BierTalk 19 – Interview mit Christian Pichler vom Batzen Bräu in Bozen / Bolzano

Unser 19. BierTalk führt uns nach Südtirol und damit ins europäische Herz der Genusskultur. Hier treffen Käse und Schinken, Pizza und Schnitzel, aber auch Wein und Bier aufeinander und werden jeweils in bester Qualität zelebriert. Einer dieser Genusstempel ist das Batzenhäusl in Bozen, das von Robert Bobo Widmann und seiner Familie geführt wird. Zur Familie gehört Christian Pichler als Schwiegersohn und mittlerweile Vater von fünf Kindern. Im Gespräch erzählt er von seinem Weg zum Braumeister und von seiner Philosphie und Liebe zum Bier – und zu seinem Heimatland. Ein BierTalk nicht nur für Bierfans, sondern auch für Freunde feiner Genussreisen – ganz nebenbei lüftet Holger übrigens das Geheimnis seiner wahren Herkunft...

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Holger: Herzlich willkommen zu dem 19. BierTalk. Ich kann euch sagen, die liebste Grenzüberschreitung überhaupt findet heute statt. Es geht nach Südtirol. Wie immer mit mir, dem Holger und dem …

Markus: Markus. Wir haben wirklich eine Grenzüberschreitung, denn wir haben auch eine andere Premiere, Holger.

Holger: Ja. Wir haben auch eine andere Premiere, aber da sagen wir gleich noch was dazu. Zu Gast ist der Christian vom Batzen Bräu in Bozen. Christian, herzlich willkommen! Grüß dich! Vielleicht stellst du dich selbst vor.

Christian Pichler: Hallo! Grüße nach Deutschland. Freut mich sehr, euch mal zu hören, mit euch zu quatschen. Mein Name ist Christian Pichler. Ich bin Braumeister im Batzen Bräu, bin 36 Jahre, lebe schon seit eh und je in Südtirol und mache den Batzen Bräu, das schöne, gute Bier.

Holger: Genau. Und das steht auch vor uns. Da freuen wir uns schon richtig drauf.

Christian Pichler: Genau.

Holger: Und Markus hat es ja schon gesagt, unsere Premiere ist, wir sind eben zusammen in Bamberg und machen die Aufnahme gemeinsam. Also das haben wir ja noch nie gemacht, sondern haben uns jetzt erst beim 19. Mal getraut, das wirklich gemeinsam zu machen. Das ist großartig, also das Mikrofon steht auf dem Tisch, aber natürlich auch die Gläser und die Biere. Also es kann sozusagen losgehen.

Markus: Absolut. Mit was wollen wir denn anfangen, Christian?

Christian Pichler: Ich würde sagen, wir fangen mit dem Kranewitten an, das erste Bier mit Südtiroler Qualitätszeichen, was ich gemacht habe. Das heißt, wir nehmen 99 % der Rohstoffe rein aus Südtirol und Hauptanteil logischerweise ist das Gerstenmalz, etwas Dinkel und natürlich unser Wasser. Und das wäre das Kranewitten, wie schon gesagt, und das ist ein schönes Saison nach Südtiroler Art gebraut.

Markus: Okay. Dann machen wir es mal auf, oder?

Holger: Unbedingt. Ja.

Christian Pichler: Jawoll.

Holger: Da kann man nichts falschmachen. Ich auch, ich auch. Also nicht so viel. Wahnsinn, der Typ.

Markus: Prost!

Christian Pichler: Zum Wohl!

Markus: Mmh!

Christian Pichler: Wie schon gesagt, ein Saison, sehr trocken. Die Hefe ist sehr wichtig in diesem Bier, das ist eine Belgian Saison-Hefe, die uns auch die schönen belgischen Charaktere gibt. Aber was noch besonders ist, ich habe ja vorhin gesagt, wir brauen das nach Südtiroler Art. Und der Gedanke dahinter ist, ich habe das mit Wacholderbeeren, Pfeffer und Salz gewürzt. Wir in Südtirol dürfen ja nicht nach dem Reinheitsgebot brauen, das ist auch, wo ich sehr viel Freude daran habe. Also ich halte sehr, sehr viel vom Reinheitsgebot, mache auch die meisten Biere nach dem Reinheitsgebot. Unserer Hauptbier, das Vienna oder auch das Pils, die ganzen Bockbiere sind nach Reinheitsgebot gebraut. Und das war eines meiner ersten Biere nicht nach dem Reinheitsgebot. Und deshalb auch bewusst mit Südtiroler Qualität und auch mit der Südtiroler Art und Weise, weil man ja auch Speck mit Südtirol verbindet, und Speck würzt man genau gleich wie dieses Bier.

Holger: Sehr gut. Und wo kommt der Name Kranewitten her?

Christian Pichler: Kranewitten sagen wir auf Südtirolerisch zu Wacholderbeeren. Also, wenn einer bei uns Kranewitten sagt, dann weiß man eigentlich, das sind die Wacholderbeeren.

Markus: Also so eine Mischung aus Gin, Goose, Wit und Saison?

Christian Pichler: Genau. Genau das war eigentlich der Gedanke, einfach die Gewürze etwas reinzubringen. Und vor allem, das war mein erstes Bier mit Salz, das ich etwas gesalzen habe. Und ich bin ein sehr großer Freund, die Biere etwas zu salzen, denn Salz hebt die Vollmundigkeit. Man muss nur aufpassen, dass es ja nicht zu viel wird. Und das geht auch relativ schnell, wenn man mit der Menge etwas zu locker ist, dass die Biere auch versalzen sind.

Holger: Es sind ja gerade die Eisheiligen, deshalb ist es sehr schönes Wetter hier in Bamberg, aber eben kühler. Aber das ist so ein richtig tolles Bier jetzt zum Starten, also schön trocken und schlank. Also mir schmeckt‘s gut, oder?

Markus: Ja. Nein, super. Was ich ganz tollfinde, es hat ja so richtig schöne weinige Noten, und das vermischt sich mit dem Salz. Ich glaube, das Salz öffnet noch mal im Mund so ein bisschen für die Säure.

Christian Pichler: Genau.

Markus: Und dann hat man da ein richtig schönes Zusammenspiel. Und dann kommt natürlich, die Flüssigkeit spült das Salz wieder ein bisschen weg und der Mund klingt ganz trocken aus. Also das ist ein sehr, sehr angenehmes und spannendes Bier. Toll!

Christian Pichler: Ich muss sagen, das ist bei uns auch sehr gut angekommen. Das war ja immer so südtirolisch relativ einseitig geprägt mit dem Biertrinken und wir waren eine der ersten Brauereien, die etwas mehr Schwung in die Bierszene gebracht haben. Auch Italien ist ja mittlerweile sehr weit vorne und da wir ja zu Italien gehören, sind wir da ein wenig aufgesprungen und wollten den Südtirolern etwas mehr Bierkultur beibringen und sind jetzt schon auf einem guten Punkt. Wir sind ja seit mittlerweile schon acht Jahren (unv. #00:04:32.6#), 2012 haben wir unsere Brauerei eröffnet, haben sehr, sehr viele Biere in unserem (unv. #00:04:37.5#), die wir auch den Kunden erklären müssen zuerst logischerweise, aber dann kommen immer mehr auf den Geschmack, auch etwas außergewöhnliche Biere zu trinken. Wir machen eben ganz, ganz viele auch außergewöhnliche Biere.

Holger: Ich kann das nur bestätigen. Man kann eigentlich fast sagen, in Südtirol gab’s ja ein Monopol, und zwar die Forst Brauerei in der Nähe von Meran. Das muss man wirklich so sagen, die haben Südtirol fest in ihrer Hand, die ganze Gastronomie kennt eigentlich nur die Forst Biere. Und da habt ihr einen schönen, also wirklich ein schönes i-Tüpfelchen gesetzt. Ihr seid da erfolgreich und eben auch bei Pur Südtirol, das sind so schöne Läden mit ganz ausgezeichneten Südtiroler Produkten, da seid ihr dann auch eigentlich direkt neben dem Weinregal gut geführt. Und man sieht‘s ja auch schon hier an der Flasche, also wie schön die geformt ist. Also das ist ja so eine ganz kleine Champagnerflasche und dann steht Batzen drauf. Und man muss da vielleicht auch noch was zu sagen: Das Batzen Bräu ist ja in einem ganz historischen Gasthaus. Also das muss man vielleicht auch noch betonen, das ist eine ganz tolle Location. Und dazu dann noch auch noch in der Andreas-Hofer-Straße, also absoluter Südtiroler Nationalheld. Da kommt ja alles zusammen. Und dass es da dann wirklich gut wird mit den Bieren, ist ja total klar.

Christian Pichler: Sicher eines der ältesten Wirtshäuser Südtirols, 1404 das erste Mal schriftlich erwähnt. Und seit dem Zeitpunkt eigentlich immer als Gastbetrieb in Funktion. Und 2002 hat das ja der jetzige Chef, der Robert Bobo Widmann, der ist ja sehr bekannt in Deutschland, eröffnet als Wirtshaus, wo dann 2012 die Brauerei dazukam mit einem neuen Garten, wo wir jetzt einen schönen Biergarten präsentieren können. Und die Leute schätzen es in Bozen sehr, einen Garten und auch am Abend bis in später Stunde ein gutes Bier zu trinken.

Holger: Wenn wir ein bisschen weiter fortgeschritten sind, erzähle ich euch ein Geheimnis. Aber jetzt nehmen wir vielleicht das zweite Bierchen, oder?

Markus: Auf jeden Fall. Ja.

Christian Pichler: Jawoll! Wir gehen mit dem Weizen Bock weiter. Also der Weizen Bock, da haben wir heuer bei der Beer Attraction, also beim Birra dell’Anno 2020 Gold geholt. Das ist ein typisches deutsches bayerisches Weißbier, wo ich auch sehr stolz darauf bin, weil Weißbier ist ja nicht immer so einfach zu brauen, das weiß, glaube ich, jeder Brauer. Typisch nach deutschem Reinheitsgebot gebraut. Ich nehme 60 % Weizenmalz-Anteil, der Rest ist Gerstenmalz mit etwas Spezialmalze, dass wir einen schönen malzigen und auch etwas karamelligen Körper reinbekommen. Alkohol haben wir 6,5 %, und schön spritzig, schön fruchtig, etwas bananig, etwas gewürznelkig, also wie es ein richtiges Weißbier auch haben soll. Und da es ein Bock ist, haben wir auch etwas Bumms dahinter.

Markus: Holger …

Holger: Nein, das machen wir auf. Ja.

Christian Pichler: Müssen wir unbedingt mal aufmachen.

Holger: Ah, schöne Farbe. Mmh!

Markus: Das heißt ja Weisser Bock, aber ist gar nicht so hell, schon eher dunkleres Weizen.

Christian Pichler: Weisser Bock eigentlich wegen Weizen Bock, und wir haben es halt Weisser Bock genannt. Und als ich das gemacht habe, ging ich zu meiner Schwiegermutter, Chef ist ja mein Schwiegervater. Und so eine kleine Geschichte, lief ich rauf ins Büro, Evi heißt sie, wie möchtest du das Bier haben, hell oder dunkel? Und die erste Entscheidung, die kam, war von ihr: etwas dunkler. Und dann habe ich es etwas dunkler gemacht.

Holger: Das ist auf jeden Fall ganz wichtig, sich mit der Schwiegermutter gut zu stellen. Also da drauf trinken wir.

Markus: Ja, auf die Schwiegermutter.

Holger: Auf alle Schwiegermütter.

Markus: Mmh! Aber ich kann mir vorstellen, dass das die Schwiegermutter glücklich macht. Sehr schön.

Christian Pichler: Absolut. Also wie gesagt, ein typischer Weizen Bock. Ich hoffe, er schmeckt euch auch, weil die Deutschen sind ja vielleicht etwas genauer, etwas penibler. Die Weißbiertradition in Bayern ist ja riesengroß und das ist auch sehr schwierig da ranzukommen bei den großen Brauereien, also bei dem Weißbier. Aber ich bin froh mit meinem und das kommt sehr gut an bei uns.

Markus: Ich lese grad auf der Flasche, da steht als Brauerei Bozner Weisse GmbH. Hat das was damit zu tun? Also habt ihr euch ursprünglich vorgenommen, nur Weizenbier zu machen?

Christian Pichler: Ja. Der Bobo hatte ja vorher, er hatte 98 die erste Gasthausbrauerei in Bozen eröffnet, das ist das Hopfen & Co.. Und mittlerweile hat er das verkauft, jetzt ist er eigenständiger Eigentümer vom Batzen Bräu, Batzenhäusl. Und sein Gedanke war ja mal, nur Weißbier zu machen, und deshalb auch Bozner Weisse. Und so heißt einfach nur die Firma. Wäre vielleicht nicht ein schlechter Gedanke, weil wir ja in Südtirol die eine Brauerei haben, die machen untergäriges Bier, da wäre das halt ein schöner Ausgleich gewesen, so Südtiroler Bierkultur, aber trotzdem ist es dann halt anders gekommen.

Holger: Jetzt habt ihr es einfach noch mehr bereichert.

Christian Pichler: Jetzt haben wir es noch mehr bereichert, also unser Hauptbier wie gesagt ist unser Vienna, also hat ja Südtirol auch eine lange Biertradition. In Südtirol gab es vor dem Ersten Weltkrieg über 25 Brauereien. Da haben wir ja noch zu Österreich gehört in den K. u. K. Zeiten. Und da braute man viel nach der österreichischen Brautradition und auch das Wiener Bier. Und das Wiener Malz verleiht dem Wiener also etwas mehr, ist etwas kräftiger, etwas kerniger, etwas dunkler vielleicht wie das normale Helle. Und dann sind wir da aufgesprungen und unser Hauptbier ist das Wiener Lager.

Holger: Wiener Lager ist ja auch ein Bierstil, ja, ich will jetzt nicht sagen, dass er ausgestorben ist, aber er ist auf jeden Fall vernachlässigt worden, stark vernachlässigt worden.

Christian Pichler: Ja.

Holger: Und das finde ich auch immer schön, dass wir Bierstile haben, die dann auch wiederbelebt werden durch die Szene. Und gerade das Wiener Lager hat in Südtirol sicher sein Zuhause auch. Also vielleicht nicht sein Zuhause, aber einfach eine Heimat, wo es lange, lange Zeit eben auch darin schon begründet ist, dass ja auch Südtirol lange eben zur K. und K. Monarchie gehört hat und Wien die Hauptstadt war.

Markus: Interessanterweise hat das Wiener Lager ja sein Überleben außerhalb von Europa …

Christian Pichler: Ja, Brasilien.

Markus: Genau. Also die Auswanderer aus Österreich, vor allem nach Mexico, Texas, aber dann eben auch in Südamerika, die haben ihre Baukunst mitgenommen und dort ist das Wiener Lager eigentlich die ganze Zeit über kultiviert worden und kommt jetzt wieder ein bisschen zurück. Vielleicht noch eine Frage, Christian: Wie kommst du denn überhaupt zum Thema Bier? Also wenn wir dich ein bisschen besser kennenlernen, wenn wir uns den kleinen Christian vorstellen vor 30 Jahren, keine Ahnung, was der gemacht hat, was ist passiert, dass du jetzt im Batzen Bräu stehst und tolle Biere machst?

Christian Pichler: Ich bin Quereinsteiger, kann man sagen. Ich habe meine Schule gemacht, bin dann KFZ-Mechaniker geworden, habe das auch fertiggelernt. Das hat mir auch sehr gut gefallen. Ich bin aber dann durch meine jetzige Frau, wir haben ja mittlerweile schon, ich habe fünf Kinder mit meiner Frau, ist eine große Familie, zu dem Bierbrauen eigentlich gekommen auch und auch logischerweise wegen meinem Schwiegervater, meinem jetzigen Schwiegervater.

Holger: Das ist ja eine lustige Geschichte. Ich stelle mir vor, bei fünf Kindern, da weiß man ja, was du während der Rasten-Zeit machst. Also das weiß man dann ja wohl.

Christian Pichler: Genau. Wie gesagt, er hatte die kleine Gasthausbrauerei in Bozen, Hopfen & Co, hat dann das Batzenhäusl gekauft. Da war ich schon mit meiner jetzigen Frau, da hatten wir schon ein Techtelmechtel, und hat das auch etwas mitverfolgt. Und er wollte zuerst immer ein Weinlokal machen, weil er nicht in Konkurrenz gehen wollte mit dem Hopfen & Co., da waren sie noch zusammen, waren ja zwei Chefs, wollte da nicht in Konkurrenz gehen. Er hat aber gesehen, dass es ihm nicht so viel Freude macht das Weinlokal. Das war auch sehr schwierig, das in Gang zu bringen und so weiter. Er verkaufte dann das Hopfen & Co. 2006 und spielte da schon mit dem Gedanken, eine eigene Brauerei zu machen. 2006 war ich da schon fest mit meiner jetzigen Frau zusammen, und er hat auch gesehen, dass es recht gut funktioniert. Und er hat auch gesehen, dass ich sehr bierinteressiert bin, also ich habe immer schon sehr gerne Bier getrunken. Ich musste als Kleiner meinem Vater immer vom Keller das Bier holen und zufälligerweise lag im Keller auch immer ein Öffner rum, und den ersten Schluck, den habe ich mir immer gegönnt. Und mein Vater sagte auch nie was, also er hat ja gesehen, dass immer ein Schluck fehlt, lachte nur. Solange es nicht zu viel wurde, hat er nie was gesagt. Und deshalb schmeckte mir das Bier auch schon, als ich sehr klein war. Aber zurück zu kommen zu der Geschichte, das merkte auch Bobo, und er fragte uns: Wollt ihr nicht zusammen das Projekt wagen? Ich bräuchte einen guten Braumeister, hättest du nicht auch Interesse vielleicht, dich umzuschulen und die Ausbildung zu machen? Kurzerhand Koffer gepackt, raus nach Wien, weil in Wien gab es eine Brauerschule. Und irgendwie ziehte es mich nach Wien und habe dort den dreijährigen Brauer und Mälzer, auch Destillateur gemacht. Nach der Schule hatte ich sehr erfolgreich abgeschlossen, habe wieder zurück sehr viel Praktika gemacht, also Schweiz, Österreich, Deutschland natürlicherweise, ich war in Leipzig, ich war in Flims, ich war in Altheim, ich war in Wien und habe dort überall auch etwas reingeschnuppert in den Betrieben. Und ich sage immer, ich habe mir, meiner Meinung nach, überall das Beste rausgeholt und durfte dann im Batzen Bräu die Brauerei mitplanen. Ich habe sie dann eröffnet zusammen noch mit einem anderen Braumeister, den ich in der Schweiz kennengelernt habe, weil ich mein Studium nicht so schnell fertiglassen werden wollte. Das heißt, ich wollte auch den Meister machen und dann natürlich Doemens, muss man hingehen, und da bin ich 2013 nach Doemens. Ich hatte damals schon zwei Kinder, war eine sehr anstrengende Zeit, also das heißt, sonntagabends brachte ich die Kinder ins Bett, fuhr nach München und Freitag wieder zurück, und das ein ganzes Jahr. Die Schule ist sehr intensiv, Ganztagesschule, aber man hat sehr, sehr viel gelernt. Ich machte dann 2014 auch wieder erfolgreich meinen Abschluss. Und natürlich wieder zurück ins Batzen Bräu und habe da so richtig losgelegt, auch mit den ganzen verschiedenen Bieren und mit den ganzen Hefestämmen, die ich führe. Also wir sind sehr kreativ, Holzfassreifung, wir machen auch ein Sauerbier, also das IGA, was ich spontan vergäre. Ich möchte mich da immer, immer weiter etwas weiterbilden und auch sehr viele Versuche starten. Das ist, wie gesagt, meine Geschichte und so kam ich zum Bier.

Holger: Mensch, Markus, das ist ja toll, dass du die Frage gestellt hast. Da habe ich jetzt auch noch mal vieles Neues erfahren. Und die Südtiroler sind ja insgesamt Genussmenschen, also absolute Genussmenschen, und da hast du dann ja auch ein dankbares Publikum, oder?

Christian Pichler: Absolut. Es kommt sehr gut an, vor allem bei den jungen Leuten. Auch jetzt die schwierige Phase, die zwei Monate, die wir ja komplett geschlossen hatten, die Brauerei lief etwas noch mit so langsam, weil wir eben Biere ausgefahren haben selber. Ich bin der Meinung, dass es irgendwann wieder alles zurückkommt, da wir, wie gesagt, so indirekt Werbung gemacht haben und die Leute sind zum Genuss gekommen. Wir haben ihnen die Biere nach Hause gestellt, immer etwas rein, und da kam ja auch, also wir hatten hier im Biergarten mal ein Bier probiert, das Grand Cuvee Fume. Und da kam der Herr Raupach in mein Gehirn und da sagte ich, ach, ich muss ihm unbedingt mal was rausschicken, denn er hat das Bier ja auch schon bei der Beer Attraction so gelobt. Ich glaube, dass da wirklich auch von den Kunden in Südtirol etwas zurückkommt, die auch wieder einkehren werden, die das Bier wieder kaufen werden. Wie du schon gesagt hast, in den Pur Läden und so weiter.

Holger: Ja, ja, der Raupach, ein ganz besonderes Tierchen, wie ich immer zu sagen pflege. Wir könnten mal zum dritten Bier, und das hast du ja gerade schon benannt eigentlich, also das Stout machen wir ganz zum Schluss, oder?

Christian Pichler: Ich würde fast das Madeira Stout vorher nehmen.

Holger: Ah, echt, ja?

Christian Pichler: Ja, weil durch des Rauchige …

Holger: Ja, das ist auch wieder richtig. Also jetzt in Bamberg, weißt du, da ist ja dann …

Christian Pichler: Ihr seid es ja gewohnt. Genau.

Holger: … die Rauchnote ist ja dann quasi, als der Markus schmeckt‘s ja gar nicht mehr. Der meint dann immer, da ist nichts drin und ich sag’s ihm dann immer, sage, hey, das ist wieder ein Rauchbier. Und er sagt, hey danke, dass du mir das sagst, weil er schon quasi klein auf mit der Muttermilch das Thema Rauch in sich hinein hat fließen lassen und er spürt das nicht mehr.

Markus: Also Rauch-Muttermilch muss man auch mal getrunken haben.

Christian Pichler: Ja, absolut. Ich glaube, die Bamberger haben das alle im Blut.

Markus: Viele zumindest. Ja. Also gut, dann machen wir jetzt das Madeira Stout auf.

Christian Pichler: Ja.

Markus: Willst du mal zuerst?

Holger: Ja, erst zu mir. Holla, die Waldfee! Sehr gut.

Markus: Da hört man sicher schon wieder Schaum. Boah!

Holger: Oh, meine Güte! Nein, ist das ein Schaum. Also oh Mann!

Christian Pichler: Ich lasse euch mal was dazu sagen und dann erkläre ich euch genauer das Bier.

Markus: Wunderbar von der Farbe her, pechschwarz, könnte man sagen.

Holger: Aber der Schaum ist Bronze, oder?

Markus: Der Schaum ist Wahnsinn, also wunderschön getönt.

Holger: Da könnte man den Braumeister auch in Bronze gießen, zum Andenken.

Markus: Also richtig schön und auch fester Schaum und eben sehr schön getönt, sehr dunkel. Man sieht auch, in diesem Schwarz ist eben noch so ein schöner Braunschimmer drin. Also das ist wirklich eine ganz geheimnisvolle tolle Farbe. Am Glas klebt auch der Alkohol so ein bisschen, merkt man, da ist ein bisschen mehr Bumms drin, schon wieder. Und jetzt riechen wir noch mal rein. Und da hat man eben Lakritz, aber auch so Kirsche, Sauerkirsche, andere fruchtige Noten, Schokolade, dunkle Schokolade, ein bisschen was Nussiges.

Holger: Ja, man hat auch ein bisschen das Fass, also das ist auch da.

Markus: Ein bisschen Holz, ein bisschen Rosinen, die weinigen Noten kommen rüber. Also da schon mal ganz toll. Es gibt ja Biere, die muss man gar nicht trinken, die kann man einfach nur riechen.

Holger: Ich rieche es auch grad weg.

Markus: Sehr schön. Jetzt müssen wir auch mal trinken, trotzdem, hilft ja nichts. Mmh! Sehr schön. Also es fängt, es ist so ein bisschen gemein, weil es fängt erst so süß und nett und geschmeidig an, ein bisschen schokoladig, und dann dreht sich das, geht in die rosinige Richtung, wird weinig, wird ein bisschen alkoholisch. Dann kommen die fruchtigen Noten, die Kirsche und hinten raus klingt es dann so richtig ganz lang aus, und dann habe ich so ein fast Weinbrand-Finish. Also ganz, ganz toll.

Holger: Ja, so ist es. Also der Nachtrunk ist eigentlich, der hört gar nicht mehr auf.

Markus: Da kommt noch so Kaffee dazu, ein bisschen Espresso. Also ganz …

Holger: Hört gar nicht mehr auf. Mmh! Christian, jetzt bist du dran.

Christian Pichler: Genau. Jetzt erkläre ich euch das Bier. Also das Madeira Stout ist einfach ein Bier, ja, ein Stout, eingebaut mit viel, alles, 100 % englische Malzsorten, Pale Ale, aber auch sehr viel Chocolat Malt, Brown Malt, die ganzen englischen Spezialmalze, um überhaupt mal die Farbe und die ganzen Röstaromen, die ganzen Schokoladentöne reinzubekommen. Vom Brauen her relativ aufwendig, da wir ja mit viel Alkohol, also viel Stammwürze hantieren müssen und das Läutern brauche ich euch nicht erzählen, ist eine …

Holger: Man läutert wie ein Schwein.

Christian Pichler: Man läutert …

Holger: Also sag’s einfach so, wie es ist.

Christian Pichler: Eine Katastrophe. Aber es gefällt mir, man soll halt Biere irgendwie durch das Sudhaus, durch den Läuterbottich zu bekommen, und danach geht’s ab in den Gärtank, wo dann eine schöne London Ale das Bier fertigvergärt nach einer schönen Gär-Phase im Edelstahltank. Darauffolgend kommt die Lagerphase auch im Gärtank und dann habe ich praktisch das Bier abgezogen in ein Madeira Fass, Holzfass, wo es dann ein halbes Jahr liegt. Und verlieren dann komplett die Kohlensäure, aber durch die Lagerung zieht mir das Bier die schönen, wie ihr schon alles so schön beschrieben habt, Holzaromen, Rosinen, etwas spritzige Noten vom Madeira raus, und nach circa einem halben Jahr habe ich es wieder in einen Edelstahltank gezogen, etwas aufkarbonisiert und dann in die Flasche. Also die Flasche wieder eine schöne personalisierte kleine Champagnerflasche. Denn die Spezialbiere, die Meistersud Edition nennen wir sie, kommen alle in diese Flasche rein und die kann man auch dann sehr gut präsentieren. Wie schon gesagt, Schaum sehr schön, sehr cremig, sehr fest, steht auch sehr lange, die Farbe pechschwarz, so, wie ich es finde, so für ein Imperial Stout richtig gehört.

Markus: Ich finde, das hat auch wahrscheinlich viel mit dem Hafermalz zu tun. Als für mich …

Christian Pichler: Genau. Hafermalz auch, habe ich vergessen zu sagen, das macht das Bier etwas geschmeidiger, etwas cremiger, und der Schaum wird etwas cremiger. Und deshalb, auch beim Porter Bier nehme ich etwas Hafermalz her, also ich bin ein Fan vom Hafermalz, da es die Biere etwas geschmeidiger macht.

Markus: Finde ich auch. Tolles Mundgefühl immer.

Holger: Ja genau. Das ist ein ganz tolles Mundgefühl immer. So, jetzt erzähle ich euch mein Geheimnis. Weil darauf müssen wir ja dann trinken. Und wir haben ja jetzt noch ein Bierchen offen. Also ich habe ja schon 1000-mal erwähnt, ich komme aus dem Ruhrgebiet, also das weiß ja jeder mittlerweile. Aber in Wirklichkeit bin ich auch ein bisschen Südtiroler. Und wieso? Also wieso? Mein Heimatort ist jetzt von Bozen nicht ganz so weit weg, aber auch nicht so nah. Also mein Heimatort liegt direkt an der Grenze zwischen Burggrafenamt und Vinschgau, und heißt Partschins. Da gibt’s eben den höchsten Wasserfall Südtirols. Und in der Stampfstraße Nummer 6, da bin ich gezeugt.

Christian Pichler: Oh!

Holger: Und jetzt müsst ihr euch das mal vorstellen. Wer weiß das schon, wo er gemacht ist, und zwar genau an welchem Tag? Das kann ich euch auch noch sagen, am 6. Oktober 1968. Und in dem Bett habe ich auch schon geschlafen. Da müsst ihr mal drüber nachdenken. Also wer kann das sagen? Wer kann das sagen? Und darauf kann man jetzt trinken, oder?

Markus: Absolut.

Holger: Das ist doch ein Geheimnis, oder?

Markus: Unglaublich.

Christian Pichler: Ich bin richtig stolz auf dich.

Markus: Gut, dass wir jetzt 8,7 % haben.

Holger: Ich bin total stolz auf meine Eltern, dass sie so einen Körper produziert haben, das ist einfach großartig.

Christian Pichler: Kann man fast sagen, Vollblut-Südtiroler.

Markus: Also Prost!

Christian Pichler: Zum Wohl!

Markus: Man muss allen Leuten, die noch nicht in Südtirol waren, einfach sagen, es ist wirklich eine andere Welt. Das ist wie eine Insel, die da in den Bergen liegt, mit unglaublich viel Genuss, mit ganz toller Natur, mit wunderschönen Farben, auch egal zu welcher Jahreszeit man dahingeht, das ist einfach total toll. Und auch in dem Moment, wo man ankommt, wird man sofort entschleunigt und kann wirklich abschalten und einfach genießen, die Natur genießen, das Essen genießen, die Getränke genießen. Die Menschen sind auch fast alle so drauf. Das ist wirklich, dass das Lebensgefühl im Vordergrund steht. Also das war für mich selbst auch eine ganz große Begeisterung. Und ich bin froh, dass ich da jedes Jahr mittlerweile hinfahren darf. Ich freue mich schon, dass wir dieses Jahr hoffentlich irgendwann das auch noch mal hinbekommen.

Holger: Ich bin ja 50, und in meinem Leben gab es noch nie ein Jahr, wo ich nicht mindestens einmal in Südtirol war. Also meistens bin ich 15- oder 20-mal pro Jahr, aber es gab auf jeden Fall noch kein Lebensjahr, wo ich nicht da war. Und deshalb ist es für mich jetzt auch ganz, ganz furchtbar. Also so gerade Ende März, da fange ich dann wieder an, über den Brenner zu huschen, und da machen die die Grenze zu. Aber ich bin überzeugt davon, dass es dieses Jahr noch klappen wird. Und da freue ich mich schon drauf. Aber auch rein, also kulinarisch ist da auch wahnsinnig viel geboten, weil da ja ganz viel auch an Esskultur und Genusskultur auch zusammenkommt.

Christian Pichler: Ja.

Holger: Das muss man ganz klar sagen. Markus hat Recht, also man muss dahinfahren. Wir werden nicht provisioniert irgendwie vom Südtiroler Tourismusverband.

Markus: Nein.

Holger: Das muss man auch noch mal betonen.

Christian Pichler: Wir freuen uns auf euch.

Holger: Genau. Wir sind da überzeugt davon.

Markus: Absolut. Aber vielleicht mal andersrum die Frage: Wie ist es denn für euch? Also würde man sagen, der gemeine Südtiroler bleibt auch am liebsten zu Hause, oder gibt es da durchaus auch eine gewisse Fernweh-Sehnsucht, dass man sagt, ich fahre auch gerne mal irgendwohin? Und wenn ja, wo?

Holger: FC Bayern. Du wirst gar nicht glauben, wie viele Südtiroler …

Christian Pichler: Ja, ganz viele.

Holger: … FC Bayern Fans sind. Wahnsinn.

Christian Pichler: Aber auch da teilt es sich wieder. Viele fahren nach Mailand, viele sind AC Mailand Fan oder auch Juve Fans. Also da fahren viele runter oder auch viele rauf. Ich sage immer, wir Südtiroler können uns das relativ einfachmachen, da wir zentral liegen. Und da ist es nie so weit, irgendwohin zu fahren, also 250 Kilometer nach München, 300 Kilometer nach Mailand, in zweieinhalb Stunden ist man am Meer. Aber zur Frage von Markus. Also uns zieht es auch, also mehr, also viele Südtiroler, also es machen ja fast alle Südtiroler einen Meeresurlaub, wo auch es sehr wichtig ist für die Kinder und so weiter, die gute Luft, und da fahren wir einfach in den Süden. Weil es in Italien auch im Süden, also die Esskultur, die Landschaft, Toskana oder auch Sizilien oder auch Kalabrien, das sind sehr, wunderschöne Städte, die Strände sind sehr schön. Und uns zieht es schon auch ans Meer, aber auch in die Berge. Also wenn man Ruhe haben will, geht man rauf, auch jetzt in einer Phase, wo wirklich der Lockdown war, wo alles zu war, bin ich sehr viel einfach geflüchtet in den Wald rauf auf 1600 Meter. Innerhalb einer Stunde, eineinhalb Stunden ist man dort oben und dort ist einfach, da spielt eine andere Musik. Das ist einfach eine andere Welt, man hat Ruhe, man kommt in sich. Da kann man richtig Kraft tanken, die gute Luft, um wieder neuanzufangen oder auch, um wieder den neuen Tag zu starten oder den nächsten Tag und so weiter. Wir können eben viel machen. Aber auch in Südtirol, letztes Jahr zum Beispiel war ich eine Woche am Meer und dann habe ich eine Woche angehängt und habe in Südtirol Urlaub gemacht. Also jeden Tag ein anderes Ziel mit den Kindern, um auch den Kindern alles zu zeigen. Und ist eine Woche natürlich viel zu kurz, man könnte da vielleicht ein ganzes Jahr jeden Tag irgendetwas anderes entdecken, etwas anderes erleben. Und das ist schon toll, in so einem Land geboren zu werden und auch zu leben.

Holger: Das hört sich doch jetzt nach Finale an, oder?

Markus: Ja.

Holger: Jetzt gehen wir zum vierten Bier über, würde ich sagen. Unbedingt.

Markus: Ich meine, den Satz natürlich, den würden Franken in der Regel auch unterschreiben. Es ist schon toll, in so einem Land geboren worden zu sein und dort leben zu dürfen. Also wir sind da den Südtirolern ja gefühlsmäßig sehr nahe. Und deswegen ist es gut, dass wir jetzt ein Bier haben, was die beiden Welten wohl zusammenbringt.

Holger: Unbedingt.

Christian Pichler: Genau. Also noch kurz, also wir machen ja jedes Jahr eine Bierreise, ein oder zwei. Letztes Jahr war Amerika, aber auch London, aber natürlich auch Deutschland. Also Deutschland Bier, Bamberg waren wir schon öfters, Nürnberg, Biergärten.

Holger: Du kannst dir gar nicht vorstellen, er grinst sich jetzt gerade zu Tode. Er grinst sich zu Tode, weil von wegen Bamberg und Bier-Hauptstadt und so.

Markus: Und ich weine auch ein bisschen, weil wir eigentlich euch eingeladen hatten, …

Christian Pichler: Genau.

Markus: … in Nürnberg beim Bierfest die Gastbrauerei zu sein. Nun können wir dieses Jahr kein Bierfest machen. Klar, können wir dann nächstes Jahr, aber da hatte ich mich auch total darauf gefreut, euch hier zu haben.

Christian Pichler: Das wäre sicher toll geworden, aber wir verschieben es einfach.

Markus: Genau.

Christian Pichler: Ja, dann kommen wir zum nächsten Bier, Grand Cuvee Fume.

Holger: Mach auf!

Markus: Da war Dampf drin.

Christian Pichler: Schon der Name Grand Cuvee Fume, also es ist ein Verschnitt aus einem holzfassgereiften Doppelbock Rauchbier und einem edelstahlgereiften Rauchbock. Deshalb der Name, auch ein Cuvee. Als wir das Bier, bevor wir es abgefüllt haben, schön verschnitten haben, um das Bier perfekt auszubalancieren. Riecht’s mal rein. Also wie gesagt, der Rauch, ich hoffe, der Markus schmeckt’s auch oder riecht’s auch noch.

Markus: Ja, ja. Was ich ganz tollfinde, also wir haben in Bamberg ja so diese Klassiker, Schlenkerla, und die machen ein Märzen, was es immer gibt, und machen einmal im Jahr diesen Doppelbock, die Eiche. Und das wird mit Eichenholz-Rauchmalz gemacht und hat so ein ganz spezielles Aroma. Und ich finde hier, das kommt dem auch relativ nahe. Hat vielleicht was mit dem Fass zu tun. Also ist sehr, sehr schön.

Christian Pichler: Das Fass war ein Whiskyfass. Ich arbeite sehr gerne mit Slyrs-Fässern, da habe ich schon 2013 angefangen. Und ich finde, die Fässer eignen sich sehr gut, um Bier zu lagern.

Holger: Genau. Hier den Markus Hoppe, den hatten wir ja auch schon im BierTalk, der arbeitet ja auch mit Slyrs-Fässern. Ich habe ja immer gedacht, ich kenne schon alle Batzen Biere, aber das hier kannte ich wirklich noch nicht. Ich muss dir sagen, Christian, also wirklich absolut ernst gemeint, eines der besten Rauchbiere, die ich je in meinem Leben getrunken habe. Wirklich …

Christian Pichler: Dankeschön.

Holger: … absolut Wahnsinn.

Markus: Was so schön ist, also da sind ja 11,3 % Alkohol drin. Das heißt, normalerweise müsste man jetzt erwarten, das hat so eine richtig krasse alkoholische Note und ist auch sehr schwer und so, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Also es kommt, es hat diesen rauchigen und vielleicht tatsächlich für viele ein bisschen so an Schinken erinnernden Charakter, ist süß, also hat durchaus einen sehr angenehmen weichen Antrunk. Das Mundgefühl überhaupt ist sehr weich und fast ein bisschen luftig. Und hinten raus kommen dann diese alkoholischen Noten, aber ganz dezent. Also man hat niemals den Eindruck, dass wir hier 11 % im Glas haben. Und es ist auch ein gefährliches Bier, also davon würde ich sicherlich gerne auch mehr davon trinken. Aber es ist so toll harmonisch, also das ist das Schöne, es ist wirklich ein Gesamtkunstwerk, wo die Aromen ineinander übergehen, es rangiert immer ein bisschen hin und her. Und es ist deswegen auch sehr spannend, weil es nie an einem Aroma hängenbleibt, aber dadurch habe ich eben wirklich einen ganz, ganz tollen Trunk und kann merken, was Bier alles kann. Also toll.

Holger: Weißt du, was wir jetzt machen? Also ich sage das ja auch immer wieder. Der Raupach hat 20 Kästen Eiche im Keller. Jetzt hat er ja schon wieder gerade die Eiche auch angesprochen und so, das ist eben sein Heimat- und Lieblingsbier und so. Aber ich würde mir jetzt als Ziel setzen, 20 Kästen davon in den Keller zu stellen und dann jedes Jahr sozusagen Verkostungsnotizen zu machen. Weil da könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass dieses Bier gut lagerfähig ist und sich auch immer wieder verändert. Und das ist bestimmt auch spannend mit zu verfolgen. Also 20 Kästen bitte nach München, Giselastraße

Christian Pichler: Sofort.

Markus: Und die Rechnung aber auch. Ich meine, noch ganz kurz, was man auch sagen kann, du hast ja vorhin erwähnt, wir waren ja dieses Jahr schon in Italien zusammen in Rimini beim Birra dell’Anno Wettbewerb. Und ich war da auch im Finale generell von den holzfassgereiften Bieren, da war jetzt das nicht dabei, aber da hatten wir eine große Diskussion, weil es ja so ist, in Anführungsstrichen, ist es verhältnismäßig leicht, irgendein Imperial Stout in irgendein Whiskyfass zu füllen und dafür zu sorgen, dass es dann halt ordentlich Whiskyaroma hat. Punkt. Und die große Frage war: Was ist denn gut? Also ist es gut, wenn ich dann ein überbordendes Whiskyaroma und ganz viel Alkohol und ein bisschen Kaffeenoten habe? Oder ist es gut, wenn das Ganze eben ein harmonisches Zusammenspiel ist, ein sehr spannendes Bier, wo das Fass zwar eine Rolle spielt, aber eben nicht alles an die Wand spielt? Und die Diskussion war lang und ausführlich. Am Ende, muss ich sagen, habe ich mich glücklicherweise durchgesetzt, weil es einfach wirklich auch bei den fassgereiften Bieren immer um die Harmonie geht. Und das finde ich eben bei diesem hier auch so schön. Gerade weil viele ja mit Rauch experimentieren und man einfach feststellt, ja, die wollen halt dann einfach ganz viel Raucharoma haben, aber das ist es ja nicht. Das Schöne ist ja, das schön einzubinden, …

Christian Pichler: Das macht’s aus.

Markus: Ja.

Christian Pichler: Kurz noch zum Holger. Du wirst nie alle Batzen Biere kennen, da wir ja immer was Neues in petto haben. Und wenn du das nächste Mal kommst, …

Holger: Christian, du weiß nicht, wie oft ich da bin.

Christian Pichler: Wenn du das nächste Mal kommst, wirst du wieder etwas Neues. Wir haben ja immer was Neues, ich habe jetzt auch mit Früchten angefangen zu brauen, und haben da immer auch saisonal was am Hahn hängen.

Markus: Eine Frage habe ich noch: Wo habt ihr denn das Rauchmalz her? Macht ihr das selber?

Christian Pichler: Nein. Ich kaufe das vom Steinbach. Also unser Haupt-Malzlieferant ist der Rhön Malz. Und mit Röhn Malz arbeite ich schon seit eh und je, also seit 2012 zusammen, seit wir aufgesperrt haben. Der beliefert mich auch mit den Spezialmalzen, und die bekommt praktisch Rhön Malz von Steinbach und bekomme das Rauchmalz von denen.

Markus: Das ist übrigens auch ein Tipp, Steinbach Erlangen, das ist beides, also eine Brauerei und eine Mälzerei. Zwei Brüder, die das tun. Da kann man auch mal vorbeischauen, natürlich in der Brauerei Steinbach Bräu, wie der Name sagt, wunderschöner Biergarten. Und wenn wieder Bergkirchweih ist, ein sensationelles Erlebnis, die haben auch einen Storch, der da regelmäßig nistet. Deswegen gibt es auch ein Storchenbier. Und eben nebendran die Mälzerei, die viele Spezialmalze machen, viele besondere Getreide auch, und das mit sehr viel Liebe. Und ja, schmeckt man auch, dass da wirklich jemand dahintersteckt, der weiß, wie man so ein Rauchmalz macht. Toll.

Christian Pichler: Das ist sehr wichtig für solche Biere. Die Qualität von den Ausgangsrohstoffen ist, glaube ich, bei allen Lebensmitteln sehr wichtig.

Markus: Das ist eigentlich das schönste Schlusswort, was man haben kann.

Holger: Unbedingt. Ja.

Markus: Dann lieber Christian, vielen, vielen Dank, schön, dass du dir die Zeit genommen hast.

Christian Pichler: Sehr gerne.

Markus: Und dass du uns diese wunderbaren Biere geschickt hast. Und ehrlich gesagt, liebe Hörer, er hat noch mehr da reingetan. He-he-he! Aber die trinken wir jetzt eher so. Aber also wirklich, die Reise nach Südtirol lohnt sich und dann natürlich unbedingt im Batzen Bräu vorbeischauen.

Christian Pichler: Ich habe auch bewusst relativ viele Spezialbiere oder heute nur Spezialbiere, außer halt der Weizen Bock, mit reingebaut, da wir sehr viel Bierkultur und Biervielfalt haben. Und wie gesagt, es lohnt sich.

Holger: Ich kann nur noch sagen, Navi-Adresse, Andreas-Hofer-Straße 30 in Bozen, Italien.

Markus: Und losfahren.

Christian Pichler: Wir freuen uns.

Markus: Okay. Also tschüss!

Holger: Also macht’s gut. Ciao! Tschüss!

Christian Pichler: Ciao! Macht’s gut. Danke.

 

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