BierTalk Episode 2026-09-05

BierTalk 162 – Interview mit Wolfgang Marschall, 1. Vorsitzender von Lahma Bräu aus Langenzenn

In dieser Folge von Biertalk geht es nach Langenzenn in Mittelfranken, wo Markus ein ganz besonderes Kleinod der fränkischen Bierkultur entdeckt: das Lahma-Bräu. Hinter dem charmanten Namen steckt nicht nur ein schöner fränkischer Sprachwitz, sondern auch ein außergewöhnlicher Verein, der sich mit viel Herzblut der Pflege und Wiederbelebung der lokalen Hausbrauertradition verschrieben hat. Zu Gast ist Wolfgang Marschall, der erzählt, wie aus einem Volkshochschulkurs, ein paar Brauversuchen im Waschkessel und viel Begeisterung ein lebendiger Treffpunkt für Bierfreunde geworden ist. Im Gespräch geht es um die Geschichte des alten Milchhauses, das heute die Heimat des Vereins ist, um die Entwicklung von den ersten improvisierten Suden bis zur eigenen 5-Hektoliter-Anlage und um das besondere Gemeinschaftsgefühl, das hier rund ums Brauen entstanden ist. Wolfgang berichtet außerdem von der Auszeichnung mit der Goldenen BierIdee, vom traditionellen Brauen im historischen Brauhaus im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim und von der Freude, Bierkultur nicht nur zu bewahren, sondern ganz konkret zu leben. Eine wunderbar fränkische Folge über Ehrenamt, Leidenschaft, Brauereigeschichte und die große Kunst, aus einem kleinen Ort einen echten Mittelpunkt der Bierkultur zu machen.

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Das Gespräch — zum Nachlesen

Biertalk – Gespräche über und beim Bier.

Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts Biertalk. Heute bin ich mal ins wunderschön sonnige Mittelfranken gefahren und habe hier ein ganz wunderbares Kleinod der Bierkultur entdeckt beziehungsweise wiedergefunden, und ich freue mich sehr, dass ich hier sein darf. So richtig getroffen haben wir uns vor ziemlich genau einem Jahr, und zwar bei einer Veranstaltung, bei der die Bayerische Bierkönigin gewählt und die Goldene BierIdee verliehen wurde. Der Verein, der sich hier kümmert, hat sie bekommen. Warum und wieso, darüber sprechen wir jetzt gleich ein bisschen. Wolfgang, es ist wunderbar, dass ich hier sein darf, dass ihr euch die Zeit genommen habt und dass ich mir das hier alles anschauen kann. Vielleicht stellst du dich mal ganz kurz unseren Hörern selbst vor und sagst ein paar Worte zum Verein.

Wolfgang Marschall: Ja, ich bin Wolfgang Marschall, ich bin Vorstand, verheiratet, habe drei Kinder, drei Enkelkinder und natürlich unser Lahma-Bräu. Das ist mein Lebensmittelpunkt, und um den dreht sich ganz viel Wahnsinn.

Markus: Also Lahma – wenn man das erst mal so hört, also L A H M A –, dann fragt man sich erst: Ist das ein Rechtschreibfehler oder ein eigenes Bier oder ein neuer Bierstil oder was auch immer? Was steckt denn hinter dem Namen?

Wolfgang Marschall: Ja, wenn jemand fragt, ob es ein Rechtschreibfehler ist, dann weiß ich, dass er aus dem Norden kommt, und denke: na ja, die Franken. Aber Langenzenn ist eine Hochkultur der Tonproduktion gewesen. Wir hatten in der Geschichte vier Ziegeleien, und der Ton ist der Lehm, und aus dem Lehm wird der “Lahma” – und dann schließt sich der Kreis. Also war das einfach eine schlüssige Namensgebung. Und die letzten 30 Jahre meines Berufslebens habe ich das auch beruflich vertreten.

Markus: Lahma-Master so ähnlich. Ja, und außerdem muss man sagen: Wo es Ziegeleien gibt, gibt es viel Hitze, und da gibt es auch viel Durst. Das heißt, Langenzenn hat schon auch eine Biergeschichte, oder?

Wolfgang Marschall: Ja klar, wir hatten neun Brauereien. Und wir dokumentieren die Geschichte hier im Lahma-Bräu an der Schautafel. Es war natürlich ganz schön, dass wir in dieser Geschichte die zehnte Brauerei sind und damit meine Bebilderung aufgegangen ist.

Markus: Ja, apropos: Wie kam das denn, dass ihr gesagt habt, okay, ihr seid erst einmal ein Verein, der sich der Bierkultur widmet, und jetzt machen wir selber Bier? Also war das von Anfang an das Ziel oder hat sich das so ergeben?

Wolfgang Marschall: Nein, also die meiste Zeit meines Lebens habe ich Bier getrunken, ohne an die Herstellung zu denken. Dann kam Ende der 90er Jahre ein Volkshochschulkurs mit Walter Simon, und da ist man halt hingegangen, hat zu dritt im Einwecktopf was gebraut und Freude daran gefunden, eine Wertschätzung zum Bier zu entwickeln. Und dann haben wir im Waschkessel, im Carport, im Garten, bei Schnee, bei Eis, bei Sonnenschein, an unterschiedlichen Plätzen gebraut – meistens mehr getrunken als gebraut, aber es hat Spaß gemacht. Und dann kam die Idee: Im Langenzenn Kulturhof könnte man so etwas schaffen, bei der Hans-Sachs-Spielgruppe. Da war ich dabei, und dann hieß es: Wir brauchen ein Nutzungskonzept. Ihr braucht Bier, wollt ihr ein Nutzungskonzept? Sofort Ja gesagt, aber das ist dann gescheitert, weil man kein Verein war. Auch kein Problem: Wir haben den Verein gegründet, den Verein zur Pflege und Unterhaltung der Langenzenner Hausbrauerkultur e. V., Lahma-Bräu. Und jetzt waren wir ein Verein. Dann kam der Bürgermeister, sagte, es kann aber noch dauern – es hat auch nur zehn Jahre gedauert – und hat uns das alte Milchhäusle angeboten. Da sind wir dann eingezogen.

Markus: Genau, da sitzen wir jetzt also mittlerweile in einem wunderbar renovierten Zustand, muss man sagen. Traumhaft schön, hell, frisch renoviert, viele Bilder, viel Holz, auch eine schöne alte Holzvertäfelung aus einem Lokal aus der Nürnberger Ecke hier mit drin, ein schöner Tresen – also man ist sofort mittendrin. Und das Gute ist auch: Es ist mal ein Biertalk, bei dem wir von Anfang an ein Bier im Glas haben, nämlich dieses hier. Erst mal Prost. Dankeschön auch dafür. Das ist jetzt so eine Art helles Kellerbier: sehr schön trinkbar, schöne Hopfennote, finde ich, die das Ganze ganz angenehm trägt, super trinkbar. Erinnert mich auch an die Kellerbiere, die ich so aus meiner Jugend kenne. Einfach klassisch, mit dem Ziel: Das läuft, das kann man gut trinken, das ist ein tolles Bier. Was habt ihr so im Angebot? Wenn wir darüber mal sprechen: Was gibt es von euch für Bier?

Wolfgang Marschall: Ja, unser Ziel ist es, dass wir drei Sorten im Programm haben: ein relativ helles wie dieses hier, dann ein etwas malzigeres, noch mal malzbetonter, auch ein bisschen dunkler von der Farbe, und dann ein dunkles Bier. Diese Linie wollen wir behalten, wenn wir Ausschank machen. Und darüber hinaus kann bei uns jeder brauen, was er will, also auch einfach kreativ sein.

Markus: Das heißt also, es gibt die Biere, die ihr gemeinsam für eure Vereinsaktivitäten herstellt, und die Mitglieder können die Brauanlage selber auch nutzen und dann machen, was auch immer sie wollen.

Wolfgang Marschall: Ja, wir haben 48 Mitglieder, die gute Hälfte aktiv. Daraus bilden sich Braugruppen, und diese einzelnen Braugruppen sind Leute, die einfach gern etwas miteinander tun. Die brauen dann einmal für den Verein und können auch für sich selber brauen. Die Grundlage ist: Wenn du unsere Anlage nutzt – es ist eine 5-Hektoliter-Anlage von Polsinelli –, dann musst du die Hälfte des Ertrags dem Verein überlassen. Die andere Hälfte darfst du dir in der Braugruppe gegen einen gewissen Obolus aufteilen. Der ist sehr gering, aber der Verein lebt halt von dem, was dem Verein gehört und was er dann ausschenken oder selber trinken kann. Logisch.

Markus: Gibt es da Beispiele, was schon mal so an Bieren entstanden ist, die vielleicht jenseits eurer normalen Trilogie liegen?

Wolfgang Marschall: Ja, da gibt es IPAs. Weizen ist für uns immer noch ein Exot, da haben wir mit der Lagerung dann Probleme. Eine Gose, Himbeer, was mit Kirsch, also so die belgische Linie, und Schlotfegerla oder mal ein richtiges Rauchbier – auch mal abseits vom Reinheitsgebot einfach experimentieren. Reinheitsgebot heißt ja nicht, dass alles andere nicht rein ist. Man kann sich da einfach verwirklichen.

Markus: Wunderbar. Und das nur ganz kurz in Klammern erklärt: Als Hobbybrauer darf man auch nicht nach dem Reinheitsgebot brauen. Das ist alles völlig okay und macht auch eine Menge Spaß. Jetzt haben wir bei euch gesehen, ihr habt auch eine offene Gärung, und da ist gerade etwas ganz Schönes im Gärbottich. Das habt ihr ja woanders gebraut. Magst du da ein bisschen was dazu erzählen, was ihr da so macht?

Wolfgang Marschall: Ja, es ist so: Wir haben gute Verbindungen auch zu professionellen Brauereien. Beim Geier in Oberreichenbach dürfen wir auf die Fassreinigungsanlage, selbstverständlich. Dann haben wir einen befreundeten Brauer, das Brauhaus Döbler in Bad Windsheim, der auch das Kommunbrauhaus im Freilandmuseum betreibt und dort das Museumsbier braut. Man kennt sich gut, man vertraut sich. Und dann hat er vor vier Jahren gesagt: Wolfgang, wir brauen einmal auf der alten Anlage, dem Brauhaus aus Kraisdorf – nicht Hofbräu, sondern Brauhaus. Wollt ihr das machen? Das ist am Tag des Bieres, also am nächsten Sonntag danach. Wollt ihr darauf brauen? Traut ihr euch das zu? Also bevor ich die Mitglieder befragt habe, habe ich mir das schon zugetraut. Seit vier Jahren brauen wir da, das war letzten Sonntag wieder der Fall. Das ist ein Brauhaus aus 1699, angeblich das älteste funktionstüchtige Brauhaus der Welt. Das ist wie mit dem ältesten Gasthaus – aber es ist eine Herausforderung, darauf zu brauen, und macht wahnsinnig viel Spaß. Die Würze, die dort ausgeschlagen wird, transportieren wir sofort nach Langenzenn, kühlen sie dort runter, setzen Hefe dazu – das war gestern Abend – und heute gärt es schon wunderbar.

Markus: Es ist in einem wunderbar perfekten Zustand, großartig. Also um das noch mal zusammenzufassen: Einmal im Jahr wird dort gebraut sozusagen, und das gibt es dann hier. Und wie schaut Brauen dort aus? Also nimm uns da mal ein bisschen mit, wie in so einem Dokumentarfilm. Wann fängt man da an? Wie fängt man an? Wie wird das alles so gemacht?

Wolfgang Marschall: Der Brauvorgang ist wie in einer ganz normalen Brauanlage heute. Du erhitzt dein Wasser, du maischst ein, du hältst deine Läuterrasten ein, du schöpfst hin und her. Und da ist der große Unterschied: Es sind verdammt schwere Holzschöpfer, die allein schon Muskelkater verursachen – und dann erst recht mit dem Sud drin. Also es ist eine körperliche Arbeit, die herausfordernd ist. In Bad Windsheim kommt natürlich noch dazu, dass Gäste da sind und Fragen stellen. Wir bieten da seit zwei Jahren einen Infostand rund ums Bier, damit die Leute auch wissen, wie es zusammenhängt und wie es richtig abläuft.

Markus: Genau.

Wolfgang Marschall: Und dann aber noch mal einen Schritt zurück: Wir sind über Kontakte zu Döbler dazu gekommen, das ist eine ganz tolle Brauerfamilie. Der Opa heißt Willi, der Vater heißt Willi, der jetzige heißt Willi, die Tochter heißt Katharina. Vor zwei Jahren hat das Frankenfernsehen gedreht, und da war Dr. Ebertz auch da und hat mitgerührt. Und wir outen uns ja ganz gut über die Logos auf unseren Klamotten: Lahma-Bräuer, ein Bier wie wir. Und dann hat halt Dr. Ebertz gesagt: Ey, was macht ihr? Was treibt ihr? Bewerbt euch halt mal zur Goldenen BierIdee. Dann haben wir uns hingesetzt, eine Abhandlung geschrieben – und dabei wird einem ja erst selber bewusst, was in dieser kurzen Zeit passiert ist. Und dann waren wir am 22. Mai in München und haben die Goldene BierIdee bekommen.

Markus: Perfekt und absolut verdient, und mit einer tollen Laudatio. Das werden wir natürlich auch in den Shownotes zum Podcast verlinken. Denn du hast gesagt, da wird das Bier ganz normal gemacht, erhitzt und so weiter. Aber das ist ja trotzdem nicht normal, weil man das dann noch mit Holzscheiten macht. Da muss man ja überhaupt ein bisschen anders denken, weil das Problem an so einem Holz ja ist: Das fängt erst mal an zu brennen, dann brennt es irgendwann richtig. Das heißt, da gibt es eine Verzögerung dazwischen. Und Umschöpfen ist ja auch so etwas: Heute pumpt man professionell den Läuterbottich leer, da ist es eben Handarbeit. Man hat riesengroße Holzschöpfer und muss es von einem Gefäß ins andere bringen. Das ist schon richtig krasse Arbeit und auch etwas, das man lernen muss. Oder hattet ihr das quasi so im Blut, dass ihr gleich gewusst habt, was man macht?

Wolfgang Marschall: Es hat halt irgendwie funktioniert. Und Willi Döbler hat uns natürlich auch angeleitet. Du hast es richtig gesagt: Die größte Herausforderung ist vielleicht das Befeuern der Anlage. Das hat dieses Jahr unser Domi gemacht. Die Temperatur haben wir dann digital gemessen. Früher haben wir es mit dem Ellbogen gemacht, aber okay, den Luxus haben wir uns gegönnt. Aber dann geht es halt so wie früher, wie wir begonnen haben im Waschkessel: Du heizt an mit Holz, deine Temperatur passt, du nimmst das Holz raus, ziehst die Glut auseinander, schürst nach. Also auch wenn man da vor dem Ofenloch Durst bekommt – man kann nicht zu viel trinken.

Markus: Ja, also tolle Sache. Und da kann man auch nur alle einladen, da mal vorbeizuschauen im Freilandmuseum in Bad Windsheim. Das ist überhaupt toll und natürlich zum Brautag erst recht. Kommen wir noch mal zurück hier zu eurer Brauerei im Milchhaus. Vielleicht ganz kurz: Milchhaus – da kann sich vielleicht nicht jeder etwas darunter vorstellen. Also standen dann hier früher einfach Kühe und man hat sich was abgezapft, oder wie kann man sich das vorstellen?

Wolfgang Marschall: Wir hatten ja in früheren Zeiten auch mal Landwirtschaft in Langenzenn. Im Moment gibt es noch einen Landwirt, und ich weiß nicht einmal, was der für Viecher hat, aber zumindest keine Milchkühe. Und die Bauern haben ihre Milch an diese Stelle hergebracht, die wurde dann in die Molkerei gefahren und rücklaufend auch hier an die Bevölkerung verkauft. In den Milchhäusern war es so, dass später dann auch mal Käse und Butter verkauft wurden. Wir sehen es hinten noch: Es ist eine Rampe hinterm Brauhaus, über die die Milch hin und her transportiert wurde. Es war ein Kühlhaus da, und hier, wo wir sitzen – wir sagen an sich nicht Schalanda dazu, das ist halt unser Raum –, hier war der Verkauf. Hier war quer eine Theke, und hinten war der Reinbereich.

Markus: Ja, und das ist der große Vorteil: Wenn etwas mit Milch zu tun hat, gibt es eben schon das ganze Thema Hygiene und das Thema Kühlung. Das heißt, das ist dann irgendwie alles schon da, und da habt ihr dann eure Brauerei reingebaut. War das am Anfang, sag ich mal, so ein kleiner Kochtopf? Oder wie muss man sich das vorstellen, wie ihr angefangen habt?

Wolfgang Marschall: Na ja, als uns das übergeben wurde – vor uns war ein Weltladen drin, davor ein Gemüseladen, und dazwischen verläuft es sich ein bisschen, ne? – war es erst mal einfach ein Raum für uns, ein Abstellraum. Aber nachdem der hintere Raum gefliest war, haben wir da natürlich unseren Waschkessel gleich mal hingestellt, Ofenrohr dran, durchs Fenster raus, mit mulmigem Gefühl, und haben angeschürt. Und wir haben so gebraut wie früher, im Carport geläutert. Also es war schon sehr abenteuerlich. Dazwischen haben wir dann auch Umbaumaßnahmen durchgeführt: Elektroinstallation, Milchkühler, Kraftstrom hier vorne – das war alles ungemütlich –, und nach und nach haben wir es uns hier wohnlich eingerichtet.

Markus: Wie haben denn da die Leute hier so reagiert? Man kann sich ja vorstellen: Wenn man irgendwo mitten in einem Ort plötzlich anfängt, Bier zu brauen, dann gibt es wahrscheinlich viele Fans, aber vielleicht auch den einen oder anderen, der da erst mal ein bisschen zurückhaltend ist. Wie ging es euch da?

Wolfgang Marschall: Ja, die Sorge hatten wir natürlich. Aber es war bei uns friedlich. Das Nachbarhaus, das Fachwerkhaus neben uns, hat den Besitzer gewechselt. Den neuen Nachbarn, der aus Nürnberg kam, haben wir gleich mal vorsichtshalber im Verein aufgenommen. Und wir haben eine Wertschätzung erfahren. Wenn wir Ausschank machen, dann ist bei uns was los. Dann werden die Leute eine Woche vorher mit einem Flugblatt informiert: Es ist wieder was. Es gibt bei uns überhaupt nichts Negatives. Und ja, ich habe eine Schankerlaubnis für alle Samstage, die wir bei Weitem nicht ausschöpfen. Ich will keinem auf die Nerven gehen. Es soll jedem Spaß machen, der bei uns ist, und es ist ein gutes Miteinander.

Markus: Gibt es denn feste Termine im Jahr, an denen Leute vorbeikommen können, die mal das Leben hier im Brauhaus erleben wollen oder das Bier trinken wollen?

Wolfgang Marschall: Also an sich hat sich nur ein fester Termin in den letzten zwei Jahren eingeschlichen: unser Weihnachtsmarkt. Da ist die Hölle los, denn nach drei Glühwein schmeckt ja auch mal wieder ein schönes Bier. Und der Weihnachtsmarkt ist immer am dritten Advent, also da haben wir immer offen. Jetzt ist die typische Bierzeit, da öffnen wir an Samstagen, wenn wir Bier haben, wenn wir Leute haben, die ausschenken, wenn das Wetter passt. Das ist ein Personalaufwand. Und wir kommunizieren das über die klassischen Medien: Facebook, Instagram, eine Website und seit Allerneuester Zeit auch über einen WhatsApp-Kanal.

Markus: Okay.

Wolfgang Marschall: Und ich bediene das konservativere Publikum, das das alles nicht hat: Ich schreibe an 150 Personen eine Mail – wir haben offen.

Markus: Das ist auch cool. Und gibt es im Sommer mal irgendwie so eine Art Sommerfest oder so? Denn vor dem Milchhaus auf der anderen Seite ist ja die Klosteranlage, da haben wir eine Kirche mit allerlei Nebengebäuden, aber auch einen schönen großen Platz, wo Platz ist. Das würde sich ja anbieten, da auch mal ein Festchen zu veranstalten.

Wolfgang Marschall: Also wir haben am Anfang jährlich ein Brauhausfest durchgeführt. Dann sind wir in einen Fünfjahresrhythmus gegangen, weil der Aufwand kolossal ist. Ich brauche etwa 60 Helfer für so einen Tag. Und ja, wir können uns auf jeden Fall fest in den Kalender schreiben: 8. Mai 2027, 15 Jahre Lahma-Bräu.

Markus: Also das auf jeden Fall. Und wir waren ja bei eurer Brauanlage so ein bisschen stehen geblieben: Da hattet ihr jetzt praktisch noch den alten Waschkessel. Wie hat sich das dann weiterentwickelt? Habt ihr dann Stück für Stück upgegradet, wie man so schön sagt?

Wolfgang Marschall: Ich meine, das Erste war natürlich das Ofenrohr. Wir wollten erst eine Einblechung in den Fensterrahmen setzen, damit uns die Hütte nicht abbrennt. Aber dann haben wir uns für Paella-Brenner entschieden, die passen in so einen alten Waschkessel rein. Und dann kamen halt – was heißt Begehrlichkeiten – ein bisschen Kapazitätsausweitungen. Dann haben wir die alten Kessel, die die Bauern früher für die Milch hatten, mit Hähnen modifiziert und dann durch Edelstahlbehälter von Polsinelli ein bisschen ergänzt. Und dann hat es ganz gut funktioniert. Wir konnten 150 Liter in so einem Kessel brauen, und wir hatten dann zwei. Das heißt, wir konnten am Tag ein Helles und ein Dunkles im Zeitversatz brauen – das war nicht unscharmant. Und dann ist halt die Braumesse in Nürnberg, und nachdem wir dort Polsinelli besucht hatten – das soll jetzt keine Werbung sein, aber der bietet halt was fürs Geld, und das sind solche netten Leute, und alles passt einfach –, sahen wir die 5-Hektoliter-Anlage, haben uns verliebt und gesagt: Eigentlich können wir das nicht machen, wo sollen wir das Geld hernehmen? Und wenn der Virus erst mal im Kopf drin ist, dann haben wir im Vorstand beschlossen: Wir kaufen das Ding. Das Geld haben wir nicht, also legen die Vorstände etwas rein, das wir wieder entnehmen, wenn wir was einnehmen. Das hat schon ein bisschen aufgeschlagen, weil wir keine Mitgliederbefragung gemacht haben. Aber dann war die Anlage schon mal da, und wir sind happy damit.

Markus: Na ja, ist ja auch cool. Dann hat man auch eine gewisse Menge, die einfach zur Verfügung steht. Und wenn wir noch mal zur BierIdee schauen: Das ist ja auch eine schöne Geschichte. Wenn man an den Abend zurückdenkt, ist es ja auch eine Ehre in gewisser Weise. Hat das euren Stand hier vor Ort noch mal ein bisschen verändert, oder wie reagieren die Leute hier überhaupt auf euch?

Wolfgang Marschall: Ja, das ist sicher positiv aufgenommen worden. Wir hatten gute Presse. Wir haben unsere Fördernachrichten, wir haben einen Lokalanzeiger, der häufig und gern über uns berichtet, wenn es etwas zu berichten gibt. Wir haben das Stadtmagazin, die immer etwas bringen, wenn bei uns was los ist. Die Goldene BierIdee – wie das nach außen spiegelt – auf keinen Fall negativ. Und es ist halt eine schöne Sache. Es ist eine Anerkennung für die Arbeit, die man leistet, für die Mitglieder, für die Stadt. Und wir haben uns in Langenzenn etabliert. Wir sind ein fester Bestandteil geworden.

Markus: Und man muss auch sagen, das ist hier ein total gemütlicher, schöner Ort. Also eigentlich einer, wo man hinkommt, um zu bleiben. Wir hatten es ja schon ein bisschen im Vorgespräch: Sieht dich deine Frau überhaupt noch?

Wolfgang Marschall: Ja freilich, wir haben da unten keine Übernachtungsmöglichkeit. Ach so, nein, das passt schon. Aber wie gesagt: Das ist halt für so einen Rentner auch eine schöne Aufgabe, auch wenn manches nicht so läuft, wie man es gern hätte. Aber das ist halt im Leben so.

Markus: Und habt ihr auch Frauen im Verein dabei? Brauen die auch? Machen die andere Biere als du zum Beispiel?

Wolfgang Marschall: Ja, wir haben selbstverständlich auch Frauen im Verein. Eine ist auch im Vorstand, braut auch mal mit. Aber wir haben jetzt nicht explizit eine Mädchen- oder Frauenbraugruppe, die für sich braut. Nein, wir sind schon überwiegend noch ein Männerverein, aber jeder ist bei uns willkommen.

Markus: Genau, also man kann auf jeden Fall jederzeit Mitglied werden, muss man einfach nur vorbeischauen. Was gibt es denn sonst für Aktivitäten?

Wolfgang Marschall: Mitglied werden geht nicht so einfach.

Markus: Nein? Okay, dann erzähl.

Wolfgang Marschall: Dann bin ich mal gespannt. Also da sind wir relativ rigoros, weil das zwei Seiten hat. So ein Verein ist ein Gefüge, und mit jedem, der dazukommt, verändert sich auch etwas im Gefüge. Und man will natürlich eine Harmonie haben. Bei uns ist es so: Wir treffen uns hier montags. Wenn da jemand vorbeischaut, der am Brauen Interesse hat – mit Vorkenntnis oder ohne Vorkenntnis –, der kann sich zu uns setzen, kann mitreden. Wenn er warm wird, kann er mal schauen, dass er Anschluss an eine Braugruppe findet, kann mal mitbrauen. Und wenn das dann für beide Seiten passt, kann er auch den Mitgliedsantrag stellen, wobei wir uns vorbehalten, darüber innerhalb eines Jahres zu entscheiden. Hat es noch nicht gegeben, aber man will einfach verhindern, dass Leute in so einen Verein kommen, die nicht zum Verein passen. Es ist eine gewisse Wertschätzung, wenn man aufgenommen wird, aber letztendlich braucht man natürlich auch neue, jüngere Mitglieder. Bei uns ist die Alterspyramide natürlich eher nach oben ausgerichtet, wo es dann irgendwann nicht mehr so geht. Und in den letzten Jahren ist es gelungen, dass immer wieder welche dazugekommen sind, mit oder ohne Brauerfahrung, die heute nicht mehr wegzudenken wären.

Markus: Und macht ihr auch andere Unternehmungen, jenseits vom Brauen und vom Fest? Also dass ihr mal eine Exkursion macht oder andere Brauereien besucht oder so?

Wolfgang Marschall: Ja, meine Braugruppe hat schon Braugruppenausflüge gemacht, und wir machen auch mal einen Vereinsausflug – leider die letzten Jahre nicht mehr, aber nächstes Jahr zum Jubiläumsjahr ganz bestimmt. Und wir haben gute Kontakte zu anderen Braugruppen. Wir haben sehr gute Freunde in Norditalien, in Bologna zum Beispiel, die uns besuchen und auch mal was mit runternehmen. Und es war gestern in Bad Windsheim so schön: Da kam der Gianni aus Bologna auf einmal dagestanden. Du weißt es bestimmt auch, es gibt viele Italiener, die bei uns Urlaub machen und sogar in Forchheim eine Wohnung gemietet haben. Und man hat gute Verbindungen zu anderen, und das macht natürlich auch Spaß.

Markus: Tretet ihr als Verein manchmal auch bei anderen Festen oder so auf, dass ihr da ausschenkt oder euch irgendwie präsentiert?

Wolfgang Marschall: Nein, haben wir bisher nicht getan. Wir hatten es uns schon überlegt, aber irgendwo sind die Ressourcen begrenzt. Wo wir fest auftreten und den wir unterstützen, ist der Heimatverein in Langenzenn. Der Heimatverein betreibt auch einen alten Bierkeller, den Kolbskeller in der Kolbsschlucht, am Rand der Altstadt. Diesen Keller dürfen wir auch nutzen, haben da schon eingelagert. Nur der Nachteil ist: Der Eingangsbereich ist aus statischen Gründen nach oben verstärkt, was die Durchgangshöhe einschränkt. Und das ist anspruchsvoll, da die ersten Meter hineinzugehen; dann ist er riesig. Und da gibt es einmal im Jahr das Kolbskellerfest, ich glaube am 25./26. Juli oder so. Und da wird in dieser – das ist eine Einkerbung, die Kolbsschlucht – Musik gespielt, es wird Lahma ausgeschenkt, vielleicht auch ein bisschen Museum rund ums Bier. Und das ist an sich das Einzige, was wir außerhalb von unserem Brauhaus auch machen.

Markus: … ausschenken. Und da sind dann so Biergarnituren aufgestellt?

Wolfgang Marschall: Biergarnituren, es gibt Bratwürste, es gibt Steaks, es gibt Kellerführungen – und da hat man gewisse Verpflichtungen, weil es sich ja rund schließt. Wunderbar.

Markus: Also das kann ich mir sehr gut vorstellen. Also seid ihr praktisch aus dem Ortsgeschehen nicht mehr wegzudenken?

Wolfgang Marschall: Nein. Und da fällt mir gerade noch eine Geschichte ein, weil du vorhin unseren schmiedeeisernen Ausleger angeschaut hast. Das Leben, habe ich vorhin gesagt, sind zufällige Fügungen. Wir hatten wieder so einen Ausschank, da gab es uns ungefähr vier Jahre. Damals war der Ausschank anders als heute. Man muss sich das so vorstellen: Da war etwas aus Holz, Alufässer und sonst was. Das eine hat nur Schaum produziert, auf dem anderen war kein Schaum drauf. Also wir waren halt in den Anfängen. Und dann ist mir hier in dem Raum ein Mensch begegnet, der Gerd, und sagte: Also ich mache Schnaps, ich mache Wein und ich will jetzt Bier brauen. Dann sage ich: Lieber Gott, was habe ich getan, dass du mir den Gerd? geschickt hast? Und der Gerd stand vorhin da draußen auch mal kurz, der war auf einmal da, und dann war er halt im Verein. Und als es uns viereinhalb Jahre gab, war die Planung fürs Fünfjährige da. Dann sagte er: Wir brauchen einen Ausleger da draußen. Dann hat er einen Ausleger konstruiert, und da ist ja Hand und Fuß mit Hopfendolden und so weiter. Wir dürfen zum Beispiel das Stadtwappen führen. Und sein Sohn ist Schmied, ein exzellenter Rüstungsschmied. Der schmiedet bis zur Museumsqualität, also Ritterrüstungen und so Zeug. Ja, ein richtig fundierter Handwerker. Und der hat uns dann auf die Schnelle den Ausleger schmieden müssen. Mittags war das Fest angesagt, Eröffnung um 12 Uhr, und um 11 Uhr hat er montiert – die Hände voller Farbe, weil halt ein bisschen kurzfristig angestrichen wurde.

Markus: Aber jetzt ist er da und wunderschön. Überhaupt ist das Haus ein Schmuckstück. Das kann man vielleicht noch abschließend sagen: Das ist ja auch von außen schon für alle, die hier vorbeikommen, ersichtlich, dass das hier etwas Besonderes und Schönes ist. Da habt ihr euch echt etwas Tolles geschaffen, eine schöne Heimstatt fürs Bier. Vielen Dank auch an der Stelle schon mal. Ich fühle mich auf jeden Fall pudelwohl und kann es nur allen anderen empfehlen, hier auch mal vorbeizuschauen. Und ich bedanke mich recht herzlich für alles, was ihr fürs Bier tut, und hoffe, dass es euch auch noch lange, lange gibt. Und ja, da müssen wir noch mal drauf anstoßen. Prost.

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