BierTalk Spezial 73 – Interview mit Achim Helbig, Herz und Hirn von Brauart Düsseldorf

In dieser Folge von BierTalk zieht es uns an den Rhein – nach Düsseldorf – und zu einem Gespräch, das ich ehrlich gesagt schon viel zu lange auf der Liste hatte: Ich treffe Achim Helbig vom Brauart Düsseldorf. Achim betreibt nicht nur Taproom, Eventlocation und Webshop – er importiert mit viel Herzblut Biere aus aller Welt und ist für mich seit Jahren einer der wichtigsten Brückenbauer, wenn es um britische Bierkultur in Deutschland geht. Großer Schwerpunkt ist das Cask Ale und die Rolle von CAMRA: Was hat sich in den letzten Jahren verändert? Warum sind die Biere und Pubs als Kulturorte so besonders? Und warum ist es so schade, dass Institutionen wie das Great British Beer Festival ins Straucheln geraten sind…

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BierTalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute mal wieder einer aus der Reihe derer, die ich schon seit Jahren machen will und es irgendwie nie geklappt hat und jetzt klappt es aber endlich, also insofern wunderbar. Wir sind am schönen Rhein, im schönen Düsseldorf, das auch eine spannende Geschichte hat und unter anderem mal zur englischen Besatzungszone gehört hat und es deswegen auch eine sehr enge Bindung gibt zu den Bieren von der Insel. Und da gibt es eben jemand, der das ganz besonders vertritt, der liebe Achim, der auch einen Job hat und uns seit Jahren in der BierAkademie mit britischen Bieren versorgt und dadurch, dass er das macht, natürlich auch oft drüben ist und viele Insights dort hat. Und da freue ich mich total, dass wir uns heute mal ein bisschen unterhalten können. Also erst mal, lieber Achim, schön, dass du da bist und vielleicht sagst du mal zwei, drei Worte zu dir selber.

Achim: Ja, hallo erst mal, ja, Achim Helbig aus Düsseldorf und ich betreibe hier das Brauart Düsseldorf. Ein Ladenlokal mit Taproom, Eventlocation und wir haben auch einen Webshop, auch Brauart Düsseldorf. Und was vielleicht für so eine Lokalität besonders ist, dass wir auch selber importieren, das heißt, wir importieren von britischen Brauereien, belgischen Brauereien, etlichen osteuropäischen Brauereien und haben deswegen auch immer ein Portfolio, was sich so ein bisschen von dem unterscheidet, was man in der Regel so findet.

Markus: Ja und man merkt eben auch ein bisschen handausgewählt sozusagen, also mit viel Herzblut und Hingabe und eben auch persönlicher Recherche. Da sind wir uns ja auf der Welt auch schon immer mal wieder irgendwo begegnet, vor allem natürlich auf der Insel. Aber das finde ich auch generell spannend, weil dein Laden ja eben nicht nur ein bisschen britische Biere hat, sondern wirklich Biere aus der ganzen Welt, aber dann eben auch noch Spirituosen oder Cider oder Chips oder Popcorn oder was auch immer. Also kurzum, eigentlich brauche ich doch nur deinen Laden, um zu überleben, oder?

Achim: Ja, das stimmt. Also man kann sich bei uns mit verschiedensten Getränken und Knabbereien ausstatten und deswegen, ja, einfach vorbeikommen, man muss nichts mitbringen, außer, ja, Interesse an spannenden Sachen und dann kann man hier einen schönen Abend oder von mir aus auch einen schönen Tag verleben.

Markus: Genau oder sich das Ganze auch nach Hause bestellen, also super spannend. Jeder, der mal vorbeikommt oder der hier nach Düsseldorf kommt, sollte auf jeden Fall vorbeischauen, wir werden dann auch die Informationen entsprechend in den Shownotes verlinken. Du selber warst schon immer so auf der bierigen Seite oder hat es dich eher so hingetrieben?

Achim: Auf der bierigen Seite war ich schon immer, allerdings vor Jahrzehnten, ja, war das dann halt etwas limitierter von der Bierauswahl. Zu der ganzen Sache gekommen bin ich über eine andere Selbstständigkeit, ich habe vor 20 Jahren mit Freunden einen Gothic-, Metal-Mittelalterladen aufgemacht und im Rahmen dieses Ladens habe ich dann angefangen, Biere aus Großbritannien zu importieren, in erster Linie erst mal wegen der Label, weil die halt in unseren Kontext gut reingepasst haben. Das waren damals die Biere der Wychwood-Brauerei, also das Hobgoblin ist da sicherlich das bekannteste. Damit hat es angefangen und irgendwann, ja, wurde der Bieranteil immer größer und dann haben wir das irgendwann gesplittet und ich habe mich dann noch mal mit den Bieren sozusagen selbstständig gemacht.

Markus: Und, ja, wenn man aus der Gothic-, aus der Metal-Szene kommt, hat man ja auch immer so einen kleinen Rebellen in sich. Ist das auch der Grund, warum du als Kölner nach Düsseldorf gegangen bist?

Achim: Gute Frage. Ich bezeichne mich immer als Rheinländer, um diese Problematik ein wenig zu umgehen. Nee, Tatsache ist, dass ich sehr jung war, als ich von Düsseldorf weg bin und dann nach Ratingen tatsächlich, nicht nach Düsseldorf, also als ich aus Köln weg bin, weil mein Vater halt einen Job in Düsseldorf bekommen hatte und dann sind wir nach Ratingen gezogen, als ich 3, 4 Jahre alt war. Und da bin ich aufgewachsen und habe dann angefangen zu studieren und habe dann an der Uni Düsseldorf studiert und auch lange Jahre gearbeitet und unterrichtet. Und, genau, das ist auch der Grund, weswegen diese britische und englische Geschichte mir so am Herzen liegt, weil ich das halt studiert und unterrichtet habe.

Markus: Ja und außerdem bist du ja dann auch geschmacklich wahrscheinlich ein bisschen sozialisiert, weil Leute, die mit Kölsch aufwachsen, sage ich mal, die sind ja dann vielleicht eher auf der bayerischen Seite, so Richtung Helles oder Pilz oder so und Leute, die dann doch eher zum Altbier neigen, die sind vielleicht eher beim Brown Ale, beim Amber Ale, vielleicht eher auf der Insel. Könnte das auch so ein Grund sein?

Achim: Ja, durchaus, also, ich sage mal so, es sind ja beides Ales und natürlich ist das Alt einer ganzen Reihe von englischen Brauarten natürlich sehr nahe. Und ich merke das auch immer, wenn befreundete Brauer mich hier in Düsseldorf besuchen und dann halt hier in die Altstadt gehen und da die Biere trinken, das sind Sachen, ja, die kennen die quasi. Also ich könnte das in Großbritannien auch als, weiß ich nicht, Brown Ale oder Red Ale oder was auch immer verkaufen, das würde nicht groß auffallen, das stimmt.

Markus: Und wenn ich jetzt überlege, gerade so Leute hier aus Bayern, wenn man denen sagt, wir gehen jetzt nach Düsseldorf oder nach Köln zum Bier trinken, dann fangen die schon an, die Nase zu rümpfen, aber wenn man denen dann sagt, okay, jetzt fahren wir nach England, um zum Bier trinken zu fahren, dann ist es bei vielen noch viel extremer, die sagen, ja, die können doch eh kein Bier trinken und so weiter, kein Bier brauen, meine ich. Begegnest du solchen Vorurteilen manchmal und was sagt man solchen Leuten?

Achim: Ja, solche Vorurteile begegnet man sehr oft, also wo die Grundidee ist, britisches Bier ist halt warm und schal und hat keine Schaumkrone und schmeckt komisch. Ja, ich versuche denen dann immer zu erklären, A) das Bier ist nicht warm, es ist kellerkalt. Und dass es weniger Kohlensäure hat, ist für mich etwas, was ich sehr mag, weil, ich finde, also viel Kohlensäure in dem Bier hat da eigentlich überhaupt nichts verloren und ist auch für die Trinkbarkeit von dem Bier, finde ich, sehr schädlich. Ja und ich versuche die dann immer zu überzeugen, idealerweise dadurch, dass ich vielleicht 2, 3 britische Sachen am Hahn habe und dann lasse ich die mal probieren. Und in der Regel sind die dann sehr überrascht, weil viele Leute halt überhaupt kein Konzept haben, also so nach dem Motto, ich mag kein britisches Bier, weil ich habe mal eins probiert, was das war, weiß ich aber auch nicht. Und das Gleiche gibt es auch beim Craft Beer, dann kommen Leute, die sagen, nee, ich habe mal so ein Craft Beer probiert, ich mag das nicht. Ja und dann musst du halt versuchen denen zu erklären, dass es da eine große Bandbreite gibt und wir sicherlich was finden werden, was ihnen schmeckt und das ist in der Regel auch so.

Markus: Ja und was ich auch finde ist, die Atmosphäre, wenn man jetzt in so einem britischen Pub zum Beispiel ist oder auch bei einer Brauerei auf den britischen Inseln, verglichen jetzt mit einer Düsseldorfer Brauerei zum Beispiel, die längste Theke der Welt, wenn man da irgendwo ist oder auch hier bei mir in Franken, ich finde, das ist sich sehr ähnlich. Also du hast lange Tische, da sitzen viele Leute, die kommen da zusammen, werden auch ein bisschen zusammengewürfelt, man hat das Bier zusammen, man findet neue Freunde, es ist einfach ein schöner Ort, um sich zu unterhalten, um Leute kennenzulernen und nebenbei auch so ein bisschen Bier zu genießen, aber es ist einfach viel mehr als einfach nur ein Ort, wo man sich hinsetzt und so ein Bier runterkippt. Und da, finde ich wirklich auch, sind die britischen Inseln noch mal anders als zum Beispiel, wenn man nach USA geht oder nach Spanien oder so, da steht das Getränk viel mehr im Vordergrund. Hier in England ist es für mich eher ein Teil von der Kultur, kann man das auch so sehen?

Achim: Ja, das definitiv und da gibt es sicherlich Ähnlichkeiten. Ich sage mal, man kann es ja selber dadurch steuern, auch hier im Rheinland, wo gehe ich hin, wenn ich in die Bierschwämme gehe, dann setze ich mich automatisch zu Leuten und dann fangen die in der Regel auch an zu reden, weil die davon ausgehen, wenn du da sitzt, dann willst du halt quatschen und wenn ich da keinen Bock drauf habe, dann setze ich mich an den Tisch mit meinen Freunden, bestell was zu essen und dann bleibt man in der Regel unter sich. Aber, das ist in England genauso, es ist sehr oft, dass ich da mit Leuten ins Gespräch komme. Und, ja, wenn die dann feststellen, dass man an dem Bier Interesse hat, an dem Ding an sich, an dem britischen Ale, Cask Ale, dann findet man eigentlich immer, ja, Themen, die spannend sind und, ja, Leute, die da auch Lust drauf haben, mit einem zu quatschen.

Markus: Ja, also Bier verbindet oder wie unser Freund Holger immer sagt, ist es einfach das perfekte Come-Together-Getränk. Nun warst du ja schon viel auf den britischen Inseln unterwegs. Gibt es Ecken, wo du noch nie warst, wo du noch mal hin willst oder wo es besonders extrem war, wo du noch nie unterwegs warst?

Achim: Klar gibt es Ecken, wo ich noch nie war, also es ist weder riesengroß noch ist es furchtbar klein, aber es gibt natürlich sehr viele Orte, die ich noch nicht besucht habe. Also ich war sehr viel in London und im Süden Englands, sehr viel in Schottland, aber auch da nicht überall und das sind so meine Schwerpunkte und ja, Irland noch, also die Republik. Ich war nicht so oft im Norden Englands, ich war schon mal in Sheffield, aber zum Beispiel in Manchester war ich noch nicht, das wäre ein Ort, wo ich noch mal gerne hin würde. Und ansonsten ist es eher so, dass ich das nach Brauereien sozusagen abarbeite und dann sind das teilweise sehr kleine Orte. Zum Beispiel letztes Jahr war ich bei Adnams, das ist dann ganz im Osten, im Südosten, ein ganz kleines Örtchen, wo man sonst normalerweise gar nicht hinfahren würde, wenn es die Brauerei nicht gäbe.

Markus: Ja, wenn man das so ein bisschen mit Deutschland vergleicht, dann ist es ja so, wenn man hier zu den verschiedenen Ecken fährt so, sagen wir mal, in den Südosten, Südwesten, in den Norden, in die Mitte, im Osten, wo auch immer, da hat man doch sehr unterschiedliche Bierkulturen und auch sehr unterschiedliche Herangehensweisen zum Bier, auch von der Größe des Gefäßes zum Beispiel. Hast du da auf den britischen Inseln auch größere Unterschiede erlebt oder ist es da so ein bisschen einheitlicher?

Achim: Nee, das ist im Grunde einheitlich. Also 99 Prozent der Leute trinken Pints, also im klassischen Pub, wenn ich natürlich in eine Craft-Beer-Bar gehe, dann habe ich die Größen an Gläsern, wie man sie aus dem Craft-Beer-Kneipen kennt, also in der Regel eher 300 Milliliter oder Ähnliches, aber wenn ich im klassischen Pub bin, dann kann ich halt ein Half-Pint haben, wenn ich das möchte, aber die allermeisten bestellen einfach ein Pint. Das ist also anders als in Deutschland, wo es ja tatsächlich so ist, dass bei uns im Rheinland die 200- oder 250-Milliliter-Gläser die häufigsten sind. Es gibt zum Beispiel in Köln aber auch noch immer Kneipen und Brewpubs, die halt 100-Milliliter-Gläser verkaufen und hier in Düsseldorf ist es halt relativ ungewöhnlich, einen halben Liter Altbier zu ordern. Also das geht und es gibt auch einige, die die Gläser haben, aber, ich glaube, zum Beispiel von den Altbierbrauereien hier in Düsseldorf hat nur Schumacher 500-Milliliter-Gläser, die anderen haben die überhaupt gar nicht.

Markus: Ja, was ich aber gut finde, weil dadurch hat man immer ein frisches Bier im Glas, das finde ich sehr schön. Und diese ganz kleinen Gläser, das waren doch die Stößchen oder Schlückchen oder so, die man für den Schiffsanleger praktisch für die Zeit, bis es da war, genau richtig terminiert, finde ich auch eine super schöne Geschichte. Ja, wenn wir noch mal zurück nach England schauen, also vielleicht kurz für die Hörerinnen und Hörer da draußen, das Spannende ist ja, es gibt neben dem, was wir so kennen, also traditionelle Biere, durchaus auch untergärig wie auch immer oder auch Guinness oder so und eben dem Craft Beer, wo man dann eher in vielleicht, sagen wir mal, amerikanischer Manier Biere hat von extremen IPAs, Imperial Stouts, was auch immer, gibt es eben noch dieses wunderschöne historische Juwel, das Cask Ale, was eben ein Bier ist, was die Brauereien quasi so in einem ersten Schritt halbfertig machen, ins Fass geben mit der Hefe und dann wandert das zum Pub und wird dann praktisch vom Pub-Owner in Besitz genommen. Und sobald das Fass, also die Schwelle übertreten hat sozusagen in den Pub und dann im Keller ist, ist dann auch der Pub-Besitzer dafür verantwortlich, das Kellermanagement so zu machen, dass er dieses Fass dann ansticht, wenn das Bier optimal drauf ist und dann wird es quasi mit einer Handpumpe serviert. Die Temperatur ist eben, je nachdem, wie es in dem jeweiligen Keller in dem Pub ist, also selten, dass es gekühlt wird, dementsprechend eben auch ein etwas wärmeres Bier. Durch dieses reine Handpumpen hat man auch keine zusätzliche Kohlensäure oder auch keine stabilisierende Kohlensäure, dadurch etwas Kohlensäure-weniger-haltig, sagen wir mal so und eben geschmacklich ganz spannend, weil sich das in diesem Fass weiterentwickelt, auch ab dem Zeitpunkt, wo es dann angestochen, angezapft wird und sich dann eben verändert bis zu dem Zeitpunkt, wo dieses Fass dann leer ist. Und dahinter steckt so ein Stichwort, die CAMRA, Campaign for Real Ale, Männer, die sich in den 70ern mal aufgemacht haben, diese alte historische Bierkultur zu erhalten. Und das ist ein Verein, der jetzt allerdings zusammen mit diesen Leuten in den 70ern alt geworden ist, das ist ja jetzt über 50 Jahre her und dementsprechend merkt man das auch, also es gibt auch große CAMRA-Veranstaltungen. Es gab bis vor kurzem das Great British Beer Festival, wo man das dann auch erleben konnte. Und so ein Hauptziel von dem Verein war, dass eben in möglichst jedem britischen Pub mindestens eines dieser Cask Ales vorhanden ist. Da würde mich jetzt einfach mal interessieren, nachdem du ja über so viele Jahre konsistent immer wieder drüben bist, merkst du da in den letzten Jahren Veränderungen, also nimmt das Cask Ale insgesamt eher ab oder ist es eher stabil und wie siehst du so, wie die Leute dem zusprechen?

Achim: Das ist eine gute Frage. Also ich denke, es ist gut etabliert, also es gibt wirklich wenige Kneipen, die kein Cask Ale haben, die keine Handpumps haben. Auch etliche, die halt so eher dem Craft Beer zugewandt sind, machen das und es gibt auch etliche Brauereien, also neue, moderne Craft-Beer-Brauereien, die auch Cask abfüllen. Also da, denke ich schon, dass da die Mission erfolgreich war, tatsächlich diese Cask Ales in den Kneipen zu verankern und auch im Bewusstsein der Leute zu verankern. Was natürlich schwierig ist, was du angesprochen hast, ist die Struktur bei CAMRA. Also ich war jetzt letzte Woche auf dem Pigs‘ Ear Festival im Osten von London, in der Round Chapel und war da auch bei einem Tastingboard dabei, also beim Judging-Board, und das ist dann schon aufgefallen, also die Leute, die die Biere bewertet haben, war wirklich 50 % Frauen, 50 % Männer, 50 % jüngere Leute, 50 % ältere Leute, also sehr gemischt, wenn du dir dann aber das Publikum anguckst, was zu dem Festival kommt, sind das halt 90 % tatsächlich alte, weiße Männer. Und das ist natürlich ein Problem. Und das gilt auch für die Helfer, das beruht ja alles auf freiwilligen Helfern, die die ganzen Sachen da organisieren und auch die kommen halt immer mehr in die Jahre. Also das ist noch drastischer, als das sowieso schon in unserer westlichen Gesellschaft ist. Das heißt, die müssen dringend gucken, da junge Leute ranzukriegen. Aber das Ding an sich, das Cask Ale sieht man wirklich fast überall. Also das, denke ich, ist eine, ja, Erfolgsgeschichte der Wiederbelebung da.

Markus: Ja, Gott sei Dank. Und es ist ja auch wirklich ein tolles Erlebnis, das zu tun. Also kann man auch jedem nur sagen, wenn ihr nach England fahrt oder nach Irland oder nach Schottland, also irgendwo auf die Inseln, dann versucht euch gerade durch diese jeweiligen Cask Ales durchzuverkosten, weil das wirklich eine sehr spannende Kultur ist. Es ist ein bisschen, dass man vielleicht 1, 2 braucht, um so reinzukommen, aber dann lernt man es lieben. Es ist ja auch schön, die sind alkoholisch nicht so stark, da können wir ja auch gleich noch ein bisschen drüber reden. Vielleicht noch ein Wort zu unserem Thema von gerade, ich finde halt, was man so ein bisschen merkt, also wie du sagst, die CAMRA von ihrer Mitgliederstruktur, das sind ja fast 200.000 Mitglieder, die sind dann organisiert in jeweils lokalen Branches, also Ablegern sozusagen und die machen dann jeweils vor Ort verschiedene Bierfestivals und Veranstaltungen und so. Und da merkt man eben, also wenn ich überlege, wann war ich zum ersten Mal bei sowas, das war vielleicht so um die 2000er rum, und seitdem ist es so, wenn ich zu den Veranstaltungen gegangen bin, ich war trotzdem immer jünger als die Leute, die da den Einlass gemacht haben, die Biere ausgeschenkt haben, wie du eben sagst, die Helfer, das überaltert halt extrem und auch einen Großteil des Publikums. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum das Great British Beer Festival, nachdem es ein Jahr ausgesetzt hat, dann jetzt wurde es in, wo war es, Birmingham wiederbelebt, also hat man versucht, es dann dort stattfinden zu lassen, weil es eben am alteingesessenen Ort in England nicht machbar war, und da hat man es jetzt ein Jahr gemacht und festgestellt, dass das Minus so groß war, dass man das Fest jetzt zumindest erst mal nicht mehr macht. Und das ist natürlich schon eine krasse Geschichte, weil dieses Fest, das Great British Beer Festival, wirklich eine Institution war, wo wirklich sehr, sehr viele Menschen sowohl dahingekommen sind, also sicherlich 50.000, 60.000 Menschen oder so und einfach auch alle oder ziemlich viele britische Brauereien mit ihren Bieren vertreten waren, auch internationale Brauereien. Ganz zum Schluss hat man dann sogar ein bisschen Craft Beer zugelassen, ohne Cask, ganz spannend. Aber es war immer sehr interessant, weil auch viel Bierkultur da war, von den Pub-Spielen, die zum Beispiel präsentiert wurden, immer ganz liebevoll oder eben so Ecken, wo dann irgendwelche schrägen Sammler irgendwelche alten Stücke verkauft haben, aber immer spannend und unglaublich viel Liebe und Hingabe zu diesem Thema Bierkultur. Du bist wahrscheinlich auch schon sehr oft auf dem Great British Beer Festival gewesen, oder?

Achim: Ja, ich war da sehr oft, zumal ich da auch jahrelang einen Stand hatte und ich habe da also German Steins verkauft und Trinkhörner und Med und dergleichen. Also ich war, glaube ich, fünf-, sechsmal mit dem Stand da und, ich denke, dass ich insgesamt zehnmal da war oder so. Und das ist wirklich sehr schade, weil es auch eine Veranstaltung war, wo du halt Leute aus der Branche getroffen hast. Also am Trade Day war da wirklich quasi jeder und ich konnte an einem Tag so viele Kontakte abarbeiten, Leute treffen, mit Leuten quatschen, wie sonst nirgendwo niemals möglich gewesen ist. Und allein das ist halt schon ein Nachteil, wenn solche Veranstaltungen nicht mehr stattfinden und dieses Treffen nicht mehr stattfindet, ja, dann muss man halt gucken, wie macht man das. Und dann ist die Frage, ob die Leute wirklich den Aufwand betreiben, dann entweder zu kleineren Events zu gehen oder versucht man sich halt einfach nur zu zweit zu treffen, da muss der eine irgendwie dahin. Also das ist schon schade und ist auch ein bisschen besorgniserregend, wenn sozusagen das Flaggschiff wegfällt, dann muss man halt gucken. Also jetzt hier Pig´s Ear Festival ist halt wirklich klein, richtig klein und funktioniert aber wahrscheinlich deswegen, weil die halt eine ganz niedrige Kostenstruktur haben, gar nicht so viele Helfer brauchen. Ja, aber irgendwo müssen die Leute halt herkommen, da muss man gucken in der Zukunft, wie sich das entwickelt.

Markus: Ja, also immerhin ist die CAMRA an sich auf dem Weg der Gesundung. Also die hatten jetzt wirklich dieses Minus von Birmingham, das war schon heftig, aber so die neuesten Informationen, die ich so höre und bekomme, ist, dass sie irgendwie den Turnaround zumindest finanziell jetzt einigermaßen hinbekommen haben und das ist schon mal eine gute Nachricht, weil es wirklich eine Zeit lang auf der Kippe stand, ob sie überhaupt so überleben können als Verein mit dem Ergebnis. Bevor wir gleich noch zum Bier kommen, würde ich noch eine Sache, die damit so ein bisschen zusammenhängt, mit dir besprechen. Ich meine, die Briten haben ja einige Schläge jetzt hinnehmen müssen, gerade in Sachen Bier und Braukunst, wenn man an die Pandemie zurückdenkt, wenn man an den Brexit zurückdenkt und darauf folgen dann auch die Steuergesetzgebung, die noch mal das Bier deutlich teurer gemacht hat. Wie hast du das so erlebt, also schauen die Brauer da trotzdem eher positiv in die Zukunft oder wie ist da die Stimmung gerade so?

Achim: Ja, also es ist gemischt natürlich. Also in den letzten zwei Jahren haben sehr viele Brauereien zugemacht oder wurden verkauft und wurden dann zugemacht und es gibt, ja, entweder größere Brauereiverbünde oder Investmentfirmen, die da relativ aktiv sind, und das ist natürlich nicht ideal, um es vorsichtig auszudrücken. Das heißt, dann werden die Brauereien gekauft, die tatsächliche ursprüngliche Brauerei dicht gemacht und dann werden 5, 6 Produktlinien dann nur noch an einem Ort produziert und das, ja, das ist ein bisschen besorgniserregend. Auf der anderen Seite gibt es aber auch immer noch Brauereien, ja, die gut funktionieren, die immer noch wachsen und die, ja, sehr lebhafte, spannende Dinge machen. Von daher, denke ich, in Großbritannien ist es halt sehr im Fluss sozusagen, es kommt wirklich individuell darauf an, wo bist du lokalisiert, hast du einen Taproom oder mehrere, die gut funktioniere und wie kannst du deine Produkte platzieren. Ja, aber man weiß es nicht, also es ist wirklich, ich sage mal, es kann fast alles passieren. Und da muss man immer hoffen, wenn eine Brauerei verkauft wird, dass jemand der Käufer ist, der quasi die Bierproduktion so belässt, wie sie ist und einfach nur ein neuer Besitzer ist. Das ist ja zum Beispiel bei Fuller´s so, die sind ja auch verkauft worden, aber das hat jetzt eigentlich nichts an den Bieren und an der Art und Weise, wie sie produzieren, geändert, aber das ist dann immer individuell.

Markus: Also Fuller´s finde ich ein gutes Beispiel, weil die sind ja über diesen ganzen Deal mit AB InBev und dem Mercher mit Millers und sowas zu Asahi gekommen, also praktisch jetzt mehr oder weniger eine japanische Brauerei, könnte man sagen. Und die haben in diesem Deal nicht nur Fuller´s übernommen, sondern eben einige andere in England auch, unter anderem auch Meantime und ein paar andere eben. Und es scheint sich jetzt so herauszukristallisieren, dass Fuller´s so ein Produktionsstandort wird, wo dann eben viele andere Biere und die Fuller´s-Biere weiterproduziert werden, also zum Beispiel auch die Meantime-Geschichten und so, und dadurch die natürlich auch eine Möglichkeit haben, zu überleben, das ist natürlich schon schön. Lass uns vielleicht noch mal kurz über die Biere an sich sprechen und, ich meine insgesamt, wir wollen ja auch positiv da in die Zukunft schauen, ich finde auch, also jedes Mal, selbst in den letzten Jahren, wenn ich drüben war, geht mein Herz immer wieder auf, ich bin da total gerne. Und was mir eben auch auffällt, für mich ist die Drinkability, sage ich mal, dieser Biere sogar noch höher als manchmal hier so. Und das liegt vielleicht auch ein bisschen daran, dass wir eben viele Biere haben, die vom Alkoholgehalt irgendwo zwischen 3 und 4 liegen und damit noch mal ein bisschen einfacher sind, wenn man einfach nicht nur eins trinken will, sondern ein bisschen länger so einen Abend verbringen will, weil da kann man einfach dann auch mehr nacheinander davon trinken. Und die meisten Pubs haben auch noch schöne Sachen zu essen, die man sich dazu bestellen kann oder auch kuriose Sachen zu essen, ich denke da nur an die Scottish Eggs oder sonstige irgendwie eingemachte oder sonst zusammengebaute Speisen, die man da so haben kann. Wie erlebst du das, kommst du mit den Bieren auch gut zurecht?

Achim: Also das ist halt ein sehr entspanntes Trinken, also weil, wie du ja schon gesagt hast, die allermeisten, ich sage mal, irgendwas um die 4 % liegen und dementsprechend man da auch, ja, einige probieren kann. Und, ja, das ist halt das Gesamtpaket, es ist die Atmosphäre, es sind die Biere, es ist die Tatsache, dass es komplett normal ist, dass immer wieder neue Sachen am Hahn sind, dass neue Casks eingekauft werden, Biere, die selbst wir beide noch nie getrunken haben und das ist halt etwas, was der britische Biertrinker an sich anscheinend mag und wertschätzt. Und das ist natürlich ein riesen Unterschied zur deutschen Biertrinkkultur, die sich ja bei den allermeisten Leuten darauf kapriziert, dass sie ihr Leben lang das gleiche Bier trinken und fertig aus. Und das ist da übrigens überhaupt nicht der Fall, das heißt, ja, du hast immer eine Auswahl. Nicht so krass wie in Belgien, aber es gibt immer spannende Sachen, immer neue Sachen, immer Sachen, die man nicht kennt, auch Brauereien, von denen ich noch nie gehört habe, und das macht es natürlich spannend und ist sicherlich ein Punkt, weswegen ich da sehr gerne hingehe.

Markus: Ja und man hat noch den Vorteil, dass selbst, wenn man dieselbe Marke und dasselbe Produkt praktisch immer wieder bestellt, durch Cask ist es dann trotzdem immer anders, also wirklich dasselbe kriegt man tatsächlich nie. Und das ist auch ganz gut, weil dadurch haben die auch diesen Anspruch nicht. Hast du irgendwelche Favoriten, also sowohl jetzt, sagen wir mal, in London zum Beispiel Pubs, wo du besonders gerne bist oder auch Biere, Bierstiele, die du besonders gerne trinkst oder vielleicht auch Sachen, die man in den Kneipen zu essen bekommt, die du besonders gerne hast?

Achim: Ja, gute Frage. Also es gibt nicht wirklich Bierstiele, die ich gar nicht trinke. Aber wenn ich jetzt so, wo liegt mein Augenmerk drauf, also ich mag IPAs schon sehr gerne, aber sie dürfen auch gerne nicht komplett übertrieben sein, also Drinkability finde ich schon wichtig. Ich bin aber auch ein großer Fan von Porter und Stouts und wenn ich da was finde, zum Beispiel in London, gibt es jetzt das London Porter seit einiger Zeit. Das ist so eine kleine Brauerei, wie heißen sie, Hobday & Anspach oder so.

Markus: Andersrum, Anspach & Hobday, aber, genau, ja.

Achim: Genau, und das findet man mittlerweile sehr weit verbreitet in London und ist eins, was ich immer gerne trinke. Ja und ansonsten bin ich halt sehr gern bei bestimmten Brauereien. Also ich arbeite mit Pretty Decent zusammen, die in Walhampton sind, auf der Blackhorse-Beer-Mile, und das ist halt immer spannend, weil da, ja, wenn du einen Monat später noch mal da hinkommst, sind halt 90 % der Biere andere als im Monat davor. Und, ja, was Essen angeht, bin ich da auch ganz aufgeschlossen, also ich esse auch gerne mal ein Pie oder sowas, aber wenn es was Thailändisches gibt oder eine gute Pizza, dann kann ich da auch super mit leben. Was ich immer mache, wenn ich in London bin, ist mindestens ein-, zweimal zum Inder zu gehen, weil indisches Essen in Deutschland, allein auch der Tatsache, dass es hier schlicht und ergreifend nicht viele Inder gibt, eher so ein bisschen schwierig ist, gute Sachen zu finden und das ist in Großbritannien und London ist sicherlich ein Hotspot, was komplett anderes. Da ist es eher die Qual der Wahl, wenn du über die Brick Lane läufst, hast du irgendwie, weiß ich nicht, 80 indische Restaurants, aber das mag ich wirklich sehr gerne.

Markus: Ja, also da, muss ich sagen, für mich ist es beides, also sowohl, dass es dort einfach viele Inder gibt und da einfach vielleicht ein bisschen durch die Konkurrenzsituation, aber auch dadurch, dass sie einfach da sind, dass das noch mal besser ist. Und andersrum, muss ich auch sagen, es gibt auch wenig qualitative Konkurrenz, wenn man so die klassische britische Küche anschaut, das ist schön zum Sunday Roast, aber das ist es dann irgendwie auch. Also mindestens ein-, zweimal zum Inder muss ich jedes Mal, allein, um wirklich geschmacklich intensive, aromatische, gut gewürzte Speisen zu haben, die man tatsächlich sonst nicht so oft bekommt, ohne jetzt der englischen Küche irgendwie Unrecht tun zu wollen, bei keinster Weise, aber auf jeden Fall, da bin ich absolut bei dir. Wenn man so an die Pubs denkt, ich habe so einen, wo ich wirklich gerne bin oder zwei vielleicht in London. Kennst du die Olde Mitre, also der  so ganz versteckt ist im Bankenviertel? Den findet man erst, wenn man so einen Schleichweg praktisch geht und dann ist in diesen ganzen Hochhäusern plötzlich, steht wie so eine Insel ,so ein kleiner Pub mit Fuller´s Beer und das finde ich schon immer faszinierend. Auch, wie die Leute da rumstehen und so, das ist ja wirklich wie eine Bierinsel, oder?

Achim: Ja, es gibt viele so, also auch The Harp im Zentrum von London ist so ein Laden, der immer eine tolle Auswahl hat und es ist einfach klein und comfy. Und es gibt aber auch am Fluss tolle Pubs, also Prospect of Whitby zum Beispiel in Wapping oder wenn man in Hammersmith runter zum Fluss geht, kommen da auch etliche Pubs, die direkt am Fluss liegen. Und wenn man da ein bisschen Glück mit dem Wetter hat, ich war jetzt letzte Woche erst da und, ja, es waren 15, 16 Grad, die Sonne hat geschienen, konntest du draußen sitzen, guckst auf den Fluss, das ist einfach, ja, ist einfach toll und, ja, das kann ich einfach nur jedem empfehlen.

Markus: Ja und wie ich gerade schon gesagt habe, ich finde auch, also gerade, wenn man mal am Sonntag da ist, sich dann eben auch einen Platz zu reservieren für Sunday Roast, finde ich auch ganz toll, also wenn man dann die schönen Yorkshire Pies hat, also Yorkies. Das ist praktisch das Pendant zu unserem Klos, sage ich mal, aber halt ganz anders und ich mag das total gerne, geschmacklich. Das ist im Grunde, ja, so ein Teig, der dann im Ofen, wenn man es richtig macht, quasi explodiert und ein riesengroßes luftiges Teilchen dabei rauskommt, mit dem man toll Soße aufdippen kann, ja, also das finde ich total toll. Oder auch, wenn man mal so ganz klassisch Afternoon Tea machen will, ist auch schön, kann man in London auch schön zum Beispiel an der Themse in vielen Pubs machen, wenn man dann so auf den Fluss guckt und dann kriegt man lauter Häppchen serviert. Da kann man auch so viele essen, wie man will, das finde ich auch schön und dazu auch so viel Tee, wie man will, das wiederum ist dann schon irgendwann ganz schön anstrengend, aber auch schön. Also ich finde, da gibt es so viele lustige kleine Restkulturstückchen, die man da noch erleben kann, die bei uns wahrscheinlich alle völlig vergessen sind, die da auch mit Hingabe gelebt werden. Und das finde ich auch schön, also da erlebt man halt noch mal so einen anderen Zugang zur kulinarischen Kultur als vielleicht bei uns.

Achim: Das stimmt und natürlich Fish & Chips darf man nicht vergessen, da gibt es auch gute Läden und ein paar von den alten Pie-Shops gibt es ja auch noch, also das sind dann schon Sachen, die kann man immer machen. Und da gibt es auch moderne Varianten von, also Leute, die das so ein bisschen ins nächste Jahrtausend gebracht haben. Also wer da sich vorbereiten will, mal nach London fährt oder Glasgow oder was auch immer, Manchester, mittlerweile ist es ja einfach, sich zu informieren, wenn man auf YouTube dann entsprechend ein Stichwort eingibt, dann wird man viele, viele kurze Videos finden über die besten Inder, über die besten Pies, Fish& Chips, Pubs, was auch immer, gibt es 100e von Videos und dann hat man schon mal einen Ansatzpunkt und würde auf keinen Fall enttäuscht werden.

Markus: Und was ich auch toll finde, in London findet man manchmal auch noch Pubs, die mit Holzfässern arbeiten, also allen voran die Sam Smith Pubs zum Beispiel, also ich denke da an den Cheshire Cheese oder sowas, wo sie dann eben noch Mild, zum Beispiel so ein Dark Mild aus dem Holzfass servieren, das, finde ich, ist auch noch mal ein toller Teil der Kultur. Und gerade diese Pubs sind ja auch uralt, also das merkt man auch, wenn man da rumläuft, alles verwinkelt, alles ganz, ganz schwierig auch zugänglich und sehr, sehr duster alles und so, also, ja, so wirklich, wie man sich das so ein bisschen vorstellt. Auch auf dem Land, wenn man so in England ist, findet man ja viele so ganz verwinkelte, verwunschene Häuschen und so, also tolles Erlebnis.

Achim: Ja, ja, kann nicht ich nur empfehlen. Und auch tolle Landschaft, man ist nie weit von der Küste weg wirklich. Ja, sich einfach drauf einlassen. Also das ist für mich sowieso ein Hauptgrund zu reisen, ich möchte die Sachen essen, die Dinge trinken, die vor Ort halt, ja, konsumiert werden von den Locals, wenn man sich da ein bisschen darauf einlässt, dann gibt es da in Großbritannien ganz viele tolle Möglichkeiten und super, ja. Erlebnisse.

Markus: Du fährst ja meistens mit dem Auto rüber, denke ich mal. Wie ist das denn, kommt man mit dem Linksverkehr gut zurecht?

Achim: Also ich bin da sehr oft mit dem Wagen gewesen, vor allen Dingen, als ich noch Events gemacht habe, mittlerweile fliege ich meistens. Ich habe da nie Probleme mit gehabt, aber, ja, man muss sich so ein bisschen konzentrieren. Also vor allen Dingen, das kann ich nur allen raten, wenn man morgens nach dem Frühstück wieder ins Auto steigt, das ist der Gefahrenmoment, weil dann viele Leute automatisch nicht an den Linksverkehr denken, vor allen Dingen, wenn sie irgendwo im Nirgendwo sind und keine anderen Verkehrsteilnehmer haben, das ist eigentlich so die größte Gefahr, dass dann die Routine einsetzt. Und ansonsten gibt es so ein paar lustige Kreisverkehre, ich habe jetzt vergessen, wie der heißt, es gibt einen, wo verschiedene Kreisverkehre einen zentralen Kreisverkehr füttern und da muss man schon ein bisschen sich konzentrieren. Und, ja, London an sich, ist halt London, ist halt komplettes Chaos und ich habe das schon oft erlebt, dass ich irgendwelche Leute mit im Sprinter hatte, die irgendwann, ja, die Augen zugemacht haben, weil sie es nicht ertragen konnten. Aber da muss man halt cool bleiben und dann funktioniert das.

Markus: Ja, interessanterweise, man braucht einfach ein bisschen Rücksichtnahme, ein bisschen wach sein und dann kommt man da schon irgendwie zurecht. Wobei ich den Kreisverkehr an sich ja total toll finde als Verkehrsleitinstrument sozusagen. Als ich so, also bis, ich sage mal, meinen Führerschein gemacht habe, habe ich hier in Deutschland keinen einzigen Kreisverkehr gesehen, mittlerweile gibt es die ja ein bisschen häufiger. Aber dann waren wir auch mal in England eben oder auch in Frankreich und das finde ich eine wahnsinnig gute Alternative zu Ampel, weil der Verkehr einfach weiter fließt, und, wie gesagt, wenn jeder guckt, passiert in der Regel auch nichts. Spannend fand ich dann allerdings, wir sind einmal mit dem Auto auch runtergefahren nach Cornwall und wenn man da dann so, das sind sehr, sehr kleine, enge Sträßchen und gerade nachts, rechts und links sind oft meterhohe Hecken, also so, dass man auch nicht wirklich ausweichen kann und die Leute fahren trotzdem so die Maximalgeschwindigkeit, auch wenn klar ist, dass keine zwei Autos aneinander vorbeikommen und witzigerweise funktioniert es. Also auch da hatte ich eine Beifahrerin, die dann die Augen zugemacht hat, aber ich habe ihr dann gesagt, wir können entweder nur mitmachen oder wir müssen stehen bleiben, irgendwas dazwischen kriegen wir nicht hin und so haben wir das dann gemacht und auch überlebt, also war alles gut. Und wir sind bis auf die Scillys Islands gekommen, was ich ein total faszinierendes Eckchen England finde. Ich weiß nicht, warst du da schon mal?

Achim: Ja, ja, ich war in Cornwall auch schon zweimal und das ist wirklich eine sehr pittoreske Gegend. Und da Autofahren macht besonders Spaß, also einigen Leuten, andere finden es, ja, grenzwertig, aber die Landschaft ist super. Und das gilt aber für die gesamte Südküste, also du musst gar nicht weit aus London rausfahren, um diese kleinen Straßen zu haben. Und ich war jahrelang auf dem Mittelaltermarkt mit dem Stand, Herstmonceux, das ist in der Nähe von Hastings. Und wenn du da von London aus hinfährst, dann hast du nach wenigen Kilometern, sobald du einmal von der Hauptstraße weg bist, ist halt wirklich hübsch und klein, aber auch eng und, wie du gesagt hast, Hecken links und rechts oder Mauern und dann, ja, musst du halt gucken, dass du da mitmachst.

Markus: Aber irgendwie geht das. Ja, also auf jeden Fall, glaube ich, haben jetzt den Leuten auch Lust gemacht, ein bisschen nach England mal zu schauen, sich mal selber zu orientieren. Aber vielleicht noch allgemein, du hast ja auch viele alkoholfreie Biere bei dir im Paket oder in deinem Laden, merkst du da auch einen Trend, also kommt das bei dir auch an?

Achim: Also alkoholfrei ist klar ein Trend, glutenfrei ist klar ein Trend und, ich denke, es wird auch wenige Brauereien geben, die ohne diese Produktlinie auskommen. Also wenn ich mir jetzt hier unsere Lokalen angucke, also Uerige und Füchschen haben schon seit längerer Zeit ein alkoholfreies Bier, jetzt sind sie beide noch mit einem Radler um die Ecke gekommen. Ja, also das ist auf jeden Fall etwas, was zunimmt und es ist auch der einzige Wachstumsbereich, also der Bierkonsum an sich geht ja stetig zurück bei uns, das Einzige, wo wirklich Wachstum entsteht, ist in diesen Bereichen.

Markus: Jetzt hast du gerade glutenfrei erwähnt, das habe ich auch gerade auf den britischen Inseln erlebt, dort ist es relativ wichtig den Leuten, ne?

Achim: Ja, genau, also das ist etwas, was, ja, von vielen, vielen Brauereien angeboten wird und anscheinend legen die da noch mehr einen Fokus drauf, als das bei uns der Fall ist. Ich habe auch etliche Kunden, die halt einfach kein Gluten vertragen und die sind dann natürlich happy, das hängt immer ein bisschen davon ab, was wir jetzt gerade da haben, aber wenn sie Glück haben, dann haben wir teilweise 16, 17 glutenfreie Biere. Und das ist natürlich eine Auswahl, die es sonst eigentlich nirgendwo gibt.

Markus: Ja und das, finde ich auch, ist gerade für Kunden, die daran Interesse haben oder die gesundheitlich einfach darauf angewiesen sind, ist das natürlich auch wichtig. Im Hintergrund ist ein bisschen, dass wir das bei uns in Deutschland so einfach gar nicht herstellen können, weil man in der Regel glutenfreies Bier so macht, dass man Enzyme zugibt, die dann eben das Gluten abbauen und das widerspricht dem Reinheitsgebot, weswegen das eben nicht so einfach ist. Es gibt auch ein paar andere Methoden, deswegen gibt es ein paar wenige Anbieter, die das auch in Deutschland machen, mal schauen, wie sich das so in Zukunft entwickelt. Ich würde gern zum Abschluss mit dir noch mal in andere Bierländer so kurz gucken, also zumindest in eines, dass du auch schon erwähnt hast, wo du ja auch viele Biere hast, nämlich Belgien. Hat sich das so mittlerweile zu einer zweiten Liebe entwickelt für dich?

Achim: Ja, auf jeden Fall. Also Belgien, wenn du da in ein schönes Café gehst, hast du, weiß ich nicht, 5 bis 10 Hähne und dann 500 Flaschenbiere im Keller und dann gibt es halt, ja, wenn du einfache Sachen willst, gibt es halt die Käsewürfel und den Senf dazu und das Selleriesalz, auch vom Essen her, also ob es nun Muscheln mit Pommes sind oder Carbonade Flamande oder sonst was. Also das ist schon, es ist ähnlich wie in Frankreich, die trinken und essen sehr gerne und legen da großen Wert drauf. Und die Bandbreite, die von den Brauereien hergestellt wird, ist halt auch gewaltig, also die Bierstile, die wirklich grundlegend unterschiedlich voneinander sind. Und, ja, da bin ich sehr gerne, also sowohl in Brüssel, aber auch in Gent, aber auch in kleineren Orten wie zum Beispiel Halle und da arbeite ich mit einer ganzen Reihe von Brauereien zusammen, ob das nun St. Benardus ist oder Vanhonsebrouck, die halt die Kasteelsachen machen, aber auch Kleinbrauereien, wie Brasserie de Silly und dergleichen. Das ist großartig, du kannst in jeden Supermarkt laufen und hast also auch Aldi und Lidl und hast eine vernünftige Bierauswahl. Du kannst in jeden, die Anekdote können meine Mitarbeiter schon nicht mehr hören, aber mich hat das damals echt überrascht, als ich das erste Mal mit einem Geschäftspartner in einer Frituur bin, also in eine Pommesbude und dann haben die da 3 Hähne und 30, 40 Biere in der Flasche und dann siehst du, ja, da Bauarbeiter oder Müllwerker, die dann halt ein Glas Orval oder Ähnliches trinken aus dem Pokal, während sie ihre Pommes essen. Und da wird dir dann klar, spätestens in dem Moment, dass das Biertrinken in diesem Land einen komplett anderen Stellenwert hat bei vielen Leuten, als es halt bei uns der Fall ist.

Markus: Ja und es ist wunderbar, das erleben zu können und zu dürfen und dabei zu sein. Und das finde ich auch, also die Bierkultur ist dort viel gegenwärtiger und wird ganz anders zelebriert und viel selbstverständlicher auch zelebriert, das finde ich wirklich richtig schön. Wenn man so eine gewisse Parallele ziehen will, also ich versuche es jetzt mal, ich weiß gar nicht, ob das geht, aber man könnte ja sagen, dass, was in England so das Cask Ale ist, das ist vielleicht in der Brüsseler Gegend das Lambic. Also auch so ein historisches Bier, was sehr eigen ist und was von den Leuten vor Ort aber auch eben einfach easy drinking mäßig konsumiert wird. Wie geht es dir so damit, wie kommst du mit diesen ganzen Lambics zurecht?

Achim: Ja, sehr gut, also ich trinke die sehr gerne. Ich war jetzt schon häufiger, habe ich einige besucht, ich war jetzt zweimal bei der Tour de Geuze und war halt häufiger in Halle und da ist halt Boon direkt um die Ecke und in Lembeck halt und finde ich großartig. Also was ich schön finde und das macht Boon ganz clever, die haben halt ein Brune, ich glaube, es heißt irgendwie Duvel, irgendwas mit dem Teufel, Duvel-Bier heißt es, glaube ich, oder so, und das ist halt ein malziges Bier, und wenn ich da bin, länger oder da einen Tag verbringe, dann trinke ich immer gerne zwischendurch mal eins davon und dann kannst du so ein bisschen die anderen neutralisieren und dann weitermachen. Aber ich finde das großartig, vor allem, wenn man einmal durch so eine Brauerei wie Boon gelaufen ist, sich da die ganzen riesigen Holzfässer anguckt und versteht, wie viele Jahre das braucht, bis so ein Bier fertig ist. Und da finde ich auch bei Boon das Preis-Leistungs-Verhältnis ist einfach super. Also, klar, die Flaschen kosten ein paar Euro, aber dann kriegst du eine 0,375er-Flasche, sage ich mal, die kostet dann 5, 6 Euro, das hat dann aber 4 Jahre gedauert, bis das Bier wirklich in der Flasche verkaufsfähig gelandet ist und ich finde, das ist, ja, kann man auf jeden Fall machen, sollte man auf jeden Fall ausprobieren. Und wer da Interesse hat, auf jeden Fall mal dahinfahren und so eine Brauerei besuchen, das ist sehr spannend und macht einfach furchtbar viel Spaß.

Markus: Ja, also gerade Frank und seine beiden Söhne, das ist immer ein Erlebnis und die sind eben auch mit Herz und Seele dabei und Frank kann ja zu jedem Fass die Geschichte erzählen, weil er auch jedes Fass, was da steht, schon mal irgendwann in seinem Leben repariert hat, also das ist schon Wahnsinn. Und was ich auch klasse finde, ist allein, es gibt dort für mich das Biercafé mit dem schönsten Namen, Die Versicherung gegen den großen Durst, also das finde ich schon großartig und dann auch noch die Öffnungszeiten, dass man nur am Sonntagmorgen dahin gehen kann, das ist in der Kombination einfach hammermäßig. Also, ja, Belgien gehört natürlich auch auf die Liste. Man kann bei dir das auch ein bisschen erleben, du machst auch Veranstaltungen, wo du da ein bisschen zu erzählst oder, zu England und Belgien und sonst wie?

Achim: Genau, also wir machen Tap Takeovers und Tastings, wo es dann um die Länder geht oder um Brauereien aus den verschiedenen Ländern. Das Nächste, was wir jetzt machen werden, ist am 18.01. ist der James von Pretty Decent da und da machen wir dann ein Tasting, und so Veranstaltungen haben wir halt immer wieder. Oder wir haben eine Woche später, ich glaube, am 24. ist Burns Night und das heißt, da haben wir Haggis bestellt aus Schottland und dann gibt es Haggis mit Neeps und Tatties, Whiskysoße, ein Bier-Tasting, noch einen Whisky dazu und dann erzähle ich ein bisschen einfach über alles, über Schottland, über Burns, über die Geschichte des schottischen Biers, ein bisschen über den Whisky, also einfach so ein, ja, kulinarischer und alkoholischer kultureller Rundumschlag, das dann über mehrere Stunden geht. Und, ja, so Veranstaltungen mag ich sehr gerne.

Markus: Ja und jetzt hast du mir total Lust gemacht, also mal schauen, ob ich es schaffe, zu dieser Haggis-Veranstaltung zu kommen, das ist schon, vor allem, wenn man es dann mal original hat, das ist natürlich großartig. Also insofern kann ich mich nur noch mal bei dir bedanken, dass du das alles auf dich nimmst, um den Leuten die Bierkultur, die Biere näher bringen zu können, dass man das eben so erleben kann und nicht zuletzt auch, dass du bei uns in der BierAkademie uns immer versorgst mit den Bieren, das ist natürlich auch wichtig, weil mittlerweile bekommt man britische Biere gar nicht mehr so leicht, also insofern toll, dass du das machst und, ja, wie gesagt, vielen Dank und dir heute auf jeden Fall noch eine schöne Zeit. Und wann bist du das nächste Mal auf der Insel?

Achim: Spätestens im April, genau, ich war letzte Woche erst da. Und im April machen wir dann wieder ein Collab, da nehme ich hier zwei Hobbybrauer mit und dann machen wir bei Pretty Decent zum dritten Mal, brauen wir bei denen Altbier. Und das ist auch immer eine super Veranstaltung und bisher die beiden Biere, die wir hatten, sind auch super angekommen und, ja, das ist halt eine spannende Sache.

Markus: Toll, also da bist du sogar noch Missionar für das Düsseldorfer/deutsche Bier, wunderbar, also vielen Dank und, ja, dir dann heute noch eine schöne Zeit und bis bald mal wieder.

Achim: Ja, wünsche ich dir auch.

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