BierTalk 83 – Interview mit Michael Friedrich von Stonewood aus Chemnitz, Deutscher Meister der Biersommeliers 2021

Michael Friedrich stolperte als 14jähriger DDR-Schüler über einen Ferienjob in einer örtlichen Brauerei und hatte seinen Traumberuf entdeckt. Nach der Lehre und der ersten Berufserfahrung zog er in den turbulenten Nachwendejahren zum Studium nach Berlin an die VLB und kam als Diplom-Braumeister zurück nach Sachsen. Dort war ihm das Angestelltenverhältnis schnell langweilig und er entschloss sich, eine eigene Bierkarriere zu starten. Los ging’s mit der Kneipe „Zum Sudhaus“, deren Küche schon kurz nach der Eröffnung zur Braustätte umfunktioniert wurde. Die 50 Liter seines kleinen Kessels waren regelmäßig an einem Tag ausgetrunken, also erfolgte der Umzug in eine große Gasthausbrauerei mitten in der Stadt. Zehn Jahre später standen die Zeichen wieder auf Veränderung – die Braumanufaktur Stonewood in der ehemaligen Germania-Brauerei nahm Gestalt an. Dort hat Micha heute seine bierige Heimat – und seinen Übungsraum. Schließlich trainiert er als amtierender Deutscher Meister der Biersommeliers fleißig für die Weltmeisterschaft und lässt uns im Podcast an seinem spannenden Lebensweg teilhaben…

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Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute wieder natürlich eine ganz besondere Folge, aber diesmal ist sie richtig besonders, weil wir einerseits in den Osten Deutschlands gehen nach Sachsen und dort jemanden treffen, der ganz viele Titel schon gesammelt hat, unter anderem einen Deutschen Meistertitel und einen dritten Weltmeistertitel, also ein ganz bekannter spannender Mann in der Bierwelt. Und er kommt aus einer Stadt, die es eigentlich gar nicht mehr gibt. Also, eigentlich ja schon, aber, das ist auch ganz spannend. Also herzlich willkommen, lieber Michael Friedrich aus Karl-Marx-Stadt Schrägstrich Chemnitz, stell dich doch unseren Hörern mal kurz selber vor.

Michael Friedrich: Ja, danke, Markus. Also ich bin der Micha, kurz, also ganz einfach Micha, komme aus Chemnitz beziehungsweise, genau genommen, aus Clausnitz bei Chemnitz. Geboren bin ich in Karl-Marx-Stadt. Bin jetzt 52 Jahre jung, alt, wie auch immer und befasse mich praktisch schon seitdem, ja, wenn man so will, 14. Lebensjahr mit dem Thema Bier. Das ist dem geschuldet, dass ich in den Ferienarbeiten gerne in der Brauerei gearbeitet habe und mir dort das ein oder andere Märkchen dazu zuverdienen. Und da habe ich dann als junger Typ einfach Spaß dran gefunden und habe gedacht, okay, das wäre jetzt mal ein schöner Beruf, den du erlernen kannst. Ja, wie gesagt, ich will jetzt noch gar nicht alles vom Lebenslauf erzählen. Mittlerweile besitze ich eine kleine Brauerei in Chemnitz, die Stonewood Braumanufaktur, auf dem Gelände einer alten Brauerei. Das ist die alte Germania Brauerei, die es schon lange nicht mehr gibt, aber die Gebäude sind zum Teil noch erhalten und dort habe ich mich eingemietet und nutze dort zum Teil noch die alten Bier- und Lagerkeller. Und wie gesagt, ich betrachte das eher als Event-Brauerei, weil ich mich ja auch viel mit Braukursen und mit Bier-Testings befasse und nebenbei ganz, ganz viel verschiedenes Bier braue.

Markus: Ja, also ein richtiges Panoptikum, was du da mittlerweile aufgebaut hast. Wir haben uns ja vor Ort auch schon getroffen, ich glaube, das war so ziemlich im Gründungsjahr oder kurz danach. Also auf jeden Fall auch spannende Geschichte, werden wir dann auch noch ein bisschen reinschauen. Jetzt ganz am Anfang, wenn du sagst, du kommst mit 14 da so rein, du bist jetzt 52, das heißt, damals war ja Chemnitz noch Karl-Marx-Stadt, wenn man jetzt so den landläufigen Wessi fragt, dann können wir uns gar nicht vorstellen, wie das ist, dass man sich da mit 14 eine Mark dazu verdienen kann. Wie ging denn das im Sozialismus, hat man das einfach so machen können?

Michael Friedrich: Ja, es gab also die ganz normale, nannte sich Ferienarbeit. Da konnte man in den Herbstferien oder in den Sommerferien, egal, sich bei Betrieben bewerben, egal ob das jetzt eine Brauerei war oder jemand, der Knöpfe hergestellt hat und konnte dort als Schüler einfache Tätigkeiten machen, wo der Betrieb gesagt hat: „Okay, das können wir denen zutrauen.“ Und für so einen Schüler war das immer nett, sich doch wirklich ein paar Mark einfach dazu zuverdienen. Das war nicht viel, das war in der Stunde vielleicht eine Mark oder 1,50 Mark in der Stunde. Zu damaligen Verhältnissen für uns schon viel Geld! Ja, wir haben da auch anders umgerechnet regelrecht. Und für mich war eigentlich das Entscheidende, dass die Arbeit dort wahnsinnig viel Spaß gemacht hat, weil, es war eine ganz, ganz alte Brauerei, die gibt es schon lange nicht mehr, die Schlossbrauerei Karl-Marx-Stadt war das. Also so mit riesigen alten Lagerkellern, mit stillgelegten Abteilungen und viel mit Kupfer, also wirklich so ein bisschen Abenteuerspielplatz. Und dann waren vor allen Dingen die Bierbrauer, das waren alles so richtige Typen, ja, also es gab wirklich so den einen, der war extrem intelligent, der hat irgendwelche Gedichte rezitiert, der Nächste war Kraftsportler. Ach, da war alles dabei und es waren halt alles wirklich richtige Typen und da hat es halt Spaß gemacht zu arbeiten.

Markus: Und was waren das so für Sachen, die du dann da gemacht hast?

Michael Friedrich: Ja, wir mussten hauptsächlich saubermachen. Also die hatten ja noch oft oder damals fast ausschließlich offene Gärung, also praktisch in einem Gärbottich die Hefe schieben, praktisch die gesamten Bottiche saubermachen damals, mit erst mal Wasser und dann mit Schwefelsäure. Also es war schon sehr, ja, grenzwertig teilweise, weil wir dort mit wenig Schutz gearbeitet haben. Dann also auch in die Tanks rein klettern, die Tanks von innen also schluppen sozusagen, schöpfen. Da gab es halt Stahltanks und gab es auch Betonbetanks, die sogenannten Rostock-Tanks mit einer Auskleidung innen drinne. Also es war schon eine extrem große Brauerei für damalige Verhältnisse, aber eben auch sehr runter gewirtschaftet, ja, wie das bei vielen Brauereien so war. Also da gab es immer, immer Arbeit, also wahnsinnig viel Arbeit, wahnsinnig viel sauberzumachen und es war oder man hat dann sehr schnell den Erfolg gesehen, ja, weil es war schon, wenn man dort hingekommen ist, relativ schmutzig und wenn man den Arbeitsplatz verlassen hat, dann war es schön sauber. Und das hat eben auch Spaß gemacht.

Markus: Also klingt jetzt nicht so wie der große Traum von vielen jungen Männern, die ich so kenne, aber auf jeden Fall natürlich spannend, weil man Hand anlegt und weil man ganz nah dabei ist und so. Und da ist dann eben auch dein Berufswunsch gereift, Brauer zu werden.

Michael Friedrich: Ja, genau, ja.

Markus: Und das hast du dann dort bei der Brauerei dann auch umsetzen können oder wie ging das?

Michael Friedrich: Ja, also ich habe dort angefangen als Lehrling. Und ich habe aber damals schon das große Ganze gesehen, gesagt: „Okay, du kannst dich in dem Beruf sehr gut entwickeln.“ Ich bin ja auch nicht blöd, sage ich jetzt mal so und habe das alles relativ schnell geschnallt. Bin auch in meiner Lehrzeit sehr gut davon gekommen, also Bester im Bezirk, dann habe ich beim DDR-Leistungsvergleich damals der Bierbrauer den zweiten Platz gemacht. Habe vorzeitig ausgelernt, also praktisch die Lehre im Schnelldurchlauf gemacht, ich war, glaube ich, in anderthalb Jahr war ich fertig. Ja, also es ging relativ zügig und habe dann auch schon schnell angefangen zu arbeiten.

Markus: Ja, das heißt, du hattest also damals schon einen gewissen Hang zu solchen Leistungsvergleichen oder Meisterschaften und auch einen Hang, die zu gewinnen, sehr spannend. Das heißt also, du hast dann ausgelernt und hast angefangen zu arbeiten. Das müsste dann ja ziemlich in die Wendezeit gefallen sein, oder?

Michael Friedrich: Ja, genau, genau. Also ich habe dann praktisch 88, etwas eher, 87 habe ich angefangen in der Schlossbrauerei als Brauer. Die hatten allerdings da 1988 die Bierproduktion komplett eingestellt. Und ich habe gesagt: „Okay, ich will jetzt nicht in einer Brauerei arbeiten“, wo nur Limonade hergestellt wird, sondern ich wollte schon in einer richtigen Brauerei arbeiten. Und dann bin ich zu Braustolz gewechselt, also auch damals in Karl-Marx-Stadt, praktisch eine Spezialbierbrauerei, die dann doch schon vom Niveau her, vom Qualitätsanspruch her schon deutlich höher war. Und dann kam noch die Armeezeit dazwischen und dann kam aber schon die Wendezeit. Und als ich dann von der Armee wiederkam, das war ein Vierteljahr, auch wieder relativ kurze Zeit, da hat dann natürlich die Brauerei gesagt: „Moment, du bist eigentlich der Jüngste, du bist zuletzt gekommen und wir haben jetzt andere wirtschaftliche Verhältnisse. Wir können jetzt keinen übernehmen, keine einstellen, du müsstest jetzt an unsere Partnerbrauerei ran treten.“ Das war damals die Mönchshof Brauerei in Kulmbach und dort habe ich dann angefangen, das war 1990, auch wieder im Lagerkeller, da aber schon relativ schnell zum Filtrierer mich entwickelt. Da habe ich dann praktisch die komplette Filterstrecke gemacht mit einem großen Schichtenanschirmfilter, PVPP-Filter, also alles, was es so hatte. Und dann, das hat Spaß gemacht, dort war ich ein Jahr und dann bin ich aber schon ganz schnell zum Studium nach Berlin an die VLB.

Markus: Ja, das ist sicherlich auch eine sehr spannende Zeit gewesen, über die wir auch gleich sprechen. Ich habe noch eine Frage zu diesem Thema des Bieres damals in der DDR-Zeit. Ich habe da auch schon viel drüber gearbeitet und recherchiert und da war es ja wohl am Ende so, dass die Stammwürze ziemlich weit unten war und das man viele Ersatzstoffe für das Bier verwendet hat und das auch das Bier oft qualitativ einfach problematisch war. Wie hast du das denn erlebt, hat sich das Bier in der Zeit, in der du da noch in der Brauerei warst, verändert? Und wie sind die Leute, die da gearbeitet haben, damit umgegangen?

Michael Friedrich: Ja, also das stimmt, also in der Schlossbrauerei, also das war eine Brauerei, die praktisch für den breiten Bevölkerungsbedarf das einfache Bier gemacht hat. Und das war tatsächlich in der Qualität wirklich nicht herausragend. Ich habe auch tatsächlich auch als Lehrling schon angefangen, ein bisschen das Bier zu pimpen, hatte mir dort ein altes Bierfass, so ein Alufass besorgt, habe das in einer Schlosserei umbauen lassen. Habe dann dort klassisches Pils rein gefüllt, habe das nochmal mit einem schönen Hopfen aus dem Südharz, mit dem tschechischen Saazer-Hopfen praktisch gestopft und habe dann im Lagerkeller mein eigenes Bier gehabt, also ein kaltgehopftes schöne Lagerbier. Und dann haben das die anderen Brauer mitbekommen und dann hatte ich das Fass nicht mehr alleine.

Markus: Das war dann praktisch das erste hopfengestopfte Bier der Brauneuzeit sozusagen in Deutschland, oder?

Michael Friedrich: Nein, also nicht ganz. Das Hopfenstopfen war ja tatsächlich auch in der DDR eine alte Tradition. Ich unterhalte mich ja gerne mit alten Braumeistern und die waren damals, wo ich noch sehr jung war, waren die auch schon so um die 50, 60 und die haben auch schon erzählt, das man eben auch schon vor dem Krieg und auch nach dem Krieg die Biere gestopft hat. Also wenn es besonders gut werden sollte, wurden die Biere dann im Keller, im Lagerkeller gestopft, meistens also mit einem handelsüblichen Hopfen, vorzugsweise mit einem Saazer-Hopfen. Und die Qualität der Biere war also in der Hinsicht sehr gut, aber die Qualität der einfachen Biere, die es im Handel gab, also die, ich sage mal, Helle und das einfache Pils, die waren wirklich nicht so herausragend. Die Haltbarkeit war miserabel, nach zwei, drei Tagen wurde das schon trüb, war aber noch trinkbar, aber es war halt nicht mehr ansehnlich. Die Qualitätsbiere, die Exportbiere und Spezialbiere, die von den entsprechenden Brauereien gebraut worden sind, die waren allerdings wieder qualitativ besser, weil die auch andere Rohstoffe zugewiesen bekommen. Ja, da gab es ja damals so, ja, eine Kommission, die das praktisch verteilt hat. Brauereien erster Priorität, angefangen von Wernesgrün, Radeberg, die großen Exportbierbrauereien, die haben natürlich die erste Qualität bekommen. Und dann gab es noch die, also die normalen Spezialbierbrauereien, wie zum Beispiel die Freiberger und die Rauschels Brauerei, die haben dann schon wieder etwas abgeschwächte Qualität bekommen und wirklich den Kehricht, wenn man so will, jetzt mal übertrieben, haben dann die einfachen Brauereien verarbeiten müssen, die wirklich für die einfachen, Konsum und also einfachen Läden, praktisch das Bier gemacht.

Markus: Doch eine krasse Geschichte eigentlich. Und man muss auch sagen, also ich habe da, wie gesagt, ja auch schon viel drüber gearbeitet und fand es trotzdem erstaunlich, mit wie viel Herzblut die Brauer da rangegangen sind, auch wenn es diesen großen Unterschied gab eben mit den Exportbieren, die dann ja auch nach dem Reinheitsgebot gebraut worden sind, während die anderen eben nicht und so. Aber, wir können ja mal diesen DDR-Teil verlassen, wenn gleich das schon spannend ist, aber eigentlich wollen wir ja mehr über dich reden. Und jetzt bist du in Berlin bei der VLB und vielleicht bevor du dazu erzählst, könntest du doch dir schon mal ein Bierchen aufmachen, oder?

Michael Friedrich: Ja, sehr gerne!

Markus: Dann lass uns doch mal teilhaben, was es für eins ist und du kannst ja mal kurz ein bisschen mit uns verkosten, das wir ein bisschen mit genießen können.

Michael Friedrich: So, also, ich erzähle es euch einfach mal, was es ist. Ich habe mir heute einen hellen Hopfenbock rausgesucht. Das ist also ein ganz klassischer heller Bock mit einer schönen Hopfennote, also nochmal etwas mehr Hopfen rein gegeben. Das trifft so ein bisschen meinen persönlichen Geschmack, ich bin jetzt nicht ganz so der große Fan von sehr süßen Bieren, also extrem süßen Bieren. Und meistens gehen einige Bockbiere ja schon die Richtung, dass sie sehr, sehr mastig sind. Das ist natürlich sortentypisch, keine Frage, aber ich, wie gesagt, ich will natürlich auch meine Handschrift hinterlassen bei den Bieren und so habe ich mich eben bei dem hellen Bock entschieden, hier nochmal den Hopfen etwas dominieren zu lassen. Nicht ganz dominieren zu lassen, aber eben schon sehr spürbar werden zu lassen, sodass diese Restsüße etwas erfrischender kommt, ja. Durch den Hopfen, der bringt da noch ein bisschen Pepp rein. Und ich experimentiere da immer mal ein bisschen mit dem Hopfen, weil, das ist ja nicht das erste Mal, dass ich den hellen Hopfenbock mache. Am Anfang habe ich fruchtigen Hopfen genommen, habe aber gemerkt, dass hier eher ein ganz klassischer Hopfen eine bessere Rolle spielt in diesen Bieren, weil das ein bisschen vertrauter ist. Und man geht beim Bockbier ja immer so von den klassischen Noten aus. Und dadurch, dass wir in Sachsen ja wirklich sehr traditionell im Bierkonsum sind, auch in der Sensorik, in der Wahrnehmung, also die breite Masse zu mindestens, da habe ich mich jetzt für einen ganz klassischen Hopfen entschieden. Das ist ein ganz einfacher Bitterhopfen, das ist der, ich glaube, den Nugget habe ich rein gegeben. Der bringt aber auch teilweise manchmal so eine ganz leichte Citrusnote. Kommt wahrscheinlich auch drauf an, was es für eine Ernte ist und woher er kommt. Und das macht die Sache nochmal sehr delikat.

Markus: Ja, dann, nimm doch mal einen Schluck. Sag mal, ob es auch so schmeckt, wie du dir das vorstellst.

Michael Friedrich: So, ja, also hat sich auch sehr schön abgesetzt, also hier in der Flasche schön abgesetzt. Es ist relativ blank, sieht es aus, obwohl alle Biere bei mir unfiltriert sind. Ja, wir haben also einen schönen weißen Schaum, ja, der steht auch rech gut im Glas hier. Ja, der Geruch so feinfruchtig, ganz feine Fruchtnote haben wir drin, aber eben geschmacklich etwas unterschiedlicher. Also, ja, so eine feine, ganz feine Karamellnote. Erinnert mich immer ein bisschen an Waldhonig, ja, also so eine feine Waldhonignote, also nicht so extreme, kräftige Waldhonignote, aber eben so eine ganz feine subtile Waldhonignote.

Markus: Ja, das passt ja auch gut zum Bierstil. Fein, schön.

Michael Friedrich: Ja.

Markus: Dann sage ich schon mal Prost!

Michael Friedrich: Ja, danke.

Markus: So und dann mache ich mir jetzt auch eins auf. Also, die Hörer wissen ja, dass ich einen ziemlich großen Keller habe, wo viele, viele Biere drin sind und ich habe natürlich auch mal geschaut, ob ich ein paar Schätzchen von dir da noch drin stehen habe. Und tatsächlich habe ich zwei gefunden und eins heißt Black Sour und eins heißt Bali Barrique oder Barrique. Und, genau und da werde ich jetzt auch mal eins aufmachen, damit ich auch ein bisschen was zu trinken habe. Und ich denke mal, ich fange mit dem Black Sour an.

Michael Friedrich: Ja, würde ich auch sagen.

Markus: Gucken mal. Also, da steht drauf, Black Sour, obergärig. Also, mache ich hier mal auf, so. Wunderbar! Also hier im Glas ein, ja, wunderschön dunkel, rostbraunes Bier, rotbraunes Bier, würde ich sogar sagen, richtig schönen Farbschimmer. Es ist opak, also man kann nicht durchgucken, aber oben drauf ein ganz schöner, auch sehr dunkelbrauner Schaum, der auch sehr fest ist und sehr stabil. Und wenn man da so reinriecht, dann ist ganz viel, ja, süße Aromen erst mal. Das geht so in Schokolade, nussig, Karamell, aber auch was Fruchtiges. Also da denke ich zum Beispiel so an Weintrauben, so Muskatellertrauben oder so und dann auch so ein bisschen rote Beeren, Kirschen. Spannend! Okay, also probiere ich mal ein Schlückchen. Und ein tolles Wechselspiel, weil man, wie der Name auch schon sagt, eine Säure ja auch hat, aber die ist im schönen Austausch, so im ständigen Dialog mit dem Malz. Also man hat so richtig karamellige Noten, wie man sich das von einem Karamellbonbon vorstellt und da dazwischen kommt dann immer so eine Sauerkirsche, auch ein bisschen diese fruchtigen weinigen Noten, dann kommt wieder was Schokoladiges. Dann kommt auch ein bisschen Bittere dazu, das erinnert einen da ein bisschen an Kaffee. Und, ja, hinten raus ein richtig erfrischender Trunk, der dann am Ende durch dieses hin und her zwischen süß und sauer eigentlich richtig wieder frisch macht, sodass man gerne den nächsten Schluck nimmt. Und ich muss auch sagen, ich habe das ja jetzt relativ lang schon im Keller stehen, also wobei, das MHD steht hier bis Dezember 2025, also alles noch gut. Aber weißt du noch, wann du das eingebraut hast?

Michael Friedrich: Das Bier habe ich eingebraut vor anderthalb Jahr. Und das war ein Experiment, ich habe ja durchaus ab und zu mal Dunkelbiere oder mache ich ab und zu mal, sehr, sehr Dunkelbiere, also ob das jetzt ein Stry Stout ist oder ein Milk Stout oder ein Kaffee Stout. Und da war die Idee, da ich ja parallel dazu auch eine Gose mache, ich mache mal ein Extra-Stout oder Foreign-Extra-Stout, also schon etwas kräftigeres Stout und beimpfe das jetzt mit einem Schluck aus meinem Gose-Fass. Das ist ein Holzfass und da sind ganz viele Mikroorganismen drin, ja, wir haben dort also zig verschiedene Lactobazillen drin, wir haben Brettanomyces-Hefe drin und so weiter, das ist also ein bunter Mix. Und das habe ich beimpft, habe gesagt: „Okay, ich überlasse das jetzt einfach mal dem Bier, wie sich das entwickelt.“ Also ich habe keine Erwartungen gesetzt, wie es geschmacklich werden soll, es war ein reines Experiment. Und es hat, ja, hat funktioniert, sage ich mal.

Markus: Ja, also ist dir absolut gelungen. Und jetzt, wo du es sagst, finde ich, hat man auch so ein bisschen Gose-Charakter. Finde ich interessant. Und das ist dann praktisch so ein bisschen wie deine Haustiere, oder, dass du das so, oder?

Michael Friedrich: Genau, genau, immer gehegt und gepflegt, ja.

Markus: Und hast du da verschiedene, also die Gose-Kultur und vielleicht die Berliner-Weisse-Kultur oder so, oder?

Michael Friedrich: Nein, nein. Also ich habe, das Erstaunliche ist, ich habe drei Fässer, drei Holzfässer a 225 Liter und in zweien ist die Gose und in dem dritten ist das KiwiBerry-Sauer. Und die zwei Gose-Fässer, die schmecken jedes Mal unterschiedlich, also ist auch, jede Charge schmeckt anders. Also die Fässer haben schon auch eigene Kulturen, habe ich den Eindruck. Ja, das ist sehr interessant, die eine Gose ist intensiver und die eine ist ein bisschen milder in der Säure. Also es gibt da tatsächlich bei jedem Fass Unterschiede.

Markus: Na, spannend auf jeden Fall und natürlich auch interessant, damit zu experimentieren. Und insofern, auf jeden Fall Glückwunsch, also ein sehr, sehr gutes spannendes Bier geworden. Und ich denke, man kennt das ja auch so ein bisschen aus Belgien, da ist ja auch so, dass die das Lambic in verschiedenen Holzfässern reifen und man am Ende dann ja da völlig andere Ergebnisse hat und sie dann ganz bewusst verschneidet zur Gösse. Wo man dann eben Leute braucht, die sich auch auskennen mit diesem ganzen Thema Blenden, Verschneiden, um dann eben da einen schönen guten kontinuierlichen Geschmack hinzubekommen.

Michael Friedrich: Ja.

Markus: Ja, aber jetzt, wir sind ja in Berlin, also, du bist da angekommen und hast wahrscheinlich erst mal Party gemacht, oder?

Michael Friedrich: Genau, das war ja die Nachwendezeit, also es war wirklich die spannendste Zeit in Berlin, da waren ja wirklich alle Gesetze ausgehebelt. Ja, also man kann das heute gar nicht mehr so beschreiben, da liefen ja unglaublich viele Partys ab und also so in Abbruchhäusern und so weiter. Das haben wir natürlich alles mitgenommen als Studenten, ja. Und natürlich auch an der VLB, damals von Wackerbauer und Krüger, Schildbach, die alten Professorhasen sozusagen, Professor Stahl. Also, ja, da in der Hinsicht werden sich viele vielleicht auskennen, das waren ja Leute, das waren Koryphäen und das war schon unglaublich gut! Und auch eine sehr starke Klasse, also wir waren, glaube ich, 28 Studenten in dem Semester, das ist schon viel! Da haben dann auch nicht alle durchgehalten bis zum Schluss, einige sind abgesprungen, aber so da, im Wesentlichen sind sie alle bei der Stange geblieben. Und ich treffe ja immer noch regelmäßig meine Studenten, Mitstudenten sozusagen, die irgendwo jetzt bei bestimmten Firmen arbeiten, der Alex Jany zum Beispiel bei Weyermann und, und, und. Also, die sind alle irgendwo gut untergekommen. Aber es war wirklich eine tolle Zeit, ich habe viel gelernt und auch das Studium war sehr schön strukturiert, es hat Spaß gemacht, ich habe viel gelernt. Und ich habe zum ersten Mal Spaß an Chemie gefunden. Ja, in der Schule war Chemie für mich immer so das Grauenfach, also habe ich nie Spaß dran gehabt, aber beim Studium hatten wir wirklich einen guten Dozenten, einen guten Professor, der das so verständlich rübergebracht hat, dass man es wirklich verstanden hat, ja.

Markus: Und die VLB hat ja auch eine eigene Brauerei.

Michael Friedrich: Ja.

Markus: Ich habe da mal lange gesprochen auch mit Kurt Marschall. War der zu deiner Zeit schon da?

Michael Friedrich: Ich glaube, nee, nee, ich glaube nicht. Also der Carsten Zufall war damals, ist vielleicht ein Begriff unter Fontän, Fontän, ja. Und dann hatten wir noch den Carsten Evers, Doktor, damals war es noch Carsten Evers, jetzt ist er Doktor Karsten Evers, die waren alle noch da. Aber mit der Brauerei haben wir nur ein einziges Mal gearbeitet. Also wir haben vermälzt, haben wir und wir haben mit der Brauerei gebraut, aber ansonsten waren wir sehr viel mit Mikrobiologie beschäftigt, wir waren sehr viel in der chemisch technischen Analyse aktiv. Das weiß ich noch, also in der Zeit hatten wir ganz, ganz viel Analytik gemacht und mit dem Bierbrauen an sich, mit der praktischen Übung des Bierbrauens, da hatten wir eigentlich weniger zu tun. Ja, viel, viel Theorie.

Markus: Außer mit der Praxis an der Flasche dann sozusagen.

Michael Friedrich: Ja, das war natürlich, ja, da hatten wir ja die ein oder andere Location in der Nähe, wo man das gut üben konnte oder auch Selbstversuche im Studentenzimmer, haben wir auch schon Bier gebraut. Ja, das hat auch Spaß gemacht.

Markus: Ja, ich habe deswegen den Kurt Marschall erwähnt, weil der ja so ein bisschen einer der ist, die sich da sehr verdient gemacht haben um die Berliner Weisse, die Wiederbelebung der ganzen Geschichte. Und nun habe ich hier ja jetzt noch auch ein saures Bier und du erzählst von Gose und das hätte mich auch interessiert, wie das eben damals an der VLB so war. Weil, eigentlich waren ja die deutschen Ausbildungsinstitute, zumindest im Westen, sehr stark davon geprägt, eben klassisches, sauberes, nach Reinheitsgebot gebrautes Bier zu machen und relativ wenig begeistert von irgendwelchen Mikroorganismen. Wie hast du das erlebt oder gab es da schon so ein bisschen so ein kleines Rebellentum?

Michael Friedrich: Zu der Zeit noch nicht, das kam ja dann, also nachdem ich mein Studium beendet hatte dann, dann ging das so langsam los. Die Bier-, ich komme jetzt nicht auf den Namen, wer das damals gemacht hat. Die hatten das Hanfbier gemacht, das Turn und so weiter. Und da ging es da auch langsam los mit den Pale Ales, also das ging ganz schonend los! Also das war so, ich glaube, so 93, 94, habe ich das erste Mal Wind davon bekommen, mit diesen ganzen anderen Bierstilen. Aber vorneweg war es hauptsächlich Pils, also hauptsächlich Pils, Pils, Pils, Pils. Und die Berliner Weisse haben wir eigentlich nur theoretisch betrachtet. Es gab ganz viele Fans davon, aber selber hatte ich damit nie Berührung gehabt. Ich bin erst ganz, ganz spät zum Sauerbier gekommen, ich persönlich! Dadurch, dass ich eine ganz klassische Ausbildung habe als Bierbrauer, da war Säure immer schlecht, also saures Bier war immer negativ betrachtet worden, ja, das ist halt schwierig. Aber jetzt mittlerweile kommen auch die klassischen Bierbrauer dahinter, dass Sauerbiere ja erst mal prinzipiell der deutlich ältere Bierstil ist und das auch ein Sauerbier extrem viele positive, vom Körper positive Argumente sind, ein Sauerbier zu trinken, ja. Grade wenn es darum geht, Immunsystem, ja, also die feine Milchsäure unterstützt ja unser Immunsystem. Und wenn man noch lebende Kulturen drin hat, unterstützt man damit seine Darmflora und bringt sie vielleicht auf einen positiven Weg. Also das sind schon gewissermaßen, ja, fast schon apothekenpflichtige Getränke.

Markus: Ja, also statt der täglichen kleinen Joghurtimpfung sozusagen, kann man das dann auch mit einem schönen Sauerbierchen machen. Ja, das stimmt schon. Ich denke mal, der Unterschied ist ja doch einfach der, ob ein Bier jetzt unbewusst sauer wird oder ob man eben bewusst mit diesen Aromen umgeht.

Michael Friedrich: Ja.

Markus: Aber gut, wir können ja noch ein bisschen gucken. Also du bist jetzt in der VLB fertig und hast dann gedacht, bleibst du in Berlin, gehst du woanders hin, gehst du in die Welt. Also was hat dich da so bewegt und wie ist es dann weitergegangen?

Michael Friedrich: Ja, also ich habe mich dann schon bei einigen also sächsischen Brauereien beworben und letztendlich bin ich dann bei Freiberger gelandet als Betriebskontrolleur, also praktisch Labor. Und dort habe ich dann ein halbes Jahr gearbeitet. War sehr interessant, es war damals noch die alte Brauerei. Also man muss wissen, also der Freiberger hat ja komplett neu gebaut dann in den 90er-Jahren, aber ich war noch in der alten Brauerei. Und das war auch eine schöne Brauerei, nur habe ich eben gemerkt, ich bin jetzt nicht unbedingt der Typ für ein Angestelltenverhältnis, ja, ich wollte schon immer irgendwo mein eigenes Ding machen. Und die Idee war damals, eine kleine Gasthausbrauerei aufzumachen und dort Bier zu brauen. Ja, jetzt war natürlich das Problem als Student und man hat keinen Knopf in der Tasche, dann geht man zur Bank und die haben einen natürlich ausgelacht und haben, was, du willst Geld von haben? Ja, hast du irgendwelche Sicherheiten? Nee, natürlich nicht, also ging das alles nicht. Und so habe ich dann gesagt: „Okay, dann musst du halt anfangen, so die kleine Tippel-Tappel-Tour. Machst du eine kleine Kneipe auf und konzentrierst dich hauptsächlich auf das Bier, also auf den Bierverkauf.“ Und da hatte ich dann so eine kleine Spezialitätenkneipe, hab mir auch damals aus, woher war das, aus Karlsruhe belgische Biere besorgt. Da gab es so einen Laden, die hatten dort ganz, ganz viele belgische Bierstile, habe ich mir belgisches Bier besorgt, dann irisches Bier und, und, und, ganz viel, oder auch die Lindemanns, die Fruchtbier. Ich hatte ungefähr so 20, 25 Bierspezialitäten auf der Karte. Und nach einer Weile, nach ein paar Monaten habe ich mir überlegt, Mensch, du bist ja Brauer, du bist Braumeister, da kannst du doch dein eigenes Bier brauen. Und habe dann 1995 praktisch das angekurbelt, habe mit der Hygiene gesprochen, mit dem Hauptzollamt wegen der Biersteuer. Und dann ab 01.01.1996 habe ich dann meine erste Mini-Brauerei in Betrieb genommen. Das war letztendlich nur ein großer Kochtopf und eine Wäscheschleuder. Das war die Wäscheschleuder als Läuterbottich und den Kochtopf praktisch als Würze- und Maischepfanne. Und das hat aber trotzdem gut funktioniert, da kamen 50 Liter Bier raus. Und die 50 Liter Bier habe ich dann einmal in der Woche an einem speziellen Tag verkauft. Und das hat ungefähr einen Monat gedauert, dann war an dem einen Tag, war die Bude so voll, du hast keinen Platz mehr gefunden. Also habe ich gesagt: „Okay, aus den 50 Litern, da müssen jetzt 100 Liter werden!“ Und dann ging das so weiter und irgendwann war die Kneipe zu klein und dann habe ich mir überlegt, okay, jetzt brauchst du was Größeres und schon eine größere Brauerei. Habe durch Zufall eine Versteigerung einer Brauerei mitbekommen, bin dort hingefahren, habe da ein paar Gefäße ersteigert, also so 1.000-Liter-Gefäße, Edelstahl, eine Pumpe und einen Plattenkühler und das und das. Und dann habe ich mir in einer angemieteten Werkstatt eine kleine Brauerei zusammengebaut. Ein Stammgast von mir, der war Schweißer, der hat mir das Schweißen beigebracht, also Edelstahl schweißen. Und dann habe ich innerhalb von, na, einem halben Jahr, hatte ich dann meine erste kleine Brauerei, die war so 500 Liter und dann ging das los mit dem Friedrich´s Brauhaus. Also das Sudhaus war dann erst mal Geschichte, das war also die erste Kneipe und die zweite, das zweite Projekt hieß dann Friedrich´s Brauhaus. Und das habe ich dann immerhin acht Jahre betrieben, hatte dort regelmäßig immer vier Sorten Bier am Hahn, selbstgebraute Biere und konnte natürlich dann ganz, ganz viel rumexperimentieren. Also da ging das dann schon los mit Pale Ales, mit Stouts, Hanfbier gemacht, Wacholderbier. Also ich habe das ausgerechnet, ich habe bestimmt 100 verschiedene Biere irgendwo gebraut. Hatte den Vorteil, ich konnte es direkt an die Kunden verkaufen und die waren letztendlich meine Versuchskarnickel. Also es hat letztendlich eigentlich fast immer geschmeckt, also fast immer, es gab mal ein paar Ausrutscher, aber im Großen und Ganzen hat es gut funktioniert. Und irgendwann wurde auch das Brauhaus zu klein, man muss dazu sagen, es hatte trotzdem 180 Plätze. Und dann hatte ich eine Idee oder ist der Vermieter auf mich zugekommen, Mensch, wir haben hier ein großes Projekt. Und dann habe ich mich eingemietet in die Chemnitzer Innenstadt mit dem Karls Brauhaus. Man muss wissen, Karl-Marx-Stadt hatte ja diesen oder hat ja immer noch oder Chemnitz hat immer noch diesen großen Kopf, den Nischel und genau gegenüber von dem Nischel war dann das Brauhaus, deswegen habe ich es Karls Brauhaus genannt. Ja und dann hatte ich dort auch noch ein paar mehr Plätze und auch noch eine größere Anlage, auch wieder selber gebaut, damals 1.000-Liter-Anlage und dann ging das dort weiter. Und das habe ich dann zehn Jahre lang gemacht, habe mit dann allerdings mit dem Vermieter etwas überworfen und habe letztendlich nur den Mietvertrag, den zehn-Jahresmietvertrag erfüllt und gleich im Anschluss die Stonewood Brau Manufaktur gegründet, eröffnet, ja.

Markus: So, also da müssen wir jetzt mal einen Punkt machen. Wahnsinn, das war jetzt ein wirklich spannender Ritt durch eine Blitzkarriere von dem Mann, der mit leeren Taschen in die Bank geht und ausgelacht wird, zu dem, der dann eben mitten in der Stadt eine Hausbrauerei hat. Das ist ja wirklich eine tolle Geschichte. Und toll fand ich auch, dass du eben deine erste Kneipe schon Zum Sudhaus genannt hast. Das hat ja dann praktisch schon so ein bisschen die Richtung vorgegeben, in die man da am Ende des Tages auch gehen will. Und das klingt auch toll, also wenn du dann so selber dir das schweißt, du hast ja gesagt, was du da gekauft hast, war so ein 1.000-Liter-Dings. Hast du das da praktisch in der Hälfte auseinandergeschweißt und dann …

Michael Friedrich: Genau, genau.

Markus: Ah, genau.

Michael Friedrich: Richtig, ne, ich habe also praktisch das zerteilt, habe mir einen Edelstahlboden besorgt, habe den da praktisch dran geschweißt, habe ich noch einen Läuterbottich-Senkboden besorgt. Also das eine war dann der Läuterbottich, das andere war dann die Würzepfanne. Hatte noch glücklicherweise von einem alten Bierbrauer eine alte Hefepfanne aus Kupfer bekommen und aus der alten Hefepfanne habe ich mir dann eine Haube selber geschmiedet. Ja, in der Werkstatt, wo ich mich eingemietet hatte, da stand noch ein schöner großer Amboss und ich habe mir so ein paar schöne Hämmer besorgt, so ein paar Rundhämmer, wo man dann auch diese Wölbung schön raus arbeiten kann. Ja, ich muss dazu sagen, ich wollte früher eigentlich Kupferschmied werden, ja, das war mein erster Berufswunsch, daher habe ich eine gewisse Affinität zu Metall und vor allen Dingen zu Kupfer. Und das ging mir relativ leicht von der Hand, also dieses Kupferschmieden hat unglaublich viel Spaß gemacht und hat dann auch die Brauerei so schon interessant gestaltet. Also auch alles mit Transmission angetrieben, so alte Transmissionsscheiben. Also das war schon eine kleine tolle Brauanlage.

Markus: Also fast schon ein museales Brauen irgendwie gewissermaßen.

Michael Friedrich: Genau, genau, das war wirklich so, ja.

Markus: Jetzt hast du ja ganz viel erzählt, hast du vielleicht Durst bekommen und magst du noch ein anderes deiner Biere mit uns verkosten?

Michael Friedrich: Auf jeden Fall, also wir sind ja nicht zum Spaß hier. Ich habe hier ein sehr erfrischendes Bier, würde ich jetzt als zweites Bier hinterher schieben und zwar ist das ein schwarzes Weißbier. Ja, das klingt erst mal, wo man sagt: „Mensch, schwarz, das geht ja gar nicht.“ Doch, natürlich geht das! Ja, also Weißbier ist ja letztendlich ein Weizenbier. Und ich habe das sehr, sehr dunkel gestaltet, also mit ganz viel verschiedenem dunklem Malz. Also Carafa-Malz von eins, zwei, drei, ist dabei und noch Basismalze und so weiter, sodass man hier also einen sehr, sehr komplexen Geschmack hat. Und natürlich für die Hauptgärung eine schöne Weizenbierhefe, das relativ warm angestellt, dass man also hier wirklich auch viele Fruchtester hat. Weil, durch diese starken, die Malzkomponenten, die verschlucken etwas, diese typischen Aromen von Weizenbier, also die Banane und die Nelke und so muss man also auch mit der Temperatur noch ein bisschen Gas geben, das man also hier wirklich noch die Ester richtig schön raus kitzelt. Und rausgekommen ist ein durchaus sehr schwarzes Weizenbier, also wirklich sehr schwarzes Weizenbier, was aber auch einen schönen erfrischenden Charakter hat.

Markus: Da bin ich jetzt richtig neidisch, also weil, dunkles Weizen ist wirklich so ein bisschen mein Lieblingsbierstil und ist auch so ein bisschen im Foodpairing die eierlegende Wollmilchsau, kann man ja zu ganz vielen Dingen verwenden. Und das, ja, stelle ich mir jetzt richtig gut vor, coole Sache.

Michael Friedrich: Ja, ich habe mal in mein Regal gegriffen, habe jetzt ein schönes altes Glas, ein Tennent-Stout-Glas. Das ist so ein ganz Kleines, mit so 0,275 Litern Inhalt, also ein schönes geschmeidiges Glas. Also es muss nicht immer das Weizenbierglas sein, jetzt grade für das schwarze Weizen geht auch ein anderes Glas. Für mein helles Weizen würde ich natürlich ein Weizenbierglas nehmen, weil das ganz klassisch gebraut ist, aber das ist jetzt mal eher, ja, ein Kompromiss zwischen einem Stout und einem Weizen. Ein sehr angenehmes Bier. Ich nehme es auch immer selber gerne im Testing, ja, da kann man eine schöne Geschichte erzählen, vor allen Dingen, wie es entstanden ist. Also mir fallen ja frische Rezepte nicht einfach so ein, sondern meistens bei simplen Tätigkeiten wie zum Beispiel Staubsaugen oder Rasenmähen, da habe ich immer die besten Ideen. Und das ist mir tatsächlich beim Staubsaugen eingefallen.

Markus: Wahnsinn! Okay, also schon mal ein Kompliment, dass du Staub saugst und dann, dass dir noch Sachen dabei einfallen, fantastisch!

Michael Friedrich: Ja, der Schaum ist hier wirklich schön, also Cappuccino-farbener Schaum ist das hier, also sehr fest, sehr schön stabil, steht im Glas. Und die Farbe, also es ist nicht extrem schwarz wie zum Beispiel ein Imperial Stout, aber man kann hier, gegen das Licht, auf jeden Fall durchschauen, aber deutlich dunkler als ein klassisches dunkles Weizen. Ja, der Geruch schön fruchtig. Es erinnert mich immer so an so eine Gelee-Banane, also es gibt ja diese süßen Bananen in Gelee mit einem Bitterschokoladenmantel und an diesen Geruch erinnert mich das sehr, sehr stark. Also diese schönen Schokoladennoten, ein ganz leichter Hauch von Kaffee, aber eben hauptsächlich hier Bitterschokolade schon im Geruch. Also trotzdem schlank, also schön hochvergoren, man hat also eine schöne Spritzigkeit drin. Und der Hopfen ist ganz weit zurückgenommen, also der Hopfen spielt hier wirklich überhaupt keine Rolle. Ich habe hier wirklich eine ganz, ganz minimale Kleinsthopfung gemacht, damit hier wirklich diese Komponenten Malz und Hefe, also diese zwei wichtigen, also für ein Hefeweizen ganz wichtigen Bestandteile und grade für ein dunkles Weizen, haben wir auch das Malz. Und hier, wie gesagt, den Geschmack durch die Hefe, um das noch ein bisschen nach vorne zu bringen, deswegen eben hier eine ganz geringe Hopfengabe. Und ein sehr mildes Bier letztendlich, ist sehr schön zu trinken. Auch für den Sommer, also wenn es wirklich sehr heiß ist, hat das eine schöne erfrischende Wirkung. Und ich empfehle das immer auch wirklich mit Schokolade zu verkosten. Allerdings, hier muss man wirklich aufpassen, dass der Kakaogehalt genau passt, nicht, das hier irgendjemand verwirrt, bei dem Spiel. Also ich tippe dann immer so auf die 50 Prozent. Hier macht man da bei der Stärke nix falsch. Wenn ich jetzt ein Imperial Stout hätte, würde ich jetzt wahrscheinlich 80 Prozent empfehlen vom Kakaoanteil für die Schokolade, aber hier in dem Falle ist es ja etwas leichter als so ein starkes Stout und somit würde das hier eine schöne Kombination ergeben.

Markus: Ja, also jetzt grenzt das an Folter, muss ich sagen. Also, ja, das heißt, ich muss unbedingt mal wieder bei dir vorbeikommen und vielleicht ist ja dann noch ein Fläschchen davon da, schauen wir mal.

Michael Friedrich: Ja.

Markus: Ja, cool! Also auf jeden Fall viel Spaß mit deinem tollen Weizen. Wir können ja ein bisschen weiter durch deine Geschichte reisen sozusagen. Also du bist dann ja dazugekommen, diese Stonewood Schrägstrich Germania Brauerei zu machen. Da haben wir uns ja auch getroffen und das, muss ich sagen, hat mich total beeindruckt, also einerseits diese alten Anlagen, wo ja wirklich das ja eigentlich so ein Vulkangestein ist und wo das eben doch eine sehr alte Brauerei war, die ganz lange dort bestanden hat, noch dazu mit diesem Namen, und, ja, auch in Teilen eben noch den Räumlichkeiten da ist. Und wie du dann deine Sache da rein gebaut hast, das fand ich total faszinierend. Also ist ja so eine Mischung aus Brauerei und Museum und Verkaufsraum und Event-Raum und überall mit ganz vielen persönlichen Noten von dir, Bilder, Flaschen, Gläser, wie auch immer. Also total heimelig, man fühlt sich sofort ein bisschen Zuhause und das hat mich damals schon absolut begeistert. Und wie war das, also wie kam man überhaupt da drauf oder wie kamst du überhaupt da drauf, diese Räumlichkeiten auszusuchen? Und wie haben die Leute da drauf reagiert und wie ist das so gelaufen?

Michael Friedrich: Ja, das war letztendlich wie immer Zufall., Also ein Schulfreund von mir, der kam auf mich zu, der wusste, das ich mit meinem Vermieter von meiner letzteren Gasthausbrauerei etwas im Clinch lag und hat gesagt: „Du, ich habe hier eine Brauerei gekauft, im Gelände der Brauerei“ und das war eben die Germania Brauerei, „hast du nicht Lust, dort irgendwie ein Projekt mitzumachen?“ Und ich habe mir das so ausgerechnet, okay, also Gastronomie ist eh schwierig, und ich sage mal, das war tatsächlich auch die richtige Entscheidung zu dem Zeitpunkt und habe gesagt, okay, du bist ja eigentlich Braumeister, du bist Bierbrauer, Braumeister und befasst dich eigentlich hier fast nur mit Gastronomie, ich will aber eigentlich nur Bier machen. Und da habe ich gesagt: „Okay, machen wir das, ich gucke mir die Räume an.“ Die waren für mich absolut geeignet, waren zwar teilweise etwas groß, aber es weiß immer, es ist besser so, wenn es ein bisschen größer ist, weil, meistens bin ich immer irgendwann an meine Grenze gestoßen. Und wie gesagt, mein Lagerkeller ist Gott sei Dank riesig. Also ich habe einen riesen großen Lagerkeller und da brauche ich aber auch nicht viel Energie, um den Kühl zu halten, weil er eben schon unten im Keller ist und schon sehr, sehr dicke Wände hat, also ich brauche relativ wenig Energie dafür. Habe auch übrigens eine Energierückgewinnung, also die Wärme, die da entsteht, wird Warmwasser erzeugt. Ja und wie gesagt, damals ist das Projekt einfach so entstanden, dass ich sage, ich habe jetzt von der Gastronomie erst mal die Nase voll, ich mache jetzt nur noch Bier. Und ich hatte ja die Erfahrung aus der Gastronomie. Also ich konnte das ja kombinieren. Zum einen habe ich die ganze Zeit trotzdem Bier gebraut, auf der anderen Seite konnte ich aber auch mit Kunden sehr gut umgehen, oder kann nach wie vor, und mache ja auch meine Veranstaltungen wie früher. Also meine Braukurse, meine Bier-Testings oder mal eine Geburtsfeier, eine Brauereiführung, also alles Querbeet, was geht, was irgendwo Event-mäßig ist, was aber planbar ist. Also ich mache jetzt keine, wie früher, a-la-Carte-Geschichten, wo man guckt, wer kommt denn so jetzt mal um die Ecke, sondern ich habe konkrete Zahlen, es kommen 20 Leute oder, ich habe jetzt eine Anfrage für 100 Leute, ja, jetzt mal übertrieben und das ist alles realisierbar, ja. Also das macht schon Spaß, also macht mehr Spaß als damals diese extrem stressige Gasthausbrauerei, das war schon sehr, sehr stressig. Der Name Stonewood, das hat sich einfach nur ergeben, weil, wir haben ja in Chemnitz zwei ganz, ganz, ganz bekannte Sachen. Also einmal der Nischel, also der Karl-Marx-Kopf, der Nischel und ich wollte meine Brauerei jetzt nicht unbedingt Nischel-Bräu nennen oder so oder Nischel-Brauerei, das klingt immer etwas nach Kopfschmerzen, sondern irgendwie ein anderer Name. Und da fiel mir der versteinerte Wald ein, also der versteinerte Wald von Chemnitz. Ja, wer sich jetzt mit Chemnitz nicht auskennt, kann ich auch erklären. Also wir haben vor, ja, 293 Millionen Jahren auf dem Gelände, wo jetzt Chemnitz ist, einen riesen Urwald gehabt und dort war auch ein riesen großer Vulkan und der ist wirklich explodiert vor 293 Millionen Jahren. Hat dort jede Menge Tuff in die Atmosphäre gestoßen, also so Haufen Geröll und Staub und so weiter. Und durch die riesen Druckwelle hat es die riesen Bäume dort umgehauen und du wurden dann unter meterdicken Gestein begraben und im Laufe der Zeit versteinerten diese Bäume und wurden dann irgendwann mal, hat man angefangen im 17., 18. Jahrhundert, hier auf dem Gelände dann den ein oder anderen Baum, versteinerten Baum, auszugraben. Und das ist ein Highlight, weil es eben ganz bestimmte Fossilien sind mit einer ganz tollen Färbung. Wir habe da auch ein ganz großes Museum und da sind riesen Bäume, die sind 20 Meter hoch teilweise, die sind ausgestellt. Das war für mich ein Highlight, wo man sagt, okay, versteinerter Waldbrauerei, aber das klang eben irgendwie komisch. Und dann habe ich gedacht, okay, Stonewood, klingt doch einfach besser. Ja, also versteinertes Holz, Stonewood, das klingt cool, das klingt auch ein bisschen nach Craft Beer, so ein bisschen in die Richtung, wie du gehen willst, belassen wir es dabei. Und habe auch relativ zeitig schon den Namen patentrechtlich gesichert, weil ich mit solchen Sachen auch mal schlechte Erfahrungen gemacht habe. Da habe ich also ganz, ganz zeitig mir schon gesichert, den Namen und habe den erst mal in die Schublade gelegt, habe gewartet, was passiert. Ist nix passiert und dann habe ich den Namen einfach genutzt und nutze ihn nach wie vor, ja.

Markus: Ja, also das ist auch eine faszinierende Geschichte. Und ich muss auch sagen, wenn man so versteinerte Baumstämme sieht, das ist wirklich sehr, sehr eindrucksvoll, welche Farben sich da bilden und das beeindruckt mich wirklich auch jedes Mal. Und ist eine schöne Idee, sowas zum Namen von seiner Brauerei zu machen. Ja, nun bist du ja auch Biersommelier geworden. Hat sich das dann am Anfang von dieser Stonewood-Zeit ergeben oder wann kamst du auf diese Idee?

Michael Friedrich: Ja, genau, das war noch in meiner Zeit im Karls Brauhaus, in meiner letzten Gasthausbrauerei, da hatte mich irgendwann mal ein Vertreter angesprochen, also hier, der hatte mit Reinigungsmittel zu tun, Mensch, hier gibt es Biersommelier. Ich so, was, Biersommelier? Das war dann, ich glaube, 2013. Ich sage: „Mensch, okay, da muss ich mich jetzt mal drum kümmern, das klingt spannend.“ Weil ich ja schon immer viel mit Aromen zu tun hatte, egal ob das jetzt in der Zeit als Betriebskontrolleur war, aber auch bei mir beim Bier verkosten, da guckt man immer so auf die feinen Noten. Und da habe ich gesagt: „Okay, das wäre was für dich, das könntest du machen.“ Habe ich dann irgendwann mal, ging es dann erst 2014, weil alles schon voll war, ging es dann 2014 erst mit dem Biersommelier. Und dann hatte ich die Ausbildung auch schon absolviert und habe dann auch schon gleich auch Veranstaltungen gemacht, also Bier-Testings. Und dann, ein paar Jahre später habe ich mir überlegt, Mensch, du kannst doch auch mal zu so einer Deutschen Meisterschaft gehen. Und dann, meine erste Deutsche Meisterschaft, an der ich teilgenommen habe, ich weiß es gar nicht mehr, welches Jahr das war, aber es war erst mal Erfahrung sammeln, ich wusste ja gar nicht, was passiert. Hatte allerdings auch den Nachteil, ich war leicht erkältet und da hat man dann wirklich auch gar keine Chance. Also wenn man wirklich ein bisschen erkältet ist, dann kann man es eigentlich auch ganz sein lassen. Ich habe trotzdem mitgemacht, weil, ich wollte eigentlich das Grundprinzip erst mal erkennen, was geht da überhaupt ab. Und da habe ich, wie gesagt, überhaupt keinen Platz belegt. Und beim nächsten Mal habe ich gedacht, okay, jetzt gibst du mal richtig Gas! Und da bin ich ja dann ins Finale mit gekommen und stand dann in Nürnberg mit auf der Bühne, habe dann, ich glaube, den vierten Platz gemacht, ja, also da war ich auch noch nicht so weit vorne. Aber, wie gesagt, ich habe ja viel gelernt und vor allen Dingen, was ich gelernt habe, war eben dann mehr oder weniger die Rhetorik. Ja, damit hatte ich mich ja zuvor gar nicht befasst, ich habe immer nur auf das Technische geschaut, auf die Erkennung von Bierstilen, auf die Erkennung von Fehlaromen und so weiter, immer mehr oder weniger diese Aspekte. Aber die reine Rhetorik, das habe ich dann konsequent geübt bei mir, bei meinen Testings. Auch von der Sprachgeschwindigkeit, weil ich meistens eher zu schnell gesprochen habe, um ganz viel Information in einer kurzen Zeit unterzubringen. Und dann habe ich mir Zeit gelassen, habe Pausen gesetzt und die Stimme laut, leise und so weiter und das hat gut funktioniert. Und, ja und dann hat es eben dann irgendwann Mal gereicht und dann war ich dritter bei der Weltmeisterschaft.

Markus: Ja, also krasse Geschichte, ne, das muss man schon sagen. Und ich meine, auch für die Hörer, die sich da, vielleicht nicht so auskennen, es ist ja auch nicht so, dass es nur einen Biersommelier gibt, sondern das sind ungefähr 1.000 gewesen, glaube ich, zu dem Zeitpunkt, wo du da bei der WM dritter geworden bist. Und jetzt sind es, glaube ich, mittlerweile schon 1.500. Es gibt allein in Deutschland drei Institutionen, die Biersommeliers ausbilden, also ein riesen Ding mittlerweile geworden. Und da dann entsprechend abzuschneiden, da muss man schon wirklich sagen, Hut ab, auf jeden Fall! Und habe mich damals auch sehr für dich gefreut, ich habe das ja damals auch mitbekommen in unv. #00:46:44-1# und das ist ja schon, also ich habe auch mal eine Zeitlang die, in Anführungsstrichen, Nationalmannschaft trainiert. Das war, glaube ich, 2015, 16, 17, irgendwie so in dem Dreh, und haben wir auch sehr viel vorbereitet, gerade mit der Rhetorik. Und das stimmt schon, das ist halt bei den Biersommeliers immer so, jeder kann halt das, was er mitbringt. Und der eine macht die Ausbildung und ist zum Beispiel, wie du, schon Brauer und kennt sich eben super gut aus, was die Produktion angeht, was die Bierstile angeht und all das und hat dann eben seine Schwächen an anderer Stellen. Und andere, die kommen jetzt wirklich zum Beispiel aus dem Journalismus und haben erst mal keine Ahnung vom Bierbrauen und dann hat man eben da große Defizit, die man erst nach und nach so ein bisschen aufholen muss. Und das ist es eigentlich, was es auch so spannend macht, weil, am Ende ist es doch eine Gemeinschaft von lauter lieben Leuten, die sich alle gegenseitig auch helfen und unterstützen. Und das ist auch was, was ich sehr schätze! Also ich hoffe mal, du hast das auch so erlebt, das, egal wo man so hinkommt, wenn da irgendeiner ist, der auch Biersommelier oder Biersommeliär ist, dann ist man füreinander da und geht mal ein Bier miteinander trinken und stellt Sachen vor und öffnet Türen. Das ist doch einfach eine schöne Geschichte, oder?

Michael Friedrich: Ja, das ist eine schöne Community. Also das macht unglaublich viel Spaß, man lernt verschiedene Charaktere kennen und auch Sichtweisen. Also es ist wirklich extrem spannend, also wirklich extrem spannend! Und es ist ja nie Ende der Fahnenstange, es tut sich ja immer was, es gibt immer wieder neue Bierstile, neue Art, Bier zu verkosten und so weiter, also es ist ja kein Stillstand drin und deswegen bleibt auch Bier nach wie vor interessant. Es wird auch in einer Million Jahren noch interessant bleiben, wenn es denn so hoffentlich wird. Also wie gesagt, ich lerne ja auch jeden Tag dazu, jeden Tag lerne ich immer was dazu. Und man muss dann, grade auch als Biersommelier oder als Brauer, Braumeister, natürlich trotzdem immer kritisch sein, auch selbstkritisch sein und auch mal Kritik zulassen, sich mal was von jemand anderes anhören oder hier sagt: „Mensch, guck dir das mal an, wie ich das mache und sage mal deine ehrliche Meinung.“ Und nur so kann man dann wirklich konkret nach vorne kommen. Ja, also wenn man jetzt von vielen Leuten so beweihräuchert wird, das ist dann immer schwierig, dann nach vorne zu kommen. Also ich freue mich immer über eine gut angebrachte Kritik, die auch fundiert ist, wo man dann sagen kann: „Okay, hier kann man jetzt an sich noch feilen, arbeiten, um das noch besser zu machen.“ Und das ist ja auch zum Vorteil der anderen, also man bringt ja letztendlich das Bier nach vorne. Ja, also den Gedanken, wir haben hier ein tolles Getränk, wir haben ja eine tolle Braukunst und warum soll ich das verbergen und warum sollen wir uns hier irgendwo verstecken mit unseren schönen Sachen. Wir sollen das den Leuten ja auch schön präsentieren und schmackhaft machen, ja. Und das Ergebnis sehe ich dann immer bei den Testings, wenn die Leute dann rausgehen und sagen: „Ach, weißt du was, ich nehme noch das, das, das, das, das Bier mit, ich kaufe noch Bier.“ Ja, das ist dann auch eine Bestätigung, dass es funktioniert und dass es den Leuten einfach auch Spaß macht.

Markus: Ja und das ist jetzt quasi auch eine Steilvorlage für mich, das nächste Bier aufzumachen, das mache ich jetzt nämlich auch mal. Und zwar, da steht hier Bali Barrique drauf und Oak Aged 2020, limitierte Abfüllung, 1.050 Flaschen. Okay, also ich mache mal auf. So! Aha, also das ist ein bisschen heller als das von eben, also, ja, würde ich sagen, so nussbraun, dunkle Haselnuss vielleicht. Es ist, ja, opal, also man kann zumindest einen Schimmer noch durchsehen. Es hat einen richtig intensiven Rotstich, das hat man schon beim Einschenken gesehen, also sehr schön rötlich. Dann hat man oben auch einen schönen, ja, so nussbraunen Schaum, der schön steht auch. Jetzt rieche ich mal hier rein. Ah, ja, das ist jetzt ein sehr komplexes Aroma, also da spielen ganz viele verschiedene Sachen mit. Also einerseits auf jeden Fall Röstaromen, Schokolade, Kaffee, Cappuccino, sowas. Aber dann sind so Gewürze, kräutige Aromen dabei und Früchte, rote Früchte, so eine Süßkirsche, so eine Schwarzwälder süße Kirsche, würde ich sagen. Dann auch wieder so eine weinige Note. Interessant, also ein bisschen ähnlich wie das andere, aber das geht jetzt eher in so einen Weinrot, wenn ich mir so einen spanischen Rioja vorstelle, was richtig Schweres. Und auch da wieder so ein bisschen Gewürztöne auf jeden Fall mit dabei. Ein bisschen Karamell, ein bisschen Vanille. Jetzt probiere ich mal einen Schluck. Hm, also ein ganz schönes Mundgefühl schon mal. Das begeistert mich total, ganz weich, ganz cremig, ganz rund und es hat ja fast zehn Prozent, ist aber dafür ganz geschmeidig. Auch von der Säure her, sehr angenehm, sehr ausgewogen, nicht zu viel. Und hinten raus eine schöne nette Bitternote, die einfach, ja, kurz da ist, aber sich dann wieder verabschiedet, dann kommt auch der Alkohol so ein bisschen durch. Und, also am Anfang des Trunkes ist es auch nochmal sehr so eine Kirsche-, Johannisbeernote, geht dann kurz in die Schokolade, in den Kaffee und dann klingt es eben so aus. Also ein spannendes Bier, auf jeden Fall, ein tolles holzfassgereiftes Bier. Und ich muss auch sagen, was da ja immer das Thema ist, auch in den Wettbewerben, es muss beides sein, also man muss man das Holzfass gut erkennen, aber man muss eben auch das Bier noch gut erkennen. Und oft ist es ja so, dass man praktisch nur noch Holzfass schmeckt und das ist ja dann eigentlich ein bisschen schade und verfehlt dann auch so ein bisschen den Sinn. Und hier ist das richtig schön gemacht! Also toll, auch hier, Glückwunsch! Ich hätte dir jetzt gerne ein bisschen Feedback gegeben, ein bisschen Kritik, aber mir fällt grad nix ein, vielleicht kommt noch was. Was versteckt sich denn dahinter, von deiner Seite?

Michael Friedrich: Ja, also das ist eigentlich ein traditionell gebrauter Bräuwein und bis Dato habe ich oder, ich probiere ja auch immer wieder alles Mögliche aus, Bali-Wein lasse ich ja bei mir zum Beispiel auf Eichenholz reifen, also auf letztendlich Chips. Also, ich sage mal, so ein Fass ist mir einfach zu teuer, muss ich ehrlich zugeben. Und da nehme ich halt praktisch die, gibt es ja handelsübliche Chips, jetzt Eichenholzchips. Die legt man dann im Lagertank vor und holt dort noch die Aromen raus. Und wie gesagt, ganz normales Whiskyholz … ja, ich will jetzt keinen Namen nennen, ja, es gibt ja einschlägige Anbieter für solche Produkte. Und dann reift der wirklich relativ lange, also normalerweise der Bali-Wein und hier habe ich mir überlegt, ich fülle das jetzt einfach mal in ein Rotweinfass, eine Erstbelegung. Also ein schönes kräftiges, ich glaube, das war sogar spanisch. Wir haben ja hier in der Nähe einen sehr guten Händler, der die Fässer wirklich sehr preiswert verkauft. Und dort habe ich diesen Bali-Wein dort rein gefüllt, habe den ungefähr, ich sage mal, drei, maximal vier Monate drinne gelassen und dann in Flaschen gefüllt, vorneweg nochmal eine kleine Speise gegeben, also ein bisschen nochmal Extrakt wegen der Flaschengärung. Und, ja, dann habe ich das einfach auch wieder sich selbstüberlassen und war dann über den Geschmack wirklich, war ich sehr begeistert. Also ich war sehr begeistert, eben diese Kirschnoten, diese schwarze Johannisbeere, also die sind wirklich, die sind ja sehr dominant für mich, also in der Nase. Also wirklich, die riecht man, die schmeckt man und dann hat man eben diese filigranen Töne im Hintergrund und die sind so vielschichtig. Und das Interessante bei dem Bier ist, wenn man das kalt anfängt zu trinken und dann mit der Zeit, ruhig wirklich Zeit lassen und dann, wenn das immer wärmer wird, dann entdeckt man wieder ganz neue Aromen, die man vorher gar nicht geschmeckt hat. Also wirklich, das ist ein Bier, da kann man an so einer kleiner Flasche, eine 0,33-Flasche ist das, da kann man durchaus zwei Stunden ganz in Ruhe vor sich hin sinnieren und immer mal einen kleinen Schluck nehmen und mit jedem Schluck schmeckt das wieder ein My anders.

Markus: Ja, also kann ich jetzt allein schon in den letzten fünf Minuten bestätigen, es entwickelt sich wirklich ganz, ganz toll und entwickelt immer mehr von diesen fruchtigen Aromen. Also das ist wirklich sehr schön und würde man ja so von einem Bier normalerweise gar nicht erwarten. Das ist dir auch wieder gut gelungen, muss man sagen. Ja, wir biegen so langsam auf die Zielgerade ein, aber vielleicht magst du dir für den Abschluss noch ein Bierchen aufmachen?

Michael Friedrich: Ja, also ich habe jetzt die Auswahl, ich hätte ja sonst gesagt, ich mache mir jetzt mal einen dunklen Bock auf, aber, ich entscheide mich jetzt auch für ein Weizen. Ich bin ja eigentlich immer der Fan von den ganz, ganz leichten Bieren, muss ich ehrlich zugeben. Also bei mir kommt es jetzt nicht immer auf den Alkohol drauf an. Den finde ich manchmal sogar eher hinderlich. Wenn man gerne Bier trinkt, ist er irgendwann mal sehr störend, deswegen habe ich mich mit der Zeit so auf sehr, sehr leichte Biere verlegt, mit aber viel Geschmack. Hier habe ich jetzt allerdings ein Weizenbier, ein Food Garden, nennt sich das, ist also ein kaltgehopftes Weizen, ein klassisches helles Weizen mit einem amerikanischen Hopfen. Ich lege mich da nie fest, am Anfang habe ich hier mich festgelegt, dass ich nur Citra rein gegeben habe zum Stopfen, jetzt mittlerweile probiere ich jetzt. Das ist ja Wahnsinn, was es immer wieder an neuen Hopfensorten gibt und deswegen probiere ich immer was aus. Und jetzt müsste ich mal überlegen, was ich hier gegeben habe, ich glaube, es könnte neuseeländischer Wai-iti oder so, ja, glaube ich. Ja, also ich habe die Namen jetzt nicht alle im Kopf. Auf jeden Fall hat er eine sehr schöne Citruskomponente, also sehr frische Note, der Hopfen hat wenig Alphasäure und hat aber viel Hopfenöl. Das ist ja das, was ich hier erreichen möchte, ich möchte dieses Bier also wirklich hier mit dem Hopfen im Geschmack sehr frisch gestalten. Das ist an und für sich ein schönes Sommerbier, wird aber von mir persönlich sehr gerne mal zwischendrinne getrunken, weil es einem wirklich die Zunge auch ein bisschen schön frisch macht und Spaß macht. Ja, jetzt habe ich es mir eingeschenkt, es ist für ein Weizenbier relativ klar. Ich habe die Flasche jetzt mal nicht unbedingt geschüttelt hier, weil ich grade am Schreibtisch sitze und da kann es durchaus mal zu Überraschungen kommen. Der Schaum ist, ja, feinporig, ist jetzt ein nicht ganz so extrem ausgebauter Schaum. Also die Karbonisierung ist jetzt nicht so extrem ausgebaut, man könnte es theoretisch aus der Flasche trinken. Aber von der Farbe her hat es eine schöne, sehr kräftig goldgelbe Farbe, also sehr einladend. Der Geruch ist ja wirklich schön, also Limette, Limette hier, Litschi, Limette, also die stehen hier sehr deutlich im Vordergrund. Und von den klassischen Weizenbieraromen, also ganz subtil im Hintergrund ein bisschen Banane, aber wirklich, die versteckt sich wirklich hinter diesen sehr dominanten Früchten, also schon erst mal Frische in der Nase. Jetzt nehme ich mal einen schönen Schluck.

Markus: Prost!

Michael Friedrich: Ja, hat trotzdem eine schöne Vollmundigkeit, sehr angenehm. Sehr, sehr angenehm! Und ist nicht bitter, muss man dazu sagen, also den Hopfen merkt man schon, aber eben überhaupt nicht aufdringlich, der Hopfen, eher so ein Hauch, der über die Zunge geht, der in die Nase steigt. Also diese Litschi und, ja, ist auch ein bisschen Mango mit dabei, also sehr erfrischendes Bier. Kann man auch gerne mal eine Mango dazu essen, einfach so portioniert. Einen leichten Käse, also ich würde da hier vielleicht hier so einen ganz leichten Ziegenfrischkäse dazu empfehlen, ja oder einen ganz, ganz sanft geräucherten Fisch. Ja, also das, wunderbare Kombination hier. Also, ja, ich ärgere mich jetzt, dass ich kein Essen hier habe.

Markus: Ja, siehst du, da haben wir was gemeinsam. Nein, wunderbar. Ja, wir waren ja jetzt im letzten Jahr angekommen da, wo du ja dann die Deutsche Meisterschaft gewonnen hast. Und das war auch ein großer Punkt und da würde mich auch nochmal interessieren, wie hast du das so erlebt und was passiert so danach?

Michael Friedrich: Ja, wie habe ich das erlebt? Also die Deutsche Meisterschaft ist ja mehrfach verschoben worden, ja, das war immer so eine Zitterpartie, wann können wir sie denn machen, wann können wir sie denn machen? Und ich habe auch wirklich immer vorneweg richtig, richtig geübt und trainiert und gemacht und getan. Dann kam Corona dazwischen, dann konnten wir keine Veranstaltung machen. Also auch eine relativ lange Trainingspause letztendlich, ich trainiere ja immer gerne mit Kunden, hier mit Gästen und das war eben leider nicht gegeben. Und so habe ich eben erst mal meine Sensorik ein bisschen persönlich trainiert und auch ein bisschen das Geschichtswissen. Also auch Brauereien gebüffelt praktisch, ein bisschen Grundwissen von der ein oder anderen Brauerei, die es so weltweit gibt. Das ist ja auch wichtig, wenn man bei so einer Meisterschaft antritt, dass man da seine Schubladen ordentlich füllt mit Wissen, und habe nochmal ein bisschen ein Coaching gemacht mit einem, ja, einem Stadionsprecher. Das war sehr, sehr interessant, weil die Stadionsprecher, die haben da eine ganz andere Art zu reden. Also so einfach mal so einen Running Gag mit reinzubringen und das auch wieder üben, das man sowas in der Schublade hat, einfach so einen Running Gag in der Schublade. Und wenn es dann passt mit der Biersorte, die man bekommt, ja, dann kann man den bringen und das bleibt auch im Gehirn haften von den, ich sage mal, Kampfrichtern letztendlich, so dem entsprechenden Kollegium, was die Leistung bewerten, ja, also solche Sachen, ne. Letztendlich war es dann soweit, die Deutsche Meisterschaft unter Corona-Bedingungen, ja. Und ich bin eigentlich relativ entspannt an die Sache rangegangen. Also das ich jetzt den ersten Platz unbedingt machen wollte, war eben gar nicht so. Das war vielleicht ganz gut, da ist man wirklich ganz, ganz, ganz entspannt rangegangen. Ich hatte aber auch überhaupt kein Lampenfieber, muss ich ehrlich sagen, das habe ich im Laufe der Zeit verlernt, Lampenfieber. Ich muss dazu sagen, ich habe ja früher sehr viel, also noch vor meiner Selbstständigkeit war ich Tänzer und habe sehr viel vor Leuten getanzt, also richtig vor vielen Leuten getanzt, und da hat man dann auch kein Lampenfieber, wenn man dann vor ein paar 1.000 Leuten auftritt. Und deswegen habe ich dann auf der Bühne auch kein Lampenfieber. Ganz im Gegenteil, ich versuche dann immer die Bühne wirklich zu rocken, also als sogenannte Rampensau und dort einfach, ja, wie wir jetzt zusammen hier, so rede ich dann auch auf der Bühne, also ganz normal, ohne zu stocken, und als ob das alles meine Kumpels sind, die da vor mir sitzen, so muss man dann auch rangehen. Und letztendlich hat das Konzept, ja, funktioniert. Ich hatte auch Glück natürlich mit der Zulosung. Im Halbfinale hatte ich das Aventinus, den Doppelbock, denn, der lässt sich ja sehr leicht erkennen im Geschmack. Und habe dann auch tatsächlich auf der Bühne auch den Namen gesagt, dass es eben ein Aventinus ist von Schneider, Kehlheim. Und dann im Finale, da bekommt man ja das Bier zugelost und da hatte ich auch wieder etwas Glück mit dem Eisbock der Kulmbacher Brauerei. War dadurch, dass ich ja auch in Kulmbach gearbeitet habe, konnte ich natürlich auch ganz, ganz viel aus meinen Schubladen raus kramen und noch ein bisschen was dem Nähkästchen plaudern. Also das hat dann auch die Jury überzeugt, dass es eben ein schöner Vortrag war, das Bier war schön beschrieben, also war überzeugend. Und wie gesagt, hätte ich vielleicht ein anderes Bier bekommen, hätte es auch anders ausgehen können, muss man dazu sagen, also man muss auch immer mal ein bisschen Glück haben. Aber bis man erst mal ins Finale kommt, da muss man auch mit Leistung überzeugen, also sensorischer Leistung überzeugen und Kenntnisse vom Bier haben. Das ist aber auch wichtig zu wissen, also man landet nicht einfach im Finale, wenn man sich mit Bierstilen da auskennt oder mit Aromen da auskennt. Also wenn man ins Finale kommt, dann gehört eine Portion Glück dazu, dass man ein schönes Bier zugelost bekommt. Hätte ich jetzt ein Bier bekommen, wo ich gar nichts gewusst hätte, dann hätte das auch ganz anders ausgehen können.

Markus: Ja, aber in gewisser Weise ist ja das Glück dann auch mit den Tüchtigen. Und trotzdem muss man sagen, der Kulmbacher Eisbock ist ja als Bier gar nicht so ohne, weil er ja kein klassischer Eisbock ist, trotzdem ein richtig toller Doppelbock. Also ein Bier, was ich auch sehr gerne mag, was aber, glaube ich, die Leute jetzt außerhalb des näheren Umkreises von Kulmbach wahrscheinlich gar nicht kennen, weil es ja gar nicht so groß vertrieben wird. Also das finde ich schon spannend und dann ist es auch aller Ehren, dass du dann mit diesem Bier auch entsprechend abgeräumt hast. Ja, wie ging es denn dann weiter? Also im Fernsehen hat man dann ja immer, das sieht man jemand gewinnen und dann regnet es Konfetti von oben und dann passiert ganz viel, und du bringst eine CD raus und bist dann weltberühmt. Aber wie muss man sich das vorstellen?

Michael Friedrich: Ja, natürlich haben dann ganz, ganz viele Medien Schlange gestanden, also erst mal unglaublich viel Gratulation. Also, wie gesagt, ich habe mich dann versucht, 1.000-mal zu bedanken. Also vielleicht ist es hier nochmal, durch diesen Kanal, nochmal ganz, ganz vielen Dank an alle, alle, alle, die mir gratuliert haben und auch alle, die mir den Daumen gedrückt haben. Also, wie gesagt, war eine tolle Sache! Und, ja, also auch wirklich, ich muss großes Lob auch an die Presse, Presseabteilung, den Michael Busemann, der Clemens, der hat das ganz toll gemacht, dass da wirklich hier diese Presseinfo sofort raus geballert, ja. Ich sage mal, eine halbe Stunden später wusste das schon ganz Deutschland, dass ich Deutscher Meister bin, ja, das war wirklich sensationell. Und dann natürlich einen Tag später, dann ging das früh los, Telefon hier, wir hätten gern ein Interview hier und der MDR, also Mitteldeutsche Rundfunk, also MDR-Fernsehen war da und Radio Chemnitz und so weiter, also ist ja alles regional und war unglaublich toll, also es hat Spaß gemacht. Und dann kamen natürlich auch ganz, ganz viele Kunden, die aus Chemnitz kommen und die mich noch gar nicht kannten, da sagten: „Wir haben das gelesen in der Zeitung und wir möchten gern mal Ihr Bier probieren und so weiter.“ Also das hat schon einen guten Umsatz gebracht auch und der Bekanntheitsgrad gestiegen. Also ich bin da echt dankbar, also wirklich, eine ganz, ganz schöne Sache! Ja, jetzt bin ich allerdings, muss ich dazu sagen, ich bin jetzt hier kein so klassischer Blogger, ja, also der jetzt permanent im Internet ist. Dadurch, dass ich natürlich in meiner Brauerei, dass ich die alleine betreibe, bin ich den ganzen Tag wirklich am Bier brauen, das ist wirklich so und dann bleiben immer am Tag so ein paar Minuten, um mal was loszuwerden, ja, im großen weiten Netz. Und das muss ich allerdings, selbstkritisch gesehen, nochmal ein bisschen verbessern, dass man als Deutscher Meister da noch ein bisschen mehr machen muss, um vielleicht nochmal ein Statement da abzugeben. Aber, wie gesagt, letztendlich bin ich ich, ja, ich bin halt der Brauer, Braumeister und freue mich natürlich über den Titel des Deutschen Meisters. Und hoffe auch, dass ich bei der Weltmeisterschaft, die ja im September in München ist, dann auch einen sehr guten Platz belegen werde.

Markus: Ja, also da drücken wir dir natürlich alle ganz fest die Daumen. Und ich muss auch sagen, ich finde das persönlich auch ganz, ganz klasse, weil, also das Ganze hat ja angefangen mit diesen Deutschen Meisterschaften 2013, damals war das noch der Vorentscheid für die Weltmeisterschaft und das haben wir damals ausgerichtet hier bei uns, von der Deutschen BierAkademie in Hallerndorf. Und da kamen wir dann auf die Idee, wenn wir einen deutschen Vorentscheid machen, dann könnten wir das doch auch Deutsche Meisterschaft nennen. Und da war dann damals der Dominik Maldo da, hat das damals gewonnen und war dann auch tatsächlich zum ersten Mal, dass die Presse das wirklich so aufgenommen hat und einen Deutschen Meister der Biersommeliers als etwas Berichtenswertes empfunden hat. Und das fand ich damals auch schon spannend, der war dann auch am nächsten oder übernächsten Tag, war er auf der Titelseite von der Bild-Zeitung und das ist wirklich toll. Und da, muss ich sagen, sieht man eben auch, wie sich das weiterentwickelt hat und wie das mittlerweile eben eine feste Institution ist und wie natürlich auch der Wettbewerb sich ganz anders vergrößert hat. Also damals waren das insgesamt vielleicht so 40, 50 Teilnehmer oder so, maximal und das ist jetzt natürlich alles ein bisschen anders. Also, total spannend, total klasse und freut mich auch, dass es dir natürlich entsprechend hilft und geholfen hat. Vielleicht zum Abschluss noch die Frage, hast du besondere Pläne jetzt für dieses Jahr, besondere Biere oder machst du eine besondere Vorbereitung für die WM oder wie sieht es da bei dir aus?

Michael Friedrich: Ja, also ich habe natürlich jetzt dadurch, dass sich die Lage wieder etwas entspannt hat und die Veranstalter ja schon mit den Hufen scharren, habe ich mich jetzt für relativ viele Veranstaltungen schon angemeldet, also verschiedene Bierveranstaltungen jetzt mit Ausschank und so weiter. Und das ist für mich ja immer auch Trainingseinheit letztendlich, vor Kunden, vor Publikum, dort zu agieren. Und, ja, ansonsten natürlich wieder neue Bierstile zu brauen und mich dann im Sommer oder wenn ich mal etwas eine Muse habe, mich noch mehr mit dem Thema Brauereien weltweit befassen, Bierstile, grade in Richtung Belgien nochmal mehr zu vertiefen. Grade in Hinsicht auf die Weltmeisterschaft, dass man da noch einige Wissenslücken nochmal schließt. Und, ja oder englische Biere vor allen Dingen, ja, die werden ja meistens ein bisschen stiefmütterlich betrachtet, der englische Bierstil teilweise, klassische englische Bierstile. Ja und hier nochmal ein bisschen nachlegen. Also kein Stillstand, also sowohl beim Bierbrauen bei mir, also ganz viele neue Ideen, Sorten, als auch beim Biersommelier, bei der Weiterentwicklung. Vielleicht noch den ein oder anderen Kurs belegen, muss ich mal schauen, ob ich Zeit habe. Das ist immer ein Faktor bei mir, der extrem dünn ist, der Faktor Zeit. Und, ja, das ist aber wahrscheinlich bei vielen so.

Markus: Ja und immerhin, also dein Motto, muss ich sagen, nie stillstehen, immer weiter, das ist auf jeden Fall gut und bringt, also bewegt mich auch letzten Endes und das finde ich auch so spannend. Ich danke dir ganz, ganz herzlich für dieses tolle Gespräch, diesen, ja, Rundumschlag durch deine Geschichte. Und das finde ich auch insgesamt einfach eine ganz, ganz spannende Sache, wie man eben mit 14 Jahren schon über das Thema Bier stolpert und dann da ja wirklich eine ganz, ganz spannende, ja, Karriere oder einen tollen Lebenslauf einfach hinlegt, der allen Freude macht. Und dementsprechend möchte ich auch alle Hörer einladen, also wenn ihr irgendwie könnt, fahrt nach Chemnitz, schaut euch das an, besucht den Micha, es lohnt sich in jeder Hinsicht, also sowohl menschlich als auch bierlich und genießt die tollen Biere. Also und dir alles Gute, ich drücke ganz fest die Daumen auch für die WM natürlich. Und wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja vorher in Belgien oder England oder sonst irgendwo, würde mich freuen.

Michael Friedrich: Das würde mich freuen, oder in Bamberg, oder in Bamberg.

Markus: Oder in Bamberg, du bist natürlich wie immer ganz herzlich willkommen.

Michael Friedrich: Ja, ich bin gerne in Bamberg, ja, ist eine sehr schöne Stadt.

Markus: Okay, na dann, bis dahin, auf jeden Fall noch einen wunderschönen Abend heute dir.

Michael Friedrich: Danke, dir auch, danke.

 

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