ist auch noch mal da.

Werner: Tabak vielleicht noch mal stärker, ja.

Markus: Ja, also Tabak und auch Leder, also so, ja, so diese dunklere Seite, würde ich mal sagen, ist ein bisschen.

Werner: Dark Side.

Markus: Genau, ist auf jeden Fall da. Und eben die Rosinen, also die Rum-Note ist tatsächlich so ein schweres, Rosinen, Marzipan, Mandel, ja, also da merkt man schon, das ist schwer, also irgendwie hat man da Intensität mit dabei. Und dann kommen auch noch so Feigen und Datteln und sowas, das ist ein bisschen subtil, aber es ist auf jeden Fall auch mit dabei.

Werner: Datteln auf jeden Fall, ja.

Markus: Okay und wieder anders, also. ich finde es etwas weniger intensiv vom Geruch her als die anderen beiden, aber dafür komplexer, also schwerer und mit mehr Facetten drin. Probieren wir mal ein Schlückchen, Prost. Das ist interessant, weil ich mir nicht sicher bin, ob es jetzt süßer oder saurer ist. Es ist irgendwie beides, also auf der einen Seite empfinde ich, es hat eine deutliche Säure, die mir fast ein bisschen intensiver vorkommt, aber auf der anderen Seite hat es auch eine richtig schöne Süße, die beiden stehen so nebeneinander, kämpfen so ein bisschen miteinander. Und hinten raus klingt es dann eher wieder auf der süßeren Seite aus, interessant. Wie empfindest du das?

Werner: Ich habe das Glas vorher abgesetzt und da hat sich der Spiegel oben von dem Schaum gedreht und genauso kam es mir im Mund vor, zwischen eben der Süße und der Säure, es ist so ein bisschen durcheinander. Aber beim zweiten Schluck war so eher erst die Süße und dann die Säure, aber die Säure wesentlich intensiver noch mal. Was heißt wesentlich, also intensiver wie bei den anderen beiden.

Markus: Also präsenter einfach, das ist schon so.

Werner: Also spitzer so ein bisschen, nicht so eingebunden, sondern einfach so ein bisschen spitzer da.

Markus: Und die Brücke zwischen den beiden ist tatsächlich dieses, Rosinen, Marzipan, mandelig, also zwischen der Süße und der Säure, dazwischen hat man dann das. Und das ist auch sehr weich und das bleibt auch auf der Zunge relativ lang. Ja, in der Tat, ich glaube, das könnte ich mir jetzt zu dem Nachtisch echt gut vorstellen, so ein Mandelparfait mit Walnusseis, irgendwie sowas. Ja, wieder ganz anders, wie du es gesagt hast, in dieser Trilogie, das Kantigste, Komplexeste. Aber gerade dadurch natürlich, also, was ich jetzt wirklich ganz toll finde, mir geht es eigentlich so, als hätte ich jetzt hier so einen 10-Prozent-Kracher irgendwie mit ganz viel Aromen und was weiß ich was und das ist ja wirklich spannend, dass das geht, ja.

Werner: Dasselbe Bier, 5%, sauer ist ja eh immer so aromenreduziert, so ein bisschen, ja, also ein frisches Sauer, muss man sagen, die Aromen, die dann durch die Lagerung entstehen, die sind beim Sauerbier dann schon auch sehr, sehr spannend. Und in dem Rum hat es sich halt, ja, das ist zwar auch ein rundes Fass, aber es hat sich sehr kantig ausgebildet, ja.

Markus: Ja und ich glaube, jetzt, wo du sagst, das ist tatsächlich so eine Mischung, weil die Rum-Aromatik an sich ist ja schon relativ nah auch an dieser Alterungsaromatik, die einfach nach zwei Jahren so ein bisschen auftaucht und, ich glaube, das hat sich hier schön verbunden, also hat gut zueinander gefunden, das ist ja eh so ein bisschen trockenbärig und das kommt hier wirklich schön zueinander, sowas.

Werner: Sowas.

Markus: Ja, ich finde da wirklich, das hat man ja nicht alle Tage, wunderbar. Ja, also auch, kann ich wieder nur sagen, großartig gelungen, sehr, sehr interessant, also gerade, wenn man die auch nebeneinanderstellt. Habt ihr die dann vor, auch im Set, als Dreierset anzubieten oder wie wird es die wahrscheinlich geben?

Werner: Ja, wir haben so ein Dreierset, ich habe es bei mir auf dem Tisch stehen, ja, weil sowas kann man toll verschenken. Also auf der Homepage haben wir auch das Set vom letzten Jahr, genau so ist das auch dann gemacht, da schaut halt dreimal vorne dasselbe Bier raus, aber auf der Rückseite oder es ist jeweils aus dann eben die drei verschiedenen Fässer drin. Und das ist, ja, ich glaube, eine ganz schöne Sache, weil man kann da mal sich ein bisschen hin tasten, an die Geschmäcker, an ein Sauerbier überhaupt, weil das ist ja etwas, was bei uns in Deutschland ja immer noch so ein bisschen, also vielleicht nicht in Deutschland, in Bayern noch schlimmer, ja, noch nicht so anerkannt ist, was es eine wunderbare Sache ist.

Markus: Ja und ich glaube, wir haben einfach das Problem, dass dieser Terminus oder der Begriff Sauerbier bei uns halt so negativ belegt ist, weil, also ich weiß gar nicht, warum, ehrlich gesagt, weil die Zeiten, wo saures Bier für schlechtes Bier stand, die sind ja eigentlich schon über 100 Jahre vorbei, aber irgendwie hat sich das vielleicht auch so ein bisschen gehalten, also im Hinterkopf von vielen Leuten und da fällt es vielen schwer, eben damit eine eigene Biergattung, eine eigene Idee von Bier zu assoziieren. Ist die Frage, ob man dafür nicht irgendwann mal entweder einen anderen Begriff finden muss oder halt die Leute noch ein bisschen mehr aufklären muss, dass eben Sauerbier etwas Eigenes ist, genauso wie eben ein hopfengestopftes Bier oder ein Eisbock oder sowas, wo es einfach um bestimmte Methoden der Herstellung geht. Und was hier eben auch sehr schön ist, ist, dass es nicht diese extreme Säure ist, was man ja gerade in dem Craft-Bereich oftmals hat. Ja, wir hatten es neulich, ich komme ja gerade von einem Bierwettbewerb in Polen und da gab es eben auch Leute, die erzählt haben, dass sie auf einem Sauerbier-Festival in Italien waren und sich erst mal so basische Tabletten eingeschmissen haben, damit sie gegen die Säure überhaupt ankommen. Und die machen ja dann auch, viel hilft viel, das ist dann nur noch Essig und sowas will ja keiner trinken, also zumindest nicht in einer angenehmen Umgebung, wie wenn wir jetzt hier sagen, zu einem Menü, einfach als ganz normaler Mensch, der jetzt sagt, okay, heute gönne ich mir mal was Schönes, was Besonderes, was Spezielles und da mache ich mir mal so ein Fläschchen auf, und das kann man mit diesen Bieren ja wunderbar machen. Und die sind, wie gesagt, dieses Säureniveau liegt irgendwo bei einem nichtsauren Weißwein, also insofern, das kann man ganz normal trinken und das ist sehr angenehm und hat dadurch ja auch eine Frische und ist dadurch auch nicht so sättigend, wie zum Beispiel ein sehr süßes Bier, ein Bock oder so, sondern regt an für ein Menü und es ist also wirklich ein tolles Getränk. Ja, vielleicht muss man da wirklich mal überlegen, wie man das noch anders bezeichnet oder die Leute besser aufklären, ich weiß es auch nicht oder so wie du, jetzt einfach durchgeht und es so macht

Werner: Ja, genau.

Markus: Und das ist vielleicht auch die schlaueste Variante, das einfach klar so zu benennen und eben zu sagen, gut, aber in dem Fall oder in unserem Fall haben wir uns was ganz Besonderes dabei gedacht und das ist jetzt eben unsere Variante, also, ja.

Werner: Ja, wir haben es, genau wie du sagst, einfach durchgehen, wir haben auch überlegt, schreibt man da irgendeine Fantasiebezeichnung drauf, nein, das ist ganz bewusst so gewählt, aber ja, auch so ein bisschen, du kannst die Leute nicht erziehen, aber ja, ein bisschen, was kann man ihnen schon vormachen. Also, kleines Beispiel, ein aus der Braubranche stammender Mensch und sein Freund sitzen bei einer Veranstaltung von uns und wir haben das Bier gerade abgefüllt gehabt am Tag vorher. Und ich habe mit denen lange gesprochen und die kommen oft zu uns und dann habe ich den beiden das Bier vorgesetzt, der Brauer sagt, ja, interessant, kann ich nicht den ganzen Tag, Abend trinken. Der, ich sage mal, der Neigschmägte sagt, doch, das kann ich nicht den ganzen Abend trinken, das ist angenehm. Also da haben wir einen Erziehungsauftrag, ganz einfach und darum haben wir gesagt, Sauerbier steht da vorne drauf. Man muss mit den Leuten reden, wir reden eh viel über das Bier, also reden wir mit den Leuten und ja, ich sage mal, 50-50, die einen sagen, nee, Sauerbier, ja, ich probiere es jetzt mal, aber und die anderen sagen, ich probiere es, oh, Begeisterung. Also gibt es tatsächlich, dass Leute plötzlich sagen, hätte ich nie gedacht, dass ein, ich sage mal, dieser Begriff Sauerbier ist negativ, also ein negativer Begriff, ein negatives Bier, so toll ist. Und das ist dann wieder einfach die Chance oder die Aufgabe von uns Kleinen, mit den Menschen zu reden und deren Horizont zu erweitern.

Markus: Und das passiert auch, also ihr habt in der Forschungsbrauerei ja auch eine Begegnungsstätte, wo auch Leute kommen, wo du das denen auch servieren und erklären kannst.

Werner: Also wir haben ja früher immer einen Hofverkauf gehabt, wie wir noch in der Weißenburger waren, zweimal die Woche, das machen wir jetzt nicht mehr, weil wir hier die Gastro haben. Zurzeit nicht, weil gerade der Wirtewechsel ansteht, das geht erst wieder ab Februar los. Aber wir haben einmal im Monat unsere Veranstaltung, unsere Zusammenkunft, wo die Leute zu uns in die Brauerei kommen und da können wir face to face sprechen, verkosten, Fragen klären. Und das machen wir und das ist eigentlich immer eine recht schöne Geschichte.

Markus: Wunderbar. Und die Termine finde ich dann auf der Website wahrscheinlich auch?

Werner: Wir schicken ein Newsletter mit Terminen. Also wir planen eigentlich einmal im Jahr die Termine fürs Jahr, das heißt, wir sind jetzt gerade ausgelaufen, müssen das nächste Jahr planen und dann kriegen alle Leute, die sich bei uns für den Newsletter angemeldet haben, da eine Info drüber, genau. Und, ja, ein paar haben wir schon, es werden immer mehr. Ja, es ist eine lustige Gemeinschaft, weil wir halt auch, wir haben die Philosophie, da im Stehen Bier zu trinken, es gibt ein paar Sitzplätze, aber es gibt immer einen Flow, also die Menschen reden miteinander, das ist uns eigentlich sehr wichtig und den Menschen auch wichtig, die zu uns kommen und da kommen ja Leute schon seit Anfang an. Genau und da reden wir über das Bier und haben immer ein Bier des Monats und alle anderen Biere natürlich sowieso, aber am Fass hängt dann immer eins des Monats und noch was Nettes anderes. Da muss man sich bei uns anmelden, wir sind ja nicht so, dass wir da jeden …

Markus: Ja, ein bisschen elitär, okay. Nein, also wir werden die Kontaktdaten und das alles auch mit in die Shownotes aufnehmen und ansonsten kann natürlich jeder, der sich informieren will, einfach die üblichen Suchmaschinen bedienen oder auf hopfenhaecker.de zumindest irgendwie Kontakt aufnehmen und dann findet man schon zusammen, wenn man zusammenfinden will. Also vielen Dank auf jeden Fall, das war mal wieder ein ganz toller Einblick in deine, Schrägstrich, eure Welt und zeigt auch mal wieder, was eben rauskommt, wenn man die Dinge einerseits professionell, aber eben andererseits auch mal ein bisschen anders andenkt und angeht und wir dann eben so ein ganz angenehmes, tolles Sauerbier haben, was, ja den Vergleich mit jedem Wein nicht scheuen muss und was ich mir echt gut vorstellen kann in einem Menü und auch im hochklassigen Thema da irgendwo mal umzusetzen, also Glückwunsch auf jeden Fall. Und ansonsten euch dann noch heute einen schönen Tag und eine schöne Weihnachtszeit und dann viel Erfolg mit all den BierTalk-Kunden, die dann hoffentlich auf euch einstürmen werden.

Werner: Ja, danke dir vielmals für die Einladung, aber diese, was du gesagt hast, ja, mal experimentell oder so, das steckt halt im Häcker, also Hopfenhäcker, darum habe ich den auch extra da reingeschrieben, nicht meinen Namen, sondern wir häcken ja so ab und zu mal und das war jetzt so ein Häck, wo ich dann sage, okay, der ist gelungen, es muss ja nicht immer passieren, dass es gelingt.

Markus: Ja, aber der auf jeden Fall. Also auf den Hopfenhack, dann sagen wir noch mal Prost und dann, wie gesagt, noch mal einen schönen Abend.

Werner: Zum Wohl.

Markus: Ja.

Werner: Eine schöne Zeit, frohe Weihnachten.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

BierTalk Spezial 72 – Informationen von Theo Flissebaalje, Bierjournalist und Beerjudge aus den Niederlanden

Diesmal gibt es ein BierTalk-Experiment der besonderen Art. Nachdem mein lieber Freund Theo Flissebaalje Anfang des Jahres verstorben ist und wir immer geplant hatten, einen Podcast zur Geschichte des Niederländischen Bockbieres aufzuzeichnen, habe ich eine Möglichkeit gefunden, es doch noch umzusetzen. Mittels KI-Unterstützung gibt es die Zusammenfassung eines ausführlichen Artikels von Theo, der nicht nur Journalist, sondern eine weltbekannte Ikone in der Bierwelt, unter anderem auch als Beerjudge, war, als BierTalk Spezial in Memoriam Theo und auch dafür, dass seine Botschaft weiterlebt. Insofern erwartet Euch eine spannende Reise durch die Geschichte des „Bokbiers“, wie es in den Niederlanden genannt wird, die aber auch mit der deutschen und europäischen Biergeschichte eng verknüpft ist. Am Ende klären wir auch auf, warum das Bokbier in unserem Nachbarland von allen Brauereien immer zum selben Termin, dafür aber immer früher im Jahr ausgeschenkt wird…

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts Beer Talk. Heute wirklich etwas ganz Besonderes, aber auch etwas Innovatives und etwas Denkwürdiges, denn ich habe einen sehr, sehr guten, lieben, alten Freund verloren, leider, einen Freund aus den Niederlanden, Theo Flissebaalje, der dort eigentlich zu den Protagonisten überhaupt der Beschäftigung mit Bier in der modernen Zeit gehört hat und dort die Verbraucherorganisation PINT mit aufgebaut hat, das Magazin mitgestaltet hat, in der EBCU sehr viel tätig war und auch selber als Journalist tätig war, viele Artikel rund um Bier und Brauereien in Belgien vor allem, aber auch natürlich die Niederlanden und Deutschland geschrieben hat. Wir haben uns regelmäßig besucht und er hat seinen Urlaub oft in Bamberg verbracht und wir haben viele Ausflüge hier in die Gegend gemacht und wir haben immer überlegt, wie könnten wir mal einen Podcast machen, und sein Englisch war nicht so super, aber sein Deutsch eben auch nicht und dann haben wir immer hin und her überlegt und leider Gottes ist es nie dazu gekommen, dass wir einen aufgezeichnet haben. Was er aber gemacht hat ist, er hat einen ganz tollen und auch bahnbrechenden Artikel geschrieben über das niederländische Bockbier. Das ist ganz interessant, weil dieses niederländische Bockbier dort wirklich eine Ikone ist und eine ganz spannende Geschichte durchlaufen hat und ein bisschen was auch mit dem Deutschen zu tun hat und da eben viel hin und her der beiden Kulturen ist. Und er war der Erste, der das überhaupt so ein bisschen erforscht hat, der in die Archive gegangen ist und eben da so ein bisschen rausgefunden hat, woran das Ganze liegt oder wie die Geschichte dahinter ist. Und was ich jetzt gemacht habe, ich habe einfach mal überlegt, probieren wir doch mal KI aus und ich habe seinen Artikel, den er auf Niederländisch verfasst hat, über Notebook LM, das ist ein Teil der KI von Google, in eine Art Podcast verwandeln lassen und den würde ich euch gerne jetzt in den nächsten 20 Minuten mal zum Anhören geben. Natürlich sind das jetzt nicht die echten Stimmen, weder die von Theo noch von mir, aber der Inhalt ist auf jeden Fall der und die Botschaft, die er auch gerne ausgesendet hätte, wird auf diesem Wege wenigstens mal rausgeschickt und auch von einem deutschen Publikum gehört und das rechtfertigt, ja, glaube ich, den Kompromiss. Also, insofern wünsche ich euch jetzt viel Spaß bei der Erkundung der Geschichte des Bockbiers. Seht der KI nach, wenn an der einen oder anderen Stelle mal eine falsche Aussprache ist oder wenn es zum Beispiel bei der Dekoktion auch mal kurz einen inhaltlichen Fehler gibt, der aber dann wieder korrigiert wird, aber an sich bringt es das alles gut rüber. Also, viel Freude jetzt bei diesem KI-Podcast und lasst uns alle ein Gläschen auf Theo heben, der wirklich ein ganz Besonderer war für die Bierwelt, für die Judging-Welt und für mich ganz persönlich.

I: Heute haben wir eine Geschichte vor uns, die auf den ersten Blick vielleicht wie eine einfache Produktgeschichte klingt, aber eigentlich ein faszinierender Wirtschaftskrimi ist.

B: Absolut.

I: Du hast uns einen Artikel von Theo Flissebaalje geschickt, der die Geschichte des niederländischen Bockbiers aufrollt. Und man denkt ja, man kennt es.

B: Klar, dunkles, starkes Bier, das im Herbst überall auftaucht.

I: Genau. Aber die Frage, die der Artikel aufwirft, ist, wie wurde ausgerechnet ein ursprünglich deutscher Bierstil zu einer der wichtigsten niederländischen Spezialitäten? Und die Antwort ist, so viel kann man schon sagen, eine Reise durch Gesetzeslücken, technologische Revolutionen und eine beinahe Katastrophe.

B: Ja, genau das ist es. Wir schauen uns heute an, wie dieses Bier von einem bayerischen Import zu einer echten niederländischen Ikone wurde und welche wirklich unglaublichen Hürden es dabei überwinden musste. Das ist keine geradlinige Erfolgsgeschichte.

I: Überhaupt nicht.

B: Es ist eine Geschichte darüber, wie ein einziges Gesetz eine ganze Industrie für Jahrzehnte lahmlegen kann und wie eine Tradition fast ausgestorben wäre, bevor sie, naja, durch cleveres Marketing wiederbelebt wurde.

I: Okay, dann lass uns mal ganz am Anfang anfangen, so Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Artikel beschreibt die niederländische Bierszene damals als, sagen wir mal, ziemlich traditionell. Was für Bier hat man da getrunken?

B: Also stell dir das so vor, die meisten Biere waren obergärig, oft trüb, geschmacklich nicht immer ganz verlässlich und eher für den lokalen Konsum gemacht. Und dann passiert etwas.

I: Die Invasion.

B: Sozusagen. Ab den 1840er- und 50er-Jahren schwappt eine Welle aus Deutschland herüber, Bayerisches Bier. Das ist das genaue Gegenteil, es ist untergärig, glasklar, schmeckt unglaublich rein und ist viel länger haltbar. Für die niederländischen Trinker war das eine Offenbarung.

I: Moment, du wirfst hier mit Begriffen wie obergärig und untergärig um dich, das ist ja der Kern des Unterschieds. Lass uns das mal für alle verständlich machen. Was bedeutet das genau?

B: Das ist der entscheidende Punkt, es geht darum, welche Hefe man benutzt und bei welcher Temperatur sie arbeitet. Obergärig, so wie die alten niederländischen Biere, bedeutet, die Hefe schwimmt während der Gärung oben und mag es wärmer.

I: Was macht das mit dem Geschmack?

B: Das erzeugt oft fruchtigere, komplexere Aromen. Untergärig ist das Schlüsselwort für die Bayerische Revolution. Hier arbeitet die Hefe bei kalten Temperaturen am Boden des Gärtanks. Der Prozess ist langsamer, viel kontrollierter.

I: Und das Ergebnis?

B: Ein unglaublich klares, sauberes, frisches Bier. Dieser Unterschied im Geschmack war damals so fundamental wie, sagen wir, der Sprung von Schwarz-Weiß zu Farbfernsehen.

I: Verstehe, ein völlig neues Produkt also. Und es kam nicht nur tröpfchenweise, der Artikel spricht von einer regelrechten Invasion.

B: Ja und das war kein Zufall. Die Politik schuf die perfekten Bedingungen, wirtschaftlicher Liberalismus, quasi keine Handelszölle und dann kam die Infrastruktur dazu.

I: Die Eisenbahn.

B: Genau. Ab 1856 gab es eine direkte Zugverbindung von München nach Amsterdam. Im selben Jahr wurde der Donau-Main-Kanal fertiggestellt. Plötzlich konnte man Fässer einfach und schnell transportieren.

I: Und die Zahlen dazu sind ja wirklich beeindruckend.

B: Oh ja. Die deutschen Bierimporte explodieren von rund 1.300 Hektolitern im Jahr 1850 auf einen Spitzenwert von fast 15.000 Hektoliter nur 15 Jahre später.

I: Das ist eine Verzehnfachung.

B: Eine Verzehnfachung.

I: Das ist doch verrückt. Wenn ich niederländischer Brauer wäre, würde ich doch sofort denken, das Zeug ist ein riesen Erfolg, das braue ich jetzt selbst. Warum ist das nicht passiert? Da muss doch mehr dahinterstecken als nur Sturheit.

B: Da triffst du den Nagel auf den Kopf. Es war keine Sturheit, es war eine simple Steuerregel, die wie eine Handbremse auf der gesamten niederländischen Brauinnovation lag, das Akzise-Gesetz von 1822.

I: Eine Steuer. Also wie genau kann eine Steuer sowas verhindern?

B: Naja, die Logik des Gesetzes war fatal. Die Steuer wurde nicht auf das fertige Bier erhoben, sondern auf den Inhalt des Maisch-Bottichs, also quasi auf das Ausgangsmaterial.

I: Ah, okay.

B: Und die niederländischen Brauer hatten sich darauf eingestellt. Sie nutzten das traditionelle Infusionsverfahren und machten aus einer einmal versteuerten Maische bis zu sieben Aufgüsse. Wenig effizient, aber steuerlich clever.

I: Okay, und was war beim bayerischen Bier anders?

B: Für das untergärige Bier brauchte man das sogenannte Dekoktionsverfahren. Dabei wird ein Teil der Maische aus dem Bottich gepumpt, separat gekocht, um mehr Zucker zu lösen und dann wieder zurückgeführt.

I: Und jetzt kommt der Haken nämlich an?

B: Jetzt kommt der absurde Teil. Nach dem Gesetz von 1822 galt jedes Zurückpumpen als neuer Inhalt des Maisch-Bottichs und wurde erneut voll besteuert.

I: Das ist doch Wahnsinn. Das heißt, für den gleichen Sud-Bier musste man mehrmals Steuern zahlen.

B: Genau, das hat die Herstellung von bayerischem Bier für niederländische Brauer um bis zu 50 Prozent verteuert. Es war finanzieller Selbstmord.

I: 50 Prozent?

B: Na, einige Pioniere wie die Swinkels, niederländische, bayerische Bierbrauerei in Amsterdam haben sich 1865 eine Sondergenehmigung direkt vom Finanzminister geholt, weil es anders nicht ging. Aber für die breite Masse war die Tür zur Innovation gesetzlich verriegelt.

I: Sie waren also in dieser Steuerfalle gefangen. Wie sind Sie da jemals wieder rausgekommen?

B: Der Durchbruch kam 1867, ein neues Gesetz, das alles veränderte. Plötzlich hatten die Brauer die Wahl, entweder sie zahlten weiter Steuern auf den Inhalt des Maisch-Bottichs oder …

I: Und das ist das Entscheidende.

B: … auf die verwendete Malzmenge. Das Dekoktionsverfahren war auf einmal kein finanzielles Desaster mehr, die Handbremse war gelöst.

I: Die Fluttore waren also offen. Und ich nehme an, das war der Startschuss für eine massive Modernisierungswelle.

B: Absolut. Dieses Gesetz zusammen mit einer zweiten ebenso wichtigen Revolution der Erfindung der künstlichen Kühlung durch Karl Linde im Jahr 1877 hat die Industrialisierung der Brauindustrie eingeleitet.

I: Ah, die Kühlung, klar.

B: Untergieriges Bier brauchte ja konstant kühle Temperaturen, was vorher nur im Winter möglich war. Jetzt konnte man das ganze Jahr über brauen. Überall entstanden große, moderne Brauereien mit glänzenden Kupferkesseln.

I: Das klingt nach einer reinen Erfolgsgeschichte. Große, moderne Brauereien, besseres Bier. Aber der Artikel deutet auch eine Schattenseite an.

B: Ja, die gab es. Die neue Steuermethode, also die Besteuerung nach Malzmenge, war nur für Sude mit mindestens 200 kg Malz erlaubt.

I: Ah, und das war das Problem?

B: Das war eine klare Benachteiligung für die vielen kleinen, traditionellen Brauereien, die solche Mengen oft nicht verarbeiten konnten. Sie steckten weiter in der alten Steuerfalle, während die Großen davonzogen. Es war der Beginn einer massiven Konsolidierung im Markt.

I: Mit dieser neuen Freiheit war die Tür für Investitionen und große Visionen plötzlich weit offen. Und einer, der da sofort durchmarschiert ist, war ein gewisser Gerrit Adrian Heineken.

B: Eine fantastische Anekdote aus dem Artikel. Heineken besucht 1869 eine internationale Ausstellung in Amsterdam und muss feststellen, dass die Leute Schlange stehen für das untergärige bayerische Bier, während sein eigenes, obergäriges Bier kaum Beachtung findet.

I: Autsch.

B: Ja, aber er hat das nicht als Niederlage gesehen, sondern als Weckruf. Er hat sofort entschieden, alles umzustellen. Um das nötige Kapital für die teure neue Technologie aufzubringen, gründete er 1873 die Heineken Bierbrauerei Match képei, kurz HBM.

I: Ein klassischer Fall von, wenn du sie nicht schlagen kannst, mach es besser als sie.

B: Genau das.

I: Okay, die Qualität und Haltbarkeit der Biere stiegen also enorm. Aber der Artikel erwähnt auch, dass die Biervielfalt dadurch abnahm. War das für den normalen Trinker damals wirklich ein Nachteil, vielleicht war er ja froh, endlich ein Bier zu bekommen, das immer gleich gut und verlässlich geschmeckt hat?

B: Das ist ein sehr guter Punkt. Aus der Perspektive des Konsumenten war das wahrscheinlich ein riesiger Fortschritt, du wusstest, was du bekommst. Deutsche Braumeister, sogenannte Wanderburschen, brachten ihren Knowhow ins Land und etablierten verlässliche Standards.

I: Und der Markt hat sich dann auf wenige Stile konzentriert?

B: Ja, auf die erfolgreichen, Pilsener, Münchner, Dortmunder und eben einige Spezialitäten. Eine davon war das Bockbier. Die Kehrseite war aber, dass hunderte lokale, eigenständige Bierstile einfach verschwanden, es war der Preis der Industrialisierung.

I: Damit sind wir also bei der eigentlichen Geburt des niederländischen Bockbiers, unter all diesen neuen deutschen Stilen hat es sich durchgesetzt. Lass uns mal über den Namen reden. Der Artikel erzählt diese wunderbare Geschichte über Martin Luther und die Stadt Einbeck.

B: Ja, die Legende ist zu schön, um sie nicht zu erzählen. Martin Luther soll sich vor seiner berühmten Verteidigungsrede auf dem Reichstag zu Worms 1521 mit einem Krug Bier aus der Stadt Einbeck in Niedersachsen gestärkt haben.

I: Okay.

B: Sein Ausruf, mir Einbeck, also ein Einbecker für mich, soll sich im bayerischen Dialekt über die Jahrhunderte zu „Ein Bock“ verschliffen haben.

I: Eine tolle Marketing-Story. Aber der Artikel schränkt das direkt wieder ein, oder?

B: Genau, denn das ursprüngliche Bier aus Einbeck war höchstwahrscheinlich ein starkes, obergäriges Weizenbier, also etwas völlig anderes als das dunkle, untergärige Lagerbier, das im 19. Jahrhundert als Bockbier bekannt wurde.

I: Der Name wurde also recycelt.

B: Quasi wiederverwendet für ein neues Produkt. Was aber faszinierend ist, ist die ursprüngliche Funktion dieses Bieres.

I: Du meinst, es war nicht nur ein bestimmter Stil, sondern hatte einen Zweck?

B: Exakt. Bevor es künstliche Kühlung gab, durfte man aus hygienischen Gründen nur in den kalten Monaten brauen, also etwa von September bis April. Der erste Sud nach der Sommerpause wurde mit der frischen Ernte des Jahres gebraut, neues Malz, neuer Hopfen.

I: Und den hat man dann extra stark gemacht?

B: Ja, damit er die langen warmen Monate übersteht, ohne schlecht zu werden. Es war also ein saisonales Starkbier zur Vorratshaltung.

I: Es war also im Grunde ein Überlebensbier, ein Bier, das stark genug sein musste, um den Sommer zu überleben.

B: Ganz genau. Mit Lindes Kühlmaschine war das natürlich nicht mehr nötig. Aber die Tradition eines dunklen, starken Bieres für die kalte Jahreszeit blieb erhalten. Es war einfach ein willkommener Umsatzbringer.

I: Und die Niederländer haben diese Tradition übernommen. Amstel war da ja wohl ganz vorne mit dabei.

B: Ja, die warben schon am 9. Januar 1872 für ein Winterbier, das wohl das erste niederländische Bockbier war. 1883 gewann ihr Bockbier sogar eine Goldmedaille. Damals wurde es noch mindestens vier Monate in Eichenfässern gelagert.

I: Vier Monate, das ist ja heute kaum vorstellbar.

B: Nein.

I: Und es gab noch andere Pioniere. Der Artikel hebt eine Brauerei mit einem erstaunlich modernen Marketing hervor.

B: Ja, die Phoenix Brauerei aus Amersfoort. Hör dir mal diesen Werbetext von damals an, ich zitiere: „Phoenix Bockbier wird aus feinstem Malz und mit dem duftenden Hopfen nach altem Rezept gebraut, ohne Zusatz von künstlichen Farb- oder Süßstoffen, auf jeden Fall

I: Das ist ja unglaublich. Das klingt wie eine Werbung für ein Craftbier von heute, die mit dem Reinheitsgebot wirbt.

B: Völlig. Und sie hatten noch eine geniale Idee, eine spezielle 450-Milliliter-Flasche, den Pullenbock.

I: Und was war daran so besonders?

B: Die war genau groß genug für zwei Gläser. Da steckte schon der Gedanke des gemeinsamen Genusses des Teilens drin. Das war ein cleveres Marketing im 19. Jahrhundert.

I: Okay, die Weichen sind also gestellt, das Bockbier ist da, es wird populär, es scheint auf dem besten Weg zu sein, eine feste Tradition zu werden. Aber dann passiert, laut dem Artikel, etwas völlig Unerwartetes. Die Niederländer hören auf, Bier zu trinken.

B: Ja, es ist wirklich dramatisch. Die Niederlande, die im Mittelalter eine absolute Bier-Supermacht waren, Gouda allein hatte um 1500 an die 350 Brauereien, wenden sich komplett vom Bier ab.

I: Die Zahlen im Artikel sind ja schockierend.

B: Ja. Der Pro-Kopf-Verbrauch stürzt ins Bodenlose. Zwischen 1906 und 1919 lag er bei nur noch 27 Litern pro Jahr.

I: 27 Liter, das ist ja fast nichts. Wie war das im Vergleich zu den Nachbarländern?

B: Das macht es erst richtig deutlich, im selben Zeitraum tranken die Belgier 221 Liter pro Kopf.

I: 221?

B: Ja. Die Briten 123 und die Deutschen 105 Liter. Die Niederlande waren zur, mit Abstand, unbedeutendste Biernation Westeuropas geworden. Der absolute Tiefpunkt kam 1935 mit nur noch 15,3 Litern.

I: Unfassbar. Was bedeutete dieser Absturz für ein Nischenprodukt wie das Bockbier? Das muss ja katastrophal gewesen sein.

B: Absolut. Es war zwar die wichtigste Bierspezialität des Landes, machte aber nur noch rund ein Prozent des Gesamtumsatzes aus.

I: Nur ein Prozent?

B: Um diesen winzigen Markt zu retten, taten die großen Brauereien etwas sehr Ungewöhnliches, sie gründeten den Bund von Niederlands Brauereien. Einen Verband, der das Bockbier quasi zentral steuern sollte.

I: Sie haben ein Kartell für Bockbier gegründet?

B: Im Grunde ja. Es war ein verzweifelter Versuch, das Produkt am Leben zu erhalten. Sie legten 1931 den Alkoholgehalt auf 6,5 % fest und vor allem führten sie ein gemeinsames Erscheinungsdatum ein.

I: Um das Chaos zu beenden?

B: Genau, dieses Wettrennen, wer der Erste auf dem Markt ist. Zuerst legten sie es auf den zweiten Donnerstag im Dezember. Ein Datum, das von einem Komitee festgelegt wird, das muss man sich mal vorstellen.

I: Und selbst das hat nicht gereicht? Der Artikel beschreibt ja einen Moment, an dem die ganze Tradition an einem seidenen Faden hing.

B: Ja, das ist der dramatische Höhepunkt, die Produktionszahlen brachen trotz der Bemühungen völlig ein. Von über 30.000 Hektoliter 1923 auf nur noch 8.600 im Jahr 1935.

I: Ein Rückgang um über 70 Prozent.

B: Ja. Und dann kam es am 20. August 1935 zu einer Sitzung des Verbands. Auf der Tagesordnung stand die offizielle Frage, sollen wir dieses Jahr überhaupt noch Bockbier brauen?

I: Wow.

B: Die gesamte, mühsam aufgebaute Tradition stand kurz davor, in einer Vorstandssitzung beerdigt zu werden.

I: Aber sie wurde es nicht, zum Glück. Und was dann in dieser schwierigen Zeit passierte, ist mein Lieblingsteil der Geschichte, anstatt aufzugeben, haben sie dem Bier eine Parade gewidmet.

B: 1936, das war Event-Marketing, bevor es das Wort überhaupt gab. Festlich geschmückte Lastwagen von Heineken und Amstel, Pferdewagen von der Brauerei von Vollenhofen zogen quer durch die Stadt.

I: Wohin denn?

B: Zum Rembrandtplei, um die Ankunft des ersten Bockbiers zu zelebrieren. Die Leute haben es geliebt. 1937 wurde davon sogar ein Tonfilm gedreht, man hat dem Bier eine Bühne gegeben, es zu einem Ereignis gemacht.

I: Und diese Idee hat die Tradition gerettet und in die Nachkriegszeit getragen.

B: Das war die Brücke. Während des Zweiten Weltkriegs wurde natürlich kein Bockbier gebraut, aber als es 1950 zurückkam, hat man auch den Umzug wiederbelebt. Der Slogan war genial, der Bock is weer bes.

I: Der Bock ist wieder der Beste.

B: Genau, das war der symbolische Neustart, der das Bockbier wieder ins öffentliche Bewusstsein katapultiert hat.

I: Und von da an ging es wieder bergauf. Heute kennen wir es ja vor allem als Herbstbock, das Erscheinungsdatum ist immer weiter nach vorne gewandert.

B: Richtig. Die großen Brauereien legen das Datum immer noch fest, aber es ist vom tiefen Winter in den frühen Herbst gerückt. Bis 2005 war es der erste Montag im Oktober, heute ist es schon auf dem 21. September, der astronomische Herbstanfang.

I: Wobei sich die vielen neuen, kleinen Craft-Brauer daran nicht mehr halten.

B: Überhaupt nicht, sie haben dem Stil auch eine neue Richtung gegeben.

I: Du meinst, weil sie oft wieder obergärige Häfen verwenden, wie du am Anfang erwähnt hast?

B: Genau. Viele moderne niederländische Bockbiere sind obergärig, was ihnen einen fruchtigeren, würzigeren Charakter verleiht, eine bewusste Abgrenzung zum klassischen deutschen untergärigen Bock. Diese Wiederbelebung wurde stark von einer Verbraucherorganisation namens PINT vorangetrieben.

I: Die haben sich von der britischen CAMRA inspirieren lassen, richtig?

B: Ja, CAMRA, die Campaign for Real Ale. Eine extrem einflussreiche Bürgerbewegung in Großbritannien, die sich seit den 70ern für die Rettung traditioneller Fassbiere eingesetzt hat. Und PINT wollte in den Niederlanden etwas Ähnliches erreichen.

I: Die Biervielfalt fördern.

B: Genau und Spezialitäten wie dem Bockbier eine neue Plattform geben. Sie waren unglaublich erfolgreich damit.

I: Okay, wenn wir jetzt mal einen Schritt zurücktreten, was für eine verrückte Geschichte ist das eigentlich, wir haben ein Bier, das als deutscher Exportschlager beginnt.

B: Dessen Erfolg in den Niederlanden erst durch eine Gesetzesänderung und eine technische Erfindung ermöglicht wird.

I: Es wird zu einer nationalen Tradition, stirbt dann fast aus, weil die ganze Nation dem Bier abschwört.

B: Wird durch eine Parade gerettet und erlebt heute als neu interpretierter Herbstklassiker eine Renaissance.

I: Wahnsinn.

B: Das fasst es perfekt zusammen. Und es zeigt so eindrücklich, dass ein Produkt niemals nur ein Produkt ist. Die Geschichte des Bockbiers ist untrennbar verbunden mit Steuergesetzen, Kühltechnik, Marketingstrategien und dem sich wandelnden Geschmack einer ganzen Nation.

Markus: Soweit die Infos über das niederländische Bockbier. Ich hoffe, es hat euch ein bisschen die Augen geöffnet, wie eben auch die andere Perspektive auf einen Teil der Biergeschichte sein kann. Und ich bin auch mal gespannt, was ihr sagt zu dieser Idee, die KI hier als Unterstützung mit reinzunehmen in so einem besonderen Fall. Das könnte sich natürlich wieder anbieten, wenn ich andere Freunde habe, die eben auch weder auf Deutsch noch auf Englisch einen Podcast machen können, wo aber interessante Themen im Raum stehen. Also da wäre es durchaus mal interessant, von euch zu erfahren, was ihr davon haltet, also ich würde mich freuen, wenn ihr mir dazu gerne ein Feedback schicken würdet. Das geht ganz einfach, entweder über info@ bierakademie.net oder über markus@raubach.eu, ansonsten auch über Telefon und sonstige Kontaktmöglichkeiten, steht ja alles im Internet. Also, wie gesagt, würde mich freuen, wenn ihr mir kurz Bescheid gebt, ob sowas grundsätzlich mal wieder stattfinden kann oder ob das für euch völlig abstrus ist, je nachdem. Und, ja, danke auf jeden Fall, dass ihr bei dem Experiment dabei wart und danke auch, dass ihr mir ein bisschen geholfen habt, an Theo zu gedenken.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

BierTalk 155 – Interview mit Markus Fohr, Braumeister und Biersommelier aus Lahnstein

In dieser Folge von BierTalk nehme ich euch mit nach Lahnstein – und zwar an den Verkostungstisch von Dr. Markus Fohr: Braumeister, Biersommelier, Craftbier-Tüftler und obendrein Marathonläufer. Gemeinsam probieren wir uns einmal quer durch seine Craftbiere und sprechen darüber, was hinter den Rezeptideen steckt: Warum genau diese Rohstoffe? Welche Aromen sollen im Glas landen? Und was macht ein Bier für ihn wirklich „stimmig“? Zwischendurch geht’s raus aus dem Sudhaus und rein in die Laufschuhe: Markus erzählt, wie er das Training für lange Distanzen mit dem Braueralltag zusammenbringt – und warum Ausdauer, Fokus und ein gutes Gefühl für Timing in beiden Welten entscheidend sind. Natürlich darf auch sein großer Moment nicht fehlen: der Sieg bei der Deutschen Meisterschaft der Biersommeliers – inklusive Einblicken, was dort wirklich zählt und wie man sich auf so einen Wettbewerb vorbereitet. Eine wahre Marathon-Folge voller Geschmack, Tempo und echter Leidenschaft fürs Bier. Kopfhörer auf, Glas bereit – los geht’s!

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BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus Raupach: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute habe ich eine spannende Reise unternommen von Bamberg aus nach Westen und besuche jemand, der schon ganz lange in der Bierszene, wie man so schön sagt, aktiv ist und auch das Thema Craft Beer als einer der ersten in Deutschland auf jeden Fall mitgeprägt hat und der eben auch die zehnte Generation einer Brauerei darstellt. Also da ist viel Herzblut und Geschichte und ganz viel dabei und der auch schon Titel errungen hat, aber da kommen wir jetzt gleich dazu. Schön, lieber Markus Fohr, dass wir heute endlich mal dazu kommen, seit Jahren haben wir das vor, heute können wir es endlich machen. Und auch schön, dass du mir 10 Biere geschickt hast, mal schauen, ob wir die heute alle schaffen. Aber vielleicht stellst du dich ganz kurz mal unseren Hörer: Innen selber vor.

Markus Fohr: Ja, danke für die Einladung. Freut mich auch sehr, dass das heute geklappt hat. Und du hast mir ja schon die Steilvorlage gegeben, ich bin durch erhebliche erbliche Vorbelastungen in die Branche gekommen. In meiner Familie gibt es jede Menge Bierbrauer und so war das dann zumindest naheliegend für mich, dann auch eine Ausbildung als Brauer und Melzer zu machen, in Weihenstephan Brauwesen zu studieren und zu promovieren. Und dann bin ich über eine kleine Ehrenrunde über die Bitburger Braugruppe dann 1999 nach Lahnstein in die elterliche Brauerei gekommen und war dann erst Assistent meines Vaters, 2007 haben wir dann getauscht und seither bin ich Alleininhaber in Lahnstein. 2011 habe ich den Biersommelier gemacht und das ist auch der Titel, den du angesprochen hast, denn 2018 bin ich auch deutscher Meister geworden, habe 2019 noch die Weiterbildung am Institute of Masters of Beer abgeschlossen und, ja, das war in Kurzfassung mein bieriger Werdegang.

Markus Raupach: Ja, können wir eigentlich schon wieder aufhören, aber natürlich tun wir das nicht, denn es gibt ja viel zu erzählen. Was mir vielleicht so als Allererstes ein bisschen auffällt ist, ich habe ja schon viel mit Leuten, mit Brauern, Brauerkindern und sowas gesprochen und da hat man ja auch oft so diesen Eindruck, es ist Last und Lust. Also wenn man in so eine Familie reinwächst, dann ist einfach die Brauerei ja schon da und irgendwie auch so ein inkohärenter Druck einfach, das mal übernehmen zu müssen oder zu wollen oder zu sollen oder eben auch nicht. Wie ging es dir denn? Also ich meine, klar, du bist als Kind wahrscheinlich da schon durch die Brauerei gerannt, aber als es da so ernst wurde, warst du da immer schon d’accord damit oder hast du dir überlegt, vielleicht doch was anderes zu machen?

Markus Fohr: Also glücklicherweise haben meine Eltern da keinen Druck ausgeübt. Das ist ja nicht bei allen selbstständigen Familien so, ich habe das oft auch anders kennengelernt. Aber bei mir war es definitiv nicht so, meine Eltern haben immer gesagt, wir würden uns natürlich freuen, wenn du das mal machst, aber wenn du lieber was anderes machst, dann ist es auch gut. Uns es ist wichtiger, dass du was hast, womit du dein Leben verbringen kannst, was dir Spaß macht, was dich ernährt. Ich habe mir auch Alternativen überlegt, aber, ja, Mathematik kann ich gut, aber wäre mir zu trocken gewesen. Luft- und Raumfahrttechnik hätte ich gern gemacht, aber dann mit dem Ziel, mal ins All zu fliegen und wie viele von denen, die das studieren, sitzen eher am Computer, als dass sie in den Raum fliegen, fast alle. Und dann dachte ich irgendwie, naja, Bierbrauen ist ja auch was Technisches, versuche ich mal und habe dann erst mal eine Ausbildung gemacht und habe während dieser Ausbildung festgestellt, dass mir das großen Spaß macht und, ja, bin dann meinen Weg weitergegangen. Eine wichtige Sache hast du aber wirklich schon erwähnt, das ist aber, glaube ich, bei jedem Beruf so, da gibt es einfach Lust und Last. Man hat sich ja den Beruf mal ausgesucht, weil man Lust darauf hat und Bierbrauer ist ja wirklich ein toller Beruf, auf dem man auch Lust haben kann. Aber natürlich, wenn man eine Firma hat, egal ob die große Tradition hat oder ob die neu ist, dann gibt es auch irgendwann mal eine Last, wenn es mal aus irgendeinem Grund Schwierigkeiten gibt, wenn der Absatz stockt, wenn eine Pandemie kommt, wenn eine Maschine kaputt geht, da gibt es ja ganz, ganz viele Sachen, die passieren können.

Markus Raupach: Ja und die ja auch schon teilweise passiert sind. Und was man ja auch sagen muss, du bist ja körperlich topfit, also Marathon gelaufen und so weiter, da werden wir vielleicht auch noch drüber reden. Das heißt also, man könnte bei der NASA ja mal anklopfen, falls sie jemals ein Bier im Weltraum brauen wollen, du wärst schon irgendwie bereit, oder?

Markus Fohr: Also das wäre auf jeden Fall was, worauf ich Lust hätte. Dann muss mir die NASA nur einen Geschäftsführer stellen, denn, ich glaube, so lange kann ich die Brauerei nicht allein lassen.

Markus Raupach: Naja, da hätten die Leute vielleicht Verständnis, dass das Bier dann mal ein bisschen später kommt. Aber wie auch immer, vielleicht noch ganz kurz, dass wir die Leute noch ein bisschen abholen, viele können sich jetzt ja unter Lahnstein gar nicht so wirklich viel vorstellen. Also wenn man auf die Flaschen schaut, dann sieht man immer so einen Turm, der so gezeichnet ist. Vielleicht erzählst du uns da ein bisschen, wo wir überhaupt sind, wie es da ausschaut, was das so für eine Landschaft ist, und dazu könnten wir ja vielleicht schon ein erstes Bier probieren, weil wir haben ja ein größeres Programm, also sollte man nicht zu lange damit warten. Was denkst du, wollen wir mit irgendwas anfangen?

Markus Fohr: Ja, wir können gerne mit irgendwas anfangen, ich hatte ja 10 Biere geschickt.

Markus Raupach: Oh ja.

Markus Fohr: Vielleicht suchen wir uns erst mal für den Einstieg ein bisschen was Leichteres raus und steigern uns dann. Ich muss gestehen, ich habe nicht in Erinnerung behalten, was ich dir im Detail geschickt habe, vielleicht magst du eins aussuchen.

Markus Raupach: Okay, also das Honigbier ist auf jeden Fall vom Alkoholgehalt eher weiter hinten, also stärker.

Markus Fohr: Definitiv, ja.

Markus Raupach: Alles, was irgendwie auf Ator endet, wahrscheinlich auch. Dann hätten wir in der Range noch ein IPA, ein Irish Lager. Dann das Bier, das nach deiner Ehefrau benannt ist, was ich auch schon großartig finde, generell. Und dann haben wir noch ein Kirschbier, das ist wahrscheinlich ein bisschen weniger stark. Also nachdem ich gerade erst in Belgien war, vielleicht könnte man mit dem Kirschbier anfangen, also wenn du das gut findest?

Markus Fohr: Natürlich, wir können mit dem Kirschbier anfangen.

Markus Raupach: Na dann mache ich hier mal auf.

Markus Fohr: Dann machen wir das mal auf. Und, ja, man sieht die Kirsche eigentlich schon beim Einschenken, das Bier hat eine Farbe, die man von einem Bier so nicht erwarten würde, aber es ist halt ein Kirschbier und weil es eins ist, ist es so richtig schön kirschrot, sogar der Schaum ist ein bisschen rosa. Und wie alle unsere Craft-Biere ist es naturtrüb. Schön anzuschauen, so eine Naturtrübung, die hat ja immer den Schleier des Mystischen.

Markus Raupach: Ja, also überhaupt, also wirklich wunderschön. Und, ich meine, klar, für ein Bier erwartet man das Rot nicht, für ein Kirschbier, würde ich sagen, hätte ich es schon erwartet. Und es ist wunderschön, also es ist wirklich ein ganz, ganz tolles Rot, geht in so einen Rosé-Hibiskus-Ton, also ganz, ganz schön. Und wie du schon sagst, der Schaum hat auch so eine schöne, leichte, rötliche Färbung und man hat diesen geheimnisvollen Schein, ja, sehr schön, also optisch schon mal eine Augenweide.

Markus Fohr: Ja und selbst, wenn man es nicht sehen könnte, spätestens wenn man dann dran riecht und es schmeckt, dann würde man die Kirsche auch merken.

Markus Raupach: Oh ja.

Markus Fohr: Die ist jetzt nicht so, dass sie alles andere an Aromen komplett an die Wand drückt, man hat schon noch einen schönen Malzkörper, man hat so eine leichte Säure, man hat eine ganz dezente Bittere. Ein schönes Sommerbier, erfrischend, fruchtig. Ein Bier, das man sehr gern auch Damen anbieten kann, von daher fast eine Geheimwaffe.

Markus Raupach: Okay, dann muss ich welches nachbestellen, sehr gut. Also auf jeden Fall finde ich auch, die Kirsche in der Nase ist ganz schön, also weil sie eben nicht so aufdringlich oder auch so ein bisschen künstlich ist, wie das manchmal bei so Kirschbieren ist, die man so kaufen kann, wo dann vielleicht oft auch mit Aromen nachgeholfen wird. Also hier hat man wirklich so einen echten, schönen, ehrlichen Kirschton, der auch so diese typische Begleitmusik hat, die die Kirsche so hat. Also ein bisschen Marzipan, ein bisschen Schokolade und dann natürlich diese Malztöne, wo es dann so ein bisschen in Honig, Spekulatius und sowas geht, also wirklich sehr, sehr schön. Also einerseits frisch, also Sommerbier, gehe ich absolut mit. Andererseits, wir zeichnen ja gerade in der Vorweihnachtszeit auf, finde ich auch gar nicht so schlecht, also dadurch, dass es so ein paar Gewürznoten hat und dieses schöne Fruchtige hat, holt es mich auch ab, muss ich sagen, also von der Nase her super, super intensiv. Jetzt nehme ich mal einen Schluck. Prost.

Markus Fohr: Ja, ein schönes Sommerbier auf jeden Fall, aber das heißt ja nicht, dass es zu anderen Jahreszeiten nicht eingesetzt werden kann.

Markus Raupach: Absolut. Und nicht so süß, das finde ich auch gut.

Markus Fohr: Ja, das ist so ein bisschen Hausphilosophie, die Biere sollen nicht zu süß sein, man soll sie ja gut trinken können. Wir sind ja nicht Coca-Cola oder irgendeine Limofabrik. Und wichtig natürlich auch, natürliche Zutaten. Das Kirschbier ist hier aus heimischen Mittelrheinkirchen, ist das gemacht, die kriegen wir auch von einer regionalen Kelterei. Also der Kirschnektar ist es, den vergären wir dann auch mit, ein richtiges Kirschbier, darf auch hochoffiziell Kirschbier heißen und von daher, ja, natürlich und echt.

Markus Raupach: Also das wäre jetzt tatsächlich auch noch eine Frage gewesen. Also das darf Kirschbier heißen, sprich, du hast dir da so eine Genehmigung geholt bei deinen örtlichen Behörden oder wie?

Markus Fohr: Ganz genau so ist das. Rein vom Gesetz her ist ja Kirschbier in Deutschland erst mal illegal.

Markus Raupach: Ja.

Markus Fohr: Im Gesetz steht Wasser, Hopfen, Malz und Hefe und sonst nichts, also von Kirsche steht da eindeutig nichts. Und Bier heißt es, weil wir diese Sondererlaubnis haben von unserer Kreisverwaltung in Bad Ems, dass das als Bier genehmigt ist und Kirschbier heißen darf.

Markus Raupach: Also wunderbar, das finde ich auf jeden Fall, kann man schon mal hier schönen Dank sagen an die Kreisverwaltung. Das wäre ein Drama gewesen, hätten sie das nicht genehmigt, also sehr, sehr, sehr schön. Und ich finde wirklich, also auch vom Geschmack her, es ist auch wieder schön auf einer sehr natürlichen Kirschseite, sehr angenehme Säure, ohne zu sauer zu sein und eben ohne so eine gezuckerte Süße zu haben, was ja solche Biere auch gerne mal haben. Und es hat aber eben auch noch diesen Bierteil, der dann so im Mittelteil kommt, würde ich sagen und hinten raus tatsächlich auch so ein bisschen eine Hopfennote, eine Bittere, eine kleine Adstringenz, die dann auch so den Mund wieder ein bisschen aufräumt, sodass es auch wirklich tatsächlich ein spritziges, schönes Bier ist, was man im Sommer sicherlich auch in größeren Mengen schön trinken kann, also toll, toll gemacht. Bevor wir jetzt noch weiterreden, vielleicht noch ganz kurz, erzähl uns ein bisschen, wo ist Lahnstein, was ist Lahnstein, wie schaut es da aus, was erleben wir da?

Markus Fohr: Also Lahnstein ist eine ganz schöne Stadt, selbst die stolzen Besucher aus Franken und aus Bayern sagen uns das immer wieder. Und das liegt wahrscheinlich daran, dass wir in einer 3-Flüsse-Ecke liegen, bei uns mündet die Lahn in den Rhein, deswegen heißt es Lahnstein, weil es nach diesem Fluss benannt ist. Und ein paar Kilometer weiter fließt auch noch die Mosel in den Rhein. Die drei Täler sind hier sehr eng, sehr bizarr, es gibt viele Burgen hier. Man kann ganz toll eigentlich alles machen, man kann Radfahren, man kann Kanu fahren, man kann ganz toll wandern oder, wie ich, die Wanderwege zum Joggen nutzen. Und wir sind ja auch UNESCO-Welterbe, oberes Mittelrheintal wegen dieser schönen Region. Örtlich kann man vielleicht noch sagen, wir liegen unmittelbar an Koblenz, Koblenz ist ein klein bisschen bekannter. Ja, in Lahnstein haben wir die Lahnsteiner Brauerei, die nach dem Ort benannt ist. Und dieser Turm in unserem Firmenlogo, den du erwähnt hast, zu dem sind wir so ein bisschen gekommen wie die berühmte Mutter zum Kind. Die Brauerei ist an diesem Standort 1870 gebaut worden und damals gab es ja noch keine Kältemaschine, man brauchte also irgendwas wie Keller oder Höhlen, um das Bier im Sommer kalt zu halten. Und es war auch parallel die Zeit, wo der Stadtgraben zugeschüttet wurde, weil man ihn einfach als Verteidigungsfunktion nicht mehr gebraucht hat. Und dann kam ein schlauer Mensch namens Johann Junker auf die Idee und hat gesagt, lass uns doch eine Brauerei in den Stadtgraben stellen, dann brauchen wir ein großes Stück Stadtgraben nicht zuzuschütten und die Brauerei hat ihre Keller. Wirklich clever, also würde man heute noch sagen, clever. Und um das so bauen zu können, musste man natürlich ein Stück von der Stadtmauer, von der historischen, musste man mitnehmen. Und auf dem Grundstück, das damals ausgewählt wurde, da war auch ein Stadtturm, ein großer, mächtiger sogar, weil es die Südostecke war, ja, und so kam der Turm zur Brauerei. Damals wollte man den eigentlich gar nicht, 1870 hat man gesagt, ja, altes Zeug, was soll man damit? Es gab sogar Ideen, den abzureißen.

Glücklicherweise hat man es nicht gemacht, denn heute sagen uns die Marketingleute, das ist toll, das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Und deswegen ist es jetzt Teil unseres Firmenlogos und zentraler Teil von unserem Craft-Beer-Logo, da ist der Turm ja alleinig.

Markus Raupach: Genau, ja, sogar oben auf der Kapsel, sehr schön. Und insgesamt hatte ich noch gelesen, dass die Brauerei aber an sich bis ins 16. Jahrhundert zurückgeht, auch eure Familie, ne?

Markus Fohr: Man kann die Brautradition in Lahnstein sogar bis ins Jahr der Gründung 1324 nachweisen, weil die Stadt von Anfang weg Einnahmen aus der Biersteuer hatte. Meine Familie kommt 1667 ins Spiel, da hat mein Zehn-Urs-Großvater Jakob die zweite Hälfte seines Braurechts erworben, hatte also dann ein Ganzes, was natürlich heißt, dass er die erste Hälfte auch schon vorher gehabt haben muss. Nur, ob er die drei Tage vorher ein Zimmer weiterbekommen hat oder ob er die auch schon geerbt hat, das wissen wir halt nicht, das geht dann in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und da ist ja einfach unheimlich viel verbrannt, verloren gegangen. Aber so 10 Generationen Tradition, das ist ja nicht ganz verkehrt. Wir haben sogar zwei Brauereien in der Familie. Der Ort, wo der Opa Jakob angefangen hat zu brauen, das war Ransbach-Baumbach im Westerwald, also so eine halbe, dreiviertel Stunde mit dem Auto weg von uns und da ging es dann weiter bis 1894 und dann hat sich das getrennt. Der älteste Bruder, der bekam damals die Brauerei, wie das so üblich war und der jüngere Bruder hat sich dann in Lahnstein in die Junkersche Brauerei eingekauft, die seither dann auch zu uns zur Familie gehört und jetzt bei mir gelandet ist.

Markus Raupach: Ja und schon hat man eine Brauerei, wunderbar, sehr schön.

Markus Fohr: So schnell kann es gehen.

Markus Raupach: Ja, so schnell kann es gehen. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber, ich glaube, bei den Recherchen, die ich mal gemacht habe zur Geschichte des alkoholfreien Biers in Deutschland, hattet ihr auch eine Rolle ziemlich am Anfang oder liege ich da falsch?

Markus Fohr: Nee, da liegst du nicht falsch, wir waren tatsächlich die erste alkoholfreie Brauerei in Deutschland. Mein Vater hatte sogar mal ein Patent gehabt auf die Herstellung. Das war damals ein gestoppter Gärer und, ja, im Nachgang muss man tatsächlich sagen, so hat es halt auch geschmeckt. Am Anfang haben wir gut verkauft, bis nach Saudi-Arabien, weil wir die Einzigen anfangs waren und danach auch nur wenig Konkurrenz hatten, aber irgendwann haben dann mehr und mehr Brauereien das alkoholfreie Bier für sich entdeckt. Irgendwann kamen dann die modernen Verfahren wie Vakuum-Rektifikation, Membrantrennung und was es da alles gibt auf und das sind einfach Sachen, da konnten wir als kleine Brauerei nicht mit, so eine Anlage hätten wir uns nicht leisten können. Und dann haben wir irgendwann das alkoholfreie Bier komplett eingestellt, also im Moment haben wir gar keins.

Markus Raupach: Naja, was nicht mehr ist, kann ja vielleicht noch werden oder wieder werden, wie auch immer. Aber ich finde es auf jeden Fall total interessant, dass ihr da ganz am Anfang dabei wart, weil das ist ja durchaus auch eine spannende Geschichte, wie Deutschland am Ende des Tages zu seinem alkoholfreien Bier gekommen ist, also super spannend. Das Kirschbier übrigens war so gut, dass ich es tatsächlich schon geschafft habe, aber ich habe noch ein, zwei Fragen dazu. Aber wir können ja trotzdem schon mal noch was anderes aufmachen, wie gesagt, wir haben ja zehn. Soll ich mal noch wieder was sagen oder hast du noch was von meinen vorigen Ausführungen im Hinterkopf, was du gerade als nächstes öffnen möchtest?

Markus Fohr: Also anfügen möchte ich rein der Vollständigkeit halber, dass wir noch deutlich mehr Biere haben als zehn, aber, ja, dann hätte ich schon die mit einer Spedition als Stückgut schicken müssen, wenn es alle hätten sein sollen. Vielleicht nehmen wir jetzt einfach mal ein bisschen was Malziges wie das Irish Lager.

Markus Raupach: Ja, wunderbar. Hätte ich jetzt, wenn du mich gefragt hättest, hätte ich das auch gesagt, weil es lächelt mich die ganze Zeit schon so an. Also so schöner blauer Himmel auf dem Etikett, grüne Wiesen, wie man sich so Irland eben vorstellt, dann steht auch noch drauf Green Hills und Tastes like Ireland, also mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen, glaube ich. Hat das sogar so ein bisschen so einen grünen Stich bei mir, nee. Also, jetzt mache ich mir hier auf.

Markus Fohr: Ich mache mir parallel auch mal was auf.

Markus Raupach: Sehr schön, also wieder ein sensationeller Schaum. Das finde ich ja immer schon einen ganz wichtigen Punkt, weil daran sieht man natürlich schon auch, wie das so in der Brauerei zugeht. Und der steht wieder wie eine Eins, wie der vom Kirschbier gerade auch, ganz schön dicht und dick und feinporig. Und in dem Fall jetzt tatsächlich ganz weiß und darunter dann ein schönes, goldenes, wieder leicht angetrübtes, wunderbares Bierchen, wo die Blasen so aufsteigen und wo man, wenn man genau hinschaut, von unten so den Schaumteppich auch richtig schön sieht, wie er auf dem Bier schwimmt, finde ich immer einen ganz tollen Anblick. Also ein Bier, was wirklich auch hier wieder optisch schon mal richtig Lust macht, schauen wir mal.

Markus Fohr: Das auf jeden Fall. Und es ist auch, wenn man etwas flapsig das sagen darf, auf irischem Mist gewachsen, denn wir haben das in der Tat entwickelt, dieses Rezept, auf ganz konkreten Wunsch eines Kunden, der ein Bier nach irischer Art haben wollte und er hat uns dann tatsächlich auch ein paar irische Biere mitgebracht, wo er gesagt hat, also so in die Richtung hätte ich das gerne. Und dann haben wir für ihn exklusiv dieses Rezept entwickelt und brauen das jetzt in 1.000-Liter-Chargen auf unserer Craft-Beer-Brauerei.

Markus Raupach: Und der Kunde hat dann selber eine Gastronomie, nimmt er das alles ab?

Markus Fohr: Der nimmt das alles ab, also wir machen das exklusiv für ihn. Wir haben nur ein paar Flaschen tatsächlich bei uns immer auf dem Lager stehen, weil er sich gewünscht hat, dass wir das über unseren Onlineshop mitverkaufen, er selbst hat keinen und dadurch müssen wir ja auch ein bisschen was zum Verkaufen haben. Aber ansonsten nimmt er die Ware komplett ab und verzapft das bei sich und hat auch immer selbst ein paar Flaschen da. Dadurch generiert er sich einen Zusatzverkauf, weil natürlich manche Leute sagen, Mensch, das Bier ist lecker, da hätte ich gern mal ein paar Flaschen für daheim oder zum Verschenken, und deswegen hat er beides. Die Masse ist natürlich Fass, klar, in einer gutgehenden Gastronomie, da zapft man Fassbier und das Flaschenbier ist dann so ein Zuckerl, Giveaway, wie immer man das nennen möchte.

Markus Raupach: Ja und wunderbar. Also ich habe mittlerweile auch schon nicht mich zurückhalten können und einen Schluck davon genommen und auch natürlich ein Näschen davon genommen und ich muss sagen, mich erinnert es schon auch sehr an ein richtig schönes fränkisches Kellerbier. Also schöne Hopfennote in der Nase, so ein bisschen Heu und Blumenwiese und da hat man, glaube ich, auch ganz viel Irland so im Kopf, wenn man das so riecht, im Hintergrund ein bisschen Honig, so auch diese, ja, Heublumen und sowas. Und wenn man dann trinkt, ist es eine tolle Ausgewogenheit, also mit einem schönen intensiven Malzkörper, wo auch wieder ein bisschen Honig eine Rolle spielt, ein bisschen Biskuit, sowas. Und dann aber kommt schon auch eine schöne Hopfenbittere, die lange anhält und richtig schön knackig hinten raus so wieder ein bisschen eben aufräumt, sagen wir mal, aber eben wunderbar balanciert, also das gefällt mir richtig gut. Aber warum ist das jetzt ein Irish Lager? Was hast du da gemacht, um das eben als irisch zu bezeichnen?

Markus Fohr: Hauptsächlich ist das ein Irish Lager, weil die Idee dazu aus Irland kommt. Also der Inhaber von dem Irish Pub, der ist tatsächlich auch Ire,, zumindest der eine und auch die Vorbilder, die er uns mitgebracht hat, die waren ja definitiv aus Irland, sodass wir also, ja, da schon einen Klon machen konnten, könnte man sagen, und da haben wir tatsächlich auch mehrere Sude gebraucht, um dann wirklich genau da hinzukommen, wo er es haben wollte. Und jetzt, wo du sagst, das hat tatsächlich so ein paar Parallelen zum fränkischen Kellerbier, vielleicht sind doch irgendwie mal ein paar fränkische Braumeister ausgewandert nach Irland, das sollten wir vielleicht mal recherchieren. Aber, ja, die Farbe könnte von einem fränkischen Kellerbier sein, die Trübung auch. Es ist schon erkennbar gehopft, aber auch nicht übermäßig, was ich auch bei fränkischen Kellerbieren so sehe, es hat einen schönen Malzkörper. Und was dem Kunden auch ganz wichtig war, es sollte kein ausgefallenes Craftbeer sein. Es ist natürlich eins, es ist komplett naturbelassen, in kleinen Chargen wird es gemacht, aber es sollte wirklich gut trinkbar sein, das war ihm wichtig. Er hat so gesagt, ich habe ja in meinem Irish Pub nicht nur Freaks, im Gegenteil, ich habe eigentlich relativ wenig Leute, die sich mit Bier auskennen und da brauche ich ein Bier, das man einfach gut trinken kann.

Markus Raupach: Und das hast du absolut hinbekommen. Also ich glaube, dass das vielleicht auch die allerwichtigste Verbindung zu einem fränkischen Kellerbier ist, die wir hier haben, weil einfach die Drinkability, wie man so schön sagt, da ist. Also ich glaube, das ist einfach ein Bier, wo man sich eben gerne hinsetzt und dann ist es egal, ob dieser lange Tisch in einem Irish Pub irgendwo bei euch in der Nähe steht oder in einer fränkischen Brauerei-Gaststätte oder in Irland in irgendeinem Pub dort, aber du sitzt da einfach mit Gleichgesinnten und hast einen schönen Abend und kannst eins nach dem anderen von diesen Bieren trinken. Und es ist einfach ein toller Begleiter, egal auch, was du isst und egal, was da für Musik gesungen und gespielt wird und so, ist es einfach ein schönes, angenehmes, rundes Bier, mit dem man den Abend verbringen kann und das nicht nur einmal. Also ich glaube, das gefällt allen Iren, die ich kenne zumindest, die mögen das auch, die kommen ja auch gern nach Bamberg und frönen dann der Bierkultur dort, schön.

Markus Fohr: Also das man da auch ein paar mehr von trinken kann, davon kannst du dich in der Gaststätte jederzeit persönlich überzeugen.

Markus Raupach: Wie weit ist sie denn weg von dir?

Markus Fohr: Das ist nicht besonders weit. Man darf das auch sagen, das ist der Irish Pub in Koblenz.

Markus Raupach: Ah ja, na gut, ist ja klar. Nee, also wir sind ein grundsätzlich werbefreier Podcast, aber Fakten kann man immer nennen und das ist ja so, also insofern gerne. Ich schaue mal nachher, vielleicht kann ich den in den Show Notes auch verlinken. Toll, also auf jeden Fall wunderbar und schön, dass du das Projekt so machst. Und auch wunderbar, dass es da so ankommt, freut mich natürlich auch, dass die Iren das dann so annehmen. Die machen dann auch ihren St. Patrick’s Day und was sie sonst so alles machen, machen sie auch mit diesem Bier?

Markus Fohr: Ja, ja, auf jeden Fall. Also gerade zu solchen speziellen Anlässen, wie der St. Patrick’s Day einer ist, da kriegen wir immer einen Extraauftrag für das Irish Lager. Und der Irish Pub hat auch dieses Jahr Jubiläum gehabt, ich überlege gerade, wie viele Jahre alt er geworden ist, also das war schon ein bisschen was. Und anlässlich dieses Jubiläums gab es eine Schiffsfahrt und auf dem Schiff gab es dann auch ganz exklusiv Irish Lager.

Markus Raupach: Aber grün einfärben musstest du es noch nicht?

Markus Fohr: Nee, glücklicherweise war das in der Idee nicht vorhanden, das Bier grün einzufärben.

Markus Raupach: Wer weiß, vielleicht kommt das irgendwann noch auf dich zu. Aber auf jeden Fall wirklich ein sehr, sehr schönes Bier und, ja, also macht Spaß, freut mich schon mal und fühle mich heute schon gut abgeholt und bin ich jetzt auch schon sehr schön angekommen so in deiner Bierwelt. Das heißt, die, die du mir geschickt hast, sind eher welche aus der Craftbeer-Ecke sozusagen und du hast dann auch noch so ein klassisches, normales Sortiment, so Pilz, Weizen, Dunkel oder so?

Markus Fohr: Das haben wir durchaus. Das ist ja so ein Punkt, der eine historisch gewachsene Brauerei wie uns unterscheidet von einer reinen Craftbeer-Brauerei, wir haben eine Craftbeer-Schiene, da haben wir auch viel Spaß dran, aber wir haben natürlich auch die klassischen Biere wie Pilz, Weizen, Bock, Radler, Helles, Kellerbier, bei uns heißt es Wickel. Und wir haben natürlich auch die Spezialitäten der Region, wir sind ja am Rhein, wir sind nicht weit von Düsseldorf, wir sind nicht weit von Köln und so haben wir ein Altbier und ein Obergäriges, so nennen wir es, eine andere Bezeichnung dürfen wir ja hier in Lahnstein nicht wählen.

Markus Raupach: Ja und Lölsch würde ja irgendwie blöd klingen.

Markus Fohr: Also in der Tat ist diese Idee zu vorgerückter Stunde auf der Oberlahnsteiner Kirmes schon mal aufgetaucht und es war sehr spaßig, das mitzuverfolgen, weil der ein oder andere schon, ja, den gehopften Getränken etwas zugesprochen hatte und wenn die Leute dann versuchen, Lölsch zu sagen, es ist eine Ohrenweide, also es war einfach herrlich.

Markus Raupach: Super. Wenn du sagst, ihr macht auch ein Altbier, das ist ja in der Regel ein dunkles Bier, es gibt aber auch helle Altbiere. Wo sortiert ihr euch da ein?

Markus Fohr: Wir haben uns da ganz klassisch einsortiert, das Altbier ist Bernsteinfarben, also so, wie man das von einem Altbier erwartet. Was es allerdings nicht ist, gerade die klassischen Düsseldorfer Altbiere, die sind ja doch sehr bitter, sehr kräftig gehopft, ich persönlich mag das, aber so kräftig gehopft, wie es in der wirklich urtümlichen Düsseldorfer Art ist, das mögen halt doch viele Leute bei uns hier in der Ecke nicht und deswegen ist unser Altbier etwas milder. Aber ansonsten ist es so, wie man es kennt, es ist obergärig, es ist Bernsteinfarben, hat die übliche Stärke, wie ein Altbier das so hat, 4,9 %, es ist eben nur nicht ganz so bitter.

Markus Raupach: Also mir kommt das auf jeden Fall entgegen, weil es ist tatsächlich auch in Düsseldorf immer so ein Thema, da muss ich immer zu den zwei, dreien gucken, wo es auch nicht ganz so bitter ist. Also ich kann das schon trinken, aber es ist dann nicht so, dass ich sage, ich trinke da gerne zwei, drei, vier, fünf davon, sondern das ist dann halt eher nur so eins, das ist bei den anderen dann schon irgendwie schöner. Aber das ist halt auch, wenn man aus Franken kommt, dann hat man mit Hopfen nicht so viel am Hut, also die meisten zumindest, da gibt es sicher auch andere, aber für mich nehme ich das jetzt einfach mal so in Anspruch sozusagen. Was mich in Düsseldorf total fasziniert ist ja jetzt, dass ja die Meisten wirklich noch ihre offene Gärung in den Kellern zelebrieren und da wirklich Schaumberge sich aneinanderreihen, wenn man da unten in den Brauereien ist und das ja wirklich auch sehr imposant ist einfach jetzt, weil die meisten Brauereien das ja anders machen. Wie macht ihr das so mit eurer Anlage?

Markus Fohr: Also wir haben tatsächlich sowohl in der Craft-Beer-Brauerei als auch in der klassischen Brauerei komplett geschlossene Gärung und wir machen auch alles im Eintankverfahren. Also wir drücken nicht um zwischen Gärung und Lagerung, das hat einfach so viele Vorteile und wir machen es schon ganz, ganz lange. Aber wie das immer so ist, wenn man 10 Brauer nach dem idealen Rezept und dem idealen Prozess fragt, dann kriegt man fast 20 Antworten. Es ist ja so ein bisschen wie Kochen, da hat auch jeder seine eigene Philosophie.

Markus Raupach: Auf jeden Fall, ja und jeder glaubt, dass seine Besonderheit die ist, die das Bier dann auch besonders gut macht. Vielleicht auch zu Recht, aber dadurch kriegt man ja auch diese ganzen vielen verschiedenen Antworten, das finde ich schon auch immer sehr spannend. Aber ich diskutiere da auch ungern rum, ich höre es mir halt an und finde es schön und freue mich ja auch. Und es ist ja auch Teil dieser ganzen Geschichte, also Bier ist eben auch was, was emotionalisiert und wo auch jeder eben so ein bisschen natürlich sein Herzblut, seine Ideen rein gibt und dann gehört es einfach auch dazu. Finde ich auch gut, also insofern wunderbar. Aber ich finde es toll, dass ihr Alt und Kölsch sozusagen beides in einem Laden macht, da gibt es, glaube ich, auch gar nicht so viele Brauereien, die das tun. Seit wann habt ihr dann diese Craft-Bier-Ecke dazu bekommen?

Markus Fohr: Die haben wir 2019 dazu gebaut. Wir hätten natürlich schon gerne vorher ein bisschen, ja, so richtiges Craft-Bier gemacht, wir haben vorher auch unsere ersten Versuche gemacht durch Hopfenstopfen vorhandener Biere und solche Sachen, aber wir konnten eben nicht komplett extra brauen. Und irgendwann haben wir gemerkt, die Nachfrage nach den Craft-Bieren wird größer und wir haben auch mehr und mehr Anfragen von Kunden bekommen, die gebeten haben, wir sollten ihnen doch mal eine kleine Menge von Bier XY brauen und dann haben wir uns dazu entschlossen, da zu investieren, die Craft-Bier-Brauerei zu bauen. Und obwohl es dann ja eigentlich gar nicht beabsichtigt war, haben wir tatsächlich es geschafft, den ersten Sud auf der Craft-Bier-Brauerei an meinem 50. Geburtstag zu machen, war ein schönes Schmankerl dazu.

Markus Raupach: Und mit deiner Mutter zusammen, oder, die war da auch beteiligt?

Markus Fohr: Ja, die war da auch beteiligt. Das war sozusagen mein Geburtstagsgeschenk, die Craft-Bier-Brauerei.

Markus Raupach: Oh, okay.

Markus Fohr: Und natürlich wollte sie dann auch mal den Kopf in den Kessel stecken und dann haben wir diesen ersten Sud dann, haben wir gemeinsam gemacht mit unserem Braumeister zusammen, wir drei haben da im Kessel gerührt.

Markus Raupach: Wahnsinn. Ich glaube, eure Familie hat so ein Faible für Symbolik, oder? Also weil ich auch gelesen habe, dass du der erste echte Lahnsteiner Bürger sozusagen bist, weil vorher waren das irgendwie verschiedene Orte und dann wurden sie vereint und dann wurdest du geboren, sozusagen, so ungefähr, oder?

Markus Fohr: Ja, das sind so Zufälle, die kann man eigentlich nicht beeinflussen, aber manchmal passiert es einfach. Die Stadt Lahnstein, die ist am 1.

Juli 1969, ist die entstanden. Vorher waren wir zwei selbstständige Städte, Oberlahnstein und Niederlahnstein und das ist dann im Zuge der Strukturreform zusammengelegt worden. Und es war ein ganz klein bisschen anders, ich bin der letzte Oberlahnsteiner, ich bin also kurz vorher geboren. Und das kennen, glaube ich, alle, jeder hat so einen Nachbarort oder einen Ortsteil, wo man sagt, dass die, die da herkommen, dass die so ein ganz klein bisschen seltsam sind. Und bei uns in Oberlahnstein, da sind das natürlich die Niederlahnsteiner, von denen man sagt, dass die ein bisschen seltsam sind und von daher ist das natürlich für mich eine schöne Sache, dass in meiner Geburtsurkunde noch Oberlahnstein drinsteht.

Markus Raupach: Okay, dann bist du quasi der Letzte offizielle deiner Art, auch schön.

Markus Fohr: Ich bin der Letzte, genau, ja.

Markus Raupach: Naja, auf jeden Fall auch eine lustige Geschichte. Darauf müssten wir eigentlich auch anstoßen, weil auch das irische Bier hat sich bereits verabschiedet. Ja, mit was machen wir denn jetzt weiter? Ich hätte jetzt hier noch das IPA und das Donka und, ja, gut, die Martinatoren, die sind natürlich etwas heftiger. Dann haben wir hier noch das Grape Ale stehen und die Flasche, die du von Batzen geschickt hast, das ist allerdings ein Triple. Ja, kommt drauf an, du bist der Chef, was würdest du empfehlen?

Markus Fohr: Also ich denke, nach diesem schönen, malzigen Irisch Lager könnten wir doch jetzt ein leichtes, aber hopfiges IPA hinterherziehen.

Markus Raupach: Unbedingt, dann machen wir das. So, Moment.

Markus Fohr: Schreiten wir mal zur Tat.

Markus Raupach: Ach ja, schon wieder eine Augenweide, sehr schön. Jetzt etwas dunkler, so ein, ja, wie soll man sagen, so ein sandfarbener Sonnenuntergang mit einem wunderbaren, fluffigen Schaum obendrauf, der wieder echt wie eine Eins steht, wunderbar. Und auch durch das Unfiltrierte tatsächlich wieder so ein einladender, geheimnisvoller Schimmer, der so richtig, ja, neugierig auch macht auf dieses Bier.

Markus Fohr: An dem Schimmer merkt man auch, dass unsere Biere tatsächlich naturbelassen sind. Wir kriegen manchmal ganz erstaunte Rückfragen von Kunden, die sagen, ja, ist das richtig, ich habe da jetzt ein Kellerbier von euch, das ist fast klar und das Letzte, was ich hatte, das war richtig trüb. Für uns als Insider ist das halt so, bei einem naturbelassenen Bier, aber daran sieht man es halt und das ist vielen Leuten leider nicht bewusst, dass die Trübung in einem naturbelassenen Bier, je nachdem, wann man es abgefüllt hat und welche Flasche man vielleicht gerade erwischt hat, die kann halt sehr, sehr unterschiedlich sein. Das klarste trübe Bier hatten wir, glaube ich, nach Corona gehabt, da hat das Bier halt ein halbes Jahr im Tank gelegen, bevor wir es dann verkauft hatten und dann war es blitzeblank. Also man musste es wirklich in ein dickes Glas schütten und in die Sonne oder in eine Lampe halten, damit man da noch so einen leichten Schleier erkennen konnte. Das war definitiv das klarste trübe Bier, das wir jemals gebraut haben.

Markus Raupach: Ja, aber so ist es eben, naturbelassen, wie die Natur eben spielt und manchmal darf sie länger spielen. Da kommen wir bestimmt auch gleich noch ein bisschen dazu, die Pandemie war ja schon eine besonders herausfordernde Zeit für alle in der Branche sozusagen. Ich habe mich gerade in die Nase verliebt von diesem Bier, muss ich sagen. Also ich finde es ganz schön, weil man auf der einen Seite so Citrusaromen hat, so ananasmäßig, ein bisschen Erdbeere vielleicht auch und so, ein bisschen Rhabarber und auf der anderen Seite dann noch so mehr in diese, ja, Maracuja-, Pfirsich-, Mango-Ecke, also wirklich sehr viele fruchtige Sachen, allerdings so ein bisschen so wie so ein Orangenjoghurt, also so ein bisschen sahnig, weich, ganz spannend. Also was hast du da für Hopfen verwendet?

Markus Fohr: Ja, die Fruchtigkeit, die war uns natürlich sehr wichtig beim IPA, das ist ja einer der charakteristischen Faktoren. Es ist auch eher ein amerikanisch als ein historisch britisch inspiriertes IPA. Recht leicht im Alkohol, aber schön fruchtig in der Nase. Und da haben wir natürlich auch zwei passende Hopfen dazu uns ausgesucht, das eine ist ein deutscher, der Mandarina Bavaria. Da hört man ja schon am Namen, wo der herkommt und wonach er schmeckt. Und wonach er schmeckt, das hört man bei dem zweiten Hopfen auch, das ist der weltweit am meisten angebaute Aromahopfen, das ist der Citra. Eine schöne Kombination, wie wir fanden und die haben wir jetzt auch schon bestimmt 10 Jahre in der Kombination, wenn nicht noch ein bisschen länger. Also ein ganz, ja, für ein Craftbeer fast schon historisches Rezept, 10 Jahre alt.

Markus Raupach: Ja, stimmt, also dafür ist es schon ein Iconic IPA sozusagen.

Markus Fohr: Ja, genau.

Markus Raupach: Ja und vom Malz her aber trotzdem schon noch mit ein bisschen Karamellmalz, bisschen mehr auch eine Malz-Backbone, wie man so schön sagt, ne?

Markus Fohr: Aber nur ein Hauch, nur ein Hauch. So ein klein bisschen dunkelt das Bier ja immer auch nach, wenn es mal eine Weile in der Flasche ist. Also da ist tatsächlich zur ganz, ganz großen Masse einfach helles Gerstenmalz drin.

Markus Raupach: Und wenn du sagst, das ist so leicht, also ich kann es jetzt hier in meinem Podcast-Studio nicht wirklich lesen, was auf den Etiketten steht, aber es kommt mir schon ein bisschen stärker vor. Wo sind wir denn da ungefähr?

Markus Fohr: 4,9% sind wir.

Markus Raupach: Echt? Uih!

Markus Fohr: Also es ist kein Session IPA, aber, ja, ganz, ganz normale Trinkstärke, wir in Deutschland würden sagen Vollbier. Auch da war uns wichtig, man soll es gut trinken können. Denn auch, wenn wir es damals noch nicht gebraut haben, ich hatte das schon im Hintergrund und im Hinterkopf und mein Braumeister auch, dass wir irgendwann mal noch ein stärkeres IPA machen. Das ist sozusagen das für Einsteiger, wo man auch gut mal zwei, drei, vier Stück von trinken kann und das, was ein bisschen kräftiger ist, das heben wir uns bis zum Schluss auf.

Markus Raupach: Okay, dann machen wir das so, kein Problem.

Markus Fohr: Oder zu mindestens bis in die Nähe des Schlusses.

Markus Raupach: Ja, okay. Wenn du gerade vom Thema IPA sprichst, also in dieser Zeit, also vor eben 10, 15 Jahren oder wo es in Deutschland überhaupt so Richtung Höhepunkt ging, da hat man ja eine lange Zeit zumindest Craftbeer mit IPA mehr oder weniger gleichgesetzt und dann so nach und nach hat sich das erst so ein bisschen entwickelt, dass die Leute verstanden haben, dass IPA halt ein Bierstil ist, wie Pils auch und man in der Craft-Bier-Welt ganz, ganz viele andere Sachen machen kann und eben auch IPAs ganz anders sein können. Wie ging dir das eigentlich damals so mit dieser ganzen Craft-Geschichte, wenn du sagst, du hast 2019 dann die eigene Craft-Bier-Brauerei aufgemacht, vorher schon experimentiert, los ging das ja noch mal 10, 12 Jahre vorher, wie hast du das so erlebt, diese Zeit?

Markus Fohr: Das war tatsächlich eine spannende Zeit, man hat dann ja meistens erst mal gelesen, dass da irgendwie was Neues kommt. Und am meisten ist mir in Erinnerung, wie ich das erste Mal ein IPA probiert habe, man wollte natürlich mitreden können, also haben unser Braumeister, der Henrik Rohmann und ich uns mal ein IPA bestellt. Ich weiß gar nicht mehr, wo wir das damals hergekriegt haben, das war ja am Anfang gar nicht so einfach, diese Biere überhaupt zu bekommen. Und dann haben wir bei mir daheim im Wohnzimmer gesessen und haben das fachmännisch gemacht, wir haben es uns erst mal angeschaut und dann haben wir geschnuppert und waren fasziniert von diesen Citrusnoten, von dieser Frische. Das war ja sowas, das kannten wir in Deutschland zu dem Zeitpunkt in einem Bier überhaupt nicht. Und weil wir das so lecker und so spannend fanden, haben wir dann noch eine Nase genommen und noch eine Nase genommen und ich kann dir nicht mehr sagen, wie lange das ging, das Erste, was ich mich wieder erinnere, war, dass meine Frau ins Zimmer kam und sagte, trinkt ihr das irgendwann auch noch? Also das war so der erste Einstieg, natürlich mit einem IPA, ja klar, das war so das erste Bier, was auf der Craftbeer-Welle gesurft ist . Und natürlich kamen dann nach und nach die anderen Biere dann auch, die Portas und Stouts, die stärkeren IPAs, die belgischen Biere, die es ja eigentlich schon immer gab, aber dann wurden sie halt wieder so richtig wahrgenommen, also war schon eine spannende Zeit. Und auch die zwei Wochen Biersommelier, das war dann für mich eine ganz, ganz tolle Sache, weil man da ganz viel mal kennengelernt hat, mal in Ruhe probiert hat und plötzlich vielleicht auch Spaß gefunden hat an einem Bier, wo man vorher gesagt hat, naja, ob ich da dran gehe, weiß ich nicht.

Markus Raupach: Nee, das war schon, also wie du sagst, das war eine ganz spannende Zeit. Also ich habe damals diese Präsentation miterlebt, ich glaube, das war 2007 oder so, wo der Hans-Peter Drexler die Hopfenweise zum ersten Mal hier in Bamberg im Brauereisaal von Keesmann bei den sogenannten Bierquerdenkern präsentiert hat, das waren lauter gestandene Braumeister aus Bayern und darüber hinaus. Und da war es ähnlich, wie du es auch gerade geschildert hast, die haben dieses Bier im Glas gehabt und dann war erst mal still, minutenlang und die haben einfach nur geguckt und gerochen und nichts gesagt und wieder angeschaut, wieder probiert. Aber man hat wirklich gemerkt, dass das auch gedauert hat, bis die dieses Bier dann auch verstanden haben in dem Fall, weil das war ja dann als Weißbier Doppelbock und eben sehr stark gehopft, auch für viele so ein zumindest völlig unbekanntes Terrain damals noch. Und da, muss man wirklich sagen, hat sich wirklich viel getan, viel entwickelt und dann kam ja auch diese ganze Biersommelier-Geschichte auf. Und ich erinnere mich auch, wir haben dann 2013, wir haben ja von der BierAkademie am Anfang auch mit Doemens zusammen das Ganze gemacht, da habe ich dann die erste deutsche Meisterschaft damals der Biersommelier ausgerichtet, das war in Hallerndorf, im Brauhaus am Kreuzberg. Damals noch ein bisschen improvisiert, sage ich mal, also am Schluss hat der Dominik damals gewonnen mit einem Bierdartspiel sozusagen und du bist ja dann sechs Jahre später sozusagen Deutscher Meister geworden. Für alle, die sich jetzt da wenig drunter vorstellen können, vielleicht kannst du mal ein bisschen erzählen, wie wird man Deutscher Meister, also wie man Olympiasieger im 100-Meter-Lauf wird, das wissen, glaube ich, alle, aber wie wird man Deutscher Meister der Biersommeliers?

Markus Fohr: Also vom System her ist das mit dem 100-Meter-Läufer tatsächlich auch einfacher, Training steht sicherlich noch mehr dahinter. Ja, wie wird man Deutscher Meister oder überhaupt Biersommelier-Meister? Die nationalen Meisterschaften und auch die Weltmeisterschaft, die sind ja relativ gleich aufgebaut, es gibt zunächst mal Vorrunden, mehrere. Die Erste ist eine Aromen-Blindverkostung, da hat man dann 10 Biere vor sich stehen, die sehen alle gleich aus, es ist auch tatsächlich in allen 10 Bechern, Gläsern das gleiche Bier drin, aber die sind mit Aromen geimpft, die entweder biertypisch sein können oder die auch untypisch sind für Bier, auch die muss man ja kennen und dann ist es die Aufgabe des Kandidaten, die blind zu erkennen. Und um Blinderkennung geht es dann auch in der zweiten Vorrunde, da stehen wieder 10 Biere da, die sehen allerdings unterschiedlich aus, denn es sind auch 10 unterschiedliche Bierstile, da kann im Prinzip alles drinstehen, was es auf der großen weiten Welt so gibt. Und auch da geht es dann wieder um das Blindverkosten, man muss also dann seine Einschätzung abgeben, die Nummer eins ist ein deutsches Pilz, die Nummer zwei ist ein belgisches Tripel und so weiter. Und dann gibt es oft noch einen Multiple-Choice-Test und wer dann in diesen ganzen Runden die meisten Punkte gesammelt hat, der kommt dann in die Finalrunde. Da wird es dann ganz anders, da geht es dann nicht mehr um Blindverkostung, da geht es auf die Bühne, da bekommt man dann ein Bier zugelost und stellt das dann auf der Bühne vor. Und wer das sachlich am besten und natürlich auch mit dem besten Unterhaltungswert gemacht hat, der wird dann der neue deutsche, österreichische, Schweizer oder auch Weltmeister.

Markus Raupach: Ja, faszinierend. Und auf jeden Fall, es klingt super anstrengend, es klingt super komplex und vielfältig und eben in ganz vielen Ecken herausfordernd. Was würdest du sagen, war bei dir 2019 so der Punkt, wo du dann den entscheidenden Schritt gemacht hast, um das zu gewinnen?

Markus Fohr: Zum einen war sicherlich auch ein bisschen Glück dabei, wie immer, wenn man irgendwas gewinnt, dann braucht man auch ein bisschen Glück, ohne geht es nicht. Ich habe mit dem Düwel ein Bier zugelost bekommen im Finale, das ich sehr gut kannte und auch sehr mag.

Markus Raupach: Schön, ja.

Markus Fohr: Das ist, glaube ich, ein riesen Vorteil, das war zwar bei dem WM-Finale drauf genauso, aber da hat es mir leider nichts genützt, aber egal.  2018 war es im Finale der DM, da hatte ich auch diesen Vorteil, ein Bier, das ich gut kannte und auch sehr mag und das hat mir geholfen. Was mir, glaube ich, auch geholfen hat, ich habe ein bisschen einen schönen Rahmen um meinen Vortrag gebaut, ich habe erst mal das Publikum begrüßt, ich habe am Schluss noch ein kleines Gedicht aufgesagt und habe damit so zwei Schmankerl gesetzt, die vielleicht die anderen nicht so hatten und das sind eben die Sachen, die dann die Jury auch bewertet. Natürlich muss man das Bier richtig beschreiben, die Dinge, die man drumherum erzählt, die sollten dann auch stimmen. Wichtig ist ja auch, dass man überhaupt drumherum was zu erzählen hat, ansonsten wäre es schlecht. Und dann gibt es noch die Performance, wie man oft sagt und da werden eben solche Dinge bewertet, spricht der Kandidat flüssig oder kommt da ein äh nach dem anderen, ist eine schöne Begrüßung und ein schöner Schluss in dem Vortrag, hat der Vortrag eine rote Linie oder springt man ständig hin und her? Das sind alles so Dinge und in der Summe habe ich das einfach an dem Tag gut hinbekommen.

Markus Raupach: Ja, perfekt. Also klingt auch ein bisschen nach Tagesformabhängigkeit natürlich und auch ein bisschen Glück, welches Bier man da erwischt, aber man kann auch viel üben, denke ich mal. Und sowas wie so ein Gedicht ist natürlich eine sehr clevere, coole Strategie, also Glückwunsch schon mal auf der Seite noch mal. Und sorry, dass ich dich ein Jahr nach hinten versetzt habe, 2018. Aber dann hat man natürlich auch so einen gewissen, ja, eine geschwellte Brust, sagen wir mal so. Und als es dann im nächsten Jahr zur Weltmeisterschaft ging, war dann da was anders, bis auf die Tatsache, dass eben internationale Leute dabei waren oder gab es da generell noch andere Unterschiede?

Markus Fohr: Also vom Verlauf des Turniers war das genau gleich aufgebaut, bis auf das, dass der Multiple-Choice-Fest größer war als bei der deutschen Meisterschaft, aber vom System her war es dasselbe. Was natürlich 2019 in Rimini, hat da die Weltmeisterschaft stattgefunden, der Fall war, das war natürlich vom Ambiente her kaum zu toppen, Grand Hotel Rimini im September, ein paar Meter weg vom Strand und von der schönen Altstadt von Rimini, ein Buffet über zwei riesen Räume drüber, tolles Wetter, Stimmung war klasse. Und, ja, ich bin ja dann auch bis ins Finale gekommen, für den ganz großen Wurf hat es dann leider nicht gereicht, aber man kann halt nicht immer gewinnen.

Markus Raupach: Nein und immerhin, du hattest ja vorher schon einen Sieg in der Tasche, das ist ja schon mal auch gut. Und, ja, Rimini kann ich tatsächlich auch nachempfinden, ich bin da ja auch seit vielen Jahren in der Jury von dem jeweiligen italienischen Wettbewerb, der immer allerdings im Frühjahr ist. Also da sind wir auch immer in Rimini in so einem Hotel, allerdings dann meistens Februar, März irgendwie, das heißt da ist es dann eher kalt, aber auch schön, weil dann nämlich niemand ist, das heißt man kann tatsächlich dann am Strand entlang spazieren und tagsüber wird es dann auch schon ein bisschen wärmer und es ist auch eine tolle Stadt also. Aber im Sommer ist das bestimmt noch mal eine andere Liga, da bin ich schon ein bisschen neidisch, sehr schön. Also man kommt auch rum mit der ganzen Geschichte. Du warst ja jetzt, glaube ich, beim letzten Mal auch wieder dabei, oder?

Markus Fohr: Ja, ich war beim letzten Mal auch wieder dabei. Das war allerdings eher die klassische Variante, die WM war einen Tag vor der Drinctec in München.

Markus Raupach: Ja, das stimmt.

Markus Fohr: Was natürlich vom Veranstaltungs-Timing her absolut Sinn macht, die Meisten von uns sind ja dann sowieso da und wenn WM ist, dann kommt man eben zwei Tage früher. Aber es ist schon, ja, praktisch einfach, dass jedes zweite Mal die WM mit der Drinctec gekoppelt ist.

Markus Raupach: Aber es gilt wie immer, ich sage auch immer, München fehlt einfach ein Strand, sozusagen, dann wäre es perfekt wahrscheinlich.

Markus Fohr: Es gibt, glaube ich, einen Isar-Strand, aber den haben wir jetzt nicht frequentiert.

Markus Raupach: Das stimmt. Apropos Strand, Bier, wir brauchen wieder ein Bier. Womit machen wir denn jetzt weiter? Ich habe jetzt immer noch Donka da stehen und das Mega IPA, ein Grape Ale, das Triple, das Honigbier und die Atoren, was machen wir jetzt?

Markus Fohr: Nachdem du gerade so den Strand betont hast, da haben wir ja eigentlich fast keine andere Chance, als das Bier zu probieren, was in der Nähe von einer ganzen Menge wirklich schöner Strände gebraut worden ist und das wäre dann das Grape Ale.

Markus Raupach: Okay, dann machen wir das, wunderbar. Das ist ja ein Kollab mit einer zypriotischen Brauerei, wenn ich es richtig in Erinnerung habe.

Markus Fohr: Ganz genau.

Markus Raupach: Cyprus Grape Ale.

Markus Fohr: Das ist die Octo Microbrewery, die heißt tatsächlich so, weil man, ja, was typisch Zyprisches haben wollte. Und Zypern ist nun mal eine Insel, wie das bei einer Insel so ist, da ist überall Meer drum und in dem Meer, da gibt es Massen von kleinen Tintenfischen und Oktopussen und deswegen hat man dann der Brauerei den Namen Octo Brewery gegeben. Und man sieht vielleicht an den Etiketten, dass der Inhaber, der Taras Lozhenko, von Haus aus eigentlich Designer ist. Das ist einer der vielen erfrischenden Quereinsteiger, die mal den Weg in die Braubranche gefunden haben und der schafft es auch immer wieder optisch sehr ansprechend irgend so ein Oktopus-Tentakel mit Saugnäpfen irgendwie in das Design vom Etikett einzubauen.

Markus Raupach: Ja, in dem Fall in eine Traube, also sehr schön.

Markus Fohr: Ja, das hat er wirklich gut hingekriegt.

Markus Raupach: Und was ich auch sagen muss, also Optik brauchen wir fast gar nicht mehr darüber reden, ist wieder sensationell, also wunderbar schönes, ja, so vom Braunton her vielleicht ein bisschen heller als das gerade eben, wunderschöner Schaum, aber was mich total gecatcht hat, ist der Geruch. Also der ganze Raum ist voll von dieser wunderbaren traubigen Note, die aber auch so ein bisschen, ja, so Süße, fast ein bisschen Bubblegum-Aromen mit hat, also sehr intensiv, sehr fruchtig, sehr süß, sehr reif, ganz viel, ja, Lust einfach auch macht und sehr komplex ist. Und wenn man näher hingeht, hat man auch wirklich so intensive Kohlensäurenoten, sehr spritzige Angelegenheit, also ganz toll. Weißt du, was das für Trauben sind, die ihr da verwendet habt?

Markus Fohr: Ja, da haben wir uns sehr viel Gedanken darüber gemacht im Vorfeld, was wir da für Trauben nehmen und wir sind dann, ja, haben uns natürlich von einem Profi, von einem Winzer beraten lassen und dann sind wir auf eine ganz klassische, heimische Rebsorte gekommen, Xynisteri heißt die, die wird in Zypern schon seit 3.000, 4.000 Jahren kultiviert, so ganz so genau wissen es die Zyprioten auch nicht, wie alt die genau ist, also in jedem Fall eine ganz typisch zyprische Rebe, eine Weißweinrebe, das war uns auch ganz wichtig für die Optik. Und ich denke, der Trick ist auch ganz gut gelungen, wenn man das Bier jetzt nur im Glas sieht, dann sind wir fast wieder beim fränkischen Kellerbier, für das man es halten könnte.

Markus Raupach: Genau, also da reiht es sich total ein.

Markus Fohr: Und dann ist es genauso wie du es sagtest, man merkt es dann aber im Duft dann schon, ja, da ist so eine Malzsüße, ist da drin, aber da ist auch noch was anderes drin und dann ist man schnell, ist man bei Weißweinnoten. Und was auch total spannend ist, wie sich dieses Bier entwickelt im Laufe der Zeit, es ist ja eine Jahrgangsedition und wenn das ganz frisch ist, ich habe das mal aus dem Tank probiert, da war es so, hatte es so zwei Wochen Lagerzeit gehabt, also es war durchgegoren plus zwei Wochen und dann ist dieses Bier noch mal heller und es duftet und es schmeckt fast wie ein Federweißer.

Markus Raupach: Uih! Okay.

Markus Fohr: Und diese Note, die geht dann natürlich mit zunehmender Reifung, geht die weg und dann ist es so wie du es jetzt beschrieben hast. Und ich bin selber mal sehr, sehr gespannt, wir werden demnächst mal eine Verkostung machen, wo wir alle vier Grape-Ale-Jahrgänge, die wir bis jetzt gemacht haben, mal nebeneinander verkosten. Ja, da freue ich mich schon sehr drauf, dann sieht man mal ganz genau, wie sich das über die Jahre so entwickelt hat.

Markus Raupach: Ja, also für mich geht es jetzt in so eine Champagner-Sekt-Richtung, also sehr schön, sehr hochvergoren, sehr edel, ein bisschen nobel auch, ganz, ja, komplex und ich habe auch so eine ganz leichte Brett-Note, oder kommt das vom Hopfen?

Markus Fohr: Nee, da ist tatsächlich so eine kleine Komponente, so eine kleine wilde Komponente ist da drin.

Markus Raupach: Aha.

Markus Fohr: Wir wollten jetzt nicht wie die Leute vor 3.-, 4.000 Jahren ein spontan vergorenes Bier machen, da hätten wir, glaube ich, doch zu wenig Fans dafür gefunden, aber wir wollten so ein klein bisschen was Wildes von der Traube, wollten wir dann noch mit reinbringen. Und das Bier wird auch tatsächlich mit komplett unbehandeltem Traubenmost gebraut, der ist nicht pasteurisiert und gar nichts. Das ist auch eine große Herausforderung, der wird gepresst und in Kegs gefüllt und dann steht praktisch schon einer von der Brauerei mit dem Lieferwagen daneben und lädt die direkt auf und dann werden die am gleichen Tag oder spätestens am nächsten Tag wird das Grape Ale dann gebraut. Und die Hälfte von dem von dem Most, die kommt dann am Ende der Kochung rein, das ist dann natürlich steril und die andere Hälfte, die kommt zur Hauptgärung rein und dadurch ist da ja so eine kleine Komponente drin, denn alles was an wilden Hefen auf der Traubenschale gesessen hat, das ist ja da mit drin. Und man sieht das auch ganz faszinierend, die Kollegen, die haben noch eine offene Gärung, also man kann die Kräusen sehen. Und vorhin hatten wir es ja schon mal mit der Idee von einem grünen Bier, also das Bier ist nicht grün, aber da sieht man so eine leichte wilde Komponente, die Kräusen, die haben sowas leicht grünliches, ist schon spannend und von daher kann das Bier auch durchaus so eine leichte Brett-Note haben.

Markus Raupach: Aber es ist wunderschön, also auch wieder ganz, ganz spannend. Hat natürlich schon auch ordentlich Alkohol, das merkt man, Weingeist, wie man so schön sagt, aber toll. Also gerade durch diese sehr noble Note und auch diese angenehme Bittere, also, ja, man kann durch Bittere sagen, aber da spielt ja eben auch diese Brett-Note so ein bisschen mit rein und dieses Hochvergorene ist wirklich ein ganz spannendes, schönes Finish. Also ein tolles Bier, kann ich mir auch gut vorstellen mal als Begrüßungsschluck zum Beispiel bei einem Menü oder so, das kann man sehr vielseitig einsetzen, großartig.

Markus Fohr: Auf jeden Fall, also genauso, wie man einen Champagner auch gerne als Begrüßungsschluck, als Aperitif reicht, geht das bei diesem Bier auch. Und wir haben auch tatsächlich vor, nächstes Mal so eine kleine Variante da rein zu bringen und das Bier mal mit einer Champagnerhefe zu vergären und noch ein bisschen mehr Kohlensäure reinzubringen, also wir wollen da mal in genau die Richtung gehen, da freue ich mich auch schon sehr drauf, Ja, du hast die den Alkoholgehalt angesprochen, es war ja auch von Anfang an die Idee ein Jahrgangsbier zu machen, also es sollte auch ein lagerfähiges Bier sein, deswegen haben wir auch direkt gesagt, soll stark sein. Und ein bisschen einen praktischen Aspekt hat man ja auch manchmal, es ist ja ein Kollab, wir brauen das Bier auf Zypern und die eine Hälfte behalten dann die Kollegen und die andere Hälfte kriegen wir. Und das Bier muss ja auch dann den Transport von Zypern nach Deutschland überleben und das tut natürlich so ein 9-%er eher als jetzt das fränkische Kellerbier

Markus Raupach: Wie läuft das, per Schiff oder per Flugzeug oder Hubschrauber oder wie bringt ihr das rüber?

Markus Fohr: Das läuft so, dass das Bier zunächst mal mit der Spedition von Sotira, das ist der Ort wo die die Brauerei auf Zypern liegt, dann nach Limassol fährt, das ist allerdings nicht weit, das ist so eine Stunde, ja, ein bisschen mehr. Und von da wird es dann mit einem Schiff gefahren bis nach Istanbul und von da kommt dann tatsächlich sogar eine Komponente aus dem Heimatland meiner Frau mit rein, dann wird es nämlich von einer bulgarischen Spedition, wird es zu uns nach Deutschland gefahren und, Stopp, ich habe jetzt etwas Falsches gesagt, es ist nicht Istanbul, es ist Thessaloniki, wo die Fähre hingeht

Markus Raupach: Okay. Ja, ich habe mich schon gewundert, wobei bei Zypern ist ja alles möglich, weil die Insel ist ja leider Gottes immer noch geteilt und der eine Teil ist ja quasi türkisch besetzt und der andere Teil ist eben die Republik und hätte ja auch sein können, also das ihr da irgendwie eher über Istanbul oder aus irgendwelchen Gründen gehen müsste, aber Thessaloniki ist da natürlich etwas eingängiger. Ja, wo du es jetzt gerade schon sagst und ich muss auch sagen, das Grape Ale war zwar ein wunderschöner Schluck, aber ich habe mir jetzt auch gar nicht so viel davon eingeschränkt, weil es relativ stark ist. Das heißt, ich wäre schon wieder bereit und wenn du gerade schon über deine Frau gesprochen hast, vielleicht wäre es jetzt mal an der Zeit, das Donka zu probieren, oder?

Markus Fohr: Ja, jetzt habe ich die Steilvorlage gegeben, in der Tat.

Markus Raupach: Eben, eben, eben.

Markus Fohr: Dann sollten wir die auch aufnehmen und mal das Bier meiner Frau probieren.

Markus Raupach: Okay, ich mache es mal auf.

Markus Fohr:  Meine Frau stammt aus Bulgarien, das hatten wir ja eben schon kurz angerissen, sie hat auch da gelebt, bis sie 30 war und dann kam der entscheidende Faktor, weshalb sie aus Bulgarien weg ist, dann kam ich und ja, ich konnte die Brauerei so schlecht mit nach Bulgarien nehmen, sonst hätte das auch ein Thema sein können.

Markus Raupach: Allerdings, ja.

Markus Fohr: Ist auch ein sehr schönes Land, kann ich nur empfehlen, sich das mal anzuschauen, aber nicht unbedingt am Sonnen- und Goldstrand. Ja und meine Frau kam dann vor mittlerweile auch 25 Jahren nach Deutschland. Und die Idee dann, ihr ein Bier zu brauen, die habe ich eigentlich bei einem Kollegen aufgeschnappt. Vielleicht kennt der ein oder andere von den Hörern den Teo Musso, der ist so ein bisschen einer der Ikonen der italienischen Craft-Beer-Bewegung, war auch sehr früh dran, hat in den 1980ern schon die ersten Biere gebraut. Und der hat mal ein Bier zu Ehren seiner damaligen Frau, der Nora gebraut und die war afrikanisch stämmig und dann hat er sich Weizenmalz aus Ägypten besorgt und hat da ägyptischen Honig und ein paar nordafrikanische Gewürze mit rein. Und als ich das gehört habe und ich hatte auch die Idee, nicht die Idee, die Chance, das Bier mal zusammen mit meiner Frau in seiner Palatin-Gastronomie in Rom zu probieren, hat uns beiden sehr gut geschmeckt, ja, und so kam ich dann auf die Idee, sowas zu machen. Und da haben tatsächlich damals alle dicht gehalten, Donkas Schwester hat dann auf dem Markt in Neceva, hat sie bulgarischen Wildthymian erstanden und hat mir den geschickt und dann habe ich von einem Kollegen noch bulgarische Holzchips bekommen, Eichenholzchips und dann haben wir als meinen Teil eine klassisch deutsche Komponente genommen, unser Kellerbier und haben das dann reifen lassen auf dem bulgarischen Wildthymian und den Chips. Und wir haben es dann tatsächlich geschafft, sie hat es nicht mitgekriegt bis dahin, ihr an ihrem Geburtstag abends dann dieses Bier zu überreichen.

Markus Raupach: Na, das ist doch eine wunderschöne Geschichte, großartig, ja, auch total spannend. Also jetzt hast du es ja schon gesagt, ich wollte gerade fragen, was diese sehr schöne kräutige Komponente ist. Also für mich setzt sich das so ein bisschen zusammen aus, ja, Honignoten, Salbei, Thymian, Lavendel, also sehr komplexe Kräuteraromatik, aber der Wildthymian hat dann wahrscheinlich so besondere Aromen, also ganz toll. Es hat jetzt das Grape Ale aus dem Raum auch schon verdrängt sozusagen und ersetzt durch diese wunderbare blumig-kräutige Symphonie, die man hier so hat. Und am Gaumen auch schön, weil diese Holznote, das ist so ein bisschen, ja, so eine karamellige, vanillige Süße irgendwie bringt das ins Bier rein, auch einen schönen Körper, ein schönes Mundgefühl, das macht das Ganze sehr rund. Also ich hoffe, da war sie dann schon auch erfreut vom Bier an sich, oder?

Markus Fohr: Also sie war sehr erfreut, begeistert, kann man auch sagen und mittlerweile ist sie noch begeisterter, die Donka hat sich ja gehalten, also nicht nur meine Frau, sondern auch das Bier. Wir haben dann gesagt, naja, wenn wir das jetzt schon haben, dann können wir es ja mal zum Craft Beer Award einschicken und es hat dann direkt auch eine Auszeichnung bekommen und dann haben wir gesagt, ja, wenn das Bier so gut ist, dann müssen wir das ja im Sortiment behalten und mittlerweile sind aus der Auszeichnung mehrere geworden. Und dieses Jahr war das tatsächlich unser am höchsten ausgezeichnetes Bier bei der Finest Beer Selection, da ist meine Frau noch mal um 5 cm gewachsen.

Markus Raupach: Ja, da musst du echt aufpassen, die hat dich jetzt in der Hand. Nein, also schön. Ich finde auch überhaupt diese Idee schön, so seine Familie ein bisschen zu Bier zu machen. Und ich glaube, wahrscheinlich war der Teo Musso auch der Erste, der das so getan hat. Also ich kenne ihn auch ganz gut, er ist ja einer der beiden Väter vom Teku-Glas auch und hat ja nicht nur seine Frau zum Bier gemacht, sondern auch seinen Sohn, den Isaac, hat er ein tolles Witbier aus ihm sozusagen gemacht, was auch großartig ist. Und was ich besonders witzig finde, er hat dann auch ein Bier gemacht nach den ersten Lauten eines seiner Kinder, also ich weiß gar nicht, ob das auch der Isaac war oder das nächste Kind, aber das heißt dann Xyauyu und ist ein sehr starker, ja, Barley Wine oder so, ein sehr, sehr intensives, auch in verschiedenen Fässern gereiftes tolles Bier, aber eben von der Lautmalerei auch total spannend, also eine schöne Idee. Vor allem den Isaac habe ich dann eben auch nach und nach kennengelernt, am Anfang war er ja noch relativ jung, mittlerweile ist er selber mit in der Brauerei und das ist natürlich irgendwie auch cool, also wenn man das so erlebt, dass diese Namensträger von solchen Bieren dann da auch dabei sind. Ein Paradebeispiel bei uns in Deutschland ist wahrscheinlich der David Hertl mit seiner Mutti und seinem Vati und alle, die er da biermäßig verbraut hat, aber super Idee. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die Donka da wirklich sehr stolz ist. Bei welcher Gelegenheit hast du die in Bulgarien damals kennengelernt ,also warst du da im Urlaub oder auf einer Messe oder wie habt ihr euch getroffen?

Markus Fohr: Also das ist eine lange Geschichte, so richtig ging das dann los, als ich über Silvester 1999-2000 in Bulgarien war, also sozusagen eine Jahrtausendliebe.

Markus Raupach: Allerdings.

Markus Fohr: Und, ja, da bin ich dann sie besuchen geflogen und war 14 Tage dann in Bulgarien und die 14 Tage, die hatten wir uns dann mal genommen, um, ja, uns noch ein bisschen besser kennenzulernen und dann auch zu entscheiden, wollen wir es denn dann richtig machen, will sie nach Deutschland kommen und, ja, wie es gegangen ist, wissen wir jetzt alle. Und in der Tat, bei uns gibt es auch diese Familiengeschichte mit den Bieren. Bei meinem ältesten Sohn, da ist es ein bisschen schlecht, weil der keinen Alkohol trinkt, aber meine Tochter, die hat auch schon ihr eigenes Bier bekommen. Das war auch ein Kollab und zwar mit den Kollegen von der Rhombus Pivovana in Pazardzhik in Bulgarien, das ist so ein bisschen in der Nähe von Plowdiw, da haben wir einen Kräuterbier-Bock, haben wir gemacht. Der ist allerdings mittlerweile ausgetrunken, deswegen habe ich dir nichts davon geschickt. Und den haben wir dann Maya genannt und da ist auch noch ein kleines Späßchen verpackt, denn wenn man das Wort ein bisschen anders betont, Maya, ist das bulgarische Wort für Hefe.

Markus Raupach: Ah, schön.

Markus Fohr: Und unser Jüngster, der Victor, der kriegt jetzt demnächst sein eigenes Bier. Der hat auch eine charmante Idee gehabt, der hat mal zu mir gesagt, Papa, also natürlich möchte ich mein eigenes Bier, aber ich möchte da dann auch mitreden. Und damals war er halt noch ein bisschen zu jung zum Bier trinken und das hat sich mittlerweile geändert, der ist jetzt 17 und hat dann auch mir geholfen beim Training für die WM und hat dann natürlich auch immer mal hier und da und dort ein Schlückchen probiert und hat dann irgendwann seine Liebe zum NEIPA entdeckt, sodass wir ihm jetzt schon die erste Testcharge von seinem Bier gebraut haben.

Markus Raupach: Wunderbar, also dein Sohn möchte man sein, sage ich mal so, sehr schön, tolle Geschichte. Wachsen die bei euch dann zweisprachig auf, die Kinder?

Markus Fohr: Also die Kinder sprechen alle ein bisschen Bulgarisch, wir haben das auch tatsächlich versucht, die zweisprachig zu erziehen, aber so in dem Moment, wo die dann in den Kindergarten kamen und mit ganz, ganz vielen Kindern zusammenkamen, von denen natürlich niemand Bulgarisch gesprochen hat, da war es dann irgendwann vorbei, also irgendwann haben die drei das nicht mehr mitgemacht, sowohl Bulgarisch als auch Deutsch zu sprechen. Aber sie können alle drei ein bisschen Bulgarisch und mittlerweile haben sie das auch schätzen gelernt, dass sie sich zumindest ein bisschen mit ihren Großeltern oder mit unserer Verwandtschaft in Bulgarien unterhalten können, denn da sind tatsächlich viele dabei, die weder Deutsch noch Englisch sprechen, also wenn du dich verständigen willst, dann musst du es auf Bulgarisch tun und deswegen sind sie mittlerweile sehr froh, dass sie das zumindest so ein bisschen können.

Markus Raupach: Ja, ich glaube auch, dass das wirklich so eine Kompetenz ist, die das Gehirn aufbaut, wenn man so groß wird und eben mit zwei Sprachen oder mehreren sogar noch irgendwie aufwächst, das hilft einem, glaube ich das ganze Leben lang, also generell bei Sprachen, aber auch bei vielen anderen Sachen. Das ist was, was mir leider Gottes nie zuteilgeworden ist, das finde ich sehr spannend, also ein echtes Sprachgefühl in mehreren Sprachen zu entwickeln, das ist schon eine große Kunst, aber gut. Also insofern schön, dass deine Kinder das zumindest ein bisschen haben dürfen, toll. Das müssen wir feiern mit einem Bier, also ich will ja nicht so viel Druck machen, aber ein bisschen, ein paar haben wir ja noch, also insofern.

Markus Fohr: Jetzt würde sich doch langsam noch ein anderer Name anbieten, nämlich der Martinator, den du ja auch in holzfassgereiften Varianten hast.

Markus Raupach: Genau, ich habe einmal BC und einmal SC.

Markus Fohr: Genau. Wir haben den tatsächlich sogar in drei Varianten, da sind unterschiedliche Hölzer im Spiel, einmal sind das Holzchips aus Bourbon-Whisky-Fässern, deswegen dieses Kürzel BC, Bourbon Chips, dann gibt es den noch mit Holzchips aus Cognac-Fässern, da ist dann das Kürzel CC. Der war wahrscheinlich gerade alle, als wir dir das Paket gepackt haben. Und dann gibt es den mit Sandelholz, das ist der SC dann, Sandelholzchips. Der ist von den Dreien mein persönlicher Favorit, vielleicht hast du ja Lust den zu öffnen.

Markus Raupach: Auf jeden Fall, also einerseits, wenn du sagst, es ist dein Favorit dann sowieso, aber auch Sandelholz hatte ich jetzt noch nicht so oft bei Bier, deswegen bin ich da jetzt sogar richtig gespannt drauf auch in jeder Hinsicht, also auf die Nase, auf den Geschmack, schauen wir mal.

Markus Fohr: Ja, uns ging es ein bisschen ähnlich, wir haben irgendwann den Newsletter von unserem Lieferanten für die Chips gekriegt und da warb der für diese Sandelholzchips und wir haben auch gesagt, oh, Sandelholz mit Bier. Wir kennen viele Vorbelegungen, viele Hölzer, mit denen schon mal ein Bier gereift ist, aber Sandelholz haben wir noch nie gehabt, probieren wir einfach mal. Aber ich will jetzt mal nicht zu viel erzählen, sonst bist du ja schon voreingenommen.

Markus Raupach: Ja, ich bewundere gerade den Schaum, ich habe einen richtig mächtigen Schaum, also da ist bestimmt die Hälfte vom Glas, ist gerade Schaum, auch sehr dicht, sehr schön. Und das Bier an sich, würde ich sagen, ist so ein sehr goldenes, also wahrscheinlich dein heller Doppelbock als Basis?

Markus Fohr: Ganz genau, der Martinator ist unser heller Doppelbock. Das ist jetzt so einer von den ganz klassischen Rezepten, also eins, was ich von meinem Vater übernommen und nie verändert habe. Und der ist tatsächlich, wir haben mehrere Biere ausprobiert für die Holzreifung, aber man braucht einfach ein Bier, was selber auch schon ein bisschen Körper hat, Vollmundigkeit hat, Volumen hat, ein bisschen Alkohol hat, das ist einfach für so holzgereifte Biere, ist das eine tolle Basis.

Markus Raupach: Ich überlege die ganze Zeit, wie ich den Geruch beschreiben soll. Also man merkt auf jeden Fall auch einen Teil von dem Bockbier, aber so im Vordergrund, das geht für mich in so eine Mischung aus Haselnuss, Mandel und Kokosmakrone irgendwie und auch ein bisschen Holz, also klassische Holzaromatik ist so im Hintergrund natürlich auch da, aber tatsächlich, also ich würde fast auch ein bisschen in so eine weihnachtliche Richtung beschreiben, also auf jeden Fall ein ganz besonderer eigener Geruch, den ich so jetzt bei einem Bier auch noch nicht hatte.

Markus Fohr: Das Schöne an dem Sandelholz ist ja, das ist ja nicht jetzt aus irgendeinem Fass mit Vorbelegung, kommt das, wie jetzt die Bourbon-Chips oder die Cognac-Chips, da kommt so richtig das Holzaroma raus und das Sandelholz, wie du es ja auch schön beschrieben hast, das hat eher weiche, süße Noten. Manchmal sind ja die holzgereiften Biere so ein ganz klein bisschen kratzig und das ist hier gar nicht der Fall. Und leider können jetzt die Zuhörer die Farbe nicht sehen, die hat mich von Anfang an fasziniert, weil dieses Sandelholz so einen ganz leicht orangenen Unterton in das Bier rein gibt.

Markus Raupach: Absolut.

Markus Fohr: Also wenn du jetzt den hellen Doppelbock ohne Sandelholz danebenhalten könntest, dann würdest du sehen, ja, der hat zwar auch so eine richtig kräftige goldgelbe Farbe, aber dieser leicht orangene Touch, den das Sandelholz da noch mit reinbringt, der ist einfach, ja, wie haben wir bei der Bundeswehr früher gesagt, technischer Dienst an den Augen.

Markus Raupach: Also ganz schön, das stimmt, ja. Nachdem wir etwas vorgerückte Stunde haben, habe ich das noch gar nicht so wahrgenommen, ich habe es jetzt noch mal richtig vor das Licht intensiv gehalten und es ist absolut so, also richtig schöner, ja, so ein ganz intensiver Orange-Honigton, also golden im positivsten Sinn, sehr, sehr schön. Nehmen wir mal ein Schlückchen, Prost.

Markus Fohr: Zum Wohl.

Markus Raupach: Das ist ja eine richtige Reise, also geht eher fruchtig süß los und schlägt dann so ein bisschen um in diese holzigen Aromen, Vanille, Karamell und dann geht es über ins Bier, dann kommt Honig, so ein bisschen Weihnachtskekse, so Vanillekipferl und dann hinten raus noch so ein paar kräutige Noten, ja, ein bisschen Honig auch noch mal, so ein Akazienhonig vielleicht oder so. Und dann auch eine gewisse Bittere, schön, rund wohlig, wärmend, also merkt man auch den Alkohol natürlich ein bisschen, wenn man den dann so runterschluckt.

Markus Fohr: Ja, den merkt man durchaus auch etwas.

Markus Raupach: Aber wirklich unglaublich komplex, also das ist wirklich so eine ganze Reise da so durch. Und ich finde, das Holz ist sogar noch mal komplexer, also das hat für mich jetzt auch sowas ähnliches wie, wie soll man es beschreiben, vielleicht so ein bisschen wie Jasmin oder, ja, so wirklich ein bisschen exotische Noten, bis hin zu so auch Orangenblüten oder so. Also bin ich begeistert, Sandelholz kriegt von mir 5 Punkte von 5, sehr schön. Verstehe ich, warum das dein Favorit ist.

Markus Fohr: Es ist ein exotisches Holz, von daher auch exotische Noten. Und es hat halt sowas wunderbar Weiches, man merkt das Holz ein bisschen, ja, aber es ist nicht kratzig, es ist nicht unangenehm, es ist einfach eine ganz weiche angenehme Holznote und dann noch flankiert von dem einfach tollen Körper, den der Matinator hat, ja, ist wohlig, trinkt sich gut.

Markus Raupach: Ist euch toll gelungen. Und ich finde auch, dass die Hopfennoten wahrscheinlich, also ich kann es ja nur bedingt trennen, aber ich nehme mal an, dass die da schon auch mit drin sind, verbinden sich total schön mit dem Holz, also das ist wirklich, obwohl es so komplex ist, aber auch eine sehr runde harmonische Geschichte. Ja, also könnte ich mich dran gewöhnen, kann ich absolut verstehen, warum das bei euch ganz oder bei dir persönlich auch ganz oben steht, schön. Apropos ganz oben stehen, wir hatten ja vorhin schon mal angesprochen, du bist ja auch sportlich unterwegs oder sogar extrem sportlich, wenn ich das richtig verstanden habe, wolltest du einfach nur irgendwann mal einen Marathon laufen und daraus sind jetzt ganz viele Extremläufe geworden, die du schon absolviert hast, oder?

Markus Fohr: Ja, das ist tatsächlich so. Ich bin auch auf ganz, ganz ulkige Weise zum Laufen gekommen, ich habe, als ich jünger war, lieber Ballsportarten betrieben. Laufen war mir ein bisschen zu langweilig Fußball, Squash, Tennis, all solche Dinge, die fand ich spannender, aber natürlich braucht man dann auch ein bisschen Kondition und so war das Laufen eigentlich für mich anfangs so das Ding, um die Basiskondition zu legen oder um mich einfach fit zu halten, wenn beim Fußball Sommerpause war, so ging das mit dem Laufen los. Und wie es dann manchmal so ist, wenn man dann in den Beruf kommt, dann hat man nicht mehr so viel Zeit und irgendwann habe ich gemerkt, Mensch, ich komme ja kaum noch eine Treppe hoch, ohne ins Schnaufen zu kommen und dann war eben die Überlegung, ja, Laufen ist eigentlich ideal, wenn man den buckligen Terminkalender eines Selbstständigen hat, es ist halt einfach flexibel, man kann überall auf der Welt laufen, man kann zu jeder Tages- und Nachtzeit laufen, das ist einfach ideal, wenn man flexibel sein muss. Aber ich bin ja halt eben auch ein Mensch und jeder Mensch ist irgendwo ein bisschen faul und wenn man kein Ziel hat und es ist so wie jetzt, November, drei Grad und Regen draußen, dann ist vielleicht doch die hübsche Frau auf dem Sofa anziehender als die Laufschuhe. Also ich brauchte ein Ziel und habe dann gedacht, gut, also so ein Marathon laufen wäre mal was, einmal im Leben willst du das gemacht haben und habe ich dann gemacht. Ja und wenn man einmal auf so einer Droge ist, ja, dann wird es schwierig, da wieder zurück zu kommen, dann habe ich Spaß gefunden am Laufen und habe dann zuerst mal gedacht, ja, dann läufst du mal in Berlin und mal in München und es gibt ja viele tolle Städte, wo man laufen kann, es war auch mal der ein oder andere Landschaftsmarathon dabei. Und irgendwann hat mir so ein bisschen die Herausforderung gefehlt und dann dachte ich, Mensch, dann probierst du mal einen Ultra, ja und dann wurden aus 78 Kilometer, wurden 100, aus 100 wurden 170, aus 170 wurden 200, das Längste, was ich dann mal gelaufen bin waren 320 Kilometer.

Markus Raupach: Na, da wärst du ja praktisch in Bamberg von zuhause aus, oder?

Markus Fohr: Ja, ja, ja, wenn ich das auf gerade Weg laufen würde, könnte das langsam hinkommen, absolut.

Markus Raupach: Wie lange läuft man da für 300 Kilometer?

Markus Fohr: Das waren ziemlich genau 80 Stunden, die ich da gebraucht habe.

Markus Raupach: Boah! Schläft man da zwischendurch?

Markus Fohr: Ja, also absolut, 80 Stunden, das kannst du nicht mehr ohne schlafen machen, also das das geht dann nicht mehr. Die 100-Meilen-Rennen, so 160, 170 Kilometer, das kann man mit viel Willen und nach intensiven Begegnungen mit dem inneren Schweinehund, kann man das noch durchlaufen, aber dann geht das nicht mehr. Also bei den 80 Kilometern, da habe ich schon ein-, zwei-, dreimal zwischendrin habe ich mal ein wenig geschlafen, das hätte sonst nicht mehr funktioniert

Markus Raupach: Gibt es den inneren Schweinehund noch oder hast du den mittlerweile komplett vertrieben?

Markus Fohr: Den inneren Schweinehund gibt es definitiv. Im Moment merke ich den wieder ein bisschen mehr, ich konnte jetzt zwei Monate eigentlich nur spazieren gehen oder locker laufen, weil ich zwei neue Linsen in die Augen gekriegt habe und mich halt dann in der Zeit nicht belasten durfte. Und natürlich, wenn man dann jetzt so wieder auftrainiert, es geht erstaunlich gut, muss ich sagen, aber man merkt natürlich, dass da ein bisschen Schnelligkeit fehlt, dass da ein bisschen Ausdauer fehlt. De Begegnung mit dem inneren Schweinehund, die ist bei einem Ausdauersportler einfach programmiert, der lässt sich nicht immer abschütteln, der Kerl

Markus Raupach: Ja, ich kenne den leider auch ziemlich gut, aber meiner ist, glaube ich, doch ein bisschen, naja, durchsetzungsfähiger noch als deiner auf jeden Fall. Aber wer weiß also vielleicht muss ich mich irgendwann mal da auch solchen Sachen nähern. Ich glaube, das Weiteste, was ich bisher jemals gelaufen bin, waren, ich glaube, 11 Kilometer oder irgendwie sowas, in Bamberg so einen Stadtlauf und da bin ich, ich weiß gar nicht genau, wann das war, 2005 oder 2006 oder 2007, irgendwie so, bin ich mal mitgelaufen. War ich ganz gut, war ich in meinem Jahrgangsbereich Nummer sieben oder irgendwie so, aber gut, mittlerweile lange her, ehrlicherweise und eine ganze Bierkarriere später ist da bei mir doch das eine oder andere hängen geblieben. Apropos hängengeblieben, du machst doch auch Veranstaltungen oder also so Bierseminare, Bier-Tastings, Kulinarien oder Menüs oder solche Geschichten. Kann man das bei dir buchen, wenn jetzt jemand Lust hat dich mal zu erleben?

Markus Fohr: Ja, das kann man buchen. Wir machen eine ganze Reihe von Veranstaltungen, da sind auch dann mal, ja, Besondere dabei zu Spezialthemen, wie jetzt zum Beispiel am 7. März, da mache ich zusammen mit Michael Müller, der ist sowohl Metzgermeister als auch Biersommelier, spannende Kombination, wir machen dann einen Abend mit seinen Würsten und Schinken und Fleischwurst, was er da halt eben so hat und meinen Bier, das wird bestimmt eine schöne Sache. Es gibt auch Schulungen, wie zum Beispiel den Bierbotschaft IHK, den wir zusammen mit der IHK Koblenz machen, also da gibt es ganz viele Sachen, Braukurse und alles Mögliche. Würde mich natürlich freuen, den ein oder anderen Mal dort zu sehen, das Ganze ist auf unserer Homepage lahnsteiner-brauerei.de, ist das zu finden und da gibt es auch einen Veranstaltungskalender, wo man sieht, wann was ist und, ja, da kann man sich dann gerne anmelden, würde mich freuen.

Markus Raupach: Also der Aufruf geht schon mal an alle raus, die zuhören oder zulesen, je nachdem, wir werden auch in die Show Notes entsprechend die Links reinstellen, also das wird man dann auf jeden Fall finden. So, wir haben immer noch ein paar Bierchen stehen, ich weiß nicht, wie es um deine Ausdauer bestellt ist, aber wir können noch eins machen, zwei oder auch alle drei, je nachdem. Also bei mir steht noch das Mega IPA, dann das Honigbier und das Triple vom Batzenbräu und, ach ja, da hinten steht sogar noch ein Rohminator. Also wie gesagt, je nachdem, wir können sie gerne alle probieren, du kannst auch was aussuchen und wir reden über die anderen, also wie du es gerne hättest.

Markus Fohr: Also auf jeden Fall müssen wir noch das Mega IPA probieren. Schöne Geschichten haben die Biere alle, von daher, ja, das Mega IPA, wie der Name schon sagt, ist auch einfach mega aromatisch, von daher machen wir das am Schluss.

Markus Raupach: Oh, jetzt habe ich es eingeschenkt.

Markus Fohr: Okay, dann machen wir es eben nicht am Schluss.

Markus Raupach: Es tut mir leid, aber das war jetzt so eine schöne Einleitung, dass ich gedacht habe, okay, dann machen wir es jetzt auf.

Markus Fohr: Dann machen wir das jetzt.

Markus Raupach: Okay, ja, also ist sogar schon im Glas gelandet und präsentiert sich mal wieder mit wunderbarem Schaum und einer jetzt wieder etwas dunkleren schönen Farbe, braun, ja, so sonnenuntergangsmäßig, sehr, sehr schön. Der Schaum ist ein bisschen getönt, schöne feine Poren. Und die Nase, ja, ist noch mal viel intensiver als das IPA von vorhin und jetzt habe ich noch mehr auch diesen Eindruck von so Orangenjoghurt, Ananas, Mango, ja, ganz, ganz tolle Fruchtigkeit, auch so ein bisschen Erdbeeren. Also tatsächlich noch mal deutlich intensiver als das IPA vorhin, aber die Richtung ist ähnlich, schöne intensive Noten, also ganz toll. Auch ein bisschen anders als so viele andere IPAs, die dann oft so Kiefernadeln-mäßig daherkommen oder sehr Grapefruit-mäßig, was wir hier nicht so haben. Da ist auch mehr Pfirsich vielleicht mit dabei, ein bisschen so Maracuja. schön. Also baut das auf dem anderen auf oder ist das eine ganz andere Rezeptur?

Markus Fohr: Sowohl als auch. Der eine Aromahopfen, der drin ist, ist derselbe wie beim leichteren IPA, das ist der Citra. Den mögen wir alle sehr gerne und es ist ja auch kein Wunder, dass das der weltweit meistangebaute Aromahopfen ist, der hat ja einfach eine tolle Note. Aber der zweite Hopfen, das ist ein anderer, bei dem IPA hatten wir ja Mandarina Bavaria und hier haben wir den Sabro. Der ist letztlich die Erklärung dafür, dass du so viele verschiedene Aromen jetzt riechen konntest, denn das ist ja ein Hopfen, der nicht wie der Citra, seinen Schwerpunkt auf Citrusnoten hat sondern der ist sehr, sehr komplex, da ist wirklich alles drin von, ja, auch Citrusnoten über Beeren und viele andere Sachen. Also ein ganz, ganz toller Hopfen, der Sabro, sehr komplex, sehr vielseitig in seiner Aromatik. Und natürlich ist die Hopfengabe da auch höher als bei dem normalen IPA. Und da haben wir in der Tat auch ein bisschen Spezialmalze drin, da ist ein bisschen Münchner Malz drin, ich glaube, ein bisschen Cara ist auch drin, das ist die schöne Farbe. Hast du schon probiert?

Markus Raupach: Ja, jetzt während du gesprochen hast, ich kann mich da ja immer nicht so recht zurückhalten. Ich finde das Mundgefühl ist Hammer, also total cremig, total intensiv, sehr weich. Es ist eine schöne Bittere da, aber hinten raus ist es dann ein klassisches Double IPA, aber davor wirklich sehr, sehr harmonisch, sehr rund, sehr, ja, komplex trotzdem. Ich habe für mich noch so ein bisschen Kokosnuss entdeckt und auch vielleicht sogar so ein paar kräuterige Noten, sogar ein bisschen Holz, was weiß ich, also auf jeden Fall, Sabro ist ja total komplex, also ganz schön. Aber das Mundgefühl an sich, dieses weiche, cremige, moussierende, das begeistert mich total, schön.

Markus Fohr: Ja, das ist auch tatsächlich das von unseren Bieren, wo wir am meisten rumgetüftelt haben, bis wir das auf den Markt gebracht haben. Hat wahrscheinlich damit zu tun, dass es mein Liebling ist. Ich hatte dir ja eingangs erzählt, dass ich total fasziniert bin von der Duftigkeit von solchen kräftigen IPAs, aber es ist natürlich auch was, was, ja, für viele Menschen in Deutschland einfach ungewohnt ist und deswegen habe ich mich lange nicht getraut, so ein kräftiges Bier zu brauen. Das Schätzchen hat auch ein Vorbild, das vielleicht der ein oder andere kennt oder zu mindestens die Brauerei, Sierra Nevada aus Kalifornien und die brauen ein Jahrgangsbier, das heißt Hoptimum. Ein, ja, ganz kräftiges IPA, Triple IPA, wie es manche nennen und das war jahrelang mein Lieblingsbier. Gut, ich hatte auch anfangs keine Craft-Beer-Brauerei gehabt und natürlich, ja, wenn man ein Bier auf den Markt bringt, dann soll das ja auch einer trinken und das habe ich mich eine Zeitlang einfach nicht getraut, das ist ja schon ein sehr aromatisches Bier, du hast es eben schön beschrieben. Ja und als ich dann eines schönen Sonntagnachmittags im Sommer bei mir im Garten saß und ein Hoptimum getrunken habe, kam mein Sohn und sagte, was trinkst du denn da? Ja, so und so. Ja, Papa, du hast doch eine Brauerei, warum trinkst denn du Bier aus Kalifornien und sagst auch noch, das wäre dein Liebling? Ja, ich konnte nicht umhin zu sagen, Sohn, du hast Recht. Und dann haben wir angefangen, unser Brauer Uli und ich, zwei Jahrelang mit unserer 50-Liter-Kreativbrauerei rumzuexperimentieren, immer mal wieder das Malz getauscht, den Hopfen getauscht, ein bisschen weniger Bittere, ein bisschen mehr Bittere, bis wir das dann stehen hatten. Und als wir es stehen hatten und es auf den Markt bringen wollten, da kam ein netter Mensch namens Axel Ritt, der ist Heavy-Metal-Gitarrist, wer in der Branche ein bisschen unterwegs ist, der kennt den vielleicht, sein Spitzname ist Ironfinger.

Markus Raupach: Ah, okay.

Markus Fohr: Die Kollegen sagen alle, Mensch, Axel, du spielst so dicke Seiten, da hole ich mir blutige Finger, du musst Hände aus Eisen haben, so entstand dieser Name. Und der Axel hat den Ironfinger auch als Markenname angemeldet und bringt da verschiedene Produkte auf den Markt und suchte genau so ein Bier und dann haben wir gesagt, gut Axel, dann lass uns das doch zusammen machen, du gibst den Namen und wir das Bier, und so ist das entstanden

Markus Raupach: Ah ja, genau, man sieht ja auf dem Etikett auch, jetzt sehe ich es auch schön, eine Gitarre spielende Hand.

Markus Fohr: Genau, das ist seine Hand, seine Gitarre. Das Foto haben wir bei ihm zu Hause in Babenhausen im Wohnzimmer aufgenommen und dann hat es unser Designer noch ein bisschen frisiert und jetzt ist es auf dem Etikett. Und ich habe es jetzt gerade noch schicker vor mir als du es jetzt siehst, denn wir haben letzte Woche das erste Mal Dosen abgefüllt und natürlich mit dem Ironfinger und dieses weiß-schwarz-silbrige Etikett auf der silbernen Dose, das sieht einfach cool aus.

Markus Raupach: Das finde ich sehr gut. Also das ist ja eine Sache, die sich jetzt Gott sei Dank so nach und nach auch bei uns ein bisschen durchsetzt, dass die Dose als Behältnis für Bier wieder ein bisschen hoffähiger wird. Und grundsätzlich ist sie ja, solange man nicht aus ihr trinkt, ist es das Beste, was man machen kann, um Bier irgendwie zu transportieren und zu lagern. Und das ist aber halt durch den gelben Punkt damals so ein bisschen in Verruf geraten und aus dem Blickfeld der Bierwelt so ein bisschen raus und jetzt ist sie eben wieder da und gibt natürlich viel Flexibilität was eben auch Versand, Verkauf und Lagern und so weiter angeht und letzten Endes auch Bierqualität, aber dauert noch ein bisschen. Wie habt ihr das gelöst? Weil, so eine richtige Dosenabfüllung ist ja eine Nummer, da investiert man ja 5-6-stellig, wenn man sich das dahinstellt.

Markus Fohr: Das auf jeden Fall, ja, deswegen haben wir diese Investition auch erst mal vermieden. Wir hatten letzte Woche Besuch von einem Kollegen, der hat so eine kleine mobile Anlage und mit der haben wir dann gefüllt und dann werden wir mal gucken, je nachdem, wie unsere Kunden das annehmen, werden wir dann entscheiden, ob wir in eine eigene Dosenabfüllung investieren oder auch nicht.

Markus Raupach: Also ich kann mir das sehr gut vorstellen und gerade für solche Biere ist es großartig

Markus Fohr: Wenn wir damit anfangen, dann werden wir sicherlich nicht als ersten Schritt die 1/2-Literflasche Pilz durch eine 1/2-Liter Dose Pilz ersetzen, dann werden wir sicherlich erst mal die Craft-Biere in die Dose füllen und dann mal schauen, ob wir vielleicht da auch im klassischen Bierbereich ein Angebot machen.

Markus Raupach: Ja, also ich denke halt, es ist schon auch noch ein Unterschied, also die klassische Flasche hat ja auch ihre Berechtigung und auch, was jetzt das ganze Umweltthema angeht und so, ist ja im regionalen Kreislauf das auch völlig sinnvoll. Aber in dem Moment eben, wo man solche Biere hat, wo die Leute eben wahrscheinlich mehrheitlich auch bei dir schon ein bisschen weiter weg wohnen und bestellen, wo das dann eben weite Strecken zurücklegen muss und so und das Bier an sich halt auch in der Dose einfach wie in so einem kleinen Fass viel besser geschützt ist, und so ein Bier wie dieses hier, das lebt halt davon, dass es eben möglichst frisch bleibt, dann ist das einfach eine ganz tolle Geschichte, dass man das mittlerweile eben so mobil sogar angehen kann erst mal zumindest zum Ausprobieren, superschön, also toll. Das heißt, ihr bleibt am Ball, sehr cool. Apropos am Ball, wenn wir noch Biere probieren wollen, sollten wir noch mal eins machen. Honig oder das Triple oder den Rohminator was sagst du?

Markus Fohr: Eine schöne Geschichte haben sie alle.

Markus Raupach: Das denke ich.

Markus Fohr: Worauf hättest du Lust?

Markus Raupach: Na, also ich glaube, das Honigbier muss man einfach probieren, also weil da gibt es, also ich vermute zumindest, dass es dazu auf jeden Fall viel zu erzählen gibt. Gut, Batzenbräu ist auch eine meiner Lieblingsbrauereien, da hast du bestimmt auch eine schöne Geschichte dazu. Unter dem Rohminator kann ich mir, ehrlich gesagt, noch nicht viel vorstellen, also insofern wäre ich auch für alle offen, je nachdem, du bestimmst.

Markus Fohr: Ja, dann lass uns doch gleich einfach mal den Rohminator nehmen.

Markus Raupach: Also gut, schauen wir mal. Geschrieben ist es ja so wie das deutsche Wort Roh, dann hätte ich jetzt gedacht, vielleicht ist es ein Raw Ale oder sowas, aber das ist natürlich auch nicht so einfach, also ein Bier, was man eben nicht kocht. Aber wahrscheinlich verbirgt sich irgendwas anderes dahinter, ich mache mal auf und du erzählst.

Markus Fohr: Ja, wie das oft so ist, ein Name kann auf viele verschiedene Weisen interpretiert werden, in der Hinsicht hat er aber eine ganz, ganz andere Bedeutung. Ich habe ja schon öfters hier und jetzt von unserem Braumeister gesprochen, der kommt da ins Spiel und die Geschichte, die fing eigentlich mit unserem Martinator an, mit dem hellen Doppelbock, den hatten wir mal eine Zeit lang eingestellt, weil mein Vater der Meinung war, naja, Bockbier geht nicht so, das war in den 90ern. Ich habe als Azubi, als Lehrling habe ich den letzten Martinator damals mit abgefüllt, ich habe noch eine Flasche und dann gab es den eben ein paar Jahre lang nicht. Und als unser jetziger Braumeister und ich dann das Ruder übernommen haben, da haben wir gesagt, Mensch, also eine Brauerei, die die keinen Bock hat, das ist doch nichts, wie hört sich das denn an, eine Brauerei, die keinen Bock hat, nee, also geht nicht. Ja und dann haben wir zusammen mit unserem alten Braumeister, haben wir dann den Martinator wiederbelebt und haben dann natürlich gesagt, ja, bevor wir den jetzt abfüllen und verkaufen, müssen wir uns ja persönlich überzeugen, dass das auch stadthaft ist, dass mit dem Bier alles in Ordnung ist und dann haben wir einen gemütlichen langen Abend mit viel Martinator gemacht. Ja und wenn man von so einem Doppelbock ein bisschen was trinkt, dann kommt man ja ins Philosophieren und dann kam die Idee auf, was passiert denn, wenn wir den noch stärker machen, technisch geht das ja. Und dann haben wir über die Jahre probiert und gemacht und getan und Schluss und endlich seit zwei Jahren brauen wir den jetzt nach Vorbild eines belgischen Strong Blond. Und dieses starke Bier, das musste ja auch einen starken Namen haben, da haben wir zuerst überlegt Vorrator oder Markusator oder Lahnsteinator, aber wir fanden, das klang alles krampfig und irgendwann kam einer auf die Idee, unser Braumeister heißt mit Nachnamen Roman, Rohminator, da haben wir den Namen. Also, ja, leider hast du mit deiner Idee von dem Raw Ale falsch gelegen, die war zwar, ja, wie hat unser BWL-Dozent immer früher gesagt, ihre Idee zeugt von großer Intelligenz, ist aber leider trotzdem falsch.

Markus Raupach: Okay, ja. Also das Ja meinte ich jetzt nicht auf meine Intelligenz bezogen, aber das ist tatsächlich wahrscheinlich knapp daneben. Wobei ich das schon spannend finde, wahrscheinlich war es bei mir jetzt deswegen, weil ich neulich erst mit einem belgischen Brauer da länger drüber gesprochen habe, der fast alle seine Biere als Raw Ales macht und total begeistert ist über den Effekt, den das hat, also den Effekt auf die Aromatik, auf die Hopfenaromatik, auf das Mundgefühl, auch auf das Gärverhalten und sowas. Also der schwört da mittlerweile voll drauf und wahrscheinlich ist es mir deswegen so ein bisschen hängen geblieben, aber egal. Also was ich hier schon mal großartig finde, ich habe natürlich während deiner Berichte auch schon ein bisschen vorgeschnuppert und vorgekostet, der Geruch ist Wahnsinn. Also, ja, also Honig ist auf der einen Seite da, aber auch schöne, ja, malzige, aber auch hopfige, wieder so ein bisschen kräuterige Aromen, unheimlich dicht, viel so Blüten, Heu, also ganz, ganz schöner intensiver Geruch. Im Geschmack dann eine unheimlich druckvolle Süße auch, also ganz intensiv, man merkt hinten raus natürlich den Alkohol, der ist da, aber schön eingebunden. Die Bittere auch schön, also das ist ja gar nicht so einfach bei, ich glaube, 13% oder sowas, hast du gesagt, ja, also kann auch den Vergleich mit den Belgiern durchaus mitgehen, es ist natürlich ein bisschen süßer, die sind ja alle sehr endvergoren. Aber, ja, Wahnsinn, also ein sehr intensives Bier. Ich weiß nicht, ob ich davon die ganze Flasche trinken könnte, um ehrlich zu sein, aber um sich das mit jemandem zu teilen und dazu dann einen schönen Käse oder sowas, oh, das ist großartig. Und ich muss sagen, es ist von der Optik her bei mir fast blank, also lagert ihr wahrscheinlich auch ein bisschen länger. Also ganz toll, Gratulation.

Markus Fohr: Solche Biere, die lagern wir grundsätzlich länger, je stärker das Bier ist, desto mehr Lagerzeit bekommt es. Und bei dem hat sich tatsächlich das auch sehr, sehr gut geklärt. Ich weiß jetzt nicht mehr genau, wie lang wir ihn gelagert haben, aber bestimmt zwei Monate mindestens und da haben wir auch eine sehr, sehr schöne Klärung bekommen.

Markus Raupach: Und hat auch so Süßweinnoten oder so. Kennst du Samos, diesen griechischen Süßwein …

Markus Fohr: Ja, kenne ich.

Markus Raupach: …  in so eine Richtung geht das. Ah, schön, also toll, ganz, ganz intensiv. Und es gibt ja nicht mehr sehr viele helle Doppelböcke oder stärkere Biere in Deutschland und das ist ein ganz toller Vertreter, also sehr, sehr schön.

Markus Fohr: Mit ein Grund, warum wir das gerne machen. Das ist tatsächlich so, mittlerweile, wenn man in einen Getränkemarkt geht, ich habe mir den Spaß mal gemacht letztes Jahr und habe mal versucht in einem Getränkemarkt einen hellen Bock zu kriegen, selbst in größeren, gut sortierten Getränkemärkten ist es nicht so einfach, manchmal kriegt man nicht einen. Und das ist eigentlich sehr, sehr schade, weil, ich finde, dass das ein ganz toller Bierstil ist.

Markus Raupach: Ist bei dir jetzt allerdings auch obergärig, oder?

Markus Fohr: Also der Martinator, das Basisbier sozusagen, das ist untergärig, das ist ein ganz klassischer heller Doppelbock, wie man in Deutschland den gern so braut. Der Rohminator hier, der ist ja nach belgischem Vorbild gemacht und da haben wir tatsächlich auch eine belgische Hefe genommen, eine Belle Saison und die ist auch verantwortlich für die ganze Fruchtigkeit, für die Aromen, die du jetzt wahrgenommen hast, denn, ja, die kann ja nicht nur gut gären, die Belle Saison, die kann auch ein schönes Aroma machen.

Markus Raupach: Ja. Lasst ihr die auch relativ warm vergären?

Markus Fohr: Ja, ja, das vergären wir bei 25 Grad rum, haben wir den vergoren.

Markus Raupach: Das merkt man, da entwickelt die unglaubliche Aromen.

Markus Fohr: Das ist schon eine Hefe, die braucht ihre Temperatur. Die ist fast wie ein Mensch, die braucht es ein bisschen kuschelig, dann fühlt die sich wohl und dann gärt die auch gut.

Markus Raupach: Ja, dann macht sie es toll. Wisst ihr in Lahnstein, was ein Kirschenmichel ist?

Markus Fohr: Ich habe den Begriff schon mal gehört, aber ich kann ihn jetzt nicht zuordnen.

Markus Raupach: Das ist so eine Art Kuchen oder Auflauf mit Kirschen, einem dunklen Teig, ein bisschen schokoladig, Gewürze, das könnte ich mir zum Beispiel auch total gut dazu vorstellen. Also wirklich ein schönes intensives Bierchen, kleine Flasche, große Wirkung.

Markus Fohr: Was wir schon öfter probiert haben, sind aromatische Käse, Blauschimmelkäse oder ein kräftig gereifter Bergkäse, Parmesan, das geht wirklich toll.

Markus Raupach: Ja, es braucht halt wirklich einen Gegenspieler, der auch intensiv ist. Also wenn du da mit so einem leichten Gouda rangehst, der hat einfach verloren, aber mit so einem Blauschimmel zum Beispiel kann ich mir das auch gut vorstellen, ja.

Markus Fohr: Das ist definitiv so, was immer man dazu isst oder trinkt, das muss selbst schon eine kräftige Aromatik haben, sonst geht die komplett unter.

Markus Raupach: Und der Braumeister ist auch stolz, dass er sein eigenes Bierchen hat?

Markus Fohr: Der Braumeister ist sehr stolz, dass er sein eigenes Bierchen hat, das kann man nicht anders nennen. Also auch einige von unseren Mitarbeitern haben ihr eigenes Bier, der Uli, unser Brauer, der hat ein Ullis Dubbel und, ja, so versuchen wir, den ein oder anderen dann mitzunehmen.

Markus Raupach: Okay, also dann sind wir jetzt auf der Zielgeraden Zwei haben wir noch, jetzt hilft es auch nichts, jetzt müssen wir da durch. Machen wir erst das Honigbier oder erst das Tripel?

Markus Fohr: Dann machen wir jetzt erst mal das Honigbier.

Markus Raupach: Also machen wir das Honigbier. Dazu gibt es ja sogar eine Fernsehdokumentation, habe ich gesehen, die kann man bei YouTube anschauen.

Markus Fohr: Das muss aber tatsächlich länger her sein und das Honigbier ist auch eines von unseren ältesten Craft-Bieren tatsächlich, das machen wir schon recht lange. War auch eine Idee vom Braumeister Roman, da ist er wieder, ja, er ist ja auch Braumeister, er muss ja irgendwas tun, der kam eines schönen Tages mal mit einem Bier an und sagte, ja, probier mal, guck mal, was das ist. Also dass da Honig drin ist, das habe ich relativ schnell gemerkt, wo ich mich aber vertippt habe, ist beim Alkoholgehalt. Wie ich dich kenne, bist du gerade schon am Probieren und dann wirst du feststellen, dass es für 10% erstaunlich schlank ist, sich erstaunlich leicht trinkt.

Markus Raupach: Krass, also das hätte ich nicht gedacht. Also wie gesagt, ich bin jetzt durch die späte Stunde etwas gehandicapt, ich sehe nicht, was auf den Etiketten ist, jenseits des Namens, insofern habe ich das auch gar nicht vorher vermutet. Wenn du mich gefragt hättest, hätte ich gesagt, naja, vielleicht so 6,5%, also auf den ersten Blick, wenn man da ein bisschen mehr trinkt, dann merkt man schon, dass es wärmt und so. Aber 10% hätte ich nicht gesagt, also das ist in der Tat Wahnsinn.

Markus Fohr: Mein erster Tipp war in der Tat auch so 6, 7%, weil sich es halt wirklich so gut trinkt. Und, ja, es war lustig, wie es dann weitergegangen ist, wir haben diesen Test dann mit einigen von unseren Freunden auf ein paar Bierseminaren, haben wir dann ausgetrunken und da waren alle begeistert von dem Geschmack, haben aber alle auch gesagt, Mensch, 10,7% ist ja doch eine ganze Menge, guckt doch mal, ob ihr das nicht leichter machen könnt. Ja, haben wir gemacht, dann haben wir ein bisschen weniger Honig da rein, weniger Zucker, gibt auch weniger Alkohol, waren dann so bei 8% und dann haben wir das wieder mit der gleichen Klientel probiert und dann haben die alle gesagt, ja, das ist schon ganz nett, das Erste war aber besser. Und damit waren wir im Körbchen, seither ist das Rezept so geblieben und das Honigbier ist, mit dem Ironfinger zusammen, unser meistverkauftes Craftbeer.

Markus Raupach: Wann kommt der Honig da ins Spiel?

Markus Fohr: Das machen wir letztlich ähnlich, wie wir es mit dem Kirschnektar machen und wie wir es ja fast genauso auch mit dem Traubenmost machen, der Honig kommt zur Hauptgärung mit ins Bier, wird also mit vergoren. Und auch hier ist es so, dass wir eine Sondererlaubnis haben, also wir dürfen das Bier ganz offiziell Bier nennen. Und wir sind auch meines Wissens nach der Einzige in Deutschland, der wirklich ein Honigbier produziert, die meisten anderen machen ein Biermischgetränk oder ein bierähnliches Getränk, geben also einem fertigen Bier ein bisschen Honig zu, pasteurisieren das und dann wird es abgefüllt. Und das ist bei uns halt nicht so, der Honig wird mit vergoren und deswegen wird dieses Bier auch so schön schlank. Das ist praktisch der ähnliche Trick, wie die Belgier das machen, die geben ja gern Zucker dazu, um den Alkoholgehalt zu erhöhen, aber das Bier trotzdem schlank und trinkbar zu halten und der Zucker ist ja im Prinzip, der gibt reinen Alkohol, aber keine Vollmundigkeit.

Markus Raupach: Muss man da irgendwas beachten, weil Honig an sich doch auch eine gewisse antibakterielle Wirkung hat oder stört das die Hefe nicht?

Markus Fohr: Der hat eine gewisse antibakterielle Wirkung, das scheint alle Bakterien zu stören, außer der Hefe, die ja zum Glück ein Pilz ist. Also das klappt erstaunlich gut, wir hatten bei dem Honigbier, ich klopfe mal lieber meine hölzerne Tischplatte an, wir hatten bei dem Honigbier noch nie eine Infektion, noch nie.

Markus Raupach: Nee, also ein tolles Bier. Was ich auch schön finde ist, dass der Honig nicht so aufdringlich ist, also man merkt dann schon, dass diese Aromen da sind, aber in einer sehr angenehmen, sehr, ja, zugrundeliegenden, wie so eine Leinwand, wo das dann da ist, aber eben nicht so in your face. Weil, wir haben das oft bei Bierwettbewerben, also Honigbier ist da zwar keine Riesenkategorie, aber es wird schon immer wieder mal gemacht, aber sehr oft ist es dann wirklich eben fast so, als würde man in so einen Honigtopf reinriechen oder schmecken und das ist dann einfach zu viel, also da ist die Komponente Bier einfach nicht da und dann ist mir das auch oft zu einseitig irgendwie. Aber hier ist es eine schöne Verbindung, also aus den beiden Komponenten, aus Bier und aus Honig, sowohl aromatisch als auch vom Mundgefühl her. Und natürlich gemein, was den Alkohol angeht. Ich muss auch sagen, jetzt, wo ich ein bisschen mehr getrunken habe, merke ich schon, vor allem der Nachtrunk, wenn das dann eben so die Kehle runter rinnt und alles wärmt, das merkt man dann schon, aber auf den ersten Blick, wie schon von uns beiden festgestellt, denkt man das nicht, also großartig. Ist der Honig dann regional bei euch irgendwie so vor Ort?

Markus Fohr: Ja, der kommt aus der Region. Mittlerweile machen wir sogar im Grunde genommen ganz viele Honigbiere, es ist zwar immer das gleiche Rezept, aber die Imker der Region, die haben jetzt irgendwie alle so langsam Spaß an dem Honigbier gefunden, die kommen alle nach und nach und sagen, ich hätte gern ein Honigbier aus meinem Honig. Wenn das so weiter geht, dann müssen wir uns noch ein paar Tanks kaufen, denn, ja, man muss ja auch dann irgendwo den Platz haben, um so viele verschiedene Chargen zu brauen.

Markus Raupach: Auf jeden Fall, ja. Aber gut, es ist eine schöne Möglichkeit, Honig noch mal anders zu spielen und auch Bier noch mal anders zu spielen und mit der Region zu verbinden. Und die meisten Leute haben ja auch eine positive Konnotation mit Honig und mit Bienen, insofern ist das schon eine schöne Geschichte, schöne Idee. Und merkst du da auch Unterschiede, je nachdem, von wo der Honig kommt, ist das dann auch vom Biergeschmack her, gibt es da Veränderungen?

Markus Fohr: Also von wo der Honig kommt, das macht nicht so viel Unterschied, was sehr viel Unterschied macht, ist zu welcher Jahreszeit der Honig gelesen wurde, ob das jetzt eine Frühlingstracht ist oder eher ein Waldhonig, das macht große Unterschiede.

Markus Raupach: Frühlingshonig ist dann mehr blumig oder so oder leichter?

Markus Fohr: Genau, der ist eher blumig, so wie die frisch gemähte Blumenwiese, die wir ja gern apostrophieren beim Bier. Und wenn man dann so einen Waldhonig oder Tannenhonig hat, da hat man wirklich das Gefühl, dass das so ein bisschen harzig, holzig dann daherkommt, das Bier ist dann auch dunkler.

Markus Raupach: Kann man auch nur sagen, es ist schon wieder ein tolles Bier. Also der Abend macht mir sehr viel Spaß, muss ich sagen, schade eigentlich, dass du mir nicht diese ganzen anderen Biere auch noch geschickt hast, dann wäre es wahrscheinlich, obwohl, es ist schon auf dem Weg, glaube ich, der längste BierTalk zu werden, ich weiß es gar nicht genau. Also wir waren schon mal über zwei Stunden, aber ich weiß nicht genau wie viel, egal. Außerdem kann man ja jederzeit noch mal einen zweiten Teil irgendwann machen, wäre ja auch mal lustig. Aber eins haben wir noch, das machen wir jetzt auch noch, weil, wenn wir schon dabei sind, das machen wir noch. Zumal, ich bin ja ein bekennender großer Südtirol-Fan, muss ich sagen und der Bobo und das Batzenbräu sind mir da schon seit vielen, vielen Jahren ans Herz gewachsen und es gibt dort ja auch einen Bierwettbewerb, der anlässlich der Beer Craft  in Bozen stattfindet, nächstes Jahr jährt sich das zum zehnten Mal. Und das Krasse ist, das wusste ich gar nicht, das hat er mir dieses Jahr erzählt, ich bin der Einzige, der aus der ersten Jury noch da ist, der also immer dabei war sozusagen, also ganz spannend und deswegen habe ich zu denen wirklich eine sehr, sehr enge Beziehung und freue mich immer, wenn ich ein Bier von Batzen habe. Und jetzt wirst du bestimmt erzählen, was du da jetzt damit zu tun hast, sozusagen, was bringt euch zusammen?

Markus Fohr: Ja, was bringt uns zusammen, die Geschichte, also ich kenne natürlich die Beer Craft und das Schloss Maretsch, war aber jetzt selber noch nicht dabei. Was den Bobo und mich zusammengebracht hat, das war tatsächlich was anderes, wir sind ja beide Biersommeliers und sind auch beide schon nationale Meister gewesen und für unsere Heimatländer bei der WM gewesen, das waren so Anlässe, wo wir uns immer wieder über den Weg gelaufen sind, dann haben wir beide die Fortbildung zum Master of Beer gemacht, auch da sind wir uns häufig über den Weg gelaufen. Und irgendwann haben wir festgestellt, wir haben beide ein 600 Jahre altes Gebäude in unserer Brauerei, der Bobo sein Wirtshaus, sein Batzenhäusl und wir unseren Turm und bei so vielen Gemeinsamkeiten kann man ja da fast nicht mehr raus, dann irgendwann zu sagen, lass uns doch mal ein Bier zusammen machen.

Markus Raupach: Ach. Und jetzt wo du sagst, jetzt habe ich doch noch mal auf das Etikett mit der Lampe und Lupe geschaut, da ist ja auch der Turm drauf.

Markus Fohr: Genau, da ist auch der Turm drauf. Ja und nachdem diese Idee dann da war, da habe ich öfters mal mit dem Christian telefoniert, mit seinem Braumeister und Schwiegersohn und dann haben wir so ein bisschen rumphilosophiert, was machen wir denn, sollte ja irgendwas Besonderes sein. Wir hatten beide noch nie ein Tripel gemacht, mögen diesen Stil aber sehr gerne, also haben wir überlegt, Tripel. Und das haben wir dann gemacht aus Südtiroler Malz, aus einem italienischen Hopfen, Emilia heißt der und damit es dann auch noch was Belgisches hat, haben wir eine belgische Saisonhefe genommen, die Belle Saison, und gebraut haben es mein jüngerer Sohn, der Victor, meine Frau, ich und der Christian und der Bobo natürlich auch, das war im Sommer 2022. Und die zwei Flaschen, die du da jetzt hast, das sind von den letzten 100, sind das welche.

Markus Raupach: Na, da fühle ich mich jetzt aber mega geehrt, muss ich sagen, in ganz vielerlei Hinsicht. Und, ja, also tolle Geschichte, die da dahintersteckt, auch von den Menschen, auch die Familien dann so zu beteiligen, ist natürlich großartig. Und das, finde ich, ist aber auch so schön irgendwie in Südtirol, man ist da ja auch gleich wie in so einer Familie, das ist ja wirklich, ja, so wie Heimkommen ein bisschen. Also Wahnsinn, ich fühle mich da so wohl, das ist immer einfach großartig und die sind ja auch eine große Familie da im Batzenhäusl und drum rum. Zurück zum Bier, also man merkt tatsächlich ein bisschen Anklänge an den Rohminator von der Hefe her.

Markus Fohr: Ja, das ist dieselbe Hefe.

Markus Raupach: Interessant, ja, es sind dieselben blumigen, aber auch ein bisschen Zitrusnoten, also sehr, sehr schön. Und, oh ja, das ist aber ein bisschen höher vergoren jetzt, aber schön.

Markus Fohr: Das ist so eine Eigenschaft von der Belle Saison, die schafft ja einen sehr hohen Vergärungsgrad, deswegen wird sie ja auch gern für so belgische starke Biere genommen, sie gibt dem Bier eine schöne Aromatik, die Biere sind relativ schlank, obwohl sie so stark sind, also auch das trinkt sich recht gut. Was man leider nicht mehr so merkt nach den drei Jahren, ist das Aroma von dem von dem Hopfen, von der Emilia. Das ist tatsächlich ein italienischer Hopfen, Italien ist ja kein großes Hopfen Anbauland, aber ein bisschen Hopfen gibt es da auch.

Markus Raupach: Weißt du, wo das ist?

Markus Fohr: Die Region ist, glaube ich, die Emilia Romagna, deswegen heißt der auch Emilia, der Hopfen. Da gibt es auch nicht viel davon, aber, ja, für einen 15-Hektoliter-Sud brauchten wir ja auch nicht so viel.

Markus Raupach: Wie würdest du den beschreiben? Also wie gesagt, da hast du recht, der ist jetzt nicht mehr sehr prominent. Wie würdest du den beschreiben im Ursprung?

Markus Fohr: Der geht schon in die Richtung klassischer, europäischer Aromahopfen, also so ein bisschen kräutige, würzig, aber, wie gesagt, da merkt man jetzt nicht mehr so viel davon.

Markus Raupach: Es ist ein wunderschönes rundes Tripel, repräsentiert den Stil, hat auch wieder ein schönes Mundgefühl. Und, ja und das vielleicht so zum Abschluss auch ein bisschen, erinnert eben, 2022 sagst du, das war ja dann die Endphase der Pandemie. Wie bist du da so durchgekommen, war das für dich, ja, also mehr Herausforderung, mehr Chance, mehr Krise, wie würdest du das reden?

Markus Fohr: Also, ehrlich gesagt, bin ich mir die Zeit so ein bisschen vorgekommen wie ein Schiffskapitän, der durch dichten Nebel navigieren muss. Man konnte eigentlich immer nur auf Sicht fahren, man wusste nicht, was kommt, man wusste nicht, wo es hingeht, da war eigentlich nur reagieren gefragt, man konnte kaum irgendwas aktiv machen. Und das ist natürlich für einen Unternehmer nicht so toll, man möchte ja immer gern vorausplanen und steuern und Konzepte entwickeln und das war da kaum möglich, weil man nie so richtig wusste, was passiert denn jetzt. Aber einen großen Vorteil hatte die Pandemie, sie war nämlich irgendwann vorbei.

Markus Raupach: Das stimmt, ja und sie ist relativ schnell relativ weit weg gewesen, fand ich.

Markus Fohr: Ja, definitiv.

Markus Raupach: Es ist ja gerade mal 3, 4 Jahre her und es fühlt sich an wie im letzten Leben, so ungefähr.

Markus Fohr: Man hat fast das Gefühl, dass das irgendeine Geschichte war, die man als Kind mal erzählt gekriegt hat, ja.

Markus Raupach: Du hast ja trotzdem auch Seminare damals gemacht, auch Online-Seminare und dich da auch ein bisschen irgendwie so über Wasser gehalten, wie wir alle halt immer irgendwie, das war schon krass.

Markus Fohr: Ja, man versucht halt dann, sich irgendwie mit der Situation zu arrangieren und das zu machen, was man machen kann, und da haben viele an dem Online-Format Spaß gefunden, ist halt besser, als ganz allein Bier zu trinken. Aber zumindest bei uns, ich weiß nicht, wie es bei dir geht, ist das Online-Format wieder komplett in sich zusammengefallen, die Menschen wollen doch lieber mit anderen Menschen persönlich, ohne Bildschirm, Bier trinken.

Markus Raupach: Ja, also es ist geblieben bei uns, was die Ausbildung angeht, also der Biersommelier-Kurs, also zumindest der eine Teil des Biersommelier-Kurses ist weiterhin als Online-Kurs, aber diese klassischen Verkostungen, das hat wirklich rapide abgenommen. Ich glaube, in diesem Jahr hatte ich eine, im letzten Jahr waren es vielleicht noch so 10, also das geht wirklich steil nach unten, das stimmt, also das sind die Leute irgendwie leid geworden, glaube ich und lieben es, jetzt wieder doch mehr zu unternehmen und sich irgendwo eben auch zu treffen und ein lokales Programm dazu zu machen, das ist schon so. Wobei ich trotzdem auch finde, dass diese Art der Herausforderung, also dass man so ein bisschen wie ein Kapitän im dichten Nebel und sich ständig neu erfinden muss und so, das ist trotzdem jetzt auch ein bisschen so geblieben. Also wenn ich überlege, wie oft wir in den letzten Monaten immer wieder uns irgendwie was Neues überlegen mussten, komplett Sachen anders aufstellen oder jetzt, ich meine, wenn man den Biermarkt anschaut, diese großen Umschwünge vom Weizen zum Hellen, zum Alkoholfreien, zu überhaupt ganz anderen Getränken ohne Alkohol oder dann noch mal ganz andere Getränkesorten, Kombucha, was weiß ich, was es alles gibt, also da ist ja auch, glaube ich, auch für die Brauereien ständige Herausforderung, sich irgendwo so eine Mischung aus Trendsetzen und Trendnachfolgen oder so, das ist schon schwierig. Also ich weiß nicht, ob es nur daran liegt, dass ich einfach älter werde, mir das früher nicht so aufgefallen ist oder leichter gefallen ist oder ob es tatsächlich so ist, dass diese Zeitsprünge wirklich kürzer geworden sind, wo man sich ständig wieder neue Sachen überlegen muss. Ich weiß nicht, wie geht es dir damit?

Markus Fohr: Das ist tatsächlich schon so, die Zyklen, die werden immer kürzer, was früher ein paar Jahre gedauert hat, das geht heute manchmal ruckzuck. Und es ist in der Tat so, gerade in diesem Jahr, wir sind auch ständig am Umstrukturieren, am Machen, am Tun, was leider auch ein bisschen damit zu tun hat, dass der Biermarkt im Volumen einfach runtergeht und da muss man dann schauen, wie man sich organisiert über Bierspezialitäten, über Craft-Biere, über Seminare, was auch immer. Irgendwas muss man ja tun, damit man seine Leute bezahlen kann.

Markus Raupach: Das wiederum, finde ich, ist auf der anderen Seite auch ein ganz positiver Ausblick, also weil, ich habe hier mit den Brauereien in Franken ja auch viel zu tun und vielen sage ich, schaut euch doch mal an, eure Läden gibt es seit 500 Jahren, was die alles an Veränderungen, Umschwüngen, Kriegen, anderen Pandemien, was weiß ich, was alles mit- und durchgemacht haben und sie sind immer noch da und ihr müsst, also in Anführungsstrichen, einfach nur. Aber man sollte diese Tugend irgendwie ein bisschen halt auch verinnerlichen und eben versuchen sich möglichst wenig hinzusetzen und zu heulen und eher zu versuchen, irgendwie Wege zu finden, weil es anders ja sowieso nicht geht, Heulen hilft ja nicht, auf lange Sicht jedenfalls nicht.

Markus Fohr: Ist interessanterweise fast eins zu eins das, was ich meiner Truppe zu Beginn der Pandemie gesagt habe, da waren natürlich auch einige am Jammern und haben gesagt, ja, was soll man denn jetzt machen und ich habe mich dann hingestellt und gesagt, Leute, das weiß ich auch nicht, ich habe Pandemie auch nicht in der Schule gehabt, aber was ich weiß ist, es waren Generationen vor uns, die Weltwirtschaftskrisen, Kriege und andere Dinge überstanden haben und die haben auch irgendwie einen Weg gefunden und wir werden ihn auch finden, was ja dann auch so passiert ist.

Markus Raupach: Am Ende haben dann doch die meisten eine gute Resilienz irgendwie gezeigt und es hat ja auch positive Veränderungen gebracht und viele Dinge angestoßen und muss man auch ein bisschen so sehen. Ja, also, dann sage ich dir auf jeden Fall vielen Dank, wir haben 10 Biere geschafft, ich vermute fast, dass das Rekord ist im BierTalk.

Markus Fohr: Wenn es das ist, nehme ich ihn gerne mit.

Markus Raupach: Ja, also hast du schon wieder mal eine Bestmarke gesetzt, wunderbar. Und ich muss auch wirklich noch mal sagen, Kompliment, die Biere waren wirklich alle ganz toll und in sich besonders, in sich stimmig und speziell und durchdacht, was man auch jedem Bier angemerkt hat und das ist ja auch schön, also eben nicht einfach nur Bier, sondern wirklich ein Genusskunststück sozusagen, also großartig, hat mir viel, viel Spaß gemacht. Und du hast viel zu erzählen, ich glaube, wir könnten noch mal 2 Stunden machen, vielleicht machen wir auch irgendwann mal einen zweiten Teil, aber für heute ist, glaube ich, jetzt ein schöner Schlusspunkt. Und vielen Dank für den Einblick auch in deine Welt und deine Brauerei und ganz, ganz liebe Grüße noch mal rüber an den Mittelrhein von der Regnitz sozusagen und bis bald mal wieder persönlich auf ein Bierchen.

Markus Fohr: Ja, bis bald mal wieder und ich weiß ja dann, was ich das nächste Mal zu tun habe, dann schicke ich 11 Biere.

Markus Raupach: Okay, genau, dann toppen wir uns noch mal selber, sehr gut oder du bringst sie als Marathon hierher, das wäre natürlich auch witzig.

Markus Fohr: Ich bringe sie mit, ja, klar.

Markus Raupach: Okay, also dann, einen schönen Abend dir noch, danke schön.

Markus Fohr: Wünsche ich dir auch, bis dann.

Markus Raupach: Bis dann.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

BierTalk 154 – Interview mit Josef Lechner, 1. Braumeister der Scheider Bräu aus Kelheim

In dieser Folge nehmen wir euch mit nach Kelheim, wo Josef Lechner als technischer Leiter und erster Braumeister der Brauerei Schneider Weisse seine spannende Lebensreise und Bierleidenschaft teilt. Gemeinsam sprechen wir über internationale Einflüsse, kreative Brauideen wie das Love Beer und die Herausforderungen, eine traditionsreiche Weißbier-Brauerei in die Zukunft zu führen. Wir erfahren, wie Josef zwischen Hightech und Esoterik täglich die Balance hält und warum Biere Charakter brauchen. Natürlich werfen wir auch einen Blick auf die Erfolgsgeschichte der Hopfenweisse, die Entwicklung alkoholfreier Spezialitäten und was es bedeutet, wenn ein neuer „Georg“ an der Spitze steht. Freut euch auf authentische Einblicke, persönliche Geschichten und Inspiration für Bierfreunde und Neugierige!

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BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute besuchen wir eine Brauerei, die ich vor fünf Jahren schon mal besucht habe, beziehungsweise wir, damals war der Hans-Peter Drexler am anderen Ende des Mikrofons, heute haben wir den Josef Lechner. Und da bin ich ganz froh und bin auch schon ganz gespannt, wenn er uns ein bisschen was erzählt über seine Geschichte und über die Geschichte, die da in Kelheim eben bei der Schneider Weisse so passieren. Also erst mal vielen, vielen Dank, dass du da bist und vielleicht  stellst du dich unseren Hörern mal ganz kurz selber vor.

Josef: Ja, sehr gerne. Also vielen Dank für die Einladung, ich freue mich mega, hier dabei zu sein. Ich bin der Josef Lechner, bin seit vier Jahren der erste Braumeister und technische Leiter bei der Brauerei Schneider Weisse in Kelheim. Und, ja, bin 15 Jahre so ein bisschen in der Bierbranche unterwegs gewesen und dann über Umwege wieder zurück nach Deutschland und bin ganz froh, dass ich jetzt die Geschicke einer Weißbierbrauerei in die Zukunft leiten kann und freue mich auch auf den Austausch heute.

Markus: Wunderbar. Du klingst auf jeden Fall auch schon mal sehr authentisch. Bist du selber aus der Region?

Josef: Ich bin tatsächlich, ist ein bisschen komplizierter, also meine Mama ist Spanierin und ich war zwölf Jahre im Ausland mit meinen Eltern. Ich bin aber tatsächlich hier nicht ganz in der Nähe aufgewachsen, in Grafenwöhr in der Oberpfalz und war nach dem Abi dann bei der Bundeswehr und dann international eben unterwegs, habe auch studiert und ganz was anderes gemacht und bin quasi jetzt wieder zurück in die alte Heimat gekommen, genau.

Markus: Das klingt ja spannend, also so ein bisschen Bier auf Umwegen oder so. Das heißt also, du sprichst dann auch fließend Spanisch?

Josef: Wir sprechen zu Hause Spanisch, ja, und das hat mich eigentlich auch immer so ins Ausland getrieben, war viel in Spanien, auch in Italien. Und da ist es dann irgendwann so diese Idee geboren, dass ich mal was mit Lebensmitteln machen will oder vor allem was mit Bier, weil ich hatte natürlich immer mein Weißbier dabei aus der Heimat. Und, ja, da ist jetzt eins zum anderen gekommen und das hat sich jetzt ganz gut gefügt, ich bin jetzt 41 und bin irgendwo da angekommen, wo ich hin wollte immer.

Markus: Und wo hat dich dein Lebensweg zuerst so hin geführt beruflich?

Josef: Also ich habe ganz klassisch mal was studiert und zwar BWL. Einfach auch aus dem Grund, weil ich damals wirklich nicht wusste, was ich machen will und war dann bei der Bundeswehr und dachte, jetzt hast du neun Monate Zeit zu überlegen, was du machen willst und nach neun Monaten wusste ich es immer noch nicht. Aber ein Kumpel von mir hat mir dann eben erzählt, dass er europäische BWL studiert in Regensburg und dann habe ich mich dafür ein bisschen informiert. Das hat mir ganz gut gefallen, man konnte zwei Jahre ins Ausland und mich hat das damals ein bisschen gecatcht, ja, zwei Jahre Ausland nach der Bundeswehr, das will ich auch machen. Und da war zufällig das Partnerdiplom von der Uni oder von der Fachhochschule in Regensburg war mit Bilbao in Spanien, wo meine Familie eigentlich ganz aus der Nähe herkommt. Und für mich war das so ein bisschen der Sechser im Lotto, ich hatte damals noch eine Freundin in Grafenwöhr und da konnte ich noch ein bisschen in Regensburg bleiben, aber auf der anderen Seite bei meinen Verwandten in Spanien studieren. Und das habe ich dann auch gemacht und habe es auch durchgezogen, habe dann das Ganze fertig gemacht und bin nach dem Studium in die Papierindustrie eingestiegen in so ein Führungskräfte-Nachwuchs-Programm und war erst einmal dreieinhalb Jahre international unterwegs, Projekte in der Prozessoptimierung zu machen, eben in Frankreich, Holland, Italien, immer wieder eine neue Station. Und da habe ich dann irgendwann gemerkt, okay, die Arbeit in so einem Konzern mit Papier ist relativ wenig emotional, aber das Drumherum war immer sehr emotional, also die ganzen Italiener mit ihren selbstgemachten Weinen in der Mittagspause und selbstgemachtes Olivenöl und selbstgemachter Schinken. Und ich hatte dann öfter mal ein Weißbier dabei und dann war irgendwann so die Schnapsidee oder quasi Bieridee, ja, ich muss unbedingt irgendwas mit Lebensmitteln machen und es liegt eigentlich auf der Hand, ich müsste eigentlich mal mich informieren, ich will Brauer werden. Da war ich 28 und ich habe dann einfach mal, ja, bei Facebook auf die Pinnwand geschrieben so zum Gag, das war an Heilig Abend, ja, ich will Brauer werden und wenn jemand einen Braumeister kennt, dann soll er sich bitte bei mir melden. Und, ich glaube, eine halbe Stunde später hat sich eine Freundin von mir gemeldet, die ich eigentlich aus Costa Rica kenne, die mit mir in Costa Rica in einem Praktikum gearbeitet hat und die hat dann gesagt, ja, sie ist gerade in Garmisch und sie steht neben dem Braumeister von damals der Meckatzer Löwenbräu und hat gesagt, ja, wenn du cool bist, dann stellt er dich ein. Und dann habe ich mich quasi zum Vorstellungsgespräch selber eingeladen und bin dann von Frankreich dahingeflogen. Und der Max, der ist immer noch Braumeister bei der Meckatzer Löwenbräu, der hat mir damals eine Kiste Bier in die Hand gedrückt und hat dann gesagt, ja, wenn du willst, kannst du hier anfangen. Und dann bin ich nach Frankreich zurückgeflogen und ich habe damals meinen Job dann sofort gekündigt und bin dann noch ein bisschen nach Mexiko, weil meine damalige Freundin eben in Mexiko war und bin dann am 31.8. von Mexiko zurück und habe am 1.9. eine Brauerlehre in Meckatz angefangen und so bin ich zum Bier gekommen irgendwie. Und, ja, wer einmal da drinhängt, glaube ich, in dieser emotionalen Branche, ich glaube, das brauche ich dir nicht erzählen, der, ja, taucht da immer tiefer ein und den lässt es auch nicht mehr los.

Markus: Nee, der kommt da nicht mehr raus. Das ist ja wirklich super spannend und das finde ich auch eine tolle Kombination gerade so, also auf der einen Seite eben ein bisschen in der großen Welt zu sein und auf der anderen dann eben zum Bier zu finden. Wenn ich überlege, das heißt, das war ja dann so 10, 15 Jahre her, dass du da in Spanien warst, da war ja dort die Bierkultur, sage ich mal, also zwar schon da, aber noch nicht da, wo sie heute ist. Also heute ist ja Spanien eines der großen Bierländer mittlerweile mit viel auch Craft Beer und ganz vielen kleinen Brauereien und übrigens auch dem Spitzenwert, was alkoholfreies Bier angeht in ganz Europa, also super spannendes Bierland. Wie hast du denn das damals wahrgenommen, also als du da warst, war das eher noch so Wein und Tapas und so oder ging es da auch schon ein bisschen in die Bierrichtung?

Josef: Also die Diskussion habe ich oft mit meinem Onkel und der sagt halt, dass sie früher viel mehr Wein getrunken haben. Da war diese typische Kultur im Baskenland, wo meine Familie halt her ist, Copita, also diese kleinen Weine im Glas. Und das hat sich jetzt eigentlich gedreht schon vor Jahren, dass die Jugendlichen immer mehr Bier trinken. Klar, das waren vorwiegend diese großen Biermarken, die man halt in Spanien kennt und dann kam irgendwann, ja, die letzten 15 Jahre eigentlich so mit der Zeit, wo ich mich für Bier dann auch interessiert habe noch in der Tiefe, dass diese Craft-Beer-Brauereien aufmachten. Und ich habe damals, meine Bieridee war ja, ich mache eine Weißbier Brauerei in Spanien auf und jetzt zufällig hat einer, der mit mir in der Berufsschule war, der ist auch Spanier, der hat in San Sebastian eine Brauerei mit aufgemacht. Also da gibt es mittlerweile zwei, drei ganz gute Brauereien, die auch gut laufen. Und da habe ich diese Entwicklung natürlich jetzt auch über meine ganzen Freunde dann da ein bisschen miterlebt. Und das ist schon eine große Bereicherung für diese ganze Gastronomie dort auch, diese kleinen Brauereien, die jetzt wirklich gute Biere machen, muss ich ehrlich sagen, haben sie gut gemacht, auch gut vermarktet, also auch von der Aufmachung her und vom Image her. Also schon eine tolle Sache und ich würde sagen, für Spanien eine große Bereicherung.

Markus: Und für dich vielleicht so eine kleine Hintertür, oder, könntest du dir vielleicht irgendwie vorstellen, irgendwann da mal dort in die Bierbranche einzusteigen?

Josef: Also das darf ich natürlich jetzt live nicht sagen hier, wenn das da mein Chef hört, aber natürlich ist es immer wieder Thema Spanien, meine zweite Heimat quasi, ich bin oft auch in Spanien unten, ob ich irgendwann mal da unten was mache, zumindest auch teilweise, es würde mich interessieren, da vielleicht auch mal zu unterrichten oder mal Kurse zu machen oder sonst irgendwas. Ich bin auf der anderen Seite schon sehr stolz auf das, was ich hier beim Schneider mache und die Biere. Und der Schneider hat mich auch zurückgebracht nach Deutschland. Ich habe auch immer gesagt, nie wieder Deutschland, zu meiner Frau, aber als der Schneider dann gesucht hat, habe ich mich ganz explizit beworben und finde das toll, was wir hier machen. Und das ist ganz was Spezielles, also jetzt ohne jetzt überheblich klingen zu wollen, also für mich war diese Brauerei schon immer ganz besonders, schon bevor ich mich mit Bier beschäftigt habe und jetzt, seit ich mit Bier mich beschäftige, noch mehr und seit ich das, sage ich mal, im Hintergrund jetzt auch alles sehe, wie das hier läuft, dann noch mehr, also es ist schon was Besonderes. Und ich freue mich natürlich auch, wenn ich in Spanien dann immer sagen kann, ich bin der Braumeister von der Schneider Weise, weil die Leute das dann auch kennen und ich entdecke dann in dem einen oder anderen Kühlschrank Schneider Weise in der Bar und dann bin ich immer ganz stolz, dass wir überall auf der Welt vertreten sind und es macht schon Spaß.

Markus: Ja und es gibt ja nicht so viele Brauereien, die so für ein Bier oder einen Bierstiel stehen. Und ich muss sagen, ich kann sie dann nur zu pflichten, also wenn man da mal ist in Kelheim und vor allem in den Raum mit der offenen Gehrung kommt, das ist ja wie eine Kathedrale für Bier, einfach in jeder Hinsicht ganz toll und man hat Gänsehaut sozusagen, wenn man da ist und kann eben live beobachten, wie dieses wunderbare Bier entsteht. Und wenn man dann noch eben die Liebe und all das, was dazukommt, wie damit umgegangen wird vor Ort hat, das ist schon ein echtes Highlight. Also kann ich nur jedem auch ans Herz legen, wer die Möglichkeit hat, da unbedingt mal reinzuschauen. Natürlich gibt es auch andere sehr gute Weißbierbrauereien, keine Frage, die machen auch einen tollen Job. Schneider ist halt einfach auch ikonisch aufgrund der eigenen Geschichte, nicht zuletzt als ehemalige Münchner Brauerei, als ehemalige Oktoberfestbrauerei und all das, was sich eben dann mit den modernen Bieren, mit dem Festbier, mit der Hopfenweißen und so weiterentwickelt hat, da haben die auch ganz viel, mindestens zur deutschen, aber wahrscheinlich zur internationalen Biergeschichte einfach beigetragen. Und dann noch so Personen wie der Hans-Peter, der halt auch diesen Bierstil und die ganze Technologie und alles entwickelt hat, also da kann ich voll, 100 Prozent nachvollziehen, dass du da dem Ruf nicht entsagt hast, absolut. Springen wir vielleicht trotzdem noch mal kurz zurück, als du da so nach Meckatz kommst als, sage ich mal, Lehrling oder so, wie ging es dir denn da so und wie hat sich dieses Hineinfinden in das Thema Bier für dich so entwickelt?

Josef: Also ich kann mich noch ziemlich gut an meine ersten Tage da erinnern, das war schon, sage ich mal, eine traditionelle Brauerei, so wie man sich das vorstellt. Meckatz macht auch ganz tolle Lagerbiere, alles stehende Gärung und dann eine liegende Lagerung damals noch. Also das waren wirklich noch Tanks, wo man überall schlupfen musste, also von 30 Hektoliter- bis 800 Hektoliter-Tanks sind wir immer durchs Mannloch durch und Hefe rausziehen, also das war schon ein richtiger, ja, Knochenjob schon manchmal, aber das hat richtig Spaß gemacht. Ich war ja davor Abteilungsleiter in der Qualität und dann komme ich da hin und bin auf einmal der Lehrling, also erstens gehaltstechnisch natürlich eine andere Liga, aber auf der anderen Seite, ich hatte halt Haustrunk, den ich immer ganz geschickt getauscht habe gegen guten Allgäuer Käse oder sonst irgendwas. Es war irgendwie eine urige Zeit und manchmal, muss man ganz ehrlich sagen, es hört sich jetzt von außen immer so romantisch an, aber war schon oft auch die Frage, um Gottes Willen, hast du jetzt das Richtige gemacht, du warst 28, eigentlich die Karriere rückwärts, jetzt bist du wieder Lehrling, die anderen bauen gerade alle ein Haus um dich rum und ich stand dann ohne irgendwas da. Es ging dann auch mit der Freundin aus Mexiko auseinander, also keine Freundin mehr, kein Haus, kein Gehalt und dann musste ich mich im Grunde tatsächlich von unten wieder hocharbeiten und es hat aber irgendwie Spaß gemacht. Also es war so, dass ich schon gemerkt habe, ja, jetzt hast du mal eine richtige Entscheidung getroffen, du lernst gerade richtig was, also auch fürs Leben, so richtig ein Handwerk und ich habe es nie bereut, muss ich ehrlich sagen. Also es gab zwar wirklich viele Phasen, wo man dann ernüchternder Weise sagt, ja, war jetzt dann doch nicht so toll in dem Moment, aber im Nachhinein, ich mache das ja jetzt seit 2013 und jetzt wird es dann nächstes Jahr, werden es, ja, 13 Jahre, dass ich das mache, ich habe es nicht bereut.

Markus: Ja und du hast ja auch bestimmt viel aus dem Leben vorher mitgenommen, was dir immer wieder was hilft, wo du immer wieder auch davon zehren kannst, was du eben vorher schon gelernt und gekonnt hast. Und, ich glaube, man ist dann auch im Inneren noch mal ganz anders, wenn man sagt, okay, ich habe da noch mal einen Restart gemacht und das gefunden, was mich wirklich antreibt, das ist sicherlich fürs Leben auch toll. Vielleicht noch mal ganz kurz zum Meckatzer Löwenbräu, das ist ja auch eine besondere Brauerei, also durchaus eine, die viele Botschaften hat, die tolle Biere hat, die auch, ja, mindestens national unterwegs ist. Wie war das denn so und kannst du vielleicht das Geheimnis um das Meckatzer Gold lüften, falls es eines gibt?

Josef: Ah, das Geheimnis des Meckatzer Weiss-Gold, also ich glaube, jetzt mal so von außen betrachtet, ich war ja da am Anfang, kam ja auch aus einer ganz anderen Gegend, ich bin ja hier bei mir in der Oberpfalz da oben eben aufgewachsen, ich fand die Biere am Anfang schwierig, also ich fand die viel zu bitter. Das war eine ganz andere Hausnummer, weil Meckatzer Weiss-Gold, die Hauptsorte ist ja ein Exportbier und dementsprechend auch mit schönen Tettnanger Hopfen wirklich ordentlich gehopft. Nach zwei Jahren war es dann komplett andersrum. Das sage ich immer jedem, man trinkt sich dann halt auf eine Marke ein. Ich konnte dann das Zeug bei uns in der Oberpfalz nicht mehr trinken, weil das wie Wasser geschmeckt hat. Also was ist denn das Besondere an so einem Bier?

Erstens ist es die Mache, also die haben ja auch eine eigene Hefe im Einsatz, wirklich dann eine stehende Gärung, liegende Lagerung, so wie früher halt ganz klassisch, eine Raumkühlung, also alte Tanks, einfach alte Kühlungsverhältnisse, wo man dann halt vier Wochen lang den Tank da runterkühlt, den großen. Und das macht es halt einfach, ich glaube, diese authentische Brauart, das schmeckt man. Das ist so, wie wenn einer auf einem Holzofen eine Pizza macht oder ein Spanferkel da irgendwie im Holzofen, die Sachen schmecken einfach anders. Da gibt es nichts mehr zu verbessern, sage ich immer, was will ich da noch groß verbessern. Da kann ich dann an der Technologie pfeilen und schrauben, aber diese authentischen Produkte schmecken immer noch am besten. Und das ist so das Geheimnis, man hat halt eine klare Linie und das macht man halt so und deswegen schmeckt es dann auch so wie es schmeckt. Und ich bin heute noch gerne unten im Allgäu und wenn ich dann auch gerade Richtung Weihnachten dann das Fest-Märzen erwische von Meckatz, dann geht mir das Herz noch mehr auf. Also die Biere sind einfach toll und die sind gut gemacht, das ist auch qualitativ immer auf einem sehr konstant hohen Niveau, das ist einfach eine tolle Brauerei. Auch wenn man Tourist ist, da mal einen Tag vorbeischauen, eine Führung machen, ins Bräustüble gehen, ist wunderschön, die Gegend ist wunderschön, die Brauerei ist wunderschön und die Produkte sind alle wirklich auf einem sehr hohen Niveau und Benchmark, ja. Und Weiss-Gold, die Biermarke gibt es ja schon sehr lange und hat sich auch, sage ich mal, vom Absender, vom Namen, ähnlich wie bei Schneider, eigentlich nie groß was geändert, das Konzept ist immer das gleiche geblieben.

Markus: Okay, kann ich auch nur beipflichten. Ich habe die Biere ziemlich oft in Verkostungen und der wichtigste Punkt für mich ist ja auch aus der Sicht von dem, der eine Verkostung durchführt, dass man eine Konsistenz hat, also dass man sich einfach darauf verlassen kann, dieses Bier ist so, wie man sich das vorstellt und funktioniert dann eben in der Verkostung auch entsprechend und man kann dann eben auch seine Reihenfolge darauf aufbauen, seine Geschichten erzählen. Und das fand ich auch immer ganz, ganz toll, dass man da eine richtige, schöne Konstanz eben auch dahinter hat. Und wie du schon sagst, der Geschmack ist deutlich anders. Mir ging das zum ersten Mal so, ich habe regelmäßig, als es noch dieses große Fest zum Tag der Deutschen Einheit immer gab, jedes Jahr, da musste ich immer für den Bayern-Tourismus in die jeweilige Stadt und verkosten und die haben dann dort immer so zehn Biere aus ganz Bayern gehabt und das Meckatzer Weis-Gold war immer mit dabei natürlich. Und da hat man wirklich gemerkt, wie es dann auch schwierig war, wenn man dahinter dann irgendwas positioniert hat, was eben sensorisch nicht so intensiv ist oder so und dass die Leute auch teilweise wirklich, wenn sie sich dann da rein getrunken hatten, wirklich total begeistert waren. Also das ist schon schön und wie du auch sagst, die Gegend und das zelebrieren sie auch schön. Das finde ich auch gut, dass sie, ja, dieses Bild von der Brauerei, von dem Ort ins Zentrum stellen und gar nicht mal so das Bild vom Bier. Also da ist viel auch regionales Herzblut dabei, oder?

Josef: Ja, auf jeden Fall. Also da hat sich die Brauerei auch viel damit beschäftigt, also gerade marketingtechnisch sehr viel auch Geld ausgegeben, dass da wirklich Leute mit Hand und Fuß eine Story schreiben oder die Meckatzer Story, die es ja gibt, die ja authentisch ist, einfach richtig erzählen. Und, ja, das ging am Ende dann oder geht auf, das muss man schon sagen.

Markus: Ja und dann kommt der Ruf eben nach Kelheim. Magst du mal erzählen, wie war das da so, als du zum ersten Mal da aufgetaucht bist? Also geht man einfach rein, macht die Tür auf und sagt, hallo, da bin ich oder hat man da einen Termin mit irgendjemandem oder wie läuft das?

Josef: Also es gab ja einen kleinen Umweg, ich bin ja nach der Lehre dann mit einer ganz kleinen Zwischenstation über den Mineralbrunnen, das hat mir aber keinen Spaß gemacht, das war mir zu unemotional, dann in die Schweiz, in eine ganz kleine Brauerei, die gerade in der Gründungsphase noch war oder in der Erweiterungsphase, sagen wir es mal so. Im Engadin oben, also auf 1.800 Höhenmeter habe ich dann Bier gebraut auf einer so einer 10- Hektoliter-BrauKon-Anlage und dort sehr viel gelernt. Es war so eine Halbautomatik, wo man eigentlich noch sehr viel selber machen muss und dann halt mal die komplette Brauerei geschmissen, von Rohstoffannahme über Kostenrechnung bis hin zur Abfüllung. Und war dann Meister, zwei Jahre in München noch drauf gemacht und nach dem Meister bin ich wieder in die Schweiz für diese Brauerei und habe dann dort, ja, die Brauerei noch weiter groß gemacht bis zu dem Punkt, wo der Neubau anstand und das hat sich dann aber ein bisschen zerschlagen, für ein paar Jahre. Und das war während Corona und dann war irgendwann die Entscheidung, ja, wir können ja nicht drei Jahre rumsitzen und warten, bis der Neubau kommt, sondern wenn wir jetzt die Produktion einstellen, und das lief ein bisschen über Umwege, habe ich gesagt, okay, dann muss ich mir einen neuen Job suchen, und dann hat der Schneider zu der Zeit zufällig gesucht. Und das ging dann auch recht lange, das waren ja mehrere Runden, kann man sich vorstellen, mein Vorgänger Hans-Peter Drexler hat ja meinen Job für 40 Jahre gemacht, wenn der mal geht, dann macht sich die Brauerei natürlich Gedanken, wer dann kommt und wie machen wir das jetzt am besten. Und dann war natürlich auch der Bewerbungsprozess sehr intensiv und über mehrere Runden, war sehr interessant. Und ich bin es dann letztendlich, weiß ich noch, ich habe im Dezember dann irgendwann eine E-Mail bekommen, ja, wir haben uns ganz eindeutig für Sie entschieden. Und dann habe ich meiner Frau gesagt, so, jetzt wird es ernst, jetzt müssen wir uns entscheiden, also jetzt gehen wir wieder nach Deutschland zurück. Und im Grunde habe ich im Juni hier angefangen, habe mich damals noch, ist jetzt kein Witz, also das sage ich jetzt nicht nur, weil ich heute hier sitze, ich habe damals den BierTalk mit Hans-Peter Drexler angehört, ich habe nämlich immer diesen Bier Talk am Füller gehört, während ich die Bügelverschlussflaschen mit der Hand zugemacht habe hinter dem Füller in der Fertigung. Ich stand ja acht Stunden beim Füllen da drin oder neun manchmal und da hat man sehr viel Zeit, Podcasts zu hören. Und dann habe ich mir das mal angehört, was da gerade so los ist und da war, glaube ich, gerade das Helle ein Thema, weil das wieder ganz neu auf dem Markt war. Und ich bin, kurz nachdem die Brauerei quasi wieder in das helle Lagerbiergeschäft eingestiegen ist, das werden wir ja dann wahrscheinlich auch kurz thematisieren, bin ich hier aufgeschlagen, das war 2021 im Sommer, am 5. Juli, ganz pragmatisch, es  muss ein Montag gewesen sein. Und, ja, wie war das, natürlich riesige Fußstapfen. Hört man auch oft, ja, ist es nicht eine große Bürde? Ich würde sagen, also die Angst ist nie ein guter Begleiter. Das habe ich auch meinem Team am Anfang gesagt, ich muss jetzt von euch was lernen, aber ich habe keine Angst, ich sehe das als Ansporn und Herausforderung. Und ich habe mich jetzt ganz gut eingelebt, ich meine, ich bin jetzt auch vier Jahre hier, wir haben vieles verändert und vieles gleich gelassen. Ich habe sehr viel Kontakt noch zum Hans-Peter Drexler und habe auch mich mit ihm viel unterhalten, was denn die Linie hinter den Bieren ist, also was denn ein bisschen seine Handschrift ist. Also erstens habe ich es natürlich versucht, selber zu sehen und zu schmecken, aber dann auch einfach in Gesprächen ein bisschen in die Tiefe zu gehen, was ist denn wichtig, wenn wir ein Bier machen, was ist denn so ein bisschen das Besondere an unseren Bieren und auch, wenn wir jetzt, sage ich mal, Produktentwicklungen neu machen oder in neue Märkte reingehen, was ist denn so ein bisschen die Essenz hinter uns, hinter der Marke und hinter den Bieren. Weil das ist ja ganz wichtig, dass es auch in so einem Übergang keinen Schnitt gibt, gerade bei so einer Traditionsmarke, sondern wir sind halt seit über 150 Jahren hier, also in Besitz der Familie Schneider, sagen wir es mal so und über 400 Jahre am Standort in Brautradition, also wir machen hier am Standort seit über 400 Jahren Weißbier und da muss es natürlich irgendeine Linie geben und auch eine Linie, wie ich das hin entwickeln will. Und das ist eine spannende Aufgabe in einem sehr schwierigen Umfeld gerade, weil das waren ja die ganzen Krisenjahre, gerade diese Anfangszeit und, ja, es ist herausfordernd und spannend zugleich und mit einem guten Team funktioniert es, sage ich immer.

Markus: Ja, das ist wahrscheinlich das Wichtigste überhaupt. Ganz kurze, ganz konkrete Frage, weil du ja gesagt hast, die Brauerei macht da schon seit 400 Jahren Bier, ist denn die Hefe, die ihr benutzt, basiert die auf einer historischen Hefe oder habt ihr da einen anderen Stand?

Josef: Davon gehe ich aus, wir wissen es tatsächlich gar nicht so genau. Vielleicht weiß es irgendjemand, ich müsste mal ganz explizit auch mal beim Georg Nummer VI nachfragen, der wird wahrscheinlich mehr wissen als ich. Es ist ja so, dass wir aus dieser Maderbräu in München rausgehen, also wo unser Hauptsitz noch ist, im Tal 7 in München und da stand eine Brauerei und ich gehe davon aus, dass die erste Hefe, die dort verwendet wurde, die Hefe war, die dort in Betrieb war und diese Hefe, das wird halt eine historische Weißbierhefe sein und mit der haben wir gebraut. Ich denke, dass diese Hefe dann irgendwann ihren Weg nach Kelheim gefunden hat oder von Kelheim nach München schon immer die gleiche war, also irgendwo daher kommen wir. Also es ist auf jeden Fall eine historische Hefe und seit 150 Jahren diese Hefe, die wir verwenden. Wo die dann genau herkam, das ist tatsächlich wahrscheinlich auch noch mal einen Podcast wert.

Markus: Ja, das kann ich mir vorstellen. Und weil du gerade Georg Nummer VI gesagt hast, spricht man sich da so an, so Nummer VI, Nummer VII oder wie?

Josef: Das ist tatsächlich so, also wir sind ja eine Familienbrauerei im Familienbesitz und der Erstgeborene hieß immer Georg und das ist mittlerweile die siebte Generation. Und die E-Mail-Adresse ist Georg VII, also da gibt es wirklich die Nummer, weil sonst kriegt man die gar nicht mehr auseinander. Und als ich hier angefangen habe, lebte ja auch noch der Großvater praktisch vom jetzigen Georg, Georg V und dann war es praktisch V, VI, VII. Und der ist jetzt leider verstorben mit über 90, war wirklich auch ein beeindruckender, sehr, sehr liebenswerter und sehr netter und sehr kompetenter Mensch und ich habe immer gern mit ihm geredet und habe ihn da auch kennenlernen dürfen bei meiner ersten Einführung. Das war ein schöner großer Empfang im Bräustüble mit allen und da war auch Georg V dann, der saß ja dann schon lange im Rollstuhl und kam extra, und das hat mich dann schon beeindruckt und auch mal mit ihm mich zu unterhalten. Weil, das ist schon auch interessant, was die einem so erzählen, wie denn das früher war. Die kommen natürlich aus einer anderen Zeit, es ist aber immer schön zu hören und hilft natürlich dann auch, diese Linie der Schneider-Familie da irgendwo in diese Biere reinzubringen und diese Geschichte weiterzuleben.

Markus: Ja und das ist ja eben so eine DNA, die dann in so einem so alten oder langjährigen Bier dann irgendwie auch mit drin ist. Nun bist du ja dann dahingekommen, wo eben eine Zeit des Umbruchs war, wo man dieses neue helle Bier entwickelt hat, wo es dann gerade diese Dosengärung zum Beispiel auch gab und eben der Markt da sich gerade so ein bisschen gedreht hat, vom Weissbier-Boom zum eben Hellen hin. Hast du da am Anfang auch gleich schon Entscheidungen treffen oder Rezepte verändern müssen oder wollen oder bist du da ein bisschen so in dieses Zwischen reingekommen, zwischen Georg VI und VII oder wie war das?

Josef: Also man stellt sich das ja immer so vor, dass bei uns immer das Original, diese Weissbier-Monstranz immer gleich ist und wir da nie dran drehen und im Hintergrund passiert sehr viel, also wir entwickeln unsere Biere auch ständig irgendwie weiter. Erstens ändert sich ja auch der Rohstoff an sich immer, der wird ja weiterentwickelt und wir ändern ständig irgendwas, also auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Manchmal stellen wir komplette Maisprogramme um und gehen auf eine komplett andere Brautechnologie. Wir spielen sehr, sehr viel mit den Hopfensorten, die wir haben, das ist eh speziell. Also wir machen ja eigentlich ein Hefe-Weissbier, wo die Hefe im Vordergrund steht, wie der Name schon sagt, aber auf der anderen Seite verwenden wir über 10 verschiedene Aromasorten und die verwenden wir auch zu allen möglichen Zeitpunkten. Und ich bin in so eine Zeit reingekommen, wo erstens das Helle entwickelt wurde, das auch sehr hopfenlastig ist. Also bei uns, wir haben auch zwei schöne alte Landsorten drin, den Hersbrucker und den Mittelfrüh, wo wir auch dann neue Bauern gesucht haben, die den anbauen. Also da habe ich dann viel Versorgung auch auf die Beine gestellt am Anfang und da haben wir auch ständig am Rezept noch gefeilscht, weil das war ja so die Einführungsphase. Wir haben das LOVEBEER rausgebracht, auch mit viel Hopfen, wo wir jetzt während der Gärung hopfen, also ganz speziell, weil wir einfach den offenen Gärbottich nutzen und da können wir ja was reinschmeißen. Das wollte ich schon immer machen und dann habe ich jetzt mal die Chance, dass wir da halt mal was reinschmeißen. Da haben wir die Festweise neu entwickelt, also wir sind ständig am Rezepte umschreiben und Biere entwickeln. Und jetzt klingelt es ja schon überall, die alkoholfreien Geschichten kommen. Wir sind auch ständig am Pfeilen und machen Versuchssude in alle Richtungen und testen und probieren, weil wir uns halt ständig weiterentwickeln müssen. Also der Markt ändert sich rasant schnell und wir halten die Weissbier-Fahne hoch, aber wir müssen natürlich auch der Realität ein bisschen in die Augen sehen.

Markus: Auf jeden Fall und das ehrt euch ja auch, dass man da diese beiden Wege entsprechend geht. Ich habe jetzt gerade ganz viele Bilder im Kopf gehabt. Heißt das wirklich für das LOVEBEER, da hat man dann das Bier in der Gärung und dann kommt man mit so einem, sage ich mal, Sack mit Hopfendolden und wirft die da rein oder wie muss man sich das vorstellen?

Josef: Wir haben tatsächlich einmal Dolden verwendet, aber nicht für das LOVEBEER, sondern damals noch für die Hopfenweisse. Wir verwenden ausschließlich Pellets, einfach, weil es halt einfacher zum Verarbeiten ist. Wir hopfen aber dort einfach mit Pellets, ja, also es geht wirklich jemand vorbei und wirft das dann da rein. Auch mit, sage ich mal, mit großen Lerneffekten, weil, wenn man irgendwo was reinwirft, wo Kohlensäure drin ist, dann kommt auch gern was wieder raus, also das schäumt dann ordentlich. Also da haben wir den Zeitpunkt auch ein bisschen und die Mengen natürlich noch ausloten müssen. Und diese Geschichten kamen ein bisschen aus diesen Unterhaltungen auch mit den Brauereien eben in Spanien, mit meinen ganzen Kontakten. Wir haben dort auch so die ersten Collaboration-Brews quasi wieder gemacht nach Brooklyn Collaboration, was die Hopfenweisse ja damals war, haben wir das erste Mal wieder mit einer Brauerei eben was gemacht und haben dort einfach Sachen ausprobiert, also ein bisschen inkognito, also ich habe das ein bisschen so unter dem Radar gemacht. Und es sind aber lauter Brauereien, die sehr amerikanisch beeinflusst sind, also von den Bierstilen her und auch von den Hopfensorten und auch von den Techniken her. Und dann haben wir uns viel über diese Bio-Fermentation von Hopfen unterhalten und dann habe ich mich dafür einfach mal interessiert und habe das einfach mal ausprobiert. Und beim LOVEBEER, muss ich sagen, hat es viel gebracht, also wir haben viel mehr milde Hopfennoten reinbekommen, also wenig Bittere, aber viel Aroma. Und es ist spannend, was da alles geht und da ist sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange, also da gibt es noch viel zu entdecken.

Markus: Auf jeden Fall. Also da geht es ja im Grunde darum, was macht die Hefe mit den Hopfenkomponenten, wenn sie da eben rankommt in der Gärung, sagen wir mal und was macht das eben auch aromatisch-sensorisch mit so einem Bier. Und, ja, also das glaube ich auch, ist wirklich eine Sache, wo man noch viel erforschen muss. Kann man da sagen, es gibt trotzdem auch so eine Art Konstanz oder ist das jedes Mal schon auch so ein bisschen Wundertüte, was dabei rauskommt?

Josef: Also wir haben das jetzt für uns so getrimmt, dass wir die Konstanz haben, die wir wollen. Aber es ist tatsächlich, das ist ja, ich sage es immer auch gern, wenn ich sage, erster Braumeister, technischer Leiter und wenn ich dann meinen Job beschreibe, sage ich immer, das ist ein bisschen zwischen Hightech und Esoterik, also da ist alles ein bisschen mit dabei. Und dieses Esoterische hinten, wo man nicht genau weiß, was rauskommt, das hat man ganz oft in der Gärung, ist so meine empirische Beobachtung und das ist ja auch das Spannende. Also das ist wie wenn man daheim ein bisschen Brot backt und dann, mal klappt es besser und schlechter und hin und her und ich finde das spannend. Also das Bier soll ja auch einen Charakter haben und ich sage auch immer, Bier braucht Kontext. Im Engadin in der Schweiz habe ich meine Biere ganz anders gebraut als zum Beispiel ich die hier brauen würde oder in Spanien, also das muss ja auch immer irgendwo in den Kontext reinpassen und das soll ja auch ein bisschen spannend bleiben. Also das soll ja keine lieblose Flüssigkeit sein, so wie es leider in Deutschland oft ist. Und da müssen wir ja auch einmal offen darüber reden, das ist halt schon so, das ist so ein Massenprodukt und im Supermarkt, da ist ja Weissbier gleich Weissbier und Pilz gleich Pilz und wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt, dann gibt es das sehr, sehr große Unterschiede, so wie es halt bei jedem Produkt ist, auch bei einem Käse oder bei einer Wurst. Und das ist ja das Spannende, die Biere, finde ich, sollten immer einen Charakter und eine Tiefe haben und sollten auch ein bisschen spannend bleiben, muss ja nicht immer ganz gleich sein.

Markus: Absolut. Jetzt haben wir gerade schon gehabt, dass natürlich die Hefe eine ganz wichtige Rolle spielt, gerade bei euch und eben auch die Hopfen. Wie ist es denn mit dem Wasser, gibt es da auch in Kelheim Besonderheiten?

Josef: Also wir haben lange gekämpft, wir wollten ja einen eigenen Brunnen haben. Wir haben keine eigene Wasserversorgung, wir brauen mit Kelheimer Leitungswasser, das wir natürlich dann aufbereiteten, weil es zu hart wäre für uns. Aber es ist  tatsächlich dann, haben wir es, sage ich mal, so aufbereitet, dass es ein Standardbrauwasser ist, so wie es ein bisschen im Lehrbuch steht. Das Kelheimer Wasser an sich wäre tatsächlich aber spannend für das Original, weil dieses Original, sage ich immer, ist auf 1.000 Facetten oder aus 1.000 Blickwinkeln das Original Weissbier, erstens, weil es in einer Original Weissbierbrauerei gebraut wird, das Original von Schneider von damals noch und es hat auch noch die Originalfarbe, es ist so dunkel. Und dieses Wasser würde schon eher bedingen, dass der Brauprozess ziemlich schwierig wird oder schwieriger und dadurch länger dauert und dann würde das Bier tendenziell dunkler werden. Und das passt wahrscheinlich für das Weissbier, für das Original ganz gut, aber für die anderen Bierstile ist es besser, wir bereiten es auf.

Markus: Ja, das stimmt. Und ich glaube, wo du es jetzt gerade sagst, das ist ja auch vielen nicht bewusst, dass ja die Weissbiere eigentlich, wenn man das mal so historisch sieht, ursprünglich immer eher bräunlich oder sogar dunkelbräunlich waren, bevor man dann irgendwann im 19. Jahrhundert mit den hellen Malzen und so weiter das ein bisschen trennen konnte in helles Weissbier und dunkles Weissbier und eben das, sage ich mal, normale. Was man ja auch bei Wettbewerben immer wieder merkt, dass diese Differenzierung, also wo ist jetzt ein klassisches Weissbier, was halt einfach bräunlich ist und karamellig ist und nussig ist, aber eben noch nicht röstig und aber auch nicht hell und dann eben diesen anderen beiden Entwicklungen, das ist wirklich immer gar nicht so einfach, auch das den Leuten zu erklären und so. Und da finde ich schön, dass ihr diese komplette Range eben noch habt und man das dann entsprechend auch erleben kann. Wenn man jetzt noch mal zum Hellen kommt, da bist du dazu gekommen, als es schon in der Entwicklung war. Ich stelle mir das ziemlich schwierig vor, wenn man so eine klassische Weissbierbrauerei ist, also gut, ihr habt, glaube ich, vorher auch schon für die Region so ein paar untergärige Biere gemacht, aber das dann so im großen Stil, war das eine große Umstellung?

Josef: Also es ist tatsächlich in den Köpfen von den Leuten eine große Umstellung. Es gibt ja, wenn man auf die Brauerschule geht, ein Lehrbuch und im Lehrbuch wird man eigentlich getrimmt, wie man helle Biere braut, also ganz besonders ein Pilz, also diese hopfenbetonten, hellen, leichteren Biere. Und wenn man, sage ich mal, mit einem Lehrer eine schöne Diskussion hat, dann hat er gesagt, wenn man 100 Brauer fragt, wie sie ihr Lagerbier machen, kriegt man 100 gleiche Antworten und wenn man 100 Brauer fragt, wie sie ihr Weissbier machen, dann wird man 100 Antworten bekommen. Weissbier ist ganz anders von der Art und Weise, wie man es macht und unsere Brauerei hat halt ihre Art und Weise, dieses Bier zu tun, die passt aber bei vielen Punkten nicht auf eine helle Brauart. Also wenn ich jetzt ein helles Bier machen will, muss ich auf viele andere Dinge achten, vor allem auf Sauerstoff. Das ist es bei uns bei der Flaschengärung auch ein Thema, aber weniger ein Thema, als wenn ich natürlich ein helles Bier mache. Und da haben wir schon gemerkt, dass wir ordentlich auf die Schnauze geflogen sind, weil es in den Köpfen von den Leuten, die halt ihr ganzes Leben lang Weissbier gemacht haben. Also teilweise habe ich Mitarbeiter, die 40 Jahre hier sind und die machen halt seit 40 Jahren ein super Weissbier und jetzt müssen die ein filigranes Helles machen und dann eckt es an einigen Prozessen dann halt an. Es ist aber tatsächlich so, dass die Brauerei früher mal helles Bier gemacht hat, bis 1988 dieses Sudhaus umgebaut wurde und da hatte man, ich glaube, da gab es Altmühlpils und Marken halt für die Region, so wie der Name auch schon sagt. Und die wurden aber auch ganz klassisch, die Becken haben wir noch, das sind offene Gärbottiche, viereckig, die sind ein bisschen eingestaubt, aber die würden wahrscheinlich sogar noch funktionieren, und da wurde dieses Bier produziert. Und das ist schon spannend, also auch mein Büro, wo ich gerade sitze, das war früher ein untergäriger Lagerkeller. Also jetzt ist es ein Bürotrakt, also es ist halt, der alte Gebäudetrakt wurde umfunktioniert zu einem Büro, aber das war früher unsere untergärige Abteilung. Und jetzt sind wir sukzessive dran, dass wir die Produktion halt wieder zurückholen. Wir haben vieles in Lohnproduktion noch bei unserer Karmeliten-Brauerei, am Anfang. Das ist ja, die gehört uns ja zu 50 Prozent, das war dann so immer der Standort, wo die hellen Biere eigentlich so herkamen, historisch.

Markus: Und wie kam es am Markt so an? Also gab es Leute, die gesagt haben, endlich oder gab es auch Leute, die gesagt haben, Mensch, eigentlich mag ich euch lieber in der reinen Weissbierecke?

Josef: Es ist tatsächlich so, dass die Leute sich freuen. Wir machen es ja auch ein bisschen spezieller, wir wollten ja nicht wieder ein neues Helles machen, das es schon gibt, also ganz explizit damals, nicht in der blauen Kiste und nicht mit einem Bayern-Etikett und blau. Es hieß ja auch am Anfang helles Landbier, mittlerweile heißt es Schneider´s Helles. Es ist ein bisschen hopfenbetonter und es ist ein bisschen markanter und, ich glaube, es passt ganz gut zu unserer Handschrift, die ich vorher erwähnt habe, dass die Biere einen Charakter haben, es ist auf jeden Fall erkennbar. Und wir haben auch wirklich tolle Hopfen drin, mit dem Hersbrucker und dem Mittelfrüh, die wir da im Vertrag mit den Hopfenbauern anbauen lassen. Und das macht auch Spaß, die dann am Feld auszusuchen und dann beim Händler dann zu bonitieren im Grunde. Und, ja, ich glaube, die Biere passen zu uns und wir sind damit volumenmäßig auf jeden Fall erfolgreich, sind da sehr zufrieden, wie sich das etabliert hat und ich sehe da viel Potenzial in dem Bier.

Markus: Das heißt also, da wird vielleicht auch die Palette noch ein bisschen wachsen in Zukunft?

Josef: Das ist durchaus denkbar, ja, also wir sind immer dran. Der Vertrieb in jeder Brauerei hat viele Ideen, die muss man immer ein bisschen bremsen, aber ja, also man hört alle möglichen Sachen und, ich denke, es bleibt spannend, ja.

Markus: Und dann hast du vorhin noch das LOVEBEER erwähnt. Wenn jetzt jemand überhaupt gar keine Ahnung hat, was das ist, wie erklärst du dem das?

Josef: Also das ist eigentlich ein total interessantes Projekt, das hat noch der Hans-Peter noch gemacht und wir haben das dann noch mal geändert, weil wir das damals ein bisschen anders gemacht haben als jetzt. Es ist eine Kooperation mit der LaBrassBanda und der Frontmann, der Stefan Dettl, hat uns damals den Arbeitstitel gegeben, oder dem Hans-Peter, er möchte sowas wie einen bayerischen Joint. Und das beschreibt es eigentlich ganz gut, weil daran haben wir festgemacht, wie das Bier werden soll. Also einen bayerischen Joint, das sagt sehr viel, dieses Bild. Das Bild sagt, das ist ein Bier, das man irgendwie an einem See oder bei einem Festival mit dabei hat, also das man irgendwie auch locker mitnehmen kann. Es ist ein Bier, ja, der Hopfen ist ja aus der Gruppe der Hanfpflanzen, also es sollte ein bisschen hopfiger sein. Also der Hopfen spielt dort eine sehr bedeutende Rolle, deswegen haben wir ihn auch sehr bewusst ausgewählt und auch sehr bewusst eingesetzt eben in der offenen Gärung, also die Bio-Fermentation, die ich vorher erwähnt habe, und das muss natürlich, sollte das Bier dann, wenn man sagt, okay ein bayerischer Joint, Festival, Sommer, immer irgendwas Leichtes sein. Ich habe das Bier letztes Mal jemanden in die Hand gedrückt bei einer Grillparty bei über 30 Grad, also das war einer dieser heißesten Tage diesen Sommer, wo es so extrem heiß war, da habe ich das Bier jemandem, im Juni war das irgendwann, habe ich das jemandem in die Hand gedrückt und habe gesagt, jetzt trinkt das mal und dann hat er getrunken, dann habe ich gesagt, und, was sagst du? Da sagt er, super. Und da sage ich, das Bier ist genau für den Tag heute gemacht, also genau für so einen Tag haben wir uns das Bier ausgedacht. Das schmeckt wirklich am besten, wenn es brutal heiß ist, wenn man den Grill gerade anschürt, so als erstes Bier. Es ist irgendwo ein Weissbier, aber es lässt sich trinken wie ein Helles, es ist ein bisschen gehopft wie ein Pale Ale, also es ist sehr, sehr viel in einem und es hat diese Geschichte des bayerischen Joints dahinter. Und, ja, ich glaube, wenn man das jetzt gehört hat, sollte man es mal probieren und wirklich, meine Empfehlung, nicht im Winter bei minus 5 Grad, sondern im Sommer, wenn wirklich mal die Sonne knallt, dann mal so ein LOVEBEER einschenken und dann weiß man, was wir damit gemeint haben.

Markus: Für mich ist es so ein bisschen beides, also auf der einen Seite ist es ein ganz anderes Bier, als man es von euch erwarten würde oder zumindest damals erwartet hätte, auf der anderen Seite steht es aber auch ganz viel in der Tradition, eben gerade mit dem Hopfen, mit dem Hopfen stopfen und da eben auch mal neue kreative Wege zu begehen, das gibt es ja bei euch im Weissbiersortiment auch, also insofern finde ich das wirklich beides spannend. Also mir macht es auch, also gerade im Sommer, immer wieder eine schöne Freude und gerade die Geschichte mit LaBrassBanda ist natürlich super witzig dahinter. Aber ihr musstet jetzt nicht alle erst mal mit der Belegschaft irgendwo hin und einen Joint rauchen, um das Feeling kennenzulernen?

Josef: Nee, aber es ist tatsächlich so, dass das sind immer sehr spektakuläre Geschäftsmeetings bei unserem Geschäftsführer in der Küche, da kommt dann die LaBrassBanda und da war der Hans-Peter und es wurde ausgiebig diskutiert und das endete dann irgendwann, glaube ich, um halb vier nachts, also es ist dann schon immer sehr amüsant. Und es gibt schon einige Vertreter der Brauerei, die dann sehr lange dort mitdiskutieren und mittrinken müssen, also nicht jeder in der Brauerei, aber einige trifft es dann schon, die kommen da intensiv ran.

Markus: Es kann schon ein anstrengender Job sein, genau, ja spannend. Und ein anderes Bier, was ja sehr ikonisch für euch ist und wo wir neulich erst damit zu tun hatten, weil wir hatten ja den Lieblingsbierwettbewerb, wo die Hopfenweise ja auch sehr, sehr, sehr gut abgeschnitten hat und das, finde ich, war ja für mich, ich glaube, ich habe es damals auch erzählt, für mich so ein Bier, wo ich selber erlebt habe, wie eben sich auch in der deutschen Brauerszene damals was verändert hat, weil da ein Bier plötzlich hier ins Land kam oder aus dem Land kam, wie auch immer man das sieht, das so anders war, dass die meisten Braumeister erst mal ein paar Minuten gebraucht haben, um zu verstehen, was das überhaupt ist. Und es ist für mich immer noch ein absolut faszinierendes Bier, ich finde es Wahnsinn, wie der Saphir-Hopfen das prägt und wie trotzdem flexibel und wandelbar das ist, je nachdem auch, wie alt es ist, verändert es sein Aroma, seinen Geschmack, also ein ganz großartiges Bier, aber natürlich auch ein Bier mit einer riesen Geschichte. Wie ist das, wenn man so eins der ikonischsten deutschen Biere anpackt, hat man da auch ein bisschen Respekt oder sagt man, nee, jetzt räume ich da mal ein bisschen auf und mache es mal ein bisschen modern?

Josef: Also da, glaube ich, da muss man auch vorsichtig sein, dass man da nicht zu viel anpackt. Also wir diskutieren da auch natürlich, weil der Hopfen ist nicht einfach im Anbau und der Klimawandel kommt immer schneller und auch die Hopfenbauern, mit denen sind wir eng im Austausch. Da sind einige auch schon aus dem Saphir-Anbau ausgestiegen. Deswegen haben wir mehrere Strategien, das eine ist mal Menge sichern, dass wir halt über Verträge mit Hopfenbauern uns ein paar Hopfenbauern sichern, die uns die Stange halten. Und auf der anderen Seite, ich möchte halt da auch nicht so viel ändern an dem Bier, das ist tatsächlich eine Ikone, ich habe es auch früher, bevor ich bei Schneider war immer, wenn mich irgendwer gefragt hat, kannst du ein besonderes Bier empfehlen, habe ich gesagt, trinke mal die Hopfenweisse, das ist was ganz Besonderes. Und es ist tatsächlich so, wenn man das erste Mal trinkt, da ist man total überrascht, was das überhaupt für eine Geschmacksexplosion ist und man kann diese Geschmacksaromen gar nicht einordnen, wo die jetzt herkommen. Es wird ja oft als tropisch fruchtig beschrieben, auf der anderen Seite ist es ja brutal hopfig und auch herb, aber alles irgendwie ausbalanciert. Und das ist halt dieses faszinierende Zusammenspiel, wir haben ja überall eine Flaschengärung mit der aktiven Hefe in Verbindung mit dem Hopfen, mit viel Stammwürze, also da passiert ja so viel auch brautechnologisch und dann hat es auch noch diese Geschichte, diese Kooperation mit der Brooklyn Brewery von damals und man hat dann wirklich einfach versucht, zwei Bierstiele zu fusionieren, also ein IPA und den Weizendoppelbock von einer bayerischen Weissbierbrauerei und das Resultat ist einfach wirklich bisher, glaube ich, unerreicht. Und das Geheimnis liegt eigentlich an dieser Einfachheit und Authentizität, es ist halt einfach ein Weizendoppelbock mit Flaschengärung und der ist ganz, ganz traditionell gestopft, also wirklich Hopfen oben rein in den Tank, dann warten und unten wieder halt abschießen lassen und dann Flaschengärung. Also das ist, da ist keine aufwendige Hopfentechnik oder sonst was, einfach Zeit, ein guter Hopfen, also gute Zutaten und eine gute Hefe und eine Flaschengärung und dann wird daraus eine Bombe. Also das ist wirklich, da gibt es nicht viel zu ändern an dem Bier.

Markus: Nee, absolut. Und nur noch mal kurz vom Bild her, also das heißt, ihr gebt oben den Hopfen rein, dann fällt er da so drauf und dann macht man wieder zu und dann wartet man ein paar Tage und dann macht man unten auf und in der Zeit ist der dann praktisch einmal so durch oder wird da zwischendurch umgerührt oder wie läuft das?

Josef: Wenn alles gut geht, ist er dann unten durch. Es ist natürlich, gäbe es effizientere Verfahren, also dass man weniger Hopfen braucht, wenn man das umpumpt und sonst was und man hat auch ein bisschen was ausprobiert, aber das Geschmacksresultat war nie so gut und deswegen hat man es nie geändert, also es liegt wirklich am Geschmack.

Markus: Naja und wahrscheinlich eben auch die Kontaktzeit und die aktive Hefe, die sich dann in dieser Zeit auch mit dem Hopfen beschäftigen kann. Also, ja, ich kann auch noch sagen, also da trifft so ein Satz zu, oft kopiert, nie erreicht. Also ich habe schon ganz viele Hopfenweisse-Klone irgendwo in der Welt, auch in Deutschland getrunken, aber es kommt nie dahin und das finde ich schon faszinierend. Und, was ich auch faszinierend finde ist, dass es eben immer noch läuft und immer noch diesen Stellenwert hat, obwohl es so ein besonderes Bier ist. Und das fand ich eben auch interessant bei unserem Lieblingsbierwettbewerb, das ist der Wettbewerb der Deutschen Konsumenten Organisation, die machen da jedes Jahr einen Bierwettbewerb, wo am Ende dann sechs Biere im Finale stehen und die Brauer auch live dabei sind, wenn dann die Entscheidung fällt und da war ich wirklich auch sehr, sehr positiv überrascht, dass auch in der heutigen Zeit dieses Bier noch einen Wettbewerb gewinnen kann und die Leute da total begeistert sind und eben diese Komplexität auch verstehen und lieben lernen. Wie hast du dich da gefühlt an dem Abend?

Josef: Also ich muss ja dazu sagen, ich war an dem Abend sehr, sehr krank, ich hoffe, man hat es nicht zu sehr gemerkt, das war wirklich eine der anstrengendsten Wochen, die ich hinter mir hatte, aber ich habe mich natürlich mega gefreut. Also ich habe es ja auch an dem Abend erwähnt, für uns sind diese Auszeichnungen nicht selbstverständlich und ich bin jetzt auch erst seit vier Jahren hier, ich gebe dieses Lob auch immer an meine Brauer weiter, ich sage, das sind eure Medaillen und eure Preise und die sind nicht selbstverständlich. Als ich 2013 angefangen habe, war ich mal auf einer Messe und dann habe ich gesehen, dass eine Brauerei aus Belgien irgendwie vier Goldmedaillen beim Beer Star gewonnen hat und ich habe mir gedacht, das ist ja unmöglich, in der Blindverkostung vier Biere einzusenden und die alle kriegen Gold, also wie gut muss die Brauerei sein. Und dann fange ich beim Schneider an und im ersten Jahr gewinnen wir dreimal Gold und im nächsten Jahr dreimal Gold und einmal Bronze und dann wieder Gold und wieder drei Medaillen. Und ich habe denen auch gesagt, es ist nicht selbstverständlich, dass ihr so konstant so gute Biere braut. Und mich freut jede Auszeichnung, weil diese Leidenschaft und dieses, wirklich, das ist ja manchmal, es hört sich von außen immer so romantisch an, aber es ist ja oft auch einfach ein frustrierender Job, wenn man sich den Markt mal anschaut und die Preise, die wir in den Supermärkten haben und sonst was, wir haben ja wirklich 1.000 Probleme und gesetzliche Auflagen und kaputte Maschinen und dann Mitarbeiter, die nicht zur Arbeit kommen und so weiter, es ist ja manchmal ein kompletter Wahnsinn. Aber am Ende, wenn man dann nach Hause geht und dann sieht man, okay, jemand honoriert das und findet das cool, was du machst und kriegst dann auch noch einen Preis dafür und dann so konstant immer wieder vorne mit dabei zu sein, das macht einen dann schon stolz. Und das gibt einen auch unglaublich viel Energie, dann am Montag wieder zu kommen und sagen, so jetzt machen wir wieder was besser und machen es noch mal und schauen, wo wir noch mal was besser machen können. Also das ist einfach eine riesen Bestätigung für uns und für das Team und wir freuen uns da immer mega drüber. Also das ist, egal wie klein der Preis auch sein mag, wenn jemand sagt, hey, euere Bier ist super, das ist ja auch schon ein Lob, ist ja auch ein Preis und finde ich cool.

Markus: Ja und auch in dem Fall kam es ja auch aus der Konsumentenecke, weil es der einzige Wettbewerb ist, wo eben nicht die Brauerei das Bier einreicht, sondern eben Leute das Bier einreichen, die es gut finden und dann muss es ja auch erst mal durch die zwei Vorrunden durch, also insofern, nee, also auch da noch mal Gratulation. Und man hat es dir auch nicht so angemerkt, also man hat gemerkt, dass du schon angestrengt warst, klar, aber nicht, dass du so krank warst und vor allem hat man die Freude gemerkt, das fand ich total schön.

Josef: Guter Schauspieler, guter Schauspieler.

Markus: Ja, wenn wir noch ein bisschen kurz in die Zukunft schauen, also du erlebst ja jetzt gerade auch wieder den Wechsel beziehungsweise ist ja gerade erfolgt von Georg VI auf VII, ja, ist das für so eine Brauerei wie Schneider dann tatsächlich ein großer Schritt, wenn da ein neuer Georg sozusagen kommt und gibt es da für euch jetzt auch Sachen, wo ihr sagt, da wollt ihr jetzt hier oder da in der Zukunft bestimmte Sachen neu andenken oder ändern oder einführen oder sowas?

Josef: Also es ist natürlich ein riesen Schritt, wenn ein junger Inhaber ins Unternehmen kommt, das ist ja heute auch nicht mehr selbstverständlich, dass überhaupt jemand sich das antut, in Deutschland ein Unternehmen weiterzuführen, es ist wirklich auch schwierig. Wer die Tagesschau mal am Abend irgendwie sich anschaut, der wird ja fast depressiv. Also es ist ein Zeichen auf jeden Fall, dass ein Junger kommt und sagt, wir machen weiter, also das ist für alle in der Brauerei natürlich der Wahnsinn, es geht weiter und es wird vielleicht mal einen Georg VIII geben. Im Moment gibt es einen weiblichen Nachwuchs, wer weiß, vielleicht haben wir mal einen weiblichen Chef, aber es geht auf jeden Fall weiter.

Markus: Wie heißt die dann, Georgina oder so?

Josef: Die heißt tatsächlich Josefine, also fast wie der Braumeister. Nee, es ist ein Umbruch, man merkt es natürlich und muss auch, ein junger Inhaber muss immer mit neuer Energie und mit neuen Themen kommen. Und die Zeit verlangt halt auch einfach, dass wir uns mit neuen Themen beschäftigen und da geht es viel um Klimatransformation, also Klimaneutralität und Energietransformation, um neue Produkte, um mehr Flexibilität, aber ohne halt am Ende das zu verlieren, was wir sind und wir sind halt eine authentische mittelständische Weissbierbrauerei im Familienbesitz und wir werden jetzt nicht morgen Coca-Cola machen, aber wir müssen uns halt mit neuen Produkten auseinandersetzen und so weiter. Und das ist eine schöne Findungsphase, wer sind wir und wo wollen wir hin und es ist jetzt gerade sich so am Einschleifen, aber es ist eine spannende Zeit, also auf jeden Fall, für alle Beteiligten.

Markus: Da schließt sich ja auch so ein bisschen der Kreis, weil wir ja mit Spanien quasi angefangen haben und ich ja schon erwähnt habe, dass dort aktuell mit 14 oder 15 Prozent das alkoholfreie Bier den größten Marktanteil in ganz Europa hat, immer noch Tendenz stark steigend. In Deutschland sind wir, glaube ich, zurzeit so bei 10 Prozent. Das Weissbier ist ja eigentlich ein Protagonist dieser ganzen alkoholfreien Ecke, dafür allerdings dann auch, sagen wir, eine etwas ältere Idee, Weissbier eben alkoholfrei zu machen. Seid ihr an dem Thema dann auch verstärkt dran und gibt es da vielleicht so neue Entwicklungen, also sage ich mal, zum Beispiel hat ja Einbecker jetzt den Null Bock rausgebracht, also ein alkoholfreies Bockbier, könnte man sich eine alkoholfreie Hopfenweise vorstellen, keine Ahnung.

Josef: Also lustigerweise, ich habe so ein Ideenbuch, wo ich immer alles reinschreibe, wenn mir mal irgendein Schmarrn in den Kopf kommt und ich den nicht vergessen will und da steht drin, Hopfenweisse entalkoholisieren. Es ist schon so, wir beschäftigen uns mit dem Thema, also erstens mit den Möglichkeiten, die wir halt jetzt schon haben, also wir haben ja eine Entalkoholisierungsanlage und wir machen ja schon ein Alkoholfreies und da haben wir uns natürlich auch jetzt die letzten Wochen und Monate auch unterhalten, ja, wir könnten auch mal was anderes drüber jagen, über diese Anlage, mal probieren, was passiert. Auf der anderen Seite arbeiten wir auch mit anderen Technologien, die es gibt. Wir verkosten auch sehr viele Biere von Mitbewerbern und reden da sehr viel drüber. Es ist halt immer schwierig, ich habe ja BWL studiert, also deswegen, vorher kam halt das Stichwort, ja, du hast ja schon viel gelernt, was du dann auch nutzen kannst und bei jeder Idee muss man sich natürlich auch die Frage stellen, da muss man ja oft auch investieren, kommt das Geld am Ende zurück und wie viel ist das Potenzial. Und es ist halt so, es ist im Moment 10 Prozent vom Markt, also 90 Prozent sind noch Biere mit Alkohol und es wird kommen, also man muss auf jeden Fall da immer auf der Lauer liegen und sich damit beschäftigen, aber wir werden jetzt morgen nicht für 5 Millionen irgendwo investieren in eine riesen große Fertigung für neue alkoholfreie Biere, ich glaube, dafür ist der Markt noch zu unberechenbar. Aber, wir haben sehr viele Themen in dem Bereich auf dem  Tisch und sehr viele Ideen und da wird bestimmt die nächsten Jahre noch was kommen.

Markus: Ja, da bin ich auf jeden Fall gespannt. Letzte Frage noch, kann das dann auch in ein nichtalkoholisches Getränk, was vielleicht gar nicht so als Bier sofort zu identifizieren ist, überführen oder ist man da noch ein bisschen vorsichtig?

Josef: Also auch diese Diskussionen habe ich schon geführt und wir haben uns auch damit schon beschäftigt, wie man sowas dann deklarieren würde und so weiter, also wir denken wirklich in Getränken, in Bier natürlich primär, aber es gibt ja keine Tabus, es sollte halt immer zu uns passen und natürlich muss es wirtschaftlich dann am Ende umzusetzen sein, aber der alkoholfreie Markt ist toll. Und gerade in Spanien, ich trinke da eigentlich sehr viel alkoholfrei, das hat den Grund, die schmecken alle toll und s hat eine ganz einfache Begründung, die haben kein Reinheitsgebot und die haben oft Aromen drin müssen, die schmecken wirklich fantastisch. Und da müssen wir uns wirklich halt noch rantasten, weil wir müssen es halt mit dem Reinheitsgebot genauso gut hinbekommen und da tut sich auch sehr viel und da wird sich auch sehr viel ändern und ich bin da guter Dinge, dass wir sehr viele sehr tolle interessante alkoholfreie Biere am Markt haben werden die nächsten Jahre.

Markus: Also da freue ich mich auf jeden Fall schon mal drauf und ich habe jetzt auch wirklich absolut die Überzeugung weiterhin, dass mit dir da der richtige Mann an der richtigen Stelle ist und zur richtigen Zeit. Also da freue ich mich auf weitere tolle Begegnungen in der Zukunft, sage dir auf jeden Fall schon mal vielen Dank für deine Zeit, für die Infos, für deine Offenheit und für deine Arbeit ganz von meiner Seite als Biertrinker und wünsche dir heute noch mal einen wunderschönen Tag.

Josef: Gleichfalls und vielen Dank, war sehr interessant.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

BierTalk 153 – Interview mit Georg Tscheuschner, Gründer und Braumeister von Schorschbräu, Gunzenhausen

In dieser besonderen Live-Folge nehme ich euch mit hinter die Kulissen einer Erfolgsgeschichte, die mit einer Portion Sturheit, fränkischem Humor und viel Innovation begann. Im Gespräch mit Schorsch, dem Macher der legendären Schorschbräu, beleuchten wir den Weg vom ersten Sud bis zum stärksten Bier der Welt – inklusive aller Höhen, Tiefen und überraschenden Wendungen. Ihr erfahrt, wie aus Experimenten echte Rekorde werden, warum Authentizität wichtiger ist als Marketing-Gags und welche Philosophie hinter der Kunst des Bierbrauens steckt. Gemeinsam tauchen wir ein in die Welt extremer Biere, den Wettstreit mit BrewDog und die Herausforderungen, die ein Leben für den Geschmack mit sich bringt. Freut euch auf ehrliche Einblicke, spannende Anekdoten und die Antwort auf die Frage: Was kommt nach dem stärksten Bier der Welt?

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BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute mal wieder eine Live-Folge und für mich eine ganz, ganz besondere, weil es eine ist, die wir schon seit Jahren planen, vielleicht sogar seit über 10 Jahren, obwohl es da den BierTalk noch gar nicht gab. Ich bin nämlich in Gunzenhausen beim dem Schorsch, der Schorschbräu macht, der ganz starke Biere macht, Weltmeisterbiere macht auf ihre Art. Und wir kennen uns schon lange, aber haben eben noch nie Gelegenheit gehabt, den Podcast zu machen und heute ist es soweit. Ich bin ganz stolz und ganz froh, hier sein zu dürfen, und vielleicht, George, sagst du ein paar Worte zu dir selber.

Schorsch: Ja, grüße euch, ja mei, ich bin der Schorsch. Ich habe irgendwann Mal beschlossen, nicht Lehrer zu werden und auch keine Karriere bei der Sportbundeswehr zu machen, sondern mich auf die dunkle Seite der Macht zustellen und habe dann Brauwesen studiert. Ich habe dann nach kurzem monetären Erholungsphase bei Coca-Cola, ich war jung und brauchte das Geld, habe ich mich dann selbstständig gemacht, habe eine kleine Brauerei gebaut. Und weil ich in Weihenstephan war und alle dort so komisch gesprochen haben, war ich also nicht der Georg aus Franken, sondern der Schorsch und dann machst du also keine, was-weiß-ich-was-Brauerei auf, sondern du machst halt eine Schorschbräu. Also keep it simple zieht sich bei mir ja durch alles so ein bisschen durch, es ist nicht riesen Storys, sondern es ist einfach machen und vielleicht mit Ergebnissen dann zu glänzen und nicht mit over doing.

Markus: Ja und ich denke, auch wirklich spannend, weil du eben aus eigener Kraft, mit eigener Innovation, mit viel, viel Liebe zum Detail und mit Durchsetzungswillen und Kraft und Vermögen es ja wirklich geschafft hast, eine Marke aus hier deinem Bier und eben dem Schorschbräu zu machen. Und vielleicht mal, bevor wir tiefer einsteigen, wo sind wir den jetzt? Also es geht darum, es geht um ausgefrorene Biere, Eisbock im landläufigen Jargon und da gab es lange Zeit so ein Wettrennen, wer schafft am besten %, ohne Alkohol zuzukippen, was ja manche gemacht haben. Und, ja, du hattest mittlerweile, glaube ich, über 70 % oder an die 70 % erreicht?

Schorsch: Nee.

Markus: Nee, okay.

Schorsch: Also offiziell habe ich 57, 7 beziehungsweise mit BrewDog dann dieses strang-4-numbers, während Corona hatten wir 57,8. Inoffiziell geht das Ganze noch höher, aber, ich glaube, dass der Spruch bei meinem Stärksten, der ja nach wie vor der Stärkste ist, also einfach der Schorschbock, 57. Und da haben wir ja auch den Spruch, dass das Ende das Werk krönt. Finis Coronat opus, das heißt, das ganze Werk wird wahrscheinlich erst wertvoll, wenn man damit aufgehört hat. Das heißt nicht, dass man mich postum irgendwo ehren soll, aber es muss auch mal gut sein. Also die Suche hat ja damals ein Ende gehabt oder hätte ein Ende gehabt mit BrewDog, die gesagt haben, das ist jetzt der letzte Sud, den sie machen. Wie hieß denn der?

Markus: End of History?

Schorsch: End of History, genau. Und dann habe ich also beim London BBC Live-Interview gesagt, ain´t over till my work ist erst vorbei, wenn der Schorsch sagt, dass es vorbei ist. Und so eine gewisse Resilienz gegen Conta, das hat sich ja aufgestaut damals und dann haben wir uns also gegenseitig überboten mit noch stärkerem Delta, also Unterschieden, ich 31, die 32 mit dem Tactical Nuclear Penguin. Also diese Kriegsnomenklatur mit Sink the Bismarck! oder was, die liegt mir nicht so, deswegen spreche ich mehr von Boxkampf. Und diese Leberharten dann mit 40 % von mir haben sie also nur mit einem leichten Kinntuscher 41 gekontert. Dann kamen von mir 43 und dann haben sie also gemeint, mit so einem richtigen halben Knockout mit HM 50 können sie mich also beeindrucken und da musst du also, wie habe ich gesagt, aus dem See der Tränen wieder aufstehen, also gewisse Resilienz, und typisch Fränkisches, das macht mir doch nichts, musst du halt dann wieder aufstehen und weitermachen, Krönchen richten, Mund abputzen. Und dann kam es also zu den 57 und zu der Aussage, es ist erst vorbei, wenn ich sage und dann haben sie es eingesehen, dass also mit Dudelsack und Schottenrock nichts zu wollen ist.

Markus: Absolut, ja, also super spannend. Die Geschichte, für all die, die das vielleicht jetzt gerade nicht im Hinterkopf haben oder vielleicht noch nie davon gehört haben, es war eben ein langes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen BrewDog und Schorschbräu, wer denn das stärkste Bier der Welt macht und da ging es eben immer wieder hin und her. Vielleicht kommen wir da auch gleich noch ein bisschen dazu, weil mich auch interessieren würde, wie du persönlich in der Zeit damit umgegangen bist. Das ist ja doch nicht so einfach, wenn man da immer wieder diese, ja, Konkurrenzsituation hat mit teilweise eben auch unter der Gürtellinie Schläge von der anderen Seite, zumindest so, wie sie es vermarket haben, aber da können wir dann noch ein bisschen draufkommen. Du hast ja jetzt gerade erst oder andersrum gesagt, wir sind ja jetzt hier in einer richtigen gestandenen Brauerei, eine Halle, die du extra dafür gebaut hast. Unser letztes persönliches Treffen war noch in deiner alten Brauerei sozusagen. Vielleicht, wenn wir da noch mal kurz zurückgehen so, weil du gesagt hast, du hast am Anfang überlegt, was anderes zu machen, ab wann hast du denn für dich gedacht, nee, Bier ist so das, wo ich mein Leben drum bauen möchte?

Schorsch: Ja, es gab einen Schlüsselpunkt, das war also dieses ominöse, wir schauen mal in das Buch rein, was man studieren kann in der Gymnasiumaula. Und auf einmal, die Story ist als tatsächlich so, schreit also der Stahl-Gregor, ej, da kann man Saufen studieren. Und ich sage, wie, wo? Ja, Seite soundso. Ich blättere, blättere, Diplom-Braumeister oder Diplom-Brauwesen und Getränketechnologie in Weihenstephan und da sage ich, hej, super, da fahren wir hin. Und das hat also sehr schnell meine Pläne, ich hatte dann Sportleistungskurs und Chemie und das hat dann meine Pläne sehr schnell durchkreuzt, weil ich habe mir dann gedacht, nee, also du gehst nicht gern in die Schule, dann musst du studieren und musst dein Leben lang zurück in die Schule, das willst du nicht. Und dann kam noch die Möglichkeit zur Sportkompanie nach Sonthofen gehen zu können, da hätte ich mich aber für 12 Jahre verpflichten müssen. Und meine Obrigkeitshörigkeit ist, glaube ich, nicht sonderlich groß ausgeprägt. das hat man in dem einen Jahr Wehrdienst auch gemerkt, also ich bin an etlichen Disis und Sonstigem vorbeigerauscht, weil ich manchmal einfach lachen musste. Und, ja, hast du aber machen müssen, weil Zivildienst 18 Monate damals war, Bundeswehr 15, dann wurde das runtergemacht, aber in der Zeit war es klar, wenn du Zivi machst, brauchst du noch mal ein Jahr länger, kannst du zum Herbst erst anfangen. Und dass ich das nicht machen will, mich 12 Jahre zu verpflichten, da wäre ich jetzt schon irgendwie pensioniert oder würde die letzten 2 Jahre, ich respektiere das alles, will das nicht bewerten, aber für mich war es eben nichts. Und dann kam eben dieses Ding, dann habe ich eben gesagt, Mensch, da interessiere ich mich sowieso für Bier, ich war ja also schon immer eifriger Student der Wirtschaftswissenschaften, also ich war mehr in der Kneipe als daheim und dann noch zusätzlich mal hier ein bisschen Bier gebraut und, und, und, dann ein bisschen Praktikum gemacht, mal reingeschnuppert, also das Klassische vom Hobby zum Beruf dann. Damals natürlich nicht so ausgeprägt, da hast halt irgend so einen Einmachtopf gehabt. Da war das alles noch nicht so, dass du das ganze Brauequipment und die Hefe oder sonst was, du bist halt zu irgendeiner Brauerei gegangen und hast gesagt, hast du mal und dann hast du was gemacht. Was am Anfang auch gar nicht so fürchterlich verzehrbar war, also einmal sauer, einmal sonst was, einmal zu lang stehen lassen und so und dann fängst du halt an zu lesen, woran liegt das. Aber das ist learning by doing und das ist ja auch immer, diese Erfahrung ist auch gut gewesen für das, was ich jetzt mache oder immer noch mache, manche Sachen kannst du weder studieren noch sonst was, du kannst das Grundwissen haben und die anderen Sachen musst du dir dann erschließen beziehungsweise manche Sachen laufen genau gegen das Schulwissen. Das ist ja das Spannende, das dann rauszufinden eigentlich auch irgendwo und zu sagen, hah, da sind ein paar Schlüssellöcher, durch die muss man durch und wenn man das mit Schulwissen macht, dann geht es in die Hose.

Markus: Und einen familiären Hintergrund irgendwie im Bereich Gastronomie hast du nicht?

Schorsch: Nein, mein Vater war Schreiner, hat mir dann auch bei der Brauerei sehr geholfen. Der erste Satz war, als ich gesagt habe, ich will eine Brauerei bauen, und mein Vater war keiner der großen oder lauten Worte, dann hat er gesagt, na, jetzt spinnt er, und das war also dann schon das Maximale, was ihm da entfleucht ist, jetzt spinnt er, und in dieser ruhigen Art war das dann auch dementsprechend wirkungsvoll. Und dann habe ich gesagt, nee, ich baue eine Brauerei. Und da hat er gesagt, ah und hin und her und Sicherheit und sonst was. Also mein Vater war ja noch im Krieg und die waren ja alle auf, bauen wir ein Haus und machen wir, ne, diese Ängste oder angstbehaftete Generation. Und ich durfte halt ohne diese ganzen, natürlich nicht mit großem Reichtum gesegnet, aber mit Enthusiasmus und auch konfliktfrei aufwachsen und von dem her war ich da schon frei im Kopf und war da also nicht irgendwo negativ konditioniert und habe halt einfach gesagt, hoppla, jetzt komme ich.

Markus: Kannst du dich erinnern, als dein Vater das erste Mal ein Bier getrunken hat, das du gemacht hast, wie das war?

Schorsch: Ja, es war ja dann Eröffnung beziehungsweise vor der Eröffnung und dann haben wir also ein bisschen am Tank gezwickelt. Mein Vater war kein Biertrinker oder generell kein Alkoholtrinker und dann hat er also den wiederum fürchterlich bedeutenden Satz gesagt, naja, das kann man ihn schon machen lassen.

Markus: Mehr Lob geht eigentlich nicht, oder?

Schorsch: Ja, das waren für seine Verhältnisse schon Jubelschreie, man musste es nur richtig interpretieren. Also da habe ich einfach so ein bisschen die Ruhe von ihm, von dieser Seite und von der mütterlichen Seite so ein bisschen diese Sturheit und das Durchgehen und das kann ja nicht sein. Also auch, wenn im Zwischenzeugnis immer gestanden ist, dem Schüler wird ein Übertritt ins Berufsleben angeraten, das war eigentlich die letztendliche Motivation, dann doch noch in Latein oder in Physik einen Vierer zu schreiben oder einen Dreier zu schreiben, dass du den Vierer noch kriegst. Das war für mich immer ….

Markus:  Ging mir ein bisschen auch so, ja.

Schorsch: Der Physik-Vertretungslehrer und der sagt, nee, Herr Teuschner, von Ihnen ist nicht viel zu erwarten und dann in der Ex eine 1 mit Stern. Und das Gesicht dann zu sehen, als der Lehrer Rosenzweig mir, das vergesse ich nie, mir diese Ex rausgegeben hat und mein Blick so nach dem Motto, da hast du dich aber getäuscht.  Und er hat dann gesagt, naja, in dem Teuschner, da habe ich mich wohl ein bisschen getäuscht, der kann schon, wenn er will. Und die sich Spannung und die Motivation so ein bisschen aufrechterhalten, da kommen natürlich solche Sachen wie das Stärkste oder sonstige Sachen, Eskalationen, kommt mir natürlich zugute. Ich habe ja jetzt den Nachfolger von dem großen Eichenfass, 6.000 Liter FAT SCHORSCH, das war ja ein Crowdfunding, haben ja ganz viele mitgemacht. Und jetzt ist es belegt schon wieder mit 6 Suden, 18 Hektoliter, also wieder 6.000 Litern, mit einem Bier mit 36,5 Stammwürzen im Durchschnitt. Also, ja, sozusagen Sudhaus-Eskalation.

Markus: Sozusagen, ja. Also wir sitzen ja davor im Moment. Also auch wiederum für euch da draußen, ihr habt ja wahrscheinlich jetzt gar nicht die Vorstellung, wo wir eigentlich sitzen, wir sitzen direkt vor diesem riesengroßen Holzfass und es lächelt uns ein bisschen an, muss ich sagen, ich bin mal gespannt, ob wir vielleicht nachher mal einen Schluck davon nehmen, probieren können, wie auch immer. Vielleicht ganz kurz, weil du es gerade gesagt hast, wenn du von 36 % Stammwürze sprichst, da würden ja viele sagen, wie kriege ich sowas überhaupt geläutert? War das mal eine Herausforderung? Hast du da deine eigenen Wege gefunden oder gibt es Technologien, was sowie geht?

Schorsch: Also am Anfang hätte ich nicht so viel darüber gesprochen und hätte gesagt in typisch fränkischer Zurückhaltung, das geht dich einen Scheißdreck an, jetzt bin ich schon ein bisschen offener. Bei mir ist eigentlich alles klassisch, also da gibt es verschiedene Läutermethoden, da gibt es verschiedene Läuterbleche. Ich habe einfach einen ganz klassischen Läuterbottich und habe einfach zu meinem Sudhausbauer gesagt, mach mir die Wellen ein bisschen dicker und mach mir Dings. Mittlerweile habe ich mir so eine Art Dünnschichtverdampfung noch gebaut, damit wir beim Kochen dann ein bisschen produktschonender sind, also die Kochbelastung nicht so hoch ist, und dann kannst du mit der Auswahl der Malze und sonst was, kannst du schon viel beeinflussen. Also der sollte jetzt nicht zu weit durchgären, da sollte ja der Alkohol nicht im Vordergrund stehen. Der hat jetzt knappe 16 % Alkohol, würde ich jetzt mal schätzen. Die letzte Messung im Februar war 15,3. Da geht es aber relativ langsam, das heißt, jetzt müssen sich dann erst die alkoholtoleranten Hefen wieder durchsetzen. Wie beim Amarone ist das ein bisschen, ein Recioto Amarone oder wie das heißt, also dieses Fass, das Geheimnis. Das ist so eine Zweitgärung dann, aber ich habe von den Malzen her das Ganze so ein bisschen schon runter gepuffert mit karamellisierten Malzen, damit der Endvergärungsgrad nicht so hoch wird, weil die eine Schiene sind die sehr hochalkoholischen Biere, was ja auch ein Schutz ist, was ja auch Aromageber ist. Und mit den Jahren nach Schorschbock hier, Schorschbock da, nach Eisbock- weiß-was-ich-was, und da hat die ganze Craft-Bewegung auch viel Gutes bewirkt, habe ich also dann mit Spezialmalzen mehr und mehr gearbeitet und gesagt, beim Rubin sollen also die roten Früchte, beim Stout dieses Espresso, Kaffee und sonst was. Dann haben wir einen Sud gemacht, die Mördertinte, jetzt mit 33 % echten Röstmalzen. Also das ist Eskalation eben auf der Aroma- oder auf der Malzseite. Das war jetzt Eskalation auf der Sudhausseite und das andere ist Eskalation bei der Fermentation oder beim Eisbock. Also ich möchte eigentlich überall so ein bisschen, mit Titeln hat das jetzt auch nicht mehr viel zu tun, weil ich bewerbe auch, dass ich sage, ist das stärkste Weißbier der Welt, das stärkste Ding, liegt eigentlich nicht im Vordergrund, sondern Aromen, Erlebnis, wie ist das Ganze harmonisch eingebaut. Wenn ich weiß, ich habe eins mit 33 Dingen, dann geht also jemand, der dunkles Bier nicht mag, da gar nicht ran. Das heißt, du hast also dann diese Espresso-Kaffee-Note, diese leichte Röstsäure hast du drin, dann hast du diese wirklich dunkle Schokolade, 70 % Anteil, wo du schon in der Schokolade diese Säure hast und das findet sich dann auch im Bier. Und das ist dann das Spannende, das also so umzusetzen noch, dass es für die Leute, die es schätzen, genau richtig ist, die anderen sollen es gar nicht probieren, aber von der Möglichkeit her nicht über den Punkt ist. Also da musst du dann fürchterlich, weil, wenn du zum Beispiel so ein normales, ich spreche jetzt mal von dem Sud, wenn du ein normales Red Ale zum Beispiel hast, dann hast du so, ja, 80 bis zu 100 % leichte Rotmalze, also da hast du vielleicht so ein bisschen Melaneutin oder hast das Red X 100 %, wenn du sowas als Imperial machst, wie ich mit dem Rubin, dann hast du nur noch 50% und dann hast du sowas mit so einer Stammwürze, da musst du das wieder runterrechnen, plus x, weil du ja die Auswaschung nicht ganz so hast und mehr im Malz bleibt, also kannst du das ungefähr rausrechnen, wo kommst du dann farblich hin, geschmacklich natürlich dann auch dementsprechend. Du musst halt aufpassen, dass es nicht zu arg weg ist. Wie man zum Beispiel früher gesagt hat, mehr als 7% klassisches Melaneutin-Malz schmeckt nicht mehr, dann hast du dieses melaneutinischen, gerade in einem Bockbier, Einfluss zu stark oder in einem dunklen Bier. Und da muss man auch aufpassen, dass negative Sachen, hier ist es die Maillard-Reaktion dann auch, das Rötliche, dass du es nicht überhandnimmt, wenn du so lange kochst und sowas, da musst du auch ein bisschen runtergehen von dem eigenen Wollen und musst sagen, jetzt müssen wir aber in Drinkability auch ein bisschen gehen. Was steht im Vordergrund, der Hopfen? Nein, also gehen wir in die roten Früchte, gehen wir in die Gärung, gehen wir in die Fasslagerung, dass das harmonisch wird. Ganz spannend, also nicht die Rekordsucht, sondern was gibt es denn sonst noch? Es ist, glaube ich sogar, außer, man würde jetzt ein Woken-Bier brauen, da können wir ja auch noch was dazu dann sagen, sind es so, ja, Eskalationen, aber gebremst.

Markus: Also das heißt, wir sind ja jetzt, also das finde ich auch total spannend, weil wir immer so ein bisschen hin und her springen zwischen den Anfängen sozusagen und dem, wo wir jetzt stehen, und das ist ja auch das Spannende, dass wir eben sagen können, du bist ja jetzt an dem Punkt, wo du ganz viel schon ausprobiert hast, viel Erfahrung hast, viel Wissen hast und eben weißt, an welcher Stellschraube du beim Malz, bei der Hefe, bei allem, beim Brauprozess, bei der Maschinerie drehen musst, um eben in die Richtung zu kommen, die du willst, das wusstest du ja am Anfang so nicht. Also als du angefangen hast, hast du dir die Brauerei gebaut damals, um einfach Bier zu machen oder hattest du schon im Kopf, starkes Bier zu machen?

Schorsch: Nee.

Markus: Oder wie hat sich denn das überhaupt entwickelt, dass du irgendwann gesagt hast, ich mache Pilz und jetzt mache ich eben Eisbock?

Schorsch: Also ich habe hell und dunkel gebraut, ganz klassisch und dann später noch Weizen im Fass. Das war auch gut, weil wir hier mit dem Gutmann-Weizen natürlich den führenden Weißbier-Experten eh schon hatten. Das heißt, es war im Fass noch was zu gewinnen für die Diskothek, dass Weizen sollte trüb bleiben, es sollte gut schmecken. Ich habe dann 15% Dinkelmalz damals schon rein, ganz interessant. Und immer, wenn einer gesagt hat, ja, du hast doch das Fassweizen. Ja, sage ich und da tue ich auch 15% Dinkelmalz rein, dass das so toll und nussig und sowas. Nee, hast du auch normales Fassweizen? Sage ich, ja, habe ich ja auch und dann habe ich das Gleiche halt gebracht. Ja und das läuft gut, das läuft super und hin und her. Und irgendwann habe ich gesagt, ja, das ist das mit dem Dinkel. Wieso, ich wollte doch das nicht. Da sage ich, schenke es halt einfach aus, jetzt hast du doch gesehen, es schmeckt den Leuten. Also es war damals alles schon klassisch, aber schon immer mit dem Touch, machst du was Besonderes rein, wurde aber natürlich komplett nicht gewollt oder sonst was. Dieses Beispiel hat also zeigt, das kann so gut sein, wie es will, äh, was Dinkel oder wie auch immer.

Markus: Und es hieß damals schon Schorschbräu?

Schorsch: Genau, ja.

Markus: Und wann war das, wenn wir jahreszahlmäßig so ein bisschen denken?

Schorsch: 96.

Markus: 96, woah.

Schorsch: Also wir kommen ins 30. Jahr oder wir sind im 30. Jahr so langsam. Und, ja, nach dem Weizen und irgendwann stellst du fest, da sind so viele Brauereien, die hier ins fränkische Seenland, ins Tourismusgebiet wollen und alle unterbieten sich, weil sie alle präsent sein wollen, dass, wenn die Leute heimgehen, das dann auch zu Hause trinken, genauso, wie wir hier mit Verkaufsfläche an Supermärkten erschlagen werden, und dann musst du dir was überlegen. Und da dachte ich mir, also okay, du musst raus aus der Region, dazu musst du etwas machen, was stärker ist, also was sich länger hält, deswegen Richtung Bock und was auch höherwertig ist, deswegen auch so dann andere Flaschen und sowas, damit die Transportkosten dann immer noch bezahlbar sind und jemand in Norddeutschland Interesse an dir hat. Und dann rufe ich also einen Kumpel an in Weihenstephan, der war noch dort, der war Doktorand schon und da sage ich, du, was kann man machen und sowas und ein bisschen so die Hefe und das habe ich vor und sonst was? Ja, sagt er, 10,5 und sowas kriegst du schon und dann schreibst du halt 11 drauf, dann sind alle glücklich und dann hast du also was ganz Starkes. Na, sage ich, nee, das langt mir aber nicht. Und er sagt, also mehr schaffst du nicht. Das Ding war halt, okay, wir machen eine Wette draus. Und ich habe dann die 6 Flaschen Champagner gewonnen, die wir nie getrunken haben, Marc.

Markus: Oh, okay.

Schorsch: Und er weiß hoffentlich, ich schicke ihm dann den Link zum Podcast und dann kann er sich mal überlegen, ob er mir noch was schickt. Und ich habe ewig viele Versuche gehabt und habe mir gedacht, nee, der Marc hat doch recht. Dann hatte ich irgendwann oben im warmen Büro am alten Standort, ich war ja 20 Jahre in Oberasbach, bevor ich hier gebaut habe, also Oberasbach bei Gunzenhausen, und dann habe ich gesagt, ich habe doch da noch irgendwo und da hältst du jetzt einmal die Spindel rein. Und das war nicht besonders tief und die Spindel war plupp weg und war dann auch kaputt, weil die also runtergerauscht ist auf diesen offenen Keg-Boden und dann war die kaputt. Und ich sage, häh, wie jetzt, wer hat denn da Wasser rein oder sonst was? Habe das also zum Messen eingeschickt, das kann man ja nicht selber messen, den Alkoholgehalt, so ein Ding, das schicke ich also nach wie vor in externe Labors, auch um so eine Kontrollinstanz noch dabei zu haben, eine externe, weil du brauchst es ja auch für Behörden und, und, und, und dann sollen die das messen und wenn der sagt, das sind nur 54,3 % Alkohol, dann ist es zu wenig, dann wird es nicht abgefüllt. Naja und dann war eben 13 % Alkohol beim dunklen Ansatz.

Markus: Lagerbier, untergäriges Bier?

Schorsch: Ganz normal, also ganz normales Bier, aber eben stärker eingebraut schon und Dings und natürlich Spezialhefe. Und dann habe ich gesagt, okay, also so, damit kann man sich sehen lassen, dann heißt das Schorsch, nein, den Donnerbock, ich habe das Donnerbock genannt. Und mit Etikett, der Blitz geht also in den Sudkessel, die zwei bayerischen Löwen auf der Seite. Wobei ich immer gern Franke bin, also ich sage heute noch, wenn einer sagt, ach, Sie sind aus Bayern, dann sage ich, nee, ich bin aus Franken. Ja, aber das ist doch in Bayern. Dann sage ich, nee, das ist nicht in Bayern. Also da begehe ich tatsächlich ganz gerne Realitätsflucht und sage, nee, wir sind Franken und wir sind nicht Bayern. Nichts gegen die Bayern, aber wir sind Franken, ne, das ist nochmal am Rande. Und habe also dann so ein schönes Etikett, Donnerbock. Dann kam eine Brauerei und hat gesagt, wir haben damals die Donnerbräu gekauft, zwar zugemacht, aber du verstößt gerade gegen unser Namensrecht. Das war aber, muss man sagen, sehr freundlich, also nicht aggressiv. Und dann habe ich gesagt, na gut, dann machen wir halt alles Schorsch, Schorsch war ja sowieso meine Benutzungsmarke, nennt sich das fachlich. Nun, dann bin ich halt auf Schorsch gegangen, das war im Endeffekt sehr gut. Und den Donnerbock, den haben sie nie gemacht. Also ich hätte damals auch sagen können, ja, nutzt ihr das? Wenn sie es nicht nutzen, kann man sogar eine Löschung beantragen von den Markenrechten, aber das wusste ich alles damals noch nicht. Wollte auch keinen Stress und hab dann alles Schorsch gemacht und so ist es also nach wie vor alles Schorsch. Und das hat sich dann festgeschliffen. Manche haben gesagt, der ist ein bisschen langweilig, gerade mit diesem Wettkampf dann gegen die Schotten. He’s a little bit boring, aber er ist halt glaubwürdig, das war so ein bisschen meins, nicht die Ultra-Stories und die witzigsten und sonst was-Videos, sondern der macht nichts anderes, der ist glaubwürdig und somit konnte ich auch meine Sachen am Markt platzieren, weil also garantiert war, dass ich nicht irgendwelche Destillate dazu mische oder sonst was fake. Die meisten Sachen, bis auf das Kirschbier, sind auch nach dem Reinheitsgebot gebraut. Das ist ja eine Diskussion und ich sage immer, Leute, macht eine Kann-Verordnung draus und keine Muss. In Bayern ist es ja immer noch Muss. Das ist ein bisschen albern, weil eigentlich überall auf der ganzen Welt, auch in Deutschland, egal welches Bundesland, wird das mittlerweile anders gehandhabt. Und dann, wenn man nicht aufpasst und jemand klagt einmal tatsächlich dagegen, wird dieses ganze vorläufige Biergesetz, muss man das ja streichen, und das wäre dann schade um den Dings. Und das umzuwandeln in ein schönes und tolles und auch authentisches Marketinginstrument, das wäre die Aufgabe eines modernen bayerischen Brauerbundes oder deutschen Brauerbundes, aber da traut sich niemand ran und jeder weiß aber, auf welch tönernen Füßen das alles leider steht. Also da, Bewahrer des Reinheitsgebots, die sich nicht bewegen wollen, sind eigentlich genau das, was sie den anderen Craftlern, die manchmal ein bisschen übers Ziel hinausschießen, vorwerfen. Die sind eigentlich die Totengräber des Reinheitsgebots, weil wenn wirklich mal jemand dagegen vorgeht. Jetzt haben wir bei Hasseröder da eben, dass sie mit Mais dieses Maisbier machen, dann kommt die nächste große Industriebrauerei aus Bayern, sagt, hier, Benachteiligung, wir machen das auch und dann ist es rum. Und dann gibt es vielleicht einen Prozess, dann wird es gestrichen und dann stehen wir also tatsächlich ohne tolle Identifikation da und das ist eigentlich die Gefahr, die ich irgendwo sehe. Ich habe immer gesagt, ich verstoße nicht dagegen, um keinen oder ich konnte dann, ja, Bockbier ohne weitere Bezeichnung, ist untergärig. Und ich habe also meine Hefewirtschaft, dann gab es also einen Prozess und Feststellungsklagen und Sonstiges und ich habe das immer gewonnen und habe aber gesagt, von mir aus öffne ich diese Büchse der Pandora nicht und ich würde es auch nicht aktiv anstoßen wollen, weil es tatsächlich so ist, dass das Reinheitsgebot eigentlich sehr gefährdet ist, aber eben durch die scheinbaren Bewahrer und nicht durch die Neuen, Frischen, die eigentlich einmal kreativ sein wollen. Das ist so ein bisschen gerade die Spannung, die hier ein bisschen im Raum steht und wenn sie noch ein bisschen hinmachen, sehe ich die Gefahr, ich habe schon mehr gesehen, auch bei Craft, habe ich immer gesagt, wo war das Craft-Beer? Ich habe den Meininger auch immer geschrieben, wo geht das alles hin? Und genauso kam es dann, dass die Sachen nicht mehr die wirklichen Craftbeer-Fans angezogen haben, weil die falschen Themen gesetzt wurden, dass es die Zeitschriften nicht mehr gibt, weil die zu stark von der Industrie. Natürlich muss man Umsätze haben, natürlich ist es wichtig, dass auch die anderen dabei sind, die können den Prozess ja auch befruchten, Bitburger, Kraftwerk oder sonst was. Wenn du die nicht hast, dann kommt das ja im Handel oder auch in der Gastronomie nie an von ein paar Verrückte, aber dann muss es doch halt irgendwo so ein bisschen authentisch bleiben. Und da hat man oft überzogen, auch die Etikettenbiere, die irgendwo produziert sind und dann nur irgendwas draufsteht. Und dieses overdoing übers Ziel hinaus sehen wir jetzt, dass Craft so ein bisschen Probleme hat und das wird beim Reinheitsgebot ähnlich kommen, dass irgendwann einmal abgeschafft wird. Was mir natürlich, ich nutze das ja auch als Marketinginstrument fürs Ausland, ich bin dann auch gerne Bavarian Brewery, weil die halt nichts anderes kennen, aber dann musst du dich damit auseinandersetzen, dass man dann mühsam auf die Suche nach einer neuen Regelung gehen muss, die man jetzt, wenn man sie reformieren würde, eben eigentlich schon hat.

Markus: Ich glaube überhaupt, dass viele Brauereien einfach anfangen müssen, umzudenken, was ihr Sortiment, was ihre Grundhaltung zu vielen Dingen angeht. Aber gut, da kommen wir sehr ins Bier-Philosophieren. Vielleicht nochmal zurück zu dir ganz konkret, du hast ja dann mit den stärkeren Bieren angefangen. Gab es da einen Zeitpunkt, wo du gesagt hast, ich höre mit dem hellen und dunklen und Weißbier auf oder hat sich das so durchgeschliffen bis zu einem gewissen Zeitpunkt? Und wann hast du den Hebel sozusagen umgelegt und gesagt, okay, jetzt lege ich los?

Schorsch: 2001 habe ich das erste Mal, war die Schröder-Wahl und dann haben sie also zu Schröder und Ding, hat man dann gesagt, da war ich bei Harald Schmidt dann, zu Ehren von Dieter Bohlen, da haben sie bei dem eingebrochen und seine Schrotflinte, haben wir heute einen Donnerbock. Also da hat der Antrag das dann so ein bisschen aufgegriffen, das war so nach der WM und dann haben sie gesagt, sie machen die Bierthemen ein bisschen weiter. Also bei Potenzpillenwerbung von irgendeinem Schauspieler gab es dann schlappes Sepplbier und sowas. Und dann eben auch Bohlen und seine Schrotflinte Donnerbock, 2001, glaube ich, war das so ein bisschen. Und bis 2004 habe ich dann normales Bier gemacht und dann kam also zunehmend, dass du auf der einen Seite Geld verdient hast und was verkaufen konntest, auf der anderen Seite immer weniger und immer komplizierter. Und dann habe ich dann 2004 gesagt, okay, ich mache den Schnitt, ich produziere nur noch diese starken Biere und gehe also weg von normalem Bier, habe dann meinen letzten Liter Hell verkauft und dann war Schluss. Der Stammtisch hat schon immer ein bisschen mitgesüffelt bei Eisböcken oder sonst was, das waren manchmal so ein bisschen Herausforderungen. Auch ganz interessant, einen Saphir, einen 30 %-iger Eisbock mit Saphir-Stopfen muss nicht immer das Beste sein. Das wird scharf ohne Ende, weil du einfach diese Schafe, das verstärkt sich, also das sollst du nicht glauben. Ich habe relativ kurze Kontaktzeiten gehabt und sehr kalt auch, um da nicht irgendwelche Geister hochzuheben. Und auch wenn du den Eisbock dann weiterverarbeitest mit zu viel Hopfung, ist die Frage. Das Interessante beim Eisbock ist, du kannst sehr schön steuern auch, du frierst nicht nur runter, sondern du kannst sagen, ich fördere zum Beispiel Farbbildung, ich friere runter und gehe dann mit der Temperatur wieder ein bisschen zurück und dann diese Farbpartikel, die ja im Bier sind, die gehen dann wieder in Lösungen mit, die drauf auf dem Kristall sind und gehen dann wieder runter. Du kannst ein Bier immer dunkler frieren, du kannst aber auch ein Bier zu so einen goldenen, hellen frieren, das ist dann praktisch wie Goldfarben, leicht opal und sowas. Also es schaut ganz interessant aus und du denkst dir ja, wo ist denn die Farbe hin, das geht also ratzi fatzi. Und dann kannst du da viel steuern und du kannst bei den Geschmäckern schon steuern, wenn du einen Negativfaktor, der durchs Frieren sich verstärkt, nicht rauskippt, frieren, ausfrieren ist ja auch ein reinigender Prozess. Icerifing, also Eisreifung ist nicht nur, du kannst höhere Alkohole, du kannst sowas loswerden auch zum Beispiel, du kannst Ester loswerden, du kannst auch zum Beispiel Bittere, kannst du fördern, dann kriegst du einen Eisbock, den kannst du nicht mehr saufen, weil der so bitter wird und so rasch, oder du kannst einen Eisbock dazu benutzen, um das zu harmonisieren. Also da hast du fürchterlich viele, wenn man dann die Erfahrung dann hat. Oder du sagst, ich mache jetzt einfach wie alle, mache ich eine Kalthopfung und dann wird das also dermaßen scharf, dass du sagst, sowas mache ich nie wieder und die nächsten 5 Jahre von Kalthopfung die Finger lässt. Aber bei mir ist es auch so, das muss ja in 10 Jahren noch schmecken. Wir haben ja keine Haltbarkeit mehr drauf. Das heißt, mittlerweile schreiben wir auch auf das Etikett so ein bisschen drauf, über die Jahre verändert sich das Ding. Der Techniker in mir muss ja auch ein bisschen dazulernen. Wir sind schon lang weg von eiskalt genießen, da sind auch noch Etiketten unterwegs. Das ist natürlich für einen starken Bock das Schlimmste, was du machen kannst. Aber jetzt ist ja die Kundschaft so weit, dass sie sagt, wir wissen genau, dass sich ein Bier über die Jahre verändert, wie beim Wein. Und wir wissen auch, dass man die Aromen rausschmeckt, wenn es wärmer ist. Das war ja zu den Zeiten, wo ich jetzt rede, vor 10, 15 Jahren war das ja, oder fast schon 20 Jahren, muss man ja sagen, war das ja alles noch nicht so. Keine Haltbarkeit mehr draufschreiben, wenn du irgendeinen Händler hast, der nach X Jahren kommt und sagt, das schmeckt nicht mehr oder sowas. Deswegen lässt du erst mal die Finger von diesen Aromaölen im Hopfen. Beim Blond zum Beispiel habe ich es dann gemacht mit tatsächlich Hallertauer Blond, also diese weißweinige Note mit einer zusätzlichen Sektgärung, weißweinige Note und sowas, da habe ich also diese Frische, diese Säure gefördert wie beim Weißwein. Und da habe ich gesagt, okay, mit Restzucker dementsprechend im Körper, also ein bisschen Cara dazu, damit auch irgendwas den Sauerstoff, den du zwangsläufig mit reinbringst, aufnimmt. Und der hat sich jetzt über die Jahre, es sind noch ein paar Flaschen da, eher verbessert als verschlechtert. Und mein Großes ist immer dieses von früher, diese Käsefüße, wenn sowas dann rumoxidiert, dann kriegst du halt Käsefüße und mit der Erfahrung oder mit den Jahren sagst du, nee, also auch in einem langgereiften Bier bleibt es meistens positiv.

Markus: Da hört man jetzt auch raus, wie viel eben Erfahrungen du damit schon gesammelt hast. Das bedeutet ja auch, also man macht ja bestimmt nicht am Anfang alles immer richtig, dass da schon auch viel Lehrgeld ist, was man da an der Zeit bezahlt. Und vor allem in einer Flasche von deinem Bier stecken ja viele Liter von klassischem Bier, sage ich mal, oder zumindest die Rohstoffe. Wie war das denn am Anfang so, oder wie hast du das entwickelt?

Schorsch: Wenn eine Schorschbräubrauerei ein Raw Ale macht oder ein Raw Beer, dann macht er das nicht im kleinen Topf, sondern dann macht er das mit einer dreiviertel Tonne Schüttung, wie alles andere. Also die Erfahrung war halt, wenn der Schorsch was ausprobiert, dann macht er es gleich großtechnisch. Das heißt, wenn der Schorsch ein Raw Ale macht, dann macht er auch ein Raw Ale und zwar nicht, dass er die Würze halt einfach nicht kocht, unter 80 Grad hält, damit die Schwefelstoffe nicht so rauskommen, sondern der kocht das Ganze auch nicht, aber er lässt es auch nicht über den Läuterbottich, das heißt die ganze Maische wurde vergoren, komplett, Spelzen, alles dabei. Überwiegend Weizenmalz, überwiegend Dinkel, ist natürlich fürchterlich in die Hose gegangen. Also dadurch, dass du es nicht richtig runterkühlen kannst, weil du mit der dicken Suppe natürlich nicht über irgendwelche Kühlungen gehen kannst, stand es schon warm, dann mit der Vergärung und, und, und, dann kriegte ich also Würzebakterien rein, die kriegst du auch nicht mehr raus und dann hast du nach 5 Tagen auch gesagt, ich kann es nicht mehr riechen, ich gebe es also auf die Wiese. Das hat der Wiese auch nicht gutgetan. Aber das sind so Erfahrungen, da sagst du einfach, hej, learning by doing, ja, aber du musst schon noch die technischen Grundlagen beachten. Also was man nicht tun kann, ist so eine dicke Suppe, die ja durch die Gärung dann noch mal zusätzlich Gärungstemperaturen, also Arbeitsenergie entwickelt, das kannst du nicht einfach so stehen lassen und sagen, naja, das sind jetzt zweimal 500 Liter und diese 500 Liter, die geben dann die Energie ab. In einem großen 2000-Liter-Tank funktioniert das ja auch, wieso soll das bei 500 Liter nicht funktionieren? Weil das Ding so dick ist und so suppig, dass es sich selber isoliert und dann kriegst du Temperaturen und dann kriegst du natürlich Dinger und da denkst du dir, schnell weg, wenn es keiner sieht und vorher vielleicht auf die Wiese kippen, nicht, dass irgendwann einmal die Leute vom Ding anrufen und sagen, ej, was hast du uns da in die Kanalisation gekippt? Das sind so Sachen, das ist aber dann mehr Übermut, aber bevor es beim Kunden natürlich ankommt, da muss man dann auch mal die Reißleine ziehen und sagen, nein, zu experimental. Es muss schon das rauskommen, was ich vorher wollte. Wenn ich zu weit von dem weg bin, auch wie bei der Fassbelegung jetzt bei den 6.000 Litern, das Fass ist aus Schweden aus einer Brauerei, da war Sauerbier drin. Die Jahre von 2005 bis, weiß ich nicht, 2017, glaube ich, war es Rotwein, den hast du also an dem Produkt noch deutlich gemerkt und du musst das Sauerbier, die Mikrobiologie im Fass und, und, und, soweit unter Kontrolle kriegen, dass du sagst, da ist jetzt nur noch ein leichter, gewünschter Touch von diesem Einfluss und es dauert natürlich Wochen, bis du diese Säure aus dem Holz rauskriegst und dann musst du es ja noch reinigen und, und, und. Und wenn das zu weit von dem weg ist, was ich mir vorstelle, dann wäre das Experiment gescheitert, weil ich keinen Cuvée, Barrique, FAT SCHORSCH irgendwo anfangen will und dann sagen will, eigentlich wollte ich ja ein Sauerbier machen. Also ich bin einer, der von vornherein auch seine Sachen so kommuniziert, dass man dann nicht sagen kann, naja, wenn es wieder mal mit der Fassreifung nichts geworden ist, dann verkaufen wir es halt als Sauerbier oder so, das ist nicht so meine Welt, dann muss es halt eher Canale Grande. Viel ist mir nicht passiert, aber doch einige Sachen, wo ich gesagt habe, nee. Beim Eisbock auch, dass du sagst, boah, das ist ja so eine dicke Suppe. Das ist ja oftmals die Gefahr beim Eisbock, dass man so eine zuckrige Suppe irgendwie zusammenkriegt, deswegen habe ich ja so hochvergorene Biere auch. Und dann hast du hinterher irgendwo, wo du denkst, da hast du schon die Zuckerkristalle auf der Zunge, das ist ja auch nicht unbedingt mehr ein riesen Genuss, sondern das ist nur noch was für einen Arzt und Diabetes-Medikamente, so nach dem Motto. Es soll irgendwo alles im Gleichgewicht bleiben, also auch, wenn du einen Rekord schaffst. Ich habe immer gesagt, wenn ich schnell vergärbaren Zucker nehmen müsste, um den Alkohol schon vor den Eisbock, um die Vergärungsgrade hochzutreiben, dann würde ich es lassen. Das war auch immer die Aussage, wann ist deine Rekordsuche zu Ende, in dem Moment, wo ich mich selber in der Technik nicht mehr wohlfühle und für mich sage, naja, das ist jetzt irgendwie kein Bier mehr. Steuertechnisch ist es übrigens ganz interessant, da sagt dir der Zoll, wann das noch Bier ist oder nicht. Der Zoll teilt es endgültig ein, steuerrechtlich und wenn der Zoll sagt, das ist zwar alles so hergestellt wie Bier, aber das schmeckt nicht mehr nach Bier, dann sagt der Zoll, dass das ein Destillat ist und dann zahlst du Destillatsteuer, also dann zahlst du Brandweinsteuer zum Beispiel.

Markus: Echt?

Schorsch: Ja, ganz interessant, oder Zwischenerzeugnissteuer oder wie auch immer, aber es ist dann kein Bier mehr, also auch keine Biersteuer. Ich habe ein Gutachten über vielleicht 10 Seiten, dass das alles Bier ist, steuertechnisch, weil sonst dürftest ich es ja auch nicht als Bier in die ganze Welt verkaufen, bräuchte ich ein anderes Steuerlager.

Markus: Apropos die ganze Welt, wann ging das denn los, also dass du gesagt hast, okay, jetzt gibt es dich auch in China zum Beispiel oder so?

Schorsch: Boah.

Markus: Ungefähr.

Schorsch: Also ich kann mich an eine Geschichte erinnern, da haben wir gerade einen chinesischen Importeur bekommen und da ist ein Kumpel von mir 40 geworden und auf dessen Geburtstag kam dann das Ding auf, ja, der verkauft ja mehr Bier woanders hin, als dass er zu mir vorbeikommt und normales Bier wieder braut. Der hatte eine Kneipe und daneben steht also ein besoffener Kumpel, der für Audi in China war und sagt, das stimmt, aber schau mal da, weil da ist er in Beijing, im Flughafensender steht Schorschbräu. Großes Gelächter natürlich, also das ist jetzt schon 15 Jahre so was her, 14 Jahre, ja.

Markus: Also das hast du gar nicht so mitbekommen am Anfang, wohin dein Bier verkauft wird?

Schorsch: Doch, natürlich, weil ich mir ja die Importeure, das musst du ja direkt machen, dann musst du dich mit Zolldokumenten auseinandersetzen, also das heißt so eine gewisse Burn-Out-Phase, bis man da durchsteigt und, und, und, also das konntest du schon alles nachvollziehen.

Markus: Und die haben sich bei dir gemeldet sozusagen?

Schorsch: Teilweise, teilweise. Also ein Getränkehändler meldet sich nie bei dir, der hat jemanden, der sagt, da könnte jemand Interesse haben, aber der würde nie selber kommen, weil dann hat er Angst, dass er die schlechteste Einkaufsliste. Das ist auch so ein bisschen mein Problem, ich bin ein relativ guter Techniker mittlerweile, mir passieren kaum Fehler oder wenig Fehler, sagen wir mal so, ich habe alles gemacht, ich habe alle Rekorde gemacht, nur ich bin kein toller Verkäufer, deswegen hakt die ganze Geschichte. Natürlich jetzt, Craft dreht sich, du hast in Deutschland, international ist es auch nicht so toll, in China vor allem. Mein größter Kunde sitzt in Vietnam, zum Beispiel. Jetzt möchte ich ein bisschen nach USA kommen, erst einmal mit dem stärksten Bier der Welt, um da ein bisschen Fuß zu fassen. Aber es läuft dir im Moment wirklich niemand mehr hinterher und sagt, kann ich dein Bier haben. Also das heißt, jetzt fehlt so ein bisschen der Verkäufer in mir, aber du kannst nicht alles können. Deswegen bräuchte ich eigentlich jetzt da zusätzlichen Input oder jemand, der mal sagt, wer sich angesprochen fühlt, weltweiter Vertrieb, ich kann sowas, ich habe sowas vielleicht schon mal gemacht und kann diese Strukturen für den Schorsch aufbauen so, dass er das dann machen kann oder jemand dauerhaft damit auch Geld verdienen kann, wenn er sowas übernimmt, also da, Schorschbräu, da fehlen mir so ein bisschen die Skills, würde man neudeutsch sagen, deswegen sprechen wir ja jetzt bei mir in der Brauerei vor dem alten Tisch und nicht auf meiner Yacht.

Markus: Ja, was aber okay ist, absolut. Und vielleicht hört ja der eine oder andere oder die eine oder andere zu, die sich da berufen fühlt, dann können die sich sicherlich bei dir melden und dich unterstützen. Jetzt, wo du gerade noch mal gesagt hast, stärkstes Bier der Welt, da gab es ja dann diese BrewDog-Geschichte, die du am Anfang schon erwähnt hast, vielleicht können wir da noch mal ganz kurz so an den Anfang springen. Wann hast du denn Wind davon bekommen, also haben die sich direkt an dich gewendet oder war das gleich in der Öffentlichkeit mit diesen Videos oder so und wie ist es denn jetzt am Ende? Also ihr habt ja dann diesen Collaboration-Sud gemacht und jetzt machst du aber wieder alleine, wie ist das so der Stand, vielleicht so.

Schorsch: Naja, angefangen hat es ja, dass ich ja das stärkste Lagerbier der Welt hatte, 16 % Alkohol und dann kam also, war mal im Fernsehen, Jumbo auf der Suche nach dem stärksten Bier der Welt und, und, und. Und auf einmal ruft VOX, der Sender an und sagt, sie würden gerne einen Vergleich drehen, Schorschbräu gegen das stärkste Bier der Welt. Da sage ich, ja, ich habe das stärkste Lagerbier der Welt, was gibt es denn noch? Und ich habe immer Eisbock, ja, Franken, Kulmbach und, und, und, ja, Eisbock gab es und wusste ich auch, aber Eisbock war für mich irgendwie nie auf dem Schirm. Und dann sagen die, ja, da gibt es einen in Berlin, den Thorsten Schoppe und der macht was mit 27 irgendwas, der hat wohl was bei Mühlfeld Bräu geschlagen mit 26 irgendwas oder sowas. Ach, sage ich, ganz interessant, aber das ist mit Sicherheit kein normal gebrautes Bier mehr, sie sollen doch mal recherchieren. Ja, das wäre ein Eisbock. Dann sage ich, dann können wir aber keine Sendung drehen, weil ich kann nicht mit dem schnellsten Fahrrad der Welt gegen ein Motorrad, das geht nicht. Das ist nicht, dass ich sage, getuned oder sonst was, sondern das ist eine ganz andere Geschichte. Das haben sie dann auch eingesehen, dass man da keinen Vergleich drehen kann. Und dann kam also so die Überlegung hoch, was kommt denn raus, also da war ja nie von vornherein irgendein Wettkampf, sondern was kommt denn raus, wenn ich auf mein Bier die Eisbock-Methode mal einfach draufsetze. Und dann waren es also 31, damit das stärkste Bier der Welt und dann ging also, kamen die Schotten dazu und haben sich da reingedingst und dann ging die Eskalation eben los. 15 Jahre, 16 Jahre, glaube ich, habe ich jetzt den Titel, bilde ich mir ein, das war, glaube ich, 2011 oder so. Seitdem tut sich nichts mehr, beziehungsweise ich habe ja dann die ersten paar Jahre, haben wir uns noch hochgeschaukelt und seitdem habe ich also den Titel „Stärkstes Bier der Welt“ und dann war diese Gemeinschaftssache und jetzt geht halt jeder seiner Wege. Ich denke, für die war es ganz gut, mit ihrem Guerilla-Marketing da noch mal einen draufzusetzen und den Schorsch ein bisschen durch den Kakao zu ziehen. Im Nachhinein sage ich, okay, witzig. Ich habe dann auch natürlich stiller als die davon profitiert, aber ich war halt immer der boring und der macht halt nur Schorschbock soundso und Schorschbock soundso und macht halt einfach dann irgendwann, so nach dem Motto, macht euch um den Schorsch keine Sorgen, je weniger ihr von ihm hört, umso mehr steht er irgendwo und tüftelt und macht, der hört nicht auf. Also da hat sich ja Franken, Bayern und Sämtliches solidarisiert, auch mit üblen Auswüchsen, wie, da sind 3.000 Leute auf der Bismarck umgekommen, wie ich denn und ich müsste doch. Da sage ich, Leute, das ist alles nicht mein Thema. Und als Deutscher solltest du dich auch da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und diese ganzen Kriegsnomenklaturen, habe ich gesagt, das will ich nicht. Das darf ein Engländer, das darf er traditionell, das darf er, weil er einfach so ist, aber das Stöckchen, das mir da auch hingeschmissen wurde, muss man natürlich auch so sagen, über das darfst du natürlich nicht drüberhupfen, sonst können sie dich vielleicht auch berechtigterweise zerrupfen. Und ich wollte also, egal wo, habe ich immer gesagt, Leute, wenn ihr euch mit mir über Bier unterhalten wollt, ganz gerne, aber sobald eine Note von Kriegsnomenklatur, Revanchismus oder sonst was dazu kommt, dann bin ich so schnell weg. Und dann kam also VOX, wollte dann noch mal drehen und wir brauchen doch eine deutsche Fahne und Sonstiges. Sage ich, nee und dann habe ich auch gesagt, nee, ich drehe mit euch nicht, weil ich weiß nicht, was ihr im Schneiderahmen aus mir macht. Macht ihr den German Kraut-Boy oder sonst was, sage ich, will ich nicht, habe ich dann auch abgelehnt. Der Einzige, weil man das als Boxkampf so ein bisschen aufgebaut hat, das war dann der Christoph Süß vom BR. Dem habe ich also tatsächlich zugetraut, dass er nichts Böses aus mir machen will und dann haben wir das so auf Boxkampf und der Leberhaken und die nächste Runde und so. Das war dann ganz witzig, da habe ich mich dann auch zu einer fränkischen Fahne überreden lassen, weil ich also wusste, dass der Christoph Süß mich da nicht zum V3-Bockbräu oder sonst was.

Markus: Und das ehrt dich auch, muss ich sagen, weil die Versuchung ist natürlich naheliegend und damals eben hat man auch versucht, das in die Richtung zu drehen. Vielleicht nur ganz kurz, wie kam es dann zu diesem Collab-Finale, sagen wir mal, war das pandemiebedingt oder hattet ihr das eh vor?

Schorsch: Ja, das hat schon ein bisschen sowas. Aber noch ein bisschen was zu meiner Philosophie, also ich möchte mit solchen Geschichten, Nummer eins, kein Geld verdienen, also so à la Hitlerwein in Italien oder sonst was. Und auch von den Etiketten her, von der Bewerbung her, dass ich sage, ich möchte den Biertrinker ansprechen, der jetzt irgendwas Gehobenes will, der eine neue Erfahrung machen will und ich will aber nicht den schnellen Verkauf, dass ich sage, eine Literflasche mit 13% und eine Maß Riesenrausch oder so. Das war immer so die Vorstellung von mir, wie man auch verkaufen kann, was ich aber nie wollte, um eben den Alkoholkonsum oder wie der Volker Quante sagen würde, Ergebnistrinken in den Vordergrund zu stellen, sondern den Genuss. Und das muss man für sich schon einhalten wollen, weil die Versuchungen sind natürlich groß, dass du dann sagst, nee, es läuft nicht so, dann machen wir halt mal ein bisschen auf Megabock, Rauschbock, Riesenrausch und sowas. Ist ja in der heutigen Zeit noch weniger angebracht, aber zu der Zeit, auch damals schon, habe ich für mich gesagt, das will ich also nicht. Auch im Umgang mit anderen Brauereien, auch im Umgang mit der Bewerbung, dass man eben schon so sensibel bleibt, dass man mit seinen starken Bieren gar nicht in die Richtung gedrückt werden kann. Also eine hat einmal gesagt, wie ich das machen kann, sage ich, solange es eine 1-Liter-Flasche Wodka für 5 Euro, ich übertreibe jetzt vielleicht ein bisschen, im Penny-Markt gibt, braucht sie mir nicht vorwerfen oder sonst was, weil mein Alkohol ist mit Sicherheit der teuerste auf dem Markt und soll ja eine Genussgeschichte sein, von den Einheiten, von den Flaschengrößen, von den Dings her. Natürlich gibt es die 3-Liter-Flasche jetzt FAT SCHORSCH, aber das ist ja wirklich nur für die Bierspezialisten und nicht, dass sich da 3 Mann hinhocken und sich dann zusödeln oder sonst was, das will ich auch gar nicht. Es gab Versuchungen, oder wenn einige sagen, sie brauen billig in der 500-Milliliter-Dose für irgendeinen afrikanischen Markt, dann geht es eigentlich nur darum, weil die muslimisch, teilmuslimisch sind, keine Destillate, aber ansonsten muss das knallen und da müssen die Leute, also dann sozusagen die Süchtigen befriedigt werden oder was. Will ich nicht, ist nicht meine Welt, nein. Und da muss man also oder hat man Haltung oder hat sie nicht. Und da sehe ich auch die Aufgabe, ich weise auch immer wieder auf die Gefahren von Alkohol hin. Jetzt habe ich mich selbst sozusagen mit einem wichtigen Thema, wie sagt man, die Überleitung gebracht, also mir ist immer wichtig, dass die Leute, egal welchen Alters, vernünftig mit Alkohol umgehen. Alkohol ist ein Gift, Alkohol ist suchtauslösend. Und da habe ich so ein paar Sachen, die ich immer wieder, früher hatte ich viel Brauereibesichtigungen und wenn dann die Jungen von der Feuerwehr XY oder was da waren, habe ich das auch immer erzählt, du kannst über Leberdoping und sonst was sprechen, vorglühen, damit du abends die Leber schon, aber du musst auch den anderen Teil beachten und das heißt, du musst den Leuten so ein kleines Rezept oder so ein kleines Ding an die Hand geben. Also ich trinke zum Beispiel nie allein, ich habe Bier daheim, aber wenn kein Gast da ist oder sonst was, nicht einmal abends zur Brotzeit. Das hört sich jetzt für einen Braumeister doof an, ist aber so und ist einmal eine ganz große Ausnahme, dass ich einmal so einen Durst habe, dass ich sage, jetzt trinke ich noch ein Bier. Und dann sagt meine Frau am nächsten Tag, wer war denn da noch, weil da eine Flasche oder zwei stehen? Das ist also äußerst selten. Also ich trinke nicht allein, ich bin auf Gesellschaft auch konditioniert, geprägt, von der Kneipe her. Ich trinke nie aus Frust, weil dann kommst du ja in diese Kompensationsspirale rein und ich trinke nicht unter der Woche. Also das heißt, es gibt mehr als genug Leute, die sagen, der Schorsch, der übertreibt es doch, jetzt wieder an der Kirchweih, also da bin ich schon mal so, dass ich auch auf Ergebnistrinken gehe, aber dann gibt es am nächsten Tag schon mal kein Bier, am übernächsten nicht, und, und, und. Außer es ginge dann noch auf die Wiesen oder sonst wo hin, dass du einfach mal so ein paar so aneinanderhängende Sachen hast, aber dann wieder mindestens 1 oder 2 Wochen mal dazwischen, also eigentlich ist es dann bis zum nächsten Wochenende. Wenn es am Stammtisch schon mal 10 Bier sind, dann sind es mal 10 Bier und der Verdauungsschnaps, weil das Schäufele ist ja halt immer so fett, aber dann muss wieder Ruhe sein und diese Auszeiten, dieses Trinken als positive Geschichte einzubauen. Und jetzt kommt was, was ein bisschen schwierig zu verstehen ist, aber dem Alkohol keine eigene Position geben. Der Alkohol hat eine Aufgabe, da wird er ganz klar hin verwiesen, darf mich auch mal aus der Realität rausziehen, also so eine kleine Eskapismus-Sache, ich darf mich auch lustiger machen, als ich eigentlich bin, aber nicht ständig. Dahin, wie so ein Dog oder so ein Ding, den man rausholt und dann aber wieder absperrt. Und das ist das Wichtige, dass man sagt, genauso, wie ich allen anderen Sachen auch eine Aufgabe zuweise, genau definierte Aufgaben bekommt er und nicht mehr. Und die kleinen Ausnahmen, das kleine Nachgeben über die lange Zeit, über die Jahre, das führt dann in die Sucht. Das heißt, ich kann auch nicht hergehen und sagen, ach, ohne mein Sektchen, ich beim Möbelkaufen, die Mädels da, Prösterchen, ach, ohne mein Sektchen, da bin ich in der Früh ganz dingig. Ja, freilich. Das hat aber nichts mit dem Blutzucker zu tun, sondern weil du sonst gar nicht mehr in die Gänge kommst. Und diese Gewöhnungen, diese Eingewöhnungen, dieses Zulassen auch, nichts. Ich habe als Brauer so viel gesoffen und dann irgendwann konnte ich nicht mehr schlafen, da haben die Füße so gezogen, weil ich trainiert noch habe, und dann denke ich mit, irgendwas stimmt doch nicht. So, jetzt trinke ich mal ein kleines Bier und wenn ich dann schlafen kann, dann muss ich mir Gedanken machen. Ich habe geschlafen wie ein kleines Kind und dann wusste ich, aha, das ist nicht Füße ziehen wegen Sport zu viel oder sonst was, sondern das ist Muskelschmerzen, weil da schon ein Entzug da war. Und den Sachen, wenn man halt nachgibt oder aus Bequemlichkeit nicht mehr wieder dagegen geht, das ist dann der Weg in die Sucht. Also Spaß haben. Warum sage ich das? Mir hilft jemand auch betriebswirtschaftlich, das ist ja jetzt nicht, dass ich sage, ich bin ja der Gutmensch, ich bin ja der heilige Schorsch, der alle nur vom Alkohol abhalten will, sondern mir ist einer, der 60 Jahre lang Alkohol trinkt in Maßen lieber, als einer, der 5 Jahre exzessiv trinkt und dann den Rest seines Lebens rumläuft und sagt, ich darf nicht mehr oder in irgendeiner Entzugsklinik vor sich hinvegetiert. Das heißt, der vernünftige Umgang, halbwegs vernünftige Umgang, sage ich jetzt einmal, ist eigentlich auch für die Brauer das Bessere, weil wir dann die Kundschaft auch länger haben und auch nicht in diese ewigen Alkoholdiskussionen kommen würden.

Markus: Wo wir gerade dabei sind, kannst du dir ein alkoholfreies Schorschbräu vorstellen?

Schorsch: Kann ich mir ein alkoholfreies Schorsch vorstellen? Du bist gut. Mittlerweile ja. Warum? Die Urbrauerei des Bockbieres, Einbecker hat jetzt ein alkoholfreies Bier aus einem Doppelbock gemacht oder aus einem normalen Bock, ich weiß gar nicht, ich glaube sogar aus einem Doppelbock, um eben die Aromen, die du durch diese lange intensive Gärung hast, zu pushen und einfach den Faktor Alkohol, der die Aromatik ja eigentlich hebt, rauszukriegen und dass das nicht flach wird. Jetzt muss man natürlich sagen, ist das aber in einem gewissen Maß an Alkohol, Aromen und sonst was möglich, aber nicht sinnvoll. Also da gibt es mit Sicherheit andere Brauereien, wo man sagt, da haben wir jetzt ein Bockbier, diese Aromatik, da kann man mit Malzen so viel spielen, dass man diesen Alkohol gar nicht braucht, um einfach das Aroma darzustellen, um diese Würzearomen, um dann dieses Flache zu maskieren. Aber dazu braucht es keinen Schorschbrocken, passt nicht, das ist zu weit weg. Wenn man dieses, wie gesagt, ausnutzt und sagt, ich habe Bockbier entalkoholisiert den, habe dann natürlich einen unheimlich schönen Körper, Zuckerkörper, der mich da unterstützt, habe die Aromatik aus der Gärung, worum es ja geht, habe die Aromatik aus den anderen Malzen, dann ja, bis zum normalen Bock oder auch bis zum Doppelbock gehe ich mit, aber für mich würde ich es Mangel Sinnhaftigkeit ausschließen, dann brauche ich den Aufwand nicht machen.

Markus: Eben. Also weil das Einbeckerbier, muss ich sagen, es war wirklich oder ist gut. Weil, ich habe mich auch gefragt, geht das, kann man das machen und wo ist da noch die Grenze. Aber man schmeckt tatsächlich, dass es mal ein Bockbier war und das fand ich wirklich toll. Beim Eisbock ist natürlich die Frage, wenn du erst mal ewig viel Energie verwendest, um das Wasser wegzubringen, dann noch mal ewig viel Energie zu verwenden, um den Alkohol wegzubringen, dann bleibt am Schluss nichts mehr übrig.

Schorsch: Ich sage ja, das muss schon sinnhaft sein irgendwo. Ich kann nicht einen Teufel den Beelzebub austreiben und dann sagen, danach soll jetzt die Welt schreien. Das wäre in meinem Fall ein Marketing-Gag und wegen Marketing-Gags mache ich nichts. Außer 6.000 Liter Fässer, große Fässer kaufen und einen FAT SCHORSCH draus machen, das ist das Höchste der Gefühle.

Markus: Ja, da kommen wir auch gleich zum Abschluss noch dazu. Ich wollte vorher noch schnell, weil wir da jetzt gerade aufgehört haben, noch mal kurz reingehen mit diesem letzten BrewDog-Ding, wo ihr dann den Collab gemacht habt. Haben die sich bei dir gemeldet oder wie lief das?

Schorsch: Also ich habe ja meine Mäuschen und der Markus Thieme, damals Deutschlandchef von BrewDog, der hat gesagt, wer soll denn mit uns mal ein Collab machen? Und dann haben es natürlich alle geschrieben, naja, an den Schorsch, da werdet ihr euch ja nicht mehr herantrauen. Und dann hat mich der Markus also angerufen und so sind wir dann zusammengekommen. Wir wollten eigentlich ursprünglich vor Corona, dass ich nach Schottland fliege und dort ein dunkles, trinkbares Bier, normales, fränkisches, dunkles braue, weil denen ja so ein bisschen die Drinkability-Skills gefehlt haben und die hätten also schottisches Rauchmalz mitgebracht und wir hätten also ein Starkes, das war der Plan. Dann kam also Corona dazwischen und dann haben wir also gesagt, gut, dann minimalisieren wir das, die schicken mir also starke 27 %-ige Auflagen von ihnen, ich mische das mit meinem 30 %-igen und friere das also dann dementsprechend hoch und übernehme also diese Hocharbeit und dann machen wir beide, ja, in der Zeit auch eine wichtige Aussage. Und wir haben halt gesagt, eigentlich muss man es mit so einem Rocky 27 vergleichen. Irgendwann ist der Boxer zu alt, irgendwann ist die Story ausgelutscht und irgendwann will sowas eigentlich keiner mehr sehen, dass sich alte Storys noch mal hochjatzen. Und, wie gesagt, Rocky 27 oder sonst was, das braucht kein Mensch, wo ist jetzt die Sinnhaftigkeit, Leute? Und gerade in der Zeit, wo USA schon angefangen hat, sich zurückzuziehen, das dann schon langsam angefangen hat mit Russland und so was, zu sagen, nee, komm, nicht auseinanderdividieren, sondern zusammen, strength in numbers, gemeinsam sind wir stärker. War ja auch dann für diese Corona-Zeit ganz wichtig, ganz wichtige Aussage. Und das hat tatsächlich auch so gestimmt und war eine schöne dezente Message, Leute, haut euch nicht auf den Kopf, sondern arbeitet lieber zusammen.

Markus: Vielleicht zum Schluss noch auf das, worüber wir am Anfang ja schon gesprochen haben, unser riesengroßes Fass hinter uns und das Crowdfunding. Ja, vielleicht einfach nur eine kurze Zwischenbilanz, ist überhaupt noch was da, falls jemand was kaufen will? Und wie geht es weiter, wie sind da so die Pläne?

Schorsch: Also das Crowdfunding war ja darauf angelegt, dass die Leute, sagen wir mal, mit mir in das Risiko gehen, wird das was oder nicht? Durch meine Erfahrung sind relativ viele mitgegangen. War auch toll, ich habe das Fass dadurch kaufen können, ich habe die Sude dadurch machen können. Aber dann ist es auch so, wäre von vornherein oder bis zum gewissen Maß, das lief ein Jahr und dann habe ich gesagt, so jetzt ist Schluss und es kann auch tatsächlich keiner dieses Bier so kaufen, außer jemand verkauft es weiter, aber es bekommen nur die Teilnehmer und seit März diesen Jahres ist es auch abgeschlossen, also es ist auch nicht mehr buchbar. Wir haben das Meiste, was wir brauchen für die Kunden, ist abgefüllt, vieles ist schon ausgeliefert, das hat sich alles ein bisschen verzögert. Das, was wir noch haben zum Ausliefern, wird auch ausgeliefert, es wird so abgefüllt, dass keine Flasche im Prinzip übrigbleibt. Und es ist noch einiges übriggeblieben, es wäre jetzt etwas vermessen zu sagen, 6.000 Liter kannst du dann an die Leute verkaufen, das ist mittlerweile schon Eisbock oder noch im Tank. Das geht aber nicht an irgendjemand, der jetzt sagt, er hätte gerne eine Flasche oder nur 2 Flaschen oder an irgendeinen Händler, das wird nicht sein, weil sonst verrate ich ja mein eigenes Crowdfunding. Jetzt mit der zweiten Belegung, da ist die Frage, was macht man? Wahrscheinlich gibt es kein klassisches Crowdfunding, sondern dass wir dann sagen, die Leute können das kaufen, können da wieder mitmachen. Die Leute, die schon mal mitgemacht haben, haben das Fass ja auch irgendwo oder die Möglichkeit dazu gegeben, werden dann wahrscheinlich noch ein Godi oder einen Rabatt bekommen, das ist noch zusätzlich als Belohnung, wer dann sagt, okay, ich will eine 2026er wahrscheinlich Variante. Aber wie lange der jetzt gärt, der ist ja schon im Mai letzten Jahres eingebraut, im September haben wir die ersten Messungen gemacht, im März diesen Jahres reingekommen ins Fass, also bis Minimum März nächsten Jahres ist er ja drin. Und ob er dann schon fertig vergoren ist, wenn er immer noch Zuwächse macht oder sonst was, das ist eben das Geheimnis des Fasses, da weiß ich noch nicht, was los ist. Aber wir können jetzt gerne mal probieren, er ist ja an sich, jetzt darf ich nicht zu viel verraten, aber ich finde ihn schon sehr harmonisch. Ob sich noch was tut, Potenzial hat er bis 18 oder 19 %, aber von den Malzen her habe ich ihn schon ein bisschen gedrückt, dass er nicht zu stark durchgeht, weil der Alkohol ja wirklich nicht, ne. Ist jetzt auch mit vielen Rotmalzen, also wie bei den Rubinen, was ich schon gesagt habe, also das ist der Fat Red Schorsch. Die Farbe, finde ich, ist schön, genial fast geworden. Das ist halt so die Erfahrung, dass du schon weißt, wenn ich in der Richtung bleibst oder sonst was, dann kann mir nichts und dann brauchst du eigentlich nur noch irgendwas finishen. Aber nicht einmal jetzt mit irgendwelchen eichengereiften Auflagen würde ich den jetzt noch mal blenden wollen, weil der steht jetzt einfach für sich. Also, ja, 36,5 im Durchschnitt Stammwürze war schon eine kleine Herausforderung.

Markus: Das ist eine Hausnummer, auf jeden Fall. Okay, also da freue ich mich jetzt darauf, wenn wir den gleich noch live probieren. Da werden wir dann auch sicherlich den Abschluss machen, deswegen vorher noch kurz die Frage, wenn jemand was kaufen will, habt ihr einen Online-Shop?

Schorsch: Nein.

Markus: Nein, okay. Wie kommt man an …

Schorsch: Also das Schorschbräu gibt es, sage ich mal, deswegen auch noch, weil ich eigentlich keinen Online-Shop habe, das heißt, meine Händler dürfen alles verkaufen, auch die Weltmeister-Biere. Wir werden wahrscheinlich mit diesen großen Ausnahmen, dass ist das, was, glaube ich, auch im Handel dann. Wobei schon ein Händler sauer war, dass er den nicht gekriegt hat, den FAT SCHORSCH, dann kaufe ich halt nichts mehr. Und dann habe ich gesagt, du, du musst das einfach verstehen, als Crowdfunding, ich will die Leute nicht verraten. Wenn du da mitmachst, kaufst das zu dem und dem Preis. Ja, dann verdiene ich ja nichts mehr. Da sage ich, dann brauchst du es auch nicht verkaufen, musst du jetzt einfach mal so nehmen, ansonsten verkaufen wir nur über den Handel. Es kann mal sein, dass wir den dann als Extrapaket reinstellen, wieder mit so einer Bestellmöglichkeit, wie wir es schon beim Crowdfunding hatten, direkt buchen oder wie auch immer, dass wir das machen und vielleicht machen wir mal für die ganz abgedrehten Sachen. Und jetzt kommen wir zum, wie sagt man, wenn man Geheimnisse ausplaudert, genau, dann kommen wir vielleicht noch zu einer Sache, wo der eine oder andere sagt, was macht denn der Schorsch, wenn er schon alles gemacht hat? Und jetzt zapfen wir uns aber erst mal einen und trinken mal und vielleicht verrate ich dann noch, was ich noch vorhabe.

Markus: Dann hoffen wir das mal, okay.

Schorsch: So, lassen wir erst mal ein bisschen was ab hier. Es ist ja immer so, dass da praktisch der Desinfektionsalkohol drin ist, damit hier nichts rumkimmelt. So, und jetzt müssen wir so einschenken, dass es hier auch richtig schön schlabbert. Hört man nichts, ne? Einmal für dich. Man beachtet die Farbe, bin ich schon stolz. So, mehr gibt es heute nicht.

Markus: Also man beachte die Farbe, ist das richtige Wort, Wahnsinn!

Schorsch: Also wir haben hier schön Naturlicht noch durch die Fenster so ein bisschen, haben aber auch ein Kunstlicht dabei, einen Kunstlichtanteil. (hustet) Entschuldigung, das kommt jetzt nicht, ich habe noch nicht getrunken. Der Konrad Seidel hat sich dann etwas verschluckt, das haben wir aber dann so stehen lassen, weil die Stärke schon auch ein bisschen da ist. Also das sieht man jetzt, die Rotmalze.

Markus: Wunderschön, ja, wirklich Rubin.

Schorsch: Genau, die auch wieder, man könnte jetzt meinen, das ist der Rubin, weil ich genau diese Anteile auch runtergezogen habe und jetzt, man darf es ja auch nicht übertreiben, so viele rote Früchte, was dieses Malz auch macht, Dörrobst, rote Früchte, das ist also tatsächlich auch passend zur Farbe. Dann die Aromaentwicklung durch die Gärung natürlich auch ein bisschen beeinflusst. Und eben diese, ja, was heißt eigentlich Melaneutin-Malz oder dieses Red X, es wird praktisch eine warme Haufengärung gemacht. Das heißt, da laufen die Prozesse schneller ab, wärmer, feuchter und dann hat man eine stärkere Verflüssigung und dann wird diese stärkere Verflüssigung, schau, ist ein bisschen Säure mit dabei schon, und dann wird das Ganze abgedarrt und durch diese Maillard-Reaktion und durch diese Vorgänge im feuchteren Haufen hat man also dann dieses rote Malz, diese rote Farbe. Und das Schlimmste, was man mit dieser Sache machen kann, wenn man ein wirkliches Rot will, jetzt kommen so ein bisschen für die Hobbybrauer und für alle anderen, Schorsch erzählt aus dem Nähkästchen, ist, wenn wir über irgendein anderes Malz noch einen Braunanteil mit reinbringen und dann sind wir nämlich tatsächlich beim Rost. Also das heißt, wenn man das durchzieht, dann entweder bei einem schönen fränkischen Bier, dass man, wenn man es gegen das Licht hält, dieses Fränkische Fuchsrot im Dunklen zum Beispiel, auf irgendeinem Keller oder sowas, schön durchschimmert, das ist der Effekt von dem relativ auch teuren Melanoidin-Malz. Oder man sagt, ich will das tatsächlich rot haben, dann nicht Rostrot oder sonst was, kein Caramünch, kein Münchner Malz oder sonst was noch dazu, sondern dann muss man den Körper vielleicht mit einem Cara hell noch, dann macht man nichts kaputt. Wobei das ja selber so ein bisschen ein Cara ist, da braucht man den Körper nicht heben, aber dann muss man wirklich bei Rot bleiben und das kannst du also mit diesem Malz so. Also jetzt, ich bin ja 57, aber das kannst du so geil machen, diese Farbe, jetzt dann der Geruch passt dazu, Dörrobst, der Alkohol schon, also wir sind hier bei Rumtopf.

Markus: Das ist eine Mischung aus Erdbeerwein und Kirschwein und ein bisschen Rum.

Schorsch: Ja, genau. Und dieses Erdbeerige, das ist auch so eine typische Sache dieser Melanoidin-Malze oder dieser Herstellung, wo man normalerweise sagen würde, Erdbeere, das ist doch oxidiertes dunkles Malz oder sonst was, oder Erdbeere, wie kannst du denn Erdbeere? Aber das ist alles passend, das ist Waldfrucht, das ist Erdbeere, das ist Kirsche, also da hast du das hinterlegt mit dem Alkohol. Und jetzt kommen wir ja zur eigentlichen Aufgabe des Alkohols, der soll da so einen warmen Körper rumlegen. Also der Alkohol soll nicht knallen oder sonst was, sondern der hat ja auch eine Aromenaufgabe, der transportiert, weil er schneller verdunstet als Wasser, die Aromen schon mal vor die Nase, dann mit dem Einatmen und dann haben wir eben dieses Warme auch auf der Zunge. Also tatsächlich, das Schmecken mit dem Riechen zusammen gibt ja dann den eigentlichen Eindruck. Wir schmecken ja nicht nur mit der Zunge, sondern das Meiste, was wir wahrnehmen, läuft ja über die Nase.

Markus: Richtig.

Schorsch: Also du hast ja nur süß-sauer, salzig, bitter und umami und manche sagen auch fett jetzt, was du an Geschmack schmeckst tatsächlich, denn alles andere riecht man. Also wir schmecken keine Vanille, sondern wir riechen die Vanille und das wird im Gehirn zu einer Information verarbeitet. Und jetzt gehen wir mal ran.

Markus: Prost. Danke schön.

Schorsch: Und ihr kriegt nichts, noch nichts. Also wir haben jetzt da um die 22, 23 Grad. Das heißt, etwas zu warm, für mich fast schon ideal warm. Das ist dann schon die Evolution hin zum wirklich Aroma schmecken. Ich habe fürchterlich viele Leute gehabt und manche haben dann gesagt, der Rubin, also die Mini-Fassung fast schon von dem, der schmeckt mir nicht und was ist denn da los und was hast du denn da gemacht? Und dann sage ich, schick mir einfach mal ein Bild. Und der Rubin war so gebraut, auch vom Kochen her schonend, wenn du den runtergekühlt hast unter 11, 12 Grad ist der trüb geworden durch die Eiweiße, das ist aber dann wieder weggegangen, wenn er wieder wärmer war. Und da sage ich, schicke mir mal ein Bild. Oder wenn du gesehen hast auf irgendwelchen Plattformen, zu flach, zu Dings, weil die den eiskalt getrunken haben. Diese Aromen killst du natürlich mit eiskalt. Da geht es nicht um hau-drauf-Aromatik, dunkel, malzig oder sonst was, was du immer schmeckst, sondern da geht es wirklich jetzt um relativ feine, obwohl der 36 Stammwürze hat, da geht es ein bisschen um feinere Aromatik und vor allem die Gerbstoffe aus dem Malz unter Kontrolle zu halten, alles potenziert sich ja. So, dann muss ich die aber auch irgendwie rauskriegen. Ich darf Holz nicht übertreiben. Das heißt, der Einfluss eines gebrauchten Fasses ist ja auch nicht so toll. Das heißt, da nicht zusätzlich noch Kerbstoffe reinbringen, weil das alles dermaßen überfrachtet ist. Und da die richtige Balance zu finden, das ist dann schon, glaube ich, ein bisschen was von Erfahrung oder von Fehler so weit vermeiden, dass sich das Positive durchsetzen kann.

Markus: Ja, also wenn wir schon beim Positiven sind, ich finde das unglaublich schön, dieses Mundgefühl. Für mich ist die Temperatur eigentlich perfekt, weil es kommt in den Mund rein und man merkt es gar nicht eigentlich. Und es ist ganz weich, samtig und geht eben los, hat diese schönen fruchtigen Komponenten, eine angenehme, süße Säurebalance. Also es ist nicht nur süß, es hat auch einen Gegenspieler, aber halt sehr rund, sehr weich, ganz wenig Bittere, ganz wenig Tannine.

Schorsch: Wir haben eine minimale Säure noch aus dem Holz. Das heißt, ich habe aber keine Säurekomponente im Sudhaus, wo ich sagen könnte, könnte sich irgendwann zu stark durchsetzen, gerade durch diese 36,5 Stammwürze. Da hast du natürlich, musst du natürlich auf der einen Seite, wenn du was runterziehst, aber das ist im Prinzip fast reine Hefearbeit. Das heißt, die Hefe säuert sich ja bei der Gärung ihr Milieu so, wie sie möchte und kann also auch mit höheren pH-Werten, also Sudhaus, Klammer auf, die man aber auch nicht haben darf bei so einer starken Kochung, Klammer zu, sonst kriegst du Maillard-Reaktionen, dann kannst du das nicht mehr saufen vor lauter Pappe- und Papier- und sonst-was-Eindruck.

Markus: Richtig. Das stimmt, du hast null Alterungsaromen, das finde ich auch erstaunlich.

Schorsch: Das ist jetzt eigentlich sozusagen schon ein Slalom durch alle negativen Aromen, die dir passieren können, wenn du so stark arbeitest und wenn du es nicht zu maskierst mit einem dunklen Malz. Wenn du mit dunklen Malzen alles zu maskierst, dann hast du wenig Probleme. Aber das ist ja mehr im hellen Bereich oder im feinaromatischen Bereich angesiedelt, da habe ich natürlich das Problem, dass mir Sachen, die zu präsent sind, negative Sachen, die zu stark dominieren, die nicht zurückgehen, die ich nicht vorher rausziehe, dass die mir Irgendwann die Suppe versalzen buchstäblich. Also egal, was du dazugibst, wenn es zu viel wird. Ich sage mal, vergleichbar mit Salzen, wenn ich die Soße dann zu stark reduziere zur Jus, darf ich vorher eigentlich fast kein Salz drin gehabt haben, wenn ich das so stark reduziere. Und genauso ist es hier, das heißt, da muss ich wirklich feinfühlig arbeiten, da darf ich vorher nicht übertrieben haben, sonst wird es hinterher statt hocharomatisch und aufkonzentriert und das, was man eigentlich will, dass man so eine Explosion hat hoch X, wird das also fürchterlich.

Markus: Also so, wie man eigentlich beim Bierbrand, wenn man einen guten Bierbrand machen will, bereits das Bier so brauen muss, damit eben am Ende klar ist, über eine Destillation komme ich da und da hin. Ich kann also nicht irgendein Wald- und Wiesenbier nehmen und mal eben brennen. So ähnlich ist es ja dann mit dem Eisbock auch, vielleicht sogar noch schwieriger, weil ja noch mehr Aromakomponenten erhalten bleiben und sich eben aufdoppeln oder dreifachen.

Schorsch: Oder wie ein Koch sagt, mit schlechten Rohstoffen kriege ich keine gute oder mit schlechter Ware kriege ich kein gutes Ding. Auch beim Wein, wie hat der Biolek gesagt, Wein ist wichtig zum Kochen, man kann ihn auch ins Essen tun. Aber da ist es auch wichtig, dass du nicht den letzten Fusel nimmst, weil da sollen ja feine Aromen dann auch oder rotweinige, süße Traube, Kirsche oder sonst was sich durchsetzen. Da kann ich auch nicht sagen, ich nehme Vogelberger Säuerling oder Schädelspringer oder sonst was, sondern du brauchst auch eine relativ gute Sache, sonst potenziert sich das auch ins Negative.

Markus: Also im Grunde schon beim Brauen an den Eisbock denken.

Schorsch: Es ist manchmal, ja du musst schon beim Schroten, schon bei der Auswahl der Malze, schon beim Einmaischen, musst du das fertige Produkt irgendwo im Kopf haben, sonst geht es schief. Gerade hatte ich noch einen schönen Vergleich, jetzt ist er mir entfleucht vor lauter Reden, vielleicht kommt er wieder. Aber du musst wirklich schon vorher ans Endprodukt denken. Genauso wie sage mit dem Salzen oder mit anderem oder wenn ich sage, ich will eine deutliche Bitternote und dann braue ich das so stark ein, das kannst du nicht mehr saufen, obwohl das einen relativ starken Zuckerkörper hat, der da dagegenwirkt, aber das wird einfach zu viel Gerbstoffe aus dem Ding. Du musst auch aufpassen mit Wasser, weil sich da auch die Salze aus dem Wasser, die konzentrieren sich auch, das kann ruckzuck salzig werden und du denkst dir, wo kommt denn jetzt das her? Also ganz interessant. Und was man also tun kann, zum Beispiel bei der Mördertinte, die ich mit dem Martin Seidel gebraut habe, 33 % echte Röstmalze, da darfst du auf keinen Fall mehr irgendeine Maischesäurung oder sonst was, weil diese Malze eh so viel Röstsäuren mitbringen. Und der ist jetzt nach 2 Jahren halbwegs so, dass ich sage, das harmonisiert sich langsam, die Säure baut sich noch ein bisschen ab. Also in ungefähr 3 bis 4 Jahren hat diese Mördertinte ihren Geschmackskick. Wo du auch sagen kannst, oder was ich vorhin gesagt habe, naja, da klatschst du so viel rein, dass sich das alles maskiert und Schoko und sonst was. Nein, du hast immer Side-Effekts, du hast immer zusätzliche Komponenten, wo du dann sagst, jetzt haben sie es wirklich übertrieben. Und da war es auch so, da wollten wir auch übertreiben, das war so eine Eskalationssache. Das hier ist ja auch eigentlich eine Eskalation, aber auf die, glaube ich, etwas dezentere Art. Hat kaum Holz, hat kaum negative Gerbstoffe, die du da eigentlich ohne Ende finden müsstest, mit einem reinem Gerstenmalz gearbeitet.

Markus: Also es ist wirklich, wenn ich das beschreiben müsste, würde ich sagen, es ist wie so ein griechischer roter Süßwein, aber dieser Teil, der eben ganz klar nach Wein schmeckt, ist ersetzt durch etwas, was wie Malz schmeckt. Also man hat eine schöne Malzsüße, man hat schön auch diese Karamellaromen und all das drumherum, weniger dafür dieses Traubige oder so, aber dieses schöne Spiel mit Süße, Säure, dieses wunderbare Weiche, Runde, Wohlige bleibt ewig.

Schorsch: Die Säure kannst du ruckzuck übertreiben, weil das natürlich durch die Potenzierung im Produkt irgendwann durchkommt, wenn der Zuckerkörper abgebaut wird und dann geht das über in Säure. Dann kannst du immer noch oder könntest du immer noch sagen, ja, das war beabsichtigt und Sonstiges, nee, ist es nicht. Beim Ding haben wir es von vornherein so geschrieben, wussten wir, mit dem Haufen schwarzen, gebrannten Malze da, wirst du brauchen über die Jahre. Das ist aber auch das Spannende, zu sagen, wie stark kannst du eskalieren, kriege ich das Pferd noch zurück in den Stall.

Markus: Ja, nee, also hier wirklich wunderbar, da freue ich mich schon drauf, wenn du es dann mal irgendwann in Flaschen füllst, das ist großartig. Und ja, wenn du es schon angekündigt hast, hat es dir Lust gemacht, uns noch ein Geheimnis zu verraten?

Schorsch: Ach so, das kleine Nähkästchen. Ja, also keine Geduld bei deinem Podcast ohne Überraschung zum Schluss.

Markus: Stimmt.

Schorsch: Überraschung ist es noch keine, aber es gibt den Per, mit dem habe ich so ein bisschen Kontakt, das ist ja auch so ein ganz Verrückter. Und dann sind wir also von sonst was nach sonst was gekommen und wie würdest du denn? Und er hat ja schon mal einen Jopen, Danziger Jopen gebraut. Da war ihm aber der Umami, da sind wir jetzt gerade am Philosophieren ein bisschen, wie kriege ich den Umami, wie kriege ich diese Oberfläche, wie kriege ich diese Arbeit von dem Aspergillus flavus, Varians Rütze, also dem Koji-Pilz, der soll ja da oben eine gewisse Arbeit auch verrichten. Wir wollen ja einen Schimmel, einen Kulturschimmel, der noch einen positiven Effekt hat und nicht irgendeinen, was weiß ich was, schwarzen Mucor, wo du dann 3 Tage auf dem Topf sitzt, bis du den wieder los bist. Also das soll dann praktisch eine Kulturschimmelsache sein, die bei den echten Jopen-Brauern auch in Danzig, ja, in den Mauern extra Raum und sowas ist. Also ich will diese ganz starke 45 Plato mindestens Geschichte haben, ich möchte aber mehr Alkohol haben, 10-15 %, um einfach so ein bisschen den Schorsch-Style zu haben. Und da gibt es so viele Herausforderungen, ich glaube, da war der 36,5er Kindergeburtstag dagegen. Also vielleicht gibt es mal ein Schorsch per Schorsch oder nur Schorsch Fränkisches Jopen, müsste man das ja, um diese Jopen-Brauerei aus Holland nicht da irgendwo ins Grau zu fahren, wo ich dann wieder alle Erfahrungen brauche, um nicht abzudrehen. Es soll weder Maggi-artig werden, das heißt, diese aerobe Schimmelkultur darf nicht überhandnehmen, ich brauche eine alkoholische Gärung, die relativ stark ist, was der Schimmel eigentlich gar nicht verträgt, ich brauche ein Trägermaterial an der Oberfläche, dass der sich überhaupt noch entwickeln kann. Habe ich schon, verrate ich aber nicht, wie ich das mache, aber alles nach einem Reinheitsgebot. Ganz spannend, also ich kann schon gar nicht mehr schlafen.

Markus: Das kann ich mir vorstellen. Und für alle, die jetzt die letzten paar Minuten nur Bahnhof verstanden haben, schaut einfach mal im Internet nach oder in der Literatur, Danziger Jopen-Bier, sehr, sehr spannender Bierstil, der eben bis, sagen wir mal, 2. Weltkrieg ungefähr, da eine Geschichte hat. In Danzig ein Bier, was extrem stark eingebraut worden ist, extrem lange natürlich dann auch haltbar war, was als Gesundheitsbier, als Nährbier, in ganz viele Arten vermarktet worden ist.

Schorsch: Als Soßenwürze und, und, und. Und jetzt wollen wir also mit der Originalität aber, also nicht irgendwas faken, sondern in der originalen Rezeptur bleiben, die Alkoholbildung fördern, dass das nicht irgendwo sonst wohin abdriftet. Es soll ja nicht milchsauer werden, was auch einige Stile eben oder früher, wo das dann hin gedriftet ist. Es gibt aber auch eben Erzählungen und der Danziger macht das ja auch, dass er 9, 10% Alkohol drin hat, dass er die eigentliche Haltbarkeit, und es soll ja kein Sauerbier werden, sondern es soll, ja, Schorsch Plato Eskalation hoch 5. Ich habe mir ja extra eine Dünnschichtverdampfung gebaut für solche starken Biere. Also auch technisch muss man sich was einfallen lassen, um sowas dann überhaupt noch hinzukriegen und nicht wie der Danziger über Nacht da noch 12, 15 Stunden zu kochen, das ist eigentlich nicht Ziel meines Energiesparvorhabens.

Markus: Ja, wir werden sehen. Also freue ich mich, wenn ihr das dann habt, komme ich natürlich gerne nochmal vorbei, da können wir einen schönen Follow-up-Podcast machen. Und in der Zwischenzeit bin ich dann vielleicht auch mal in Danzig gewesen und kann da vielleicht auch ein bisschen Sachen mitbringen, auch Bilder und Eindrücke und so, seit einigen Jahren machen die dort ja wieder sowas Ähnliches wie. Ich habe da auch viel Literatur zu Hause von eben vor den Kriegen, was da so alles dahinter war, mal schauen, also auf jeden Fall spannend. Dir vielen Dank für die Geduld auch. Wir haben jetzt doch anderthalb Stunden, sitzen wir jetzt hier am Mikrofon, war gar nicht so geplant. Aber ist immer schön und du hast viel zu sagen in vielerlei Hinsicht und das ist mir auch wichtig, dass es jemand hört, deswegen muss man dem auch Raum geben. Und vielen Dank auch für dieses wunderbare Bier, eine größere Freude konntest du mir gar nicht machen. Klammer auf, nach einer Woche München und Oktoberfest, Klammer zu, freut sich der Franke, wenn er wieder nach Hause kommt und eben dann solche schönen, aromastarken Biere bekommt. Also Dankeschön nochmal und viel Glück, toi, toi, toi, bei deinen weiteren Vorhaben und ich hoffe, wir hören uns dann demnächst wieder.

Schorsch: Wunderbar, Markus, danke für die Öffentlichkeitsarbeit. Ich soll dir Probeflaschen dann auch von Jopen oder du bist gleich, weil du ja umfangreiche Literatur hast, jetzt nehme ich dir fast ein bisschen ein Versprechen ab, der dritte Mann ein bisschen im Bunde, der die Sache vielleicht aus fränkischer Sicht und aus der Schorsch-Perspektive ein bisschen begleitet, schauen wir mal. Ich glaube, vor allem Authentizität ist wichtig. Dass man nicht einfach irgendwo so einen Käse und Hauptsache 45 Stammwürze und Hauptsache, irgendjemand hat mal ein Pilz aufgelegt, dass es so aussieht als ob, sondern das soll tatsächlich authentisch sein. Dazu braucht man Kahmhefen, dazu braucht man einen Trägerpilz oder ein Trägermedium und, und, und. Ich glaube, an die Sache muss man sich ran arbeiten und um da nicht abzudriften, brauchen wir vielleicht sogar deine Literatur dazu, das wäre vielleicht toll, dass wir das Ganze dann zu einem wirklich authentischen Abschluss kriegen und nicht einfach nur so eine Fake-Geschichte.

Markus: Sehr gerne, also Versprechen ist gegeben und ich freue mich drauf, wenn wir uns dann mit dem Endergebnis alle miteinander wieder hören.

Schorsch: Genau.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

BierTalk English 40 – Interview with Marcin Ostajewski, Head Brewer at Browar Fortuna and Browar Grodzisk, Poland

In this episode, we travel to Poland to meet Marcin Ostajewski, head brewer at Fortuna and Grodzisk breweries. Marcin shares the story of Poland’s rich brewing heritage, from the revival of the historic Grodziskie style to the rise of world-class Baltic Porters. We talk about tradition, innovation, and Marcin’s mission to bring Polish beer to the global stage — plus his second passion: cats. A lively and inspiring conversation with one of Poland’s most passionate beer ambassadors…

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BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hello and welcome to another episode of our podcast BierTalk. Today we are doing a little trip into our neighbouring country, we are going to Poland, to hear the story of a lot of beers and beer styles, and of a wonderful person. We re meeting Marcin Ostajewski, he will tell us a little bit about himself in a moment. I am very happy that we met some years ago, and I would say we became friends, met very often over the last years and had great times, in several places all around the world.  it´s really wonderful to have such friends and to meet such people, so I hope you enjoy the talk. Maybe, Marcin, you can introduce yourself a little bit to our listeners?

Marcin: Hi. As you said, I am Marcin Ostajewski. Now I am in fact head brewer of two breweries in Poland. One, a very important one for us, is Grodzisk or the place where the style was born. And the other one is Fortuna. They are somewhat connected, I will talk about that later and of course I m a beer judge. I also try to educate people about Polish beer abroad, and I m a humble servant of six cats, which is quite important.

Markus: Yes, and you also see yourself as a cat sommelier and maybe we ll come to that also.

Marcin: Well, you know, it´s a very easy sport, you just snip the front of the cat and you give him 10 out of 10, so.

Marcin: Wonderful. But if you imagine that you have been or still are allergic to them, it´s really so great. So I am really very happy to see that fantastic. So, maybe let s start with, many people especially, most of our listeners still come from Germany, and they maybe don t have any idea about the Polish beer market, especially how it developed over the last 20, 30 years. So maybe you can give us a little introduction about how you yourself came into beer in general? How did you start? What was your first beer? What was your first beer experience? And how did it come about that you are into beer now, so far?

Marcin: So, it´s started when I was doing my Master s in Biotechnology at the University of Toruń, and in fact it´s started because of my wife. Meaning that she bought me a home-brewing kit, with the help of our friend, who you also know Marcin Chmielarz, responsible for the Baltic Porter Day. So I started brewing at home. It was, of course, mainly experiments, and when I see the old recipes, that I even posted on some Polish brewing forums, now I would say they were not the best ideas. But I tested some weird things. But I was also quite lucky with meeting people at important moments, I would say. So, just after six batches at home, I met a friend from Gdańsk, who is now also a brewer and a beer blogger Bartosz Nowak. We met in the old town of Toruń on the first day of the new year, in the morning. And he said, “You know, there is a guy from a restaurant brewery nearby, and he said he s quite open for home brewers, meaning that he wants to buy, scale up and brew home brewers recipes. And I convinced him to do it, so I am brewing the first batch. Then, for the second beer, he wants the second beer to be brewed quite quickly after the first one, and I am not sure that I have enough time. So, Marcin, maybe you can also provide recipes for this gentleman.” And I said, of course, “Yes, why not?” But we even had a small connection with a German beer scene at this moment, because back then, at home, I was of course experimenting mostly with some modern stuff that was already starting in Poland. So I made some IPAs, India Pale Ales, Cascadian Dark Ales, something like that, and then the owner of the restaurant says, “The idea is, every brewer can brew whatever he likes. You just tell me, I want to brew ESB, Extra Special Bitter. That was the first beer from Bartosz, so do I want to brew ESB? “Yeah, we are brewing ESB, no problem.” But there is one thing, the second beer on the list should be a Rauchbock. And the tricky part was that. I had never brewed any of the smoked beers at home yet. And an even bigger problem, I wasn´t a smart guy back then, because I hated smoked beers, all of them, so basically, my only experience and it´s basically begging for forgiveness with smoked beers back then was one approach to Grodziskie from some Polish brewery, and, I believe, Urbock or Märzen, one of those two from Schlenkerla. And both of the beers I only tried, and then I put the rest of the bottle into the sink. I was a bad guy back then. But eventually it worked quite well because, knowing that I am not a big fan of smoking beers, I did this Rauchbock to, kind of, also match my preferences. So it was only, I don t know, 10 or 15% of some smoked malt, and the rest was a basic Bock recipe. It was quite drinkable, and in fact, at the première of the beer, they almost drank all of it. And basically the beer disappeared after two or five days, something like that. It helped me, of course, to slightly lean in to this smoked-beer world and now, in fact, I basically cannot live without a smoked beer from time to time. So it started pretty quickly, because after this one batch in the restaurant ten hectolitres or so another guy asked me, do I want to participate in a contract brewery that he was developing. And of course it´s still a very popular solution in Poland, I believe, not so very popular in Germany, to do contract brewing. So all the, let´s say, new-wave, modern craft brewers in Germany are owning their own equipment and in Poland, when it started, the first possible solution especially for the guys who have a lot of ideas but not a lot of money was to ask an existing brewer, “Can I basically rent your equipment for a time, and do some beers on it?” So we started a contract brewery. It was, I believe, among the first five operating in Poland, from this new wave, let s say, starting from PINTA Brewery and so on.

Markus: Can you say which year that was?

Marcin: I am not very good at dates, I will have to check it later, but I believe it was around 2012, I think, one or two years either side. So we started a brewery called Olimp, so like Olympus and the names of the beers and the characteristics of the beers were inspired by Greek gods. So it was quite fun to try to match the name with the beer style, and so on. Back then, the craft-beer market in Poland was very young and very dynamic. I couldn´t imagine it would work now. Because our first beer being IPA, based only on Polish hops was brewed in a middle-sized regional brewery, and the batch size was 100 hectolitres of one beer. And the market was so young that these 100 hectolitres, I believe, we sold within a week. The majority of it was bought by only one wholesaler, from Warsaw.

Markus: Wow, that s unbelievable.

Marcin: Now it would be the craziest idea possible, to make 100 hectolitres of the same beer and try to sell it. It operated quite well for some time. Then I moved to southern Poland, because my partner from the company found another guy who had some money, and they decided to buy a middle-sized brewery from the 90s that hadn´t been operating for, maybe, two years or something, and the owners rented the brewery to some different parties for some time. It was actually rented by us at the beginning, and in fact bought. But of course, it was a huge leap, to change from basically designing a recipe of a beer, then consulting an actual brewer to scale it up, to check what the possibilities are in this or that brewery. Because in fact we used two breweries before, as contract brewers. Then, for some time we operated in fact, I was sitting on two chairs at the same moment, because I was the brewer of Olympus, but also the head technologist of the brewery that we had taken over. Of course, it was a huge leap for me, because you had to coordinate basically the whole production, not just design one recipe and wait for the result. So it was also a very interesting part of my life. Then I had a short break from brewing. Mainly due to medical reasons, because I also talk about this always openly, I was diagnosed with testicular cancer, and of course because of that I spent some time, after the surgery, waiting for the developments is something happening or not? Then they found a small metastasis near the kidney. So, basically, I also went to chemo and, because of that, because I always wanted to still be active, of course, after the chemo I started working remotely in some online marketing company. Basically, we did marketing services, or participated in some campaigns for bigger Polish and international brands, mainly from food electronics, something like that. So I spent some time there, and then we moved back to Toruń, as I remember. And during one evening we were never very keen on going to the city centre for the evening, spending a lot of time there, and of course getting intoxicated or whatever, but this one time, we went there to meet our friends. I believe it was around, maybe 3 a.m., when we got back to our flat. Then, again, Marcin Chmielarz, the guy from the Baltic Porter Day appears, because he has a website, a Facebook group called Work in the Polish Beer Industry, so he´s gathering all the possible work announcements from both sides, of course, from the ones who search for possible candidates, and he posted an offer from Fortuna. Okay, it wasn´t the best time to analyse the offer and send the curriculum, but it was on my cellphone.

Markus: So you did it at 3 a.m. in the morning?

Marcin: Yeah! Sober-ish, I was sober-ish. So I sent this document, and in the morning the CEO is calling. Because he was and he still is, when some people are needed for the brewery, for this quality, new-beer development department, he was always coordinating it by himself, because he will be the guy who will later work with the candidate, directly. So I got through this process, I believe some factor that helped me was that all the other candidates who were in this final group. I remember, we were developing a proposed recipe for a new beer and, as I recall, all the other candidates prepared home-brew recipes, and I prepared a recipe for, like, 35 hectolitres for a brewhouse, something like that. So that was maybe part of the difference. And I got the job. And then, in fact, when I started working there, I got to know about, I knew about some connections, of course, between Fortuna and Grodzisk, but then I saw how it really works. So the owners of Fortuna brewery, after some years in Fortuna, decided to rebuild the original building of one of the breweries in Grodzisk Wielkopolski. But then, since this building never had a bottling line, the beers, after fermentation, are moved via cistern for filling in Fortuna. So, if there are no new things happening in Grodzisk at a given moment, or you don t need to travel there to resolve some issues or whatever, basically you have both beers from Fortuna and Grodzisk at your desk, if you are sitting in Fortuna. Because, of course, releasing for filling, preparing, are numbers for bottom-fermentation of original Grodziskie, you still have all the analysis of quality in Fortuna, and then you prepare all the stuff also regarding the last steps of preparing Grodziskie in the same room as Fortuna beers.

Markus: Maybe, to sort it out a little bit for the listeners, because maybe not everybody s so knowledgeable at the moment about all the different breweries in Poland and how it works, maybe we have to first say a little bit about Fortuna, and their portfolio, and also, I think in the timeline it was: first, Fortuna and their beers, and also Komes, I think and Grodziskie was a little later, was it?

Marcin: Yeah, precisely. It was, like, three years difference.

Markus: But when you started, it was without Grodzisk Brewery or were they on board?

Marcin: No, Grodziskie was already in operation when I started.

Markus: Okay. So, maybe we can talk a little bit about the Fortuna part first, and maybe the Baltic Porter part, and then make the complete Grodzisk story?

Marcin: Of course.

Markus: Because it´s big, and otherwise people might mix it up, and it´s already interesting anyway, I think, because the Fortuna portfolio is huge, and the Komes Baltic Porter is also a huge story, especially for Poland. So maybe you can explain a little bit the idea of Fortuna itself, and their beers, and how the Komes brand comes into that thing?

Marcin: Yeah, of course. So, starting from the beginning, Fortuna was built in 1889. It was an old, operating brewery and, as you can imagine, in the Communist times, under-invested in, taken by the government, the quality and the scale of production was declining. And in the 90s, when the, I believe, grandson of the original owner s family took it over from the government, it of course needed a lot of investments, and you don t have this amount of money instantly. So it was also underperforming for a couple of years, and then it was taken over by the current owners, in 2012. They started by investing a lot, to bring the brewery into good shape. Because Fortuna is an original brewery, with quite a long history, with quite a good presence on the market, Fortuna developed a couple of different brands.

Markus: Maybe, just for a moment, Fortuna is a regional brand? Where is the region? What is the main city around it?

Marcin: Fortuna is based in the city of Mirosław, under the German reign it was Liebenau and it´s a small town in western Poland, let´s say, one hour s drive from Poznań, going slightly to the south-east. The town is somewhere around 4000 to 5000 people, and in that town there was a brewery, and that was capable of doing probably a couple of dozen thousand hectolitres. So it was quite big, and it had also exported quite a lot, historically. And then, after taking over the brewery, I am glad that you asked about the city, the main brand was designed to be connected with the town itself, so the main brand was Mirosław, after the city s name. It’s also quite funny, because in Polish there is a man s name which only differs by one letter, so a lot of people, instead of calling our beers Mirosław are calling them Miloslaw. So, this is the main brand that was, let´s say, about classical styles, without any strange special ingredients or different processes. It was, like, making a pilsener, a Kellerbier, Belgian white, something like that – like, more on the classic and light side. Then another brand is Komes, that you already talked about a brand of strong, long-matured beers, because the brewery also was known, even historically, for the Porter and for another different beer, I ll talk about that in a minute, the owners decided that it would be good to develop this into a bigger concept. So, not only brewing Baltic Porter, but a lot of other strong beers were introduced, for example barley wine, which is somewhere in the middle between an English one and an American one; then two beers of Belgian origin, which are also bottom-fermented, Belgian Tripel and Belgian Quadrupel, then some other beers, like Imperial Stouts from time to time, some one-off beers and so on. So we have classical, light styles, we have strong, dark, long-matured beers and the Belgian styles, and then there is also the Fortuna brand – a separate one. Historically, it was connected with a dark, sweet beer known around this part of Poland. I believe and I´ll have to check it and maybe update it – but it has been known since the 1920s or something like that, so it was like a caramel beer, I´d say. And around Fortuna there was a separate piece of portfolio built, and most of the beers were fruit-flavoured beers. And this Fortuna Czarne, this original dark, sweet beer, and also a couple of special variants of it, those were mostly connected with those flavoured beers that, at least in Poland, were known in the 90s. So, fruit beers, but usually the fruits were added just before the pasteurisation, so the beers were obviously sweet. And I think we now have all the beers from Fortuna.

Markus: Very interesting. If you tell about this light, dark, sweet beer, because I think it may be connected with the beer that is known on the German side as Doppelkaramel, which is a slightly fermented, malty-sweet, very tasty beer that has maybe 1, 1½% of alcohol, and it was very widespread before the end of World War Two. It was consumed by children, by ill people, it was known as a sweet, nourishing drink. It was discontinued by most of the breweries, we know have these artificial beers like Vitamalz and Karamalz, which are sweetened, normal drinks, not fermented beers. And only a very few breweries, some in the east of Germany and interestingly, one in Cologne, Malzmühle, they do the old recipe, and that may be quite close to that idea you are referring to. It would be interesting to try that.

Marcin: The only difference, at least since the 90s, is that this beer was usually around 5.5 to 6 ABV [alcohol by volume], but it was still a sweetened dark beer, so that was probably the connection with this old, very sweet beer that was already brewed here. And maybe some connection with the German one.

Markus: You mentioned all these quite strong beers, and also this huge variety of Belgian styles and British styles, American styles and whatever, so was the Polish beer market already open for all these different beers? And was it also really open for very strong beers, or was that more like the normal beer?

Marcin: I would say that it developed over the years, because all those parts of the portfolio Fortuna expanded through the years and I would say that they had been gaining popularity from one or two years before I started working there, onwards. So it was developing faster after more people got the knowledge about different foreign beer styles, and they gained some popularity. But I also wanted to add that I skipped two more parts of the portfolio, or even three. Which is quite strange as, for a brewery, we also do ciders. Those ciders are gaining momentum now, they are a bigger and bigger chunk of the portfolio, and we are one of the biggest cider producers in Poland now. So, another layer of complexity, because you have to handle totally different yeast strains, and of course separate the production because of potential gluten cross-contamination and so on. But there are also two important parts that have changed a lot in recent years. One is, when you talk about strong beers a barrel-ageing programme which, I would say, the majority of the beers that we do are ice-distilled, barrel-aged beers, so basically we concentrate, just like Schorschbräu in Gunzenhausen, we concentrate strong beers to make them even stronger. Then, after concentrating it up to 18, 20, 21 ABV, we put them into wooden barrels, usually bourbon barrels, wine barrels and so on, so of course only used or mainly used barrels. Then we mature them for at least one year, two years, the beer decides. On the other end of the scale, we have a huge portfolio of non-alcoholic beers. We started in, I believe, 2018, by releasing non-alcoholic IPA, and it got great reception on the market. We did it just before the huge, quick start of the non-alcoholic beer market. I believe that, for some of the consumers and the brewers we are kind of the reference of non-alcoholic IPA now. And it´s still growing each year even though you think that, after the previous years, “Now, no, it´s impossible, we cannot get any higher with this beer.”

Markus: I can only recommend it. I´ve had it very often, I love it. And when we were in our booth together, at the last Franconian Beer Festival, I drank it all the time, so it´s a fantastic beer, really.

Marcin: Thank you. And now it´s one of, I believe now, six different non-alcoholic beers we have on offer. It´s a lovely part of the market, because there are a lot of challenges, where you have to make a flavour for one, but still maintain a non-alcoholic character, so it´s fun.

Markus: So, really working on every end of the story: the high alcohol, the low alcohol, the barrel-ageing, the hoppy beers, the yeasty beers, whatever. So, really, a lot of challenges, and all that in one brewery, it´s not easy, I think.

Marcin: Yeah, but it´s also very, very interesting, because you never know what you will develop next time. Because, basically, nothing is limiting the possibilities. And then – because we have all of the beers from Fortuna, you have the second part. So, the rebuilt Grodzisk Brewery, which is also sending the beers after fermentation, one important thing: both of the breweries still use open vats for fermentation, so another obstacle in terms of product safety and so on. So the beers from Grodzisk are also arriving to Fortuna for filling, and for the bottom-fermentation process, where we talked about the original Grodziskie and from Grodzisk we in fact have four or five beers being brewed constantly, and also the ranges from non-alcoholic ale with mango and passionfruit pulp, through original Grodziskie, which is like 2.9, 3.1 ABV, to White IPA which is 5.8 and it´s a white IPA with additional of central rate. So also like from the historical styles to also quite modern solutions.

Markus: That s really impressive. Maybe, before we get into the Grodzisk story, we should just for the listeners to have a little idea about the beer styles, maybe you can talk a little bit about the Baltic Porter, what is it? What is the difference from, let´s say, a British Porter, and what is the challenge to have it on the Polish market? What is the idea behind it, and what are your goals at Komes, Fortuna, whatever, to focus on with your Baltic Porters?

Marcin: Baltic Porter, I would say it´s, like, semi-Polish style. It´s a twist on British Porter, but a bit more on the roasty side, which is more important, using bottom-fermented yeast so, a lager yeast to maintain a cleaner profile and focus on the malt qualities. And then, of course, a bit stronger, let´s say that the standard Baltic Porter in Poland should be at the 21, 22 plateau so, a bit stronger than the British counterpart. And we are quite known as a country for the Baltic Porter, and also Fortuna is pretty successful with ours, because our Baltic Porter won Bronze at the Beer World Cup and Gold at the European Beer Star. Basically, it´s been in constant production since the beginning. What, I feel, is very important about our Baltic Porter,  even though, in terms of this scale of sweetness and roastiness, ours is slightly more on the roasty side, but we do it on purpose, to have better ageing effects, because we know that a lot of people buy multiple bottles just to store them and check how  it´s changing, because we are even stating on the label, with a small illustration, that it will change from  this and this  to  this and that , so people tend to buy more and store it, which is quite important for us. It´s always a blend, meaning that we have multiple maturation tanks, with our Baltic Porter available all the time, because also we want to maintain long maturation time. But each time we prepare for bottling of the Baltic Porter, we do a tasting of those maturation tanks that we know are of age, that are ready. But then, of course, you have totally different ageing speeds in different parts of the maturation cellars, and also in different vessels, just because of some differences in the inside layer, because those are old maturation tanks, with the resin inside, so old steel tanks. So, each time we prepare for bottling, let´s say we have to prepare a batch so that pre-maturation tanks would be enough to join, then we taste from at least eight, ten different maturation tanks, and select which one goes to the blend, and why. Because, from time to time, of course, you have tanks that went too dry during the maturation, but luckily you have either slightly younger, or slightly slower-ageing, tanks that you can add to the blend. So in fact, usually construction of the blend is composed of at least four or five maturation tanks together.

Markus: That s really interesting, because that is another dimension in beer which, for example in Germany, is more or less totally unknown. The only beer culture where I know, it´s still the tradition is the Belgian one, where you have all the blenders with the sour beers, and they blend differently aged barrels and different years together to get a final result. Some of the newer German breweries, like Lemke, started doing that, but to do it at such scale and with such an idea and profession alism, that´s really new. It´s interesting, because it also refers a bit to the original British idea, because the old Porters were always blends of differently aged beers. Also, as you said, it´s just a little stronger than the traditional Porter. We really have to go back, like, 200 years. Because, if you have the modern British Porter, it´s like 4%. That is definitely a bigger difference. But it´s really interesting also to see that continuation, in history, in the whole European beer world, and that s also maybe the name Baltic Porter, because it was in the whole Baltic area, something like that, of course, not everywhere the same stuff. I also think it was very good for the Polish beer scene, to finally have a first, like, its own beer style, something really Polish, in beer. Did you also feel that movement in the Polish beer scene?

Marcin: Oh yeah. I think that especially those new customers so, all the guys who started drinking beer, but knowing what they are drinking after the start of the Prawie Revolution, maybe some part of those old-style customers who were already experimenting with some new beer styles, and so on, they felt very connected with the Baltic Porter, because this is the style when, let s say, properly maintained Baltic Porters, from even the biggest corporate brewers in Poland, are pretty good. You have for example Okocim, which is owned by Carlsberg, and they have had at least, I think, two medals at the Beer [Awards] for their Baltic Porter. All of the big three players talking about the Polish market basically, it´s divided between three big corporations, and then all of the rest is 2, 3% of the market. The big ones are Heineken, AB InBev, and Carlsberg. Now not the AB, it was sold to Asahi.

Markus: Ah, the Asahi part, yes. Okay, so those three.

Marcin: So there are those three, and all the rest is some small producers in comparison to theirs. What is very important about the Baltic Porter is that, even though they of course differ so, if you compare Zywiec´s Porter to the Porter from Tyskie and the Porter from Okocim, they are still even though different from each other, all of them are representatives of the style. They are pretty well-executed, of course. If you want to have something bolder, you ll probably turn more towards ours Kormoran Amber or something like that. And then you have the slightly more wicked ideas, or the stronger, bolder Baltic Porters from the modern craft brewers. But I would say that, if you launch a brewery in Poland, and if it´s very small and you operate only on the local market, or even if you are a restaurant brewery, there is a moment probably the first or second winter of operations that you need to have a Baltic Porter. Of course, sales-wise, it will be a fraction of your portfolio, but there is always a customer who will ask you, “Do you brew it?” So it´s pretty well-established in Polish beer culture.

Markus: And it´s really widespread. This year, at the European Beer Star, on our table we had the final of the Baltic Porters and Mateusz Przecky was on our table. It was really interesting, also because he s really also a specialist on style. It was great to judge together, and to have all the differences in all these really good examples, it is was very, very interesting, great. So, as we now have this first Polish beer style, we finally come to the second one, which now really a big star in the beer world, I would say. We already mentioned the name and the city Grodzisk some times and I think that many people are really eager to hear about it. So now we come to that little secret. You already said that it was something that had more or less disappeared, and then Fortuna decided to revive that story. Maybe you can lift a bit the secret of how that came to life?

Marcin: Yes, of course. Starting from the beginning, the one fixed date that we have in documents about Grodziskie is 1601, when the guild of the brewers was formed in the city of Grodzisk Wielkopolski. From this moment you have some regulations about the quality of the beer, about ways of doing it. But the heydays of Grodziskie are more connected with the 1920s, when Mr. Anthony Thum, who was in fact of Austrian origin, when he moved to Grodzisk, he fell in love with the city. In the 1920s he decided to join all the brewers in the city together. The strange thing is that, again, like the city of Mirosław, around 5000 people, they had more than 30 brewers back then, because the city, since the mid-18th century, was already known as a brewing city. In fact, the brewing school, teaching new brewers, was one of the most expensive in, how do you say, because it covered both independent Poland and the partitions, so let s say that in the current, 21st-century area of Poland, when you go back to those years, Grodzisk Brewing School was still one of the most expensive in the Polish territory.

Markus: Maybe, also for the listeners, you have to explain a little bit that Grodzisk is a city about half an hour west of Poznań. It´s a beautiful city, with a huge history.  it´s not so big, but it was always a big city in terms of brewing and malting. And what together we found out is that, in all the archives and all the stories, it was mentioned throughout the whole of central Europe, so in the German archives, in the Polish, in the Russian, in the Austrian. It was known everywhere for beer, for its own beer but also for the malt it exported, and everything else in terms of brewing and brewing knowledge. So it´s a bit of a forgotten gem in terms of beer, a real beer jewel, history-wise, a great city. And if you go there, you still see that every other building has something to do with beer. There are the chimneys, and typical signs of beer and malting, and everywhere in the city it´s present. So you really breathe this beer history, if you walk through that city. So that is really, sometimes you get goosebumps if you go there. Really interesting. And when I was there, I think five years ago, or something like that, I was really instantly taken over by that mood. Yeah, it´s fantastic, and I love going there, and I love trying the beers, and all that history was revitalised by Fortuna and you, sorry for interrupting. Please continue.

Marcin: So, a short rewind to those 1920s back then, in the heyday of Grodziskie, when Anthony Thum connected a couple of brewers together, in those years the total yearly production of Grodziskie in Grodzisk so, one beer style in one city was over 100,000 hectolitres a year. It was exported to a couple of dozen countries, also outside of Europe, so it was huge. And again, we have the same sad part as with Mirosław, all of it declined during the Communist times. In fact, the guy who helped unite all of the Grodzisk breweries died in poverty. But the breweries were taken over by the government, one by one they were closed. Then, in the 90s, when they were bought by private owners, this building, consisting of brewhouse and fermentation, was taken over by Lech Browary in Poznań. But the strategy back then, from the foreign investors that basically divided the Polish market in the 90s, Lech also bought a couple of other medium-sized breweries around Poznań, just to state, after one or two years, “Oh, they are not efficient enough, so let s close them.” So basically they took over all of the possible local competition, and they basically just closed it.

The original brewery was also closed. Then there was a hiatus of 20-something years, more than 20-something, almost 30 years, when the style wasn´t brewed any more. Oh, sorry, I forgot about one thing, it´s also somewhat connected to the Belgian culture, the brewing in Grodzisk was always, even before the union of all the Grodzisk brewers, it was always a cooperation. They were doing collabs before it was cool, because there were brewers that consisted only of a brewhouse, to sell the ware to other brewers, brewers that had only fermentation, brewers that had, like ours, brewhouse and fermentation, and probably a couple of other options. And there was only one filling line, on the other side of town from our perspective, though this one company was serving as a bottling line to all the others. That also had some connection to the concept we are doing now because, instead of horse and carriage and some wooden vessels to transport it to the other end of town, we are using cisterns to transport it to Fortuna for filling. Of course, rodziskie was in the minds of the home brewers, guys who were still digging the history and so on about your discoveries, of course, walking encyclopaedia of Grodziskie, Mr. Marian Brzeziński,  all of  Grodziskie-philia-collector, he has a huge collection of documents, luckily, we also have scientific papers from the  60s and 70s, describing science-wise and process-wise the full process of brewing Grodziskie. After those slightly smaller-scale restaurant trials by the guys who formed PINTA later so, the approach to Grodziskie from a small restaurant brewery in Lublin, sadly they are not in operation anymore, so something began to happen, slowly. Then, when PINTA started working as a contract brewer, they also brewed a couple of approaches to Grodziskie, I believe the owners of Fortuna started, in 2011, to look at the possibilities of buying those ruins in the centre of Grodzisk Wielkopolski, to refurbish it and start brewing Grodziskie again. And in fact they succeeded, in 2015, when the first batches of beer were released. To maintain the original style, the first batches of beer were original Grodziskie, bottom-fermented, prepared according to all the sources that we have. And basically, since that moment it´s still being brewed.

Markus: What a fascinating story. So really, I can only encourage all our listeners to go there, to see the place, to try the beer. If we talk about the beer, maybe we also have to explain a little bit what Grodziskie is. So, how is it made, what does it consist of, and how does it taste? Maybe you can bring us a little picture of that beer in mind?

Marcin: The first thing that I always say, to any possible listener, is that Grodziskie is never sour beer. That is what s different. When you compare the beers directly, the first thing that you will notice between Grodziskie and Lichtenhainer is that Grodziskie is very dry, but not sour. The other very important thing about Grodziskie is that it´s a top-fermented beer, but the yeast, in fact it´s a strain, because it´s a mix of two strains, the yeast culture used to make Grodziskie, even though it´s an ale strain, it´s extremely neutral. So it gives only slight amounts of like Peru-like esters in the background. But basically it´s almost as clean as lager yeast. Even some brewers from the US, some of our dear friends from the US, who have been brewing Grodziskie for years, and they are doing a great one to maintain this clean profile, they use lager yeast in their breweries, with very good effects. The beer is very light, the beer is extremely highly carbonated, it was even called the champagne of Poland, but you cannot use that claim because of the copyright protection of champagne.

Markus: But there was a Polish word.

Marcin:  Szampan.

Markus:  Champagne, yeah.

Marcin: But you can`t say it anymore, so maybe they will block our broadcast because of that.

Markus: Maybe in France.

Marcin: So, it´s a very light beer. It has 3.1, 2.9 ABV. Highly carbonated, flavourful because of the smoke, because the beer is 100% oak-smoked wheat, which is also quite different from the other smoked-beer styles that are still alive, like German Rauchbier. Because brewing a 100% wheat-malt beer is already difficult. Especially when I tell you that this beer should be crystal-clear, that the haziness is a big fault. So it´s a challenge. This clarity is also probably caused by this high carbonation because, if you don t make it perfectly clear, it would probably gush when you opened it. So it´s an extremely refreshing light beer, we don t say that it´s totally within the No/Low trend, because it´s extremely flavourful, interesting, complex, but it´s very low in alcohol, so it´s also a perfect beer for the hot season. Also, which is quite important, even though it´s a smoked beer and of course the character of the smoke is slightly different because different wood is used, but the smokiness is also meant to be quite delicate. If you compare the smoke levels of Schenkerla Märzen to Grodziskie, totally two different levels. Because, in Grodziskie, because of the low ABV, because of the high carbonisation that also pushes the flavours up, overdoing the smokiness makes the beer less drinkable. One of the things that was very important over the years for Grodziskie, they even state it, that it´s highly drinkable. Between the wars, in the advertisements they also stated that it´s impossible to get drunk.

Markus: Yes. They even advertised it as healthy and nourishing, and all the things that they used in that time to sell beer, yeah.

Marcin: And also it´s pretty interesting about the smoke level, we always say that, and you heard that also before, we didn t find any of the historical advertisements of Grodziskie, in Polish, with the word smoke. The only word that you see in the commercials is, when the commercial is in German, is Rauch. As we guess, because you never know, because we don t have a time machine, we may assume that, because of the modern malting technologies already developing by then, in the heyday of Grodziskie it was probably desired to have the lowest possible smoke levels, to be the modern brewery, yeah? To be the new guy that is able to do the beer without the smoke, because smoke is not so sexy any more.

Markus: That was even the case before. So that we know that, also with the research here in Bamberg, which is today known for that smoky character but, in all the old times, when malting was simply just possible by using fire and also having smoke in the beer, all the maltsters tried to have the smoky touch in the malt as low as possible. So the art was not to have an intense smoke-beer, but they wanted to have the lowest possible strength of smoke-beer. And still, if you talk today to the Speziale Mälzerei, or also to Schenkerla, they also try not to have that too-intense level. Also, in the recordings, it´s the same thing. Around 1800, the first commercial smoke-free kilns started to show up around that time in Silesia. Before that, simply it was the beer, it was the malt, there was no other thing; there was always a little smokiness in there, but it wasn´t seen as smoky beer. That started when you had other beers, without smoke, or potentially without smoke. People started to see some difference and, of course, then there was the differentiation, but that maybe took until the end of World War Two, when people really realised that there is the non-smoky beer and there is the smoky beer, and there is a difference. So, I think that s it´s still a matter of perspective. Because nowadays, for all the people here in the [beer] world, they see smoke-beer as something very special but, if you go back to the old days, that was the regular beer. The special thing was the non-smoky beer. And people tried to get as little smoke as possible, to get it as drinkable as possible, on the other side. And, of course, in these days many beers got sour, many beers had other problems, so you were happy to have something to drink at all. So it was also something totally different from our enjoyment of beer. Even with what we know about beer production in the early 1950s, in western Germany many of the breweries were still using wooden vessels for fermentation, even for maturation, it was a totally different beer. So our idea of an enjoyable, refreshing beer, that maybe started in the 60s, to become what we think is a really good beer, before that was a very different thing. So it´s hard to talk about that, really. What I also found very interesting: you have a lot of things remaining from the old days in your brewery. Some date back to the time of the German Empire, and also World War Two, and you have these brandings where you had the export to the former German colonies, and you had the export to the cruise ships which went across the Atlantic, so they all drank Grodziskie on their way. And you even had some referring to the deliveries to the German army in World War Two, we found in the papers that, even in the last days of World War Two there was still a shipment of malt from Grodzisk to other breweries in the old empire. Which, at that time, with an almost totally destroyed railway network and everything, really showed the quality of the Grodzisk products, otherwise they wouldn´t have taken care about still delivering that stuff, in a time when half of the empire was destroyed. So you really see the importance of the city, the importance of the beer and the quality level that people really saw in the beer, and their love of that beer style. So that s also really interesting, and I think that gives another boost to the Polish beer heart to now have a second style, which is totally unique and totally interesting. Maybe, on the opposite side to the Porter, because you have that strong, malty, bold Baltic Porter, and then you have this light, soft, but still self-confident, bursting with activity, nice Grodziskie, which is the other way, so it´s really interesting to have all these beer styles. So, how do Polish people approach you, when you give them the beer, maybe in the festival in Grodzisk, for example? Are there people who knew it from their past, and how do they see it today, that Grodziskie is there again?

Marcin: There are some customers who still remember the old times but then, especially among those customers who were drinking Grodziskie in the Communist times, quite often you see, when you listen to their stories, you see that for sure there were some quality problems over the years. Because, when we decided to refurbish the brewery, of course you have all of the papers, all of the technology description, but you also needed to have some actual consumers, or former workers of the brewery, who would give you any information that they had. So when the flavour of Grodziskie was, kind of, in the making, and when we were searching for suppliers and so on, we also talked with almost 100 people, former workers, citizens of Grodzisk, and also some well-known people from the industry so, for example, Stan Hieronymus was also part of the small group of people who tasted the beer and gave us some feedback. So, when you read that information, especially from citizens of Grodzisk, and you wouldn´t pick the whole testimonials but only random ones, you could even end up with Grodziskie being a hazy dark beer. Because there were some errors in the production, especially in Communist times. But luckily, for us the most important part was that you also, for example, had those papers from the 60s, when a brewery and university employee prepared a whole description of the process, how it should be. So you knew that, if something occurred and the beer is not good, we could probably guess that maybe it started here, yeah? That some mistake was made, or some qualities of the suppliers, and so on. So luckily, we still have those consumers who remember Grodziskie and they are pretty satisfied because it´s alive again. Of course, you ll have those who say, “Oh, no, I tried it in the 80s and it was different.” But you always have those people, and you can´t blame them because, of course, the memory could change, the taste changes over the years, so even I am not so sure, when I get older, will I say the same things about the taste of the beer? Even though I would know, from the professional side, that the recipe and the beer shouldn´t change at all. So you never know what could change in that. But also you have the second part, the new consumers who were already interested in Grodziskie as a Polish beer style. And I believe that, with those consumers, in the first years of the brewery s operation, this group was not so big, because all of the Polish new wave consumers were extremely interested in new beer styles, mostly from the US, in all of the hop-forward beers. And then they were more interested in Baltic Porters. But over the years, not only abroad but also in Poland, the strength of the Grodziskie community has been growing very fast, because people notice one thing, that was in fact in the DNA of the beer since at least the 1920s, that it´s heavily drinkable, light, interesting, sessionable, when you go to a pub, you can sit with your friends and basically spend a whole evening drinking Grodziskie and nothing happens. So it´s still growing very fast, and I am very happy about it.

Markus: And you re also working on another career of the beer style, because you not only brew it yourself, you also encourage others to brew it. So there is also the competition in Grodzisk, which has been happening for many years now. Many you can tell us a little bit about that story, because now it´s an international beer competition. And on the other side, you have also started to give the yeast to the public, so that everybody in the world can now try to make this beer, and of course there are a lot of breweries doing it. And we have seen, even as far as South America, Grodziskie being Best of Show in a competition, this is a really great achievement. So you can tell us a little bit about that new stage of Grodziskie now?

Marcin: The idea of a new stage, I believe it was born two or three years ago, when we analysed the market and said, “Okay we are brewing Grodziskie and we are in that privileged position that we are the original Grodziskie brewery,” yeah? So, even if you try different versions, if you are interested in the style, at some point you would want to compare it with the original. And we of course knew that Grodziskie was a new niche style – even in the original brewery, in fact Grodziskie is less than 10% of the volume. Of course, you have to brew different things to have the money to brew Grodziskie. Because, especially on this broader market, customers still need to be educated to drink it and be able to love it. Because if you surprise a person, giving him or her Grodziskie without saying anything, you won´t convince them to try it. It´s the same with Schenkerla Märzen, if you see some random people going to Schenkerla and leaving Untapped half a star, with a comment: “Horrible, smoky”, they were not prepared. Because they would either avoid the place or expect something different from the beer. Another beer. So, with Grodziskie we decided that no matter what happens – meaning that no matter how many other brewers, in Poland and globally, will start brewing Grodziskie, they will never in fact harm our sales. And the biggest corporations would probably never brew Grodziskie, because it´s totally too niche for them. So we decided that the best thing that you can do, at the place where the style was born, is to promote the style, to make it easier for all of the brewers to brew it. It was November 23, I believe, when we published on our website the whole brewing recipe, together with salt composition, whole mashing, brewing, the whole process is described in a way suitable for professional brewers. Because, if a home brewer wants to brew it, they have some resources, this is one thing. And the other thing is that for both home brewers and professionals we have contact, directly to me, to ask any questions. So we released the whole recipe, and we spent a lot of time travelling with other members of the Polish judge mafia to different competitions in different parts of the world, to use any opportunity to give a talk about the style, to propagate it even more. But then, after releasing this technology to the public, in Polish and English of course, we decided that probably some of the brewers also want to have access to the ingredients. So, when the brewery was revealed, we wanted to make Grodziskie malt from scratch, made precisely in the way that was stored in malting recipes, because we didn´t add that. A malthouse was also a part of the brewery that we rebuilt. So, we had the recipe, and we tried to search for a malthouse that would agree to do it for us. And finally we found Bruntál in the Czech Republic, which is still a floor-malting malthouse. They had some experience with smoking, because they produce a whiskey malt and they dry it with peat, but they had never malted wheat, they were only doing barley. And the other thing was that they had never used oak smoke. But we convinced them, and they started malting Grodziskie malt according to the old recipe. What s pretty important, in terms of preparation of the malt, is that they were able to kiln with the smoke, whereas other Grodziskie malts on the market usually have wheat malt, which has already been dried, and then they smoke it at the end, to prepare some smaller batches of Grodziskie malt. Which is also good, because for sales of Grodziskie, niche-style, also the malt is probably not so popular. So it´s very hard to produce, for example, 25 tonnes of the malt, just guessing it will sell. So we make it in Bruntál, but we started sharing the malt a couple of years ago, with our friends from Lubbock in Texas. So once a year, when the batch of the malt is being made in the Czech Republic, they order a couple of tonnes directly from the Czech Republic, and all the rest goes to Grodzisk Brewery. And, because we were already sharing with Lubbock and they were also from time to time sharing with other American brewers, luckily each year they need more malt, and they are slightly less willing to share, because they need to brew more. So that s good news. We decided, because in the first year, when we revived the brewery, in fact when we ordered 25 tonnes of Grodziskie malt, even though we were also adding some to other beers, for variations and so on, in fact, those 25 tonnes were slightly too much for us for one year of brewing. So in fact we were using those for one and a half years. And now, with this distribution to Polish craft brewers, we are in fact using almost to just before the next malting season. Of course, it´s good for everyone, because they have access to original malt, and we have fresh malt all the time because, after the end of the old malting season, we are already out of the malt. So basically we both profit from that. When we released the malt, we knew that Tomyski, the hop variety used traditionally for Grodziskie and it was farmed near the city of Grodzisk, and the majority of our hop farms are in the Lublin area so, south-eastern Poland, we revived Tomyski also, because it had been lost, during some sad events during the war, because [the crops] were in fact destroyed on purpose. But luckily, some plants survived and our hop supplier from the Lublin area was able, with our help, to revive the Tomyski variety. Thanks to that, the brewers also had access to Tomyski because, as you can imagine, after the revival of the variety, Pawel farms enough of this variety to supply a couple of brewers, at least. In different styles because, for example, Marek Kaminski is doing a very nice pilsener with Tomyski hops, in Browar Kingpin. So we knew that even brewers from abroad, if they at least contact Polish Hops and ask, they can access the hops. But then we knew that, at least since the 1960s when they had some problems with the yeast quality, because they bought them elsewhere, they started to develop their own culture. But to form this culture, Mr Shmalec, this brewing scientist, wanted to make it as close as possible to the old one. So he started blending several yeast strains that he would obtain and propagate by himself, and in the end his final blend was two parts of one strain and one third of another strain. We knew that back then, at the brewery they did the blend each time.

Markus: And it´s both ale-yeast strains?

Marcin: Both ale-yeast. And we already have some preliminary results about the performance of those yeasts under different conditions, but we are willing to do more. So we took the yeast from the last bottles from like 93, 94 so, the yeast was preserved by a professor at Warsaw Agricultural University, Andrej Sadovnik, who was, I would say, the founder of Polish home brewing. We got the culture, we kept it at the brewery, in fact in Fortuna for a couple of years before Grodziskie was revived and then we propagated it, because Grodziskie uses only open fermenters, and of course the risk of contaminating the original culture is too high. At Grodzisk we use only the Grodziskie culture. After November 23 we know that this blend is very special in terms of its performance, because the main fermentation of Grodziskie takes two and a half or three days, and even fermenting of this White IPA, which is a 13.5 plateau, is probably four or five days. So they are very hard to be contaminated, because basically they eat all the sugars instantly, and you can basically pasteurise them all the time. Now we also know that the culture is very stable because we have some, two strains in it, in a ration of 75:25%, so we guess that those are the cultures that were initially used. So we decided to give this culture to the public. Since we knew that probably the majority of the interested brewers are in the US, we decided to talk with a couple of companies, during the Crop Growers Conference. Then we decided to work with White Labs, because they also have a facility in Europe, in Copenhagen. In exchange for having a safety back-up at White Labs, and in order to compare the results of our culture and the culture that we gave, we can once a year order a Grodziskie culture from them, to do parallel batches. So, only for that, we donated the strain to them, so that they can release it on the market, so that we can say to every brewer, in whatever part of the world, “Just contact White Labs, and you will also have original yeast.” Thanks to that, we still have more Grodziskie, but we also have one thing more: we have some recognition of the strain itself, because we are not the only one experimenting with making different beers with the same culture.

Markus: I also think it´s the awareness of the Polish beer culture, the awareness of Grodziskie, which is much stronger now, because it´s everywhere in the world. Also, I think the competition that takes place and took place in Grodzisk, which started as a reference to that home brewing history, where we always had, I think, two categories, the traditional Grodziskie and the creative Grodziskie. And now, since this year, there is also an international competition where professional brewers can take part, I think that s another keystone of that development, to bring Grodziskie on to the international tableau everywhere.

Marcin: Oh yeah, it´s extremely important for us because thanks to that, of course, when the professional brewers participate, by giving feedback we can improve their approach to Grodziskie to maintain the core of the style, let s say, it started as a home brewers competition, in fact, it was held for at least 16 or 17 editions before the [Grodzisk] Brewery was brought back to life. It was a home brewers competition where the judges were mainly those most experienced Polish home brewers, and also those former workers of the brewery. So they had had this competition for years, being back then only a classical approach competition, it was called Prawie Grodzisk, Grodzisk is just another way of saying Grodziskie, so Prawie Grodzisk  is like “almost  Grodziskie ”. So they knew that it would probably be quite hard to replicate, but they did a tremendous job over the years, to keep the style alive. There was even a case where one of the home brewers won so many times that they forbade him from sending the beers, they moved him to the jury. He was later the founder of one of the Polish contract breweries. They opened, I believe, about one year, half a year before us, I am talking about Olimp Brewery. When we revived the brewery, we also contacted the organisers of the competition, to maybe make it´s slightly bigger. And then I don t remember precisely when, but it was at least in the first year after reviving the brewery, there was one creative Grodziskie as you said, brewed, without the help of home brewers. It was Grodziskie with Citra hops and scented Earl Grey tea. Then, since the second year, the competition had already introduced this creative category for home brewers, of course, there are cash prizes in both categories, but the biggest prize for the home brewer is that next year, for this Grodziskie Festival, his beer will be released, made on our equipment. So each year, of course, depending on the recipe of the home brewer and depending on the amount of time that he declares is needed, but usually in April or, by the latest, the first half of May, we brew the recipe of the home brewer on our equipment. So, 100 hectolitres brewhouse. In most cases three batches, because the fermenters are 300 hectolitres. But with some effort it´s possible to brew two batches so, not to fill the fermenter to the brim. Each year we have a different variation, and after a couple of years we decided that, the competition is already quite known, and we had already had some questions from international professional brewers that wanted to send their beer to the competition, but not to participate because it´s professional Grodziskie. So they wrote, like, “Can I send the beer? So the judges or if I send it too late, so you can send me some feedback about this beer, because I want to make it properly.” So we decided, “Okay, let s make it easier. Let s make a third category, being a commercial one.” So this was the first year when we had the commercial category and we had entries from, I believe, almost ten countries. We had some entries from the US, thanks to Adam Reynolds, one of the judges, who agreed to take all of the American samples in his luggage. Then we had some samples from The Netherlands, the UK, Germany of course, and in fact we had, I personally love their approach, because they are basically brewing a clone, got the Gold in the Commercial Grodziskie category. I am trying to recall the Silver now, because the Bronze was from Lemke, yeah?

Markus: Yes, the Bronze was from Lemke, and the other one was also a US brewer.

Marcin: Oh, Goldfinger!

Markus: Yes.

Marcin: Which is also funny, a brewery which has connections with Poland because I don t remember, the grandfather, or great-grandfather of the owner of Goldfinger was a brewer, and a barrel-filling and emptying equipment producer in Kraków. So he had some connections, and he decided, “Because I am part-Polish, I need to brew a Polish-beer style,” and he is also very good at it.

Markus: And it´s a little bit the same story with Lemke, because their CEO is also from Poland. And we both visited the brewery, I think it was three years ago, at their big barrel festival, where we had the ice destil bottles and visited Bastian, the brewer and I gave him some bottles of Grodziskie and he was really propagating the yeast and working on it. He was very proud that he had made his Grodziskie and he instantly had the third place, the Bronze Medal, he was very happy about that, so that s really crazy how everywhere in the world, people try to approach to that beer style and beer culture. I think, it´s also really good because it brings Poland really back onto the map, also beer-wise. And this is really good, I am very happy about that. Big fun! And everywhere we are in competition, and that maybe brings us to the last part of the interview because, I think also for you personally, it must be a very interesting experience, as you are now judging all over the world and all the competitions, from Chile to Japan. The life as an international beer judge is a lot of fun, because you go to all these countries, you are never a tourist, you are always like a friend or like a family member, and you experience all these cultures and people and beers and everything in a very different and special way, so how is that for you? How did that change your life? Was that something you expected, maybe, ten years ago?

Marcin: Definitely, ten years ago, not. I think it was, again, a lot of very lucky coincidences, because, of course, the first thing that was definitely needed from Fortuna and Grodzisk is that, let´s say, they saw that me being a guy quite involved in that judging culture, meeting other judges, checking other perspectives on the styles, other markets and so on, they wanted to support that. One good thing is that, at the same time, they had the best possible way of educating me about other beers, and also they had some additional recognitions of the beers that are being made in Fortuna and Grodzisk. That was the first thing that had to happen. Then, the second important thing was, because we´ve been speaking now for one and a half hours, that I like to speak about beer. Probably that was one of the factors, because I am very open-minded, very open to others, talkative and communicative and so on. Even when my English is not perfect, I kind of ignore it because I know that when the message is delivered, it´s good. So, thanks to those things, I just started at first applying, and then maybe receiving some invitations to the competitions, and also it´s being strongly supported by my company, because they see some value in that. By the way, when you talked about different countries, I don t know who is listening, but Japan is still on my list!

Markus: “Hello, hello!” Maybe, we will let them know.

Marcin: Especially because they brew quite a lot of Grodziskies. Meeting those judges from different backgrounds and reaching those further parts of the planet, now especially, a couple of years in a row, southern America, because it´s already Chile, Paraguay and Brazil, and each time again it´s Grodziskie done everywhere. I believe one of the most important things, like joining competitions as a participant and also as a judge, was when I judged at European Beer Star, and we also convinced Gillian to have this separate category for Grodziskie. And in the first year which was the most amazing thing about educating other countries, because at EDS you have judges from the whole brewing world, we were able to give that talk about the style to all of the judges, stewards and team members, together with a tasting of two Polish-made Grodziskies. So it definitely kickstarted all the other activities. I remember, after this talk at EBS, we spent half an hour already talking to a couple of judges immediately after the talk, and also we had a lot of contacts, days later, after I got back to Poland. So I love having this opportunity and, of course, I hope that in every country at least one brewer is in the end convinced to brew his approach. For example, I remember, when we went to Brazil, in that competition when in fact the Best in Show was a classical Grodziskie made in Brazil. I remember that, during that stay, we basically brewed four different creative Grodziskies, with two brewers, on two different set-ups. So it was also a very active competition, looking from the Grodziskie perspective.

Markus: So it can be also a lot of work. But also nice work, interesting work, and also expanding knowledge in the end. I can really also only encourage all the listeners to try all these creative Grodziskies, because it´s so interesting to have all kinds of spices and fruits and other ingredients, all together with a lot of experience and experiments in any way. And that´s always big fun, I always love when I am at that part of the competition, to really get to new tastes, new fruits, new spices, new combinations. Together with that smokiness, that s always really interesting. A lot of them really make very rounded, very balanced, very nice, very drinkable versions, even if they sound crazy if you read about them in the paper, that´s really fascinating. I think that´s a great part in both of our lives, to experience how far we can go with beer and what experiences are possible. But maybe, to go back to the beginning, we were talking about you also being a cat sommelier. So maybe you can just give a little insight into your personal history? Because that´s really interesting, that you more or less built a house around your cats, or for your cats. It´s great, and how did that come about in your life?

Marcin: To start with, I was always an animal person, meaning that, even when we lived in another part of town, with my parents, I remember kids bringing injured dogs, birds that had fallen out of their nests, to us, because they knew that we would take care of them. With my sister, and of course with the help of our parents, so it was always somewhere there. In fact, my first pet that I had at home was a sparrow. We got a sparrow that had fallen out of a nest, and we taught him how to fly, petted him, and he stayed with us for almost two years. We even tried to release him in the middle of the protected part of the forest but, after a trip to the trees, it went back to the steering wheel of the car. Later, I would say, that back then I was slightly more of a dog person. I never had a dog or any of the bigger pets. I had fishes, this sparrow, afterwards some canaries so, not so very interactive animals, yeah? But then, when I met my wife, she already had cats at home, I was slightly more of a dog person, basically because I didn´t understand cats so well. I didn´t understand my position in that relationship. Now I know the assignment. That´s why the album that I always share with beer judges, when it clicks, when you hear that probably the other judge is also a cat person, I am already prepared. I remember, I prepared this album and sent this to Ivan from Brasserie de la Senne. So the album on Google Photos is called Cat House, 2 Servants. So, when I met my wife, I was allergic to cats, a bit. Meaning that it was on the boundary of asthma, so it wasn´t very convenient. Because of that, we never took on a cat. But then, when I was at the brewery in this southern part of Poland. Of course, a movie scene: the middle of a storm, heavy rain and so on, and someone just left a box with three kittens in front of the brewery. So we took them inside, too care of them during the week at the brewery, but of course I contacted my wife and said, taking the risk, but also because I didn´t think that it would go so quickly, because I said to her, “You know, I don t know what my reaction is, because they are basically not in a small, closed space with me”, because they were roaming around the offices and sleeping in a cardboard box outside but under a roof, so I don´t know my reactions yet. But maybe if we could find a home for the remaining two cats, we can take the third one.” I believe it took her one hour, to ask some friends, convince one friend on the way back to home, because back then it was almost 300 kilometres from the brewery to my home. So I had spend the week in southern Poland and then I had travel back, usually with the company owner. So we travelled back, we had this cat transPorter, this plastic box with a cage, so I had those three kittens inside, on my lap. Of course, I wasn´t driving, but I remember that, during this journey to Toruń and it was mostly highway, so it took maybe two and a half hours, I used a whole roll of toilet paper, because it was horrible for my nose and for my eyes. But of course, the decisions had been made already, so we had this one cat. Because, at least for a time, for my respiratory tract it was quite irritating, we called this cat Fennel. Sadly, after a couple of years he fell ill with quite a rare condition and we had to say goodbye. But through this, after we had adopted him, I decided that the only way to get rid of this allergy is to come into contact with the allergen as often as possible. Because even if you have those injections that cure you of the allergy, they use the most common cat allergen, the most common types of protein that give you this reaction. So you re never sure whether it´s the same variant your cat has. So I was basically inhaling, in the evening, through the cat. I just put my nose to his belly and inhaled as much as possible. As you can imagine, my respiration was quite loud the first nights, but then slowly disappeared. In fact, since then I have never had an allergic reaction to a cat. At least not a severe allergic reaction because, especially if you meet a totally new cat, of course, I try to meet a lot of cats abroad so, to compare, is petting a Paraguayan cat the same as petting a Polish cat? Yes, as a sommelier, so you never know. Maybe a small rash or a runny nose for a couple of minutes is all you get. And then we decided, when we built a house in the middle of a forest, “Yeah, let s adopt two cats,” because when you have two they have someone to play with when you re at work, so it´s better for the cats. And now we have six. Because we adopted them, like, in waves. First, two, second, two, and then I said, “No, we are not ready to take the third pair,” and I saw a lovely cat after some accident, she was missing one of her front legs, already in the shelter, so I took Christine from the shelter. Also thinking, “Okay, now we are breaking the cycle,” because it´s two, two, one, so it´s the end. We have five. But later it turned out to be six. What´s important about the house is that we have a huge patio and it´s in the middle of a forest, so the outside area is covered in a metal net and it´s also covered with a roof. They have all the possible shelves and scratching posts and whatever else in the house. But then, when we are at home, they can also go through the window outside, and the outside area for the cats is bigger than the total inside area of the home. So they are totally spoiled, of course. But this is the way it´s should be.

Markus: Yeah, like back in the zoo. Fantastic. Great, thank you very much for that insight into your beer life and your personal life, and also thank you for your friendship. I am very happy about that and I am looking forward to the next time we meet, it´s should be quite soon, I hope. Again, thank you very much, that was a great talk and a huge insight into the Polish beer industry, and I can only wish you the best of luck, for your family, for yourself, and also for the beer. I am looking forward to the next time we re meeting each other again. Thank you.

Marcin: Thank you, Markus. Glad to know you.

BierTalk – Der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

BierTalk Spezial 71 – Interview mit Cindy und Petra Elsenbast, den „Bierschwestern“ aus Luzern in der Schweiz

In dieser Folge reisen wir nicht nur bierisch, sondern auch persönlich über die Alpen – direkt nach Luzern, wo die Bierschwestern Cindy und Petra Elsenbast zu Hause sind. Zwei echte Geschwister, die ihre Leidenschaft fürs Bier teilen, leben und weitergeben – sei es als Biersommelières, als Jurorinnen bei internationalen Wettbewerben oder einfach als begeisterte Botschafterinnen für Genusskultur mit Hopfen und Malz.

Markus trifft die beiden in Bamberg zum Gespräch – es geht um dunkle Spezialbiere wie den „Finsteren Hubertus“, um die Braukultur zwischen Jura und Tessin, um Bierreisen durch Europa und Südamerika, um Pairings mit Schokolade und Käse – und sogar um Tauchausflüge mit Haien.

Ein ebenso herzliches wie wissensreiches Gespräch über Bier, Familie, Lebensfreude und die vielen Facetten des Genusses – und eine große Einladung, die Schweiz einmal durch die Bierbrille zu entdecken…

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute sind wir einerseits in Bamberg, mal im Büro, zuhause sozusagen, andererseits reisen wir natürlich auch wieder ein bisschen in die Welt, und zwar diesmal in ein Nachbarland, in die Schweiz und wir haben dort die Bierschwestern. Ja, spannend. Also 2 wunderbare junge hübsche perfekte Damen, die mir hier gegenübersitzen, die Bier mitgebracht haben, mit denen ich mich schon ganz toll unterhalten habe, wo wir in Nürnberg auch schon gemeinsam angestoßen haben, auch sogar schon auf diesen Podcast. Und ich freue mich total, bin total gespannt jetzt auch auf die nächsten Minuten, Stunden, Tage, mal sehen, die wir uns unterhalten. Und vielleicht stellt ihr euch mal ganz kurz unseren Hörern selber vor.

Cindy: Ja, hallo zusammen. Hallo Markus, zuerst Mal herzlichen Dank, dass wir hier bei dir in Bamberg sein dürfen, es ist mega cool, dieser Einladung haben wir natürlich Folge geleistet. Mein Name ist Cindy Elsenbast, ich bin die Jüngere, 78 geboren, Biersommelier seit 21 und Leidenschaft zum Bier schon, ehrlich gesagt, schon bevor des legalen Alters, das wir bei ihr trinken durften. Ja, ich glaube, in diesem Talk werden wir noch viel dazu kommen, wo wir schon waren, wo wir leben und so weiter. Und da gebe ich gern das Wort meiner Schwester.

Petra: Ja, hallo zusammen, ich bin Petra Elsenbast, ich bin die ältere Bierschwester. Ich freue mich schon unglaublich auf diesen Talk, mein erster Podcast und ich hoffe, ihr versteht uns auch mit unserem Schweizer Dialekt.

Markus: Also ich komme zurecht, alles bestens. Und ihr seid wirkliche Schwestern?

Petra: Ja, die Mutter sagt es und der Vater auch.

Cindy: Und ich denke, die, die uns kennen, wir können es optisch auch nicht leugnen. Weil die eine sagt zu mir Petra, die anderen sagen zu Petra Cindy und letztendlich, irgendwann reagierst du fast schon auf beide Namen. Nee, wir sind Schwestern. Irgendwann kam halt der Name Bierschwestern, wie es dazu gekommen ist, ich habe Ahnung, du vielleicht, Petra.

Petra: Es war mal, wir beide durften schon an der WM der Biersommeliere teilnehmen und der 1. Artikel in der Luzern Zeitung hieß dann, ja, die Bierschwestern vertreten die Schweiz in München. Und irgendwann hast du dann halt den Übernamen, die Bierschwestern.

Markus: Hat man diesen Stempel so ein bisschen aufgedrückt.

Petra: Ja, genau.

Markus: Aber ist ja auch cool, also ich finde es einen sehr, sehr schönen Begriff eigentlich. Und wenn du sagst, ihr habt Bier schon verkostet, bevor es legal ist, das ist ja in Europa sehr unterschiedlich. Also hier in Bamberg zum Beispiel dürften wir ja aktuell zumindest mit 14 offiziell schon Bier trinken. Wie ist das denn bei euch gewesen oder ist es noch?

Cindy: Ich weiß, also heute ist sicher 16, also Bier und, ich denke, stärkere Bier sind dann schon auch erst ab 18. Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob es zu meiner Zeit 14 war.

Petra: Also zu meiner Zeit war es wirklich 14.

Markus: Okay.

Cindy: Ich weiß nicht, ob es zu meiner war. Man muss halt auch sagen, unser Vater war Gastronom, der hat ein Restaurant gehabt und immer so zur Zimmerstunde, das ist so nachmittags um 3 bis 5 halt, wo wenig läuft, habe ich halt vielfach der Bedienung gesagt, macht mal Pause. Und wenn dann doch jemand kam und ein Bier wollte, habe ich da halt gezapft und dann schon immer mal wieder etwas probiert und ich bin überzeugt, das war vor 14.

Markus: Also man wächst in die Rolle einfach rein, das kann ich mir gut vorstellen. Apropos, gibt es denn noch weitere Schwestern und Brüder oder seid ihr die Familie sozusagen, eure Generation?

Petra: Ich glaube, das reicht. Nee, wir sind zu zweit, das passt.

Markus: Und wart auch immer, so wie jetzt, viel zusammen, eng zusammen oder hat sich das auch verändert im Laufe der Zeit?

Cindy: Ich lasse das mal meine Schwester Petra beantworten.

Petra: Als Ältere, vielleicht alle unter euch, die jüngere Geschwister habt, ihr wisst, wie die nerven können, vor allem, wenn es 5 Jahre Abstand sind. Mich hat es dann zur Teeny-Zeit extrem genervt, also die kleine Schwester dann immer mitkam.

Cindy: Und aber nicht durfte.

Petra: Und aber nicht wollte oder nicht durfte. Und irgendwann, weißt du, so mit 19, 20 war das okay, wenn sie mitgekommen ist. Und jetzt später ist es sogar sehr gut, wenn sie mitkommt dann, zu zweit findest du den Weg besser nachhause.

Markus: Ja und ich denke einfach, man hat immer einen Partner oder in dem Fall eine Partnerin, wo man sich 100 Prozent verlassen kann, wo man sich einfach kennt in jeder Situation und einfach weiß, das funktioniert, das finde ich schon sehr, sehr schön und ist ja auch toll. Und ich erlebe euch ja auch, wie ihr miteinander dann da überall seid und das ist ja perfekt eigentlich. Und das Thema Bier ist dann auch etwas, was euch die ganze Zeit schon begleitet oder wann, würdet ihr sagen, seid ihr draufgekommen, dass das etwas ist, mit dem ihr euch beschäftigen wollt?

Petra: Ja, wie Cindy schon gesagt hat, wir haben früh schon Bier getrunken, auch unterschiedliche Biere, obwohl es in der Schweiz zuerst einmal eigentlich das Lagerbier gab und sonst fertig. Wir reisen beide gerne. Früher war es so, dass wir zuerst Mal die Länder rausgesucht haben und sich für die Länder entschieden hat. Mittlerweile ist es fast umgekehrt, wir schauen uns die Biere an und wohin geht es als Nächstes, welche Brauerei ist cool oder welches Land ist cool. Und, ja, ich finde, Bier ist das tollste Getränk, es vereint alle Menschen auf allen Ländern, auf allen Kontinenten. Irgendwann mal ist die Sprache dann nebensächlich, man versteht sich auch so. Und, ja, Bier ist halt das, was verbindet.

Cindy: Und bei mir eben, Bier hat mir wirklich schon immer geschmeckt. Ich habe das Glück, ich arbeitete für eine internationale Firma, durfte dann, das war noch im letzten Jahrtausend, eben 98 nach England. Habe dann 1 Jahr in London gewohnt und dort wirklich auch die Pub-Kultur kennengelernt, die unterschiedlichen Biere, halt wirklich die Cask Ales, ich fand das halt alles faszinierend toll. Und nahtlos durfte ich dann in die USA, lebte dann dort für etwas mehr als 3 Jahre und das war eben Anfang der 2000er. Sehr interessant waren dann auch die ersten Bierstile, ja, wie IPAs. Ja und so ist halt wirklich dann die Leidenschaft des Bieres geworden. Und irgendwann haben wir gesagt, da würden wir gern mehr davon wissen, auch Hintergrund, die Geschichten, und so ist es dann zum Biersommelier gekommen.

Markus: Und kann man ein bisschen sagen, weil da wart ihr ja eigentlich relativ bald dran oder früh dran für Europäerinnen, sage ich mal so, also bei uns war ja, also zumindest in Deutschland hat es auf jeden Fall noch länger gedauert, bis die Brauereiwelt hier sich ein bisschen verändert hat und ich denke, in der Schweiz auch. Also kann man sagen, dass ihr praktisch am Anfang ein bisschen ausgezogen seid, um das Bier kennenzulernen und jetzt hat sich bei euch Daheim auch eine Vielfalt eingestellt, wo ihr sagt, Mensch, da kann ich auch in der Schweiz ganz glücklich sein, also nicht nur, auch?

Cindy: Ja. Also ich denke eben, wie du gesagt hast, in Europa hat es etwas länger gedauert. Ob es jetzt in der Schweiz noch irgendwie 1 Jahr oder 2 Jahr später als in Deutschland war, weiß ich, ehrlich gesagt, nicht, aber da käme es auf diese 1 Jahr auch nicht drauf an. Und ja, die Schweizer Biervielfalt, wir haben ja wahnsinnig viele Brauereien, also die größte Dichte der Brauereien auf Anzahl Menschen, wo wir sind, also wir haben sehr viele. Halt auch sehr, sehr kleine, also von ganz, ganz kleinen zu größeren, die halt auch zu Konzernen gehören. Aber da haben wir auch sehr viele Bierstile. In der Schweiz sind wir auch sehr bekannt für Sauerbiere, halt eher so Richtung West-Schweiz, in Jura haben wir sehr viele Sauerbiere, wo wir halt auch dann zu denen hinfahren. Und eben, du kannst dann wirklich von Zuhause aus Bierreisen machen für das Wochenende und muss da nicht immer Monate oder Jahre sein, wie wir teilweise auch schon reisen durften.

Markus: Und da ist ja auch wirklich so, dass die nur einen ganz, ganz kleinen Verbreiterungsraum haben, also vielleicht bei ihnen zuhause sozusagen, in der Garage vielleicht oder ein Nachbardorf, aber das war es dann auch, ne, wie ich das so mitbekommen habe in der Schweiz.

Cindy: Genau, weil bei uns in der Schweiz kannst du dich, wenn du 400 Liter und mehr machst, kannst du dich eintragen lassen. Und das ist natürlich der Stolz von jedem Brauer, sich eine Nummer geben zu lassen. Jetzt sind wir irgendwie bei 1500-irgendwas, schlag mich tot. Und das ist natürlich toll, wenn du mit 400 Litern, eigentlich fast Hausgebrauch, dir so einen Namen machen kannst.

Markus: Ja, cool. Apropos, ich hatte ja lange Zeit den Holger hier als Co-Host und immer, immer ganz wichtig, so spätestens nach 5 Minuten wurde er nervös.

Cindy: Genau, weil ich wollte jetzt eigentlich auch schon sagen, irgendwann dürstelt es mich jetzt.

Markus: Also für alle, die jetzt logischerweise nicht zuschauen können, wir haben hier ja eine ganze Batterie an Bieren aufgebaut, die hier gegenüberstehen. Also alle werden wir vielleicht nicht schaffen, aber einige, da bin ich schon sehr gespannt. Und da sind ja auch welche dabei eben von euch sozusagen, aus eurer Heimat oder zumindest aus der Schweiz. Wollen wir vielleicht mit einem von denen anfangen? Ich überlasse euch gern die Auswahl.

Petra: Ja, ich würde mal den Finsteren Hubertus vorschlagen. Und zwar, das ist ein Bier aus Luzern, aus der größten Brauerei von Luzern, von der Eichhof Brauerei. Und es ist das älteste Kraftbier der Schweiz, von schon 1906, es ist ein dunkles Spezialbier. Wir werden es jetzt verköstigen und dann mal schauen, was das heißt. Weil, sonst gibt es nichts, was dieser Bierstil ist. Die Schweiz hat leider Gottes immer noch keinen Bierstil, aber das ändert sich in nächster Zukunft.

Markus: Hoffentlich, ja.

Cindy: Bin ich total überzeugt! Und ich habe das ausgewählt, weil es erinnert mich so auch so, wo ich noch so 20 war, wo viele meiner Kollegen und Freunde einfach das Lagerbier getrunken haben und ich da zumal schon das Dunkle fasziniert hat.

Markus: Also da muss man vielleicht noch so als Site-Information sagen, es ist ja schon so, dass in der Schweiz mehr oder weniger sich so ein allgemeines Helles durchgesetzt hat, irgendwo zwischen Hellen und Pils, wobei der Begriff Pils in der Schweiz ja nicht verwendet wird.

Cindy: Ja, jetzt schon.

Markus: Jetzt schon, aber lange Zeit nicht wurde, weil man eben mit den Pilsener da auch irgendwie so ein Abkommen hatte. Und daher natürlich, wenn das Bier eigentlich ein Helles war, ist natürlich schon ein Dunkles alleine schon eine Besonderheit. Also es schaut schon mal von der Flasche her ganz spektakulär aus und da steht auch, dass leicht süßliche Dunkelbier aus 3 verschiedenen Malzsorten. Okay, dann mache ich mal auf, schauen wir mal, und schenke euch ein. Gläsermäßig musste ich übrigens einen kleinen Kompromiss machen, weil, wir sind hier im BierAkademie-Büro, aber ich habe festgestellt, dass wir nur noch 2 von unseren aktuellen Verkostungsgläsern haben. Aber dafür habe ich noch 1 von unseren ursprünglichen Verkostungsgläsern gefunden, das ist ein bisschen größer.

Cindy: Passt auf einmal rein.

Markus: Da kann man sogar einen 1/2 Liter reintun, das war damals auch die Intention. Aber es ist ein schöner Kelch, das würde auch funktionieren. So, dann gebe ich mal was rein. Möchtest du das große oder das kleine Glas?

Petra: Ich überlasse dir das Große.

Markus: Okay. Also optisch Wahnsinn! So, ja, na dann erst mal, schön, dass ihr hier seid, Prost!

Petra: Prost, vielen Dank.

Cindy: Markus, zum Wohl, Prost. Und in der Schweiz ist eben so ein Ding, wenn du anstößt und in einer kleinen Runde bist, sagst du meistens noch den Namen dazu.

Markus: Ah!

Cindy: Es ist schön, wenn du in der hintersten Reihe bist, dann hörst du es, dann weißt du immer, wie die Leute heißen. Und ansonsten, wenn es zu weit weg ist, sagen wir halt immer Prost und soll gaute. Das heißt irgendwie, soll gaute heißt, soll auch dir gelten. Wenn du zu weit weg bist, mein Arm ist ja nicht soweit bis zum Letzten, dann hebst du dein Glas und sagst Prost und soll gaute.

Markus: Ja und so sage ich Prost und dann Cindy.

Cindy: Ja, genau.

Markus: Ah!

Cindy: Prost, Markus. Und wenn du das ein paarmal machst, dann kannst du dich wirklich an jeden Namen erinnern.

Markus: Eine schöne gute Idee. Also Prost!

Cindy: Prost, soll gaute. Also der Schaum hat ja die lange Reise von diesen 500 Kilometern jetzt hierhin wunderbar überstanden.

Markus: Wunderbar, ja.

Cindy: Auch die Farbe, es glänzt wirklich schön, es ist dunkel. Jetzt gehen wir mal rein. Ja, wie auch in der Nase, mit diesen 3 Malzen hat es richtig eine schöne Malznote mit Karamell. Hintenheraus vielleicht sogar schon ein bisschen dunkle Schokolade, geht auch ein bisschen ins kaffeeartige. Und eben, dieses Bier gibt es seit 1906. Was würdest du das für einen Bierstil?

Markus: Hm.

Cindy: Die Bittere kommt nach.

Markus: Das ist gar nicht so einfach vom Bierstil her einzuordnen.

Cindy: Wir sind uns eben auch nicht einig. Und auf der Website steht eben dunkles Spezial.

Markus: Also entweder ist es ein sehr modern interpretiertes Dunkles oder ein auch etwas moderneres Wiener Lager. Irgendwie so in diesem Dreh würde ich das sehen, weil es auch so von der Malzseite her, ist es eher ein Dunkles. Also wir haben dunkle Malze, wir haben Röstmalze, wir haben, wie du schon gesagt hast, Schokolade und diese ganzen Röstnoten dabei. Wir sehen auch am Schaum schon, der ist richtig schön gefärbt, getönt, also da ist auch echtes dunkles Malz mit drin, das auf jeden Fall. Von der Farbe an sich her sind wir im helleren Bereich für ein Dunkles, also Kastanie oder so würde ich da so, ungefähr jedenfalls könnte man das so sagen. Aber das ist üblich, also da ist ein Dunkles durchaus auch zuhause, zumindest wenn man jetzt nicht gerade in München ist, und dementsprechend wäre das völlig okay. Was ich dann vom Geschmack eben ein bisschen anders finde ist, dass es verhältnismäßig schlank ist und eben diese kräftige Bittere auch einfach hintenraus hat. Und das ist nicht nur eine Malzbittere, das ist auch eine Hopfenbittere und die hätte man jetzt in einem klassischen Dunklen eher nicht, zumindest nicht so stark, aber es gibt halt moderne Interpretationen, wo man das so macht. Wiener Lager habe ich in Österreich schon die ein oder anderen getrunken, die so interpretiert werden. Da haben wir das Problem, es gibt ja das traditionelle Wiener Lager nicht mehr, weil es da einfach einen Bruch dazwischen gab und deswegen weiß keiner, wie das ursprünglich mal so wirklich war und deswegen kann auch keiner sagen, so muss es sein, dementsprechend sind die Interpretationen einfach auch riesen groß und da könnte ich mir sowas auch vorstellen. Wo würdet ihr das oder habt ihr geschwankt?

Cindy: Petra hat ja gesagt, die Schweiz hat keinen Bierstil.

Petra: Bis jetzt, zumindest jetzt noch nicht.

Cindy: Bei uns, wie du es auch schon korrekt gesagt hast, in der Schweiz ist es eher ein Helles oder wir sagen halt einfach ein Lager Bier, Synonym zum Hellen. Und ein Pils durften wir ja nicht erwähnen aufgrund des Abkommens, die wir mit der Tschechischen Republik da noch hatten, dass sie Käse nicht, ich weiß jetzt, was es jetzt Emmentaler oder Tilsiter?

Petra: Das war der Emmentaler. Also die durften halt bei sich den nicht Emmentaler nennen.

Markus: Genau, das war der Deal, ja.

Cindy: Und wir durften es kein Pils nennen …

Petra: Und deshalb war Spezial.

Cindy: … und deswegen war Spezial. Und da steht eben auch drauf, ein dunkles Spezial und ein Spezial ist ja eigentlich ein Pils, nur gibt es ja keine dunklen Pils. Sind es Pilse oder Pils?

Markus: Solange du nicht Pilze sagst, ist alles gut.

Cindy: Genau, also Pilse mit s. Und deswegen, ich würde eigentlich sagen, es ist eher etwas Neueres, also ein dunkles Pils gibt es sofern nicht. Aber eben, wie du auch gesagt hast, es ist schlank, es hat eine bittere Note, es hat aber auch die Malzkomponenten drin. Und für mich ist es für ein bayrisches Dunkel eher auf der zu bitteren Seite.

Markus: Ja.

Cindy: Wenn du jetzt die Augen zu machst und du würdest das Dunkle nicht sehen, du hast aber die Malznoten, halt eben ein dunkles Pils.

Markus: Also gehe ich auch mit. Das ist ja das Schöne, es gibt ja nicht schwarz und weiß, sondern wir bewegen uns da ja in so einer Wolke. Und, ich glaube, es kommt einfach drauf an, wo man sagt, wo ist die Basis, mit er dann experimentiert wurde. Also sage ich, es ist ein Dunkles, wo man dann mit der Bittere und dem Körper experimentiert oder ist es ein Pils, wo man mit den Malzen experimentiert, …

Cindy: Richtig.

Markus: … man kommt am Ende immer gleich raus. Das einzige kleine Bisschen, wo ich vielleicht sagen würde, dass es eher auf der anderen Seite ist, es gibt so dunkle Pilsniere und die haben aber in der Regel eben nicht echtes dunkles Malz sondern Röstmalz …

Cindy: Okay, ja.

Markus: … und haben dann trotzdem eben einen weißen Schaum und so. Aber wie gesagt, das Witzige ist ja, diese ganze Bierstildiskussion ist eigentlich vollkommen egal …

Cindy: Hauptsache das Bier schmeckt.

Markus: … also Erstens das …

Cindy: Erstens das.

Markus: … Erstens das und Zweitens sind ja all unsere Bierstildefinitionen viel jünger als die Biere selber. Man hat ja Bierstildefinitionen erst gebraucht, als man Bierwettbewerbe angefangen hat und vorher war das völlig egal. Und mit einem Wettbewerb brauche ich natürlich Regeln und dann muss ich irgendwie schauen, wie kriege ich irgendwas einsortiert. Aber das heißt eben noch lange nicht, dass jemand, der ein Bier braut, das er halt schon seit 15 Generationen so macht und das irgendwie nennt, automatisch was falschmacht, nur weil er nicht so braut, wie der ein oder andere Wettbewerb das haben will.

Cindy: Genau.

Markus: Also insofern, ja, also ich finde es auf jeden Fall ein sehr gelungenes Bier. Es ist ein sehr erfrischendes Bier, es ist ein sehr rundes Bier. Es hat durch diese Bittere auch eine richtig schöne erfrischende Wirkung, also ich mag das, sagen wir mal so. Und klar, ich meine, das Einzige ist halt, wenn ich so mit den Augen rangehe und sehe diese schöne dunkle Farbe, dann bin ich halt, so als Franke erwarte ich mir natürlich noch mehr dieses Nougat-, Nuss-, Schoko-Dingsbums, was ich jetzt hier nicht habe. Aber das macht nichts, also man lässt sich ja auch gern mal überraschen und verführen oder entführen oder wie auch immer. Also auf jeden Fall vielen Dank, das ist auf jeden Fall ein tolles Bier und ich kann nachvollziehen, wenn ihr da eben dann das hattet und es war auf jeden Fall deutlich anders, aber hat euch trotzdem mitgenommen von dem, wo ihr wart, also jetzt nicht ein totaler Bruch. Das ist natürlich schon schön, ja.

Cindy: Ja und es ist ein sehr schönes Einsteigerbier für den heutigen Nachmittag.

Markus: Ja und Hubertus ist auch ein schöner Name und ein Hirsch vorne drauf. Apropos, du hast jetzt gesagt, das ist in Luzern. Wo seid ihr beiden denn eigentlich? Weil, für uns ist die Schweiz ja zwar jetzt nicht so groß, aber zumindest größer, als das man sagt, es gibt nur einen Ort. Aber vielleicht habt ihr es auch gesagt.

Cindy: Na, eben, weil, als Petra gesagt hat, es ist von der Eichhof in Luzern, habe ich gesagt, habe ich beim Vorstellen jetzt überhaupt schon gesagt, von wo aus der Schweiz. Die Schweiz ist zwar klein, also relativ klein, aber auch wieder nicht so klein. Also wir sind aus Luzern.

Markus: Ach so, na dann.

Cindy: Wir wohnen in der Stadt Luzern.

Petra: Also wirklich Zentral-Schweiz, so quasi im Mittelpunkt der Schweiz, überall 1 Stunde bis zur Grenze dann.

Markus: Wie ist es denn mit dieser ganzen Mehrsprachigkeit? Weil, ich muss sagen, ich fand sowas ja immer vorher total anstrengend, bis ich dann regelmäßig immer nach Belgien fahre jetzt zu dem Belgian Beer Weekend. Und da ist es ja so, dass der Festakt immer in 4 Sprachen abläuft, also Französisch, Niederländisch, Deutsch und Englisch und alle 2, 3 Sätze wechseln die. Und erstaunlicherweise verstehe ich fast alles. Also wenn normalerweise jemand einfach nur Französisch oder nur Niederländisch spricht, dann fällt mir das total schwer, aber durch diesen ständigen Wechsel und alles, was so dazugehört, habe ich wirklich den Eindruck, dass eigentlich ich da komplett mitkomme und ich finde das dann sogar eher faszinierend. Wie ist das denn, wenn man da so aufwächst und, ja, wie erlebt ihr das?

Petra: Ja, wie du gesagt hast, die Schweiz ist 4-sprachig. Wir haben das Glück, dass unsere Mutter von Graubünden ist, also die 4. Landessprache Romanisch. Das kann fast niemand mehr, wir sind bei 0,8 Prozent von der Schweizerbevölkerung. Ja, sprechen kann ich es auch nicht mehr so gut, aber verstehen tue ich es wie Deutsch. Und halt mit Französisch in der Schule, Italienisch, wir verstehen alles. Wie du gesagt hast, das mit dem Reden geht dann.

Cindy: Also nach ein paar Bier geht es dann auch schon besser, ja.

Petra: Und das ist halt schon so, dass auch Schweizerdeutsch etwas total komplex anders ist als jetzt das Hochdeutsche, wir müssen immer wieder die Sätze umstellen oder die Wörter umstellen. Und wir Schweizer singen mehr beim Sprechen als halt bei den Deutschen oder so, ja, ist schon ein Unterschied. Was denkst du, Cindy?

Cindy: Ja, es ist schon so mit der Vielsprachigkeit, ich finde es aber auch extrem schön. Weil, wie du gesagt hast, auch Ansprachen werden jetzt nicht auf 4 Sprachen gemacht, meistens wird es Retroromanische weggelassen, weil halt eben weniger als 1 Prozent der Bevölkerung diese Sprache sprechen und dann dort auch noch ganz viele unterschiedliche Dialekte sind, aber zumindest Deutsch, Französisch, wenn es offizielle Ansprachen sind teilweise noch italienisch. Und ich finde es extrem schön. Ich selbst würde mir natürlich schon wünschen, besser auch Französisch und Italienisch sprechen zu können. Ich weiß, es liegt an mir, das zu wenden, aber, ja, ist halt so. Weil teilwiese ist halt schon, wir wechseln dann halt einfach auf Englisch. Wie jetzt zum Beispiel im Schweizer Nationalteam hatten wir auch Leute aus der West-Schweiz und dann wird Englisch gesprochen. Also die Ansprache unseres Coaches ist dann schon auf Französisch und deutsch, weil er halt beide Sprachen kann. Und wenn wir halt dann diskutieren, dann wird halt auf Englisch diskutiert. Finde ich auch ganz interessant.

Markus: Interessant.

Petra: Also ich mag das eben nicht so, das Englische, jetzt in der Nationalmannschaft. Wir haben so einen Deal, sie reden mit mir Französisch und ich rede dann auf Hochdeutsch und das passt wunderbar so.

Markus: Okay.

Petra: Oder auch mit unseren anderen von der Italienischen Schweiz, das passt. Eben wie du gesagt hast, man versteht sich, wenn man das langsam spricht und dann passt das eigentlich wunderbar so.

Markus: Gibt es denn da beim Bier auch Unterschiede, also wenn ich jetzt eben in den westlichen Teil fahre oder ganz in den Süden oder eben nach Graubünden oder so, habe ich da andere Bierideen, die ich da probieren kann?

Petra: Also die Schweiz ist immer so, wir passen uns immer an. Die Deutsch-Schweiz, die ist sehr an Deutschland orientiert, hat ehr viele deutsche Bierstile, was sie halt anders interpretieren. Und beim Tessin, das ist der Part, wo eher dann bei Italien ist, die sind dann eher bei den italienischen Bieren, vielleicht auch eher bei Sauerbieren. Und Cindy kennt sich gut aus in der West-Schweiz, wie würdest du da das sagen?

Cindy: Ich würde schon auch sagen, also ich sage jetzt mal, cluster ein. Also letztendlich gibt es schon Brauereien, die in der West-Schweiz auch deutsche Bierstile brauen oder halt irgendwie in der Deutsch-Schweiz auch andere Bierstile interpretiert. Aber bei uns gibt es ja diesen Röstigraben, so die Sprachbarriere zwischen Deutsch-Schweiz und West-Schweiz und das wird auch in den Bieren interpretiert. Ob es jetzt da wirklich dieser Röstigraben ist, sei dahingestellt. Aber es ist halt schon eher in der West-Schweiz, West-Schweiz ist auch dort, wo wirklich sehr viele Weinreben und Gegenden sind, dass die halt eher auch so auf die Sauerbier-Schiene sind. Sehr viele auch extrem, ja, Brauereien, die sehr viele unterschiedliche Bierstile haben, sie neu interpretieren, haben wir in der West-Schweiz sehr innovative Brauereien. Also es kann schon eher sein, dass sie dann so gerichtet ist. Aber heutzutage ist ja eh, ich sage jetzt mal, mit dieser Globalisierung, alle können alles, aber ich denke schon eher, Deutsch-Schweizer sind eher Richtung Deutschland, Österreich orientiert.

Markus: Und so ganz generell von der Genusskultur her, also soweit ich weiß, gibt es ja mehr Kühe als Menschen in der Schweiz, also spielt da Käse immer noch so die erste Rolle und wie ist Wein da so? Also wie kann man das Bier so in der Genusslandschaft in der Schweiz einordnen?

Petra: Ich denke, sehr fortschrittlich. Wir haben wirklich viele Brauereien, die auch Bier-Tastings, Biergenuss anbieten, Pairings anbiete. Auch Biere sind in der gehobenen Gastronomie vertreten. Könnte natürlich immer mehr sein, selbstverständlich, weil auch in der Schweiz braucht es erst noch die Wertschätzung des Bieres, bevor es wirklich in der gehobenen Gastronomie kommt. Aber es ist halt schon, wir lieben den Genuss mit eben Käse, Schokolade, Biere, Weine. Es gibt einige Bier versus Wein. Und dann Bier, Wein, Schokolade, Käse, halt all diese 4 kombiniert zusammen finde ich ganz interessant. Ist halt vielleicht teilweise etwas kostspielig, aber Qualität ist uns halt auch wichtig und ich finde das ganz interessant und toll.

Markus: Ja, also ich muss sagen, da kann ich eine kleine Geschichte erzählen. Letztes Jahr habe ich auf der OMR in Hamburg eine Verkostung machen dürfen, da hat mich eine Firma eben aus der Schweiz engagiert und die Idee war, die wollten eben Schweizer Genusslandschaft repräsentieren. Und ich habe gedacht, ja gut, dann machen wir halt mal was mit Bier und Wein und so, nee, ja, sie hätten gerne Käse und Schokolade. Und dann haben wir das tatsächlich am Ende, also ich bin ja auch Käsesommelier, habe dann eben Käse besorgt und so große Käseräder auch als Show-Element so ein bisschen und eben verschiedene schöne Schweizer Käse und Schweizer Schokoladen. Und der Ursprungsgedanke war, dass wir praktisch so eine Bude haben, wo es den Käse gibt und eine Bude, wo es die Schokolade gibt. Und als ich dann angekommen bin, habe ich mir gedacht, eigentlich ist das doch doof, wir machen die ganze Zeit rum mit Food-Pairing und dann stellen wir da die beiden nebeneinander hin und machen nichts zusammen. Habe mich dann mit den verschiedenen Käsen und Schokoladen beschäftigt und hatte am Ende tatsächlich auch so eine Genussreise, wo wir, ich glaube, es waren 3 oder 4 von den Käsen und auch 3 von den Schokoladen, dann immer erst einzeln und dann in der Kombination verkostet haben und es hat wirklich wunderbar gepasst. Die Leute waren auch total begeistert und das fand ich auch spannend. Und da kann ich auch allen nur empfehlen da draußen, die so zuhören, also experimentiert ruhig über die bekannten Grenzen hinaus und traut euch da mal was, weil es funktioniert eben auch mit sowas. Und selbst Käse und Schokolade hat so tolle Facetten gehabt, waren halt auch spezielle Schokoladen, wo dann Gewürze mit drin waren oder eben Salz oder andere spannende Zutaten. Und bei dem Käse halt sehr intensive aromatische, auch gereifte und das war wirklich auch ein tolles Erlebnis. Insofern, also ich glaube, die Schweiz gibt da ganz viel. Und da wächst man vielleicht auch in Sachen Genus ein bisschen anders auf, kann das sein?

Petra: Das kann schon sein, weil wir das halt von klein auf kennen, nicht mit dem Wort Food-Pairing, bei uns gab es einfach Käse und dann das Bier daneben und das schmeckte oder schmeckte nicht. Und ich möchte eigentlich alle Hörer und Hörerinnen animieren, probiert es aus, im schlimmsten Fall schmeckt es nicht und dann nimmst du was anders und probierst es aus. Und deshalb, ja, gab es bei uns natürlich schon lange und jetzt einfach mit diesen neumodernen Wörtern dazu.

Markus: Da stimmt. Aber ihr habt gerade von der Hochgastronomie gesprochen und ihr habt ja noch weitere Biere dabei. Ist denn da noch was dabei, wo wir ein bisschen in diese Gegend schweifen können, Brauereien, die sich da vielleicht auch ein bisschen austoben, in die Ecke?

Cindy: Ja, also wir haben das, das eigentlich dein Geschenk gewesen.

Markus: Ah, okay.

Cindy: Ist jetzt eine große Flasche zum Öffnen, aber wir haben hier von einer kleineren Schweizer Brauerei in Basel, die sich wirklich beim Drei König, also Les Trois Rois, die Biere dorthin, ist ganz toll. Von derselben Brauerei haben wir dein Bier, Petra.

Petra: Ja.

Cindy: Ich würde sagen, auf das. Auf meines würde ich dann gehen, weil es dann doch etwas hochprozentig ist.

Markus: Ja.

Petra: Ja, ich habe noch das India Dark Ale dabei, vielleicht mal auf die Schiene, mal was ganz anderes. Wir bleiben beim Dunklen, habe ich jetzt gemerkt.

Markus: Top! Ja und das ist ja dieselbe Brauerei, also ich denke mal, das ist ja auch schon so ein Thema, wie kann man als so kleine Brauerei in einem Land mit so kleinen Brauereien und eben nicht so vielen Leuten irgendwie versuchen, sich was aufzubauen. Und da finde ich das schon spannend zu sagen, ich gehe auch dahin, wo die Leute bereit sind, was auszugeben und es wertzuschätzen und präsentiere mich dort dann eben auch. Und deswegen fand ich es interessant, mal mir diese Brauerei eben anzuschauen. Der Name Kitchen Brew, da merken wir schon, Englisch hält auch in der Schweiz ein bisschen Einzug …

Petra: Ganz klar.

Markus: … im Bereich Bier. Aber unten wird es dann schon wieder anders, das heißt nämlich Allschwil. Könnt ihr mich dann aufklären, was auch immer das bedeutet. Und India Dark Ale ist einer meiner Lieblingsbierstile, also ein Black IPA. Gucken wir mal. Also wenn ihr nichts dagegen habt, würde ich wieder einschenken.

Cindy: Sehr gerne.

Petra: Allschwil ist ein Vorort von Basel.

Markus: Ah, okay. Wie weit ist denn Basel von Luzern weg?

Petra: 1 Stunde mit dem Zug.

Cindy: Wir kennen die Distanzen nur mit Zug.

Markus: Apropos Zug, das ist ja auch so ein heißes Eisen, ne? Die deutschen Züge dürfen ja gar nicht mehr bei euch fahren.

Petra: Wenn sie pünktlich kommen, schon. Wir sind jetzt ja auch hier mit dem Zug hochgekommen. Also wir sind allgemein mit dem Zug unterwegs, aber in Deutschland läuft e nicht.

Cindy: Ja und mit dem Deutschland-Ticket. Und wir sind jeweils, also größtenteils pünktlich.

Markus: ja, also ich bin ja ein großer Bahn-Fan, also insofern.

Cindy: Es wird, ja, lauter geschrien als es effektiv ist.

Markus: Naja und effektiv, wenn man überlegt, wenn man den ganzen Weg, den manchmal mit dem Zug zurücklegt, mit dem Auto zurücklegen würde, wie viele Staus und Pannen man sonst auch hätte. Also insofern, nein, ich bin da, wie gesagt, auch ein großer Bahn-Fan, ich mache alles mit dem Zug. Und ich muss sagen, mein bestes Bahn-Schnäppchen war in der Tat Bamberg-Basel hin und zurück, 1. Klasse mit dem ICE für 19,95.

Petra: Ja, eben.

Markus: Unglaublich, also 1. Klasse wohlgemerkt, hin und zurück im ICE. Wahnsinn. So, es schaut schon wieder wunderbar aus.

Cindy: Und du hast von der Brauerei, eben Kitchen Brew gesagt und ich finde eben, ganz hinten finde ich es auch schön, was ist, Herzblut statt Hektoliter. Was halt wirklich das Typische verzeichnet, natürlich nicht nur in der Schweiz, überall halt auch, dass nicht die Ausschussmenge ausschlaggebend ist, sondern halt wirklich das Herzblut, dass du reinsteckst. Und das ist bei so vielen Brauereien und deswegen finde ich, wie du es gesagt hast, auch toll, dass mittlerweile auch Biere in gehobenen Gastronomien reinkommen, wo sie eben auch reingehören.

Markus: Ja.

Cindy: Weil mit diesen unterschiedlichen Aromen und Geschmäcken, was Bier liefert, gehört es einfach dorthin.

Markus: Ja. Dann lass uns mal drauf anstoßen. Cindy, Prost!

Cindy: Genau. Prost!

Petra: Prost!

Markus: Petra, Prost.

Petra: Cindy.

Cindy: Petra, Prost, soll gaute. Genau, für die Zuhörerinnen und Zuhörer, soll gaute!

Markus: Soll gaute! Schön!

Petra: Ja, das ist einer meiner Lieblingsbierstile. Ich finde die jedes Mal von Neuem extrem spannend, was so das Wechselspiel zwischen Hopfen und dem ganzen Malzcharakter, hin und her und bei jedem Schluck ändert sich dies. Und ich finde, es ist eine sehr gelungene Interpretation von der Schweiz, von Allschwil, von Fabian, der Kitchen Brew 2016 gegründet hat, ein total schönes Bier.

Markus: Ja. Also ich finde es so in der Nase schon Wahnsinn.

Petra: Dann kannst du dich auch nicht entscheiden, soll ich jetzt das eher in die tropische Richtung oder in die schokoladige Richtung.

Markus: Ja und es ist ein bisschen so, wie wir es gerade mit diesem dunklen Pils hatten, ich habe ein Bier, was dunkel ausschaut, wenn ich aber dran rieche, habe ich IPA pur. Dann kommt natürlich wieder ein bisschen das Röstige drum rum, also total schön. Und ich finde, dieses Tropische geht sogar auch ein bisschen also so in eine Ananas-Richtung vielleicht, aber auch in so eine Bergamotte-Richtung, also das finde ich auch ganz spannend und so, als hätte man die dann eingewickelt in dunkler Schokolade irgendwie, also sehr, sehr spannend. Also ein Bier, wo man total gerne auch einfach dran riecht, das ist schon toll. Und wo man sich dann wirklich interessiert, wie geht es weiter, wenn ich das jetzt trinke, ne, was gewinnt oder ist es wirklich harmonisch oder wie läuft das so ab.

Cindy: Auch so das, was wir vorhin schon hatten mit dem Food-Pairing, da kann ich mir natürlich jetzt auch wieder die Schokolade dazu, die vielleicht ergänzt oder aufgepimpt wird oder auch wieder einen Käse, der dann das ganze Bier wieder in die andere Richtung lenkt. Und das macht einfach Spaß zum Ausprobieren. Ich glaube, da muss man einfach so mal los.

Markus: Vielleicht, wenn ihr uns die mal ein bisschen beschreibt, diese Kitchen-Brew-Brauerei, ihr kennt sie ja wahrscheinlich ein bisschen besser. Also was sind das für Leute, wie schaut das da so aus, was motiviert die so, also wenn man da ein bisschen tiefer reinschaut, was können wir uns da so vorstellen?

Cindy: Also wir kennen Fabian seit etwa 5 Jahren. Er hat in Allschwil, eben so ein Vorort von Basel, hat er da seine Brauerei gemacht, nachdem er durch Amerika gegangen ist und vor allem extrem fasziniert war von diesen West Coast, diesen richtigen Hopfenbomben und so weiter. Und er hat das natürlich wunderbar auch mit in die Schweiz genommen, hat, wie der Name schon sagt, in einer Küche mal ausprobiert und hat dann die Brauerei, eine mittelgroße Brauerei eröffnet. Und was toll ist, Mittwochsabends hat er immer die Brauerei offen, das heißt, man kann sich da durchprobieren, er hat so einen Flight mit 6 unterschiedlichen Bieren. Ich weiß, die Schweiz ist teuer, aber das ist dann wirklich auch wieder günstig, für weniger als 10 Franken kann man die Biere probieren.

Markus: Das ist günstig, ja.

Cindy: Er hat auch die Wertschätzung, dass die Leute zu ihm kommen und sagen, dann möchte ich euch auch etwas zeigen. Und das finde ich natürlich total super. Er macht so eine Kooperation mit einer Pizzeria, es gibt unterschiedliche Pizza, Pizza und Bier, so wie es halt in Amerika extrem bekannt ist. Und was Fabian super macht, er hat eine Linie von Bieren, die alkoholfrei sind oder ohne Alkohol, das gibt es beides dazwischen, nennt sich Windstill. Und er macht unterschiedliche Bierstile, also auch von IPAs über helle, über dunkle Biere, Porte und so weiter, wo es jetzt in vielen alkoholfreien Sorten gibt. Weil, das ist natürlich auch ein großes Thema in der Schweiz, das zunehmend unterschiedliche Bierstile, alkoholfrei oder ohne Alkohol, zu machen.

Markus: Ja, das stimmt. Also den Trend haben wir ja bei uns auch. Wir sind jetzt in Deutschland, glaube ich, so bei 10 Prozent, im Sommer sogar bis zu 30 Prozent, in den Biergärten manchmal sogar 50 Prozent, wo die Leute wirklich eben bewusst sich für die alkoholarmen oder freien Biere entscheiden. Das heißt, den Trend merkt ihr auch. Und ist es bei euch auch eher ein jüngerer Trend oder umfasst das so alle, wie ist das so?

Cindy: Wie meinst du mit jüngerer Trend?

Markus: Na, von den Kosument: innen, die da so diese Biere dann da. Also bei uns ist es so, dass definitiv die jüngere Generation, sagen wir mal, so zwischen 14 und 25 oder so, da trinkt die Hälfte gar keinen Alkohol, ganz bewusst nicht, oder sogar mehr als die Hälfte. Und da ist man schon froh, wenn man sie an dieses Thema Bier dann eben über diese anderen Biere ranführen kann. Das Gute ist wiederum, die sind in der Regel ja generell sehr gesundheitsbewusst und körperbewusst und dann kann ich mit einem alkoholfreien Bier wieder punkten, weil es ja besser ist als jeder Saft oder jede Cola oder was es sonst so gibt. Also das ist dann wieder ein Argument für das Bier, wenn man den Alkohol da rausnimmt, man muss es halt nur anders verbotschaften und ganz anders da reinbringen und so. Es ist gar nicht so einfach, glaube ich, auch für Brauereien, da irgendwie hinzufinden.

Cindy: Genau. Also bei uns ist natürlich der derselbe Trend, dass eher die jüngeren Generationen oder die jüngeren Leute weniger alkoholische Getränke zu sich nehmen, eben gesundheitsbewusste oder gesundheitsbewusster sind. Wie du gesagt hast, es ist aber eben die Kunst, die über die alkoholfreien Biere, dass sie auch wissen, es gibt auch alkoholfreie Biere, die wirklich gut schmecken. Und da weiß ich noch nicht, weil ich sehe auch wenig Leute, junge Leute, alkoholfreies Bier trinken. Gerade auch bei uns ist der Marktanteil, jetzt Statistik, irgendwie so um die 10 Prozent, plus/minus und wachsend, also der einzige wirklich wachsende, die Kopfanzahl nimmt natürlich auch alles ab. Ja, aber du weißt wirklich, alkoholfreie Biere, die sind am Kommen. Es gibt viele Brauereien, aber dadurch, dass wir teilweise so kleine und Kleinstbrauereien haben, haben es eher die mittelgroßen, die das halt auch umsetzen können.

Markus: Stimmt.

Cindy: Also je nachdem, welches Verfahren oder wie halt die alkoholfreien Biere gemacht werden. Nimmst du die Hefe, da kann natürlich auch eine Kleinere das machen.

Markus: Ja, ich glaube, da muss auch in den Köpfen das erst so ein bisschen ankommen. Also in Franken ist es zumindest so, dass viele immer noch so in den Köpfen in den 90ern sind und denken, wenn ich ein Alkoholfreies machen will, dann brauche ich 1 Million Investition für irgendeine riesengroße Anlage, was heutzutage ja gar nicht mehr so ist. Aber auch das muss ja erst mal irgendwo ankommen.

Petra: Genau.

Markus: Aber gut.

Cindy: Und bei uns hieß früher das alkoholfreie Bier ein Daumenbier. Da war zum Beispiel, nein, nicht mit Daumen hoch und Daumen runter, da war die Etikette komplett dasselbe, also es sah gleich aus, es war einfach farblich gleich, sagen wir, eine gelbe Etikette mit demselben Schriftzug. Das Einzige war, hier stand unten dran dann alkoholfrei. Und dann hast du es halt so getrunken und immer den Daumen drüber, dass du nicht alkoholfrei trinkst, deswegen war es halt das Daumenbier. Und eben, man stand nicht dazu, alkoholfreies Bier zu trinken, man hat sich eigentlich quasi so wie geschämt, deswegen Daumenbier, man hat es verdeckt. Und heutzutage ist es eigentlich eher so, da trinkt man alkoholfreies Bier.

Markus: Ja. Wobei ich sagen muss, was ich ganz lustig finde, es gibt einen Bereich, wo das immer noch so ist, und zwar so auf Konzerten so bei den Punk- und Hardrockgruppen oder so. Da gibt es ja jetzt wirklich Firmen, die Wasser in Dosen abfüllen, die wie Bierdosen ausschauen so, damit ich eben auf einem Festival stehen kann am Moshpit und mit meiner Dose in der Hand und jeder denkt, der hat natürlich ein Bier …

Cindy: Genau.

Markus: … aber in Wahrheit ist da Wasser drin. Und es ist schon auch irgendwie witzig, dass es sowas noch gibt und als neuen Trend gibt. Ja, was mich noch interessieren würde, ihr seid ja total viel unterwegs, also jetzt haben wir viel über die Schweiz gesprochen, aber ihr wart ja schon bald eben unterwegs in der ganzen Welt. Wie ist das denn da so, was habt ihr da so erlebt, gab es so Highlights, spannende Reisen, wo ihr wirklich sagt, Mensch, das vergesse ich mein Leben nicht?

Cindy: Ja, ganz viele, nur wo beginnen? Also meine Schwester und ich, wir hatten das Glück, wir waren von Juni oder Juli 22 bis August 23, also etwas mehr als 1 Jahr, haben wir unbezahlten Urlaub gehabt, oder ich habe meine Stelle gekündigt und wieder danach eine neue angefangen. Und so gingen halt wir wirklich auf Bierreisen. Und ein wunderschöner Moment, wir waren mit Interrail unterwegs, zuerst 3 Monate Europa, ich fange mal bei Europa an.

Markus: Genau, du darfst dann die anderen.

Petra: Wir haben nicht viel Zeit.

Markus: Na, Zeit ist egal, die Platte ist groß.

Petra: Das sprengt dann, ich glaube, das Ganze.

Cindy: Nee, wir waren mit Interrail unterwegs, 3 Monate. Wir sind also auch schon etwas älter, wir haben uns dann 1. Klasse Interrail genommen. Interrail war zu dieser Zeit 50 Jahre, also war es auch 50 Prozent, also auch ökonomisch, ja.

Petra: Also hat etwa meinen Jahrgang dann.

Cindy: Ja.

Petra: Ja, ist so.

Markus: Ja, unseren.

Cindy: Und wir waren in Polen. Und ich finde eh die polnische Bierszene, ich finde das wunderwunderschön, da hast du wirklich fast an jeder Ecke irgendwo eine Brauerei gehabt. Also mein Polnisch ist inexistent, ich kann hallo und zum Wohl noch sagen, aber mit Händen und Füßen geht viel. Und letztendlich, es ist auch wirklich, die Meisten sprechen auch Englisch, außer du bist wirklich eher ganz im ländlichen Bereich. Und da waren wir in einem Ort, vielleicht weißt du noch, ich weiß nicht mehr, wie er hieß, aber hat einfach einen wunderschönen See, haben Craftbier getrunken von auch mittelgroßer Brauerei und es war richtig schöner Sonnenuntergang. Und es hieß eben bei Interrail, den einen Moment erleben und genießen. Und das haben wir natürlich auf de Reisen ganz viel gehabt und halt eben mit diesen Leuten, das fand ich wunderschön, ja.

Petra: Ja und für mich gab es ganz, ganz, ganz viele bierige Momente natürlich, weil du musst einfach neubierig durch die Welt gehen und dann nachher rausfinden. Für mich war der eine Moment, das war, wie Cindy jetzt gesagt hat, in Europa, für mich war der eine Moment in Kolumbien, in Medellín. Also die Comuna 13, das war ja eine ganz, ganz, ganz schlimme Gegend da. Und jetzt wollen die alles neu machen und probieren das Ganze auch wirklich halt safe zu machen. Und da waren wir droben, da kannst du mit so Rolltreppen, musst du nicht mal mehr hochgehen, sind die Rolltreppen, die führen dich hoch. Und wir waren zu oberst und haben dann über alle farbigen Häuser, die haben jetzt die Häuser farbig angemalt und so weiter, und dann gab es ein Craftbier, das nannte sich Comuna 13. Einfach toll, weißt du, die ganze Entwicklung von dieser Gegend. Und jetzt gibt es Craftbier und man sitzt zusammen, unterschiedliche Leute von unterschiedlichen Ländern, sei es jetzt von Südamerika oder von Bla, Bla, Bla, wo auch immer und die können das Craftbier genießen, das war so toll. Das war für mich so der eine Moment, dass das ganze Bier eigentlich die Gesellschaft zusammenhält.

Markus: Ja und in unserer Jugend war das einer der gefährlichsten Orte der Welt, Drogenkartell und so, also Medellín war wirklich ganz, ganz, ganz schlimm. Und schön, dass sich solche Dinge auch mal ändern, ja.

Petra: Ja und wir haben ältere Leute angetroffen, die haben sich bedankt, dass wir kommen, dass es jetzt eben wirklich nicht gefährlich ist und die haben dann mit uns auch ein Bier getrunken und das macht einfach Freude so.

Markus: Gibt es Orte, wo ihr noch nicht wart auf der Welt, wo ihr noch hinwollt?

Petra: Ganz viele. Also ich kenne Afrika fast gar nicht. Klar, ich selbst habe auch ein Jahr in Thailand gewohnt und gearbeitet, habe dort die Ausbildung zur Tauchlehrerin gemacht. Und eben tauchen ist halt immer noch eine Leidenschaft. Wobei eben tauchen und Bier geht sich etwas aus, musst halt einfach da nur ein Bier trinken, weil am nächsten Tag musst du natürlich fit sein. Aber eben Afrika, wollte ich schon lange hin, Südafrika soll auch wunderschöne Bierszenen haben. Und tauchen mit Haien ist eine Leidenschaft von mir. Ich war schon auf den Bahamas mit Haien tauchen und wunderschön, aber da war halt eben mein Fokus auf das Tauchen und nicht auf das Bier. Und jetzt eben so, dass die Kombination wäre für mich halt schon Südafrika und Reisen und Tauchen mit Haien und lecker Bier trinken.

Markus: Wie ist das, mit so einem Hai tauchen? Also wartet dann der Hai so, bis man ins Wasser geht und dann taucht man so gemeinsam oder sind die Haie da schon drin und man geht dahin oder wie stellt man sich das immer so vor?

Petra: Nein, also der Hai ist ja schon im Wasser, weil, wir gehen ja nicht irgendwie in einen Pool und lassen irgendwie so einen Gummihai hinzu. Nein, das sind schon echte Tiere und die sind natürlich im Wasser. Und es ist, ich würde jetzt mal gerade spontan Parallelen ziehen, Bier hat zu wenig Wertschätzung, ein Hai hat zu wenig Aufmerksamkeit. Das ist ein Tier, das total missverstanden wird. Es gibt Unfälle, tödliche Unfälle mit Surfern, mit Badegästen, aber wenn man bedenkt, wie viele Millionen Leute täglich im Wasser sind und wie viele Unfälle passieren, relativ wenig. Und die Tiere, die sind so etwas von elegant schön. Die kommen dann auf dich zu. Klar, sie hieß Tiny, also Tiny war nicht Tiny, Tiny war ein 7 Meter langes schwangeres Tigerhaichen, aber wirklich wunderschön, als die so entgegengeschwommen kam und ich fühlte mich weder bedroht noch irgendwas, weil, wir sind nicht ein Beuteschema dieses Tieres. Und, ja, deswegen für mich eben total auch Leidenschaft für das Tauchen, für die Haie, für die leider missverstandenen Tiere.

Markus: Das heißt, sie sind dann auch neugierig?

Petra: Die sind total neugierig. Wie ich neugierig bin, sind die neugierig, genau.

Markus: Okay. Faszinierend, ja.

Petra: Ja. Und du hast wirklich auch Körpersprache. Also ich war zuvor 1 Woche quasi Theorie, dass du halt auch so die Körpersprache der Tiere lernst und du weißt natürlich schon, kann ich jetzt auf die zugehen oder so. Also du schwimmst natürlich nicht auf die Tiere zu, sondern die sind eh schon da und sie haben dich schon bemerkt, bevor dass ich sie überhaupt gesehen habe. Und das ist ja das Faszinierende, die wissen ja, die sind immer da, also auch, wenn du letztendlich irgendwo im Mittelmeer baden gehst, Tiere sind da.

Markus: Ja. Und hast du da Flasche und Ausrüstung oder bist du so normal?

Petra: Nee, also ganz normal Pressluft. Da auf den Bahamas war es halt nur auf 6 Meter. Das heißt, du hast irgendwie 10 Kilo Blei gehabt, dass du dich quasi gesenkt hast, weil du saßt einfach da auf Grund und hast auf die Tiere gewartet. Und bei 5, 6 Meter brauchst du wirklich nicht viel Luft, also kannst irgendwie 2 bis 2 1/2 Stunden dort sitzen und warten, bis die kommen. Also vorher bist du durstig, musst du auf Toilette und dann gehst du halt kurz hoch und da gehst du wieder runter. Und das Boot ist die ganze Zeit dort. Also es ist wirklich faszinierend.

Markus: Wahnsinn! Spannend. Nein, also ich schaue es mir immer gern im Fernsehen an, ehrlich gesagt oder habe auch schon viele Tiere, auch Haie in verschiedenen auch guten Zoos und so gesehen, aber so live, sehr spannend.

Petra: Ja, sehr spannend. Genau und du hast sicher auch eine Destination, die noch sehen möchtest.

Cindy: Ich habe mich so ein bisschen in so Südamerika verliebt, ich finde das super, mir gefällt die Kultur, die Sprache, die Leute. Wir waren in Argentinien, aber da hatte ich irgendwie den Reisekoller und bin dann einfach oder wir waren dann 6 Wochen in Buenos Aires, was absolut super war, aber sonst habe ich nicht so viel gesehen. Ich würde sehr gerne eine Reise durch Argentinien machen. Die haben nämlich auch ganz tolle Craft-Biere da, die sind jetzt am Kommen. Wir haben eine Tolle gesehen in Mendoza, wo eigentlich eher bekannt ist für den Wein, also ich bin überzeugt, wenn die nach Europa kommen, dann kommen die echt weit, weil da war jedes Bier absolut gigantisch und toll.

Markus: Ja, es gibt einige Kooperationen schon zwischen argentinischen und spanischen Brauereien oder spanischem, die von argentinischen übernommen oder gegründet worden sind, ja, da gibt es einige und auch einen intensiven Personalaustausch. Was da halt tatsächlich ein bisschen immer so dazwischensteht ist die Inflation, das ist halt blöd.

Cindy: Ja, Argentinien extrem, ja.

Markus: Das ist da schon sehr, sehr schlimm. Also ich will unbedingt mal dahin, das habe ich noch nicht geschafft, war schon ein paarmal eingeladen, aber irgendwie hat es sich noch nie ausgegangen. Aber die Leute sind alle total begeistert und schwärmen. Und auch von der Qualität, also Biere, die ich von da schon hatte, waren, wie du sagst …

Cindy: Ja und nicht nur Biere, es ist allgemein, es ist wirklich die Qualität des Essens, egal was du hast, es ist einfach wirklich toll. Also dort wird Genuss sehr großgeschrieben. Und wir sind halt so, wenn es uns interessiert, eine Brauerei anzugucken, wir gehen halt einfach vorbei. Meistens sagen sie, ja, ab 10 Leuten. Haben wir gesagt, wir können uns nicht 5-mal klonen, macht ihr auch für 2 eine Brauereiführung? Irgendwann so Gemurmel, also wir waren dann schon hartnäckig dann da halt und haben gesagt, ja, aber wir haben nur irgendwie 10, 15 Minuten Zeit. Knapp 3 Stunden später sind wir dann rausgegangen, das ganze Sortiment probiert. Und das ist bei uns schon mehrfach eben auch in Argentinien, wie auch in anderen Ländern passiert.

Petra: Auch in Deutschland ist uns das passiert.

Cindy: Genau und einfach gesagt haben, wir machen per se keine Brauereiführung, dann einfach mal klopf, klopf, klopf, wir würden gern gucken gehen. Und das ist auch das Faszinierende.

Petra: Hundeblick und …

Markus: Genau. Naja, wenn die merken, dass ein wirkliches Interesse da ist und dass jemand da ist, der auch ein bisschen Ahnung hat und so, dann kommt es ja auch eher zu einem Austausch, weil die dann auch interessiert sind, was wir jetzt zu den Bieren zum Beispiel sagen und so. Also mir ist es zum Beispiel letztes Mal passiert, als ich in Norwegen war, da war ich in, jetzt habe ich den Namen vergessen, egal, in einer Stadt jedenfalls und dann war da direkt am Hafen eine Brauerei, die eben auch erst nachmittags aufgemacht hat. Und wie man eben so ist, geht man halt mal hin, war früh um 9, mal so rumgeschlichen. Man weiß ja, wo Brauereien Türen haben, die in der Regel immer offen sind. Und dann bin ich da rein und dann war da eben gerade so ein bisschen Braugeschehen. Und dann hat sich rausgestellt, da waren von der örtlichen Uni Studierende da und haben irgendwie so eine Art Braukurs gemacht. Naja und dann war ich auch 3 Stunden da und wir haben uns ausgetauscht und probiert. Und die haben gerade ein Rauchbier gemacht gehabt und wollte da natürlich dann meine Meinung dazu hören und so. Und das war schon, also ich glaube, das ist wirklich ein Nenner, wo man immer zusammenkommt und wo sich tolle Gespräche ergeben und auch wirklich Bekanntschaften, Freundschaften regelmäßig schon. Ich habe auch viele Podcast-Gäste schon gehabt, die ich auch so eine Art und Weise kennengelernt habe, zufällig halt beim Reinplatzen in irgendeine Brauerei oder sowas, was ja auch echt super ist. Apropos, die Gläser sind schon wieder leer, was machen wir?

Cindy: Eins von deinen.

Petra: Das Steinbier würde mich sehr …

Markus: Dann machen wir das. Also ich muss sagen, ich habe, weil ich jetzt die letzten Tage flachlag, man hört es vielleicht auch noch ein bisschen, ich habe leider Gottes ewig lang eine Erkältung gehabt jetzt, aber es geht schon wieder, und hatte jetzt nicht die große Auswahl zu gucken. Aber ich habe Daheim mal geschaut, was steht denn da noch rum, wo ich mir vorstellen könnte, das könnte interessant sein. Und ich habe mal 2 Bierchen mitgenommen und eins davon ist das Steinbier von Leikeim, also eine fränkische Brauerei, oberfränkische Brauerei sogar, die sich eben diesem schönen alten Bierstil gewidmet haben und gesagt haben, wir machen das noch mal so. Mittlerweile wissen wir, wie das damals die allerersten Brauer schon gemacht haben, nämlich wirklich Steine zu erhitzen und mit diesen heißen Steinen dann die Würze entsprechend zu erwärmen. Und interessanterweise kann man damit ja sogar die Temperatur richtiggehend steuern, weil ich halt sage, okay, werfe ich 1, 2 Steinchen rein passiert das, werfe ich noch 3 Steinchen rein passiert das. Also da hat man in der Frühzeit schon echt relativ gut brauen können anscheinend. Hier bei Leikeim ist es so, dass die tatsächlich so einen großen Trog, Metallkäfig haben und da sind diese Steine drin, werden dann über Feuer erhitzt und dann das ganze Ding komplett in den Sudkessel rein. Es dampft und macht und tut und am Ende hat man dann eben wirklich ein schönes, durch diese Steine erhitztes Bier, mit Karamellisierung, weil der Zucker da natürlich karamellisiert an diesen Steinen. Und, ja, also es ist jetzt im Grunde ein klassisches Kellerbier auf Steinbier-Art und Weise gemacht, einzigartig. Und, ja, dieses schöne Geräusch, mal schauen, ob ich es hinbekomme.

Petra: Boah!

Markus: Nicht schlecht.

Cindy: Bravo!

Markus: Nicht schlecht, also bin ich mal ganz stolz auf mich. So.

Cindy: Das war doch jetzt ein Plopp.

Markus: Das war mal ein richtiger Plopp, also ungeübt.

Cindy: Hat schön geploppt.

Markus: Ja, für alle, di jetzt nichts sehen, da ist ein Flensburger T-Shirt im Raum.

Cindy: Also es ist eigentlich ein Nordic-Walking-T-Shirt.

Markus: Na gut.

Cindy: Nur eine Person mit 2 Bierkästen, eine rechts und eine links und geht halt so spazieren. Und die, die mich kennen, früher war ich sehr sportlich, habe sehr viel Sport betrieben und jetzt ist das halt eben der Sport, der mich begeistert, ist eben das Nordisch Walking, so wie es auf meinem T-Shirt ist.

Markus: Genau und rechts und links ein Kästchen Bier in der Hand, sehr schön. Dann mal wieder Prost, Cindy.

Cindy: Prost.

Markus: Prost, Petra.

Petra: Prost, Markus, soll gaute.

Cindy: Soll gaute.

Petra: Schön weich.

Markus: Ja, also ist jetzt nichts, wo man sagt, das erschlägt mich jetzt mit exotischen Aromen, sondern man hat eben wirklich diese karamellisierende Weiche. Auch vom Mundgefühl her richtig schön angenehm.

Cindy: Faszinierender Schaum.

Markus: Ja, super Schaum, ja.

Cindy: Also wirklich super homogen, feinporig, cremig. Kommt auch aufgrund der Steine, keine Ahnung.

Markus: Das weiß ich nicht, ehrlich gesagt.

Cindy: Es ist einfach optisch wunderschön.

Markus: Macht eine gute Figur, sagen wir mal so.

Cindy: Absolut.

Markus: In dem Fall auch ein trübes Bier. Also wie gesagt, ist im Grunde ja so eine Art Kellerbier und, ja, einfach durch die Herstellung wirklich einzigartig. Und ich habe das auch immer gern in der Ausbildung, weil man da ja wirklich eben zurückgehen kann bis in die Zeit vor 12.- 13.000 Jahren, wie die Leute damals Bier gebraut haben. Und das ist schon faszinierend, dass solche Technologien heute immer noch funktionieren und zwischendurch mal ihre Renaissance hatten und sich eben immer noch halten, so ein kleines bisschen zumindest hier.

Petra: Sehr interessantes Bier, sehr schön, danke dir. Weil eben Steinbier, hatten wir auch bei der Ausbildung, hat ein österreichischer Kollege. Wir durften natürlich dann auch für einen Seminarabend jeder Biere mitnehmen, die halt aus der Gegend sind und vorbereiten. Da hat auch ein Sommelierkollege aus Österreich ein Steinbier mitgenommen und das war das erste Mal, dass ich ein Steinbier trank. Ja, die Begrifflichkeit, klar, hast du mal gehört, auch während des Kurses, aber dann wirklich eins zu trinken, fand ich speziell. Und jetzt, wie du es vorher sehr schön erklärt hast, ich finde das ganz toll.

Markus: Nee, also wirklich faszinierend. Und es wird ja auch überall ein kleines bisschen anders gemacht. Also wie gesagt, die machen das mit diesem Käfig, weil das tatsächlich auch im Mittelalter so war. Der Hintergrund war ja nicht nur, dass man überhaupt so Bier brauen kann, sondern dass man auf diese Art und Weise die Feuerstelle aus dem Haus draußen halten kann. Also da konnte man eben das Feuer, wo man diese Steine erhitzt, irgendwo, vielleicht sogar vor der Stadtmauer haben und dann diese Steine eben in die Brauerei transportieren und dann kann nichts brennen. Und das ist natürlich im Mittelalter in diesen Städten, wo eben alles aus Holz war und überall Stroh und sonst was, ein riesen Thema, jede Feuerstelle gefährlich. Jetzt zum Beispiel in Dänemark habe ich auch eine Brauerei besucht, Thisted Bryghus und die machen auch ein Steinbier. Die machen es sich ein bisschen leichter, die haben so eine Art Minitopf und da geben sie Würze rein und geben dann die heißen Steine in die Würze, sodass dann da auch alles dran karamellisiert und geben dann diese Steine mit daran karamellisierter Würze später in den Lagertank dazu, um die Biere zu aromatisieren. Funktioniert auch, also gibt auch ein schönes Aroma, ist natürlich nicht so spektakulär, aber funktioniert, wie gesagt, auch. Also sehr interessant, gibt es viele verschiedene Art und Weisen. Und dazwischen lagern sie witzigerweise diese Steine in der Tiefkühltruhe. Also wenn man da vorbeikommt, da stehen überall so Truhen rum, in der einen sind diese Steine, also dieses, was sie als Ersatz für Hopfen zum Beispiel auch verwenden oder so und spielen da eben mit ihren Kräutern und Steinen rum, super spannend, ja.

Petra: Also tiefgekühlte Steine, um sie dann zu erhitzen?

Markus: Die vorher mal erhitzt waren, und zwar …

Petra: Die vorher schon erhitzt waren?

Markus: Genau, die ja erhitzt waren, in der Würze drin waren, da den Zucker dran haben und damit da nichts passiert, gebe ich die dann in die Tiefkühltruhe. Und dann kann ich die ja ein 1/2 Jahr da drin lassen, ist ja nichts und dann kann ich sie später einfach in den Lagertank reingeben, muss ich gar nicht mehr erhitzen, dann geben die den Karamellzucker ab und ihr Aroma und fertig.

Petra: Siehst du und das finde ich eben auch faszinierend, mich fasziniert vor allem eben die Geschichte beim Bier oder die Geschichte am Bier, die Geschichte der Menschheit und Bier. Und genau solche Sachen mit Steinbier, wie das unterschiedlich gemacht ist, das ist doch toll. Die Interpretationen von allen, ob du es jetzt in die Tiefkühltruhe tust, die es auch nicht so ewig gibt, aber …

Markus: Ja, aber die es vielleicht auch wegen Bier gibt, zum Beispiel.

Cindy: Ja, zum Beispiel.

Petra: Da stimmt schon, sowieso.

Markus: Und sowieso, eben. Also es ist ja super spannend, also wenn man da eben mal so ein bisschen anfängt, mit der Biergeschichte, ist ja eine endlose Nummer. Und was mir gerade noch einfällt, was auch noch ganz witzig ist, ich habe dieses Bier sogar tatsächlich auch wegen unserer Beschäftigung mit Bier, das fand ich nämlich auch schön, dieses Jahr gab es zum ersten Mal vom European Beer Star als Vorbereitung für den Wettbewerb, ich weiß nicht, ob nur für jeden Table Captain oder für jeden Judge, das weiß ich jetzt gar nicht genau. Aber es kam auf jeden Fall eine Kiste Bier an und mit ganz vielen verschiedenen Bieren, viele alkoholfreie auch, fand ich auch erstaunlich. Unter anderem der alkoholfreie Bock aus Einbeck, wo ich wo sagen muss …

Petra: Oh, ein Bock.

Markus: Ja.

Petra: Den habe ich leider noch nie gehabt.

Markus: Ja, freut euch drauf, also fand ich wirklich interessant. Wie das Original, nicht zu kalt trinken, dann hat man auch wirklich diesen Bockcharakter so ein bisschen, wirklich interessant. Also man überlegt ja eigentlich, ein No Go, wie kann ich also, ne, so wie das belgische alkoholfreie Tripel oder so, ist ja eigentlich Quatsch, aber natürlich haben diese Bierstile, diese Starkbierstile ihre eigene Aromatik und eigene Sensorik. Und das dann zu sehen, wie man das tatsächlich hinbekommt, dass ich so ein gewisses Bockbier-Feeling habe mit so einem NULL-BOCK, fand ich echt cool, also zum Beispiel. Und das so ein bisschen als Vorbereitung auf den Wettbewerb, dass man eben sich auch ein bisschen kalibriert und eben ein paar besondere Biere hat. Und da war das mit drin, deswegen stand das bei mir Daheim rum.

Petra: Dann hast du es wirklich gesehen mit Bieretiketten, also eigentlich …

Markus: Ja, das war jetzt nur zur Vorbereitung, das haben wir Nachhause geschickt bekommen. Naja, also da war sogar ein kleines Infoblättchen dabei, zu jedem Bier und so.

Petra: Schön!

Markus: Genau, nee, finde ich wirklich eine schöne Idee. Also da passiert gerade ganz viel, weil der European Beer Star sich so ein bisschen neu erfindet. Der hatte ja so einen Bruch dazwischen und ist jetzt an dem neuen Standort in Nürnberg und setzt sich eben so ein bisschen neu auf. Und das finde ich echt eine gute Idee, also dass man da den Judges auch die Möglichkeit gibt, gerade so neue Trendsorten oder eben so Spezialitäten, die man nicht alle Tage hat, ein bisschen kennenzulernen, sodass man dann eben auch zum Wettbewerb da ein bisschen vorbereiteter ist und nicht zum ersten Mal zum Beispiel ein Steinbier trinkt, wenn man dann an dem Tisch sitzt, wo das dann eben kommt. Und da weiß ich ja nicht, dass es Leikeim Steinbier ist, da steht ja nur Steinbier drauf, wenn überhaupt, und dann kann ich halt was damit anfangen. Und das finde ich schon eigentlich ganz gut.

Petra: Das finde ich eine absolut coole Idee. Weil eben NULL-BOCK, das haben wir mal gehört. Ich finde ja den Namen schon mal sehr gelungen

Cindy: Nomen ist Omen.

Petra: Nomen ist Omen und so weiter. Und dass du überhaupt mal die Chance natürlich hast, zu so einem Bier zu kommen.

Markus: Ja, außerdem.

Petra: Haben wir nicht, bis wir das online, das kommt eh nicht an, dann gehst du wieder nach Deutschland, holst es. Ja, ist absolut eine schöne Idee.

Markus: Das ist übrigens das größte Thema für uns immer wieder mit unseren Freunden in der Schweiz, dass es eigentlich unmöglich ist, jemanden in der Schweiz ein Bier zu schicken mit der Post.

Petra: Ja.

Cindy: Also bei uns auch, weil wir lieben halt teilweise auch Bier, also grundlegend kaufen wir unsere Biere ein, Petra hat ihren Rucksack, ich habe meinen Rucksack. In meinen Rucksack passen 30 halbe Liter rein, dann wird es irgendwann …

Petra: Bei mir eben nur 25.

Markus: Naja, ja.

Cindy: Aber es wird dann irgendwann sehr schwer. Weil eben, wenn wir auch so zu Kitchen Brew gehen, es ist dann meistens der Rucksack ganz voll, von Deutschland auch. Und deswegen, wir haben uns ja auch bei dir jetzt mit Zeitungspapier eingewickelt, dass es nicht so scheppert, weil an der Grenze sind sie manchmal schon noch achtsam. Du darfst ja, ich weiß gar nicht, ja, eigentlich möchte ich es gar nicht wissen.

Markus: Nein, nein, nein.

Cindy: Ja und deswegen, wir haben eine gute Freundin, wir dürfen die Biere jeweils zu ihr liefern lassen nach Freiburg im Breisgau und fahren dann halt dorthin und holen die ab. Aber, ja, es ist dann teilweise schon eben das eben immer mit dem liefern lassen. Es gibt natürlich auch Grenzpakete, wo du hast, aber es ist, wie du gesagt hast, also mit dem Liefern ist teilweise mühsam.

Petra: Ja und ad versum genau dasselbe, deshalb sind die Schweizer Biere nicht so bekannt, weil, was machst du mit Zoll und so weiter. Dann kommst du in eine Preisklasse, wo du dann vielleicht nicht mehr mal so Lust hättest, das Bier zu trinken. Ja, da wäre es schon schön, wenn man eine Lösung finden würde.

Markus: Und wie macht ihr das dann auf der Rückfahrt, wenn ihr dann jeweils den Rucksack voller Bier oder den Autokofferraum voller Bier habt oder so?

Cindy: Wir sind ja Zug-Fan.

Markus: Nee, ich sage ja, beim Zug ja auch, ist man da mit seinem Rucksack da drin, wie lächelt man dann so einen Zöllner an oder schaut man eher weg oder geht man schnell aufs Klo oder wie ist so da …

Petra: Nee, wir parken den Rucksack 3, 4 Reihen weiter vorne, dann scheppert es da.

Markus: Bei einer Familie mit 4 Kindern oder so.

Petra: Genau, genau.

Cindy: Nein, grundlegend wirklich, der Rucksack ist halt einfach da und meistens über die Grenze, wenn du in Basel, Badischer Bahnhof, da gehst du durch. Also es gibt, glaube ich, Zöllner, ich habe noch nie einen gesehen. Ist das jetzt gute Werbung für uns, oder?

Markus: Ich überlege gerade, aber, ich glaube, das ist okay.

Cindy: Ja, es sind ja 0,5 Liter, die wir haben und es ist ja nicht wirklich ein Schmuggel.

Petra: Nee, wir trinken die dann schon selbst, wir verkaufen die nicht weiter.

Markus: Eben, richtig, ja. Auf jeden Fall spannend, naja. Ja, was habt ihr jetzt noch so vor? Also ihr seid jetzt hier in Bamberg, leider Gottes haben wir gerade so ein Zwischensommerloch, also wo der Sommer sich gerade jeden Tag überlegt, komme ich oder gehe ich, es regnet mal, es scheint mal, aber es wird jetzt, glaube ich, wieder ein bisschen besser. Also so, was ist so euer Programm, was habt ihr euch noch so vorgenommen die nächsten Tage?

Cindy: Also natürlich die Bamberger Brauereien, die anzuschauen und wenn es schön ist, natürlich im Biergarten zu sitzen, die durchmachen. Und danach treffen wir uns ja schon bald wieder mit dir.

Markus: Ja.

Cindy: Und zum Annafest am Montag, hoffentlich bei Wetter, wie wir es jetzt haben und rausschauen.

Markus: Das wäre schön.

Cindy: Im Moment scheint die Sonne, schauen wir mal, wie es Montag wird. Auf das Annafest, da freue ich mich schon sehr. In Forchheim auf den Kellern waren Petra und ich schon zweimal, aber nicht während des Annafestes. Einmal waren wir, da war eben Corona, da stand das Annafest, gab es gar nicht, aber wir haben das …

Petra: Aber das Annabier getrunken.

Cindy: … Annabier getrunken. Sehr interessant, da freue ich mich schon drauf, dann wirklich mal auf den Kellern diese Biere zu trinken. Ja, ansonsten, was hast du noch so?

Petra: Ja, ich war heute die schöne Mälzerei angucken, das ist natürlich oder war für mich ein Highlight, absolut cool. Und ich lasse mich dann jeweils treiben, ich mache das nicht so gerne, irgendwo schon alle Termine. Ich laufe durch die Gassen, schaue mir die ein oder andere Brauerei von innen und außen an und lasse es mir einfach gut gehen im schönen Frankenland.

Markus: Dem ist fast nichts mehr hinzuzufügen. Ich habe trotzdem noch eine Frage. Andersrum gedacht, wenn jetzt jemand sagt, er möchte gerne mal in eure Ecke, also in die Deutsch-Schweiz, sage ich mal so, gibt es irgendeinen Termin, ein bestimmtes Fest oder eine bestimmte Lokation oder irgendwas, wo man sagt, das wäre ein guter Auftakt, um mit so einem Schweizer Bierbesuch mal zu beginnen?

Cindy: Luzern ist eine Festhütte, bei uns in Luzern ist eigentlich immer was los. Wir haben eine der schönsten Fastnacht, Fasching oder wie ihr es nennt.

Petra: Ist Fastnacht.

Cindy: Fastnacht, das sind immer coole 5, 6 Tage, absolut genial. Wir hatten jetzt das Luzern Live, ein Open-Air-Konzert über 120 Tage hinweg. Am Seeberg in Luzern läuft eigentlich immer was. Da gibt es keine Jahreszeit, es ist immer schön.

Markus: Okay.

Petra: Und bierisch läuft natürlich in der Schweiz auch immer sehr viel. Es gibt fast in jedem Kanton ein Bierfest. Da möchte ich jetzt nicht das ein oder das andere hervorheben, weil sonst würde ich den anderen Kantonen jetzt nicht, ja, nicht gerecht werden. Also es gibt wirklich sehr viele Bierfeste, mit sehr interessanten Bieren, die halt sehr regional sind. In Luzern sind es eher die Luzerner Biere, in Basel die Baseler Biere, dann gibt es natürlich auch die größeren Bierfeste, die sehr international sind. Also es läuft bierisch schon sehr viel. Und ansonsten, wir haben sehr viele Schwingfeste. Schwingen ist ein …

Markus: Ein Swingerklub.

Petra: Nein, kein Swinger. Da ist eben noch wichtig …

Markus: Man weiß ja nie.

Petra: … je nachdem, wie viele Biere du schon gehabt hast, könnte es anders heißen. Nee, es heißt Schwingen und ist einfach ein alter Volksport, wo halt sich die Bösen, und die Bösen sind die Eidgenossen, also es sind eigentlich die Kränze, also je nachdem, wie gut das die sind. Das alles zu erklären, würde jetzt den Rahmen sprengen. Aber es ist einfach da ein traditionelles Fest, da hat es immer ganz viele Albhörner, da wird gejodelt. Schwingen tut man in Sägemehl, also in den Spänen, und es ist wirklich ganz, ganz toll. Es ist ein wunderschöner Brauch. Meine Schwester geht nie, deswegen schüttelt sie den Kopf. Ich gehe viel auf solche Festfeste und wir haben wirklich ganz viele Volksfeste in der Schweiz, die halt sehr traditionell sind. Man muss es auch mögen, auch jodeln ist wirklich schön.

Markus: Ich wollte gerade fragen, könnt ihr jodeln?

Petra: Nein, ich kann nicht singen.

Markus: Schade, das wäre jetzt der Abschluss gewesen.

Petra: Markus, sagt das nicht, ich kann nicht mal im Takt klatschen.

Markus: Okay.

Petra: Nein, ich bin höchst …

Cindy: Wir können laut jollen auf den Fußballfesten und so weiter …

Petra: Laut ja, aber nicht schön.

Cindy: … und bei Schlagerpartys, aber das möchte niemand hören.

Markus: Na gut, dann enden wir nicht mit einem Jodler, ist auch okay. Also vielen Dank auf jeden Fall für die Biere, für eure Auskunft, für euer Interesse, für eure Bierreisen und noch viel, viel Spaß dabei. Und, ja, wir werden uns ja noch öfter über den Weg laufen und mit dem Restbier sagen wir noch mal schnell Prost!

Cindy: Genau.

Markus: Tschau. Danke.

Cindy: Vielen herzlichen Dank, Markus, war eine super tolle Zeit.

Petra: Vielen Dank.

Markus: Danke.

Cindy: Und tschüss, sagen wir, soll gaute. Tschau.

Markus: Tschau.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

BierTalk Spezial 70 – Interview mit Tom Schafferhans, Brauer bei Skagen Bryghus und Müßiggang aus Skagen, Dänemark

Heute reisen wir an die Spitze Dänemarks – nach Skagen, wo Ostsee und Nordsee zusammentreffen. Dort braut Tom Schafferhans, Diplom-Braumeister aus Thüringen, im Skagen Bryghus eine beeindruckende Bandbreite: vom Pils bis zum Kirschbier, vom alkoholfreien Champion bis zu „New Nordic“-Experimenten mit Porse & Co. Und: Er verfolgt ein radikales Herzensprojekt – Eisbock als eigene Kunstform. Wir sprechen über Toms Weg von Rhönbrauerei und VLB Berlin in den hohen Norden, über Dänemarks größte Biergartenszene, smørrebrød-taugliche Pairings, und warum strenge Stiltreue und kreative Freiheit kein Widerspruch sind. Im Mittelpunkt steht Toms Label „Müßiggang“ – inklusive Live-Verkostung seiner ersten Releases Frostwerk und Kryomorph: konzentrierte Aromen, Fassreife, samtiges Mundgefühl – Genuss für kleine Gläser und große Momente. Wenn Ihr Lust auf nordische Braukultur, starke Geschichten und starke Biere habt: einschalten, zurücklehnen, Müßiggang zulassen…

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BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute begeben wir uns auf eine ganz spannende Reise wie immer eigentlich, aber wir sind, also wir überlegen so Mitteleuropa und dann gehe wir so von Deutschland nach Norden, dann kommen wir nach Dänemark und dann gehen wir immer weiter nach Norden, also wo das Ende ist sozusagen, bis es nicht mehr weitergeht. Und da landen wir in einer ganz kleinen schönen Stadt, in einem Städtchen, das nennt sich, ich spreche es wahrscheinlich falsch aus, aber geschrieben wird es auf jeden Fall Skagen. Und wenn man da dann noch ein kleines Stückchen weitergeht, dann landet man am Strand und dann kann man mit einem Fuß in der Ostsee stehen und mit dem anderen Fuß in der Nordsee, also super spannend. Das habe ich vor ungefähr 2 Jahren gemacht und natürlich bin ich dort auch in der Brauerei eingekehrt, denn es gibt dort das Skagen Bryghus und dort habe ich dann mit lauter Glück und Freude einen lieben deutschen Braumeister getroffen, den Tom Schafferhans. Und der hat nicht nur dort ein Projekt, sondern hat auch selber noch ein Projekt, und all das werden wir jetzt heute ein bisschen erfahren. Also schön, Tom, dass du die Zeit gefunden hast, dass wir uns endlich treffen können und dass ich auch 2 von diesen Bieren hier stehen habe, über die wir gleich sprechen werden, ich bin schon ganz kribbelig. Aber vielleicht stellst du dich ganz kurz mal unseren Hörern selber vor.

Tom: Ja, hallo, Markus, erst mal schön, dass es doch jetzt geklappt hat, das ist ja schon fast 2 Jahre her, dass wir uns hier getroffen hatten.

Markus: Absolut.

Tom: Aber so ist es eben, wenn das Projekt Müßiggang heißt, ne. Ja, ich bin der Tom, bin hier angestellt als Braumeister bei Skagen Bryghus. Also die dänische Aussprache ist eben Skagen, da werden oft Buchstaben so ein bisschen verschluckt oder halt nicht ausgesprochen, wie das g, ja, das ist dann eben weg. Und das ist also eine Gasthausbrauerei, wo ich hier hauptberuflich arbeite. Aber nicht nur im Gasthaus, sondern halt auch als Flaschenbier wird das hier verkauft im Land, also so Craftbeer-mäßig, machen alle möglichen verschiedenen Sorten. Und darüber hinaus habe ich eben noch mein eigenes kleines Eisbock-Projekt gestartet, über das wir ja heute auch reden wollen.

Markus: Total spannend. Und, ja, du hast jetzt hier so no challenge gesagt, naja, ist halt eine Brauerei und wir machen so ein paar Bierchen. Also ganz ehrlich, es ist eine ganz imposante Palette von unglaublich vielen verschiedenen Bieren, also seien es jetzt deutsche Bierstile, seien es eben englische Bierstile, amerikanische Bierstile, auch kreative Biere mit allerlei Zutaten jetzt zum Beispiel außerhalb des Reinheitsgebots, also eine sehr, sehr interessante spannende Palette und auch ein bisschen was haben wir zusammen probiert, als ich da war, wunderbar. Und was man ja auch sagen muss, die Umgebung ist ja großartig, es ist Dänemarks größter Biergarten. Also auch das ist ja fantastisch, 500 Leute passen da, glaube ich, ungefähr rein, also riesengroß und wirklich also sehr, sehr schön, jetzt im Sommer wahrscheinlich völlig überfüllt. Vielleicht einfach mal so ein paar Hintergründe vielleicht so en oder ein paar Impressionen, wenn du uns mal so ein bisschen erzählst, wie schaut es da aus, wie müssen wir uns das vorstellen, wie ist es da in und um Skagen? Ist das jetzt besser gewesen bei mir?

Tom: Ja, Skagen, genau, genau, ja.

Markus: Ah, sehr schön.

Tom: Jetzt finden es wahrscheinlich die Zuhörer nicht mehr auf der Karte dann.

Markus: Wir verlinken es ja in den Shownotes, dann kann man es sehen.

Tom: Ja, wie gesagt, ja, wir sind eben eine Brauerei. Das war vielleicht ein bisschen untertrieben, ja, weil, das ist auch nicht so die dänische Sache, dann irgendwie groß zu prallen mit irgendwelchen Dingen, aber es sind schon irgendwie 50 Biersorten oder so, die wir hier am Laufen haben, nicht alle immer, aber so insgesamt schon. Soll heißen, also alles von Pilsner Doppelbock, Weißbier machen wir auch, verschiedene über, Letztens habe ich dann Radler und mein Kirschbier eingeführt und Alkoholfreies ist auch neu. Das hast du, glaube ich, noch nicht bekommen damals, das ist erst seit 1 Jahr.

Markus: Nein.

Tom: Da haben wir auch, dänische Meisterschaft, einen Titel gewonnen für das Alkoholfreie. Haben auch die, was war es denn, wer war noch mit, ich glaube, Royal war mit, hat den 2. Platz gemacht, da ist man da natürlich schon stolz drauf. Also, ja und ansonsten, ich meine, es gibt die 2 Teile, einmal Flaschenbier, einmal den Biergarten und das ist natürlich saisonal. Also Skagen generell ist so, ich würde mal sagen, das Sylt Dänemarks, so ein bisschen, ja. Das ist eben dort, wo man in den Sommerferien hinkommt und da ist dann auch einiges los hier. Im Winter geht es ein bisschen langsamer, aber jetzt Zurzeit, im Moment ist wirklich Hochkonjunktur und dieses Jahr ist auch der Sommer wirklich so, dass es ordentlich Leute anlockt. Und dazu haben wir eben oft noch Musik. Also im Moment ist es von Donnerstag bis Sonntag durch Musik, dass eben die Leute kostenlos Konzerte, ja, hören können hier und in der Brauerei und dabei natürlich Bier trinken und das Ganze auch wieder finanzieren, also so ist das Ganze gedacht.

Markus: Absolut, also ein wirklich faszinierendes Gesamtpaket. Mir kam es ein bisschen so vor wie so eine Mischung aus, sage ich mal, Norderney und dem Herrn der Ringe, irgendwie so diese Hobbit-Dörfer, also man hat diese Sanddünen und dazwischen stehen eben diese Häuschen überall so rum. Und man darf auch nicht vergessen, es ist eine Straße, die ja wirklich nicht eine Einbahnstraße ist, aber halt eine Straße, die man da langfahren kann sozusagen bis eben zum Ende der Welt und wenn man zurück will, muss man wieder dieselbe Straße fahren. Also da ist dann durchaus auch immer ein bisschen Trafik, und dann macht es ja auch Sinn, dass man bei euch einfach mal einkehrt und sich eins der vielen Biere schmecken lässt. Und was mir auch aufgefallen ist, ihr habt ja zum Beispiel auch, ich glaube, es war ein Hagebuttenbier und ein Wacholderbier oder eins mit Honig, glaube ich, auch, also durchaus eben auch so spannende Experimente. Und das führt natürlich ein bisschen zu der Frage, also vielleicht einerseits, wie bist du überhaupt zum Thema Bier gekommen und andererseits, wie kommt man dann nach Dänemark oder war es andersrum, war es erst Dänemark und dann das Bier?

Tom: Nee, also Bier konnte ich eigentlich schon immer leiden, sagen wir mal. Aber ursprünglich zum Bier gekommen, ja, das ist ein bisschen eine komische Sache. Also ich war nämlich eigentlich in der Bundeswehr und war dort Offizieranwärter, bin da allerdings nach 4 Jahren ausgeschieden und wollte mich anderen Sachen widmen. Und komischerweise, ich habe ja Letztens die Folge mit dem Herrn Narziß gesehen, der ist ja so in seiner Karriere, ist der Fähnrich geworden, ja, ich habe auch als Fähnrich das Militär verlassen, natürlich zu einer ganz anderen Zeit und so weiter. Aber, ja, ich hatte mir damals tatsächlich ein weißes Blatt genommen und habe überlegt, was will ich denn machen. Also ich wusste bloß, ich wollte das mit dem Militär eben nicht weitermachen und habe mir da verschiedene Sachen aufgeschrieben. Und dann hatte ich da unter anderem Winzer draufstehen oder wenn gar nichts hilft, halt irgendwie Wirtschaftsingenieur studieren oder irgendwie. Winzer ging nicht, weil in Thüringen, da, wo ich herkomme, da ist mit dem Weinanbau, zumindest in Süd-Thüringen, nicht so direkt in der Nähe was los. Und da habe ich die nächste Brauerei angerufen und die haben gesagt, ja, ich könnte doch mal ein Praktikum machen, das war die Rhönbrauerei in Kaltennordheim. Und daraus hat sich dann eine Lehrstelle ergeben. Und ich habe das bis heute nicht bereut, da relativ spontan den Brauerberuf gewählt zu haben. Natürlich, also wie gesagt, Bier konnte ich vorher schon leiden und hatte Interesse, aber es hätte auch anders ausgehen können von der Sache her, ne, wenn die nicht so schnell reagiert hätten und gesagt hätten hier, du kannst hier Lehrling werden bei uns.

Markus: Ja, es ging ja dann den richtigen Weg, das ist ja cool. Also gut, dann haben wir also dich in Thüringen schon bierbegeistert und dann eben in der Brauerei im Praktikum und dann eben zur Ausbildung. Und wie findest du dann nach Dänemark?

Tom: Zunächst Mal habe ich also die Lehre gemacht ganz normal als Brauer, habe dann aber nach 1 Jahr im Windschatten des Braumeisters quasi zu Öttinger gewechselt, in Gotha. Die haben ja dort also eine ihrer damals 4 Brauereien, inzwischen ist es eine Paulaner, die haben das gekauft, ja und habe dort eben die Lehre weitergemacht. Und natürlich auch in der Berufsschule, an meine Berufsschullehrerin kann ich mich noch erinnern, wie kannst du das machen und kannst von der kleinen mittelständischen Brauerei zur großen bösen Oettinger wechseln, ja. Ja, das ist aber im Endeffekt auch nicht schlecht gewesen, muss ich sagen, weil dadurch natürlich viele Brautechniken, die man eben lernt, also mal eine Zentrifuge oder andere Sachen, ja, auch die ganze Skala und Analysen und wie das da alles läuft auf dem Niveau, das war schon sehr interessant. Und das hat mich dann auch letzten Endes dazu halt bewogen, auch Braumeister werden zu wollen. Und das habe ich dann auch gemacht, also ich habe die Lehre beendet, habe dann noch 2 oder 3 Monate bei Oettinger noch als Brauer gearbeitet. Und dann bin ich nach Berlin, hatte auch inzwischen dann schon ein Kind, und habe dort eben studiert an der VLB zum Diplombraumeister. Und damit war ich dann 2016 fertig, ja und dann natürlich muss man irgendwann mal was arbeiten, also habe ich Jobs gesucht. Und das war aber schon das Ziel, ins Ausland zu gehen, einerseits einfach, um was anderes zu sehen. Und zum anderen natürlich auch, um mal zu mindestens für eine Weile dem Reinheitsgebot zu entkommen, ja, mehr Freiheiten zu haben und irgendwo alles aufzusammeln, also außerhalb dessen und zu lernen, das war schon also so das Ziel. Und da hat es sich ergeben, dass damals in Aalborg, oder Ålborg auf dänischer Aussprache, die Gasthausbrauerei jemanden gesucht hat. Und da habe ich zunächst eben dort gearbeitet und später dann noch in Frederikshavn bei einer Brauerei und vor 2 1/2 Jahren bin ich hier nach Skagen gewechselt, also so hat schon das ergeben. Ursprünglich war die Idee mal, wenn mein Sohn in die Schule kommt, also so nach 5 Jahren, dann überlegen, ob es wieder zurückgeht oder wie auch immer, aber letztendlich hat auch das Leben uns hier so gut gefallen, dass wir eben entschieden haben, hier zu bleiben.

Markus: Ja, die Lebensqualität ist schon unglaublich in Dänemark, das ist schon wirklich sehr, sehr schön. Und ich kann mich auch erinnern, vor 2 Jahren war ich ja deswegen da, weil ich just von der Gasthausbrauerei in Aalborg eingeladen war, die hatten damals gerade ihre Whisky-Brennerei, na, nicht eingeweiht, aber halt mit ihren ersten Whiskys kamen sie dann raus. Und haben dann ein Event gemacht, wo wir dann mit einem Segelboot von Aalborg aus in diesen Sund gefahren sind bei Thisted da in diesen, ja, ich weiß gar nicht, wie man das genau nennt, aber egal, also ein Stück Wasser halt. Und dann sind wir da wirklich mit dem Boot dahin und dann auf der Insel, da lagert der Whisky, waren wir dann, haben die verschiedenen Fässer dort gesehen und auch verkostet und sind dann wieder zurückgefahren, das war schon ein tolles Event. Und vorher war ich beim Thisted Bryghus, wo ja auch ikonische Biere entstehen. Also insgesamt ist Dänemark ja wirklich ein Land der Bierliebhaber geworden auch, mit einer großen Szene an kleinen Brauereien, vielen Bierenthusiasten, die sich da engagieren und Hobbybrauern. Also ein ganz lebendiges und spannendes Land, gerade eben auch, was das Thema Bier angeht. Und letzten Endes, wir haben ja dort gemeinsam den Christian Andersen getroffen, der ein Buch geschrieben hat zum Thema Pilsner, mich dafür vorher kontaktiert hatte. Das war ein anderer Grund, warum ich mir gedacht habe, da mal hinzufahren, weil der eben gesagt hat, ich soll ihn doch mal besuchen. Und als wir eben da waren, hat er eben gesagt, Mensch, dann lass uns doch zur Brauerei gehen, er kannte dich ja auch. Und dann haben wir uns zusammen getroffen, das war ja auch großartig, also auch diese Freundschaft da, die Verbundenheit wirklich, also das gefällt mir schon wirklich total gut und ich habe mich da auch sofort sehr wohl und sehr willkommen gefühlt. Ich denke, das ist vielleicht auch so ein Punkt, oder, fühlst du dich …

Tom: Ja, ja, ich finde das auch überraschend, weil oft ist es ja vielleicht auch ein bisschen Klischee inzwischen, aber so diese nordische Unterkühltheit oder so ein bisschen, man hat es so schwer, da irgendwie reinzukommen. Und so geht es vielen Leuten auch, aber, ich sage mal, sobald man über Bier anfängt zu reden, dann kommen auf einmal ganz andere Charakterzüge zum Vorschein. Also da ist man auch auf einer Leidenschaft, ja, also entweder fürs Biertrinken oder halt auch fürs Biermachen, ja nachdem, auf welcher Seite so man mit den Leuten redet. Ja, das ist so, das gefällt mir auch wirklich gut. Und vor allem, dass auch die Qualität geschätzt wird. Es ist natürlich auch, ich sage mal so, bevor die Craft-Bierwelle aufkam, war halt auch, ja, also war jetzt nicht so wie in Deutschland. Das heißt, das ist auf fruchtbaren Boden gefallen und die Brauereien sind explodiert in den Zahlen und die Bierqualität ist auch entsprechend, also richtig hoch zum Teil.

Markus: Ja und ich glaube auch, dass für viele jetzt gerade, sagen wir mal, deutsche Bierleute, also entweder kennen sie nur Carlsberg als dänische Brauerei oder es ist für sie so eine Art weiße Landkarte in Sachen Bier. Und das ist aber auch gar nicht so schlecht, weil damit ist natürlich die Möglichkeit, neue Sachen zu entdecken und relativ unvoreingenommen an Brauereien, an Biere, an Bierstile ranzugehen, die ist natürlich relativ groß. Oder auch insgesamt die Bierstile, die dänische Bierhistorie, das ist ja nahezu unbekannt, also bei uns im Land auf jeden Fall und damit natürlich auch noch mal eine ganz spannende Palette an Bieren, die da möglich sind und an Rezepturen. Was ich allerdings sehr interessant finde, dass gerade du aus Thüringen sagst, du willst dem Reinheitsgebot entfliehen, wo doch Thüringen total stolz drauf ist, dass sie ein eigenes Reinheitsgebot von 1434 haben. Wie geht es dir denn da in dieser Geschichte? Also was probierst du gerne aus, was sind so deine Sachen, wo du sagst, da möchte ich ganz bewusst mal diese, sagen wir mal, Regelung außenvor sein lassen und wirklich mal experimentell sein mit meinen Bieren?

Tom: Ja, so bei den Zutaten ist es einfach so. Also es ist ja schade, wenn man jetzt Honig reintut und das dann nicht mehr Bier nennen darf oder, ja, manche anderen Dinge auch. Ich meine, manchmal nimmt es auch Überhand, ja, da wird dann irgendwie hier, das heißt Bock und dann hat es nichts mit einem Bock zu tun. Also ich habe schon irgendwie so Bockbiere gesehen, da hatte der Bock eben 5 % und war obergärig oder was auch immer. Also das ist dann halt auch wirklich ein bisschen Wildwest zum Teil. Also ich für meinen Teil, ich halte immer die klassischen Bierstile, klassisch, also soll heißen, in ein Pilsner, da gehört einfach nix rein, ja. Von Theodor Schütz oder wie die heißen hier, die haben dann immer ein Pilsner und dann ist da Apfelsaft drin und was weiß ich alles. Also das macht man halt nicht, sowas. Aber dafür bei den Bierstilen, wenn ich sozusagen freie Bahn habe, wenn das Ziel ist, jetzt nicht ein klassisches Bier zu brauen, dann nutze ich das auch wirklich gerne. Und ich braue auch gern mit belgischen Zutaten. Das ist so ein bisschen, auch belgische Hefe und belgisches Bier, das ist so ein bisschen auch noch mein Steckenpferd. Da können wir ja vielleicht gleich noch drüber reden, denn dass ich immer gern starkes Bier braue, das hängt ja auch ein bisschen mit den Belgiern auch zusammen, die machen das ja auch ganz gern.

Markus: Das stimmt, das ist bei denen Programm, ja.

Tom: Und Kandiszucker ist auch einfach gut, ja, auch in Verbindung mit bestimmten Hefen und so weiter, also das macht dann schon Spaß.

Markus: Ja und man darf auch nicht vergessen, du gehst ja auch in die andere Richtung und machst eben mal historische Biere oder mit besonderen historischen Zutaten, also mit, was weiß ich, Dinkel oder Roggen oder Hafer oder solchen Geschichten, wo man ja auch viel probieren kann, ne?

Tom: Da gibt es ja auch diese Pflanze, in Deutschland heißt die, glaube ich, Sumpfporst und auf Dänisch heißt die Porse. Das ist so, die wächst am Strand, nicht direkt am Strand, aber so hinter den Dünen, so dazwischen drin. Und daraus kann man ein Bier machen. Man kann da zum Teil den Hopfen mit ersetzen. Je nachdem, wann man das gibt, ist es eher bitter oder so zum Teil sogar süßlich. Also da kann man interessante Sachen draus machen. Das sind so typische Sachen von hier und das ist dann so unter dem Begriff neues nordisches Bier so zusammengefasst, wo man dann eben hergeht und nimmt eben solche Dinge oder Wermuth oder Honig aus der Region. Oder, ja, eben diese, wie heißen die denn auf Deutsch, Hüben heißen die, also nicht Hagebutten, aber diese Strandrose oder wie die heißen, die kann man eben auch nehmen. Also es gibt alle möglichen Möglichkeiten hier.

Markus: Meinst du Sanddorn?

Tom: Nee, das sind diese, die so ein bisschen größer sind wie die Hagebutten hier, zum Teil werden die eben auch mal zum Brauen hier genutzt.

Markus: Ah, Hippen.

Tom: Ja. Also ich habe da mit denen selber noch nicht gebraut, mit Pflanzen kenne ich mich auch nicht so gut aus.

Markus: Nee, ich habe es ein bisschen auch kennengelernt eben, als ich in Thisted war dort beim Bryghus, weil die machen ja auch ein Bier mit eben Porst oder Galen, also diesen Kräutern, die da rumwachsen. Und die machen ja sogar ein riesen Geheimnis drum. Also da trifft man sich einmal im Jahr und fährt dann mit verbundenen Augen sozusagen an den Ort, wo das eben wächst. Dann kriegen alle die Augen entbunden sozusagen, müssen so viel sammeln wie sie können, dann wird das in Säcke gestopft, Augen wieder verbunden, man fährt wieder zurück zur Brauerei. Ein Großteil wird eingefroren und dann wird eben über das ganze Jahr damit gebraut. Also super witzig auch die Storys, die man einfach drum rum macht. Sie machen auch ein Bier mit Bernstein, wo Bernstein vorher eingelegt ist. Das ist auch ein sehr interessantes Thema, das überhaupt zu machen. Also da geht es, glaube ich, weniger drum, dass das wirklich einen geschmacklichen Einfluss hat, aber das ist einfach das Zelebrieren von so einem Thema, das Ausprobieren. Und sie haben auch eine eigene Idee, eben Steinbier zum Beispiel zu machen. Also das jetzt nur als Beispiel, soll kein Werbeblock für Thisted sein, wobei das natürlich ein tolles Brauhaus ist, aber um das zu sehen.

Tom: Ich habe gerade das mit dem Bernstein, also, ich sage mal so, naja, ich will jetzt nicht über alles reden, was ich so ausprobiere so hinter den Kulissen, aber Bernstein ist tatsächlich eine Geschmackskomponente, die wirklich interessant ist. Da habe ich auch ein paar Versuche gemacht mit. Sie ist nicht billig, sagen wir mal, zu mindestens, wenn man es in größeren Mengen verwenden will. Ich glaube, die verwenden den auch irgendwie wieder oder so. Aber das ist natürlich absolut einzigartig, dass man auch irgendwie so ein Fossil benutzt. Und es auch rechtlich, ist das nicht definiert. Was ist Bernstein überhaupt, ist das jetzt eine Zutat, löst der sich auf, wie ist das zu behandeln? Bisher läuft das einfach so nebenher. Vielleicht ist es auch besser, das gar nicht so an die große Glocke zu hängen, dass nicht erst irgendwer kommt und Gesetze erfinden muss. Aber, ja, man kann auch damit Bier machen.

Markus: Also wir können ja da einfach den Leuten Lust machen zu sagen, okay, fahrt einfach mal hin, schaut euch das an, probiert vor allem natürlich und lasst euch einfach da mit offenen Herzen und offenem Gaumen so ein bisschen verführen, entführen in diese Bierwelt des Nordens. Vielleicht noch so ein bisschen zum Brauhaus an und für sich, du bist da ja der Braumeister eigentlich. Mit wem hast du da sonst noch zu tun, sind da viele Leute? Spricht da sonst noch jemand Deutsch oder bist du da so für dich, wie bist du da jetzt so ein bisschen gesettet?

Tom: Ja, also sagen wir mal so, es gibt den Chef, der das auch ja mitgegründet hat, also den Rene, und der hat, ich sage mal so, der hat den Titel Braumeister. Er ist nicht ausgebildeter Braumeister, er ist halt, so typisch für Dänemark, eben ein Hobbybrauer, der das eben dann groß aufgezogen hat und entsprechend eben, ja, die Biertypen entwickelt hat und so weiter und ich bin eben der Diplom-Braumeister. Wir haben so ein bisschen so eine Zusammenarbeit so, mal macht er ein Rezept oder sagt hier bei dem Rauchbier, was wir machen wollen, vielleicht machst du das mal lieber, du kennst dich ja vielleicht mehr damit aus, so in der Richtung, so haben wir die Zusammenarbeit. Und dann haben wir eben noch drei Leute in der Produktion, die eben abfüllen und brauen auch, einer davon. Also, ja, insgesamt sind wir sozusagen 4 Leute tatsächlich am Bier, aber im Sommer, gerade saisonmäßig, bis zu 50 Angestellte insgesamt, vor allem eben Kellner und Küche, weil ja das Restaurant hier dann ordentlich läuft, ne.

Markus: Und apropos Restaurant, gibt es da auch was anderes als Hering?

Tom: Ja, also es gibt natürlich dann schon die typischen dänischen Sachen, also beispielsweise eben Stjerneskud. Also das ist schwer zu beschreiben, das ist eigentlich ein Roggenbrot, das sieht man aber nicht mehr, das ist ja versteckt unter einem riesen Berg von Zutaten, wo dann eben Garnele und Fischfilet, paniertes Fischfilet drauf ist und noch Salat und so weiter und mit Dressing und allem. Also das ist auf jeden Fall eine Empfehlung. Und es gibt natürlich auch Burger, der Brauhaus-Burger, der ist immer gern genommen. Ja, also so typische Dinge eben und dann halt eben saisonabhängig noch andere Fischvarianten und Fischfrikadellen und sowas, das ist eben eine große Sache hier. Und das hat ja auch damit zu tun, das Skagen unter anderen eben für die Fischindustrie ein wichtiger Hafen ist.

Markus: Ja und ich muss auch sagen, ich habe diese Kunst des belegten Brotes in Dänemark noch mal völlig neu kennengelernt. Also, ich sage mal, so, wie ich es erlebt habe, würde ich es mal zusammenfasen mit Smörrebröd als Titel, aber weiß ich gar nicht, ob das richtig ist, aber so viele ganz unterschiedliche und fantastisch schmeckende belegte Brote mit unglaublichen Zutaten. Also es ist immer so, dass man ein kleines Scheibchen Brot untendrunter hat und dann türmt sich irgendein Berg von irgendwas sehr kunstvoll drapiert und zusammengestellt oben drüber, das fand ich wirklich großartig. Egal wo wir waren, überall gab es da ganz tolle Variationen. Also das, ja, finde ich ein tolles Erlebnis eigentlich, wie man so ein belegtes Brot zelebrieren kann.

Tom: Das ist auch so eins der Dinge, die ich halt am Anfang, ja, das heißt, nicht verstanden hatte, aber die mich sehr überrascht haben. Denn, ich bin irgendwo vorbeigegangen an einem Restaurant oder an so einem Café und da war eben Smörrebröd und was, das soll irgendwie 12 Euro kosten, ein Butterbrot? Ich habe gedacht, also was ist das denn, ja, sind die irre. Ja, aber wenn man das dann eben sieht, wie das angerichtet ist und auch, wie viel das letzten Endes ist. Oft hat man da quasi eine Hauptmahlzeit auf dem Butterbrot liegen, dann ist das schon alles, macht das schon Sinn.

Markus: Auf jeden Fall. Was man übrigens jetzt auch so ein bisschen raus hört, du sprichst ja perfekt Dänisch. Wie kam das denn, mit der Zeit oder hast du das bewusst gelernt oder wie?

Tom: Ja, perfekt will ich jetzt nicht sagen. Die Dänen hören es schon noch, aber oft können sie nicht mehr genau sagen, ob ich jetzt Deutscher, Schwede oder Norweger oder so irgendwo von woanders her bin, ja, also nicht mehr genau zuordnen, das ist schon mal ganz gut, manchmal. Nee, also letztendlich habe ich erst mal, ehrlich gesagt, habe ich mein Englisch verbessert, als ich herkam, denn wir hatte immer Englisch gesprochen auf der Arbeit, weil ich ja noch gar kein Dänisch konnte. Und selbst das Englisch der meisten Dänen ist eben besser als zu mindestens des Durchschnittsdeutschen oder besser als ich es eben sprechen konnte damals, weil eben, ja, was hier schon in der Schule ganz gut ausgebildet wird und auch, weil eben beispielsweise Filme eher nicht übersetzt werden. Und dann nach 2 Jahren, oder 1 oder 2, irgendwann habe ich angefangen, in die Sprachschule zu gehen. Die steht hier jedem frei zugänglich zur Verfügung, also wenn man jetzt herkommt. Da wurde ich dann halt rausgeworfen. Das war halt so ein Erlebnis, wo dann auch, ja, wo ich dann auch gedacht habe, na gut. Ja, das war eben, weil ich viel gearbeitet habe, ja, war ja auch Braumeister und konnte eben nicht einfach Heim gehen wann ich wollte oder wie, musste halt gemacht werden. Jedenfalls habe ich nicht immer teilnehmen können an dem Kurs und dann haben die gesagt, ja, ich habe nur unter 75 % Teilnahme, Sie sind jetzt raus. Naja und dann habe ich da angerufen und habe eben gesagt, ja, ich möchte das ja aber gerne lernen, das ist ja jetzt nicht, weil ich keine Lust habe. Ja, aber wenn Sie jetzt nicht hergehen, dann werden Sie ja nie Dänisch lernen und wie sollen Sie dann einen Job kriegen.

Markus: Ich habe einen.

Tom: Ja, ich sage ja, ich kann ja nicht kommen, weil ich einen habe, genau. Also das war ein bisschen, es hat einfach nicht gut geklappt von den Terminen her. Aber letztendlich, mein nächster Arbeitgeber, sagen wir mal, da war der Chef recht konservativ, der hat gesagt, das ist eine dänische Firma, du musst jetzt auch Dänisch reden. Ich habe gesagt, na gut, wenn du damit leben kannst, mit all dem Unfug, den ich dann von mir gebe, dann los. Und das war dann halt tatsächlich ein bisschen ins kalte Wasser geschmissen, aber es hat funktioniert.

Markus: Wahnsinn! Und hast du auch Familie mittlerweile da vor Ort?

Tom: Ja, also für meine Tochter war es einfach, die war noch ein Baby, als sie herkam, sie hat quasi gleich so nebenher gemacht. Und mein Sohn im Kindergarten, da hat es ein bisschen gedauert, aber es ging dann auch. Und die sind ja jetzt auch in der Schule halt in einer Klasse für dänisch Muttersprache, nicht für Dänisch als Fremdsprache. Von daher bin ich da eigentlich froh drüber, das gemacht zu haben jetzt. Also zu mindestens die Sprache nimmt man mit, egal, wie sie später mal sich entscheiden, ob sie hierbleiben oder in ein anderes Land gehen, genau.

Markus: Ja und wir haben ja diese wunderbare Errungenschaft der Europäischen Union, wo man ja wirklich hin und her kann und überall arbeiten kann. Und ich habe auch das Gefühl, dass die Jugend das immer mehr lebt und gar nicht mehr so an dem jeweiligen Nationalstaat hängt. Also das ist schon eine tolle Gelegenheit. Und ich muss sagen, alle, die ich erlebt habe, die eben so zweisprachig aufgewachsen sind, für die war das immer ein riesen Gewinn. Also da, das ist zum Beispiel was, ich bin kein neidischer Mensch, aber da bin ich ein bisschen neidisch auf die Leute, die tatsächlich eben mit verschiedenen Sprachen aufgewachsen sind, weil das eine Fähigkeit ist, die kann man im Leben so nie wieder lernen. Und das ist schon, ja, ein großartiges Geschenk so ein bisschen, was man da so mitbekommt. Ja, apropos großartiges Geschenk, du hast mir ja ein Paket geschickt und da sind auch 2 Flaschen drin mit Bier und nicht mit irgendeinem Bier. Bevor wir da gleich zum Verkosten gehen, mal vielleicht so ein bisschen gesagt, als wir uns getroffen haben vor 2 Jahren, da hattest du mir ja noch erzählt, es wäre so ein Projekt, eine Idee, die du gerade beginnst oder umsetzt. Und da geht es eben um starke Biere, vielleicht um Eisbock oder solche Sachen, das war so mein Wissensstand. Wenn du vielleicht da ein bisschen erzählst, also einerseits vielleicht noch mal, wie kommst du auf die Idee und andererseits, was ist das mit dem Namen, was hat es damit auf sich. Und, ja, vielleicht auch so ein bisschen, wie ging es jetzt zu dem Stand, den wir jetzt haben hier oder ich hier in meinen beiden Flaschen?

Tom: Ja, das ist eigentlich eine längere Geschichte, da muss ich noch mal ein bisschen zurückkommen darauf, wo ich gearbeitet habe und was ich so gemacht habe, weil daraus ergibt sich das. Also ursprünglich war das Søgaards Bryghus in Aalborg, wo ich eben angefangen habe und, ja, da verschiedene Biere auch gebraut. Ähnlich wie hier, nicht ganz so viele. Aber da hatte ich wirklich Freiheit und das war auch zum Teil auch, ich will nicht sagen beängstigend, aber man konnte eben brauen, was man so wollte, also die Freiheit, sollte halt schon schmecken. Aber ich hatte halt keine Erfahrung, ich bin ja halt Brauer geworden und dann, ja, bei der Oettinger auch dann. Also die deutschen Bierstile hatte ich so ungefähr drin, aber wie man jetzt ein IPA braut und wann man da den Hopfen jetzt reintut, und dann sagte der eine, nee, es reicht, dass in den Whirlpool zu schmeißen und der Nächste sagte … Also das war alles neu, ja, also für mich dort, ich war zwar Braumeister, aber unerfahren. Und da konnte ich mich eben ausleben und dann kam auch mal so ein Bier wie ein Imperial Stout mit 12 %, das Black Swan. Da kann ich mich noch erinnern, das haben wir dann umgestellt auf Doppelmaische. Also für die, die es jetzt vielleicht nicht kennen, den Prozess, haben wir das halt gemaischt und die Würze dann anstatt Wasser genommen und noch einmal zu brauen, um das damit eben auf diese Stammwürze zu kriegen, damit es eben am Ende 12 % Alkohol haben kann. Ja und so ging das weiter. Und dann war ich auch in der Planung für diese Whisky Destillerie bei Søgaards dabei, habe den dann selber nicht mehr mithergestellt, aber so in der ursprünglichen Planung, und hatte mir da auch überlegt, dass man die Maische für den Whisky ja eigentlich auch ziemlich stark machen könnte, weil man dann nicht so viele Tanks braucht dafür. Ich glaube, im Endeffekt haben die das nicht so gemacht, wie ich mir das gedacht hatte. Aber, ja, da hatte ich mir jedenfalls einiges überlegt und habe die Gedanken auch immer im Hintergrund behalten und habe dann bei Frederikshavn Bryghus gearbeitet, wo dann die Idee aufkam, wir könnten doch mal Dänemarks stärkstes Bier machen.

Markus: Sehr gut!

Tom: Da war genau Corona in der Zeit auch, da war nicht viel los, also habe ich mich hingesetzt und habe Erlenmeyerkolben gekauft und Gärversuche gemacht mit verschiedenen Hefetypen, mit verschiedenen, ja, Zusammensetzungen, also mehr Zucker, weniger Zucker, Belüftung und all solche Details, also ein bisschen Forschung betrieben da. Und am Ende hat es dann eben ein Bier gegeben, das hieß Keine Hexerei, das gibt es auch immer noch zu kaufen, auch wenn die Brauerei inzwischen nicht mehr in Betrieb ist, also zumindest mit der Brauanlage, die sie hatte damals. Das hatte 19%, aus reiner Gärung. Und das war dänischer Rekord. Ist auch sowieso eins der stärksten gegorenen Biere überhaupt so weltweit, würde ich sagen.

Markus: Absolut, ja.

Tom: Ja, bei Samuel Adams mit dem Utopias, da kann man dran glauben, dass das nur aus Gärung kommt, ich glaube, die müssen das aus rechtlichen Gründen so sagen.

Markus: Ich glaube, die sagen schon auch, dass es ein Eisbock ist, oder, wenn ich mich richtig erinnere.

Tom: Nee, Eisbock, aber wenn du es halt 6-mal fasslagerst und das jedes Mal 1 1/2 % Whisky rauszieht noch aus dem Fass, dann kann man ja zurückrechnen, wo die hin gegoren haben.

Markus: Das stimmt natürlich, ja.

Tom: Abe, ich glaube, das hat dann mit, ja, wenn man Bier verkauft, darf man keinen Schnaps verkaufen. Ich glaube, die untertreiben da quasi und sagen, es ist aus Gärung, wegen irgendwelcher rechtlichen Sachen, aber ist ja auch jetzt gar nicht so das Thema. Jedenfalls, es hat gereicht, es war Dänemarks Stärkstes und wir haben damit den Mikkeller geschlagen, glaube ich, die hatten irgendwie 17 1/2 oder so gemacht vorher. Und da habe ich dann auch ein bisschen weiterentwickelt und auch noch mal ein sehr starkes Lagerbier gemacht auch und andere Dinge. So die stärkste Gärung, die war schon über 21 %, vom Labor bestätigt, also jetzt nicht irgendwie gemessen oder verschätzt, war schon so. Und natürlich kommt dann irgendwann die Frage auf und der Chef sagte, ja, können wir denn noch mehr? Ich sage, na, so langsam wird es schwierig, der Hefe noch mehr auszupressen. Und dann eben Eisbock, so wie auch andere den Gedanken schon hatten. Ich meine, Georgbräu zum Beispiel, die machen das ja auch, so hat sich das ja da auch entwickelt. Genau und dann Eisbock gemacht, einen mit 37 und einen mit 38 % dort. Und letztendlich, also da kam dann die Idee auch her, dass das eigentlich, und jetzt kommt so ein bisschen so die Idee von Müßiggang jetzt mal raus, dass das eigentlich gar kein so ein Bierstil mehr ist. Es ist zwar technisch gesehen ein Bier und definitionsgemäß, aber das Verhältnis von einem Eisbock geschmacklich zum Bier ist schon eher wie Portwein zu Rotwein oder sowas. Das ist nicht mehr so, dass man da jetzt hergehen könnte und kann das in einer Verkostung einfach so mit irgendwo dazwischen reintun. Das kannst du mit einem Imperial Stout noch machen, aber das geht eben dann nicht mehr mit einem Eisbock. Und deswegen denke ich auch, dass Eisbock eine eigene Kategorie verdient in der Getränkewelt. Also jetzt nicht unbedingt in der Legislative, also wir brauchen jetzt kein Eisbock-Gesetz oder so, also das kann schon noch Bier sein, aber von der Art und Weise, wie es behandelt und verkostet wird und kombiniert auch. Ich denke, das hat es verdient und deswegen habe ich mich auch entschieden, dass Müßiggang halt ausschließlich das macht. Genau und das ist jetzt das Thema und deswegen stehen die 2 Flaschen vor dir, das sind die ersten beiden, die ich da produziert habe. Und die sind quasi in dieser ganzen langen Reihe dieser Entwicklung von Imperial Stout über dieses Keine Hexerei, was zum Teil auch belgisch beeinflusst war vom Geschmack her, also da ist auch belgische Hefe drin gewesen, bis hier.

Markus: Faszinierend, ja, also auf jeden Fall super spannend. Und ich bin auch schon ganz, ganz aufgeregt, mit jemanden zu sprechen, der Mikkeller geschlagen hat. Muss man ja auch erst mal hinbekommen, nachdem das ja wirklich immer, dass der …

Tom: Jetzt sind die ja Carlsberg, jetzt darf man das ja auch sehr gerne machen.

Markus: Ja, natürlich. Aber, ich meine, es ist halt, er hat ja wirklich versucht, alles auszuloten, also bis zum 1.000 IBU-Bier und was er alles angestellt hat, sodass man wirklich ein bisschen schon gedacht hat, okay, es gibt eigentlich nix, was er nicht ausgereizt hat. Aber da hast du ihn offensichtlich geschlagen, sehr cool! Und, ja, mit dem Georg steht auch seit Ewigkeiten ein BierTalk aus, das werde ich bei Gelegenheit jetzt irgendwann doch mal nachholen, dann kann der auch ein bisschen was erzählen von seiner Geschichte.

Tom: Mit dem Georg, ich hatte mal ein bisschen mit ihm geschrieben mal, wir hatten mal Kontakt und da hat er echt gesagt hier, ich kann bei ihm keine Brauereibesichtigung machen, dass ich ihm hier keine Geheimnisse klaue. Ja, ja, tatsächlich.

Markus: Ach Gott, ach Gott, ach Gott, hm.

Tom: Ja, ja, das will ich nur mal in aller Öffentlichkeit sagen, bei mir kann man das gerne machen.

Markus: Ja, ich meine, wann war das denn? Ist schon ein bisschen her, oder, wahrscheinlich?

Tom: Ja, ist schon ein bisschen her, also es ist auch mehr so aus Spaß. Also das Ganze ist ja eine relativ exklusive und kleine Szene, will ich mal sagen. Ich weiß nicht, ob es überhaupt eine Handvoll gibt von Eisbock-Brauereien, die jetzt im nennenswerten Umfang das herstellen.

Markus: Auf jeden Fall, also das sind nicht viele. Und man darf ja auch nicht vergessen, zu der Zeit, also jetzt hat er ja eine neue Brauerei und, ich glaube, jetzt ist das alles auch einfacher und transparenter, aber damals war das ja wirklich noch so in so einem kleineren Maßstab und war wirklich schon eine Tüftelei. Also ich habe ihn da ja ein paarmal besucht, das war schon sehr, sehr spannend. Und er hatte ja noch diesen Zweikampf laufen mit BrewDog, wo das ständig hin und her ging. Also er hatte zumindest da, glaube ich, auch ein bisschen Bedenken, wie das so weitergeht und wer da vielleicht mal reinguckt und so. Und man darf auch nicht vergessen, dass er natürlich einen großen Teil seines Umsatzes schlicht und einfach mit dem Verkauf dieser Biere macht, vor allem auch nach China, wo die sehr, sehr hoch gehandelt werden, und da ist es dann natürlich irgendwie auch ein wirtschaftliches Thema. Aber egal, also ich werde ihn auf jeden Fall fragen, wenn ich demnächst Mal mit ihm reden werde, spannend auf jeden Fall. Letzte Frage vielleicht noch, bevor wir jetzt das Fläschchen aufmachen. Du hast ja schon ein paarmal den Namen erwähnt, Müßiggang. Wunderschönes deutsches Wort, ich kann mir fast nicht vorstellen, dass man das jemanden auf Dänisch überhaupt erklären kann, zumindest auf Englisch würde es mir schwerfallen, sagen wir mal so. Aber wie kommst du zu dem Namen und wie erlebst du das?

Tom: Ja, das Lustige ist, ich habe den Namen schon 2018 registriert, also mir schützen lassen und habe dafür auch Geld bezahlt. Ich meine, wenn ich die Firma gegründet hätte, ist der ja automatisch geschützt, aber so in dem Sinne, ich habe mir den schon länger zurechtgelegt.

Markus: Ah, okay.

Tom: Denn die Idee, also die ist schon so, dass man dieses Bier halt nicht als, ich sage mal, Nebenher-Bier trinkt. Das ist auch fast nicht möglich, denn dafür ist es zu stark und zu intensiv vom Geschmack, das werden wir ja gleich sehen. Und zum anderen, das soll auch diesen Moment, also Müßiggang, bewusster Gaswegnahme, will ich mal sagen, den soll das schon verkörpern. Also ich würde es mal eher so mit Zeitpunkten vergleichen, wo man vielleicht einen Rum trinkt oder einen Whisky oder in der Richtung, also den trinkt man jetzt meistens jetzt auch nicht so mal eben in aller hast irgendwie. Und deswegen Müßiggang und für mich auch eine kleine Erinnerung eben manchmal dann auch, da vielleicht mal einen Gang zurückzuschalten, ja, wenn ich das mache, es soll mir auch Spaß machen, das herzustellen. Natürlich gibt es da auch manchmal irgendwas, wo es klemmt, nützt ja nichts, aber da muss man eben durch. Aber den Namen hatte ich schon länger. Und man kann es auch überschätzen, ich glaube, auf Englisch ist das Nächste idleness, also, ja, so im Sinne fast schon von Nichtstun, aber das ist ja nicht derselbe Geschmack. Und dann auf Dänisch leddiggang, also Lediggang sozusagen. Und da gibt es halt auch einen dänischen Philosophen, der darüber eben auch so einen schönen Satz gesprochen hat eben wie, Müßiggang nicht die Wurzel allen Übels ist, sondern tatsächlich ein göttliches Leben, solange man sich dabei nicht langweilt. Und ich finde, das verneint dann ganz gut so den dänischen Philosophen mit dem deutschen Namen vom Müßiggang eben. Und zum anderen, Müßiggang ist auch einfach, man kann es ja auf der dänischen Tastatur, muss man erst einen Buchstaben raussuchen und alles. Das macht es zwar schwierig, aber auch irgendwie unvergesslich, dadurch, dass es eben so schwierig zu merken ist. Hatte ich schon so ein bisschen …

Markus: Ja, auf jeden Fall, also ich finde es ein wunderschönes Wort. Und ich habe auch im Vorfeld mal im Duden nachgeschaut, also dort steht praktisch, es ist ein Zustand, in den man sich von der Arbeit oder Verpflichtungen zurückzieht, um sich zu entspannen und zu genießen. Also so ein positives Nichtstun eben, wo man sich nicht langweilt, sondern wo man sich dann endlich für sich selber und für seinen Genuss und für die Selbsterfahrung und für seine Sinne Zeit nimmt und sie da eben dann genießt und auslotet. Also wirklich ein spannendes, schönes Wort. Und das finde ich schon auch eine tolle Idee, das für ein Bier zu machen, weil im Grunde gerade so ein Bier, wo ich dann hohen Alkoholprozenten, von sehr intensiven Aromen, von einer Exklusivität, einer Besonderheit einfach insgesamt spreche, etwas, was ich mir gönne, was ich mir leiste, was ich leben und lieben muss. Und wo ich mir dafür eben auch ein bisschen Zeit nehmen muss und alles andere ausschalten, abschalten muss, was mir vielleicht auch hilft, alles anderes aus- und abzuschalten, je nachdem. Also das ist, glaube ich, wirklich so ein schöner Kosmos, finde ich faszinierend für ein Bier. Aber gut, lass uns jetzt mal zum Probieren kommen. Ich habe eine Flasche, schaut so ein bisschen aus wie so eine schöne 1/2-Liter-Apothekerflasche und ich habe so einen Holzkorken oben drauf oder einen Stopfen, wie auch immer man das genau nennt, und auf dem einen steht F, auf dem anderen steht K. Ja, was muss ich mir drunter vorstellen und mit was soll ich anfangen?

Tom: Ja, ich denke, also erst mal zu F und K. Das F steht für Frostwerk. Den Namen habe ich so gewählt, weil natürlich Eisbock ein Werk des Frostes ist, also ohne Frost könnten wir ja den gar nicht herstellen. Und, genau, also hat mir einfach der Klang von dem Wort gut gefallen.

Markus: Finde ich auch schön, ja.

Tom: Und der andere Name, Kryomorph, das ist eben sozusagen, ja, Kryo, also der Frost wiederum oder Kälte und dann morf, die Gestalt, also sozusagen ein Bier, das durch diese Verwandlung gegangen ist und diese neue Gestalt bekommen hat, in der es jetzt ist als Eisbock.

Markus: Also von der Chemie her würde man ja sagen, es ist vielleicht, also in gewisser Weise ein Androaggregatzustand. Also ist ja wahrscheinlich fachlich völlig falsch. Aber für mich ist immer so, ich präsentiere ja auch gerne Eisbock auf Veranstaltungen und so und ich mache ja auch viel mit Spirituosen und was ich total faszinierend finde ist, dass eben der Eisbock, weil es sich um diese extreme Konzentration handelt durch das Ausfrieren, also ich friere ja praktisch nur das Wasser weg, alles andere konzentriert sich dabei ja extrem, kriege ich da viel intensivere, viel stärkere, viel kräftigere Aromen her als zum Beispiel beim Destillieren. Also wenn ich einen Eisbock mit 40 % vergleiche mit einem Destillat mit 40 % mit dem Bierbrand, dann wird der Eisbock immer gewinnen, weil er halt sehr viel intensiver, sehr viel stärker, sehr viel auf dem Punkt ist, und das finde ich so krass. Und das passiert ja durch diesen Prozess des Ausfrierens. Also kann ich mir gut vorstellen, da passt Kryomorph natürlich total gut.

Tom: Es ist ja auch im Endeffekt noch mal so eine Art Reinigung, also wenn das Bier ein bisschen unklar war vorher, also irgendwie noch ein bisschen Proteine oder Hefe oder irgendwas, das ist dann alles raus. Also das, was man bei Lagerbier halt mit der kalten Lagerung macht, das ist ja dann noch mal extrem verstärkt, da fallen eben alle Unreinheiten da aus, das wird runder. Man muss eben ein bisschen auch aufpassen, also soll heißen, der Hopfen und die Bitterkeit wird auch aufkonzentriert, wenn sie nicht ausfällt. Also man muss das Bier schon so vom Rezept her konstruieren, dass es dann als Eisbock gut schmeckt. Und deswegen, denke ich, ist es auch wichtig, dass eben, wie gesagt, als Eisbock-Brauerei zu behandeln. Denn viele machen es ja tatsächlich, die nehmen irgendein Bier, irgendein starkes und frieren das dann hoch. Also ein Bier, das so gut schmeckt, aber vielleicht nicht unbedingt den besten Eisbock ergibt. Und da sehe ich eben das Potenzial drin, das gezielt eben dahin zu entwickeln schon.

Markus: Also vielen Dank, dass du das sagst, das finde ich auch ganz, ganz wichtig, je weniger beim Eisbock, also beim Eisbock ist es natürlich auch ganz, ganz wichtig, nur da hören nicht so viele zu, von daher ist es natürlich auch super, dass du das sagst. Für mich ist es auch besonders immer ein Anliegen, wenn es um das Thema Destillat geht, Bierbrand geht oder so, weil natürlich nicht, wenn ich irgendein Wald- und Wiesenbier, was einfach übriggeblieben ist, einfach anfange zu destillieren, kommt nicht automatisch ein 1-A-Brand dabei raus, sondern ich muss vorher im Kopf haben, was hinterher dabei rauskommen soll und muss eben meine Rezeptur, meinen ganzen Prozess drauf abstimmen, dass das dann am Ende passt. Und das ist was, was eben viele, viele da nicht in Kalkulation ziehen und dann nehmen sie halt, wie gesagt, irgendein Bockbier oder irgendwo, wo sie halt irgendwas bekommen und wundern sich, dass das Ergebnis nie erstklassig ist. Aber das liegt eben genau daran, dass ich mein Ursprungsbier sozusagen so brauen muss, dass ich den Prozess, den ich später damit mache, sei es jetzt ausbrennen oder eben destillieren, schon mit einbeziehe und mir überlege, was macht das mit diesem Bier, was verändert das und was will ich am Ende haben und wie komme ich dahin. Und das ist für mich ganz, ganz große Kunst. Und wie du sagst, da gibt es nur eine Handvoll Menschen, die das beim Thema Eisbock überhaupt machen und beherrschen, also insofern spannend. Gibt es vielleicht irgendein Beispiel, wo du sagen kannst, das ist zum Beispiel so ein Punkt, also nimmst du automatisch, sagen wir mal, die Hälfte an Hopfen oder ein anderes Malz oder irgendwas, wo du sagst, das ist so ein Beispiel dafür, wo ich anders ansetze bei meinem Ursprungsrezept, um am Ende einen besseren Eisbock zu bekommen?

Tom: Ja, also beim Hopfen, ich habe beides probiert. Es rundet sich irgendwann ab auch bei der Lagerung. Wenn man jetzt zu viel drin hat, dann hat er es eben nicht beachtet, irgendwann wird es schon noch, ja, wie auch bei vielen Imperial Stouts. Aber Hopfen würde ich eher ein bisschen reduzieren. Während beim Malz zum Beispiel der Einfrierprozess selber schon diese Abrundung bringt. Also manchmal hat man ja, wenn man viel Röstmalz nimmt, so ein bisschen so eine Malzbitterkeit, die wird dadurch relativ schnell gebrochen. Und wenn man es dann, wie Kryomorph, eben noch 1 Jahr in Fässer tut, dann ist es dann wirklich schon rund, obwohl es gar nicht so unglaublich lange gelagert war. Also das ist so eine Sache. Zum anderen ist es auch, was die Hefe angeht, also man kann dann ein bisschen Gas geben, was die Hefe angeht, also was Fruchtaromen und so angehen, weil, die will man ja gerne erhalten. Die gehen ja eher ein bisschen weg, Überlagerungszeiten. Da habe ich zum Beispiel mir auch ein bisschen aus der Weinherstellung da ein paar Sachen abgeguckt vom Zusammenspiel der Tannine mit den Fruchtaromen und so weiter. Also ich versuche, da eine Balance zu machen, die es also erlaubt, das Bier so zu trinken, wie ich es verkaufe, aber wenn es noch 2 Jahre zuhause steht, dann wird es auch nicht direkt schlechter oder so. Also das ist so ungefähr das Ziel, was ich hier habe, denn, ich sage mal, also ein Haltbarkeitsdatum werde ich wohl nicht draufschreiben.

Markus: Ja, was soll da schlecht werden, also kein Thema. Ja, jetzt habe ich richtig, richtig Lust. Also, was mache ich jetzt auf, und wie?

Tom: Ich würde sagen, ja, auch wenn es eigentlich so ein bisschen so die Betaversion ist, ja, aber das Frostwerk, denn es ist das hellere Bier und es ist nicht fassgelagert.

Markus: Okay. Also dann mache ich jetzt hier mal live auf. So, ich schenke mal ganz bewusst nicht zu viel ein, weil, wir wollen ja das 2. auch noch probieren und ich sollte den Podcast zumindest noch beenden können. Also ich muss schon mal sagen, die Farbe ist ja absolut der Hammer! Also ich habe hier mir extra das Barrel-Aged-Glas gegönnt von Spiegelau, wo man wirklich das Bier auch wunderbar sehen kann und was eben auch die Aromen gerade von so älteren gereifteren stärkeren Bieren wunderbar wiedergibt. Und das ist wirklich, ja, einfach ein wunderschönes Braun, also ich würde sagen, so ein Kastanienbraun, was aber weniger ins Rote, eher ins Orange geht. Wie so ein wunderschöner, ja, vielleicht wie ein wunderschöner Sonnenuntergang, also ganz, ganz tollt Farbe vom Bier, schon mal optisch eine echte Augenweide. Es liegt auch schön im Glas, man sieht auch, wenn man das ein bisschen schwenkt, wie es eben so Schlieren bildet, das ist schon mal super spannend. Jetzt rieche ich da mal rein. Ah, eujeujeu! Also wie schon angekündigt, ein ganz intensiver, ein ganz starker Geruch. Es geht los mit so ein bisschen Kaffee, ein bisschen Tabak, Karamell, dann kommen so Trockenbeeren, Rosinen, aber auch sowas wie Hagebutte oder so, also so rote Beeren. Dann geht es in so eine Cookie-Richtung, nussige Aromen, geht so fast ein bisschen Waldbeeren, ein bisschen Brombeeren, also sehr, sehr vielschichtig, sehr, sehr fruchtig, sehr komplex. Auf jeden Fall für mich eher malzbetont. Und, ja, eben gar nicht so alkoholisch. Also man hätte jetzt erwartet, dass einem so diese Alkoholnote erschlägt, aber ist überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Man hat ganz, ganz viel Aromen in der Nase, das ist ein richtig schönes Spiel. Jetzt probiere ich mal einen Schluck. Wahnsinn! Beginnt ganz süß, wandelt sich dann und bekommt so ein bisschen eine Wärme, eine Schärfe und hinten raus dann auch eine leichte Bittere. Geht ganz ölig, ganz weich runter und dabei kommen die ganzen Aromen von denen ich gerade schon von der Nase erzählt habe, also gerade das Toffee, gerade diese fruchtigen Aromen, die Trockenbeeren, Feigen, Datteln, ein bisschen Lakritz vielleicht auch und hinten raus wieder ein bisschen fruchtige Aromen, Orange, Orangenschalen, also ganz spannend, ein bisschen Schokolade sogar. Super komplex, also Wahnsinn.

Tom: Freut mich, das so zu hören, denn ein paar Sachen davon kann ich ja vielleicht noch mal drauf eingehen, wie ich denn das hinbekommen habe.

Markus: Unbedingt! Bitte, bitte, bitte, ja.

Tom: Ja, also bei dem Bier, das ist ja das, ich sage mal, das Produkt, wo ich sage, das ist so gemacht, dass man es auch ohne Fasslagerung eben genießen kann, also das muss jetzt nicht irgendwie 3 Jahre erst ins Fass, bevor es irgendwie rund wird. Und deswegen habe ich mich da auch entschieden, Kandiszucker einzusetzen, das kannte ich eben schon von vielen Bieren, auch insbesondere stärkeren. Das gibt einfach so eine, abgesehen von einer wunderbaren roten Farbe, die du ja auch gleich gesehen hast, aber es gibt so eine Abrundung und die ist ein bisschen Karamell und das bindet einfach das Bier so zusammen. Kandiszucker ist einfach gut darin so, die Hefe und ein bisschen, ja, die Bitterkeit, alles irgendwie zusammen zu binden. Sol heißen, der ist nicht ganz weggegoren, das hat da so eine gewisse Restsüße. Und im Endeffekt, ich habe eine fruchtige Hefe benutzt, um eben die Fruchtnote reinzubringen. Gerade bei einem Bier, was jetzt nicht so lange fassgelagert ist, denke ich, kann man das einfach machen, damit es eben auch, ja, ich sage mal so, die verdampft ja jetzt nicht. Also bei Wein geht die ja nach einer Weile dann ein bisschen abwärts, nach ein paar Jahren, aber bei dem, denke ich, war das eben genau richtig. Ja, das soll eben, ich sage mal so, der Eisbock für jeden sein, würde ich es mal so nennen, ja. Also der ist jetzt nicht zu kompliziert, aber hat trotzdem viele Nuancen in verschiedene Richtungen.

Markus: Auf jeden Fall, hat ganz viel zu bieten. Und was mir jetzt sehr auffällt, nachdem es sich hier im Glas noch so ein bisschen etabliert hat, gesetzt hat, es hat auch eine wunderschöne Honignote, so ein Waldhonig, ganz schön, ganz rund. Sehr, sehr schön, ganz toll!

Tom: Das ist gut, freut mich.

Markus: Ja, also da bist du auf jeden Fall gut dabei. Für mich wäre noch die Frage, wo setzt man sowas ein? Das kann also schön natürlich zum Beispiel nach einem Essen, nach einem Menü oder so oder vielleicht auch so nur, wenn man da sitzt, ein paar Pralinen hat vielleicht oder ein bisschen Käse oder irgendwie sowas, das ist so ein bisschen wie so ein Cognac, so nippt und genießt. Das ist schon, also ja.

Tom: Ja, das hat ja tatsächlich auch so ein bisschen die Farbe wie so ein richtig alter Cognac, ne?

Markus: Das stimmt. Aber der ist gefärbt, das her ja nicht gefärbt, also großartig.

Tom: Nun kann diskutieren, ob jetzt ein bisschen Karamellmalz nicht irgendwie gefärbt ist, aber bei Cognac, die haben ja nicht so viele Möglichkeiten.

Markus: Weißt du denn von dem, was ich jetzt habe, weil, mir würde es total schwerfallen, einen Alkoholprozentsatz zu sagen? Also so aus dem Bauch raus würde ich sagen, wir sind irgendwo bei, ja, was weiß ich, 25 oder sowas oder 30, aber mehr nicht.

Tom: Ach.

Markus: Wahrscheinlich deutlich drüber, oder?

Tom: Das liegst du ein bisschen verkehrt, genau. Und das ist ja auch so toll echt, weil Eisbock da tatsächlich auch zum Teil trügerisch sein kann. Nee, das würde ich so ungefähr schätzen so 35 rum.

Markus: Woah! Nee, das denkt man nicht, auf gar keinen Fall, ja.

Tom: Wenn man das etwas anwärmt, so, ich sage mal, auf Körpertemperatur, dann kann man es anstecken, zumindest also, als ich das hier zuletzt eingefroren habe, habe ich da mal eine Probe genommen, das brennt, das Bier.

Markus: Woah, ist natürlich cool.

Tom: Das hat natürlich auch damit zu tun, je mehr Zucker so ein starkes Getränk hat, desto leichter brennt es, also jetzt aus chemischen Gründen. Das heißt, ein komplett trockenes Bier würde bei 35 eher noch nicht anzuzünden sein, ja. Aber, ich meine, es geht ja nicht drum, dass man das Bier jetzt anzünden kann, aber es ist nur einfach mal so eine Idee gewesen von mir, einfach mal zu probieren, wie stark ist es denn jetzt, bevor ich es zum Labor schicke. Ich habe da auch im Hintergrund ein bisschen dran gearbeitet, die Physik eben vom Einfrierprozess besser zu verstehen und auch berechnen zu können, wie viel Prozent es hat.

Markus: Spannend. Ja, ich muss sagen, das erklärt mir jetzt auch, wieso meine Feuerzangenbowle jedes Jahr brennt, also auch das Endresultat, weil das dann schlicht und einfach auch an diesem Zuckergehalt liegt, der da drin ist. Aber, sorry, ich habe dich unterbrochen. Also physikalisch also je nachdem, du musst jetzt hier keine Betriebsgeheimnisse verraten, aber das wäre ja schon mal interessant, also mehr, als das man letzten Endes den Wasseranteil ausfriert, weiß ich jetzt auch nicht, ehrlich gesagt. Was gibt es da so für Parameter, auf die man da achtet oder Dinge, die da wichtig sind?

Tom: Ja, am meisten natürlich die Gefriertemperatur, das ist einfach das Ausschlaggebende. Also man muss halt, ich sage mal, die Faustregel, es gibt ja so Getränke mit wenig Prozenten, ist ja die Hälfte des Alkoholgehaltes. Also wenn man jetzt 40 % hat, hat man minus 20 Grad als Gefriertemperatur. Das ist aber nur eine Faustregel, das funktioniert dann auch nicht mehr bei niedrigeren Temperaturen, da gibt es schon größere Abweichungen. Und dazu kommt zum Beispiel, dass also jetzt sehr viel Zucker dann das Einfrieren erheblich stört. Das heißt, je mehr Zucker man dabei hat, desto früher brennt es, aber auf der anderen Seite, desto schwieriger ist es einzufrieren und zu kristallisieren, also der Zucker stört erheblich den Prozess. Deswegen ist es auch, wenn man jetzt ein Bier herstellen will, was da eine ordentliche Fülle hat und vielleicht sogar süß ist, als Eisbock gar nicht so einfach.

Markus: Das bedeutet dann, also wenn man es zuckern wollen würde, dass es mehr Sinn machen würde, das Endprodukt zu zuckern oder ist das auch ein falscher Schluss?

Tom: Nee, das ist die logische Schlussfolgerung, genau.

Markus: Okay, immerhin, das funktioniert noch.

Tom: Das ist jetzt, glaube ich, also ich hoffe mal nicht, dass ich jetzt den Georg da jetzt irgendwas Neues verraten habe, ja, das wird er schon wissen, denke ich. Ja, genau und dann sind natürlich andere Faktoren wie zum Beispiel, also man muss halt eine Gefriertruhe haben oder einen Gefrierraum, wenn es denn dann mal größer wird irgendwann, dass die Temperaturen bewältigen kann und genau steuern kann, denn ansonsten kann man es ja nicht richtig reproduzieren, beziehungsweise eben, wenn ich jetzt einen Weltrekord aufstellen will, dann reicht halt eine normale Haushaltsgefriertruhe einfach nicht mehr aus. Und, genau, deswegen habe ich auch Laborgefriertruhe, also nicht, dass ich das jetzt ausreizen würde für die Biere hier, aber irgendwann vielleicht schon mal.

Markus: Das heißt, wie kalt könntest du maximal gehen?

Tom: Ja, maximal, also so wie jetzt, minus 60, ja und ansonsten, ich meine, da kann man noch Trockeneis reinschmeißen, dann ist es minus 80, ne. Also das ist natürlich eine Frage des Aufwandes und im Endeffekt, um es ehrlich zu sagen, warum trinken wir denn Spirituosen bei 40 % oder vielleicht mal 45, da ist ja irgendwann auch einfach rausgefunden worden, dass man also das dabei genießen kann. Und wenn es eben 60 % hat, dann eher nicht mehr, dann fängt man en, eben ein bisschen Wasser reinzugießen und solche Sachen. Das will ich halt beim Eisblock, hätte ich eher irgendwie, ich glaube, ich würde Schmerzen kriegen, wenn einer Wasser reinschütten müsste, um es trinken zu können, wo ich doch gerade erst in erheblichem Aufwand das Wasser entfernt habe, ne.

Markus: Das stimmt allerdings, ja.

Tom: Also wenn man so eine vernünftige Grenze erreicht, was natürlich nicht bedeutet, dass man nicht auch mal was Unvernünftiges macht und irgendwie wie Georgbräu und eben BrewDog damals den Greek oder sowas. Muss ja nicht immer als Greek sein, aber, ich denke, um den Geschmack auszuloten, ist es nicht nötig jetzt komplett zu eskalieren.

Markus: Wobei mir da gerade so in den Sinn kommt, ob man dann nicht sogar so eine witzige Show machen könnte, wenn man Trockeneis nimmt und irgendwie so eine Form aus Trockeneis macht und da dann eben so ein Ursprungsbier reingießt, das müsste ja dann instant ausfrieren. Muss man mal drüber nachdenken, auf jeden Fall spannende Idee.

Tom: Aber dann muss man auch überlegen, also Trockeneis in geschlossenen Behältern und Arbeitssicherheit, da kommen ja dann natürlich in der Wirklichkeit, wenn man das als Firma betreibt, dann noch so ein paar Problemstellungen dazu unter Umständen.

Markus: Okay, okay, das stimmt. Na, ich will jetzt auch niemanden auf dumme Gedanken bringen. Also ich muss sagen, mein Setting zuhause ist denkbar einfach, ich habe mir eine ziemlich gute Haushaltgefriertruhe besorgt, die eben minus 20 plus 1, 2, 3 Grad packt und da gebe ich dann halt immer meinen Eisbock rein. Ich habe diese Bukanter-Gefäße, wo 3 Liter reingehen. Und ich experimentiere auch gerne rum. Also ich benutze zum Beispiel auch Mischungen aus verschiedenen Bockbieren. Also meine Lieblingskombi ist 2 Flachen Schlenkerla Eiche und 4 Flaschen richtig schöner Weizen Doppelbock. Das ist dann, dieses Bananing-Rauchige ist der Hammer. Oder was man natürlich auch noch machen kann, man hat ja dieses Gefäß und man kann da Bier reintun, aber man kann natürlich, so wie du den Zucker reintust, kann man natürlich auch noch Spirituosen zugeben oder so oder eben andere Aromen und damit auch noch mal spielen. Also ich finde das schon eine tolle Spielweise einfach, wie man mit so 3 Liter Flüssigkeit und einer Eistruhe echt experimentieren kann, spannend.

Tom: Es gibt wirklich so viel auszuloten. Und jetzt, also wir haben ja noch nicht über die Größe der Firma oder der Brauerei geredet, ja, das ist ja wirklich nebenher. Das heißt, ich habe jetzt von dem anderen Bier, was du ja auch noch gleich probieren willst, von Kryomorph habe ich gestern auch wieder etwas über 700 Flaschen abgefüllt, das ist jetzt die Produktion davon für den Start. Und ich hoffe natürlich, dass es sich gut verkauft, damit ich eben noch viele andere Dinge ausprobieren kann, um eben den Bierstil wirklich auszuloten. Beispielsweise, denk mal an Eiswein, wo die Säure mit der Süße zusammenspielt oder Trockenbeerenauslese, solche Dinge, die kann man auch in Eisbock übersetzen, von der Komposition. Ich habe es schon ausprobiert, also wenn man Sauerbier einfriert, das wird auch erheblich saurer dadurch, nach der Konzentration. Aber, wie gesagt, wenn man das so entwickelt, dass es am Ende zusammenspielt, dann können da ganz neue Dinge entstehen, von denen die Brauwelt bisher überhaupt keine Ahnung hat, dass das geht, ja und das ist so ein bisschen das Ziel. Ein bisschen ein Spielplatz, ein bisschen Technik, aber im Endeffekt auch Kunst, das ist so genau deshalb auch, warum mich der ganze Brauerberuf eben derart interessiert und warum ich immer noch sehr froh bin halt, mich umentschieden zu haben.

Markus: Und, ich meine, das ist doch wirklich ein Punkt, gerade mit dem Thema Kunst, mit der Idee, Aromen oder Geschmäcker oder Dinge nachzubauen, umzusetzen, im Kopf eben ein Ziel zu haben, dass man dann verfolgt, das ist ja dann auch wirkliche Handwerkskunst, finde ich, also fasziniert mich auch. Und alle mit dem Thema, dass du eine Trockenbeerenauslese nachbauen willst, hast du mich eigentlich schon. Also da bin ich auf jeden Fall dabei, keine Frage, mag ich total gern, auch Eiswein oder sowas. Aber sonst ist Wein so nicht mein Ding, also ich trinke schon ab und zu Wein und ich habe auch ein paar Bücher dazu geschrieben, aber es ist nicht mein Thema. Beziehungsweise andersrum gesagt, als ich jünger war, ich war ja schon immer auf Bier geeicht und mein Problem war dann, dass ich Wein genauso getrunken habe wie Bier, aber es hat natürlich schneller und andere Resultate und das waren dann immer sehr kurze Weinfeste und so. Es war nie so mein Thema und dementsprechend, ja, also, ja.

Tom: Ja, genau, ich schreibe dann beim Eisbock das nächste Mal gleich dazu, bitte kleine Gläser nehmen, ja.

Markus: Unbedingt! Also das war übrigens auch meine Überlegung, als ich heute jetzt vorhin das Glas rausgesucht habe, habe ich gedacht, was nehme denn? Ich habe ja auch viele Spirituosengläser, sehr, sehr schöne und auch sehr, sehr aromatisch gute, habe mich dann aber doch für das Bierglas entschieden. Auch wenn da offiziell 0,3 reingehen, man muss ja nicht 0,3 reinfüllen und es funktioniert auch mit weniger Biermenge natürlich sehr, sehr gut. Aber das ist natürlich auch ein Punkt, also wenn ihr euch jetzt diese Biere kauft da draußen, bitte, bitte, bitte kauft euch auch vernünftige Gläser, genießt es entsprechend. Weil, das ist total schade, wenn man so ein ausgefeiltes fantastisches, wunderbares komplexes Produkt hat und das dann aus irgend so einem Senfglas genießt, in Anführungsstrichen, dann nimmt man dem Bier halt ganz, ganz viel wieder weg von dem, was es eigentlich kann und was du zum Beispiel da alles reingelegt hast, um am Ende da rauszukommen.

Tom: Also man muss schon die Nase in ins Glas kriegen, das ist schon wichtig. Ob das jetzt ein Weißwein oder ein Rotwein oder vielleicht ein Cognac-Schwenker ist, aber so in der Richtung.

Markus: Thema Glas ist von mir natürlich auch immer so ein Herzensanliegen, da muss man tatsächlich immer gucken. Also am Wichtigsten ist, glaube ich, seit euch dessen bewusst, also probiert einfach aus, füllt dasselbe Bier in verschiedene Gläser, riecht dran, schmeckt dran und erlebt bewusst, wie stark die Gläser das Bier verändern, das geht auch schon mit einem Hellen oder einem Pils. Und ist eben dann, je aromatischer das Bier ist, umso intensiver und erlebt einfach mal, also zum Beispiel, wenn ihr Weißbier-Fans seid, nehmt mal ein Weißbier und nehmt dasselbe Weißbier im Weißbierglas und in einem Rotweinglas. Da sind solche Welten dazwischen, dass man dann echt lernt zu verstehen, dass nicht immer das Glas, was einem dahingestellt wird und als Kult präsentiert wird, auch das Beste ist für das jeweilige Bier. So, jetzt aber hin zu diesem K, zum Kryomorph. Das hast du ja selber auch, das können wir zusammen verkosten, also wenn du magst. Und dann könntest du ja auch gerne mal, also außer du willst, je nachdem, ich kann es auch gerne wieder zuerst beschreiben, aber wenn du willst, kannst du auch mal vorlegen und ich ergänze, wie du möchtest.

Tom: Ehrlich gesagt, ich möchte gar nicht irgendwie deine Meinung in irgendeiner Art beeinflussen, das ist schon wirklich spannend zu hören, was jetzt jemand, der also das Bier weder gesehen noch irgendwie geschmeckt hat vorher, dazu jetzt sagt.

Markus: Okay, also gut.

Tom: Es gibt ja viele YouTube-Kanäle, ich höre zum ersten Mal, weiß ich nicht, Metallica, Enter Sandman und dann tun die so überrascht und natürlich kannten die das Lied schon vorher. Also so ist es ja in dem Fall nicht …

Markus: Nein!

Tom: … du kennst das wirklich nicht …

Markus: Nein, ich kenne es wirklich nicht, ja.

Tom: … und deswegen möchte ich auch gar nichts sagen vorher, genau.

Markus: Also, genau, das kann ich noch mal sagen, ich habe wirklich de Flaschen bis zum heutigen Tag nicht angerührt. Ich habe, bevor wir jetzt aufgenommen haben, da war Tesafilm oben drüber, den habe ich weggenommen, aber ich habe sie nicht mal aufgemacht und dran gerochen, also ganz bewusst, um einfach da mir den Moment auch nicht zu nehmen, das wäre ja auch schade. Also gut, dann gebe ich das hier mal auch ins Glas. Uih! Also, von der Farbe her sind wir jetzt deutlich dunkler, also wir haben, ja, ich würde sagen, ein Ebenholz, also sehr, sehr dunkles Braun. Hat immer noch eine leicht orange-rötliche Färbung, aber ist jetzt auch blickdicht, opak, kann man nicht durchgucken. Liegt auch sehr, sehr schön im Glas, bildet richtig schöne Schlieren, Schleier an den Glasrändern, wenn man das schwenkt. Und, ja, so ein geheimnisvoller Farbton, also man sieht eben, dass man nichts sieht auf eine sehr angenehme Art und Weise. Es zieht einen so in den Bann, dass man denkt, oh, ich möchte da jetzt nicht mehr entdecken, aber ich komme halt mit meinen Augen nicht weiter rein, also sehr, sehr spannend, sehr reizvoll und gerade dieser leichte Rotstich begeistert mich da total in der Farbe. Jetzt schauen wir mal wie das riecht. Okay, also jetzt haben wir mehr Schokolade, wieder so ein bisschen Tabak, aber eher so Pfeifentabak und dann kommen jetzt auch wieder Beeren, Trockenbeeren, mehr Feigen, mehr Datteln, vorhin hatten wir ja mehr Rosinen. Wobei, die sind jetzt auch da, aber die Schokolade stößt das so ein bisschen in eine andere Richtung, dass diese Beeren eben größer werden, so wie Feigen. Dazu kommt auch Karamell, aber eher so dunkles Karamell. Früher gab es diese Bonbons, ich weiß nicht, ob du die kennst, die sind so weiß und hellbraun oder weiß und dunkelbraun und sind so wie eine Schnecke gerollt und da gab es eben die helleren und die dunkleren und das ist jetzt eher so wie das dunklere. Und eben also viele Beeren, da sind wir auch wieder bei den Brombeeren, sind wir auch bei Gewürzaromen so ein bisschen, ja, ein bisschen Kardamom vielleicht sogar, also ganz interessante Nebentöne, die da noch dabei sind, von den Beeren her so Brombeere, Blaubeere. Mich begeistert total dieser schokoladig karamellige Ton, das macht so richtig Lust. Es gab ja von Stork mal diese Schokoladenriesen, also dunkler Karamell und außen rum dunkle Schokolade, wenn man da so reingebissen hat, ich meine, ich rieche es jetzt nur, aber so, wie man da reingebissen hat, so riecht das. Ich weiß es nicht, ob es die noch gibt, keine Ahnung, aber ich fand die auf jeden Fall …

Tom: Die waren ja damals als Plombenzieher bekannt, weil die auch gerne mal eine Plombe rausgezogen haben, ne.

Markus: Ja, zumal die auch so unscheinbar daherkamen, man hatte ja die Schokolade außen rum, das hat erst mal so getan, man beißt in Schokolade, aber dann kam eben der Korkenzieher dahinter oder der Plombenzieher.

Tom: Um deine Plomben brauchst du dir hier keine Sorgen zu machen. Aber ich bin gespannt, was du zum Körper und zum Geschmack sagst dann.

Markus: Also ich bin auch gleich mit dem Geruch fertig, aber eine Sache kommt mir gerade noch, wenn ich so an einen griechischen Süßwein denke, so Mavrodafni oder so, sowas kommt mir auch in den Sinn, also so ein bisschen, ja, Rosinen eben, aber so in dieser schweren Art und Weise, ein bisschen Honig auch wieder. Also wirklich auch sehr komplex, insgesamt eben ein bisschen dunkler, ein bisschen röstiger, ein bisschen schokoladiger, ein bisschen karamelliger, noch ein bisschen mehr in diese Richtung als bei dem anderen, aber ähnlich intensiv, also es strömt mir entgegen. Ich habe vielleicht 0,05 im Glas, maximal, also da ist ganz, ganz viel Luft und trotzdem steht es oben über dem Glas wie eine 1 ganz fest, also das ist schon ganz intensiv. Jetzt probiere ich mal.

Tom: Das ist auch eine Sache, ich habe am Anfang überlegt, ob der Eisbock nicht tatsächlich Kohlensäure zugesetzt haben soll, weil ich habe gemerkt, dass eben das ja wirklich ein Duftträger ist. Also ein Bier duftet ja auch gut, weil die Kohlensäure, eben die Perlen den Geruch raustragen aus einem Bier, aus einem IPA zum Beispiel. Und das ist eben bei dem Eisbock hier, nach dem Einfrieren ist keine mehr drin. Ich habe mir überlegt, soll ich welche zusetzen, aber im Endeffekt habe ich mich einfach entschieden, das Bier so gehaltvoll wie möglich zu machen vom Geschmack, damit es auch ohne CO2 eben diese Aromen freigibt.

Markus: Ja, nee, macht es auch, also wirklich. Jetzt, wo es noch ein bisschen wärmer wird, kommt auch noch ein bisschen mehr Lakritz, ein bisschen Tonka-Bohne, also auch so ein bisschen exotischere Geschichten noch mit rein, also wirklich super komplex. Aber jetzt muss ich mal probieren. Oh, mhm, sehr fein! Also unglaublich samtig, also ganz weich auf der Zunge von Anfang an bis zum Ende. Das hüllt die Zunge so richtig ein in so ein Wohlgefühl. Und dieses Wohlgefühl fängt süß an, geht fruchtig weiter mit so einer Mon-Chéri-Kirsche und ein bisschen Rosinen und Feigen auch wieder und dann geht es so über, dann kommt so ein bisschen eine Bittere von eben der bitteren Schokolade auch. Und dann hat man natürlich auch eine leichte alkoholische Note, das geht so in so eine Cognac-Richtung. Und hinten raus wird es dann wohlig warm, also man kann das richtig nachvollziehen, wie es so den Gaumen runterläuft und den Körper wärmt, ein perfektes Schlückchen auch für den Winter zum Beispiel, wenn man so ein bisschen was Wärmendes will. Aber es ist eben auch so samtig, also so ganz langsam, ganz zart rinnt es so runter und entfaltet dabei weiter seine Aromatik. Ich glaube, mir der Mon-Chéri-Kirsche bin ich da nicht schlecht oder so eine Schwarzwälder Kirschtorte, also viel schokoladige Aromen, viel fruchtige Aromen, viel eben so Kirschen, rote Beeren, aber eben so schön rund. Ein bisschen Marzipan vielleicht auch, also vielleicht auch so ein Dominostein mit einer Kirsche dazu oder wer so Amarena Kirchen kennt, die mit dunklem Schokoladeneis, egal.

Tom: So viele Wörter, wie du dazu finde kannst, habe ich gar nicht parat. Ich finde das immer beeindruckend, wenn so ein richtiger Sommelier loslegt. Aber ja, genau das habe ich mir auch vorgestellt dabei, dass das hoffentlich so ankommt. Und habe eben auch, um das klarzustellen, Eisbock, Bock ist ja eigentlich untergärig, aber das ist kein untergäriges Bier, also die Hefe hat dort ihren Fruchtcharakter ausleben können, eine obergärige Hefe. Hier will ich nicht genau ins Detail gehen, aber ich hatte ja schon gesagt, das ist jetzt nicht direkt eine belgische Hefe, aber ich bin von den belgischen Hefen immer sehr angetan, die machen aus allerhand Zutaten unglaubliche Aromen. Und da habe ich eben die Inspiration her und habe mir auch gedacht, dass eben diese Früchte dort eine Rolle spielen sollten in dem Bier.

Markus: Auf jeden Fall, also das machen sie auch total gut. Und was mir besonders gut gefällt, ist wirklich die Harmonie. Also es ist auch, wenn man das so in den Mund nimmt, ist es nicht so, dass man verschiedene Komponenten hat, die aufeinanderfolgen oder die so nebeneinander her sind, sondern das ist wirklich eine Gesamtheit, also die dann zwar komplex ist und viele Facetten hat, aber es ist wirklich so, dass es einem vom Anfang bis zum Ende gleichbleibende Intensität in all diesen Aromen gibt. Und das ist wirklich selten, also sehr, sehr schön, sehr, sehr gut getroffen, ich bin echt begeistert. Und was man auch noch sagt, du hast ja gesagt, es ist 1 Jahr alt und normalerweise kriegen diese Biere dann ja relativ schnell schon krasse Alterungsaromen, die auch angenehm sein können, keine Frage, die aber manchmal dann relativ schnell im Vordergrund stehen. Und das ist hier überhaupt nicht der Fall, das finde ich auch total schön, dass dieses Altern offensichtlich eher zu einer Harmonie geführt hat, zu einem Runden, zu einem Abrunden und weniger zu einem Auseinanderfallen, was ja oft mal so passiert. Also deswegen, wirklich großes Kino! Also da machst du mir eine große Freude, dass du mir gleich so eine ganze Flasche geschickt hast.

Tom: Ja, wobei, 1 Jahr alt ist ja jetzt nicht, dass ich es vor 1 Jahr auf die Flasche gefüllt habe oder irgendwie habe rumstehen lassen, sondern es war ja in Fässern.

Markus: Genau, ja.

Tom: Also das hat in Whisky-Fässern gelagert. Und da habe ich auch nicht gekleckert, sagen wir mal, sondern ich haben von Buffalo Trace, von George Stack, also von deren Highend-Whisky, habe ich Whisky-Fässer eben gekauft, leere und habe das da reingefüllt. Und dann hatte ich noch ein Weller Special Reserve dabei, 1 Fass. Soll heißen, also 1/3 im Weller Special Reserve und die anderen 2 in diesen Bufallo-Trace-Fässern, da hat es drin gelagert in diesem Jahr. Also es hat die Zeit gut verbracht und hat dort eine kleine Auszeit genommen, um sich eben abzurunden und zum Teil auch, ich sage mal, ich weiß nicht, ob du das wahrgenommen hast, aber so einen Hauch Vanille, Kokosnuss, also so ein bisschen Whisky ist schon drin, und ich denke, das hat dem Bier auch sehr gewonnen. Also es war auch schon so gemacht, dass man es, ich sage mal so, wenn wir es direkt getrunken hätten nach dem Gären oder nach dem Einfrieren, das wäre was anderes gewesen, aber es ist eben so gemacht, dass es nach der Fasslagerung gut schmeckt. Und damit hatte ich eben auch einige Jahre Erfahrung, um das ungefähr abschätzen zu können. Ich denke auch, es könnte auch noch länger auf Fässern liegen, ich habe deshalb auch 1 aufgehoben, also 1 Fass ist so für irgendwann später.

Markus: Ja, also da habe ich auch mal einen interessanten Talk gehabt mit jemand, der sich da gut auskennt und der sagt eben, das ist bei so einem Fass eine ganz interessante Entwicklung. Also man erst mal diese Entwicklung der Aromen und das wird erst mal immer intensiver so, bis man dann sagt, okay, es ist eigentlich to mutch. Aber wenn man den Punkt dann überwunden hat und lässt es länger liegen, dann kommt es noch mal zu einer Veränderung, es wird dann noch mal runder, noch mal harmonischer und am Ende richtig gut. Also keine Ahnung, ob das jetzt eine allgemeingültige Aussage war, aber auf jeden Fall war das durchaus jemand, der sich damit gut auskennt und von dem ich auch hervorragende Spirituosen, in dem Fall, getrunken habe mit langer Fasslagerung. Also ich glaube, das macht schon auch Spaß, da viel zu experimentieren.

Tom: Ja, ich wollte einfach mal ein paar Zahlen in den Raum werfen. Also ist natürlich jetzt auch, keine Ahnung, wenn es jetzt einer nachbrauen will, dann eben los. Aber, das ist das dunkelste Bier, das ich je gebraut habe. Also Ausgangspunkt für dieses Bier ist ein doppelt gemaischtes Imperial Stout gewesen. Also ich hatte vorhin über 12 % geredet, das ist in der Tat noch stärker gewesen nach der Gärung, es hatte über, gerechnet, ich habe es nicht im Labor gehabt, aber gerechnet 300 in der Farbe. 80 oder 100 ist normalerweise schwarz, also spätestens bei 100, ja Und dann hat es ungefähr errechnet 300 gehabt, aber tatsächlich der Einfrierprozess, der nimmt sogar Farbe weg, also zum Teil fällt dort Farbe aus. Das ist jetzt nicht viel, das ist dann erst, wenn man sehr extreme Sachen macht. Und diese Abrundung, das hat auch irgendwie, auch errechnet, irgendwie 80 Bittereinheiten. Ich habe jetzt natürlich noch nicht das zum Labor gehabt, das kommt noch, wie viel davon nach dem Einfrieren übrig ist und nach der Fasslagerung. Ich denke, man schmeckt es nicht, es schmeckt nicht wie 80.

Markus: Ja, man sagt ja immer, dass Alkohol und Bittere so ein bisschen Gegenspieler sind. Und wir sind natürlich vom Alkohol her deutlich höher, deswegen ist die wahrgenommene Bittere wahrscheinlich auch deutlich niedriger. Also ich hätte es jetzt, wenn mich jemand gefragt hätte, irgendwo so auf 50 vielleicht, 40, 50 irgendwie geschätzt, aber ja, spannend auf jeden Fall. So, sorry, ich habe dich unterbrochen.

Tom: Ist auch gut möglich, dass es dort in der Gegend liegt. Also nur noch mal, um zu zeigen, dass man als das vom Ende her denken muss, das Bier, nach der Fasslagerung. Vor der Fasslagerung wäre es nicht annähernd so trinkbar gewesen wie Frostwerk beispielsweise. Und wiederum vorher ist es ein Imperial Stout gewesen, was eigentlich over the top war. Ich meine, ich habe das hier gebraut, ich habe 27 Stunden für den Sud gebraucht, um das durchs Sudhaus zu kriegen. Das haben wir früher auch immer gemacht. Meine Kollegen in der Branche, die sagen, ja früher, weißt du noch, da haben wir immer 30-Stunden-Sude gemacht, wenn du so ein Bier machen wolltest. Ich sage, ja, ich mache das halt immer noch. Inzwischen, ich habe es hingekriegt, ein paar Stunden zwischendrin ist das Sudhaus mal alleine zurechtgekommen, also der Läuterprozess dann eben langsam selber vor sich hingelaufen mit dem dicken Zeug drin. Aber, ich sage mal, da muss man halt mal ein Opfer auf sich nehmen, damit es am Ende so ein Bier gibt.

Markus: Ja und das lohnt sich ja auch durchaus. Also jetzt, wo es ein bisschen wärmer wird, merkt man auch den Whisky-Anteil ein bisschen mehr, aber trotzdem, also ich finde, ich bleibe dabei, es ist sehr dezent und das finde ich auch gut. Also oft ist es ja gerade bei holzfassgelagerten Bieren, die mit Vorbelegung eben sind, dass einen das total erschlägt, dass dieser Whisky einfach überbordend ist und alles andere zudeckt. und das will man ja nicht. Also eine Holzfasslagerung soll ja ein nettes, schönes Finish machen, soll das ja irgendwie abrunden, soll das Tüpfelchen auf dem I sozusagen sein, dass eben Bier und Holzfasslagerung da zusammenkommen und eben dann ein wunderbares Ergebnis bilden am Schluss und eben nicht der eine von den beiden so stark im Vordergrund steht, dass man das andere gar nicht merkt. Und das ist wirklich toll, als das ist richtig schön umgesetzt, das merkt man eben, wenn man jetzt noch mal dran riecht. Vanille, Kokos liegt eh sehr nah beieinander von der Aromatik, das ergibt sich hier sehr schön. Entschuldigung, Vanille und Karamell, sorry. Und diese Kokosnote, die kommt jetzt ein bisschen stärker rüber, vereint sich schön. Also ich habe ja vorhin schon gesagt, so Tonka-Bohne und Schokolade und ein bisschen Lakritz, all das zusammen geht natürlich in diese Richtung und, ja, es ist ein wunderbares Bier. Also sowas könnte ich mir auch mal vorstellen, wenn ich so ein ganz festliches Menü habe, keine Ahnung, Weihnachten, so eine Weihnachtsgans oder so, nicht als Hauptgetränk, aber so nebenbei zum dran riechen, zum immer wieder dran nippen, mit den verschiedenen Sachen genießen. Wunderbar, also ganz, ganz schönes tolles intensives Bier. Ich würde mal sagen, von der Harmonie, von der Rundung sozusagen und vor allem vom Mundgefühl her noch besser als das Frostwerk. Aber gut, da sagst du ja eh, das ist eins, was auch auf dem Weg ist sozusagen, was du noch ausfeilen willst. Also das kann man meiner Meinung nach nicht besser machen, das ist echt sehr, sehr schön. Also ich freue mich schon auf den 1. Wettbewerb, wo du das einreichst, wo es mir dann vielleicht wieder begegnet oder anderen, ja.

Tom: Bin ich auch mal gespannt, ich meine, wer ist da sonst noch so bei Wettbewerben in der Extrembierkategorie, mal sehen. Im Moment, es sind ja noch keine Etiketten drauf, die sind noch nicht fertig und dann muss ich natürlich auch Zeit haben, die irgendwann draufzusetzen und so weiter. Das ist wirklich eine One-Man-Show im Moment und es ist Hauptsaison in meiner Arbeit so, aber, ich denke, so gegen Ende des Jahres sollte es irgendwie zur Verfügung stehen.

Markus: Ist ja ein perfektes Weihnachtsgeschenk. Also vielleicht da auch gleich die Überleitung, wenn jetzt jemand sagt, ja, ich will dieses Bier, ich will das probieren, ich möchte da ran, wie kann man das machen? Kann man das irgendwie vorbestellen oder gibt es so eine Art Newsletter oder irgendwas, wo man mit dir Verbindung aufnehmen kann, dass man sagt, okay, wenn das dann jetzt dann rauskommt, dann kann ich da dabei sein?

Tom: Ja, ich habe ja so eine Facebook-Seite, Müßiggang Craft Beer, die kann man finden. Eine Webseite, also ich habe eine reserviert, aber ich habe keine gestaltet, das war jetzt im Moment auch noch nicht, ich sage mal, noch nicht nötig, solange es noch nichts zu kaufen gibt. Was es geben wird, das ist jetzt aber eher für die dänischen Kunden von Interesse, dass man das über Skagen Bryghus, also meinen Arbeitgeber im Webshop kaufen können wird. Also ich kann ja die Brauanlage nutzen, ich habe mit denen einen Handel gemacht, die kriegen da einen guten Preis für das Bier und die verkaufen es dann auch. Die haben da auch Interesse dran, ja, an dem Interesse sozusagen, dass dann dadurch aufkommt, also das wird dadurch landesweit in Dänemark verfügbar sein. Und ansonsten, ich weiß ja nicht, wer aus der Branche mithört, wenn jetzt ein Importeur in Deutschland denkt, dass das interessant ist, dann mich mal gerne anschreiben, also ich habe eine E-Mail-Adresse, ja, wo man mich erreichen kann oder auf Facebook einfach mal. Im Moment ist das noch nicht die 1. Priorität, weil erst mal natürlich, ich bin ja in Dänemark hier, aber, ich denke, das kriegt man schon irgendwie hin.

Markus: Ja, ich denke auch. Also ich rufe auch noch mal hier alle auf, der jetzt da die Möglichkeit hat vielleicht oder die, dass irgendwie dann auch vielleicht zu vertreiben oder zumindest zugänglich zu machen, das fände ich schon sehr, sehr spannend. Also was wir auf jeden Fall machen könnten ist, wir haben ja mit unserer BierAkademie-Alumni regelmäßig Verkostungen, dass wir mal da ein Paket damit machen, wenn es draußen ist, das fände ich auf jeden Fall super spannend, das mal zu machen.

Tom: Im Moment steht es einfach noch nicht, aber, wenn man jetzt nach Dänemark kommt oder jemanden hat in Dänemark oder vielleicht jemanden kennt, der vielleicht Interesse hätte, das Bier zu importieren, dann lässt es sich irgendwie machen. Ich werde mich da auch demnächst in Gang setzen. Ich war auch Letztens in Österreich und habe dort schon Interessenten gefunden, also schauen wir mal. Es sind ja auch im Moment nur, wenn man noch den 1. Sud haben will, ja, Batch Nummer 1, es sind ja auch nur 700 Flaschen oder 700 und ein bisschen, ne. Also nicht in jedem Edeka in Deutschland wird es demnächst auftauchen.

Markus: Nein, das glaube ich auch nicht, das ist ja auch wirklich eine Spezialität. Also ich kann mir gut vorstellen, also auf der einen Seite kann ich jedem ja nur Lust machen, einfach mal nach Skagen zu fahren, weil das wirklich einfach faszinierend ist von der Landschaft her, vom ganzen drum rum, vom Erlebnis her, das ist jeden Kurzrurlaub der Welt wert, da auf jeden Fall mal hinzufahren. Das kann man ja dann damit verbinden, dass man sich bei dir entsprechend eindeckt. Und ansonsten, wie gesagt, wir werden mal gucken, dass es Möglichkeiten gibt. Und wenn es dann soweit ist, kann ich ja noch mal über mein Netzwerk zumindest das dann publizieren und kommunizieren und dann kriegen wir das schon irgendwie hin. Also auf jeden Fall super, sowas zu haben, weil das ja auch wirklich was ganz Besonderes ist, wie du sagst, es gibt eine Handvoll Menschen, die sowas in der Art überhaupt machen und zelebrieren und das mal live hier mitzuverfolgen, ist natürlich auch total spannend und super.

Tom: Ich denke auch, diese Spezialisierung hat es so noch gar keiner gemacht, weil, ich meine, Georgbräu, würde ich sagen, das ist jetzt so die Brauerei, die das eben, ich sage mal, betreibt in dem Sinne, dass sie auch davon leben und nicht nur wie BrewDog, dass halt als Marketinginstrument nehmen. Es gibt keine, die sich wirklich darauf komplett spezialisiert hat. Georgbräu macht ja schon nebenher auch noch, naja, normale 13 %-ige Lagerbiere und solche Sachen.

Markus: Also wobei man beim Georg halt sagen muss, die Entwicklung an sich ist natürlich krass, dass er ja wirklich mit einem ganz normalen Brauhaus angefangen hat und dann einfach dieses Hobby für sich entdeckt hat, die Biere immer stärker zu machen. Bis dann seine ganz normalen Kunden gesagt haben, wir können nicht mehr zu dir zum Essen kommen, weil das Bier so stark ist und dann die Antwort von ihm ist, na, dann mache ich halt mein Wirtshaus zu, das ist schon unglaublich. Also da, wie gesagt, auf de BierTalk können sich auch alle schon mal freuen, das ist eine spannende Geschichte, ja.

Tom: Das Schöne ist ja in Skagen, da kann man dann einen Eisbock trinken und wenn einem das so ein bisschen zu viel geworden ist, dann trinkt man halt zur Not sogar ein Alkoholfreies von Skagen Bryghus und dann läuft das.

Markus: Genau oder legt sich einfach an den Strand für ein paar Stunden, bis man wieder ein bisschen abgenüchtert ist und kommt wieder zurück, also auch das geht natürlich, also super. Nee, also insofern, also vielen, vielen Dank für diesen Ausflug in deine doppelte Bierwelt und deine Geschichte und auch ein bisschen nach Dänemark. Und natürlich von meiner Seite aus alles, alles Gute für beide deiner Projekte sozusagen, insbesondere für dieses und wirklich noch mal ganz, ganz großes Lob, also wobei, ich will mich da gar nicht versteigen, wer bin ich, dass ich da loben soll, aber es schmeckt mir auf jeden Fall großartig, es hat wunderbare Aromen, es ist sehr schön gemacht, wirklich Braukunst und da freue ich mich einfach drauf auch ganz persönlich, wenn es das dann demnächst noch in weiteren Variationen gibt, sodass man sich da ein bisschen durchprobieren kann, also bleib dran. Und, ja, dir auf jeden Fall heute noch einen wunderschönen Tag, ich freue mich sehr und, ja, danke für diesen Talk.

Tom: Hat mir richtig viel Spaß gemacht und ich denke, wir sehen uns mal wieder irgendwann und können dann bestimmt über die nächste Version, ich habe nämlich ein Portweinfass gekauft zum Beispiel, so wieder fachsimpeln.

Markus: Okay. Na, das auf jeden Fall und ich werde auch natürlich wieder nach Dänemark kommen. Da weiß ich gar nicht, ob das die ganzen Hörer: innen so richtig wissen, ich habe ja vor einigen Jahren entdeckt, dass in meiner Familie es Vorfahren gab, die mal in Dänemark, in Aarhus eine Brauerei hatten oder in Odder, das ist heute ein Stadtteil von Aarhus und die hieß damals tatsächlich Raupachs Brygerie. Und ich habe nach und nach diese alten Biere und Rezepturen und Etiketten, alles wieder so ein bisschen rausgefunden und jedes Jahr zum Fränkischen Bierfest mache ich 1, 2 von diesen Rezepten und dann gibt es eben historische dänische Biere mitten in Franken, das ist total witzig. Und da möchte ich auf jeden Fall natürlich dranbleiben und noch ein paarmal öfter auch nach Dänemark fahren, um zu recherchieren, denn angeblich gibt es da in Aarhus auch noch ein paar Namensträger, wo ich dann eben gucken muss, wie ich mich mit denen verständigen kann, weil die sind wahrscheinlich alle irgendwo im Altenheim und sprechen wahrscheinlich kein Deutsch. Aber also sehen, also da wird es auf jeden Fall noch viele spannende Momente geben.

Tom: Wenn du einen Übersetzer brauchst und ein bisschen ein Getränk zum anwärmen, dann sag Bescheid.

Markus: Sehr gute Idee, also, dann haben wir einen Deal. Noch mal, vielen Dank und habe noch einen wunderschönen Tag heute und, ja, bis bald.

Tom: Genau, tschüssi.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.