BierTalk 77 – Interview mit Helmut Knöpfle, Whisky-Experte, Markenbotschafter und Keeper of the Quaich aus Hausham

Für die 77. Folge, also eine echte Schnapszahl, haben wir uns einen wahren Spirituosenkenner eingeladen, Helmut Knöpfle. Der bekennende Whisky-Fan startete vor über 30 Jahren bei Coca Cola in die Welt der Getränke, fand aber dann in Tennessee seine wahre Bestimmung. Weitere Stationen führten ihn rund um die Welt und in über 4.000 Whiskyverkostungen und -seminare, die er leitete. Seit Januar 2022 ist Helmut nun in Oberbayern heimisch geworden, wo er für die Destillerie Lantenhammer neue Strategien entwickelt. Im Podcast erzählt er über seine bewegte und teils auch beschwipste Geschichte und berichtet, was einen Whisky-Fachmann wie ihn auch heute noch antreibt, ständig auf der Suche nach neuen Entdeckungen und Informationen zu sein…

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Markus: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts BierTalk. Heute Nummer 77 und weil es eine Schnapszahl ist, haben wir gedacht, wir gehen vielleicht auch mal ein bisschen weg vom Bier und ein bisschen hin zum Schnaps beziehungsweise zum Whisky und haben uns dafür einen ganz besonderen Gast eingeladen, nämlich den Helmut Knöpfle, der seines Zeichens Whisky-Botschafter, Whisky-Experte, Whisky-Fachmann ist, auch diverse Titel hat. Das werden wir alles noch besprechen, aber, Helmut, vielleicht stellst du dich einfach mal ganz kurz unseren Hörern selber vor.

Helmut Knöpfle: Wie du schon gesagt hast, Helmut Knöpfle, ich bin seit 1994 in der Getränke- und Spirituosenindustrie tätig und habe diesen Job als Markenbotschafter fast ausschließlich gemacht, die letzten Jahre. War eigentlich ständig unterwegs bei den Endverbrauchern, bei Kunden, bei Auszubildenden und bin immer noch, nach mittlerweile knapp 30 Jahren im Geschäft und habe die Freude bisher noch nicht verloren, mit Leuten über Whisky, über Spirituosen, über den Genussmoment zu sprechen.

Markus: Ja und das ist ja auch was, was uns beide so ein bisschen vereint, also ich sowohl auf der Bier- als auch auf der Spirituosenschiene, du mit dem Schwerpunkt der Spirituose. Aber da vielleicht noch so als Frage, du bist ja bestimmt nicht aus dem Muttermund gefallen und hattest sofort die Whisky-Flasche in der Hand, also wie kam denn dieser Übergang, dass du dich für das Thema überhaupt interessiert hast, wie kommt man da als junger Mensch darein?

Helmut Knöpfle: Ja, das ist eine, ja, eine lange Geschichte, wenn man so möchte, die reicht zurück bis ins Jahr 1994. Ich habe nicht in der Spirituosenindustrie gestartet, sondern bei einem alkoholfreien Getränkehersteller, nämlich bei Coca Cola. Und, ja, Coca Cola, der Hauptsitz liegt in Atlanta und da war ich auch das ein oder andere Mal. Und an einem verlängerten Wochenende wollte ich eben auch die Umgebung kennenlernen und so führte mich der Weg, ja, Richtung Tennessee, Richtung Kentucky und kleben blieben oder klebengeblieben bin ich da bei einer sehr bekannten Marke aus dem US-Bundesstaat Tennessee, nämlich Jack Daniels. Und so war mein Weg eigentlich gezeichnet, dass ich irgendwann Mal Coca Cola verlassen werde und, ja, mich Richtung Hochprozentig orientiere und meinen nächsten beruflichen Weg im Jahr 1998/99 beschreite mit dem, wie gesagt, Hochprozentigen im Hause Jack Daniels, Tennessee Whisky.

Markus: Und wie muss ich mir das vorstellen, also heißt das, du sitzt dann da und trinkst jeden Tag Whiskey oder du reist durch die Gegend und trinkst mit anderen Leuten Whisky oder was ist da so der genaue Job sozusagen?

Helmut Knöpfle: Der Job als Ambasador wird natürlich vielfach von Leuten, die Seminare abends besuchen, die sagen natürlich: „Wow, hast du einen coolen Job, du bist die ganze Zeit unterwegs und kannst Whisky trinken von früh bis spät und so weiter.“ So ist es eigentlich überhaupt nicht! Weil, ein Seminar zu halten, darf natürlich nicht unter Einfluss des Alkohols stattfinden, sondern als Brand Ambasador, als Markenbotschafter. Wenn man ein Seminar leitet oder ein Seminar durchführt oder eine Verkostung, ist man immer der Erste, der da ist, der die Location vorbereitet, aufbaut, den Beamer einrichtet beispielsweise, eine Leinwand aufstellt, alles verkabelt, die Kabel am Boden festklebt und so weiter, die Gläser aufstellt, die Testingsets und so weiter, alles soweit vorbereitet. Es ist ja, wir sind ja die Markenbotschafter hier in Deutschland oder weltweit, wir sind ja mehr oder weniger eine Ein-Mann-Show. Wir bereiten die Bühne vor, wir tanzen oder singen oder sprechen auf der Bühne und hinterher wird alles wieder aufgeräumt, saubergemacht, eingepackt und dann zum Nächsten gefahren. Das heißt also, ich bin spätestens gegen 16, 17 Uhr beim Kunden oder in der Veranstaltungsstätte, bereite alles vor, habe dann ab 19 Uhr für zwei, drei, vier, teilweise fünf Stunden den Vortrag über die verschiedenen Whiskys, die Herstellung, also die gesamte Entstehungsgeschichte, auch die gesetzlichen Hintergründe, natürlich auch die Verkostung. Und das kann dann durchaus mal, durchaus, ja, um die vier, fünf Stunden dauern. Und gegen ein Uhr morgens oder halb zwei Uhr morgens ist man dann fertig und begibt sich dann zurück ins Hotel, fällt ins Bett, schläft sofort. Und am nächsten Tag gegen acht ist man wieder auf der Straße und fährt dann zum Nächsten. Also es ist nicht so, dass man davon ausgehen kann, dass man jetzt nur die ganze Zeit Party macht, sondern die Zuhörer, die ja auch Geld bezahlen, 59 Euro, 119 Euro, je nach Qualitäten, die verkostet werden, die möchten auch natürlich den größtmöglichsten Nutzen und den größtmöglichsten Spaßfaktor natürlich für ihr Teilnahmegebühr haben. Und auch viel wissen und Geschichten und natürlich auch so ein paar humorvolle Geschichten hören, die es zu erfahren gibt innerhalb der Geschichten, die man eben zu erzählen hat.

Markus: ja, jetzt hast du mich so ein bisschen auch in eine kleine Zeitreise geschickt, muss ich sagen. Weil, wenn man mich so vor zweieinhalb Jahren gefragt hätte, wie das mit den Bierverkostungen ist, dann hätte ich das genauso erzählt. Also, klar, man fährt dahin, man bereitet es vor, man macht abends das Testing, fällt dann irgendwann im Hotel ins Bett. Und dann kam ja jetzt diese ganze Pandemiesituation. Wie war das denn für dich, hast du da auch dann, wie wir jetzt, das Ganze in Richtung Online umgeswitcht oder wie hat es dann für dich sich verändert?

Helmut Knöpfle: Das war eine nicht einfache Situation, die ganze Pandemiegeschichte, weil, ich bin es ja gewohnt, vor Leuten zu stehen. Man hat vor sich, von mir aus 20, 30, teilweise sogar über 100 Personen, die ich sehen kann, deren Reaktion ich sehen kann. Wo ich sehe, welcher humoristische Ansatz funktioniert, wann kann ich die Leute zum Lachen bringen, wann kann ich sie begeistern, um eben einen möglichst langen Zeitraum die Leute an mich zu binden von der Konzentration her. Weil, man trinkt ja Alkohol zwischendurch und natürlich wird auch der Gesprächsbedarf der Zuhörer irgendwann mal ungehalten, dass man sich seinem Nachbarn mitteilen möchte. Und wenn du drei, vier, fünf Stunden auf der Bühne stehst und erzählst was, das ist schon eine relativ lange Zeit. Also die Kommunikation, auch wenn es nur über die Blicke ist, ist in dem Bereich des Markenbotschafters und der Verkostung sehr, sehr wichtig. So, jetzt schlägt die Pandemie ein, es kann nur noch über den Bildschirm stattfinden. Du siehst teilweise nur die Köpfe, teilweise hast du auch nur einen schwarzen Bildschirm und man weiß nicht, wie ist die Reaktion. Auch wenn die Kostproben natürlich vorher verschickt sind und so weiter, man spricht drüber, ist es sehr, sehr schwierig auch mit der Emotion, die Leute zu begleiten. Und ich habe bei mir festgestellt, die ersten Testings, die ich Online durchgeführt habe, ich war aufgeregter und am Ende verschwitzter, als würde ich vor 100 Leuten eine Verkostung leiten, weil ich gestresster war aus dem Nichtwissen, kommt mein Vortrag, kommen die Worte an, kommen die Informationen an, stimmt die Paarung aus Geschichte, Geschichten und Humor? Weil man eben die Reaktion am Bildschirm nicht so genau sehen kann als in einer Menge, die sich dann auch selbst befeuern und eine gewisse Eigendynamik entwickeln. Also ist es, also für mich war es erheblich schwieriger und schwerer, nur am Bildschirm zu sitzen und über Whisky und über den Genussmoment zu philosophieren, ja, das stimmt.

Markus: Ja, also das ist wirklich eine echte Herausforderung. Mittlerweile, muss ich sagen, komme ich damit ganz gut zurecht. Es ist eben anders, man kann es nicht ganz genau vergleichen, man muss ein bisschen anders damit umgehen. Und manchmal hat man tatsächlich die Situation, die du grade geschildert hast, man hat da nur sechs, sieben schwarze Bildschirme vor sich und das ist dann wirklich nicht schön. Also, vielleicht an der Stelle mal ein Aufruf an alle, die jetzt hier vielleicht zuhören und mal bei Testings teilnehmen, also seit so nett und schaltet eure Kamera an, damit es auch eine wirklich Feedback-Situation gibt. Ja, nun hast du grade von den Geschichten erzählt, die man da erzählt. Also vielleicht, wie viele Testings hast du insgesamt gemacht? Und hast du so eine Lieblingsgeschichte, wo du sagst, die ist echt so ein Knaller, die bringe ich besonders gerne?

Helmut Knöpfle: Ja, es gibt tatsächlich eine Geschichte. Um auf deine erste Frage einzugehen, wie viele Testings habe ich bereits hinter mir, es müssten so an die 4.000 Vorträge mittlerweile sein. Das sind so aufs Jahr runter gebrochen, 120, 150 Vorträge. Also schon daran kann man erkennen, dass ich … natürlich in den Sommermonaten sind es mehr Schulungen an Berufsschulen, in den dunklen Monaten, also von, sagen wir mal, September bis März, April ist es dann eher die Verkostungsveranstaltung, die beginnt um 18, 19 Uhr. Also von dem her ist es schon, ja, auch jahreszeitlich unterschiedlich. So, jetzt bin ich aber so weit im Sprechen drin, dass ich das eine vom anderen vergesse. Du sagtest, die schöne Geschichte, eine schöne Geschichte, ja, die gibt es tatsächlich. Ich war mal mit einem sehr netten, sehr geschätzten Kollegen unterwegs, nämlich Richtung Insel Islay zur Whisky-Brennerei Bowmore. Und das, was ich da erfahren habe, das war also mal richtig lustig. Wir saßen im Flughafen in Glasgow und warteten auf den Flieger nach Islay, also zu dem kleinen Flughafen auf die Insel Islay. So, nach drei, vier Stunden Verspätung, weil eben auf der Insel Islay so ein Sturm getobt hatte oder es so windig war, dass der Flieger nicht landen konnte, wurde also der Flug immer pro Stunde verschoben, verschoben, verschoben. Irgendwann Mal kam der Pilot in den Wartesaal, es waren ja bloß 18 Leute, die da hingeflogen sind und hat gesagt: „So, wir versuchen jetzt mal rüber zufliegen.“ Wir gehen zum Flieger, steigen ein, fliegen los. Der Flug von Glasgow nach Islay dauert ja nur 20, 25 Minuten, da sagt der Pilot: „Wenn es klappt, dann werden wir landen und dort bleiben. Wenn der Wind allerdings so stark ist, dass wir nicht unten bleiben können, nicht landen können, dann starten wir durch und in einer Stunde sind wir wieder zurück in Glasgow.“ So, ist also da schon mal eine verrückte Geschichte einfach, einen Landeanflug zu probieren, ob es geht oder nicht. Und wir sitzen also dann im Flieger, ist schon einige Zeit her, der Kollege, den ich dabei hatte, der hatte in seinem Handgepäck eine 02-Literflasche Glenmorangi, den Zehnjährigen dabei. So, wir sitzen drin, der Pilot sagt: „Bitte fest anschnallen und unbedingt angeschnallt bleiben, es könnte nämlich etwas bumpy, etwas holprig werden bei dem Flug von Glasgow nach Islay.“ Okay, mein Kollege, der auch ein bisschen Flugangst hatte und immer noch hat, nimmt diese 0,2-Liter-Whisky-Flasche aus seinem Handgepäck, zieht die auf einen Satz runter, also auf Ex leert der 0,2 Liter aus, guckt mich mit großen Augen an und sagt: „In meiner Familie machen wir das immer so.“ Und diese Geschichte, die erzähle ich tatsächlich bei vielen, vielen Testings. Weil, es ist tatsächlich so, wenn du Flugangst hast und in einem kleinen Flieger, propellergesteuert, da der ja besser zu steuern ist als eine Turbinenmaschine, grad in so stürmischen, ja, Eigenschaften auf der Insel Islay mit dem Landeanflug, da kann es für den ein oder anderen, der also das Fliegen und Achterbahnfahren vielleicht nicht so gerne mag, durchaus etwas kritisch werden. Und der Whisky hat durchaus geholfen, also der Kollege rechts neben mir am Fenster war richtig entspannt, hat das dann auch genossen. Und ich war ebenfalls froh, dass er also da nicht mit dem Kreislauf Schwierigkeiten bekommen hat oder sonstige Sachen zu beklagen hatte. Und das ist eine der sehr eindrucksvollen Geschichten, die ich, wie gesagt, immer gerne erzähle, wenn es also um die Anreise zur Insel Islay geht.

Markus: Ja und noch dazu eine, die du auch selbst erlebt hast, also das macht die Sache ja auch nochmal authentischer und spannender. Und interessant, dass Whisky da durchaus auch mal so eine Wirkung entfalten kann. Ja, was ich auch noch sehr interessant finde, für uns in der BierAkademie war es ja so, dass wir die Ersten waren, die so mit diesem Thema Foodpairing professionell gearbeitet haben, grade mit Bier und Schokolade, mit Bier und Käse und du warst, glaube ich, der Erste, der das Ganze mit Whisky gemacht hat. Also wie man dann eben grade mit der Spirituose Whisky, die ja schon eine Herausforderung ist durch ihren höheren Alkoholgehalt und dadurch, dass man eben normalerweise nicht 0,2 pro Gang trinken kann und das dann mit einem Diner oder mit einem Menü zu kombinieren. Wie hast du das entwickelt, wie kam das an, wie haben da die Leute reagiert?

Helmut Knöpfle: Das reicht auch einige Jahre zurück, das war ja so die Situation, nur eben ein nacktes Whisky-Testing zu haben ohne Essensbegleitung. Dann gab es zwischendurch schon, hat man mal, ja, Landjäger und so ein Bauernbrot mit dazu gereicht. Aber so im Laufe der Zeit war eben die Idee, wieso kombiniert man nicht Whisky mit einem entsprechenden Menü, so wie es beispielsweise bei einer Weinverkostung oder bei einem Wein-Menü oft schon zelebriert wird und auch durchgeführt wird. So, ob ich jetzt der Allererste war, kann ich nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen. Was ich weiß, dass es zu dem Zeitpunkt, wo ich unterwegs gewesen bin, zum Beispiel im Europäischen Hof in Heidelberg, war das ein absolutes Novum, fünf oder sechs Whiskys aus Schottland, also Single Malt Scotch Whiskys zu präsentieren, in Verbindung mit einem schönen Menü, natürlich abgestimmt auf die Geschmackseindrücke des Whiskys. Und mit einer Gruppe von Leuten, die sich natürlich auch nicht gegenseitig kannten, weil sie sich einfach im Hotel angemeldet hatten, zu einem Whisky-Desgustationsmenü. Und das war, so in den Anfangszeiten war es eben ein komplett, ja, ein Novum könnte man sagen, in dieser Szene, weil es bis zu diesem Zeitpunkt, Anfang der 2000, noch nicht so in der Gänze, wie es heute durchgeführt wird, bekannt gewesen ist. Und da gibt es ja die verschiedensten Abwandlungen. Hat man Meeresfrüchte oder nimmt man Wildgerichte oder nimmt man nur das heimische Rind beispielsweise oder die heimischen Tiere oder nur fokussiert auf, ja, vegetarisch oder vegan, wenn es sein möchte, da sind viele verschiedene Dinge und Möglichkeiten und Speisenabfolgen natürlich möglich. Das auch einen großen Spaß macht für denjenigen, der an einem Diner oder an einer, ja, Diner-Whisky-Verkostung teilnimmt, weil es auch ganz neue Geschmacksvarianten auf der Zunge, auf dem Gaumen hervorbringt und, ja, so eine neue Situation beschreibt. Weil, wenn ich hergehe und, ja, würde sagen, genießt man denn nur einen rauchigen Whisky mit einer rauchigen Zigarre im Nachgang nach einem Diner, dann stelle ich oftmals die Frage, isst du denn gerne Schokoladeneis mit Schokoladensoße oder Vanilleeis mit Vanillesoße? Natürlich eher selten. Man nimmt ja oftmals die gegensätzlichen Produkte, also Vanilleeis und Schokoladensoße oder Vanilleeis und heiße Himbeeren, also immer die gegensätzlichen Dinge, die sich anziehen. Genauso kann man das auch im Whisky-Segment natürlich ansteuern und zelebrieren, dass man nicht einen rauchigen Whisky mit einer rauchigen Zigarre logischerweise, sondern einen rauchige Zigarre mit einem Sherry-lastigen Whisky kombiniert, um eben diese Geschmacksnuancen gegen sich zu pushen und einen größeren Genussmoment zu haben. Weil, Rauch und Rauch blendet sich im gewissen Sinne auch gegenseitig aus. Und das größere oder der größere Geschmacksmoment ist so mit den gegensätzlichen Geschmackswelten noch besser herauszuarbeiten und noch schöner zu genießen.

Markus: Ja, sehr, sehr spannend. Und ich kenne das ja durchaus vom Bier, da gibt es ja auch das Rauchbier, grade hier in Bamberg und da war es eben am Anfang auch immer so, dass die Leute gesagt haben: „Ja, da musst du halt den rauchigen Schinken, den rauchigen Käse oder irgendwie so dazu nehmen.“ Das geht auch irgendwie, also kann man schon machen, weil es eben in gewisser Weise harmonisch ist, aber es ist eben nicht wirklich spannend, weil man halt nur mehr vom Selben hat, aber eben nix anderes. Und da haben wir zum Beispiel tatsächlich auch über ein Whisky- und Bier-Seminar, wo wir dann mit Whiskys gearbeitet haben und mit Bieren und mit Essen dann rausgefunden, dass es zum Beispiel eine ganz tolle Zimtpraline von unserem örtlichen Schokolatier gibt, die sowohl sehr schön zu einem Rauchbier-Doppelbock passt als auch zu einem eher rauchigem Whisky. Also wo man dann wirklich auch mit der süßen Ecke da zum Beispiel mal arbeiten kann und das hat echt gut funktioniert. Also insofern, Foodpairing ist super spannend. Also ich hatte so dieses Jahr, nee, letztes Jahr einen sehr krassen Moment, da war ich in Österreich und die Herausforderung war, dass der Koch sich ein Menü überlegt hatte von zehn Gängen, die alle mit Innereien gemacht waren und dazu wollte er dann jeweils passende Biere haben. Und das ist schon mal von der Anzahl der Biere natürlich krass, zehn Stück und dann vielleicht noch einen Aperitif und Digestif oder irgendwie so und natürlich dann diese speziellen Gerichte, die ich jetzt ja nun auch nicht alle kannte. Das ist ja auch so ein Punkt, das man ja sich ein bisschen was drunter vorstellen muss, aromatisch, was da jetzt auf dem Teller landet, um dann irgendwas zu finden, was sich da kombiniert. Wie gehst du da so ran, ist es für dich eher so, dass du sagst, du hast die und die Whisky-Palette und wir suchen was passendes zu Essen oder erlebst du es auch, dass jemand sagt, ich habe das und das Menü und bringe mir mal was Spirituosenmäßiges dazu, wie funktioniert das bei dir?

Helmut Knöpfle: Da bin ich schon so, ja, ein kleiner Egoist, weil, ich suche mir natürlich auch gerne, wenn ich ein Degustationsmenü moderiere und begleite und habe die Möglichkeit, mit dem Chefkoch mir was auszudenken, dann nehme ich natürlich auch gerne die Dinge, die ich gerne esse und gerne auf dem Teller habe natürlich, um da so eine Speisenfolge zu kreieren, die auch mir schmeckt, logischer Weise. Das ist der eine Punkt, wie man es machen kann. Das andere ist natürlich auch, dass der Chefkoch oder der Hotelinhaber oder der Veranstalter auch natürlich seine Ideen mit einbringen kann, was er denn gerne als, ja, Menüvorschlag, ja, haben möchte, weil es eben zum Haus passt oder zum Restaurant passt. Und von diesen verschiedenen Gesichtspunkten muss man eben dann die dazu passenden oder auch nicht passenden Whiskys aussuchen, damit sie eine möglichst komplexe Spanne an, ja, Degustationsvariationen hervorbringen. Ist ganz spannend einmal, weil ich grade sagte, was dazu passt und was dazu nicht passt, weil grade, wenn etwas absolut nicht passt, komplett polarisierend ist, dann ist es auch wieder so, dass man einen gewissen Reiz daran findet und dann, ja, unbewusst sucht, wo denn hier die Parallelen sein können, wo sie gar nicht vorhanden sein können, weil sie eben so weit auseinanderliegen, eben wie Vanilleeis und Schokoladensoße. Und das macht das ganze System, wenn man so möchte, macht es sehr interessant in der Zusammenführung der verschiedenen Whiskys zu den Menüfolgen. Weil, wenn man, sagen wir mal, 40, 50 verschiedene Whiskys aus einem Unternehmensportfolio zusammenführt, ist es wie ein Lottospiel eigentlich, ich habe sieben Whiskys aus möglichen 50 aus dem Portfolio. Und genauso wie beim Lottospiel habe ich die Möglichkeit, dass man also mehrere 100 Variationen dadurch erstellen kann, nur das Zusammenfügen der Whiskys in Kombination mit dem Paaren der Speisen dazu, um eine ordentliche und schöne Abfolge auf der einen Seite haben zu können und natürlich auch einen schönen Gaumenschmaus, eine Explosion, wie es ja oftmals bezeichnet wird, wie ein kleines Feuerwerk von einem Menü zum anderen. Und das macht die ganze Verkostungslinie, wenn man also das als Menü bezeichnet, so spannend und so interessant, weil es nahezu unendliche Möglichkeiten gibt, Speisen und Whisky zusammenzuführen.

Markus: Ja, generell Foodpairing ist für mich auch immer eine ganz spannende Geschichte, weil es ja so ist, dass man eigentlich zwei Dinge zusammenführt, die alleine schon gut sind, aber zusammen eben noch ein bisschen besser und überraschend. Und, ja, es vielleicht im Idealfall auch so ist, das keiner von den beiden gewinnt. Nun heißt das Ganze ja BierTalk und deswegen sollten wir zumindest mal ein Bierchen aufmachen. Es sei dir natürlich verziehen, dass du in diesem Moment jetzt nicht zu einem Bierchen greifen möchtest, ich habe aber mal eins ausgesucht, was auch ganz gut zu dem Thema heute passt. Ich mache es mal kurz auf, das hat hier nämlich erst mal oben so eine Schutzkappe und dann einen normalen Kronkorken.

Helmut Knöpfle: Dieses Geräusch macht Lust.

Markus: Ja, ne. Ich würde es dir jetzt gerne rüber reichen, aber das machen wir dann mal persönlich, wenn wir uns wieder treffen. Also wie schaut das Ganze aus? Ich habe jetzt hier in dem Glas ein Bier oder zumindest ein Getränk, sagen wir mal so, was so ein orange, braun hat, aber mit einem relativ intensiven Rotstich drin. Also das ist fast schon wie mit roten Beeren getränkt, so ungefähr schaut es aus. Oben drauf sitzt ein schöner weißer Schaum, leicht getönt. Und wenn man da dran riecht, dann ist es sehr fruchtig und auch so gewürzig, man hat so fast Gewürztraminer als Eindruck, dann geht es so ein bisschen in die Himbeere auch, in die Erdbeere. Also sehr spannend, sehr fruchtig. Ich probiere mal ein Schlückchen. Das ist sehr spannend, also es geht los und erinnert einen erst mal an Bier, also man hat ein bisschen malzige Aromen, ein bisschen Getreide, ein bisschen so wie Toast, aber dann kommen auch wieder diese fruchtigen Aromen. Dann hat es was von Apfel, geht dann auch wieder so in diese Gewürztraminer-weinigen Aromen und dann geht es über in rote Beeren, Kirsche, Himbeere, hinten raus kommt dann auch eine gewisse Säure. Und das bleibt relativ lange auch nach dem Trunk und, ja, ist eine sehr interessante, spannende Geschichte. Was habe ich da für ein Bier? Das nennt sich Zwei Welten und kommt von meinem Freund David Hartl, der hier eine Brauerei in der Nähe von Bamberg hat. Und der war vor Kurzem in Südtirol und hat dort mit einer Brauerei aus Südtirol zusammen ein Bier gemacht. Und das ist eben nicht nur ein Bier, sondern ein Bier-Wein-Hybrid. Das heißt, sie haben dann eben auch Trauben genommen von Weinbergen vor Ort und haben dann das Malz und die Trauben zusammen vergoren. Und das gibt sogar einen Bierstil, der nennt sich Italian Grape Ale, den die Italienern so ein bisschen für sich reklamieren, wo man eben dieses Zusammenspiel von Trauben und Getreide für die Erzeugung eines bierähnlichen Getränkes am Ende eben nutzt. Und das ist wirklich spannend und eine tolle Mariage, könnte man sagen, die sehr viel Spaß macht. Wir haben uns ja auch mal drüber unterhalten, das gibt es ja auch im Whisky-Bereich, dass man zum Beispiel einen Whisky nimmt und n ein gebrauchtes Fass gibt, wo zum Beispiel vorher ein IPA oder ein Stout oder sowas drin war. Wie hast du das so erlebt? Und eigentlich sozusagen ist ja Whisky doch sehr nah am Bier, also gibt es da für dich nicht doch eine gewisse Affinität?

Helmut Knöpfle: Die Affinität ist grundsätzlich natürlich gegeben, weil da, ja, einige Produktionsschritte sicher sehr, sehr ähnlich sind, wenn nicht sogar gleich. Nur, was eben das Bier vom Whisky unterscheidet, ist die Destillation und natürlich die jahrelange Einlagerung. Und, ja, wenn man so in der Geschichte zurückschaut, war ja das Fass ursprünglich als Transportmittel sehr, sehr wichtig, auch mit dieser typischen Bogenform, damit man es auch gut rollen und gut um die Kurve bringen konnte. Weil, ein zylindrisches Fass mit einem Inhalt von 200 Kilo Flüssigkeit, plus nochmal 50 Kilo Holz als zylindrischer Körper, wäre unmöglich, zwar nach vorne und zurück zu rollen, aber man würde es sehr, sehr schwer um die Kurve bringen. Deshalb hat so ein Fass auch so eine leichte Bogenform mit einer Auflagefläche, die vielleicht, ja, so groß ist wie zwei Briefmarken. Und mit diesem kleinen Punkt kann man natürlich so ein Fass auch angenehm durchs Lagerhaus rollen oder wo auch immer es hin muss. Und im Laufe der Zeit kam man ja auf die Idee, den Whisky ins Holzfass zu legen, um dem auch gewisse Holznoten, dieses Vanillin und die Bestandteile des Holzes angedeihen zu lassen. Das war ja vor 300 Jahren in Amerika, dachte man ja ursprünglich, es ist ein Negativmerkmal für den Whisky. Weil, der wurde beispielsweise produziert in Kentucky, wurde in Transportmaterial eingefüllt, also in Fässer eingefüllt, wurde auf einen Waggon gelegt, mit Pferden und ging dann beispielsweise von Kentucky dort durch die ganzen Staaten hindurch Richtung Westen, von mir aus, nach San Franzisco oder wo auch immer hin. Da waren die schon mal ein halbes Jahr unterwegs mit so einem Pferdefuhrwerk. Und im Laufe der Zeit auch durch den Einfluss der Hitze, hat natürlich der Whisky, sehr hochprozentig, mit 60, 65, 70 Prozent Fassstärke, wie man so schön sagt oder so, wie er aus dem Brennkessel kam, hat der natürlich gearbeitet mit dem Holz und hat aus dem Holz Geschmacksanteile extrahiert, Farbanteile extrahiert. Und noch vor, ja, 300 Jahren dachte man, als man ankam beispielsweise in San Franzisco, dass es für den Whisky ein Negativmerkmal ist, wenn der jetzt plötzlich Farbe bekam im Laufe der Zeit. Und es hat Jahrzehnte gedauert, bis man festgestellt hat, das der eigentlich runder, angenehmer, weicher und viel besser trinkbar geworden ist durch die Lagerung im Holzfass, und so hat sich im Laufe der Zeit die Holzfasslagerung entwickelt. Wir haben ja in Schottland diese Mindestlagerzeit von drei Jahren in einem Holzfass, und meistens sind die Whiskys natürlich älter, sieben Jahre, zehn, zwölf, 15, 18, 20, 25. Und je länger natürlich der Whisky Kontakt hat mit dem Holz, desto angenehmer bis zu einem bestimmten Grad wird er natürlich und desto mehr verschiedene Duftanteile, Geschmacksanteile extrahiert er natürlich aus dem Holz und wird zu dem, wie wir ihn kennen natürlich.

Markus: Ja und das finde ich jetzt ganz spannend, was du sagst, weil, das wusste ich jetzt so auch noch nicht. Bedeutet das eigentlich, dass dann die Holzfasslagerung von Amerika nach Schottland rückwärts exportiert wurde oder haben die Schotten das vorher auch schon so gemacht?

Helmut Knöpfle: Das ist eine gute Frage. Das muss wahrscheinlich auch in Schottland parallel gelaufen sein, dass man dort auch Fässer verwendet hat, um natürlich den Whisky einzulagern. Weil, seit wann wird in Amerika Whisky hergestellt? 200, 300 Jahre, 1766, wann auch immer. Seit wann wird in Schottland Whisky hergestellt? Es ging los im Jahr 1494. Also, da ist Schottland weit, weit voran und hat zu der Zeit auch schon natürlich ein Transportmedium oder ein Lagermedium gebraucht. Und wer waren denn die Leute, die in Amerika Fuß gefasst haben? Die ursprünglichen Einwohner, das waren die, die Christoph Kolumbus natürlich fälschlicherweise als Indianer bezeichnet hat, als er auf der Suche nach Indien war, das ist das eine. Die haben vielleicht geraucht, um mal, in Anführungszeichen, zu sprechen, aber sie konnten keinen Whisky, keine Destillate herstellen. Das waren die Einwanderer, kommend aus Irland, aus Schottland beispielsweise, aus Europa, die die Kunst der Destillation dabei hatten und sich natürlich das vorhandene Getreide, zunächst mal der Roggen, sich das zunutze gemacht haben und daraus Alkohol hergestellt haben. Also die Schotten mit ihren Ursprungspunkten, einmal Schottland natürlich und einmal auch aus dem Jahr 1296 nach Christus, als in Irland zum ersten Mal urkundlich dokumentiert der Whisky oder dieses Wasser des Lebens, das unv. #00:31:34-5# dokumentiert worden ist, liegt erheblich länger zurück als die Kunst der Destillation und der Whisky-Lagerung in den amerikanischen Fässern.

Markus: Ja, faszinierend. Also spätestens jetzt haben, glaube ich, alle Hörer mitbekommen, dass du wirklich ein echter Whisky-Experte bist. Wie wird man das eigentlich, also gibt es dafür eine Fachausbildung oder musstest du da irgendwo in die Lehre gehen oder wie eignet man sich so ein Wissen an?

Helmut Knöpfle: Ja, das ist, ja, dauert zunächst eine lange Zeit. Da erzähle ich gleich noch ein paar Geschichten auch dazu. Ja, spätestens jetzt, sagtest du, weiß der Hörer. Ja, ich muss da auch mich selbst etwas im Zaum halten, weil der Gesprächspartner, du zum Beispiel, du fragst mich für fünf Pfennig und bekommst für eine Mark eine Antwort. Und dann wird das Ding natürlich, dann sprechen wir nicht eine Stunde, sondern drei Stunden über das Thema Whisky. Weil, wenn ich im Reden bin, fällt mir natürlich das noch ein und das noch ein und das könnte ich noch erzählen. Und dann werden die Abende, die geplant sind mit zwei, zweieinhalb Stunden, die werden dann plötzlich zu vier, viereinhalb und fünf Stunden, von der Länge her. Und das ist ja auch das Schöne und das Angenehme dabei, das man über das Thema Whisky eigentlich nicht diskutieren kann. Ist jetzt so ein bisschen, ja, mit spitzer Zunge gesprochen, worauf ich hinaus will, wenn du fünf, sechs, acht Whiskys getrunken hast bei einer Verkostung oder bei einem Testing, beim Seminar, dann bist du auch nicht mehr so richtig in der Lage zu diskutieren, sondern, und das ist der schöne Effekt dabei, du bist in der Lage zu philosophieren. Und ich habe bei allen Whisky-Testing, also bei diesen 4.000 zurückliegenden Whisky-Testings, habe ich immer erfahren, dass der Whisky die Leute zusammenbringt, sie nicht aggressiv macht, sondern sie in die Philosophie führt und Freundschaften schließt. Und das ist das Wunderbare daran, drum mache ich diese Whisky-Testings auch sehr, sehr gerne, egal in welchem Kundenkreis oder in welchem Segment, ob das Motoradclubs sind, ob das Sommeliers sind, ob das Bierspezialisten sind oder einfach nur Konsumenten, die einfach gerne mal einen Whisky genießen. Wenn die Leute unter dem Dach des Whiskys, unter diesem schönen Baldachin Whisky zusammensitzen, dann sind sie in der Lage zu philosophieren, Freundschaften zu schließen und einfach das Leben zu genießen. Deine Frage, wie wird man zum Whisky-Experten, es ist auf der einen Seite natürlich die Liebe zur Spirituose, auf der anderen Seite auch die Liebe zu den Menschen. Vor Leuten zu stehen, den Leuten eine Information zu bringen, die sie vielleicht noch nicht in dieser Gänze kennen, natürlich auch die Leute zu unterhalten, einen schönen Abend zu gestalten oder eine schöne Zeit zu gestalten, um so ein bisschen Information, Hintergrundwissen und die Tiefe der Spirituose des Whiskys zu erklären, um eben noch bewusster genießen zu können. Wie wird man zum Whisky- oder zum Spirituosen-Spezialisten? Es sind Unmengen an Büchern zu lesen, an Fachliteratur zu lesen, viele Termine im Austausch mit Brennmeistern, mit anderen Markenbotschaftern, die Brennereien natürlich zu besuchen. Selbst auch viel Whisky zu probieren, nicht in Menge, sondern von der Unterschiedlichkeit natürlich und seinen eigenen Horizont innerhalb dieses kleinen Universums erheblich zu erweitern, um auch so einen gewissen Draufblick zu haben, was ist möglich innerhalb dieser kleinen Welt und was macht am meisten Spaß und worüber lässt sich wohl am besten informieren oder philosophieren in dem Fall. Der Punkt ist natürlich, jeder Küchenmeister, jeder Installateur, jeder Bäckermeister, der sich für sein Fach interessiert, hat genauso ein großes Wissen über sein Fachgebiet wie ein anderer beispielsweise. Also ein Universitätsprofessor weiß natürlich auch viel, weil er das schon über Jahrzehnte hinweg macht und weil er jeden Tag sich mit seiner Materie beschäftigt und sich dafür interessiert und nicht zweimal pro Woche zum Handballspielen geht, dann zum Fußballspielen und dann noch zum Schafkopfen beispielsweise. Also, man ist schon irgendwo getrieben von einem Wissensdurst und der geht ja immer weiter. Du läufst bis zum Horizont, möchtest erfahren, was ist dort. Dann stehst du am Horizont und siehst wieder einen Horizont und gehst wieder weiter und möchtest das noch wissen, das noch wissen. Und das ist so diese schöne Gegebenheit, dass das Aufsaugen des Wissens niemals endet. Also dass das Lernen über den Genuss über Whisky, über jedwedes Thema, hat niemals ein Ende. Und das ist das Schöne für uns Menschen, dass wir immer eine Aufgabe haben.

Markus: Das stimmt, das treibt einen an und lässt einen auch immer wieder neugierig sein. Und man muss natürlich auch sagen, es ist einfach noch diese zweite Komponente, also das eine ist, dieses Wissen der Materie an und für sich und das zweite ist eben, wie gebe ich das weiter, wie gehe ich da mit Leuten um, wie vermittle ich das dann, und das ist ja sicherlich nochmal eine andere Herausforderung. Apropos, ich habe bei dir gesehen, du hast noch so einen schönen Titel, ich hoffe, ich spreche ihn richtig aus, da steht Keeper of the Quaich. Habe ich es richtig ausgesprochen und was bedeutet das?

Helmut Knöpfle: Ja, du hast es richtig ausgesprochen, Keeper of the Quaich sagen viele. Auf Deutsch übersetzt heißt dieser Titel, der Hüter der Schale. Die Schale, das ist so ein Trinkgefäß, ein typisches Trinkgefäß aus Schottland. Man muss das mit beiden Händen fassen, kommt aus der früheren Zeit, damit man seinem Gegenüber, wenn beispielsweise die verfeindeten Clans, die jetzt Frieden schließen oder irgendwelche Leute, die sich eben treffen und sich vielleicht nicht so grün waren ursprünglich, dass man beide Hände an dieser Schale hatte. Also nicht parallel zum Trinken noch ein Messer oder eine Waffe ziehen konnte, um den anderen zu verletzen, um die tatsächliche Freundschaft zu begießen und darauf anzustoßen. Deshalb hat man also da in Schottland diesen Quaich, diese Schale gehabt, um eben, ja, sich zuzuprosten oder sich eine gute Gesundheit mit dem Anstoßen zu wünschen. Und da gibt es seit dem Jahr 1989 eine Vereinigung in Schottland, die Leute, die sich besonders verdient gemacht haben zum Thema Scotch Whisky, die werden berufen, ausgesucht, eingeladen nach Schottland auf Blair Castle und werden in einer großen Zeremonie mit dem Titel, der auf Lebenszeit gilt, Keeper of the Quaich, ausgezeichnet. Und man muss sich das vorstellen wie so eine Art Firmung, man wird aufgerufen, es wird ein, ja, es wird erzählt über die Dinge, die man geleistet hat im Scotch-Whisky-Business. Und zur Zeremonie legt man die rechte Hand an einen übergroßen Quaich, an eine große Schale und schwört gewissermaßen die ewige Treue auf den Scotch Whisky und wird somit in den Stand der Keepers of the Quaich erhoben. Und dann ist eine große abendliche Feier mit verschiedenen Duks, mit Earls, mit Royals aus Schottland und wird also dann in diesen Stand der Keepers of the Quaich berufen oder erhoben, wenn man so möchte. Ausgezeichnet natürlich mit einer Urkunde, die hier auch im Büro hinter mir hängt. Und das war, ich gucke mal drauf, am 26. März 2018 auf Blair Castle in Schottland. Und die eigene, wenn ich da noch weitererzählen darf, die eigene Zeremonie, die Hand an die Schale zu legen und auf den Whisky zu schwören und die Auszeichnung zu bekommen, das ist das eine, was also sehr, sehr beeindruckend ist, wo schon beim Erzählen sich bei mir die Haare aufstellen und um einen Stehplatz raufen. Aber das, was ebenfalls gleichsam bedeutsam und beeindruckend war für mich, ist der Abend, wo es also ein Whisky-Diner gab, natürlich mit Haggis und so weiter, wo also diese Royals, die auch zuhause bleiben hätten können, sich Deutschland sucht den Superstar anschauen oder was weiß ich im schottischen Fernsehen kommt, nein, die kommen auch zu dieser Zelebration, zu diesem Abend. Und dann steht einer von den Duks auf, geht nach vorne auf die Bühne und singt Acapella, alleine, ohne Begleitung, ein schottisches Lied vom Burns zum Beispiel. Also dann ein anderer, der sich kaum auf den Händen halten konnte, steht auf und ist mit zittrigen Händen und spricht zu den neuen Keepers. Also ich war der einzig Deutsche, der im Jahr 2018 in diesen Stand erhoben wurde, es waren 29 andere weltweit, die diesen Titel bekamen. Und erst im Nachgang habe ich dann mitgekriegt, dass dieser Royal, der mit zitternden Händen sich auf den Tisch gestützt hat, dass der im Krieg sechsmal verwundet worden ist und mit einem Rollstuhl kam und extra aufstehen wollte, sich eben mit den Händen am Tisch abgestützt hat, um zu den neuen Keepers of the Quaich zu sprechen. Und das ist, also das war für mich mal absolut beeindruckend, dass jemand kommt, der an den Rollstuhl gefesselt ist, gezeichnet vom Krieg, von wo auch immer her und spricht zu mir, zu einem kleinen Licht, der Whisky-Testings macht in Deutschland, spricht zu mir und freut sich, dass ich jetzt einer von den Keepers bin. Und das ist mal richtig beeindruckend und das begleitet mich das ganze Leben. Auch dieser Titel, es ist nicht, dass ich mich jetzt da auszeichne mit dem Titel, sondern es ist also nicht so, dass der Titel den Mann ehrt, nach meinem Verständnis, sondern der Mann ehrt den Titel. Also so, wie ich vorgehe, so wie ich bin zu den Menschen in den Testings, zu meinen Nachbarn, zu meinen Kollegen, ist es der Mann, der den Titel ehrt. Also ich habe auch etwas zu ehren, weil ich eben diesen Titel verliehen bekommen habe. Und das ist ganz wichtig und sehr beeindruckend für mich seit dieser Zeit, seit dem 26. März 2018.

Markus: Es gibt in der Bierwelt was Ähnliches, das ist die Knighthood of the Brewer´s Paddle in Brüssel, wo man dann eben auch als Bierfachmann sozusagen in den Ritterstand erhoben werden kann für das belgische Bier. Und das ist auch sehr, sehr stark zeremoniell und ist auch immer mit viel Gänsehaut verbunden. Und wie du schon sagst, das ist eben so, dass diese Leute, die diese Auszeichnung bekommen, dann eben auch erst Recht den Titel ehren, also dann eben auch aktiv sind. Und das ist vielleicht noch ein Punkt, über den wir reden sollten in dem Podcast, wie man dich denn erleben kann. Und da gibt es die ganz einfache Version, man kann dich als Buchautor erleben, weil, du hast auch schon ein paar Bücher geschrieben, oder?

Helmut Knöpfle: Genau, bei dem Thema, wenn du sagst, ein paar Bücher, dann hört sich das an wie zehn, 15, 20 Stück, ein Paar muss man in dem Fall auch wirklich nehmen, es sind nämlich nur zwei. Eins davon hat den Titel, Praxishandbuch Bar und Gastronomie. Das hat auch eine schöne Geschichte eigentlich als Hintergrund. Nämlich als ich angefangen habe, in der alkoholfreien Getränkeindustrie unterwegs zu sein, das war ich von einem Gastronomen zum anderen. Ich hatte in dem kleinen Gebiet, das ich betreut hatte bei Coca Cola, 550 Kunden, Gastronomie, Betriebsmärkte, alles Mögliche. Und ich habe mir bei jedem, es gab ja so, und das gibt es auch heute noch, so kleine Bedienungsblöcke und die hatte ich immer im Auto dabei und habe mir immer Notizen gemacht, was ist eigentlich interessant bei dem Gastronom, was macht der Gastronom gut oder der Veranstalter oder der Hotelbesitzer, was macht er richtig schlecht und wo ist es zu verbessern. Habe ich mir nur für mich eben auf Bedienungsblockzettel aufgeschrieben und das Ganze über einen Zeitraum von fünf Jahren. Ich habe die Zettel, habe ich gesammelt in einer großen Schuhschachtel, wo so Winterstiefel drin sind. Diese Schuhschachtel, die war echt gefüllt bis ganz nach oben hin. So, jetzt habe ich irgendwann Mal mir überlegt, was mache ich mit dem ganzen Papier? Ich schmeiße das jetzt einfach weg, weil es sowieso nur rumsteht. Und dann fing ich an, diese Zettel auszusortieren und nach bestimmten Themenfeldern zu kategorisieren. Und dann ging es los, da könnte man da eine Abhandlung schreiben, da eine Abhandlung schreiben. Und mehr und mehr, es dauerte vielleicht so ein Dreivierteljahr, Jahr ungefähr, hatte ich mir dann natürlich auch als Ziel gesetzt, dass mal in einer Word-Datei runter zuschreiben, da hatte ich circa 280 Seiten an Material zusammengefasst. Und so ist das dann entstanden, dass man über einen Verlag, dass sich da ein Buch draus entwickelt hat. Das war das Erste, also das Praxishandbuch Bar und Gastronomie. Und das zweite ist relativ jung, das kam jetzt im Jahr 2019, glaube ich, auf den Markt, über die Tätigkeit in der, ja, an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Wo wir auch unserer beider Link haben, wenn ich bei dir in Kulmbach beispielsweise bin mit der Ausbildung zum Edelbrand-Sommelier. Und da wurde ich gefragt über die Dinge, die ich in Weihenstephan spreche, ob man da nicht die Möglichkeit findet, ebenfalls ein Buch zu schreiben? Und dann habe ich natürlich sehr großspurig gesagt: „Natürlich, das mache ich innerhalb von einem halben Jahr, ist das fertig. Und wie viel Seiten sollen geschrieben werden?“ Sagen die: „Ja, locker 200.“ So und dann habe also diesen Autorenvertrag unterschrieben und habe mir gedacht, naja, innerhalb der Sommerferien werde ich mal schnell ein Buch schreiben. Ich saß da, den ersten Tag saß ich da, mir ist nichts eingefallen, ich konnte mich mit der Gliederung nicht arrangieren, am zweiten Tag saß ich da, ich war am Boden zerstört. Ich war soweit, dass ich bei der Verlagsansprechpartnerin angerufen habe und ich wollte diesen Autorenvertrag, wollte ich stornieren. Gott sei Dank hatte die auch Urlaub, ich habe nur auf Band gesprochen, bitte rufen Sie mich zurück, ich muss da was sagen. Und am dritten Tag weil ich so entspannt war, weil ich jetzt keinen Druck mehr hatte, plötzlich ist die Feder gelaufen und innerhalb von vier, viereinhalb Monaten haben sich 194 Seiten, Marketing, Information zusammengefunden auf Papier. Und so entstand ein Buch, Marketing für Brenner. Also für Obstbrenner, wie kann der lokale Obstbrenner, der nur eine kleine Menge natürlich an Spirituosen herstellt, wie kann der in seiner Umgebung noch effektiver werden, wie findet er den Weg in die Gastronomie, zum Facheinzelhandel, zum Fachgroßhandel mit seiner Menge, die er eben herstellen kann, um eben so ein bisschen mehr auf sich aufmerksam zu machen und seine regionalen Produkte schön anbieten und verkaufen kann. Und somit sind also bisher zwei Bücher entstanden, auch natürlich mit viel Herzblut logischerweise, ja, um einfach dem Menschen oder dem Leser etwas Gutes zu tun.

Markus: Ja, das hast du auf jeden Fall, also die beiden Bücher stehen bei mir natürlich auch im Regal und sind auch in Benutzung. Und du hast wirklich sehr schön diesen Moment beschrieben, das geht mir auch immer so, wenn es eben drum geht, das nächste Buchprojekt anzufangen oder den nächsten Artikel oder so. Es ist nicht so, dass man sich hinsetzen kann und sagt: „Ich schreibe jetzt los.“ Sondern es braucht einfach den Punkt, manchmal ist das ein Tag, manchmal sind es zwei, manchmal ist es auch eine Woche, manchmal sind es zwei, bis der Punkt einfach erreicht ist, wo es dann läuft, aber dann läuft es. Also das muss man einfach überschreiten und dann ist es spannend und dann ist dann auch dieser kreative Prozess am Laufen und das finde ich wirklich ganz toll. Und wie ist es, wenn man dich jetzt persönlich erleben will, also was müsste ich da jetzt tun, um zum Beispiel mit dir ein Testing erleben zu können?

Helmut Knöpfle: Du hast ja auch meine Privatnummer natürlich, du rufst mich an, wir stimmen einen Termin ab und dann komme ich zu dir, also ist relativ unkompliziert. Da ich ja in neuer Position bin in einer sehr bekannten oberbayrischen Obstbrennerei, die auch Rum und Whisky und Liköre herstellt, geht die ganze Organisation natürlich seit dem 01. Januar diesen Jahres über die Firma logischerweise. Also kann der Interessent, der Wiederverkäufer oder der, für den es interessant ist, ja, kann mich natürlich ansprechen und dann werde ich genauso einen Termin vereinbaren und ein Whisky-Testing, ein Obstbrand-Testing oder was auch immer der spezielle Gusto ist, dann vor Ort durchführen.

Markus: Vielleicht so als Abschlussfrage, wie kamst du denn da dann hin? Also was bringt einen von diesen ganzen schottischen Highlands und Schlössern und Lords und was auch immer, bringt einen dann dazu, ins Voralpenland zu wechseln und sich da dann mit Obstbränden zu beschäftigen?

Helmut Knöpfle: Das ist auch eine sehr persönliche Entscheidung, möchte ich mal sagen. Ich bin jetzt seit dem Jahr 1994 nur in der Industrie tätig. Industrie heißt also, weit über 2.000 Mitarbeiter, weltweit natürlich. Coca Cola hat erheblich mehr, Campari hat mehr, Schlummberger hat vielleicht ein bisschen weniger, Morisson Bowmore hat weltweit auch mit Santori sehr, sehr viele Mitarbeiter. Also man ist schon irgendwo ein sehr stark leuchtendes Birnchen, aber man ist immer nur ein kleiner Punkt in einem großen Unternehmen. Und die Entscheidungen oder die Ideen, die ich gerne umsetzen möchte, ist bei einem großen Unternehmen erheblich schwieriger durchzusetzen als bei einem kleineren Unternehmer. Man muss sich das vorstellen, du hast ein großes Tankschiff auf dem Ozean, der fährt langsam mit einer großen gewaltigen Masse durch das Weltmeer. Bis der mal eine 45°-Drehung oder eine 90°-Drehung machen kann, braucht es erheblich Energie, erheblich Zeit im Vergleich zu einem kleinen Sportboot. Das kleine Sportboot macht zack, zack und hat sofort eine 180°-Wendung oder eine 90°-Biege drin. Also man kann in einem kleinen Unternehmen erheblich schneller, effizienter und nach eigenen Ermessen reagieren, auf den Markt reagieren, im Vergleich zu einem großen Unternehmen. Ich spreche verschiedene Werbemaßnahmen an oder verschiedene Testings, die anders gestaltet werden können oder die Produktion von neuen Whiskys oder mehr auf Fassstärke zu gehen. Da sind in einem kleinen Unternehmen die Entscheidungswege erheblich kürzer, erheblich schneller als in einem großen Unternehmen erst mal eine E-Mail zu schreiben, dann in ein Meeting zu gehen, in nochmal eins, dann braucht man Schulterblick, dann muss man nochmal eine Schleife drehen und so vergehen Wochen um Wochen, bis eine Entscheidung zu einem Produkt oder zu einer Kategorie gefällt werden. Im Vergleich zu einem kleinen Unternehmen wie Lantenhammer in Hausham hier am Schliersee. Da ist die Firmenleitung, das sind vier, fünf Leute, die eine Entscheidung treffen können und mit denen kann ich direkt sprechen und dann ist eine neue Maßgabe, ist sehr, sehr schnell und effizient herbeigeführt. Und das ist so für die letzten Jahre meines beruflichen Lebens, ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste, ist es so ein schöner Wechsel in einem effizienten, schnell, entscheidungsträchtigen Unternehmen nochmal tätig zu werden, um einfach die Erfahrung, die ich jetzt über die letzten 30 Jahre erworben habe, nochmal richtig auszureißen und in große Effizienz umsetzen zu können.

Markus: Und hast du schon ein Projekt, wo du jetzt sagst, okay, das will ich auf jeden Fall jetzt in der nächsten Zeit priorisieren, umsetzen? Was möchtest du da bewegen, gibt es da einen Punkt?

Helmut Knöpfle: Die Projekte, ist natürlich auch eine gewisse Geheimhaltung, wo ich jetzt nicht alles natürlich raus lassen darf. Es geht auf der einen Seite natürlich um neue Produkte, um Produktentwicklungen. Auch das genaue Beobachten des Marktes, wird denn der Whisky-Markt … wir gehen mal 40, 50 Jahre zurück, da war Cognac ein sehr, sehr wesentliches Produkt innerhalb … wenn man das jetzt auf den deutschen Markt bezieht, das war mit Chantre, mit Asbach, das Rüscherl zum Beispiel, da war also der Cognac sehr, sehr manifestiert innerhalb des deutschen Marktes. Und mehr und mehr kam in dieser Partyszene beispielsweise der Beam-Cola, Jim-Beam-Cola oder der Jacky-Cola, der also vom Asbach, wenn man das so nennen möchte als Produkt, der hat große Verluste hinnehmen müssen. So und der typische Jacky-Cola-Trinker, der wird ja irgendwann mal heiraten. Der geht mit 18 in die Discothek, hat seinen ersten Kontakt mit Jacky-Cola, wird dann irgendwann mal weggeheiratet. Ist 28 Jahre alt und muss dann hoffen, dass die Schwiegermutter oder der Schwiegervater mit einer ordentlichen Flasche Single Malt Scotch Whisky ankommt, weil er ja nicht mehr weg darf, weil er Hausarrest hat von seiner Frau, nicht mehr in die Discothek kann, aber doch weiterhin genießen möchte. So und inwieweit trägt sich der Whisky, der ja eine lange, lange Hochzeit mittlerweile hat, wie lange trägt der sich noch und was kommt nach dem Whisky? Haben wir zwingend nur den Single Malt Scotch Whisky als, ja, das wesentliche Produkt auf dem Markt? Nein, natürlich nicht! Wir haben asiatische Whiskys aus Taiwan, aus Japan, wir haben so viele deutsche Hersteller, die mittlerweile auch einen sehr, sehr guten Whisky herstellen- Das ist nur das Segment Whisky, aber was kommt nach dem Whisky? Hat der Cognac ein Revival? Wird es der Rum sein? Wie ist es denn mit dem Gin, wir haben ja auch unendliche Gins. Und das ist so meine Aufgabe als Markenbotschafter, ich bin so das Bindeglied zwischen Vertrieb und Marketing. Also ich bin derjenige, so im übertragenen Sinn gesprochen, ich bin derjenige, der das Parkett besorgt, der das Marketing installiert, das Parkett, damit der Vertrieb ordentlich drauf tanzen kann. Das will heißen, dass ich konkret auch auf der Suche bin nach neuen Trinkanlässen oder nach bestehenden Trinkanlässen, die auszufeilen und einen Genussmoment für die nächste Generation, die in das legal drinking age kommt, dementsprechend auch verfügbares Einkommen hat, um einen neuen Getränke- oder trinkanlass, einen Trinkimpuls, einen Genussimpuls zu erfahren und das in eine neue Welt, wenn man so möchte, zu bringen, um eben den Genussmoment nicht im Sande verlaufen zu lassen, sondern einen neuen Moment zu schaffen für eine kommende Generation. Schwierig ausgedrückt, da lässt sich auch philosophieren bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, aber es ist durchaus wichtig und interessant, diesen Genussmoment, also nicht das Wirkungstrinken, sondern das Genusstrinken mit Sinn und Verstand weiterhin hochzuhalten, natürlich auch in einem entsprechenden Luxussegment oder in einem Preissegment, um dem Menschen, dem Konsumenten, der sich dafür interessiert, eine schöne Zeit am Abend oder am Wochenende zu bereiten.

Markus: Ja, absolut und das ist auch eine Herausforderung, die ja zum Beispiel die Bierwelt genauso kennt. Und da muss ich sagen, das wäre vielleicht dann mal ein weiterer Podcast mit dir, den wir in ein paar Monaten vielleicht mal machen können, wie sich da so weiterentwickelt hat. Weil wir in der Bierecke ja zum Beispiel das Thema haben, da geht man ja jetzt auch mal weg vom Thema Alkohol und sagt, okay, dann ist eben der Bereich alkoholfreie Bier ein großer Wachstumsmarkt, der ja jetzt in den Sommern teilweise schon bis zu 30 Prozent ausmacht und wo man auch weiß, dass bei den jüngeren Zielgruppen das tatsächlich ein immer, immer größeres und wichtigeres Segment wird. Was es natürlich auch bei der Spirituose gibt, aber das ist natürlich sehr viel schwerer vorstellbar, wie man einen 40 Jahre alten fassgereiften Whisky in einer alkoholfreien Variante darstellen möchte. Also, wie gesagt, da können wir vielleicht mal einen eigenen Podcast dazu machen, fände ich auch sehr spannend. Vielleicht zum Abschluss noch, gibt es so eine Sache, wo du sagst, das ist so mein größtes Learning oder mein größtes Highlight, was ich aus meiner ganzen Zeit als Markenbotschafter mit all meinen Seminaren so mitnehme?

Helmut Knöpfle: Wenn ich zurückblicke auf 4.000 Veranstaltungen, ich habe oftmals och Bilder von Veranstaltungsstätten, von Situationen, von lustigen Sachen, von beeindruckenden Sachen, ich habe ja auch die ganzen Seminarre, die Vorträge, ich habe überall ein Formblatt dazu. Ich kann es nicht mehr unbedingt als Bild verknüpfen, manchmal zuordnen, weil es einfach schon zu viel ist. Dazwischen liegen auch pro Jahr um die 80.000 Kilometer, die ich zurücklege. Das sind mittlerweile zusammengerechnet knapp über zwei Millionen Kilometer, die ich auf deutschen Straßen im Auto zurückgelegt habe. Und da ist natürlich auf diesen langen Fahrten, wird natürlich viel telefoniert und viel sinniert und viel überlegt, was interessiert den Menschen oder was könnte den Leuten am heutigen Abend besonders viel Spaß machen. Und was ist das Highlight aus 4.000 Seminaren, die man als Vortragsredner hinter sich gelassen hat? Da gibt es nur einen Extrakt daraus, nämlich, wenn die Leute nach zwei, drei, vier, wie auch immer wie vielen Stunden, wenn die am Abend zufrieden sind, wenn sie sagen, das hat ihnen gefallen, es war ein netter Abend, sowas könnte man gerne wiederholen, sie haben was Neues erfahren, sie haben gelacht, sie haben Spaß gehabt bei der Verkostung, sie haben neue Geschmacksvarianten entdeckt zum einen. Und was für mich jedes Mal ein Highlight ist, ein kleines Highlight bei jedem Abend, wenn die Seminarteilnehmer, es müssen nicht alle sein natürlich, wenn ein, zwei, drei Leute kommen, verabschieden sich persönlich mit Handschlag bei mir, haben vielleicht noch die Zeitschrift Der Whisky Botschafter dabei und ich soll ihnen unterschreiben drauf, eine kleine Widmung dazu schreiben, das ist für mich so das Brot oder der Honig, der runter läuft nach einem langen Abend, der Dank der Leute, wenn man sich mit einem Handschlag, jetzt mittlerweile ist es ja nur die Faust, die zusammenstößt oder der Ellbogen beispielsweise, aber wenn die Leute zufrieden sind, mit einem Lächeln zufrieden nach einem Seminar rausgehen aus dem Veranstaltungsraum oder dem Lokal und einfach den Abend genossen haben und ich ihnen eine schöne Zeit bereiten konnte, dann habe ich mein kleines Highlight, das mittlerweile über 1.000e sind, erfahren. Und das mich dann auch zufrieden ins Hotel oder nachhause kommen lässt, wo ich sage: „Ich habe den Menschen was Gutes getan.“ Ich hatte selber natürlich auch Spaß dabei und es haben sich Freundschaften gefunden und so ist es einfach so, wie eine Wolke, auf der man schwebt und in guter Zufriedenheit in die Zukunft gehen kann, mit dem, was man, ja, aus der Vergangenheit mitnimmt.

Markus: Ja, also da hast du mir völlig aus der Seele gesprochen, das geht mir auch so. Ich denke mal, das ist einfach toll zu sehen, dass man bei den Leuten was bewirkt, dass man auch von der Einstellung her ein bisschen was verändert. ich höre oft so nach einem Testing, dass die dann zu mir in der Verabschiedung sagen: „Ich werde ein Bier nie wieder so trinken wie vorher“ und das ist schon mal einfach eine Sichtweise, wo man wirklich was verändert hat und wo man auch sagt: „Okay, das war jetzt natürlich ein Genussabend, aber es war schon auch was, wo man Leuten wirklich was mitgeben konnte.“ Ja und du hast uns und mir heute auf jeden Fall auch viel mitgegeben. Also auf jeden Fall vielen, vielen Dank für diese tolle BierTalk-Stunde mit dir. Heute mal ganz abseits vom Bier, aber sehr nah beim Whisky, der ja im Grunde von der Grundsubstanz her auch ein Bier ist, also dann doch wieder ein bisschen BierTalk. Und, ja, von meiner Seite aus vielen, vielen Dank und wer weiß, vielleicht machen wir mal eine Fortsetzung und schauen mal, was du so in einem halben Jahr, Jahr, dann schon umsetzen konntest und gucken mal ein bisschen bei Lantenhammer rein, was du so angestellt hast, vielen Dank.

Helmut Knöpfle: Sehr gerne, es war mir eine große Ehre und ich wünsche viel Spaß beim Hören. Und weiterhin auch bei dir in deinem Podcast, lieber Markus, viel Spaß bei vielen interessanten Gesprächen, die in der Zukunft noch kommen werden. Und ich bin hocherfreut, dass ich die Nummer 77 hatte, die sogenannte Schnapszahl, vielen Dank.

 

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