BierTalk Spezial 32 – Interview mit Sam Smith, Inhaber von Samuel Smith’s Brewery in Tadcaster, Großbritannien

Sam Smith trägt einen großen Namen. Schon seit 1758 existiert die Brauerei seiner Vorfahren in der englischen Kleinstadt Tadcaster in Nordengland. Der Ort gilt neben Burton upon Trent als zweites Bier-Mekka der Insel und so nimmt es nicht Wunder, dass die Biere von Sam Smith in der gesamten Welt einen hervorragenden Ruf genießen. Dank einer früheren Kooperation mit der bayerischen Ayinger Brauerei spricht er fließend deutsch und ist schon seit längerem ein guter Freund der BierAkademie und Gastdozent in den Biersommelierkursen. Im BierTalk verkostet er mit Markus und Holger sechs Biere seiner Brauerei, darunter auch einen Cider und das Organic Lager. Ein echter BierTalk der Superlative, wir wünschen viel Spaß beim Zuhören…

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Holger: Hallo Freunde des BierTalks! Wir haben wieder mal ein Special, und zwar die Nummer 32, und gehen nach Great Britain. Unser Gast ist der Sam Smith. Ich sag nur: The Old Brewery. Sam, es ist uns eine große Ehre, dass du bei uns bist. Vielleicht stellst du dich selbst den Hörern vor und sagst auch schon was zu deiner altehrwürdigen Brauerei.

Sam Smith: Danke schön, Holger! Ja, es ist eine große Freude, eine große Ehre, auf dem Podcast eingeladen zu werden. Mein Name ist Sam Smith, ich arbeite bei der Brauerei Samuel Smith. Wir sind eine der ältesten Brauereien Großbritanniens. Wir sitzen ungefähr 250 oder 300 Kilometer nördlich von London entfernt in der Grafschaft Yorkshire. Und wir sind eine ganz alte Brauerei. Die Brauerei wurde im Jahr 1758 gegründet, wurde 90 Jahre später von meiner Familie übernommen. Und ich habe das Glück, die fünfte Generation meiner Familie zu sein, in der Brauerei tätig sein. Wir brauen ein ganz interessantes traditionelles Sortiment an Bieren, die die klassischen englischen Bierstile sind, die durch die neuen Flaschen zur Verfügung stehen oder exportiert werden. Wir freuen uns, dass in der Mitte dieser Craftbier-Bewegung unsere klassischen Biere eigentlich noch relevant und interessanter als vorher sind, weil sie halt die Ursprünge waren, wo die ganze Craftbier-Bewegung herkommt, lang bevor das modisch war.

Holger: Ihr habt schon Craft gemacht, da gab‘s noch gar keine Craft, ne?

Sam Smith: Genau, das stimmt! Das Wort, genau, besteht gar nicht oder bestand gar nicht. Und das war einfach mal ein gutes Bier, normales Bier, das wir sehr gut brauen wollten, lange, lange bevor das ein Wort war.

Holger: Sehr schön! Und Markus, wie geht es dir damit, wenn du Samuel Smith, da läuft einem doch das Wasser im Mund zusammen, oder nicht?

Markus: Ja, auf jeden Fall. Und auf jeden Fall auch Gänsehautfeeling, weil ich sehr gerne in England bin, sehr gerne in London zum Beispiel in den Pubs und großer Fan auch bin von Real Ale. Und dort gibt es natürlich auch einige Sam Smith Pubs. Da bin ich dann auch immer sehr, sehr gerne und habe auch so meine Lieblingsbiere. Also gerade das Porter finde ich ganz, ganz toll, aber auch das Pale Ale und das IPA sind tolle Biere. Und es ist vor allem eine der ganz wenigen Möglichkeiten, diese Bierstile mal so kennenzulernen, wie sie ursprünglich waren. Weil das sonst bei den meisten mittlerweile schon Interpretationen sind und dann viel mit modernen Hopfen oder mit anderen Produktionsmethoden gearbeitet wird. Und das sind auch gute Biere, aber mir macht das auch oft Spaß, mal auf den Ursprung zurückzukommen. Dann noch dazu muss ich sagen: Ich habe die Biere schon lange gekannt und auch lange gerne getrunken und habe dann das Glück gehabt, in Hamburg den Sam zu treffen und dann eben festgestellt, dass er auch noch so gut Deutsch spricht. Das ist natürlich faszinierend und fantastisch und dann haben wir uns auch unterhalten und seitdem bin ich noch mehr Fan davon. Also insofern sehr toll! Ich freue mich sehr auf und über diesen BierTalk.

Holger: Ganz toll! Aber es wird vielleicht auch ein kleines bisschen ein Mix Englisch und Deutsch werden, zum Beispiel Campaign vor Real Ale, das wäre zum Beispiel erklärungsbedürftig. Was ist ein Real Ale?

Sam Smith: Das ist eine gute Frage. Das ist ein Ale, also ein Ale ist ein obergäriges Bier. Das heißt, wird mit einer obergärigen Hefe vergoren und zu höheren Temperaturen als ein untergäriges Bier wie ein Pils. Und normalerweise hat ein Ale so ein obergäriges Bier. Das hat weniger Kohlensäure und das ist vollmündiger als ein untergäriges Bier, als ein Pils, ein Helles. Also das ist Ale. Und dann ein Real Ale ist eine ganz besondere Art Bier, Ale. Das heißt, das ist im Fass vergoren. Also das Bier wird in der Brauerei vergoren wie ein normales Bier. Das ist ein ganz schnelles Verfahren, dauert nur eine Woche, also normale Vergärung dauert, das ist einfach mal, eine normale Vergärung dauert ungefähr eine Woche. Normalerweise wird ein Bier dann gelagert in der Brauerei in einem Tank, aber bei einem Real Ale, da wird gar nichts in der Brauerei gelagert, in einem Tank gelagert, sondern direkt nach der Vergärung wird das in Fässer abgefüllt und ein bisschen die Hefe, es wird auch nicht filtriert. Das heißt, die Hefe ist noch da im Bier. Und es wird gar nicht gekühlt. Das heißt, die Vergärung findet noch statt im Fass und eine zweite Vergärung findet eigentlich im Fass statt. Und dann kommt das in die Gastronomie, in die Kneipe, und das wird gezapft. Und wenn es gezapft wird, dann hört die Vergärung auf und wird gezapft und getrunken. Aber Real Ale heißt, wie gesagt, ein obergäriges Bier, das eine zweite Vergärung ebenfalls hat.

Holger: Jetzt, wenn man so darüber sich unterhält, Real Ale, dann ist es natürlich auch so, dass wir jetzt mal Real Ale auch praktisch erleben müssen. Und dazu müssten wir mal eine Reihenfolge festlegen. Wir haben noch gar nicht so richtig besprochen, wie wir das jetzt hier mit der Reihenfolge machen mit den tollen Bieren, die vor uns stehen. Markus, du darfst dir das Erste aussuchen.

Markus: Ja, das ist wirklich spannend und eine tolle Aufgabe. Vielleicht, um es mal kurz zu sagen, was wir hier haben: Wir haben einmal ein Organic Lager, also ein untergäriges Bier. Da bin ich auch gleich mal gespannt, was der Sam dazu sagt, wie ihm das in die Flasche gekommen ist. Dann haben wir ein Imperial Stout, also ein durchaus kräftiges, dunkles Bier. Da bin ich auch gespannt. Dann ein Nut Brown Ale, was ein sehr schönes Trinkbier sozusagen ist, mag ich sehr, sehr gerne, hat leicht nussige Noten, wie der Name schon sagt, ein Braunbier. Dann gibt’s einen Organic Cider mit Apples, wie es sich gehört, sehr spannend. Und dann haben wir ein Organic Chocolate Stout. Da haben wir dann wirklich richtig Schokolade und Kakao. Das ist vielleicht fast so ein bisschen der Nachtisch. Und dann haben wir noch das IPA. Also insofern gar nicht so einfach. Ich würde mal sagen, ich würde mit dem Brown Ale anfangen. Da fühle ich mich jetzt, glaube ich, gerade am wohlsten. Es sei denn…

Holger: Das ist ja wieder klar, als Franke suchst du dir High Drinkability aus. Aber warum nicht mit dem Cider beginnen?

Markus: Naja, wenn du das möchtest, können wir auch mit Cider anfangen.

Sam Smith: Passt auch!

Holger: Nein, ich meine, das ist ja das, was ich immer sage, ich bin glücklich, wenn du glücklich bist. Also auf jeden Fall! Aber Nut Brown Ale, und ich gebe dir recht, also absolut, kann man immer gut trinken, ist wahnsinnig lecker.

Markus: Wir können ja mal den Sam fragen: Würde der Engländer eher mit dem Cider anfangen oder eher mit dem Brown Ale?

Sam Smith: Ha-ha-ha! Gute Frage! Es ist schwierig, mit wem ich einverstanden bin. Ich muss eigentlich, den Holger wahrscheinlich würde ich wählen, und zwar den Cider am Anfang zu haben.

Markus: Also gut! Dann bin ich überstimmt. Nun machen wir den Cider auf, ist ja auch die größte Flasche. Insofern alles gut! Ich mach mal auf. So! Ist auch ein bisschen Premiere, weil ich glaube, wir hatten noch nie einen Cider im BierTalk, oder Holger?

Holger: Nein, wir hatten noch nie einen Cider im BierTalk. Absolut richtig!

Markus: Faszinierend! Na dann! Wer möchte mal beschreiben? Möchtest du, Holger, soll ich?

Holger: Nein, ich denke, du hattest es nicht haben wollen und wir haben dich jetzt dazu überredet, da darfst du es auch gleich beschreiben.

Markus: Na super! Wunderbar! Ich mache das jetzt mal so ähnlich, wie ich es bei Bier machen würde. Wir haben auf jeden Fall eine ganz, ganz schöne, so hellgoldene Farbe. Und was ich toll finde, ist, dass da so ganz feine Kohlensäurebläschen in Fäden nach oben aufsteigen, so ähnlich wie in einem Champagner. Das ist schon mal ganz schön. Und wenn man reinriecht, dann ist es in der Tat auch ein Aroma, was einen so an einen Champagner oder Sekt erinnert. Hat aber auch natürlich Apfelnoten dabei. Ist ja auch aus Äpfeln gemacht. Ah! Ein bisschen laktische Noten auch und ein bisschen so Gewürz.

Holger: Wenn du vielleicht für die Hörer kurz erklären würdest, was sind laktische Noten? Es kann durchaus Menschen geben außerhalb von Franken, die das nicht wissen.

Markus: Das stimmt! Das hat so ein bisschen milchige Noten, die da so ein bisschen ins Spiel kommen. Das hat was mit der Vergärung zu tun. Jetzt probiere ich mal einen Schluck. Oh ja, da ist ein sehr schönes, aber auch gefährliches Aromenspiel. Also es fängt sehr süß an, geht dann über in so eine leichte Säure und klingt dann sehr harmonisch aus. Dazwischen prickelt es schön auf den Mund. Und ist eigentlich so, dass man gar nicht merkt, dass da überhaupt Alkohol drin ist, geschweige denn die 5 %. Also kann ich mir gut vorstellen, dass da schon manche Leute da sich etwas überschätzt haben. Aber es ist ein tolles Getränk, also macht mir Spaß und ist tatsächlich, muss ich euch recht geben, ein guter Start in so einen BierTalk hineinzugehen. Also in dem Sinne nochmal „Prost!“. Und Holger, vielleicht magst du was ergänzen?

Holger: Ja, also für mich ist es so, wenn ich jetzt hier rausschaue, dann ist es schon irgendwie November. Und dieses Bier erinnert mich einfach noch mal an eine ganz andere Jahreszeit. Das ist, als würde man über so eine blühende Apfelbaumwiese wandern und diese herrlichen Düfte einatmen. Und dann denkt man schon darüber nach, wie das dann irgendwann im Herbst ist, wenn die Äpfel reif werden und man da reinbeißt und es knackt, wenn man den Apfel anbeißt und die Fruchtexplosion dann auf dem Gaumen stattfindet. Und dieses Leichtfüßige habe ich jetzt auch im Mund. Und das erinnert mich ganz furchtbar an Frühling. Und was kann es Besseres geben im November als an Frühling zu denken. Weil ihr müsst euch mal vorstellen, ihr wärt jetzt als Vögelchen geboren irgendwann im Mai und ihr würdet jetzt merken, wie sich die Natur verändert. Und da macht man sich doch Sorgen. Und wenn man dann aber weiß, es kommt wieder Frühling, dann wird alles sofort viel leichter. Aber so ein neugeborenes Vögelchen weiß das gar nicht. Und da denke ich darüber nach, wenn ich dieses Bier trinke oder vielmehr diesen Cider trinke.

Markus: Ich bin mir gar nicht so sicher, ob du sie nicht aus Versehen schon ausgetrunken hast, wenn man dir so zuhört. Aber interessant ist, wenn man bei uns jetzt in Bamberg zu einer Brauerei gehen würde und sagen würde, „Komm! Mach doch mal ein Apfelwein, einen Cider“, dann würde der mir wahrscheinlich den Vogel zeigen und würde sagen „Du spinnst! Ich mache Bier und fertig.“. Sam, wie ist das denn, warum macht ihr Cider? Macht ihr das schon lange? Ist das neu? Und ist das normal in England?

Sam Smith: Zuerst, Holger, möchte ich mich bei dir bedanken für die lebendige Beschreibung. Ich fühle mich also wirklich, das ist sehr schön beschrieben, ich fühle mich, als ob ich jetzt in einem Frühling unter den Bäumen sitze mit der Sonne über uns. Danke! Das war sehr schön. Ja, ist das normal? Ich würde sagen, normalerweise nicht. Die meisten englischen Brauereien brauen keinen Cider, genau, wie du sagst, das ist kein Bier. Und Bierbrauer, Brauereien wollen normalerweise nur Bier brauen. Aber für uns ist das ganz normal, ganz natürlich, dass wir auch gerne Cider möchten. Das Verfahren, einen Cider zu machen, ist nicht ganz anders als ein Bier zu machen. Es ist eigentlich ein bisschen einfacher. Es gibt wenige verschiedene Prozesse und nur in einem Tank vergoren wird das. Und deswegen sind es ähnliche Tanks und bruchsicher und ähnliche Tätigkeiten wie ein Bier zu brauen. Und haben wir gedacht, möchten wir auch ganz gern machen. Cider ist ein relativ, man trinkt, also ich weiß es nicht genau, aber ich schätze, dass vielleicht 5 oder 10 % Cider wird getrunken im Vergleich zu Bier, also schon relativ große Mengen. Und wir wollen einen richtig hochwertigen Cider brauen, das so hochwertig ist und qualitativ hochwertig ist wie unsere Spezialitäten-Biere. Es gibt viele Ciders, die sehr süß sind, die sehr künstlich sind und ganz wenige Äpfel drin haben. Die sind so die Massen-Merkmale Cider, die in sehr, sehr großen Mengen in England getrunken werden, die billigen Ciders. Und es gibt auch einige Ciders, die oft von Bauern in Südwest-England in der Nähe von Bristol gemacht werden. Und die sind oft wolkig und die sind auch relativ sauer und nicht leicht zugänglich für jemand, der Cider nicht so gut trinkt. Also wir wollten nicht richtig süß sein wie die Massenmarkt-Ciders, aber wir wollen genug Süße darin haben, dass es lecker ist und dass normale Profi-Cider-Trinker das schön gut kennenlernen können. Aber wir wollen auch ein bisschen Säure darin haben, so richtig Apfelsäure darin haben. Und das Bier jetzt mit, also das heißt nicht süß, nicht sauer, in der Mitte, schön saftig und lecker und aber ein bisschen Trockenheit dazu auch. Und es wird mit nur biologischen Äpfeln, normale Äpfel enthalten ganz viele künstliche Pestizide und Dünger, und wir sind stolz, dass hier diese Äpfel gar nicht, gar nichts Künstliches reinkommt, die sind aus biologischem Anbau. Und genau wie du sagst, es schmeckt ein bisschen wie die Säure, erinnert ein bisschen vielleicht an Champagner. Und das ist ganz richtig, es wird mit einer Champagner-Hefe vergoren, damit diese feinen Spitzen dastehen.

Markus: Da kommt für mich alles zusammen, muss ich sagen. Also wenn du von dieser Ausgewogenheit sprichst, das ist quasi wie bei einem Kellerbier, nur eben mit Äpfeln. Also insofern sind wir doch wieder ein bisschen zu Hause. Okay, war jetzt vielleicht ein bisschen schwierig der Weg, aber ich finde es ganz witzig. Aber ich finde es überhaupt interessant, dass ihr dieses Thema Biologisch ganz viel in der Brauerei habt. Vielleicht nochmal ganz kurz zu dem Cider: Seit wann gibt es den und ist das für euch ein wachsendes Segment?

Sam Smith: Ja, ich glaube, wir machen diesen Cider seit vielleicht schon seit 15 Jahren, und Cider, der biologische Cider und in den Flaschen. Und ich würde sagen, dass unser, wir machen Cider insgesamt also in Fässer, die wir in den Pubs in England verkaufen, schon seit mehreren Jahren, schon seit 13 Jahren oder so. Aber wir wollen zehn Jahre, genau, wie du sagst, viele von unseren Bieren und unseren Produkten sind mit biologischen Produkten, biologischen Zutaten, nur mit biologischen Zutaten gemacht, wie dieses Cider. Nicht alle, aber es ist ungefähr die Hälfte. Und für uns ist das ganz wichtig. Wie gesagt, besonders bei den Äpfeln ist das ganz, ganz wichtig, weil die so viele künstliche Stoffe, Pestizide und Dünger enthalten, gar nicht bei uns. Auch für Malz und die Hopfen, für die biologischen Biere, das ist ganz wichtig. Und es ist viel, viel besser für die Erde, dass nichts Künstliches drin kommt. Die Wissenschaftler sagen, dass diese Erde viel länger dauern wird. Es hat natürlich Fertility, ich weiß das nicht, wie man das auf Deutsch sagt.

Markus: Fruchtbarkeit, denke ich mir.

Sam Smith: Fruchtbarkeit, genau! Erde hat eine natürliche Fruchtbarkeit, weil es im biologischen Anbau ist, wo das angebaut wird. Und anstatt die normale Erde, wo die Fruchtbarkeit ausstirbt, langsam ausstirbt, das passiert nicht, wenn das Land im biologischen Anbau ist. Deswegen ist das für uns ganz wichtig.

Holger: Und es ist auch noch vegan.

Sam Smith: Es ist auf vegan. Genau!

Holger: Sehr gut! So! Jetzt haben wir genug über Cider gesprochen, jetzt müssen wir zum nächsten Real Ale.

Markus: Darf ich noch eine kleine Sache anmerken?

Holger: Natürlich!

Markus: Nur der Vollständigkeit halber und eben für unsere Hörer noch. Es gibt natürlich den Cider aus den Äpfeln, es gibt aber auch einen Perry, was ich persönlich auch sehr, sehr gut finde. Da wird eben statt Apfel Birne genommen und ich bin ein sehr großer Freund der Birne. Und der Perry hat einen ganz tollen schönen Birnengeschmack. Deswegen, also den mag ich auch sehr gern. Kann ich nur empfehlen. Und es gibt noch andere Fruchtbiere, die dann mit Kirschen, mit Erdbeeren, mit Himbeeren oder mit Aprikosen gemacht sind. Also ein spannender Teil des Portfolios, wenn man sich mit Sam Smith beschäftigt. Klar, sind die Biere im Vordergrund, aber diese fruchtige Ecke sollte man nicht vergessen. So! Jetzt bin ich aber auch schon ruhig.

Holger: Unbedingt! Ganz tolle Ergänzung. Danke dafür! Genau, richtig! Einen Perry finde ich auch super übrigens. Und was man auch vielleicht noch sagen muss, die Etiketten, also das muss man auch noch mal sagen, also nicht nur bei den Fruchtbieren, sondern insgesamt gibt es so unglaublich schöne Etiketten. Und die alleine schon sind es wert, sich einen Samuel Smith zu kaufen oder zu bestellen und dann auch noch mal sich am Etikett zu erfreuen. Also das muss ich auch noch mal sagen. So, jetzt aber! Also du hast jetzt Nut Brown Ale so in den Ring geworfen. Und wenn ich jetzt da richtig, weiß nicht, ich wäre dann doch noch davor bei dem Organic Lager, ehrlich gesagt.

Markus: Naja, gut! Dann müssen wir deiner Münchner Zunge ein bisschen etwas Gutes tun, die auch ein bisschen Ruhrgebietszunge ist. Und deswegen vielleicht lieber auf das Lagerbier. Ist ja auch okay. Und das kenne ich auch noch nicht. Insofern bin ich auch sehr, sehr gespannt drauf. Also von mir aus sehr, sehr gerne. Pure Brewed Organic Lager. Ich mach’s mal auf.

Holger: Mach mal auf! Und Sam, das ist wirklich ein Novum. Wir reden jetzt die ganze Zeit über Real Ale und jetzt kommt auf einmal so ein untergäriges Lagerbier durch die Tür. Also Lager und untergärig, ist das nicht irgendwie böse, also in der Welt der Real Ales? Oder ist das nicht so?

Sam Smith: Ha-ha! Nein, ein gutes Bier ist egal, ob es übergärig ist oder untergärig ist, egal, ob es im Fass ist, in der Flasche ist, in der Dose ist, alle Biere können, kein Bier ist unbedingt böse, nur weil es so eine Sorte ist, so ein Stil ist. Also es handelt sich, böses Bier ist meiner Meinung nach nur das, was mit künstlichen Stoffen gebraut wird und keine gute Qualität hat. Aber nur, dass es untergärig ist, das trinke ich ganz gerne und wir brauen ganz gerne sehr, sehr gutes untergäriges Bier. Aber ja, wie du sagst, das ist kein traditioneller englischer Bierstil, weil es untergärig ist. Aber wir haben die Idee, wir wollen untergäriges Bier auch brauen. In England ist das eigentlich, das ist das meiste Bier, solche Lagerbiere. Aber wir wollen das richtig gut brauen, wir wollen nichts Künstliches brauen, wir wollten das authentisch machen, so wie die beste Brauer in Deutschland und der Tschechei und die besten traditionellen Pils und Helles brauen. So ein richtiges, authentisches untergäriges Bier wollen wir brauen. Das heißt, vor 14 Jahren oder so hat eigentlich dieses Bier, könnte man sagen, seinen Ursprung in Deutschland eigentlich, weil wir eine Verbindung mit der Brauerei Aying bei München hatten. Und wir haben so ihre Biere und Genehmigungen bei unserer Brauerei gebraucht, und wir ließen uns von der Universität Weihenstephan beraten, um ein richtiges untergäriges Bier zu brauen. Und die Genehmigung, die Verbindung mit der Brauerei Aying ist ganz freundlich zu Ende gekommen. Aber seine Ursprünge und wie das Bier, die Prozesse, die Methoden, die wir von ihnen gelernt haben, benutzten wir immer noch, um dieses Bier zu brauen. Und das heißt, nach dem Reinheitsgebot, nur diese vier Rohstoffe. Und das heißt, mit einer untergärigen Hefe vergoren zu ganz niedrigen Temperaturen. Und das heißt, eine sehr lange Lagerung, die in der Regel ungefähr fünf Wochen dauert, bei -1 bis 1 Grad gelagert, damit es ein richtig hochwertiges Lager am Ende kommt. Und das ist eher so, ich würde sagen, es ist, obwohl das Bier, das wir in Bayern gelernt haben, ich würde sagen, dass unser Organic Lager eher in die Richtung Pils ist als Helles. Und das wird auch mit nur biologischem Malz und biologischem Hopfen gebraut. Und das Bier kommt sehr, sehr gut an. Ein seltenes Beispiel von einem sehr, sehr hochwertigen englischen untergärigen Bier.

Holger: Ja, super! Ich habe mir erlaubt, während dem du das so schön erklärt hast, schon einen Schluck zu nehmen und ein bisschen, also ein ganz kleines bisschen bin ich jetzt schon wieder bei der Wiese. Weil es ist einfach so hellgolden im Glas und so eine trockene Gerste ist in der Nase. Und der Antrunk ist auch ein herber, herber als ein typisches bayerisches Helles, also kann an ein Pils erinnern. Und dann so kleine, kleine Säurearomen und dann aber auch Limette und schon wieder ein bisschen Apfel auch habe ich dabei. Aber es ist sehr, sehr schön ausbalanciert, also diese Säure und der Hopfen wirkt total schön ausbalanciert. Und in meinen Augen schmeckt das richtig frisch und blumig und eben nach frischgemähter Wiese. Und da bin ich jetzt dann schon wieder in so einer anderen Jahreszeit, also das wäre jetzt so ein richtig tolles schönes Sommerbier. Aber die goldene Farbe, die passt dann wiederum auch zum Herbst. Und dann muss man auch noch mal sagen, so Authentic Pure Brewed Organic Lager, das ist doch geil. Und auch wieder vegan übrigens. So, Markus! Jetzt bist du dran und darfst mich gerne noch ergänzen.

Markus: Ja, das mache ich natürlich sehr, sehr gerne. Und ich muss auch wirklich sagen, ich bin echt begeistert. Also ein sehr schönes Bier, was sich auch sehr schön trinkt. Ich muss sagen, aus fränkischer Sicht könnte man auch sagen, es ist vielleicht ein bisschen Pils, wobei wahrscheinlich es im Endeffekt doch eher ein Helles ist. Also mir schmeckt das total gut, das ist total weich, es ist total rund. Ich glaube, so ein bisschen das Geheimnis ist das Wasser, weil es wirklich unglaublich weich ist. Ich habe, glaube ich, jetzt in Deutschland, ja, also klingt vielleicht doof, aber ich glaube, ich habe noch nie ein Helles getrunken oder ein helles Lager, wie auch immer, was so schön weich auf der Zunge ist, was sich so schön trinkt. Also das ist ganz, ganz angenehm. Ja, das ist gefährlich auch wieder, weil dadurch trinkt man es natürlich sehr gerne. Und mir hat auch übrigens das Etikett wieder sehr gut gefallen, das macht richtig Lust, macht auch ein bisschen neugierig. Ja, also wirklich sensorisch ganz toll. Ich habe auch noch ein paar Fragen an den Sam, aber vielleicht willst du vorher zu mir noch was ergänzen?

Holger: Nein, ich weiß gar nicht, Sam, wie ist das eigentlich mit den Gläsern? Jetzt könnte ich mir vorstellen, bei diesem schönen Lager, da ist jetzt so ein normales Pint-Glas irgendwie nicht richtig, also meine ich zu mindestens. Wie ist das, wie geht ihr dann mit dem Thema Glaskultur da an der Ecke um?

Sam Smith: Was wir empfehlen, das Glas, unser markiertes Glas für dieses Bier ist eigentlich eher wie ein deutsches Weizenbierglas, so ein engeres und größeres Glas. Das empfehlen wir ganz gerne. Und wenn man das auch in kleinen Mengen genießt und probiert, so ein Weinglas passt eigentlich ganz gut. Aber genau, wie du sagst, ein normales Pint-Glas würde dazu nicht perfekt passen.

Holger: Markus, du hast noch Fragen?

Markus: Ja. Ich meine, einerseits würde mich einfach interessieren, wie das denn überhaupt funktioniert? Also wir wissen ja, eine untergärige Hefe, die man für so ein Lager braucht, tut sich schwer in einer Brauerei, wo viel obergärige Hefe ist, weil die obergärige sich dann meistens durchsetzt. Also wie kriegt ihr das hin, diese beiden Biere parallel zu brauen? Und ja, vielleicht auch so die Idee, was war so euer Vorbild? Also wenn du jetzt gesagt hast, Aying, also hattest du da so ein Pils oder Helles aus Bayern im Kopf? Oder wolltet ihr einfach ein schönes International Lager machen? Oder was war so die Idee?

Sam Smith: Um die erste Frage zu beantworten, wie wir die zwei Hefen beieinander, wie das alles passiert? Also ganz einfach gesagt: Weil unsere Brauer sehr, sehr gut sind und durch ihre Tätigkeiten. Wir haben besondere Tanks, die wir nur für dieses Bier und diese Hefe benutzen. Wir haben unsere ganz traditionellen Schieferbottiche wie unsere Yorkshire Squares, wo wir unsere Ales, unsere obergärigen Biere in diesen einzigartigen Bottichen werden die vergoren. Aber ganz anders in einem anderen Gebäude in der Brauerei sind unsere Stahltanks und nur da wird diese Hefe und dieses Bier gebraut, damit es anders behandelt wird und bei den niedrigeren Temperaturen gebraut und gelagert werden kann. Es gibt einige englische Brauereien, die so ein Lager brauen, aber es wird eigentlich mit ihrer ganz normalen obergärigen Hefe gebraut. Wir sagen, nein, wir wollen das richtig machen, das authentisch machen mit genau der richtigen Hefe. Das Leben für unsere Brauer ist nicht einfacher, ist schwieriger deswegen, aber wir wollen das richtig machen mit der richtigen untergärigen Hefe. Und das schmeckt man, da schmeckt man die Qualität, diese leicht spritzigen Noten, die man in so einem untergärigen Bier erwarten sollte. Warum so dieser Stil? Ja, also wir wollten, das ist ganz viele Jahre her, vor 40 Jahren oder so, wollten wir richtig gutes untergäriges Bier brauen. Die meisten anderen englische Brauereien haben nur billige europäische, ganz große Marken eingekauft oder unter Lizenz dann eingekauft, um in England zu vertreiben. Aber nein, wir wollten unser eigenes brauen und richtig qualitativ hochwertig das brauen. Und haben dann die, also mein Vater ist eigentlich und ein Kollege von ihm sind nach München geflogen, weil die wussten, dass da sehr gutes Bier gebraut wird. Und die haben dann so eine Kneipe in München gefunden, wo das sehr beliebt war, und Aying in großen Mengen gefunden wurde. Und die haben gesagt „Wow! Dieses Bier ist ja super. Und wir wollen diese Brauerei besuchen.“. Die haben dann am nächsten Tag die Brauerei besucht. Haben dann die Besitzer kennengelernt, den Besitzer kennengelernt. Und irgendwie, ich weiß nicht genau, mein Vater konnte kaum Deutsch, der Herr Inselkammer in der Brauerei konnte kaum Englisch, aber irgendwie haben die so ein gutes Gespräch gehabt und eine schöne Beziehung ist zustande gekommen. Wir waren von ihren Bieren sehr beeindruckt und wollten etwas Ähnliches bei uns brauen. Und deswegen ließen wir uns von der Universität Weihenstephan beraten, um das richtig zu machen. Und in ihrer Brauerei, in der Brauerei Aying wird ein Helles, ein sehr, sehr gutes Helles und Jahrhundert-Bier gebraut, so ein Exportbier. Und es wird auch ein Pilsbier getrunken, das sehr herb ist. Und ich würde sagen, dass unser Bier, unser Pure Brewed Organic Lager, das ist ungefähr in der Mitte zwischen diesem ganz herben Pils und diesem sehr malzigem Helles.

Holger: Wer jetzt keine Lust bekommt, mehr Biere von Samuel Smith zu probieren, der ist selbst dran schuld. So! Jetzt, Markus, jetzt kommt die Stunde der Wahrheit.

Markus: Moment, Moment, Moment, Moment!

Holger: Ah!

Markus: Oh! Eine winzige Frage habe ich noch.

Holger: Ah!

Markus: Eine ganz kurze Frage.

Holger: Er lässt uns wieder nicht trinken. Wahnsinn, Wahnsinn!

Markus: Ja, ja, ja, na gut! Du musst halt etwas haushalten. Du hast ja noch ein paar Bier. Nein, ich habe nur noch eine ganz kurze Frage. Und zwar lag ich denn richtig mit dem Wasser? Also verwendet ihr ein besonderes Wasser in Tadcaster und hat das vielleicht auch einen Einfluss auf dieses Bier?

Sam Smith: Das ist eine sehr gute Frage. Wasser ist ja so eine wichtige Zutat. Also bei uns, unser Bier, wir haben unsere eigene Quelle, die vor mehr als 250 Jahren gegraben wurde. Und aus dieser Quelle kommt ein sehr hartes Wasser, das für obergärige Biere sehr perfekt geeignet ist. Und das werden wir schmecken, wenn wir unsere obergärigen Biere probieren. Aber um so ein Lager, so ein untegäriges Bier zu brauen, braucht man ein sehr zartes Wasser. Das heißt, wir verändern unser Wasser, um ein zartes Wasser zu machen, um dieses Bier zu brauen. Und genau, also wir haben uns viel darum gekümmert, das richtige Wasser, um dieses Bier richtig zu brauen, und das behandeln wir, um das herbeizubringen.

Markus: Faszinierend! Danke schön! Und eine allerletzte Frage, damit wir den Holger noch auf die Folter spannen. Ich habe bei euch gesehen, ihr habt auch noch ein Wheat Beer im Portfolio, also ein Weizen. Da hätte ich nur einmal die Frage: Ist das auch so aus dieser deutschen Zeit übernommen? Und vielleicht die Frage: Warum heißt das denn Bier und nicht Ale?

Sam Smith: Wir sind mit der Brauerei Aying in Verbindung gekommen, weil wir Pils brauen oder untergäriges Bier brauen wollten. Und da haben wir auch entdeckt, dass in Deutschland oder in Bayern auch diesen leckeren Bierstil Weizenbier auch ganz gern braut und ganz gern trinkt. Und haben gedacht: Okay! Dann haben wir Lust mal, das auch zu brauen. Und das ist dann zustande gekommen. Wir glauben, was wir brauen, was ganz Gutes gibt. Fast keine englischen Brauereien, die ein Weizenbier brauen, es ist jetzt unser eigenes Rezept nach dem Ende der deutschen Genehmigung. Aber das ist schon ähnlich wie die deutschen, wie die Brauer bayerischen Weizen, ist ganz lecker, kommt sehr, sehr gut an. Es heißt Wheat Beer, nicht Wheat Ale, weil in England, man ist daran gewöhnt, man hat eine Idee im Kopf, was ein Ale ist, das ist so ein bisschen wärmeres Bier, ein bisschen dunkler, ein bisschen vollmundiger. Und ich glaube, während ein Weizenbier ganz anders ist. Das ist nicht so vollmundig wie ein normales Ale und mit diesem Bananengeschmack ist etwas ganz anderes, das ist eine ganz andere Richtung. Und ich glaube, das würden die englischen Trinker verwirren, wenn das sich Ale nennen würde.

Holger: Soll ich noch mal versuchen, wir könnten, also wenn du nicht wieder den Frageonkel machst, jetzt zum nächsten Bier kommen. Und das wäre dann sogar dein Bier. Also was du dir die ganze Zeit schon wünschst. Und jetzt wäre es soweit. Also bist du bereit?

Markus: Ich bin absolut bereit, keine Frage. Aber man muss doch die Gelegenheit nutzen, wenn man den Sam jetzt schon mal am Rohr hat, diese Dinge zu fragen, weil das einfach sehr spannend ist. Also gut, aber jetzt mache ich hier das Nut Brown Ale auf. Ich freue mich schon total. Und …

Holger: Ich auch.

Markus: Ja! Das ist jetzt wieder zu Hause. Ein wunderschönes rotbraunes rostbraunes Bier, klar filtriert, aber sehr schön leuchtend. Es strahlt mich richtig an mit diesem roten Stich im Braun. Oben der Schaum sehr kompakt, auch braun, schön haselnussbraun würde ich sagen, steht auch ganz fest. Jetzt rieche ich mal dran.

Holger: Man müsste noch mal zählen, wie oft du jetzt braun gesagt hast.

Markus: Mache ich selten, aber weil wir jetzt diese ganze Zeit eben was Helles hatten jetzt. Jedenfalls, heißt ja auch Nut Brown Ale. Und es riecht auch noch so. Das heißt, wir haben also ganz schöne Karamellnoten, natürlich nussige Noten in der Nase, ein bisschen rote Beeren, ein bisschen Toffee auch. Ja, richtig schön weich. Das macht richtig Lust, da jetzt auch ein Schlückchen zu nehmen. Mache ich jetzt auch gleich mal. Und das ist auch wieder ganz schön vom Spiel her. Also es fängt an, ist so süß, karamellig, dann ist die Kohlensäure da und die ist so ganz kompakt und moussierend. Also so richtig schön, als würde man praktisch Schaum trinken, so ein bisschen vom Gefühl her. Das macht das auch ein bisschen fluffig. Und dann kommt so eine leichte, bittere Note auch dazu, die überwiegt dann am Schluss immer mehr. Und es bleiben auch so nussige Töne schön im Mund, so wie eine schöne geröstete Haselnuss, wie man das so kennt. Moment! Ich muss noch mal probieren. Jetzt ist das Glas auch schon gleich leer. Aber es trinkt sich total schön, also sehr weich, sehr rund. Und es ist vor allem ein richtig volles Aroma, also ein ganz, ganz dicht, ein schöner, voller Körper. Und dadurch, dass wir diesen schönen karamelligen und cremigen moussierenden Charakter von dem Bier haben, ist das auch so ein richtiges Erlebnis mit jedem Schluck. Also ich bin begeistert, es erfüllt genau meine Erwartungen und deswegen kann ich nur sagen „Prost auf dieses wunderbare Bier!“.

Holger: Ich kann da fast nichts ergänzen, nur dass ich sagen kann, es ist auch seit langer, langer Zeit ein wirkliches Lieblingsbier von mir. Aber das harmoniert mit der fränkischen Zunge fast wie kein anderes Bier. Das sag ich euch. Das ist so harmonisch, malzaromatisch und man glaubt, man lutscht ein Toffee-Bonbon. Auch da, Sam, herzlichen Glückwunsch! Das ist Wahnsinn. Immer noch besser und besser und besser, also das ist einfach schön. Ich kann nur noch mal sagen, wenn man jetzt über Bierkulturen auch spricht und dann natürlich in das tolle Nachbarland Belgien blickt, dann hat man natürlich eine unglaublich spannende Welt. Aber die britische Bierkultur, die ist auch sehr beachtlich und man muss fast hinfahren. Also man muss fast hinfahren und eine britische Bierreise machen. Also das wäre toll. Da wäre dann Tadcaster auf jeden Fall auch ein Halt, wo man durchaus mal zwei Tage verweilen kann. Du kannst vielleicht ein bisschen erzählen, wie sieht‘s bei euch aus? Wie ist es da, wo du lebst? Hat das viele Berge oder ist es gar nicht bergig oder ist das Wetter immer schön wie in Somerset, oder? Wie ist es da bei euch?

Sam Smith: Danke, ich freue mich, dass das Bier so gut ankommt. Genau, wie du sagst, das ist ganz wichtig, ist dieses Thema so Bierkultur. Und wo wir sitzen, im Norden Englands, das, so ein Brown Ale ist ein ganz typischer oder ganz traditioneller Bierstil aus dieser Gegend, aus diesem Gebiet aus dem Norden Englands. Die berühmteste heißt Newcastle Brown Ale. Newcastle ist eine große Stadt im Norden Englands. Aber das Bier ist wahrscheinlich ein bisschen süßer, weil dieses Bier auch so ein richtiges Brown Ale ist, aber ein bisschen trockener ist und diese richtig vollmundige, nussige Geschmacksnoten haben. Ich würde allen empfehlen, so eine britische Bierreise zu machen. Und unsere Heimatstadt Tadcaster sollte auf jeden Fall ein Halt sein. Das ist nur eine ganz kleine Stadt mit 6000 oder 7000 Einwohnern. Das ist fast, also es ist eigentlich ein Dorf, würde man sagen. In dieser Stadt, in dieser ganz kleinen Stadt gibt es drei Brauereien. Das ist fast die Brauerei-Hauptstadt Englands. Es gibt zwei, die sehr, sehr große Brauereien sind. Einmal gehört dem Heineken und einmal gehört dem Molson Coors. Und die sind zwei von den größten Brauereien Großbritanniens, Millionen Hektoliter werden gebraut. Und dann ihr Nachbar sind wir, der ganz kleine Nachbar, der immer noch unabhängig ist und immer noch nicht von den großen Nachbarn ausgetötet worden ist. Und davor haben wir Stolz, dass wir, wenn wir noch überleben in dem Schatten von den Riesen-Brauereien, riesigen Brauereien. Und das ist eine ganz alte Stadt, die wurde von den Römern gegründet. Es gibt keine Berge da, es gibt ganz schöne Flüsse dadurch fließt. Und wir haben Stolz, dass fünf Tage in der Woche wird von uns unser Bier mit unseren Pferden ausgeliefert. Wir haben drei kaltblütige weiße Pferde, die fünf Tage in der Woche Bier auf dem Kutscher da die Fässer ausliefern an die Pubs in der Stadt. Und das ist schon eine ganz schöne Sicht, das jeden Tag zu sehen. Und natürlich gibt es wie bei allen Brauereien diesen ganz schönen Geruch in der Luft, wenn eingemaischt wird.

Holger: Jetzt kriegt man noch mehr Lust. Also Wahnsinn! Jetzt kommen wir vielleicht zu einem Lieblingsbier von mir, nämlich dem Chocolate Stout oder Organic Chocolate Stout. Wir haben jetzt schon gelernt, dass es immer Zutaten sind aus biologischem Anbau und die dann auch mit exzellentem Geschmack begeistern. Ich weiß nicht, seid ihr bereit für dieses tolle Organic Chocolate Stout?

Markus: Na ja, da muss ich mal umdrehen und sagen, ich bin glücklich, wenn du glücklich bist. Und wenn du das jetzt brauchst, dann sollst du es haben. Ich trinke es immer sehr gerne, muss ich sagen. Insofern freue ich mich schon drauf und mach‘s gleich mal auf.

Holger: Sehr gut!

Markus: Was erzählt es dir denn, dieses Bier?

Holger: Ich kann nur sagen, man möchte es gar nicht trinken, sondern man möchte es wegriechen. Das ist unglaublich. Es ist, das ist wirklich wie Schokolade und Kaffee in einem. Man denkt irgendwie an einen warmen Kakao. Was natürlich jetzt wieder wunderbar zur Jahreszeit gehört. Und denkt an Sahne und Zimtkuchen und frisch gebrühtem Kaffee und geröstetem Malz. Ich trinke jetzt mal einen Schluck. Also auch da wieder diese samtige Mundgefühl, was wir heute schon hatten, und diese intensiven Aromen, und dann natürlich auch dieser unglaubliche Mahagoni-Ton im Glas. Da kann man sehen, was Bier sein kann. Oder, Markus?

Markus: Ja, absolut! Ein ganz faszinierendes Bier. Ich stimme dir hundertprozentig zu, alleine schon die Farbe, dieses schöne Mahagoni, dunkle Braun, auch wieder mit einem leichten Rotstich obendrauf, ein schöner dunkelbrauner Schaum. Und dann hat man eben dieses wunderbare schokoladige Aroma. Zumindest für alle, die Schokolade lieben, aber das sind glaube ich 95 % aller Menschen, ist das wirklich ein ganz, ganz großer Genuss. Ich glaube auch für viele eher unbekannt. Also man kennt schon Biere, die leicht schokoladig sind, aber so schokoladig, das ist wirklich selten. Das ist wirklich sehr, sehr schön und erlebe ich auch immer wieder, wenn ich das mit Leuten verkoste, dass die erst mal völlig geflasht sind und eigentlich fast schon denken, wie du schon gesagt hast, man trinkt fast einen Kakao. Und das Ganze dann eben noch als Bier mit der Erfrischung, mit dem Mundgefühl ist ganz faszinierend. Was ich auch noch kennengelernt habe dabei, es gibt zum Beispiel auch dieses Sherry Beer von Sam Smith. Was wir schon probiert haben, ist, dass man dann dieses Chocolate Stout mit dem Sherry Beer mischen kann. Am Ende kommt dann ein Schwarzwälder Kirschkuchen dabei raus, von der Aromatik her. Das ist auch ganz toll, mit Leuten einfach mal zu spielen, weil wir in Deutschland völlig vergessen haben, dass man Biere mischen kann. In anderen Bierkulturen ist es völlig üblich, aber bei uns ist das ganz vergessen. Und mit diesen beiden Bieren zum Beispiel kann man das ganz augenfällig mal demonstrieren. Sam, ich bin dir sehr dankbar für dieses Bier, muss ich wirklich sagen.

Holger: Hier spielt natürlich auch das harte Wasser eine gute Rolle. Das ist für so ein Bier, denke ich, ideal. Und auch dieses samtige Mundgefühl, da kommt dann wieder diese eigene Quelle mit, ich weiß nicht, was ihr habt, wie viel Grad deutsche Härte, aber du hast gerade gesagt, das ist sehr, sehr hart. Das stelle ich mir hier auch ganz besonders optimal vor.

Sam Smith: Das stimmt, das stimmt auf jeden Fall! Das Wasser hat eine sehr große Rolle zu spielen bei diesem Bier und eigentlich bei allen unseren Ales. Das Wasser besitzt über Kalkstein in unserer Stadt und wegen dieses Kalksteins kommt diese Mineralität und das ist perfekt für das Mundgefühl. Genau, wie du sagst. Alle unsere Biere, aller unsere Ales, die sind vollmundig, sie sind malzig und das kommt durch dieses Wasser aus unserer eigenen Quelle, das den Charakter an den Bieren gibt. Was auch passiert, ist, wir haben unsere eigenen einzigartigen Vergärungsbottiche, die heißen Yorkshire Squares. Yorkshire ist unsere Grafschaft und Square ist Vierecken. Und die bestehen aus Schiefer und die sind offene Bottiche. Und durch die Vergärung in diesen Bottichen, die ungefähr eine Woche dauert, entsteht, ist das Bier am Ende so schon vollmundig und hat diesen fast kräftigen Charakter durch diese Vergärungsmethode und auch wegen des Wassers. Und deswegen passt dieses vollmundige Bier sehr, sehr gut zu dem Schokoladengeschmack. Alle beide sind schon balanciert miteinander. Man würde nicht ein dünneres Bier haben wollen mit Schokolade, dünneres Bier vielleicht beim untergärigen Bier perfekt, aber nicht bei so einem kräftigen dunklen Bier will man ein bisschen dieses Mundgefühl haben. Das kommt, diese malzige Mundgefühl, was wegen des Wassers kommt und durch diese Vergärungsmethode. Genau, wie du sagst.

Holger: Wir haben jetzt schon oft so Querverweise auf andere Biere aus eurem Sortiment gemacht, und in dem Zusammenhang möchte ich unbedingt noch hinweisen aufs Oatmeal Stout, auch mit einem unglaublichen Mundgefühl. Und das Taddy Porter, also das ist auch ein Bier, das diesem Bierstil wirklich alle Ehre macht. Markus, kennst du das?

Markus: Ja, absolut! Habe ich vorhin schon gesagt, gerade das Taddy Porter ist eins meiner Lieblingsbiere, das ich wirklich eigentlich immer, wenn ich in London bin, mindestens einmal trinke, meistens öfters, oder mehrere Abende, je nachdem, wie man das sehen mag. Also auf jeden Fall ganz, ganz faszinierend. Und gerade diese dunklen Biere, ich bin sowieso ein Freund der dunklen Biere und der malzbetonten Biere, und das macht mir richtig viel Spaß, weil man das tatsächlich gerade in England nicht immer in der Qualität bekommt. Das gefällt mir wirklich richtig gut. Und auch wieder ein bisschen so der Verweis auf die Geschichte. Auch dieses Porter führt zurück zu den Ursprüngen von dem Bierstil. Da hätte ich jetzt allerdings eine Frage bei diesem Chocolate Stout, das ist wahrscheinlich jetzt kein historisches Bier, oder? Seit wann gibt es das oder wie kamt ihr auf die Idee, da mit Kakaobohnen zu spielen?

Sam Smith: Stout ist bei uns ganz historisch, ganz traditionell, also wir brauen schon Stout und Porter seit 200 Jahren. In unserer ganzen Geschichte haben wir immer Stout gebraut und sehr gutes Stout, richtig gut, weil unser Wasser so gut dafür geeignet ist. Ein gutes Stout hat immer so ein bisschen Geschmack an Schokolade, an trockene Schokolade. Und deswegen kamen wir auf die Idee vor 15 Jahren oder so ein Bier, das eigentlich Kakao benutzen würde, um diesen trockenen Schokoladengeschmack ein bisschen zu verstärken. Genau, also Kakao, biologischer Kakao, was wir hier benutzen, ist kein traditioneller Rohstoff in Bier. Natürlich, ich glaube nicht nach dem Reinheitsgebot. Aber wir haben das Gefühl, wir sollten uns nicht nur auf die vier normalen Zutaten vom Bier, wir sollten uns nicht nur darauf einschränken. Wir haben das Gefühl, das ist so wie ein guter Koch, der möchte ganz interessante verschiedene natürliche hochqualitativ hochwertige Rohstoffe benutzen, um interessantes gutes Bier zu brauen, das zu uns passt, das zu unserem Wasser passt, das zu unserer Gärmethode passt und das zu unserer Geschichte passt, weil wir seit vielen Jahren uns so gut auskennen mit Stout zu brauen.

Holger: Tja! Und jetzt glaubt man gar nicht, dass man jetzt zu einem Finale kommt, was ein wahres Finale ist und seinem Begriff auch alle Ehre macht. Jetzt kommen wir doch dann zum Imperial Stout. Imperial würde man übersetzen als kaiserlich. Und Markus, das obliegt dir jetzt wieder die Ehre, dann das Imperial Stout als Finale ins Glas zu schenken und uns zu berichten, was du erlebst.

Markus: Ja, grundsätzlich sehr gerne, die nehme ich auch total gerne an diese Ehre.

Holger: Aber du hast jetzt noch wieder eine Frage, oder?

Markus: Nein. Oder Jein, je nachdem. Aber haben wir nicht das IPA vergessen?

Holger: Ja, können wir auch machen.

Markus: Wenn du vom Finale sprichst, müssen wir …

Holger: Du möchtest jetzt das India Ale noch mal in die Runde werfen?

Markus: Genau, das kannst ja du machen und dann übernehme ich wieder mit dem Imperial Stout. Das wäre doch eine …

Holger: Ja, du bist so frech, machst du jetzt das India Ale und ich mache das Imperial Stout.

Markus: Das ist unglaublich! Aber gut, dann machen wir das so und dann machen wir das mal auf. Moment! Da muss ich auch sagen, ich trinke es meistens nicht alleine, also nicht nur, dass ich es gerne mit anderen Menschen trinke, sondern ich habe gerne das Pale Ale und das India Ale nebeneinander. Weil ich das so spannend finde, weil es diese beiden klassischen englischen Bierstile sind, die, glaube ich, mehr oder weniger ein gleiches Grundrezept haben, aber das India Ale wesentlich mehr Hopfen hat. Das merkt man hier schon, also wenn man es anschaut, erstmal diese wunderschöne goldene Farbe, die mich schon so ein bisschen anstrahlt, und der schöne weiße Schaum obendrauf. Und dann, wenn man eben reinriecht, dann hat man so diese klassischen, hopfigen Aromen, grasig grün, ein bisschen Zitrus, und sehr intensiv, was einen so richtig auch ein bisschen packt. Und wenn man dann einen Schluck nimmt, Moment!, dann hat man wieder dieses cremige Mundgefühl. Das fängt auch erstmal so ein bisschen malzig an und dann übernimmt aber der Hopfen und übernimmt die Bittere und ist dann richtig intensiv, richtig präsent, nicht zu präsent, und sorgt aber dafür, dass dann, wenn man getrunken hat, so richtig der Mund trocken wird und man dann so nach und nach dieses Bedürfnis hat einfach den nächsten Schluck wieder zu nehmen. Das ist sehr, sehr rund, sehr, sehr schön, sehr angenehm. Und ich finde, man kann, wenn man das dann mit dem Pale Ale zusammen vergleicht, sehr schön diese Evolution von diesem Bierstil mitbekommen, wie man eben merkt, okay, wie funktioniert das, wenn ich mit dem Hopfen mal anders arbeite, aber trotzdem dieser schöne Körper mit dem schönen Malz da ist. Und das gefällt mir richtig gut und deswegen trinke ich das auch gerne und kann nur sagen „Prost!“ und freue mich auch, dass das so ein ursprüngliches India Ale ist, wo ich jetzt nicht sieben, acht Prozent habe und nicht durch Hopfenstopfen ganz viele tropische Früchte oder irgend sowas. Das ist auch toll, aber so wie dieses India Ale sind halt die Biere, die man auch in den Pubs bekommt. Und da merkt man auch, dass das eigentlich auch ein Bier ist, was die Leute einfach gerne mal am Abend trinken, wo es gar nicht um Extreme geht, sondern einfach um ein schönes Bier, was man trinkt. Und Holger, wie geht’s dir?

Holger: Ich stelle mir jetzt einfach einen schönen Burger dazu vor, weil dazu würde es exzellent passen. Aber im Prinzip hast du es getroffen, also ich habe eigentlich nichts zu ergänzen. Sehr schön, sehr schön!

Sam Smith: Dieses Bier ist wie der Markus sagt, das ist so ein ursprüngliches IPA, bevor in den USA dieser Stil da beliebt wurde. Der Stil wurde am Ende des 19. Jahrhunderts erst gebraut, um nach Indien von England nach Indien gebracht zu werden über die Meere. Und es wurde mit mehr Hopfen gebraut, weil der Hopfen dem Bier eine längere Haltbarkeit gegeben hat während der langen Reise, das sehr heiß war. Dieser Stil wurde dann sehr gut angenommen in den USA und da wird das mit amerikanischen Hopfen gebraut. Deswegen haben wir die amerikanische IPA das sehr gut angekommen ist, das oft nach viel Zitrus schmeckte und viele oft nach Pampelmuse und oft manchmal relativ süß ist mit dem New England IPAs und sehr, sehr fruchtig. Aber dieses ist wie es ursprünglich war. Wir glauben ganz ähnlich wie diese ersten IPAs, die in England gebraut wurden für Indien, für die indische Kolonie. Und das war dann nur mit englischen Hopfen gebraut. Das ist mit diesen klassischen Hopfensorten, die heißen Fuggles und Goldings. Und statt Zitrus und Pampelmuse schmecken die nach, die sind schon erdig und fast würzig, würde ich sagen. Wenn die hohen Mengen benutzt werden, so wie in diesem Bier, aber nicht extrem bitter und diese Erdigkeit und diese fast Würzigkeit ist ganz interessant. Das man nur hat, wenn man in großen Mengen englische Hopfen hat. Das ist erst ein interessantes Beispiel davon, das eigentlich ganz selten ist und es passt sehr gut zu dem guten Malzkörper und ist balanciert und nicht extrem oder aggressiv.

Holger: Da kann man nichts mehr sagen, oder Markus?

Markus: Nein, absolut! Ich kann nur unseren Hörern wirklich empfehlen, also einerseits, ihr müsst mal nach England fahren und in den Pubs als Real Ale eben Pale Ales und IPAs und Porters und Stouts verkosten, um einfach mal eine Erdung zu bekommen, einen Eindruck zu bekommen, wie diese Bierstile ursprünglich mal gedacht waren und wie sie schmecken. Dann versteht man auch sehr viel besser, wie die modernen kreativen Bierstile daraus entstanden sind. Und andererseits kann man ihnen auch nur empfehlen, bestellt euch mal dieses Paar aus Pale Ale und India Ale, um auch da den Unterschied mal für sich so ein bisschen zu erfassen und zu memorieren und zu sagen, okay, so ist das gedacht und so ist das gedacht und das ist die Basis. Das ist für mich immer wieder gut und verwende ich auch gerne in unseren Kursen, um den Leuten da so eine Basis auch zu geben, um sich dann später diesem Thema Pale Ale und IPA auf die moderne Art und Weise mit all den Vielfältigkeiten und verschiedenen Stilen, die es da heute gibt, zu nähern. Oh je! Langer Satz. Ich habe noch nicht genug Bier getrunken, aber mache ich jetzt. Prost! Und jetzt kannst du zum Finale.

Holger: Du hast mir die Moderation, quasi die Anmoderation, komplett versaut. Deshalb weiß ich gar nicht mehr, was ich sagen soll. Jetzt kommt halt das Imperial Stout.

Markus: Du hattest glaube ich über Imperial und kaiserlich und sowas gesprochen.

Holger: Ja, ja, genau! Das hatte ich alles gemacht, aber das ist jetzt verpufft. Deshalb, jetzt mach’s halt auf.

Markus: Ach, na gut! Dann versuche ich es noch etwas glorios zu machen, was ja auch schön ist. Also unser Finale für heute ist jetzt unser Imperial Stout. Das kommt schon in einer besonderen Flasche daher, das ist vielleicht auch was, dass diese Flaschen von Samuel Smith sind sehr elegant, also sehr hoch im Verhältnis, und man hat dann oben so eine schöne Gold, wie sagt man, Stanniolpapier, wie auch immer, jedenfalls ein schönes goldenes Papier oben drüber, was das Ganze so ein bisschen krönt wie eine kleine Krone.

Holger: Halsbanderole nennt man das.

Markus: Ja, ja, schon, aber das Material?

Holger: Goldpapier.

Markus: Na gut! So hätte ich es dann auch sagen können. Auf jeden Fall eine goldene Krone oben auf dem Bier und dann versteht man auch, warum das Ding da obendrauf Kronkorken heißt. He-he! Und hier haben wir auch ein ganz, ganz schönes Etikett, was wirklich auch richtig so den Eindruck vermittelt, dass es sich hier um ein ganz edles Bier handelt. Wir sehen da auch ein paar Medaillen drauf zum Beispiel. Und dann steht richtig schön Imperial Stout. Jetzt bin ich mal sehr gespannt, ich mache das mal auf. Ha! Da ist es. Wir haben schon ein bisschen übers Thema Stout gesprochen bei dem Chocolate Stout und jetzt haben wir eine Farbe, die noch intensiver, noch dunkler ist und sehr schön trotzdem diesen leichten orangegoldenen Schimmer hat, rötlich, was so aus dem Glasboden hochleuchtet. Und obendrauf jetzt wirklich ein sehr schöner dunkler und sehr kompakter Schaum. Wenn man das riecht, dann erinnert das einen so ein bisschen an des Chocolate Stout. Also wir haben auch ein bisschen schokoladige Aromen, aber natürlich auch so Kaffee, ein bisschen trockene Beeren, ein bisschen Rosinen, Karamell, Toffee kommt auch wieder rüber, Röstaromen allgemein, ein bisschen Lakritz vielleicht sogar. Ich probiere mal. Hmm! Da merkt man schon, das ist jetzt ein sehr selbstbewusstes Bier. Also das sagt uns richtig viel, erzählt uns so eine richtige Geschichte. Es fängt richtig intensiv an mit diesen Karamellaromen, mit den Röstaromen. Dann übernimmt die Schokolade, dann hat man so ein bisschen wie Malzkaffee fast und dann kommt ein bisschen Lakritz vielleicht dazu, und hintenraus wird’s dann leicht bittersüß, so ein Spiel zwischen beiden Geschmäckern und klingt dann mit diesem cremigen Mundgefühl fast ein bisschen sahnig aus. Also ganz, ganz interessant, ganz, ganz spannend. Und ist dann aber auch dafür, dass es eigentlich mit seinen 7 % gar nicht so schwach ist, trotzdem ein leichter Trunk. Also sehr selbstbewusst, sehr voll, sehr intensiv, aber trotzdem gut zu trinken. Und das ist wirklich ein ganz tolles Bier. Es ist auch mittlerweile, nachdem wir doch schon eine Stunde hier am Reden sind, ein bisschen wärmer geworden. Das tut ihm auch gut, also ein Bier, was durchaus ein bisschen Temperatur vertragen kann. Und wirklich ein grandioses Finale ist, also es schmeckt mir richtig gut. Oder was sagst du, Holger?

Holger: Sage ich ja, Finale. Und ich glaube, das wird in diesen Yorkshire Squares fermentiert, oder nicht, Sam?

Sam Smith: Ja. Da hast du absolut recht. Da wird das auch vergoren, fermentiert und hat immer den gleichen Charakter wie die zwei vorherigen Biere dieses Mundgefühl, diese Malzige, fast Mineralische, Vollmundigkeit, das aus dem Wasser kommt, aus den Yorkshire Squares kommt. Dieses Bier ist ein bisschen stärker, 7 %, aber das heißt, es ist noch vollmundiger als die zwei vorherigen. Aber das ist nicht zu kräftig, nicht zu dick oder es ist immer noch leicht zu trinken, immer noch, man will immer noch einen Schluck nehmen. Und nicht oder sowas wir ein stärkeres Bier sein kann. Und genau, dieser Lakritzengeschmack, ein bisschen bittere Schokolade, ein bisschen …

Markus: Rauchig.

Sam Smith: … rauchig, genau, danke, ein bisschen rauchigen Geschmack, alles schon sehr balanciert, auch intensiv.

Holger: Ich glaube, es ist auch wahnsinnig komplex, oder?

Sam Smith: Mhm (bejahend).

Holger: Das ist so ein richtig komplexes Geschmacksbild. Mir fällt dazu ein, Affogato, wisst ihr, was ein Affogato ist?

Markus: Der Espresso?

Sam Smith: Ich weiß nicht, was das ist.

Holger: Nein, das ist ne Vanilleeiskugel und da wird dann einfach ein Espresso drüber geschüttet, ein heißer Espresso. Und ich könnte mir jetzt vorstellen, das würde mit dem Bier auch gut funktionieren. Also man nimmt eine Vanilleeiskugel und schüttet einfach ein bisschen von diesem Imperial Stout über diese schöne cremige Vanilleeiskugel und löffelt es dann aus. Und dann wird wahrscheinlich an einem Sonntagnachmittag die Schwiegermutter dich anhimmeln und sagen, oh, so einen schönen Eiskaffee habe ich nicht mal in Italien verkosten dürfen. Was gibt es Schöneres als die Schwiegermütter glücklich zu machen, oder?

Sam Smith: Das stimmt, das stimmt! Das kann man gut. Das ähnelt sich schon ein bisschen wie ein Espresso, das man zu einem Affogato gut nutzen könnte. Das ist dieser intensive Kaffeegeschmack. Ich finde, es ist mindestens ganz interessant, wenn ich darüber nachdenke. Also wir sagen, dieses Bier schmeckt ein bisschen nach Kaffee oder Espresso. Solche Biere mit geröstetem Malz würden in Europa, zu mindestens in England, ich glaube auch in Deutschland, schon seit mehreren Jahrhunderten gebraut, schon lang, bevor Kaffee nach Europa gebracht wurde und in großen Mengen getrunken wurde und normal wurde. Das heißt, wir sagen, dieses Bier schmeckt ein bisschen nach Kaffee oder Espresso, aber vor 200 Jahren, als die Europäer Kaffee getrunken, entdeckt haben, hätten sie gesagt, dieses Getränk, dieser Kaffee schmeckt wie mein Bier. Das heißt, Bier ist, solche Bierstände sind ja traditionell, so eine lange Geschichte wie unser Imperial Stout.

Holger: Markus, dir gebührt das Schlusswort, würde ich sagen.

Markus: Ich bin immer noch ganz glücklich und ganz erwärmt von diesem Bier, das mir echt sehr viel Freude macht und das wirklich ein sehr schönes krönendes Finale für unseren BierTalk ist. Und dann sage ich, Sam vielen, vielen Dank! Also das hat uns wirklich richtig viel Freude gemacht, auch mal einen Einblick in die englische Bierwelt mit dir zu bekommen. Und ich hoffe, dass unsere lieben Hörerinnen und Hörer das auch zu schätzen wissen und kann euch nur einladen. Also wohlgemerkt, unser Podcast ist völlig werbefrei, also wir sagen einfach nur unsere Meinung, aber natürlich reden wir auch in der Regel mit Leuten, wo wir wissen erstens, sie wissen was sie tun, und zweitens macht es uns Spaß, mit ihnen ihre Biere zu trinken. Deswegen also hier wirklich ein ganz großes BierTalk-Fest, das wir mit euch zusammen erleben dürfen und ich jetzt mit Holger und Sam zusammen erleben durfte. Also von meiner Seite aus vielen Dank und heute noch einen schönen Abend!

Holger: Dem kann ich mich nur anschließen. Sam, 1000 Dank! Es war wunderbar.

Sam Smith: Danke schön, Holger! Danke schön, Markus! Das war ein großes Vergnügen. Hat mich sehr gefreut und viel Spaß gemacht, die Biere allen vorzustellen.

Markus: Auf jeden Fall!

Holger: Macht’s gut! Ciao!

Markus: Ciao!

 

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Alle Folgen unter www.biertalk.de

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