BierTalk English 40 – Deutsche Version (Marcin Ostajewski, Browar Fortuna, Polen)

Mit KI-Unterstützung erstellte deutsche Version des englischsprachigen BierTalks

In dieser Folge nehmen wir dich mit auf eine außergewöhnliche Reise durch die polnische Bierwelt – von den ersten Hobbybrau-Erfahrungen im eigenen Keller bis zur spektakulären Wiedergeburt des legendären Grodziskie. Wir sprechen mit Marcin Ostajewski, der nicht nur seine Abneigung gegen Rauchbier überwunden, sondern einen beinahe ausgestorbenen Bierstil mit Mut, Kreativität und echter Leidenschaft zurück ins Rampenlicht gebracht hat. Du erfährst, wie nationale Identität, Traditionsbewusstsein und moderne Braukunst in Polen eine einzigartige Symbiose eingehen – und warum Offenheit manchmal der beste Wettbewerbsvorteil ist. Wir zeigen, wie ein offenes Rezept und geteilte Hefe einen weltweiten Trend lostreten können, und was das für die Zukunft vergessener Bierkulturen bedeutet. Lass dich inspirieren von einer Geschichte, die beweist: Bier ist viel mehr als nur ein Getränk – es ist gelebte Geschichte, Innovation und Gemeinschaft.

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

BierTalk Spezial 73 – Interview mit Achim Helbig, Herz und Hirn von Brauart Düsseldorf

In dieser Folge von BierTalk zieht es uns an den Rhein – nach Düsseldorf – und zu einem Gespräch, das ich ehrlich gesagt schon viel zu lange auf der Liste hatte: Ich treffe Achim Helbig vom Brauart Düsseldorf. Achim betreibt nicht nur Taproom, Eventlocation und Webshop – er importiert mit viel Herzblut Biere aus aller Welt und ist für mich seit Jahren einer der wichtigsten Brückenbauer, wenn es um britische Bierkultur in Deutschland geht. Großer Schwerpunkt ist das Cask Ale und die Rolle von CAMRA: Was hat sich in den letzten Jahren verändert? Warum sind die Biere und Pubs als Kulturorte so besonders? Und warum ist es so schade, dass Institutionen wie das Great British Beer Festival ins Straucheln geraten sind…

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute mal wieder einer aus der Reihe derer, die ich schon seit Jahren machen will und es irgendwie nie geklappt hat und jetzt klappt es aber endlich, also insofern wunderbar. Wir sind am schönen Rhein, im schönen Düsseldorf, das auch eine spannende Geschichte hat und unter anderem mal zur englischen Besatzungszone gehört hat und es deswegen auch eine sehr enge Bindung gibt zu den Bieren von der Insel. Und da gibt es eben jemand, der das ganz besonders vertritt, der liebe Achim, der auch einen Job hat und uns seit Jahren in der BierAkademie mit britischen Bieren versorgt und dadurch, dass er das macht, natürlich auch oft drüben ist und viele Insights dort hat. Und da freue ich mich total, dass wir uns heute mal ein bisschen unterhalten können. Also erst mal, lieber Achim, schön, dass du da bist und vielleicht sagst du mal zwei, drei Worte zu dir selber.

Achim: Ja, hallo erst mal, ja, Achim Helbig aus Düsseldorf und ich betreibe hier das Brauart Düsseldorf. Ein Ladenlokal mit Taproom, Eventlocation und wir haben auch einen Webshop, auch Brauart Düsseldorf. Und was vielleicht für so eine Lokalität besonders ist, dass wir auch selber importieren, das heißt, wir importieren von britischen Brauereien, belgischen Brauereien, etlichen osteuropäischen Brauereien und haben deswegen auch immer ein Portfolio, was sich so ein bisschen von dem unterscheidet, was man in der Regel so findet.

Markus: Ja und man merkt eben auch ein bisschen handausgewählt sozusagen, also mit viel Herzblut und Hingabe und eben auch persönlicher Recherche. Da sind wir uns ja auf der Welt auch schon immer mal wieder irgendwo begegnet, vor allem natürlich auf der Insel. Aber das finde ich auch generell spannend, weil dein Laden ja eben nicht nur ein bisschen britische Biere hat, sondern wirklich Biere aus der ganzen Welt, aber dann eben auch noch Spirituosen oder Cider oder Chips oder Popcorn oder was auch immer. Also kurzum, eigentlich brauche ich doch nur deinen Laden, um zu überleben, oder?

Achim: Ja, das stimmt. Also man kann sich bei uns mit verschiedensten Getränken und Knabbereien ausstatten und deswegen, ja, einfach vorbeikommen, man muss nichts mitbringen, außer, ja, Interesse an spannenden Sachen und dann kann man hier einen schönen Abend oder von mir aus auch einen schönen Tag verleben.

Markus: Genau oder sich das Ganze auch nach Hause bestellen, also super spannend. Jeder, der mal vorbeikommt oder der hier nach Düsseldorf kommt, sollte auf jeden Fall vorbeischauen, wir werden dann auch die Informationen entsprechend in den Shownotes verlinken. Du selber warst schon immer so auf der bierigen Seite oder hat es dich eher so hingetrieben?

Achim: Auf der bierigen Seite war ich schon immer, allerdings vor Jahrzehnten, ja, war das dann halt etwas limitierter von der Bierauswahl. Zu der ganzen Sache gekommen bin ich über eine andere Selbstständigkeit, ich habe vor 20 Jahren mit Freunden einen Gothic-, Metal-Mittelalterladen aufgemacht und im Rahmen dieses Ladens habe ich dann angefangen, Biere aus Großbritannien zu importieren, in erster Linie erst mal wegen der Label, weil die halt in unseren Kontext gut reingepasst haben. Das waren damals die Biere der Wychwood-Brauerei, also das Hobgoblin ist da sicherlich das bekannteste. Damit hat es angefangen und irgendwann, ja, wurde der Bieranteil immer größer und dann haben wir das irgendwann gesplittet und ich habe mich dann noch mal mit den Bieren sozusagen selbstständig gemacht.

Markus: Und, ja, wenn man aus der Gothic-, aus der Metal-Szene kommt, hat man ja auch immer so einen kleinen Rebellen in sich. Ist das auch der Grund, warum du als Kölner nach Düsseldorf gegangen bist?

Achim: Gute Frage. Ich bezeichne mich immer als Rheinländer, um diese Problematik ein wenig zu umgehen. Nee, Tatsache ist, dass ich sehr jung war, als ich von Düsseldorf weg bin und dann nach Ratingen tatsächlich, nicht nach Düsseldorf, also als ich aus Köln weg bin, weil mein Vater halt einen Job in Düsseldorf bekommen hatte und dann sind wir nach Ratingen gezogen, als ich 3, 4 Jahre alt war. Und da bin ich aufgewachsen und habe dann angefangen zu studieren und habe dann an der Uni Düsseldorf studiert und auch lange Jahre gearbeitet und unterrichtet. Und, genau, das ist auch der Grund, weswegen diese britische und englische Geschichte mir so am Herzen liegt, weil ich das halt studiert und unterrichtet habe.

Markus: Ja und außerdem bist du ja dann auch geschmacklich wahrscheinlich ein bisschen sozialisiert, weil Leute, die mit Kölsch aufwachsen, sage ich mal, die sind ja dann vielleicht eher auf der bayerischen Seite, so Richtung Helles oder Pilz oder so und Leute, die dann doch eher zum Altbier neigen, die sind vielleicht eher beim Brown Ale, beim Amber Ale, vielleicht eher auf der Insel. Könnte das auch so ein Grund sein?

Achim: Ja, durchaus, also, ich sage mal so, es sind ja beides Ales und natürlich ist das Alt einer ganzen Reihe von englischen Brauarten natürlich sehr nahe. Und ich merke das auch immer, wenn befreundete Brauer mich hier in Düsseldorf besuchen und dann halt hier in die Altstadt gehen und da die Biere trinken, das sind Sachen, ja, die kennen die quasi. Also ich könnte das in Großbritannien auch als, weiß ich nicht, Brown Ale oder Red Ale oder was auch immer verkaufen, das würde nicht groß auffallen, das stimmt.

Markus: Und wenn ich jetzt überlege, gerade so Leute hier aus Bayern, wenn man denen sagt, wir gehen jetzt nach Düsseldorf oder nach Köln zum Bier trinken, dann fangen die schon an, die Nase zu rümpfen, aber wenn man denen dann sagt, okay, jetzt fahren wir nach England, um zum Bier trinken zu fahren, dann ist es bei vielen noch viel extremer, die sagen, ja, die können doch eh kein Bier trinken und so weiter, kein Bier brauen, meine ich. Begegnest du solchen Vorurteilen manchmal und was sagt man solchen Leuten?

Achim: Ja, solche Vorurteile begegnet man sehr oft, also wo die Grundidee ist, britisches Bier ist halt warm und schal und hat keine Schaumkrone und schmeckt komisch. Ja, ich versuche denen dann immer zu erklären, A) das Bier ist nicht warm, es ist kellerkalt. Und dass es weniger Kohlensäure hat, ist für mich etwas, was ich sehr mag, weil, ich finde, also viel Kohlensäure in dem Bier hat da eigentlich überhaupt nichts verloren und ist auch für die Trinkbarkeit von dem Bier, finde ich, sehr schädlich. Ja und ich versuche die dann immer zu überzeugen, idealerweise dadurch, dass ich vielleicht 2, 3 britische Sachen am Hahn habe und dann lasse ich die mal probieren. Und in der Regel sind die dann sehr überrascht, weil viele Leute halt überhaupt kein Konzept haben, also so nach dem Motto, ich mag kein britisches Bier, weil ich habe mal eins probiert, was das war, weiß ich aber auch nicht. Und das Gleiche gibt es auch beim Craft Beer, dann kommen Leute, die sagen, nee, ich habe mal so ein Craft Beer probiert, ich mag das nicht. Ja und dann musst du halt versuchen denen zu erklären, dass es da eine große Bandbreite gibt und wir sicherlich was finden werden, was ihnen schmeckt und das ist in der Regel auch so.

Markus: Ja und was ich auch finde ist, die Atmosphäre, wenn man jetzt in so einem britischen Pub zum Beispiel ist oder auch bei einer Brauerei auf den britischen Inseln, verglichen jetzt mit einer Düsseldorfer Brauerei zum Beispiel, die längste Theke der Welt, wenn man da irgendwo ist oder auch hier bei mir in Franken, ich finde, das ist sich sehr ähnlich. Also du hast lange Tische, da sitzen viele Leute, die kommen da zusammen, werden auch ein bisschen zusammengewürfelt, man hat das Bier zusammen, man findet neue Freunde, es ist einfach ein schöner Ort, um sich zu unterhalten, um Leute kennenzulernen und nebenbei auch so ein bisschen Bier zu genießen, aber es ist einfach viel mehr als einfach nur ein Ort, wo man sich hinsetzt und so ein Bier runterkippt. Und da, finde ich wirklich auch, sind die britischen Inseln noch mal anders als zum Beispiel, wenn man nach USA geht oder nach Spanien oder so, da steht das Getränk viel mehr im Vordergrund. Hier in England ist es für mich eher ein Teil von der Kultur, kann man das auch so sehen?

Achim: Ja, das definitiv und da gibt es sicherlich Ähnlichkeiten. Ich sage mal, man kann es ja selber dadurch steuern, auch hier im Rheinland, wo gehe ich hin, wenn ich in die Bierschwämme gehe, dann setze ich mich automatisch zu Leuten und dann fangen die in der Regel auch an zu reden, weil die davon ausgehen, wenn du da sitzt, dann willst du halt quatschen und wenn ich da keinen Bock drauf habe, dann setze ich mich an den Tisch mit meinen Freunden, bestell was zu essen und dann bleibt man in der Regel unter sich. Aber, das ist in England genauso, es ist sehr oft, dass ich da mit Leuten ins Gespräch komme. Und, ja, wenn die dann feststellen, dass man an dem Bier Interesse hat, an dem Ding an sich, an dem britischen Ale, Cask Ale, dann findet man eigentlich immer, ja, Themen, die spannend sind und, ja, Leute, die da auch Lust drauf haben, mit einem zu quatschen.

Markus: Ja, also Bier verbindet oder wie unser Freund Holger immer sagt, ist es einfach das perfekte Come-Together-Getränk. Nun warst du ja schon viel auf den britischen Inseln unterwegs. Gibt es Ecken, wo du noch nie warst, wo du noch mal hin willst oder wo es besonders extrem war, wo du noch nie unterwegs warst?

Achim: Klar gibt es Ecken, wo ich noch nie war, also es ist weder riesengroß noch ist es furchtbar klein, aber es gibt natürlich sehr viele Orte, die ich noch nicht besucht habe. Also ich war sehr viel in London und im Süden Englands, sehr viel in Schottland, aber auch da nicht überall und das sind so meine Schwerpunkte und ja, Irland noch, also die Republik. Ich war nicht so oft im Norden Englands, ich war schon mal in Sheffield, aber zum Beispiel in Manchester war ich noch nicht, das wäre ein Ort, wo ich noch mal gerne hin würde. Und ansonsten ist es eher so, dass ich das nach Brauereien sozusagen abarbeite und dann sind das teilweise sehr kleine Orte. Zum Beispiel letztes Jahr war ich bei Adnams, das ist dann ganz im Osten, im Südosten, ein ganz kleines Örtchen, wo man sonst normalerweise gar nicht hinfahren würde, wenn es die Brauerei nicht gäbe.

Markus: Ja, wenn man das so ein bisschen mit Deutschland vergleicht, dann ist es ja so, wenn man hier zu den verschiedenen Ecken fährt so, sagen wir mal, in den Südosten, Südwesten, in den Norden, in die Mitte, im Osten, wo auch immer, da hat man doch sehr unterschiedliche Bierkulturen und auch sehr unterschiedliche Herangehensweisen zum Bier, auch von der Größe des Gefäßes zum Beispiel. Hast du da auf den britischen Inseln auch größere Unterschiede erlebt oder ist es da so ein bisschen einheitlicher?

Achim: Nee, das ist im Grunde einheitlich. Also 99 Prozent der Leute trinken Pints, also im klassischen Pub, wenn ich natürlich in eine Craft-Beer-Bar gehe, dann habe ich die Größen an Gläsern, wie man sie aus dem Craft-Beer-Kneipen kennt, also in der Regel eher 300 Milliliter oder Ähnliches, aber wenn ich im klassischen Pub bin, dann kann ich halt ein Half-Pint haben, wenn ich das möchte, aber die allermeisten bestellen einfach ein Pint. Das ist also anders als in Deutschland, wo es ja tatsächlich so ist, dass bei uns im Rheinland die 200- oder 250-Milliliter-Gläser die häufigsten sind. Es gibt zum Beispiel in Köln aber auch noch immer Kneipen und Brewpubs, die halt 100-Milliliter-Gläser verkaufen und hier in Düsseldorf ist es halt relativ ungewöhnlich, einen halben Liter Altbier zu ordern. Also das geht und es gibt auch einige, die die Gläser haben, aber, ich glaube, zum Beispiel von den Altbierbrauereien hier in Düsseldorf hat nur Schumacher 500-Milliliter-Gläser, die anderen haben die überhaupt gar nicht.

Markus: Ja, was ich aber gut finde, weil dadurch hat man immer ein frisches Bier im Glas, das finde ich sehr schön. Und diese ganz kleinen Gläser, das waren doch die Stößchen oder Schlückchen oder so, die man für den Schiffsanleger praktisch für die Zeit, bis es da war, genau richtig terminiert, finde ich auch eine super schöne Geschichte. Ja, wenn wir noch mal zurück nach England schauen, also vielleicht kurz für die Hörerinnen und Hörer da draußen, das Spannende ist ja, es gibt neben dem, was wir so kennen, also traditionelle Biere, durchaus auch untergärig wie auch immer oder auch Guinness oder so und eben dem Craft Beer, wo man dann eher in vielleicht, sagen wir mal, amerikanischer Manier Biere hat von extremen IPAs, Imperial Stouts, was auch immer, gibt es eben noch dieses wunderschöne historische Juwel, das Cask Ale, was eben ein Bier ist, was die Brauereien quasi so in einem ersten Schritt halbfertig machen, ins Fass geben mit der Hefe und dann wandert das zum Pub und wird dann praktisch vom Pub-Owner in Besitz genommen. Und sobald das Fass, also die Schwelle übertreten hat sozusagen in den Pub und dann im Keller ist, ist dann auch der Pub-Besitzer dafür verantwortlich, das Kellermanagement so zu machen, dass er dieses Fass dann ansticht, wenn das Bier optimal drauf ist und dann wird es quasi mit einer Handpumpe serviert. Die Temperatur ist eben, je nachdem, wie es in dem jeweiligen Keller in dem Pub ist, also selten, dass es gekühlt wird, dementsprechend eben auch ein etwas wärmeres Bier. Durch dieses reine Handpumpen hat man auch keine zusätzliche Kohlensäure oder auch keine stabilisierende Kohlensäure, dadurch etwas Kohlensäure-weniger-haltig, sagen wir mal so und eben geschmacklich ganz spannend, weil sich das in diesem Fass weiterentwickelt, auch ab dem Zeitpunkt, wo es dann angestochen, angezapft wird und sich dann eben verändert bis zu dem Zeitpunkt, wo dieses Fass dann leer ist. Und dahinter steckt so ein Stichwort, die CAMRA, Campaign for Real Ale, Männer, die sich in den 70ern mal aufgemacht haben, diese alte historische Bierkultur zu erhalten. Und das ist ein Verein, der jetzt allerdings zusammen mit diesen Leuten in den 70ern alt geworden ist, das ist ja jetzt über 50 Jahre her und dementsprechend merkt man das auch, also es gibt auch große CAMRA-Veranstaltungen. Es gab bis vor kurzem das Great British Beer Festival, wo man das dann auch erleben konnte. Und so ein Hauptziel von dem Verein war, dass eben in möglichst jedem britischen Pub mindestens eines dieser Cask Ales vorhanden ist. Da würde mich jetzt einfach mal interessieren, nachdem du ja über so viele Jahre konsistent immer wieder drüben bist, merkst du da in den letzten Jahren Veränderungen, also nimmt das Cask Ale insgesamt eher ab oder ist es eher stabil und wie siehst du so, wie die Leute dem zusprechen?

Achim: Das ist eine gute Frage. Also ich denke, es ist gut etabliert, also es gibt wirklich wenige Kneipen, die kein Cask Ale haben, die keine Handpumps haben. Auch etliche, die halt so eher dem Craft Beer zugewandt sind, machen das und es gibt auch etliche Brauereien, also neue, moderne Craft-Beer-Brauereien, die auch Cask abfüllen. Also da, denke ich schon, dass da die Mission erfolgreich war, tatsächlich diese Cask Ales in den Kneipen zu verankern und auch im Bewusstsein der Leute zu verankern. Was natürlich schwierig ist, was du angesprochen hast, ist die Struktur bei CAMRA. Also ich war jetzt letzte Woche auf dem Pigs‘ Ear Festival im Osten von London, in der Round Chapel und war da auch bei einem Tastingboard dabei, also beim Judging-Board, und das ist dann schon aufgefallen, also die Leute, die die Biere bewertet haben, war wirklich 50 % Frauen, 50 % Männer, 50 % jüngere Leute, 50 % ältere Leute, also sehr gemischt, wenn du dir dann aber das Publikum anguckst, was zu dem Festival kommt, sind das halt 90 % tatsächlich alte, weiße Männer. Und das ist natürlich ein Problem. Und das gilt auch für die Helfer, das beruht ja alles auf freiwilligen Helfern, die die ganzen Sachen da organisieren und auch die kommen halt immer mehr in die Jahre. Also das ist noch drastischer, als das sowieso schon in unserer westlichen Gesellschaft ist. Das heißt, die müssen dringend gucken, da junge Leute ranzukriegen. Aber das Ding an sich, das Cask Ale sieht man wirklich fast überall. Also das, denke ich, ist eine, ja, Erfolgsgeschichte der Wiederbelebung da.

Markus: Ja, Gott sei Dank. Und es ist ja auch wirklich ein tolles Erlebnis, das zu tun. Also kann man auch jedem nur sagen, wenn ihr nach England fahrt oder nach Irland oder nach Schottland, also irgendwo auf die Inseln, dann versucht euch gerade durch diese jeweiligen Cask Ales durchzuverkosten, weil das wirklich eine sehr spannende Kultur ist. Es ist ein bisschen, dass man vielleicht 1, 2 braucht, um so reinzukommen, aber dann lernt man es lieben. Es ist ja auch schön, die sind alkoholisch nicht so stark, da können wir ja auch gleich noch ein bisschen drüber reden. Vielleicht noch ein Wort zu unserem Thema von gerade, ich finde halt, was man so ein bisschen merkt, also wie du sagst, die CAMRA von ihrer Mitgliederstruktur, das sind ja fast 200.000 Mitglieder, die sind dann organisiert in jeweils lokalen Branches, also Ablegern sozusagen und die machen dann jeweils vor Ort verschiedene Bierfestivals und Veranstaltungen und so. Und da merkt man eben, also wenn ich überlege, wann war ich zum ersten Mal bei sowas, das war vielleicht so um die 2000er rum, und seitdem ist es so, wenn ich zu den Veranstaltungen gegangen bin, ich war trotzdem immer jünger als die Leute, die da den Einlass gemacht haben, die Biere ausgeschenkt haben, wie du eben sagst, die Helfer, das überaltert halt extrem und auch einen Großteil des Publikums. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum das Great British Beer Festival, nachdem es ein Jahr ausgesetzt hat, dann jetzt wurde es in, wo war es, Birmingham wiederbelebt, also hat man versucht, es dann dort stattfinden zu lassen, weil es eben am alteingesessenen Ort in England nicht machbar war, und da hat man es jetzt ein Jahr gemacht und festgestellt, dass das Minus so groß war, dass man das Fest jetzt zumindest erst mal nicht mehr macht. Und das ist natürlich schon eine krasse Geschichte, weil dieses Fest, das Great British Beer Festival, wirklich eine Institution war, wo wirklich sehr, sehr viele Menschen sowohl dahingekommen sind, also sicherlich 50.000, 60.000 Menschen oder so und einfach auch alle oder ziemlich viele britische Brauereien mit ihren Bieren vertreten waren, auch internationale Brauereien. Ganz zum Schluss hat man dann sogar ein bisschen Craft Beer zugelassen, ohne Cask, ganz spannend. Aber es war immer sehr interessant, weil auch viel Bierkultur da war, von den Pub-Spielen, die zum Beispiel präsentiert wurden, immer ganz liebevoll oder eben so Ecken, wo dann irgendwelche schrägen Sammler irgendwelche alten Stücke verkauft haben, aber immer spannend und unglaublich viel Liebe und Hingabe zu diesem Thema Bierkultur. Du bist wahrscheinlich auch schon sehr oft auf dem Great British Beer Festival gewesen, oder?

Achim: Ja, ich war da sehr oft, zumal ich da auch jahrelang einen Stand hatte und ich habe da also German Steins verkauft und Trinkhörner und Med und dergleichen. Also ich war, glaube ich, fünf-, sechsmal mit dem Stand da und, ich denke, dass ich insgesamt zehnmal da war oder so. Und das ist wirklich sehr schade, weil es auch eine Veranstaltung war, wo du halt Leute aus der Branche getroffen hast. Also am Trade Day war da wirklich quasi jeder und ich konnte an einem Tag so viele Kontakte abarbeiten, Leute treffen, mit Leuten quatschen, wie sonst nirgendwo niemals möglich gewesen ist. Und allein das ist halt schon ein Nachteil, wenn solche Veranstaltungen nicht mehr stattfinden und dieses Treffen nicht mehr stattfindet, ja, dann muss man halt gucken, wie macht man das. Und dann ist die Frage, ob die Leute wirklich den Aufwand betreiben, dann entweder zu kleineren Events zu gehen oder versucht man sich halt einfach nur zu zweit zu treffen, da muss der eine irgendwie dahin. Also das ist schon schade und ist auch ein bisschen besorgniserregend, wenn sozusagen das Flaggschiff wegfällt, dann muss man halt gucken. Also jetzt hier Pig´s Ear Festival ist halt wirklich klein, richtig klein und funktioniert aber wahrscheinlich deswegen, weil die halt eine ganz niedrige Kostenstruktur haben, gar nicht so viele Helfer brauchen. Ja, aber irgendwo müssen die Leute halt herkommen, da muss man gucken in der Zukunft, wie sich das entwickelt.

Markus: Ja, also immerhin ist die CAMRA an sich auf dem Weg der Gesundung. Also die hatten jetzt wirklich dieses Minus von Birmingham, das war schon heftig, aber so die neuesten Informationen, die ich so höre und bekomme, ist, dass sie irgendwie den Turnaround zumindest finanziell jetzt einigermaßen hinbekommen haben und das ist schon mal eine gute Nachricht, weil es wirklich eine Zeit lang auf der Kippe stand, ob sie überhaupt so überleben können als Verein mit dem Ergebnis. Bevor wir gleich noch zum Bier kommen, würde ich noch eine Sache, die damit so ein bisschen zusammenhängt, mit dir besprechen. Ich meine, die Briten haben ja einige Schläge jetzt hinnehmen müssen, gerade in Sachen Bier und Braukunst, wenn man an die Pandemie zurückdenkt, wenn man an den Brexit zurückdenkt und darauf folgen dann auch die Steuergesetzgebung, die noch mal das Bier deutlich teurer gemacht hat. Wie hast du das so erlebt, also schauen die Brauer da trotzdem eher positiv in die Zukunft oder wie ist da die Stimmung gerade so?

Achim: Ja, also es ist gemischt natürlich. Also in den letzten zwei Jahren haben sehr viele Brauereien zugemacht oder wurden verkauft und wurden dann zugemacht und es gibt, ja, entweder größere Brauereiverbünde oder Investmentfirmen, die da relativ aktiv sind, und das ist natürlich nicht ideal, um es vorsichtig auszudrücken. Das heißt, dann werden die Brauereien gekauft, die tatsächliche ursprüngliche Brauerei dicht gemacht und dann werden 5, 6 Produktlinien dann nur noch an einem Ort produziert und das, ja, das ist ein bisschen besorgniserregend. Auf der anderen Seite gibt es aber auch immer noch Brauereien, ja, die gut funktionieren, die immer noch wachsen und die, ja, sehr lebhafte, spannende Dinge machen. Von daher, denke ich, in Großbritannien ist es halt sehr im Fluss sozusagen, es kommt wirklich individuell darauf an, wo bist du lokalisiert, hast du einen Taproom oder mehrere, die gut funktioniere und wie kannst du deine Produkte platzieren. Ja, aber man weiß es nicht, also es ist wirklich, ich sage mal, es kann fast alles passieren. Und da muss man immer hoffen, wenn eine Brauerei verkauft wird, dass jemand der Käufer ist, der quasi die Bierproduktion so belässt, wie sie ist und einfach nur ein neuer Besitzer ist. Das ist ja zum Beispiel bei Fuller´s so, die sind ja auch verkauft worden, aber das hat jetzt eigentlich nichts an den Bieren und an der Art und Weise, wie sie produzieren, geändert, aber das ist dann immer individuell.

Markus: Also Fuller´s finde ich ein gutes Beispiel, weil die sind ja über diesen ganzen Deal mit AB InBev und dem Mercher mit Millers und sowas zu Asahi gekommen, also praktisch jetzt mehr oder weniger eine japanische Brauerei, könnte man sagen. Und die haben in diesem Deal nicht nur Fuller´s übernommen, sondern eben einige andere in England auch, unter anderem auch Meantime und ein paar andere eben. Und es scheint sich jetzt so herauszukristallisieren, dass Fuller´s so ein Produktionsstandort wird, wo dann eben viele andere Biere und die Fuller´s-Biere weiterproduziert werden, also zum Beispiel auch die Meantime-Geschichten und so, und dadurch die natürlich auch eine Möglichkeit haben, zu überleben, das ist natürlich schon schön. Lass uns vielleicht noch mal kurz über die Biere an sich sprechen und, ich meine insgesamt, wir wollen ja auch positiv da in die Zukunft schauen, ich finde auch, also jedes Mal, selbst in den letzten Jahren, wenn ich drüben war, geht mein Herz immer wieder auf, ich bin da total gerne. Und was mir eben auch auffällt, für mich ist die Drinkability, sage ich mal, dieser Biere sogar noch höher als manchmal hier so. Und das liegt vielleicht auch ein bisschen daran, dass wir eben viele Biere haben, die vom Alkoholgehalt irgendwo zwischen 3 und 4 liegen und damit noch mal ein bisschen einfacher sind, wenn man einfach nicht nur eins trinken will, sondern ein bisschen länger so einen Abend verbringen will, weil da kann man einfach dann auch mehr nacheinander davon trinken. Und die meisten Pubs haben auch noch schöne Sachen zu essen, die man sich dazu bestellen kann oder auch kuriose Sachen zu essen, ich denke da nur an die Scottish Eggs oder sonstige irgendwie eingemachte oder sonst zusammengebaute Speisen, die man da so haben kann. Wie erlebst du das, kommst du mit den Bieren auch gut zurecht?

Achim: Also das ist halt ein sehr entspanntes Trinken, also weil, wie du ja schon gesagt hast, die allermeisten, ich sage mal, irgendwas um die 4 % liegen und dementsprechend man da auch, ja, einige probieren kann. Und, ja, das ist halt das Gesamtpaket, es ist die Atmosphäre, es sind die Biere, es ist die Tatsache, dass es komplett normal ist, dass immer wieder neue Sachen am Hahn sind, dass neue Casks eingekauft werden, Biere, die selbst wir beide noch nie getrunken haben und das ist halt etwas, was der britische Biertrinker an sich anscheinend mag und wertschätzt. Und das ist natürlich ein riesen Unterschied zur deutschen Biertrinkkultur, die sich ja bei den allermeisten Leuten darauf kapriziert, dass sie ihr Leben lang das gleiche Bier trinken und fertig aus. Und das ist da übrigens überhaupt nicht der Fall, das heißt, ja, du hast immer eine Auswahl. Nicht so krass wie in Belgien, aber es gibt immer spannende Sachen, immer neue Sachen, immer Sachen, die man nicht kennt, auch Brauereien, von denen ich noch nie gehört habe, und das macht es natürlich spannend und ist sicherlich ein Punkt, weswegen ich da sehr gerne hingehe.

Markus: Ja und man hat noch den Vorteil, dass selbst, wenn man dieselbe Marke und dasselbe Produkt praktisch immer wieder bestellt, durch Cask ist es dann trotzdem immer anders, also wirklich dasselbe kriegt man tatsächlich nie. Und das ist auch ganz gut, weil dadurch haben die auch diesen Anspruch nicht. Hast du irgendwelche Favoriten, also sowohl jetzt, sagen wir mal, in London zum Beispiel Pubs, wo du besonders gerne bist oder auch Biere, Bierstiele, die du besonders gerne trinkst oder vielleicht auch Sachen, die man in den Kneipen zu essen bekommt, die du besonders gerne hast?

Achim: Ja, gute Frage. Also es gibt nicht wirklich Bierstiele, die ich gar nicht trinke. Aber wenn ich jetzt so, wo liegt mein Augenmerk drauf, also ich mag IPAs schon sehr gerne, aber sie dürfen auch gerne nicht komplett übertrieben sein, also Drinkability finde ich schon wichtig. Ich bin aber auch ein großer Fan von Porter und Stouts und wenn ich da was finde, zum Beispiel in London, gibt es jetzt das London Porter seit einiger Zeit. Das ist so eine kleine Brauerei, wie heißen sie, Hobday & Anspach oder so.

Markus: Andersrum, Anspach & Hobday, aber, genau, ja.

Achim: Genau, und das findet man mittlerweile sehr weit verbreitet in London und ist eins, was ich immer gerne trinke. Ja und ansonsten bin ich halt sehr gern bei bestimmten Brauereien. Also ich arbeite mit Pretty Decent zusammen, die in Walhampton sind, auf der Blackhorse-Beer-Mile, und das ist halt immer spannend, weil da, ja, wenn du einen Monat später noch mal da hinkommst, sind halt 90 % der Biere andere als im Monat davor. Und, ja, was Essen angeht, bin ich da auch ganz aufgeschlossen, also ich esse auch gerne mal ein Pie oder sowas, aber wenn es was Thailändisches gibt oder eine gute Pizza, dann kann ich da auch super mit leben. Was ich immer mache, wenn ich in London bin, ist mindestens ein-, zweimal zum Inder zu gehen, weil indisches Essen in Deutschland, allein auch der Tatsache, dass es hier schlicht und ergreifend nicht viele Inder gibt, eher so ein bisschen schwierig ist, gute Sachen zu finden und das ist in Großbritannien und London ist sicherlich ein Hotspot, was komplett anderes. Da ist es eher die Qual der Wahl, wenn du über die Brick Lane läufst, hast du irgendwie, weiß ich nicht, 80 indische Restaurants, aber das mag ich wirklich sehr gerne.

Markus: Ja, also da, muss ich sagen, für mich ist es beides, also sowohl, dass es dort einfach viele Inder gibt und da einfach vielleicht ein bisschen durch die Konkurrenzsituation, aber auch dadurch, dass sie einfach da sind, dass das noch mal besser ist. Und andersrum, muss ich auch sagen, es gibt auch wenig qualitative Konkurrenz, wenn man so die klassische britische Küche anschaut, das ist schön zum Sunday Roast, aber das ist es dann irgendwie auch. Also mindestens ein-, zweimal zum Inder muss ich jedes Mal, allein, um wirklich geschmacklich intensive, aromatische, gut gewürzte Speisen zu haben, die man tatsächlich sonst nicht so oft bekommt, ohne jetzt der englischen Küche irgendwie Unrecht tun zu wollen, bei keinster Weise, aber auf jeden Fall, da bin ich absolut bei dir. Wenn man so an die Pubs denkt, ich habe so einen, wo ich wirklich gerne bin oder zwei vielleicht in London. Kennst du die Olde Mitre, also der  so ganz versteckt ist im Bankenviertel? Den findet man erst, wenn man so einen Schleichweg praktisch geht und dann ist in diesen ganzen Hochhäusern plötzlich, steht wie so eine Insel ,so ein kleiner Pub mit Fuller´s Beer und das finde ich schon immer faszinierend. Auch, wie die Leute da rumstehen und so, das ist ja wirklich wie eine Bierinsel, oder?

Achim: Ja, es gibt viele so, also auch The Harp im Zentrum von London ist so ein Laden, der immer eine tolle Auswahl hat und es ist einfach klein und comfy. Und es gibt aber auch am Fluss tolle Pubs, also Prospect of Whitby zum Beispiel in Wapping oder wenn man in Hammersmith runter zum Fluss geht, kommen da auch etliche Pubs, die direkt am Fluss liegen. Und wenn man da ein bisschen Glück mit dem Wetter hat, ich war jetzt letzte Woche erst da und, ja, es waren 15, 16 Grad, die Sonne hat geschienen, konntest du draußen sitzen, guckst auf den Fluss, das ist einfach, ja, ist einfach toll und, ja, das kann ich einfach nur jedem empfehlen.

Markus: Ja und wie ich gerade schon gesagt habe, ich finde auch, also gerade, wenn man mal am Sonntag da ist, sich dann eben auch einen Platz zu reservieren für Sunday Roast, finde ich auch ganz toll, also wenn man dann die schönen Yorkshire Pies hat, also Yorkies. Das ist praktisch das Pendant zu unserem Klos, sage ich mal, aber halt ganz anders und ich mag das total gerne, geschmacklich. Das ist im Grunde, ja, so ein Teig, der dann im Ofen, wenn man es richtig macht, quasi explodiert und ein riesengroßes luftiges Teilchen dabei rauskommt, mit dem man toll Soße aufdippen kann, ja, also das finde ich total toll. Oder auch, wenn man mal so ganz klassisch Afternoon Tea machen will, ist auch schön, kann man in London auch schön zum Beispiel an der Themse in vielen Pubs machen, wenn man dann so auf den Fluss guckt und dann kriegt man lauter Häppchen serviert. Da kann man auch so viele essen, wie man will, das finde ich auch schön und dazu auch so viel Tee, wie man will, das wiederum ist dann schon irgendwann ganz schön anstrengend, aber auch schön. Also ich finde, da gibt es so viele lustige kleine Restkulturstückchen, die man da noch erleben kann, die bei uns wahrscheinlich alle völlig vergessen sind, die da auch mit Hingabe gelebt werden. Und das finde ich auch schön, also da erlebt man halt noch mal so einen anderen Zugang zur kulinarischen Kultur als vielleicht bei uns.

Achim: Das stimmt und natürlich Fish & Chips darf man nicht vergessen, da gibt es auch gute Läden und ein paar von den alten Pie-Shops gibt es ja auch noch, also das sind dann schon Sachen, die kann man immer machen. Und da gibt es auch moderne Varianten von, also Leute, die das so ein bisschen ins nächste Jahrtausend gebracht haben. Also wer da sich vorbereiten will, mal nach London fährt oder Glasgow oder was auch immer, Manchester, mittlerweile ist es ja einfach, sich zu informieren, wenn man auf YouTube dann entsprechend ein Stichwort eingibt, dann wird man viele, viele kurze Videos finden über die besten Inder, über die besten Pies, Fish& Chips, Pubs, was auch immer, gibt es 100e von Videos und dann hat man schon mal einen Ansatzpunkt und würde auf keinen Fall enttäuscht werden.

Markus: Und was ich auch toll finde, in London findet man manchmal auch noch Pubs, die mit Holzfässern arbeiten, also allen voran die Sam Smith Pubs zum Beispiel, also ich denke da an den Cheshire Cheese oder sowas, wo sie dann eben noch Mild, zum Beispiel so ein Dark Mild aus dem Holzfass servieren, das, finde ich, ist auch noch mal ein toller Teil der Kultur. Und gerade diese Pubs sind ja auch uralt, also das merkt man auch, wenn man da rumläuft, alles verwinkelt, alles ganz, ganz schwierig auch zugänglich und sehr, sehr duster alles und so, also, ja, so wirklich, wie man sich das so ein bisschen vorstellt. Auch auf dem Land, wenn man so in England ist, findet man ja viele so ganz verwinkelte, verwunschene Häuschen und so, also tolles Erlebnis.

Achim: Ja, ja, kann nicht ich nur empfehlen. Und auch tolle Landschaft, man ist nie weit von der Küste weg wirklich. Ja, sich einfach drauf einlassen. Also das ist für mich sowieso ein Hauptgrund zu reisen, ich möchte die Sachen essen, die Dinge trinken, die vor Ort halt, ja, konsumiert werden von den Locals, wenn man sich da ein bisschen darauf einlässt, dann gibt es da in Großbritannien ganz viele tolle Möglichkeiten und super, ja. Erlebnisse.

Markus: Du fährst ja meistens mit dem Auto rüber, denke ich mal. Wie ist das denn, kommt man mit dem Linksverkehr gut zurecht?

Achim: Also ich bin da sehr oft mit dem Wagen gewesen, vor allen Dingen, als ich noch Events gemacht habe, mittlerweile fliege ich meistens. Ich habe da nie Probleme mit gehabt, aber, ja, man muss sich so ein bisschen konzentrieren. Also vor allen Dingen, das kann ich nur allen raten, wenn man morgens nach dem Frühstück wieder ins Auto steigt, das ist der Gefahrenmoment, weil dann viele Leute automatisch nicht an den Linksverkehr denken, vor allen Dingen, wenn sie irgendwo im Nirgendwo sind und keine anderen Verkehrsteilnehmer haben, das ist eigentlich so die größte Gefahr, dass dann die Routine einsetzt. Und ansonsten gibt es so ein paar lustige Kreisverkehre, ich habe jetzt vergessen, wie der heißt, es gibt einen, wo verschiedene Kreisverkehre einen zentralen Kreisverkehr füttern und da muss man schon ein bisschen sich konzentrieren. Und, ja, London an sich, ist halt London, ist halt komplettes Chaos und ich habe das schon oft erlebt, dass ich irgendwelche Leute mit im Sprinter hatte, die irgendwann, ja, die Augen zugemacht haben, weil sie es nicht ertragen konnten. Aber da muss man halt cool bleiben und dann funktioniert das.

Markus: Ja, interessanterweise, man braucht einfach ein bisschen Rücksichtnahme, ein bisschen wach sein und dann kommt man da schon irgendwie zurecht. Wobei ich den Kreisverkehr an sich ja total toll finde als Verkehrsleitinstrument sozusagen. Als ich so, also bis, ich sage mal, meinen Führerschein gemacht habe, habe ich hier in Deutschland keinen einzigen Kreisverkehr gesehen, mittlerweile gibt es die ja ein bisschen häufiger. Aber dann waren wir auch mal in England eben oder auch in Frankreich und das finde ich eine wahnsinnig gute Alternative zu Ampel, weil der Verkehr einfach weiter fließt, und, wie gesagt, wenn jeder guckt, passiert in der Regel auch nichts. Spannend fand ich dann allerdings, wir sind einmal mit dem Auto auch runtergefahren nach Cornwall und wenn man da dann so, das sind sehr, sehr kleine, enge Sträßchen und gerade nachts, rechts und links sind oft meterhohe Hecken, also so, dass man auch nicht wirklich ausweichen kann und die Leute fahren trotzdem so die Maximalgeschwindigkeit, auch wenn klar ist, dass keine zwei Autos aneinander vorbeikommen und witzigerweise funktioniert es. Also auch da hatte ich eine Beifahrerin, die dann die Augen zugemacht hat, aber ich habe ihr dann gesagt, wir können entweder nur mitmachen oder wir müssen stehen bleiben, irgendwas dazwischen kriegen wir nicht hin und so haben wir das dann gemacht und auch überlebt, also war alles gut. Und wir sind bis auf die Scillys Islands gekommen, was ich ein total faszinierendes Eckchen England finde. Ich weiß nicht, warst du da schon mal?

Achim: Ja, ja, ich war in Cornwall auch schon zweimal und das ist wirklich eine sehr pittoreske Gegend. Und da Autofahren macht besonders Spaß, also einigen Leuten, andere finden es, ja, grenzwertig, aber die Landschaft ist super. Und das gilt aber für die gesamte Südküste, also du musst gar nicht weit aus London rausfahren, um diese kleinen Straßen zu haben. Und ich war jahrelang auf dem Mittelaltermarkt mit dem Stand, Herstmonceux, das ist in der Nähe von Hastings. Und wenn du da von London aus hinfährst, dann hast du nach wenigen Kilometern, sobald du einmal von der Hauptstraße weg bist, ist halt wirklich hübsch und klein, aber auch eng und, wie du gesagt hast, Hecken links und rechts oder Mauern und dann, ja, musst du halt gucken, dass du da mitmachst.

Markus: Aber irgendwie geht das. Ja, also auf jeden Fall, glaube ich, haben jetzt den Leuten auch Lust gemacht, ein bisschen nach England mal zu schauen, sich mal selber zu orientieren. Aber vielleicht noch allgemein, du hast ja auch viele alkoholfreie Biere bei dir im Paket oder in deinem Laden, merkst du da auch einen Trend, also kommt das bei dir auch an?

Achim: Also alkoholfrei ist klar ein Trend, glutenfrei ist klar ein Trend und, ich denke, es wird auch wenige Brauereien geben, die ohne diese Produktlinie auskommen. Also wenn ich mir jetzt hier unsere Lokalen angucke, also Uerige und Füchschen haben schon seit längerer Zeit ein alkoholfreies Bier, jetzt sind sie beide noch mit einem Radler um die Ecke gekommen. Ja, also das ist auf jeden Fall etwas, was zunimmt und es ist auch der einzige Wachstumsbereich, also der Bierkonsum an sich geht ja stetig zurück bei uns, das Einzige, wo wirklich Wachstum entsteht, ist in diesen Bereichen.

Markus: Jetzt hast du gerade glutenfrei erwähnt, das habe ich auch gerade auf den britischen Inseln erlebt, dort ist es relativ wichtig den Leuten, ne?

Achim: Ja, genau, also das ist etwas, was, ja, von vielen, vielen Brauereien angeboten wird und anscheinend legen die da noch mehr einen Fokus drauf, als das bei uns der Fall ist. Ich habe auch etliche Kunden, die halt einfach kein Gluten vertragen und die sind dann natürlich happy, das hängt immer ein bisschen davon ab, was wir jetzt gerade da haben, aber wenn sie Glück haben, dann haben wir teilweise 16, 17 glutenfreie Biere. Und das ist natürlich eine Auswahl, die es sonst eigentlich nirgendwo gibt.

Markus: Ja und das, finde ich auch, ist gerade für Kunden, die daran Interesse haben oder die gesundheitlich einfach darauf angewiesen sind, ist das natürlich auch wichtig. Im Hintergrund ist ein bisschen, dass wir das bei uns in Deutschland so einfach gar nicht herstellen können, weil man in der Regel glutenfreies Bier so macht, dass man Enzyme zugibt, die dann eben das Gluten abbauen und das widerspricht dem Reinheitsgebot, weswegen das eben nicht so einfach ist. Es gibt auch ein paar andere Methoden, deswegen gibt es ein paar wenige Anbieter, die das auch in Deutschland machen, mal schauen, wie sich das so in Zukunft entwickelt. Ich würde gern zum Abschluss mit dir noch mal in andere Bierländer so kurz gucken, also zumindest in eines, dass du auch schon erwähnt hast, wo du ja auch viele Biere hast, nämlich Belgien. Hat sich das so mittlerweile zu einer zweiten Liebe entwickelt für dich?

Achim: Ja, auf jeden Fall. Also Belgien, wenn du da in ein schönes Café gehst, hast du, weiß ich nicht, 5 bis 10 Hähne und dann 500 Flaschenbiere im Keller und dann gibt es halt, ja, wenn du einfache Sachen willst, gibt es halt die Käsewürfel und den Senf dazu und das Selleriesalz, auch vom Essen her, also ob es nun Muscheln mit Pommes sind oder Carbonade Flamande oder sonst was. Also das ist schon, es ist ähnlich wie in Frankreich, die trinken und essen sehr gerne und legen da großen Wert drauf. Und die Bandbreite, die von den Brauereien hergestellt wird, ist halt auch gewaltig, also die Bierstile, die wirklich grundlegend unterschiedlich voneinander sind. Und, ja, da bin ich sehr gerne, also sowohl in Brüssel, aber auch in Gent, aber auch in kleineren Orten wie zum Beispiel Halle und da arbeite ich mit einer ganzen Reihe von Brauereien zusammen, ob das nun St. Benardus ist oder Vanhonsebrouck, die halt die Kasteelsachen machen, aber auch Kleinbrauereien, wie Brasserie de Silly und dergleichen. Das ist großartig, du kannst in jeden Supermarkt laufen und hast also auch Aldi und Lidl und hast eine vernünftige Bierauswahl. Du kannst in jeden, die Anekdote können meine Mitarbeiter schon nicht mehr hören, aber mich hat das damals echt überrascht, als ich das erste Mal mit einem Geschäftspartner in einer Frituur bin, also in eine Pommesbude und dann haben die da 3 Hähne und 30, 40 Biere in der Flasche und dann siehst du, ja, da Bauarbeiter oder Müllwerker, die dann halt ein Glas Orval oder Ähnliches trinken aus dem Pokal, während sie ihre Pommes essen. Und da wird dir dann klar, spätestens in dem Moment, dass das Biertrinken in diesem Land einen komplett anderen Stellenwert hat bei vielen Leuten, als es halt bei uns der Fall ist.

Markus: Ja und es ist wunderbar, das erleben zu können und zu dürfen und dabei zu sein. Und das finde ich auch, also die Bierkultur ist dort viel gegenwärtiger und wird ganz anders zelebriert und viel selbstverständlicher auch zelebriert, das finde ich wirklich richtig schön. Wenn man so eine gewisse Parallele ziehen will, also ich versuche es jetzt mal, ich weiß gar nicht, ob das geht, aber man könnte ja sagen, dass, was in England so das Cask Ale ist, das ist vielleicht in der Brüsseler Gegend das Lambic. Also auch so ein historisches Bier, was sehr eigen ist und was von den Leuten vor Ort aber auch eben einfach easy drinking mäßig konsumiert wird. Wie geht es dir so damit, wie kommst du mit diesen ganzen Lambics zurecht?

Achim: Ja, sehr gut, also ich trinke die sehr gerne. Ich war jetzt schon häufiger, habe ich einige besucht, ich war jetzt zweimal bei der Tour de Geuze und war halt häufiger in Halle und da ist halt Boon direkt um die Ecke und in Lembeck halt und finde ich großartig. Also was ich schön finde und das macht Boon ganz clever, die haben halt ein Brune, ich glaube, es heißt irgendwie Duvel, irgendwas mit dem Teufel, Duvel-Bier heißt es, glaube ich, oder so, und das ist halt ein malziges Bier, und wenn ich da bin, länger oder da einen Tag verbringe, dann trinke ich immer gerne zwischendurch mal eins davon und dann kannst du so ein bisschen die anderen neutralisieren und dann weitermachen. Aber ich finde das großartig, vor allem, wenn man einmal durch so eine Brauerei wie Boon gelaufen ist, sich da die ganzen riesigen Holzfässer anguckt und versteht, wie viele Jahre das braucht, bis so ein Bier fertig ist. Und da finde ich auch bei Boon das Preis-Leistungs-Verhältnis ist einfach super. Also, klar, die Flaschen kosten ein paar Euro, aber dann kriegst du eine 0,375er-Flasche, sage ich mal, die kostet dann 5, 6 Euro, das hat dann aber 4 Jahre gedauert, bis das Bier wirklich in der Flasche verkaufsfähig gelandet ist und ich finde, das ist, ja, kann man auf jeden Fall machen, sollte man auf jeden Fall ausprobieren. Und wer da Interesse hat, auf jeden Fall mal dahinfahren und so eine Brauerei besuchen, das ist sehr spannend und macht einfach furchtbar viel Spaß.

Markus: Ja, also gerade Frank und seine beiden Söhne, das ist immer ein Erlebnis und die sind eben auch mit Herz und Seele dabei und Frank kann ja zu jedem Fass die Geschichte erzählen, weil er auch jedes Fass, was da steht, schon mal irgendwann in seinem Leben repariert hat, also das ist schon Wahnsinn. Und was ich auch klasse finde, ist allein, es gibt dort für mich das Biercafé mit dem schönsten Namen, Die Versicherung gegen den großen Durst, also das finde ich schon großartig und dann auch noch die Öffnungszeiten, dass man nur am Sonntagmorgen dahin gehen kann, das ist in der Kombination einfach hammermäßig. Also, ja, Belgien gehört natürlich auch auf die Liste. Man kann bei dir das auch ein bisschen erleben, du machst auch Veranstaltungen, wo du da ein bisschen zu erzählst oder, zu England und Belgien und sonst wie?

Achim: Genau, also wir machen Tap Takeovers und Tastings, wo es dann um die Länder geht oder um Brauereien aus den verschiedenen Ländern. Das Nächste, was wir jetzt machen werden, ist am 18.01. ist der James von Pretty Decent da und da machen wir dann ein Tasting, und so Veranstaltungen haben wir halt immer wieder. Oder wir haben eine Woche später, ich glaube, am 24. ist Burns Night und das heißt, da haben wir Haggis bestellt aus Schottland und dann gibt es Haggis mit Neeps und Tatties, Whiskysoße, ein Bier-Tasting, noch einen Whisky dazu und dann erzähle ich ein bisschen einfach über alles, über Schottland, über Burns, über die Geschichte des schottischen Biers, ein bisschen über den Whisky, also einfach so ein, ja, kulinarischer und alkoholischer kultureller Rundumschlag, das dann über mehrere Stunden geht. Und, ja, so Veranstaltungen mag ich sehr gerne.

Markus: Ja und jetzt hast du mir total Lust gemacht, also mal schauen, ob ich es schaffe, zu dieser Haggis-Veranstaltung zu kommen, das ist schon, vor allem, wenn man es dann mal original hat, das ist natürlich großartig. Also insofern kann ich mich nur noch mal bei dir bedanken, dass du das alles auf dich nimmst, um den Leuten die Bierkultur, die Biere näher bringen zu können, dass man das eben so erleben kann und nicht zuletzt auch, dass du bei uns in der BierAkademie uns immer versorgst mit den Bieren, das ist natürlich auch wichtig, weil mittlerweile bekommt man britische Biere gar nicht mehr so leicht, also insofern toll, dass du das machst und, ja, wie gesagt, vielen Dank und dir heute auf jeden Fall noch eine schöne Zeit. Und wann bist du das nächste Mal auf der Insel?

Achim: Spätestens im April, genau, ich war letzte Woche erst da. Und im April machen wir dann wieder ein Collab, da nehme ich hier zwei Hobbybrauer mit und dann machen wir bei Pretty Decent zum dritten Mal, brauen wir bei denen Altbier. Und das ist auch immer eine super Veranstaltung und bisher die beiden Biere, die wir hatten, sind auch super angekommen und, ja, das ist halt eine spannende Sache.

Markus: Toll, also da bist du sogar noch Missionar für das Düsseldorfer/deutsche Bier, wunderbar, also vielen Dank und, ja, dir dann heute noch eine schöne Zeit und bis bald mal wieder.

Achim: Ja, wünsche ich dir auch.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

Alle Folgen unter www.BierTalk.de

BierTalk English 42 – Deutsche Version (Vinnie Cilurzo, Russian River, USA)

Mit KI-Unterstützung erstellte deutsche Version des englischsprachigen BierTalks

Stell dir vor, du könntest in die Denkweise eines der legendärsten Braumeister der Welt blicken. In dieser Folge nehmen wir dich mit auf eine Reise in die Philosophie von Vinnie Cilurzo, dem Gründer der Russian River Brewing Company, und entschlüsseln, was seine West Coast IPAs so einzigartig macht. Wir sprechen über fanatische Frische, geheime Hopfentricks und warum kompromisslose Qualität manchmal sogar bedeutet, das eigene Bier aus den Regalen zu kaufen und zu vernichten. Außerdem erfährst du, wie Pliny the Elder und Simcoe-Hopfen gemeinsam Geschichte schrieben und welche Innovationskraft hinter scheinbar traditionellen Rezepten steckt. Begleite uns auf eine spannende Entdeckungstour durch Wissenschaft, Handwerk und die ewige Suche nach dem perfekten IPA.

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

BierTalk 157 – Interview mit Matthias Sailer, Erster Braumeister beim Hofbräuhaus Traunstein

In dieser BierTalk-Folge geht’s nach Traunstein – in eine Stadt, in der Bier nicht nur Getränk ist, sondern Geschichte, Stolz und Alltag. Ich bin zu Gast im Hofbräuhaus Traunstein und spreche mit Matthias Sailer, dem ersten Braumeister des Hauses – und einem Mann, der seit über 20 Jahren für genau diese unverwechselbare Traunsteiner Braukunst steht. Wir schauen gemeinsam zurück bis 1612, als hier bereits gebraut wurde, und erzählen, wie sich die Brauerei vom ursprünglichen Weißbier-Betrieb unter Herzog Maximilian bis zum modernen, privat geführten Unternehmen entwickelt hat. Und natürlich geht es um Matthias ganz persönlichen Weg: vom Schulprojekt in der 9. Klasse bis zum Braumeister mit 20 – inklusive seiner Leidenschaft für Weißbier und der Frage, warum die berühmten „Bananennoten“ eben nicht einfach so passieren. Dazu gibt’s eine Verkostung mit fünf Bieren: vom alkoholfreien Zwickl über Helles und Pils bis zu Dunklem Weißbier und Dunklem Doppelbock. Eine Folge über Braukultur, Erfahrung – und darüber, wie Tradition lebendig bleibt, wenn man sie wirklich versteht. Prost!

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute reisen wir nach Süden, also zumindest von Bamberg aus gesehen, in eine meiner absoluten Lieblingsregionen, sowohl was Urlaub und überhaupt Lebensqualität angeht, aber natürlich auch was Bier angeht und da bin ich ganz, ganz froh, mal wieder dort sein zu können, und zwar sind wir heute in Traunstein und dort gibt es ein Hofbräuhaus. Und ein Hofbräuhaus hat natürlich auch einen Hofbräuhaus-Braumeister und den haben wir heute zu Gast, Matthias Seiler. Erst mal schön, Matthias, dass du da bist. Wir haben auch ein paar schöne Biere, freue ich mich drauf. Vielleicht stellst du dich einfach mal unseren HörerInnen kurz selber vor.

Matthias: Ja, servus, Markus, freut mich natürlich, heute dabei sein zu dürfen, spannende Angelegenheit. Ja, ich bin der Matthias Sailer, bin 39 Jahre alt und, ja, bin mittlerweile auch schon wieder seit knapp 2 Jahren erster Braumeister im Hofbräuhaus Traunstein, bin aber, sage ich jetzt mal,  mit dem Unternehmen schon länger verbunden, ich habe da, sage ich mal, eine sehr rasche Karriere hingelegt, war mit 20 schon Braumeister und bin bis 2024 zweiter Braumeister gewesen im Hofbräuhaus und, ja, habe jetzt letztes Jahr die Position gewechselt.

Markus: Das ist ja eine Turbo-Karriere, könnte man sagen, da werden wir gleich noch ein bisschen drüber sprechen. Vielleicht erst mal so ganz grundsätzlich, ich glaube, viele Leute wissen gar nicht, dass Traunstein ja wirklich eine richtige Bierstadt ist, also einerseits mit ganz viel Geschichte, aber auch mit vielen aktiven Brauereien in der Stadt und drumherum. Vielleicht kannst du das den Leuten vielleicht mal ein bisschen näherbringen, also wie schaut es denn da so in Traunstein aus und warum steht da ein Hofbräuhaus?

Matthias: Ja, das ist tatsächlich eine spannende Geschichte, weil Traunstein, wie du ja erwähnt hast, ist tatsächlich eben sehr geschichtsträchtig und war immer schon eine Beamten- und Bierstadt und immer noch haben wir drei Brauereien bei uns in der Stadt, worauf die Stadt Traunstein auch sehr stolz ist, das ist die Brauerei Wochinger, die Brauerei Schnitzelbaumer und das Hofbräuhaus in Traunstein. Hofbräuhaus deswegen, liegt daran, dass wir 1612 gegründet wurden vom damaligen Herzog Maximilian in Bayern, der ist dann später zum Kurfürsten geworden. Also das war sehr lange eine staatliche Brauerei, ich glaube, bis 1821 war das der Fall, bis das dann privatisiert wurde und, ja, war damals als Weißbierbrauerei gegründet, 1612 und, ja, mittlerweile haben wir natürlich nicht nur Weißbier, sondern das komplette bayerische Sortiment auch zu bieten.

Markus: Das war ja in Kelheim zum Beispiel so, dass die bayerischen Herzöge oder Könige dann damals gesagt haben, wir wollen uns aus dieser Sache zurückziehen, weil es für uns nicht mehr wirtschaftlich erfolgreich ist und wollten diese Brauhäuser abstoßen und haben das dann an Privatleute verkauft. War das in Traunstein dann genauso?

Matthias: Ja, das war sehr ähnlich. Also das war um diese Säkularisationszeit herum eben und da wollte der bayerische Staat tatsächlich diese Hofbräuhauser gewissermaßen abstoßen. Und bei uns war es auch so, also der bayerische König hat von 1806 bis eben 1821 das Hofbräuhaus noch verpachtet gehabt und 1821 müsste das dann gewesen sein, wo sie es dann tatsächlich verkauft haben.

Markus: Und die Räumlichkeiten und so, was ihr heute habt, das datiert alles in diese Zeit zurück oder gab es da zwischendurch mal Neubau oder so?

Matthias: Ja, es war ja so, dass wir in Traunstein 2 große Stadtbrände hatten, das war 1704 und 1851 und bei beiden Stadtbränden ist das Hofbräuhaus schon auch stark in Mitleidenschaft gezogen worden, beim ersten, meine ich, ist es sogar komplett abgebrannt und beim zweiten schon auch zu großen Teilen. Ja, aber es ist trotzdem natürlich eine tolle Sache, weil wir seit über 400 Jahren eben genau auf diesem Fleck Bier brauen, also der Ort ist derselbe. Und das ist ja das, was mich immer sehr stolz macht oder wo ich eine große Freude habe, weil ich weiß, über 400 Jahre vorher am selben Ort sind auch Leute rumgelaufen, die genau dasselbe gemacht haben, wie wir jetzt, nämlich Bier brauen.

Markus: Ja und wenn man die Fenster aufmacht, dann sieht man die Alpen, man hat die wunderschöne Voralpenlandschaft, man kann in kürzester Zeit zum Chiemsee zum Beispiel, das Bayerische Meer, also auch eine wunderbare Region, um einfach mal da zu sein, mal ein bisschen die Seele baumeln zu lassen und, wie gesagt, es gibt auch eine Menge Brauereien da. Bist du selber aus der Region?

Matthias: Also ich selber bin tatsächlich nicht aus der Region, aber nicht weit entfernt, also ich komme ursprünglich aus dem Rottal, Bayerbach nennt sich das kleine Örtchen und, ja, bin dann quasi mit 20 eben dann 95 Kilometer Richtung Süden gewandert.

Markus: Und Bier brauen war schon immer für dich ein Traumberuf oder hast du da ein bisschen über Ecken hingefunden?

Matthias: Absolut, also ich würde mich da schon als 100-prozentigen Bierbrauer, eher 1000-prozentigen Bierbrauer bezeichnen. Ich habe, ja, das war eigentlich in der Realschule, in der 9. Klasse, da hat es mal geheißen, jetzt müsst ihr ein Referat halten und ich habe einfach keine Idee gehabt, über was, weil freie Themenwahl war, aber letztendlich war es dann so, das war irgendwann das Alter, wo man sich langsam fürs Bier interessiert hat und dann habe ich da ein Referat über Bier gehalten. Und das hat mich tatsächlich richtiggehend gefesselt, das hat mich wahnsinnig interessiert und, ja, dann habe ich mich auch sehr schnell dazu entschieden, eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer zu machen.

Markus: Wahnsinn, also sehr, sehr spannend. In der 9. Klasse hatte ich die Idee, glaube ich, noch nicht, obwohl, wer weiß, so genau kann man sich ja da nicht dran zurückerinnern. Aber auf jeden Fall natürlich eine schöne Geschichte und du bist dann ja auch beim Weißbräu in Kößlarn gelandet, warst also auch mit diesem ganzen Weißbier-Thema durchaus vertraut. Ist heute auch noch ein großes Thema bei euch in Traunstein, oder?

Matthias: Ja, so ist es. Also ich habe eben, wie du erwähnt hast, in einer Weißbierbrauerei gelernt, wobei wir damals auch schon untergäriges Bier gemacht haben, aber größtenteils Weißbier. Und das ist natürlich jetzt noch ein Thema, also das ist eine Sorte, die mich absolut interessiert. Die leider ein bisschen unter Druck ist momentan, wie wir alle wissen, vor allem seit der Corona-Zeit. Aber es ist halt eine unglaublich schöne Biersorte, eine klassisch bayerische Biersorte und zwar auch immer schon im Hofbräuhaus mein Favorit, muss ich sagen.

Markus: Ja und was ich auch sagen muss, Weißbier ist eine der wenigen Biersorten oder Bierstile, wenn ich international unterwegs bin, bei irgendwelchen Wettbewerben oder so, man merkt, die tun sich alle unglaublich schwer, also ein richtig gutes Weißbier zu machen, was das Profil auch trifft, was vom Mundgefühl, von der Karbonisierung, aber eben auch von der Aromatik so ist, wie das, was man aus diesen ganz klassischen oberbayerischen Weißbierbrauereien kennt, das scheint richtig schwer zu sein. Hast du da eine Idee, warum das so ist? Weil, ich meine, viele haben ja auch Technologie und Anlagen und so weiter, geht ja alles, aber irgendwie ist das Endergebnis nie so, wie wenn man zu einer Brauerei wie zu euch kommt.

Matthias: Ja, das mag vielleicht auch an der sehr langen Erfahrung liegen, die wir damit haben, ich glaube, dass das einfach so stark in unserer Erfahrung, in unserer Geschichte verwurzelt ist, das Weißbier, dass da einfach sehr, sehr viel Kompetenz da ist. Und gerade bei uns, Weißbier ist für mich eine ganz wichtige Geschichte, und da habe ich noch eine Anekdote dazu. Ich war immer ein sehr großer Freund eines relativ bananigen Weißbieres, also diese bananige Note, die Fruchtnote, die hat es mir sehr, sehr angetan, das war immer mein Ziel, auch im Hofbräuhaus, als ich da als zweiter Braumeister begonnen habe und habe da sehr lange hingefeilt und irgendwie ist es nie ganz so richtig geworden, also nie richtig konstant geworden, die Banane. Und dann bin ich hergegangen, auf der Messe habe ich einen befreundeten Braumeister getroffen, Müller Frank, und der hat mir dann einen Tipp gegeben, ich nenne jetzt keine Namen, kauf dir mal bei der und der Hefebank die 68er aus Weihenstephan, also gleicher Name, aber die wirkt anders und die produziert die Banane dann, ja, sehr, sehr konstant. Das hat dann auch nicht ganz funktioniert, aber irgendwann bin ich dann hergegangen und dann hat es mir gereicht und ich habe diese Hefe dann von der Hefebank, diese Alternativ 68er bezogen und habe die Büchse dann neutralisiert und bin nach Weihenstephan zu unserer Hefebank rauf und habe gesagt, so, jetzt isoliert es mir das Ganze, ich will nur noch diese Hefe haben und von euch topfit gepflegt. Und das ist jetzt mittlerweile schon seit knapp 10 Jahren so und die arbeitet jetzt zuverlässig und die macht mir genau das Geschmacks- und Geruchsprofil so, wie ich mir das vorstelle.

Markus: Also das macht mir jetzt ja richtig schon Vorfreude und Lust auf das Weißbier, das du mir auch geschickt hast, also 5 wunderbare Flaschen habe ich da vor mir stehen. Und man sagt ja immer, man soll nicht so viel über Bier reden, man soll es lieber auch probieren, vielleicht sollten wir damit mal anfangen. Wie möchtest du es, in welcher Reihenfolge möchtest du es denn haben, womit wollen wir anfangen?

Matthias: Also letztendlich haben wir jetzt 5 Biersorten da aus unserem Haus, das ist einerseits das Zwickl Alkoholfrei, ja, alkoholfreies Freestyle-Produkt, sage ich immer, das ganz interessant ist zum Verkosten. Dann habe ich ein Helles von uns da, der Klassiker. Also es sind nahezu 80 Prozent unserer Hektoliter, sind helles Bier. Dann habe ich unser wunderbares Pilz noch da. Und beim Weißbier habe ich an unser dunkles Weißbier gedacht, weil das ja auch irgendwo unsere Ur-Sorte ist im Hofbräuhaus. Also logischerweise, 1612 haben die nur Weißbier gebraut und zwangsläufig war das damals dunkel und dementsprechend wollte ich mit dir dieses dunkle Weißbier verkosten. Und ganz zum Abschluss noch unseren dunklen Doppelbock, der Maximilian, nennt sich der, mit über 19 & Stammwürze. Und, ja, ich würde jetzt, ehrlich gesagt, mal mit einem Alkoholfreien sanft beginnen und dann steigern wir uns, würde ich sagen.

Markus: Wunderbar, also dann machen wir das sehr gerne. Zu Maximilian muss ich noch sagen, der kommt so unschuldig daher in seinem kleinen Fläschchen, aber ich glaube auch, der hat es dann ganz schön in sich, werden wir dann gleich probieren. Aber gut, dann machen wir mal das Zwickl auf.

Matthias: Also beim Zwickl Alkoholfrei muss man dazu sagen, das ist sozusagen mit 2 alternativen Hefen vergoren, das sind Glucosevergärer und die Stammwürze ist eben so, ja, mit knapp 7 % Prozent berechnet, dass wir am Schluss so bei 0,4 % Alkohol rauskommen. Und, ja, ist ein ganz interessantes Produkt, weil es sehr einzigartig ist in seiner Herstellung. Und, ja, lass dich überraschen, wie es wirkt auf dich.

Markus: Das mache ich auf jeden Fall. Also schon mal optisch, auf jeden Fall, ist es wunderschön, also es ist verhältnismäßig hell, hat eine tolle Trübung, so ein bisschen geheimnisvoll schimmert es mich so an. Obendrauf ein sehr schöner weißer Schaum, der da immer noch wie eine Eins steht, ganz viele kleine Poren, ganz dicht und man merkt auch schon am Glas, wie der richtig schön da auch so stehen bleibt und kleben bleibt und so die klassischen Ringe sozusagen bildet, also das ist schon optisch auf jeden Fall eine Augenweide. In der Nase hat man auf jeden Fall die klassischen Bieraromen, also malzig, ein bisschen Honig, ein bisschen Brot, ein bisschen so Weißbrot, in so eine Richtung. Und auf der anderen Seite aber auch Hopfen, also bisschen kräuterige Noten, diese berühmte Blumenwiese so ein bisschen, ein bisschen heuig.

Matthias: Genau.

Markus: Aber auch ein bisschen was Fruchtiges, also ein bisschen so leichte Citrusnoten, die ja auch gerne mal vom Hopfen kommen. Also in der Nase auf jeden Fall wunderbar bierig, trifft auf jeden Fall den Kern. Und, ja, weiß ich nicht, gibt es was zu ergänzen in der Nase, wo du sagst, das wäre dir noch wichtig zu sagen?

Matthias: Nee, ich glaube, du hast das ziemlich gut umrissen. Also es ist tatsächlich, wir haben da mit Hopfen auch ziemlich gespielt, da kommen wir vielleicht später noch drauf. Also bei uns haben wir die Möglichkeit, die Kaltwürzegärung, die Kaltsedimentation anzuwenden und das eignet sich auch ganz gut, dass man dann mit dem Hopfen immer wieder ein bisschen spielt, mit der Kalthopfung. Und, ja, die Hopfenaromen hast du sehr gut beschrieben, also Blumenwiese, heuig und diese leichte Citrusrichtung, das ist die Mischung zweier Hallertauer-Hopfen, die das ergibt. Und, ja, die überdecken natürlich auch leicht dieses Würzeartige, das hast du ja zwangsläufig in solchen Produkten, das wird da sehr gut zugedeckt damit. Und, ja, absolutes, muss ich auch dazu sagen, absolutes Trendprodukt, also momentan 52 % plus in diesem Jahr, wird vom Endverbraucher sehr gut angenommen.

Markus: Ja, na dann, probieren wir mal. Prost, einen schönen Morgen noch mal.

Matthias: Prost!

Markus: Also schönes weiches Mundgefühl, angenehm auf der Zunge. Es hat ein schönes Spiel zwischen Süße, die am Anfang kommt und einer leichten Säure, die sich dann so nach und nach entwickelt und ganz hinten raus legt sich dann die Hopfenbittere drüber. Ist so leicht stringierend, also klärt so ein bisschen den Mund wieder. Ich finde, die Süße bleibt aber auch relativ lang, also so ein bisschen diese Honig- malzigen Aromen, angenehm, sind lange da und auf jeden Fall auch schön erfrischend und sehr konsistent, also vom Anfang bis zum Ende eine schöne Intensität. Also nicht wässrig oder so, wie man sich das manchmal bei so alkoholfreien Bieren vorstellt, sondern wirklich einen richtigen eigenen Geschmack. Und ich kann mir richtig gut vorstellen, dass das im Sommer, wenn man da so im Biergarten sitzt, der beste Durchlöscher überhaupt ist. Also sehr, sehr schön, ist euch gut gelungen.

Matthias: Hat tatsächlich Drinkability und es ist ja bei alkoholfreien Bieren nicht ganz so einfach, eine Drinkability zu erzeugen. Aber wie du es gesagt hast, also diese, ja, ausgewogene Mischung zwischen Süße, Säure und Hopfenbittere, ja, das harmoniert da absolut und regt tatsächlich auch zum Weitertrinken an..

Markus: Genau. Und wenn wir schon mal den Chefbraumeister da haben, also du hast jetzt gesagt, mit 2 verschiedenen Hefen. Sind das dann Prozesse, die getrennt voneinander ablaufen oder gemeinsam?

Matthias: Es ist tatsächlich eine sogenannte Mischfermentation, also die beiden Hefen arbeiten da gemeinsam in der Hauptgärung und Nachgärung, es läuft Hand in Hand. Die Würze, die wir da ruhen lassen, damit sich die noch mal klären kann, damit sie den Kühldruck abscheidet, das passiert bei uns so 5 bis 6 Stunden lang und während diesem Prozess geben wir dann schon den Hopfen dazu, also den Kalthopfen dazu. Und dadurch, dass die Gärung ja nicht so wahnsinnig intensiv ist, treibt die CO2 jetzt diese Hopfenöle aus dem Bier nicht so stark aus, also die bleiben uns da schon gut erhalten.

Markus: Und wie lange experimentiert man rum, bis man bei dieser Qualität ankommt?

Matthias: Ja, es ist dadurch, dass es keine Erfahrungswerte gab, haben wir schon lang rumexperimentiert, wir sind ja 2020 auf den Markt gekommen damit und haben ja die 2 Jahre davor schon gut Forschungsarbeit betrieben, haben uns dann 2020 entschieden, das auf den Markt zu geben, und auch in der Zwischenzeit haben wir immer wieder gefeilt und immer wieder angepasst. Also es ist tatsächlich gar nicht leicht, konstant ein derartiges Produkt herzustellen.

Markus: Was mir auffällt, ist, ihr habt es in einer 0,33er-Flasche, also in einer kleinen Flasche. Läuft es einfach besser oder steckt da auch eine Idee dahinter?

Matthias: Das war von Anfang an so gewollt, weil wir einfach da eine elegante Flasche haben wollten, dafür ist es ein komplett neuartiges Produkt. Und, ja, die Vichy-0,33-Flasche ist ja bei uns im Hause die absolute Lieblingsflasche und die haben wir dann dafür auserkoren und wollten da einfach mal ein bisschen gegen den Strom schwimmen und ein alkoholfreies Bier mal in der 0,33er anbieten.

Markus: Ja und läuft ja offensichtlich, wenn du sagst, über 50 % plus. Was ist da so das Feedback, was sagen euch die Leute, wenn die euch berichten, wenn sie es probiert haben?

Matthias: Also es ist tatsächlich sehr, sehr positiv, weil es auch so ist, dass sehr viele Frauen das sehr gerne mögen, die Süße, die wir drin haben, macht es gewissermaßen gefällig. Und es ist tatsächlich durchgehend positiv, muss ich wirklich sage, also da gibt es ganz, ganz wenige Negativmeldungen.

Markus: Habt ihr noch andere alkoholfreie Biere, also Weizen zum Beispiel oder so?

Matthias: Also wir haben auch noch ein alkoholfreies Weizen und ein alkoholfreies Helles, aber die meiste Dynamik ist jetzt gerade in diesem Zwickl Alkoholfrei drin.

Markus: Ich kann mir das gut vorstellen, weil, es gibt ja einfach für das Alkoholfreie neben der klassischen Zielgruppe, die jetzt, sagen wir mal, vielleicht eben zum Weizen oder zum Hellen greift, weil sie halt aus irgendwelchen Gründen kein normales Weizen oder Helles trinken kann, gibt es ja irgendwie eine neue Zielgruppe, die vielleicht überhaupt nicht vom alkoholischen Bier kommt, die einfach nur ein schönes Getränk haben will. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die von dem Zwickl echt gut abgeholt werden, weil es eine schöne, runde Aromatik ist, die irgendwie schon bierig ist, aber eben nicht extrem, aber in sich eben auch von der Säure, von der Süße, von der Bittere sehr ausgewogen und eben auch schön passt. Also kann ich mir echt gut vorstellen, dass auch jemand, der vielleicht kein klassischer Biertrinker oder Biertrinkerin ist, daran gefallen findet. Das finde ich auf jeden Fall gut, tolle Entwicklung, schön.

Matthias: So ist es, ja. Und du siehst das ja auch auf der Front, also auf dem Bauchetikett und auf dem Brustetikett erwähnen wir erst mal das Wort Bier noch gar nicht, also es ist tatsächlich nur dieser Begriff Zwickl Alkoholfrei drauf und, ja, eben drum gewissermaßen auch ein Freestyle-Produkt, das auch den klassischen oder nicht unbedingt den klassischen Biertrinker oder Alkoholfreitrinker anspricht, sondern das ist einfach mal ein interessanter, etwas anderer Entwurf von einem alkoholfreien Bier.

Markus: Auf jeden Fall. Und ich muss sagen, so auf den ersten Blick ist mir auch alkoholfrei nicht aufgefallen, also weil, das Etikett an sich ist mit so blauem Hintergrund, Blümchen und Hopfen und so Sachen und das alkoholfrei ist auch in dieser Farbe und damit verschwimmt es erst mal so ein bisschen und man sieht es erst mal nur als Zwickl, also es dauert ein bisschen, bis man da dahinterkommt. Das finde ich auch ganz pfiffig, also einfach mal ein selbstbewusstes eigenes Produkt, wie du eben so sagst, schön. Ja, also, ja, ist man ja als Franke auch immer so ein bisschen, überlegt man sich, wenn man so Kellerbiere, Zwickl-Biere von woanders sozusagen kennt, aber das gefällt mir wirklich sehr, sehr gut, also schön, kann ich mir gut vorstellen, dass im Sommer öfters mal zu haben. Apropos, wie breit ist denn eure Verbreitung so, also um Traunstein rum, wo kriege ich eure Biere?

Matthias: Also grundsätzlich ist es so, dass wir eine Brauerei sind, die einen sehr hohen Fassbieranteil hat, also 45 % unserer Hektoliter gehen ins Fass, das heißt, wir sind grundsätzlich eher gastronomieorientiert. Wir sind zwar auch im Export sehr gut vertreten, vor allem in Österreich und in Italien, aber da auch größtenteils im Fass. Und der Handel spielt bei uns mittlerweile seit Corona immer wieder eine größere Rolle, aber, ich sage mal, in der Heimatregion ist es so, dass wir so in einem Radius von 60 Kilometer richtig stark sind, aber sind auch in München vertreten, haben auch Vertriebsgebiete in Baden-Württemberg, in Berlin. Im Export geht es noch weiter rum, wir haben einen sehr umtriebigen Exportleiter, da werden wir jetzt wahrscheinlich in Japan angreifen. Also das sind natürlich nicht so viele Hektoliter, aber, ja, der Großteil ist auf alle Fälle bei uns in der Region beheimatet.

Markus: Und dieser Begriff Hofbräuhaus, also normalerweise hätte ich jetzt gedacht, wenn jetzt jemand nach München kommt und sagt, ich verkaufe jetzt als Hofbräuhaus dort ein Bier, dann kommt erst mal so ein Markenanwalt oder so, aber das ist eine Sache, die alle führen dürfen, die mal Hofbräuhäuser waren, oder?

Matthias: Ja, wir sind da schon immer im Dialog mit dem Hofbräuhaus München und entsprechend mit Abgrenzungsvereinbarungen und so weiter und so fort, aber im Prinzip kommen wir aus. Und, ja, letztendlich ist es ja auch so, dass auch wir eben ein echtes Hofbräuhaus sind und dementsprechend dürfen wir natürlich den Namen auch tragen.

Markus: Ja, auf jeden Fall. Es gab ja über 25, glaube ich, und selbst in Bamberg hatten wir eine Hofbräu, also, insofern. Das war natürlich damals auch ein Titel, den die Herrscher auch verliehen haben, wenn sie Unternehmen in irgendeiner Art und Weise ehren oder loben oder sonst irgendwie was Gutes tun wollten, dann haben sie das gemacht, interessant. Letzte Frage vielleicht zu dem Zwickl, gibt es das dann auch im Fass, funktioniert das?

Matthias: Nein, das würde nicht funktionieren, also wir haben da noch vergärbaren  Zucker drin und dementsprechend wäre es jetzt nicht möglich, das im Fass anzubieten.

Markus: Okay, also das ist dann ein reines Flaschenthema, aber auf jeden Fall, wie gesagt, sehr, sehr schön und ein guter Start, würde ich mal sagen. Womit machen wir denn weiter?

Matthias: Jetzt ,würde ich sagen, jetzt konzentrieren wir uns auf unsere Lieblinge in Sachen Genuss natürlich, das ist schon einmal eine Stufe drüber, also ich würde jetzt weitermachen mit unserem absoluten Klassiker, unserem Hellen. Ja, eben knappe 80 sozusagen unserer Hektoliter sind Helles, also wir bieten zwar 16 Biersorten an, aber wir sind in einer Region beheimatet, in der absolut, ja, das bayerische Hell der Renner ist.

Markus: Okay, na dann machen wir es auch, wenn wir schon mal so ein Parade-Helles haben.

Matthias: Ich muss dazu sagen, dass unser Helles ein P12 ist, also das heißt, wir haben hier Exportbier- Qualität. Ist hier in der Region tatsächlich noch öfter der Fall, dass Brauereien ihr Helles als P12-Bier interpretieren. Also das ist natürlich schon so, dass wir da ein bisschen mehr Malzanteil grundsätzlich drin haben, aber trotzdem absolut unser Ziel, ein sehr schlankes, elegantes Bier herzustellen, das, ja, einfach dem bayerischen Hellen absolut entspricht.

Markus: Ja, also für alle Hörerinnen und Hörer da draußen, die mit P12 jetzt nicht gleich was anfangen können, es geht um Stammwürzegehalt, also wie viel letzten Endes an Malz eingesetzt wird, um das Bier herzustellen, und da sind wir eben bei, sage ich mal, einer normalen Malzmenge. Viele brauen das Helle eben etwas weniger ein, etwas leichter, um eben da vom Alkoholgehalt und von der Intensität ein bisschen runterzukommen. Aber ich mag es auch gerne, ehrlich gesagt, wenn es eher ein bisschen kräftiger ist. Und, ja, also im Glas auf jeden Fall perfekt, also da kann man wirklich überhaupt nichts sagen, wie der Franke so als höchstes Lob sagt. Also perfekt klar, absolut, ja, glanzfein, wie man so schön sagt, die Perlen steigen fein auf, die Farbe ganz schönes intensives Gold, also helles Gold, sehr, sehr schön. Und obendrauf der Schaum, den wir gerade auch schon so hatten, also ganz schön, schön weiß, stabil. Den kann man hier auch ganz schön von unten anschauen, das mache ich immer ganz gern bei so Hellen, weil man da sieht, wie dieser Schaumteppich oben auf dem Bier so drauf ist mit den gleichmäßigen Poren. Ganz schön, macht richtig Lust, also optisch auf jeden Fall schon mal eine absolute Bombe. Jetzt riechen wir mal rein. Ja, geruchlich auch absolut spot-on, also das ist schon sehr schön. Und das ist auch sowas, ähnlich wie beim Weißbier, so diese richtig guten Hellen, da gibt es tatsächlich schon offensichtlich eine Fähigkeit in Bayern, das noch mal anders zu machen als sonst wo, sehr schön. Also man hat einerseits das hopfige Aroma, ein bisschen Citrus, ein bisschen grasig, blumig, sehr, sehr schön, ganz leichter Honigaromen im Hintergrund, dann das Malzige dazu, sehr intensiv und sehr rund, aber auch sehr ausgewogen. Also für ein Helles einfach auch ausdrucksvoll, ohne zu intensiv zu sein. Das ist oft so die Kunst, also viele Helle haben einfach ein sehr schwaches Aroma, wo man sich dann immer fragt, wo ist jetzt das Bier, aber hier habe ich das wunderbar. Und auch so ein bisschen, ja, richtig frisch. Und mir gefällt die Hopfenaromatik da drin richtig gut, also die kommt total schön rüber und wird unterstützt vom Malzigen. Aber es ist genau so, wie es sein soll, also hervorragend.

Matthias: Ja, es ist immer noch dezent, aber, genau, wie du sagst, dass, ja, unterstützt sich mit dem Malz da gegenseitig sehr, sehr gut und, ja, absolut. Ich muss zugeben, ich habe jetzt schon mal bei deiner Beschreibung so viel Lust bekommen, dass ich zwischendrin schon mal getrunken habe.

Markus: Das werde ich jetzt auch gleich machen. Ja, es geht so weiter, also ganz schönes Mundgefühl, ganz weich, ganz schöne Kohlensäure auf der Zunge.

Nicht zu süß, das finde ich auch gut, also man hat eine leichte Süße, aber die ist eher dezent. Dann leichtes Säuregegenspiel und hinten raus dann die Bittere.

Durchaus etwas selbstbewusst, also vielleicht ein bisschen selbstbewusster als bei anderen Hellen, aber sehr schön und immer noch sehr harmonisch, sehr ruhig. Und vor allem das Schöne ist, die Aromen, die wir in der Nase hatten, sind genau so auch im Mund und bleiben die ganze Zeit da. Also es hat keine Leere, hat keine Schwankungen dazwischen, sondern es ist wirklich vom ersten bis zum letzten Schluck, man hat das Malzige, man hat diese leichte Honignote, man hat das getreidige Weißbrot auch wieder so ein bisschen, das ist ein bisschen was, was wir auch schon im Zwickl hatten, und dann eben die Hopfennote, die dann so hinten raus übernimmt und einfach noch mal den Gegenspieler macht und uns so ein bisschen auf die Wiese entführt so. Also sehr schön, doch, gefällt mir richtig gut, tolles Bier.

Matthias: Vielen Dank. Ja, ist ein sehr ausgewogenes Bier und, ja, wie du weißt, ein bayerisches Helles darf ja nicht unbedingt in eine Richtung krass ausschlagen, du brauchst ein harmonisches Bier, ein elegantes, ausgewogenes Bier und das ist unser Anspruch. Und tatsächlich ist es so, dass wir da auch sehr viel Energie reinstecken und sehr viel Aufwand reinstecken, das ist tatsächlich die alte bayerische Art der Bierherstellung. Wir haben ein Zweitankverfahren, eigentlich sogar ein Dreitankverfahren, da wir hier auch wieder diese Kaltsedimentation anwenden zur Kühldruckabscheidung. Das heißt, wir lassen die Würze im Sedimentationsbottich, bevor die Hefe dazukommt, einfach noch mal 5 bis 6 Stunden ruhen und während dieser Zeit setzt sich der Kühldruck ab und der behindert dann die Hefe nicht so stark bei der Fermentation. Also es ist bei uns größtenteils dann auch so, dass wir ein Erntehefeverfahren haben, also keine Propagationshefe oder nur anteilig, das ist unser Anspruch. Und das ist im Prinzip eigentlich das, was die alten Bierbrauer ja vor 100 Jahren schon gewusst haben, die waren ja nicht blöd, die wussten ja vor 100 Jahren schon, was müssen wir machen, dass da ein topp Bier rauskommt. Und sehr viel von diesem Wissen haben wir bei uns in der Brauerei jetzt versehen mit moderner Technik und lassen wir immer noch arbeiten, sage ich mal.

Markus: Kann man sagen, dass durch diese Sedimentation dann die Gärung schneller oder harmonischer oder irgendwie besser abläuft? Also wie könnte man das definieren, was macht das für die Hefe dann einfacher für die Gärung?

Matthias: Ja, letztendlich ist es so, dass sich dieser Kühldruck sonst an der Zelle, an der Außenwand der Hefezelle abladen würde und, ja, die Hefe gewissermaßen verschmieren würde. Diese Kühldruckabtrennung ist ja schon lange ein bisschen so ein Diskussionspunkt bei den Bierbrauern, aber wir haben mit unserem Erntehefeverfahren tatsächlich da die Erfahrung gemacht, dass das unserer Hefe richtig guttut. Und wir verwenden die Hefen auch 4- bis 5-, vielleicht 6-mal und, ja, wenn die einfach in dieser Zeit nicht verschmiert wurde durch diesen Kühldruck, dann bleibt die bis zum Schluss leistungsfähig.

Markus: Ja und das Ergebnis spricht ja eindeutig für euch. Du sagst, das hat jetzt 80 % Anteil. War das auch schon vor dem großen Hellen-Hype ähnlich oder hat sich das auch noch mal mehr entwickelt in den letzten Jahren?

Matthias: Es hat sich noch ein bisschen weiterentwickelt, wobei in dem Zeitraum, in dem ich es überschauen kann, also die letzten 20 Jahre, vor 20 Jahren hatten wir halt da einen Anteil von knapp 70 % und jetzt sind wir mittlerweile eben bei 80 % gelandet.

Markus: Ja, aber das sind halt ganz andere Zahlen als wir das hier zum Beispiel bei uns haben oder vielleicht noch weiter weg, wenn man nach Berlin oder Köln oder sonst wo guckt. Das finde ich schon sehr erstaunlich, wie da Helles als Bierstil so den Trend übernommen hat, so ein bisschen den Stab übernommen hat vom Weißbier und wirklich also gerade in so Metropolen wie Berlin, aber mittlerweile ja deutschlandweit ein Trend geworden ist und wie letzten Endes alle versuchen, genau das mehr oder weniger nachzubrauen, was wir hier im Glas haben. Mit bedingtem Erfolg, manche machen es gut, manche haben noch Wege zu gehen, sagen wir mal so. Aber es ist wirklich interessant, dass Leute diesen Bierstil so lieben und schätzen gelernt haben. Weil es ist ja nicht so, also viele sagen ja dann immer, naja, es hat halt wenig Geschmack. So ist es ja gar nicht, es hat schon Geschmack, es ist halt einfach total rund und total balanciert und damit halt anders als ein Weißbier, was jetzt eben sehr stark die Hefenote spielt oder ein Pils, was sehr stark die Bittere oder die Hopfennote spielt oder so, hier haben wir halt einfach diese Ausgewogenheit, was ja wirklich, ja, einfach toll ist und ich glaube, das ist auch der Grund, warum das bei den Leuten so gut ankommt. Ja, also ihr seht das als konsistenten Trend auch für euch für die nächsten Jahre, ja, wirklich schön. Gibt es denn so einen Killer-Trick, wenn wir jetzt so Heimbrauer zum Beispiel haben, die zuhören und die sagen, ich möchte mal bei mir zu Hause in meinem Kochtopf ein Helles machen, also, keine Ahnung, geht das überhaupt oder gibt es irgendwas, wo du sagst, also das, wenn sie das machen, dann haben sie schon mal die halbe Miete so ungefähr?

Matthias: Ja, das ist natürlich gar nicht so einfach, weil du im Heimbrauerbereich halt beim Hellen tatsächlich immer das Problem hast, dass dieses Produkt sehr sauerstoffanfällig ist und da hast du die technischen Möglichkeiten halt nur sehr schwer oder es ist wirklich sehr schwierig, den Sauerstoff da fernzuhalten und das ist ein bisschen eine Problematik. Aber was mit Sicherheit ganz wichtig ist und ganz positiv ist, wenn man so eine gute untergärige Hefe hat, die kann man sich bei irgendeiner Brauerei in der Nachbarschaft besorgen, die Brauereien sind da meistens recht freizügig und gute untergärige Hefe ist schon mal das Erste, um im kleinen Bereich auch ein gutes Helles herstellen zu können.

Markus: Hast du selber auch eine Hobbybrauer-Vergangenheit?

Matthias: Nein, habe ich nicht, aber ich muss sagen, du hast das vorher erwähnt, ich habe ja beim Weißbrau in Kößlarn gelernt, das ist eine sehr kleine Brauerei und habe da wirklich noch jeden einzelnen Handgriff gelernt beim Bierbrauen in dem Sudhaus, die Brauerei gibt es immer noch. Und, ja, das ist, sage ich mal, für die Basics eines Bierbrauers, ist das absolut toll gewesen, absolut wichtig gewesen, weil damit, ja, hast du halt wirklich alles vom Grund auf erlernt und dieses Wissen, ja, kann ich heute noch anwenden.

Markus: Apropos Wissen anwenden, ihr habt ja auch diese großen Kupfergefäße. Müsst ihr die auch noch mehr oder weniger täglich putzen oder wie macht ihr das?

Matthias: Die Außenreinigung der Kupfergefäße in unserem Sudhaus, das ist tatsächlich ein wunderschönes Kupfersudhaus, das wir da haben, ja, machen wir einmal in der Woche, machen wir da eine große Außenreinigung. Machen die Biersieder auch immer wieder mit Freude, weil einfach dann das sehr, sehr toll ist, wenn du am Freitag nach Hause gehst und schaust dir dieses wunderbare Kupfersudhaus an und das Kupfer glänzt dann, also das ist was absolut Tolles, das freut die Bierbrauerszene.

Markus: Ja, also da kann ich mich noch daran erinnern, ich war vor, oh Gott, 12 Jahren oder so was oder 15, weiß ich gar nicht, bei euch im Zuge der Recherche für ein Buch über alle Brauereien in Bayern und habe da eben alle besucht und die Fränkischen hatte ich ja logischerweise schon, aber die Bayerischen eben noch nicht. Und da kann ich mich noch gut erinnern, vor allem, weil ihr auch diese bayerischen Rauten überall habt, ne?

Matthias: So ist es, ja. Also tatsächlich frisch abgeschlossen hatten wir jetzt eine Baustelle, in dem ich den neuen Läuterbottich eingesetzt habe, also wir haben einen neuen Läuterbottich bekommen in diesem Sudhaus und der Läuterbottich war zuvor noch das einzige Gefäß bei uns im Sudhaus, das zu 100 % aus Kupfer war und nach 65 Jahren hat es jetzt mal den Geist aufgegeben. Jetzt sind wir da in einer sehr komplexen Baustelle ein Edelstahlgefäß rein, aber, es wäre natürlich eine Sünde, einfach da ein nacktes Edelstahlgefäß reinzustellen, wir haben dann die Kupferhaube runtergeschnitten, haben diese Kupferhaube dann im Nachgang wieder aufgesetzt und neu gefliest mit italienischen Fliesen, wieder in schönen weiß-blauen Rauten, also es ist ganz toll geworden und, ja, so sieht das aus. Es ist immer bei uns eine große Herausforderung, mit wenig Platz etwas Tolles zu machen und es ist uns da, glaube ich, aber auch wieder sehr gut gelungen.

Markus: Kann man das eigentlich besichtigen, also kann man vorbeikommen, gibt es Brauereiführungen oder so?

Matthias: Ja, Brauereiführungen spielen eine große Rolle bei uns, also das sind fast 10.000 Besucher jedes Jahr, da kann man sich auf der Homepage informieren. Und es sind sogar sehr viele Brauereiführungen, die da durch laufen.

Markus: Ah ja, okay, na, dann könnt ihr alle mal vorbeischauen, die ihr da jetzt zuhört. Habt ihr denn geschmacklich eine Veränderung gemerkt, nachdem ihr den Läuterbottich gegen den Edelstahlbottich ersetzt habt?

Matthias: Also wir sind tatsächlich erst in der 3. Sudwoche, ich kann es noch nicht sagen. Also die Biere sind jetzt momentan ganz frisch im Lagerkeller gelandet, aber ich gehe davon aus, dass da nichts ist, dass da keine Aufweichungen gibt, und das ist natürlich auch unser Ziel.

Markus: Ja, aber es wäre interessant, also ob das vom Material her was ausmacht. Ich habe mal einen Braumeister hier lange gesprochen und der hat eben damals erzählt, also die haben damals das Kühlschiff ersetzt durch moderne Technologie und haben dann festgestellt, dass die Biere tatsächlich wirklich deutlich anders geschmeckt haben und haben sich dann so ein kleines Kühlschiff aus dem Alten machen lassen und nutzen das jetzt so ein bisschen in der Kombination, um das so ein bisschen wieder hinzubekommen, was ihnen wichtig war. Und das fand ich ganz interessant, also dass man da eben manchmal auch Veränderungen bemerkt. Aber gut, das werden wir dann ja sehen. Das heißt, also noch trinken wir hier jetzt Biere, die über den alten Läuterbottich gelaufen sind sozusagen.

Matthias: Genau so ist es, ja.

Markus: Apropos Bier trinken, womit machen wir denn weiter?

Matthias: Ja, ich würde jetzt vorschlagen, dass wir dann noch in Richtung Pils gehen, ist so meine Lieblingsbiersorte. Ich muss dazu sagen, dass das ein absolut klassisches, bayerisches Pils ist. Also hier ist es eigentlich uns auch ganz wichtig, uns ein bisschen an das Helle anzulehnen, wir wollen ein ausbalanciertes Bier herstellen, ein gefälliges Bier herstellen, mit einer eleganten, schönen Hopfencharakteristik, die aber nicht übertrieben ist. Aber wir überzeugen uns jetzt einfach selbst davon.

Markus: Genau, das machen wir. So, offen ist es und hinein. So, da ist es. Ja, also optisch sind wir in der Tat ungefähr da, wo das Helle auch war. Ich überlege gerade, ob es von der Farbe her nicht sogar einen Tick heller ist, aber vielleicht täuscht mich das jetzt, das kann sein, also ich habe ja auch nicht das perfekteste Licht.

Matthias: Sehr ähnlich, mit Sicherheit. Also wir stellen da unsere Biere auch tatsächlich mit 100 % Pilsner-Malz her, und das ist auch unser Ziel, dass die Biere, gerade das Helle und das Pils, dass die so licht wie möglich sind. Das ist ein bisschen eine Charakteristik, die das Hofbräuhaus nach dem Zweiten Weltkrieg schon entwickelt hat, die wollten damals in den 50er-Jahren schon Biere herstellen, die möglichst hell sind.

Markus: Ja, also von der Farbe her, wie gesagt, für mich kommt es fast sogar so rüber, als wäre es ein bisschen heller als das Helle, aber, wie gesagt, das kann jetzt wirklich die Beleuchtung sein. Du sagst 100 % Pilsner-Malz, ich fand es ganz witzig, mir haben mal ein paar Leute erzählt, dass in vielen Hellen so ein kleiner Anteil Münchner Malz drin ist, 5 oder 10%. Machen die das wegen der Farbe oder auch wegen einer geschmacklichen Komponente oder ist das vielleicht Tradition, weißt du da was?

Matthias: Ja, wahrscheinlich eine Mischung aus allem, aber ich würde mal vermuten, am ehesten natürlich aus der farblichen Seite heraus, weil das die Farbe natürlich dann ein bisschen mehr in die Goldrichtung drückt. Aber wir gehen hier in einen anderen Weg, wir wollen unbedingt so hell wie möglich sein.

Markus: Ja und das seid ihr auch, also auch beim Pils, wunderbar. Ja und wie du es gesagt hast, also die Nase ist in der Tat, da ist der Zeiger jetzt so ein bisschen mehr auf der Hopfenseite, aber eben nur ein bisschen. Wir haben trotzdem auch die malzigen Komponenten, wir haben wieder dieses schöne, leichte Honig-, Getreide-, Biskuit-, Weißbrot-Aroma, was vom Malz her kommt und auf der anderen Seite, der Hopfen ist für mich jetzt sehr floral, sehr blumig, ja, fast so ein bisschen Kamille, so kräuterig. Also wirklich eine schöne Aromatik, die sich auch gut ergänzt mit diesen Malznoten, also das kommt da sehr schön zusammen und es wirkt auch schon in der Nase sehr weich, obwohl man es ja noch gar nicht im Mund hat, aber wirkt auf jeden Fall so, und, wie gesagt, verbindet sich schön. Also diese Honignoten sind dann fast so ein bisschen wie ein Wildblütenhonig oder so und da hat man zusammen wirklich eine tolle Nase, das gefällt mir richtig gut. Habt ihr da spezielle Hopfen am Start?

Matthias: Also wir verwenden zu 100 % Hopfen aus der Hallertau. Und was du jetzt so schön beschrieben hast, ist größtenteils die Frucht vom Hallertau Select. Also es ist tatsächlich so, diese Florallnoten, diese Blumenwiese, das Heuige, leicht Kamille, das stammt größtenteils vom Select. Und, ja, ist auch bei uns, Hopfen war schon immer ein großes Thema. Wir arbeiten da direkt zusammen mit Hopfenbauern beziehungsweise auch mit der IGN jetzt, einer kleinen Pflanzergemeinschaft und wollen da absolut Kontakt haben zum Pflanzer, zur Pflanzergemeinschaft, sodass wir da wirklich nah dran sind an unserem Rohstoff und sind dann auch bei der Ernte oben. Also diese Hallertauer Hopfen haben bei uns Tradition und sind uns da auch absolut wichtig.

Markus: Ja und geben ein tolles Aroma, nicht nur in der Nase, ich habe jetzt auch mal die Gelegenheit genutzt und schon mal einen Schluck genommen, sorry.

Prost, by the way. Aber es ist wirklich, es ist sehr verlockend, sowohl optisch als auch in der Nase, da konnte ich jetzt gar nicht anders. Und am Gaumen finde ich das ganz faszinierend, also weil, es fängt an wie das Helle, also so ein bisschen unschuldig, ein bisschen süß und so ähnlich, also ein bisschen weniger von dieser Säurekomponente und dann aber entwickelt sich der Hopfen und der entwickelt sich richtig schön. Also der übernimmt so ab der Hälfte, würde ich sagen, wenn man so auf der halben Zunge so durch ist und dann wird es immer intensiver und bleibt auch nach dem Trunk sehr lange und geht auch sehr tief in den Gaumen. Also wirklich eine richtig schöne, selbstbewusste, deutliche Bittere, die aber nicht over the top ist, also die trotzdem, wie es halt sein soll bei einem Pilz, eben kräftig deutlich ist, aber ohne jetzt unangenehm zu sein. Aber was sie dann wirklich ganz gemein macht, ist, dass sie den Mund wirklich austrocknet, sodass man einfach gar nicht anders kann, als den nächsten Schluck zu nehmen. Das ist einerseits sicherlich gewollt, andererseits natürlich auch gefährlich. Also sehr, sehr schön und ich finde es trotzdem für ein bayerisches Pilz hat es eine gute Bittere, finde ich aber auch gut so, also gefällt mir richtig gut und, ja, auch sehr stiltypisch. Gibt es für euch da von den Hopfengaben auch Besonderheiten, also stopft ihr da auch ein bisschen oder habt ihr da noch verschiedene, ja, Verfahren, wie ihr mit dem Hopfen da loslegt?

Matthias: Also Hopfenstopfen tun wir jetzt in dem Sinne nicht. Ginge auch nicht, weil wir doch auch sehr viele Pilz nach Italien verkaufen und die erwarten dann ein klares Pilz. Und wie man weiß, das Hopfenstopfen ist da für die Kolloidstabilität nicht so gut, das heißt, die Biere würden das sehr schnell wieder austrüben. Also der Hopfen wird zu 100 % im Sudhaus gegeben, da aber in entsprechenden Verhältnissen und Mischungen, ist es ein bisschen Hallertauer Perle dabei und das machen wir da in 3 verschiedenen Gaben in verschiedenen Mischungen komplett in der Sudpfanne.

Markus: Habt ihr jemals versucht ein Grünhopfenbier zu machen?

Matthias: Da fehlen uns leider die technischen Möglichkeiten ein bisschen, um den Hopfen dann wieder abzuseihen, sage ich jetzt mal. Würde mich auf alle Fälle interessieren, aber vielleicht fällt mir da noch irgendwas ein, um das technisch so hinzubekommen.

Markus: Ja, also, ich denke, mit der Hopfenaromatik könnte ich mir das total gut vorstellen, das würde dem halt noch ein bisschen mehr Körper geben, noch ein bisschen mehr diese grünen Aromen. Aber es ist so auch wunderbar, also es ist mir nur gerade eingefallen, dass ich mir überlegt habe, das wäre doch total spannend, dass mal in der Grünhopfenvariante zu probieren, aber richtig schön. Jetzt auch in der kleinen Flasche. Gibt es das auch in groß oder ist das so ein klassisches Produkt, was man in 0,33 hat?

Matthias: Das gibt es tatsächlich auch in der 0,5er, aber der absolute Löwenanteil natürlich in der 0,33er-Flasche. Wie gesagt, das ist mein Lieblingsbier, das ist ein richtiges Braumeisterbier und, wie du gesagt hast, das regt auch sehr zum Weitertrinken an, absolutes Genussbier. Und, ja, war für mich auch immer der Josef Kroll aus Vilshofen, der 1842 in Pilsen das erste Pilsener gebraut hat, stammt ja aus derselben Gegend wie ich, vielleicht liegt es daran, dass ich da sehr Pils-affin geworden bin. Deshalb, da sind wir eher Richtung Nordosten gereist und nicht nach Süden, aber letztendlich ein absolut tolles Bier. Das ist also ein Bier, das so interpretiert ist, dass es dem Braumeister schmeckt.

Markus: Das finde ich gut und das ist auch völlig richtig. Also ich finde, das ist für mich der einzige wirklich negative Teil an diesem Hellen-Trend, dass dadurch bei vielen Brauereien, gerade in Bayern, die richtig gute Pils-Biere machen, das so ein bisschen runterfällt, also dass viele Leute die Pilsbier gar nicht mehr probieren, weil, das ist ganz oft so, dass man wirklich hervorragende Pils-Biere hat, die im Schatten von den Hellen stehen. Ein gutes Beispiel für mich ist auch Augustiner, die ein ganz tolles Pils machen, aber die meisten Leute, die man so anspricht, kennen das gar nicht, dass es das überhaupt gibt. Und hier ist es genauso, das ist ein richtig schönes, tolles Pils und das muss man unbedingt auch probiert haben, also das präsentiert auch die Hopfenbittere richtig schön in Kombination mit der Frische, mit der Klarheit, mit der Balance, die eben vom Bierkörper selber herkommt. Das ist wirklich ein tolles Bier.

Matthias: Ja, also absolut. Wir haben in Bayern eine sehr hohe Pils-Kompetenz, also ich stelle das auch immer wieder fest, es sind tolle Pils-Biere, die wir in Bayern in der ganzen Breite produzieren, aber wie du sagst, ja, der ganze Hell-Trend verschluckt natürlich teilweise ein bisschen die anderen Sorten. Und deswegen haben wir danach ja auch, das wäre mein Vorschlag, das nächste Bier, das ist nämlich auch ein tolles Bier, ein dunkles Weißbier. Das sind leider auch Sorten, die ein bisschen in Vergessenheit geraten und ich finde es ganz, ganz wichtig, dass man diese Sorten auch wieder aufleben lässt, dass man sich damit beschäftigt. Das sind ganz, ganz tolle Biersorten, die wir hier im Angebot haben und, ja, gerade beim Thema Genuss oder bei der Verbindung Bier und Essen ist das auch etwas, das sehr, sehr kompatibel ist. Ich würde vorschlagen, wir gehen aufs dunkle Weißbier.

Markus: Ja, eine Frage habe ich noch, also ich bin sofort dabei, beim dunklen Weizen, weil das eines meiner persönlichen absoluten Lieblingsbiere ist und ich freue mich über jedes dunkle Weizen, das ich wieder entdecken oder neu entdecken darf und das es überhaupt auf dem Markt noch gibt und wie du schon sagst, das ist so die Allzweckwaffe im Thema Food Pairing, da kann man fast alles dazu haben und es wird immer passen. Aber eine Frage noch zum Pilz oder generell vielleicht auch zum Hellen, das hängt ja viel auch vom Wasser ab. Wie ist das bei euch, also habt ihr ein eigenes Wasser oder ist das so Alpenvorlandwasser oder wie läuft das bei euch?

Matthias: Ja, da haben wir tatsächlich großes Glück, weil wir eine eigene Quelle haben, diese eigene Quelle sitzt am Fuße des Traunsteiner Hochbergs. Und, ja, das hat tatsächlich einen ganz eigenen Zauber, also diese Quelle bringt uns genauso viel Wasser, dass es für uns reicht, um zu brauen und auch für unser Betriebswasser, für die Zipfvorgänge und so. Und diese Quelle, ja, führt durch ein 2 Kilometer langes Leitungsnetz durch die Stadt Traunstein, landet dann bei uns. Es ist tatsächlich so, dass dieses Wasser nicht mal eine Pumpe braucht, weil wir hier Gefälle haben, natürliches, also von ganz allein läuft es durch die Leitungen zu uns in die Brauerei und ist tatsächlich von der Mineralisierung her, klar, das ist ein klassisches Voralpenlandwasser mit einem hohen Kalkanteil, also Calciumhydrogencarbonat, aber es lässt sich sehr leicht enthärten und die weiteren Mineralien, die da drin sind, also diese möglichen Schadmineralien, Nitrat und so, ist so gut wie nicht vorhanden. Ein topp Wasser, das wir nachweislich schon seit, ja, ca. 1840 bei uns im Hause zum Bierbrauen verwenden. Also selbst die Wasserversorgung hat bei uns große Historie und, ja, macht große Freude, mit diesem Wasser Bier zu machen.

Markus: Ja und ich glaube, heutzutage ist es für eine Brauerei auch ein richtiger Schatz, wenn man seine eigene Quelle, sein eigenes Wasser hat, weil ja da jetzt mittlerweile auch Diskussionen aufkommen, eben gerade, wenn man Zeiten hat, wo es wenig regnet, wo man Wasser überhaupt braucht, gibt es ja tatsächlich Gegenden in Europa, wo die Brauereien nicht brauen dürfen, weil eben Wassermangel herrscht und so. Da seid ihr dann natürlich außen vor mit eurer eigenen Quelle, wo es noch dazu von selber zu euch fließt, das ist natürlich schon schön. So, also gut, jetzt freuen wir uns auf dieses dunkle Weizen, gefällt mir schon von der Flasche her wunderbar, also schöne, ja, die Farbe total passend auch zum Bier, zumindest soweit ich das jetzt schon absehen kann, also ein dunkles Weißbier. Hat auch etwas mehr Druck, so. Ist das in Flaschengärung? Ah, okay, oh ja, oh, sehr schön, also ich habe es jetzt hier schon im Glas und wir haben also, ja, die Farbe ist so ein ganz schönes Dunkel. Also, ich glaube, viele stellen sich unter einem dunklen Weizen immer sowas vor, was pechschwarz ist und dann nur nach Kaffee und Schokolade riecht, aber das ist es ja gar nicht, sondern wir haben ja, wie du schon gesagt hast, eher ein historisches Weißbier, so wie die früher halt waren und da waren die Malze in so einer braunen, dunklen, dunkelbraunen Bernstein Farbe und hatten halt dann immer auch ein bisschen karamellige, nussige Aromen, sowas, aber eben nichts, was in diese Röstaromen geht, die schon sehr, sehr dunkel sind, die es auch erst viel später in der Biergeschichte gibt, aber solche Weißbiere sind selten geworden. Aber das sieht man hier optisch schon mal sehr schön, dass wir uns darauf freuen können, ich hoffe mal und dann haben wir den Schaum noch dazu, der natürlich jetzt ein bisschen getönt ist. Eine Menge Schaum auf jeden Fall, was ja für dieses Bier auf jeden Fall auch ein tolles Qualitätsmerkmal ist und auch von der Farbe her eine schöne Trübung, ja, es funkelt mich so ein bisschen an und möchte, dass ich jetzt dran rieche. Ja und wie sage ich immer so schön, ein gutes dunkles Weizen ist so eine karamellisierte Banane, so wie, wenn man zum Chinesen geht und dann diese Banane mit Honig als Abschluss hat, irgendwie so und sowas haben wir hier in der Nase, also richtig schöne Fruchtigkeit.

Matthias: Ja, vom Flavour her haben wir uns jetzt natürlich gut gesteigert, das ist ganz klar, das dunkle Weißbier hat auch sehr, sehr viel zu bieten, was das Flavour anbelangt bei uns, ist eine richtig schöne eigene Biersorte, die wir auf die absolut alte Art und Weise interpretieren. Also, ich glaube, ist auf alle Fälle eine absolut tolle Biersorte, die es wert ist, dass man es probiert.

Markus: Ja, unbedingt. Also diese Fruchtigkeit in der Nase, also es ist nicht so ganz die braune Banane, ist durchaus auch noch ein bisschen frisch, fruchtig und das tut dem auch gut und man hat im Hintergrund auf jeden Fall auch diese karamelligen, nussigen Aromen, die auch mit dazugehören. Und so ein kleines bisschen Gewürznelke ist auch da, also eine richtig schöne Kombination, aber wie du es schon gesagt hast, die Banane ist natürlich im Vordergrund. Aber es lädt auf jeden Fall total ein, ich nehme jetzt mal ein Stückchen, Prost. Ja, perfekt. Also es fängt genau so an, wie es gerochen hat, wir haben eine sehr schöne, intensive, kräftige bananige Note, mit so, wenn man so Karamellsoße drüber macht, so ein bisschen, also ganz schön drumherum vom Malz begleitet. Es hat auch leichte Citrusnoten noch mit dabei, die runden das schön ab und dann hat man ein moussierendes Mundgefühl, total schön, wie das mit der Zunge spielt, die Kohlensäure ist da, ist sehr lebendig, sehr frisch. Und wenn man dann so runterschluckt, dann kommt aber auch eine kleine Bittere, die so ein bisschen wieder aufräumt, die Süße auch ein bisschen wegräumt und so den Mund wieder frisch macht für den nächsten Schluck. Also vom Eindruck her vor allem unglaublich rund, unglaublich harmonisch, ohne satt zu machen, was ja bei manchen Weißbieren so ist, dass die sehr dick sind und hier hat man das dann doch in einer sehr schönen, trinkbaren Variante. Und wie wir gerade schon gesagt haben, das ist natürlich ein toller Begleiter, da kann ich vom Schweinebraten bis zum Schokoladenkuchen nahezu alles dazu kombinieren oder Obstsalat oder Spargelsuppe oder was weiß ich.

Matthias: Also ich kann dazu sagen, dass wir 100 % unserer Münchner Gerstenmalze, also das dunkle Gerstenmalz, das wir verwenden, haben wir von einer Mälzerei, das ist die Mälzerei Wurm im Pappenheim, mit denen arbeiten wir auch schon seit vielen Jahrzehnten zusammen und die stellen das Münchner Malz wirklich auf die alte Art und Weise her. Also muss man sich vorstellen, das ist tatsächlich, die weichen intensiver, die keimen intensiver, die schwelken intensiver, die darren intensiver. Das ist richtig, haben wir festgestellt, ein dunkles Malz, genauso wie es sein soll, gibt ein unglaubliches Aroma auch her und eben hier in der Kombination mit unserer Weißbierhefe ergibt es eben diese, ja, Geruchs- und Geschmacksexplosion, die aber nicht übertrieben ist, sondern die ein sehr, sehr harmonisches, bekömmliches, tolles dunkles Weißbier hergeben. Und ja, diese Kombination vor allem aus Malz und Hefe, finde ich auch schon toll.

Markus: Ja und ich finde auch, die Malzkomponenten sind eben wunderbar präsent, ohne in dieses Rüstige zu gehen. Und das ist ganz großes Kino, also gefällt mir richtig, richtig, gut. Und, ja, also ganz im Grunde würde ich das wahrscheinlich gar nicht dunkles Weizen nennen, sondern im Grunde ist es ein Weißbier, wie es eben vor den modernen Malzen mehr oder weniger war.

Matthias: Deswegen haben wir es ausgewählt heute.

Markus: Ja, also großartig, wunderbar. Und es zeigt halt auch, dass ein Weißbier eben nicht nur dieses reine Hefethema braucht, sondern dass eben der Körper, die Malzkomponente unglaublich wichtig sind, damit es dann am Ende eben auch ein harmonisches, ein komplexes, ein ausbalanciertes Bier wird und eben nicht nur irgend so was mit einer extremen Fruchtnote und sonst nicht viel dabei, was man relativ oft hat, oder sehr süß zum Beispiel, oder so, das ist hier, das ist eben ein richtiges Bier. Also sehr, sehr, sehr schön, gefällt mir richtig gut. Wenn wir gerade schon vom Wurm sprechen, also Pappenheim auch natürlich ganz toll, das ist ja gar nicht so weit weg von euch, also ein bisschen nach Norden, glaube ich.

Matthias: Das ist schon Mittelfranken, ja, gerade so.

Markus: Genau, aber hat ein wunderschönes Schloss und da kommt ja auch dieser schöne Spruch mit den Pappenheimern her. Aber die Familie Wurm, die sind ja nicht nur Mälzerei, ich weiß gar nicht, die Brauerei existiert schon auch noch, oder?

Matthias: Meines Wissens ja.

Markus: Weil, da war ich mal und die haben damals noch so eine alte, ja, ich weiß gar nicht, ob es eine Dampfmaschine war, aber auf jeden Fall so eine Maschine mit Sprungrädern und Transfusionsriemen und mussten noch Öl nachfüllen jeweils in ihrem Produktionsprozess, das fand ich ziemlich krass, ich weiß gar nicht, ob es das noch gibt. Aber da warst du wahrscheinlich in letzter Zeit auch nicht, oder?

Matthias: Bei der Brauerei nicht, bei der Mälzerei waren wir oder  sind wir des Öfteren, weil wir natürlich nicht nur beim Hopfen sind, sondern auch die Gerste, die Braugerste kurz vor der Ernte immer ganz gern begutachten. Und, wie gesagt, wir haben zu all unseren Mälzern, es sind nur bayerische Melzer, die wir haben, aber da haben wir zu allen ein sehr gutes Verhältnis und da lassen wir uns natürlich auch blicken, wenn unser Rohstoff dann zur Ernte ansteht.

Markus: Ja und ich finde, da zeigt auch dieses Weißbier zum Beispiel, wie wichtig es ist, dass man eben nicht nur auf die Hopfenseite schaut. Also das war ja gerade durch diesen ganzen Craft-Beer-Trend, wurde der Hopfen ja sehr betont oder überbetont und alle Leute haben eben nur noch von Hopfensorten und Hopfenaromen gesprochen, aber dass eben die anderen Rohstoffe da mindestens eine genauso große Rolle spielen und einfach auch notwendig sind, um im Zweifelsfall den Gegenpart spielen zu können und man sich da eben sehr auch aufs Malz zum Beispiel konzentrieren muss, das wurde so ein bisschen vergessen. Das finde ich schon gut, wenn man das tut.

Matthias: Das ist ja immer ein Zusammenspiel aus all unseren Rohstoffen und es geht ja nicht das eine ohne das andere und dementsprechend, glaube ich, muss man immer die gleiche Wichtigkeit den Rohstoffen auch zukommen lassen, aber das machen wir, glaube ich, bei uns im Hause auch ganz gut. Und da ist es einfach gerade beim Malz und Hopfen, also bei der Gerste oder beim Weizen und beim Hopfen ist es eben mir auch sehr wichtig, dass wir Braumeister, mein Kollege der Niklas Wallner auch noch und auch unsere Bräus, der Bernhard Sailer, der Maximilian Sailer und seine Frau Birgit, dass wir uns da wirklich blicken lassen und dass wir uns da wieder erden, Jahr für Jahr und einfach unseren Rohstoff begutachten, bevor er geerntet wird.

Markus: Wo du es gerade so erwähnst, wir hatten es ja auch schon im Vorgespräch, die Inhaber heißen ja auch Sailer und du heißt auch Sailer, aber das ist leider nur ein Zufall, oder?

Matthias: Ja, es ist tatsächlich purer Zufall. Ich habe es ja vorher schon erwähnt, ich stamme ja ursprünglich nicht aus dem Chiemgau, sondern eben aus dem Rottal und mein Vater, der hat Ahnenforschung gemacht bis zurück 1790, also bis dahin, kann ich sagen, bin ich mit den Sailers in Traunstein nicht verwandt, ist einfach tatsächlich eine zufällige Namensgleichheit.

Markus: Das war doch bestimmt der allererste Witz, der gefallen ist, als du da angefangen hast, oder? Wahrscheinlich.

Matthias: Ja, das war tatsächlich so, also das war noch 2006 und da war es eigentlich schon im Hause auch noch üblich, dass man sich mit den Inhabern siezt und der Seniorbräu, der Bernhard Sailer, der war damals 55, der hat aber dann gleich am 2. Tag zu mir gesagt, also da, dass man jetzt einen anderen Sailer siezt, das sieht er nicht ein und hat mir sofort das Du angeboten, da sind wir uns dann sehr schnell einig gewesen, dass wir das nicht brauchen. Gibt es einige Witze immer wieder um das Ganze, aber, ja, wie gesagt, Zufälle gibt es einfach.

Markus: Ja, das ist ja klasse. Noch kurz zum Weißbier, du hast gesagt, der Gerstenanteil ist ganz reines Münchner Malz. Was habt ihr dann im Weizenanteil, ist da ein bisschen Karamell dabei oder so?

Matthias: Ich muss dazu sagen, nicht ganz, also ich habe schon ein bisschen Karamellmalz, Gerstenmalz drin noch, aber das Münchner Malz, das wir verwenden, ist dann eben zu 100 % vom Wurm und Weizen, Spezialmalz, haben wir jetzt nicht drin. Weizenmalzanteil ist ungefähr bei 52 % bei dem Bier, aber es ist ein ganz normales, helles Weizenmalz und, ja, die Farbe kommt da tatsächlich vom dunklen Gerstenmalz, das wir gerade thematisiert haben.

Markus: Ja, also wirklich wunderbar und also sowohl ein Glückwunsch als auch ein Dankeschön, dass ihr das noch macht, weil wirklich dunkles Weizen für mich echt so ein ganz wichtiger Bierstil ist, den ich auch oft in den Tastings habe, immer wieder in Veranstaltungen. Und das Lustige ist auch wirklich, dass die meisten Leute es einerseits nicht kennen, aber andererseits sofort lieben lernen, wenn sie es dann mal haben. Und das ist vielleicht einfach auch noch mal eine Botschaft an die Brauer da draußen, also traut euch gerade mit solchen Bierstilen auch mal offensiv ranzugehen, die Leute damit zu konfrontieren, weil, ich glaube, es ist wirklich was, was viele Leute einfach schlicht und einfach nur nicht kennen und da muss man, glaube ich, einfach ein bisschen ran, an die Geschichte.

Matthias: Absolut, ja. Und wir haben in Bayern so tolle Biersorten und wenn ich da an einen hellen Bock denke oder auch ein leichtes Helles zum Beispiel, da kann ich so viel reininterpretieren, das sind so absolute klassische Sorten, wo der Bierbrauer sich eigentlich absolut austoben kann und kann da tolle Produkte herstellen und die meisten Brauereien machen das auch, aber irgendwie ist es beim Endverbraucher nicht mehr ganz so auf dem Schirm. Und das ist auch der Job von uns Brauern, glaube ich, und das müssen wir jetzt ohnehin mehr machen, dass wir uns einfach wieder viel mehr auf den Genuss, auf die Lebensfreude, die unser Bier vermittelt, konzentrieren und, ich glaube, da darf die Sortenvielfalt, die wir anzubieten haben und diese große Qualität ganz, ganz groß im Vordergrund stehen.

Markus: Und auch unser letztes Bierchen ist ja ein bisschen, kein Exot, aber trotzdem schon auch eine Besonderheit, also da haben wir jetzt einen dunklen Bock, der schon in der Flasche schon sehr schön ausschaut, muss ich sagen.

Matthias: Ja, es ist ja so, jetzt haben wir ja von dunklem Malz gesprochen, das haben wir jetzt natürlich gleich in konzentrierter Form. Ein dunkler Doppelbock mit 19,2 % Stammwürze und 7,8 % Alkohol, der kann natürlich was. Und du siehst das ja auf dem Etikett, es ist ja bei uns auch tatsächlich so, wir hatten 2021 bei uns im Hofbräuhaus einen großen Etiketten-Relaunch und, ja, da haben wir uns damals, ja, da waren wir so zu 10, zu 12, mit Inhaber, Geschäftsführer, Abteilungsleiter, Braumeistern und da haben wir uns wirklich für jede Biersorte einmal getroffen, haben dieses Bier dazu getrunken und haben Geschichten darüber erzählt und das haben wir dann alles aufgeschrieben und das haben wir dann in unsere Etiketten eingearbeitet. Also du hast das ja bei den anderen Flaschen auch schon gesehen, diese ganzen Storys, die wir hier erzählen können, beim Doppelbock siehst du zum Beispiel unten den Kurfürsten Maximilian, der ja der Brauereigründer war und nach dem wir dieses Bier benannt haben, den haben wir unten auf dem Etikett drauf, mit den Rauten dazu. Also wir haben uns da wirklich sehr, sehr stark auseinandergesetzt mit unseren Sorten, mit der Historie dazu und haben danach die Etiketten kreiert.

Markus: Ja und ich habe jetzt, wo du es gesagt hast, auch das Etikett noch mal weiter näher angeschaut, das ist ja wirklich wunder-, wunderschön. Also oben sitzt ein Mond mit Sternen, der strahlt dann so über einen geflochten Gerstenkranz, würde ich mal sagen, nach unten und dann hat man rechts und links eine Mönchsfigur sitzen mit einem Heiligenschein, also vielleicht einen Heiligen, darüber steht Papa Sanxit, also Papa steht vielleicht für den Papst oder so, ich weiß es gar nicht und, genau, schaut ein bisschen aus wie so eben eine historische Zeichnung, oben noch die Bayernrauten drin. Hat das was Bestimmtes auf sich, mit der Zeichnung?

Matthias: Das hat zum Beispiel jetzt hier den Hintergrund, dass wir da ganz stark an die klösterlichen Traditionen erinnern wollten. In der Fastenzeit ist ja bekanntermaßen sehr viel von dem Bockbier getrunken worden und, ja, diese klösterlichen Traditionen in Bayern, die wollten wir da auch noch mal darstellen auf unserem Etikett, weil einfach diese Biersorte natürlich sehr stark auch daraus geboren wurde. Der Mond ist dafür da, um die etwas dunklere Farbe sozusagen, also dieses Finstere, dieses Dunkle zu charakterisieren und, ja, so haben wir da überall eine Story dahinter.

Markus: Ja, also ich habe jetzt gerade mal unseren Freund Google bemüht und offensichtlich, also was ich mir vorstellen könnte, ich weiß nicht, ob es stimmt, aber dieses Papa Sanxit heißt ja praktisch, der Vater hat es, ja, genehmigt oder bestätigt oder anerkannt oder so.

Matthias: Das ist ja diese Erlaubnis gewesen für den dunklen Doppelbock, diese Story, wo man dem Papst mal dieses Bier rübergefahren hat, um wirklich mal genehmigen zu lassen, ob das für die Mönche in der Fastenzeit auch in Ordnung ist d das Bier ist auf der langen Reise sauer geworden und damit hat er es genehmigt, so zumindest die Geschichte. Und diese Genehmigung haben wir quasi auf unserem Etikett auch noch mal abgedruckt.

Markus: Wunderbar, also ein von allerhöchster Stelle genehmigtes Bier, das wir uns jetzt genehmigen, also wunderbar. Ich mache mal auf, so. Uih, ja, wunderschön. Also die Farbe ist ein richtig schönes Rotbraun, also ein, ja, Kastanienbraun, würde ich sagen, mit einem ganz tollen Rotschimmer, so Kirschrot, richtig schön da drin, klar und obendrauf sitzt dann ein richtig schöner braunbeiger Schaum, auch wieder kräftig, also für so ein starkes Bier eigentlich ein richtig guter Schaum, richtig viel davon, der auch da lange steht. Und, ja, der Raum ist schon voll, also das merkt man sofort, diese schönen malzigen Röstigen, das geht so in so eine Vollmilchschokolade, Haselnuss, Nougat, also ganz tolle Aromen. Gerade zur Weihnachtszeit, perfekt eigentlich, ich hab noch gar nicht in meinen Adventskalender geschaut. Also richtig weich, richtig rund, also ganz, ganz großartige Nase. Ja, also voll, eigentlich die ganze Röstpalette im positiven Sinne, fährt die so durch, toll, also kann man nichts anderes sagen. Oh ja und am Gaumen dann geht es ein bisschen mehr in die Kaffeeröstaromen-Richtung und merkt man auch ein bisschen den Alkoholgehalt durchaus, also hat eine gewisse Intensität, eine gewisse Schwere. Die Fruchtigkeit kommt auch, interessanterweise, es kommt so ein bisschen, ja, so eine Mischung aus Feigen, Trockenbeeren ein bisschen, auch wieder Kirschen, erinnert ein bisschen an die Farbe, die man so hatte. Im Nachtrunk ist es dann wie so ein Nuss-Nougat-Ding, also wenn man so einen ganz großen Löffel Nutella hat, das, was da so übrigbleibt, das hat man hier ganz schön. Und was man auch merkt, es ist ganz wohlig weich, wie es da so den Gaumen runterläuft und man kann dieses Bier nachverfolgen, bis es dann irgendwann unten ankommt. Also ganz schön, ganz rund und kann seine Energie nicht verbergen, will es auch nicht, muss es auch nicht, also wirklich schönes, selbstbewusstes, tolles Bockbier. Und ehrlich gesagt, auch wie beim Weizen, schon eine Hopfennote, die man erkennt, also sehr schön, passt auch gut, also, ja.

Matthias: Als Gegengewicht brauchst du da natürlich den Hopfen auch irgendwo, weil, wie du sagst, da ist das Malz natürlich schon sehr mächtig. Und das Ganze darf nicht zu süß wirken, das muss im Trunk auch eben ausbalanciert sein und da haben wir den Hopfen drin und der macht uns da wirklich ein schönes Stück Gegengewicht. Und ansonsten auch, also ich bin ein absoluter Fan von diesem Bier, jetzt sind wir wieder beim Thema Genuss, da ist dieses Bier absolut, absolut top. Und, ja, man schmeckt auch, dass es absolut ausgelagert ist, wir haben hier eine Lagerzeit von 3 Monaten, also richtig, auch hier wieder nach der alten bayerischen Art interpretiert, so wie man einen Doppelbock machen sollte und genau so machen wir es. Das ist uns auferlegt, diese bayerische Brauart immer noch hochleben zu lassen.

Markus: Eine Pflicht, gegen die man sich nicht wehrt, das ist schon sehr schön.

Matthias: So ist es.

Markus: Ja und auch nicht wehren will, ja. Und habt ihr so ein Bockbier-Anstich oder Fest oder sowas, wann diese Biere präsentiert werden?

Matthias: Ja, wir haben tatsächlich bei uns in der Brauerei im historischen Saal seit 2010 wieder ein eigenes Starkbier-Fest. Da bringen wir knappe 200 Leute unter im schön restaurierten alten Saal des Hauses, direkt in der Brauerei. Also das ist immer sehr, sehr schnell ausverkauft, die Karten in Traunstein sind immer nur wenige Stunden teilweise auf dem Markt. Und das ist natürlich auch eine sehr, sehr schöne Tradition, die sehr viel Spaß macht, dieses Starkbier-Fest bei uns im Hause. Und im Chiemgau selber ist es ja auch noch so, dass viele Starkbier-Feste abgehalten werden. Also ist schon noch was, was es hier in ziemlich lebendiger Form zu betrachten gibt.

Markus: Und ist es bei euch dann eher im Frühjahr oder eher jetzt im Winter?

Matthias: Ist im Frühjahr, in der Fastenzeit.

Markus: So klassisch, wie man es eben so in München ja auch hat zum Beispiel.

Matthias: Genau, in der Fastenzeit vor August dann..

Markus: Und ist da dann auch so ein Programm noch mit irgendwelchen Reden oder irgendwelchen Sachen oder man genießt einfach das Bier?

Matthias: Ja, da werden Reden gehalten, da ist ein Kabarettist da, da werden die Politiker, die Lokalpolitiker und Sonstiges an Prominenz zerplekt, wie man sagt, ja, also volles Programm.

Markus: Schön, also volles Bier, volles Programm, das gefällt mir echt richtig gut. Ist das auch etwas, was man gut lagern kann?

Matthias: Ja, es ist tatsächlich so, dass wir bei uns in der Brauerei die Bockbiere seit 2004 auch immer wieder aufbehalten, also diese dunklen Doppelböcke. Und hochinteressant, nach über 20 Jahren, das ist so ziemlich eine der wenigen Biersorten, die nicht schlechter wird über die Zeit, also diese reifen, dunklen Doppelböcke schmecken auch ganz, ganz hervorragend. Also da verstärkt sich das Karamellige noch ein bisschen, die Biere werden nicht unrunder, sondern das ist immer noch sehr, sehr harmonisch und echt toll und immer wieder auch interessant, alte dunkle Doppelböcke, in Anführungsstrichen, zu verkosten. Macht auch wahnsinnig viel Spaß, machen wir von Zeit zu Zeit und ist wirklich was Schönes.

Markus: Also da würde ich mich ja fast mal selber einladen, also das muss man unbedingt mal machen, also ich finde das auch großartig. In der Ausbildung mache ich das manchmal, wenn wir so Blindverkostungen machen, nehme ich oft so sowas wie den Doppelbock, meistens vielleicht so 10 Jahre alt ungefähr, mache dann die Etiketten runter und dann ist es ja einfach so ein kleines Fläschchen, was da steht, keiner kann sich was darunter vorstellen. Und wenn man das dann einschenkt und die Leute raten lässt, was es für ein Bierstil ist, dann kommen die fast immer so mit Quadrupel oder Dubel, also auf jeden Fall in der belgischen Richtung, weil sich dann eben noch mal dieses Trockenbärige mehr entwickelt hat über die Zeit und das Malzige noch mal runder wird, der Hopfen sich ein bisschen abbaut. Und das sind, also wie du schon sagst, das sind ganz tolle Biere, die man wunderbar lagern kann, die sich super entwickeln und wo man eben auch mal sieht, so ein weiteres Potenzial, was wir bei Bier so ein bisschen vergessen haben, dass eben eine Alterung durchaus auch positiv sein kann oder zumindest interessant, das wird von vielen eben gar nicht wahrgenommen. Also das kann man jedem mal sagen, kauft euch mal so einen Kasten und stellt ihn mal in euren Keller für 2, 3 Jahre und dann verkostet immer wieder mal und erlebt einfach, wie sich so ein Bier verändert, das ist großartig, also sehr schön. Was macht ihr sonst noch auf der Bockseite, gibt es noch andere Bockbiere von euch?

Matthias: Ja, wir haben tatsächlich noch einen hellen Bock, auch 100 % Pilzner-Malz, ist aber quasi mit 16,5 % Stammwürze, also da sind wir von dem her ein bisschen schwächer, aber der ist halt dafür hoch vergoren. Und der ist natürlich auch eine ganz schöne Biersorte, haben uns auch schon mal das ein oder andere Mal den Spaß gemacht, das nicht zu sagen, was das gerade ist und viele Endverbraucher haben es nicht unterscheiden können von einem normalen Hellen, weil der eben auch so schlank ist und weil der eben auch absolut Drinkability hat und da ist natürlich das Ergebnis dann durchschlagend. Aber ist auch eine ganz, ganz tolle Biersorte, also der helle Bock. Ist zwar nicht die absolute Trendsorte, aber gerade in Italien geht da immer noch recht viel und für mich auch ein wunderbares Bier.

Markus: Also heller Bock ist halt auch gefährlich, weil man eben den Alkohol nicht sofort merkt und das Gefährliche ist ja auch, wenn das dann mal drin ist, ist es drin, dann kann man es nicht mehr ändern. Aber ja, toll, also wie gesagt, jetzt haben wir diese 5 wunderbaren Biere durch und wirklich jedes auf seine Art und Weise super, super geschmackvoll, super spot on, auch für die jeweiligen Bierstile und alle aber auch mit einer eigenen Note, mit einem eigenen individuellen Geschmack, wo man auch eben merkt, das ist jetzt kein Massenprodukt sozusagen, sondern da macht jemand auch seine Handschrift irgendwie mit rein. Schön, also toll, vielen Dank an der Stelle. Was mich noch interessieren würde, du hast jetzt schon ein paar Mal erwähnt, Italien, das heißt, für euch ist das ein wichtiger Markt, wie seid ihr da hingekommen und wie funktioniert das? Seid ihr regelmäßig da irgendwie auf Messen oder wie kommt man da hin?

Matthias: Ja, es ist tatsächlich ein sehr, sehr wichtiger Markt für uns mittlerweile, ein sehr interessanter Markt, weil die Italiener ja bekanntermaßen sehr genussfreudig sind und durch unsere Lage, wir sind ja nicht weit entfernt vom Brenner, da sind wir natürlich logistisch ganz gut angebunden. Und da gibt es tatsächlich eine Geschäftsbeziehung, ich meine seit 2004 und, ja, die haben wir ausgebaut, haben wir gepflegt, haben da tolle Partner, also gerade im Bereich Südtirol, Trentino sind wir sehr gut vertreten, geht aber rüber, Venezien, Friaul, also bis runter Kalabrien, also wir haben da wirklich, ich sage mal, sind wir sehr, sehr gut vertreten. Ich würde sagen, das sind um die 20 % unseres Hektoliter-Umsatzes, die in Italien getrunken werden und das hat sich wirklich top entwickelt und sind wir auch auf der Hochqualitätsschiene unterwegs, auf der Hochpreisschiene, muss man auch sagen, unterwegs. Aber die Italiener lieben diese charaktervollen Biere, die lieben Bayern, die lieben das, was wir als Hofbräuhaus Traunstein sind und es macht auch absolut Spaß, also es gibt regelmäßigen Kontakt, sind oft hier bei den Brauereiführungen, wir sind auch oft vor Ort und, ja, es ist eine sehr, sehr angenehme und schöne Zusammenarbeit, muss ich sagen.

Markus: Ja, also das muss ich auch sagen, die Italiener, also in ihrer Gesamtheit, haben wirklich die bayerischen Biere lieben und schätzen gelernt. Und das ist auch nachhaltig, also finde ich ganz interessant, also selbst mitten in Rom gibt es eine Craft-Beer-Bar, sage ich mal, in Anführungsstrichen, die davon lebt, bayerische und fränkische Biere vor allem auch auszuschenken. Und ich war früher öfters in Mailand auf der Messe, die da immer um Nikolaus rum ist, Artigiano in Fiera heißt die und da gibt es oder gab es, weiß ich gar nicht, ob es noch so ist, aber früher war da auf jeden Fall immer eine Halle, wo auch große Bierstände waren aus Franken, aus Bayern und da waren ab Eröffnungszeit, waren da die Leute gesessen und haben wirklich also einerseits getrunken, aber andererseits sich auch interessiert für die Brauereien, für die Geschichte, für die Personen. Bis hin zu Rimini, wo ich nächstes Jahr auch wieder sein werde, für den Wettbewerb dort, Birra dell’Anno und da ist im Nachgang immer auch eine große Messe, wo die italienischen Brauer alle da sind und da aber auch eine Halle ist, wo dann eben auch Brauer aus Deutschland, schwerpunktmäßig auch aus Bayern da sind und da merkt man auch, also das Interesse ist einfach da und eine große Wertschätzung und eine Liebe auch dazu und das macht wirklich viel Freude. Und ich kann mir vorstellen, jetzt haben wir ja bald Olympia in Italien, also in Cortina d´Ampezzo und in Mailand und da in der ganzen Gegend drumherum, da seid ihr sicher auch gut vertreten, also wird vielleicht das eine oder andere Bierchen auch in ein Goldkehlchen fließen, wie auch immer. Also dir auf jeden Fall ganz, ganz vielen Dank für die tollen Biere, für deine Auskunftsfreudigkeit an so einem Samstagmorgen, ist ja auch nicht selbstverständlich, vielen Dank und ja, dir auf jeden Fall noch eine schöne Zeit bis zum Weihnachtsfest und dann einen guten Rutsch natürlich auch ins neue Jahr.

Matthias: Sehr gerne, vielen Dank auch und es hat absolut Spaß gemacht, war eine richtig coole Geschichte. Ebenso natürlich schöne Weihnachten und frohe Festtage und hoffentlich natürlich das eine oder andere Genussbierchen noch dazu.

Markus: Ja, das Schöne ist, du hast mir ja von jedem zwei geschickt.

Matthias: Ja klar.

Markus: Wunderbar, also die werden schon noch ihren Weg finden, danke schön, tschau.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

BierTalk English 42 – Interview with Vinnie Cilurzo, Co-Founder of Russian River Brewing Company, USA

Welcome back to BierTalk — this time we’re heading to Sonoma County, California, to talk with Vinnie Cilurzo, co-owner of Russian River Brewing Company. We dive into what makes Russian River beers so famously crisp and consistent: an uncompromising focus on freshness — cold chain, low oxygen, tight distribution, and quality control all the way to the shelf. Vinnie also opens the brewhouse door and shares the thinking behind his hopping approach, recipe evolution (yes, even Pliny the Elder), and why staying relevant means never stopping the work. And because it’s Russian River, we also touch wild beer, the story of the “Vinnie Nail,” the fonio collaboration with Garrett Oliver, and their latest sustainability step: CO₂ recovery. Grab a beer — and enjoy the conversation…

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hello and welcome to another episode of our podcast BierTalk. Today I’m very happy to again go to the other side of the planet, where it’s probably warmer than here, because we have winter time here in Germany now and we are in California, and I’m very happy to have Vinnie Cilurzo from Russian River here on air. And it’s great that you are here, and maybe you can introduce yourself a little to our listeners?

Vinnie: Sure, of course. Well, first, it’s great to be here, happy to spend the next whatever hour, whatever now time is. I’m Vinnie Cilurzo, co-owner of Russian River Brewing Company. We are a craft -brewery in the United States, specifically in California and more specifically in Sonoma County. So that’s about 50 or 60 kilometreers north of San Francisco, over the Golden Gate Bridge. So that means that any time we go to San Francisco, my wife and business partner Natalie and I, we get to drive over the Golden Gate Bridge, which never gets old, so kind of a cool part of being here. We’re right in the middle of wine country, so we have hundreds of wineries surrounding us, the Napa Valley and the Sonoma wine country. The name of our brewery, Russian River Brewing Company, comes from the actual river that runs through Sonoma County, and it’s also the wine appellation here, which has a very similar climate to Burgundy in France, so we grow a lot of Pinot Noir and Chardonnay. So I’m as much of a wine drinker as I am a beer drinker. And our brewery has been open since 1997, so that makes us pretty historical in the current craft-beer -segment, where most breweries opened much more recently, and I’ve actually been in craft beer, micro-brewed beer, as it was originally called, since 1994.

Markus: Yeah, thats a long time. And also Im very curious, I hope I will have the time to come to San Francisco and then the Bay Area in the next years. A gGood friend of mine, Pete Schlossberg, is always inviting me and treating me with chocolates and whatever , maybe we will have the moment. Maybe to start right into the middle, for me, the most impressive moment when I had your beers was, when I was in Las Vegas last year for the CPC and judging at the World Beer Cup, and I started exploring the city and then I had a longer walk, and I came to a place called Zombie Brewing or Zombies Brewing. And it looked a bit strange, it was behind a bridge. And then I went there and opened the door and then there were three beers from Russian River on tap. I tried them all immediately and they were so fresh and crisp. And that was my first time and I had them on tap and so I ultimately really fell in love. And what do you think, why is it like that? What do you think you are doing different fromto others.

Vinnie: Well, first off, Vegas is an interesting market for us. Its one of our smallest, if not our smallest, markets and I like to think of it as a bit of a pressure relief valve, if you will, so if we ever have excess beer, it goes to Vegas. Vegas will get beer every month, but its volume fluctuates. And theres really only maybe six or eight places that sell our beer in Vegas on tap, so you just happened to stumble ontoand one of the very few. T and then there’s just a handful of accounts that sell it in a market, so off-premise, so bottles or cans that you can take to go, so, it’s a very small market, but it’s close to us, from California. But for the freshness factor, you kind of hit upon one of the cornerstones of our business, and one of our ethos in our model that has always been there ever since the day that we opened two-plus decades ago, and that is to focus on freshness. And obviously, we have super high standards in the brewery and were doing everything we can to make ultra-fresh beer, so keeping oxygen levels really low and all the other things that go along with that. But one of the things that you hear a lot, at least here in the States, and I know in Germany, most beer is not kept cold all the way through the distribution chain, but thats actually something that we can do here in the States if you put your mind to it, and thats something we do at Russian River. So, once the beer comes off the packaging line, it immediately goes into a cold box. When we deliver it, we sell to about 500 accounts that we deliver directly to in the Bay Area, so that would be San Francisco, Oakland, and then up here in the area where were at , so all the accounts that sell our beer are mandated by us, Russian River Brewery, to keep the beer cold. When we ship to a distributor, to a regional distributor, say in Southern California or maybe up to Oregon or Washington or to Colorado, we ship the beer cold there as well, and so the beer that you had in Vegas would have been shipped cold. And then were only shipping as much, only enough beer for that distributor to sell in the following three to four weeks, and then they have to wait for the next shipment, and they have to sell out of it. We also have, for the most part, a Russian River Brewery employee covering every market that we sell our beer in, and so their job is really less about selling beer, and theyre more a brand ambassador and a quality ambassador for freshness, and theyre making sure that the stock is ultra-fresh I, and if they find old beer, like an old bottle of this or that, instead of doing the traditional way, which would be in the United States, where the distributor comes back in and buys back the beer from the account, and then they would split the loss of that beer that they didnt get to sell with the brewery, our sales team, our brand ambassador team, our Russian River Brewery team that’s out in the street, they just buy the beer right off the shelf. In fact, I was just up in Seattle two weeks ago, brewing a beer with a friend, doing a collaboration, and I was working the market the day before with our rep up there, and we found a few bottles of pale ale of ours that was past code, and Jeremy just bought them right off the shelf, and we walked out with six bottles of our beer that were out of code. To be honest with you, they were probably still in good shape, but that’s just the ethos and values that we live by. And so that is one of the ways that we ensure that our beer is ultra fresh, and I often get texts from friends in Southern California that buy a bottle of our beer, and they say “I, is this right?” This was just bottled five days ago, and that is very common, Wand were often are taking pallets right off the packaging line and loading them right into trucks, and then they land at the distributor and because we keep low inventories at the distributor, we get ultra fresh beer out into the market, even as a 50,000 barrel brewery, which is the size we are.

Markus: Isn’t that maybe also the key factor in general for American IPAs? Because if I think in Germany, of course, we have great hops and great hop areas, but it takes a long time until the hop is harvested, and then it’s brought to cooperatives, and then it’s processed, and whatever, and maybe it takes a year until breweries are really starting to brew and so many IPAs we have here simply don’t have the freshness already in the hops, and also then it takes a time to bring it to the markets, whatever. So, many years ago, when I was first time to Yakima, that was the same impression for me. I was there, and the beers were so much more hoppy, intense and crisp, yeah, full of these fruity, pliney, tasty, whatever aromas. Is that maybe also some important part of the American IPAs?

Vinnie: Yeah, when youre talking about IPA directly and West Coast IPA or American IPA or hazy IPA even, the freshness of the hops is obviously a big deal. One thing that you’ll find here in the Sstates, in the major hop farms in the Pacific Northwest that you won’t find, for the most part this is a genegeneraliszation, but for the most part, German farms, because most of them are so small, they don not have cold storage on their facilities, whereas almost all the farms here in the Sstates will have at least a small cold box. And they’re also running their hops from their farm to whoever processes for them, literally the same day or if not the same day, the next day that they were bailed and then from there, theyre going right into cold storage. So that cold storage is something thats really a focus on the hop industry here, and always has been. We are already brewing with Croppier 2025 hops, so hops that were harvested just in early September this year. We’re already brewing with some of those hops right now. So there is truly a freshness factor there. And if your hops are pelleted, all else being equal, if they’re pelleted and you store them at cold temperatures, say, I mean, our hop freezers are below freezing, so theyre 25° degree Fahrenheit, so were like -negative 3°C or something like that. Anyways, if you cold- store your hops and theyre pelleted properly, they’ll actually hold for several years, and that’s pretty well accepted in the industry, whether you’re in the US or Germany or wherever. But it’s getting to that point and trying to get them there in a reasonable amount of time. We also use a fair amount of whole Holcone hops. And here in the States, whole Holcone hops are bailed into 200-pound bales, so that is about 90 or 91 kilogrammes per bale. We actually will have those bales cut into quarter bales and then put into mylar bags that are nitrogen- flushed. And we do this because it preserves them a little bit better. So, although it costs us a little bit more because we are using whole Holcone hops, it does help us there. So yeah, from the IPA standpoint too, you also have to look at how they are stored and sold in the store. I say this all the time to our customers, “Don’t ever buy our IPA if you don’t see it stored cold in the store.” And 99% of the time it is, and that’s what our sales team’s main job is, is to drive quality with our retailer partners. But even if it’s not Russian River, if it’s a big brewery, a big national craft brewery or someone smaller than us, if that IPA isn’t stored cold, don’t buy it. That to me is the very first thing a consumer can do to protect their dollar and make sure that what they’re buying is really fresh. And then second is, when you buy that or look at that can or bottle of IPA in the store here, if it does not have a packaged- on date, a bottled-on or a canned- on date, I wouldn’t buy it either. As a consumer, I want to know when this beer was put into a can or a bottle and that will help drive my decision on how fresh the beer is and if I want to buy it or not.

Markus: That’s really impressive to hear, especially as we have the German perspective, and we had only one company which tried to start to have something like a cool chain and also fridges everywhere and trying to have a surveillance that itis really kept cold. But in the end, it didn’t work. The employees of these stores started storing their lunch inside of these fridges and not the beer. And so it was really, maybe it still has to be some time until this idea reaches Germany, whatever.

Vinnie: I’ll also add that that’s the mindset for a lot of big breweries, big distributors, here in the States as well. So that’s not specific to Germany. And I see that everywhere, in other countries that Natalie and I are fortunate enough to travel to. And so it takes a very special craft brewery in America, and it takes a lot of work to make that happen. But you can do it. But it does take an awful lot of work and you have to be able to stand behind your values, your ethos and your beer. YAnd you have to be ready to buy it back when its in cold storage still and is out of code. And that’s something that we do and really the values that we live by. And we’re an IPA brewery first and foremost. And we do make about 15%. So one five, 15% of our production is lagers, a Pilsner and a Helles. But gosh, like 80% of our beers that we sell, produce and sell as IPA. So we live and die by the freshness.

Markus: Yeah. And you were just talking about the hop cones. So what is the contribution for you that you say, okay, I still want to use the whole hop cones in my product?

Vinnie: Yeah. So we use whole cone hops on the hot side. So we have a hop back, or a hop jack as its called. And so our brew house is Ziemann, made by a German manufacturer there. And we really absolutely love our Ziemann brew house. And when we went to design the brew house with them, this was something that we asked them to do. And they were very open to do. We actually got pushback from some other brew house manufacturers when we were shopping this around. And in fact, Ziemann had already done it once previous for another American brewery. So they had experience doing this when they installed the brew house at the Karbach Brewing Company in Texas. And so what we do is we replace a lot of our whirlpool hops, which traditionally would contribute to mostly just aroma on the hot side. And we switch those into whole cone hops and put them in a hop back. And so the wort, after its done boiling in the kettle , and I will say that we use a lot of hop extracts, CO2, pure resin hop extract for bittering. That’s something I’ve been doing since 1998. And I’m a firm believer in using this product. And then we’re also using more advanced htop products on the dry hop side, which I know wouldn’t be legal in Germany. I talked to Eric Toft from Schöoenraomer about this, and he’s always like, “Ooh, that’s illegal. We can’t do that here.” But anyway, so that’s some other stuff that we do that’s downstream that we can talk about also. But back to the whole cone hops. So then when the wort transfers to the whirlpool, it goes through the normal process in the whirlpool. And then from there, so, theres very few pellets added in the whirlpool. From there wort is transferred and flows over the top of the whole cone hops in this hop back small vessel. And then the wort exits the vessel and then to a pump. And then the pump sends the wort, the unfermented beer, directly to the wort cooler. And the idea is that the wort is only in contact with the hops for maybe five minutes. And so this wort, being in contact withfor the hops for a short amount of time, will still will extract the volatile and beautiful hop oils that we want. But then the wort gets cooled down immediately. And so we lock in those aromatic compounds into the wort. And then the wort goes off, gets aerated, yeast added, and off to the fermenter. And whereas, if you think about a whirlpool process and the traditional method of US breweries and most breweries around the world, but specifically thinking aboutto IPA, when you make that whirlpool hop addition, let’s say you have itthe wort takes 10 minutes to transfer the wort from your kettle to your whirlpool, which is average for us, fast for some probably, maybe slower than others, but probably it’s faster than most. And then the wort will sit for 20 minutes to wait for it to stop spinning. And then, for us, its 30 to 40 minutes to cool our wort down. So youre now well over an hour that those hops have been in contact with the wort. And although we are extracting flavours and whatnot from the hops, we’re also losing a lot of those hop aromas, those super delicate hop aromas, which are really volatile at the warm temperature. And they’re just going out the kettle stack. And so this is not a novel concept. This is something that Sierra Nevada Brewing Company here in the United States, which I believe just celebrated their 40th anniversary, have been doing forever. And its something that I saw at Sierra Nevada when I was still a home brewer touring their brewery years ago, decades ago. And so it’s something that we adopted here. And I really like what it adds to our IPAs. And so thats the foundation of it. So, are we leaving something behind in the hops when we discharge them and they just go to the compost bin? We absolutely are. But we also have more control of our aromas and flavours that we’re getting from the hops. And we also have more control of our bitterness because were also not extracting a lot of bitterness from the hops at this point. And then we’re not losing the aroma, because we have less contact time. And for us, we like it. It may not be the best process for every brewery, but for us, it works really well. And like I said, that’s not unique to us, but it is somewhat unique in the industry in the US, because you do have very few breweries using whole cone hops. And I think for us, it’s about 17 or 18% percent of our total hop purchases are whole cone. When you get to the dry hop stage of our brewing process for IPA, we, for the most part, are always dry hopping after fermentation is complete. We’ve removed as much yeast as we can from the cone of the tank. We add the hops to the top of the tank. And then we usually weill do a pH adjustment at this point. So, before the hops go in, we’ll adjust the pH of the beer down with food- grade phosphoric acid. And that’s because what we now know from hops is that for every pound per barrel of hops that we dry hop, we raise the pH of the beer on average of 0.1. So again, the pH will go up on average 0.1. So its really 0.08 to 0.14, depending on the hop variety, but let’s just say it’s 0.1. So for every pound per barrel we dry hop, we’re taking the pH up by 0.1. So if the end of fermentation is that the beer is, say, 4.3 and we dry hop at three pounds per barrel, we’re going to probably go from 4.3 to 4.6 pH. And at 4.6 pH, we have a hard time reducing the diacetyl from hop creep. Hop creep’s the secondary fermentation that we see from the enzymes in the hops. And so the enzymes break down the residual long- chain sugars, which are adding sweetness and body to the beer. And then we have a secondary fermentation, we have a spike in VDK or diacetyl. And so if were not lowering pH, the yeast has a hard time reducing that. And so we make this phosphoric acid addition to lower the pH, to counter the rise in pH we get from dry hopping. And then this in turn helps us get through the dry hop process quicker. And then we also have a unique process in dry hopping that all of our fermenters here at our big production brewery have a port on the back of the tank on the cone where we can insert a mixer. The brand is called Guth, it’s a German company, but we can get them here and they’re pretty readily used in the wine industry. And so we’ll mix the tank with a portable flexible stainless steel impeller mixer. And this gets the hops integrated into the beer more quickly and we get more extraction out of the hops as well.

Markus: Yeah, that’s very interesting. And as far as I understand, its a lot about two things. It’s extraction on one side, but also transformation on the other side.

And so, in terms of the whole hop cones, that means if you have this shorter contact time with the whole hop cones, you also have less transformation of these aromas and more extraction of these first very volatile, very specific aromas. And maybe that’s the explanation for why you have so different aromas on that side than if you would use it, lets say classic way. And in general, we now have a lot of experiments here in terms of the bio-transformation. Are you also experimenting with that on thate last side of the beer?

Vinnie: Yeah. And I’ll also add, just to clarify, that on the dry hop side, we are using pellets. So we’re using pellets on the dry hop, but we are using whole cones. So yeah, your explanation is correct on the hot side, but yeah, pellets. And then we also use a lot of concentrated pellets. So they go by different brand names, whether it’s Cryo or CGX, and Haas has their version as well as Steiner. So we’re using those as well, which we see helps reduce hop creep. But anyways, back to bio-transformation, thats something, it’s still a pretty big buzzword, at least here in the United States craft beer world, amongst small breweries that are focused on IPA. It’s not something weve really looked too deep at because I think it’s a very, very difficult thing to quantify whether you have it or not, because most breweries will talk about bio-transformation based on academia saying that it does or does not work with this yeast or that yeast and at this point in the process. But if you’re a small brewery and you don’t have the ability to then do a side-by-side a brew that doesn’t have that same process, you know what Im saying? To do a control and then do whatever your process is to try to trigger bio-transformation. How do you really know if you’re having bio-transformation or not? And let’s also call a spade a spade that here in the States, it’s that typical American mindset, if a little is good, a lot’s better. And when I started out brewing at my first brewery in Southern California that was called Blind Pig, which is now our main IPA brand outside of Pliny the Elder, it’s our single IPA, if you will. It’s our number two selling beer now. It was revolutionary to dry hop at one pound per barrel. Now, one pound per barrel is, if you’re not talking about concentrated pellets or anything like that, just straight T90 pellets, one pound per barrel here in the United States is pedestrian. It’s not a huge dry hop load. I mean, you have breweries whose average dry hop load is four pounds per barrel, five pounds per barrel, albeit these are small breweries, but still it is a sizable amount of hops that are going in. And so I bring this up because, is it really bio-transformation that we’re seeing, or is it just the sheer volume of hops that we’re adding to the beer and you’re just creating these super intense aromas and flavours?

Markus: Good question. And really also a great difference fromto the German amounts of hops, which are normally used for beers here.

Vinnie: Yeah. And I don’t mean to downplay bio-transformation. I’m not saying it doesn’t happen. I’m just saying that most people that talk about it probably haven’t been able to do research and do a side-by-side with or without whatever that process is. And I guess from that standpoint, I’m just a little more scientifically minded. I’m definitely a very artistic brewer, but there needs to be science behind it as well. And at the end of the day, I just feel like, you know what, if the process we’re doing works and it tastes and smells great, then that’s fine. And I’m good with that.

Markus: Absolutely. And you mentioned Sierra Nevada. And I think for me, maybe the big difference is if you look at the iconic Sierra Nevada products like the Pale Ale or the Torpedo Extra IPA, these were still based on, let’s say, a British-like idea with crystal malt and all that. And I think you were one of the first to remove these crystal malts and, like, open the canvas for the hops. Is that right or was there something in between?

Vinnie: Yeah, that’s the one thing even early, early on, if I look all the way back to Blind Pig, where I still have my old brew log recipes, you know, yes, we did use some crystal malt in our IPAs, in my IPAs, but it was a very small percentage, 2% to 3% of crystal 15 or crystal 40. And we did this for a long time. But even when the rest of the U.S. craft beer industry was growing with IPAs, most breweries were making their IPAs much higher in crystal malt, much like what you had mentioned with Sierra Nevada, Torpedo and whatnot. And yes, their IPA and a lot of other large craft breweries‘ IPAs still have some crystal malt, whereas we were always on the lower end. So our beers always popped a little bit more. We certainly weren’t the first brewery to explore removing it completely, but it’s something that we did many, many, many years ago. And, you know, I think of, and you may have some listeners that say, “Wwell, aren’t your consumers, your customers, you know, used to what that flavour profile is?” And yes, to one extent, but, you know, I think our consumer is also open-minded enough that if we can make the beer better, then that is good for them as well. And I’ve always thought of our recipes as more concepts rather than a concrete recipe that is just locked in and we can’t make changes to it. You’d be shocked if you looked at the Pliny the Elder recipe from 20 years ago to what it is now. The main through- line is the two- row base malt. There’s sugar added for a drier beer for the fermentation. And that also helps us reduce the fan levels, the free amino nitrogen. But also the other only, like, main through- lines is the Simcoe hop and then Amarillo being the number two hop. Past that, you know, all the hops are much different. In fact, we just recently added in a brand new hop called Tangier and dropped out a few hop varieties. You know, it’s always been a citrus-focused driven flavour profile along with pine and stone fruit. And so, this new hop Tangier allows us to get a nice orange quality, a citrus quality, as opposed to having to blend a few hops together. So, I’m always looking and I do a lot of work in our pilot brewery on new hop varieties to try to think about how we can incorporate them into the beer. And one of the ways to make the flavour and aroma in an IPA pop is to really just use a clean canvas. And yes, most smaller to mid-size breweries here in the States are not using crystal malt in their IPA. They’re using either Pilsner or two- row malt as the base. And sometimes with or without a percentage of dextrose sugar as well, as part of the fermentation mix. Now, with that said, you also need to look who your clientele is and your market. And for us, our market and the people we sell to are, you know, are open-minded enough and they trust Russian River Brewing Company. They trust the quality of our beer. They trust that every time they buy a bottle or can of our beer, it’s going to be super high quality. But they also trust in all the R&D and the pilot work I do in our pilot brewery to make our beers better. And we’ve always been very transparent about it. Weve never been secretive about the fact that we are often, you know, trialling things in the pilot brewery. And if they work out, they will eventually work their way into our beer. But I also think that’s whats kept us relevant. You know, Russian River Brewery is now 26 or 27 years old. I can’t even remember. So, we’ve been around a long time. And, you know, one of the things that has kept us relevant, and let’s talk about Pliny the Elder, our number one selling beer, our double IPA, is that the recipe has evolved with the palatelet. And so, at least for our customers, they want to follow where we’re going, which is making the beer dry or making it more hop-t forward. Whereas someone larger who has more of a wider audience and a broader audience, like Sierra Nevada or New Belgium or whoever, you know, they may still stick with the model of putting crystal malt in their IPA because they’re marketing to a broader audience who maybe wants a little more sweetness, you know, in the beer. And thats’s one of the things that that ingredient is going to give. I was just at the Craft Beer and Brewing bBrewers rRetreat, and it was at Sierra Nevada Mills River, and one of the other guest breweries there is from Florida. And he was talking about the IPAs he makes and how he still has more of an old- school IPA. And what he was referring to was that it still has some crystal malt in it because that’s what his customers want. And so, it’s important to not just move your recipe because it’s what you want. You do still need to know that your customer is going to be open to that. And that’s one of the great things about having, we have two brew pubs, so each of our brewery locations have a restaurant attached to it, is that we have direct communication with the customer. And so, I can make a beer and we have a brand we have a thats called Rn&D, so capital R, lowercase and then capital D, so like research and development. And anytime a customer sees Rn&D on the chalkboard, they know that I made that beer in their little five-barrel pilot brewery. And so, our bartenders and servers can get direct feedback, and then I can extract that feedback from our front- of- house team and learn, you know, like, well, did they like this, was this too much, was there not enough flavour, so on and so forth.

Markus: Maybe this is even the biggest challenge, because if I think back to the days in Berlin, I wrote a book about all the Berlin craft breweries like 15 years ago. And when I came back five years ago, and wase’re talking to those who were iconic 15 years ago, most of them said, “Okay, it was great when we started when all the craft beer ideas in Germany, in Berlin started, people came in every day, wanted to have the new beer, the new shit, and try it the next day, something different, and whatever, it was like a roller coaster. And now, 10 years later, they don’t look at us anymore, because we are now the old guys, and we are the guys that have been there.” So they go to other ones, to newer ones, which make more, more releases for whatever things. And I think that is that is quite tough to, on one side, be innovative and productive and go to these demands. And on the other side, to keep something, some iconic, some continuous beers, like like other breweries in Germany, which have beenare existing for 600 years, more or less doing the same beers all thisese time, and still on the market. So that’s, I think that’s, that’s really a difference or a challenge if you start a new brewery, like 25 years ago, and find a way to be, on one side, still these new guys which make the interesting, trendy stuff and the others, on the other side, to have a business with a with a customer base, which are used to specific beers and like them once and once again, and stick toon the on the brand.

Vinnie: You just hit the nail on the head with what keeps Natalie and I up at night and why I was up at 3.30 this morning laying in bed because, I’m always thinking about what I can do to our beers to keep them relevant and keep them focused and keep the consumers focus on us. There is a trend here in the United States for many small breweries to not have a flagship beer, meaning they don’t have one main beer that represents them. I feel, and Natalies, the same way, we feel very fortunate that we have a beer like Pliny the Elder, that is our number one beer that represents 60 or 65% of our total volume production. It makes planning much easier. But it also gives us a lot of, you know, different batches to keep making it better and better, just like, you know, the German breweries you mentioned, you know, that only make a handful of beers. There’s something really magical about being able to brew the same beer over and over again and dial it in and get your process down. I love that and I’m happy that we have,e, you know, that and that, you know, really, four or five of our beers represent like 98 or 95% of our total volume, with one of those being 60 or 65%.

Markus: Yeah, when I was talking to Jamie Bogner some, no, maybe a year ago, we were, of course, also talking about the IPAs and the development of the IPA and the pale ale. And he mentioned that more and more breweries start to more or less brew them as lagers, so use lager yeast, and so change the whole idea of that. Do you have an idea about that?

Vinnie: Yeah, yeah, it’s interesting you bring that up. We’re doing a collaboration with a brewery in Los Angeles called Highland Park in January, that arguably was the one that brought this to the forefront. Interestingly, Matt Brenelson from Firestone Walker and I have talked about this on and off over the years, but Bob Kuntz at Highland Park is the one whothat really brought this to fruition and has a really great story. And I’ll be at their very small brewery. You know, he’s also the one that brought West Coast Pils to the forefront and would actually be a really interesting interview for you to chat with him, because it’s a modern version of Pilsner with an IPA flavour profile. But yeah, so he ferments all of his IPAs with lager yeast. So you are starting your fermentation cooler, but not as cold as a classic Pilsner or Helles or whatever other lager style, but definitely cooler than if you were using an ale yeast. And so we do make some IPAs where we are using lager yeast for that fermentation. And what you get is an even cleaner fermentation profile. You get fewerless esters, which again, here in the States, breweries are trying to have a super clean malt foundation, a really clean yeast contribution, and then let the hops really pop. And then you continue the process as if it’s an IPA, and the beer warms up through the fermentation so that when you’re dry hopping, you’re up to dry hop temperature, which is 68° Fahrenheit or 20° C, and off you go. And you do have more sulphfur. You have a little bit more sulphfur, but that’s not a bad thing because with that extra sulphfur, you have a little more shelf stability. It’s acting as a preservative. But I do know that some breweries also fight a little acetaldehyde in their IPA when they are fermenting with lager yeast. So there, it’s really a balance of not fermenting too cold, but fermenting warm enough to where you’re blowing off some of these quote unquote “off” flavours, but also cold enough to where you’re achieving what you’re trying to achieve, which is a cold fermentation to have a really clean platform. So yeah, we do do do this, but it’s not our regular process. Our regular yeast for our IPAs is Chico yeast, which is of course a reference to Sierra Nevada Brewing Company and the yeast that they started with. And rumour is, is that that yeast originally came from the Ballantyne Brewery, which is an old IPA brewery, which has some great history, in the middle of the mid- US. I actually don’t know if that’s totally true, and I’m not even sure if Ken knows that or not. But regardless, it’s a workhorse of an IPA, and it’s sort of the equivalent of 34/70, but on the ale side. It actually ferments quite cold for an ale yeast. It can ferment warmer. It’s pretty clean. Yes, it does have some ester contribution, but not a huge amount if you ferment it on the lower end of its spectrum. And 34/70 is kind of that same way. You can ferment it really cold. You can ferment it warmer. They’re just both super flexible yeasts that are, I’d say theyre related in the sense that they have that ability to really be flexible in how the brewer wants to use them.

Markus: Yeah. And there is some logic behind it. If you think that maybe American IPA started with bringing it more and more hop- forward. So first you reduce the crystal malt, also the malty part, make it more like a canvas for the hops. And then you may even reduce yeast aromas to have even more space for the hops, which is somehow logical for me. So, interesting. And now we have a lot of cold IPAs and all that stuff here also, which we get from the States and many nice beers among them. In general, I think that change in the beer world, at least in Europe, but probably also in the States, also goes another way, because people are drinking less or at least different. Also, they maybe have less money or they spend less money and they want alternative drinks like kombucha and hop water and whatever things. So in general, the alcohol consumption goes down and the interest on alcoholic beer goes down. Do you have this also at your brewery, and are you developing other products too?

Vinnie: You know, the only alternative thing that we make is hop water, at least right now. I mentioned that we add some advanced hop products. They’re flowable liquid- extracted hops. So basically super concentrated hops into a flowable form for some of our beers. So that replaces some of the T90 pellets. And we have reasons for doing that. And you can take some of those same products and make hop water and make a really clean, nice, easy- drinking hop water. That’s really the only thing we do. We don’t make non-alcoholic beer. We don’t make seltzer or, you know, FMBs, so.Those things just aren’t in our purview. Our real focus is just staying on our lane. We know what we’re good at. We know that we can always do better. We never rest on our laurels. You know, Natalie and I always say that we run our business with a little bit of paranoia. We’re always looking over our shoulder, always thinking that someone can do better. And that’s what drives us to keep making better and better beer and be more sustainable and do all the things we do that keeps our business healthy. You know, we’re going to have 5% growth this year. We had 7% growth last year and a couple percent growth the year before. You know, in the history of Russian River Brewery, there’s only been one or two years when we haven’t had any growth. And I’m also a firm believer that, to be successful, you don’t need to just keep growing. You know, the wine industry here proves that every year, that you can be a 10,000 case winery and do that year after year after year and not grow. You find other ways to, you know, you raise your prices a little bit, you find efficiencies, so on and so forth. And so, you know, for us, our business is pretty healthy, given the climate. And we’re very, you know, humbled and honoured that folks will continue to buy our beer even after all these years. But, you know, we also work our butts off to do that. But we also have made sure that were staying in our lane, like I just said a minute ago. And staying in our lane means that we don’t need to make seltzer. And I don’t have any issue with anyone making seltzers or kombucha or whatever you have to do to survive. If that’s what you need to do and your customers buying it, great, but it’s just not who we are. I have made, or I shouldn’t say made, I’ve attempted to make non-alcoholic beer three times in our pilot brewery. By the third time, it tasted as good as most of the major NA beers here in the States, but it didn’t taste any better. And with that in mind, you know, we haven’t released any NA beer. I’ve dumped them all. Would I like to have a non-alcoholic beer for our two brew pubs? I would. I would like to have one that we make, but until I can make one that meets, you know, what I think I want the flavour to be, we will continue to buy a non-alcoholic beer from another brewery. So we serve Firestone Walkers 805, which I think is one of the best non-alcoholic beers here in the States. And I’m fine with that, because they can make a better version of it than we can make. And but like I said, we’ll just stay in our lane and just try to keep focusing on making all of our beers better, and have better shelf stability, flavour stability, aroma stability, all that stuff.

Markus: First of all, it’s great to hear that your business is doing well. So I’m very happy about that. And second, I think it’s maybe the first time I ever heard from an American brewer that the main focus is not to grow. For me, that was always the big difference between most of the brewers I know here in my area, in Franconia, because if you ask them, they would never say, “We want to grow”, because they produce what they can produce. And they are always on that level and they won’t make more and they sell everything they produce. And that’s good for them. And when I went to the States, always the first or at least the second sentence was, okay, wwe have that plan of that growth and that growth and that and then we sell and whatever. And so for me, that was always a big difference. And I’m very, very, very happy to hear that also that thinking is there somewhere at least. That’s great.

Vinnie: Yeah. And all the growth we’ve had, this 3three to 5% growth, that’s all been organic. It’s not forced. We don’t tell our sales director, “You must find 5% more growth.” It’s just her telling Natalie and I, “Wwell, this is where the market’s going.” And if she came to us and said, “Twe don’t have anywhere to, there isn’t anywhere to grow”, that’s fine too. In fact, that’s what I expect every year. And we’re actually pushing up against our total capacity here at the brewery. And we aren’t looking to add more tanks and grow. And that’s actually what got a lot of breweries in trouble, is that they grew too fast and they invested too much. And then that loan payment was just too much to handle and they closed. And it’s really sad here in the States right now. There’s a lot of breweries closing small and large, and a lot of old iconic brands that are closing, going out of business. And that’s somebody’s dream. That’s someone’s business that’s closing. And although there are probably too many breweries here in the States right now, it’s still, it sucks for somebody in their business.

Markus: Yeah, I was very shocked , the last one I heard about was Rogue.

Vinnie: That’s the most recent one. And before that 21st Amendment. And when we were designing our big production brewery here in Windsor, California, which is just a short 10- minute drive from our brew pub in Santa Rosa, where we also brew and most people think of Russian River, one of the technical consultants we were using, he would, when we laid out what our, hes, someone we’ve known in the industry for years, but when he really got to know Natalie and I, and he’s, and he’s Belgian , he’s Flemish. So, you know, he has that idea of, like Trappist monasteries. He knows all about that. He, Floris would always say, “You and Natalie, you are like monks. Like you don’t grow your business. You’re not into growing your business. You think more like a monk does, with, you know, with the Trappist breweries that make beer.” And I always thought that was funny and wore it with a badge of honour and yeah, so, yeah, but there is a lot of truth in it.

Markus: But there is a lot of truth in it. What one thing, I have to ask, for a friend who is a very skilled home brewer and he has a lot of barrels where he is experimenting with and he uses a thing he calls the Vinniewind nail. And I think that refers to you. And he asked me if I can ever can talk to you, I have to ask you if there is a story behind that.

Vinnie: Yeah, so to give you a little background, I’m guess my claim to fame in the beer industry, is the double IPA, because Im credited with making the first modern, double IPA in the beer industry, back in 1994. And then the second thing is, is the Vinnie nail, so named after me. So essentially, when we started making barrel aged beers, I didn’t have a way. I was to pull a sample out. And if you know anything about doing, like, wild barrel- aged beer specifically, which is what we do and what were known for. When you add the pretend to my seas, you form a pellicle or a film yeast on the top. So if you use a traditional wine thief to pull a sample out, you break the pellicle and that’s not good because the pellicle is what protects the beer from too much oxygen. And with the pellicle, the only oxygen you’re getting is the micro- oxygenation through the wood. So the thought was, was to drill a hole in the head of the barrel. And then I stick a stainless steel nail in the head of the barrel. And so you then use a hammer, the backside of a hammer, to pull the nail out. And then you have a cup and the sample just trickles out of the nail, and you can kind of control the flow by the, if the bung is in or not, and the barrel is vented, and then you put the nail back in. It’s always important to have an extra nail in your pocket or I tuck it into my watch band. Funny story ,,Natalie gave me an, I watch for Christmas a few years ago, and it’s got a stainless steel band that I can pull tight. And that’s where I stick the nail. So it’s a use of my, I watch that. I didn’t know that I, that I would actually, you know, use for that reason, but you pull the sample and the, the, the beer comes out and its below the level of the pellicle. And so that’s the reason behind it and how it got started and, why I did it originally. I had looked at a bunch of different things that you could use, to put in to that hole and most were either too big or they were too clumsy, or it just wasn’t the right fit, but a nail, a stainless steel nail was perfect.

Markus: Absolutely. And it really works perfectly even in my friend’s cellar. So that’s great, yeah.

Vinnie: Yeah, it works. It works well. And it’s, and I get, and I’ll be honest, I chuckle to myself whenever I see a picture of, you know, in a beer magazine or a story about, you know, someone pulling a sample and they pull the nail as, as it’s called, and they’re taking their sample. And I’d think back to just how like simple and utilitarian and why I did it. And we’re really, you know, that’s another part of our business that’s, that’s growing again, our sour, wild, funky beer programme. Every, all these beers age in used wine barrels, or we have fooders. So upright wooden tanks that we’dve bought from wineries, that didn’t have a use anymore. You know, these beers were once about 10 or even 12% of our total beer sales. And then, no, from probably 2018 to 2022. So, through the pandemic, also the, they dropped and you know, back in the 2010 to 2015, it seemed like every brewery, at least in California, was making some form of a wild beer. So to some degree, our sales got diluted just by other people making them, but slowly and little by little as other breweries stopped making them. And we’re one of the only breweries that distributes our wild beers throughout the whole state of California, where we sell 80% of our beer in total, just in California. I mean, it’s 40 million people live here. It’s a small country in and of itself. So we have a huge marketplace and an audience, those sales have gone back up and we can almost like can’t keep the wild beers in stock, but the differences is we’re selling a lot more draughft wild beer instead of bottles, which is fine. We’re well take it either way. And I’m just excited that people are still drinking, these types of beers and theyr’re curious about it. And again, you know, as a lot of these breweries havethat we’re doing, it have dropped out of this part of the market, the overall quality of the wild beers being sold out in the marketplace has gone up, because those of us that are still making it like the lost Abbey, Beachwood, a little brewery in Southern California. And there’s, and you know, like Allagash on the eEast coast, from Portland, Maine. And there are’s many more that are still in the game, but the quality level is up again, because everyone that’s left already was already making super high quality wild, you know, funky barrel- aged beer. And here we are again, those same breweries are now the ones left and the quality is there. And that’s really exciting.

Markus: It’s about quality and innovation in a way. I know our hour is coming to an end, but I have two points I want to spotlight a little bit. One is the alternative grains idea. So you had this project with Garrett Oliver about Fonio, and I would just be curious or be interested about your experiences with Fonio and how it went and if there is a continuation on that.

Vinnie: Yeah, yeah, I love, that was such a great project and we, you know, we absolutely love Garrett and all he’s doing. And you knowI, if your listeners don’t know about the Michael Jackson Foundation, I encourage them to look it up on the internet and all the good work he’s doing there. And then he’s got this Fonio project that started out with Natalie and I trying some of his Fonio beers in 2019. And then, last year he asked us to be a part of the Bbrewing for Iimpact, collaboration, which was a global collaboration that also included Guinness and Carlsberg. And we were lucky enough to be the one US brewery. They asked to be a part of it. And so we made a Belgian blonde ale, that was inspired by a blonde ale that we were drinking at West Flutter in their blonde, back in 2022 when Garrett and Natalie and I were travelling together in Belgium. And so we kind of used that as the inspiration, thenat made a Belgian blonde ale that had 30% Fonio. And it went over really well in the marketplace. And we even made used Fonio in our kitchens at the pubs. And so if your listeners don’t know, Fonio is an ancient, Western African grain thats 5,000 years old that has the ability to grow virtually in sand without any irrigation, no fertiliszer, no pesticides, no insecticides, so on and so forth. It really is an incredible grain, has great flavour. When you eat it, it has this kind of nutty quality to it. But in beer, it comes off as being like a lychee fruit or a Sauvignon Blanc white grape type of flavour. It’s really cool. So, even past that project, we’ve continued to use it. We use it in our, in our saison, that’s called Robert. We make a blonde ale that we actually have the Fonio blonde ale on right now. And we’ve continued to tweak the recipe, but that’s now, just using our Chico yeast. So it’s a really clean beer, it has the colour of like an industrial lager because the Fonio lightens the colour up so much. We’re using a little bit of Nelson hops from New Zealand, kind of melds well with those flavours from the Fonio, and we’re using 30% Fonio in the grain bill. This year, 2026 coming up, we have a partnership with whole foods where theyre going to be featuring our Fonio beer and all of the whole foods that we sell in mostly here in California, but a couple of the other states we shipped to as well, that they’re going to have this, focused on Eearth Dday, which is in April. So that’s pretty cool. So yeah, we we’ve continued to use it and I’m super excited, and really just happy for Garrett and honoured that he asked us to be a part of the project and it really got us into using it.

Markus: Yeah, that’s really great to hear. And I must say, I tried some of the beers he made with athe Senegalese brewer in Africa and I was really surprised.

Vinnie: The Fonio Guinness was amazing. That was my favourite of all the ones I tried.

Markus: Unfortunately, I haven’t tried that, but maybe there is the opportunity in the future. The other point I want to talk about a little is, you are just installing a CO2 recovery equipment at your facility, and I would be curious about how was the decision was on that and what do you hope to achieve with it?

Vinnie: Yeah, that was so seven years ago when we opened and started building our production brewery, our big production brewery, we decided that we were going to install CO2 recovery down the line. And so we designed it into the facility, but couldn’t afford to put it in then hindsight, that was a blessing in disguise, because there’s been so much more advancement for small CO2 recovery equipment from just seven years ago to now. So in the end, we went with Daluem, just an absolutely amazing company. And we are really thrilled with what we have. So yeah, we did a lot, I did a lot of research the last few years. And then, you know, last year and into early this year, we installed all the hard piping and whatnot ourselves. And then they came in and helped us install the equipment. And so we’re now a 100%hundred percent off the grid. We don’t buy CO2 anymore. We send CO2 to our Santa Rosa pub as well. Weve even sold a CO2 cause we have an excess CO2. We’ve sold CO2 to another local brewery and since July 23rd, which is the day we turned it on, we’ve collected, about 225,000 pounds of CO2. So it’s pretty, it’s a pretty exciting and something Natalie and I have always wanted to do. We have a lot of sustainability built into our brewery. We have a wastewater treatment plant that treats all of the, it’s a pretreatment that treats all the brewery effluent. Most of that water gets treated at the end and refiltered and comes back into the building. And that’s our cleaning water for all the brewing. So our CIP is all reclaimed water. The whole landscape of our property is, is watered with recycled non-potable recycled water from our municipality. None of the rainwater, leaves our property. It all goes into the ground and then naturally into the aquifers or it flows out tohe wetlands that we have. Some day we’ll be able to run all of our toilets on the recycled water. Once some of the regulations change here in the state, and then solar would be the very last thing we do down the line. And we picked solar last because it’s the most expensive.

Markus: Fantastic to hear. And really interesting how big the change was between the first days when you started and the challenges then and what do you have now.? And that also leads me to maybe my last question. So if you would sit down with your younger self at the very start of your brewery journey, what would you say to yourself after all that perspective?

Vinnie: Yeah, that’s a shocking that we’ve got to where we are. I would have never thought that, you know, we would be a 50,000 barrel brewery. We did it very slowly, but were thrilled, you know, with what we’ved done, but yeah, just a total surprise. I didn’t think that we’d ever be at this level. I always, I remember going to Sierra Nevada as a home brewer and seeing the brewery and how pretty and shiny it was and just how tight it was and immaculate and efficient and just like, I would have never have thought that we would have had a facility like that. And you know, we’re humbled that people drink our beer the way they do and you know, honoured that, that we’re still relevant and in peoples conversations about beer. So, yeah, I think a younger Vinniey would have been shocked that, to see what beer has done for us.

Markus: And not only for you, also for us, I’m a really big fan. So thank you very, very much for your time, for the information.

Vinnie: Yeah. I hope you can come visit us sometime and maybe come out for our Plinyplenty of the younger triple IPA release some day.

Markus: I will do my best. Thank you very much and have a nice day.

Vinnie: Take care.

BierTalk 156 – Interview 2 mit Werner Schuegraf, Gründer, Braumeister und Ingenieur von Hopfenhäcker aus München

In dieser Folge geht’s nach fünf Jahren wieder nach München – und zwar zu einem Brauer, der sich seinen Weg nicht „geerbt“, sondern selbst erarbeitet hat: Werner Schuegraf von Hopfenhäcker, manchen bereits bekannt von BierTalk Folge 7. Wir sprechen darüber, wie aus den ersten Schritten bei Spaten, einer prägenden Craft-Beer-Zeit in den USA der 90er und den ersten Suden in der eigenen Garage schließlich eine eigene Brauerei wurde – erst in einer ehemaligen Bäckerei, später mit einem spannenden neuen Kapitel in der Forschungsbrauerei München-Perlach. Werner erzählt, warum er klassische Bierstile liebt – und trotzdem gern an genau der Stelle „dreht“, wo man es nicht erwartet: etwa beim Hellen, das durch Double Dry Hopping plötzlich eine ganz neue Dimension bekommt. Dazu verkosten wir diesmal nicht sein klassisches Sortiment – von Kill Bill (Belgian Wit) bis zu den IP Brothers (India Pale Lager), sondern landen bei drei limitierten Sauerbieren, gereift in Whisky-, Portwein- und Rumfässern…

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute werden wir etwas ganz Schönes und sicherlich auch Spannendes und Interessantes machen, denn wir treffen uns mit jemand, den wir, ach Gott, vor fünf Jahren, über fünf Jahren, weit über fünf Jahren schon das erste Mal im BierTalk hatten und er hat ein neues Projekt und hat von diesem neuen Projekt uns ganz spannende Fläschchen zukommen lassen und das werden wir jetzt mit ihm gemeinsam verkosten. Ja, bleibt die Frage, wo wir sind, mit wem wir sprechen, ich lüfte das Geheimnis, wir sind in der Landeshauptstadt in München bei Werner Schuegraf, der dort die Hopfenhäcker Kreativbrauerei hat, mittlerweile an einer neuen Wirkungsstätte ist, da können wir gleich ein bisschen drüber reden. Und, ja, erst mal Werner, wunderbar, schön, dass du da bist. Und vielleicht für all die, die sich entweder nicht mehr erinnern an den letzten BierTalk oder die ihn nicht gehört haben, sage doch mal zwei, drei Worte zu dir selber.

Werner: Ja, Markus, hallo und hallo an alle anderen. Ja, zu mir selbst, ganz vorne angefangen, in München geboren und irgendwann dann entdeckt, dass man ja vielleicht Brauer machen könnte. Bei uns, also ich bin kein Brauer seit Generationen, sondern tatsächlich, in unserer Familie bin ich der Einzige und werde es auch vorerst mal bleiben, weil die Kinder alle das nicht weitermachen wollen. Also, Brauer gelernt beim Spaten in München, dann Weihenstephan, den Ingenieur gemacht. Dann dem Thema Gasthausbrauerei verschrieben, eine Zeitlang, ja, eigentlich dann weiterhin auch, war ich dann im Anlagenbau nach ein paar Jahren Gasthausbrauerei hier in München, Köln, Augsburg, dann eben Anlagenbau weltweit und da war dann eigentlich so meine erste Berührung in den 1990er-Jahren mit Craft Beer einfach in den USA, wo es losgegangen ist. War spannend, ich fand es spannend, die Kollegen teilweise fanden es mehr wie anstrengend oder untrinkbar. Ich fand es immer schon spannend, weil da Menschen kreativ was gemacht haben und das hat mir gefallen. Da gab es dann schon mal die Idee, vielleicht kann man sowas machen, deutsches Brauwesen mit amerikanischem Freidenken, also damals noch, wir sind jetzt in einer anderen politischen Situation, zu verbinden, ist dann aber untergegangen. Und dann mehr oder weniger durch einen Zufall 2014 ist es dann losgegangen, dass wir in der Garage im 100-Liter-Maßstab gebraut haben und dort dann auch einen Amerikaner kennengelernt, der, ja, wahrscheinlich sogar mehr deutsch ist, wie ich deutsch bin. Und so haben wir uns in die verschiedenen Bierstiele eingearbeitet, bis dann 2016 das Angebot kam, in München, Haidhausen, mitten im Trubel, eine Brauerei einzubauen, eine alte Bäckerei und das haben wir dann gemacht und seit 2016 sind wir halt gewerblich unterwegs.

Markus: Spannend auf jeden Fall. Und da habe ich dich ja auch schon mehrmals besuchen dürfen, in dieser ehemaligen Bäckerei, sehr interessante Location, ein bisschen verwinkelt, aber hat auch einfach gut zu euch gepasst, auch gut zu euch als Team, du bist ja mit deiner Frau oder Lebensgefährtin zusammen und machst das, und ihr habt auch ganz interessante Konzepte für die Biere, mit schönen Etiketten und tollen Namen. Wenn wir vielleicht so ein bisschen noch darauf eingehen, wie hast du da zu deiner Linie gefunden, weil du machst ja im Grunde schon eher, sage ich mal, klassische Bierstile, aber immer mit einem Twist und der ist dann meistens sehr spannend, sehr hopfig oder sehr, ja, aromatisch auf jeden Fall.

Werner: Ja, gut, so erkläre ich meine Biere auch, genauso, wie du gesagt hast, traditionell, aber mit einem Twist. Ja, es sollte schon die Kombination aus dem normalen schweren deutschen Brauertum und eben dieser Freidenke sein, was jetzt nicht unbedingt amerikanisch sein muss. Die Amerikaner haben sich ja auch bei uns umgesehen, waren in Belgien, waren weltweit, sage ich mal, unterwegs und haben dann gesagt, so, das ist jetzt Craft Beer. Also einfach über den Tellerrand geschaut, um, ja, Biere anders zu bringen, aber schon noch so, dass es einem nicht die Ohren aufdreht, sondern dass es auch der Normalbiertrinker versteht, das ist mir wichtig. Also es sollte einer, der immer nur Helles trinkt, dem möchte ich einmal was anderes geben und der soll danach sagen, oh, habe ich gar nicht gewusst, dass es so auch schmecken kann, das ist mir wichtig. Wir haben natürlich auch unser Helles, aber das ist halt doppelt kaltgehopft, also, ja, das ist so die Idee dahinter.

Markus: Ja und die Biere sind ja auch sehr erfolgreich. Ich war jetzt auch zuletzt im Finale vom Lieblingsbierwettbewerb, da haben wir uns ja auch gesehen. Du musstest dann ja oder ihr musstet ja dann aus diesem schönen Münchner Herzensstüberl raus. Wie hat sich das denn ergeben?

Werner: Ja, Februar 2019 wurden wir angesprochen von dem Hausbesitzer der Forschungsbrauerei hier in München-Perlach, also erst mal nur angesprochen, da gab es noch ein bisschen hin und her und dann beim nächsten Treffen war das Thema, ob man sich vorstellen kann, mit dem bisherigen Brauer zusammen hier am Standort Bier zu machen. Hintergrund war der, dass denen 2018 im Oktober das Sudhaus von 1936 endgültig kaputt gegangen ist und es war jetzt keine große Bereitschaft mehr da, richtig neu zu investieren, darum hat man sich ein bisschen umgeschaut, hat gesagt, welche Player sind hier in der Gegend, vielleicht hat ja einer Lust, hier einzuziehen und dann in Kooperation oder der eine braut montags, der andere braut dienstags und so weiter, lagert links und lagert rechts, so etwas zu machen. Und da haben wir gesagt, ja, ist keine so schlechte Idee, wir müssen ja drüben eh raus. Das war ja klar, dass das ein Abrisshaus ist und dass das nur eine begrenzte Zeit hat. Und dann haben wir den Prozess gestartet, bis wir so, ja, eigentlich waren wir uns auch klar mit dem vorhergehenden Brauer, dass wir das zusammen machen. 14 Tage nach unserem Kick-Off, mehr oder weniger Meeting, kam dann vom Hausbesitzer die Nachricht, der zweite Brauer oder der erste Brauer, wie immer mal sagen will, macht nicht mit, von dem her waren wir dann alleine hier am Standort. Und, ja, hätte nicht besser kommen können, sage ich mal.

Markus: Absolut. Und man muss auch noch sagen, die Forschungsbrauerei ist ja wirklich ein Kleinod in vielerlei Hinsicht, also liegt so ein bisschen außerhalb, schaut so aus wie so eine Mischung aus einem kleinen Schlösschen und so einem Industriedenkmal irgendwie, also ganz, ganz interessant. Und hat ja auch eine spannende Geschichte, war ja tatsächlich eine Forschungsbrauerei, in der auch lange Zeit eben Biotechnologie und Rezepte und so weiter erforscht worden sind. Interessanterweise bin ich da mal auch drauf gestoßen, als ich über die deutsche Biergeschichte recherchiert habe, da gibt es so eine Gruppe von englischen Bierexperten, die nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland sind und überall so ein bisschen geschaut haben, wo denn oder was denn spannend ist irgendwo in der deutschen Bierlandschaft, wo man was lernen könnte, wo man was kopieren könnte letzten Endes. Und einer der ganz wenigen Orte, der erstens noch relativ unversehrt war und wo sie dann auch spannende Sachen gefunden haben, war die Forschungsbrauerei, also da muss der Stand schon relativ hoch gewesen sein. Vielleicht kannst du so ein bisschen noch mal sagen, für alle, die jetzt nicht so genau wissen, wo das ist, dass wir das ein bisschen einordnen, wo liegt die Forschungsbrauerei und wie schaut es da ungefähr aus?

Werner: Ja, also die Forschungsbrauerei ist in München-Perlach, das ist der Südosten von München. Die Straße, in der wir sind, ist die Unterhachinger Straße, das heißt, die führt direkt nach Unterhaching, also Richtung Süden. Kleine Gemeinde irgendwann mal gewesen. Perlach selbst ist 1930 erst zu München gekommen und jetzt, spannend, 1930 ist auch die Forschungsbrauerei gegründet worden. Wenn man jetzt so ab von dem, was wir jetzt gerade reden wollten, noch mal sich das betrachtet, das Erste ist ja, wenn man in München eine Brauerei aufmacht, heißt es, wann gehst du aufs Oktoberfest? Überhaupt keine Ambitionen, will überhaupt niemand, weil das komplett Schmarrn ist, also zumindest in der Größenordnung, wie es jetzt betrieben wird. Ein Craft-Beer-Zelt, wo viele verschiedene Player drauf wären oder so, das würde dem Oktoberfest guttun, aber, ich sage mal so, nach den Regularien, die es jetzt gibt, hat man da keine Chance. Und jetzt aber, natürlich eine Grundvoraussetzung zur Aufnahme in den Verein Münchner Brauereien, und das ist ja wieder die Voraussetzung, dass man auf die Wiesn darf, ist eine hundertjährige Brautradition in München. Und das ist natürlich so ein kleiner Sidekick, Forschungsbrauerei 1930, 2030 sind gerade noch mal fünf Jahre hin, hat eine hundertjährige Brautradition, also das nebenbei. Ja, du hast es gesagt, das ist ein Industriedenkmal mehr oder weniger schon hier, wir sind zwar nicht denkmalgeschützt, aber es schaut so aus. Es sind zwei ähnliche Gebäude, weil 1930 wurde die ursprüngliche Brauerei gegründet und 1936 gegenüber der jetzt bestehenden Brauerei mit dann 20 Hektoliter Ausschlagmenge, also da hat man dann schon ein bisschen was produzieren können, die Alte war irgendwie mit 8 Hektoliter, das war relativ schnell zu klein. Und Gottfried Jakob, der Gründer, war ein sehr innovativer, einfallsreicher, gescheiter Mensch, hat Untersuchungen für Brauereien betrieben, hat Probesude gemacht, hat Gersten getestet, also es wurde hier auch selbst gemälzt, hat Druckkochungen, also verschiedenste Verfahren auch angewendet, die er selbst auch beraten hat und hat in den 50er-Jahren irgendwie 20 Patente geschrieben, also ganz ein gescheiter Mensch. Was für mich persönlich noch mal ganz spannend ist, auch wenn die Familie eigentlich nicht aus der Brauerei kommt, hat meine Großmutter beim Gabriel von Sedlmayr gearbeitet, in der Spatenbrauerei. Meine Großmutter war noch 1896 Jahrgang und hat mit dem Gottfried Jakob Untersuchungsaufträge verhandelt. Das ist natürlich für mich so ein Ding, wo sich jetzt der Kreis schließt, weil in unserer Familie die Forschungsbrauerei immer Thema war, obwohl wir nie da waren, weil wir im Südwesten aufgewachsen sind und der Münchner bewegt sich ja nur nach Süden und sonst nirgendswohin, von dem her sind wir fast nie in den Osten gekommen.

Markus: Also das wusste ich auch noch und das ist ein schöner Twist, dass du auch in deiner Familie eine direkte Verbindung sozusagen dazu hast. Aber jetzt müssen wir langsam einmal flüssig werden. Vielleicht noch ganz kurz, wir werden in den Shownotes natürlich auch die Website verlinken, dort gibt es auch einen Shop, also da kann man unter anderem mit Sicherheit auch die Biere bestellen, die wir heute verkosten. Aber ich kann auch nur empfehlen, mal zu den Klassikern zu schauen, also ich erinnere mich an Kill Bill zum Beispiel oder die IP Brothers oder, ich überlege gerade, den Roten kenne ich, glaube ich, noch und einige andere, also spannende Biere. Willst du da vielleicht noch zwei, drei Sätze dazu sagen, wenn jemand sich euer Sortiment so ein bisschen verkosten will, was würdest du dem so an die Hand geben?

Werner: Ja, alles am besten verkosten. Ich meine, wir haben ja vorhin darüber geredet, so ein bisschen klassisch im Grundaufbau, dann aber noch mal eins oben drauf, also da haben wir hell, weiß und rot, also das Handgehopfte, unser Helles, doppelt kaltgehopft, das Weiße, die Hanfblüte, mit Hanfblüten gestopft. Der Rote, Münchner Märzen nachempfunden, ist aber kein Märzen, jetzt reden wir mit einem Franken, also das ist ein Rotbier, zu Deutsch, da weiß der Oberfranken Bescheid. Dann ein bisschen internationaler, Kill Bill als Belgisch Witt, IP Brothers als IPL, also als Indian Pale Lager gemacht. Wir sagen zwar immer jetzt ein IPA, weil es viele Erklärungen immer nach sich zieht, aber es ist in Wahrheit ein IPL. Dann haben wir unseren Wuiderer, das ist ein Imperial Red Ale und dann, ja, King Leo, ein Pilz, was inspiriert ist von dem Bier der Löwenbräu, was es zu meiner Studienzeit gegeben hat. Eins der besten Pilzbiere in Deutschland, auch wenn es in Bayern gebraut wurde, haben mir die Leute bestätigt, die es damals gemacht haben und einer davon war der Narziß, der damals bei Löwenbräu war. Er hat mir auch ganz klar gesagt, was er gemacht hat, da war er schon über 90, darum habe ich gesagt, das muss ich unbedingt machen. Dann haben wir Saisonbiere, zurzeit ein Winterbier, ein Belgisch Dubbel. Und eins unserer Topseller ist das Alkoholfreie, der Easy Rider, kaltgehopftes, mit gestoppter Gärung. Ein schön aromatisches Bier, wo wir viele Fans haben, und das Ganze, ja, im Shop erhältlich. Und das, was wir jetzt dann verkosten, die sind tatsächlich noch nicht im Shop, weil wir immer ganz schwach sind mit diesen Dingen, da muss uns immer erst einer anfragen und sagen, wann wird es denn mal Zeit oder jetzt ist mal Zeit, macht das mal. Aber ansonsten kann man uns auch immer anschreiben, wir schicken es auch so.

Markus: Na, wunderbar. Also wie gesagt, das werden wir auch mit in die Shownotes geben. Und ansonsten, fühl dich schon mal angestupst, also wir zeichnen jetzt zwei Wochen vor Weihnachten auf, der Talk wird kurz nach Weihnachten online sein, das heißt, vielleicht ist es bis dahin ja passiert, wir gucken mal. Eine Frage noch zur Hanfblüte, wenn du sagst, es wird mit Hanfblüten gestopft, sind da dann auch ein paar gewisse Inhaltsstoffe in dem Bier oder eher nicht?

Werner: Ja, dürfen natürlich nicht, sind ja normale Bio-Hanfblüten, womit man sich auch jederzeit sein Tee aufgießen kann, im Bier dürfen sie natürlich nicht sein. Hatten wir am Anfang ein bisschen Probleme, aber nachdem die Politik sich da ja nicht bewegt, mit diesem Biergesetz und die Verwaltung nichts machen können will, machen wir das weiter, das Verfahren ist eingestellt worden. Und dasselbe gilt übrigens für das Kill Bill auch, weil da haben wir auch Gewürze und Bitterorange mit drin. Also wir sind da in der Duldung, mehr oder weniger.

Markus: Okay. Dann, also wie gesagt, Leute, wenn ihr es noch nicht probiert habt, dann macht das. Und jetzt stiegen wir ein in die neue Kreation, wie gesagt, das kam bei mir im Paket an und ich fühle mich auch schon ganz geehrt, weil ich noch nie, glaube ich, von einem Bier, das limitiert ist, die ersten Flaschen bekommen habe. Also da steht dann eben hinten drauf, die Reihenfolge, also die Nummerierung sozusagen und es sind 250 Flaschen pro Charge und ich habe dann immer die Nummer 1 bekommen, also da ich fühle mich ja schon mal ganz, ganz geehrt. Und wir haben also drei verschiedene Biere, vorne steht Sauerbier, fassgereiftes Sauerbier drauf und dann haben wir einmal im Whiskey-Fass, einmal im Portwein-Fass und einmal im Rum-Fass. Aber vielleicht kannst du uns erst mal so ein bisschen einführen, was ist das denn überhaupt für ein Bier und ist es immer dasselbe Grundbier oder wie verhält sich das?

Werner: Also in dem Fall ist es dasselbe Grundbier, ja, ein Vollbier mit Weizenanteil, mit der Lachancea vergoren, 5 Alkohol, also relativ, ja, ich sage mal, erst ein unspannendes Bier. Was wir mit dem Bier sonst noch gerne machen, ist unser tropischer Traum, also ein bisschen mit Maracuja mischen, kommt immer ganz gut an und spannenderweise auch bei traditionellen Biertrinkern. Ich habe schon manchmal die Angst gehabt, also auf Veranstaltungen, wenn dann die bei uns unten in Lederhosen und mit Hut und so weiter, die Traditionalisten kommen und du bietest denen das Bier an, dass du es wieder ins Gesicht kriegst, aber, nein, gerade bei solchen haben wir auch die Erfahrung gemacht, also da waren einmal drei Junge da, die wirklich aus dem Oberland in Vollverkleidung, in Volltracht waren und die haben sich dann noch zwei weitere gekauft, also ist spannend, ja. Genau und das Bier habe ich dann jetzt in diese drei Fässer gelegt. Die drei Fässer haben eine Vorgeschichte, die haben wir das Jahr zuvor, im Fall des Portweinfass, mit einem hellen Festbier belegt, was ich noch nie gemacht gehabt habe, ein helles Bier in ein Fass zu legen. Das war ein 14,5er, also ein richtiges Festbier, war da auch für neun Monate drin. War ein Traum, fand ich oder fanden viele. Dann, was wir schon öfter gemacht haben, das Imperial Red Ale mit knapp sechs Alkohol, obergärig, richtig schönes, eigentlich schweres Ale, ja, ins Whiskey-Fass, Slyrs-Fass, ein dreijähriges Whiskey-Fass. Ich hatte es auch schon im Zwölfjährigen, das war mir zu viel zum Thema Whiskey, das Dreijährige bringt noch mehr Noten vom Holz einfach mit, noch ein bisschen Vanille, das ist sehr viel angenehmer in Verbindung zum Bier, weil ich auch immer schaue, dass man noch erkennbar ein Bier hat und nicht nur dann einen Whiskey. Und das Rum-Fass hat die Vorgeschichte von unserem Valentinator, also einem dunklen Doppelbock, Jamaika-Rum-Fass, genau dasselbe, parallel neun Monate, gute neun Monate in diesem Fass und das war unsere letztjährige fassgereifte Tradition oder Galerie, oder wie sagt man. Ja und da habe ich jetzt in diese drei verschiedenen Fässer mit den drei verschiedenen Vorbelegungen das Sauerbier, das gleiche Sauerbier dieses Jahr rein und habe gesagt, das möchte ich jetzt ausprobieren, nicht wissend was passiert.

Markus: Du hast praktisch die Fässer geleert und sofort wieder gefüllt oder war da dazwischen dann …

Werner: Genau, ja.

Markus: Und wenn du sagst Sauerbier, das heißt, du hast da bewusst ein kesselsaures Bier gemacht oder was hast du da gemacht?

Werner: Tanksauer, mit der Lachancea, die ja irgendwann aufhört, Säure zu bilden, vergoren.

Markus: Dann bin ich ja mal gespannt. Also ist ja eigentlich vom Alkoholgehalt her, ich sage jetzt mal, nicht so üblich, also meistens hat man ja in den Holzfässern eher recht starke Biere. Wobei ich sagen muss, ich habe da schon ganz, ganz tolle Beispiele erlebt, die sogar auch noch tiefer waren, also ab 2, 3% schon. Es ist halt anders und das ist auch eben mal spannend, weil der Nachteil ist oft bei diesen sehr, sehr starken Bieren, dass es halt alles überpowert, hat man halt den Whisky zum Beispiel und dann noch so ein Imperial Stout, dann ist halt alles aus vollen Rohren. Und irgendwie ist es dann auch, überfordert einen das auch irgendwo und ist dann auch immer ein bisschen gleichförmig, weil das ist halt dann so intensiv, ja, ist halt so, aber es hat dann keine Komplexität. Insofern, bin ich mal sehr gespannt. Mit welchem sollen wir denn anfangen?

Werner: Also ich würde mit dem Port anfangen, das ist das Weichste tatsächlich, ja.

Markus: Dann mache ich mal auf, so. Also was ja schon mal ganz grandios ist, ist die Farbe. Also einerseits hat es einen schönen Gelb-Orange-Ton, das geht aber dann so in ein Rotgold über und hat dann eben gerade so, also beim Einschenken auch, so einen wunderschönen Rotschimmer, der einen dann fast schon an einen Portwein erinnert. Ist das bei dir auch so?

Werner: Ja, ist bei mir so. Ich weiß jetzt nicht ganz genau, welches Glas du hast.

Markus: Ich habe unser Verkostungsglas, aber gleichzeitig auch das Barrel-aged-Glas, ist also für dieses Bier eigentlich wahrscheinlich ziemlich gut.

Werner: Ich habe ein Weinglas tatsächlich, weil, wenn wir jetzt dann gleich trinken werden, ich glaube, du kannst mir dann sofort folgen, ohne dass ich was sage. Also ich trinke die Biere gerne aus einem Weinglas.

Markus: Ja, absolut, also, ich meine, sowas braucht sowieso Öffnung, Bauch, Raum, um sich entfalten zu können, auch ein bisschen atmen zu können und dafür sind die natürlich perfekt. Also Nase ist auf jeden Fall auch sehr interessant. Ich habe tatsächlich als allererstes auch so weinige Noten, die begleitet sind dann von so ein bisschen Honig, ein bisschen Karamell und dann kommt eben so diese süße Kirsche vom Portwein, sowas kommt auch so ein bisschen mit raus, also ganz interessant. Und was war da vorher für ein Bier noch drin, bevor das jetzt reinkam?

Werner: Ein Festbier, ein helles Festbier, relativ traditionell. Da war auch, da müsste ich jetzt nachschauen, kein Kalthopfen mehr mit drin. Also das war ein Bier, was wir für hier die evangelische Gemeinde zu ihrem 50-jährigen Gottesdienstjubiläum gebraut haben, die haben von Haus aus nur die Hälfte abgenommen, das war klar, aber war eine schöne Aktion. Und mit so Bieren, die wir dann für irgendjemand brauen und wo immer was übrigbleibt, da probiere ich immer gerne Dinge damit.

Markus: Absolut, bietet sich ja auch an. Und in dem Grundbier jetzt ist auch einfach, also es ist kein besonderer Hopfen oder irgendwas, einfach nur ein 5-%-Klassiker, aber eben gesäuert?

Werner: Ja, da ist Citra mit drin, da ist Perle, Sorachi haben wir auch noch da drauf. Aber das ist jetzt, also, ja, kein hopfenbetontes Bier, das soll es nicht werden.

Markus: Es ist jetzt bei mir auch noch ein bisschen wärmer geworden, da geht es auch noch in so eine Malve-, Hibiskus-Note, also wirklich sehr, sehr schön, ein bisschen Erdbeere fast sogar, eher so gekochte Erdbeeren, lustig. Und wenn man es trinkt, was ich ganz toll finde, ist dieses unglaublich weiche Mundgefühl. Also das geht ja sofort los, ist ganz samtig und ist auf der Zunge, liegt es auch schon ein bisschen schwer, aber moussiert auch und dann entfalten sich noch mal auch diese fruchtigen Aromen und der Trunk ist auch ganz weich und ganz rund. Durchaus wärmend, also dafür, dass es nur 5% hat, finde ich, ist es sehr, sehr dicht, sehr intensiv, also ganz volles Bier und auch von der Säure her ganz harmonisch. Also sie ist am Anfang da, bleibt auch da, ist aber eben auf einem Level, ich würde mal sagen, wahrscheinlich wie so ein Riesling oder so, also ganz angenehm und schön, ja.

Werner: Ich habe gewusst, du kommst auf den Punkt. Also ich versuche zwar immer, die Biere erkennbar als Biere, also auch die fassgelagerten, als Biere zu bringen, aber in dem Fall, würde ich sagen, du bist eher, eben, bei so einem Riesling, beim Cidre oder sowas. Also, wenn es jemand die Haare hochstellt, weil man sagt, das ist Sauerbier, es ist Sauerbier, darum deklariere ich es auch so, habe ich auch gar keine Furcht davor, aber es ist, es würde mir jeden, nicht jeden Wein, das ist jetzt ein Schmarrn, aber es würde mir auch einen Wein ersetzen, sage ich mal, als schönen Aperitif, vorm Essen sowas, du hast die Säure. Ich kriege jetzt tatsächlich gleich Hunger.

Markus: Schön.

Werner: Ja, das bereitet dich vor, es ist trocken, ja, das ist für mich, ich empfinde das sehr stark im Weinvergleich, ja.

Markus: Also ich kann mir jetzt vorstellen, dass zum Beispiel auch, also anstatt von einem Rosé, also so ein schöner leicht fruchtiger Sommerwein. Also das finde ich ja das Angenehme, weil es eben nicht so schwer ist, trinkt sich das auch viel leichter und hat im Grunde dann genau diesen Effekt, dass es durch die Säure auch ein bisschen erfrischend ist. Es ist auch, also obwohl dicht ist, jetzt trotzdem nicht so komplex von der Aromatik, dass es einen völlig überfordert. Also, ich glaube, das kann man einfach wirklich schön, wie du sagst, so als Aperitif oder wenn man so auf einem Fenster draußen sitzt, irgendwo auf einem Balkon im Sonnenuntergang, kann man das schön genießen, das ist echt ein tolles Bier, also spannend.

Werner: Ich meine, das war schon ordentlich sauer, das muss man schon sagen, ja, aber die Säure, die die abgebaut wurde über die Lagerzeit in dem Holz, phänomenal, also ich finde es sehr rund. Natürlich merkt man es an den Lippen, aber es hat sich sehr, sehr, sehr abgebaut.

Markus: Ist das ein Prozess, den du schon kanntest oder etwas, wo du jetzt sagst, okay, damit habe ich vielleicht irgendwie ein bisschen gerechnet, aber ich wusste es nicht und es hat sich jetzt so entwickelt?

Werner: Ja, ich habe schon damit gerechnet. Ich bin ja im anderen Leben noch, mache ich ja noch Gesundheitsprodukte, wo ich mich mit Milchsäurerfermentation beschäftige und habe mich da mit Milchsäuregärung, ja, dann auch natürlich als Brauer, Berliner Weisse, die ganzen Geschichten, wie die früher gemacht wurde, nicht unter zwei Jahren Lagerung oder Rodenbach, die es zwei Jahre im Holzfass haben, das war schon klar, dass sich die Säure abbaut, dass es so weit geht, war mir nicht klar.

Markus: Und sind das dann Mikroorganismen aus dem Fass, die das machen oder ist das was, was schon im Bier ist, was dann sich einfach entwickelt über die Zeit?

Werner: Das entwickelt sich einfach, das ist die Säure an sich, meine ich. Diese Ausreifung der Milchsäure, die kenne ich schon, welcher Mechanismus dahintersteht, Forschungsaufgabe, Jugend forscht, muss ich mal nachschauen.

Markus: Ja, deswegen bist du ja in der Forschungsbrauerei.

Werner: Genau.

Markus: Nein. Also wirklich, was mir echt auch sehr gut gefällt ist, was du auch gerade gesagt hast, diese Harmonie, diese Ausgewogenheit. Und oft ist es ja eher so eine Reise, entweder fängt es sehr sauer an und entwickelt sich dann oder andersrum, aber hier ist der Trunk wirklich von Anfang bis zum Ende sehr konsistent, auf einem sehr angenehmen, aber eben gleichbleibenden Niveau und die Säure unterstützt auch die Aromen. Also diese Fruchtigkeit, die ich habe, eben diese Erdbeernoten und Traubennoten natürlich und Kirsche so ein bisschen, all das passt auch genau zu dem Säure-Level, den man da hat. Also wenn ich jetzt überlege, das vergleichen würde mit einem richtig guten Erdbeerwein, also nicht so gesüßten Produkten, sondern eben so echt, dann ist das auch ähnlich und wirklich dieses Fruchtige, was da im Hintergrund ist, das gefällt mir echt richtig gut. Und du hast dann praktisch jeweils ein Fass oder hast du da bei dir mehrere rumstehen?

Werner: Nee, nee, so groß sind wir auch nicht, jeweils ein Fass, aber das sind doch 200-Liter-Fässer.

Markus: Das heißt, von jedem gibt es 250 Flaschen, wenn ich das richtig gesehen habe sozusagen.

Werner: Also wir haben noch nicht alle abgefüllt, aber vielleicht wären es auch 249 oder 251, aber das ist so die Menge, die wir befüllt haben und raushaben, also genau, die waren nicht ganz voll. Eben auch für einen, ich sage mal, besseren Kontakt mit der Umwelt habe ich die extra nicht ganz voll gemacht, denke ich, hat gewirkt.

Markus: Sucht man sich da eigentlich dann einen bestimmten Portwein raus oder ist das dann einfach ein Portwein-Fass?

Werner: Ja, da könnte man natürlich noch weiter philosophieren, also, ja, es geht dann schon auch um die Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit. Das ist ein Tawny Port, ist jetzt für Leute, mit denen ich gesprochen habe, ein guter Portwein, aber, also da müsste man noch viel testen, um zu sagen, Mensch, das ist besser. Beim Whisky-Fass habe ich es ja schon mal erfahren, was mir da besser tut, beim Portwein bin ich da noch zu neu, muss ich sagen, ja.

Markus: Naja, aber auf jeden Fall, das ist dir gut gelungen, da kann ich nur sagen, Hut ab, sozusagen, sehr schön, es ist, ja, also wie ein Mon Cherie mit weniger Schokolade. Also, nein, wirklich sehr, sehr angenehm. Und vor allem, wie gesagt, ich glaube, das Gute ist wirklich, es ist nicht so stark, die Säure ist auf einem sehr angenehmen Level und insgesamt ist es einfach sehr harmonisch, sehr weich, sehr rund und dadurch eben auch erfrischend und im positiven Sinne überraschend, also sehr schön. So, dann hätten wir jetzt noch Whisky und Rum, womit machen wir weiter?

Werner: Also ich bin immer beim Whisky dann als zweites, also wir steigern uns so ein bisschen in der Intensität der Nase oder so, also auch das Fass kommt dann ein bisschen mehr durch, du wirst sehen. Also ich würde mit dem Whisky und Rum ist dann so ein bisschen das Raueste am hinteren Ende.

Markus: Okay, also dann machen wir mal den Whisky auf, so. So, also, von der Optik her, würde ich sagen, ähnlich, ein bisschen goldener, ein bisschen weniger rot, aber es ist auch da, also einen gewissen Rotstich hat es auch. Was ich interessant finde, ich habe jetzt hier sehr viel mehr Schaum, also bei dem anderen war es eher wenig Schaum, hier hatte ich jetzt einen ordentlichen Schaum obendrauf, der auch immer noch ein bisschen steht und schöne weiße, feine Pörchen hat. Und es strahlt und lächelt mich an, also das auf jeden Fall.

Werner: Also ich habe jetzt tatsächlich beim ersten Bier, war überrascht, wie es bei mir geschäumt hat. Kann ich jetzt nicht sagen, vielleicht, ich meine, wir müssen das ja wieder ins Fass tun, ins Stahlfass und dann karbonisieren, vielleicht waren da Unterschiede, das kann schon gut sein.

Markus: Oder ich habe einfach anders eingeschenkt, das kann natürlich auch immer sein, man ist ja nie gleich, das gehört ja irgendwie auch dazu.

Werner: Bei mir war jetzt kein Unterschied und, wie gesagt, ja, es war relativ viel.

Markus: Vielleicht war ich bei dem ersten zu vorsichtig, das könnte auch sein, dass ich jetzt doch ein bisschen mehr Gas gegeben habe.

Werner: Vielleicht war es das, ja.

Markus: Also die Nase ist ja tatsächlich jetzt ganz anders, hat mehr dieses Malzige, fast schon Marzipanige, Vanille kommt jetzt auch mehr rüber und weniger dieses Fruchtige, was wir vorhin beim Portwein hatten.

Werner: Ja.

Markus: Ja, so auch so ein bisschen, geht so fast in so eine leichte Ledernote, also sehr, ja, wie gesagt, deutlich anders, man hat mehr von diesem Malzeindruck, man hat das Fass noch mal ein bisschen anders präsent, eben mit mehr Vanille, mit mehr Mandel, mehr Karamell.

Werner: Ja, es ist schon ein bisschen kerniger eben.

Markus: Jetzt kommt auch ein bisschen so Fruchtigkeit. Also ein bisschen anders, das geht eher so in Apfel oder Quitte, aber ist auf jeden Fall auch da.

Werner: Das Obst, ja.

Markus: Stimmt, ja, so feige Rosine. Ein bisschen Tabakleder, finde ich, hat es auch, also da ist noch so ein anderer Ansatz mit dabei. Was war das für ein Whisky, ein Slyrs-Whisky?

Werner: Slyrs, ja, 3-jähriger Slyrs.

Markus: Ja, also vom Geruch her auf jeden Fall auch schon sehr schön und ähnlich intensiv, aber eben anders in der Aromatik.

Werner: Ich bin komplett dabei, also es ist nicht ganz so harmonisch, also nicht so eine Einheit wie das Erste, es ist so links und rechts ein bisschen, wobei es sich danach wieder so formt zu einem Ding, also es ist auch da. Das andere hat einen durchgehenden Körper, das hat das jetzt nicht so, da überwiegt einmal das ein bisschen stärkere Aroma und das Bier geht in den Hintergrund.

Markus: Interessant, das ist jetzt ein bisschen mehr ein Spiel mit Süße und Säure. Also da hat man praktisch so auf der einen Seite dieses vom Bier Schrägstrich Whisky, Schrägstrich Fass, dieses Vanille, Karamellige, Malzige, ein bisschen Honig auf der einen Seite und auf der anderen Seite dann eben diese Säurenoten, die dann auch wieder ein bisschen ins Fruchtige gehen, aber für mich wechseln die sich so ein bisschen ab. Also vorher war es ja so eine durchgehende Aromatik, jetzt ist es so ein bisschen eben abwechselnd. Und hinten raus hat man dann tatsächlich so ein bisschen so einen Apfelmost, ja, fruchtigen Charakter eben auch noch mal mit Vanille und Karamell und einen schönen eher süßen Ausklang spannenderweise.

Werner: Dasselbe Bier, dieselbe Lagerzeit.

Markus: Aber es vereint sich wieder am Ende, sie kommen zusammen und dann, der Nachtrunk ist wieder schön einheitlich. Also das erzählt wie ein bisschen eine Geschichte, während man trinkt, da ist man eben mal ein bisschen mehr auf der Whisky-Seite, mal ein bisschen mehr auf der Bier-Seite, mal ein bisschen mehr beim Fass und dann kommt man wieder zurück. Also der Nachdruck ist ganz angenehm, das finde ich ganz schön, also weil das so eine süße Fruchtigkeit, wie, wenn man so einen Bratapfel gerade gegessen hat oder so, ein bisschen auch noch die Haut, also ein bisschen was Ledriges auch. Also ähnlich wie im Geruch auch, wenn man so einen Boskop-Apfel hat vielleicht oder so, der ein bisschen auch Gerbstoffe in der Haut hat und auch ein bisschen so die Gewürze von so einem Bratapfel sind irgendwie auch mit dabei. Und was war da in dem Whisky fast vorher für ein Bier drin?

Werner: Das Imperial Red Ale, also ein 6-%iges Red X, also eigentlich hauptsächlich Red-X-Malz, Amarillo, Centennial, ein bisschen Citra, Taurus, also so die kräftigen Dinge tatsächlich, ja.

Markus: Ich glaube, die haben sich schon auch ein bisschen bemerkbar gemacht, also die malzige Komponente auf jeden Fall noch mal. Und auch, diese Hopfen haben ja durchaus auch noch mal intensivere, auch fruchtige und gewürzige Aromen, ich könnte mir vorstellen, dass das auch, so ein bisschen zumindest, sich damit rüber gezogen hat.

Werner: Also wir haben die Fässer tatsächlich nicht ausgewaschen, sondern einfach nur auslaufen lassen und dann neu befüllt, ganz bewusst.

Markus: Und in dem Fass selber, ist da dann auch noch mal irgendwas passiert, gärungsmäßig oder mit Brett oder mit irgendwelchen anderen Mikroorganismen oder war das dann eher so, dass es einfach gereift ist?

Werner: Also nicht gesteuert, das war jetzt ein bisschen eine spontane Sache. Es hatte schon einen Deckel, sage ich mal, oder eine leichte Oberfläche, da ist schon noch mal was passiert, ja. Das war schon auch bewusst so gemacht, indem man da einfach auch den Luftraum gelassen hat, nicht nur einfach randvoll gefüllt und dem Sauerstoff keine Chance und damit auch irgendwelchen Mikroorganismen, sondern schon so, dass man noch eine Oberfläche hat, damit sich da noch was tut, aber spontan.

Markus: Hast du das zwischendurch mal probiert im Laufe dieser Lagerzeit?

Werner: Ja, ja, ich habe es regelmäßig probiert, war, ja, ich sage mal, es war ähnlich wie in dem Portwein-Fass das Festbier, nachdem ich das ja das erste Mal gemacht habe und immer so nicht ganz sicher war, ob ein helles Bier in einem Fass ausgebaut wirklich was bringt, war es auch über die Zeit so die ersten 5, 6 Monate so, dass man sagt, okay, ja, ist halt so und dann irgendwann hat es angezogen. Und wenn wir es dann raushaben und gesagt haben, was für ein Bier, also es hat sich wirklich dann entwickelt, aber relativ spät. Und die, ja, die Leute, die alle drei getrunken haben, die haben dann das Festbier im Port-Fass nachgekauft, ja.

Markus: Ja, ich glaube, das ist schon so, ja, weil so ein helles Bier halt doch noch mal mehr, sage ich mal, Raum bietet, dass sich eben die Aromen vom Fass und von der Vorbelegung da noch mal ausbreiten können, was halt oft bei zum Beispiel bei so einem Imperial Red oder einem Imperial Stout oder irgendwie so, da ist halt das Bier an sich total intensiv und lässt dann weniger Raum. Also vielleicht hat das was damit auch zu tun.

Werner: Du hast halt bei dem hellen Bier, wenn das irgendwelche Ausschläge macht, die können sehr dramatisch werden, ja, weil das nichts puffert. Aber ich bin tatsächlich totaler Fan, wir machen ja auch unser Flower Power, das ist eigentlich unser Sommerbier, das war eigentlich immer unser Maibier, schon gut gehopft, ein Festbier mit Bitterorange, auch so ein bisschen ein Ding. Und das ist so mein nächstes Projekt, dass ich das in eine Chardonnay-Fass lege, weil ich bin eigentlich ein totaler Fan von hellen Bieren. Also auch nicht über, das hat dann auch 6 Alkohol oder so und das ist dann einfach gut weggelegt, es ist so irgendwie, wie soll man sagen, subtiler, die Aromatik dann.

Markus: Auf jeden Fall. Wo ich auch mal ganz überrascht war, war ein heller Bock in einem Muskateller-Fass, das hat sich auch sehr schön verbunden. Also weil da der Bock, also der hat natürlich ein bisschen mehr Alkohol gehabt, aber an sich war er jetzt auch nicht sehr intensiv und hat dann wirklich sehr schön diese ganzen, ja, auch gewürzigen Traubenaromen von dem Muskateller aufgenommen, das war eine tolle Kombination. Also, ich glaube, da ist noch viel Musik drin und gerade was helle Biere angeht, ist halt noch nicht so viel ausprobiert worden. Also, wie gesagt, hier fühle ich mich wieder in so einer, ja, schönen, entweder in so einer sommerlichen Situation oder in so einem Aperitif oder so, also wirklich ein sehr schönes, frisches Bier, was man gerne trinkt. Vielleicht jetzt eins, wo man ein bisschen mehr noch drüber nachdenken kann. Also das Erste, finde ich, hat man einfach schön wegtrinken, im positiven Sinne, können und hier beschäftigt man sich vielleicht ein bisschen mehr damit und es kann eben auch die Whisky-Herkunft nicht verbergen und will es ja auch nicht, also insofern, das auf jeden Fall auch schön. Könnte ich mir auch dann vielleicht im späteren Verlauf von so einem Menü dann zu einem der Hauptgänge oder sowas vorstellen, aber auf jeden Fall, ja, auch wieder durch diese schöne, angenehme Komplexität, rund, Weichheit, ja, wirklich interessant. Also finde ich auch toll, wie unterschiedlich die sich in den verschiedenen Fässern hier entwickelt haben auf der einen Seite und wie schön sich trotzdem die Drinkability, sage ich mal, also dieses Verhältnis Säure, Alkohol, Süße, wie sich das wiederum gleich entwickelt hat, sodass die da auf dem gleichen Niveau sind.

Werner: Ich bin bei dir, also das eine, das Zweite jetzt hier ist komplexer, es ist, ja, regt ein bisschen mehr zum Nachdenken an, könnte man im Verlauf des Menüs irgendwo mit einbauen. Das Erste ist für mich ganz klar ein Aperitif, sommerlich frisch, durchgehend da, was es verspricht schon von der Nase her.

Markus: Ja, dann müsste ja von der Logik her das Rumbier dann unser Dessertbierchen sein. Bin ich mal gespannt, ob dem auch so ist, schauen wir mal.

Werner: Ja, schauen wir mal, ja.

Markus: Ich mache mal hier mal auf, so. Haha, also es lag wirklich an mir, jetzt habe ich mal mit noch etwas mehr Effet eingeschenkt und jetzt hat es noch mehr Schaum, also ich war schuld, alles gut. Also Farbe auf jeden Fall auch wieder ähnlich jetzt, würde ich sagen, noch ein bisschen intensiver, ein bisschen dichter, etwas dunkler.

Werner: Dunkler, ja.

Markus: Also bei mir steht der Schaum jetzt sogar wirklich wie eine 1 immer noch, wunderbar, toll.

Werner: Ja, kommt schon runter, ich habe auch noch Schaum, aber es ist vielleicht sogar ein bisschen intensiver wie bei den anderen Bieren.

Markus: Was war das jetzt für ein Rum, um das mal so einzuordnen?

Werner: Jamaika.

Markus: Jamaika.

Werner: Das Fass, ja, die ganze Geschichte weiß ich nicht dazu, aber wir haben ja hier so einen Holzfasshandel bei uns im Oberland, ich habe es auf jeden Fall aus dem Schnee ausgegraben. Doch, das war vor zwei Jahren, hat es ja bei uns am 2. Dezember so wild geschneit, wo dann gar nichts mehr ging und da danach bin ich da rausgefahren, um das Fass zu holen und da mussten wir erst mal verschiedene durchriechen, ob die okay sind und entsprechend mussten wir erst mal so, ja, ein halber Meter war es nicht, 20 cm, 25 cm von den Fässern weggraben und da haben ich mir das dann ausgesucht. Da erinnere ich mich immer noch an kalte Finger, ja.

Markus: Ja, also in der Nase, finde ich, ist jetzt das Fass noch mal als solches intensiver, also die Holznoten, die Holzaromatik. Man hat tatsächlich auch so dieses typische Rum, Rosine, Schokoladige, ein bisschen in diese Richtung, ja und auch, was wir vorhin schon so ein bisschen hatten, diese Tabakkomponenten, sowas ist auch noch mal da.

Werner: Tabak vielleicht noch mal stärker, ja.

Markus: Ja, also Tabak und auch Leder, also so, ja, so diese dunklere Seite, würde ich mal sagen, ist ein bisschen.

Werner: Dark Side.

Markus: Genau, ist auf jeden Fall da. Und eben die Rosinen, also die Rum-Note ist tatsächlich so ein schweres, Rosinen, Marzipan, Mandel, ja, also da merkt man schon, das ist schwer, also irgendwie hat man da Intensität mit dabei. Und dann kommen auch noch so Feigen und Datteln und sowas, das ist ein bisschen subtil, aber es ist auf jeden Fall auch mit dabei.

Werner: Datteln auf jeden Fall, ja.

Markus: Okay und wieder anders, also. ich finde es etwas weniger intensiv vom Geruch her als die anderen beiden, aber dafür komplexer, also schwerer und mit mehr Facetten drin. Probieren wir mal ein Schlückchen, Prost. Das ist interessant, weil ich mir nicht sicher bin, ob es jetzt süßer oder saurer ist. Es ist irgendwie beides, also auf der einen Seite empfinde ich, es hat eine deutliche Säure, die mir fast ein bisschen intensiver vorkommt, aber auf der anderen Seite hat es auch eine richtig schöne Süße, die beiden stehen so nebeneinander, kämpfen so ein bisschen miteinander. Und hinten raus klingt es dann eher wieder auf der süßeren Seite aus, interessant. Wie empfindest du das?

Werner: Ich habe das Glas vorher abgesetzt und da hat sich der Spiegel oben von dem Schaum gedreht und genauso kam es mir im Mund vor, zwischen eben der Süße und der Säure, es ist so ein bisschen durcheinander. Aber beim zweiten Schluck war so eher erst die Süße und dann die Säure, aber die Säure wesentlich intensiver noch mal. Was heißt wesentlich, also intensiver wie bei den anderen beiden.

Markus: Also präsenter einfach, das ist schon so.

Werner: Also spitzer so ein bisschen, nicht so eingebunden, sondern einfach so ein bisschen spitzer da.

Markus: Und die Brücke zwischen den beiden ist tatsächlich dieses, Rosinen, Marzipan, mandelig, also zwischen der Süße und der Säure, dazwischen hat man dann das. Und das ist auch sehr weich und das bleibt auch auf der Zunge relativ lang. Ja, in der Tat, ich glaube, das könnte ich mir jetzt zu dem Nachtisch echt gut vorstellen, so ein Mandelparfait mit Walnusseis, irgendwie sowas. Ja, wieder ganz anders, wie du es gesagt hast, in dieser Trilogie, das Kantigste, Komplexeste. Aber gerade dadurch natürlich, also, was ich jetzt wirklich ganz toll finde, mir geht es eigentlich so, als hätte ich jetzt hier so einen 10-Prozent-Kracher irgendwie mit ganz viel Aromen und was weiß ich was und das ist ja wirklich spannend, dass das geht, ja.

Werner: Dasselbe Bier, 5%, sauer ist ja eh immer so aromenreduziert, so ein bisschen, ja, also ein frisches Sauer, muss man sagen, die Aromen, die dann durch die Lagerung entstehen, die sind beim Sauerbier dann schon auch sehr, sehr spannend. Und in dem Rum hat es sich halt, ja, das ist zwar auch ein rundes Fass, aber es hat sich sehr kantig ausgebildet, ja.

Markus: Ja und ich glaube, jetzt, wo du sagst, das ist tatsächlich so eine Mischung, weil die Rum-Aromatik an sich ist ja schon relativ nah auch an dieser Alterungsaromatik, die einfach nach zwei Jahren so ein bisschen auftaucht und, ich glaube, das hat sich hier schön verbunden, also hat gut zueinander gefunden, das ist ja eh so ein bisschen trockenbärig und das kommt hier wirklich schön zueinander, sowas.

Werner: Sowas.

Markus: Ja, ich finde da wirklich, das hat man ja nicht alle Tage, wunderbar. Ja, also auch, kann ich wieder nur sagen, großartig gelungen, sehr, sehr interessant, also gerade, wenn man die auch nebeneinanderstellt. Habt ihr die dann vor, auch im Set, als Dreierset anzubieten oder wie wird es die wahrscheinlich geben?

Werner: Ja, wir haben so ein Dreierset, ich habe es bei mir auf dem Tisch stehen, ja, weil sowas kann man toll verschenken. Also auf der Homepage haben wir auch das Set vom letzten Jahr, genau so ist das auch dann gemacht, da schaut halt dreimal vorne dasselbe Bier raus, aber auf der Rückseite oder es ist jeweils aus dann eben die drei verschiedenen Fässer drin. Und das ist, ja, ich glaube, eine ganz schöne Sache, weil man kann da mal sich ein bisschen hin tasten, an die Geschmäcker, an ein Sauerbier überhaupt, weil das ist ja etwas, was bei uns in Deutschland ja immer noch so ein bisschen, also vielleicht nicht in Deutschland, in Bayern noch schlimmer, ja, noch nicht so anerkannt ist, was es eine wunderbare Sache ist.

Markus: Ja und ich glaube, wir haben einfach das Problem, dass dieser Terminus oder der Begriff Sauerbier bei uns halt so negativ belegt ist, weil, also ich weiß gar nicht, warum, ehrlich gesagt, weil die Zeiten, wo saures Bier für schlechtes Bier stand, die sind ja eigentlich schon über 100 Jahre vorbei, aber irgendwie hat sich das vielleicht auch so ein bisschen gehalten, also im Hinterkopf von vielen Leuten und da fällt es vielen schwer, eben damit eine eigene Biergattung, eine eigene Idee von Bier zu assoziieren. Ist die Frage, ob man dafür nicht irgendwann mal entweder einen anderen Begriff finden muss oder halt die Leute noch ein bisschen mehr aufklären muss, dass eben Sauerbier etwas Eigenes ist, genauso wie eben ein hopfengestopftes Bier oder ein Eisbock oder sowas, wo es einfach um bestimmte Methoden der Herstellung geht. Und was hier eben auch sehr schön ist, ist, dass es nicht diese extreme Säure ist, was man ja gerade in dem Craft-Bereich oftmals hat. Ja, wir hatten es neulich, ich komme ja gerade von einem Bierwettbewerb in Polen und da gab es eben auch Leute, die erzählt haben, dass sie auf einem Sauerbier-Festival in Italien waren und sich erst mal so basische Tabletten eingeschmissen haben, damit sie gegen die Säure überhaupt ankommen. Und die machen ja dann auch, viel hilft viel, das ist dann nur noch Essig und sowas will ja keiner trinken, also zumindest nicht in einer angenehmen Umgebung, wie wenn wir jetzt hier sagen, zu einem Menü, einfach als ganz normaler Mensch, der jetzt sagt, okay, heute gönne ich mir mal was Schönes, was Besonderes, was Spezielles und da mache ich mir mal so ein Fläschchen auf, und das kann man mit diesen Bieren ja wunderbar machen. Und die sind, wie gesagt, dieses Säureniveau liegt irgendwo bei einem nichtsauren Weißwein, also insofern, das kann man ganz normal trinken und das ist sehr angenehm und hat dadurch ja auch eine Frische und ist dadurch auch nicht so sättigend, wie zum Beispiel ein sehr süßes Bier, ein Bock oder so, sondern regt an für ein Menü und es ist also wirklich ein tolles Getränk. Ja, vielleicht muss man da wirklich mal überlegen, wie man das noch anders bezeichnet oder die Leute besser aufklären, ich weiß es auch nicht oder so wie du, jetzt einfach durchgeht und es so macht

Werner: Ja, genau.

Markus: Und das ist vielleicht auch die schlaueste Variante, das einfach klar so zu benennen und eben zu sagen, gut, aber in dem Fall oder in unserem Fall haben wir uns was ganz Besonderes dabei gedacht und das ist jetzt eben unsere Variante, also, ja.

Werner: Ja, wir haben es, genau wie du sagst, einfach durchgehen, wir haben auch überlegt, schreibt man da irgendeine Fantasiebezeichnung drauf, nein, das ist ganz bewusst so gewählt, aber ja, auch so ein bisschen, du kannst die Leute nicht erziehen, aber ja, ein bisschen, was kann man ihnen schon vormachen. Also, kleines Beispiel, ein aus der Braubranche stammender Mensch und sein Freund sitzen bei einer Veranstaltung von uns und wir haben das Bier gerade abgefüllt gehabt am Tag vorher. Und ich habe mit denen lange gesprochen und die kommen oft zu uns und dann habe ich den beiden das Bier vorgesetzt, der Brauer sagt, ja, interessant, kann ich nicht den ganzen Tag, Abend trinken. Der, ich sage mal, der Neigschmägte sagt, doch, das kann ich nicht den ganzen Abend trinken, das ist angenehm. Also da haben wir einen Erziehungsauftrag, ganz einfach und darum haben wir gesagt, Sauerbier steht da vorne drauf. Man muss mit den Leuten reden, wir reden eh viel über das Bier, also reden wir mit den Leuten und ja, ich sage mal, 50-50, die einen sagen, nee, Sauerbier, ja, ich probiere es jetzt mal, aber und die anderen sagen, ich probiere es, oh, Begeisterung. Also gibt es tatsächlich, dass Leute plötzlich sagen, hätte ich nie gedacht, dass ein, ich sage mal, dieser Begriff Sauerbier ist negativ, also ein negativer Begriff, ein negatives Bier, so toll ist. Und das ist dann wieder einfach die Chance oder die Aufgabe von uns Kleinen, mit den Menschen zu reden und deren Horizont zu erweitern.

Markus: Und das passiert auch, also ihr habt in der Forschungsbrauerei ja auch eine Begegnungsstätte, wo auch Leute kommen, wo du das denen auch servieren und erklären kannst.

Werner: Also wir haben ja früher immer einen Hofverkauf gehabt, wie wir noch in der Weißenburger waren, zweimal die Woche, das machen wir jetzt nicht mehr, weil wir hier die Gastro haben. Zurzeit nicht, weil gerade der Wirtewechsel ansteht, das geht erst wieder ab Februar los. Aber wir haben einmal im Monat unsere Veranstaltung, unsere Zusammenkunft, wo die Leute zu uns in die Brauerei kommen und da können wir face to face sprechen, verkosten, Fragen klären. Und das machen wir und das ist eigentlich immer eine recht schöne Geschichte.

Markus: Wunderbar. Und die Termine finde ich dann auf der Website wahrscheinlich auch?

Werner: Wir schicken ein Newsletter mit Terminen. Also wir planen eigentlich einmal im Jahr die Termine fürs Jahr, das heißt, wir sind jetzt gerade ausgelaufen, müssen das nächste Jahr planen und dann kriegen alle Leute, die sich bei uns für den Newsletter angemeldet haben, da eine Info drüber, genau. Und, ja, ein paar haben wir schon, es werden immer mehr. Ja, es ist eine lustige Gemeinschaft, weil wir halt auch, wir haben die Philosophie, da im Stehen Bier zu trinken, es gibt ein paar Sitzplätze, aber es gibt immer einen Flow, also die Menschen reden miteinander, das ist uns eigentlich sehr wichtig und den Menschen auch wichtig, die zu uns kommen und da kommen ja Leute schon seit Anfang an. Genau und da reden wir über das Bier und haben immer ein Bier des Monats und alle anderen Biere natürlich sowieso, aber am Fass hängt dann immer eins des Monats und noch was Nettes anderes. Da muss man sich bei uns anmelden, wir sind ja nicht so, dass wir da jeden …

Markus: Ja, ein bisschen elitär, okay. Nein, also wir werden die Kontaktdaten und das alles auch mit in die Shownotes aufnehmen und ansonsten kann natürlich jeder, der sich informieren will, einfach die üblichen Suchmaschinen bedienen oder auf hopfenhaecker.de zumindest irgendwie Kontakt aufnehmen und dann findet man schon zusammen, wenn man zusammenfinden will. Also vielen Dank auf jeden Fall, das war mal wieder ein ganz toller Einblick in deine, Schrägstrich, eure Welt und zeigt auch mal wieder, was eben rauskommt, wenn man die Dinge einerseits professionell, aber eben andererseits auch mal ein bisschen anders andenkt und angeht und wir dann eben so ein ganz angenehmes, tolles Sauerbier haben, was, ja den Vergleich mit jedem Wein nicht scheuen muss und was ich mir echt gut vorstellen kann in einem Menü und auch im hochklassigen Thema da irgendwo mal umzusetzen, also Glückwunsch auf jeden Fall. Und ansonsten euch dann noch heute einen schönen Tag und eine schöne Weihnachtszeit und dann viel Erfolg mit all den BierTalk-Kunden, die dann hoffentlich auf euch einstürmen werden.

Werner: Ja, danke dir vielmals für die Einladung, aber diese, was du gesagt hast, ja, mal experimentell oder so, das steckt halt im Häcker, also Hopfenhäcker, darum habe ich den auch extra da reingeschrieben, nicht meinen Namen, sondern wir häcken ja so ab und zu mal und das war jetzt so ein Häck, wo ich dann sage, okay, der ist gelungen, es muss ja nicht immer passieren, dass es gelingt.

Markus: Ja, aber der auf jeden Fall. Also auf den Hopfenhack, dann sagen wir noch mal Prost und dann, wie gesagt, noch mal einen schönen Abend.

Werner: Zum Wohl.

Markus: Ja.

Werner: Eine schöne Zeit, frohe Weihnachten.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

BierTalk Spezial 72 – Informationen von Theo Flissebaalje, Bierjournalist und Beerjudge aus den Niederlanden

Diesmal gibt es ein BierTalk-Experiment der besonderen Art. Nachdem mein lieber Freund Theo Flissebaalje Anfang des Jahres verstorben ist und wir immer geplant hatten, einen Podcast zur Geschichte des Niederländischen Bockbieres aufzuzeichnen, habe ich eine Möglichkeit gefunden, es doch noch umzusetzen. Mittels KI-Unterstützung gibt es die Zusammenfassung eines ausführlichen Artikels von Theo, der nicht nur Journalist, sondern eine weltbekannte Ikone in der Bierwelt, unter anderem auch als Beerjudge, war, als BierTalk Spezial in Memoriam Theo und auch dafür, dass seine Botschaft weiterlebt. Insofern erwartet Euch eine spannende Reise durch die Geschichte des „Bokbiers“, wie es in den Niederlanden genannt wird, die aber auch mit der deutschen und europäischen Biergeschichte eng verknüpft ist. Am Ende klären wir auch auf, warum das Bokbier in unserem Nachbarland von allen Brauereien immer zum selben Termin, dafür aber immer früher im Jahr ausgeschenkt wird…

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts Beer Talk. Heute wirklich etwas ganz Besonderes, aber auch etwas Innovatives und etwas Denkwürdiges, denn ich habe einen sehr, sehr guten, lieben, alten Freund verloren, leider, einen Freund aus den Niederlanden, Theo Flissebaalje, der dort eigentlich zu den Protagonisten überhaupt der Beschäftigung mit Bier in der modernen Zeit gehört hat und dort die Verbraucherorganisation PINT mit aufgebaut hat, das Magazin mitgestaltet hat, in der EBCU sehr viel tätig war und auch selber als Journalist tätig war, viele Artikel rund um Bier und Brauereien in Belgien vor allem, aber auch natürlich die Niederlanden und Deutschland geschrieben hat. Wir haben uns regelmäßig besucht und er hat seinen Urlaub oft in Bamberg verbracht und wir haben viele Ausflüge hier in die Gegend gemacht und wir haben immer überlegt, wie könnten wir mal einen Podcast machen, und sein Englisch war nicht so super, aber sein Deutsch eben auch nicht und dann haben wir immer hin und her überlegt und leider Gottes ist es nie dazu gekommen, dass wir einen aufgezeichnet haben. Was er aber gemacht hat ist, er hat einen ganz tollen und auch bahnbrechenden Artikel geschrieben über das niederländische Bockbier. Das ist ganz interessant, weil dieses niederländische Bockbier dort wirklich eine Ikone ist und eine ganz spannende Geschichte durchlaufen hat und ein bisschen was auch mit dem Deutschen zu tun hat und da eben viel hin und her der beiden Kulturen ist. Und er war der Erste, der das überhaupt so ein bisschen erforscht hat, der in die Archive gegangen ist und eben da so ein bisschen rausgefunden hat, woran das Ganze liegt oder wie die Geschichte dahinter ist. Und was ich jetzt gemacht habe, ich habe einfach mal überlegt, probieren wir doch mal KI aus und ich habe seinen Artikel, den er auf Niederländisch verfasst hat, über Notebook LM, das ist ein Teil der KI von Google, in eine Art Podcast verwandeln lassen und den würde ich euch gerne jetzt in den nächsten 20 Minuten mal zum Anhören geben. Natürlich sind das jetzt nicht die echten Stimmen, weder die von Theo noch von mir, aber der Inhalt ist auf jeden Fall der und die Botschaft, die er auch gerne ausgesendet hätte, wird auf diesem Wege wenigstens mal rausgeschickt und auch von einem deutschen Publikum gehört und das rechtfertigt, ja, glaube ich, den Kompromiss. Also, insofern wünsche ich euch jetzt viel Spaß bei der Erkundung der Geschichte des Bockbiers. Seht der KI nach, wenn an der einen oder anderen Stelle mal eine falsche Aussprache ist oder wenn es zum Beispiel bei der Dekoktion auch mal kurz einen inhaltlichen Fehler gibt, der aber dann wieder korrigiert wird, aber an sich bringt es das alles gut rüber. Also, viel Freude jetzt bei diesem KI-Podcast und lasst uns alle ein Gläschen auf Theo heben, der wirklich ein ganz Besonderer war für die Bierwelt, für die Judging-Welt und für mich ganz persönlich.

I: Heute haben wir eine Geschichte vor uns, die auf den ersten Blick vielleicht wie eine einfache Produktgeschichte klingt, aber eigentlich ein faszinierender Wirtschaftskrimi ist.

B: Absolut.

I: Du hast uns einen Artikel von Theo Flissebaalje geschickt, der die Geschichte des niederländischen Bockbiers aufrollt. Und man denkt ja, man kennt es.

B: Klar, dunkles, starkes Bier, das im Herbst überall auftaucht.

I: Genau. Aber die Frage, die der Artikel aufwirft, ist, wie wurde ausgerechnet ein ursprünglich deutscher Bierstil zu einer der wichtigsten niederländischen Spezialitäten? Und die Antwort ist, so viel kann man schon sagen, eine Reise durch Gesetzeslücken, technologische Revolutionen und eine beinahe Katastrophe.

B: Ja, genau das ist es. Wir schauen uns heute an, wie dieses Bier von einem bayerischen Import zu einer echten niederländischen Ikone wurde und welche wirklich unglaublichen Hürden es dabei überwinden musste. Das ist keine geradlinige Erfolgsgeschichte.

I: Überhaupt nicht.

B: Es ist eine Geschichte darüber, wie ein einziges Gesetz eine ganze Industrie für Jahrzehnte lahmlegen kann und wie eine Tradition fast ausgestorben wäre, bevor sie, naja, durch cleveres Marketing wiederbelebt wurde.

I: Okay, dann lass uns mal ganz am Anfang anfangen, so Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Artikel beschreibt die niederländische Bierszene damals als, sagen wir mal, ziemlich traditionell. Was für Bier hat man da getrunken?

B: Also stell dir das so vor, die meisten Biere waren obergärig, oft trüb, geschmacklich nicht immer ganz verlässlich und eher für den lokalen Konsum gemacht. Und dann passiert etwas.

I: Die Invasion.

B: Sozusagen. Ab den 1840er- und 50er-Jahren schwappt eine Welle aus Deutschland herüber, Bayerisches Bier. Das ist das genaue Gegenteil, es ist untergärig, glasklar, schmeckt unglaublich rein und ist viel länger haltbar. Für die niederländischen Trinker war das eine Offenbarung.

I: Moment, du wirfst hier mit Begriffen wie obergärig und untergärig um dich, das ist ja der Kern des Unterschieds. Lass uns das mal für alle verständlich machen. Was bedeutet das genau?

B: Das ist der entscheidende Punkt, es geht darum, welche Hefe man benutzt und bei welcher Temperatur sie arbeitet. Obergärig, so wie die alten niederländischen Biere, bedeutet, die Hefe schwimmt während der Gärung oben und mag es wärmer.

I: Was macht das mit dem Geschmack?

B: Das erzeugt oft fruchtigere, komplexere Aromen. Untergärig ist das Schlüsselwort für die Bayerische Revolution. Hier arbeitet die Hefe bei kalten Temperaturen am Boden des Gärtanks. Der Prozess ist langsamer, viel kontrollierter.

I: Und das Ergebnis?

B: Ein unglaublich klares, sauberes, frisches Bier. Dieser Unterschied im Geschmack war damals so fundamental wie, sagen wir, der Sprung von Schwarz-Weiß zu Farbfernsehen.

I: Verstehe, ein völlig neues Produkt also. Und es kam nicht nur tröpfchenweise, der Artikel spricht von einer regelrechten Invasion.

B: Ja und das war kein Zufall. Die Politik schuf die perfekten Bedingungen, wirtschaftlicher Liberalismus, quasi keine Handelszölle und dann kam die Infrastruktur dazu.

I: Die Eisenbahn.

B: Genau. Ab 1856 gab es eine direkte Zugverbindung von München nach Amsterdam. Im selben Jahr wurde der Donau-Main-Kanal fertiggestellt. Plötzlich konnte man Fässer einfach und schnell transportieren.

I: Und die Zahlen dazu sind ja wirklich beeindruckend.

B: Oh ja. Die deutschen Bierimporte explodieren von rund 1.300 Hektolitern im Jahr 1850 auf einen Spitzenwert von fast 15.000 Hektoliter nur 15 Jahre später.

I: Das ist eine Verzehnfachung.

B: Eine Verzehnfachung.

I: Das ist doch verrückt. Wenn ich niederländischer Brauer wäre, würde ich doch sofort denken, das Zeug ist ein riesen Erfolg, das braue ich jetzt selbst. Warum ist das nicht passiert? Da muss doch mehr dahinterstecken als nur Sturheit.

B: Da triffst du den Nagel auf den Kopf. Es war keine Sturheit, es war eine simple Steuerregel, die wie eine Handbremse auf der gesamten niederländischen Brauinnovation lag, das Akzise-Gesetz von 1822.

I: Eine Steuer. Also wie genau kann eine Steuer sowas verhindern?

B: Naja, die Logik des Gesetzes war fatal. Die Steuer wurde nicht auf das fertige Bier erhoben, sondern auf den Inhalt des Maisch-Bottichs, also quasi auf das Ausgangsmaterial.

I: Ah, okay.

B: Und die niederländischen Brauer hatten sich darauf eingestellt. Sie nutzten das traditionelle Infusionsverfahren und machten aus einer einmal versteuerten Maische bis zu sieben Aufgüsse. Wenig effizient, aber steuerlich clever.

I: Okay, und was war beim bayerischen Bier anders?

B: Für das untergärige Bier brauchte man das sogenannte Dekoktionsverfahren. Dabei wird ein Teil der Maische aus dem Bottich gepumpt, separat gekocht, um mehr Zucker zu lösen und dann wieder zurückgeführt.

I: Und jetzt kommt der Haken nämlich an?

B: Jetzt kommt der absurde Teil. Nach dem Gesetz von 1822 galt jedes Zurückpumpen als neuer Inhalt des Maisch-Bottichs und wurde erneut voll besteuert.

I: Das ist doch Wahnsinn. Das heißt, für den gleichen Sud-Bier musste man mehrmals Steuern zahlen.

B: Genau, das hat die Herstellung von bayerischem Bier für niederländische Brauer um bis zu 50 Prozent verteuert. Es war finanzieller Selbstmord.

I: 50 Prozent?

B: Na, einige Pioniere wie die Swinkels, niederländische, bayerische Bierbrauerei in Amsterdam haben sich 1865 eine Sondergenehmigung direkt vom Finanzminister geholt, weil es anders nicht ging. Aber für die breite Masse war die Tür zur Innovation gesetzlich verriegelt.

I: Sie waren also in dieser Steuerfalle gefangen. Wie sind Sie da jemals wieder rausgekommen?

B: Der Durchbruch kam 1867, ein neues Gesetz, das alles veränderte. Plötzlich hatten die Brauer die Wahl, entweder sie zahlten weiter Steuern auf den Inhalt des Maisch-Bottichs oder …

I: Und das ist das Entscheidende.

B: … auf die verwendete Malzmenge. Das Dekoktionsverfahren war auf einmal kein finanzielles Desaster mehr, die Handbremse war gelöst.

I: Die Fluttore waren also offen. Und ich nehme an, das war der Startschuss für eine massive Modernisierungswelle.

B: Absolut. Dieses Gesetz zusammen mit einer zweiten ebenso wichtigen Revolution der Erfindung der künstlichen Kühlung durch Karl Linde im Jahr 1877 hat die Industrialisierung der Brauindustrie eingeleitet.

I: Ah, die Kühlung, klar.

B: Untergieriges Bier brauchte ja konstant kühle Temperaturen, was vorher nur im Winter möglich war. Jetzt konnte man das ganze Jahr über brauen. Überall entstanden große, moderne Brauereien mit glänzenden Kupferkesseln.

I: Das klingt nach einer reinen Erfolgsgeschichte. Große, moderne Brauereien, besseres Bier. Aber der Artikel deutet auch eine Schattenseite an.

B: Ja, die gab es. Die neue Steuermethode, also die Besteuerung nach Malzmenge, war nur für Sude mit mindestens 200 kg Malz erlaubt.

I: Ah, und das war das Problem?

B: Das war eine klare Benachteiligung für die vielen kleinen, traditionellen Brauereien, die solche Mengen oft nicht verarbeiten konnten. Sie steckten weiter in der alten Steuerfalle, während die Großen davonzogen. Es war der Beginn einer massiven Konsolidierung im Markt.

I: Mit dieser neuen Freiheit war die Tür für Investitionen und große Visionen plötzlich weit offen. Und einer, der da sofort durchmarschiert ist, war ein gewisser Gerrit Adrian Heineken.

B: Eine fantastische Anekdote aus dem Artikel. Heineken besucht 1869 eine internationale Ausstellung in Amsterdam und muss feststellen, dass die Leute Schlange stehen für das untergärige bayerische Bier, während sein eigenes, obergäriges Bier kaum Beachtung findet.

I: Autsch.

B: Ja, aber er hat das nicht als Niederlage gesehen, sondern als Weckruf. Er hat sofort entschieden, alles umzustellen. Um das nötige Kapital für die teure neue Technologie aufzubringen, gründete er 1873 die Heineken Bierbrauerei Match képei, kurz HBM.

I: Ein klassischer Fall von, wenn du sie nicht schlagen kannst, mach es besser als sie.

B: Genau das.

I: Okay, die Qualität und Haltbarkeit der Biere stiegen also enorm. Aber der Artikel erwähnt auch, dass die Biervielfalt dadurch abnahm. War das für den normalen Trinker damals wirklich ein Nachteil, vielleicht war er ja froh, endlich ein Bier zu bekommen, das immer gleich gut und verlässlich geschmeckt hat?

B: Das ist ein sehr guter Punkt. Aus der Perspektive des Konsumenten war das wahrscheinlich ein riesiger Fortschritt, du wusstest, was du bekommst. Deutsche Braumeister, sogenannte Wanderburschen, brachten ihren Knowhow ins Land und etablierten verlässliche Standards.

I: Und der Markt hat sich dann auf wenige Stile konzentriert?

B: Ja, auf die erfolgreichen, Pilsener, Münchner, Dortmunder und eben einige Spezialitäten. Eine davon war das Bockbier. Die Kehrseite war aber, dass hunderte lokale, eigenständige Bierstile einfach verschwanden, es war der Preis der Industrialisierung.

I: Damit sind wir also bei der eigentlichen Geburt des niederländischen Bockbiers, unter all diesen neuen deutschen Stilen hat es sich durchgesetzt. Lass uns mal über den Namen reden. Der Artikel erzählt diese wunderbare Geschichte über Martin Luther und die Stadt Einbeck.

B: Ja, die Legende ist zu schön, um sie nicht zu erzählen. Martin Luther soll sich vor seiner berühmten Verteidigungsrede auf dem Reichstag zu Worms 1521 mit einem Krug Bier aus der Stadt Einbeck in Niedersachsen gestärkt haben.

I: Okay.

B: Sein Ausruf, mir Einbeck, also ein Einbecker für mich, soll sich im bayerischen Dialekt über die Jahrhunderte zu „Ein Bock“ verschliffen haben.

I: Eine tolle Marketing-Story. Aber der Artikel schränkt das direkt wieder ein, oder?

B: Genau, denn das ursprüngliche Bier aus Einbeck war höchstwahrscheinlich ein starkes, obergäriges Weizenbier, also etwas völlig anderes als das dunkle, untergärige Lagerbier, das im 19. Jahrhundert als Bockbier bekannt wurde.

I: Der Name wurde also recycelt.

B: Quasi wiederverwendet für ein neues Produkt. Was aber faszinierend ist, ist die ursprüngliche Funktion dieses Bieres.

I: Du meinst, es war nicht nur ein bestimmter Stil, sondern hatte einen Zweck?

B: Exakt. Bevor es künstliche Kühlung gab, durfte man aus hygienischen Gründen nur in den kalten Monaten brauen, also etwa von September bis April. Der erste Sud nach der Sommerpause wurde mit der frischen Ernte des Jahres gebraut, neues Malz, neuer Hopfen.

I: Und den hat man dann extra stark gemacht?

B: Ja, damit er die langen warmen Monate übersteht, ohne schlecht zu werden. Es war also ein saisonales Starkbier zur Vorratshaltung.

I: Es war also im Grunde ein Überlebensbier, ein Bier, das stark genug sein musste, um den Sommer zu überleben.

B: Ganz genau. Mit Lindes Kühlmaschine war das natürlich nicht mehr nötig. Aber die Tradition eines dunklen, starken Bieres für die kalte Jahreszeit blieb erhalten. Es war einfach ein willkommener Umsatzbringer.

I: Und die Niederländer haben diese Tradition übernommen. Amstel war da ja wohl ganz vorne mit dabei.

B: Ja, die warben schon am 9. Januar 1872 für ein Winterbier, das wohl das erste niederländische Bockbier war. 1883 gewann ihr Bockbier sogar eine Goldmedaille. Damals wurde es noch mindestens vier Monate in Eichenfässern gelagert.

I: Vier Monate, das ist ja heute kaum vorstellbar.

B: Nein.

I: Und es gab noch andere Pioniere. Der Artikel hebt eine Brauerei mit einem erstaunlich modernen Marketing hervor.

B: Ja, die Phoenix Brauerei aus Amersfoort. Hör dir mal diesen Werbetext von damals an, ich zitiere: „Phoenix Bockbier wird aus feinstem Malz und mit dem duftenden Hopfen nach altem Rezept gebraut, ohne Zusatz von künstlichen Farb- oder Süßstoffen, auf jeden Fall

I: Das ist ja unglaublich. Das klingt wie eine Werbung für ein Craftbier von heute, die mit dem Reinheitsgebot wirbt.

B: Völlig. Und sie hatten noch eine geniale Idee, eine spezielle 450-Milliliter-Flasche, den Pullenbock.

I: Und was war daran so besonders?

B: Die war genau groß genug für zwei Gläser. Da steckte schon der Gedanke des gemeinsamen Genusses des Teilens drin. Das war ein cleveres Marketing im 19. Jahrhundert.

I: Okay, die Weichen sind also gestellt, das Bockbier ist da, es wird populär, es scheint auf dem besten Weg zu sein, eine feste Tradition zu werden. Aber dann passiert, laut dem Artikel, etwas völlig Unerwartetes. Die Niederländer hören auf, Bier zu trinken.

B: Ja, es ist wirklich dramatisch. Die Niederlande, die im Mittelalter eine absolute Bier-Supermacht waren, Gouda allein hatte um 1500 an die 350 Brauereien, wenden sich komplett vom Bier ab.

I: Die Zahlen im Artikel sind ja schockierend.

B: Ja. Der Pro-Kopf-Verbrauch stürzt ins Bodenlose. Zwischen 1906 und 1919 lag er bei nur noch 27 Litern pro Jahr.

I: 27 Liter, das ist ja fast nichts. Wie war das im Vergleich zu den Nachbarländern?

B: Das macht es erst richtig deutlich, im selben Zeitraum tranken die Belgier 221 Liter pro Kopf.

I: 221?

B: Ja. Die Briten 123 und die Deutschen 105 Liter. Die Niederlande waren zur, mit Abstand, unbedeutendste Biernation Westeuropas geworden. Der absolute Tiefpunkt kam 1935 mit nur noch 15,3 Litern.

I: Unfassbar. Was bedeutete dieser Absturz für ein Nischenprodukt wie das Bockbier? Das muss ja katastrophal gewesen sein.

B: Absolut. Es war zwar die wichtigste Bierspezialität des Landes, machte aber nur noch rund ein Prozent des Gesamtumsatzes aus.

I: Nur ein Prozent?

B: Um diesen winzigen Markt zu retten, taten die großen Brauereien etwas sehr Ungewöhnliches, sie gründeten den Bund von Niederlands Brauereien. Einen Verband, der das Bockbier quasi zentral steuern sollte.

I: Sie haben ein Kartell für Bockbier gegründet?

B: Im Grunde ja. Es war ein verzweifelter Versuch, das Produkt am Leben zu erhalten. Sie legten 1931 den Alkoholgehalt auf 6,5 % fest und vor allem führten sie ein gemeinsames Erscheinungsdatum ein.

I: Um das Chaos zu beenden?

B: Genau, dieses Wettrennen, wer der Erste auf dem Markt ist. Zuerst legten sie es auf den zweiten Donnerstag im Dezember. Ein Datum, das von einem Komitee festgelegt wird, das muss man sich mal vorstellen.

I: Und selbst das hat nicht gereicht? Der Artikel beschreibt ja einen Moment, an dem die ganze Tradition an einem seidenen Faden hing.

B: Ja, das ist der dramatische Höhepunkt, die Produktionszahlen brachen trotz der Bemühungen völlig ein. Von über 30.000 Hektoliter 1923 auf nur noch 8.600 im Jahr 1935.

I: Ein Rückgang um über 70 Prozent.

B: Ja. Und dann kam es am 20. August 1935 zu einer Sitzung des Verbands. Auf der Tagesordnung stand die offizielle Frage, sollen wir dieses Jahr überhaupt noch Bockbier brauen?

I: Wow.

B: Die gesamte, mühsam aufgebaute Tradition stand kurz davor, in einer Vorstandssitzung beerdigt zu werden.

I: Aber sie wurde es nicht, zum Glück. Und was dann in dieser schwierigen Zeit passierte, ist mein Lieblingsteil der Geschichte, anstatt aufzugeben, haben sie dem Bier eine Parade gewidmet.

B: 1936, das war Event-Marketing, bevor es das Wort überhaupt gab. Festlich geschmückte Lastwagen von Heineken und Amstel, Pferdewagen von der Brauerei von Vollenhofen zogen quer durch die Stadt.

I: Wohin denn?

B: Zum Rembrandtplei, um die Ankunft des ersten Bockbiers zu zelebrieren. Die Leute haben es geliebt. 1937 wurde davon sogar ein Tonfilm gedreht, man hat dem Bier eine Bühne gegeben, es zu einem Ereignis gemacht.

I: Und diese Idee hat die Tradition gerettet und in die Nachkriegszeit getragen.

B: Das war die Brücke. Während des Zweiten Weltkriegs wurde natürlich kein Bockbier gebraut, aber als es 1950 zurückkam, hat man auch den Umzug wiederbelebt. Der Slogan war genial, der Bock is weer bes.

I: Der Bock ist wieder der Beste.

B: Genau, das war der symbolische Neustart, der das Bockbier wieder ins öffentliche Bewusstsein katapultiert hat.

I: Und von da an ging es wieder bergauf. Heute kennen wir es ja vor allem als Herbstbock, das Erscheinungsdatum ist immer weiter nach vorne gewandert.

B: Richtig. Die großen Brauereien legen das Datum immer noch fest, aber es ist vom tiefen Winter in den frühen Herbst gerückt. Bis 2005 war es der erste Montag im Oktober, heute ist es schon auf dem 21. September, der astronomische Herbstanfang.

I: Wobei sich die vielen neuen, kleinen Craft-Brauer daran nicht mehr halten.

B: Überhaupt nicht, sie haben dem Stil auch eine neue Richtung gegeben.

I: Du meinst, weil sie oft wieder obergärige Häfen verwenden, wie du am Anfang erwähnt hast?

B: Genau. Viele moderne niederländische Bockbiere sind obergärig, was ihnen einen fruchtigeren, würzigeren Charakter verleiht, eine bewusste Abgrenzung zum klassischen deutschen untergärigen Bock. Diese Wiederbelebung wurde stark von einer Verbraucherorganisation namens PINT vorangetrieben.

I: Die haben sich von der britischen CAMRA inspirieren lassen, richtig?

B: Ja, CAMRA, die Campaign for Real Ale. Eine extrem einflussreiche Bürgerbewegung in Großbritannien, die sich seit den 70ern für die Rettung traditioneller Fassbiere eingesetzt hat. Und PINT wollte in den Niederlanden etwas Ähnliches erreichen.

I: Die Biervielfalt fördern.

B: Genau und Spezialitäten wie dem Bockbier eine neue Plattform geben. Sie waren unglaublich erfolgreich damit.

I: Okay, wenn wir jetzt mal einen Schritt zurücktreten, was für eine verrückte Geschichte ist das eigentlich, wir haben ein Bier, das als deutscher Exportschlager beginnt.

B: Dessen Erfolg in den Niederlanden erst durch eine Gesetzesänderung und eine technische Erfindung ermöglicht wird.

I: Es wird zu einer nationalen Tradition, stirbt dann fast aus, weil die ganze Nation dem Bier abschwört.

B: Wird durch eine Parade gerettet und erlebt heute als neu interpretierter Herbstklassiker eine Renaissance.

I: Wahnsinn.

B: Das fasst es perfekt zusammen. Und es zeigt so eindrücklich, dass ein Produkt niemals nur ein Produkt ist. Die Geschichte des Bockbiers ist untrennbar verbunden mit Steuergesetzen, Kühltechnik, Marketingstrategien und dem sich wandelnden Geschmack einer ganzen Nation.

Markus: Soweit die Infos über das niederländische Bockbier. Ich hoffe, es hat euch ein bisschen die Augen geöffnet, wie eben auch die andere Perspektive auf einen Teil der Biergeschichte sein kann. Und ich bin auch mal gespannt, was ihr sagt zu dieser Idee, die KI hier als Unterstützung mit reinzunehmen in so einem besonderen Fall. Das könnte sich natürlich wieder anbieten, wenn ich andere Freunde habe, die eben auch weder auf Deutsch noch auf Englisch einen Podcast machen können, wo aber interessante Themen im Raum stehen. Also da wäre es durchaus mal interessant, von euch zu erfahren, was ihr davon haltet, also ich würde mich freuen, wenn ihr mir dazu gerne ein Feedback schicken würdet. Das geht ganz einfach, entweder über info@ bierakademie.net oder über markus@raubach.eu, ansonsten auch über Telefon und sonstige Kontaktmöglichkeiten, steht ja alles im Internet. Also, wie gesagt, würde mich freuen, wenn ihr mir kurz Bescheid gebt, ob sowas grundsätzlich mal wieder stattfinden kann oder ob das für euch völlig abstrus ist, je nachdem. Und, ja, danke auf jeden Fall, dass ihr bei dem Experiment dabei wart und danke auch, dass ihr mir ein bisschen geholfen habt, an Theo zu gedenken.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

BierTalk 155 – Interview mit Markus Fohr, Braumeister und Biersommelier aus Lahnstein

In dieser Folge von BierTalk nehme ich euch mit nach Lahnstein – und zwar an den Verkostungstisch von Dr. Markus Fohr: Braumeister, Biersommelier, Craftbier-Tüftler und obendrein Marathonläufer. Gemeinsam probieren wir uns einmal quer durch seine Craftbiere und sprechen darüber, was hinter den Rezeptideen steckt: Warum genau diese Rohstoffe? Welche Aromen sollen im Glas landen? Und was macht ein Bier für ihn wirklich „stimmig“? Zwischendurch geht’s raus aus dem Sudhaus und rein in die Laufschuhe: Markus erzählt, wie er das Training für lange Distanzen mit dem Braueralltag zusammenbringt – und warum Ausdauer, Fokus und ein gutes Gefühl für Timing in beiden Welten entscheidend sind. Natürlich darf auch sein großer Moment nicht fehlen: der Sieg bei der Deutschen Meisterschaft der Biersommeliers – inklusive Einblicken, was dort wirklich zählt und wie man sich auf so einen Wettbewerb vorbereitet. Eine wahre Marathon-Folge voller Geschmack, Tempo und echter Leidenschaft fürs Bier. Kopfhörer auf, Glas bereit – los geht’s!

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus Raupach: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute habe ich eine spannende Reise unternommen von Bamberg aus nach Westen und besuche jemand, der schon ganz lange in der Bierszene, wie man so schön sagt, aktiv ist und auch das Thema Craft Beer als einer der ersten in Deutschland auf jeden Fall mitgeprägt hat und der eben auch die zehnte Generation einer Brauerei darstellt. Also da ist viel Herzblut und Geschichte und ganz viel dabei und der auch schon Titel errungen hat, aber da kommen wir jetzt gleich dazu. Schön, lieber Markus Fohr, dass wir heute endlich mal dazu kommen, seit Jahren haben wir das vor, heute können wir es endlich machen. Und auch schön, dass du mir 10 Biere geschickt hast, mal schauen, ob wir die heute alle schaffen. Aber vielleicht stellst du dich ganz kurz mal unseren Hörer: Innen selber vor.

Markus Fohr: Ja, danke für die Einladung. Freut mich auch sehr, dass das heute geklappt hat. Und du hast mir ja schon die Steilvorlage gegeben, ich bin durch erhebliche erbliche Vorbelastungen in die Branche gekommen. In meiner Familie gibt es jede Menge Bierbrauer und so war das dann zumindest naheliegend für mich, dann auch eine Ausbildung als Brauer und Melzer zu machen, in Weihenstephan Brauwesen zu studieren und zu promovieren. Und dann bin ich über eine kleine Ehrenrunde über die Bitburger Braugruppe dann 1999 nach Lahnstein in die elterliche Brauerei gekommen und war dann erst Assistent meines Vaters, 2007 haben wir dann getauscht und seither bin ich Alleininhaber in Lahnstein. 2011 habe ich den Biersommelier gemacht und das ist auch der Titel, den du angesprochen hast, denn 2018 bin ich auch deutscher Meister geworden, habe 2019 noch die Weiterbildung am Institute of Masters of Beer abgeschlossen und, ja, das war in Kurzfassung mein bieriger Werdegang.

Markus Raupach: Ja, können wir eigentlich schon wieder aufhören, aber natürlich tun wir das nicht, denn es gibt ja viel zu erzählen. Was mir vielleicht so als Allererstes ein bisschen auffällt ist, ich habe ja schon viel mit Leuten, mit Brauern, Brauerkindern und sowas gesprochen und da hat man ja auch oft so diesen Eindruck, es ist Last und Lust. Also wenn man in so eine Familie reinwächst, dann ist einfach die Brauerei ja schon da und irgendwie auch so ein inkohärenter Druck einfach, das mal übernehmen zu müssen oder zu wollen oder zu sollen oder eben auch nicht. Wie ging es dir denn? Also ich meine, klar, du bist als Kind wahrscheinlich da schon durch die Brauerei gerannt, aber als es da so ernst wurde, warst du da immer schon d’accord damit oder hast du dir überlegt, vielleicht doch was anderes zu machen?

Markus Fohr: Also glücklicherweise haben meine Eltern da keinen Druck ausgeübt. Das ist ja nicht bei allen selbstständigen Familien so, ich habe das oft auch anders kennengelernt. Aber bei mir war es definitiv nicht so, meine Eltern haben immer gesagt, wir würden uns natürlich freuen, wenn du das mal machst, aber wenn du lieber was anderes machst, dann ist es auch gut. Uns es ist wichtiger, dass du was hast, womit du dein Leben verbringen kannst, was dir Spaß macht, was dich ernährt. Ich habe mir auch Alternativen überlegt, aber, ja, Mathematik kann ich gut, aber wäre mir zu trocken gewesen. Luft- und Raumfahrttechnik hätte ich gern gemacht, aber dann mit dem Ziel, mal ins All zu fliegen und wie viele von denen, die das studieren, sitzen eher am Computer, als dass sie in den Raum fliegen, fast alle. Und dann dachte ich irgendwie, naja, Bierbrauen ist ja auch was Technisches, versuche ich mal und habe dann erst mal eine Ausbildung gemacht und habe während dieser Ausbildung festgestellt, dass mir das großen Spaß macht und, ja, bin dann meinen Weg weitergegangen. Eine wichtige Sache hast du aber wirklich schon erwähnt, das ist aber, glaube ich, bei jedem Beruf so, da gibt es einfach Lust und Last. Man hat sich ja den Beruf mal ausgesucht, weil man Lust darauf hat und Bierbrauer ist ja wirklich ein toller Beruf, auf dem man auch Lust haben kann. Aber natürlich, wenn man eine Firma hat, egal ob die große Tradition hat oder ob die neu ist, dann gibt es auch irgendwann mal eine Last, wenn es mal aus irgendeinem Grund Schwierigkeiten gibt, wenn der Absatz stockt, wenn eine Pandemie kommt, wenn eine Maschine kaputt geht, da gibt es ja ganz, ganz viele Sachen, die passieren können.

Markus Raupach: Ja und die ja auch schon teilweise passiert sind. Und was man ja auch sagen muss, du bist ja körperlich topfit, also Marathon gelaufen und so weiter, da werden wir vielleicht auch noch drüber reden. Das heißt also, man könnte bei der NASA ja mal anklopfen, falls sie jemals ein Bier im Weltraum brauen wollen, du wärst schon irgendwie bereit, oder?

Markus Fohr: Also das wäre auf jeden Fall was, worauf ich Lust hätte. Dann muss mir die NASA nur einen Geschäftsführer stellen, denn, ich glaube, so lange kann ich die Brauerei nicht allein lassen.

Markus Raupach: Naja, da hätten die Leute vielleicht Verständnis, dass das Bier dann mal ein bisschen später kommt. Aber wie auch immer, vielleicht noch ganz kurz, dass wir die Leute noch ein bisschen abholen, viele können sich jetzt ja unter Lahnstein gar nicht so wirklich viel vorstellen. Also wenn man auf die Flaschen schaut, dann sieht man immer so einen Turm, der so gezeichnet ist. Vielleicht erzählst du uns da ein bisschen, wo wir überhaupt sind, wie es da ausschaut, was das so für eine Landschaft ist, und dazu könnten wir ja vielleicht schon ein erstes Bier probieren, weil wir haben ja ein größeres Programm, also sollte man nicht zu lange damit warten. Was denkst du, wollen wir mit irgendwas anfangen?

Markus Fohr: Ja, wir können gerne mit irgendwas anfangen, ich hatte ja 10 Biere geschickt.

Markus Raupach: Oh ja.

Markus Fohr: Vielleicht suchen wir uns erst mal für den Einstieg ein bisschen was Leichteres raus und steigern uns dann. Ich muss gestehen, ich habe nicht in Erinnerung behalten, was ich dir im Detail geschickt habe, vielleicht magst du eins aussuchen.

Markus Raupach: Okay, also das Honigbier ist auf jeden Fall vom Alkoholgehalt eher weiter hinten, also stärker.

Markus Fohr: Definitiv, ja.

Markus Raupach: Alles, was irgendwie auf Ator endet, wahrscheinlich auch. Dann hätten wir in der Range noch ein IPA, ein Irish Lager. Dann das Bier, das nach deiner Ehefrau benannt ist, was ich auch schon großartig finde, generell. Und dann haben wir noch ein Kirschbier, das ist wahrscheinlich ein bisschen weniger stark. Also nachdem ich gerade erst in Belgien war, vielleicht könnte man mit dem Kirschbier anfangen, also wenn du das gut findest?

Markus Fohr: Natürlich, wir können mit dem Kirschbier anfangen.

Markus Raupach: Na dann mache ich hier mal auf.

Markus Fohr: Dann machen wir das mal auf. Und, ja, man sieht die Kirsche eigentlich schon beim Einschenken, das Bier hat eine Farbe, die man von einem Bier so nicht erwarten würde, aber es ist halt ein Kirschbier und weil es eins ist, ist es so richtig schön kirschrot, sogar der Schaum ist ein bisschen rosa. Und wie alle unsere Craft-Biere ist es naturtrüb. Schön anzuschauen, so eine Naturtrübung, die hat ja immer den Schleier des Mystischen.

Markus Raupach: Ja, also überhaupt, also wirklich wunderschön. Und, ich meine, klar, für ein Bier erwartet man das Rot nicht, für ein Kirschbier, würde ich sagen, hätte ich es schon erwartet. Und es ist wunderschön, also es ist wirklich ein ganz, ganz tolles Rot, geht in so einen Rosé-Hibiskus-Ton, also ganz, ganz schön. Und wie du schon sagst, der Schaum hat auch so eine schöne, leichte, rötliche Färbung und man hat diesen geheimnisvollen Schein, ja, sehr schön, also optisch schon mal eine Augenweide.

Markus Fohr: Ja und selbst, wenn man es nicht sehen könnte, spätestens wenn man dann dran riecht und es schmeckt, dann würde man die Kirsche auch merken.

Markus Raupach: Oh ja.

Markus Fohr: Die ist jetzt nicht so, dass sie alles andere an Aromen komplett an die Wand drückt, man hat schon noch einen schönen Malzkörper, man hat so eine leichte Säure, man hat eine ganz dezente Bittere. Ein schönes Sommerbier, erfrischend, fruchtig. Ein Bier, das man sehr gern auch Damen anbieten kann, von daher fast eine Geheimwaffe.

Markus Raupach: Okay, dann muss ich welches nachbestellen, sehr gut. Also auf jeden Fall finde ich auch, die Kirsche in der Nase ist ganz schön, also weil sie eben nicht so aufdringlich oder auch so ein bisschen künstlich ist, wie das manchmal bei so Kirschbieren ist, die man so kaufen kann, wo dann vielleicht oft auch mit Aromen nachgeholfen wird. Also hier hat man wirklich so einen echten, schönen, ehrlichen Kirschton, der auch so diese typische Begleitmusik hat, die die Kirsche so hat. Also ein bisschen Marzipan, ein bisschen Schokolade und dann natürlich diese Malztöne, wo es dann so ein bisschen in Honig, Spekulatius und sowas geht, also wirklich sehr, sehr schön. Also einerseits frisch, also Sommerbier, gehe ich absolut mit. Andererseits, wir zeichnen ja gerade in der Vorweihnachtszeit auf, finde ich auch gar nicht so schlecht, also dadurch, dass es so ein paar Gewürznoten hat und dieses schöne Fruchtige hat, holt es mich auch ab, muss ich sagen, also von der Nase her super, super intensiv. Jetzt nehme ich mal einen Schluck. Prost.

Markus Fohr: Ja, ein schönes Sommerbier auf jeden Fall, aber das heißt ja nicht, dass es zu anderen Jahreszeiten nicht eingesetzt werden kann.

Markus Raupach: Absolut. Und nicht so süß, das finde ich auch gut.

Markus Fohr: Ja, das ist so ein bisschen Hausphilosophie, die Biere sollen nicht zu süß sein, man soll sie ja gut trinken können. Wir sind ja nicht Coca-Cola oder irgendeine Limofabrik. Und wichtig natürlich auch, natürliche Zutaten. Das Kirschbier ist hier aus heimischen Mittelrheinkirchen, ist das gemacht, die kriegen wir auch von einer regionalen Kelterei. Also der Kirschnektar ist es, den vergären wir dann auch mit, ein richtiges Kirschbier, darf auch hochoffiziell Kirschbier heißen und von daher, ja, natürlich und echt.

Markus Raupach: Also das wäre jetzt tatsächlich auch noch eine Frage gewesen. Also das darf Kirschbier heißen, sprich, du hast dir da so eine Genehmigung geholt bei deinen örtlichen Behörden oder wie?

Markus Fohr: Ganz genau so ist das. Rein vom Gesetz her ist ja Kirschbier in Deutschland erst mal illegal.

Markus Raupach: Ja.

Markus Fohr: Im Gesetz steht Wasser, Hopfen, Malz und Hefe und sonst nichts, also von Kirsche steht da eindeutig nichts. Und Bier heißt es, weil wir diese Sondererlaubnis haben von unserer Kreisverwaltung in Bad Ems, dass das als Bier genehmigt ist und Kirschbier heißen darf.

Markus Raupach: Also wunderbar, das finde ich auf jeden Fall, kann man schon mal hier schönen Dank sagen an die Kreisverwaltung. Das wäre ein Drama gewesen, hätten sie das nicht genehmigt, also sehr, sehr, sehr schön. Und ich finde wirklich, also auch vom Geschmack her, es ist auch wieder schön auf einer sehr natürlichen Kirschseite, sehr angenehme Säure, ohne zu sauer zu sein und eben ohne so eine gezuckerte Süße zu haben, was ja solche Biere auch gerne mal haben. Und es hat aber eben auch noch diesen Bierteil, der dann so im Mittelteil kommt, würde ich sagen und hinten raus tatsächlich auch so ein bisschen eine Hopfennote, eine Bittere, eine kleine Adstringenz, die dann auch so den Mund wieder ein bisschen aufräumt, sodass es auch wirklich tatsächlich ein spritziges, schönes Bier ist, was man im Sommer sicherlich auch in größeren Mengen schön trinken kann, also toll, toll gemacht. Bevor wir jetzt noch weiterreden, vielleicht noch ganz kurz, erzähl uns ein bisschen, wo ist Lahnstein, was ist Lahnstein, wie schaut es da aus, was erleben wir da?

Markus Fohr: Also Lahnstein ist eine ganz schöne Stadt, selbst die stolzen Besucher aus Franken und aus Bayern sagen uns das immer wieder. Und das liegt wahrscheinlich daran, dass wir in einer 3-Flüsse-Ecke liegen, bei uns mündet die Lahn in den Rhein, deswegen heißt es Lahnstein, weil es nach diesem Fluss benannt ist. Und ein paar Kilometer weiter fließt auch noch die Mosel in den Rhein. Die drei Täler sind hier sehr eng, sehr bizarr, es gibt viele Burgen hier. Man kann ganz toll eigentlich alles machen, man kann Radfahren, man kann Kanu fahren, man kann ganz toll wandern oder, wie ich, die Wanderwege zum Joggen nutzen. Und wir sind ja auch UNESCO-Welterbe, oberes Mittelrheintal wegen dieser schönen Region. Örtlich kann man vielleicht noch sagen, wir liegen unmittelbar an Koblenz, Koblenz ist ein klein bisschen bekannter. Ja, in Lahnstein haben wir die Lahnsteiner Brauerei, die nach dem Ort benannt ist. Und dieser Turm in unserem Firmenlogo, den du erwähnt hast, zu dem sind wir so ein bisschen gekommen wie die berühmte Mutter zum Kind. Die Brauerei ist an diesem Standort 1870 gebaut worden und damals gab es ja noch keine Kältemaschine, man brauchte also irgendwas wie Keller oder Höhlen, um das Bier im Sommer kalt zu halten. Und es war auch parallel die Zeit, wo der Stadtgraben zugeschüttet wurde, weil man ihn einfach als Verteidigungsfunktion nicht mehr gebraucht hat. Und dann kam ein schlauer Mensch namens Johann Junker auf die Idee und hat gesagt, lass uns doch eine Brauerei in den Stadtgraben stellen, dann brauchen wir ein großes Stück Stadtgraben nicht zuzuschütten und die Brauerei hat ihre Keller. Wirklich clever, also würde man heute noch sagen, clever. Und um das so bauen zu können, musste man natürlich ein Stück von der Stadtmauer, von der historischen, musste man mitnehmen. Und auf dem Grundstück, das damals ausgewählt wurde, da war auch ein Stadtturm, ein großer, mächtiger sogar, weil es die Südostecke war, ja, und so kam der Turm zur Brauerei. Damals wollte man den eigentlich gar nicht, 1870 hat man gesagt, ja, altes Zeug, was soll man damit? Es gab sogar Ideen, den abzureißen.

Glücklicherweise hat man es nicht gemacht, denn heute sagen uns die Marketingleute, das ist toll, das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Und deswegen ist es jetzt Teil unseres Firmenlogos und zentraler Teil von unserem Craft-Beer-Logo, da ist der Turm ja alleinig.

Markus Raupach: Genau, ja, sogar oben auf der Kapsel, sehr schön. Und insgesamt hatte ich noch gelesen, dass die Brauerei aber an sich bis ins 16. Jahrhundert zurückgeht, auch eure Familie, ne?

Markus Fohr: Man kann die Brautradition in Lahnstein sogar bis ins Jahr der Gründung 1324 nachweisen, weil die Stadt von Anfang weg Einnahmen aus der Biersteuer hatte. Meine Familie kommt 1667 ins Spiel, da hat mein Zehn-Urs-Großvater Jakob die zweite Hälfte seines Braurechts erworben, hatte also dann ein Ganzes, was natürlich heißt, dass er die erste Hälfte auch schon vorher gehabt haben muss. Nur, ob er die drei Tage vorher ein Zimmer weiterbekommen hat oder ob er die auch schon geerbt hat, das wissen wir halt nicht, das geht dann in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und da ist ja einfach unheimlich viel verbrannt, verloren gegangen. Aber so 10 Generationen Tradition, das ist ja nicht ganz verkehrt. Wir haben sogar zwei Brauereien in der Familie. Der Ort, wo der Opa Jakob angefangen hat zu brauen, das war Ransbach-Baumbach im Westerwald, also so eine halbe, dreiviertel Stunde mit dem Auto weg von uns und da ging es dann weiter bis 1894 und dann hat sich das getrennt. Der älteste Bruder, der bekam damals die Brauerei, wie das so üblich war und der jüngere Bruder hat sich dann in Lahnstein in die Junkersche Brauerei eingekauft, die seither dann auch zu uns zur Familie gehört und jetzt bei mir gelandet ist.

Markus Raupach: Ja und schon hat man eine Brauerei, wunderbar, sehr schön.

Markus Fohr: So schnell kann es gehen.

Markus Raupach: Ja, so schnell kann es gehen. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber, ich glaube, bei den Recherchen, die ich mal gemacht habe zur Geschichte des alkoholfreien Biers in Deutschland, hattet ihr auch eine Rolle ziemlich am Anfang oder liege ich da falsch?

Markus Fohr: Nee, da liegst du nicht falsch, wir waren tatsächlich die erste alkoholfreie Brauerei in Deutschland. Mein Vater hatte sogar mal ein Patent gehabt auf die Herstellung. Das war damals ein gestoppter Gärer und, ja, im Nachgang muss man tatsächlich sagen, so hat es halt auch geschmeckt. Am Anfang haben wir gut verkauft, bis nach Saudi-Arabien, weil wir die Einzigen anfangs waren und danach auch nur wenig Konkurrenz hatten, aber irgendwann haben dann mehr und mehr Brauereien das alkoholfreie Bier für sich entdeckt. Irgendwann kamen dann die modernen Verfahren wie Vakuum-Rektifikation, Membrantrennung und was es da alles gibt auf und das sind einfach Sachen, da konnten wir als kleine Brauerei nicht mit, so eine Anlage hätten wir uns nicht leisten können. Und dann haben wir irgendwann das alkoholfreie Bier komplett eingestellt, also im Moment haben wir gar keins.

Markus Raupach: Naja, was nicht mehr ist, kann ja vielleicht noch werden oder wieder werden, wie auch immer. Aber ich finde es auf jeden Fall total interessant, dass ihr da ganz am Anfang dabei wart, weil das ist ja durchaus auch eine spannende Geschichte, wie Deutschland am Ende des Tages zu seinem alkoholfreien Bier gekommen ist, also super spannend. Das Kirschbier übrigens war so gut, dass ich es tatsächlich schon geschafft habe, aber ich habe noch ein, zwei Fragen dazu. Aber wir können ja trotzdem schon mal noch was anderes aufmachen, wie gesagt, wir haben ja zehn. Soll ich mal noch wieder was sagen oder hast du noch was von meinen vorigen Ausführungen im Hinterkopf, was du gerade als nächstes öffnen möchtest?

Markus Fohr: Also anfügen möchte ich rein der Vollständigkeit halber, dass wir noch deutlich mehr Biere haben als zehn, aber, ja, dann hätte ich schon die mit einer Spedition als Stückgut schicken müssen, wenn es alle hätten sein sollen. Vielleicht nehmen wir jetzt einfach mal ein bisschen was Malziges wie das Irish Lager.

Markus Raupach: Ja, wunderbar. Hätte ich jetzt, wenn du mich gefragt hättest, hätte ich das auch gesagt, weil es lächelt mich die ganze Zeit schon so an. Also so schöner blauer Himmel auf dem Etikett, grüne Wiesen, wie man sich so Irland eben vorstellt, dann steht auch noch drauf Green Hills und Tastes like Ireland, also mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen, glaube ich. Hat das sogar so ein bisschen so einen grünen Stich bei mir, nee. Also, jetzt mache ich mir hier auf.

Markus Fohr: Ich mache mir parallel auch mal was auf.

Markus Raupach: Sehr schön, also wieder ein sensationeller Schaum. Das finde ich ja immer schon einen ganz wichtigen Punkt, weil daran sieht man natürlich schon auch, wie das so in der Brauerei zugeht. Und der steht wieder wie eine Eins, wie der vom Kirschbier gerade auch, ganz schön dicht und dick und feinporig. Und in dem Fall jetzt tatsächlich ganz weiß und darunter dann ein schönes, goldenes, wieder leicht angetrübtes, wunderbares Bierchen, wo die Blasen so aufsteigen und wo man, wenn man genau hinschaut, von unten so den Schaumteppich auch richtig schön sieht, wie er auf dem Bier schwimmt, finde ich immer einen ganz tollen Anblick. Also ein Bier, was wirklich auch hier wieder optisch schon mal richtig Lust macht, schauen wir mal.

Markus Fohr: Das auf jeden Fall. Und es ist auch, wenn man etwas flapsig das sagen darf, auf irischem Mist gewachsen, denn wir haben das in der Tat entwickelt, dieses Rezept, auf ganz konkreten Wunsch eines Kunden, der ein Bier nach irischer Art haben wollte und er hat uns dann tatsächlich auch ein paar irische Biere mitgebracht, wo er gesagt hat, also so in die Richtung hätte ich das gerne. Und dann haben wir für ihn exklusiv dieses Rezept entwickelt und brauen das jetzt in 1.000-Liter-Chargen auf unserer Craft-Beer-Brauerei.

Markus Raupach: Und der Kunde hat dann selber eine Gastronomie, nimmt er das alles ab?

Markus Fohr: Der nimmt das alles ab, also wir machen das exklusiv für ihn. Wir haben nur ein paar Flaschen tatsächlich bei uns immer auf dem Lager stehen, weil er sich gewünscht hat, dass wir das über unseren Onlineshop mitverkaufen, er selbst hat keinen und dadurch müssen wir ja auch ein bisschen was zum Verkaufen haben. Aber ansonsten nimmt er die Ware komplett ab und verzapft das bei sich und hat auch immer selbst ein paar Flaschen da. Dadurch generiert er sich einen Zusatzverkauf, weil natürlich manche Leute sagen, Mensch, das Bier ist lecker, da hätte ich gern mal ein paar Flaschen für daheim oder zum Verschenken, und deswegen hat er beides. Die Masse ist natürlich Fass, klar, in einer gutgehenden Gastronomie, da zapft man Fassbier und das Flaschenbier ist dann so ein Zuckerl, Giveaway, wie immer man das nennen möchte.

Markus Raupach: Ja und wunderbar. Also ich habe mittlerweile auch schon nicht mich zurückhalten können und einen Schluck davon genommen und auch natürlich ein Näschen davon genommen und ich muss sagen, mich erinnert es schon auch sehr an ein richtig schönes fränkisches Kellerbier. Also schöne Hopfennote in der Nase, so ein bisschen Heu und Blumenwiese und da hat man, glaube ich, auch ganz viel Irland so im Kopf, wenn man das so riecht, im Hintergrund ein bisschen Honig, so auch diese, ja, Heublumen und sowas. Und wenn man dann trinkt, ist es eine tolle Ausgewogenheit, also mit einem schönen intensiven Malzkörper, wo auch wieder ein bisschen Honig eine Rolle spielt, ein bisschen Biskuit, sowas. Und dann aber kommt schon auch eine schöne Hopfenbittere, die lange anhält und richtig schön knackig hinten raus so wieder ein bisschen eben aufräumt, sagen wir mal, aber eben wunderbar balanciert, also das gefällt mir richtig gut. Aber warum ist das jetzt ein Irish Lager? Was hast du da gemacht, um das eben als irisch zu bezeichnen?

Markus Fohr: Hauptsächlich ist das ein Irish Lager, weil die Idee dazu aus Irland kommt. Also der Inhaber von dem Irish Pub, der ist tatsächlich auch Ire,, zumindest der eine und auch die Vorbilder, die er uns mitgebracht hat, die waren ja definitiv aus Irland, sodass wir also, ja, da schon einen Klon machen konnten, könnte man sagen, und da haben wir tatsächlich auch mehrere Sude gebraucht, um dann wirklich genau da hinzukommen, wo er es haben wollte. Und jetzt, wo du sagst, das hat tatsächlich so ein paar Parallelen zum fränkischen Kellerbier, vielleicht sind doch irgendwie mal ein paar fränkische Braumeister ausgewandert nach Irland, das sollten wir vielleicht mal recherchieren. Aber, ja, die Farbe könnte von einem fränkischen Kellerbier sein, die Trübung auch. Es ist schon erkennbar gehopft, aber auch nicht übermäßig, was ich auch bei fränkischen Kellerbieren so sehe, es hat einen schönen Malzkörper. Und was dem Kunden auch ganz wichtig war, es sollte kein ausgefallenes Craftbeer sein. Es ist natürlich eins, es ist komplett naturbelassen, in kleinen Chargen wird es gemacht, aber es sollte wirklich gut trinkbar sein, das war ihm wichtig. Er hat so gesagt, ich habe ja in meinem Irish Pub nicht nur Freaks, im Gegenteil, ich habe eigentlich relativ wenig Leute, die sich mit Bier auskennen und da brauche ich ein Bier, das man einfach gut trinken kann.

Markus Raupach: Und das hast du absolut hinbekommen. Also ich glaube, dass das vielleicht auch die allerwichtigste Verbindung zu einem fränkischen Kellerbier ist, die wir hier haben, weil einfach die Drinkability, wie man so schön sagt, da ist. Also ich glaube, das ist einfach ein Bier, wo man sich eben gerne hinsetzt und dann ist es egal, ob dieser lange Tisch in einem Irish Pub irgendwo bei euch in der Nähe steht oder in einer fränkischen Brauerei-Gaststätte oder in Irland in irgendeinem Pub dort, aber du sitzt da einfach mit Gleichgesinnten und hast einen schönen Abend und kannst eins nach dem anderen von diesen Bieren trinken. Und es ist einfach ein toller Begleiter, egal auch, was du isst und egal, was da für Musik gesungen und gespielt wird und so, ist es einfach ein schönes, angenehmes, rundes Bier, mit dem man den Abend verbringen kann und das nicht nur einmal. Also ich glaube, das gefällt allen Iren, die ich kenne zumindest, die mögen das auch, die kommen ja auch gern nach Bamberg und frönen dann der Bierkultur dort, schön.

Markus Fohr: Also das man da auch ein paar mehr von trinken kann, davon kannst du dich in der Gaststätte jederzeit persönlich überzeugen.

Markus Raupach: Wie weit ist sie denn weg von dir?

Markus Fohr: Das ist nicht besonders weit. Man darf das auch sagen, das ist der Irish Pub in Koblenz.

Markus Raupach: Ah ja, na gut, ist ja klar. Nee, also wir sind ein grundsätzlich werbefreier Podcast, aber Fakten kann man immer nennen und das ist ja so, also insofern gerne. Ich schaue mal nachher, vielleicht kann ich den in den Show Notes auch verlinken. Toll, also auf jeden Fall wunderbar und schön, dass du das Projekt so machst. Und auch wunderbar, dass es da so ankommt, freut mich natürlich auch, dass die Iren das dann so annehmen. Die machen dann auch ihren St. Patrick’s Day und was sie sonst so alles machen, machen sie auch mit diesem Bier?

Markus Fohr: Ja, ja, auf jeden Fall. Also gerade zu solchen speziellen Anlässen, wie der St. Patrick’s Day einer ist, da kriegen wir immer einen Extraauftrag für das Irish Lager. Und der Irish Pub hat auch dieses Jahr Jubiläum gehabt, ich überlege gerade, wie viele Jahre alt er geworden ist, also das war schon ein bisschen was. Und anlässlich dieses Jubiläums gab es eine Schiffsfahrt und auf dem Schiff gab es dann auch ganz exklusiv Irish Lager.

Markus Raupach: Aber grün einfärben musstest du es noch nicht?

Markus Fohr: Nee, glücklicherweise war das in der Idee nicht vorhanden, das Bier grün einzufärben.

Markus Raupach: Wer weiß, vielleicht kommt das irgendwann noch auf dich zu. Aber auf jeden Fall wirklich ein sehr, sehr schönes Bier und, ja, also macht Spaß, freut mich schon mal und fühle mich heute schon gut abgeholt und bin ich jetzt auch schon sehr schön angekommen so in deiner Bierwelt. Das heißt, die, die du mir geschickt hast, sind eher welche aus der Craftbeer-Ecke sozusagen und du hast dann auch noch so ein klassisches, normales Sortiment, so Pilz, Weizen, Dunkel oder so?

Markus Fohr: Das haben wir durchaus. Das ist ja so ein Punkt, der eine historisch gewachsene Brauerei wie uns unterscheidet von einer reinen Craftbeer-Brauerei, wir haben eine Craftbeer-Schiene, da haben wir auch viel Spaß dran, aber wir haben natürlich auch die klassischen Biere wie Pilz, Weizen, Bock, Radler, Helles, Kellerbier, bei uns heißt es Wickel. Und wir haben natürlich auch die Spezialitäten der Region, wir sind ja am Rhein, wir sind nicht weit von Düsseldorf, wir sind nicht weit von Köln und so haben wir ein Altbier und ein Obergäriges, so nennen wir es, eine andere Bezeichnung dürfen wir ja hier in Lahnstein nicht wählen.

Markus Raupach: Ja und Lölsch würde ja irgendwie blöd klingen.

Markus Fohr: Also in der Tat ist diese Idee zu vorgerückter Stunde auf der Oberlahnsteiner Kirmes schon mal aufgetaucht und es war sehr spaßig, das mitzuverfolgen, weil der ein oder andere schon, ja, den gehopften Getränken etwas zugesprochen hatte und wenn die Leute dann versuchen, Lölsch zu sagen, es ist eine Ohrenweide, also es war einfach herrlich.

Markus Raupach: Super. Wenn du sagst, ihr macht auch ein Altbier, das ist ja in der Regel ein dunkles Bier, es gibt aber auch helle Altbiere. Wo sortiert ihr euch da ein?

Markus Fohr: Wir haben uns da ganz klassisch einsortiert, das Altbier ist Bernsteinfarben, also so, wie man das von einem Altbier erwartet. Was es allerdings nicht ist, gerade die klassischen Düsseldorfer Altbiere, die sind ja doch sehr bitter, sehr kräftig gehopft, ich persönlich mag das, aber so kräftig gehopft, wie es in der wirklich urtümlichen Düsseldorfer Art ist, das mögen halt doch viele Leute bei uns hier in der Ecke nicht und deswegen ist unser Altbier etwas milder. Aber ansonsten ist es so, wie man es kennt, es ist obergärig, es ist Bernsteinfarben, hat die übliche Stärke, wie ein Altbier das so hat, 4,9 %, es ist eben nur nicht ganz so bitter.

Markus Raupach: Also mir kommt das auf jeden Fall entgegen, weil es ist tatsächlich auch in Düsseldorf immer so ein Thema, da muss ich immer zu den zwei, dreien gucken, wo es auch nicht ganz so bitter ist. Also ich kann das schon trinken, aber es ist dann nicht so, dass ich sage, ich trinke da gerne zwei, drei, vier, fünf davon, sondern das ist dann halt eher nur so eins, das ist bei den anderen dann schon irgendwie schöner. Aber das ist halt auch, wenn man aus Franken kommt, dann hat man mit Hopfen nicht so viel am Hut, also die meisten zumindest, da gibt es sicher auch andere, aber für mich nehme ich das jetzt einfach mal so in Anspruch sozusagen. Was mich in Düsseldorf total fasziniert ist ja jetzt, dass ja die Meisten wirklich noch ihre offene Gärung in den Kellern zelebrieren und da wirklich Schaumberge sich aneinanderreihen, wenn man da unten in den Brauereien ist und das ja wirklich auch sehr imposant ist einfach jetzt, weil die meisten Brauereien das ja anders machen. Wie macht ihr das so mit eurer Anlage?

Markus Fohr: Also wir haben tatsächlich sowohl in der Craft-Beer-Brauerei als auch in der klassischen Brauerei komplett geschlossene Gärung und wir machen auch alles im Eintankverfahren. Also wir drücken nicht um zwischen Gärung und Lagerung, das hat einfach so viele Vorteile und wir machen es schon ganz, ganz lange. Aber wie das immer so ist, wenn man 10 Brauer nach dem idealen Rezept und dem idealen Prozess fragt, dann kriegt man fast 20 Antworten. Es ist ja so ein bisschen wie Kochen, da hat auch jeder seine eigene Philosophie.

Markus Raupach: Auf jeden Fall, ja und jeder glaubt, dass seine Besonderheit die ist, die das Bier dann auch besonders gut macht. Vielleicht auch zu Recht, aber dadurch kriegt man ja auch diese ganzen vielen verschiedenen Antworten, das finde ich schon auch immer sehr spannend. Aber ich diskutiere da auch ungern rum, ich höre es mir halt an und finde es schön und freue mich ja auch. Und es ist ja auch Teil dieser ganzen Geschichte, also Bier ist eben auch was, was emotionalisiert und wo auch jeder eben so ein bisschen natürlich sein Herzblut, seine Ideen rein gibt und dann gehört es einfach auch dazu. Finde ich auch gut, also insofern wunderbar. Aber ich finde es toll, dass ihr Alt und Kölsch sozusagen beides in einem Laden macht, da gibt es, glaube ich, auch gar nicht so viele Brauereien, die das tun. Seit wann habt ihr dann diese Craft-Bier-Ecke dazu bekommen?

Markus Fohr: Die haben wir 2019 dazu gebaut. Wir hätten natürlich schon gerne vorher ein bisschen, ja, so richtiges Craft-Bier gemacht, wir haben vorher auch unsere ersten Versuche gemacht durch Hopfenstopfen vorhandener Biere und solche Sachen, aber wir konnten eben nicht komplett extra brauen. Und irgendwann haben wir gemerkt, die Nachfrage nach den Craft-Bieren wird größer und wir haben auch mehr und mehr Anfragen von Kunden bekommen, die gebeten haben, wir sollten ihnen doch mal eine kleine Menge von Bier XY brauen und dann haben wir uns dazu entschlossen, da zu investieren, die Craft-Bier-Brauerei zu bauen. Und obwohl es dann ja eigentlich gar nicht beabsichtigt war, haben wir tatsächlich es geschafft, den ersten Sud auf der Craft-Bier-Brauerei an meinem 50. Geburtstag zu machen, war ein schönes Schmankerl dazu.

Markus Raupach: Und mit deiner Mutter zusammen, oder, die war da auch beteiligt?

Markus Fohr: Ja, die war da auch beteiligt. Das war sozusagen mein Geburtstagsgeschenk, die Craft-Bier-Brauerei.

Markus Raupach: Oh, okay.

Markus Fohr: Und natürlich wollte sie dann auch mal den Kopf in den Kessel stecken und dann haben wir diesen ersten Sud dann, haben wir gemeinsam gemacht mit unserem Braumeister zusammen, wir drei haben da im Kessel gerührt.

Markus Raupach: Wahnsinn. Ich glaube, eure Familie hat so ein Faible für Symbolik, oder? Also weil ich auch gelesen habe, dass du der erste echte Lahnsteiner Bürger sozusagen bist, weil vorher waren das irgendwie verschiedene Orte und dann wurden sie vereint und dann wurdest du geboren, sozusagen, so ungefähr, oder?

Markus Fohr: Ja, das sind so Zufälle, die kann man eigentlich nicht beeinflussen, aber manchmal passiert es einfach. Die Stadt Lahnstein, die ist am 1.

Juli 1969, ist die entstanden. Vorher waren wir zwei selbstständige Städte, Oberlahnstein und Niederlahnstein und das ist dann im Zuge der Strukturreform zusammengelegt worden. Und es war ein ganz klein bisschen anders, ich bin der letzte Oberlahnsteiner, ich bin also kurz vorher geboren. Und das kennen, glaube ich, alle, jeder hat so einen Nachbarort oder einen Ortsteil, wo man sagt, dass die, die da herkommen, dass die so ein ganz klein bisschen seltsam sind. Und bei uns in Oberlahnstein, da sind das natürlich die Niederlahnsteiner, von denen man sagt, dass die ein bisschen seltsam sind und von daher ist das natürlich für mich eine schöne Sache, dass in meiner Geburtsurkunde noch Oberlahnstein drinsteht.

Markus Raupach: Okay, dann bist du quasi der Letzte offizielle deiner Art, auch schön.

Markus Fohr: Ich bin der Letzte, genau, ja.

Markus Raupach: Naja, auf jeden Fall auch eine lustige Geschichte. Darauf müssten wir eigentlich auch anstoßen, weil auch das irische Bier hat sich bereits verabschiedet. Ja, mit was machen wir denn jetzt weiter? Ich hätte jetzt hier noch das IPA und das Donka und, ja, gut, die Martinatoren, die sind natürlich etwas heftiger. Dann haben wir hier noch das Grape Ale stehen und die Flasche, die du von Batzen geschickt hast, das ist allerdings ein Triple. Ja, kommt drauf an, du bist der Chef, was würdest du empfehlen?

Markus Fohr: Also ich denke, nach diesem schönen, malzigen Irisch Lager könnten wir doch jetzt ein leichtes, aber hopfiges IPA hinterherziehen.

Markus Raupach: Unbedingt, dann machen wir das. So, Moment.

Markus Fohr: Schreiten wir mal zur Tat.

Markus Raupach: Ach ja, schon wieder eine Augenweide, sehr schön. Jetzt etwas dunkler, so ein, ja, wie soll man sagen, so ein sandfarbener Sonnenuntergang mit einem wunderbaren, fluffigen Schaum obendrauf, der wieder echt wie eine Eins steht, wunderbar. Und auch durch das Unfiltrierte tatsächlich wieder so ein einladender, geheimnisvoller Schimmer, der so richtig, ja, neugierig auch macht auf dieses Bier.

Markus Fohr: An dem Schimmer merkt man auch, dass unsere Biere tatsächlich naturbelassen sind. Wir kriegen manchmal ganz erstaunte Rückfragen von Kunden, die sagen, ja, ist das richtig, ich habe da jetzt ein Kellerbier von euch, das ist fast klar und das Letzte, was ich hatte, das war richtig trüb. Für uns als Insider ist das halt so, bei einem naturbelassenen Bier, aber daran sieht man es halt und das ist vielen Leuten leider nicht bewusst, dass die Trübung in einem naturbelassenen Bier, je nachdem, wann man es abgefüllt hat und welche Flasche man vielleicht gerade erwischt hat, die kann halt sehr, sehr unterschiedlich sein. Das klarste trübe Bier hatten wir, glaube ich, nach Corona gehabt, da hat das Bier halt ein halbes Jahr im Tank gelegen, bevor wir es dann verkauft hatten und dann war es blitzeblank. Also man musste es wirklich in ein dickes Glas schütten und in die Sonne oder in eine Lampe halten, damit man da noch so einen leichten Schleier erkennen konnte. Das war definitiv das klarste trübe Bier, das wir jemals gebraut haben.

Markus Raupach: Ja, aber so ist es eben, naturbelassen, wie die Natur eben spielt und manchmal darf sie länger spielen. Da kommen wir bestimmt auch gleich noch ein bisschen dazu, die Pandemie war ja schon eine besonders herausfordernde Zeit für alle in der Branche sozusagen. Ich habe mich gerade in die Nase verliebt von diesem Bier, muss ich sagen. Also ich finde es ganz schön, weil man auf der einen Seite so Citrusaromen hat, so ananasmäßig, ein bisschen Erdbeere vielleicht auch und so, ein bisschen Rhabarber und auf der anderen Seite dann noch so mehr in diese, ja, Maracuja-, Pfirsich-, Mango-Ecke, also wirklich sehr viele fruchtige Sachen, allerdings so ein bisschen so wie so ein Orangenjoghurt, also so ein bisschen sahnig, weich, ganz spannend. Also was hast du da für Hopfen verwendet?

Markus Fohr: Ja, die Fruchtigkeit, die war uns natürlich sehr wichtig beim IPA, das ist ja einer der charakteristischen Faktoren. Es ist auch eher ein amerikanisch als ein historisch britisch inspiriertes IPA. Recht leicht im Alkohol, aber schön fruchtig in der Nase. Und da haben wir natürlich auch zwei passende Hopfen dazu uns ausgesucht, das eine ist ein deutscher, der Mandarina Bavaria. Da hört man ja schon am Namen, wo der herkommt und wonach er schmeckt. Und wonach er schmeckt, das hört man bei dem zweiten Hopfen auch, das ist der weltweit am meisten angebaute Aromahopfen, das ist der Citra. Eine schöne Kombination, wie wir fanden und die haben wir jetzt auch schon bestimmt 10 Jahre in der Kombination, wenn nicht noch ein bisschen länger. Also ein ganz, ja, für ein Craftbeer fast schon historisches Rezept, 10 Jahre alt.

Markus Raupach: Ja, stimmt, also dafür ist es schon ein Iconic IPA sozusagen.

Markus Fohr: Ja, genau.

Markus Raupach: Ja und vom Malz her aber trotzdem schon noch mit ein bisschen Karamellmalz, bisschen mehr auch eine Malz-Backbone, wie man so schön sagt, ne?

Markus Fohr: Aber nur ein Hauch, nur ein Hauch. So ein klein bisschen dunkelt das Bier ja immer auch nach, wenn es mal eine Weile in der Flasche ist. Also da ist tatsächlich zur ganz, ganz großen Masse einfach helles Gerstenmalz drin.

Markus Raupach: Und wenn du sagst, das ist so leicht, also ich kann es jetzt hier in meinem Podcast-Studio nicht wirklich lesen, was auf den Etiketten steht, aber es kommt mir schon ein bisschen stärker vor. Wo sind wir denn da ungefähr?

Markus Fohr: 4,9% sind wir.

Markus Raupach: Echt? Uih!

Markus Fohr: Also es ist kein Session IPA, aber, ja, ganz, ganz normale Trinkstärke, wir in Deutschland würden sagen Vollbier. Auch da war uns wichtig, man soll es gut trinken können. Denn auch, wenn wir es damals noch nicht gebraut haben, ich hatte das schon im Hintergrund und im Hinterkopf und mein Braumeister auch, dass wir irgendwann mal noch ein stärkeres IPA machen. Das ist sozusagen das für Einsteiger, wo man auch gut mal zwei, drei, vier Stück von trinken kann und das, was ein bisschen kräftiger ist, das heben wir uns bis zum Schluss auf.

Markus Raupach: Okay, dann machen wir das so, kein Problem.

Markus Fohr: Oder zu mindestens bis in die Nähe des Schlusses.

Markus Raupach: Ja, okay. Wenn du gerade vom Thema IPA sprichst, also in dieser Zeit, also vor eben 10, 15 Jahren oder wo es in Deutschland überhaupt so Richtung Höhepunkt ging, da hat man ja eine lange Zeit zumindest Craftbeer mit IPA mehr oder weniger gleichgesetzt und dann so nach und nach hat sich das erst so ein bisschen entwickelt, dass die Leute verstanden haben, dass IPA halt ein Bierstil ist, wie Pils auch und man in der Craft-Bier-Welt ganz, ganz viele andere Sachen machen kann und eben auch IPAs ganz anders sein können. Wie ging dir das eigentlich damals so mit dieser ganzen Craft-Geschichte, wenn du sagst, du hast 2019 dann die eigene Craft-Bier-Brauerei aufgemacht, vorher schon experimentiert, los ging das ja noch mal 10, 12 Jahre vorher, wie hast du das so erlebt, diese Zeit?

Markus Fohr: Das war tatsächlich eine spannende Zeit, man hat dann ja meistens erst mal gelesen, dass da irgendwie was Neues kommt. Und am meisten ist mir in Erinnerung, wie ich das erste Mal ein IPA probiert habe, man wollte natürlich mitreden können, also haben unser Braumeister, der Henrik Rohmann und ich uns mal ein IPA bestellt. Ich weiß gar nicht mehr, wo wir das damals hergekriegt haben, das war ja am Anfang gar nicht so einfach, diese Biere überhaupt zu bekommen. Und dann haben wir bei mir daheim im Wohnzimmer gesessen und haben das fachmännisch gemacht, wir haben es uns erst mal angeschaut und dann haben wir geschnuppert und waren fasziniert von diesen Citrusnoten, von dieser Frische. Das war ja sowas, das kannten wir in Deutschland zu dem Zeitpunkt in einem Bier überhaupt nicht. Und weil wir das so lecker und so spannend fanden, haben wir dann noch eine Nase genommen und noch eine Nase genommen und ich kann dir nicht mehr sagen, wie lange das ging, das Erste, was ich mich wieder erinnere, war, dass meine Frau ins Zimmer kam und sagte, trinkt ihr das irgendwann auch noch? Also das war so der erste Einstieg, natürlich mit einem IPA, ja klar, das war so das erste Bier, was auf der Craftbeer-Welle gesurft ist . Und natürlich kamen dann nach und nach die anderen Biere dann auch, die Portas und Stouts, die stärkeren IPAs, die belgischen Biere, die es ja eigentlich schon immer gab, aber dann wurden sie halt wieder so richtig wahrgenommen, also war schon eine spannende Zeit. Und auch die zwei Wochen Biersommelier, das war dann für mich eine ganz, ganz tolle Sache, weil man da ganz viel mal kennengelernt hat, mal in Ruhe probiert hat und plötzlich vielleicht auch Spaß gefunden hat an einem Bier, wo man vorher gesagt hat, naja, ob ich da dran gehe, weiß ich nicht.

Markus Raupach: Nee, das war schon, also wie du sagst, das war eine ganz spannende Zeit. Also ich habe damals diese Präsentation miterlebt, ich glaube, das war 2007 oder so, wo der Hans-Peter Drexler die Hopfenweise zum ersten Mal hier in Bamberg im Brauereisaal von Keesmann bei den sogenannten Bierquerdenkern präsentiert hat, das waren lauter gestandene Braumeister aus Bayern und darüber hinaus. Und da war es ähnlich, wie du es auch gerade geschildert hast, die haben dieses Bier im Glas gehabt und dann war erst mal still, minutenlang und die haben einfach nur geguckt und gerochen und nichts gesagt und wieder angeschaut, wieder probiert. Aber man hat wirklich gemerkt, dass das auch gedauert hat, bis die dieses Bier dann auch verstanden haben in dem Fall, weil das war ja dann als Weißbier Doppelbock und eben sehr stark gehopft, auch für viele so ein zumindest völlig unbekanntes Terrain damals noch. Und da, muss man wirklich sagen, hat sich wirklich viel getan, viel entwickelt und dann kam ja auch diese ganze Biersommelier-Geschichte auf. Und ich erinnere mich auch, wir haben dann 2013, wir haben ja von der BierAkademie am Anfang auch mit Doemens zusammen das Ganze gemacht, da habe ich dann die erste deutsche Meisterschaft damals der Biersommelier ausgerichtet, das war in Hallerndorf, im Brauhaus am Kreuzberg. Damals noch ein bisschen improvisiert, sage ich mal, also am Schluss hat der Dominik damals gewonnen mit einem Bierdartspiel sozusagen und du bist ja dann sechs Jahre später sozusagen Deutscher Meister geworden. Für alle, die sich jetzt da wenig drunter vorstellen können, vielleicht kannst du mal ein bisschen erzählen, wie wird man Deutscher Meister, also wie man Olympiasieger im 100-Meter-Lauf wird, das wissen, glaube ich, alle, aber wie wird man Deutscher Meister der Biersommeliers?

Markus Fohr: Also vom System her ist das mit dem 100-Meter-Läufer tatsächlich auch einfacher, Training steht sicherlich noch mehr dahinter. Ja, wie wird man Deutscher Meister oder überhaupt Biersommelier-Meister? Die nationalen Meisterschaften und auch die Weltmeisterschaft, die sind ja relativ gleich aufgebaut, es gibt zunächst mal Vorrunden, mehrere. Die Erste ist eine Aromen-Blindverkostung, da hat man dann 10 Biere vor sich stehen, die sehen alle gleich aus, es ist auch tatsächlich in allen 10 Bechern, Gläsern das gleiche Bier drin, aber die sind mit Aromen geimpft, die entweder biertypisch sein können oder die auch untypisch sind für Bier, auch die muss man ja kennen und dann ist es die Aufgabe des Kandidaten, die blind zu erkennen. Und um Blinderkennung geht es dann auch in der zweiten Vorrunde, da stehen wieder 10 Biere da, die sehen allerdings unterschiedlich aus, denn es sind auch 10 unterschiedliche Bierstile, da kann im Prinzip alles drinstehen, was es auf der großen weiten Welt so gibt. Und auch da geht es dann wieder um das Blindverkosten, man muss also dann seine Einschätzung abgeben, die Nummer eins ist ein deutsches Pilz, die Nummer zwei ist ein belgisches Tripel und so weiter. Und dann gibt es oft noch einen Multiple-Choice-Test und wer dann in diesen ganzen Runden die meisten Punkte gesammelt hat, der kommt dann in die Finalrunde. Da wird es dann ganz anders, da geht es dann nicht mehr um Blindverkostung, da geht es auf die Bühne, da bekommt man dann ein Bier zugelost und stellt das dann auf der Bühne vor. Und wer das sachlich am besten und natürlich auch mit dem besten Unterhaltungswert gemacht hat, der wird dann der neue deutsche, österreichische, Schweizer oder auch Weltmeister.

Markus Raupach: Ja, faszinierend. Und auf jeden Fall, es klingt super anstrengend, es klingt super komplex und vielfältig und eben in ganz vielen Ecken herausfordernd. Was würdest du sagen, war bei dir 2019 so der Punkt, wo du dann den entscheidenden Schritt gemacht hast, um das zu gewinnen?

Markus Fohr: Zum einen war sicherlich auch ein bisschen Glück dabei, wie immer, wenn man irgendwas gewinnt, dann braucht man auch ein bisschen Glück, ohne geht es nicht. Ich habe mit dem Düwel ein Bier zugelost bekommen im Finale, das ich sehr gut kannte und auch sehr mag.

Markus Raupach: Schön, ja.

Markus Fohr: Das ist, glaube ich, ein riesen Vorteil, das war zwar bei dem WM-Finale drauf genauso, aber da hat es mir leider nichts genützt, aber egal.  2018 war es im Finale der DM, da hatte ich auch diesen Vorteil, ein Bier, das ich gut kannte und auch sehr mag und das hat mir geholfen. Was mir, glaube ich, auch geholfen hat, ich habe ein bisschen einen schönen Rahmen um meinen Vortrag gebaut, ich habe erst mal das Publikum begrüßt, ich habe am Schluss noch ein kleines Gedicht aufgesagt und habe damit so zwei Schmankerl gesetzt, die vielleicht die anderen nicht so hatten und das sind eben die Sachen, die dann die Jury auch bewertet. Natürlich muss man das Bier richtig beschreiben, die Dinge, die man drumherum erzählt, die sollten dann auch stimmen. Wichtig ist ja auch, dass man überhaupt drumherum was zu erzählen hat, ansonsten wäre es schlecht. Und dann gibt es noch die Performance, wie man oft sagt und da werden eben solche Dinge bewertet, spricht der Kandidat flüssig oder kommt da ein äh nach dem anderen, ist eine schöne Begrüßung und ein schöner Schluss in dem Vortrag, hat der Vortrag eine rote Linie oder springt man ständig hin und her? Das sind alles so Dinge und in der Summe habe ich das einfach an dem Tag gut hinbekommen.

Markus Raupach: Ja, perfekt. Also klingt auch ein bisschen nach Tagesformabhängigkeit natürlich und auch ein bisschen Glück, welches Bier man da erwischt, aber man kann auch viel üben, denke ich mal. Und sowas wie so ein Gedicht ist natürlich eine sehr clevere, coole Strategie, also Glückwunsch schon mal auf der Seite noch mal. Und sorry, dass ich dich ein Jahr nach hinten versetzt habe, 2018. Aber dann hat man natürlich auch so einen gewissen, ja, eine geschwellte Brust, sagen wir mal so. Und als es dann im nächsten Jahr zur Weltmeisterschaft ging, war dann da was anders, bis auf die Tatsache, dass eben internationale Leute dabei waren oder gab es da generell noch andere Unterschiede?

Markus Fohr: Also vom Verlauf des Turniers war das genau gleich aufgebaut, bis auf das, dass der Multiple-Choice-Fest größer war als bei der deutschen Meisterschaft, aber vom System her war es dasselbe. Was natürlich 2019 in Rimini, hat da die Weltmeisterschaft stattgefunden, der Fall war, das war natürlich vom Ambiente her kaum zu toppen, Grand Hotel Rimini im September, ein paar Meter weg vom Strand und von der schönen Altstadt von Rimini, ein Buffet über zwei riesen Räume drüber, tolles Wetter, Stimmung war klasse. Und, ja, ich bin ja dann auch bis ins Finale gekommen, für den ganz großen Wurf hat es dann leider nicht gereicht, aber man kann halt nicht immer gewinnen.

Markus Raupach: Nein und immerhin, du hattest ja vorher schon einen Sieg in der Tasche, das ist ja schon mal auch gut. Und, ja, Rimini kann ich tatsächlich auch nachempfinden, ich bin da ja auch seit vielen Jahren in der Jury von dem jeweiligen italienischen Wettbewerb, der immer allerdings im Frühjahr ist. Also da sind wir auch immer in Rimini in so einem Hotel, allerdings dann meistens Februar, März irgendwie, das heißt da ist es dann eher kalt, aber auch schön, weil dann nämlich niemand ist, das heißt man kann tatsächlich dann am Strand entlang spazieren und tagsüber wird es dann auch schon ein bisschen wärmer und es ist auch eine tolle Stadt also. Aber im Sommer ist das bestimmt noch mal eine andere Liga, da bin ich schon ein bisschen neidisch, sehr schön. Also man kommt auch rum mit der ganzen Geschichte. Du warst ja jetzt, glaube ich, beim letzten Mal auch wieder dabei, oder?

Markus Fohr: Ja, ich war beim letzten Mal auch wieder dabei. Das war allerdings eher die klassische Variante, die WM war einen Tag vor der Drinctec in München.

Markus Raupach: Ja, das stimmt.

Markus Fohr: Was natürlich vom Veranstaltungs-Timing her absolut Sinn macht, die Meisten von uns sind ja dann sowieso da und wenn WM ist, dann kommt man eben zwei Tage früher. Aber es ist schon, ja, praktisch einfach, dass jedes zweite Mal die WM mit der Drinctec gekoppelt ist.

Markus Raupach: Aber es gilt wie immer, ich sage auch immer, München fehlt einfach ein Strand, sozusagen, dann wäre es perfekt wahrscheinlich.

Markus Fohr: Es gibt, glaube ich, einen Isar-Strand, aber den haben wir jetzt nicht frequentiert.

Markus Raupach: Das stimmt. Apropos Strand, Bier, wir brauchen wieder ein Bier. Womit machen wir denn jetzt weiter? Ich habe jetzt immer noch Donka da stehen und das Mega IPA, ein Grape Ale, das Triple, das Honigbier und die Atoren, was machen wir jetzt?

Markus Fohr: Nachdem du gerade so den Strand betont hast, da haben wir ja eigentlich fast keine andere Chance, als das Bier zu probieren, was in der Nähe von einer ganzen Menge wirklich schöner Strände gebraut worden ist und das wäre dann das Grape Ale.

Markus Raupach: Okay, dann machen wir das, wunderbar. Das ist ja ein Kollab mit einer zypriotischen Brauerei, wenn ich es richtig in Erinnerung habe.

Markus Fohr: Ganz genau.

Markus Raupach: Cyprus Grape Ale.

Markus Fohr: Das ist die Octo Microbrewery, die heißt tatsächlich so, weil man, ja, was typisch Zyprisches haben wollte. Und Zypern ist nun mal eine Insel, wie das bei einer Insel so ist, da ist überall Meer drum und in dem Meer, da gibt es Massen von kleinen Tintenfischen und Oktopussen und deswegen hat man dann der Brauerei den Namen Octo Brewery gegeben. Und man sieht vielleicht an den Etiketten, dass der Inhaber, der Taras Lozhenko, von Haus aus eigentlich Designer ist. Das ist einer der vielen erfrischenden Quereinsteiger, die mal den Weg in die Braubranche gefunden haben und der schafft es auch immer wieder optisch sehr ansprechend irgend so ein Oktopus-Tentakel mit Saugnäpfen irgendwie in das Design vom Etikett einzubauen.

Markus Raupach: Ja, in dem Fall in eine Traube, also sehr schön.

Markus Fohr: Ja, das hat er wirklich gut hingekriegt.

Markus Raupach: Und was ich auch sagen muss, also Optik brauchen wir fast gar nicht mehr darüber reden, ist wieder sensationell, also wunderbar schönes, ja, so vom Braunton her vielleicht ein bisschen heller als das gerade eben, wunderschöner Schaum, aber was mich total gecatcht hat, ist der Geruch. Also der ganze Raum ist voll von dieser wunderbaren traubigen Note, die aber auch so ein bisschen, ja, so Süße, fast ein bisschen Bubblegum-Aromen mit hat, also sehr intensiv, sehr fruchtig, sehr süß, sehr reif, ganz viel, ja, Lust einfach auch macht und sehr komplex ist. Und wenn man näher hingeht, hat man auch wirklich so intensive Kohlensäurenoten, sehr spritzige Angelegenheit, also ganz toll. Weißt du, was das für Trauben sind, die ihr da verwendet habt?

Markus Fohr: Ja, da haben wir uns sehr viel Gedanken darüber gemacht im Vorfeld, was wir da für Trauben nehmen und wir sind dann, ja, haben uns natürlich von einem Profi, von einem Winzer beraten lassen und dann sind wir auf eine ganz klassische, heimische Rebsorte gekommen, Xynisteri heißt die, die wird in Zypern schon seit 3.000, 4.000 Jahren kultiviert, so ganz so genau wissen es die Zyprioten auch nicht, wie alt die genau ist, also in jedem Fall eine ganz typisch zyprische Rebe, eine Weißweinrebe, das war uns auch ganz wichtig für die Optik. Und ich denke, der Trick ist auch ganz gut gelungen, wenn man das Bier jetzt nur im Glas sieht, dann sind wir fast wieder beim fränkischen Kellerbier, für das man es halten könnte.

Markus Raupach: Genau, also da reiht es sich total ein.

Markus Fohr: Und dann ist es genauso wie du es sagtest, man merkt es dann aber im Duft dann schon, ja, da ist so eine Malzsüße, ist da drin, aber da ist auch noch was anderes drin und dann ist man schnell, ist man bei Weißweinnoten. Und was auch total spannend ist, wie sich dieses Bier entwickelt im Laufe der Zeit, es ist ja eine Jahrgangsedition und wenn das ganz frisch ist, ich habe das mal aus dem Tank probiert, da war es so, hatte es so zwei Wochen Lagerzeit gehabt, also es war durchgegoren plus zwei Wochen und dann ist dieses Bier noch mal heller und es duftet und es schmeckt fast wie ein Federweißer.

Markus Raupach: Uih! Okay.

Markus Fohr: Und diese Note, die geht dann natürlich mit zunehmender Reifung, geht die weg und dann ist es so wie du es jetzt beschrieben hast. Und ich bin selber mal sehr, sehr gespannt, wir werden demnächst mal eine Verkostung machen, wo wir alle vier Grape-Ale-Jahrgänge, die wir bis jetzt gemacht haben, mal nebeneinander verkosten. Ja, da freue ich mich schon sehr drauf, dann sieht man mal ganz genau, wie sich das über die Jahre so entwickelt hat.

Markus Raupach: Ja, also für mich geht es jetzt in so eine Champagner-Sekt-Richtung, also sehr schön, sehr hochvergoren, sehr edel, ein bisschen nobel auch, ganz, ja, komplex und ich habe auch so eine ganz leichte Brett-Note, oder kommt das vom Hopfen?

Markus Fohr: Nee, da ist tatsächlich so eine kleine Komponente, so eine kleine wilde Komponente ist da drin.

Markus Raupach: Aha.

Markus Fohr: Wir wollten jetzt nicht wie die Leute vor 3.-, 4.000 Jahren ein spontan vergorenes Bier machen, da hätten wir, glaube ich, doch zu wenig Fans dafür gefunden, aber wir wollten so ein klein bisschen was Wildes von der Traube, wollten wir dann noch mit reinbringen. Und das Bier wird auch tatsächlich mit komplett unbehandeltem Traubenmost gebraut, der ist nicht pasteurisiert und gar nichts. Das ist auch eine große Herausforderung, der wird gepresst und in Kegs gefüllt und dann steht praktisch schon einer von der Brauerei mit dem Lieferwagen daneben und lädt die direkt auf und dann werden die am gleichen Tag oder spätestens am nächsten Tag wird das Grape Ale dann gebraut. Und die Hälfte von dem von dem Most, die kommt dann am Ende der Kochung rein, das ist dann natürlich steril und die andere Hälfte, die kommt zur Hauptgärung rein und dadurch ist da ja so eine kleine Komponente drin, denn alles was an wilden Hefen auf der Traubenschale gesessen hat, das ist ja da mit drin. Und man sieht das auch ganz faszinierend, die Kollegen, die haben noch eine offene Gärung, also man kann die Kräusen sehen. Und vorhin hatten wir es ja schon mal mit der Idee von einem grünen Bier, also das Bier ist nicht grün, aber da sieht man so eine leichte wilde Komponente, die Kräusen, die haben sowas leicht grünliches, ist schon spannend und von daher kann das Bier auch durchaus so eine leichte Brett-Note haben.

Markus Raupach: Aber es ist wunderschön, also auch wieder ganz, ganz spannend. Hat natürlich schon auch ordentlich Alkohol, das merkt man, Weingeist, wie man so schön sagt, aber toll. Also gerade durch diese sehr noble Note und auch diese angenehme Bittere, also, ja, man kann durch Bittere sagen, aber da spielt ja eben auch diese Brett-Note so ein bisschen mit rein und dieses Hochvergorene ist wirklich ein ganz spannendes, schönes Finish. Also ein tolles Bier, kann ich mir auch gut vorstellen mal als Begrüßungsschluck zum Beispiel bei einem Menü oder so, das kann man sehr vielseitig einsetzen, großartig.

Markus Fohr: Auf jeden Fall, also genauso, wie man einen Champagner auch gerne als Begrüßungsschluck, als Aperitif reicht, geht das bei diesem Bier auch. Und wir haben auch tatsächlich vor, nächstes Mal so eine kleine Variante da rein zu bringen und das Bier mal mit einer Champagnerhefe zu vergären und noch ein bisschen mehr Kohlensäure reinzubringen, also wir wollen da mal in genau die Richtung gehen, da freue ich mich auch schon sehr drauf, Ja, du hast die den Alkoholgehalt angesprochen, es war ja auch von Anfang an die Idee ein Jahrgangsbier zu machen, also es sollte auch ein lagerfähiges Bier sein, deswegen haben wir auch direkt gesagt, soll stark sein. Und ein bisschen einen praktischen Aspekt hat man ja auch manchmal, es ist ja ein Kollab, wir brauen das Bier auf Zypern und die eine Hälfte behalten dann die Kollegen und die andere Hälfte kriegen wir. Und das Bier muss ja auch dann den Transport von Zypern nach Deutschland überleben und das tut natürlich so ein 9-%er eher als jetzt das fränkische Kellerbier

Markus Raupach: Wie läuft das, per Schiff oder per Flugzeug oder Hubschrauber oder wie bringt ihr das rüber?

Markus Fohr: Das läuft so, dass das Bier zunächst mal mit der Spedition von Sotira, das ist der Ort wo die die Brauerei auf Zypern liegt, dann nach Limassol fährt, das ist allerdings nicht weit, das ist so eine Stunde, ja, ein bisschen mehr. Und von da wird es dann mit einem Schiff gefahren bis nach Istanbul und von da kommt dann tatsächlich sogar eine Komponente aus dem Heimatland meiner Frau mit rein, dann wird es nämlich von einer bulgarischen Spedition, wird es zu uns nach Deutschland gefahren und, Stopp, ich habe jetzt etwas Falsches gesagt, es ist nicht Istanbul, es ist Thessaloniki, wo die Fähre hingeht

Markus Raupach: Okay. Ja, ich habe mich schon gewundert, wobei bei Zypern ist ja alles möglich, weil die Insel ist ja leider Gottes immer noch geteilt und der eine Teil ist ja quasi türkisch besetzt und der andere Teil ist eben die Republik und hätte ja auch sein können, also das ihr da irgendwie eher über Istanbul oder aus irgendwelchen Gründen gehen müsste, aber Thessaloniki ist da natürlich etwas eingängiger. Ja, wo du es jetzt gerade schon sagst und ich muss auch sagen, das Grape Ale war zwar ein wunderschöner Schluck, aber ich habe mir jetzt auch gar nicht so viel davon eingeschränkt, weil es relativ stark ist. Das heißt, ich wäre schon wieder bereit und wenn du gerade schon über deine Frau gesprochen hast, vielleicht wäre es jetzt mal an der Zeit, das Donka zu probieren, oder?

Markus Fohr: Ja, jetzt habe ich die Steilvorlage gegeben, in der Tat.

Markus Raupach: Eben, eben, eben.

Markus Fohr: Dann sollten wir die auch aufnehmen und mal das Bier meiner Frau probieren.

Markus Raupach: Okay, ich mache es mal auf.

Markus Fohr:  Meine Frau stammt aus Bulgarien, das hatten wir ja eben schon kurz angerissen, sie hat auch da gelebt, bis sie 30 war und dann kam der entscheidende Faktor, weshalb sie aus Bulgarien weg ist, dann kam ich und ja, ich konnte die Brauerei so schlecht mit nach Bulgarien nehmen, sonst hätte das auch ein Thema sein können.

Markus Raupach: Allerdings, ja.

Markus Fohr: Ist auch ein sehr schönes Land, kann ich nur empfehlen, sich das mal anzuschauen, aber nicht unbedingt am Sonnen- und Goldstrand. Ja und meine Frau kam dann vor mittlerweile auch 25 Jahren nach Deutschland. Und die Idee dann, ihr ein Bier zu brauen, die habe ich eigentlich bei einem Kollegen aufgeschnappt. Vielleicht kennt der ein oder andere von den Hörern den Teo Musso, der ist so ein bisschen einer der Ikonen der italienischen Craft-Beer-Bewegung, war auch sehr früh dran, hat in den 1980ern schon die ersten Biere gebraut. Und der hat mal ein Bier zu Ehren seiner damaligen Frau, der Nora gebraut und die war afrikanisch stämmig und dann hat er sich Weizenmalz aus Ägypten besorgt und hat da ägyptischen Honig und ein paar nordafrikanische Gewürze mit rein. Und als ich das gehört habe und ich hatte auch die Idee, nicht die Idee, die Chance, das Bier mal zusammen mit meiner Frau in seiner Palatin-Gastronomie in Rom zu probieren, hat uns beiden sehr gut geschmeckt, ja, und so kam ich dann auf die Idee, sowas zu machen. Und da haben tatsächlich damals alle dicht gehalten, Donkas Schwester hat dann auf dem Markt in Neceva, hat sie bulgarischen Wildthymian erstanden und hat mir den geschickt und dann habe ich von einem Kollegen noch bulgarische Holzchips bekommen, Eichenholzchips und dann haben wir als meinen Teil eine klassisch deutsche Komponente genommen, unser Kellerbier und haben das dann reifen lassen auf dem bulgarischen Wildthymian und den Chips. Und wir haben es dann tatsächlich geschafft, sie hat es nicht mitgekriegt bis dahin, ihr an ihrem Geburtstag abends dann dieses Bier zu überreichen.

Markus Raupach: Na, das ist doch eine wunderschöne Geschichte, großartig, ja, auch total spannend. Also jetzt hast du es ja schon gesagt, ich wollte gerade fragen, was diese sehr schöne kräutige Komponente ist. Also für mich setzt sich das so ein bisschen zusammen aus, ja, Honignoten, Salbei, Thymian, Lavendel, also sehr komplexe Kräuteraromatik, aber der Wildthymian hat dann wahrscheinlich so besondere Aromen, also ganz toll. Es hat jetzt das Grape Ale aus dem Raum auch schon verdrängt sozusagen und ersetzt durch diese wunderbare blumig-kräutige Symphonie, die man hier so hat. Und am Gaumen auch schön, weil diese Holznote, das ist so ein bisschen, ja, so eine karamellige, vanillige Süße irgendwie bringt das ins Bier rein, auch einen schönen Körper, ein schönes Mundgefühl, das macht das Ganze sehr rund. Also ich hoffe, da war sie dann schon auch erfreut vom Bier an sich, oder?

Markus Fohr: Also sie war sehr erfreut, begeistert, kann man auch sagen und mittlerweile ist sie noch begeisterter, die Donka hat sich ja gehalten, also nicht nur meine Frau, sondern auch das Bier. Wir haben dann gesagt, naja, wenn wir das jetzt schon haben, dann können wir es ja mal zum Craft Beer Award einschicken und es hat dann direkt auch eine Auszeichnung bekommen und dann haben wir gesagt, ja, wenn das Bier so gut ist, dann müssen wir das ja im Sortiment behalten und mittlerweile sind aus der Auszeichnung mehrere geworden. Und dieses Jahr war das tatsächlich unser am höchsten ausgezeichnetes Bier bei der Finest Beer Selection, da ist meine Frau noch mal um 5 cm gewachsen.

Markus Raupach: Ja, da musst du echt aufpassen, die hat dich jetzt in der Hand. Nein, also schön. Ich finde auch überhaupt diese Idee schön, so seine Familie ein bisschen zu Bier zu machen. Und ich glaube, wahrscheinlich war der Teo Musso auch der Erste, der das so getan hat. Also ich kenne ihn auch ganz gut, er ist ja einer der beiden Väter vom Teku-Glas auch und hat ja nicht nur seine Frau zum Bier gemacht, sondern auch seinen Sohn, den Isaac, hat er ein tolles Witbier aus ihm sozusagen gemacht, was auch großartig ist. Und was ich besonders witzig finde, er hat dann auch ein Bier gemacht nach den ersten Lauten eines seiner Kinder, also ich weiß gar nicht, ob das auch der Isaac war oder das nächste Kind, aber das heißt dann Xyauyu und ist ein sehr starker, ja, Barley Wine oder so, ein sehr, sehr intensives, auch in verschiedenen Fässern gereiftes tolles Bier, aber eben von der Lautmalerei auch total spannend, also eine schöne Idee. Vor allem den Isaac habe ich dann eben auch nach und nach kennengelernt, am Anfang war er ja noch relativ jung, mittlerweile ist er selber mit in der Brauerei und das ist natürlich irgendwie auch cool, also wenn man das so erlebt, dass diese Namensträger von solchen Bieren dann da auch dabei sind. Ein Paradebeispiel bei uns in Deutschland ist wahrscheinlich der David Hertl mit seiner Mutti und seinem Vati und alle, die er da biermäßig verbraut hat, aber super Idee. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die Donka da wirklich sehr stolz ist. Bei welcher Gelegenheit hast du die in Bulgarien damals kennengelernt ,also warst du da im Urlaub oder auf einer Messe oder wie habt ihr euch getroffen?

Markus Fohr: Also das ist eine lange Geschichte, so richtig ging das dann los, als ich über Silvester 1999-2000 in Bulgarien war, also sozusagen eine Jahrtausendliebe.

Markus Raupach: Allerdings.

Markus Fohr: Und, ja, da bin ich dann sie besuchen geflogen und war 14 Tage dann in Bulgarien und die 14 Tage, die hatten wir uns dann mal genommen, um, ja, uns noch ein bisschen besser kennenzulernen und dann auch zu entscheiden, wollen wir es denn dann richtig machen, will sie nach Deutschland kommen und, ja, wie es gegangen ist, wissen wir jetzt alle. Und in der Tat, bei uns gibt es auch diese Familiengeschichte mit den Bieren. Bei meinem ältesten Sohn, da ist es ein bisschen schlecht, weil der keinen Alkohol trinkt, aber meine Tochter, die hat auch schon ihr eigenes Bier bekommen. Das war auch ein Kollab und zwar mit den Kollegen von der Rhombus Pivovana in Pazardzhik in Bulgarien, das ist so ein bisschen in der Nähe von Plowdiw, da haben wir einen Kräuterbier-Bock, haben wir gemacht. Der ist allerdings mittlerweile ausgetrunken, deswegen habe ich dir nichts davon geschickt. Und den haben wir dann Maya genannt und da ist auch noch ein kleines Späßchen verpackt, denn wenn man das Wort ein bisschen anders betont, Maya, ist das bulgarische Wort für Hefe.

Markus Raupach: Ah, schön.

Markus Fohr: Und unser Jüngster, der Victor, der kriegt jetzt demnächst sein eigenes Bier. Der hat auch eine charmante Idee gehabt, der hat mal zu mir gesagt, Papa, also natürlich möchte ich mein eigenes Bier, aber ich möchte da dann auch mitreden. Und damals war er halt noch ein bisschen zu jung zum Bier trinken und das hat sich mittlerweile geändert, der ist jetzt 17 und hat dann auch mir geholfen beim Training für die WM und hat dann natürlich auch immer mal hier und da und dort ein Schlückchen probiert und hat dann irgendwann seine Liebe zum NEIPA entdeckt, sodass wir ihm jetzt schon die erste Testcharge von seinem Bier gebraut haben.

Markus Raupach: Wunderbar, also dein Sohn möchte man sein, sage ich mal so, sehr schön, tolle Geschichte. Wachsen die bei euch dann zweisprachig auf, die Kinder?

Markus Fohr: Also die Kinder sprechen alle ein bisschen Bulgarisch, wir haben das auch tatsächlich versucht, die zweisprachig zu erziehen, aber so in dem Moment, wo die dann in den Kindergarten kamen und mit ganz, ganz vielen Kindern zusammenkamen, von denen natürlich niemand Bulgarisch gesprochen hat, da war es dann irgendwann vorbei, also irgendwann haben die drei das nicht mehr mitgemacht, sowohl Bulgarisch als auch Deutsch zu sprechen. Aber sie können alle drei ein bisschen Bulgarisch und mittlerweile haben sie das auch schätzen gelernt, dass sie sich zumindest ein bisschen mit ihren Großeltern oder mit unserer Verwandtschaft in Bulgarien unterhalten können, denn da sind tatsächlich viele dabei, die weder Deutsch noch Englisch sprechen, also wenn du dich verständigen willst, dann musst du es auf Bulgarisch tun und deswegen sind sie mittlerweile sehr froh, dass sie das zumindest so ein bisschen können.

Markus Raupach: Ja, ich glaube auch, dass das wirklich so eine Kompetenz ist, die das Gehirn aufbaut, wenn man so groß wird und eben mit zwei Sprachen oder mehreren sogar noch irgendwie aufwächst, das hilft einem, glaube ich das ganze Leben lang, also generell bei Sprachen, aber auch bei vielen anderen Sachen. Das ist was, was mir leider Gottes nie zuteilgeworden ist, das finde ich sehr spannend, also ein echtes Sprachgefühl in mehreren Sprachen zu entwickeln, das ist schon eine große Kunst, aber gut. Also insofern schön, dass deine Kinder das zumindest ein bisschen haben dürfen, toll. Das müssen wir feiern mit einem Bier, also ich will ja nicht so viel Druck machen, aber ein bisschen, ein paar haben wir ja noch, also insofern.

Markus Fohr: Jetzt würde sich doch langsam noch ein anderer Name anbieten, nämlich der Martinator, den du ja auch in holzfassgereiften Varianten hast.

Markus Raupach: Genau, ich habe einmal BC und einmal SC.

Markus Fohr: Genau. Wir haben den tatsächlich sogar in drei Varianten, da sind unterschiedliche Hölzer im Spiel, einmal sind das Holzchips aus Bourbon-Whisky-Fässern, deswegen dieses Kürzel BC, Bourbon Chips, dann gibt es den noch mit Holzchips aus Cognac-Fässern, da ist dann das Kürzel CC. Der war wahrscheinlich gerade alle, als wir dir das Paket gepackt haben. Und dann gibt es den mit Sandelholz, das ist der SC dann, Sandelholzchips. Der ist von den Dreien mein persönlicher Favorit, vielleicht hast du ja Lust den zu öffnen.

Markus Raupach: Auf jeden Fall, also einerseits, wenn du sagst, es ist dein Favorit dann sowieso, aber auch Sandelholz hatte ich jetzt noch nicht so oft bei Bier, deswegen bin ich da jetzt sogar richtig gespannt drauf auch in jeder Hinsicht, also auf die Nase, auf den Geschmack, schauen wir mal.

Markus Fohr: Ja, uns ging es ein bisschen ähnlich, wir haben irgendwann den Newsletter von unserem Lieferanten für die Chips gekriegt und da warb der für diese Sandelholzchips und wir haben auch gesagt, oh, Sandelholz mit Bier. Wir kennen viele Vorbelegungen, viele Hölzer, mit denen schon mal ein Bier gereift ist, aber Sandelholz haben wir noch nie gehabt, probieren wir einfach mal. Aber ich will jetzt mal nicht zu viel erzählen, sonst bist du ja schon voreingenommen.

Markus Raupach: Ja, ich bewundere gerade den Schaum, ich habe einen richtig mächtigen Schaum, also da ist bestimmt die Hälfte vom Glas, ist gerade Schaum, auch sehr dicht, sehr schön. Und das Bier an sich, würde ich sagen, ist so ein sehr goldenes, also wahrscheinlich dein heller Doppelbock als Basis?

Markus Fohr: Ganz genau, der Martinator ist unser heller Doppelbock. Das ist jetzt so einer von den ganz klassischen Rezepten, also eins, was ich von meinem Vater übernommen und nie verändert habe. Und der ist tatsächlich, wir haben mehrere Biere ausprobiert für die Holzreifung, aber man braucht einfach ein Bier, was selber auch schon ein bisschen Körper hat, Vollmundigkeit hat, Volumen hat, ein bisschen Alkohol hat, das ist einfach für so holzgereifte Biere, ist das eine tolle Basis.

Markus Raupach: Ich überlege die ganze Zeit, wie ich den Geruch beschreiben soll. Also man merkt auf jeden Fall auch einen Teil von dem Bockbier, aber so im Vordergrund, das geht für mich in so eine Mischung aus Haselnuss, Mandel und Kokosmakrone irgendwie und auch ein bisschen Holz, also klassische Holzaromatik ist so im Hintergrund natürlich auch da, aber tatsächlich, also ich würde fast auch ein bisschen in so eine weihnachtliche Richtung beschreiben, also auf jeden Fall ein ganz besonderer eigener Geruch, den ich so jetzt bei einem Bier auch noch nicht hatte.

Markus Fohr: Das Schöne an dem Sandelholz ist ja, das ist ja nicht jetzt aus irgendeinem Fass mit Vorbelegung, kommt das, wie jetzt die Bourbon-Chips oder die Cognac-Chips, da kommt so richtig das Holzaroma raus und das Sandelholz, wie du es ja auch schön beschrieben hast, das hat eher weiche, süße Noten. Manchmal sind ja die holzgereiften Biere so ein ganz klein bisschen kratzig und das ist hier gar nicht der Fall. Und leider können jetzt die Zuhörer die Farbe nicht sehen, die hat mich von Anfang an fasziniert, weil dieses Sandelholz so einen ganz leicht orangenen Unterton in das Bier rein gibt.

Markus Raupach: Absolut.

Markus Fohr: Also wenn du jetzt den hellen Doppelbock ohne Sandelholz danebenhalten könntest, dann würdest du sehen, ja, der hat zwar auch so eine richtig kräftige goldgelbe Farbe, aber dieser leicht orangene Touch, den das Sandelholz da noch mit reinbringt, der ist einfach, ja, wie haben wir bei der Bundeswehr früher gesagt, technischer Dienst an den Augen.

Markus Raupach: Also ganz schön, das stimmt, ja. Nachdem wir etwas vorgerückte Stunde haben, habe ich das noch gar nicht so wahrgenommen, ich habe es jetzt noch mal richtig vor das Licht intensiv gehalten und es ist absolut so, also richtig schöner, ja, so ein ganz intensiver Orange-Honigton, also golden im positivsten Sinn, sehr, sehr schön. Nehmen wir mal ein Schlückchen, Prost.

Markus Fohr: Zum Wohl.

Markus Raupach: Das ist ja eine richtige Reise, also geht eher fruchtig süß los und schlägt dann so ein bisschen um in diese holzigen Aromen, Vanille, Karamell und dann geht es über ins Bier, dann kommt Honig, so ein bisschen Weihnachtskekse, so Vanillekipferl und dann hinten raus noch so ein paar kräutige Noten, ja, ein bisschen Honig auch noch mal, so ein Akazienhonig vielleicht oder so. Und dann auch eine gewisse Bittere, schön, rund wohlig, wärmend, also merkt man auch den Alkohol natürlich ein bisschen, wenn man den dann so runterschluckt.

Markus Fohr: Ja, den merkt man durchaus auch etwas.

Markus Raupach: Aber wirklich unglaublich komplex, also das ist wirklich so eine ganze Reise da so durch. Und ich finde, das Holz ist sogar noch mal komplexer, also das hat für mich jetzt auch sowas ähnliches wie, wie soll man es beschreiben, vielleicht so ein bisschen wie Jasmin oder, ja, so wirklich ein bisschen exotische Noten, bis hin zu so auch Orangenblüten oder so. Also bin ich begeistert, Sandelholz kriegt von mir 5 Punkte von 5, sehr schön. Verstehe ich, warum das dein Favorit ist.

Markus Fohr: Es ist ein exotisches Holz, von daher auch exotische Noten. Und es hat halt sowas wunderbar Weiches, man merkt das Holz ein bisschen, ja, aber es ist nicht kratzig, es ist nicht unangenehm, es ist einfach eine ganz weiche angenehme Holznote und dann noch flankiert von dem einfach tollen Körper, den der Matinator hat, ja, ist wohlig, trinkt sich gut.

Markus Raupach: Ist euch toll gelungen. Und ich finde auch, dass die Hopfennoten wahrscheinlich, also ich kann es ja nur bedingt trennen, aber ich nehme mal an, dass die da schon auch mit drin sind, verbinden sich total schön mit dem Holz, also das ist wirklich, obwohl es so komplex ist, aber auch eine sehr runde harmonische Geschichte. Ja, also könnte ich mich dran gewöhnen, kann ich absolut verstehen, warum das bei euch ganz oder bei dir persönlich auch ganz oben steht, schön. Apropos ganz oben stehen, wir hatten ja vorhin schon mal angesprochen, du bist ja auch sportlich unterwegs oder sogar extrem sportlich, wenn ich das richtig verstanden habe, wolltest du einfach nur irgendwann mal einen Marathon laufen und daraus sind jetzt ganz viele Extremläufe geworden, die du schon absolviert hast, oder?

Markus Fohr: Ja, das ist tatsächlich so. Ich bin auch auf ganz, ganz ulkige Weise zum Laufen gekommen, ich habe, als ich jünger war, lieber Ballsportarten betrieben. Laufen war mir ein bisschen zu langweilig Fußball, Squash, Tennis, all solche Dinge, die fand ich spannender, aber natürlich braucht man dann auch ein bisschen Kondition und so war das Laufen eigentlich für mich anfangs so das Ding, um die Basiskondition zu legen oder um mich einfach fit zu halten, wenn beim Fußball Sommerpause war, so ging das mit dem Laufen los. Und wie es dann manchmal so ist, wenn man dann in den Beruf kommt, dann hat man nicht mehr so viel Zeit und irgendwann habe ich gemerkt, Mensch, ich komme ja kaum noch eine Treppe hoch, ohne ins Schnaufen zu kommen und dann war eben die Überlegung, ja, Laufen ist eigentlich ideal, wenn man den buckligen Terminkalender eines Selbstständigen hat, es ist halt einfach flexibel, man kann überall auf der Welt laufen, man kann zu jeder Tages- und Nachtzeit laufen, das ist einfach ideal, wenn man flexibel sein muss. Aber ich bin ja halt eben auch ein Mensch und jeder Mensch ist irgendwo ein bisschen faul und wenn man kein Ziel hat und es ist so wie jetzt, November, drei Grad und Regen draußen, dann ist vielleicht doch die hübsche Frau auf dem Sofa anziehender als die Laufschuhe. Also ich brauchte ein Ziel und habe dann gedacht, gut, also so ein Marathon laufen wäre mal was, einmal im Leben willst du das gemacht haben und habe ich dann gemacht. Ja und wenn man einmal auf so einer Droge ist, ja, dann wird es schwierig, da wieder zurück zu kommen, dann habe ich Spaß gefunden am Laufen und habe dann zuerst mal gedacht, ja, dann läufst du mal in Berlin und mal in München und es gibt ja viele tolle Städte, wo man laufen kann, es war auch mal der ein oder andere Landschaftsmarathon dabei. Und irgendwann hat mir so ein bisschen die Herausforderung gefehlt und dann dachte ich, Mensch, dann probierst du mal einen Ultra, ja und dann wurden aus 78 Kilometer, wurden 100, aus 100 wurden 170, aus 170 wurden 200, das Längste, was ich dann mal gelaufen bin waren 320 Kilometer.

Markus Raupach: Na, da wärst du ja praktisch in Bamberg von zuhause aus, oder?

Markus Fohr: Ja, ja, ja, wenn ich das auf gerade Weg laufen würde, könnte das langsam hinkommen, absolut.

Markus Raupach: Wie lange läuft man da für 300 Kilometer?

Markus Fohr: Das waren ziemlich genau 80 Stunden, die ich da gebraucht habe.

Markus Raupach: Boah! Schläft man da zwischendurch?

Markus Fohr: Ja, also absolut, 80 Stunden, das kannst du nicht mehr ohne schlafen machen, also das das geht dann nicht mehr. Die 100-Meilen-Rennen, so 160, 170 Kilometer, das kann man mit viel Willen und nach intensiven Begegnungen mit dem inneren Schweinehund, kann man das noch durchlaufen, aber dann geht das nicht mehr. Also bei den 80 Kilometern, da habe ich schon ein-, zwei-, dreimal zwischendrin habe ich mal ein wenig geschlafen, das hätte sonst nicht mehr funktioniert

Markus Raupach: Gibt es den inneren Schweinehund noch oder hast du den mittlerweile komplett vertrieben?

Markus Fohr: Den inneren Schweinehund gibt es definitiv. Im Moment merke ich den wieder ein bisschen mehr, ich konnte jetzt zwei Monate eigentlich nur spazieren gehen oder locker laufen, weil ich zwei neue Linsen in die Augen gekriegt habe und mich halt dann in der Zeit nicht belasten durfte. Und natürlich, wenn man dann jetzt so wieder auftrainiert, es geht erstaunlich gut, muss ich sagen, aber man merkt natürlich, dass da ein bisschen Schnelligkeit fehlt, dass da ein bisschen Ausdauer fehlt. De Begegnung mit dem inneren Schweinehund, die ist bei einem Ausdauersportler einfach programmiert, der lässt sich nicht immer abschütteln, der Kerl

Markus Raupach: Ja, ich kenne den leider auch ziemlich gut, aber meiner ist, glaube ich, doch ein bisschen, naja, durchsetzungsfähiger noch als deiner auf jeden Fall. Aber wer weiß also vielleicht muss ich mich irgendwann mal da auch solchen Sachen nähern. Ich glaube, das Weiteste, was ich bisher jemals gelaufen bin, waren, ich glaube, 11 Kilometer oder irgendwie sowas, in Bamberg so einen Stadtlauf und da bin ich, ich weiß gar nicht genau, wann das war, 2005 oder 2006 oder 2007, irgendwie so, bin ich mal mitgelaufen. War ich ganz gut, war ich in meinem Jahrgangsbereich Nummer sieben oder irgendwie so, aber gut, mittlerweile lange her, ehrlicherweise und eine ganze Bierkarriere später ist da bei mir doch das eine oder andere hängen geblieben. Apropos hängengeblieben, du machst doch auch Veranstaltungen oder also so Bierseminare, Bier-Tastings, Kulinarien oder Menüs oder solche Geschichten. Kann man das bei dir buchen, wenn jetzt jemand Lust hat dich mal zu erleben?

Markus Fohr: Ja, das kann man buchen. Wir machen eine ganze Reihe von Veranstaltungen, da sind auch dann mal, ja, Besondere dabei zu Spezialthemen, wie jetzt zum Beispiel am 7. März, da mache ich zusammen mit Michael Müller, der ist sowohl Metzgermeister als auch Biersommelier, spannende Kombination, wir machen dann einen Abend mit seinen Würsten und Schinken und Fleischwurst, was er da halt eben so hat und meinen Bier, das wird bestimmt eine schöne Sache. Es gibt auch Schulungen, wie zum Beispiel den Bierbotschaft IHK, den wir zusammen mit der IHK Koblenz machen, also da gibt es ganz viele Sachen, Braukurse und alles Mögliche. Würde mich natürlich freuen, den ein oder anderen Mal dort zu sehen, das Ganze ist auf unserer Homepage lahnsteiner-brauerei.de, ist das zu finden und da gibt es auch einen Veranstaltungskalender, wo man sieht, wann was ist und, ja, da kann man sich dann gerne anmelden, würde mich freuen.

Markus Raupach: Also der Aufruf geht schon mal an alle raus, die zuhören oder zulesen, je nachdem, wir werden auch in die Show Notes entsprechend die Links reinstellen, also das wird man dann auf jeden Fall finden. So, wir haben immer noch ein paar Bierchen stehen, ich weiß nicht, wie es um deine Ausdauer bestellt ist, aber wir können noch eins machen, zwei oder auch alle drei, je nachdem. Also bei mir steht noch das Mega IPA, dann das Honigbier und das Triple vom Batzenbräu und, ach ja, da hinten steht sogar noch ein Rohminator. Also wie gesagt, je nachdem, wir können sie gerne alle probieren, du kannst auch was aussuchen und wir reden über die anderen, also wie du es gerne hättest.

Markus Fohr: Also auf jeden Fall müssen wir noch das Mega IPA probieren. Schöne Geschichten haben die Biere alle, von daher, ja, das Mega IPA, wie der Name schon sagt, ist auch einfach mega aromatisch, von daher machen wir das am Schluss.

Markus Raupach: Oh, jetzt habe ich es eingeschenkt.

Markus Fohr: Okay, dann machen wir es eben nicht am Schluss.

Markus Raupach: Es tut mir leid, aber das war jetzt so eine schöne Einleitung, dass ich gedacht habe, okay, dann machen wir es jetzt auf.

Markus Fohr: Dann machen wir das jetzt.

Markus Raupach: Okay, ja, also ist sogar schon im Glas gelandet und präsentiert sich mal wieder mit wunderbarem Schaum und einer jetzt wieder etwas dunkleren schönen Farbe, braun, ja, so sonnenuntergangsmäßig, sehr, sehr schön. Der Schaum ist ein bisschen getönt, schöne feine Poren. Und die Nase, ja, ist noch mal viel intensiver als das IPA von vorhin und jetzt habe ich noch mehr auch diesen Eindruck von so Orangenjoghurt, Ananas, Mango, ja, ganz, ganz tolle Fruchtigkeit, auch so ein bisschen Erdbeeren. Also tatsächlich noch mal deutlich intensiver als das IPA vorhin, aber die Richtung ist ähnlich, schöne intensive Noten, also ganz toll. Auch ein bisschen anders als so viele andere IPAs, die dann oft so Kiefernadeln-mäßig daherkommen oder sehr Grapefruit-mäßig, was wir hier nicht so haben. Da ist auch mehr Pfirsich vielleicht mit dabei, ein bisschen so Maracuja. schön. Also baut das auf dem anderen auf oder ist das eine ganz andere Rezeptur?

Markus Fohr: Sowohl als auch. Der eine Aromahopfen, der drin ist, ist derselbe wie beim leichteren IPA, das ist der Citra. Den mögen wir alle sehr gerne und es ist ja auch kein Wunder, dass das der weltweit meistangebaute Aromahopfen ist, der hat ja einfach eine tolle Note. Aber der zweite Hopfen, das ist ein anderer, bei dem IPA hatten wir ja Mandarina Bavaria und hier haben wir den Sabro. Der ist letztlich die Erklärung dafür, dass du so viele verschiedene Aromen jetzt riechen konntest, denn das ist ja ein Hopfen, der nicht wie der Citra, seinen Schwerpunkt auf Citrusnoten hat sondern der ist sehr, sehr komplex, da ist wirklich alles drin von, ja, auch Citrusnoten über Beeren und viele andere Sachen. Also ein ganz, ganz toller Hopfen, der Sabro, sehr komplex, sehr vielseitig in seiner Aromatik. Und natürlich ist die Hopfengabe da auch höher als bei dem normalen IPA. Und da haben wir in der Tat auch ein bisschen Spezialmalze drin, da ist ein bisschen Münchner Malz drin, ich glaube, ein bisschen Cara ist auch drin, das ist die schöne Farbe. Hast du schon probiert?

Markus Raupach: Ja, jetzt während du gesprochen hast, ich kann mich da ja immer nicht so recht zurückhalten. Ich finde das Mundgefühl ist Hammer, also total cremig, total intensiv, sehr weich. Es ist eine schöne Bittere da, aber hinten raus ist es dann ein klassisches Double IPA, aber davor wirklich sehr, sehr harmonisch, sehr rund, sehr, ja, komplex trotzdem. Ich habe für mich noch so ein bisschen Kokosnuss entdeckt und auch vielleicht sogar so ein paar kräuterige Noten, sogar ein bisschen Holz, was weiß ich, also auf jeden Fall, Sabro ist ja total komplex, also ganz schön. Aber das Mundgefühl an sich, dieses weiche, cremige, moussierende, das begeistert mich total, schön.

Markus Fohr: Ja, das ist auch tatsächlich das von unseren Bieren, wo wir am meisten rumgetüftelt haben, bis wir das auf den Markt gebracht haben. Hat wahrscheinlich damit zu tun, dass es mein Liebling ist. Ich hatte dir ja eingangs erzählt, dass ich total fasziniert bin von der Duftigkeit von solchen kräftigen IPAs, aber es ist natürlich auch was, was, ja, für viele Menschen in Deutschland einfach ungewohnt ist und deswegen habe ich mich lange nicht getraut, so ein kräftiges Bier zu brauen. Das Schätzchen hat auch ein Vorbild, das vielleicht der ein oder andere kennt oder zu mindestens die Brauerei, Sierra Nevada aus Kalifornien und die brauen ein Jahrgangsbier, das heißt Hoptimum. Ein, ja, ganz kräftiges IPA, Triple IPA, wie es manche nennen und das war jahrelang mein Lieblingsbier. Gut, ich hatte auch anfangs keine Craft-Beer-Brauerei gehabt und natürlich, ja, wenn man ein Bier auf den Markt bringt, dann soll das ja auch einer trinken und das habe ich mich eine Zeitlang einfach nicht getraut, das ist ja schon ein sehr aromatisches Bier, du hast es eben schön beschrieben. Ja und als ich dann eines schönen Sonntagnachmittags im Sommer bei mir im Garten saß und ein Hoptimum getrunken habe, kam mein Sohn und sagte, was trinkst du denn da? Ja, so und so. Ja, Papa, du hast doch eine Brauerei, warum trinkst denn du Bier aus Kalifornien und sagst auch noch, das wäre dein Liebling? Ja, ich konnte nicht umhin zu sagen, Sohn, du hast Recht. Und dann haben wir angefangen, unser Brauer Uli und ich, zwei Jahrelang mit unserer 50-Liter-Kreativbrauerei rumzuexperimentieren, immer mal wieder das Malz getauscht, den Hopfen getauscht, ein bisschen weniger Bittere, ein bisschen mehr Bittere, bis wir das dann stehen hatten. Und als wir es stehen hatten und es auf den Markt bringen wollten, da kam ein netter Mensch namens Axel Ritt, der ist Heavy-Metal-Gitarrist, wer in der Branche ein bisschen unterwegs ist, der kennt den vielleicht, sein Spitzname ist Ironfinger.

Markus Raupach: Ah, okay.

Markus Fohr: Die Kollegen sagen alle, Mensch, Axel, du spielst so dicke Seiten, da hole ich mir blutige Finger, du musst Hände aus Eisen haben, so entstand dieser Name. Und der Axel hat den Ironfinger auch als Markenname angemeldet und bringt da verschiedene Produkte auf den Markt und suchte genau so ein Bier und dann haben wir gesagt, gut Axel, dann lass uns das doch zusammen machen, du gibst den Namen und wir das Bier, und so ist das entstanden

Markus Raupach: Ah ja, genau, man sieht ja auf dem Etikett auch, jetzt sehe ich es auch schön, eine Gitarre spielende Hand.

Markus Fohr: Genau, das ist seine Hand, seine Gitarre. Das Foto haben wir bei ihm zu Hause in Babenhausen im Wohnzimmer aufgenommen und dann hat es unser Designer noch ein bisschen frisiert und jetzt ist es auf dem Etikett. Und ich habe es jetzt gerade noch schicker vor mir als du es jetzt siehst, denn wir haben letzte Woche das erste Mal Dosen abgefüllt und natürlich mit dem Ironfinger und dieses weiß-schwarz-silbrige Etikett auf der silbernen Dose, das sieht einfach cool aus.

Markus Raupach: Das finde ich sehr gut. Also das ist ja eine Sache, die sich jetzt Gott sei Dank so nach und nach auch bei uns ein bisschen durchsetzt, dass die Dose als Behältnis für Bier wieder ein bisschen hoffähiger wird. Und grundsätzlich ist sie ja, solange man nicht aus ihr trinkt, ist es das Beste, was man machen kann, um Bier irgendwie zu transportieren und zu lagern. Und das ist aber halt durch den gelben Punkt damals so ein bisschen in Verruf geraten und aus dem Blickfeld der Bierwelt so ein bisschen raus und jetzt ist sie eben wieder da und gibt natürlich viel Flexibilität was eben auch Versand, Verkauf und Lagern und so weiter angeht und letzten Endes auch Bierqualität, aber dauert noch ein bisschen. Wie habt ihr das gelöst? Weil, so eine richtige Dosenabfüllung ist ja eine Nummer, da investiert man ja 5-6-stellig, wenn man sich das dahinstellt.

Markus Fohr: Das auf jeden Fall, ja, deswegen haben wir diese Investition auch erst mal vermieden. Wir hatten letzte Woche Besuch von einem Kollegen, der hat so eine kleine mobile Anlage und mit der haben wir dann gefüllt und dann werden wir mal gucken, je nachdem, wie unsere Kunden das annehmen, werden wir dann entscheiden, ob wir in eine eigene Dosenabfüllung investieren oder auch nicht.

Markus Raupach: Also ich kann mir das sehr gut vorstellen und gerade für solche Biere ist es großartig

Markus Fohr: Wenn wir damit anfangen, dann werden wir sicherlich nicht als ersten Schritt die 1/2-Literflasche Pilz durch eine 1/2-Liter Dose Pilz ersetzen, dann werden wir sicherlich erst mal die Craft-Biere in die Dose füllen und dann mal schauen, ob wir vielleicht da auch im klassischen Bierbereich ein Angebot machen.

Markus Raupach: Ja, also ich denke halt, es ist schon auch noch ein Unterschied, also die klassische Flasche hat ja auch ihre Berechtigung und auch, was jetzt das ganze Umweltthema angeht und so, ist ja im regionalen Kreislauf das auch völlig sinnvoll. Aber in dem Moment eben, wo man solche Biere hat, wo die Leute eben wahrscheinlich mehrheitlich auch bei dir schon ein bisschen weiter weg wohnen und bestellen, wo das dann eben weite Strecken zurücklegen muss und so und das Bier an sich halt auch in der Dose einfach wie in so einem kleinen Fass viel besser geschützt ist, und so ein Bier wie dieses hier, das lebt halt davon, dass es eben möglichst frisch bleibt, dann ist das einfach eine ganz tolle Geschichte, dass man das mittlerweile eben so mobil sogar angehen kann erst mal zumindest zum Ausprobieren, superschön, also toll. Das heißt, ihr bleibt am Ball, sehr cool. Apropos am Ball, wenn wir noch Biere probieren wollen, sollten wir noch mal eins machen. Honig oder das Triple oder den Rohminator was sagst du?

Markus Fohr: Eine schöne Geschichte haben sie alle.

Markus Raupach: Das denke ich.

Markus Fohr: Worauf hättest du Lust?

Markus Raupach: Na, also ich glaube, das Honigbier muss man einfach probieren, also weil da gibt es, also ich vermute zumindest, dass es dazu auf jeden Fall viel zu erzählen gibt. Gut, Batzenbräu ist auch eine meiner Lieblingsbrauereien, da hast du bestimmt auch eine schöne Geschichte dazu. Unter dem Rohminator kann ich mir, ehrlich gesagt, noch nicht viel vorstellen, also insofern wäre ich auch für alle offen, je nachdem, du bestimmst.

Markus Fohr: Ja, dann lass uns doch gleich einfach mal den Rohminator nehmen.

Markus Raupach: Also gut, schauen wir mal. Geschrieben ist es ja so wie das deutsche Wort Roh, dann hätte ich jetzt gedacht, vielleicht ist es ein Raw Ale oder sowas, aber das ist natürlich auch nicht so einfach, also ein Bier, was man eben nicht kocht. Aber wahrscheinlich verbirgt sich irgendwas anderes dahinter, ich mache mal auf und du erzählst.

Markus Fohr: Ja, wie das oft so ist, ein Name kann auf viele verschiedene Weisen interpretiert werden, in der Hinsicht hat er aber eine ganz, ganz andere Bedeutung. Ich habe ja schon öfters hier und jetzt von unserem Braumeister gesprochen, der kommt da ins Spiel und die Geschichte, die fing eigentlich mit unserem Martinator an, mit dem hellen Doppelbock, den hatten wir mal eine Zeit lang eingestellt, weil mein Vater der Meinung war, naja, Bockbier geht nicht so, das war in den 90ern. Ich habe als Azubi, als Lehrling habe ich den letzten Martinator damals mit abgefüllt, ich habe noch eine Flasche und dann gab es den eben ein paar Jahre lang nicht. Und als unser jetziger Braumeister und ich dann das Ruder übernommen haben, da haben wir gesagt, Mensch, also eine Brauerei, die die keinen Bock hat, das ist doch nichts, wie hört sich das denn an, eine Brauerei, die keinen Bock hat, nee, also geht nicht. Ja und dann haben wir zusammen mit unserem alten Braumeister, haben wir dann den Martinator wiederbelebt und haben dann natürlich gesagt, ja, bevor wir den jetzt abfüllen und verkaufen, müssen wir uns ja persönlich überzeugen, dass das auch stadthaft ist, dass mit dem Bier alles in Ordnung ist und dann haben wir einen gemütlichen langen Abend mit viel Martinator gemacht. Ja und wenn man von so einem Doppelbock ein bisschen was trinkt, dann kommt man ja ins Philosophieren und dann kam die Idee auf, was passiert denn, wenn wir den noch stärker machen, technisch geht das ja. Und dann haben wir über die Jahre probiert und gemacht und getan und Schluss und endlich seit zwei Jahren brauen wir den jetzt nach Vorbild eines belgischen Strong Blond. Und dieses starke Bier, das musste ja auch einen starken Namen haben, da haben wir zuerst überlegt Vorrator oder Markusator oder Lahnsteinator, aber wir fanden, das klang alles krampfig und irgendwann kam einer auf die Idee, unser Braumeister heißt mit Nachnamen Roman, Rohminator, da haben wir den Namen. Also, ja, leider hast du mit deiner Idee von dem Raw Ale falsch gelegen, die war zwar, ja, wie hat unser BWL-Dozent immer früher gesagt, ihre Idee zeugt von großer Intelligenz, ist aber leider trotzdem falsch.

Markus Raupach: Okay, ja. Also das Ja meinte ich jetzt nicht auf meine Intelligenz bezogen, aber das ist tatsächlich wahrscheinlich knapp daneben. Wobei ich das schon spannend finde, wahrscheinlich war es bei mir jetzt deswegen, weil ich neulich erst mit einem belgischen Brauer da länger drüber gesprochen habe, der fast alle seine Biere als Raw Ales macht und total begeistert ist über den Effekt, den das hat, also den Effekt auf die Aromatik, auf die Hopfenaromatik, auf das Mundgefühl, auch auf das Gärverhalten und sowas. Also der schwört da mittlerweile voll drauf und wahrscheinlich ist es mir deswegen so ein bisschen hängen geblieben, aber egal. Also was ich hier schon mal großartig finde, ich habe natürlich während deiner Berichte auch schon ein bisschen vorgeschnuppert und vorgekostet, der Geruch ist Wahnsinn. Also, ja, also Honig ist auf der einen Seite da, aber auch schöne, ja, malzige, aber auch hopfige, wieder so ein bisschen kräuterige Aromen, unheimlich dicht, viel so Blüten, Heu, also ganz, ganz schöner intensiver Geruch. Im Geschmack dann eine unheimlich druckvolle Süße auch, also ganz intensiv, man merkt hinten raus natürlich den Alkohol, der ist da, aber schön eingebunden. Die Bittere auch schön, also das ist ja gar nicht so einfach bei, ich glaube, 13% oder sowas, hast du gesagt, ja, also kann auch den Vergleich mit den Belgiern durchaus mitgehen, es ist natürlich ein bisschen süßer, die sind ja alle sehr endvergoren. Aber, ja, Wahnsinn, also ein sehr intensives Bier. Ich weiß nicht, ob ich davon die ganze Flasche trinken könnte, um ehrlich zu sein, aber um sich das mit jemandem zu teilen und dazu dann einen schönen Käse oder sowas, oh, das ist großartig. Und ich muss sagen, es ist von der Optik her bei mir fast blank, also lagert ihr wahrscheinlich auch ein bisschen länger. Also ganz toll, Gratulation.

Markus Fohr: Solche Biere, die lagern wir grundsätzlich länger, je stärker das Bier ist, desto mehr Lagerzeit bekommt es. Und bei dem hat sich tatsächlich das auch sehr, sehr gut geklärt. Ich weiß jetzt nicht mehr genau, wie lang wir ihn gelagert haben, aber bestimmt zwei Monate mindestens und da haben wir auch eine sehr, sehr schöne Klärung bekommen.

Markus Raupach: Und hat auch so Süßweinnoten oder so. Kennst du Samos, diesen griechischen Süßwein …

Markus Fohr: Ja, kenne ich.

Markus Raupach: …  in so eine Richtung geht das. Ah, schön, also toll, ganz, ganz intensiv. Und es gibt ja nicht mehr sehr viele helle Doppelböcke oder stärkere Biere in Deutschland und das ist ein ganz toller Vertreter, also sehr, sehr schön.

Markus Fohr: Mit ein Grund, warum wir das gerne machen. Das ist tatsächlich so, mittlerweile, wenn man in einen Getränkemarkt geht, ich habe mir den Spaß mal gemacht letztes Jahr und habe mal versucht in einem Getränkemarkt einen hellen Bock zu kriegen, selbst in größeren, gut sortierten Getränkemärkten ist es nicht so einfach, manchmal kriegt man nicht einen. Und das ist eigentlich sehr, sehr schade, weil, ich finde, dass das ein ganz toller Bierstil ist.

Markus Raupach: Ist bei dir jetzt allerdings auch obergärig, oder?

Markus Fohr: Also der Martinator, das Basisbier sozusagen, das ist untergärig, das ist ein ganz klassischer heller Doppelbock, wie man in Deutschland den gern so braut. Der Rohminator hier, der ist ja nach belgischem Vorbild gemacht und da haben wir tatsächlich auch eine belgische Hefe genommen, eine Belle Saison und die ist auch verantwortlich für die ganze Fruchtigkeit, für die Aromen, die du jetzt wahrgenommen hast, denn, ja, die kann ja nicht nur gut gären, die Belle Saison, die kann auch ein schönes Aroma machen.

Markus Raupach: Ja. Lasst ihr die auch relativ warm vergären?

Markus Fohr: Ja, ja, das vergären wir bei 25 Grad rum, haben wir den vergoren.

Markus Raupach: Das merkt man, da entwickelt die unglaubliche Aromen.

Markus Fohr: Das ist schon eine Hefe, die braucht ihre Temperatur. Die ist fast wie ein Mensch, die braucht es ein bisschen kuschelig, dann fühlt die sich wohl und dann gärt die auch gut.

Markus Raupach: Ja, dann macht sie es toll. Wisst ihr in Lahnstein, was ein Kirschenmichel ist?

Markus Fohr: Ich habe den Begriff schon mal gehört, aber ich kann ihn jetzt nicht zuordnen.

Markus Raupach: Das ist so eine Art Kuchen oder Auflauf mit Kirschen, einem dunklen Teig, ein bisschen schokoladig, Gewürze, das könnte ich mir zum Beispiel auch total gut dazu vorstellen. Also wirklich ein schönes intensives Bierchen, kleine Flasche, große Wirkung.

Markus Fohr: Was wir schon öfter probiert haben, sind aromatische Käse, Blauschimmelkäse oder ein kräftig gereifter Bergkäse, Parmesan, das geht wirklich toll.

Markus Raupach: Ja, es braucht halt wirklich einen Gegenspieler, der auch intensiv ist. Also wenn du da mit so einem leichten Gouda rangehst, der hat einfach verloren, aber mit so einem Blauschimmel zum Beispiel kann ich mir das auch gut vorstellen, ja.

Markus Fohr: Das ist definitiv so, was immer man dazu isst oder trinkt, das muss selbst schon eine kräftige Aromatik haben, sonst geht die komplett unter.

Markus Raupach: Und der Braumeister ist auch stolz, dass er sein eigenes Bierchen hat?

Markus Fohr: Der Braumeister ist sehr stolz, dass er sein eigenes Bierchen hat, das kann man nicht anders nennen. Also auch einige von unseren Mitarbeitern haben ihr eigenes Bier, der Uli, unser Brauer, der hat ein Ullis Dubbel und, ja, so versuchen wir, den ein oder anderen dann mitzunehmen.

Markus Raupach: Okay, also dann sind wir jetzt auf der Zielgeraden Zwei haben wir noch, jetzt hilft es auch nichts, jetzt müssen wir da durch. Machen wir erst das Honigbier oder erst das Tripel?

Markus Fohr: Dann machen wir jetzt erst mal das Honigbier.

Markus Raupach: Also machen wir das Honigbier. Dazu gibt es ja sogar eine Fernsehdokumentation, habe ich gesehen, die kann man bei YouTube anschauen.

Markus Fohr: Das muss aber tatsächlich länger her sein und das Honigbier ist auch eines von unseren ältesten Craft-Bieren tatsächlich, das machen wir schon recht lange. War auch eine Idee vom Braumeister Roman, da ist er wieder, ja, er ist ja auch Braumeister, er muss ja irgendwas tun, der kam eines schönen Tages mal mit einem Bier an und sagte, ja, probier mal, guck mal, was das ist. Also dass da Honig drin ist, das habe ich relativ schnell gemerkt, wo ich mich aber vertippt habe, ist beim Alkoholgehalt. Wie ich dich kenne, bist du gerade schon am Probieren und dann wirst du feststellen, dass es für 10% erstaunlich schlank ist, sich erstaunlich leicht trinkt.

Markus Raupach: Krass, also das hätte ich nicht gedacht. Also wie gesagt, ich bin jetzt durch die späte Stunde etwas gehandicapt, ich sehe nicht, was auf den Etiketten ist, jenseits des Namens, insofern habe ich das auch gar nicht vorher vermutet. Wenn du mich gefragt hättest, hätte ich gesagt, naja, vielleicht so 6,5%, also auf den ersten Blick, wenn man da ein bisschen mehr trinkt, dann merkt man schon, dass es wärmt und so. Aber 10% hätte ich nicht gesagt, also das ist in der Tat Wahnsinn.

Markus Fohr: Mein erster Tipp war in der Tat auch so 6, 7%, weil sich es halt wirklich so gut trinkt. Und, ja, es war lustig, wie es dann weitergegangen ist, wir haben diesen Test dann mit einigen von unseren Freunden auf ein paar Bierseminaren, haben wir dann ausgetrunken und da waren alle begeistert von dem Geschmack, haben aber alle auch gesagt, Mensch, 10,7% ist ja doch eine ganze Menge, guckt doch mal, ob ihr das nicht leichter machen könnt. Ja, haben wir gemacht, dann haben wir ein bisschen weniger Honig da rein, weniger Zucker, gibt auch weniger Alkohol, waren dann so bei 8% und dann haben wir das wieder mit der gleichen Klientel probiert und dann haben die alle gesagt, ja, das ist schon ganz nett, das Erste war aber besser. Und damit waren wir im Körbchen, seither ist das Rezept so geblieben und das Honigbier ist, mit dem Ironfinger zusammen, unser meistverkauftes Craftbeer.

Markus Raupach: Wann kommt der Honig da ins Spiel?

Markus Fohr: Das machen wir letztlich ähnlich, wie wir es mit dem Kirschnektar machen und wie wir es ja fast genauso auch mit dem Traubenmost machen, der Honig kommt zur Hauptgärung mit ins Bier, wird also mit vergoren. Und auch hier ist es so, dass wir eine Sondererlaubnis haben, also wir dürfen das Bier ganz offiziell Bier nennen. Und wir sind auch meines Wissens nach der Einzige in Deutschland, der wirklich ein Honigbier produziert, die meisten anderen machen ein Biermischgetränk oder ein bierähnliches Getränk, geben also einem fertigen Bier ein bisschen Honig zu, pasteurisieren das und dann wird es abgefüllt. Und das ist bei uns halt nicht so, der Honig wird mit vergoren und deswegen wird dieses Bier auch so schön schlank. Das ist praktisch der ähnliche Trick, wie die Belgier das machen, die geben ja gern Zucker dazu, um den Alkoholgehalt zu erhöhen, aber das Bier trotzdem schlank und trinkbar zu halten und der Zucker ist ja im Prinzip, der gibt reinen Alkohol, aber keine Vollmundigkeit.

Markus Raupach: Muss man da irgendwas beachten, weil Honig an sich doch auch eine gewisse antibakterielle Wirkung hat oder stört das die Hefe nicht?

Markus Fohr: Der hat eine gewisse antibakterielle Wirkung, das scheint alle Bakterien zu stören, außer der Hefe, die ja zum Glück ein Pilz ist. Also das klappt erstaunlich gut, wir hatten bei dem Honigbier, ich klopfe mal lieber meine hölzerne Tischplatte an, wir hatten bei dem Honigbier noch nie eine Infektion, noch nie.

Markus Raupach: Nee, also ein tolles Bier. Was ich auch schön finde ist, dass der Honig nicht so aufdringlich ist, also man merkt dann schon, dass diese Aromen da sind, aber in einer sehr angenehmen, sehr, ja, zugrundeliegenden, wie so eine Leinwand, wo das dann da ist, aber eben nicht so in your face. Weil, wir haben das oft bei Bierwettbewerben, also Honigbier ist da zwar keine Riesenkategorie, aber es wird schon immer wieder mal gemacht, aber sehr oft ist es dann wirklich eben fast so, als würde man in so einen Honigtopf reinriechen oder schmecken und das ist dann einfach zu viel, also da ist die Komponente Bier einfach nicht da und dann ist mir das auch oft zu einseitig irgendwie. Aber hier ist es eine schöne Verbindung, also aus den beiden Komponenten, aus Bier und aus Honig, sowohl aromatisch als auch vom Mundgefühl her. Und natürlich gemein, was den Alkohol angeht. Ich muss auch sagen, jetzt, wo ich ein bisschen mehr getrunken habe, merke ich schon, vor allem der Nachtrunk, wenn das dann eben so die Kehle runter rinnt und alles wärmt, das merkt man dann schon, aber auf den ersten Blick, wie schon von uns beiden festgestellt, denkt man das nicht, also großartig. Ist der Honig dann regional bei euch irgendwie so vor Ort?

Markus Fohr: Ja, der kommt aus der Region. Mittlerweile machen wir sogar im Grunde genommen ganz viele Honigbiere, es ist zwar immer das gleiche Rezept, aber die Imker der Region, die haben jetzt irgendwie alle so langsam Spaß an dem Honigbier gefunden, die kommen alle nach und nach und sagen, ich hätte gern ein Honigbier aus meinem Honig. Wenn das so weiter geht, dann müssen wir uns noch ein paar Tanks kaufen, denn, ja, man muss ja auch dann irgendwo den Platz haben, um so viele verschiedene Chargen zu brauen.

Markus Raupach: Auf jeden Fall, ja. Aber gut, es ist eine schöne Möglichkeit, Honig noch mal anders zu spielen und auch Bier noch mal anders zu spielen und mit der Region zu verbinden. Und die meisten Leute haben ja auch eine positive Konnotation mit Honig und mit Bienen, insofern ist das schon eine schöne Geschichte, schöne Idee. Und merkst du da auch Unterschiede, je nachdem, von wo der Honig kommt, ist das dann auch vom Biergeschmack her, gibt es da Veränderungen?

Markus Fohr: Also von wo der Honig kommt, das macht nicht so viel Unterschied, was sehr viel Unterschied macht, ist zu welcher Jahreszeit der Honig gelesen wurde, ob das jetzt eine Frühlingstracht ist oder eher ein Waldhonig, das macht große Unterschiede.

Markus Raupach: Frühlingshonig ist dann mehr blumig oder so oder leichter?

Markus Fohr: Genau, der ist eher blumig, so wie die frisch gemähte Blumenwiese, die wir ja gern apostrophieren beim Bier. Und wenn man dann so einen Waldhonig oder Tannenhonig hat, da hat man wirklich das Gefühl, dass das so ein bisschen harzig, holzig dann daherkommt, das Bier ist dann auch dunkler.

Markus Raupach: Kann man auch nur sagen, es ist schon wieder ein tolles Bier. Also der Abend macht mir sehr viel Spaß, muss ich sagen, schade eigentlich, dass du mir nicht diese ganzen anderen Biere auch noch geschickt hast, dann wäre es wahrscheinlich, obwohl, es ist schon auf dem Weg, glaube ich, der längste BierTalk zu werden, ich weiß es gar nicht genau. Also wir waren schon mal über zwei Stunden, aber ich weiß nicht genau wie viel, egal. Außerdem kann man ja jederzeit noch mal einen zweiten Teil irgendwann machen, wäre ja auch mal lustig. Aber eins haben wir noch, das machen wir jetzt auch noch, weil, wenn wir schon dabei sind, das machen wir noch. Zumal, ich bin ja ein bekennender großer Südtirol-Fan, muss ich sagen und der Bobo und das Batzenbräu sind mir da schon seit vielen, vielen Jahren ans Herz gewachsen und es gibt dort ja auch einen Bierwettbewerb, der anlässlich der Beer Craft  in Bozen stattfindet, nächstes Jahr jährt sich das zum zehnten Mal. Und das Krasse ist, das wusste ich gar nicht, das hat er mir dieses Jahr erzählt, ich bin der Einzige, der aus der ersten Jury noch da ist, der also immer dabei war sozusagen, also ganz spannend und deswegen habe ich zu denen wirklich eine sehr, sehr enge Beziehung und freue mich immer, wenn ich ein Bier von Batzen habe. Und jetzt wirst du bestimmt erzählen, was du da jetzt damit zu tun hast, sozusagen, was bringt euch zusammen?

Markus Fohr: Ja, was bringt uns zusammen, die Geschichte, also ich kenne natürlich die Beer Craft und das Schloss Maretsch, war aber jetzt selber noch nicht dabei. Was den Bobo und mich zusammengebracht hat, das war tatsächlich was anderes, wir sind ja beide Biersommeliers und sind auch beide schon nationale Meister gewesen und für unsere Heimatländer bei der WM gewesen, das waren so Anlässe, wo wir uns immer wieder über den Weg gelaufen sind, dann haben wir beide die Fortbildung zum Master of Beer gemacht, auch da sind wir uns häufig über den Weg gelaufen. Und irgendwann haben wir festgestellt, wir haben beide ein 600 Jahre altes Gebäude in unserer Brauerei, der Bobo sein Wirtshaus, sein Batzenhäusl und wir unseren Turm und bei so vielen Gemeinsamkeiten kann man ja da fast nicht mehr raus, dann irgendwann zu sagen, lass uns doch mal ein Bier zusammen machen.

Markus Raupach: Ach. Und jetzt wo du sagst, jetzt habe ich doch noch mal auf das Etikett mit der Lampe und Lupe geschaut, da ist ja auch der Turm drauf.

Markus Fohr: Genau, da ist auch der Turm drauf. Ja und nachdem diese Idee dann da war, da habe ich öfters mal mit dem Christian telefoniert, mit seinem Braumeister und Schwiegersohn und dann haben wir so ein bisschen rumphilosophiert, was machen wir denn, sollte ja irgendwas Besonderes sein. Wir hatten beide noch nie ein Tripel gemacht, mögen diesen Stil aber sehr gerne, also haben wir überlegt, Tripel. Und das haben wir dann gemacht aus Südtiroler Malz, aus einem italienischen Hopfen, Emilia heißt der und damit es dann auch noch was Belgisches hat, haben wir eine belgische Saisonhefe genommen, die Belle Saison, und gebraut haben es mein jüngerer Sohn, der Victor, meine Frau, ich und der Christian und der Bobo natürlich auch, das war im Sommer 2022. Und die zwei Flaschen, die du da jetzt hast, das sind von den letzten 100, sind das welche.

Markus Raupach: Na, da fühle ich mich jetzt aber mega geehrt, muss ich sagen, in ganz vielerlei Hinsicht. Und, ja, also tolle Geschichte, die da dahintersteckt, auch von den Menschen, auch die Familien dann so zu beteiligen, ist natürlich großartig. Und das, finde ich, ist aber auch so schön irgendwie in Südtirol, man ist da ja auch gleich wie in so einer Familie, das ist ja wirklich, ja, so wie Heimkommen ein bisschen. Also Wahnsinn, ich fühle mich da so wohl, das ist immer einfach großartig und die sind ja auch eine große Familie da im Batzenhäusl und drum rum. Zurück zum Bier, also man merkt tatsächlich ein bisschen Anklänge an den Rohminator von der Hefe her.

Markus Fohr: Ja, das ist dieselbe Hefe.

Markus Raupach: Interessant, ja, es sind dieselben blumigen, aber auch ein bisschen Zitrusnoten, also sehr, sehr schön. Und, oh ja, das ist aber ein bisschen höher vergoren jetzt, aber schön.

Markus Fohr: Das ist so eine Eigenschaft von der Belle Saison, die schafft ja einen sehr hohen Vergärungsgrad, deswegen wird sie ja auch gern für so belgische starke Biere genommen, sie gibt dem Bier eine schöne Aromatik, die Biere sind relativ schlank, obwohl sie so stark sind, also auch das trinkt sich recht gut. Was man leider nicht mehr so merkt nach den drei Jahren, ist das Aroma von dem von dem Hopfen, von der Emilia. Das ist tatsächlich ein italienischer Hopfen, Italien ist ja kein großes Hopfen Anbauland, aber ein bisschen Hopfen gibt es da auch.

Markus Raupach: Weißt du, wo das ist?

Markus Fohr: Die Region ist, glaube ich, die Emilia Romagna, deswegen heißt der auch Emilia, der Hopfen. Da gibt es auch nicht viel davon, aber, ja, für einen 15-Hektoliter-Sud brauchten wir ja auch nicht so viel.

Markus Raupach: Wie würdest du den beschreiben? Also wie gesagt, da hast du recht, der ist jetzt nicht mehr sehr prominent. Wie würdest du den beschreiben im Ursprung?

Markus Fohr: Der geht schon in die Richtung klassischer, europäischer Aromahopfen, also so ein bisschen kräutige, würzig, aber, wie gesagt, da merkt man jetzt nicht mehr so viel davon.

Markus Raupach: Es ist ein wunderschönes rundes Tripel, repräsentiert den Stil, hat auch wieder ein schönes Mundgefühl. Und, ja und das vielleicht so zum Abschluss auch ein bisschen, erinnert eben, 2022 sagst du, das war ja dann die Endphase der Pandemie. Wie bist du da so durchgekommen, war das für dich, ja, also mehr Herausforderung, mehr Chance, mehr Krise, wie würdest du das reden?

Markus Fohr: Also, ehrlich gesagt, bin ich mir die Zeit so ein bisschen vorgekommen wie ein Schiffskapitän, der durch dichten Nebel navigieren muss. Man konnte eigentlich immer nur auf Sicht fahren, man wusste nicht, was kommt, man wusste nicht, wo es hingeht, da war eigentlich nur reagieren gefragt, man konnte kaum irgendwas aktiv machen. Und das ist natürlich für einen Unternehmer nicht so toll, man möchte ja immer gern vorausplanen und steuern und Konzepte entwickeln und das war da kaum möglich, weil man nie so richtig wusste, was passiert denn jetzt. Aber einen großen Vorteil hatte die Pandemie, sie war nämlich irgendwann vorbei.

Markus Raupach: Das stimmt, ja und sie ist relativ schnell relativ weit weg gewesen, fand ich.

Markus Fohr: Ja, definitiv.

Markus Raupach: Es ist ja gerade mal 3, 4 Jahre her und es fühlt sich an wie im letzten Leben, so ungefähr.

Markus Fohr: Man hat fast das Gefühl, dass das irgendeine Geschichte war, die man als Kind mal erzählt gekriegt hat, ja.

Markus Raupach: Du hast ja trotzdem auch Seminare damals gemacht, auch Online-Seminare und dich da auch ein bisschen irgendwie so über Wasser gehalten, wie wir alle halt immer irgendwie, das war schon krass.

Markus Fohr: Ja, man versucht halt dann, sich irgendwie mit der Situation zu arrangieren und das zu machen, was man machen kann, und da haben viele an dem Online-Format Spaß gefunden, ist halt besser, als ganz allein Bier zu trinken. Aber zumindest bei uns, ich weiß nicht, wie es bei dir geht, ist das Online-Format wieder komplett in sich zusammengefallen, die Menschen wollen doch lieber mit anderen Menschen persönlich, ohne Bildschirm, Bier trinken.

Markus Raupach: Ja, also es ist geblieben bei uns, was die Ausbildung angeht, also der Biersommelier-Kurs, also zumindest der eine Teil des Biersommelier-Kurses ist weiterhin als Online-Kurs, aber diese klassischen Verkostungen, das hat wirklich rapide abgenommen. Ich glaube, in diesem Jahr hatte ich eine, im letzten Jahr waren es vielleicht noch so 10, also das geht wirklich steil nach unten, das stimmt, also das sind die Leute irgendwie leid geworden, glaube ich und lieben es, jetzt wieder doch mehr zu unternehmen und sich irgendwo eben auch zu treffen und ein lokales Programm dazu zu machen, das ist schon so. Wobei ich trotzdem auch finde, dass diese Art der Herausforderung, also dass man so ein bisschen wie ein Kapitän im dichten Nebel und sich ständig neu erfinden muss und so, das ist trotzdem jetzt auch ein bisschen so geblieben. Also wenn ich überlege, wie oft wir in den letzten Monaten immer wieder uns irgendwie was Neues überlegen mussten, komplett Sachen anders aufstellen oder jetzt, ich meine, wenn man den Biermarkt anschaut, diese großen Umschwünge vom Weizen zum Hellen, zum Alkoholfreien, zu überhaupt ganz anderen Getränken ohne Alkohol oder dann noch mal ganz andere Getränkesorten, Kombucha, was weiß ich, was es alles gibt, also da ist ja auch, glaube ich, auch für die Brauereien ständige Herausforderung, sich irgendwo so eine Mischung aus Trendsetzen und Trendnachfolgen oder so, das ist schon schwierig. Also ich weiß nicht, ob es nur daran liegt, dass ich einfach älter werde, mir das früher nicht so aufgefallen ist oder leichter gefallen ist oder ob es tatsächlich so ist, dass diese Zeitsprünge wirklich kürzer geworden sind, wo man sich ständig wieder neue Sachen überlegen muss. Ich weiß nicht, wie geht es dir damit?

Markus Fohr: Das ist tatsächlich schon so, die Zyklen, die werden immer kürzer, was früher ein paar Jahre gedauert hat, das geht heute manchmal ruckzuck. Und es ist in der Tat so, gerade in diesem Jahr, wir sind auch ständig am Umstrukturieren, am Machen, am Tun, was leider auch ein bisschen damit zu tun hat, dass der Biermarkt im Volumen einfach runtergeht und da muss man dann schauen, wie man sich organisiert über Bierspezialitäten, über Craft-Biere, über Seminare, was auch immer. Irgendwas muss man ja tun, damit man seine Leute bezahlen kann.

Markus Raupach: Das wiederum, finde ich, ist auf der anderen Seite auch ein ganz positiver Ausblick, also weil, ich habe hier mit den Brauereien in Franken ja auch viel zu tun und vielen sage ich, schaut euch doch mal an, eure Läden gibt es seit 500 Jahren, was die alles an Veränderungen, Umschwüngen, Kriegen, anderen Pandemien, was weiß ich, was alles mit- und durchgemacht haben und sie sind immer noch da und ihr müsst, also in Anführungsstrichen, einfach nur. Aber man sollte diese Tugend irgendwie ein bisschen halt auch verinnerlichen und eben versuchen sich möglichst wenig hinzusetzen und zu heulen und eher zu versuchen, irgendwie Wege zu finden, weil es anders ja sowieso nicht geht, Heulen hilft ja nicht, auf lange Sicht jedenfalls nicht.

Markus Fohr: Ist interessanterweise fast eins zu eins das, was ich meiner Truppe zu Beginn der Pandemie gesagt habe, da waren natürlich auch einige am Jammern und haben gesagt, ja, was soll man denn jetzt machen und ich habe mich dann hingestellt und gesagt, Leute, das weiß ich auch nicht, ich habe Pandemie auch nicht in der Schule gehabt, aber was ich weiß ist, es waren Generationen vor uns, die Weltwirtschaftskrisen, Kriege und andere Dinge überstanden haben und die haben auch irgendwie einen Weg gefunden und wir werden ihn auch finden, was ja dann auch so passiert ist.

Markus Raupach: Am Ende haben dann doch die meisten eine gute Resilienz irgendwie gezeigt und es hat ja auch positive Veränderungen gebracht und viele Dinge angestoßen und muss man auch ein bisschen so sehen. Ja, also, dann sage ich dir auf jeden Fall vielen Dank, wir haben 10 Biere geschafft, ich vermute fast, dass das Rekord ist im BierTalk.

Markus Fohr: Wenn es das ist, nehme ich ihn gerne mit.

Markus Raupach: Ja, also hast du schon wieder mal eine Bestmarke gesetzt, wunderbar. Und ich muss auch wirklich noch mal sagen, Kompliment, die Biere waren wirklich alle ganz toll und in sich besonders, in sich stimmig und speziell und durchdacht, was man auch jedem Bier angemerkt hat und das ist ja auch schön, also eben nicht einfach nur Bier, sondern wirklich ein Genusskunststück sozusagen, also großartig, hat mir viel, viel Spaß gemacht. Und du hast viel zu erzählen, ich glaube, wir könnten noch mal 2 Stunden machen, vielleicht machen wir auch irgendwann mal einen zweiten Teil, aber für heute ist, glaube ich, jetzt ein schöner Schlusspunkt. Und vielen Dank für den Einblick auch in deine Welt und deine Brauerei und ganz, ganz liebe Grüße noch mal rüber an den Mittelrhein von der Regnitz sozusagen und bis bald mal wieder persönlich auf ein Bierchen.

Markus Fohr: Ja, bis bald mal wieder und ich weiß ja dann, was ich das nächste Mal zu tun habe, dann schicke ich 11 Biere.

Markus Raupach: Okay, genau, dann toppen wir uns noch mal selber, sehr gut oder du bringst sie als Marathon hierher, das wäre natürlich auch witzig.

Markus Fohr: Ich bringe sie mit, ja, klar.

Markus Raupach: Okay, also dann, einen schönen Abend dir noch, danke schön.

Markus Fohr: Wünsche ich dir auch, bis dann.

Markus Raupach: Bis dann.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

BierTalk 154 – Interview mit Josef Lechner, 1. Braumeister der Scheider Bräu aus Kelheim

In dieser Folge nehmen wir euch mit nach Kelheim, wo Josef Lechner als technischer Leiter und erster Braumeister der Brauerei Schneider Weisse seine spannende Lebensreise und Bierleidenschaft teilt. Gemeinsam sprechen wir über internationale Einflüsse, kreative Brauideen wie das Love Beer und die Herausforderungen, eine traditionsreiche Weißbier-Brauerei in die Zukunft zu führen. Wir erfahren, wie Josef zwischen Hightech und Esoterik täglich die Balance hält und warum Biere Charakter brauchen. Natürlich werfen wir auch einen Blick auf die Erfolgsgeschichte der Hopfenweisse, die Entwicklung alkoholfreier Spezialitäten und was es bedeutet, wenn ein neuer „Georg“ an der Spitze steht. Freut euch auf authentische Einblicke, persönliche Geschichten und Inspiration für Bierfreunde und Neugierige!

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute besuchen wir eine Brauerei, die ich vor fünf Jahren schon mal besucht habe, beziehungsweise wir, damals war der Hans-Peter Drexler am anderen Ende des Mikrofons, heute haben wir den Josef Lechner. Und da bin ich ganz froh und bin auch schon ganz gespannt, wenn er uns ein bisschen was erzählt über seine Geschichte und über die Geschichte, die da in Kelheim eben bei der Schneider Weisse so passieren. Also erst mal vielen, vielen Dank, dass du da bist und vielleicht  stellst du dich unseren Hörern mal ganz kurz selber vor.

Josef: Ja, sehr gerne. Also vielen Dank für die Einladung, ich freue mich mega, hier dabei zu sein. Ich bin der Josef Lechner, bin seit vier Jahren der erste Braumeister und technische Leiter bei der Brauerei Schneider Weisse in Kelheim. Und, ja, bin 15 Jahre so ein bisschen in der Bierbranche unterwegs gewesen und dann über Umwege wieder zurück nach Deutschland und bin ganz froh, dass ich jetzt die Geschicke einer Weißbierbrauerei in die Zukunft leiten kann und freue mich auch auf den Austausch heute.

Markus: Wunderbar. Du klingst auf jeden Fall auch schon mal sehr authentisch. Bist du selber aus der Region?

Josef: Ich bin tatsächlich, ist ein bisschen komplizierter, also meine Mama ist Spanierin und ich war zwölf Jahre im Ausland mit meinen Eltern. Ich bin aber tatsächlich hier nicht ganz in der Nähe aufgewachsen, in Grafenwöhr in der Oberpfalz und war nach dem Abi dann bei der Bundeswehr und dann international eben unterwegs, habe auch studiert und ganz was anderes gemacht und bin quasi jetzt wieder zurück in die alte Heimat gekommen, genau.

Markus: Das klingt ja spannend, also so ein bisschen Bier auf Umwegen oder so. Das heißt also, du sprichst dann auch fließend Spanisch?

Josef: Wir sprechen zu Hause Spanisch, ja, und das hat mich eigentlich auch immer so ins Ausland getrieben, war viel in Spanien, auch in Italien. Und da ist es dann irgendwann so diese Idee geboren, dass ich mal was mit Lebensmitteln machen will oder vor allem was mit Bier, weil ich hatte natürlich immer mein Weißbier dabei aus der Heimat. Und, ja, da ist jetzt eins zum anderen gekommen und das hat sich jetzt ganz gut gefügt, ich bin jetzt 41 und bin irgendwo da angekommen, wo ich hin wollte immer.

Markus: Und wo hat dich dein Lebensweg zuerst so hin geführt beruflich?

Josef: Also ich habe ganz klassisch mal was studiert und zwar BWL. Einfach auch aus dem Grund, weil ich damals wirklich nicht wusste, was ich machen will und war dann bei der Bundeswehr und dachte, jetzt hast du neun Monate Zeit zu überlegen, was du machen willst und nach neun Monaten wusste ich es immer noch nicht. Aber ein Kumpel von mir hat mir dann eben erzählt, dass er europäische BWL studiert in Regensburg und dann habe ich mich dafür ein bisschen informiert. Das hat mir ganz gut gefallen, man konnte zwei Jahre ins Ausland und mich hat das damals ein bisschen gecatcht, ja, zwei Jahre Ausland nach der Bundeswehr, das will ich auch machen. Und da war zufällig das Partnerdiplom von der Uni oder von der Fachhochschule in Regensburg war mit Bilbao in Spanien, wo meine Familie eigentlich ganz aus der Nähe herkommt. Und für mich war das so ein bisschen der Sechser im Lotto, ich hatte damals noch eine Freundin in Grafenwöhr und da konnte ich noch ein bisschen in Regensburg bleiben, aber auf der anderen Seite bei meinen Verwandten in Spanien studieren. Und das habe ich dann auch gemacht und habe es auch durchgezogen, habe dann das Ganze fertig gemacht und bin nach dem Studium in die Papierindustrie eingestiegen in so ein Führungskräfte-Nachwuchs-Programm und war erst einmal dreieinhalb Jahre international unterwegs, Projekte in der Prozessoptimierung zu machen, eben in Frankreich, Holland, Italien, immer wieder eine neue Station. Und da habe ich dann irgendwann gemerkt, okay, die Arbeit in so einem Konzern mit Papier ist relativ wenig emotional, aber das Drumherum war immer sehr emotional, also die ganzen Italiener mit ihren selbstgemachten Weinen in der Mittagspause und selbstgemachtes Olivenöl und selbstgemachter Schinken. Und ich hatte dann öfter mal ein Weißbier dabei und dann war irgendwann so die Schnapsidee oder quasi Bieridee, ja, ich muss unbedingt irgendwas mit Lebensmitteln machen und es liegt eigentlich auf der Hand, ich müsste eigentlich mal mich informieren, ich will Brauer werden. Da war ich 28 und ich habe dann einfach mal, ja, bei Facebook auf die Pinnwand geschrieben so zum Gag, das war an Heilig Abend, ja, ich will Brauer werden und wenn jemand einen Braumeister kennt, dann soll er sich bitte bei mir melden. Und, ich glaube, eine halbe Stunde später hat sich eine Freundin von mir gemeldet, die ich eigentlich aus Costa Rica kenne, die mit mir in Costa Rica in einem Praktikum gearbeitet hat und die hat dann gesagt, ja, sie ist gerade in Garmisch und sie steht neben dem Braumeister von damals der Meckatzer Löwenbräu und hat gesagt, ja, wenn du cool bist, dann stellt er dich ein. Und dann habe ich mich quasi zum Vorstellungsgespräch selber eingeladen und bin dann von Frankreich dahingeflogen. Und der Max, der ist immer noch Braumeister bei der Meckatzer Löwenbräu, der hat mir damals eine Kiste Bier in die Hand gedrückt und hat dann gesagt, ja, wenn du willst, kannst du hier anfangen. Und dann bin ich nach Frankreich zurückgeflogen und ich habe damals meinen Job dann sofort gekündigt und bin dann noch ein bisschen nach Mexiko, weil meine damalige Freundin eben in Mexiko war und bin dann am 31.8. von Mexiko zurück und habe am 1.9. eine Brauerlehre in Meckatz angefangen und so bin ich zum Bier gekommen irgendwie. Und, ja, wer einmal da drinhängt, glaube ich, in dieser emotionalen Branche, ich glaube, das brauche ich dir nicht erzählen, der, ja, taucht da immer tiefer ein und den lässt es auch nicht mehr los.

Markus: Nee, der kommt da nicht mehr raus. Das ist ja wirklich super spannend und das finde ich auch eine tolle Kombination gerade so, also auf der einen Seite eben ein bisschen in der großen Welt zu sein und auf der anderen dann eben zum Bier zu finden. Wenn ich überlege, das heißt, das war ja dann so 10, 15 Jahre her, dass du da in Spanien warst, da war ja dort die Bierkultur, sage ich mal, also zwar schon da, aber noch nicht da, wo sie heute ist. Also heute ist ja Spanien eines der großen Bierländer mittlerweile mit viel auch Craft Beer und ganz vielen kleinen Brauereien und übrigens auch dem Spitzenwert, was alkoholfreies Bier angeht in ganz Europa, also super spannendes Bierland. Wie hast du denn das damals wahrgenommen, also als du da warst, war das eher noch so Wein und Tapas und so oder ging es da auch schon ein bisschen in die Bierrichtung?

Josef: Also die Diskussion habe ich oft mit meinem Onkel und der sagt halt, dass sie früher viel mehr Wein getrunken haben. Da war diese typische Kultur im Baskenland, wo meine Familie halt her ist, Copita, also diese kleinen Weine im Glas. Und das hat sich jetzt eigentlich gedreht schon vor Jahren, dass die Jugendlichen immer mehr Bier trinken. Klar, das waren vorwiegend diese großen Biermarken, die man halt in Spanien kennt und dann kam irgendwann, ja, die letzten 15 Jahre eigentlich so mit der Zeit, wo ich mich für Bier dann auch interessiert habe noch in der Tiefe, dass diese Craft-Beer-Brauereien aufmachten. Und ich habe damals, meine Bieridee war ja, ich mache eine Weißbier Brauerei in Spanien auf und jetzt zufällig hat einer, der mit mir in der Berufsschule war, der ist auch Spanier, der hat in San Sebastian eine Brauerei mit aufgemacht. Also da gibt es mittlerweile zwei, drei ganz gute Brauereien, die auch gut laufen. Und da habe ich diese Entwicklung natürlich jetzt auch über meine ganzen Freunde dann da ein bisschen miterlebt. Und das ist schon eine große Bereicherung für diese ganze Gastronomie dort auch, diese kleinen Brauereien, die jetzt wirklich gute Biere machen, muss ich ehrlich sagen, haben sie gut gemacht, auch gut vermarktet, also auch von der Aufmachung her und vom Image her. Also schon eine tolle Sache und ich würde sagen, für Spanien eine große Bereicherung.

Markus: Und für dich vielleicht so eine kleine Hintertür, oder, könntest du dir vielleicht irgendwie vorstellen, irgendwann da mal dort in die Bierbranche einzusteigen?

Josef: Also das darf ich natürlich jetzt live nicht sagen hier, wenn das da mein Chef hört, aber natürlich ist es immer wieder Thema Spanien, meine zweite Heimat quasi, ich bin oft auch in Spanien unten, ob ich irgendwann mal da unten was mache, zumindest auch teilweise, es würde mich interessieren, da vielleicht auch mal zu unterrichten oder mal Kurse zu machen oder sonst irgendwas. Ich bin auf der anderen Seite schon sehr stolz auf das, was ich hier beim Schneider mache und die Biere. Und der Schneider hat mich auch zurückgebracht nach Deutschland. Ich habe auch immer gesagt, nie wieder Deutschland, zu meiner Frau, aber als der Schneider dann gesucht hat, habe ich mich ganz explizit beworben und finde das toll, was wir hier machen. Und das ist ganz was Spezielles, also jetzt ohne jetzt überheblich klingen zu wollen, also für mich war diese Brauerei schon immer ganz besonders, schon bevor ich mich mit Bier beschäftigt habe und jetzt, seit ich mit Bier mich beschäftige, noch mehr und seit ich das, sage ich mal, im Hintergrund jetzt auch alles sehe, wie das hier läuft, dann noch mehr, also es ist schon was Besonderes. Und ich freue mich natürlich auch, wenn ich in Spanien dann immer sagen kann, ich bin der Braumeister von der Schneider Weise, weil die Leute das dann auch kennen und ich entdecke dann in dem einen oder anderen Kühlschrank Schneider Weise in der Bar und dann bin ich immer ganz stolz, dass wir überall auf der Welt vertreten sind und es macht schon Spaß.

Markus: Ja und es gibt ja nicht so viele Brauereien, die so für ein Bier oder einen Bierstiel stehen. Und ich muss sagen, ich kann sie dann nur zu pflichten, also wenn man da mal ist in Kelheim und vor allem in den Raum mit der offenen Gehrung kommt, das ist ja wie eine Kathedrale für Bier, einfach in jeder Hinsicht ganz toll und man hat Gänsehaut sozusagen, wenn man da ist und kann eben live beobachten, wie dieses wunderbare Bier entsteht. Und wenn man dann noch eben die Liebe und all das, was dazukommt, wie damit umgegangen wird vor Ort hat, das ist schon ein echtes Highlight. Also kann ich nur jedem auch ans Herz legen, wer die Möglichkeit hat, da unbedingt mal reinzuschauen. Natürlich gibt es auch andere sehr gute Weißbierbrauereien, keine Frage, die machen auch einen tollen Job. Schneider ist halt einfach auch ikonisch aufgrund der eigenen Geschichte, nicht zuletzt als ehemalige Münchner Brauerei, als ehemalige Oktoberfestbrauerei und all das, was sich eben dann mit den modernen Bieren, mit dem Festbier, mit der Hopfenweißen und so weiterentwickelt hat, da haben die auch ganz viel, mindestens zur deutschen, aber wahrscheinlich zur internationalen Biergeschichte einfach beigetragen. Und dann noch so Personen wie der Hans-Peter, der halt auch diesen Bierstil und die ganze Technologie und alles entwickelt hat, also da kann ich voll, 100 Prozent nachvollziehen, dass du da dem Ruf nicht entsagt hast, absolut. Springen wir vielleicht trotzdem noch mal kurz zurück, als du da so nach Meckatz kommst als, sage ich mal, Lehrling oder so, wie ging es dir denn da so und wie hat sich dieses Hineinfinden in das Thema Bier für dich so entwickelt?

Josef: Also ich kann mich noch ziemlich gut an meine ersten Tage da erinnern, das war schon, sage ich mal, eine traditionelle Brauerei, so wie man sich das vorstellt. Meckatz macht auch ganz tolle Lagerbiere, alles stehende Gärung und dann eine liegende Lagerung damals noch. Also das waren wirklich noch Tanks, wo man überall schlupfen musste, also von 30 Hektoliter- bis 800 Hektoliter-Tanks sind wir immer durchs Mannloch durch und Hefe rausziehen, also das war schon ein richtiger, ja, Knochenjob schon manchmal, aber das hat richtig Spaß gemacht. Ich war ja davor Abteilungsleiter in der Qualität und dann komme ich da hin und bin auf einmal der Lehrling, also erstens gehaltstechnisch natürlich eine andere Liga, aber auf der anderen Seite, ich hatte halt Haustrunk, den ich immer ganz geschickt getauscht habe gegen guten Allgäuer Käse oder sonst irgendwas. Es war irgendwie eine urige Zeit und manchmal, muss man ganz ehrlich sagen, es hört sich jetzt von außen immer so romantisch an, aber war schon oft auch die Frage, um Gottes Willen, hast du jetzt das Richtige gemacht, du warst 28, eigentlich die Karriere rückwärts, jetzt bist du wieder Lehrling, die anderen bauen gerade alle ein Haus um dich rum und ich stand dann ohne irgendwas da. Es ging dann auch mit der Freundin aus Mexiko auseinander, also keine Freundin mehr, kein Haus, kein Gehalt und dann musste ich mich im Grunde tatsächlich von unten wieder hocharbeiten und es hat aber irgendwie Spaß gemacht. Also es war so, dass ich schon gemerkt habe, ja, jetzt hast du mal eine richtige Entscheidung getroffen, du lernst gerade richtig was, also auch fürs Leben, so richtig ein Handwerk und ich habe es nie bereut, muss ich ehrlich sagen. Also es gab zwar wirklich viele Phasen, wo man dann ernüchternder Weise sagt, ja, war jetzt dann doch nicht so toll in dem Moment, aber im Nachhinein, ich mache das ja jetzt seit 2013 und jetzt wird es dann nächstes Jahr, werden es, ja, 13 Jahre, dass ich das mache, ich habe es nicht bereut.

Markus: Ja und du hast ja auch bestimmt viel aus dem Leben vorher mitgenommen, was dir immer wieder was hilft, wo du immer wieder auch davon zehren kannst, was du eben vorher schon gelernt und gekonnt hast. Und, ich glaube, man ist dann auch im Inneren noch mal ganz anders, wenn man sagt, okay, ich habe da noch mal einen Restart gemacht und das gefunden, was mich wirklich antreibt, das ist sicherlich fürs Leben auch toll. Vielleicht noch mal ganz kurz zum Meckatzer Löwenbräu, das ist ja auch eine besondere Brauerei, also durchaus eine, die viele Botschaften hat, die tolle Biere hat, die auch, ja, mindestens national unterwegs ist. Wie war das denn so und kannst du vielleicht das Geheimnis um das Meckatzer Gold lüften, falls es eines gibt?

Josef: Ah, das Geheimnis des Meckatzer Weiss-Gold, also ich glaube, jetzt mal so von außen betrachtet, ich war ja da am Anfang, kam ja auch aus einer ganz anderen Gegend, ich bin ja hier bei mir in der Oberpfalz da oben eben aufgewachsen, ich fand die Biere am Anfang schwierig, also ich fand die viel zu bitter. Das war eine ganz andere Hausnummer, weil Meckatzer Weiss-Gold, die Hauptsorte ist ja ein Exportbier und dementsprechend auch mit schönen Tettnanger Hopfen wirklich ordentlich gehopft. Nach zwei Jahren war es dann komplett andersrum. Das sage ich immer jedem, man trinkt sich dann halt auf eine Marke ein. Ich konnte dann das Zeug bei uns in der Oberpfalz nicht mehr trinken, weil das wie Wasser geschmeckt hat. Also was ist denn das Besondere an so einem Bier?

Erstens ist es die Mache, also die haben ja auch eine eigene Hefe im Einsatz, wirklich dann eine stehende Gärung, liegende Lagerung, so wie früher halt ganz klassisch, eine Raumkühlung, also alte Tanks, einfach alte Kühlungsverhältnisse, wo man dann halt vier Wochen lang den Tank da runterkühlt, den großen. Und das macht es halt einfach, ich glaube, diese authentische Brauart, das schmeckt man. Das ist so, wie wenn einer auf einem Holzofen eine Pizza macht oder ein Spanferkel da irgendwie im Holzofen, die Sachen schmecken einfach anders. Da gibt es nichts mehr zu verbessern, sage ich immer, was will ich da noch groß verbessern. Da kann ich dann an der Technologie pfeilen und schrauben, aber diese authentischen Produkte schmecken immer noch am besten. Und das ist so das Geheimnis, man hat halt eine klare Linie und das macht man halt so und deswegen schmeckt es dann auch so wie es schmeckt. Und ich bin heute noch gerne unten im Allgäu und wenn ich dann auch gerade Richtung Weihnachten dann das Fest-Märzen erwische von Meckatz, dann geht mir das Herz noch mehr auf. Also die Biere sind einfach toll und die sind gut gemacht, das ist auch qualitativ immer auf einem sehr konstant hohen Niveau, das ist einfach eine tolle Brauerei. Auch wenn man Tourist ist, da mal einen Tag vorbeischauen, eine Führung machen, ins Bräustüble gehen, ist wunderschön, die Gegend ist wunderschön, die Brauerei ist wunderschön und die Produkte sind alle wirklich auf einem sehr hohen Niveau und Benchmark, ja. Und Weiss-Gold, die Biermarke gibt es ja schon sehr lange und hat sich auch, sage ich mal, vom Absender, vom Namen, ähnlich wie bei Schneider, eigentlich nie groß was geändert, das Konzept ist immer das gleiche geblieben.

Markus: Okay, kann ich auch nur beipflichten. Ich habe die Biere ziemlich oft in Verkostungen und der wichtigste Punkt für mich ist ja auch aus der Sicht von dem, der eine Verkostung durchführt, dass man eine Konsistenz hat, also dass man sich einfach darauf verlassen kann, dieses Bier ist so, wie man sich das vorstellt und funktioniert dann eben in der Verkostung auch entsprechend und man kann dann eben auch seine Reihenfolge darauf aufbauen, seine Geschichten erzählen. Und das fand ich auch immer ganz, ganz toll, dass man da eine richtige, schöne Konstanz eben auch dahinter hat. Und wie du schon sagst, der Geschmack ist deutlich anders. Mir ging das zum ersten Mal so, ich habe regelmäßig, als es noch dieses große Fest zum Tag der Deutschen Einheit immer gab, jedes Jahr, da musste ich immer für den Bayern-Tourismus in die jeweilige Stadt und verkosten und die haben dann dort immer so zehn Biere aus ganz Bayern gehabt und das Meckatzer Weis-Gold war immer mit dabei natürlich. Und da hat man wirklich gemerkt, wie es dann auch schwierig war, wenn man dahinter dann irgendwas positioniert hat, was eben sensorisch nicht so intensiv ist oder so und dass die Leute auch teilweise wirklich, wenn sie sich dann da rein getrunken hatten, wirklich total begeistert waren. Also das ist schon schön und wie du auch sagst, die Gegend und das zelebrieren sie auch schön. Das finde ich auch gut, dass sie, ja, dieses Bild von der Brauerei, von dem Ort ins Zentrum stellen und gar nicht mal so das Bild vom Bier. Also da ist viel auch regionales Herzblut dabei, oder?

Josef: Ja, auf jeden Fall. Also da hat sich die Brauerei auch viel damit beschäftigt, also gerade marketingtechnisch sehr viel auch Geld ausgegeben, dass da wirklich Leute mit Hand und Fuß eine Story schreiben oder die Meckatzer Story, die es ja gibt, die ja authentisch ist, einfach richtig erzählen. Und, ja, das ging am Ende dann oder geht auf, das muss man schon sagen.

Markus: Ja und dann kommt der Ruf eben nach Kelheim. Magst du mal erzählen, wie war das da so, als du zum ersten Mal da aufgetaucht bist? Also geht man einfach rein, macht die Tür auf und sagt, hallo, da bin ich oder hat man da einen Termin mit irgendjemandem oder wie läuft das?

Josef: Also es gab ja einen kleinen Umweg, ich bin ja nach der Lehre dann mit einer ganz kleinen Zwischenstation über den Mineralbrunnen, das hat mir aber keinen Spaß gemacht, das war mir zu unemotional, dann in die Schweiz, in eine ganz kleine Brauerei, die gerade in der Gründungsphase noch war oder in der Erweiterungsphase, sagen wir es mal so. Im Engadin oben, also auf 1.800 Höhenmeter habe ich dann Bier gebraut auf einer so einer 10- Hektoliter-BrauKon-Anlage und dort sehr viel gelernt. Es war so eine Halbautomatik, wo man eigentlich noch sehr viel selber machen muss und dann halt mal die komplette Brauerei geschmissen, von Rohstoffannahme über Kostenrechnung bis hin zur Abfüllung. Und war dann Meister, zwei Jahre in München noch drauf gemacht und nach dem Meister bin ich wieder in die Schweiz für diese Brauerei und habe dann dort, ja, die Brauerei noch weiter groß gemacht bis zu dem Punkt, wo der Neubau anstand und das hat sich dann aber ein bisschen zerschlagen, für ein paar Jahre. Und das war während Corona und dann war irgendwann die Entscheidung, ja, wir können ja nicht drei Jahre rumsitzen und warten, bis der Neubau kommt, sondern wenn wir jetzt die Produktion einstellen, und das lief ein bisschen über Umwege, habe ich gesagt, okay, dann muss ich mir einen neuen Job suchen, und dann hat der Schneider zu der Zeit zufällig gesucht. Und das ging dann auch recht lange, das waren ja mehrere Runden, kann man sich vorstellen, mein Vorgänger Hans-Peter Drexler hat ja meinen Job für 40 Jahre gemacht, wenn der mal geht, dann macht sich die Brauerei natürlich Gedanken, wer dann kommt und wie machen wir das jetzt am besten. Und dann war natürlich auch der Bewerbungsprozess sehr intensiv und über mehrere Runden, war sehr interessant. Und ich bin es dann letztendlich, weiß ich noch, ich habe im Dezember dann irgendwann eine E-Mail bekommen, ja, wir haben uns ganz eindeutig für Sie entschieden. Und dann habe ich meiner Frau gesagt, so, jetzt wird es ernst, jetzt müssen wir uns entscheiden, also jetzt gehen wir wieder nach Deutschland zurück. Und im Grunde habe ich im Juni hier angefangen, habe mich damals noch, ist jetzt kein Witz, also das sage ich jetzt nicht nur, weil ich heute hier sitze, ich habe damals den BierTalk mit Hans-Peter Drexler angehört, ich habe nämlich immer diesen Bier Talk am Füller gehört, während ich die Bügelverschlussflaschen mit der Hand zugemacht habe hinter dem Füller in der Fertigung. Ich stand ja acht Stunden beim Füllen da drin oder neun manchmal und da hat man sehr viel Zeit, Podcasts zu hören. Und dann habe ich mir das mal angehört, was da gerade so los ist und da war, glaube ich, gerade das Helle ein Thema, weil das wieder ganz neu auf dem Markt war. Und ich bin, kurz nachdem die Brauerei quasi wieder in das helle Lagerbiergeschäft eingestiegen ist, das werden wir ja dann wahrscheinlich auch kurz thematisieren, bin ich hier aufgeschlagen, das war 2021 im Sommer, am 5. Juli, ganz pragmatisch, es  muss ein Montag gewesen sein. Und, ja, wie war das, natürlich riesige Fußstapfen. Hört man auch oft, ja, ist es nicht eine große Bürde? Ich würde sagen, also die Angst ist nie ein guter Begleiter. Das habe ich auch meinem Team am Anfang gesagt, ich muss jetzt von euch was lernen, aber ich habe keine Angst, ich sehe das als Ansporn und Herausforderung. Und ich habe mich jetzt ganz gut eingelebt, ich meine, ich bin jetzt auch vier Jahre hier, wir haben vieles verändert und vieles gleich gelassen. Ich habe sehr viel Kontakt noch zum Hans-Peter Drexler und habe auch mich mit ihm viel unterhalten, was denn die Linie hinter den Bieren ist, also was denn ein bisschen seine Handschrift ist. Also erstens habe ich es natürlich versucht, selber zu sehen und zu schmecken, aber dann auch einfach in Gesprächen ein bisschen in die Tiefe zu gehen, was ist denn wichtig, wenn wir ein Bier machen, was ist denn so ein bisschen das Besondere an unseren Bieren und auch, wenn wir jetzt, sage ich mal, Produktentwicklungen neu machen oder in neue Märkte reingehen, was ist denn so ein bisschen die Essenz hinter uns, hinter der Marke und hinter den Bieren. Weil das ist ja ganz wichtig, dass es auch in so einem Übergang keinen Schnitt gibt, gerade bei so einer Traditionsmarke, sondern wir sind halt seit über 150 Jahren hier, also in Besitz der Familie Schneider, sagen wir es mal so und über 400 Jahre am Standort in Brautradition, also wir machen hier am Standort seit über 400 Jahren Weißbier und da muss es natürlich irgendeine Linie geben und auch eine Linie, wie ich das hin entwickeln will. Und das ist eine spannende Aufgabe in einem sehr schwierigen Umfeld gerade, weil das waren ja die ganzen Krisenjahre, gerade diese Anfangszeit und, ja, es ist herausfordernd und spannend zugleich und mit einem guten Team funktioniert es, sage ich immer.

Markus: Ja, das ist wahrscheinlich das Wichtigste überhaupt. Ganz kurze, ganz konkrete Frage, weil du ja gesagt hast, die Brauerei macht da schon seit 400 Jahren Bier, ist denn die Hefe, die ihr benutzt, basiert die auf einer historischen Hefe oder habt ihr da einen anderen Stand?

Josef: Davon gehe ich aus, wir wissen es tatsächlich gar nicht so genau. Vielleicht weiß es irgendjemand, ich müsste mal ganz explizit auch mal beim Georg Nummer VI nachfragen, der wird wahrscheinlich mehr wissen als ich. Es ist ja so, dass wir aus dieser Maderbräu in München rausgehen, also wo unser Hauptsitz noch ist, im Tal 7 in München und da stand eine Brauerei und ich gehe davon aus, dass die erste Hefe, die dort verwendet wurde, die Hefe war, die dort in Betrieb war und diese Hefe, das wird halt eine historische Weißbierhefe sein und mit der haben wir gebraut. Ich denke, dass diese Hefe dann irgendwann ihren Weg nach Kelheim gefunden hat oder von Kelheim nach München schon immer die gleiche war, also irgendwo daher kommen wir. Also es ist auf jeden Fall eine historische Hefe und seit 150 Jahren diese Hefe, die wir verwenden. Wo die dann genau herkam, das ist tatsächlich wahrscheinlich auch noch mal einen Podcast wert.

Markus: Ja, das kann ich mir vorstellen. Und weil du gerade Georg Nummer VI gesagt hast, spricht man sich da so an, so Nummer VI, Nummer VII oder wie?

Josef: Das ist tatsächlich so, also wir sind ja eine Familienbrauerei im Familienbesitz und der Erstgeborene hieß immer Georg und das ist mittlerweile die siebte Generation. Und die E-Mail-Adresse ist Georg VII, also da gibt es wirklich die Nummer, weil sonst kriegt man die gar nicht mehr auseinander. Und als ich hier angefangen habe, lebte ja auch noch der Großvater praktisch vom jetzigen Georg, Georg V und dann war es praktisch V, VI, VII. Und der ist jetzt leider verstorben mit über 90, war wirklich auch ein beeindruckender, sehr, sehr liebenswerter und sehr netter und sehr kompetenter Mensch und ich habe immer gern mit ihm geredet und habe ihn da auch kennenlernen dürfen bei meiner ersten Einführung. Das war ein schöner großer Empfang im Bräustüble mit allen und da war auch Georg V dann, der saß ja dann schon lange im Rollstuhl und kam extra, und das hat mich dann schon beeindruckt und auch mal mit ihm mich zu unterhalten. Weil, das ist schon auch interessant, was die einem so erzählen, wie denn das früher war. Die kommen natürlich aus einer anderen Zeit, es ist aber immer schön zu hören und hilft natürlich dann auch, diese Linie der Schneider-Familie da irgendwo in diese Biere reinzubringen und diese Geschichte weiterzuleben.

Markus: Ja und das ist ja eben so eine DNA, die dann in so einem so alten oder langjährigen Bier dann irgendwie auch mit drin ist. Nun bist du ja dann dahingekommen, wo eben eine Zeit des Umbruchs war, wo man dieses neue helle Bier entwickelt hat, wo es dann gerade diese Dosengärung zum Beispiel auch gab und eben der Markt da sich gerade so ein bisschen gedreht hat, vom Weissbier-Boom zum eben Hellen hin. Hast du da am Anfang auch gleich schon Entscheidungen treffen oder Rezepte verändern müssen oder wollen oder bist du da ein bisschen so in dieses Zwischen reingekommen, zwischen Georg VI und VII oder wie war das?

Josef: Also man stellt sich das ja immer so vor, dass bei uns immer das Original, diese Weissbier-Monstranz immer gleich ist und wir da nie dran drehen und im Hintergrund passiert sehr viel, also wir entwickeln unsere Biere auch ständig irgendwie weiter. Erstens ändert sich ja auch der Rohstoff an sich immer, der wird ja weiterentwickelt und wir ändern ständig irgendwas, also auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Manchmal stellen wir komplette Maisprogramme um und gehen auf eine komplett andere Brautechnologie. Wir spielen sehr, sehr viel mit den Hopfensorten, die wir haben, das ist eh speziell. Also wir machen ja eigentlich ein Hefe-Weissbier, wo die Hefe im Vordergrund steht, wie der Name schon sagt, aber auf der anderen Seite verwenden wir über 10 verschiedene Aromasorten und die verwenden wir auch zu allen möglichen Zeitpunkten. Und ich bin in so eine Zeit reingekommen, wo erstens das Helle entwickelt wurde, das auch sehr hopfenlastig ist. Also bei uns, wir haben auch zwei schöne alte Landsorten drin, den Hersbrucker und den Mittelfrüh, wo wir auch dann neue Bauern gesucht haben, die den anbauen. Also da habe ich dann viel Versorgung auch auf die Beine gestellt am Anfang und da haben wir auch ständig am Rezept noch gefeilscht, weil das war ja so die Einführungsphase. Wir haben das LOVEBEER rausgebracht, auch mit viel Hopfen, wo wir jetzt während der Gärung hopfen, also ganz speziell, weil wir einfach den offenen Gärbottich nutzen und da können wir ja was reinschmeißen. Das wollte ich schon immer machen und dann habe ich jetzt mal die Chance, dass wir da halt mal was reinschmeißen. Da haben wir die Festweise neu entwickelt, also wir sind ständig am Rezepte umschreiben und Biere entwickeln. Und jetzt klingelt es ja schon überall, die alkoholfreien Geschichten kommen. Wir sind auch ständig am Pfeilen und machen Versuchssude in alle Richtungen und testen und probieren, weil wir uns halt ständig weiterentwickeln müssen. Also der Markt ändert sich rasant schnell und wir halten die Weissbier-Fahne hoch, aber wir müssen natürlich auch der Realität ein bisschen in die Augen sehen.

Markus: Auf jeden Fall und das ehrt euch ja auch, dass man da diese beiden Wege entsprechend geht. Ich habe jetzt gerade ganz viele Bilder im Kopf gehabt. Heißt das wirklich für das LOVEBEER, da hat man dann das Bier in der Gärung und dann kommt man mit so einem, sage ich mal, Sack mit Hopfendolden und wirft die da rein oder wie muss man sich das vorstellen?

Josef: Wir haben tatsächlich einmal Dolden verwendet, aber nicht für das LOVEBEER, sondern damals noch für die Hopfenweisse. Wir verwenden ausschließlich Pellets, einfach, weil es halt einfacher zum Verarbeiten ist. Wir hopfen aber dort einfach mit Pellets, ja, also es geht wirklich jemand vorbei und wirft das dann da rein. Auch mit, sage ich mal, mit großen Lerneffekten, weil, wenn man irgendwo was reinwirft, wo Kohlensäure drin ist, dann kommt auch gern was wieder raus, also das schäumt dann ordentlich. Also da haben wir den Zeitpunkt auch ein bisschen und die Mengen natürlich noch ausloten müssen. Und diese Geschichten kamen ein bisschen aus diesen Unterhaltungen auch mit den Brauereien eben in Spanien, mit meinen ganzen Kontakten. Wir haben dort auch so die ersten Collaboration-Brews quasi wieder gemacht nach Brooklyn Collaboration, was die Hopfenweisse ja damals war, haben wir das erste Mal wieder mit einer Brauerei eben was gemacht und haben dort einfach Sachen ausprobiert, also ein bisschen inkognito, also ich habe das ein bisschen so unter dem Radar gemacht. Und es sind aber lauter Brauereien, die sehr amerikanisch beeinflusst sind, also von den Bierstilen her und auch von den Hopfensorten und auch von den Techniken her. Und dann haben wir uns viel über diese Bio-Fermentation von Hopfen unterhalten und dann habe ich mich dafür einfach mal interessiert und habe das einfach mal ausprobiert. Und beim LOVEBEER, muss ich sagen, hat es viel gebracht, also wir haben viel mehr milde Hopfennoten reinbekommen, also wenig Bittere, aber viel Aroma. Und es ist spannend, was da alles geht und da ist sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange, also da gibt es noch viel zu entdecken.

Markus: Auf jeden Fall. Also da geht es ja im Grunde darum, was macht die Hefe mit den Hopfenkomponenten, wenn sie da eben rankommt in der Gärung, sagen wir mal und was macht das eben auch aromatisch-sensorisch mit so einem Bier. Und, ja, also das glaube ich auch, ist wirklich eine Sache, wo man noch viel erforschen muss. Kann man da sagen, es gibt trotzdem auch so eine Art Konstanz oder ist das jedes Mal schon auch so ein bisschen Wundertüte, was dabei rauskommt?

Josef: Also wir haben das jetzt für uns so getrimmt, dass wir die Konstanz haben, die wir wollen. Aber es ist tatsächlich, das ist ja, ich sage es immer auch gern, wenn ich sage, erster Braumeister, technischer Leiter und wenn ich dann meinen Job beschreibe, sage ich immer, das ist ein bisschen zwischen Hightech und Esoterik, also da ist alles ein bisschen mit dabei. Und dieses Esoterische hinten, wo man nicht genau weiß, was rauskommt, das hat man ganz oft in der Gärung, ist so meine empirische Beobachtung und das ist ja auch das Spannende. Also das ist wie wenn man daheim ein bisschen Brot backt und dann, mal klappt es besser und schlechter und hin und her und ich finde das spannend. Also das Bier soll ja auch einen Charakter haben und ich sage auch immer, Bier braucht Kontext. Im Engadin in der Schweiz habe ich meine Biere ganz anders gebraut als zum Beispiel ich die hier brauen würde oder in Spanien, also das muss ja auch immer irgendwo in den Kontext reinpassen und das soll ja auch ein bisschen spannend bleiben. Also das soll ja keine lieblose Flüssigkeit sein, so wie es leider in Deutschland oft ist. Und da müssen wir ja auch einmal offen darüber reden, das ist halt schon so, das ist so ein Massenprodukt und im Supermarkt, da ist ja Weissbier gleich Weissbier und Pilz gleich Pilz und wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt, dann gibt es das sehr, sehr große Unterschiede, so wie es halt bei jedem Produkt ist, auch bei einem Käse oder bei einer Wurst. Und das ist ja das Spannende, die Biere, finde ich, sollten immer einen Charakter und eine Tiefe haben und sollten auch ein bisschen spannend bleiben, muss ja nicht immer ganz gleich sein.

Markus: Absolut. Jetzt haben wir gerade schon gehabt, dass natürlich die Hefe eine ganz wichtige Rolle spielt, gerade bei euch und eben auch die Hopfen. Wie ist es denn mit dem Wasser, gibt es da auch in Kelheim Besonderheiten?

Josef: Also wir haben lange gekämpft, wir wollten ja einen eigenen Brunnen haben. Wir haben keine eigene Wasserversorgung, wir brauen mit Kelheimer Leitungswasser, das wir natürlich dann aufbereiteten, weil es zu hart wäre für uns. Aber es ist  tatsächlich dann, haben wir es, sage ich mal, so aufbereitet, dass es ein Standardbrauwasser ist, so wie es ein bisschen im Lehrbuch steht. Das Kelheimer Wasser an sich wäre tatsächlich aber spannend für das Original, weil dieses Original, sage ich immer, ist auf 1.000 Facetten oder aus 1.000 Blickwinkeln das Original Weissbier, erstens, weil es in einer Original Weissbierbrauerei gebraut wird, das Original von Schneider von damals noch und es hat auch noch die Originalfarbe, es ist so dunkel. Und dieses Wasser würde schon eher bedingen, dass der Brauprozess ziemlich schwierig wird oder schwieriger und dadurch länger dauert und dann würde das Bier tendenziell dunkler werden. Und das passt wahrscheinlich für das Weissbier, für das Original ganz gut, aber für die anderen Bierstile ist es besser, wir bereiten es auf.

Markus: Ja, das stimmt. Und ich glaube, wo du es jetzt gerade sagst, das ist ja auch vielen nicht bewusst, dass ja die Weissbiere eigentlich, wenn man das mal so historisch sieht, ursprünglich immer eher bräunlich oder sogar dunkelbräunlich waren, bevor man dann irgendwann im 19. Jahrhundert mit den hellen Malzen und so weiter das ein bisschen trennen konnte in helles Weissbier und dunkles Weissbier und eben das, sage ich mal, normale. Was man ja auch bei Wettbewerben immer wieder merkt, dass diese Differenzierung, also wo ist jetzt ein klassisches Weissbier, was halt einfach bräunlich ist und karamellig ist und nussig ist, aber eben noch nicht röstig und aber auch nicht hell und dann eben diesen anderen beiden Entwicklungen, das ist wirklich immer gar nicht so einfach, auch das den Leuten zu erklären und so. Und da finde ich schön, dass ihr diese komplette Range eben noch habt und man das dann entsprechend auch erleben kann. Wenn man jetzt noch mal zum Hellen kommt, da bist du dazu gekommen, als es schon in der Entwicklung war. Ich stelle mir das ziemlich schwierig vor, wenn man so eine klassische Weissbierbrauerei ist, also gut, ihr habt, glaube ich, vorher auch schon für die Region so ein paar untergärige Biere gemacht, aber das dann so im großen Stil, war das eine große Umstellung?

Josef: Also es ist tatsächlich in den Köpfen von den Leuten eine große Umstellung. Es gibt ja, wenn man auf die Brauerschule geht, ein Lehrbuch und im Lehrbuch wird man eigentlich getrimmt, wie man helle Biere braut, also ganz besonders ein Pilz, also diese hopfenbetonten, hellen, leichteren Biere. Und wenn man, sage ich mal, mit einem Lehrer eine schöne Diskussion hat, dann hat er gesagt, wenn man 100 Brauer fragt, wie sie ihr Lagerbier machen, kriegt man 100 gleiche Antworten und wenn man 100 Brauer fragt, wie sie ihr Weissbier machen, dann wird man 100 Antworten bekommen. Weissbier ist ganz anders von der Art und Weise, wie man es macht und unsere Brauerei hat halt ihre Art und Weise, dieses Bier zu tun, die passt aber bei vielen Punkten nicht auf eine helle Brauart. Also wenn ich jetzt ein helles Bier machen will, muss ich auf viele andere Dinge achten, vor allem auf Sauerstoff. Das ist es bei uns bei der Flaschengärung auch ein Thema, aber weniger ein Thema, als wenn ich natürlich ein helles Bier mache. Und da haben wir schon gemerkt, dass wir ordentlich auf die Schnauze geflogen sind, weil es in den Köpfen von den Leuten, die halt ihr ganzes Leben lang Weissbier gemacht haben. Also teilweise habe ich Mitarbeiter, die 40 Jahre hier sind und die machen halt seit 40 Jahren ein super Weissbier und jetzt müssen die ein filigranes Helles machen und dann eckt es an einigen Prozessen dann halt an. Es ist aber tatsächlich so, dass die Brauerei früher mal helles Bier gemacht hat, bis 1988 dieses Sudhaus umgebaut wurde und da hatte man, ich glaube, da gab es Altmühlpils und Marken halt für die Region, so wie der Name auch schon sagt. Und die wurden aber auch ganz klassisch, die Becken haben wir noch, das sind offene Gärbottiche, viereckig, die sind ein bisschen eingestaubt, aber die würden wahrscheinlich sogar noch funktionieren, und da wurde dieses Bier produziert. Und das ist schon spannend, also auch mein Büro, wo ich gerade sitze, das war früher ein untergäriger Lagerkeller. Also jetzt ist es ein Bürotrakt, also es ist halt, der alte Gebäudetrakt wurde umfunktioniert zu einem Büro, aber das war früher unsere untergärige Abteilung. Und jetzt sind wir sukzessive dran, dass wir die Produktion halt wieder zurückholen. Wir haben vieles in Lohnproduktion noch bei unserer Karmeliten-Brauerei, am Anfang. Das ist ja, die gehört uns ja zu 50 Prozent, das war dann so immer der Standort, wo die hellen Biere eigentlich so herkamen, historisch.

Markus: Und wie kam es am Markt so an? Also gab es Leute, die gesagt haben, endlich oder gab es auch Leute, die gesagt haben, Mensch, eigentlich mag ich euch lieber in der reinen Weissbierecke?

Josef: Es ist tatsächlich so, dass die Leute sich freuen. Wir machen es ja auch ein bisschen spezieller, wir wollten ja nicht wieder ein neues Helles machen, das es schon gibt, also ganz explizit damals, nicht in der blauen Kiste und nicht mit einem Bayern-Etikett und blau. Es hieß ja auch am Anfang helles Landbier, mittlerweile heißt es Schneider´s Helles. Es ist ein bisschen hopfenbetonter und es ist ein bisschen markanter und, ich glaube, es passt ganz gut zu unserer Handschrift, die ich vorher erwähnt habe, dass die Biere einen Charakter haben, es ist auf jeden Fall erkennbar. Und wir haben auch wirklich tolle Hopfen drin, mit dem Hersbrucker und dem Mittelfrüh, die wir da im Vertrag mit den Hopfenbauern anbauen lassen. Und das macht auch Spaß, die dann am Feld auszusuchen und dann beim Händler dann zu bonitieren im Grunde. Und, ja, ich glaube, die Biere passen zu uns und wir sind damit volumenmäßig auf jeden Fall erfolgreich, sind da sehr zufrieden, wie sich das etabliert hat und ich sehe da viel Potenzial in dem Bier.

Markus: Das heißt also, da wird vielleicht auch die Palette noch ein bisschen wachsen in Zukunft?

Josef: Das ist durchaus denkbar, ja, also wir sind immer dran. Der Vertrieb in jeder Brauerei hat viele Ideen, die muss man immer ein bisschen bremsen, aber ja, also man hört alle möglichen Sachen und, ich denke, es bleibt spannend, ja.

Markus: Und dann hast du vorhin noch das LOVEBEER erwähnt. Wenn jetzt jemand überhaupt gar keine Ahnung hat, was das ist, wie erklärst du dem das?

Josef: Also das ist eigentlich ein total interessantes Projekt, das hat noch der Hans-Peter noch gemacht und wir haben das dann noch mal geändert, weil wir das damals ein bisschen anders gemacht haben als jetzt. Es ist eine Kooperation mit der LaBrassBanda und der Frontmann, der Stefan Dettl, hat uns damals den Arbeitstitel gegeben, oder dem Hans-Peter, er möchte sowas wie einen bayerischen Joint. Und das beschreibt es eigentlich ganz gut, weil daran haben wir festgemacht, wie das Bier werden soll. Also einen bayerischen Joint, das sagt sehr viel, dieses Bild. Das Bild sagt, das ist ein Bier, das man irgendwie an einem See oder bei einem Festival mit dabei hat, also das man irgendwie auch locker mitnehmen kann. Es ist ein Bier, ja, der Hopfen ist ja aus der Gruppe der Hanfpflanzen, also es sollte ein bisschen hopfiger sein. Also der Hopfen spielt dort eine sehr bedeutende Rolle, deswegen haben wir ihn auch sehr bewusst ausgewählt und auch sehr bewusst eingesetzt eben in der offenen Gärung, also die Bio-Fermentation, die ich vorher erwähnt habe, und das muss natürlich, sollte das Bier dann, wenn man sagt, okay ein bayerischer Joint, Festival, Sommer, immer irgendwas Leichtes sein. Ich habe das Bier letztes Mal jemanden in die Hand gedrückt bei einer Grillparty bei über 30 Grad, also das war einer dieser heißesten Tage diesen Sommer, wo es so extrem heiß war, da habe ich das Bier jemandem, im Juni war das irgendwann, habe ich das jemandem in die Hand gedrückt und habe gesagt, jetzt trinkt das mal und dann hat er getrunken, dann habe ich gesagt, und, was sagst du? Da sagt er, super. Und da sage ich, das Bier ist genau für den Tag heute gemacht, also genau für so einen Tag haben wir uns das Bier ausgedacht. Das schmeckt wirklich am besten, wenn es brutal heiß ist, wenn man den Grill gerade anschürt, so als erstes Bier. Es ist irgendwo ein Weissbier, aber es lässt sich trinken wie ein Helles, es ist ein bisschen gehopft wie ein Pale Ale, also es ist sehr, sehr viel in einem und es hat diese Geschichte des bayerischen Joints dahinter. Und, ja, ich glaube, wenn man das jetzt gehört hat, sollte man es mal probieren und wirklich, meine Empfehlung, nicht im Winter bei minus 5 Grad, sondern im Sommer, wenn wirklich mal die Sonne knallt, dann mal so ein LOVEBEER einschenken und dann weiß man, was wir damit gemeint haben.

Markus: Für mich ist es so ein bisschen beides, also auf der einen Seite ist es ein ganz anderes Bier, als man es von euch erwarten würde oder zumindest damals erwartet hätte, auf der anderen Seite steht es aber auch ganz viel in der Tradition, eben gerade mit dem Hopfen, mit dem Hopfen stopfen und da eben auch mal neue kreative Wege zu begehen, das gibt es ja bei euch im Weissbiersortiment auch, also insofern finde ich das wirklich beides spannend. Also mir macht es auch, also gerade im Sommer, immer wieder eine schöne Freude und gerade die Geschichte mit LaBrassBanda ist natürlich super witzig dahinter. Aber ihr musstet jetzt nicht alle erst mal mit der Belegschaft irgendwo hin und einen Joint rauchen, um das Feeling kennenzulernen?

Josef: Nee, aber es ist tatsächlich so, dass das sind immer sehr spektakuläre Geschäftsmeetings bei unserem Geschäftsführer in der Küche, da kommt dann die LaBrassBanda und da war der Hans-Peter und es wurde ausgiebig diskutiert und das endete dann irgendwann, glaube ich, um halb vier nachts, also es ist dann schon immer sehr amüsant. Und es gibt schon einige Vertreter der Brauerei, die dann sehr lange dort mitdiskutieren und mittrinken müssen, also nicht jeder in der Brauerei, aber einige trifft es dann schon, die kommen da intensiv ran.

Markus: Es kann schon ein anstrengender Job sein, genau, ja spannend. Und ein anderes Bier, was ja sehr ikonisch für euch ist und wo wir neulich erst damit zu tun hatten, weil wir hatten ja den Lieblingsbierwettbewerb, wo die Hopfenweise ja auch sehr, sehr, sehr gut abgeschnitten hat und das, finde ich, war ja für mich, ich glaube, ich habe es damals auch erzählt, für mich so ein Bier, wo ich selber erlebt habe, wie eben sich auch in der deutschen Brauerszene damals was verändert hat, weil da ein Bier plötzlich hier ins Land kam oder aus dem Land kam, wie auch immer man das sieht, das so anders war, dass die meisten Braumeister erst mal ein paar Minuten gebraucht haben, um zu verstehen, was das überhaupt ist. Und es ist für mich immer noch ein absolut faszinierendes Bier, ich finde es Wahnsinn, wie der Saphir-Hopfen das prägt und wie trotzdem flexibel und wandelbar das ist, je nachdem auch, wie alt es ist, verändert es sein Aroma, seinen Geschmack, also ein ganz großartiges Bier, aber natürlich auch ein Bier mit einer riesen Geschichte. Wie ist das, wenn man so eins der ikonischsten deutschen Biere anpackt, hat man da auch ein bisschen Respekt oder sagt man, nee, jetzt räume ich da mal ein bisschen auf und mache es mal ein bisschen modern?

Josef: Also da, glaube ich, da muss man auch vorsichtig sein, dass man da nicht zu viel anpackt. Also wir diskutieren da auch natürlich, weil der Hopfen ist nicht einfach im Anbau und der Klimawandel kommt immer schneller und auch die Hopfenbauern, mit denen sind wir eng im Austausch. Da sind einige auch schon aus dem Saphir-Anbau ausgestiegen. Deswegen haben wir mehrere Strategien, das eine ist mal Menge sichern, dass wir halt über Verträge mit Hopfenbauern uns ein paar Hopfenbauern sichern, die uns die Stange halten. Und auf der anderen Seite, ich möchte halt da auch nicht so viel ändern an dem Bier, das ist tatsächlich eine Ikone, ich habe es auch früher, bevor ich bei Schneider war immer, wenn mich irgendwer gefragt hat, kannst du ein besonderes Bier empfehlen, habe ich gesagt, trinke mal die Hopfenweisse, das ist was ganz Besonderes. Und es ist tatsächlich so, wenn man das erste Mal trinkt, da ist man total überrascht, was das überhaupt für eine Geschmacksexplosion ist und man kann diese Geschmacksaromen gar nicht einordnen, wo die jetzt herkommen. Es wird ja oft als tropisch fruchtig beschrieben, auf der anderen Seite ist es ja brutal hopfig und auch herb, aber alles irgendwie ausbalanciert. Und das ist halt dieses faszinierende Zusammenspiel, wir haben ja überall eine Flaschengärung mit der aktiven Hefe in Verbindung mit dem Hopfen, mit viel Stammwürze, also da passiert ja so viel auch brautechnologisch und dann hat es auch noch diese Geschichte, diese Kooperation mit der Brooklyn Brewery von damals und man hat dann wirklich einfach versucht, zwei Bierstiele zu fusionieren, also ein IPA und den Weizendoppelbock von einer bayerischen Weissbierbrauerei und das Resultat ist einfach wirklich bisher, glaube ich, unerreicht. Und das Geheimnis liegt eigentlich an dieser Einfachheit und Authentizität, es ist halt einfach ein Weizendoppelbock mit Flaschengärung und der ist ganz, ganz traditionell gestopft, also wirklich Hopfen oben rein in den Tank, dann warten und unten wieder halt abschießen lassen und dann Flaschengärung. Also das ist, da ist keine aufwendige Hopfentechnik oder sonst was, einfach Zeit, ein guter Hopfen, also gute Zutaten und eine gute Hefe und eine Flaschengärung und dann wird daraus eine Bombe. Also das ist wirklich, da gibt es nicht viel zu ändern an dem Bier.

Markus: Nee, absolut. Und nur noch mal kurz vom Bild her, also das heißt, ihr gebt oben den Hopfen rein, dann fällt er da so drauf und dann macht man wieder zu und dann wartet man ein paar Tage und dann macht man unten auf und in der Zeit ist der dann praktisch einmal so durch oder wird da zwischendurch umgerührt oder wie läuft das?

Josef: Wenn alles gut geht, ist er dann unten durch. Es ist natürlich, gäbe es effizientere Verfahren, also dass man weniger Hopfen braucht, wenn man das umpumpt und sonst was und man hat auch ein bisschen was ausprobiert, aber das Geschmacksresultat war nie so gut und deswegen hat man es nie geändert, also es liegt wirklich am Geschmack.

Markus: Naja und wahrscheinlich eben auch die Kontaktzeit und die aktive Hefe, die sich dann in dieser Zeit auch mit dem Hopfen beschäftigen kann. Also, ja, ich kann auch noch sagen, also da trifft so ein Satz zu, oft kopiert, nie erreicht. Also ich habe schon ganz viele Hopfenweisse-Klone irgendwo in der Welt, auch in Deutschland getrunken, aber es kommt nie dahin und das finde ich schon faszinierend. Und, was ich auch faszinierend finde ist, dass es eben immer noch läuft und immer noch diesen Stellenwert hat, obwohl es so ein besonderes Bier ist. Und das fand ich eben auch interessant bei unserem Lieblingsbierwettbewerb, das ist der Wettbewerb der Deutschen Konsumenten Organisation, die machen da jedes Jahr einen Bierwettbewerb, wo am Ende dann sechs Biere im Finale stehen und die Brauer auch live dabei sind, wenn dann die Entscheidung fällt und da war ich wirklich auch sehr, sehr positiv überrascht, dass auch in der heutigen Zeit dieses Bier noch einen Wettbewerb gewinnen kann und die Leute da total begeistert sind und eben diese Komplexität auch verstehen und lieben lernen. Wie hast du dich da gefühlt an dem Abend?

Josef: Also ich muss ja dazu sagen, ich war an dem Abend sehr, sehr krank, ich hoffe, man hat es nicht zu sehr gemerkt, das war wirklich eine der anstrengendsten Wochen, die ich hinter mir hatte, aber ich habe mich natürlich mega gefreut. Also ich habe es ja auch an dem Abend erwähnt, für uns sind diese Auszeichnungen nicht selbstverständlich und ich bin jetzt auch erst seit vier Jahren hier, ich gebe dieses Lob auch immer an meine Brauer weiter, ich sage, das sind eure Medaillen und eure Preise und die sind nicht selbstverständlich. Als ich 2013 angefangen habe, war ich mal auf einer Messe und dann habe ich gesehen, dass eine Brauerei aus Belgien irgendwie vier Goldmedaillen beim Beer Star gewonnen hat und ich habe mir gedacht, das ist ja unmöglich, in der Blindverkostung vier Biere einzusenden und die alle kriegen Gold, also wie gut muss die Brauerei sein. Und dann fange ich beim Schneider an und im ersten Jahr gewinnen wir dreimal Gold und im nächsten Jahr dreimal Gold und einmal Bronze und dann wieder Gold und wieder drei Medaillen. Und ich habe denen auch gesagt, es ist nicht selbstverständlich, dass ihr so konstant so gute Biere braut. Und mich freut jede Auszeichnung, weil diese Leidenschaft und dieses, wirklich, das ist ja manchmal, es hört sich von außen immer so romantisch an, aber es ist ja oft auch einfach ein frustrierender Job, wenn man sich den Markt mal anschaut und die Preise, die wir in den Supermärkten haben und sonst was, wir haben ja wirklich 1.000 Probleme und gesetzliche Auflagen und kaputte Maschinen und dann Mitarbeiter, die nicht zur Arbeit kommen und so weiter, es ist ja manchmal ein kompletter Wahnsinn. Aber am Ende, wenn man dann nach Hause geht und dann sieht man, okay, jemand honoriert das und findet das cool, was du machst und kriegst dann auch noch einen Preis dafür und dann so konstant immer wieder vorne mit dabei zu sein, das macht einen dann schon stolz. Und das gibt einen auch unglaublich viel Energie, dann am Montag wieder zu kommen und sagen, so jetzt machen wir wieder was besser und machen es noch mal und schauen, wo wir noch mal was besser machen können. Also das ist einfach eine riesen Bestätigung für uns und für das Team und wir freuen uns da immer mega drüber. Also das ist, egal wie klein der Preis auch sein mag, wenn jemand sagt, hey, euere Bier ist super, das ist ja auch schon ein Lob, ist ja auch ein Preis und finde ich cool.

Markus: Ja und auch in dem Fall kam es ja auch aus der Konsumentenecke, weil es der einzige Wettbewerb ist, wo eben nicht die Brauerei das Bier einreicht, sondern eben Leute das Bier einreichen, die es gut finden und dann muss es ja auch erst mal durch die zwei Vorrunden durch, also insofern, nee, also auch da noch mal Gratulation. Und man hat es dir auch nicht so angemerkt, also man hat gemerkt, dass du schon angestrengt warst, klar, aber nicht, dass du so krank warst und vor allem hat man die Freude gemerkt, das fand ich total schön.

Josef: Guter Schauspieler, guter Schauspieler.

Markus: Ja, wenn wir noch ein bisschen kurz in die Zukunft schauen, also du erlebst ja jetzt gerade auch wieder den Wechsel beziehungsweise ist ja gerade erfolgt von Georg VI auf VII, ja, ist das für so eine Brauerei wie Schneider dann tatsächlich ein großer Schritt, wenn da ein neuer Georg sozusagen kommt und gibt es da für euch jetzt auch Sachen, wo ihr sagt, da wollt ihr jetzt hier oder da in der Zukunft bestimmte Sachen neu andenken oder ändern oder einführen oder sowas?

Josef: Also es ist natürlich ein riesen Schritt, wenn ein junger Inhaber ins Unternehmen kommt, das ist ja heute auch nicht mehr selbstverständlich, dass überhaupt jemand sich das antut, in Deutschland ein Unternehmen weiterzuführen, es ist wirklich auch schwierig. Wer die Tagesschau mal am Abend irgendwie sich anschaut, der wird ja fast depressiv. Also es ist ein Zeichen auf jeden Fall, dass ein Junger kommt und sagt, wir machen weiter, also das ist für alle in der Brauerei natürlich der Wahnsinn, es geht weiter und es wird vielleicht mal einen Georg VIII geben. Im Moment gibt es einen weiblichen Nachwuchs, wer weiß, vielleicht haben wir mal einen weiblichen Chef, aber es geht auf jeden Fall weiter.

Markus: Wie heißt die dann, Georgina oder so?

Josef: Die heißt tatsächlich Josefine, also fast wie der Braumeister. Nee, es ist ein Umbruch, man merkt es natürlich und muss auch, ein junger Inhaber muss immer mit neuer Energie und mit neuen Themen kommen. Und die Zeit verlangt halt auch einfach, dass wir uns mit neuen Themen beschäftigen und da geht es viel um Klimatransformation, also Klimaneutralität und Energietransformation, um neue Produkte, um mehr Flexibilität, aber ohne halt am Ende das zu verlieren, was wir sind und wir sind halt eine authentische mittelständische Weissbierbrauerei im Familienbesitz und wir werden jetzt nicht morgen Coca-Cola machen, aber wir müssen uns halt mit neuen Produkten auseinandersetzen und so weiter. Und das ist eine schöne Findungsphase, wer sind wir und wo wollen wir hin und es ist jetzt gerade sich so am Einschleifen, aber es ist eine spannende Zeit, also auf jeden Fall, für alle Beteiligten.

Markus: Da schließt sich ja auch so ein bisschen der Kreis, weil wir ja mit Spanien quasi angefangen haben und ich ja schon erwähnt habe, dass dort aktuell mit 14 oder 15 Prozent das alkoholfreie Bier den größten Marktanteil in ganz Europa hat, immer noch Tendenz stark steigend. In Deutschland sind wir, glaube ich, zurzeit so bei 10 Prozent. Das Weissbier ist ja eigentlich ein Protagonist dieser ganzen alkoholfreien Ecke, dafür allerdings dann auch, sagen wir, eine etwas ältere Idee, Weissbier eben alkoholfrei zu machen. Seid ihr an dem Thema dann auch verstärkt dran und gibt es da vielleicht so neue Entwicklungen, also sage ich mal, zum Beispiel hat ja Einbecker jetzt den Null Bock rausgebracht, also ein alkoholfreies Bockbier, könnte man sich eine alkoholfreie Hopfenweise vorstellen, keine Ahnung.

Josef: Also lustigerweise, ich habe so ein Ideenbuch, wo ich immer alles reinschreibe, wenn mir mal irgendein Schmarrn in den Kopf kommt und ich den nicht vergessen will und da steht drin, Hopfenweisse entalkoholisieren. Es ist schon so, wir beschäftigen uns mit dem Thema, also erstens mit den Möglichkeiten, die wir halt jetzt schon haben, also wir haben ja eine Entalkoholisierungsanlage und wir machen ja schon ein Alkoholfreies und da haben wir uns natürlich auch jetzt die letzten Wochen und Monate auch unterhalten, ja, wir könnten auch mal was anderes drüber jagen, über diese Anlage, mal probieren, was passiert. Auf der anderen Seite arbeiten wir auch mit anderen Technologien, die es gibt. Wir verkosten auch sehr viele Biere von Mitbewerbern und reden da sehr viel drüber. Es ist halt immer schwierig, ich habe ja BWL studiert, also deswegen, vorher kam halt das Stichwort, ja, du hast ja schon viel gelernt, was du dann auch nutzen kannst und bei jeder Idee muss man sich natürlich auch die Frage stellen, da muss man ja oft auch investieren, kommt das Geld am Ende zurück und wie viel ist das Potenzial. Und es ist halt so, es ist im Moment 10 Prozent vom Markt, also 90 Prozent sind noch Biere mit Alkohol und es wird kommen, also man muss auf jeden Fall da immer auf der Lauer liegen und sich damit beschäftigen, aber wir werden jetzt morgen nicht für 5 Millionen irgendwo investieren in eine riesen große Fertigung für neue alkoholfreie Biere, ich glaube, dafür ist der Markt noch zu unberechenbar. Aber, wir haben sehr viele Themen in dem Bereich auf dem  Tisch und sehr viele Ideen und da wird bestimmt die nächsten Jahre noch was kommen.

Markus: Ja, da bin ich auf jeden Fall gespannt. Letzte Frage noch, kann das dann auch in ein nichtalkoholisches Getränk, was vielleicht gar nicht so als Bier sofort zu identifizieren ist, überführen oder ist man da noch ein bisschen vorsichtig?

Josef: Also auch diese Diskussionen habe ich schon geführt und wir haben uns auch damit schon beschäftigt, wie man sowas dann deklarieren würde und so weiter, also wir denken wirklich in Getränken, in Bier natürlich primär, aber es gibt ja keine Tabus, es sollte halt immer zu uns passen und natürlich muss es wirtschaftlich dann am Ende umzusetzen sein, aber der alkoholfreie Markt ist toll. Und gerade in Spanien, ich trinke da eigentlich sehr viel alkoholfrei, das hat den Grund, die schmecken alle toll und s hat eine ganz einfache Begründung, die haben kein Reinheitsgebot und die haben oft Aromen drin müssen, die schmecken wirklich fantastisch. Und da müssen wir uns wirklich halt noch rantasten, weil wir müssen es halt mit dem Reinheitsgebot genauso gut hinbekommen und da tut sich auch sehr viel und da wird sich auch sehr viel ändern und ich bin da guter Dinge, dass wir sehr viele sehr tolle interessante alkoholfreie Biere am Markt haben werden die nächsten Jahre.

Markus: Also da freue ich mich auf jeden Fall schon mal drauf und ich habe jetzt auch wirklich absolut die Überzeugung weiterhin, dass mit dir da der richtige Mann an der richtigen Stelle ist und zur richtigen Zeit. Also da freue ich mich auf weitere tolle Begegnungen in der Zukunft, sage dir auf jeden Fall schon mal vielen Dank für deine Zeit, für die Infos, für deine Offenheit und für deine Arbeit ganz von meiner Seite als Biertrinker und wünsche dir heute noch mal einen wunderschönen Tag.

Josef: Gleichfalls und vielen Dank, war sehr interessant.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.

BierTalk 153 – Interview mit Georg Tscheuschner, Gründer und Braumeister von Schorschbräu, Gunzenhausen

In dieser besonderen Live-Folge nehme ich euch mit hinter die Kulissen einer Erfolgsgeschichte, die mit einer Portion Sturheit, fränkischem Humor und viel Innovation begann. Im Gespräch mit Schorsch, dem Macher der legendären Schorschbräu, beleuchten wir den Weg vom ersten Sud bis zum stärksten Bier der Welt – inklusive aller Höhen, Tiefen und überraschenden Wendungen. Ihr erfahrt, wie aus Experimenten echte Rekorde werden, warum Authentizität wichtiger ist als Marketing-Gags und welche Philosophie hinter der Kunst des Bierbrauens steckt. Gemeinsam tauchen wir ein in die Welt extremer Biere, den Wettstreit mit BrewDog und die Herausforderungen, die ein Leben für den Geschmack mit sich bringt. Freut euch auf ehrliche Einblicke, spannende Anekdoten und die Antwort auf die Frage: Was kommt nach dem stärksten Bier der Welt?

Kommt in unsere Facebook-Gruppe und diskutiert mit: https://www.facebook.com/groups/bierakademie

Link für Apple/iTunes: https://podcasts.apple.com/de/podcast/biertalk/id1505720750

Link für Spotify: https://open.spotify.com/show/7FWgPXstFr1zR9Fm2G0UJS

BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute mal wieder eine Live-Folge und für mich eine ganz, ganz besondere, weil es eine ist, die wir schon seit Jahren planen, vielleicht sogar seit über 10 Jahren, obwohl es da den BierTalk noch gar nicht gab. Ich bin nämlich in Gunzenhausen beim dem Schorsch, der Schorschbräu macht, der ganz starke Biere macht, Weltmeisterbiere macht auf ihre Art. Und wir kennen uns schon lange, aber haben eben noch nie Gelegenheit gehabt, den Podcast zu machen und heute ist es soweit. Ich bin ganz stolz und ganz froh, hier sein zu dürfen, und vielleicht, George, sagst du ein paar Worte zu dir selber.

Schorsch: Ja, grüße euch, ja mei, ich bin der Schorsch. Ich habe irgendwann Mal beschlossen, nicht Lehrer zu werden und auch keine Karriere bei der Sportbundeswehr zu machen, sondern mich auf die dunkle Seite der Macht zustellen und habe dann Brauwesen studiert. Ich habe dann nach kurzem monetären Erholungsphase bei Coca-Cola, ich war jung und brauchte das Geld, habe ich mich dann selbstständig gemacht, habe eine kleine Brauerei gebaut. Und weil ich in Weihenstephan war und alle dort so komisch gesprochen haben, war ich also nicht der Georg aus Franken, sondern der Schorsch und dann machst du also keine, was-weiß-ich-was-Brauerei auf, sondern du machst halt eine Schorschbräu. Also keep it simple zieht sich bei mir ja durch alles so ein bisschen durch, es ist nicht riesen Storys, sondern es ist einfach machen und vielleicht mit Ergebnissen dann zu glänzen und nicht mit over doing.

Markus: Ja und ich denke, auch wirklich spannend, weil du eben aus eigener Kraft, mit eigener Innovation, mit viel, viel Liebe zum Detail und mit Durchsetzungswillen und Kraft und Vermögen es ja wirklich geschafft hast, eine Marke aus hier deinem Bier und eben dem Schorschbräu zu machen. Und vielleicht mal, bevor wir tiefer einsteigen, wo sind wir den jetzt? Also es geht darum, es geht um ausgefrorene Biere, Eisbock im landläufigen Jargon und da gab es lange Zeit so ein Wettrennen, wer schafft am besten %, ohne Alkohol zuzukippen, was ja manche gemacht haben. Und, ja, du hattest mittlerweile, glaube ich, über 70 % oder an die 70 % erreicht?

Schorsch: Nee.

Markus: Nee, okay.

Schorsch: Also offiziell habe ich 57, 7 beziehungsweise mit BrewDog dann dieses strang-4-numbers, während Corona hatten wir 57,8. Inoffiziell geht das Ganze noch höher, aber, ich glaube, dass der Spruch bei meinem Stärksten, der ja nach wie vor der Stärkste ist, also einfach der Schorschbock, 57. Und da haben wir ja auch den Spruch, dass das Ende das Werk krönt. Finis Coronat opus, das heißt, das ganze Werk wird wahrscheinlich erst wertvoll, wenn man damit aufgehört hat. Das heißt nicht, dass man mich postum irgendwo ehren soll, aber es muss auch mal gut sein. Also die Suche hat ja damals ein Ende gehabt oder hätte ein Ende gehabt mit BrewDog, die gesagt haben, das ist jetzt der letzte Sud, den sie machen. Wie hieß denn der?

Markus: End of History?

Schorsch: End of History, genau. Und dann habe ich also beim London BBC Live-Interview gesagt, ain´t over till my work ist erst vorbei, wenn der Schorsch sagt, dass es vorbei ist. Und so eine gewisse Resilienz gegen Conta, das hat sich ja aufgestaut damals und dann haben wir uns also gegenseitig überboten mit noch stärkerem Delta, also Unterschieden, ich 31, die 32 mit dem Tactical Nuclear Penguin. Also diese Kriegsnomenklatur mit Sink the Bismarck! oder was, die liegt mir nicht so, deswegen spreche ich mehr von Boxkampf. Und diese Leberharten dann mit 40 % von mir haben sie also nur mit einem leichten Kinntuscher 41 gekontert. Dann kamen von mir 43 und dann haben sie also gemeint, mit so einem richtigen halben Knockout mit HM 50 können sie mich also beeindrucken und da musst du also, wie habe ich gesagt, aus dem See der Tränen wieder aufstehen, also gewisse Resilienz, und typisch Fränkisches, das macht mir doch nichts, musst du halt dann wieder aufstehen und weitermachen, Krönchen richten, Mund abputzen. Und dann kam es also zu den 57 und zu der Aussage, es ist erst vorbei, wenn ich sage und dann haben sie es eingesehen, dass also mit Dudelsack und Schottenrock nichts zu wollen ist.

Markus: Absolut, ja, also super spannend. Die Geschichte, für all die, die das vielleicht jetzt gerade nicht im Hinterkopf haben oder vielleicht noch nie davon gehört haben, es war eben ein langes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen BrewDog und Schorschbräu, wer denn das stärkste Bier der Welt macht und da ging es eben immer wieder hin und her. Vielleicht kommen wir da auch gleich noch ein bisschen dazu, weil mich auch interessieren würde, wie du persönlich in der Zeit damit umgegangen bist. Das ist ja doch nicht so einfach, wenn man da immer wieder diese, ja, Konkurrenzsituation hat mit teilweise eben auch unter der Gürtellinie Schläge von der anderen Seite, zumindest so, wie sie es vermarket haben, aber da können wir dann noch ein bisschen draufkommen. Du hast ja jetzt gerade erst oder andersrum gesagt, wir sind ja jetzt hier in einer richtigen gestandenen Brauerei, eine Halle, die du extra dafür gebaut hast. Unser letztes persönliches Treffen war noch in deiner alten Brauerei sozusagen. Vielleicht, wenn wir da noch mal kurz zurückgehen so, weil du gesagt hast, du hast am Anfang überlegt, was anderes zu machen, ab wann hast du denn für dich gedacht, nee, Bier ist so das, wo ich mein Leben drum bauen möchte?

Schorsch: Ja, es gab einen Schlüsselpunkt, das war also dieses ominöse, wir schauen mal in das Buch rein, was man studieren kann in der Gymnasiumaula. Und auf einmal, die Story ist als tatsächlich so, schreit also der Stahl-Gregor, ej, da kann man Saufen studieren. Und ich sage, wie, wo? Ja, Seite soundso. Ich blättere, blättere, Diplom-Braumeister oder Diplom-Brauwesen und Getränketechnologie in Weihenstephan und da sage ich, hej, super, da fahren wir hin. Und das hat also sehr schnell meine Pläne, ich hatte dann Sportleistungskurs und Chemie und das hat dann meine Pläne sehr schnell durchkreuzt, weil ich habe mir dann gedacht, nee, also du gehst nicht gern in die Schule, dann musst du studieren und musst dein Leben lang zurück in die Schule, das willst du nicht. Und dann kam noch die Möglichkeit zur Sportkompanie nach Sonthofen gehen zu können, da hätte ich mich aber für 12 Jahre verpflichten müssen. Und meine Obrigkeitshörigkeit ist, glaube ich, nicht sonderlich groß ausgeprägt. das hat man in dem einen Jahr Wehrdienst auch gemerkt, also ich bin an etlichen Disis und Sonstigem vorbeigerauscht, weil ich manchmal einfach lachen musste. Und, ja, hast du aber machen müssen, weil Zivildienst 18 Monate damals war, Bundeswehr 15, dann wurde das runtergemacht, aber in der Zeit war es klar, wenn du Zivi machst, brauchst du noch mal ein Jahr länger, kannst du zum Herbst erst anfangen. Und dass ich das nicht machen will, mich 12 Jahre zu verpflichten, da wäre ich jetzt schon irgendwie pensioniert oder würde die letzten 2 Jahre, ich respektiere das alles, will das nicht bewerten, aber für mich war es eben nichts. Und dann kam eben dieses Ding, dann habe ich eben gesagt, Mensch, da interessiere ich mich sowieso für Bier, ich war ja also schon immer eifriger Student der Wirtschaftswissenschaften, also ich war mehr in der Kneipe als daheim und dann noch zusätzlich mal hier ein bisschen Bier gebraut und, und, und, dann ein bisschen Praktikum gemacht, mal reingeschnuppert, also das Klassische vom Hobby zum Beruf dann. Damals natürlich nicht so ausgeprägt, da hast halt irgend so einen Einmachtopf gehabt. Da war das alles noch nicht so, dass du das ganze Brauequipment und die Hefe oder sonst was, du bist halt zu irgendeiner Brauerei gegangen und hast gesagt, hast du mal und dann hast du was gemacht. Was am Anfang auch gar nicht so fürchterlich verzehrbar war, also einmal sauer, einmal sonst was, einmal zu lang stehen lassen und so und dann fängst du halt an zu lesen, woran liegt das. Aber das ist learning by doing und das ist ja auch immer, diese Erfahrung ist auch gut gewesen für das, was ich jetzt mache oder immer noch mache, manche Sachen kannst du weder studieren noch sonst was, du kannst das Grundwissen haben und die anderen Sachen musst du dir dann erschließen beziehungsweise manche Sachen laufen genau gegen das Schulwissen. Das ist ja das Spannende, das dann rauszufinden eigentlich auch irgendwo und zu sagen, hah, da sind ein paar Schlüssellöcher, durch die muss man durch und wenn man das mit Schulwissen macht, dann geht es in die Hose.

Markus: Und einen familiären Hintergrund irgendwie im Bereich Gastronomie hast du nicht?

Schorsch: Nein, mein Vater war Schreiner, hat mir dann auch bei der Brauerei sehr geholfen. Der erste Satz war, als ich gesagt habe, ich will eine Brauerei bauen, und mein Vater war keiner der großen oder lauten Worte, dann hat er gesagt, na, jetzt spinnt er, und das war also dann schon das Maximale, was ihm da entfleucht ist, jetzt spinnt er, und in dieser ruhigen Art war das dann auch dementsprechend wirkungsvoll. Und dann habe ich gesagt, nee, ich baue eine Brauerei. Und da hat er gesagt, ah und hin und her und Sicherheit und sonst was. Also mein Vater war ja noch im Krieg und die waren ja alle auf, bauen wir ein Haus und machen wir, ne, diese Ängste oder angstbehaftete Generation. Und ich durfte halt ohne diese ganzen, natürlich nicht mit großem Reichtum gesegnet, aber mit Enthusiasmus und auch konfliktfrei aufwachsen und von dem her war ich da schon frei im Kopf und war da also nicht irgendwo negativ konditioniert und habe halt einfach gesagt, hoppla, jetzt komme ich.

Markus: Kannst du dich erinnern, als dein Vater das erste Mal ein Bier getrunken hat, das du gemacht hast, wie das war?

Schorsch: Ja, es war ja dann Eröffnung beziehungsweise vor der Eröffnung und dann haben wir also ein bisschen am Tank gezwickelt. Mein Vater war kein Biertrinker oder generell kein Alkoholtrinker und dann hat er also den wiederum fürchterlich bedeutenden Satz gesagt, naja, das kann man ihn schon machen lassen.

Markus: Mehr Lob geht eigentlich nicht, oder?

Schorsch: Ja, das waren für seine Verhältnisse schon Jubelschreie, man musste es nur richtig interpretieren. Also da habe ich einfach so ein bisschen die Ruhe von ihm, von dieser Seite und von der mütterlichen Seite so ein bisschen diese Sturheit und das Durchgehen und das kann ja nicht sein. Also auch, wenn im Zwischenzeugnis immer gestanden ist, dem Schüler wird ein Übertritt ins Berufsleben angeraten, das war eigentlich die letztendliche Motivation, dann doch noch in Latein oder in Physik einen Vierer zu schreiben oder einen Dreier zu schreiben, dass du den Vierer noch kriegst. Das war für mich immer ….

Markus:  Ging mir ein bisschen auch so, ja.

Schorsch: Der Physik-Vertretungslehrer und der sagt, nee, Herr Teuschner, von Ihnen ist nicht viel zu erwarten und dann in der Ex eine 1 mit Stern. Und das Gesicht dann zu sehen, als der Lehrer Rosenzweig mir, das vergesse ich nie, mir diese Ex rausgegeben hat und mein Blick so nach dem Motto, da hast du dich aber getäuscht.  Und er hat dann gesagt, naja, in dem Teuschner, da habe ich mich wohl ein bisschen getäuscht, der kann schon, wenn er will. Und die sich Spannung und die Motivation so ein bisschen aufrechterhalten, da kommen natürlich solche Sachen wie das Stärkste oder sonstige Sachen, Eskalationen, kommt mir natürlich zugute. Ich habe ja jetzt den Nachfolger von dem großen Eichenfass, 6.000 Liter FAT SCHORSCH, das war ja ein Crowdfunding, haben ja ganz viele mitgemacht. Und jetzt ist es belegt schon wieder mit 6 Suden, 18 Hektoliter, also wieder 6.000 Litern, mit einem Bier mit 36,5 Stammwürzen im Durchschnitt. Also, ja, sozusagen Sudhaus-Eskalation.

Markus: Sozusagen, ja. Also wir sitzen ja davor im Moment. Also auch wiederum für euch da draußen, ihr habt ja wahrscheinlich jetzt gar nicht die Vorstellung, wo wir eigentlich sitzen, wir sitzen direkt vor diesem riesengroßen Holzfass und es lächelt uns ein bisschen an, muss ich sagen, ich bin mal gespannt, ob wir vielleicht nachher mal einen Schluck davon nehmen, probieren können, wie auch immer. Vielleicht ganz kurz, weil du es gerade gesagt hast, wenn du von 36 % Stammwürze sprichst, da würden ja viele sagen, wie kriege ich sowas überhaupt geläutert? War das mal eine Herausforderung? Hast du da deine eigenen Wege gefunden oder gibt es Technologien, was sowie geht?

Schorsch: Also am Anfang hätte ich nicht so viel darüber gesprochen und hätte gesagt in typisch fränkischer Zurückhaltung, das geht dich einen Scheißdreck an, jetzt bin ich schon ein bisschen offener. Bei mir ist eigentlich alles klassisch, also da gibt es verschiedene Läutermethoden, da gibt es verschiedene Läuterbleche. Ich habe einfach einen ganz klassischen Läuterbottich und habe einfach zu meinem Sudhausbauer gesagt, mach mir die Wellen ein bisschen dicker und mach mir Dings. Mittlerweile habe ich mir so eine Art Dünnschichtverdampfung noch gebaut, damit wir beim Kochen dann ein bisschen produktschonender sind, also die Kochbelastung nicht so hoch ist, und dann kannst du mit der Auswahl der Malze und sonst was, kannst du schon viel beeinflussen. Also der sollte jetzt nicht zu weit durchgären, da sollte ja der Alkohol nicht im Vordergrund stehen. Der hat jetzt knappe 16 % Alkohol, würde ich jetzt mal schätzen. Die letzte Messung im Februar war 15,3. Da geht es aber relativ langsam, das heißt, jetzt müssen sich dann erst die alkoholtoleranten Hefen wieder durchsetzen. Wie beim Amarone ist das ein bisschen, ein Recioto Amarone oder wie das heißt, also dieses Fass, das Geheimnis. Das ist so eine Zweitgärung dann, aber ich habe von den Malzen her das Ganze so ein bisschen schon runter gepuffert mit karamellisierten Malzen, damit der Endvergärungsgrad nicht so hoch wird, weil die eine Schiene sind die sehr hochalkoholischen Biere, was ja auch ein Schutz ist, was ja auch Aromageber ist. Und mit den Jahren nach Schorschbock hier, Schorschbock da, nach Eisbock- weiß-was-ich-was, und da hat die ganze Craft-Bewegung auch viel Gutes bewirkt, habe ich also dann mit Spezialmalzen mehr und mehr gearbeitet und gesagt, beim Rubin sollen also die roten Früchte, beim Stout dieses Espresso, Kaffee und sonst was. Dann haben wir einen Sud gemacht, die Mördertinte, jetzt mit 33 % echten Röstmalzen. Also das ist Eskalation eben auf der Aroma- oder auf der Malzseite. Das war jetzt Eskalation auf der Sudhausseite und das andere ist Eskalation bei der Fermentation oder beim Eisbock. Also ich möchte eigentlich überall so ein bisschen, mit Titeln hat das jetzt auch nicht mehr viel zu tun, weil ich bewerbe auch, dass ich sage, ist das stärkste Weißbier der Welt, das stärkste Ding, liegt eigentlich nicht im Vordergrund, sondern Aromen, Erlebnis, wie ist das Ganze harmonisch eingebaut. Wenn ich weiß, ich habe eins mit 33 Dingen, dann geht also jemand, der dunkles Bier nicht mag, da gar nicht ran. Das heißt, du hast also dann diese Espresso-Kaffee-Note, diese leichte Röstsäure hast du drin, dann hast du diese wirklich dunkle Schokolade, 70 % Anteil, wo du schon in der Schokolade diese Säure hast und das findet sich dann auch im Bier. Und das ist dann das Spannende, das also so umzusetzen noch, dass es für die Leute, die es schätzen, genau richtig ist, die anderen sollen es gar nicht probieren, aber von der Möglichkeit her nicht über den Punkt ist. Also da musst du dann fürchterlich, weil, wenn du zum Beispiel so ein normales, ich spreche jetzt mal von dem Sud, wenn du ein normales Red Ale zum Beispiel hast, dann hast du so, ja, 80 bis zu 100 % leichte Rotmalze, also da hast du vielleicht so ein bisschen Melaneutin oder hast das Red X 100 %, wenn du sowas als Imperial machst, wie ich mit dem Rubin, dann hast du nur noch 50% und dann hast du sowas mit so einer Stammwürze, da musst du das wieder runterrechnen, plus x, weil du ja die Auswaschung nicht ganz so hast und mehr im Malz bleibt, also kannst du das ungefähr rausrechnen, wo kommst du dann farblich hin, geschmacklich natürlich dann auch dementsprechend. Du musst halt aufpassen, dass es nicht zu arg weg ist. Wie man zum Beispiel früher gesagt hat, mehr als 7% klassisches Melaneutin-Malz schmeckt nicht mehr, dann hast du dieses melaneutinischen, gerade in einem Bockbier, Einfluss zu stark oder in einem dunklen Bier. Und da muss man auch aufpassen, dass negative Sachen, hier ist es die Maillard-Reaktion dann auch, das Rötliche, dass du es nicht überhandnimmt, wenn du so lange kochst und sowas, da musst du auch ein bisschen runtergehen von dem eigenen Wollen und musst sagen, jetzt müssen wir aber in Drinkability auch ein bisschen gehen. Was steht im Vordergrund, der Hopfen? Nein, also gehen wir in die roten Früchte, gehen wir in die Gärung, gehen wir in die Fasslagerung, dass das harmonisch wird. Ganz spannend, also nicht die Rekordsucht, sondern was gibt es denn sonst noch? Es ist, glaube ich sogar, außer, man würde jetzt ein Woken-Bier brauen, da können wir ja auch noch was dazu dann sagen, sind es so, ja, Eskalationen, aber gebremst.

Markus: Also das heißt, wir sind ja jetzt, also das finde ich auch total spannend, weil wir immer so ein bisschen hin und her springen zwischen den Anfängen sozusagen und dem, wo wir jetzt stehen, und das ist ja auch das Spannende, dass wir eben sagen können, du bist ja jetzt an dem Punkt, wo du ganz viel schon ausprobiert hast, viel Erfahrung hast, viel Wissen hast und eben weißt, an welcher Stellschraube du beim Malz, bei der Hefe, bei allem, beim Brauprozess, bei der Maschinerie drehen musst, um eben in die Richtung zu kommen, die du willst, das wusstest du ja am Anfang so nicht. Also als du angefangen hast, hast du dir die Brauerei gebaut damals, um einfach Bier zu machen oder hattest du schon im Kopf, starkes Bier zu machen?

Schorsch: Nee.

Markus: Oder wie hat sich denn das überhaupt entwickelt, dass du irgendwann gesagt hast, ich mache Pilz und jetzt mache ich eben Eisbock?

Schorsch: Also ich habe hell und dunkel gebraut, ganz klassisch und dann später noch Weizen im Fass. Das war auch gut, weil wir hier mit dem Gutmann-Weizen natürlich den führenden Weißbier-Experten eh schon hatten. Das heißt, es war im Fass noch was zu gewinnen für die Diskothek, dass Weizen sollte trüb bleiben, es sollte gut schmecken. Ich habe dann 15% Dinkelmalz damals schon rein, ganz interessant. Und immer, wenn einer gesagt hat, ja, du hast doch das Fassweizen. Ja, sage ich und da tue ich auch 15% Dinkelmalz rein, dass das so toll und nussig und sowas. Nee, hast du auch normales Fassweizen? Sage ich, ja, habe ich ja auch und dann habe ich das Gleiche halt gebracht. Ja und das läuft gut, das läuft super und hin und her. Und irgendwann habe ich gesagt, ja, das ist das mit dem Dinkel. Wieso, ich wollte doch das nicht. Da sage ich, schenke es halt einfach aus, jetzt hast du doch gesehen, es schmeckt den Leuten. Also es war damals alles schon klassisch, aber schon immer mit dem Touch, machst du was Besonderes rein, wurde aber natürlich komplett nicht gewollt oder sonst was. Dieses Beispiel hat also zeigt, das kann so gut sein, wie es will, äh, was Dinkel oder wie auch immer.

Markus: Und es hieß damals schon Schorschbräu?

Schorsch: Genau, ja.

Markus: Und wann war das, wenn wir jahreszahlmäßig so ein bisschen denken?

Schorsch: 96.

Markus: 96, woah.

Schorsch: Also wir kommen ins 30. Jahr oder wir sind im 30. Jahr so langsam. Und, ja, nach dem Weizen und irgendwann stellst du fest, da sind so viele Brauereien, die hier ins fränkische Seenland, ins Tourismusgebiet wollen und alle unterbieten sich, weil sie alle präsent sein wollen, dass, wenn die Leute heimgehen, das dann auch zu Hause trinken, genauso, wie wir hier mit Verkaufsfläche an Supermärkten erschlagen werden, und dann musst du dir was überlegen. Und da dachte ich mir, also okay, du musst raus aus der Region, dazu musst du etwas machen, was stärker ist, also was sich länger hält, deswegen Richtung Bock und was auch höherwertig ist, deswegen auch so dann andere Flaschen und sowas, damit die Transportkosten dann immer noch bezahlbar sind und jemand in Norddeutschland Interesse an dir hat. Und dann rufe ich also einen Kumpel an in Weihenstephan, der war noch dort, der war Doktorand schon und da sage ich, du, was kann man machen und sowas und ein bisschen so die Hefe und das habe ich vor und sonst was? Ja, sagt er, 10,5 und sowas kriegst du schon und dann schreibst du halt 11 drauf, dann sind alle glücklich und dann hast du also was ganz Starkes. Na, sage ich, nee, das langt mir aber nicht. Und er sagt, also mehr schaffst du nicht. Das Ding war halt, okay, wir machen eine Wette draus. Und ich habe dann die 6 Flaschen Champagner gewonnen, die wir nie getrunken haben, Marc.

Markus: Oh, okay.

Schorsch: Und er weiß hoffentlich, ich schicke ihm dann den Link zum Podcast und dann kann er sich mal überlegen, ob er mir noch was schickt. Und ich habe ewig viele Versuche gehabt und habe mir gedacht, nee, der Marc hat doch recht. Dann hatte ich irgendwann oben im warmen Büro am alten Standort, ich war ja 20 Jahre in Oberasbach, bevor ich hier gebaut habe, also Oberasbach bei Gunzenhausen, und dann habe ich gesagt, ich habe doch da noch irgendwo und da hältst du jetzt einmal die Spindel rein. Und das war nicht besonders tief und die Spindel war plupp weg und war dann auch kaputt, weil die also runtergerauscht ist auf diesen offenen Keg-Boden und dann war die kaputt. Und ich sage, häh, wie jetzt, wer hat denn da Wasser rein oder sonst was? Habe das also zum Messen eingeschickt, das kann man ja nicht selber messen, den Alkoholgehalt, so ein Ding, das schicke ich also nach wie vor in externe Labors, auch um so eine Kontrollinstanz noch dabei zu haben, eine externe, weil du brauchst es ja auch für Behörden und, und, und, und dann sollen die das messen und wenn der sagt, das sind nur 54,3 % Alkohol, dann ist es zu wenig, dann wird es nicht abgefüllt. Naja und dann war eben 13 % Alkohol beim dunklen Ansatz.

Markus: Lagerbier, untergäriges Bier?

Schorsch: Ganz normal, also ganz normales Bier, aber eben stärker eingebraut schon und Dings und natürlich Spezialhefe. Und dann habe ich gesagt, okay, also so, damit kann man sich sehen lassen, dann heißt das Schorsch, nein, den Donnerbock, ich habe das Donnerbock genannt. Und mit Etikett, der Blitz geht also in den Sudkessel, die zwei bayerischen Löwen auf der Seite. Wobei ich immer gern Franke bin, also ich sage heute noch, wenn einer sagt, ach, Sie sind aus Bayern, dann sage ich, nee, ich bin aus Franken. Ja, aber das ist doch in Bayern. Dann sage ich, nee, das ist nicht in Bayern. Also da begehe ich tatsächlich ganz gerne Realitätsflucht und sage, nee, wir sind Franken und wir sind nicht Bayern. Nichts gegen die Bayern, aber wir sind Franken, ne, das ist nochmal am Rande. Und habe also dann so ein schönes Etikett, Donnerbock. Dann kam eine Brauerei und hat gesagt, wir haben damals die Donnerbräu gekauft, zwar zugemacht, aber du verstößt gerade gegen unser Namensrecht. Das war aber, muss man sagen, sehr freundlich, also nicht aggressiv. Und dann habe ich gesagt, na gut, dann machen wir halt alles Schorsch, Schorsch war ja sowieso meine Benutzungsmarke, nennt sich das fachlich. Nun, dann bin ich halt auf Schorsch gegangen, das war im Endeffekt sehr gut. Und den Donnerbock, den haben sie nie gemacht. Also ich hätte damals auch sagen können, ja, nutzt ihr das? Wenn sie es nicht nutzen, kann man sogar eine Löschung beantragen von den Markenrechten, aber das wusste ich alles damals noch nicht. Wollte auch keinen Stress und hab dann alles Schorsch gemacht und so ist es also nach wie vor alles Schorsch. Und das hat sich dann festgeschliffen. Manche haben gesagt, der ist ein bisschen langweilig, gerade mit diesem Wettkampf dann gegen die Schotten. He’s a little bit boring, aber er ist halt glaubwürdig, das war so ein bisschen meins, nicht die Ultra-Stories und die witzigsten und sonst was-Videos, sondern der macht nichts anderes, der ist glaubwürdig und somit konnte ich auch meine Sachen am Markt platzieren, weil also garantiert war, dass ich nicht irgendwelche Destillate dazu mische oder sonst was fake. Die meisten Sachen, bis auf das Kirschbier, sind auch nach dem Reinheitsgebot gebraut. Das ist ja eine Diskussion und ich sage immer, Leute, macht eine Kann-Verordnung draus und keine Muss. In Bayern ist es ja immer noch Muss. Das ist ein bisschen albern, weil eigentlich überall auf der ganzen Welt, auch in Deutschland, egal welches Bundesland, wird das mittlerweile anders gehandhabt. Und dann, wenn man nicht aufpasst und jemand klagt einmal tatsächlich dagegen, wird dieses ganze vorläufige Biergesetz, muss man das ja streichen, und das wäre dann schade um den Dings. Und das umzuwandeln in ein schönes und tolles und auch authentisches Marketinginstrument, das wäre die Aufgabe eines modernen bayerischen Brauerbundes oder deutschen Brauerbundes, aber da traut sich niemand ran und jeder weiß aber, auf welch tönernen Füßen das alles leider steht. Also da, Bewahrer des Reinheitsgebots, die sich nicht bewegen wollen, sind eigentlich genau das, was sie den anderen Craftlern, die manchmal ein bisschen übers Ziel hinausschießen, vorwerfen. Die sind eigentlich die Totengräber des Reinheitsgebots, weil wenn wirklich mal jemand dagegen vorgeht. Jetzt haben wir bei Hasseröder da eben, dass sie mit Mais dieses Maisbier machen, dann kommt die nächste große Industriebrauerei aus Bayern, sagt, hier, Benachteiligung, wir machen das auch und dann ist es rum. Und dann gibt es vielleicht einen Prozess, dann wird es gestrichen und dann stehen wir also tatsächlich ohne tolle Identifikation da und das ist eigentlich die Gefahr, die ich irgendwo sehe. Ich habe immer gesagt, ich verstoße nicht dagegen, um keinen oder ich konnte dann, ja, Bockbier ohne weitere Bezeichnung, ist untergärig. Und ich habe also meine Hefewirtschaft, dann gab es also einen Prozess und Feststellungsklagen und Sonstiges und ich habe das immer gewonnen und habe aber gesagt, von mir aus öffne ich diese Büchse der Pandora nicht und ich würde es auch nicht aktiv anstoßen wollen, weil es tatsächlich so ist, dass das Reinheitsgebot eigentlich sehr gefährdet ist, aber eben durch die scheinbaren Bewahrer und nicht durch die Neuen, Frischen, die eigentlich einmal kreativ sein wollen. Das ist so ein bisschen gerade die Spannung, die hier ein bisschen im Raum steht und wenn sie noch ein bisschen hinmachen, sehe ich die Gefahr, ich habe schon mehr gesehen, auch bei Craft, habe ich immer gesagt, wo war das Craft-Beer? Ich habe den Meininger auch immer geschrieben, wo geht das alles hin? Und genauso kam es dann, dass die Sachen nicht mehr die wirklichen Craftbeer-Fans angezogen haben, weil die falschen Themen gesetzt wurden, dass es die Zeitschriften nicht mehr gibt, weil die zu stark von der Industrie. Natürlich muss man Umsätze haben, natürlich ist es wichtig, dass auch die anderen dabei sind, die können den Prozess ja auch befruchten, Bitburger, Kraftwerk oder sonst was. Wenn du die nicht hast, dann kommt das ja im Handel oder auch in der Gastronomie nie an von ein paar Verrückte, aber dann muss es doch halt irgendwo so ein bisschen authentisch bleiben. Und da hat man oft überzogen, auch die Etikettenbiere, die irgendwo produziert sind und dann nur irgendwas draufsteht. Und dieses overdoing übers Ziel hinaus sehen wir jetzt, dass Craft so ein bisschen Probleme hat und das wird beim Reinheitsgebot ähnlich kommen, dass irgendwann einmal abgeschafft wird. Was mir natürlich, ich nutze das ja auch als Marketinginstrument fürs Ausland, ich bin dann auch gerne Bavarian Brewery, weil die halt nichts anderes kennen, aber dann musst du dich damit auseinandersetzen, dass man dann mühsam auf die Suche nach einer neuen Regelung gehen muss, die man jetzt, wenn man sie reformieren würde, eben eigentlich schon hat.

Markus: Ich glaube überhaupt, dass viele Brauereien einfach anfangen müssen, umzudenken, was ihr Sortiment, was ihre Grundhaltung zu vielen Dingen angeht. Aber gut, da kommen wir sehr ins Bier-Philosophieren. Vielleicht nochmal zurück zu dir ganz konkret, du hast ja dann mit den stärkeren Bieren angefangen. Gab es da einen Zeitpunkt, wo du gesagt hast, ich höre mit dem hellen und dunklen und Weißbier auf oder hat sich das so durchgeschliffen bis zu einem gewissen Zeitpunkt? Und wann hast du den Hebel sozusagen umgelegt und gesagt, okay, jetzt lege ich los?

Schorsch: 2001 habe ich das erste Mal, war die Schröder-Wahl und dann haben sie also zu Schröder und Ding, hat man dann gesagt, da war ich bei Harald Schmidt dann, zu Ehren von Dieter Bohlen, da haben sie bei dem eingebrochen und seine Schrotflinte, haben wir heute einen Donnerbock. Also da hat der Antrag das dann so ein bisschen aufgegriffen, das war so nach der WM und dann haben sie gesagt, sie machen die Bierthemen ein bisschen weiter. Also bei Potenzpillenwerbung von irgendeinem Schauspieler gab es dann schlappes Sepplbier und sowas. Und dann eben auch Bohlen und seine Schrotflinte Donnerbock, 2001, glaube ich, war das so ein bisschen. Und bis 2004 habe ich dann normales Bier gemacht und dann kam also zunehmend, dass du auf der einen Seite Geld verdient hast und was verkaufen konntest, auf der anderen Seite immer weniger und immer komplizierter. Und dann habe ich dann 2004 gesagt, okay, ich mache den Schnitt, ich produziere nur noch diese starken Biere und gehe also weg von normalem Bier, habe dann meinen letzten Liter Hell verkauft und dann war Schluss. Der Stammtisch hat schon immer ein bisschen mitgesüffelt bei Eisböcken oder sonst was, das waren manchmal so ein bisschen Herausforderungen. Auch ganz interessant, einen Saphir, einen 30 %-iger Eisbock mit Saphir-Stopfen muss nicht immer das Beste sein. Das wird scharf ohne Ende, weil du einfach diese Schafe, das verstärkt sich, also das sollst du nicht glauben. Ich habe relativ kurze Kontaktzeiten gehabt und sehr kalt auch, um da nicht irgendwelche Geister hochzuheben. Und auch wenn du den Eisbock dann weiterverarbeitest mit zu viel Hopfung, ist die Frage. Das Interessante beim Eisbock ist, du kannst sehr schön steuern auch, du frierst nicht nur runter, sondern du kannst sagen, ich fördere zum Beispiel Farbbildung, ich friere runter und gehe dann mit der Temperatur wieder ein bisschen zurück und dann diese Farbpartikel, die ja im Bier sind, die gehen dann wieder in Lösungen mit, die drauf auf dem Kristall sind und gehen dann wieder runter. Du kannst ein Bier immer dunkler frieren, du kannst aber auch ein Bier zu so einen goldenen, hellen frieren, das ist dann praktisch wie Goldfarben, leicht opal und sowas. Also es schaut ganz interessant aus und du denkst dir ja, wo ist denn die Farbe hin, das geht also ratzi fatzi. Und dann kannst du da viel steuern und du kannst bei den Geschmäckern schon steuern, wenn du einen Negativfaktor, der durchs Frieren sich verstärkt, nicht rauskippt, frieren, ausfrieren ist ja auch ein reinigender Prozess. Icerifing, also Eisreifung ist nicht nur, du kannst höhere Alkohole, du kannst sowas loswerden auch zum Beispiel, du kannst Ester loswerden, du kannst auch zum Beispiel Bittere, kannst du fördern, dann kriegst du einen Eisbock, den kannst du nicht mehr saufen, weil der so bitter wird und so rasch, oder du kannst einen Eisbock dazu benutzen, um das zu harmonisieren. Also da hast du fürchterlich viele, wenn man dann die Erfahrung dann hat. Oder du sagst, ich mache jetzt einfach wie alle, mache ich eine Kalthopfung und dann wird das also dermaßen scharf, dass du sagst, sowas mache ich nie wieder und die nächsten 5 Jahre von Kalthopfung die Finger lässt. Aber bei mir ist es auch so, das muss ja in 10 Jahren noch schmecken. Wir haben ja keine Haltbarkeit mehr drauf. Das heißt, mittlerweile schreiben wir auch auf das Etikett so ein bisschen drauf, über die Jahre verändert sich das Ding. Der Techniker in mir muss ja auch ein bisschen dazulernen. Wir sind schon lang weg von eiskalt genießen, da sind auch noch Etiketten unterwegs. Das ist natürlich für einen starken Bock das Schlimmste, was du machen kannst. Aber jetzt ist ja die Kundschaft so weit, dass sie sagt, wir wissen genau, dass sich ein Bier über die Jahre verändert, wie beim Wein. Und wir wissen auch, dass man die Aromen rausschmeckt, wenn es wärmer ist. Das war ja zu den Zeiten, wo ich jetzt rede, vor 10, 15 Jahren war das ja, oder fast schon 20 Jahren, muss man ja sagen, war das ja alles noch nicht so. Keine Haltbarkeit mehr draufschreiben, wenn du irgendeinen Händler hast, der nach X Jahren kommt und sagt, das schmeckt nicht mehr oder sowas. Deswegen lässt du erst mal die Finger von diesen Aromaölen im Hopfen. Beim Blond zum Beispiel habe ich es dann gemacht mit tatsächlich Hallertauer Blond, also diese weißweinige Note mit einer zusätzlichen Sektgärung, weißweinige Note und sowas, da habe ich also diese Frische, diese Säure gefördert wie beim Weißwein. Und da habe ich gesagt, okay, mit Restzucker dementsprechend im Körper, also ein bisschen Cara dazu, damit auch irgendwas den Sauerstoff, den du zwangsläufig mit reinbringst, aufnimmt. Und der hat sich jetzt über die Jahre, es sind noch ein paar Flaschen da, eher verbessert als verschlechtert. Und mein Großes ist immer dieses von früher, diese Käsefüße, wenn sowas dann rumoxidiert, dann kriegst du halt Käsefüße und mit der Erfahrung oder mit den Jahren sagst du, nee, also auch in einem langgereiften Bier bleibt es meistens positiv.

Markus: Da hört man jetzt auch raus, wie viel eben Erfahrungen du damit schon gesammelt hast. Das bedeutet ja auch, also man macht ja bestimmt nicht am Anfang alles immer richtig, dass da schon auch viel Lehrgeld ist, was man da an der Zeit bezahlt. Und vor allem in einer Flasche von deinem Bier stecken ja viele Liter von klassischem Bier, sage ich mal, oder zumindest die Rohstoffe. Wie war das denn am Anfang so, oder wie hast du das entwickelt?

Schorsch: Wenn eine Schorschbräubrauerei ein Raw Ale macht oder ein Raw Beer, dann macht er das nicht im kleinen Topf, sondern dann macht er das mit einer dreiviertel Tonne Schüttung, wie alles andere. Also die Erfahrung war halt, wenn der Schorsch was ausprobiert, dann macht er es gleich großtechnisch. Das heißt, wenn der Schorsch ein Raw Ale macht, dann macht er auch ein Raw Ale und zwar nicht, dass er die Würze halt einfach nicht kocht, unter 80 Grad hält, damit die Schwefelstoffe nicht so rauskommen, sondern der kocht das Ganze auch nicht, aber er lässt es auch nicht über den Läuterbottich, das heißt die ganze Maische wurde vergoren, komplett, Spelzen, alles dabei. Überwiegend Weizenmalz, überwiegend Dinkel, ist natürlich fürchterlich in die Hose gegangen. Also dadurch, dass du es nicht richtig runterkühlen kannst, weil du mit der dicken Suppe natürlich nicht über irgendwelche Kühlungen gehen kannst, stand es schon warm, dann mit der Vergärung und, und, und, dann kriegte ich also Würzebakterien rein, die kriegst du auch nicht mehr raus und dann hast du nach 5 Tagen auch gesagt, ich kann es nicht mehr riechen, ich gebe es also auf die Wiese. Das hat der Wiese auch nicht gutgetan. Aber das sind so Erfahrungen, da sagst du einfach, hej, learning by doing, ja, aber du musst schon noch die technischen Grundlagen beachten. Also was man nicht tun kann, ist so eine dicke Suppe, die ja durch die Gärung dann noch mal zusätzlich Gärungstemperaturen, also Arbeitsenergie entwickelt, das kannst du nicht einfach so stehen lassen und sagen, naja, das sind jetzt zweimal 500 Liter und diese 500 Liter, die geben dann die Energie ab. In einem großen 2000-Liter-Tank funktioniert das ja auch, wieso soll das bei 500 Liter nicht funktionieren? Weil das Ding so dick ist und so suppig, dass es sich selber isoliert und dann kriegst du Temperaturen und dann kriegst du natürlich Dinger und da denkst du dir, schnell weg, wenn es keiner sieht und vorher vielleicht auf die Wiese kippen, nicht, dass irgendwann einmal die Leute vom Ding anrufen und sagen, ej, was hast du uns da in die Kanalisation gekippt? Das sind so Sachen, das ist aber dann mehr Übermut, aber bevor es beim Kunden natürlich ankommt, da muss man dann auch mal die Reißleine ziehen und sagen, nein, zu experimental. Es muss schon das rauskommen, was ich vorher wollte. Wenn ich zu weit von dem weg bin, auch wie bei der Fassbelegung jetzt bei den 6.000 Litern, das Fass ist aus Schweden aus einer Brauerei, da war Sauerbier drin. Die Jahre von 2005 bis, weiß ich nicht, 2017, glaube ich, war es Rotwein, den hast du also an dem Produkt noch deutlich gemerkt und du musst das Sauerbier, die Mikrobiologie im Fass und, und, und, soweit unter Kontrolle kriegen, dass du sagst, da ist jetzt nur noch ein leichter, gewünschter Touch von diesem Einfluss und es dauert natürlich Wochen, bis du diese Säure aus dem Holz rauskriegst und dann musst du es ja noch reinigen und, und, und. Und wenn das zu weit von dem weg ist, was ich mir vorstelle, dann wäre das Experiment gescheitert, weil ich keinen Cuvée, Barrique, FAT SCHORSCH irgendwo anfangen will und dann sagen will, eigentlich wollte ich ja ein Sauerbier machen. Also ich bin einer, der von vornherein auch seine Sachen so kommuniziert, dass man dann nicht sagen kann, naja, wenn es wieder mal mit der Fassreifung nichts geworden ist, dann verkaufen wir es halt als Sauerbier oder so, das ist nicht so meine Welt, dann muss es halt eher Canale Grande. Viel ist mir nicht passiert, aber doch einige Sachen, wo ich gesagt habe, nee. Beim Eisbock auch, dass du sagst, boah, das ist ja so eine dicke Suppe. Das ist ja oftmals die Gefahr beim Eisbock, dass man so eine zuckrige Suppe irgendwie zusammenkriegt, deswegen habe ich ja so hochvergorene Biere auch. Und dann hast du hinterher irgendwo, wo du denkst, da hast du schon die Zuckerkristalle auf der Zunge, das ist ja auch nicht unbedingt mehr ein riesen Genuss, sondern das ist nur noch was für einen Arzt und Diabetes-Medikamente, so nach dem Motto. Es soll irgendwo alles im Gleichgewicht bleiben, also auch, wenn du einen Rekord schaffst. Ich habe immer gesagt, wenn ich schnell vergärbaren Zucker nehmen müsste, um den Alkohol schon vor den Eisbock, um die Vergärungsgrade hochzutreiben, dann würde ich es lassen. Das war auch immer die Aussage, wann ist deine Rekordsuche zu Ende, in dem Moment, wo ich mich selber in der Technik nicht mehr wohlfühle und für mich sage, naja, das ist jetzt irgendwie kein Bier mehr. Steuertechnisch ist es übrigens ganz interessant, da sagt dir der Zoll, wann das noch Bier ist oder nicht. Der Zoll teilt es endgültig ein, steuerrechtlich und wenn der Zoll sagt, das ist zwar alles so hergestellt wie Bier, aber das schmeckt nicht mehr nach Bier, dann sagt der Zoll, dass das ein Destillat ist und dann zahlst du Destillatsteuer, also dann zahlst du Brandweinsteuer zum Beispiel.

Markus: Echt?

Schorsch: Ja, ganz interessant, oder Zwischenerzeugnissteuer oder wie auch immer, aber es ist dann kein Bier mehr, also auch keine Biersteuer. Ich habe ein Gutachten über vielleicht 10 Seiten, dass das alles Bier ist, steuertechnisch, weil sonst dürftest ich es ja auch nicht als Bier in die ganze Welt verkaufen, bräuchte ich ein anderes Steuerlager.

Markus: Apropos die ganze Welt, wann ging das denn los, also dass du gesagt hast, okay, jetzt gibt es dich auch in China zum Beispiel oder so?

Schorsch: Boah.

Markus: Ungefähr.

Schorsch: Also ich kann mich an eine Geschichte erinnern, da haben wir gerade einen chinesischen Importeur bekommen und da ist ein Kumpel von mir 40 geworden und auf dessen Geburtstag kam dann das Ding auf, ja, der verkauft ja mehr Bier woanders hin, als dass er zu mir vorbeikommt und normales Bier wieder braut. Der hatte eine Kneipe und daneben steht also ein besoffener Kumpel, der für Audi in China war und sagt, das stimmt, aber schau mal da, weil da ist er in Beijing, im Flughafensender steht Schorschbräu. Großes Gelächter natürlich, also das ist jetzt schon 15 Jahre so was her, 14 Jahre, ja.

Markus: Also das hast du gar nicht so mitbekommen am Anfang, wohin dein Bier verkauft wird?

Schorsch: Doch, natürlich, weil ich mir ja die Importeure, das musst du ja direkt machen, dann musst du dich mit Zolldokumenten auseinandersetzen, also das heißt so eine gewisse Burn-Out-Phase, bis man da durchsteigt und, und, und, also das konntest du schon alles nachvollziehen.

Markus: Und die haben sich bei dir gemeldet sozusagen?

Schorsch: Teilweise, teilweise. Also ein Getränkehändler meldet sich nie bei dir, der hat jemanden, der sagt, da könnte jemand Interesse haben, aber der würde nie selber kommen, weil dann hat er Angst, dass er die schlechteste Einkaufsliste. Das ist auch so ein bisschen mein Problem, ich bin ein relativ guter Techniker mittlerweile, mir passieren kaum Fehler oder wenig Fehler, sagen wir mal so, ich habe alles gemacht, ich habe alle Rekorde gemacht, nur ich bin kein toller Verkäufer, deswegen hakt die ganze Geschichte. Natürlich jetzt, Craft dreht sich, du hast in Deutschland, international ist es auch nicht so toll, in China vor allem. Mein größter Kunde sitzt in Vietnam, zum Beispiel. Jetzt möchte ich ein bisschen nach USA kommen, erst einmal mit dem stärksten Bier der Welt, um da ein bisschen Fuß zu fassen. Aber es läuft dir im Moment wirklich niemand mehr hinterher und sagt, kann ich dein Bier haben. Also das heißt, jetzt fehlt so ein bisschen der Verkäufer in mir, aber du kannst nicht alles können. Deswegen bräuchte ich eigentlich jetzt da zusätzlichen Input oder jemand, der mal sagt, wer sich angesprochen fühlt, weltweiter Vertrieb, ich kann sowas, ich habe sowas vielleicht schon mal gemacht und kann diese Strukturen für den Schorsch aufbauen so, dass er das dann machen kann oder jemand dauerhaft damit auch Geld verdienen kann, wenn er sowas übernimmt, also da, Schorschbräu, da fehlen mir so ein bisschen die Skills, würde man neudeutsch sagen, deswegen sprechen wir ja jetzt bei mir in der Brauerei vor dem alten Tisch und nicht auf meiner Yacht.

Markus: Ja, was aber okay ist, absolut. Und vielleicht hört ja der eine oder andere oder die eine oder andere zu, die sich da berufen fühlt, dann können die sich sicherlich bei dir melden und dich unterstützen. Jetzt, wo du gerade noch mal gesagt hast, stärkstes Bier der Welt, da gab es ja dann diese BrewDog-Geschichte, die du am Anfang schon erwähnt hast, vielleicht können wir da noch mal ganz kurz so an den Anfang springen. Wann hast du denn Wind davon bekommen, also haben die sich direkt an dich gewendet oder war das gleich in der Öffentlichkeit mit diesen Videos oder so und wie ist es denn jetzt am Ende? Also ihr habt ja dann diesen Collaboration-Sud gemacht und jetzt machst du aber wieder alleine, wie ist das so der Stand, vielleicht so.

Schorsch: Naja, angefangen hat es ja, dass ich ja das stärkste Lagerbier der Welt hatte, 16 % Alkohol und dann kam also, war mal im Fernsehen, Jumbo auf der Suche nach dem stärksten Bier der Welt und, und, und. Und auf einmal ruft VOX, der Sender an und sagt, sie würden gerne einen Vergleich drehen, Schorschbräu gegen das stärkste Bier der Welt. Da sage ich, ja, ich habe das stärkste Lagerbier der Welt, was gibt es denn noch? Und ich habe immer Eisbock, ja, Franken, Kulmbach und, und, und, ja, Eisbock gab es und wusste ich auch, aber Eisbock war für mich irgendwie nie auf dem Schirm. Und dann sagen die, ja, da gibt es einen in Berlin, den Thorsten Schoppe und der macht was mit 27 irgendwas, der hat wohl was bei Mühlfeld Bräu geschlagen mit 26 irgendwas oder sowas. Ach, sage ich, ganz interessant, aber das ist mit Sicherheit kein normal gebrautes Bier mehr, sie sollen doch mal recherchieren. Ja, das wäre ein Eisbock. Dann sage ich, dann können wir aber keine Sendung drehen, weil ich kann nicht mit dem schnellsten Fahrrad der Welt gegen ein Motorrad, das geht nicht. Das ist nicht, dass ich sage, getuned oder sonst was, sondern das ist eine ganz andere Geschichte. Das haben sie dann auch eingesehen, dass man da keinen Vergleich drehen kann. Und dann kam also so die Überlegung hoch, was kommt denn raus, also da war ja nie von vornherein irgendein Wettkampf, sondern was kommt denn raus, wenn ich auf mein Bier die Eisbock-Methode mal einfach draufsetze. Und dann waren es also 31, damit das stärkste Bier der Welt und dann ging also, kamen die Schotten dazu und haben sich da reingedingst und dann ging die Eskalation eben los. 15 Jahre, 16 Jahre, glaube ich, habe ich jetzt den Titel, bilde ich mir ein, das war, glaube ich, 2011 oder so. Seitdem tut sich nichts mehr, beziehungsweise ich habe ja dann die ersten paar Jahre, haben wir uns noch hochgeschaukelt und seitdem habe ich also den Titel „Stärkstes Bier der Welt“ und dann war diese Gemeinschaftssache und jetzt geht halt jeder seiner Wege. Ich denke, für die war es ganz gut, mit ihrem Guerilla-Marketing da noch mal einen draufzusetzen und den Schorsch ein bisschen durch den Kakao zu ziehen. Im Nachhinein sage ich, okay, witzig. Ich habe dann auch natürlich stiller als die davon profitiert, aber ich war halt immer der boring und der macht halt nur Schorschbock soundso und Schorschbock soundso und macht halt einfach dann irgendwann, so nach dem Motto, macht euch um den Schorsch keine Sorgen, je weniger ihr von ihm hört, umso mehr steht er irgendwo und tüftelt und macht, der hört nicht auf. Also da hat sich ja Franken, Bayern und Sämtliches solidarisiert, auch mit üblen Auswüchsen, wie, da sind 3.000 Leute auf der Bismarck umgekommen, wie ich denn und ich müsste doch. Da sage ich, Leute, das ist alles nicht mein Thema. Und als Deutscher solltest du dich auch da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und diese ganzen Kriegsnomenklaturen, habe ich gesagt, das will ich nicht. Das darf ein Engländer, das darf er traditionell, das darf er, weil er einfach so ist, aber das Stöckchen, das mir da auch hingeschmissen wurde, muss man natürlich auch so sagen, über das darfst du natürlich nicht drüberhupfen, sonst können sie dich vielleicht auch berechtigterweise zerrupfen. Und ich wollte also, egal wo, habe ich immer gesagt, Leute, wenn ihr euch mit mir über Bier unterhalten wollt, ganz gerne, aber sobald eine Note von Kriegsnomenklatur, Revanchismus oder sonst was dazu kommt, dann bin ich so schnell weg. Und dann kam also VOX, wollte dann noch mal drehen und wir brauchen doch eine deutsche Fahne und Sonstiges. Sage ich, nee und dann habe ich auch gesagt, nee, ich drehe mit euch nicht, weil ich weiß nicht, was ihr im Schneiderahmen aus mir macht. Macht ihr den German Kraut-Boy oder sonst was, sage ich, will ich nicht, habe ich dann auch abgelehnt. Der Einzige, weil man das als Boxkampf so ein bisschen aufgebaut hat, das war dann der Christoph Süß vom BR. Dem habe ich also tatsächlich zugetraut, dass er nichts Böses aus mir machen will und dann haben wir das so auf Boxkampf und der Leberhaken und die nächste Runde und so. Das war dann ganz witzig, da habe ich mich dann auch zu einer fränkischen Fahne überreden lassen, weil ich also wusste, dass der Christoph Süß mich da nicht zum V3-Bockbräu oder sonst was.

Markus: Und das ehrt dich auch, muss ich sagen, weil die Versuchung ist natürlich naheliegend und damals eben hat man auch versucht, das in die Richtung zu drehen. Vielleicht nur ganz kurz, wie kam es dann zu diesem Collab-Finale, sagen wir mal, war das pandemiebedingt oder hattet ihr das eh vor?

Schorsch: Ja, das hat schon ein bisschen sowas. Aber noch ein bisschen was zu meiner Philosophie, also ich möchte mit solchen Geschichten, Nummer eins, kein Geld verdienen, also so à la Hitlerwein in Italien oder sonst was. Und auch von den Etiketten her, von der Bewerbung her, dass ich sage, ich möchte den Biertrinker ansprechen, der jetzt irgendwas Gehobenes will, der eine neue Erfahrung machen will und ich will aber nicht den schnellen Verkauf, dass ich sage, eine Literflasche mit 13% und eine Maß Riesenrausch oder so. Das war immer so die Vorstellung von mir, wie man auch verkaufen kann, was ich aber nie wollte, um eben den Alkoholkonsum oder wie der Volker Quante sagen würde, Ergebnistrinken in den Vordergrund zu stellen, sondern den Genuss. Und das muss man für sich schon einhalten wollen, weil die Versuchungen sind natürlich groß, dass du dann sagst, nee, es läuft nicht so, dann machen wir halt mal ein bisschen auf Megabock, Rauschbock, Riesenrausch und sowas. Ist ja in der heutigen Zeit noch weniger angebracht, aber zu der Zeit, auch damals schon, habe ich für mich gesagt, das will ich also nicht. Auch im Umgang mit anderen Brauereien, auch im Umgang mit der Bewerbung, dass man eben schon so sensibel bleibt, dass man mit seinen starken Bieren gar nicht in die Richtung gedrückt werden kann. Also eine hat einmal gesagt, wie ich das machen kann, sage ich, solange es eine 1-Liter-Flasche Wodka für 5 Euro, ich übertreibe jetzt vielleicht ein bisschen, im Penny-Markt gibt, braucht sie mir nicht vorwerfen oder sonst was, weil mein Alkohol ist mit Sicherheit der teuerste auf dem Markt und soll ja eine Genussgeschichte sein, von den Einheiten, von den Flaschengrößen, von den Dings her. Natürlich gibt es die 3-Liter-Flasche jetzt FAT SCHORSCH, aber das ist ja wirklich nur für die Bierspezialisten und nicht, dass sich da 3 Mann hinhocken und sich dann zusödeln oder sonst was, das will ich auch gar nicht. Es gab Versuchungen, oder wenn einige sagen, sie brauen billig in der 500-Milliliter-Dose für irgendeinen afrikanischen Markt, dann geht es eigentlich nur darum, weil die muslimisch, teilmuslimisch sind, keine Destillate, aber ansonsten muss das knallen und da müssen die Leute, also dann sozusagen die Süchtigen befriedigt werden oder was. Will ich nicht, ist nicht meine Welt, nein. Und da muss man also oder hat man Haltung oder hat sie nicht. Und da sehe ich auch die Aufgabe, ich weise auch immer wieder auf die Gefahren von Alkohol hin. Jetzt habe ich mich selbst sozusagen mit einem wichtigen Thema, wie sagt man, die Überleitung gebracht, also mir ist immer wichtig, dass die Leute, egal welchen Alters, vernünftig mit Alkohol umgehen. Alkohol ist ein Gift, Alkohol ist suchtauslösend. Und da habe ich so ein paar Sachen, die ich immer wieder, früher hatte ich viel Brauereibesichtigungen und wenn dann die Jungen von der Feuerwehr XY oder was da waren, habe ich das auch immer erzählt, du kannst über Leberdoping und sonst was sprechen, vorglühen, damit du abends die Leber schon, aber du musst auch den anderen Teil beachten und das heißt, du musst den Leuten so ein kleines Rezept oder so ein kleines Ding an die Hand geben. Also ich trinke zum Beispiel nie allein, ich habe Bier daheim, aber wenn kein Gast da ist oder sonst was, nicht einmal abends zur Brotzeit. Das hört sich jetzt für einen Braumeister doof an, ist aber so und ist einmal eine ganz große Ausnahme, dass ich einmal so einen Durst habe, dass ich sage, jetzt trinke ich noch ein Bier. Und dann sagt meine Frau am nächsten Tag, wer war denn da noch, weil da eine Flasche oder zwei stehen? Das ist also äußerst selten. Also ich trinke nicht allein, ich bin auf Gesellschaft auch konditioniert, geprägt, von der Kneipe her. Ich trinke nie aus Frust, weil dann kommst du ja in diese Kompensationsspirale rein und ich trinke nicht unter der Woche. Also das heißt, es gibt mehr als genug Leute, die sagen, der Schorsch, der übertreibt es doch, jetzt wieder an der Kirchweih, also da bin ich schon mal so, dass ich auch auf Ergebnistrinken gehe, aber dann gibt es am nächsten Tag schon mal kein Bier, am übernächsten nicht, und, und, und. Außer es ginge dann noch auf die Wiesen oder sonst wo hin, dass du einfach mal so ein paar so aneinanderhängende Sachen hast, aber dann wieder mindestens 1 oder 2 Wochen mal dazwischen, also eigentlich ist es dann bis zum nächsten Wochenende. Wenn es am Stammtisch schon mal 10 Bier sind, dann sind es mal 10 Bier und der Verdauungsschnaps, weil das Schäufele ist ja halt immer so fett, aber dann muss wieder Ruhe sein und diese Auszeiten, dieses Trinken als positive Geschichte einzubauen. Und jetzt kommt was, was ein bisschen schwierig zu verstehen ist, aber dem Alkohol keine eigene Position geben. Der Alkohol hat eine Aufgabe, da wird er ganz klar hin verwiesen, darf mich auch mal aus der Realität rausziehen, also so eine kleine Eskapismus-Sache, ich darf mich auch lustiger machen, als ich eigentlich bin, aber nicht ständig. Dahin, wie so ein Dog oder so ein Ding, den man rausholt und dann aber wieder absperrt. Und das ist das Wichtige, dass man sagt, genauso, wie ich allen anderen Sachen auch eine Aufgabe zuweise, genau definierte Aufgaben bekommt er und nicht mehr. Und die kleinen Ausnahmen, das kleine Nachgeben über die lange Zeit, über die Jahre, das führt dann in die Sucht. Das heißt, ich kann auch nicht hergehen und sagen, ach, ohne mein Sektchen, ich beim Möbelkaufen, die Mädels da, Prösterchen, ach, ohne mein Sektchen, da bin ich in der Früh ganz dingig. Ja, freilich. Das hat aber nichts mit dem Blutzucker zu tun, sondern weil du sonst gar nicht mehr in die Gänge kommst. Und diese Gewöhnungen, diese Eingewöhnungen, dieses Zulassen auch, nichts. Ich habe als Brauer so viel gesoffen und dann irgendwann konnte ich nicht mehr schlafen, da haben die Füße so gezogen, weil ich trainiert noch habe, und dann denke ich mit, irgendwas stimmt doch nicht. So, jetzt trinke ich mal ein kleines Bier und wenn ich dann schlafen kann, dann muss ich mir Gedanken machen. Ich habe geschlafen wie ein kleines Kind und dann wusste ich, aha, das ist nicht Füße ziehen wegen Sport zu viel oder sonst was, sondern das ist Muskelschmerzen, weil da schon ein Entzug da war. Und den Sachen, wenn man halt nachgibt oder aus Bequemlichkeit nicht mehr wieder dagegen geht, das ist dann der Weg in die Sucht. Also Spaß haben. Warum sage ich das? Mir hilft jemand auch betriebswirtschaftlich, das ist ja jetzt nicht, dass ich sage, ich bin ja der Gutmensch, ich bin ja der heilige Schorsch, der alle nur vom Alkohol abhalten will, sondern mir ist einer, der 60 Jahre lang Alkohol trinkt in Maßen lieber, als einer, der 5 Jahre exzessiv trinkt und dann den Rest seines Lebens rumläuft und sagt, ich darf nicht mehr oder in irgendeiner Entzugsklinik vor sich hinvegetiert. Das heißt, der vernünftige Umgang, halbwegs vernünftige Umgang, sage ich jetzt einmal, ist eigentlich auch für die Brauer das Bessere, weil wir dann die Kundschaft auch länger haben und auch nicht in diese ewigen Alkoholdiskussionen kommen würden.

Markus: Wo wir gerade dabei sind, kannst du dir ein alkoholfreies Schorschbräu vorstellen?

Schorsch: Kann ich mir ein alkoholfreies Schorsch vorstellen? Du bist gut. Mittlerweile ja. Warum? Die Urbrauerei des Bockbieres, Einbecker hat jetzt ein alkoholfreies Bier aus einem Doppelbock gemacht oder aus einem normalen Bock, ich weiß gar nicht, ich glaube sogar aus einem Doppelbock, um eben die Aromen, die du durch diese lange intensive Gärung hast, zu pushen und einfach den Faktor Alkohol, der die Aromatik ja eigentlich hebt, rauszukriegen und dass das nicht flach wird. Jetzt muss man natürlich sagen, ist das aber in einem gewissen Maß an Alkohol, Aromen und sonst was möglich, aber nicht sinnvoll. Also da gibt es mit Sicherheit andere Brauereien, wo man sagt, da haben wir jetzt ein Bockbier, diese Aromatik, da kann man mit Malzen so viel spielen, dass man diesen Alkohol gar nicht braucht, um einfach das Aroma darzustellen, um diese Würzearomen, um dann dieses Flache zu maskieren. Aber dazu braucht es keinen Schorschbrocken, passt nicht, das ist zu weit weg. Wenn man dieses, wie gesagt, ausnutzt und sagt, ich habe Bockbier entalkoholisiert den, habe dann natürlich einen unheimlich schönen Körper, Zuckerkörper, der mich da unterstützt, habe die Aromatik aus der Gärung, worum es ja geht, habe die Aromatik aus den anderen Malzen, dann ja, bis zum normalen Bock oder auch bis zum Doppelbock gehe ich mit, aber für mich würde ich es Mangel Sinnhaftigkeit ausschließen, dann brauche ich den Aufwand nicht machen.

Markus: Eben. Also weil das Einbeckerbier, muss ich sagen, es war wirklich oder ist gut. Weil, ich habe mich auch gefragt, geht das, kann man das machen und wo ist da noch die Grenze. Aber man schmeckt tatsächlich, dass es mal ein Bockbier war und das fand ich wirklich toll. Beim Eisbock ist natürlich die Frage, wenn du erst mal ewig viel Energie verwendest, um das Wasser wegzubringen, dann noch mal ewig viel Energie zu verwenden, um den Alkohol wegzubringen, dann bleibt am Schluss nichts mehr übrig.

Schorsch: Ich sage ja, das muss schon sinnhaft sein irgendwo. Ich kann nicht einen Teufel den Beelzebub austreiben und dann sagen, danach soll jetzt die Welt schreien. Das wäre in meinem Fall ein Marketing-Gag und wegen Marketing-Gags mache ich nichts. Außer 6.000 Liter Fässer, große Fässer kaufen und einen FAT SCHORSCH draus machen, das ist das Höchste der Gefühle.

Markus: Ja, da kommen wir auch gleich zum Abschluss noch dazu. Ich wollte vorher noch schnell, weil wir da jetzt gerade aufgehört haben, noch mal kurz reingehen mit diesem letzten BrewDog-Ding, wo ihr dann den Collab gemacht habt. Haben die sich bei dir gemeldet oder wie lief das?

Schorsch: Also ich habe ja meine Mäuschen und der Markus Thieme, damals Deutschlandchef von BrewDog, der hat gesagt, wer soll denn mit uns mal ein Collab machen? Und dann haben es natürlich alle geschrieben, naja, an den Schorsch, da werdet ihr euch ja nicht mehr herantrauen. Und dann hat mich der Markus also angerufen und so sind wir dann zusammengekommen. Wir wollten eigentlich ursprünglich vor Corona, dass ich nach Schottland fliege und dort ein dunkles, trinkbares Bier, normales, fränkisches, dunkles braue, weil denen ja so ein bisschen die Drinkability-Skills gefehlt haben und die hätten also schottisches Rauchmalz mitgebracht und wir hätten also ein Starkes, das war der Plan. Dann kam also Corona dazwischen und dann haben wir also gesagt, gut, dann minimalisieren wir das, die schicken mir also starke 27 %-ige Auflagen von ihnen, ich mische das mit meinem 30 %-igen und friere das also dann dementsprechend hoch und übernehme also diese Hocharbeit und dann machen wir beide, ja, in der Zeit auch eine wichtige Aussage. Und wir haben halt gesagt, eigentlich muss man es mit so einem Rocky 27 vergleichen. Irgendwann ist der Boxer zu alt, irgendwann ist die Story ausgelutscht und irgendwann will sowas eigentlich keiner mehr sehen, dass sich alte Storys noch mal hochjatzen. Und, wie gesagt, Rocky 27 oder sonst was, das braucht kein Mensch, wo ist jetzt die Sinnhaftigkeit, Leute? Und gerade in der Zeit, wo USA schon angefangen hat, sich zurückzuziehen, das dann schon langsam angefangen hat mit Russland und so was, zu sagen, nee, komm, nicht auseinanderdividieren, sondern zusammen, strength in numbers, gemeinsam sind wir stärker. War ja auch dann für diese Corona-Zeit ganz wichtig, ganz wichtige Aussage. Und das hat tatsächlich auch so gestimmt und war eine schöne dezente Message, Leute, haut euch nicht auf den Kopf, sondern arbeitet lieber zusammen.

Markus: Vielleicht zum Schluss noch auf das, worüber wir am Anfang ja schon gesprochen haben, unser riesengroßes Fass hinter uns und das Crowdfunding. Ja, vielleicht einfach nur eine kurze Zwischenbilanz, ist überhaupt noch was da, falls jemand was kaufen will? Und wie geht es weiter, wie sind da so die Pläne?

Schorsch: Also das Crowdfunding war ja darauf angelegt, dass die Leute, sagen wir mal, mit mir in das Risiko gehen, wird das was oder nicht? Durch meine Erfahrung sind relativ viele mitgegangen. War auch toll, ich habe das Fass dadurch kaufen können, ich habe die Sude dadurch machen können. Aber dann ist es auch so, wäre von vornherein oder bis zum gewissen Maß, das lief ein Jahr und dann habe ich gesagt, so jetzt ist Schluss und es kann auch tatsächlich keiner dieses Bier so kaufen, außer jemand verkauft es weiter, aber es bekommen nur die Teilnehmer und seit März diesen Jahres ist es auch abgeschlossen, also es ist auch nicht mehr buchbar. Wir haben das Meiste, was wir brauchen für die Kunden, ist abgefüllt, vieles ist schon ausgeliefert, das hat sich alles ein bisschen verzögert. Das, was wir noch haben zum Ausliefern, wird auch ausgeliefert, es wird so abgefüllt, dass keine Flasche im Prinzip übrigbleibt. Und es ist noch einiges übriggeblieben, es wäre jetzt etwas vermessen zu sagen, 6.000 Liter kannst du dann an die Leute verkaufen, das ist mittlerweile schon Eisbock oder noch im Tank. Das geht aber nicht an irgendjemand, der jetzt sagt, er hätte gerne eine Flasche oder nur 2 Flaschen oder an irgendeinen Händler, das wird nicht sein, weil sonst verrate ich ja mein eigenes Crowdfunding. Jetzt mit der zweiten Belegung, da ist die Frage, was macht man? Wahrscheinlich gibt es kein klassisches Crowdfunding, sondern dass wir dann sagen, die Leute können das kaufen, können da wieder mitmachen. Die Leute, die schon mal mitgemacht haben, haben das Fass ja auch irgendwo oder die Möglichkeit dazu gegeben, werden dann wahrscheinlich noch ein Godi oder einen Rabatt bekommen, das ist noch zusätzlich als Belohnung, wer dann sagt, okay, ich will eine 2026er wahrscheinlich Variante. Aber wie lange der jetzt gärt, der ist ja schon im Mai letzten Jahres eingebraut, im September haben wir die ersten Messungen gemacht, im März diesen Jahres reingekommen ins Fass, also bis Minimum März nächsten Jahres ist er ja drin. Und ob er dann schon fertig vergoren ist, wenn er immer noch Zuwächse macht oder sonst was, das ist eben das Geheimnis des Fasses, da weiß ich noch nicht, was los ist. Aber wir können jetzt gerne mal probieren, er ist ja an sich, jetzt darf ich nicht zu viel verraten, aber ich finde ihn schon sehr harmonisch. Ob sich noch was tut, Potenzial hat er bis 18 oder 19 %, aber von den Malzen her habe ich ihn schon ein bisschen gedrückt, dass er nicht zu stark durchgeht, weil der Alkohol ja wirklich nicht, ne. Ist jetzt auch mit vielen Rotmalzen, also wie bei den Rubinen, was ich schon gesagt habe, also das ist der Fat Red Schorsch. Die Farbe, finde ich, ist schön, genial fast geworden. Das ist halt so die Erfahrung, dass du schon weißt, wenn ich in der Richtung bleibst oder sonst was, dann kann mir nichts und dann brauchst du eigentlich nur noch irgendwas finishen. Aber nicht einmal jetzt mit irgendwelchen eichengereiften Auflagen würde ich den jetzt noch mal blenden wollen, weil der steht jetzt einfach für sich. Also, ja, 36,5 im Durchschnitt Stammwürze war schon eine kleine Herausforderung.

Markus: Das ist eine Hausnummer, auf jeden Fall. Okay, also da freue ich mich jetzt darauf, wenn wir den gleich noch live probieren. Da werden wir dann auch sicherlich den Abschluss machen, deswegen vorher noch kurz die Frage, wenn jemand was kaufen will, habt ihr einen Online-Shop?

Schorsch: Nein.

Markus: Nein, okay. Wie kommt man an …

Schorsch: Also das Schorschbräu gibt es, sage ich mal, deswegen auch noch, weil ich eigentlich keinen Online-Shop habe, das heißt, meine Händler dürfen alles verkaufen, auch die Weltmeister-Biere. Wir werden wahrscheinlich mit diesen großen Ausnahmen, dass ist das, was, glaube ich, auch im Handel dann. Wobei schon ein Händler sauer war, dass er den nicht gekriegt hat, den FAT SCHORSCH, dann kaufe ich halt nichts mehr. Und dann habe ich gesagt, du, du musst das einfach verstehen, als Crowdfunding, ich will die Leute nicht verraten. Wenn du da mitmachst, kaufst das zu dem und dem Preis. Ja, dann verdiene ich ja nichts mehr. Da sage ich, dann brauchst du es auch nicht verkaufen, musst du jetzt einfach mal so nehmen, ansonsten verkaufen wir nur über den Handel. Es kann mal sein, dass wir den dann als Extrapaket reinstellen, wieder mit so einer Bestellmöglichkeit, wie wir es schon beim Crowdfunding hatten, direkt buchen oder wie auch immer, dass wir das machen und vielleicht machen wir mal für die ganz abgedrehten Sachen. Und jetzt kommen wir zum, wie sagt man, wenn man Geheimnisse ausplaudert, genau, dann kommen wir vielleicht noch zu einer Sache, wo der eine oder andere sagt, was macht denn der Schorsch, wenn er schon alles gemacht hat? Und jetzt zapfen wir uns aber erst mal einen und trinken mal und vielleicht verrate ich dann noch, was ich noch vorhabe.

Markus: Dann hoffen wir das mal, okay.

Schorsch: So, lassen wir erst mal ein bisschen was ab hier. Es ist ja immer so, dass da praktisch der Desinfektionsalkohol drin ist, damit hier nichts rumkimmelt. So, und jetzt müssen wir so einschenken, dass es hier auch richtig schön schlabbert. Hört man nichts, ne? Einmal für dich. Man beachtet die Farbe, bin ich schon stolz. So, mehr gibt es heute nicht.

Markus: Also man beachte die Farbe, ist das richtige Wort, Wahnsinn!

Schorsch: Also wir haben hier schön Naturlicht noch durch die Fenster so ein bisschen, haben aber auch ein Kunstlicht dabei, einen Kunstlichtanteil. (hustet) Entschuldigung, das kommt jetzt nicht, ich habe noch nicht getrunken. Der Konrad Seidel hat sich dann etwas verschluckt, das haben wir aber dann so stehen lassen, weil die Stärke schon auch ein bisschen da ist. Also das sieht man jetzt, die Rotmalze.

Markus: Wunderschön, ja, wirklich Rubin.

Schorsch: Genau, die auch wieder, man könnte jetzt meinen, das ist der Rubin, weil ich genau diese Anteile auch runtergezogen habe und jetzt, man darf es ja auch nicht übertreiben, so viele rote Früchte, was dieses Malz auch macht, Dörrobst, rote Früchte, das ist also tatsächlich auch passend zur Farbe. Dann die Aromaentwicklung durch die Gärung natürlich auch ein bisschen beeinflusst. Und eben diese, ja, was heißt eigentlich Melaneutin-Malz oder dieses Red X, es wird praktisch eine warme Haufengärung gemacht. Das heißt, da laufen die Prozesse schneller ab, wärmer, feuchter und dann hat man eine stärkere Verflüssigung und dann wird diese stärkere Verflüssigung, schau, ist ein bisschen Säure mit dabei schon, und dann wird das Ganze abgedarrt und durch diese Maillard-Reaktion und durch diese Vorgänge im feuchteren Haufen hat man also dann dieses rote Malz, diese rote Farbe. Und das Schlimmste, was man mit dieser Sache machen kann, wenn man ein wirkliches Rot will, jetzt kommen so ein bisschen für die Hobbybrauer und für alle anderen, Schorsch erzählt aus dem Nähkästchen, ist, wenn wir über irgendein anderes Malz noch einen Braunanteil mit reinbringen und dann sind wir nämlich tatsächlich beim Rost. Also das heißt, wenn man das durchzieht, dann entweder bei einem schönen fränkischen Bier, dass man, wenn man es gegen das Licht hält, dieses Fränkische Fuchsrot im Dunklen zum Beispiel, auf irgendeinem Keller oder sowas, schön durchschimmert, das ist der Effekt von dem relativ auch teuren Melanoidin-Malz. Oder man sagt, ich will das tatsächlich rot haben, dann nicht Rostrot oder sonst was, kein Caramünch, kein Münchner Malz oder sonst was noch dazu, sondern dann muss man den Körper vielleicht mit einem Cara hell noch, dann macht man nichts kaputt. Wobei das ja selber so ein bisschen ein Cara ist, da braucht man den Körper nicht heben, aber dann muss man wirklich bei Rot bleiben und das kannst du also mit diesem Malz so. Also jetzt, ich bin ja 57, aber das kannst du so geil machen, diese Farbe, jetzt dann der Geruch passt dazu, Dörrobst, der Alkohol schon, also wir sind hier bei Rumtopf.

Markus: Das ist eine Mischung aus Erdbeerwein und Kirschwein und ein bisschen Rum.

Schorsch: Ja, genau. Und dieses Erdbeerige, das ist auch so eine typische Sache dieser Melanoidin-Malze oder dieser Herstellung, wo man normalerweise sagen würde, Erdbeere, das ist doch oxidiertes dunkles Malz oder sonst was, oder Erdbeere, wie kannst du denn Erdbeere? Aber das ist alles passend, das ist Waldfrucht, das ist Erdbeere, das ist Kirsche, also da hast du das hinterlegt mit dem Alkohol. Und jetzt kommen wir ja zur eigentlichen Aufgabe des Alkohols, der soll da so einen warmen Körper rumlegen. Also der Alkohol soll nicht knallen oder sonst was, sondern der hat ja auch eine Aromenaufgabe, der transportiert, weil er schneller verdunstet als Wasser, die Aromen schon mal vor die Nase, dann mit dem Einatmen und dann haben wir eben dieses Warme auch auf der Zunge. Also tatsächlich, das Schmecken mit dem Riechen zusammen gibt ja dann den eigentlichen Eindruck. Wir schmecken ja nicht nur mit der Zunge, sondern das Meiste, was wir wahrnehmen, läuft ja über die Nase.

Markus: Richtig.

Schorsch: Also du hast ja nur süß-sauer, salzig, bitter und umami und manche sagen auch fett jetzt, was du an Geschmack schmeckst tatsächlich, denn alles andere riecht man. Also wir schmecken keine Vanille, sondern wir riechen die Vanille und das wird im Gehirn zu einer Information verarbeitet. Und jetzt gehen wir mal ran.

Markus: Prost. Danke schön.

Schorsch: Und ihr kriegt nichts, noch nichts. Also wir haben jetzt da um die 22, 23 Grad. Das heißt, etwas zu warm, für mich fast schon ideal warm. Das ist dann schon die Evolution hin zum wirklich Aroma schmecken. Ich habe fürchterlich viele Leute gehabt und manche haben dann gesagt, der Rubin, also die Mini-Fassung fast schon von dem, der schmeckt mir nicht und was ist denn da los und was hast du denn da gemacht? Und dann sage ich, schick mir einfach mal ein Bild. Und der Rubin war so gebraut, auch vom Kochen her schonend, wenn du den runtergekühlt hast unter 11, 12 Grad ist der trüb geworden durch die Eiweiße, das ist aber dann wieder weggegangen, wenn er wieder wärmer war. Und da sage ich, schicke mir mal ein Bild. Oder wenn du gesehen hast auf irgendwelchen Plattformen, zu flach, zu Dings, weil die den eiskalt getrunken haben. Diese Aromen killst du natürlich mit eiskalt. Da geht es nicht um hau-drauf-Aromatik, dunkel, malzig oder sonst was, was du immer schmeckst, sondern da geht es wirklich jetzt um relativ feine, obwohl der 36 Stammwürze hat, da geht es ein bisschen um feinere Aromatik und vor allem die Gerbstoffe aus dem Malz unter Kontrolle zu halten, alles potenziert sich ja. So, dann muss ich die aber auch irgendwie rauskriegen. Ich darf Holz nicht übertreiben. Das heißt, der Einfluss eines gebrauchten Fasses ist ja auch nicht so toll. Das heißt, da nicht zusätzlich noch Kerbstoffe reinbringen, weil das alles dermaßen überfrachtet ist. Und da die richtige Balance zu finden, das ist dann schon, glaube ich, ein bisschen was von Erfahrung oder von Fehler so weit vermeiden, dass sich das Positive durchsetzen kann.

Markus: Ja, also wenn wir schon beim Positiven sind, ich finde das unglaublich schön, dieses Mundgefühl. Für mich ist die Temperatur eigentlich perfekt, weil es kommt in den Mund rein und man merkt es gar nicht eigentlich. Und es ist ganz weich, samtig und geht eben los, hat diese schönen fruchtigen Komponenten, eine angenehme, süße Säurebalance. Also es ist nicht nur süß, es hat auch einen Gegenspieler, aber halt sehr rund, sehr weich, ganz wenig Bittere, ganz wenig Tannine.

Schorsch: Wir haben eine minimale Säure noch aus dem Holz. Das heißt, ich habe aber keine Säurekomponente im Sudhaus, wo ich sagen könnte, könnte sich irgendwann zu stark durchsetzen, gerade durch diese 36,5 Stammwürze. Da hast du natürlich, musst du natürlich auf der einen Seite, wenn du was runterziehst, aber das ist im Prinzip fast reine Hefearbeit. Das heißt, die Hefe säuert sich ja bei der Gärung ihr Milieu so, wie sie möchte und kann also auch mit höheren pH-Werten, also Sudhaus, Klammer auf, die man aber auch nicht haben darf bei so einer starken Kochung, Klammer zu, sonst kriegst du Maillard-Reaktionen, dann kannst du das nicht mehr saufen vor lauter Pappe- und Papier- und sonst-was-Eindruck.

Markus: Richtig. Das stimmt, du hast null Alterungsaromen, das finde ich auch erstaunlich.

Schorsch: Das ist jetzt eigentlich sozusagen schon ein Slalom durch alle negativen Aromen, die dir passieren können, wenn du so stark arbeitest und wenn du es nicht zu maskierst mit einem dunklen Malz. Wenn du mit dunklen Malzen alles zu maskierst, dann hast du wenig Probleme. Aber das ist ja mehr im hellen Bereich oder im feinaromatischen Bereich angesiedelt, da habe ich natürlich das Problem, dass mir Sachen, die zu präsent sind, negative Sachen, die zu stark dominieren, die nicht zurückgehen, die ich nicht vorher rausziehe, dass die mir Irgendwann die Suppe versalzen buchstäblich. Also egal, was du dazugibst, wenn es zu viel wird. Ich sage mal, vergleichbar mit Salzen, wenn ich die Soße dann zu stark reduziere zur Jus, darf ich vorher eigentlich fast kein Salz drin gehabt haben, wenn ich das so stark reduziere. Und genauso ist es hier, das heißt, da muss ich wirklich feinfühlig arbeiten, da darf ich vorher nicht übertrieben haben, sonst wird es hinterher statt hocharomatisch und aufkonzentriert und das, was man eigentlich will, dass man so eine Explosion hat hoch X, wird das also fürchterlich.

Markus: Also so, wie man eigentlich beim Bierbrand, wenn man einen guten Bierbrand machen will, bereits das Bier so brauen muss, damit eben am Ende klar ist, über eine Destillation komme ich da und da hin. Ich kann also nicht irgendein Wald- und Wiesenbier nehmen und mal eben brennen. So ähnlich ist es ja dann mit dem Eisbock auch, vielleicht sogar noch schwieriger, weil ja noch mehr Aromakomponenten erhalten bleiben und sich eben aufdoppeln oder dreifachen.

Schorsch: Oder wie ein Koch sagt, mit schlechten Rohstoffen kriege ich keine gute oder mit schlechter Ware kriege ich kein gutes Ding. Auch beim Wein, wie hat der Biolek gesagt, Wein ist wichtig zum Kochen, man kann ihn auch ins Essen tun. Aber da ist es auch wichtig, dass du nicht den letzten Fusel nimmst, weil da sollen ja feine Aromen dann auch oder rotweinige, süße Traube, Kirsche oder sonst was sich durchsetzen. Da kann ich auch nicht sagen, ich nehme Vogelberger Säuerling oder Schädelspringer oder sonst was, sondern du brauchst auch eine relativ gute Sache, sonst potenziert sich das auch ins Negative.

Markus: Also im Grunde schon beim Brauen an den Eisbock denken.

Schorsch: Es ist manchmal, ja du musst schon beim Schroten, schon bei der Auswahl der Malze, schon beim Einmaischen, musst du das fertige Produkt irgendwo im Kopf haben, sonst geht es schief. Gerade hatte ich noch einen schönen Vergleich, jetzt ist er mir entfleucht vor lauter Reden, vielleicht kommt er wieder. Aber du musst wirklich schon vorher ans Endprodukt denken. Genauso wie sage mit dem Salzen oder mit anderem oder wenn ich sage, ich will eine deutliche Bitternote und dann braue ich das so stark ein, das kannst du nicht mehr saufen, obwohl das einen relativ starken Zuckerkörper hat, der da dagegenwirkt, aber das wird einfach zu viel Gerbstoffe aus dem Ding. Du musst auch aufpassen mit Wasser, weil sich da auch die Salze aus dem Wasser, die konzentrieren sich auch, das kann ruckzuck salzig werden und du denkst dir, wo kommt denn jetzt das her? Also ganz interessant. Und was man also tun kann, zum Beispiel bei der Mördertinte, die ich mit dem Martin Seidel gebraut habe, 33 % echte Röstmalze, da darfst du auf keinen Fall mehr irgendeine Maischesäurung oder sonst was, weil diese Malze eh so viel Röstsäuren mitbringen. Und der ist jetzt nach 2 Jahren halbwegs so, dass ich sage, das harmonisiert sich langsam, die Säure baut sich noch ein bisschen ab. Also in ungefähr 3 bis 4 Jahren hat diese Mördertinte ihren Geschmackskick. Wo du auch sagen kannst, oder was ich vorhin gesagt habe, naja, da klatschst du so viel rein, dass sich das alles maskiert und Schoko und sonst was. Nein, du hast immer Side-Effekts, du hast immer zusätzliche Komponenten, wo du dann sagst, jetzt haben sie es wirklich übertrieben. Und da war es auch so, da wollten wir auch übertreiben, das war so eine Eskalationssache. Das hier ist ja auch eigentlich eine Eskalation, aber auf die, glaube ich, etwas dezentere Art. Hat kaum Holz, hat kaum negative Gerbstoffe, die du da eigentlich ohne Ende finden müsstest, mit einem reinem Gerstenmalz gearbeitet.

Markus: Also es ist wirklich, wenn ich das beschreiben müsste, würde ich sagen, es ist wie so ein griechischer roter Süßwein, aber dieser Teil, der eben ganz klar nach Wein schmeckt, ist ersetzt durch etwas, was wie Malz schmeckt. Also man hat eine schöne Malzsüße, man hat schön auch diese Karamellaromen und all das drumherum, weniger dafür dieses Traubige oder so, aber dieses schöne Spiel mit Süße, Säure, dieses wunderbare Weiche, Runde, Wohlige bleibt ewig.

Schorsch: Die Säure kannst du ruckzuck übertreiben, weil das natürlich durch die Potenzierung im Produkt irgendwann durchkommt, wenn der Zuckerkörper abgebaut wird und dann geht das über in Säure. Dann kannst du immer noch oder könntest du immer noch sagen, ja, das war beabsichtigt und Sonstiges, nee, ist es nicht. Beim Ding haben wir es von vornherein so geschrieben, wussten wir, mit dem Haufen schwarzen, gebrannten Malze da, wirst du brauchen über die Jahre. Das ist aber auch das Spannende, zu sagen, wie stark kannst du eskalieren, kriege ich das Pferd noch zurück in den Stall.

Markus: Ja, nee, also hier wirklich wunderbar, da freue ich mich schon drauf, wenn du es dann mal irgendwann in Flaschen füllst, das ist großartig. Und ja, wenn du es schon angekündigt hast, hat es dir Lust gemacht, uns noch ein Geheimnis zu verraten?

Schorsch: Ach so, das kleine Nähkästchen. Ja, also keine Geduld bei deinem Podcast ohne Überraschung zum Schluss.

Markus: Stimmt.

Schorsch: Überraschung ist es noch keine, aber es gibt den Per, mit dem habe ich so ein bisschen Kontakt, das ist ja auch so ein ganz Verrückter. Und dann sind wir also von sonst was nach sonst was gekommen und wie würdest du denn? Und er hat ja schon mal einen Jopen, Danziger Jopen gebraut. Da war ihm aber der Umami, da sind wir jetzt gerade am Philosophieren ein bisschen, wie kriege ich den Umami, wie kriege ich diese Oberfläche, wie kriege ich diese Arbeit von dem Aspergillus flavus, Varians Rütze, also dem Koji-Pilz, der soll ja da oben eine gewisse Arbeit auch verrichten. Wir wollen ja einen Schimmel, einen Kulturschimmel, der noch einen positiven Effekt hat und nicht irgendeinen, was weiß ich was, schwarzen Mucor, wo du dann 3 Tage auf dem Topf sitzt, bis du den wieder los bist. Also das soll dann praktisch eine Kulturschimmelsache sein, die bei den echten Jopen-Brauern auch in Danzig, ja, in den Mauern extra Raum und sowas ist. Also ich will diese ganz starke 45 Plato mindestens Geschichte haben, ich möchte aber mehr Alkohol haben, 10-15 %, um einfach so ein bisschen den Schorsch-Style zu haben. Und da gibt es so viele Herausforderungen, ich glaube, da war der 36,5er Kindergeburtstag dagegen. Also vielleicht gibt es mal ein Schorsch per Schorsch oder nur Schorsch Fränkisches Jopen, müsste man das ja, um diese Jopen-Brauerei aus Holland nicht da irgendwo ins Grau zu fahren, wo ich dann wieder alle Erfahrungen brauche, um nicht abzudrehen. Es soll weder Maggi-artig werden, das heißt, diese aerobe Schimmelkultur darf nicht überhandnehmen, ich brauche eine alkoholische Gärung, die relativ stark ist, was der Schimmel eigentlich gar nicht verträgt, ich brauche ein Trägermaterial an der Oberfläche, dass der sich überhaupt noch entwickeln kann. Habe ich schon, verrate ich aber nicht, wie ich das mache, aber alles nach einem Reinheitsgebot. Ganz spannend, also ich kann schon gar nicht mehr schlafen.

Markus: Das kann ich mir vorstellen. Und für alle, die jetzt die letzten paar Minuten nur Bahnhof verstanden haben, schaut einfach mal im Internet nach oder in der Literatur, Danziger Jopen-Bier, sehr, sehr spannender Bierstil, der eben bis, sagen wir mal, 2. Weltkrieg ungefähr, da eine Geschichte hat. In Danzig ein Bier, was extrem stark eingebraut worden ist, extrem lange natürlich dann auch haltbar war, was als Gesundheitsbier, als Nährbier, in ganz viele Arten vermarktet worden ist.

Schorsch: Als Soßenwürze und, und, und. Und jetzt wollen wir also mit der Originalität aber, also nicht irgendwas faken, sondern in der originalen Rezeptur bleiben, die Alkoholbildung fördern, dass das nicht irgendwo sonst wohin abdriftet. Es soll ja nicht milchsauer werden, was auch einige Stile eben oder früher, wo das dann hin gedriftet ist. Es gibt aber auch eben Erzählungen und der Danziger macht das ja auch, dass er 9, 10% Alkohol drin hat, dass er die eigentliche Haltbarkeit, und es soll ja kein Sauerbier werden, sondern es soll, ja, Schorsch Plato Eskalation hoch 5. Ich habe mir ja extra eine Dünnschichtverdampfung gebaut für solche starken Biere. Also auch technisch muss man sich was einfallen lassen, um sowas dann überhaupt noch hinzukriegen und nicht wie der Danziger über Nacht da noch 12, 15 Stunden zu kochen, das ist eigentlich nicht Ziel meines Energiesparvorhabens.

Markus: Ja, wir werden sehen. Also freue ich mich, wenn ihr das dann habt, komme ich natürlich gerne nochmal vorbei, da können wir einen schönen Follow-up-Podcast machen. Und in der Zwischenzeit bin ich dann vielleicht auch mal in Danzig gewesen und kann da vielleicht auch ein bisschen Sachen mitbringen, auch Bilder und Eindrücke und so, seit einigen Jahren machen die dort ja wieder sowas Ähnliches wie. Ich habe da auch viel Literatur zu Hause von eben vor den Kriegen, was da so alles dahinter war, mal schauen, also auf jeden Fall spannend. Dir vielen Dank für die Geduld auch. Wir haben jetzt doch anderthalb Stunden, sitzen wir jetzt hier am Mikrofon, war gar nicht so geplant. Aber ist immer schön und du hast viel zu sagen in vielerlei Hinsicht und das ist mir auch wichtig, dass es jemand hört, deswegen muss man dem auch Raum geben. Und vielen Dank auch für dieses wunderbare Bier, eine größere Freude konntest du mir gar nicht machen. Klammer auf, nach einer Woche München und Oktoberfest, Klammer zu, freut sich der Franke, wenn er wieder nach Hause kommt und eben dann solche schönen, aromastarken Biere bekommt. Also Dankeschön nochmal und viel Glück, toi, toi, toi, bei deinen weiteren Vorhaben und ich hoffe, wir hören uns dann demnächst wieder.

Schorsch: Wunderbar, Markus, danke für die Öffentlichkeitsarbeit. Ich soll dir Probeflaschen dann auch von Jopen oder du bist gleich, weil du ja umfangreiche Literatur hast, jetzt nehme ich dir fast ein bisschen ein Versprechen ab, der dritte Mann ein bisschen im Bunde, der die Sache vielleicht aus fränkischer Sicht und aus der Schorsch-Perspektive ein bisschen begleitet, schauen wir mal. Ich glaube, vor allem Authentizität ist wichtig. Dass man nicht einfach irgendwo so einen Käse und Hauptsache 45 Stammwürze und Hauptsache, irgendjemand hat mal ein Pilz aufgelegt, dass es so aussieht als ob, sondern das soll tatsächlich authentisch sein. Dazu braucht man Kahmhefen, dazu braucht man einen Trägerpilz oder ein Trägermedium und, und, und. Ich glaube, an die Sache muss man sich ran arbeiten und um da nicht abzudriften, brauchen wir vielleicht sogar deine Literatur dazu, das wäre vielleicht toll, dass wir das Ganze dann zu einem wirklich authentischen Abschluss kriegen und nicht einfach nur so eine Fake-Geschichte.

Markus: Sehr gerne, also Versprechen ist gegeben und ich freue mich drauf, wenn wir uns dann mit dem Endergebnis alle miteinander wieder hören.

Schorsch: Genau.

BierTalk – der Podcast rund ums Bier. Alle Folgen unter www.biertalk.de.