BierTalk 92 – Interview mit Christian Temme vom Braustättchen am Fischmarkt aus Hamburg

Vor einem guten Jahr hatten wir Christian Temme bereits bei uns im BierTalk zu Gast und sprachen über seine Pläne, sein geliebtes „Braustättchen“ vom heimischen Knesebeck ins quirlige Hamburg zu verlegen. 14 Monate später hat sich der Biertempel an der Reeperbahn bereits bestens etabliert und gehört zu den Pflichtbesuchen für Bierfreunde in der Hansestadt. Natürlich ging es wegen der Pandemie nicht ganz ohne Unwägbarkeiten und plötzliche Herausforderungen, doch gerade dadurch entstanden neue, spannende Angebote, die nun das Braustättchen einzigartig machen. Dazu gehören zum Beispiel hybride Events mit den Bierjüngern im Braustättchen und den Brauern am Bildschirm oder Mini-Bierreisen mit den ersten Schlückchen in Hamburg und nach einer kleinen Zugfahrt den großen Schlucken im Sudhaus vor Ort. Es geht also auch innovativ und kreativ, zwei Attribute, für die Christian Temme schon seit vielen Jahren steht, wie auch im Gespräch gut zu vernehmen ist…

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Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute haben wir mal wieder die Gelegenheit, jemanden nochmal zu treffen und da haben wir den lieben Christian aus Hamburg, den wir im BierTalk 64 schon mal hatten. Und da haben wir drüber gesprochen, das er plant, sein Braustädtchen zu verlegen und ein neues aufzumachen und hatten so ein bisschen am Horizont angekündigt, dass es da in Hamburg eben demnächst eine wirkliche Bierneuheit und eine Bierrarität gibt und mittlerweile ist sie Wirklichkeit geworden. Und deswegen haben wir gedacht, da müssen wir nochmal nachhaken, müssen mal rein hören, wie das jetzt so war. Wir haben ja dazwischen jetzt auch so quasi eine Pandemie hinter uns und andere schwierige Zeiten vielleicht vor uns und da gibt es viel, worüber man sprechen kann. Christian, vielen Dank, dass du hier bist, das wir wieder miteinander reden können. Und vielleicht stellst du dich trotzdem nochmal ganz kurz vor für all die Hörer und Hörerinnen, die dich noch nicht kennen.

Christian: Ja, Markus, vielen, vielen Dank, dass ich nach gut einem Jahr wieder, ja, dabei sein darf bei euch, zum zweiten Mal, es ist viel passiert. Ja, der Christian, ich bin lange schon in Hamburg ansässig, mit dem Thema Bier beschäftige ich mich, zumindest professionell, seit gut jetzt vier, viereinhalb Jahren und bin eigentlich Chemiker. Darüber haben wir, glaube ich, im ersten Podcast sehr viel geredet, das wiederhole ich jetzt nicht nochmal. War also viel unterwegs in der Welt im Namen der Polarforschung und, und, und, und habe dann lange bei großen Analytik-Dienstleistern gearbeitet in der Laborbranche. Und habe dann letztes Jahr mich entschieden, komplett nochmal was Neues anzufangen und hab eine, ja, eine Begegnungsstätte, will ich sie mal nennen, am Fischmarkt in Hamburg gegründet, also einen Einzelhandel mit Event-Location, an einem wundervollen Platz. Jeden Tag bin ich überglücklich, da sein zu dürfen, die Elbe zu sehen und, ja, nette Gäste und Kunden dort begrüßen zu können.

Markus: Ja, wunderbar. Und ich finde, das muss man einfach auch schon mal sagen, der Ort ist wirklich spektakulär, also am Fischmarkt, am Geschehen, mitten In Hamburg, also mehr geht eigentlich nicht und das ist schon toll. Vielleicht an der Stelle ganz spontan mal die Frage, nachdem ja alle immer sagen, man kriegt keine Immobilien, das ist alles unmöglich, wie hast du das überhaupt geschafft, dass du ausgerechnet da dich hin platzieren konntest?

Christian: Ach, du, Markus, pures Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Normalerweise guckt man ja auf irgendwelchen Immobilienplattformen oder tatsächlich, nimmt Kontakt zu einem Makler auf, ich habe dann mal links und rechts geschaut und tatsächlich bei eBay-Kleinanzeigen, war mir gar nicht bewusst, dass man dort auch solche Dinge finden könnte, mal nach Immobilien, also Gewerbeimmobilien geschaut und dort stand sie. Dort stand genau diese Location und dort war ein Whisky- und Rum-Testing-Experience-Raum, eigentlich nur für Seminare, also komplett zu, also die Fensterfront war gar nicht sichtbar groß. Das sagen mir auch immer wieder die Kunden, die sagen: „Hej, hier war doch schon immer was, aber irgendwie haben wir das gar nicht wahrgenommen.“ Und jetzt haben wir natürlich alles wunderbar, das große Schaufenster eigentlich auch nutzen wir als Werbefläche für unsere Biere, man kann reinschauen, wenn man will, es ist alles auch, ja, hinter Glas sozusagen, kann man auch sich einen kleinen Eindruck verschaffen, wenn man außerhalb der Öffnungszeiten da ist. Und es war mal eine Kneipe, das heißt, wir haben eine wunderbare, ja, WC-Landschaft, will ich sie mal nennen, im Keller. Wir haben auch einen großen Lagerraum im Keller, der halbwegs jetzt auch bei 30 Grad noch so knapp 14, 15 Grad liefert, was natürlich perfekt ist. Also sowas zu finden, hatte ich immer geträumt. Hatte dann in den einschlägigen Stadtteilen, wo man Laufkundschaft erwarten kann, geschaut, die natürlich auch alle in sind und dementsprechend teuer, keine Chance, da war nichts zu machen. Selbst durch die Pandemie, hatte ich gedacht, gibt es Leerstand und der ein oder andere möchte vielleicht von der Miete ein bisschen runtergehen. Nein, das war wirklich ein Traum, der nicht wahr wurde und dann kam eben diese Location. Aber, du hast gesagt, es gibt keinen besseren Ort, jein, also der Fischmarkt ist mittlerweile nicht mehr das, was er mal war. Also das habe ich mir auch ein bisschen anders vorgestellt, aber dazu kommen wir vielleicht noch. Also die Laufkundschaft muss man sich doch sehr hart erarbeiten dort. Es ist also nicht der absolute Hotspot wie jetzt das Schanzenviertel oder der Kiez oder jetzt die Hafen-City, ne, wo es die Touristen tatsächlich so einfach rein spült und wo es natürlich zig Läden gibt, die aneinandergereiht sind und wenn man dazwischen wäre, dann würde man die Gäste oder die Kundschaft automatisch mitnehmen. Nee, hier muss man sich jeden Kunden hart erarbeiten, dass er dann auch wirklich dort hinkommt und das macht man natürlich sehr viel heutzutage mit entsprechenden Internetauftritten, mit social-Media-Auftritten. Ja, aber du weißt selber, dass kostet Zeit und, ja.

Markus: Ja, aber da müssen wir dann wirklich danach noch drüber reden, wahrscheinlich hat sich Hamburg da auch ein bisschen verändert, wo so die Touristenströme und die Leute so hinlaufen. Weil, ich habe das auch noch so im Blut eigentlich, also wenn ich nach Hamburg komme, dann muss ich eigentlich immer erst mal zum Fischmarkt, aber gut, können wir nachher noch drüber sprechen. Aber vielleicht noch zu dem Laden, war das dann wenigstens ein Vorteil, dass da vorher schon Testings drin waren, also hat es dadurch eine gewisse Bekanntheit gehabt?

Christian: Ja, auf jeden Fall. Also die Kundschaft war natürlich genussaffin, hat dort Whisky- und Rum-Testings gemacht, sehr hochpreisige Whiskys. Das weiß ich, das hat mir der Vorbesitzer auch erzählt. Ich habe tatsächlich auch noch ein paar Flaschen geerbt, die dann schon angebrochen waren und dann ein bisschen recherchiert natürlich und war ganz angetan von den Marken und von dem Wert auch der einzelnen Flaschen. Und ich konnte von der Ladenausstattung einiges übernehmen. Das heißt also, mein Budget, mein Businessplan, dem ich dann für Ladenausstattung natürlich eine ganze Menge zugewiesen hatte, diese Ausgabe wurde über Nacht plötzlich halbiert und das war natürlich toll, weil ich da einiges übernehmen konnte. Das ist jetzt nicht unbedingt meine Traumausstattung. Wenn du mal vorbeikommst, wirst du merken, dass es noch nicht so den alten Scharm hat wie das Gebäude zum Beispiel, das passt nicht so ganz zusammen, ja. Also Gebäudefront, hohe Decke, alte stählerne Pfeiler und sowas, passt jetzt nicht zu den Regalen so ein bisschen, aber es ist einfach super, super zweckmäßig.

Markus: Ja, na und immerhin, wenn man da Geld spart, kann man es an anderer Stelle vielleicht investieren. Vielleicht, wenn wir dabei sind, wie macht man das überhaupt? Also gut, du hast ja vorher schon in Knesebeck an deinem Ursprungsort sozusagen ja schon so einen kleinen Bierladen gehabt, aber trotzdem muss man sich, glaube ich, schon überlegen, wie suche ich mir mein Sortiment und wo setze ich vielleicht so Schwerpunkte oder wo habe ich vielleicht Highlights. Also wie ist das, hast du dann einfach mal so Abende vor dich hin gebraintstormt oder hast du Leute gefragt oder hast du einfach mal ausprobiert oder wie findet man da so sein Sortiment zusammen?

Christian: Also jetzt rein von der wirtschaftlichen Berechnung und so ein paar Plausibilitätsannahmen, da habe ich sehr viel Unterstützung gehabt in Hamburg. Dort gibt es ein Programm, da arbeiten also Handelskammer und natürlich die Banken auch zusammen und dort kann man relativ für kleines Geld als Startup Kurse besuchen, und das war ganz spannend mal, so im Einzelhandel kannte ich mich natürlich so professionell dann doch nicht aus. Ud da gibt es dann sogenannte Flächen-, Quadratmeterumsatzschätzungen für bestimmte Gruppen, Warengruppen, dann der Warenkorb an sich, wie groß ist der pro Person und so kann man natürlich auf zwei Wegen zu einem Umsatz pro Monat oder pro Jahr kommen, also einmal Quadratmeterumsatz und einmal eben Warenkorb pro Person und dann natürlich eine Annahme, wie viel Personen besuchen den Laden und wie sind die Öffnungszeiten und so weiter und so kam ich dann auf zumindest eine Umsatzschätzung. Und die habe ich dann nochmal abgeglichen mit meinem Partner im Großhandel, das ist nämlich die Bierrothek. Also ich bin kein Franchise-Nehmer der Bierothek, so wie die typischen organe-weißen Filialen, die hauptsächlich in Süddeutschland ja unterwegs sind. Nein, ich bin ein sogenannter Partnerhändler und nichtsdestotrotz hatte ich dann natürlich schon Einblicke in einige Geschäftsmodelle und auch in ein paar Umsatzzahlen. Und das war super, weil am Ende auf drei Wegen ungefähr der gleiche Jahresumsatz raus kam im zweiten Jahr. Und das hat mir als Chemiker, der sehr zahlenaffin ist, natürlich sehr geholfen, man hatte irgendwie gleich Vertrauen, Gottvertrauen auch sowieso, aber irgendwo dann auch in dieses Zahlenwerk, ne und das war mega spannend, das zu machen. Und bei der Finanzierung, da hat hier die IFB, also die Investitions- und Förderbank Hamburg dann geholfen. Dort konnte man als Startup eben, also maximal bis zwei Jahre nach der Gründung, kann man dort Förderkredite bekommen, die sozusagen grade, was die Tilgung anbetrifft, dann erst nach zwei Jahren so richtig durchstarten, sodass man eigentlich so eine ganz gute Startup-Phase hat, wo man jetzt also nicht zu viel für die Tilgung dann aufbringen muss. Ja, das muss ich auch sagen, also da hat Hamburg mich sehr positiv überrascht. Auf anderen Wegen, kommen wir vielleicht auch noch zu, Schanklizenz, Gewerbe und so, ist sie mir nicht unbedingt positiv entgegengekommen.

Markus: Okay. Vielleicht, wenn wir jetzt die ganze Zeit über Bier reden, sollten wir auch mal eins aufmachen, das fände ich ja durchaus auch eine spannende Geschichte. Und wie immer suchen sich unsere Gäste ja irgendein Bier aus, was sie dann öffnen und so ein bisschen auch erzählen, warum sie grade dieses ausgewählt haben. Und, ja, bin ich mal gespannt, was du dir ausgewählt hast und vielleicht auch warum.

Christian: Ja, ich werde das jetzt mal öffnen hier. Mal sehen, wie dicht ich an das Mikro komme, ich hoffe, man hört das Zischen.

Markus: Das klang gut, ja.

Christian: So, ich schenke jetzt ein.

Markus: Ich habe immer noch kein Etikett gesehen.

Christian: Ach so, na, dann erzähle ich erst, vielleicht weißt du es ja. Es ist ein Bierstil, in einer großen Flasche kommt der daher. Er kommt mir vom Schaum her auf jeden Fall schon sehr entgegen und ist ein echter Durstlöscher und ist ein historischer Bierstil, der teilweise ein paar Jahrzehnte, glaube ich, sogar ausgestorben war. Die letzte Brauerei, die das noch gebraut hat zu DDR-Zeiten, hat, glaube ich, schon in den 70ern oder 80ern den Betrieb eingestellt und das erste Mal ist es dann 1997 wieder in Wöllnitz, einem kleinen Stadtteil von Jena, wieder aufgekommen. Und ich habe jetzt aber die neuste Variante hier im Glas von der Ritterguts Gose gebraut und ich denke, du weißt jetzt, welcher Bierstil es ist.

Markus: Ein Lichtenhainer, würde ich sagen.

Christian: Jawohl! Und ich bin super happy, heute bei 28 Grad hier noch am Abend, dieses Bier vor mir zu haben. Ja, historisches Weizenbier und ich würde sagen, prost, Markus.

Markus: Prost, ja, also da. Ich mache schnell meins auch auf, dann können wir auch zusammen anstoßen. Aber einen Satz vorher, das finde ich sehr, sehr witzig, weil, also mit dieser letzten Brauerei in Jena verbinde ich auch viel, weil, ich habe vor vielen Jahren mal ein Buch geschrieben über alle Brauereien in Sachsen und Thüringen und da musste ich die natürlich auch besuchen. Und ich war sage und schreibe dreimal da und immer war zu oder er war nicht da oder ich habe vorher angerufen und es war dann doch wieder nicht möglich. Und ich musst dann ganz schön tricksen, also ich habe mir dann ein paar Flaschen organisiert, die ich dann so drapiert habe in der geschlossenen Gaststätte, dass es so aussieht, als wäre sie offen, damit ich für das Buch wenigstens ein bisschen was habe. Und habe ihn dann relativ spät noch zu dem Interview gekriegt und konnte da noch ein bisschen was rausfinden, aber das war schon spannend. Und deswegen habe ich das auch immer so ein bisschen verfolgt, weil ich mir gedacht habe, Mensch, spannender Bierstil, interessant, dort natürlich schon mit einfachen Mitteln hergestellt, sagen wir jetzt mal so und mittlerweile nehmen sich ja einige dieses Bierstils wieder an. Und, genau, also das natürlich jetzt hier von der Ritterguts Gose, ist natürlich ganz toll, das er das jetzt macht. Es gab vorher schon von der Kemker Bierkultur ein Ziegenhainer, den hatten wir schon mal bei uns im Biersommelierkurs, fand ich auch spannend. Wobei die Ziege da sehr extrem war über die wilden Hefen, aber, naja, trotzdem, also toll. Und ich finde es ja immer gut, wenn wir solche Bierstile wiederbeleben. Und wir haben ihn auch demnächst bei uns im BierTalk mit der Ritterguts Gose und dem Lichtenhainer, also da könnt ihr dann euch dann auch drauf freuen, den lieben Tilo mal zu hören. So, also jetzt mache ich mal mein Bier auf.

Christian: Da bin ich sehr gespannt drauf, ich hatte auch viel Kontakt mit ihm. Du musst noch wissen, ich habe neun Jahre in Jena gelebt.

Markus: Ah.

Christian: Ich habe dort studiert, promoviert und ich habe natürlich überhaupt keine Ahnung gehabt von irgendwelchen Bierstilen. Das war die Zeit, Sturm- und Drangzeit, Studentenzeit, trinken war eher Wirkung. Und habe dann aber natürlich, als ich jetzt angefangen habe vor vier Jahren, mich mit Bierstilen zu beschäftigen, bin ich auch über das Lichtenhainer gestolpert und habe dann erst erkannt, dass das ja dieser Stadtteil ist, wo ich mal selber auch viel spazieren gegangen bin und gewandert und so. Und ich war natürlich heiß jetzt darauf, dieses Bier endlich im Glas zu haben und, ja, ich liebe es. Ich kann gleich noch was dazu sagen, aber mach du erst mal deins auf.

Markus: Genau, verkosten machen wir dann gleich. Es steht wirklich auch zwei Meter neben mir, aber ich kann es nicht aufmachen, weil ich es für den BierTalk mit dem Tilo brauche. So, also jetzt mache ich mal meins auf und bin ich mal gespannt, was du dazu sagst. Ich versuche das auch mal ein bisschen kryptisch zu machen, also erst mal, schenken wir mal hier noch ein bisschen ein. So, also, ja, es ist ein, ja, orangefarbenes Bier, könnte man sagen, schöner weißer fester Schaum. Und wenn man rein riecht, dann ist es so ein bisschen Mango, ein bisschen Erdbeere, ja, vielleicht so ein bisschen Waldbeeren, Blaubeeren, sehr interessante Mischung. Ein bisschen Litschi vielleicht auch. Jetzt probiere ich mal einen Schluck. Ja, geht ein bisschen süß los, geht dann relativ schnell in eine Bittere über, die aber nicht sehr stark ist, sehr cremig, sehr rund und klingt dann schön fruchtig aus. Tja, was für ein Bierstil könnte das sein?

Christian: Wahrscheinlich obergärig?

Markus: Ja.

Christian: Wahrscheinlich über England, USA zurück nach Deutschland gekommen, wahrscheinlich ein Pale Ale, würde ich sagen.

Markus: Perfekt!

Christian: Ja, das konnte man schon fast, bow, da ist man schon fast rein gekrochen ja, so wie du es beschrieben hast. Für, sagen wir mal, auch jedes Testing als Start, wenn man dann entweder zum Thema England kommt oder überhaupt zu obergärigen Bieren, die dann eben modern interpretiert, mit schönen fruchtigen Noten dann wieder daherkommen, ne.

Markus: Ja, also finde ich auch, total schön. Und ich habe es mir ausgesucht, weil es mir geschickt worden ist in der Tat und zwar auch von einem BierTalk-Gast, das Ganze heißt Franken Sommer und kommt von Thomas Öttinger, der hier in der Nähe von Bamberg eigentlich eine Werbeagentur hat, da kennen wir uns schon sehr, sehr lange. Also wir hatten früher, ich hatte ja auch mal eine Werbeagentur beziehungsweise habe sie ja noch und da hatten wir auch mal schon miteinander zu tun vor vielen, vielen Jahren. Und er hat aber auch das Bier für sich entdeckt und ist jetzt mittlerweile auch so ein bisschen dabei, Beer-Dutch zu werden und ist auch Biersommelier, hat viele Online-Testings gemacht und hat mit seiner Firma jetzt eben auch immer mal wieder so ein Bier aufgelegt. Und das war jetzt die neueste Edition, kam, wie gesagt, vor ein paar Tagen erst, Franken Sommer und hat eine Dolde vorne drauf und drunter steht dann Pale Ale. Genau und wird gebraut in Loffeld, das ist in Bad Staffelstein bei einer Brauerei, die machen sehr, sehr schöne Biere, haben auch schon ein paar Bierstars gewonnen. Und ich schaue grad mal, ob die Hopfensorten draufstehen. Nee, nur die Aromen, Pfirsich, Mango, das habe ich ja ganz gut hinbekommen. Ja, also mich würde interessieren, wo die schönen Beerennoten herkommen. Also könnte ja klugscheißen und sagen, der Mango oder Calista oder so, aber wer weiß, also.

Christian: Ja, könnte. Na, ich hatte jetzt ein Pale Ale, da waren auch so schön diese roten Beeren drin, das war der Barbe Rouge, der französische Hopfen. Aber das, wenn man den verwendet, dann sollte man ihn auch drauf schreiben, finde ich, weil, der ist so selten.

Markus: Stimmt.

Christian: Und das sage ich immer wieder, auch den Brauern, wenn ihr sowas macht, dann schreibt es doch bitte rauf, es kann jedem Händler nur helfen, weil er dann auch ein Thema hat, wo er die Gäste oder die Kunden dann auch beraten kann und natürlich auch klugscheißen kann. Und es gibt nichts Schöneres, wenn man dann eben so ein bisschen was erzählen kann dazu.

Markus: Ja und grade, wenn es so exotische Hopfen sind, wie eben die jetzt aus Frankreich. Da gibt es ja unv. #00:16:50-9# zum Beispiel auch und so, das sind ja wirklich tolle Hopfensorten, wo man auch wirklich mal ganz andere Aromen in seine Biere bringen kann.

Christian: Ja.

Markus: Aber apropos Aromen, du wolltest noch was erzählen, wie deins denn so schmeckt. Also Lichtenhainer, haben wir ja schon erwähnt, aber wenn du es jetzt ein bisschen beschreiben würdest für unsere zuhörende Gemeinde.

Christian: Ja, also erst mal wahnsinnig trocken und spritzig, das ist natürlich genial jetzt bei so warmen Wetter. Auch mit relativ wenig Alkohol kommt es daher, 4,2 Prozent, wenig Stammwürze. Das ist so gewollt, weil es wahrscheinlich tatsächlich so war früher. Ja, es ist, glaube ich, fifty-fifty Weizenmalz, Gerstenmalz und hat so ein schönes leichtes Säure-, Rauchverhältnis. Ideal, also ich finde, das ist sehr, sehr ausbalanciert. Klar, Milchsäuregärung ist dabei und wir haben aber eben einen ganz kleinen Anteil auch an Rauchmalz, aber überhaupt nicht, ja, irgendwie störend, sondern eher fördernd für das klassische historische Bier hier. Ansonsten haben wir in der Nase, ja, so schöne Zitrone, ein bisschen Quitte und eben saurer Apfel, das ist spannend, durch die Säure und so ein bisschen dieses fruchtige Aroma, was da reinkommt über die Hefe wahrscheinlich. Also es ist definitiv hefearomatisch, haben wir dann so ein bisschen diesen sauren Apfel da drin, und, ja, ist super erfrischend. Ganz viele Kunden nehmen es sich mit raus, setzen sich auf den Fischmarkt, selbst bei hohen Temperaturen, wie wir es jetzt hatten und kommen nach zehn Minuten, 15 Minuten rein und sagen: „Gibt mir bitte noch eins, das ist so erfrischend.“ Und wie gesagt, durch den Alkohol, durch den niedrigen Alkoholgehalt dann auch, ja, wunderbar, so schlank und spritzig halt wie es sein soll.

Markus: Ja, da kann man den Tilo nur beglückwünschen, dass er da diesen Bierstil ausgewählt hat. Ich glaube auch, also ich persönlich kenne es vom Alkohol her sogar eher noch ein bisschen leichter, aber ich denke, er muss da auch mit der Haltbarkeit natürlich einen gewissen Kompromiss am Ende des Tages eingehen. Und ich muss auch sagen, ich kenne es so ein bisschen, wenn man die Säure mit Aromen kombiniert, die jetzt nicht so vordergründig bekannt sind, zumindest in Deutschland, ist das oft sehr spannend. Also bei Lembke zum Beispiel, die haben ja diese Berliner Weiße auf Eichenholz-Chips und das ist auch eine tolle Kombination, wo viele Leute erst mal wirklich, ja, erst mal nicht begreifen, was sie da eigentlich im Glas haben. Weil, man ist es ja gewöhnt, zum Bespiel belgische Sauerbiere, natürlich haben die auch Holz, aber die sind ja viel stärker und haben viel mehr Säure und sind viel länger gereift und so und die Berliner Weiße ist ja ein sehr leichtes Bier und wie die dann mit diesen schönen Vanille-Aromen spielt und so, das ist wirklich auch ein Gedicht. Ja, aber jetzt sind wir in Hamburg und du sagst, die Hamburger setzen sich raus und trinken zwei, drei Lichtenhainer am Stück. Hätte ich jetzt nicht geglaubt, wenn du mir das vor fünf Jahren erzählt hättest oder vor zehn, also wo ich auch Hamburg nicht so als die ganz offene Stadt für das Thema andere Biere erlebt habe. Da hat sich schon was getan, oder?

Christian: Definitiv, also darauf baue ich ja auch oder habe einen Teil meiner Zielgruppenanalyse gebaut, die baut so auf drei große Zielgruppen. Natürlich zum einen die erfahrenen Craft-Beer-Trinker oder fast schon Nerds, zum anderen die Touristen und dann natürlich die Nachbarn, ne, der Kiez, die Laufkundschaft, die um mich herum sind. Ich sitze auf der Grenze zwischen Altona und Sankt Pauli, schon zwei tolle Stadtteile, wo man aber natürlich auch jede Zielgruppe, also jede Altersgruppe und vor allen Dingen natürlich auch von der Kaufkraft her, viele, viele verschiedene Geschmäcker, dann auch auf die trifft. Naja und die Nerds, die wollen natürlich so ein historisches Bier nicht missen und schon gar nicht, wenn es so einzigartig und selten ist. Und wenn es dann noch daherkommt so frisch und erfrischend, kann man sagen, bei den Temperaturen, dann greift man gerne dazu. Und ich berate natürlich auch sehr viel, das ist so ein bisschen auch, ja, eigentlich das wichtigste Anliegen im Laden, dass die Leute reinkommen, sie sind meistens erst mal erschlagen von der Vielfalt. Das kennst du auch sicherlich, dass man in diesen klassischen Bottle-Shops, ja, Bierothek ist ja auch so schon der Name, wie Bibliothek, man hat also die Regale voll die Wände voll mit verschiedenen Bieren und viele stehen dann erst mal dort und staunen, aber im nächsten Moment sind sie auch so ein bisschen überfordert. Und dann ist es meine Aufgabe natürlich, genau diesen Augenblick dann sofort zu erkennen und dann mit viel Fingerspitzengefühl, ohne dass man sie jetzt entmündigt, dann zu erklären, wie ist denn der Laden aufgebaut. Und das ist ganz einfach, das haben wir uns aus dem Weinhandel abgeguckt, wir gehen also ganz stark nach Regionen erst mal. Wir haben die Bierstile in der zweiten Dimension, wir haben in der ersten Dimension die Region. Das finden wir ganz wichtig, dass man erst mal weiß, wo das Bier herkommt. Und es soll natürlich auch ein bisschen den Nachhaltigkeitsgedanken fördern, dass man also, wenn man reinkommt, das Erste, was man sieht, ist das Hamburg-Regal, mit all unseren schönen Hamburger Schätzchen, mittlerweile über 20 Brauereien. Und wir haben tatsächlich den Anspruch, von jeder, wirklich jeder, mindestens ein Bier da zu haben, wen sie denn eine entsprechende Vielfalt und Qualität liefern, also das ist natürlich die Hürde, die sie nehmen müssen. Aber so wie wir eine Probe bekommen haben und mit dem Brauer ein kleines Interview geführt haben, und sei er noch so klein und wenn wir überzeugt sind, dann nehmen wir sie mit ins Regal. Und dann sind sie Teil unseres Hamburg-Paketes. Das heißt, also ein Tourist zum Beispiel oder jemand, der ein Geschenk sucht, der kann sich dann aus diesem Hamburg-Regal sechs Biere auswählen, selber kann er das machen, also er kann sich selber sechs verschiedene auswählen oder wir machen das für ihn und dann zahlt er immer 15 Euro für dieses Hamburg-Paket. Und das ist eigentlich ein sehr faires Angebot. Natürlich wandert da jetzt nicht jedes Bier ein, also da gibt es so kleine Maker auf den Preisschildern. Natürlich haben wir da jetzt nicht ein unv. #00:22:51-1# dabei.

Markus: Ich wollte grad sagen, ja.

Christian: Aber so kasachische Starter-Biere aus dem untergärigen, obergärigen Bereich, wie jetzt ein Pale Ale, ein Lager, sei es ein Helles, sei es ein Pils oder auch mal das ein oder andere etwas kräftigere Bier, was aber auch so in den Mainstream-Bereich dann reinpasst. Und das zweite Regal, gleich daneben, ist das Franken-Regal. Also da sind wir auch sehr gut aufgestellt. Natürlich mit der Bierothek als Partnerhändler kommen wir da auch an Roppelt und an Mönchsambacher und an Rittmayer und an Reckendorfer und so weiter, Wagner, also an die Kleine, die teilweise ja auch nur ab Rampe dann verkaufen, an die kommen wir auch ran.

Markus: Das heißt also, wenn ich mal wieder in Hamburg bin und bei Omnipollo nach drei Bieren irgendwann geistig die Segel streiche, dann kann ich zu dir kommen und kann mal kurz wieder Nachhause, sozusagen.

Christian: Absolut! Es ist auch toll, wie viele Kunden reinkommen und das nicht erwarten und wie viele dann auch sich in ihrer Heimat wiederfinden. Also wir haben natürlich auch viele Besucher aus Franken, Hamburg ist ja wirklich für jeden touristisches Ziel. Und das merkt man jetzt so seit den Frühlingstagen, seit es wieder auch gutes Wetter gibt, für Hamburg schon sehr gutes Wetter teilweise, fast schon zu heiß und da kommen natürlich viele rein und sagen: „Oh, was, ihr habt hier irgendwie natürlich einen Schlenker da“, das ist das Erste, was sie sehen. Aber dann gucken sie weiter im Regal und finden halt wirklich teilweise eine Brauerei aus ihrer Nachbarschaft. Und das können wir auch nur realisieren durch die Logistik der Bierothek, also mit dem Zentrallager und dem gekühlten Versand. Teilweise hast du ja, Mönchsambacher, weiß ich nicht, drei Monate MHD, da musst du schon gucken, dass es wirklich dann auch frisch zu dir kommt.

Markus: Ja und zur Not kannst du es selber trinken, das macht ja auch Spaß.

Christian: Ist teilweise bei den Bieren noch nicht passiert, weil, das wird so gehypt und ist dann so schnell weg. Und, ja, ich habe natürlich genug auch zu probieren da. Ja und nochmal, also für mich ist der Anspruch, dass sich das Portfolio zusammensetzt aus ein paar Klassikern der Weltbierkulturgeschichte sozusagen, dann natürlich sehr vielen lokalen Bieren und ansonsten ist es sehr geprägt durch meinen eigenen Werdegang und durch meine eigenen Vorlieben. Und das mache ich auch transparent, wenn die Kunden kommen und sagen: „Ja, warum haben Sie denn nicht dies und das und jenes?“ Habe ich gesagt: „Doch, habe ich auch schon probiert, da habe ich aber ein ähnliches Bier und das hat 300 Kilometer weniger auf dem Puckel“ und, ganz ehrlich, dann nehme ich es nicht ins Portfolio.

Markus: Nee, das ist ja auch vernünftig. Und ich muss sagen, das finde ich auch gut, grade an diesem Bierothek-Partnerkonzept oder auch bei den Franchisern ist es ja auch möglich, dass man wirklich sehr individuell da seine Themen mit einfließen lassen kann. Und natürlich, weil niemand kennt die Region letzten Endes besser als derjenige, der dann auch dort ist, und jeder, der dann selber im Laden steht, muss ja dann auch das repräsentieren. Und das geht ja nicht, wenn ich so ein vorgegebenes Sortiment habe also. Ich weiß noch, wir haben da lang diskutiert, ich war da mal eine Zeitlang auch dabei, bei dem Gründungsteam und der Christian Klemenz hatte ja diese geniale Namensidee und da haben wir auch viel diskutiert, Bierothek, was da so dahintersteckt und es war klar, es sollte nicht zur Apotheke werden natürlich. Aber diese schöne Vielfalt, einfach die Bierliteratur sozusagen zu bieten, das ist schon spannend und grade, wenn du dann noch eben deine Würze oben drauf gibst und selber noch ein bisschen was dazu baust, dann ist das sicherlich eine coole Geschichte. Hamburg überhaupt, ja, weil wir es vorhin hatten, also kann man sagen, dass der Tourismusstrom sich tatsächlich so ein bisschen von den Klassikern, Michel und Fischmarkt, wegentwickelt hat Richtung Schanzenviertel oder wie ist das?

Christian: Das ist definitiv so, da haben wir natürlich auch viele kleine Boutiquen und abends ist da natürlich auch wirklich Rambazamba, mit vielen tollen Bars, auch tollen Bier-Bars, Gallopper des Jahres zum Beispiel, immer tolle Biere am Hahn. Nicht weit weg die Craft-Beer-Bar um die Ecke, natürlich Ratsherr mit dem alten Mädchen und so, das sind schon Hausnummern. Und die findest du natürlich wahrscheinlich auch sehr schnell bei Google, weil die ihre SEO-Hausaufgaben gemacht haben und das natürlich auch schon seit Jahren und ich muss da schon kleine Brötchen backen. Und es ist tatsächlich so, dass der Fischmarkt abends tot ist. Also ich kenne es auch noch aus Zeiten, wo dort, sei es die Heavy-Metall-Szene, sei es die Pirat-Bar mit diesem Piratenschiff, also da war einfach Gastro beheimatet, die auch wirklich Leute angezogen haben, Havanna Bar und, und, und. Also Christiansen ist ja immer noch da um die Ecke mit seiner Cocktail-Bar, aber man merkt das in der Diskussion mit ihm auch, dass er da auch weniger Laufpublikum hat, er muss auch kämpfen um jeden Gast, weil das gesamte Umfeld nicht mehr so stimmig ist wie vielleicht noch vor zehn, 20 Jahren. Und durch meine Erfahrung jetzt mit den Behörden kriegt man ganz klar zu spüren, dass es dort wohl tatsächlich sehr viel Kampf zwischen Anwohnern und eben den, ja, den hiesigen Gastronomen gab, immer wieder Beschwerden, Lautstärke und so weiter. Naja und das macht dann wahrscheinlich den ein oder anderen irgendwann mürbe und diejenigen, die bei der Behörde eben schon länger dabei sind, sagen: „Ja, wir werden da bestimmte Dinge jetzt auch nicht mehr durchsetzen oder umsetzen können.“ Natürlich immer alles im Rahmen des Gesetzlichen wird genehmigt, aber man hat es schon nicht so einfach. Und das habe ich jetzt zu spüren bekommen bei der Schanklizenz, die ich gerne haben möchte. Ja, da sind noch ein paar Hausaufgaben zu machen, das habe ich mir einfacher vorgestellt.

Markus: Aber es ist am Horizont noch?

Christian: Das ist noch am Horizont. Und wir legen das natürlich schon, soweit es geht aus, wenn es um Testings geht, auch da gibt es natürlich immer schon Fassbier, aber dann eben im Rahmen der Verkostung als kostenlose Probe sozusagen. Und das ist ja auch okay, das ist ja auch so genehmigt, aber ich hätte natürlich einfach gern diesen Platz bespielt. Also wenn du da stehst, draußen und dein Bier in der Hand hast und guckst runter auf die großen Pötte oder auf das ein oder andere Kreuzfahrtschiff und du hättest da noch eine Sitzgelegenheit oder irgendwie eine schöne Lounge oder was weiß ich, einen Strandkorb, das wäre natürlich das I-Tüpfelchen. Und das ist sogenannte Außengastronomie und die gibt es halt nur mit Innengastronomie und, und, und, und, also, ja. Und ich wollte noch sagen, die Hafen City ist natürlich auch Magnet, insbesondere zu den Zeiten, wo ich auch präsent bin, also zu den üblichen Samstags-tagsüber-zum-Beispiel-Zeiten, da ist der Tourist natürlich auch gerne in der Hafen City, wo mittlerweile auch eine ganz Menge geboten wird. Die Elbphilharmonie ist natürlich ein Wahnsinns Magnet, also da steigt jeder irgendwie um und aus und ein, und es gibt aber auch viele schöne Restaurants, Eis-Cafés und, und, und.

Markus: Na gut, aber vielleicht bist du ja einer der Gründe, dass sich das wieder ein bisschen ändert, könnte ja sein.

Christian: Wir kämpfen drum, wir kämpfen drum und vor allen Dingen, wir wollen halt Formate, die kein anderer hat. Und die haben wir jetzt nach einem Jahr, glaube ich, ganz gut platziert schon, da sind wir auch ganz happy, ja.

Markus: Und vielleicht überhaupt, wenn wir mal ein bisschen zurückschauen, ich meine, wir haben ja jetzt effektiv, naja, vielleicht drei, vier Monate halbwegs normale Geschäftszeit beziehungsweise also zumindest, wenn man es jetzt pandemisch denkt sozusagen, also seit dem Ende dieser doch sehr krassen Maßnahmen, allerdings kam ja ziemlich gleich das Thema Ukraine-Krieg dazu, was jetzt nicht direkt eine Auswirkung hat, aber indirekt natürlich die Leute beschäftigt und dann eben mit den möglichen Auswirkungen vielleicht auch die Leute nicht grade animiert, den Geldbeutel möglichst weit aufzumachen. Ja, wie würdest du das denn sehen, also siehst du zumindest eine positive Tendenz aus dieser Pandemiezeit heraus oder wie stellt es sich für dich denn da, wie schaust du in die Zukunft?

Christian: Ja, definitiv, also das hat man gemerkt. Das war so ein richtiger Kick, so im März ging das los, man merkte also, die Leute können wieder auch Veranstaltungen ohne jetzt große Einschränkungen buchen. Das ging auch wirklich gut los. Wir hatten zum Beispiel eine Reihe, drei Veranstaltungen, zusammen mit dem Hamburger Abendblatt. Und da sind natürlich die klassischen Abonnenten dann gefragt, die kriegen dort also auch so ein bisschen exklusiv so Kooperationsangebote mit Gastropartnern. Und wir hatten uns da eben auch was Schönes ausgedacht im Rahmen der Senatsbox. Und die erste Veranstaltung war noch, bevor der Einmarsch in der Ukraine stattfand und die war sofort ausgebucht. Und die zweite und dritte Veranstaltung war eine Woche beziehungsweise zwei Wochen nach dem Kriegsausbruch und schon war es sehr zögerlich. Und das war für mich so ein Merkmal oder das erste Mal, wo ich gemerkt habe, ach verdammt, Pandemie war das eine, aber jetzt reden wir tatsächlich von ganz anderen Einschränkungen, nämlich im Geldbeutel. Und, naja, das, was dann die Medien daraus machen und was natürlich jetzt auch in letzter Zeit noch durch die Entwicklung auf dem Gasmarkt und überhaupt mit den ganzen Lebenshaltungskosten und Energiekosten und Benzin und was auch immer, das ist natürlich alles nicht förderlich, dass die Menschen, für die das Thema Bierspezialitäten tatsächlich Luxus ist, die fangen natürlich an, sofort als erstes dort zu sparen, das ist ganz klar. Für jemanden, der das als Hobby hat, also der wirklich Craft-Beer liebt und jedes neue Bier inhaliert und bei unv. #00:32:24-6# sofort nur darauf wartet, dass er das einchecken kann, der wird an dieser Stelle nicht sparen, und das merken wir. Also wir merken, dass genau diese Zielgruppe, die Letztere, die ist präsent und präsenter als je zuvor, würde ich sagen, weil die einfach das Thema lieben und wir sind eine Nische mit unseren Veranstaltungen. Aber die, die so ein bisschen, die wir so angefixt hatten über Weihnachten mit einer Weihnachtsfeier und mit einer kleinen Hamburg-Bier-Reise und so, das erste Geschenk vielleicht, was sie denn auch verschenkt haben an Freunde und Verwandte, die bröckeln so ein bisschen. Und das habe ich natürlich in meinem Businessplan nicht vorgesehen gehabt.

Markus: Ja, das hat, glaube ich, niemand. Also ich muss ja auch sagen, wir können ja da auch ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern in der BierAkademie, das ist jetzt schon auch krass, weil wir uns ja praktisch mit dieser ganzen Pandemie neu erfinden mussten und mit dem Ende der Pandemie eigentlich gedacht haben, okay, jetzt können wir Elemente von dem, was vorher war, irgendwie wieder haben und vielleicht auch Elemente weitertragen, die sich während der Pandemie ergeben hatten, aber in der Tat ist es wieder völlig anders und man kann noch weniger in die Zukunft gucken. Also insofern, es ist wirklich, es bleibt spannend. Aber, sagen wir mal so, was auf jeden Fall natürlich immer geht, ist Bier als Geschenk und ich habe mir mal bei euch die Website angeschaut und finde ja sehr schön, dass ihr ja nicht nur Biere habt, sondern auch Sachen drum rum. Und toll fand ich ja diese Nudeln in Bierkrugform, also das ist schon spannend. Also suchst du da das aus oder habt hast du da jemanden, der dich ein bisschen berät oder wie stellst du das zusammen?

Christian: Oh, du, das macht mir unheimlich Spaß, hätte ich auch nicht gedacht. Natürlich war das Erste, das Bierportfolio zu kreieren, als ich den Laden aufgemacht habe, aber dann habe ich gemerkt, okay, die Verpackung macht es häufig auch. Und dann kam ja auch die Weihnachtszeit, ich musste mir sowieso überlegen, in welche Richtung möchtest du den Kunden dann das Bier halt noch schmackhafter machen, es dann auch zu Weihnachten zu verschenken? Und da habe ich sehr viel gelernt von den anderen Bierothek-Filialen, das war toll. Also da haben wir auch jede Woche einen Call und jeder hat so ein bisschen auch mal gezeigt, wie er seine Verpackungen kreiert, wie er heimische Biere zum Beispiel zusammen zu einem Bier-Paket schnürt oder, oder, oder. Aber ich habe dann sehr schnell meinen eigenen Weg so ein bisschen gefunden, habe dann angefangen so kleine Godis eben dazu zu besorgen, teilweise auch über die Bierothek, aber teilweise auch direkt. Zum Beispiel nehmen wir Treber-Chips ab von einem kleinen Hamburger Bäcker beziehungsweise einem, ja, Unternehmer, der fährt rum und sammelt Treber ein bei den kleinen Brauereien und lässt dann daraus Treber-Chips fertigen bei einer kleinen Bäckerei in Norderstedt. Und das Zeug ist mega, weil, du kannst es in Testings einbauen, du kannst es vor Ort in kleinen Päckchen verkaufen, aber auch natürlich wunderbar kombinieren in einem Biergeschenk. Ja, dann haben wir, ja, du hast schon die Bier-Nudel angesprochen. Dann habe ich jemanden gefunden, der mir Kapselheber, also Bieröffner produziert aus einem ganz edlen Holz, mit einem Magnet, sodass der Kronkorken nicht beschädigt wird, und das ist immer ganz wichtig für die Sammler. Und den haben wir dann selber gelasert mit unserem Logo, das Gleiche machen wir mit den sogenannten Tragbars, das sind also diese Achterträger aus Holz, die lasern wir auch mit unserem Logo oder mit einem flotten Spruch. Oder wenn du jetzt kommst und sagst: „Pass auf, ich will für meinen Vereinsvorsitzenden irgendwie so ein Biergeschenk haben, hier ist das Logo von unserem Verein“, dann lasern wir das halt auch da drauf. Und das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, also das zu entwickeln, Fotos zu machen, dann auf die Webseite zu packen. Dann war natürlich Ostern, Vatertag, all solche Anlässe, da überlegst du dir dann jedes Mal was Neues.

Markus: Ja, na, das klingt ja richtig cool. Und ich glaube auch, das ist so ein bisschen das Geheimnis, einfach da ein bisschen was Besonderes drum rum zu machen, das zu individualisieren und dann eben dieses Geschenk noch mehr zum Erlebnis oder zur Besonderheit zu machen. Und da sind natürlich, also grade Treber-Chips, da bin ich halt sehr gespannt drauf, also da.

Christian: Ich kann dir fünf Sorten sozusagen kredenzen dann, wenn du kommst und ich finde jede spannend. Wobei, am liebsten habe ich tatsächlich die Naturell, weil die einfach von der Textur super sind, vom Geschmack her aber nicht dann den Biergeschmack vielleicht verfälschen. Weil, einige andere gewürzte Chips, die sind auch lecker, aber da kannst du natürlich auch ein bisschen dann das Bieraroma oder den Biergeschmack plötzlich in eine ganz andere Richtung treiben. Also Food-Pairing ist das schon okay, aber manchmal ist es auch ein bisschen too mutch dann, da muss man ein bisschen aufpassen.

Markus: Kann man da jeden beliebigen Treber nehmen oder macht es bei bestimmten Bierstilen besonders Sinn, den Treber zu verwenden?

Christian: Na, es wird sowieso mit 50 Prozent Dinkelmehl vermischt dann, um daraus dann eben Baguette zu backen oder auch Brot, man hat da so Brote und Baguette, und von daher, der Treber macht jetzt gar nichts. Also es kann, sollte möglichst ein helles Bier sein, weil das teilweise sonst doch ein bisschen zu dunkel wird und dann nicht mehr so schön aussieht einfach. Aber ansonsten, ich glaube, er fährt klassisch die Brauereien an, die jetzt untergärig brauen und holt sich da dann eben das entsprechend ab, ja.

Markus: Also auf jeden Fall sehr, sehr spannend. Und spannend natürlich auch das Thema Events, du hast es schon angesprochen. Und ich habe mir dann auch ein bisschen angeschaut, was es so gibt und ich muss sagen, also mein persönlicher Lieblingswochentag zu euch zu kommen, wäre ja der Montag, also der heißt der Metal Monday. Und kann ich ganz kurz erzählen, ich war ja jetzt vor Kurzem erst in Mexiko bei einem Bierwettbewerb und da hatten wir dann den Abschiedsabend und dann gab es dann am Strand eine Beachparty und dann war eine Band da und die haben dann komischerweise die ganzen Metal-Hits meiner Jugend gespielt, so Journey und so. Naja und dann stand ich da am Strand und die haben, glaube ich, einen Deutschen kennengelernt, wie sie ihn so noch nie gesehen haben und so. Finde ich auch mal ganz witzig, dass man das Bild unserer Nation mal irgendwo ein bisschen anders graderückt. Aber insofern finde ich es ja sehr schön, wenn du das machst. Hast du da eine feste Musikreihenfolge oder machst du das ein bisschen nach Lust und Laune oder gibt es ein Lied, was ich immer höre?

Christian: Nee, gar nicht, wir haben eine Playlist, also das machen eigentlich die Gäste, die Gäste machen die Musik. Genau, also wir haben das angefangen mit einer kleinen Playlist von mir, um einfach so den Anstoß zu geben beim ersten Mal, das war im November oder Oktober letztes Jahr, also relativ schnell nach der Eröffnung, weil, das Ding hatte ich schon lange im Kopf. Also für mich war klar, wenn du mal einen Laden aufmachst, dann gibt es irgendein Format, wo Musik und Bier kombiniert werden. Und da das auch meine Musikrichtung ist seit der Jugend, war halt klar, Metal muss es sein. Und dann eben der Wochentag Montag, der natürlich schwierig ist sowieso im Einzelhandel und es gab eigentlich nur die zwei Möglichkeiten, entweder du machst den Montag als Ruhetag oder du machst richtig was los an dem Tag. Dann habe ich mich für Letzteres entschieden, habe das einfach mal gestartet und das Ding ist sofort geflogen. Also es kam irgendwie so eine kleine Gruppe, die hatten sich sozusagen irgendwie als Gruppe auch schon zusammengefunden und die haben das Ding so ein bisschen gekapert. Und die sind auch seitdem total liebe Stammkunden und sind eigentlich jeden Montag da. Und aus der Gruppe heraus ist tatsächlich ein Angestellter erwachsen dann, ja, ja, der macht jetzt mittlerweile den Metal-Monday auch selber. Und das ist super, weil der noch mehr Musik und Bier kombinieren kann, weil er einfach noch mehr drin ist in dem Thema, insbesondere so bei etwas euren Bands, wo ich dann raus bin, wo er dann halt auch super viel zu erzählen kann. Und der stellt jetzt jeden Montag immer ein Bier vor. Das war also auch meine Idee, dass also nicht nur platt als, ich sage mal so, so ein bisschen dahinplätschernden Abend zu haben, sondern das man immer einen kleinen Lerneffekt hat und ein bisschen was kennenlernt an neuen Bierstilen, an neuen Brauereien. Aber wir machen das ganz entspannt, Stehtische, wie gesagt, gute Musik und dann gibt es ein Bier, da gibt es Erklärungen dazu und den Rest des Abends kann man sich dann zu jedem Bier vielleicht natürlich Erklärungen geben lassen von uns, aber muss man nicht, sondern man kann auch einfach nur da stehen und lecker Bier trinken und Musik hören, ja.

Markus: Cool! Und wenn du dir ein Bier und ein Lied wünschen könntest für den Metal-Monday, was würdest du dir aussuchen?

Christian: Ja, das ist natürlich weiterhin Iron Maidon mit ihren tollen britisch Heavy Metal und dann aber dazu auch das Trooper-Bier. Was wir natürlich auch im Laden haben und was echt ein tolles Bier ist, ein tolles englisches Ale von Robinsons gebraut und das ist wirklich ein Klassiker. Und ich würde die Biere auch nicht ins Regal stellen, muss ich ehrlich sagen, ich habe auch schon mehrere abgelehnt, wenn das nur Marketing ist. Also wenn das jetzt einfach nur ein tolles Logo ist und du trinkst das Bier und denkst so, dafür jetzt drei oder vier Euro? Nee, tut mir leid, also da gibt es einfach viel bessere Sachen. Und bei Maidon ist das definitiv nicht so und von daher, ja. Wir hatten jetzt grad ein Ticket verlost, weil, unser Großhändler hat so viel Power mittlerweile für das Maidon-Bier, dass er tatsächlich ein Backstage-Ticket an uns weiterreichen konnte. Und das war jetzt grade am Samstag in Köln, da hat ein Gewinner eben von uns aus dem Laden, dufte dort also bei Maidon Backstage gehen. Ich gespannt, ich habe noch nichts gehört, aber das ist natürlich ein Highlight, ne.

Markus: Wow! Das ist dann, wir reden da über unv. #00:41:37-4# oder, den Dealer oder ist das …

Christian: Ja, ja, genau.

Markus: Also das finde ich auch faszinierend, das sind ja wirklich zwei Dänen oder anderthalb, je nachdem, die da den deutschen Biermarkt wirklich von außen aufmischen. Und das ist auch eine spannende Geschichte, da wollen wir vielleicht auch mal einen BierTalk machen mit den beiden, würde sich ja eigentlich anbieten.

Christian: Und bitte, bitte, sagt denen nochmal, sie sollen bitte andere Bands motivieren, weil, mein Regal ist noch viel zu klein. Weil, ich biete zum Beispiel ein Metal-Paket an und habe das eigentlich so ausgelobt, dass dort zwölf verschiedene Metal-Biere drin sind und ich muss schon echt suchen, das ich zwölf verschiedene überhaupt kriege. Also teilweise schaffe ich das gar nicht, dann packe ich halt teilweise zwei die Gleichen rein. Aber da geht noch mehr, weil, ich finde das Thema einfach so toll, Metal und Bier passt halt immer.

Markus: Ja. Also ich habe gehört, zum Beispiel in Brasilien gibt es da auch ganz bekannte Metal-Bands, die bei uns jetzt nicht jeder kennt, aber die dort sehr bekannt sind, die das auch schon gemacht haben. Also ich werde das mal an unv. #00:42:33-6# auf jeden Fall auch herantragen, finde ich auch cool, ja.

Christian: Ja, sehr gut, super, unv. #00:42:41-4# würde ich sofort in den Laden nehmen.

Markus: Cool. Ja und wer weiß, manche Lieder haben ja jetzt auch ganz schön Revivals. Also man hatte jetzt grad Kate Bush mit Stranger Things, ich weiß nicht, ob du es mit verfolgt hast, ist so eine Netflix-Serie, die jetzt grade in die vierte Runde geht, und da spielte das Lied eine große Rolle und Schwups ist es auf Platz eins gelandet. Und jetzt ist davon die zweite Teilstaffel grade Online gegangen und das erste Lied, was da eine Rolle spielt, ist tatsächlich von Journey, Supergrass. Bin ich mal gespannt, ob das vielleicht auch ein Revival bekommt, das würde dann ja ein bisschen in unsere Richtung gehen, naja, schauen wir mal. Was mich noch interessieren würde, es gibt dann bei euch zum Beispiel natürlich auch die Hamburger Bierreise. Ja, du hast ja schon ein bisschen erwähnt, ihr habt nahezu von allen Hamburger Brauereien Biere da. Wenn ich jetzt überlegen müsste, am nächsten sind wahrscheinlich ÜberQuell und das Blockhaus oder so, nehme ich mal an. Aber wie läuft das denn ab, also wenn ich jetzt sage, ich möchte so eine Hamburger Bierreise machen, gibst du da was vor, navigiert man sich da selber so ein bisschen durch oder bist du auch mit den Brauern vielleicht im Gespräch, trifft man die mal, wie schaut das aus?

Christian: Also Letzteres ist da nochmal ein anderes Format, erzähle ich gleich noch. Hamburg Bierreise ist schon so, dass wir unser Hamburg-Regal plündern, kann man wirklich so sagen. Also der Anspruch ist, dass man sehr viel Vielfalt bietet in kleinen Mengen. Wir probieren also acht Biere aus dem Hamburg-Regal immer in den kleinen Flights mit so einem Viererkombi, sodass man auch so ein bisschen parallel probieren kann. Wir teilen das Ganze in untergärig und obergärig auf, sodass man jetzt gar nicht so viel ins Detail der Bierstile geht, sondern da relativ oberflächlich bleibt. Es soll also jetzt keine Wissenschaft sein, sondern die sollen einfach ein bisschen die Hamburger Bierwelt kennenlernen, rauf und runter und dazu gibt es eine schöne Portion Hamburger Biergeschichte. Weil, das wissen wirklich die Wenigsten, grade die Hansazeit spielt da natürlich eine Rolle, aber auch die Zeit der großen Aktienbrauereien, wo dann irgendwann alles als Einheitsbrei bei Holsten dann am Ende versickert ist. Und dann geht es halt wirklich ins Eingemachte und wir erzählen ganz viel über die kleinen Brauereien, wir geben Tipps, wo man am Wochenende oder auch unter der Woche die Brauer trifft, wo man im Biergarten oder im Pub dann entsprechend vor Ort auch Bier trinken kann, wo es halt auch wirklich teilweise Biere gibt, die man gar nicht in der Flasche oder in der Dose bekommt. Zum Beispiel bei Bunthaus, da im Schankraum gibt es immer ganz viele tolle Biere zu entdecken, du wirst du bei mir im Laden leider nicht bekommen, weil es die gar nicht in der Flasche gibt. Und unsere Nachbarn spielen auch eine große Rolle, da sind wir auch sehr dankbar, weil wir ja keine Bar sind, haben wir natürlich nicht den Anspruch, dass wir dann die ganze Nacht dort die Leute bespaßen, sondern Hamburger Bierreise ist kurzweilig, so zwei, zweieinhalb Stunden. Es gibt auch was zu essen dazu, wir haben so ein paar Hamburger Spezialitäten, Labskaus, Fischbrötchen und das ist eigentlich ein rundum Sorglospaket. Aber, um neun, halb zehn ist dann bei uns zumindest Feierabend. Und dann haben wir ganz tolle Deals jetzt mit unseren vier nächsten Nachbarn, gibt es dann einen Gutschein und dann kann man also weiterziehen und kriegt dann dort ein Bier aufs Haus, sodass man einfach wunderbar dann seinen Weg zum ÜberQuell, Astra Sankt Pauli Brauerei, Malto, ganz tolle kleine Bar von Francesco, ein Italiener in Hamburg. Und das Vierte ist The Baby Goat House, ist ganz neu, das ist jetzt direkt auf der Reeperbahn, die haben ihre zweite Location aufgemacht, die hatten bislang … Entschuldigung, Baby Goat House gab es schon, Baby Goat Barn ist die neuste Errungenschaft der beiden, Thomas und Cris, ganz toll, mit Pizza und, ja, ganz vielen tollen Formaten, Musik und so weiter.

Markus: Also die letzeren zwei kannte ich ja noch nicht oder kenne ich noch nicht, da bin ich dann sehr gespannt, werde ichnatürlich gerne besuchen. Und ich muss auch sagen jetzt, wo du das grade nochmal erwähnt hat und auch, wenn man an ÜberQuell zum Beispiel denkt, das ist ja was, wo ich mich immer ein bisschen schuldig fühle, weil, mich hat vor vielen, vielen Jahren, das ist bestimmt schon zehn oder 15 Jahre her, mich ein Italiener angesprochen, der Manuelle Colonna, den kennen vielleicht die ein oder anderen aus der Szene, der importiert viele, vor allem fränkische Biere, nach Italien, macht dort auch das Franken-Bierfest in Rom. Und der hat zu mir gesagt: „Mensch, also eigentlich, was ihr in Deutschland machen müsst, das wäre ein Laden mit Craft-Beer und Pizza.“ Und ich muss sagen, ich habe damals echt gedacht, der spinnt. Und auch andere Leute, wo wir uns drüber unterhalten haben, wir haben uns da immer lustig drüber gemacht und gesagt: „Das kann doch nicht funktionieren.“ Also klar kann man Pizza toll zum Food-Pairing nehmen, aber halt so stückchenweise, aber dass das als Konzept eines Ladens funktioniert, hätten wir alle nicht gedacht, und ein paar Jahre später sind die dann ja aus dem Boden geschossen. Und das ist doch wirklich erstaunlich, wie man dann oft selbst auch merkt, wie man sich oft einschränkt und so gute Ideen gar nicht wirklich erkennt. Also, doch, tolle Geschichte.

Christian: Es funktioniert immer, unv. #00:47:27-4# jetzt in Lübeck hat es ja auch jetzt mit Pizza gehalten. Wobei, ich freue mich natürlich auch über jeden, der was Neues probiert, also wenn man dann halt einfach andere Food-Pairings auch nochmal vielleicht in den Vordergrund stellt. Aber ich kann mir gut vorstellen, wenn du so eine, ja, Bier-, Pub-, Taperoom-, Bar, was auch immer planst, du musst halt etwas haben, was du auch schnell und wirtschaftlich einfach gut unter die Leute bringen kannst, und da ist Pizza genial, ja. Ich war jetzt natürlich auf der Norga, es gibt schon spannende andere Sachen, aber, ja, auch bei mir fehlt einfach erst mal natürlich die Gastrolizenz, aber am Ende auch die Umsetzbarkeit- Du musst halt wirklich da von der Küche her dann auch schon deutlich mehr machen als nur einen Pizzaofen da hinzustellen. Ja, aber ÜberQuell hat, glaube ich, alles richtig gemacht. Und ich bestelle auch ganz oft Pizza für Testings von Firmen, die dann sagen: „Ja, wir wollen aber eigentlich nicht noch woanders hin, wir wollen gerne bei dir bleiben“ und für die mache ich das dann schon, dass ich sage: „Okay, komm, wir machen jetzt nicht um neun Feierabend, sondern ihr kriegt halt auch ein schönes kleines Pizza-Buffet“ und das lasse ich ganz oft dann von ÜberQuell liefern.

Markus: Haben die noch ihren Roller-Blates-Lieferservice?

Christian: Nee, das war nur so eine einmalige Aktion. Das war cool, da haben sie sich ja teilweise selber, also Benny und Torben sind dann selber mit Roller Blates da rumgefahren auf der Straße. Ich war auch mal da, hatten auch eine professionelle Dame, die das gemacht hat, die hat dann auch so Pirouetten gedreht und die beiden haben das aber auch gemacht, das war schon drollig, aber die lassen sich einfach so viel einfallen. Also wir arbeiten sehr gut und eng zusammen und ich freue mich schon auf die Beer Week im September, wo das ÜberQuell ja auch sehr viel, ja, Vorderpfotenarbeit macht. Und wir sind aber alle jetzt ganz happy und stolz, glaube ich, in Hamburg dabei sein zu dürfen. Es ist das dritte Jahr, wir sind erwachsen geworden. Ich habe letztes Jahr ja praktisch, bin ich da rein gestolpert, das waren meine ersten zwei Tage zur Eröffnung, war die Beer Week und dieses Jahr kann ich, glaube ich, ganz gut mitreden und habe viele tolle Formate, ja. Das wollte ich noch erzählen, meet the expert, das ist eigentlich mein Lieblingsformat nach dem Metal-Monday, ist sozusagen der Mittwoch der zweite gesetzte Tag bei uns, an dem läuft die Hamburg Bierreise. Und in der zweiten Woche, also immer alle 14 Tage dann versetzt, läuft mein Lieblingsformat, meet the expert. Das heißt, du kommst zu uns, zahlst Eintritt dafür, dass du mit einem Brauer oder einem Experten aus der Szene, dann eben gemeinsam zwei oder drei Biere verkostest. Und das machen wir tatsächlich auch im Bildformat. Das heißt, auch wir haben uns natürlich von Corona sehr viel abgeguckt und du glaubst gar nicht, wie einfach das dann ist, plötzlich einen polnischen Brauer oder einen süddeutschen Brauer zu überzeugen, mitzumachen, weil, er muss ja gar nicht vor Ort sein. Die Gäste sind vor Ort, aber der Brauer sitzt in seiner Brauerei, im besten Fall mitten im Sudhaus. Und wir hatten Felix vom Endt, wir hatten den David Hertl, wir hatten die Brauer von Pinta, wir hatten Two Chefs Brewing aus Amsterdam, wir hatten Flügge aus Frankfurt, wir hatten unv. #00:50:38-7# Das hat keine fünf Minuten gedauert, die zu überzeugen, mitzumachen. Stell dir vor, du hättest die alle überzeugen wollen, für anderthalb Stunden für einen Tap Takeover oder was weiß ich, nach Hamburg zu kommen.

Markus: Nee, absolut, also da hat sicherlich dieses ganze Pandemiegeschehen viel Vorschub geleistet. Und, ja, ich kann mich erinnern, wir haben ja eigentlich eins der ersten, glaube ich, komplexen Online-Testings zusammen gemacht, wo wir dann ja sogar auch schon mit Food-Pairing gespielt haben und ich glaube, das hat sich dann doch schön weiterentwickelt und mittlerweile als Format wirklich etabliert, ja. Ja, noch eine Frage vielleicht, was ich noch gelesen habe, ihr habt auch diesen Open-Bottle-Day. Bringe ich da meine eigene offene Flasche mit oder habt ihr offene Flaschen, wie funktioniert das?

Christian: Ja, Letzteres, also es ist auch aus dem Weinhandel abgeguckt. Letztendlich kannst du ohne großes Risiko ein bisschen was probieren und wir geben ein paar Hinweise dazu, ansonsten wirst du dann aber auch alleingelassen. Bist also jetzt nicht wie bei einem Testing, einem stringenten Drehbuch unterlegen, sondern du sollst dann einfach die Chance haben, Biere zu probieren. Und wenn du Lust hast, fragst du uns und wir geben Tipps oder Anregungen oder erklären den Bierstil oder den Hintergrund oder geben auch Tipps, wie man Zuhause das Ganze dann entsprechend mit einem Food-Pairing noch ergänzen kann. Aber es ist halt ein lockeres Format und das habe ich auch übernommen, also das hat die Bierothek auch in vielen Filialen schon häufig angewendet. Ich habe es ein bisschen anders gemacht, wie gesagt, ich habe jetzt eben das nochmal gekoppelt mit diesem meet-the-expert-Thema, das ist also auch ein open-bottle-Abend, der ist auch gewürzt halt mit sehr viel Fachwissen von den Experten, aber danach, nach dieser einen Stunde geht das auch in dieses open-bottle-Format über. Das heißt, wir haben ein, zwei, drei Biere vom Fass oder aus der Flasche oder aus der Dose, wo wir dann sagen: „Okay, komm, probiert die doch mal“ und dann danach kann man ganz normal weiter trinken.

Markus: Ja, klingt auf jeden Fall spannend, also damit habe ich schon mal eine halbe Woche auf jeden Fall gefüllt, wenn ich das nächste Mal nach Hamburg komme. Letzte Frage vielleicht noch rund um das Thema, du hast irgendwo auf der Website auch was stehen von Bierreisen. Sind da diese virtuellen Reisen, in dem man verschiedene Flaschen probiert gemeint oder heißt das, du willst vielleicht irgendwann auch mal den Laden verlassen und Leute mitnehmen und auf große Tour gehen?

Christian: Na, so groß noch nicht, aber wir haben jetzt das Erste, machen wir jetzt. Und zwar haben wir sozusagen unser meet the expert koppelt mit einer Exkursion. Das war eine Idee von einem Gast, der hat gesagt: „Oh, Mensch, meet the expert ist ja toll, aber ich würde ja am liebsten mal in die Brauerei.“ Und da haben wir gesagt: „Ja, warum machen wir nicht beides?“ Und dann haben wir uns für eine entschieden im Umland, wo man also nicht so häufig hinkommt. Und das wird wahrscheinlich auch so jetzt fortgesetzt werden, das wir so ein bisschen gucken im Speckgürtel von Hamburg, wir haben ja so ein paar Städte drum herum, wie Lüneburg, Neumünster, Lübeck, Buxtehude und so, wo es echt tolle Startup-Brauereien gibt, aber da fährt man halt nicht so einfach hin. Und jetzt haben wir mit der Wittorfer Brauerei in Neumünster, haben wir sozusagen das erste Mal das Format jetzt ausprobiert und es ist eingeschlagen wie eine Bombe. Wir hatten also letzte Woche Mittwoch das meet the expert, virtuell war Hennig zugeschaltet aus der Brauerei, die Gäste waren alle vor Ort am Fischmarkt und wir hatten einen ganz tollen Abend mit zwei seiner Biere. Und jetzt am Samstag, den 09. Juli, also den kommenden Samstag, fahren wir dann nach Neumünster mit dem 9-Euro-Ticket, bekommen dort eine Brauereiführung, Freibier und dürfen dort eben Hennig löchern vor Ort. Der hat ein neues 20-Hektoliter-Sudhaus, also wir sehen auch richtig was, die neuen Verrohrungen und die neuen Tanks und so, also auch was zum Anfassen, ja. Und das, könnte ich mir vorstellen, dass das Schule macht.

Markus: das finde ich jetzt auch mal wieder eine ganz clevere Idee, dieses 9-Euro-Ticket auch für sowas zu nutzen. Also das habe ich, ist mir jetzt grade gekommen, als du es gesagt hast, das ist eigentlich total clever, weil man ja wirklich eine Möglichkeit hat, für echt kleines Geld die Reichweite auszudehnen und mal eben schnell in eine Nachbarstadt fährt, ohne dass man sich ewig kümmern muss und, was weiß ich, jemand wegen Tickets irgendwie groß gucken muss. Sondern, das 9-Euro-Ticket haben ja die Meisten und dann ist es ja wirklich leicht umzusetzen.

Christian: Selbst wenn du es nicht hast, dann wirst du für die Exkursion selbst da schon sparen, weil, es ist ja schon eine Strecke bis Neumünster, du würdest selbst mit einem Wochenendticket mehr bezahlen. Und das kam uns dann irgendwie so oder fielen uns wie Schuppen von den Augen, wir haben gesagt: „Mensch, das müssen wir doch jetzt kombinieren.“ Aber ich glaube, dass ich das Format trotzdem, wenn es das Ticket nicht mehr gibt, sicherlich umsetzen werde. Ich habe schon mindestens drei, vier Brauereien auf der Liste, wo ich sage: „Da muss man einfach mal hingefahren sein.“

Markus: Ja, nee, absolut. Und was mich total freut, ist, ich fand, am Anfang unseres Gesprächs hat man noch so ein bisschen gehört, da schwingt auch ein bisschen Melancholie und ein bisschen Enttäuschung und natürlich auch ein bisschen, ja, vielleicht natürlich Entkräftung in gewisser Weise mit, weil man sagt, man hat sich jetzt so lange angestrengt und das ist einfach schwierig. Aber je mehr du erzählst, was du alles tust und machst und vor hast, umso mehr hört man, wie das leuchtet und strahlt und die die Begeisterung aus dir spricht und wie du dich wieder in deinem Element fühlst und dich da drauf freust. Und ich glaube, da kannst du auch Leute mitnehmen und da wird auch sicherlich was Gutes draus werden, also da bin ich mir ganz sicher und freue mich auch schon auf den Besuch. Gibt es noch was, was du uns vielleicht so am Ende unserer Stunde mitgeben möchtest, oder den Hörern, oder eine Botschaft, was auch immer, was du loswerden willst?

Christian: Klar, kommt alle zur Hamburg Beer Week, die wird dieses Jahr der Knaller. Wir haben viel gelernt aus den zwei Jahren, das war alles aus der Not geboren, jetzt wird es richtig gut. Vom 8. bis zum 17. September, also es gibt keine Ausrede, weil, es sind zehn Tage, da sollte sich doch auf jeden Fall ein Abstecher nach Hamburg finden. Übernachtungsmöglichkeiten, glaube ich, hat die Stadt genug. Und es sind über, bow, ich glaube, 40 Partner, die alle mitmachen, jeder hat was zu bieten, man kann wunderbar von einem Stopp zum nächsten und sich damit auch ganz viel, ja, einfach selbst entdecken, wenn man gut zu Fuß ist, ansonsten nimmt man eben den HVV, den öffentlichen Nahverkehr. Mit dem 9-Euro-Ticket dann wahrscheinlich nicht mehr, aber auch da gibt es natürlich entsprechende günstige Tageskarten und, und, und. Also am besten Braustädtchen als erste Anlaufstelle, weil wir sehr zentral sind, weil wir sehr viele Tipps geben können und weil wir natürlich auch eine Karte haben vor Ort, auch selbst noch old school, wo man dann einfach mal zeigen kann, okay, pass auf, das sind so die Viertel in Hamburg, wo du auf jeden Fall dann dein Häkchen machen solltest beim Bier.

Markus: Ja, nee, also das ist super Und ich erinnere mich so ein bisschen zurück, mein erster Hamburg-Besuch sozusagen, der war, ich überlege grad, da war ich 18 oder 19 oder irgendwie so und da gab es damals ein schönes-Wochenendticket für, ich glaube, 30 Mark oder sowas und da konnte man auch durch ganz Deutschland fahren zu fünft, soweit eben der Regionalzug praktisch fuhr. Und da sind wir nach Hamburg gefahren und waren da ein Wochenende und das war richtig toll. Und insofern werde ich auf jeden Fall den September nutzen, dich und die Hamburg Beer Week zu besuchen, freue ich mich schon drauf. Vielleicht klappt es ja auch schon vorher, wir werden mal sehen, also von Bamberg aus ist das ja sehr schnell möglich, weil der ICE quasi durchfährt. Aber, ja, also auf jeden Fall vielen Dank für diesen Einblick und für die spannenden Geschichten und für die Insides eben, die man auch mal ein bisschen so kriegt, wenn man sich näher drüber unterhält, wie das eben dann so läuft, wenn man so einen Laden neu aufbaut, ja und ich glaube, wir drücken alle ganz fest die Daumen. Und wir werden alles verlinken und schauen, dass wir möglichst viele Leute motivieren, bei dir vorbeizuschauen. Heute noch einen schönen Abend und natürlich Morgen einen guten Start in die neue Woche.

Christian: Vielen Dank, Markus. Hat wie immer sehr viel Spaß gemacht, ich danke euch.

 

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